Der Blog der jungen Buchhändlerin Sophie Weigand “Literaturen” scheint besonders intensiv zu sein, regt er mich doch schon wieder zu einem Artikel an, gibt sie doch auf ihrer Facebookseite und auch anderswo immer wieder Hinweise auf interessante Artikel zum Literaturgeschehen.
So ist da einmal die Frage, was und wie man lesen soll, die mich ja auch immer sehr beschäftigt und ich dazu auch die Antwort habe, das, was man will. Und ich bin ja eine, die sich quer durch den Literaturgarten liest, sowohl Krimis, als auch Chicklits auf der Leseliste hat, es schon mal mit einem Arno Schmidt versuchte, die österreichische, deutsche und auch anderssprachige Gegenwartsliteratur und und und entdecken will.
So lese ich sehr viel und seit Erfindung der offenen Bücherschränke auch immer mehr und ich bin auch eine, die nur sehr selten ein Buch weglegt, wenn ichs nicht mehr verstehe oder nicht mehr aushalte, da war ich beim Karel Capek, vor kurzem das letzte Mal nahe daran, daß der Passivismus seines Helden für mich schwer auszuhalten war, lese ich meistens schnell darüber und von Diskussionen, daß man auch ein schlechtes Essen nicht zu Ende ißt, halte ich nicht sehr viel.
Wahrscheinlich deshalb, weil das Buch für mich keine Ware ist, ich auch nur selten Bücher um zwanzig Euro oder so kaufe und als schreibende Frau wahrscheinlich auch sehr viel Respekt vor anderen Schreibenden habe, beziehungsweise mich auch interessiert wie sie es machen.
Und da bin ich sehr geduldig, ein einziges Mal habe ich einen Krimi weggelegt, weil ich ihn nicht ausgehalten habe, das ist dann meistens, wenn der Held als Schwächling gezeichnet wird, so tut mir auch der Dorfrichter Adam im “Zerbrochenen Krug” immer sehr leid, ansonstens tue ich mir schwer mit dem Begriff “schlechte Literatur”.
Die finde ich kaum, das meiste finde ich so geschrieben, daß ich es lesen kann und manches, wie den Arno Schmidt, den Richard Obermayr, etc, verstehe ich nicht, finde es aber trotzdem interessant.
Da sind wir schon beim nächsten Thema, beziehungsweise beim nächsten Hinweis, den Sophie Weigand auf ihrer Facebookseite gab, denn da gab es vorige Woche im deutschen Sprachraum offenbar eine große Literaturdebatte, die ein Florian Kessler, ein Absolvent von “Hildesheim” ausgelöst hat, indem er analysierte, wer in “Leipzig” und in “Hildesheim”, etc aufgenommen wird und daraufgekommen ist, das sind fast immer Akademikerkinder.
Das, denke ich, wird auch beim Medizin- Psychologie und den anderen Studienrichtungen so sein, beziehungsweise, wird man da ja jetzt auch nicht mehr so einfach aufgenommen, früher konnte da ja in Österreich noch jeder mit Matura studieren. So habe ich als Nichtakademikerkind, Hauptschülerin und Absolventin einer sogenannten “Knödelakademie” in den Siebzigerjahren ohne große Schwierigkeit Psychologie studiert.
Mit dem Wunsch zu schreiben, den ich gleichzeitig hatte, war das schon etwas schwieriger. Zwar hat es damals keine Schreibschulen im deutschen Sprachraum gegeben, das “Literaturinstitut in Leipzig”, als “DDR-Kaderschmiede” gab es, glaube ich schon, aber dort ist man damals von Österreich nicht hingekommen und damals hat auch keiner daran geglaubt, daß man das Schreiben lernen kann.
Trotzdem habe ich mir mit meinen Rechtschreibfehlern, die ich mir nicht nehmen lassen wollte und will, sicher die Türen für die Stipendien und die von den Literaturzeitschriften und Verlage zugemacht.
Die Akademikerkinder lernen in den Gymnasien vielleicht mehrheitlich genaueres Deutsch oder sich anzupassen und dann fanden, die in den Siebzigerjahren ohne Schreibschulen, die Verlage. Jetzt werden sie bevorzugt in Hildesheim, Leipzig oder Wien aufgenommen. Ich glaube aber nicht, daß Josef Haslinger beispielsweise daraufschaut, ob der Vater jetzt Arzt oder Lehrer ist, aber unbewußt schreiben, die halt so, daß es den Lehrern gefällt, während ich ja in einer Zeit des experimimentellen Schreibens sehr wenig abgehoben geschrieben habe und die Schüler von “Hildesheim” oder “Leipzig”, schreiben von ihren “Mittelschichterlebnissen” und das erscheint den Lesern, bzw. den Kritikern, wie Florian Kessler beispielsweise, dann zu wenig gewagt, ect.
Ich glaube, das das schon so stimmt, aber auch, daß die nichtaufgenommenen Nichtakademikerkinder, die sich vielleicht gar nicht in Leipzig, Hildesheim oder Wien bewarben, wahrscheinlich die sind, die die dann bei “Dumont”, “Suhrkamp” etc entstandenen Romane der “Leipzig” oder “Hildesheimabsolventen” nicht lesen, sondern zu “Shades of Grey” zu den Krimis, vielleicht auch Haruki Murakami etc greifen und ein Buch “wegschmeißen”, wenn es ihnen nicht spannend genug erscheint.
Es gibt ńeunzigtausend jährliche Neuerscheinungen auf den deutschen Markt, von denen wir einen Teil demnächst in Leipzig sehen werden, wer soll das alles lesen?
Der Durchschnittsleser angeblich drei bis neun Stück im Jahr, die Bloger an die Hundert, ich inzwischen an die hundertsiebzig und wieviel die Literaturkritiker lesen, weiß ich nicht, aber wahrscheinlich lesen die eher an, bis sie ihre Rezension schreiben können und legen dann weg.
Das ist das Dilemma des Literaturbetriebs, wie ich es sehe und da passt die Geschichte von den angepassten Akademikerkinder, die in Hildesheim und Leipzig ihre angepassten Romane schreiben lernen, die “Suhrkamp” und “Dumont” dann verlegen auch gut hinein.
Was vielleicht da noch fehlt, sind die Migrantenkinder mit ihren vielleicht wirklich außergewöhnlichen Schicksalen und Traumatisierungen, die sie dann vielleicht weniger angepasste Romane schreiben läßt und Clemens Meyer zum Beispiel, der ja auch in Leipzig studiert hat und morgen den “Bremer Literaturpreis” bekommt und dann auch die, die trotzdem schreiben wollen, bisher nur wenige Chancen dazu hatten, bis 2011 der “böse” Amazon daherkam und ihnen die Tore zum Selbstpublishing öffnete.
Seither scheint das zu boomen und die Nichtleser lesen das angeblich auch sehr gern und viel. Vielleicht laden sie es sich auch nur hinunter, weil es einen Euro kostet. Das Feuilleton und die Kritiker schreien auf “Das ist Mist!” und ich bin die, die wieder schreibt, es gibt eben immer weniger Leser, aber immer mehr Leute die schreiben wollen und ich habe auch nichts dagegen.
Obwohl es mir dann schon manchmal ein wenig wehtut, wenn schon wieder ein zwanzigjähriges Literaturtalent daherkommt, von dem alle begeistert sind, während ich ja keine Chance hatte, keinen (oder nicht oft) Verlag fand, seit 2000 meine Bücher selber mache, da sehr weit vom Fenster war und auch heute noch immer nicht viel näher gekommen bin und auch durch mein beharrliches Bloggen, das ich seit 2008 betreibe, nicht wirklich näher gekommen bin. Das macht manchmal ein bißerl depressiv, keine Chance zu haben. Dann versuche es ich wieder realisitscher zu sehen und auch den Überblick zu bewahren, in dem ich mich für alles interessiere, auch Ritter Bücher lese, 2009 oder so habe ich bei “Fix Poetry” einen “Enno Stahl” gewonnen und der hat sich in diese Debatte, auch eingemischt.
Lösung weiß ich auch keine, nur die, daß die Leser ja entscheiden können, was sie lesen und das tun sie auch und wenn ich mir die “Offenen Bücherschränke” so ansehe, denke ich auch, daß wahrscheinlich viel zu viel produzuiert wird. Mich stört das nicht, ich versuche “alles” zu lesen, was ich natürlich auch nicht kann und so gut es mir gelingt, zu schreiben und da bin ich bei einunddreißig selbstgemachten Büchern, eines in einem Kleinverlag, zwei Sachbücher in den großen und zwei die aufs Fertigwerden warten, auch schon ein wenig ausgeschrieben, weil ich mit meinen leisen sozialkritischen Themen und meiner Schreibkritik schon am Ende bin, beziehungsweise vieles angerissenen habe und jetzt fürs nächste nichts Neues weiß.
Das betrifft aber sicher nicht nur mich, da ja schon wirklich über alles geschireben wurde und die Leser wahrscheinlich immer ungeduldiger werden, mehr verlangen, das von den “braven” Akademikerkindern aus “Leipzig” oder “Hildesheim” nicht zu bekommen scheinen, nach den neuen wilden Stimmen schreien, aber ob die immer in Amerika zu finden sein werden, bin ich auch ein wenig ratlos und so drehen sich diese Literaturdebatten wahrscheinlich auch im Kreis.
Ich finde sie aber trotzdem sehr interessant und schreibe in meiner wenig abgehobenen Art mit meinen Rechtschreibfehlern auch immer gern darüber und kann Sophie Weigands Blog und Facebookseite allen ebenfalls Interessierten nur sehr empfehlen, weil sie sehr umfassend über das was im Literaturbetrieb passiert informiert.
Day: 26. January 2014
Im Namen des Lexikons
Nathalie Nothomb die hochgelobte belgische Autorin, auf deren Namen ich in Blogs aufmerksam wurde und von der ich schon mehrere Bücher im Schrank gefunden habe, überzeichnet in “Im Namen des Lexikon” das ganz normale Aufwachsen auf eine sehr märchenhafte überspitzte Art und läßt die Geschichte sogar mit ihrem eigenen Tod enden.
Der Titel scheint mir nicht ganz passend. Vielleicht ist der des Originals besser, denn da ist ein neunzehnjähriges Mädchen, das sehr früh beschlossen hat, Mutter zu werden. Sie sucht sich dafür einen Jungen aus, heiratet ihn, bekommt ein Kind und dann gebraucht sie wohl das Lexikon, um sich einen Namen für es auszusuchen, denn der muß natürlich etwas ganz Besonderes sein und der öde Mann, der bis Mittag im Bett liegt und dann schießen geht, denkt an Tanguy oder Joelle.
Aber nein, es muß eine Plectrude sein. Sie erschießt den Mann, setzt bei den Gefängnispsychologen den Namen durch, tötet dann sich und die Kleine wird von der auch nicht sehr viel älteren Schwester, die schon zwei Kinder hat, zu sich geholt.
Die ist verliebt in Plectrude, bringt ihre Kinder in den Kindergarten, dann verkleidet sich sich mit ihr, serviertt ihr Süßigkeiten, obwohl Plectrude nicht viel ißt und taucht in eine Fantasiewelt ab.
Der Kindergarten möchte Plectrude nicht haben, weil sich die anderen Kinder vor ihren Blick fürchten. So bleibt sie bei der Maman, 2003 als das Buch geschrieben wurde, mußte man noch nicht in den KG. In Frankreich vielleicht noch immer nicht. So wird der Eintritt in die Vorschule zur Katastrophe. Denn Plectrude will Tänzerin werden, weil sie den Blick dafür hat und übt auch schon viermal in der Woche dafür.
Dafür kann sie nicht rechnen und lesen lernt sie zuerst auch nicht, weil sie das nicht interessiert, erst als Maman ihr ein schönes Buch bringt, geht es innerhalb von zwei Tagen. Dafür ist die Lehrerin aber nun böse auf sie. Die anderen Kinder halten sie trotzdem für ein Genie. Sie bekommt auch eine Freundin und einen Jungen, in den sie sich mit Zwölf verliebt, gibt es auch. Da gibt es aber Mißverständnisse.
So wird vorerst nichts aus der Liebe und Plectrude geht an die Balletschule nach Paris, kommt in eine Magersucht und bricht mit fünfzehn zusammen, weil sie schon zwei Jahre kein Kalcium mehr zu sich genommen hat, was zur Folge hat, daß sie ab nun nie mehr tanzen können wird, worauf sie sowohl die Schule, als auch die heißgeliete Maman, die nun von ihrer Kleinen enttäuscht ist, fallen läßt.
Plectrude fängt zwar wieder an zu essen und nimmt zu. Maman nennt sie aber fett, obwohl ihre Schwestern viel dicker sind und verkündet auch das Geheimnis ihrer Geburt, so daß Plectrude beschließt es ihrer Mutter gleich zu machen.
Mit neunzehn ein Kind zu bekommen und sich dann umzubringen. Auf die Ermordung der Vaters verzichtet sie großzügig. Zieht sich das schönste Kleid an und versucht sich über die Pont-Neuf zu schwingen. Da wird sie aber von Mathieu Saladin, das ist der Junge, angerufen, wechselt ihren Plan und eine große Liebe beginnt.
Ein seltsames Buch, das in einem seltsamen Surrealismus die grausamen Wahrheiten des Lebens, des Aufwachsens und den Leistungsdruck, dem manche Kinder ausgesetzt werden, erzählt. Dabei einige Male die Seiten wechselt, vom Unglück zum Glück wechselt und wir haben ein Märchen gelesen, das wir vielleicht von uns selber kennen. Interessant nun nach und nach noch die anderen Nothomb-Bücher zu lesen.
Das Buch, das ich gefunden habe, wurde einer Angelika von einer Kathi zum Geburtstag geschenkt, würde zwar noch jetzt den “Buchrückentest”, alles glatt und ungefaltet bei “Diogenes”, bestehen, die ersten Seiten fallen aber nach dem es mir vorgenommen habe hinaus.