Am Mittwoch hatte ich einen neun Uhr Klienten und dann eine Dame um achtzehn Uhr, dazwischen war Zeit für meine Roman-Recherche eingeplant, denn das mache ich bei meinen neuen Projekten ja schon länger, daß ich, bevor ich zum Schreiben anfange, einen oder mehrere Tage in der Stadt herumfahre und Anni Bürkl hat mich zur Jahreswende ja auf das fünf Tage lang fünf Stunden an den schönsten Orten Wiens schreiben gebracht.
Bei den “Dreizehn Kapiteln” ist sich das dann nicht ganz ausgegangen, denn das war ja während der Zeit, als ich in Harland meine Sommerfrische verbrachte und St. Pölten ist bezüglich dem Recherchieren mit Wien nicht ganz zu vergleichen.
Aber jetzt passt es eigentlich ganz gut meine praxisfreien Stunden auf der Recherche für die “Verbrüderung” zu verbringen und dann im November mit dem Schreiben im Rahmen des Nanowrimos anzufangen oder auch nicht, denn der November ist ja ein besonders intensives Monat, da gibt es zuerst mein literarisches Geburtstagsfest, dann wollen wir eine Woche nach Ungarn fahren und die Buch-Wien kommt auch.
Da würden mir noch fast drei Wochen für das Herumlaufen, Stadtschreiben, Materialsammeln etc. bleiben und das geht oder geht auch nicht, denn gestern habe mich mich zwischen dem Buch-Wien-Pressegespräch und der “Ohrenschmaus-Jurysitzung” gar nicht so leicht getan und heute war das ähnlich.
Zwar bin ich zuerst zum Friseur gegangen, denn das gehört neben dem Fensterputzen zu den Ritualen die vor dem Neuanfang liegen und dann wollte ich mir ja die Seestadt Aspern anschauen. Da bin ich aber schon ein bißchen verzögert hingekommen, denn in dem “Ein Euro Laden” in der Reinprechtsdorferstraße, der schräg gegenüber meiner früheren Praxis liegt, habe ich mir zuerst ein paar Unterhosen und ein Nachthemd und dann noch eine Haube gekauft, dabei habe ich den Bus versäumt und entdeckt, daß es beim Anker nebenan ein Schokocroissant und einen Cappuccino um drei Euro gibt.
Dann bin ich nach Aspern hinausgefahren und entdeckt, das ist eine Baustelle, dann noch ein bißchen ins SMZ-Ost bzw. Donauspital, wie das jetzt heißt, denn zwei der Pohlfahrtbrüder sind ja Ärzte und dann ein bißchen mit der U-Bahn herumgestreunt und da habe ich eine interessante Endeckung gemacht, denn in der U1 saßen lauter Leute, die eifrig in ihr Handy bzw. Tablets tippten, eine ältere Dame mit kurzen grauen Haaren, Jeans und einer grauen Manteljacke las aber ausgerechnet in “F” von Daniel Kehlmann und stieg dann in der Großfeldsiedlung aus.
Soviel zu meinen Vorurteilen und ein paar andere Entdeckungen habe ich auch dabei gemacht.
Mit meinem Romanplot bin ich dabei zwar nicht unbedingt weiter gekommen, nur festgelegt, daß die Svetlana Alexewitch aus Minsk auch zuerst in einem Bordell gelandet ist, dann haben ihr Freunde geholfen, sie hat eine Pflegehelferinnenausbildung gemacht und betreut jetzt Tante Lilly, sie möchte aber Literatur studieren.
Da ich um sechs eine Stunde hatte, habe ich eigentlich gedacht, daß ich auf die Wien-Bibliothek und die Präsentation des Briefwechsels zwischen Gerhard Fritsch und Thomas Bernhard verzichten werde müssen, ich hatte aber einen Tagesfahrschein und die Klientin ist auch zehn Minuten früher gekommen, so ist es sich ausgeangen und die Buchpräsentation war wirklich interessant.
Marcel Atze eröffnete statt der Direktorin und erklärte, daß er die Entstehung des Briefwechsels sehr gut mitbekommen hat, weil sich ja der Fritsch-Nachlaß in der Wien-Bibliothek befindet.
Der Herausgeber des “Korrekturverlags”, der auch bei Suhrkamp Lektor ist, begrüßte dann die Bernhard und die Fritsch Erben und Martin Schwab und Martin Huber lasen die Briefe aus den Fünfziger und Sechzigerjahren vor und die waren wirklich interessant, denn Thomas Bernhard, der große Übergott, scheint sich sehr um die Gunst von Gerhard Fritsch, der auch die Zeitschrift “Text und Kritik” herausgegeben hat, bemüht zu haben, bittet ihn mehrmals um seine Vermittlung und zweifelt dabei auch an seinem Schaffen und übertreibt dabei natürlich schamlos, bzw. kokettiert er wahrscheinlich auch und der Herausgeber forderte die Leute zum Kaufen des Buches auf, weil man nur damit alles verstehen würde, weil es viele Anmerkungen gäbe und die Karte, die die Industriellenvereinigung Thomas Bernhard 1968 geschickt hat, als sie aus Angst die Wildgans-Preisverleihung abgesagt hat, ist auch in dem Buch abgebildet.
Nachher gab es Brot und Wein, ich unterhielt mich mit dem Chemiker, den ich meistens in der Wien Bibliothek treffe und mit Christoph Kepplinger, der ebenfalls gekommen war. Beim nach Hause fahren habe ich dann den Alfred in der U-Bahn getroffen, vielleicht sollte ich öfter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.
Day: 16. October 2013
Buch-Wien Info, Ohrenschmausjurysitzung, Romanrecherche und Hermynia zur Mühlen-Lesung
Der Dienstag war wieder einmal ein höchst literarischer Tag, manchmal gibt es das bei mir und diese Woche wird gleich mehrere für mich haben, wo ich nicht nur auf der passiven Zuhörerseite sitze, sondern selber wenigstens ein bißchen mitmischen kann.
So begann es gleich um elf mit meinem Pressegespräch zur Buch-Wien in der Grünangergasse, diesmal gab es ja keinen Jour fixe, sondern eine Präsentation von Gerald Schantin, Günther Kaindlsdorfer und Inge Kralupper und gleich die Pressemappe mit dem kleinen rosa Programmheftchen.
Und natürlich wird wieder alles schöner, besser, größer, toller werden. Am 18. November beginnt die Lesefestwoche im Stadtsenatsaal im Wiener Rathaus mit Ferdinand von Schirach und die Eröffnung ist dann wieder am Mittwoch darauf in der Halle D mit einer Festrede von Sibylle Lewitscharoff über das Lesen. Am Freitag den 22. wird der Ehrenpreis des Buchhandels an Barbara Coudehove-Kalergi im Rathaus vergeben und dazwischen gibt es Lesungen auf vier Bühnen auf der Messe, in der Hauptbücherei, im Literaturhaus und noch an diversen anderen Orten. Die Donau Lounge wird es wieder geben. Peter Stamm wird kommen, Clemens Meyer, Brigitte Kronauer u.u.u.
Preise werden vergeben werden, wie ein neuer des PEN-Clubs und natürlich der “Exilpreis”, die jungen Autoren lesen im “Literaturcafe” und für die Kinder wird es ein Kinderprogramm geben.
Am Donnerstag ist der Eintritt für Pensionisten und Studenten frei, ansonsten wird der Eintritt sieben Euro kosten, ein moderater Eintritt, wenn man ihn mit Frankfurt vergleicht und dann gibt es auch noch den Lesepaß, der in den Buchhandlungen aufliegt, wo es nur vier fünfzig kostet.
Danach gabs Kaffee und Brötchen, ich stand eine Weile herum und beschloß dann meinen ersten Wien-Recherchetag zu machen, bis fünf, denn dann fand ja die “Ohrenschmaus-Jurysitzung” im Albert Schweizer Haus statt. Also bin ich zuerst in den “Morawa” studiert, habe mir Daniel Kehlmanns “F” und noch ein paar andere Bücher vorgenommen und habe mich mit meinem gelben Buch an den Donaukanal gesetzt, das Wetter war ja wieder traumhaft schön und habe meinen Plot skizziert.
Eine Idee bei den Recherchetagen ist ja auch, mit einem kleinen Block in der Tasche herumzugehen und möglichst viele der herumschwirrenden Gesprächsfetzen einzufangen. Ich war dann nicht ganz sicher, ob ich mir einen Nudeltopf oder eine Nachspeise kaufen soll, habe mich für einen Dinkelvanillekrapfen entschieden, die Buchhandlung der Brigitte Salanda besucht, die wirklich eine tolle Auswahl hat, aber mit ihrem Kompagnon so herumschimpfte, daß ich einen Moment lang glaubte, ich wäre in eine Besprechung oder ein Interview hineingeplatzt.
Bei Maria am Gestade habe ich mich ein zweites Mal hingesetzt, um alles aufzuschreiben, auf einmal rief einer “Hallo, Eva!”, es war der Stephan EiblErzberg, der sich gerade auf den Weg zu seinem Arzt machte und mir von einer Schreibblockade berichtete und davon, daß alles “Scheiße!”, ist.
Das denke ich auch manchmal, diesmal aber nicht, denn ich kam langsam in meinen Recherchetag hinein, setzte mich beim “Kuppitsch” noch einmal eine halbe Stunde mit dem Kehlmann-Buch auf einen bequemen Sessel, machte ein paar Notizen und verbrachte die nächste halbe Stunde auf einer Bank im Votivpark, um mich langsam dem Albert-Schweitzer-Haus anzunähern.
Barbara Rett, Niki Glattauer und Heinz Janisch waren von den Jurymitglieder gekommen, die anderen ließen sich entschuldigen, denn sie hatten neue Bücher oder keine Zeit sich die Texte anzuschauen.
Wir waren uns bezüglich unserer Vorschläge aber bald einig und da der Psychologen-Jour-fixe, der eigentlich stattfinden sollte, abgesagt wurde, konnte ich ins Literaturhaus zur Lesetheateraufführung von Hermynia zur Mühlen gehen, was ich sehr gerne machte, denn ich habe, die 1883 geborene “Rote Gräfin” schon im Bücherschrank meiner Eltern kennengelernt.
Gab es da ja “Reise durch ein Leben”. Der Sysyphos-Verlag hat in den Neunzigerjahren, den Erzählband “Fahrt ins Licht” wieder aufgelegt, aus denen die Frauen sieben Kurzgeschichten lasen und “Promedia” legte “Als der Fremde kam”, “Unsere Töchter die Nazinen” und “Ewiges Schattenspiel” wieder auf.
Diese drei Bücher habe ich gelesen und war auch vor ein paar Jahren bei einer Veranstaltung der Exilbibliothek im Literaturhaus, die “Zum Tee bei Hermynia” hieß, wo es, glaube ich, vor allem um das englische Exil ging.
Da kann ich mich erinnern, das gesagt wurde, daß die literarische Qualität gelitten hat, weil Hermynia zur Mühlen im Exil sehr viel schreiben und übersetzen mußte, so hat sie zum Beispiel den ganzuen Upton Sinclair übersetzt, ich habe davon auch ein paar Bücher von meinem Vater geerbt und die sieben Geschichten, die die Lesefrauen Judith Gruber-Rizy, Hilde Schmölzer, Heidi Hagl, Andgelika Raubeck, Gabriela Schmöll lasen, waren durchaus spannend und sehr originell.
Da gab es die von dem kleinen Mädchen, das lernen muß, wie die Zeit vergeht und die von dem italienischen Koch, der nicht kochen kann, aber der Tante erzählt, daß er das Erdbeben von Messina nur knapp überlebte, die von dem Zeitungskönig, der einmal mordete, um berühmt zu werden und das an seinem achtzigsten Geburtstag erzählt und die von der Frau, die am Morgen an der Seite eines Polizisten gesehen wird und vom Klatsch und Tratsch zur Giftmörderin gemacht wird.
Spannend, spannend und im offenen Bücherschrank habe ich auch noch Andreas Unterwegers “wie im siebenten” gefunden, ein Buch, das ich schon lange haben wollte und jetzt nur noch lesen muß.