Der dritte Nanowrimotag

Und weils so gut geht, kommt gleich der nächste Schreibbericht. Der Stand vom Sonntag Abend 15 039 Worte, als ich die letzten vier Szenen eingegeben haben, waren es noch 15182 und seltsamerweise steht in meinem Statistikprogram 13 393, ich weiß nicht warum, weil ich die Worte manuel eingebe und nicht den Text kopiere.

Es sind jedenfalls neun Szenen und über dreißig Seiten und am ersten Tag habe ich vier geschrieben, am Samstag wars nur eine, weil ich ja am Vormittag am Markt war, da die Doris Kloimstein getroffen habe, mit ihr Cafe getrunken, literarisch diskutiert habe und anschließend noch beim Friseur gewesen bin.

So habe ich erst am Nachmittag angefangen und ab sechs gab die Videos der Online-Autorenmesse. So habe ich die Szene der Henrike, sie ist sehr lang und umfangreich, dreimal korrigiert, weil die Schwierigkeiten lag, hier in den Namen, wie heißt jetzt der Ehemann und Nos Großvater, irgendwo steht Hans, aber eigentlich wollte ich ihn Walter nennen und bei Gerits Widersacher schrieb ich in Szne zwei oder drei Peter Schuster, aber so heißt sie ja selber, wie ich bei der nächsten Gerti Szene darauf gekommen bin. Mit den Namen haperts also noch, denn ich bin ja eigentlich mit drei Personen gestartet.

Dem Ulrich, als Hauptprotagonisten, der No, die namensgebende Figur und die Gerti Schuster, aber dann kam noch die Großmutter Henrike hinzu, der Harry Krempinsky, der Besitzer des Nachtcafes, Ulrichs Freundin Anna, die ihn verlassen hat, Dorothea Hartinger, seine ihn behandelnde Psychiaterin, die mit der Anna einmal in einer Wohngemeinschaft lebte und und und….

Die Namen entstehen in den einzelnen Szenen und da habe ich die Henrike- Szene gestern dreimal korrigiert, weil auch der Handlungsverlauf beim Herunterschreiben nicht ganz logisch war und weil mich offenbar das schlechte Gewissen packte, bin ich heute um halb vier oder so aufgewacht und habe die nächste Szene geschrieben, die wo, die Anna im OP steht und man verfährt, daß sie den Ulrich deshalb verlassen hat, weil ihr Vater auch eine Psychose hatte, sich umbrachte und sie das nicht noch einmal erleben will.

Das weiß aber nur ihre Mutter und ist sonst ihr Geheimnis. Dann habe ich noch eine Schlafrunde eigelegt, bin aber, um sechs schon wieder wachgewesen und habe die Szenen geschrieben, die ich eigentlich gestern schreiben wollte.

Die Gerti war in der AS bei einem Gerstl-Abend, wo sie eben ihren Widersacher, den schon erwähnten nun Peter Gruber trifft, in der Szene hatte er aber vier verschiedene Namen, weil ich mich auf einen nicht einigen konnte, dann steigt sie in die U-Bahn, um zur Vinzi Rast oder zum Harry zu fahren und dabei wird sie von einer jungen Muslimin angesprochen, “Was schauen Sie mich so an!”, die Gerti schimpft zurück, steigt aus und in der nchsten Szene fährt, die No vom Reinhardt-Seminar heim und ihre Freundin Johanna schickt ein Video, wo eine Frau zu sehen war, die eine Muslima anspukt und beschimpft, in der No Gerti Schuster erkennt.

Dann wird es wieder milder, der Ulrich führt seinen Tagesplan aus und kommt ins Nachtcafe, wo alle, um Gerti herumstehen und Harry Krempinsky sagt “Gut, daß Sie da sind, Herr Doktor, ich glaube, wir haben ein Problem!”, das ist die Szene neun, die ich gerade korrigiert habe und aufpassen Freunde, ich habe einen Spannungsbogen und eine ungefähre Handlung. Denn in der nächsten, noch ungeschriebenen Szene, schauen sich die Henrike und ihre Enkeltochter, die Diskussion im Fernsehen an, wo die Jusstudentin Fatma Akin, die das Video ins Netz gestellt hat mit einem FPÖ-Politiker und einer Frau von der Rassismusstelle darüber diskutieren, No erzählt der Oma auch, daß Gerti in Verdacht geraten ist.

Ulrich soll intervenieren und auch an einer Talkshow teilnehmen, die Doro Hartinger teilt das dann der Anna mit und am Ende sitzt der Ulrich beratend im Nachtcafe und Anna kommt zurück, die Gerti wird auch rehabilitert und das wäre der ungefähre Handlungsrahmen, den ich jetzt habe, der nur ein Problem hat, daß die Geschichte dann wahrscheinlich bei 25 – 30 000 Worten fertig ist. Ich habe aber derzeit nur Szene elf und Szene zwölf geplant, muß dann also wahrscheinlich, wenn ich aus Basel zurück bin, wirklich plotten. Denn eigentlich ist ja viel Material vorhanden, da eine vielleicht sogar längere als 50.000 Wortgeschichte zu machen, haben wir ja vier Handlungsstränge, die No, die Gerti und den Ulrich und sogar die Henrike mit ihren Traumen und ihren Friedhofsbesuchen. Ich könnte also vier Geschichten schreiben, wenn jede fünfzehntausend Worte hat, passt es schon und dann gibt es noch den Harry und die Johanna Silberer, die Freundin von der No.

Also sehr spannend, ein Handlungsrahmen mit Lücken, die noch aufzufüllen sind, es ist ja erst der dritte Schreibetag. Die dreißig korrigierten Seiten habe ich schon ausgedruckt und leider werden jetzt die Schreiblücken kommen, denn ab Donnerstag werde ich wahrscheinlich bis mindestes nächsten Dienstag nicht viel schreiben, dann kommen zwei Wochenenden mit literarischen Veranstaltungen und, daß Schreiblücken herausreißen können, ist ja auch ein Problem, das ich kenne.

Allerdings hilft das Aufschreiben der Handlungspläne und sich das vorher Durchlesen schon sehr, um wieder in den Fluß hineinzukommen, was mir beispielsweise am Donnerstagabend sehr gut gelungen ist, denn da wußte ich vorher nicht einmal den Namen der Großmutter,  bin dann aber sehr schnell hineingekommen und hatte auf einmal sehr viele Ideen für die einzelnen Szenen.

Vor allem die Henrike-Szene gestern, ist auch wieder sehr monologisierend geworden, während bei den anderen schon sehr viel show und tell vorhanden waren.

Das Ganze also kommen und wachsen lassen und ich habe ja vor im November soviel zu schreiben, wie es geht. Werde ich früher mit der Geschichte fertig und hat sie dreißig- oder vierzigtausend Worte, werde ich  auffüllen.

In den Vorbereitungsvideos, die ich mir angehört habe, war auch der Tip einfach Szenen und Geschichten schreiben, auch wenn sie nicht zusammenpassen, die raten dann auch, nicht chronologisch zu schreiben, sondern erst das Ende, wenn man es hat, etcetera. Das werde ich  probieren, wenn ich es brauche.

Es kann aber auch passieren, daß ich wegen meiner vielen Programmpunkte am Dreißigsten nicht fertig bin, dann schreibe ich den Rohtext solange zu Ende, wie ich brauche, lasse ihn dann liegen und mache erst mein Schreibebuch fertig und wenn es ist, kann ich das Ganze nocheinmal durchgehen und mich dann der Heldenreise und dem Plotten widmen, wenn ich das dann noch brauchen sollte.

Spannend, spannend und ich denke, ich habe schon viel gerlernt, da ich ja schon vierzig oder mehr Romane geschrieben habe und ich merke es auch, wenn ich die Videos der anderen Schreiber anhöre, da denke ich, natürlich bin ich da schon viel weiter, auch wenn das niemand merkt oder immer wieder der eine oder andere Kritiker kommt und schreit, hui wie ist das schlecht!

Daß das nicht stimmen muß, weiß und glaube ich auch, daß mir die Sichtbarkeit aber fehlt ist ebenfalls Tatsache, obwohl ich ja gerade jetzt meinen Romanprozeß sehr detailiert beschreibe.

Der junge Doktorand

Buch achtzehn des dBps, der junge Doktorand des 1965 in Berlin-Charlottenburg geborenen Jan Peter Bremer ist wieder eine Überraschung, habe ich doch mit dem Autor 1996 als ich in Klagenfurt zum Zuhören war, eine solche erlebt, als er den Preis mit “Der Fürst spricht”, gewonnen hat, einem Text, der mir überhaupt nicht als so besonders aufgefallen ist. Seither habe ich nicht mehr viel über Jan Peter Bremer gehört, aber einmal im Schrank seinen “Palast im Koffer,” gefunden, den ich noch lesen muß.

Als ich Ende August oder Anfang September, die Bewertungen einiger Vlogger, die sie über die Buchpreisproben abgegeben haben, hörte, habe ich beim “Jungen “Doktoranden”, an den “Revisor”, gedacht, wo einer  ein Städtchen besucht und von den Bewohnern verwechselt wird und mir eigentlich das Buch, das wahrscheinlich mehr eine Novelle als ein Roman ist, als eher langweilig vorgestellt.

“Welch ein Irrtum!”, würde wohl wieder Ernst Jandl sagen und die Buchstaben vertauschen, denn das Kammerstück, wo ein junger Mann zu einem alten Ehepaar kommt, ist sehr interessant und spannend erzählt, obwohl es eigentlich und wiederum gar nicht so besonders neu ist, sondern nur das erzählt, was eigentlich vielleicht ein wenig weniger abgehoben in jeder Familie vorkommt.

Da wird der junge Doktorand vom Ehepaar Greilach. Er ist ein altender Künster, der in einer umgebauten Mühle am Rand eines Städtchens lebt, sie, seine Hausfrau, schon seit zwei Jahren erwarten.

Er soll kommen, um seine Dissertation über die Arbeiten des Malers zu schreiben. Sie erhofft sicht Abwechslung in der Einsamkeit, vielleicht sogar spätes Liebesglück. Er kommt aber nicht, sondern schickt immer Absagekarten.

Dann kommt er spätabends doch und alle sind nicht darauf vorbereitet. Es regnet, das Gulasch ist versalzen, etcetera.

Das Besondere an der Novelle ist, glaube ich, die Art, wie sie geschrieben ist und vielleicht ist wahrscheinlich überhaupt das besonders an der Art von Jan Peter Bremers Schreiben und vielleicht auch das, was mich beim “Bachmannpreis” störte, weil ich vielleicht länger gebraucht hätte, um in den Text hineinzukommen.

Das Ganze ist in einem Zug ohne Kapitel und größer Absätze hinuntergeschrieben und die drei Personen in dem Kammerstück sprechen nicht mit, sonder übereinander.

Der junge Doktorand, ein zwanzigjähriger Abiturent namens Florian, der seit zwei Jahren in Berlin lebt und dort Flüchtlingen beim Deutschlernen hilft, man sieht, Jan Peter Bremer ist auch sehr aktuell, spricht eigentlich überhaupt sehr wenig, sondern schaut ständig in sein Handy oder auf sein Rauchzeug.

Das Ehepaar unterbricht sich ständig, weiß alles besser, als der andere und so kommt man nach und nach in das Geschehen hinein.

Der junge Doktorand soll eine Arbeit über Günter Greilachs Werk zu schreiben, deshalb räumt er sein Atelier auf, überlegt, den Dokoranden nicht zu früh hinein zu lassen, sondern ihn erst auf sein Werk vorzubereiten, während seine Frau mit ihm spazieren gehen will, um ihn ihrer Freundin Jutta zu zeigen.

Der junge Doktorand, Florian, der von seiner Mutter hergeschickt wurde, die das Ganze eingefädelt hat, hat mit Zwölf über eine Lithographie Greilachs, die er irgendwo gewonnen hat, eine Arbeit geschrieben.

Die Mutter, die mit seinem Kunstlehrer zusammenlebt, will einen Künstler aus ihm machen und braucht deshalb Greilachs Protektion. Die Mappe mit den Arbeiten liegt aber in der Berliner WG  unterm Bett und verstaubt, denn Florian sieht das wahre Leben im Kontakt mit den “Geflüchteten”, die nicht “Flüchtlinge” heißen, wie er Gerlach ausbessert, als der ihn in der Küche einen endlosen Monolog, der wahrscheinlich nicht zufällig an Thomas Bernhard erinnert, hält.

Die Intrigen, die dabei passierten, werden dabei aufgezählt. Er sollte eine Ausstellung in einem Museum bekommen und in dem Städtchen einen Brunnen bauen, der dann von seinem Künstlerfreund Hans, dem Mann von Natascha Greilachs Freundin Jutta gebaut wurde, so daß Günter Greilach seither nicht mehr in die Stadt gegangen ist.

Das Ehepaar streit sich ständig. Es wird geraucht und getrunken und am Ende fährt der angebliche Doktorand wieder ab. Flüchtet aus der Enge des Künstlerhaushalts, das Ehepaar bleibt zurück und streitet sich vermutlich bin ans Lebensende weiter.

“Wie ein Greis”, hörte er sie hinter sich sprechen, “du bewegst dich schoch wie ein Greis”, lautet der letzte Satz, um eine kleine Textprobe von dem Kammerstück zu geben, das in den Bloggerrezensionen sehr gelobt wurde und das auch ich mir eigentlich auf die Shortlist gewünscht hätte.