Nachdem ich diese Woche nur sehr langsam in mein Romanprojekt hineingekommen bin, ist es am Wochenende, wo wir wieder in Harland waren, schlagartig weitergegangen. Am Dienstag, habe ich ja, glaube ich, begonnen, die ersten zwei Szenen, die ich in Roberts Schreibegruppe und beim Writersstudio skizzierte, in den Laptop einzutippen. Dazwischen war anderes zu tun, am Donnerstag bin ich wieder Szenenschreiben ins AKH gegangen. Am Freitag habe ich dann, bevor ich mich mit meiner Cousine Irmi traf, die zweite Szene, die die ich im Oktober zum Thema Schwimmen konzipierte, einzutippen. Da hatte ich dann schon einen Plan, der ersten Szenen gemacht und am Samstag war dann in Harland im Garten soviel zu tun, daß ich nicht zum Weiterschreiben gekommen bin, was mich ein bißchen beunruhigte, obwohl ich ja gut drauf war.
Am Abend begann ich dann die dritte Szene, die ich vorige Woche in der Hauptbücherei skizzierte und wo Swetlana Alexewitsch, Tante Lillys Pflegehelferin, vorgestellt wird, zu tippen und bin da vorerst an der Perspektive gescheitert, habe ich da ja mit einer Frau begonnen, die mir in der Leseecke gegenüber gesessen ist und das hat nicht gepasst.
Also habe ich wieder “Ich kann es nicht, ich kann es nicht gedacht!”, gedacht. Dann spät nachts die Persepektive geändert, die Szene mit der Swetlana beginnen lassen und plötzlich hat es gestimmt und die Ideen sind wieder geflossen. Sieben Szenen hatte ich ja schon aufnotiert und da der Alfred am Sonntag in die WU mußte, habe ich den Sonntag für einen Schreibmarathon benützt, obwohl ich in Wien zu dieser Kleinverlagsmesse gehen hätte können, aber da kann ich nicht schreiben. Also bin ich im Bett geblieben, habe auf das Baden und das Weiterlesen von Susanne Scholls “Rußland-Buch” verzichtet, die getippten drei Szenen korrigiert und in die richtige Form gebracht.
Denn so fruchtbar das Skizzenschreiben auch ist, man muß dann beim Eintippen manchmal was verändern und korrigieren, damit es in die Handlung passt und die Szne vier, war überhaupt neu zu schreiben. Dazu gab es noch keine Skizze, Barbara geht mit dem Foto zu Tante Lilly, beziehungsweise ruft sie dort an. Die Szene fünf, wo ich mich eigentlich mit Tante Lillys Büchern beschäftigen wollte, hatte ich auch noch nicht. Da gab es ja die Ideen mich am Mittwoch damit vor den “Wortschatz” zu setzen. Dann ist es aber anders geworden und Tante Lilly reflektiert ein bißchen über die Buben und das Foto und beim “Wortschatz” kann ich vielleicht die zwölfte Szene schreiben. Die Szene sechs hatte ich schon am Donnerstag geschrieben, das ist die vom AKH, Jonas Gespräch mit der Oberschwester und als ich so weit war, hatte ich schon wieder viele Idee und scheinbar ist es flüßig, obwohl dann ja auch bald wieder die Grenzen kommen und ich nicht weiter weiß. Aber so entstehen wahrscheinlich Romane, aus einem Guß geht es nicht. Da bin ich möglicherweise zu ungeduldig, wenn ich mir das erwarte. Szene sieben kehrte dann wieder in die Vergangenheit und zu Renate Haydn, der verstorbenen Mutter zurück. Denn da habe ich ja aus der Oktoberschrebgruppe eine interessante Idee mitgenommen, hat mich der robert doch aufgefordert, mir im Burgtheater, den dritten Akt von Hamlet anzusehen, in dem ich einfach zum richtigen Zeitpunkt hingehe, warte, ob jemand herauskommt und um seine Karte frage. Das mache ich zwar nicht, lasse das aber die Renate machen und dadurch eine Nacht mit Konrad verbringen und so kristallisiert sich langsam heraus, sie hat mit allen drei Männern geschlafen und man weiß eigentlich nicht wer der Vater des Kindes ist. Als ich soweit war, habe ich Mittag gegessen und bin dann doch aufgestanden und mit dem Rad gefahren, was eigentlich verpflichtend war, weil es wirklich traumhaft tolles Wetter gab, eigentlich habe ich ja den ganzen Tag im Bett und vor dem Laptop verbringen wollen. So bin ich zur “Seedose” geradelt, weil ich noch ein Buch hieneinstellen wollte, habe mir ein uraltes Mayröcker-Bändchen aus dem Jahr 1958 mitgenommen, und während des Radelns die ganze Zeit an die vier Szenen gedacht, die ich noch schreiben wollte. Szene acht stellt Konrad vor, der um seine verstorbene Frau trauert, Szene neun die Esther, Jonas Tochter, die mit ihrer Mutter große Probleme hat und Kindergärtnerin werden will. Bei Szene zehn geht Hanno aus dem am Morgen aus dem mit seiner Aktentasche, die ist noch nicht sehr ausgereift und muß wohl noch überarbeitet werden und bei Szene elf, geht Renate in die Zahnklinik und hat da auch mit Benjamin Kontakt. Barbara ist inzwischen dreißig, denn sie muß ja älter als Esther, Jonas Tochter sein und jetzt habe ich elf Szenen, 31 Seiten und sechzehntausend Worte, die ich dann am Freitag in den Nanowrimo geben werde. Ich weiß, das ist wieder nicht korrekt, aber warten, während es so gut geht mit dem Schreiben, ist nicht wirklich sinnvoll und inzwischen bin ich wieder, wie erwähnt mit meinen Idee zu Ende, muß wieder planen und korrigieren. Aber das intensive Marathon schreiben war sehr schön und fruchtbar und habe ich auch wieder ein bißchen an Anni Bürkl gedacht, beziehungsweise mich auf ihrer Seite umgesehen, die ja gestern, einen Schreibmarathon anbot und auch für den Nanowrimo schon Aufwärmratschläge gibt.
Ich weiß zwar nicht, ob das im Sinne des Erfinders ist, denn da soll man ja plotlos einsteigen, während Anni Bürkl rät, sich Gedanken über seinen Plot und seine Figuren und die Erzählperspektiven zu machen und ich halte mich ja auch nicht daran. Diesmal habe ich auch nicht die Absicht nur fünfzigtausend Worte zu schreiben und nur einen Monat zu brauchen. Aber so ganz sicher, ob ich dazu ein Jahr brauchen werde, bin ich mir schon wieder nicht, obwohl ich natürlich noch lange nicht mit dem Schreiben fertig bin, wie ich hoffe, aber was weiß man schon so genau?
Mit dem lesen geht es inzwischen ein wenig langsamer, beziehungsweise habe ich mir vielleicht wirklich meine Leseliste zu vollgestopft, leider oder zum Glück gibt es ja so viele schöne Bücher. Aber jetzt nachdem ich mit dem Schreiben fertig bin und nur mehr eine einzige Idee für eine weitere Szene, nämlich für die Tante Lilly, habe, mit der ich vielleicht wirklich wieder Skizzenschreiben gehen werde, werde ich mit der “Susanne Scholl” in die Badewanne gehen. Vielleich kann ich das Buch noch heute auslesen und voraus rezensieren. Mit dem Bloggn bin ich ja jetzt wieder weit voraus, aber das geht, wenn man zu vielen Veranstaltungen geht, viele Bücher liest und auch über das Schreiben berichten will, nicht anders. Ist nicht wirklich schlimm und ich hoffe, mein Schreibericht ist nicht allzu wirr und unverständlich, aber auch das ist während der intensiven Konzipierphase, wo einem der Kopf raucht und man hundert Ideen hat, vielleicht nicht anders möglich. Ich werde aber alles verlinken, so daß man nachlesen und sich orientieren kann.
Day: 27. October 2013
Gute Gründe
“Gute Gründe-Texte aus dem 44er Haus”, eine Anthologie mit Texten von neun Teilnehmern der Leondinger Akademie 2011/2012, dem einjährige Lehrgang für literarisches Schreiben, der von Gustav Ernst und Karin Fleischanderl geleitet wird.
“Zum zweiten Mal seit der siebenjährigen Akademiegeschichte” ist eine solche Anthologie entstanden”, schreibt Gustav Ernst in seinem Vorwort, lektoriert wurde das hundertsechzig Seiten Buch, das bei digitaldruck.at entstanden ist, von Laura Freudenthaler, einer Teilnehmerin und Gustav Ernst erzählt in seinem Vorwort weiter von den acht dreitägigen Wochenendseminaren, in denen sich die Teilnehmer im “44er Haus” trafen, um “unter Anleitung erfahrener Autoren wie Paulus Hochgatterer, Anna Migutsch, Kathrin Röggla, Robert Schindel, Sabine Scholl und Margit Schreiner Texte zu schreiben, sie in Feedbackrunden zu diskutieren, zu korrigieren und weiterzuentwickeln.”
Wenn man auf Homepage der Akademie geht erfährt man auch, welche Teilnehmer welche Preise gewonnen, welche Bücher wo veröffentlichten und wo sie zu etwas nominiert wurden und es gibt inzwischen sehr berühmte Teilnehmer, wie Judith Pfeifer 2007/08, Anna Weidenholzer, Phillip Weiss, Isabella Straub, Isabella Feimer, 2008/2009, Harald Darer und Marianne Jungmaier 2009/10 und 2011/2012 haben Manfred Donnerbauer, Laura Freudenthaler, Christine Mack, Franz Miklautz, Lydia Mittermayr, Harald Reschitzegger, Andreas Rockenbauer, Luis Stabauer und Maria Tiefenthaller am Lehrgang teilgenommen, bzw. sich an der Anthologie beteiligt.
Die 1984 geborene Laura Freudenthaler, die ich schon einmal in der “Gesellschaft für Literatur” hörte, hat inzwischen auch ein Stipendium der Stadt Wien bekommen und den während des Lehrgangs entstandenen Texten, merkt man manchmal seine Themenstellung an und manchmal nicht.
So beginnt es mit einer “Vostellungsrunde” “Ich bin”, wo acht Autoren etwas dazu schreiben und geht mit vielen kurzen Texten weiter.
In Heu” schildert der 1950 geborene Luis Stabauer, von dem ich vor kurzem den Interviewband “Der Kopf meines Vaters” gelesen habe, die Gefühle einer Magd, die ihr Kind anbinden muß, um ihrer Arbeit auf dem Feld nachzugehen. Sehr beeindruckend auch sein Text “Abendkakao” über die Geschehnisse am Spiegelgrund. Dann gibt es einige Abschieds- und Trennungstexte. Der 1964 geborene Harald Reschitzegger schildert in “Mamaschnitzel” sehr eindringlich die Ablösung eines etwas fünfzigjährigen dicken Sohnes von seiner siebzigjährigen noch dickeren Mama. Die Beiden fahren in der U-Bahn, der Sohn hat eine Freundin eingeladen und will ihr ein Schnitzel braten.
In Haarig” schildert Christine Mack die Geburt eines Kindes und dann war einmal wohl auch der Dialog das Thema, wo eine Szene beschrieben werden sollte, wo sich zwei Stimmen über ein fremdes bei einer Tür stehendes Kind unterhalten sollten.
Das Thema Schule wird auch zweimal behandelt, da erinnert sich der 1967 geborene Andreas Rockenbauer, der schon einmal einen Drama-Slam gewonnen hat an seinen Schulkollegen Viktor Alexander Zdrachal, der in kackbraunen Opaschuhen zuspät in den Unterricht kommt, dabei eine Hunderer-Packung Taschentücher verliert, zwei Schihauben trägt und und Augenbrauen und Nasenflügeln zuckt und Lydia Mittermayr die 1980 in Volcklabruck geborene Lydia Mittermayr erzählt von “Schwester Ehrentraud”, der strengen Mathematiklehrerin, vor der alle auf das Klo flüchteten, während die Laura Freudenthaler, die seltsame Beziehung eines jungen Mannes zu einer “Großen Frau mit braunen Locken” erzählt, zu der er offenbar als Kind gebracht wurde, später bei ihr schläft. Sie steht rauchend am Balkon, sagt, daß sie widerständige Kinder mag, geht mit ihm aus und als sie später einen Mann bei sich hat, erleidet er alle Qualen.
In “Sonntagnachmittag” wird Andreas Rockenbauer sehr realistisch “Ich wäre ein glücklicher Mensch”, pflegt nämlich Alfred Dolatti oft zu sagen, denkt an seine verstorbene Frau, geht Kuchen kaufen, wenn die Tochter mit Mann und Kindern zur Jause kommen und wird langsam vom “Morbus Parkinson übernommen”.
Und in Franz Miklautz, 1971 in Klagenfurt geboren, “Regentropfen, die einander suchen” wird es fast surrealistisch. Da fährt ein Arzt Zug und beobachtet seine Mitpassanten, ein anderer Motorrad, dann wird er von diesem, der einmal seine Tochter überfahren hat, angerufen “Es gibt keine Wiedergutmachung für Sie, Herr Dr. Ruckhofer”, sagt er und am Ende gibt es einen lauten Knall.
Dann geht es um die Gesundheit.Was macht man wenn man nur mehr ein paar Stunden zum Leben hat oder in der “Röhre” liegt und nur mehr das “Siemens-Logo” anstarren kann und nicht weiß ob der Assistent jetzt draußen auf ihn wartet oder schon längst Kaffeetrinken gegangen ist?
In Palliativmediziners Harald Retschitzeggers “Letzte Entscheidung”, wird es noch viel konkreter beziehungsweise spiegeln sie wahrscheinlich seine Erfahrungen in einem Hospitzzentrum ab. Die Frau verlangt von dem Mann zu kämpfen, der will nicht weitere Chemotherapien etc machen.
Und die 1953 in Linz geborene Maria Tiefenthaller Ärztin für allgemein und Psychotherapeutische Medizin erzählt in “Eine irre Fahrt”, einen Ausstieg nach einer Krebsdiagnose einer Frau, die bisher an der Seite ihres Mannes, eines für sie arbeitenden Arztes, funktioniert hat. Jetzt ist die letzte Tochter ausgezogen, sie ist allein und nimmt das Buch, das ihr ihr Bruder ein paar Monate vor seinem Tod schenkte, will mit dem Zug und der besten Reizwäsche nach Wien fahren, landet in einem Schlafwagen nach Venedig und verlebt mit dem Schaffner einen ausgestiegenen Psychiater, weil man auch nicht immer helfen kann, eine “irre” Liebesnacht.
Sparprogramme und andere Sichtweisen gibt es auch. So verlangt die bestausgebildete Coacherin plötzlich nur mehr vierzig Euro für zwei Beratungsstunden in Christine Macks Minidrama “Beratungshonorar und Harald Retschitzegger nimmt die “Schönheitsoperationen” satirisch aufs Korn.
Und Lydia Mittermayr erzählt in “Der Mann auf dem Bild” von einem solchen, der um in Frühpension gehen zu können, sein Bein abgeschnitten und in den Ofen geworfen hat.
In Franz Miklautz “Und sonst gar nichts”, veranstaltet eine Bank für eine Weihnachtsparty eine “drag Queen Show” und sucht dafür einen Schwarzen, während der ein ehemaliger Schauspieler am Bau und auch sonst keine Arbeit findet. So singt er um seine Frau und seine Kinder auch mit dem Boot nach Europa zu holen, Marlene Dietrichs “Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt”. Ob die Familie ankommen wird ist nicht ganz klar.
Gar nicht so einfach sich durch die vielen kurzen und manchmal auch etwas längeren Texte durchzulesen, die das ganze Spektrums des Lebens umfangen, spannend neue interessante literarische Stimmen kennenzulernen und herauszubekommen, wer an einen solchen literarischen Lehrgang teilnimmt. Man kann sich, glaube ich, nach Lektüre des Buches einen plastischen Eindruck machen, was in den Workshops der Leondinger Akademie, wo der nächste Lehrgang im November beginnt, so passiert.
“Gute Gründe” also dieseAnthologie zu lesen. Ich danke Luis Stabauer für das zur Verfügung stellen.