Die Poliversale, das große Lyrikfestival das derzeit in der “Alten Schmiede” stattfindet, ist offensichtlich weltumfassend und bietet vom 14.5.-12.6. Lyrik aus jedem Teil der Welt an.
Gestern auch einen Schnellgrundkurs in der österreichischen und auch ein Stückchen der deutschen Literatur.
Die meisten Abende habe ich ja bisher aus Zeitgründen und weil ich woanders Fortbildungen hatte versäumt, in Russland bin ich aber gewesen. Heute wurde es zweisprachig und die Sprache war das große Thema der Naturgedichte, die auch sehr gesellschaftlich und den Alltag umfassend umspannend waren, wie Michael Hammerschmid einleitete, bzw. erklärte.
Das begann mit Maja Haderlap, der Kärntner Slowenin und Bachmannpreisträgerin von 2011 und da darf ich gleich einen kleinen Einschub machen, denn die Namen des heurigen Bachmannlesens wurden heute bekanntgegeben und auch, daß Maja Haderlap die Eröffnungsrede halten wird und das war eine kleine Überraschung, beziehungsweise sehr erfreulich, nämlich sechs Leser aus Österreich, sechs aus Deutschland und zwei aus der Schweiz, von den Deutschen kenne ich nur Kerstin Preiwuß aus Leipzig, von den Österreicherin Olga Flor, Gertrud Klemm, von Roman Marchel habe ich ein Buch gelesen, bei Birgit Pölzl war ich glaube ich einmal bei einer Lesung, bei Tex Rubinowitz, den Falter Zeichner, der eigentlich ein Deutscher ist, auch einmal und Georg Petz ist mir glaube ich noch unbekannt.
Aber zurück zur Lyrik und zu Maja Haderlap, die hat ja ihre Gedichte auf Slowenisch zu schreiben angefangen, in den Siebzigerjahren in Zeitschriften und dann auch Bände veröffentlicht.
“Gedichte-Psemi-Poems”, Drava 1998, stellte sie vor und sagte dazu, daß sie die Gedichte in Vorarbeit zu ihrem Roman geschrieben hätte. Jetzt schreibt sie auch auf Deutsch Gedichte, sie las aber zweisprachig und es ging in ihnen sehr viel, um ihre erste Sprache.s kamen dann auch unveröffentlichte Gedichte und als zweite Leserin des Abends wurde die in Bautzen lebende 1951 geborene Sorbin Roza Domascyna, die seit 1989 ihre Gedichte verlegt und aus vier Bänden las, vorgestellt. Sie begann auch gleich mit der Frage, in welcher Sprache sie nun schreiben solle und mischte die Sprache in ihren Anagrammen und anderen Texten auch munter durcheinander.
Dann gings hinauf, beziehungsweise nach Australien oder Australien kam in die “Alte Schmiede”, denn die australische Botschaft hat dem 1939 geborenen Les Murray, einen eher fülligen Herrn, der auch ein Gedicht zur Fettleibigkeit hatte und ein bißchen Deutsch zu sprechen schien, den Flug gestiftet.
Die Verlegerin Margitt Lehbert las auf Deutsch, der Autor auf Englisch und die Gedichte waren, wenn man sie mit der gestrigen Lesung vergleicht, besonders interessant, nämlich purer Alltag bzw. wahre Geschichten, die von dem Koffer, der beim Zoll aufgemacht werden soll und dann ist er leer, von landwirtschaftlichen Maschinen, seiner Übersetzertätigkeit, und so weiter uns so fort, handelten.
Man sieht Poetik muß durchaus nicht abgehoben sein. Sprachspielereien gab es auch und die Übersetzerin betonte mehrmals, daß sie sich mit dem Übersetzen schwer getan hat, aber einen Sammelband mit hundert ausgewählten Gedichten, die jetzt auch in Australien erschienen sind, herausgegeben hat.
“Aus einem See aus Strophen” heißt er sinnig. Tiergedichte, die der Übersetzerin besonders gefielen gab es auch und Richard Wall ist, glaube ich, extra aus Oberösterreich gekommen, Elfriede Haslehner zu der ersten Lesung, um Maja Haderlap zu hören, deren Buch sie gelesen hat.
Beim Nachhausegehen bin ich ein bißchen bei der Oper stehengeblieben, um den Schluß des Balletabends, nämlich die vier letzten Lieder von Richard Strauss anzusehen bzw. anzuhören und sozusagen eine Poliversale zur Musik zu machen.
Day: 27. May 2014
Sind Blogger Dilettanten?
Seltsame Frage könnte man denken und den Kopf schütteln, wenn man zu “Wikipedia” geht oder in einem Lexikon nachliest, daß das ein Begriff aus dem achtzehnten oder neunzehnten Jahrhundet ist, um die adeligen Musiker von den Profi-Musikanten, die um Geld spielten, zu unterscheiden.
Ein Liebhaber, kein Fachmann oder Amateur, was damals nicht abfällig gemeint war, inzwischen aber in der Umgangssprache so gebraucht wird und als Schimpfwort gilt, also nicht das sein kann, was für Blogger gilt, denn das ist ja ein Begriff des einundzwanzigsten Jahrhunderts und wurde durch das Internet hervorgebracht, das ja Demokratie und Meinungsfreiheit für alle bringt.
Sollte man meinen, denn, wenn ich so an meine Bloggerkarriere zurückdenke, gab es da immer wieder Diskussionen, ob die Blogger das denn dürfen? Bücher rezensieren, ihre Meinung sagen und auch die entsprechende Qualität dazu haben
Die erste Diskussion war im Sommer 2010 und wurde durch “Leselustfrust”, eine meiner ersten Lieblingsbloggerinnen ausgelöst, als die Anni Bürkls “Ausgetanzt” besprach was ihr nicht sehr gefallen hat.
Dann kam die Rezensionsexemplarediskussion in der “Winterfrische” und ich habe auch immer ein paar Kommentare gehabt, die meinten, daß ich nicht so schlecht schreiben dürfe, weil das den Profi-Schreibern schade, das ist ein Kommentar den ich nicht verlinken kann, weil er in der Spamkiste enthalten war.
Das schlechte Schreiben der Blogger, die wie die Schwammerln aus dem Boden schießen, nicht schreiben können, das aber tun, Leselustfrust hat, glaube ich, auch deshalb mit dem Bloggen aufgehört, weil ihr das mit den Rezensionsexemplaren nicht so gefallen hat und ich habe immer wieder meine Meinung geäußert, daß ich das toll finde, daß so viele Leute schreiben und in den sechs Jahren, die ich meinen Blog nun schon fast betreibe, auch verschiedene Blog-Entwicklungen entdecken können.
Denn da gibt es eine große Vielfalt und Bandbreite, auch einige Moden, die sich ständig ändern, so gab es eine Zeit lang die Awards, die die Blogger unter sich verteilten und auch verschiedene Lesemarathons, Monatsstatistiken und Challenges und durch eine solche bin ich auch zu meiner Leseliste gekommen, die bald wechseln, vielleicht auch, weil sie von den anderen meistens kritisiert werden.
“Ach nicht schon wieder diese Leselisten und Selbstberweihräucherungen!”
Seit ich blogge, hatte ich verschiedene Lieblingsblogs und ich habe auch kein besonderes Problem mit den jungen Frauen, die ihre Chick Lits und Vampirromane lesen und darüber schreiben, Sternchen, Hüte, Bücher, verteilen, Gewinnspiele machen, etc, wenn ich mich auch für anderes interessiere und da derzeit bei Buzzaldrin, die mit ihren Blog viel Anerkennung bekommt, sehr viel kommentiere und bei der bin ich letzten Samstag auch auf eine Diskussion, die in Göttingen stattfand, aufmerksam geworden “Demokratisierung der Literaturkritik – Fluch oder Segen?”, habe “Wow!” gedacht und “Schade, daß ich da nicht dabei sein kann!” und mich gewundert, daß Mara Giese, die da ja einiges zu sagen hätte, nicht mitdiskutiert.
Am Podium saßen nur ein mir unbekannter Blogger und ein Medienwissenschafter, den ich schon einmal kennenlernte, weil er einen Artikel über sogenannten V-Logs geschrieben hat und da ein wenig über die jungen Mädchen, die da in kessen Worten ihren “Harry Potter” präsentieren, herzog.
Mara Giese hat die Veranstaltung am Sonntag besprochen und ich habe wieder etwas über Laienrezensionen gelesen. Da gab es auch einmal ein Interview mit Sigrid Löffler, die sich dagegen aussprach und darüber, daß die Blogger nur die Feuilletons nachahmen würden, was mich ein wenig wunderte, da ich ja bisher immer hörte, daß sie wegen Rezensionsexemplaren bloggen und dann on den Klappentexten abkupfern würden.
Vom Schlechteren des Schlechtten ist etwas gestanden, worauf ich ja ein bißchen traumatisch bin und davon, daß sich der Medienwissenschaftler innovativere Besprechungen wünscht.
Das führte zu einer regen Diskussion, wo ich auch eifrig kommentierte, einige andere Artikel entstanden, denn die Blogger sind inzwischen sehr selbstbewußt, lassen sich nicht mehr alles gefallen und ich fand das meiste sehr qualifiziert und weiß auch, daß die Blogger und ihre Ansprüche sehr verschieden sind.
Da gibt es die jungen Fantasyblogger, wie Studentinnen und auch wahrscheinlich prekär beschäftigte Literaturwissenschaftlerinnen, die sich Visitenkarten drucken lassen und das Sprungbrett in den Literaturbetrieb suchen, Leute die Bücher rezensieren, über den Literaturbetrieb schreiben, Autorinnen, Dozentinnen, wahrscheinlich auch Hausfrauen, Mütter in Karenz und und…
Meistens sind es Frauen, die über das Lesen bloggen, ein paar Männer sind auch dabei und am Abend schaltete sich der 1973 geborene Harun Maye ein, lobte an sich die Blogger, rief sie aber zu einem “Fröhlichen Dilettantismus” auf und gab einen entsprechenden Link, der beweisen sollte, warum das etwas Schönes sei, was meinen Widerstand erregte und ich auch nicht ganz verstehen kann, wieso Blogger Dilettanten wären, weil es ja einige gibt, die damit Geld verdienen wollen, einige, die studiert haben, wobei es auch kein Berufsbild des Bloggers gibt, daß das aber alle nur zu ihren Hobby und zu ihrer Freude machen, glaube ich auch wieder nicht und vor allem leben wir nicht mehr im neunzehnten Jahrhundert und könnten einen zeitgemäßeren Ausdruck, für diese Beschäftigung finden, die vielleicht in der Freizeit und freiwillig geschieht, wenn wir schon einen solche brauchen.
Ich würde den Lebensstil dem Hobby vorziehen, weil das auch ein wenig abwertend klingt und wenn es sein muß, kann man auch autodidaktisch sagen, obwohl es nicht ganz klar ist, warum man für Menschen die öffentlich ihre Meinung über Sachen, die sie interessieren, äußern, unbedingt einen eigenen Ausdruck braucht, das Wort Bloggen oder Internet-Tagebuch spricht ohnehin für sich, aber natürlich verstehe, daß das Bedrohung und Widerstand erregt und nicht immer, wie es sollte, anerkannt wird, was ich eigentlich sehr schade finde.
Da wird von der angeblich schlechten Qualität gesprochen, statt sich darüber zu freuen, daß es da jetzt so viel Vielfalt gibt und jeder seine Meinung schreiben kann und schade finde ich, daß bei solchen Diskussionen über die Blogger geredet wird und viel zu wenig Betroffene eingeladen werden, selber ihre Meinung sagen. Warum sitzen da eigentlich nur Männer auf dem Podium, die vielleicht nicht wirklich sehr viel Ahnung über das Bloggen haben?
Daß die bloggenden Frauen das können, hat ja die Diskussion bei Buzzaldrin bewiesen, auch wenn ich mich ein wenig wunderte, daß das “Lob des Dilettantentum” so hingenommen wurde und sich außer mir niemand darüber aufregte und Mara Giese, die sich ja outete, daß sie gerne mit Dennis Scheck “konkurrieren” würde, sich gleichzeitig, als eine solche bekannte, was eigentlich ein seltsames Mißverhältnis ist.
Es gab schon einmal eine Diskussion, wo jemand schrieb, es würde keine Literaturblogs geben und nur einen Englischsprachigen zitierte, obwohl damals eine große Bloggeraktion lief und ich auf der anderen Seite immer das Stöhnen darüber höre, daß heute schon Krethi und Plethi bloggt!
Schön, denke ich, da kann man sich ja das Passende nach seinem Geschmack aussuchen und vielleicht sollte man auch einen Wettbewerb ausrufen, um ein Ersatzwort für den “Fröhlichen Dilettanten” zu finden, der meiner Meinung nach nicht stimmt, nicht passend ist und mir nicht gefällt.
Ich habe auch nichts gegen die Professionalität, da ja jeder nur das schreiben wird, worüber er was weiß und ihn interessiert und wenn ich meine Meinung zu einem Buch sage, brauche ich kein Hochschulstudium und Literaturkritik werden die meisten Blogger auch nicht betreiben wollen, sondern ihren Spaß haben, ohne gleich “dilettantisch” zu sein.
Ich verstehe mich jedenfalls als schreibene Frau und blogge, um mich zu präsentieren, meinen Schreibprozeß darzustellen und so weiter und so fort.
Die Bücher bespreche ich als Erinnerungshilfe, das betrifft auch die Veranstaltungen und ich betrachte mich nicht als Dilettantin, obwohl das bei mir, da ich ja Psychologie und nicht vergleichende Literaturwissenschaft studierte, noch am ehesten zutrifft.
Ich lebe auch nicht davon und will nichts verdienen, aber eine Dilettantin bin ich nicht, weil ich im einundzwanzigsten Jahrhundert lebe und sich das im Internetstil ein wenig moderner ausdrücken lassen müßte und es wundert mich ein wenig, daß es nicht längst schon einen trashigen englischen Ausdruck dafür gibt, wie das auch in anderen Bereichen so passierte und auch, daß ein 1973 geborener Medienexperte, wenn er sich über die Bloggerlandschaft äußern soll, nichts als einen anachronistischen Ausdruck dafür findet, der für komponierende Fürsten des achtzehnten Jahrhunderts erfunden wurde, wenn er sie loben will, was ich schon glaube und nicht an die abwertende Bedeutung denken will, die dieses Wort heute hat. Interessant ist das aber schon und vielleicht bekomme ich auch ein paar Kommentare dazu, denn ich gehöre auch zur Bloggerszene, auch wenn ich manchmal ein bißchen in ihr zu verschwinden scheine.