Für die, die wissen wollen, wie ich mit meinen Bücherbeschränkungsplänen vorangekommen bin? Nicht wirklich, denn da kam ja vorige Woche, die von Roland Grenl versprochene “Jenny”, die Anthologie der Hochschule für Angewandte/Lehrgang Sprachkunst, dann ging ich auf die Bank bzw. zum “Wortschatz” wo zwei Fossum-Krimis lagen, die ja sicher auch interessant sind und dann habe ich mir vom Alfred am Samstag beim “Thalia” in der Kremsergasse vier Bücher aus der Abverkaufskiste kaufen lassen, darunter Stephen Uhlys “Mein Leben in Aspik”, das erste Buch des Autors, dessen “Amams Fuge” ich mir ja voriges Jahr beim “Frick” oder “Morawa-Abverkauf” kaufte.
Dann kam die zweite Woche und da begann wieder der klinische Mittag, der mich ja an die Bücherschränke vorüber führt und weil ich ja kurz vor Weihnachten in der Badewanne, mich sehr lebhaft der Phantasie hingab, wie das wäre, den Hunderter, den ich von der Schwiegermutter geschenkt bekomme, zu “Tahlia” oder zur “Anna Jeller” zu tragen und dort im Vollen zu wühlen, habe ich das da, trotz meiner guten Vorsätze getan, da die Bücherschränke, was sie ja nicht immer sind, diesmal besonders gut gefüllt waren.
Zwar gab es keine wirklich brandaktuellen Renner, aber Irvin D. Yaloms “Die Rote Couch”, von dem ich ja schon einiges gelesen habe, im “Wortschatz”. In der Zieglergasse gab es auch einiges und bei dem im Heger-Park, der ja jetzt wieder revoniert und hergerichtet wurde, stand ein alter Mann, mit dem ich, als ich ihn fragte “Ob es was Schönes gäbe?”, ins Gespräch gekommen bin und der mir dann “Die Dornenvögel” und noch einiges anderes, aufdrängen wollte.
Für die Kate Atkinson und ihrem mir unbekannten Roman “Die Ebene der schrägen Gefühle” habe ich mich entschieden und als ich dann zu Hause, bei “buecher.at” nachgooglete, habe ich erfahren, daß die 1951 geborene britische Autorin, den “Costa Novel Award 2013” bekommen hat, was das Buch natürlich aufwertete und mir ein schönes Gefühl der Aktualität der Bücherschränke gab.
Denn die Frage, was man lesen soll? Das Alte oder das Neue, ist ja eine, die mich immer noch beschäftigt, obwohl die Antwort bei meinen vollen Leselisten, ohnehin feststeht, aber wenn man in den Bücherblogs, wie “Buzzaldrin”, “Bücherwurmloch”, “Literaturen”, etc, wie ich es gerne tue, schaut, wird man derzeit ja geradezu erschlagen, ob der Neuerscheinungen, die da demnächst auf uns zukommen werden.
Der Huraki Murakami ist da mit seinem “Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tatsaki” in aller Munde und von dem, werde ich ja demnächst die “Gefährliche Geliebte” lesen und habe ich auch noch andere Bücher gefunden.
Die Marlene Streeruwitz habe ich auf diese Art und Weise erfahren, hat auch ein neues Buch, aber ich muß ja noch “Jessica 30” lesen und am Freitag ist dann gleich das erste neue “Residenz-Buch” gekommen, nämlich Susanne Scholls “Emma schweigt”, Anfang Februar zu lesen und wenn ich so weitermache, werde ich meine Bücherbeschränkungspläne nicht wirklich einhalten, sondern höchstwahrscheinlich zunächst meine Leselisten vollfüllen und dann weitersehen und neue Bücherpläne machen, etc.
Meine Leser werden es ja merken, daß das kein wirkliches Problem ist, bis auf das, daß ich die Übersicht schon bald verliere und daher wirklich aufpassen muß. Aber es wäre schade gewesen, das Atkinson-Buch liegen zu lassen und ein Weihnachtsbuch von der schon sehr alten Ilse Gräfin von Bredow habe ich auch gefunden, das ich gleich auf meine Leseliste gesetzt habe und da war ich ja schon besorgt, ob ich 2014 genügend Weihnachtsbücher haben werde? Aber Anfang Jänner ist vielleicht ein günstiger Zeitpunkt, denn da da geben die Leute möglicherweise die geschenkt bekommenen Weihnachtsbücher weg und ich habe inzwischen noch ein Weihnachtsbuch auf meiner Liste stehen, nämlich eines, das ich schon früher gefunden habe und das auf die 2013 Liste nicht mehr passte.
Also werde ich auch im nächsten Dezember was zu lesen haben und das Lesen ist, so wichtig es auch ist und je mehr ich das, angesichts der vollen Bücherschränke auch tue, nicht das Wichtigste für mich.
Das Wichtigste ist das Schreiben und da habe ich eigentlich auch Erfreuliches zu vermelden. Erstens habe ich die “13 Kapitel” nochmals durchkorrigiert und außer, daß ich da meine Bücherlisten nicht drinnen haben will, keine Fehler gefunden.
Also könnte das Buch, wenn mir der Alfred jetzt auch noch das Cover bringt, bald fertig werden und mit dem Korrigieren der “Brüderschaft” komme ich auch gut voran. Da korrigiere ich ja jetzt Kapitel für Kapitel und war beim vierzehnten, als ich nach Harland in die Weihnachtsferien aufgebrochen bin und dort ist das, weil ich keinen Drucker habe, nicht gut möglich, also habe ich mich auf das Lesen konzentriert und bin den Text nur eher spärlich durchgegangen.
Aber jetzt habe ich damit weitergemacht und scheine auch gut voranzukommen. Die Zeitschrift “Sterz” hat mir einen Aufruf gemailt, mich mit einem Text für das geplante Heft mit dem Thema “Schönheit” zu beteiligen. Da war ich zuerst ein wenig ratlos, habe gedacht, ich muß dafür was schreiben, dann wieder, daß ich das nicht will, dann ist mir eingefallen, daß doch das Kapitel, wo die Esther vor ihrem Kleiderschrank steht, ganz gut dazu passt.
Habe es “Das Gruftie-Mädel” genannt und weggeschickt.
Die steirische Zeitschrift “Sterz” ist ja die, die einmal vor langer langer Zeit, als ich das erste Mal mit meiner Freundin Elfi in den “Arbeitskreis schreibender Frauen” gekommen bin, weil ich mich noch nicht vorlesen traute, “Die Einladung zum Tee” bringen wollte. Es kam dann auch, glaube ich, ein junger Mann zu mir, der mir die Illustrationen brachte, der Text ist nie erschienen und ich habe auch keine andere Publikation im “Sterz”, obwohl ich lange Zeit immer hinschickte, öfter auch Auszüge aus meinen längeren Textem, aus den “Hierarchien” habe ich aus einem Kapitel die Erzählung “Ernestine” gemacht, die auch nicht genommen wurde, mir aber sehr korrigert oder lektoriert zurückgeschickt wurde, was mich damals, Ende der Achtzigerjahre sehr empörte.
Mal sehen, ob es diesmal klappt, es würde mich freuen und ich versuche es ja auch immer wieder, wenn auch viel zaghafter als früher, was hinauszuschicken. Wär aber gut für meinen Ruf und für meine Biografie, weil nur Selbstgemacht und Literaturgeflüster, ist vielleicht zu wenig, da meine letzten Versuche, aber nicht so gut geklappt haben, sollte ich mir vielleicht nicht zu viel erwarten.
Es gibt aber ohnehin Erfreuliches zu vermelden, so habe ich zum Beispiel ein Mail von Gerhard Jaschke bekommen, dem mein Bericht über “FREIBORD-FERIBORD-FIREBORD” gefallen hat und in den Blogs habe ich auch noch einen Artikel von Kathrin Passig, eine ehemalige Bachmannpreisträgerin mit sehr unkonventionellen Denken, gefunden, die in das “Gejammere” von den guten schönen Buchhandlungen, die man doch stützen soll, ungerührt hineinsagte “Regt euch doch nicht auf, in zehn Jahren gibt es keine Buchhandlungen mehr!”
Ich denke ja immer, daß es dann vielleicht keine Büchetrschränke mehr gibt, so daß es vielleicht ganz gut ist, jetzt die Fülle einzusammeln und später aufzulesen.
Bücher gibt es aber derzeit genug und ich muß aufpassen, mich dadurch nicht vom Schreiben abhalten zu lassen, beziehungsweise die richtige Mischung zwischen dem Alten und dem Neuen zu finden, was ich, glaube ich, aber ohnehin tue.
Ja und während meiner Bücherkastentour am Donnerstag, bin ich auch noch die Lazarrettgasse hinuntergegangen und habe herausgefunden, daß das Gasthaus, in dem sich in den “Brüderschaften”, der Jonas Wohlfahrt mit seinem möglichen Töchterlein trifft, “Zur Goldenen Kugel” und nicht “Zur Sonne” heißt, wie ich es bisher im Text hatte.
Day: 11. January 2014
Wanda wartet
Jetzt kommt das nächste Buch von Karin Ivancsics, nämlich “Wanda wartet”, 1989 bei “Ritter” erschienen, das auch schon lange in meinen Regalen wartete, denn “Ritter-Bücher”, nein, die, lese ich nicht, obwohl ich sie ebenfalls sammle, welch ein Vorurteil könnte man sagen, denn es ist das Beste was ich von Karin Invacsics gelesen habe, da war allerdings auch nur der “Tote Mann” über die “Restplatzbörse” habe ich in einigen Lesungen gehört.
“Wanda wartet- ein Tryptychon”, dazwischen gibt es immer wieder schwarz weiß Fotos, meist von Frauen mit sehnsuchtsvollen Blick und um das geht es auch, aber nicht nur um die Romantik, sondern auch um die Tristesse, die Gewalt, die Hemmungen, die Vorurteile, um den weiblichen Alltag halt, gezeichnet von dem scharfen Blick einer schreibenden Frau, die auch schon mal im “Frauenverlag”, den es inzwischen nicht mehr gibt, gearbeitet hat.
Der erste Teil der Trilogie nennt sich “Der Stadtsaal” und da geht es um Wanda und die wartet nicht, sondern geht spazieren, macht die Stadt zu ihrem erweiterten Wohnzimmer und ist offenbar auch vor dem Stiefvater, der sie “Lolita” und “raffiniertes kleines Luder” nennt, davon gelaufen, jetzt flaniert sie, offenbar ein noch sehr junges Mädel, durch den städtischen Raum und sinniert dabei über das Leben, denkt an die Fortbewegungsmittel mit denen sie gerne und auch nicht so gerne fährt. Am liebsten mit dem Bus, weil sie das von ihren Schulfahrten kennt und am Land blieben die Schulbusse offenbar auch immer stehen, weil sie ihre Kundschaft schon kannten. Geht zu den Antiquariaten und zieht sich dort ein altes Buch heraus, in dem “Sweetheart my Darling, my Dear, oh komm doch zu mir!”, steht. Geht über die weiten Plätzen mit den Pizzerien und muß sich zum Überqueren zwingen, denn die Leute, vorwiegend Männer, die auch in den Straßencafes sitzen, starren einem an und wie schön die Erkenntnis, daß es nicht der Pickel an der Wange, sondern sie selbst und ihre eigene Unfehlbarkeit ist, die sie bemerken.
Ein schöner leiser Text über das Erwachen und die vielen kleinen und großen Beobachtungen, die man beim Stadtflanieren machen kann.
Karin Ivancsics ist offenbar eine scharfe Bebachterin, so läßt sie Wanda einen Kollegen sehen, der auch sehr gepflegt und mit geputzeten Schuhen durch den Bezirk streift, immer nur durch den Bezirk. Meistens steht er bei den Haltestellen und es ist ihr noch nie gelungen, so lange stehenzubleiben, um zu sehen, was er weitermacht und wie er sich fort bewegt.
Die zweite Abteilung heißt “Sieben” und da begleitet Karin Ivancsics sieben Frauen oder Mädchen durch eine Abtreibung.
Carolyn, siebzehn, wird von ihrer Mutter begleitet und ist schon zum zweiten Mal hier. Christine zweiundzwanzig hat einen Freund, der sie begleitet und wieder abholen wird, weil er an einem anderen Freund, dem es passierte und der dann auch fremdging, sah, daß er kein Kind will und es bei Christine mit sanfteren Methoden, wie eine Gruppentherapie nicht geholfen hat. Daniela siebenundzwanzig, die von einer Freudin begleitet wird, ist nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung ist, das Kind ist von einem schwarzen Musiker, der ist verheiratet und will sich nicht von seiner Frau trennen, obwohl er nur Daniela liebt. Natascha ist dreiunddreißig und schon zum fünften Mal hier, weil sie eigentlich Kinder will, aber offenbar nie die richtigen Männer dazu findet. Dann gibt es noch Grudrun, eine Türkin mit Kopftuch und einer Schwester als Dolmetscherin und eine Mutter von zwei Kindern.
Sehr behutsam, immer wieder mit Einschüben von Stimmen und Erinnerungen, wird der Alltag in so einer Abtreibungsklinik erzählt.
Zuerst sitzen sie mit ihren Begleitpersonen im Zimmer, werden beraten, müßen unterschreiben, dann müßen die Begleiter hinaus, die Sozialarbeiterin bittet in ein anderes Stockwerk, teilt Waschkörbe für die Kleider und Krankenhausnachthemden aus und erklärt die Routine. Carolyn denkt dabei an ihre Mathematikschularbeit und rechnet aus, was die in der Klinik so an einem Tag an den Abtreibungen, die natürlich keine Verhütungsmittel sind, wie der Ärztin mahnend der Mutter sagt, verdienen.
Interviews mit den Frauen und Refelexionen in die Kindheit der Autorin mit Erinnerungen an ihre Großmutter, die sie zum Beispiel einmal fragte, wie Kinder Engel würden, gibt es auch, bevor es wieder mit Kaffee und Keksen in den Warteraum und zurück in den Alltag geht.
Im Teil III “Leere Kabine” geht es wieder in das Stadtflanieren einer Frau, die im Ballkleid offenbar von einem Liebhaber kommt, jetzt in einer H u. M Kabine steht, zwei Kleider überanderzieht, sie bezahlt und anbehält, die Schuhe der Verkäuferin schenkt und dann sinnierend über die Straßen zieht, in einem Plattengeschäft verschwindet, früher war sie gut im Platten mitgehen lassen, jetzt verläßt sie das Geschäft ohne was gekauft oder gestohlen zu haben, sinniert über ihre Liebhaber nach, geht in ein Ramschgeschäft, wo es Duftkerzen und Osterhasen gibt, bevor sie in der Konditorei Aida landet, sich einen Cognac bestellt und sich immer wieder Notizen mit beispielsweise den Vorsätzen, nie wieder etwas bei H u. M zu kaufen macht.
Im Buch gibt es noch einen Hinweis auf die “Aufzeichnungen einer Blumendiebin” ein weiteres bei Ritter erschienenes Ivancsics Buch. Ob sich das wohl noch finden läßt?