Seit einigen Tagen oder sind es schon Wochen, komme ich nicht weiter mit dem Korrigieren von “Anna kämpft gegen das Vergessen”, das ich ja im März vor allem in Ungarn so flott dahingeschrieben habe.
Jetzt bin ich so weit, daß ich wieder Szene für Szene durchgehen will und komme nicht voran, spüre Widerstand, bin müde, trödle herum, denke es rentiert sich nicht zwischen einer Stundenpause damit anzufangen, ect.
Dann hat der Alfred, der ja die “Brüderschaft” korrigiert und mir das Manuskript vor ein paar Tagen übergeben hat und auch schon ein Cover mit einem Foto von zwei lachenden Männern, der dritte Bruder fehlt, gebastelt hat, wiedermal gesagt, ich solle nicht so schnell schreiben, das sitzt irgendwie und ich denke, es hat ja ohnehin keinen Sinn, daß ich schreibe und schreibe, mit der “Brüderschaft” dann das dreiunddreißigste und mit der “Anna” das vierunddreißigste selbstgemachte Buch habe, kommentarlos darüber blogge, eine Vorschau und ein Bild von dem Buch in den Blog einstelle und wenn ich die Bücher dann jemand zeige, “Wow soviel!” höre und ein mitleidiges Lächeln sehen kann.
Aber was bringt dann etwas und was ist die Alternative? Richtig, ich habe keine, denn wenn ich herumtrödle und nicht fertigwerde, sondern stattdessen meine Bücherberge hinunterlese, hilft das auch nicht wirklich weiter.
Das Problem ist ja wahrscheinlich, daß es ganz egal ist, was ich mache, es verändert sowieso nichts, denn kaum ist das Buch fertig, interessiert sich kein Schwein dafür, wenn ich Glück habe, bekomme ich einen Termin bei den “Textvorstellungen”, das wars dann schon und da hat mir schon Kurt Neumann beziehungsweise Ruth Aspöck angedeutet, daß ich den nicht immer haben kann.
Eine schwierige Situation, denn ich will ja schreiben, notfalls nur für mich, das dann aber bloggen, beziehungsweise mich im Internet, wo das ja geht, präsentieren. Wenn aber keine Reaktion darauf kommt, ist das auch nicht gut. Sara Wipauer hat einmal gemeint, als ich dasselbe Problem schon bei der “Frau auf der Bank” hatte, daß das nichts macht, soweit die Korrigierblockade nicht zu lange anhält.
Natürlich macht es nichts, denn ich schreibe ja soviel und dreiunddreißig Bücher für die sich niemand interessiert, dürfen eigentlich nicht sein. Warum nicht? Sie dürfen natürlich, aber wenn man nie eine Chance auf einen Preis, etc hat, ist das sehr frustrierend und erzeugt offenbar den Widerwillen und ich denke ja auch, daß es nichts macht, einmal eine Schreibpause einzulegen, wenn es dafür flott weitergeht. Das Problem ist nur, wenn ich nichts mache, passiert nichts, also blogge ich darüber, klage, jammere darüber, bevor ich zur Festwocheneröffnung auf den Rathausplatz gehe.
Morgen Mittag habe ich eine Einladung bei der Iris für eine äthiopische Kaffeezeremonie und in der nächsten Woche sind meine Termine, glaube ich, auch so gelegt, daß sich dazwischen nicht viel ausgeht, denn ich weiß ja, wenn ich einmal damit anfange, geht es schon weiter. Jetzt also die “Brüderschaft”, die ich ja beim letzten “Nanowrimo” geschrieben habe, korrigieren, schauen, daß das Manuskript bald an die Druckerei und das Cover auf die Website, beziehungsweise in die Vorschau geht.
Dann kommen wieder drei Fragen, wo man ein Buch gewinnen kann, auch wenn sich keiner dafür meldet und ich überlege, ob ich es bei “Amazon” einstellen soll oder nicht?
Mit dem Weiterschreiben bin ich auch ein bißchen desillusioniert, wenn ich mit der “Anna” durch bin, denn da hat sich ja inzwischen der Gedanke fest eingehakt, daß meine wenig abgehobenen realistischen Geschichten niemand haben will und sie niemanden interessieren. Warum eigentlich nicht? Die Geschichte einer Alzheimer-Erkrankung ist doch interessant! Aber irgendwie komme ich über das Schreiben und das Bloggen nicht hinaus und das wäre ja eigentlich eine Möglichkeit auf mich aufmerksam zu machen. Irgendwie scheint es aber ein Eigentor zu sein, wenn man seine Bücher selber macht und selber präsentiert. Warum habe ich nicht so ganz verstanden und auch nicht, warum es ausgerechnet bei mir nicht geht, bei allen anderen aber offensichtlich schon?
Dann denke ich wieder, es geht natürlich, denn ich kann ja meine Bücher selber machen und wenn sich niemand dafür interessiert und mich fördert ist das zwar schade, sie sind aber trotzdem da. Ich werde schauen wieder ein paar Tage zu bekommen, wo ich ungestört korrigieren kann. Die “Anna” Szene für Szene und dann solange durch bis ich keinen Fehler finde und dann habe ich gedacht, starte ich mal mit einer Ideen und Personensammlung durch. Renne oder fahre in Wien herum, schreibe auf, was ich so sehe und fabuliere daraus Szenen, die ich puzzleartig aneinanderreihen kann.
Ein wenig Rückmeldung, ich schreibe es wieder, wäre gut und wünsche es mir, wenn das aber nicht passiert kann man auch nichts machen und ich habe mir ja auch gewünscht mir für einen Roman ein Jahr Zeit zu lassen. Kann und soll also sein.
Der Sommer wird bei uns heuer auch ein bißchen anders werden, da wir, da sich die Anna das Auto ausborgt, erst ein bißchen später nach Harland fahren werden und dann noch zwei Wochen ins Elsaß, wo ich auch nicht viel zum Korrigieren komme, aber vielleicht komme ich auf neue Ideen, denn Reisen erweitern ja den Horizont, obwohl ich ja an sich nicht sehr reiselustig bin.
Vielleicht behindert mich auch ein bißchen meine überlange Leseliste, aber da bin ich natürlich selber schuld, wenn ich die mir aufstelle, denn wenn ich die schaffen will, muß ich morgens möglichst viel in der Badewanne lesen, am Abend bin ich meistens bei einer Veranstaltung und unter Tag habe ich meine Stunden und komme irgendwie nicht recht dazu mit dem Korrigieren zu beginnen.
Wer hat einen Rat für mich, wie ich aus der Misere herauskomme? Wenn nichts kommt, werde ich versuchen meine Stunden zu strafen, die “Brüderschaft” durchgehen und dann wieder die Lust an der “Anna”, die ich ja sehr gern geschrieben habe und die, glaube ich, auch sehr spannend ist, wiederzufinden.
Wenn sie fertig ist, gibt es ein Gewinnspiel, beziehungsweise drei Fragen zu dem Buch und dann suche ich weiter und finde heraus, ob ich auch etwas anderes, als über Bücher und alte Leute schreiben kann und natürlich werde ich bloggen, viel und ein bißerl schlampert, wie gehabt und das geht eigentlich ganz gut.
Day: 9. May 2014
Bauern, Bonzen und Bomben
Hans Falladas, 1931 erschienener Roman, mit dem er berühmt wurde und der von den historischen Ereignissen der schleswig-holsteinischen Landvolkbewegung, die er in die Stadt Altholm verlegt, handelt, ein Fund aus einem der Schränke, beziehungsweise öffentlichen Bibliotheken, von denen es jetzt schon viele gibt, ich habe aus diesen Schränken auch schon “Kleiner Mann, was nun?” und “Wer einmal aus dem Freßnapf frißt” gelesen und tue mir mit den sehr kleingeschriebenen Ereignissen aus Deutschland der Neunzehnzwanziger- und Dreißigerjahre nicht gerade leicht, obwohl Fallada, der eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Dietzen hieß, eigentlich alles sehr genau beschreibt.
Hier geht es also, um ein historisches Ereignis, das Fallada laut “Wikipedia”, als Hilfsjournalist selbst miterlebte und so beginnt es auch bei einer Zeitung der offenbar fiktiven Stadt Altholm.
Da gibt es die Zeitschrift “Chronik” und die hat einen Hilfsredakteur namens Tredup, der auch als Anzeigenwerber tätig ist, dafür hat er eine schon drei Jahre alte, von einem Notar bestätigte Beglaubigung, daß die Zeitung siebentausend Abonnenten hat, die er immer, dem Daumen am Datum, den möglichen Inserenten vorliegt und es damit, in den Zeiten der Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise, er ist verheiratet und hat Kinder, nicht leicht hat.
Es gibt in der Gegend auch eine Revolution der Bauern, die sich gegen die Steuereintreiber, die kommen und ihnen ihre Ochsen wegpfänden, wehren. Tredup ist dabei, wie sie gewaltfreien Widerstand leisten und schießt auch ein paar Fotos, die er um tausend Mark, damit es zu keinen Prozeß kommt, verkauft.
Er vergräbt das Geld irgendwo bei einem Bauern, der es dann findet und es als sein Eigentum betrachtet und als die Bauern eine große Demonstration machen, wo sie auch mit einer Fahne aufmarschieren, greift die Polizei hart ein und schlägt alles nieder, so daß es zu einem Boykott der Bauern kommt, die nichts mehr in der Stadt kaufen und keine Geschäfte mehr mit ihr machen.
Tredup wird als Bombenwerfer verhaftet und der rote fette Bürgermeister Gareis zieht alle Stränge der Intrigen, die es nur gibt.
Die Zeitung wird von einer anderen übernommen, es gibt da noch den Redakteur Stuff, der nicht schreiben darf, was er will und den Polizeihauptmann Frerksen, den niemand leiden kann und noch viele Handlungsstränge, die das Leben in Deutschland in den Neunzigerzwanziger- bis Dreißigerjahren, als Hitler an die Macht kam, genau beschreiben, wo die Frauen abtreiben müßen, kein Geld im Haus ist, aber trotzdem gesoffen und gehurt wird und die Ohrfeigen fliegen.
Im dritten Teil des Buches kommt es dann zu der Gerichtsverhandlung, in der der Hilfsredakteur zuerst groß aufsteigt und Stuffs Posten übernimmt, dann wird er aber vom Bürgermeister denunziert und entlassen, will sein Geld holen und dabei von dem Bauern, der es selber haben will, erschlagen.
Der Bürgermeister muß abdanken und nach Breda gehen, die Übermacht der Polizei wird erkannt und die Bauern teilweise freigesprochen, beziehungsweise kommt es zu einer Bewährungsfrist. Die Honoratoren inserieren in der Chronik, daß die Bürger zum Aufheben des Boykotts ihr Schärfchen beitragen soll und Stuff, den es auch aufs Land hinauszieht, mietet dort eine Wohnung für Frau Tredup und ihre Kinder, die ihm den Haushalt führen soll.
Von Hans Fallada sind sehr viele Bücher in verschiedenen Genres erschienen, den Liebesroman “Dies Herz, das dir gehört”, das ich vor einem Jahr, in der inzwischen geschlossenen Buchhandlung “Maluta” um drei Euro kaufte, habe ich auf meiner Leseliste.
“Jeder stirbt für sich allein” wurde, glaube ich, vor kurzem von “Aufbau” neu aufgelegt und Anna Jeller hat oder hatte derzeit auch ein Buch von ihm in ihrem Schaufenster.
Das Buch wurde auch verfilmt, die Szene mit der Fahnenabnahme ist am Titelbild zu sehen.