Drei Kilometer

Nun kommt Buch fünf der Bloggerdebutshortlist.

“Drei Kilometer”, der 1990 in Nürnberg als Tochter rumänischstämmiger Eltern geborenen Nadine Schneider. Das Buch ist bei “Jung und Jung” erschienen und ich habe, glaube ich, zum ersten Mal davon gehört, als ich auf der “Jung und Jung-Facebookseite” bezüglich Peter Handke nachgegooglet habe.

“Wir sind Nobelpreis!”, ist da gestanden und davor oder dahinter, daß Nadine Schneider ihr Debut auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen wird.

Ein dünnes Buch, das sehr ruhig und manchmal mit vielleicht zu schönen Metaphern von dem letzten Sommer in Rumänien vor der Revolution erzählt und dem auf dem Puplikumranking der Debutpreisseite, die größten Gewinnchanchen eingeräumt wird.

Von einem Dorf im Banat, drei Kilometer, wie schon der Titel besagt, von der jugoslawischen Grenze entfernt und das ist der Sehnsuchtsort der drei jungen Leute, die in dem Buch eine Rolle spielen.

Anna, die Ich-Erzählerin eine wahrscheinlich, um die zwanzig junge Frau und ihre zwei Freunde Hans und Misch. Die Beiden wollen über die Grenze in die Freiheit, Hans weil sein Bruder sich schon darüber machte und er deshalb nicht studieren durfte, sondern in der Fabrik arbeiten muß.

Anna zögert, weil sie ihre Familie, den Vater,  die Mutter und die Großmutter, die schon zu alt ist, um fortzugehen, nicht alleine lassen will.

Die Großmutter stirbt dann, glaube ich, am Ende des ersten Kapitels, des dreiteiligen Buchs.

Anna, die Lakiererin in einer Fabrik ist, obwohl sie das Lizäum besuchen hätte können, geht in ihren Erinnerungen in ihre Kindheit zurück, denkt an den Jahrmarkt, den sie einmal mit der Großmutter besucht hat und an die Wahrsagerin, die dort die Zukunft voraussagte, die das Kind so gerne wissen wollte. Als die großmutter in das Gespräch mit einer Bekannten vertieft ist, stiehlt sie sich in das Zelt der Zigeunerin, die Großmutter holt sie zurück und das Päckchen, das ihr die Zigeunerin schenkte, enthält nur Sand, was das Kind enttäuschte.

Es gibt auch einen schwarzen Hund, der Anna als Kind in die Hand gebissen hat und der sie seither abgöttisch liebt, als er alt und schwach ist und daher getötet werden soll, ist es Anna, die das mit Tränen in den augen und den Hund am Schoß tut.

Misch wagt den Sprung über die Grenze und der Vater bekommt sogar ein Ausreisevisum nach Deutschland und kommt zurück, weil er die Familie nicht verlieren will.

Das ist schon im Sommer 1989, wo man in dem Dorf nur die Gerüchte hört, daß es den Leuten in der Stadt schlecht geht, daß sie keinen Strom und keinen Nahrungsmittel haben und, daß es zu Unruhen kommt.

“Die Unruhen kamen nicht in unser Dorf, ins Dorf kam nur die Angst.”, lautet einer der schönen Sätze.

Anna will mit Hans, den sie vorher für einen Spitzel gehalten hat, mit in die Stadt demonstrieren gehen. Hans geht dann allein und kommt erst später verletzt zurück. Dann sieht man im Fernsehen, die Erschießung Ceausescus und zuletzt fährt Anna in die Stadt, um sich ihre Ausreisepapiere zu holen.

Das Buch ist Nadine Schneiders Vater gewidmet, der ihr viel von seiner rumänischen Heimat erzähllte.

Es erzählt nicht die Geschichte ihrer Eltern, sagt sie in einem Interview und ich habe ein sehr ruhiges, realistisches Buch in einer sehr schönen Sprache gelesen, wo manche Sätze hängen geblieben sind, manche vielleicht fast ein wenig übertrieben wirken.

Ein Buch, das wahrscheinlich, wenn es nicht auf Shortlist gekommen wäre  an mir vorübergegangen wäre, weil es auf keine andere mir bekannte Preisliste gekommen ist,  ich  nicht in Frankfurt und auch auf keiner Lesung war, wo es vorgestellt wurde.

Und hier noch das Interview von der “Debutpreis-Seite”.

Der Kreis des Weberknechts

Nun kommt schon Buch vier der Bloggerdebutshortlist, Ana Marwans “Der Kreis des Weberknechts”, die 1980 in Slowenien geboren wurde, nach Österreich kam, 2008 den Exil-Preis gewonnen hat und nun bei “Otto Müller” ihr Debut vorlegte, das am Buchrücken als “Hervorrragender Debutroman der von übersättigten aber dennoch sinnsuchenden modernen Menschen erzählt”, gelobt wird und am Klappentext kann man noch etwas von “herrlicher Ironie” lesen, in der die Autorin, ihr Spinnennetz gewebt hat.

Worum geht es in dem Buch?

Es geht um den Misanthropen  Karl Lipitsch, der sich in ein Haus mit Garten zurückgezogen hat, um die Menschen zu meiden, in Büchern zu lesen und an einem allfassenden philosophischen Werk zu schreiben.

So weit so gut und fein ausgedacht. Dann fährt er aber zu einem Begräbnis und wird am Flughafen von seiner Nachbarin Mathilde angesprochen, die zehn Tage später mit Kaffee und Kuchen in der Hand, vor seiner Gartentür auftaucht und ein sich Umlauern, sich Umwerben, Zurückstoßen und immer Wiederkommen  beginnt.

Ein bißchen könnte man da an Adalbert Stifter und seinen “Hagestolz” denken und dabei beobachten, wie der Misantrop der schönen Frau verfällt. Es kommt zu einem Gegengeschenk, einem Honigglas von dem das “Spar-Ettikett” durch ein Handgeschriebenes, ersetzt wurde, dann zu einer Einladung in den nachbarlichen Salon.

Schließlich bittet er sie jeden Freitag zum Kaffee, weist das “Du-Wort” aber zunächst zurück, denn mit Distanz kann man sich besser ausdrücken, geht dann mit ihr in ein Konzert, gesteht ihr seine Liebe, bis sie schließlich mit Freunden auf Urlaub fährt und die Liebe zerbricht.

Am Anfang war, ich muß ich gestehen, von der schönen Sprache und der genauen Schilderung der Begegnung begeistert und habe gedacht “Uje, jetzt muß ich schon wieder würfeln!“, ironisch hab ich das Buch eigentlich nicht empfunden, sondern gedacht, daß sich der Hagestolz, der schüchterne junge Mann, es steht aber nirgends, wie alt dieser Karl eigentlich ist, in die schöne Frau verliebt und ich hatte schon einige schüchterne junge Männer in meiner Praxis und kenne mich da vielleicht ein bißchen aus.

Später habe ich das Buch und den Stil eher altmodisch empfunden und mit dem Schluß, der in einer philosphischen Wendung und bei Nietzsche endet, bin ich  nicht ganz mitgekommen.

Wahrscheinlich mag ich auch keine Bücher, wo Menschen von den Stärkeren übern Tisch gezogen, ausgenützt und zerstört werden, was aber eigentlich  nicht geschieht, denn Karl hat am Ende, nach zwei Jahren Einsamkeit, sein Buch fertiggeschrieben und auch beschloßen  an den Anfang  zurückzukehren und Anna Marwan hat  ihre  gut konstruierten Wendungen, um dieses Spinnennetztreiben, vielleicht  nur etwas zu lange ausgedehnt.

Und hier noch  zum Interview auf der Debutpreisseite.