Adams Fuge

Nun kommt die Besprechung eines Buches, von dem und dessen Autor, glaube ich, das erste Mal beim Frankfurter-Buchmessen-Surfen hörte.
Dort wurde 2011, Steven Uhlys “Adams Fuge” und 2012 sein “Glückskind” vorgestellt. Der Name hat sich mir eingeprägt und so habe ich zugegriffen, als ich im Winter in den Abveverkaufskisten “Adams Fuge” um ein paar Euros fand, ohne sehr viel über Buch und Autor zu wissen.
Das habe ich jetzt nachgeholt und herausgefunden, daß der 1964 in Köln geborene Steven Uhly, begalischer Abstammung ist, der Vater ist Bengale. Die Mutter Deutsche, der Stiefvater Spanier und ähnlich verwirrend geht es auch in seinem zweiten Roman “Adams Fuge” zu, in dem um verschiedene Identitäten und Identitätsschwierigkeiten geht und das in einem sehr rasanten Agententhriller dargelegt wird, der schwer zu verstehen und mitzukommen ist.
Es geht um Satire, habe ich in einer Amazon-Rezension gelesen, das habe ich gar nicht so sehr empfunden. Mir ists am Schluß, wie auch andere Leser schreiben, ein wenig zu verwirrend gewesen, so daß ich jetzt auch nicht recht weiß, was die Aussage des Buches ist und was das Ganze soll?
Denn daß das Leben sinnlos ist und alle alle hassen und es nur um Macht und Geld geht, ist wohl ein wenig einseitig oder nicht?
Es geht jedenfalls um Adem Öztürk oder Adam Imp, Sohn eines Türken und einer Deutschen, in Mannheim aufgewachsen, der Vater hat die Mutter öfter krankenhausreif geprügelt, so daß sie ihn und die vier Kinder verließ, als Adem ein Kind gewesen ist. Der Vater ging mit den Kindern in die Türkei zurück, verwandelte sich in einen Iman, verheiratet die Tochter an einen Teppichhändler, der sie aus dem Fenster stürzt oder beging sie vielleicht Selbstmord?
In dem Buch ist nichts eindeutig und alles wandelt sich.
Adem geht jedenfalls zur Armee, obwohl er unsicher und ungeschickt ist und tötet dort einen Kurden, der ein Doppelagent war und Geheimpapiere bei sich hatte, so bekommt er einen Orden und wird nach Deutschland zu seiner Mutter geschickt, um die Urheber eines gegen Türken gerichteten Computerspiels unschädlich zu machen.
Im Flugzeug sitzt schon der tote Mayor an Adems Seite, der nunmehr Adam heißt und läßt ihn nicht mehr los. Adam tötet in Folge drei weitere Menschen, fährt mit seiner Mutter, die in Deutschland drei weitere Kinder hatte, von ihrem deutschen Mann ebenso geprügelt wird und Adem gesteht, daß die Schwester gar nicht von seinem Vater war, zum Großvater, der ein politischer Altachtundsechziger zu sein scheint.
Die Ereignisse überstürzen sich, wie schon erwähnt. Adem hat einen auf der Autobahn getötet, die Polizei hält ihn aber für tot und er hat nun zwei Löcher und ein Pflaster im Kopf, so daß er nicht mehr sehen kann, er macht sich aber an das Computerspiel, wo Türken von Deutschen in die Gaskammer geschickt werden und findet in dieser Industriepapiere, die er an die Israeli verkaufen will, die Kurden haben aber seinen Vater entführt und wollen Geld. So schlüpft er in die Identität eines Juden, der aber viele Pässe bei sich hat, ist zum Schluß ein Amerikaner, bzw. soll er für die auch noch einen Auftrag ausführen, um endgültig frei zu sein und ein Kind von einer Greta bekommt er ebenfalls…
Sehr verwirrend der Roman und für mich vielleicht zu satirisch, denn, daß es die Deutschtürken schwer haben, ihre Identität zu finden, hätte ich auch ohne soviel Thrillerhandlung gewußt, obwohl ich keine Computerspiele spiele, wo alle alle abknallen und in der “Heimsuchung” das an Hand einer türkischstämmigen Sozialarbeiterin, die in Wien aufgewachsen ist, viel harmloser selbst zu beschreiben versuchte.
Daß das Leben eine Farce ist und daß es mit soviel Ironie besser wird, bin ich mir nicht sehr sicher, habe aber bestimmt ein spannendes und interessantes Buch gelesen und “Glückskind” war vor kurzem, glaube ich, in Deutschland Gegenstand einer dieser “Eine Stadt-ein Buch”-Aktionen, die es ja nicht nur in Wien gibt, obwohl das Wien-Live bzw. Bürgermeister Häuptl zu glauben scheinen.

Nachrichten aus Frankfurt

Jetzt also das große literarische Event des deutschsprachigen Raums, die Frankfurter Messe, dort, wo die Geschäfte, die Linzenzen und die Verträge abgeschlossen werden, also etwas, was mich eigentlich nicht berührt und auch das Verlagsschauen liegt mir ja nicht sehr.
Trotzdem war ich zweimal dort, 2000 und 2002 und seit 2008 mit dem Laptop aus dem Wohnzimmer, was ich, die literarisch Interessierte, die schreibende Frau, auch 2013 zu tun vorhabe, obwohl ich ursprünglich die Woche mit den Recherchen für das neue Buch verbringen wollte, das also auf die nächste aufgeschoben und so fing es am Montag schon mit der Vergabe des deutschen Buchpreises an, den es ja seit 2005 gibt und den ich dieses Jahr vielleicht ganz besonders intensiv verfolgte und auch die Blogs, die ich so lese, blieben davon nicht unberührt. Wolfgang Tischer bloggt aus Frankfurt, Buzzaldrin ist dort und, daß Brasilien heuer Gastland ist, habe ich auch mitbekommen, bzw. mehr oder weniger zufällig aus den Buchbeständen meiner Eltern heuer schon Jorge Amados “Kakao” gelesen, der ja, wie ich hörte, Messe wegen, wieder entdeckt wurde.
Am Dienstag also die offizielle Eröffnung mit der Rede eines brasilianischen Politikers, der, wie ich im Morgenjournal hört, ausgebuht wurde und eines brasilianischen Autors, als Gastredner namens Luiz Ruffaldo, der bejubelt wurde und statt Samba eine Architektur aus Graffitis im Gastpavillon.
Ab elf gab es am Mittwoch dann das blaue Sofa, wo Wolfgang Herles, dessen “Dirigentin” ich letztes Wochenende gelesen habe, die neue Buchpreisträgerin Terezia Mora vorstellte, die erzählte, daß sie Peter Esterhazy übersetzte und für ihr “Ungeheuer”, unter dem die Depression zu verstehen ist, die Darius Kopps Frau befallen hat, einen Teil das Tagebuch der ungarischen Frau zuerst auf Ungarisch geschrieben hat. Danach kamen Michi Strausfeld, die eine Brasilienanthologie herausgegeben hat und Luiz Ruffaldo, die das Gastland vorstellten. Leon de Winter mit seinem Roman “Ein gutes Herz”, wo er den Rechtsradikalen Theo van Gogh zu seinen Schutzengel macht und der neue Hanser-Verleger Jo Lendle, der ja auch Autor ist und glaube ich, in Leipzig studierte, während bei 3-Sat die 1975 in San Paolo geborene Andrea del Fuego ihren Roman “Geschwister des Wassers” vorstellte und dabei über den magischen Realismus diskutierte. So spielt das Wasser in ihrem Buch eine große Rolle und eine Hauptfigur fällt eines Tages in eine Kaffeemaschine oder Filter und kommt zwei Tage später mit andersfarbigen Augen von dort wieder heraus.
Einen Buchmessenblog gibt es wie bereits erwähnt auch, Wolfgang Tischer bloggt dafür und bevorzugt dabei naturgemäß die neuen Medien, das E-Book und die Selbstpublisher, die diesmal ja, wie der Messedirektor betonte, einen noch größeren Schwerpunkt bekommen haben. Martina Gercke fährt, glaube ich, auch hin.
Es bloggen aber auch die Shortlistnominierte Monika Zeiner und Thomas Glavinic, der auf der Longlist stand.
Also alles sehr spannend und so werde ich wahrscheinlich aus dem fernen Frankfurt höchstwahrscheinlich wieder einige Impulse bekommen, beziehungsweise Bücher kennenlernen, die ich dann ein paar Jahre später vielleicht in den Abverkaufskisten oder in den offenen Schränken finden werde.
Und da ich ein ziemliches Organisationstalent bin, habe ich am Mittwochvormittag während des Surfens die Fenster und die Wohnung geputzt und als ich dann entspannt dem blauen Sofa lauschen wollte, war der Livestream plötzlich weg, so daß ich Brigitte Kronauer versäumte und den livestream erst wieder bei der Vorstellung des populärsten Sachbuchs der Saison des Weißrussen Evgeny Morozov “Smarte Neue Welt”, der vor den Gefahren des Smartphones warnte, wiederfand.
Die Literaturwissenschaftlerin Maike Albath stellte in ihrem Rom-Buch, das dolce vita und die italienische Literatur an Hand von fünf Autoren, wie Alberto Moravia und Elsa Morante vor. Dann kam noch einmal Terezia Mora auf das Sofa und unterhielt sich mit Barbara Wahlster über die Zahl ihrer Interviews und die Verkaufszahlen, die jetzt natürlich angekurbelt wurden.
Inzwischen wurde, wie ich auf www. buecher.at lesen und mich durch die Bildergalerie durchsehen konnte, der Österreichstand eröffnet.
Danach kam Clemens Meyer auf das blaue Sofa, von dem ich hörte, daß er am Montag sehr enttäuscht war, daß er den dBP nicht gewonnen hat und zuletzt am Mittwoch noch Norbert Gstrein mit “Einer Ahnung vom Anfang”, womit wir wieder bei der Longlist wären.
Dann gings in die “Alte Schmiede” zu den “Textvorstellungen”, das “Frankfurt-Feeling” in Wien, wie Friedrich Hahn launig verkündigte und nachdem ich darüber bloggte, konnte ich mich bei den Twitternews noch über die zahlreichen Parties in Frankfurt erkundigen, so feierten dort sowohl die Österreicher und die “Suhrkamp-Party”, die von vielen angeblich ignoriert wurde, gab es auch, das ist natürlich etwas, was ich in Wien versäumte, ein Glas Wein kann ich aber auch für mich trinken und außerdem brachte der Alfred Sushi nach Haus.
Und wenn ich so schaue, daß die Fachbesucherkarte achtundvierzig Euro kostet und die am Wochenende siebzehn, habe ich mir auch noch eine ganze Menge Geld erspart, für das ich mir eigentlich, ein paar Bücher kaufen könnte, wenn es nicht ohnehin schon eine Leselise bist 2025 gäbe, den den “Falter-Bücherherbst” hat mir der Alfred aber auch mitgebracht.
Am Donnerstag war dann Marion Poschmann am blauen Sofa angekündigt, so daß ich mich fast freute, als meine zehn Uhr Klientin absagte, so daß ich gut zurechtkommen sollte, allderdings gabs dann keine livestream, so daß ich herumzappte, mir ein paar versäumte Interveiws anhörte, bis 3-Sat mit Iris Radisch, die ich ja als Bachmann-Kritikerin kenne, begann, die lange Jahre an einem Buch über Camus geschrieben hat.
Um elf folgte bei 3-Sat Marion Poschmann, die Interviewspartner an den drei übertragenden Ständen ARD, 3-Sat und blaues Sofa, wiederholen sich zum Glück und so konnte ich mir in der Zwischenpause am Sofa, das ich dann wiederfand, noch einmal Andrea del Fuego hörte, die ihr Pseudonym erklärte.
Und dann gehts natürlich an das Nobelpreisraten, der ja zu Mittag verkündet wird, so daß am Vormittag darüber diskutiert wurde, ob es jetzt wirklich Haruki Murakami oder die künftige Friedenspreisträgerin Swetlana Alexijewitsch werden wird? Reinhard Jirgl, habe ich gestern gelesen, steht neben Peter Handke auch irgendwo erwähnt, was die deutschen Bücherblogger, die an seinem Roman scheiterten, wahrscheinlich ärgern würde.
Danach konnte ich ein Stück des Interwievs zwischen Dennis Scheck und Hans Pleschinksi, den ich auch einmal auf einem blauen Sofa kennenlernte, zu seinem neuen Roman “Königsalle”, der mich auch sehr interessiert, hören, in dem es um die Beziehung von Thomas Mann und einem jungen Mann namens Klaus Heuser geht, den ich trotz meiner endlos langen Leseliste auch gern lesen würde. Malte Bremer bedauert im literaturcafe.de ja die, die Leselisen bis 2030 haben, aber man kann die Bücher lesen wollen oder nicht und ich nehme es mir zumindestens vor.
Dagmar Leupold, die mit “Unter der Hand” auch auf Longlist stand und von der ich auch noch ein Buch zu lesen habe, konne ich dann bei 3-Sat interviewt von Ernst A. Grandits kennenlernen.
Dann habe ich bei den Namenprognosen des Vormittags wieder nicht gut aufgepasst und den Namen Alice Munro, einer 1931 geborenen kanadischen Autorin und Geschichtenerzählerin, an mir vorüberrinen lassen, weil ich von ihr noch nichts gelesen habe, den Namen aber, glaube ich, einmal von YuSophie hörte und Anna Jeller hatte ihre Bücher mal in ihrem Schaufenster stehen.
Also wieder eine Neuentdeckung, vielleicht kommt mal ein Buch zu mir, inzwischen habe ich mir die Tweeds angesehen, wo der Hanser Verlag, der auf Alexijewitsch tippte, auf den Sekt sitzenblieb, es wird ihn schon jemand trinken, S. Fischer war aber vorbereitet und mir kann es sowieso egal sein, weil ich von allen drei Autoren noch nichts gelesen habe, der Murakami steht aber inzwischen mehrmals auf meiner Leseliste.
Dann sollte ich vielleicht noch erwähnen, daß der wohl berühmteste Brasilianer, nämlich Paulo Coelho, auf der Buchmesse fehlt, weil der mit der Auswahl der geladenen Autoren nicht einverstanden war, physisch, symbolisch ist er wohl dort, denn es gibt einen Bus, der sein Konterfei trägt, der die Leute dort herumfährt und die anwesenden Experten fühlen sich bemüßigt über den esoterischen Bestsellerautor die Nase zu rümpfen.
Und als ich nach der Nobelpreisverleihung fast eingeschlafen bin, habe ich um mir mir Füße zu vertreten, schnell Milch eingekauft und mir beim “Wortschatz” ein anderes Bestsellerbuch, nämlich den Weltbestseller “Der Schatten des Windes” von Carlos Ruiz Zafon geholt, den ich auch noch nicht kenne.
Und nächstes Jahr ist, wie man schon hören Kann, Finnland Gastland, bezüglich dessen Literatur ich ja auch noch einen Nachholbedarf habe.
Dann stellte noch Maria Andrea Schenkel ihren neuen Krimi “Täuscher” auf dem blauen Sofa vor, der einen wahren Fall aus dem Jahr 1922 schildert und am Abend die Verleihung des Virenschleuererpreises, wo sich einmal der “Duftende Doppelpukt” und jetzt “We read Indie”, “Ihr Buch hat ein Gesicht” und andere beworben haben.
Ein “Brasilienbuch” habe ich ürigens auch noch zu lesen, nämlich Doris Kloimsteins Erzählband “Blumenküsser”, die ja einige Jahre dort in einer Schule tätig war.
Der Kultstar Boris Becker war Donnerstag auch Messegast und ein Model namens Daniela Katzenberger und in den Tweets las ich von den Unternehmungen die Nacht in den Messehallen zu verbringen, wo auf jeden dritten Stand die Wachmänner vor ihren Laptops sitzen und Filme schauen.
Und am Freitag gings bei 3Sat mit Hannah Dübgens Debutroman “Strom”, die ja auch beim “Bachmannpreis” gelesen hat, weiter.
Dann kam der Historiker Clark Christopher auf das blaue Sofa und erklärte und, weil wir ja bald 2014 haben den ersten Weltkrieg neu und der Brasialer Paulo Lins hat ein Buch über den Samba geschrieben und erklärte Wolfgang Herles, das der aus den Favelas stammt und Alina Bronsky, deren Buch “Scherbenpark”, ja eine Zeit lang bei mir sehr prominent aufgerufen wurde und die jetzt Kinderbücher zu schreiben scheint, stellte eines bei 3Sat vor “Nennt mich einfach Superheld”, in der sie einen Jungen schildert, der sein Gesicht durch den Biß eines Kampfhundes verloren hat.
Um zwölf kam dann Helene Hegemann auf das blaue Sofa, die ja mit “Ja zwei Tiger” vor kurzem ein neues Buch herausgegeben hat.
Dann kam ein Literaturwissenschaftler mit einem Buch zur oder gegen die Transparentkontrolle um um halb zwei die neue Friedens- und nicht Nobelpreisträgerin weißrussische Autorin und Journalistin Swetlana Alexijewitsch mit ihrem Buch “Secondhandzeit”.
Matthias Politycki stellte bei 3 Sat sein neues Buch “Samarkand” vor, während ich meine 2014 Bücher ins Badezimmer räumte, um wieder Platz im Badezimmer zu bekommen und hört dann noch einmal Thomas Glavinic in seiner bekannten chalanten Art über sein “Größeres Wunder” referieren.
Von Ghostwriter verfaßte Biografien berühmter Personen gibt es natürlich auch und das Abwehren, bei der Diskussion, ob jetzt jeder ein Buch schreiben kann und soll, wo es doch schon so viele gibt.
Dann kam der Büchnerpreistrager Friedrich Christian Delius mit seiner Rom-Erzählung “Die linke Hand des Papstes”, wo der Erzähler den Papst in einer evangelischen Kirche trifft und auch über eine Päpstin phantasiert wird und diskutierte mit Wolfgang Herles die italienische Korruption.
Nach einem Musiker der ein Buch über seinen Schlaganfall geschrieben hat, folgte Sven Regener, ebenfalls auch Musiker mit “Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt”, während bei 3 Stat Peter Stamm sein für den Raabe Preis nominierten Roman “Nacht ist der Tag” vorstellte, was mich wieder in Entscheidungsschwierigkeiten brachte und ich vom blauen Sofa zum 3-Sat Stand überschwenkte und am Schluß kam Freitags noch Else Buschenheuer mit ihrem “Skandal-Schundroman” auf einem bißchen höheren Niveau “Zungenkuß mit Hyänen” auf das blaue Sofa, bevor ich mit meiner grünen Mappe und dem gelben Buch zum Schreibtreff von Ruth und Robert ins Cafe Ludwig ging.
Interessant ist noch zu erwähnen, daß auffällig viele Autoren, erklärten, daß sie vier bis sechs Jahre an ihrem Buch geschrieben hätten, etwas was ich mir gar nicht vorstellen kann und eigentlich auch nicht will, aber offenbar bin ich da nicht im Trend und die blauen Sofa-Autoren viel viel langsamer als ich, ob das wohl ein Qualitätsmerkmal ist oder sein soll?
Allerdings sagte Else Buschenheuer dann auch noch, daß ihre Texte immer kürzer werden, was ebenfalls auf mich zutrifft, aber die neue Nobelpreisträgerin hat den Preis ja auch für ihre Shortstories begonnen.
In der Schreibegruppe, in der wir diesmal wieder zu sechst waren, haben wir dann zuerst einmal ganz pragmatisch einen Haufen Themen aufgelistet, von Hamlet und Theater, über Frankfurt, zum Lebenslauf, schwimmen, zusammen und vielleicht noch ein paar um uns dann aus Schwimmen zu einigen. Ich habe keine Themen eingebracht, sondern war offen für alles, ging es mir ja wieder darum, ein Stückchen an meinem Romanprojekt weiterzuschreiben, bevor ich in die echte Schreibephase kommen. So passte sowohl schwimmen als auch Theater ganz gut und dann fuhr die Renate, Barabara Haydns Mutter, nach ihrem Studienabschluß für eine Woche nach Bibione, das heißt sie stoppte mit ihrer Freundin hin und mitgenommen, habe sie die drei Wohlfort Brüder und dann gehen sie gemeinsam schwimmen. Sie hätten auch ins Theater gehen können und ich habe mir mitgenommen, im Roman auch einen Renate Strang einzubauen, so daß das Ganze nicht nur in der Gegenwart sondern auch noch zwanzig Jahre früher spielen wird.
Und der Hotlistpreis wurde inzwischen auch vergeben und ist an ein für mich völlig unbekanntes Buch, nämlich an “Die Manon Lescout von Turdej” aus dem Weidle Verlag gegangen. Mal sehen, ob ich von ihm noch einmal etwas höre.
Am Samstag haben sich dann die Pforten, wie Wolfgang Tischer so treffend formulierte, die Pforten für das allgemeine Lesepublikum aber auch die Cosplayer geöffnet und ich bin mit dem Alfred in das Gartenhaus am Almweg gefahren und haben mit der Anna und dem Andy den Garten ausgeschnitten und auf der Sophienalpe ein spätes Mittagessen gehabt
Dadurch habe ich natürlich die Sessions auf dem blauen Sofa versäumt, macht ja nichts, habe ich gedacht, läßt sich ja in der Mediathek nachholen.
Dann kam ich die letzten fünf Minuten noch zurecht, um Andrea Stolls “Bachmannbiografie” zu hören. Richtig, es jährt sich ja bald der vierzigste Todestag und der Moderator vermutete, wie ich hoffe, unrichtig, den Bachmannpreis kennt jeder, die Ingeborg Bachmann nicht. Er wollte dann noch von den blauen Sofa Publikum wissen, wer die die Gruppe 47 kennt, aber die dort saßen waren warhscheinlich die literarisch Interessierten und zeigten auf.
Ich kenne alle drei und hatte danach eine Weile Schwierigkeiten, die Portraits im Archiv zu finden.
Sonst waren sie immer nach ein paar Stunden da, jetzt fehlten sie, so habe ich mir das “Andere blaue Sofa Buchmessen-Spezial”, Wolfgang Herles über die Buchmesse geht und dann noch ein “Aspekte-Buchmessen- Portrait” angeschaut und habe dann doch noch die Sofas-Portraits gefunden und mir die von Martin Walser, Rüdiger Safransky über seine Goethe-Biografie und Michael Krüger, der sich positiv über das Internet und das Selbstpushling äußerte, obwohl er als Verleger fünfundsechzigtausend Manuskripte abgelehnt hat, den Schulen mehr Lesen verordnen würde und ein Gedicht namens “Urheberecht” vorlas, angesehen.
Spannend war dann auch das Video über den Aspekte-Literaturpreisträger Eberhard Ratgeb und sein Buch “Kein Paar wie wir” und dann am Sonntag fand um elf die Verleihung des Friedespreis in der Paulskirche an Swetlana Alexijewitsch statt. ZDF zeichnete den livestream mit, war aber heuer leider im nicht deutschen Ausland nicht verfügbar, so daß ich mich weiter auf den blauen Sofa Livestream und Videos beschränken mußte und da gab es natürlich bei den dreißigtausend Büchern, die in diesen Bücherherbst erschienen sind, einiges Interessantes.
So hat Jutta Ditfurth ein Buch über ihren Onkel, den Baraon Börries von Münchhausen, 1874-1945, ein berühmter Nazi und Balladendichter, den Marcel Reich-Ranicki trotzdem in seinen Kanon aufgenommen hat, geschrieben.
Ein Buch über die Flakhelfer, wie Siegfried Lenz und Dieter Hillebrandt, deren NDSAP-Aufnahmeansuchen man nun gefunden hat, gibt es auch und eine neue Biografie über Adolf Hitler.
Man sieht was die Leute lesen wollen oder sollen und Thomas Glavinic, der die Messe inzwischen schon wieder verlassen hat, fordert in seinem Messeblog die Leute auf, seine Bücher zu kaufen, damit er weiterschreiben die Buchhandlungen bestehen können.
Literarisch gab es eine Begegnung mit Andreas Eschbachs “Todesengel”, von dem ich “Perfect Copy” auf der 2014 Leseliste und schon in meinem Badezimmer habe und Peter Härtling, der demnächst achtzig wird und sich in seinen zwei neuen Erzählungen “Echo” mit dem letzten Buch, das man schreibt, auch eine interessante Idee, auseinandersetzt und Ze do Rock, auch ein Brasilianer, der ja heuer in Frankfurt gelesen hat, schloß die Lesereise auf dem blauen Sofa ab.
Mir raucht der Kopf, ist doch wiedermal ein sehr intensives Buchmessensurfing zu Ende, das mir von meinem rotengemusterten Wohnzimmersofa aus, immer sehr viel Spaß macht und ich Bücher kennenlerne, die ich vielleicht später mal in den Kästen oder Abverkaufskisten finde und wenn jetzt einer meiner Leser wieder meine Buchmessenbewertung wissen will.
Ich habe keine, als ich das letzte Mal live dort gewesen bin, ist es mir zu teuer gewesen und es hat mich auch geärgert, daß ich am “Fischer Stand” kein Wasser bekommen habe, auf dem Wohnzimmersofa sind die vielen Eindrücke sicher sehr interessant und staunen tue ich inzwischen schon über die übervolle Bücherzahl, die da geschrieben und präsentiert wird. Die berühmten Autoren, was auch für Schneider, Schauspieler oder Sportler gelten kann, sitzen auf dem blauen Sofa, Boris Becker wird gefilmt und von seinen Bodyguards begleitet und die vielen erfolglosen Autoren, rennen mit ihren Büchern herum und versuchen sie, wie Wolfgang Tischer, ein wenig ironisch beschrieb, irgendwo aufzulegen und inzwischen gibt es offenbar auch viele Selbstpublisherstände, die nicht nur mehr belächelt werden, also für Büchermenschen etwas durchaus Tolles, also fein, daß es das gibt.
Morgen gehts dann ins Literaturhaus zur Schweizer-Buchpreislesung und am Dienstag in die Grünangergasse zur Buch-Wien-Pressekonferenz und dort werde dann ich herumlaufen und versuchen Kontakte zu knüpfen, Leute zu treffen und wenn es geht nicht zu viele Bücher nach Hause zu bringen oder, aber das meine ich, wie meine Leser wissen werden, wahrscheinlich nicht ganz ernst.

Die Dirigentin

Jetzt kommt ein Roman des ZDF-Kritikers Wolfgang Herles, den ich von den blauen Sofas von Frankfurt und von Leipzig kenne und der auch seit zwei Jahren eine so genannte Literatursendung im Fernsehen hat, wo ich mich vor allem an eine Kritik über ein Buch von Ferdinand von Schirach erinnere, wo er mit erhobener Hand in den Bildschirm wachelt und laut und empört “So nicht!”, schreit.
Jetzt weiß ich nicht, ob Wolfgang Herles, daß auch so bei seinem Roman “Die Diregentin” machen würde, im Vorbild habe ich gehört, daß ihm damit auch nicht der große Wurf gelungen sei, ich tue das natürlich nicht, obwohl mir das Buch vielleicht ein bißchen zu glatt, zu abgehoben und zu veraussehbar erschien. Nichts an Peinlichkeit wird ausgelassen und Jakob Stein, der männliche Protagonist hat von vornherein keine Chance, was mir immer ein bißchen leid tut und außerdem denke ich, daß ein ehemaliger Minister höchstwahrscheinlich nicht so doof oder psychisch schwach sein wird, wie ihn Wolfgang Herles schildert, aber irgendwo im Buch steht auch ein Satz, wie “Du hast ja keine Ahnung welche Idioten an die Macht kommen können!”
Jakob Stein ist jedenfalls ein gefallener Minister, gefallen lassen wurde er von der Kanzlerin Christina Böckler, Ähnlichkeiten zu Angela Merkel sind beabsichtigt oder zufällig oder nichts davon oder alles?
Am Titelbild sieht man jedenfalls einen roten Teppich und da geht eine blonde Frau in schwarzen Anzug darauf, die man von hinten für sie halten könnte und unter Wolfgang Herles Danksagung steht “Die Personen dieser Geschichte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit wahren Personen und Begebenheiten sind unvermeidlich.”
Aber es geht ja um eine Dirigentin, bzw. um Jakob Stein, der sich nach seinem Fall in die Welt der Musik zurückzieht. Am Beginn des Buches begegnen wir ihn in Salzburg, wo er mit seinem Freund und Therapeuten Franz einige Aufführungen besucht. Hat sich zu Wolfgang Herles noch nicht herumgesprochen, daß Therapeuten nicht ihre Freunde therapieren sollen?
Der Ex-Minister hat jedenfalls alle Angebote als Lobbyist oder in die Wirtschaft zu gehen ausgeschlagen, will zu seinem Vergnügen der Musik nachreisen und hat offenbar auch das Geld dazu, er ist geschieden, mit der Ex ist alles geregelt und der Sturz der Kanzlerin scheint ihn sehr getroffen zu haben. Die hat ihm zum Abschied auch einen Dirigentenstab mit drangelassenen Preisschildchen geschenkt und so lernt der Held gleich einmal die schöne Dirigentin MP Bennson kennen, die ihrer Freundin Leilah, einer Schweizer Bankerin, Liebesmails schreibt, reist ihr von Wien nach Mailand, etc, nach, so was scheint man “Aficionado” zu nennen, er spricht sie auch an und sie lädt ihn nach Berlin ein, wo sie “Rheingold” dirigieren soll, um dort die Proben zu besuchen.
“Rheingold” diese Wagner Oper, die Herles, dann ziemlich genau in ihren Stabreimen zitiert, soll von dem Regisseur auch ziemlich umgedeutet werden, so soll Wotan als Mohamed auftreten. Stein rät davon ab, wegen der politischen Präsanz und bringt Maria auch ein eigenes Regiekonzept als Geschenk mit, die ihm sehr kalt und höflich behandelt, aber vielleicht noch brauchen kann. Denn es gibt in der Linden-Oper natürlich Intrigen, sie will eine Sängerin hinauswerfen, mehr Proben haben etc und schreibt das auch immer getreulich ihrer Leilah.
Mit Stein geht sie ein paar Mal essen und bittet ihn dann ihn der Kanzlerin vorzustellen, was er auch macht, dann kippt das Buch und die Ereignisse überstürzen sich, denn Maria und die Kanzlerin scheinen sich zu verlieben oder ist das nur Steins Phantasie?
Die Dirigentin läßt den Ex Minister aber sofort fallen, zeigt ihm des Stalkings an, läßt ihn aus dem Hotel weisen, er verfolgt sie weiter, tauscht ihren Dirigentenstab mit dem ihm geschenkten aus, womit sie sich am Auge verletzt, so daß sie mit roter Augenklappe- wie einer der “Rheingold-Protagonisten”, die Premiere dirigieren muß. Ein Koffer mit einer toten Kröte wird auch im Orchestergraben gefunden. Haben den die Islamisten oder doch Jakob Stein hingestellt?
Er schickt seiner Schönen von der er verlautet, ihr geheimer oder öffentlicher Geliebter zu sein, ein bei Palmers, in Wien gekauftes goldenes Nachthemd, betrinkt sich ziemlich und bei der Premiere, die er dann besucht, scheint er einen Herzinfarkt zu erleiden.
Nun ja, nun ja, ich mag mir nicht die Empörung des Kritikers Wolfgang Herles dabei vorstellen und den mahnenden Zeigefinger oder würde er anders reagieren?
Die Rezensionen, die ich gelesen haben finden das Buch zum Teil satirisch und amüsant. Sehr genau scheint es recherchiert zu sein und ich habe in Wolfgang Herles Lebenslauf, der 1950 geboren ist, auch gelesen, daß er, bevor er Literaturkritiker wurde, Politjournalist war und einen Eklat mit Kanzler Kohl hatte. Vielleicht ist es also doch ein Schlüßelroman und von den Mächtigen und Schönen, zu lesen, die alle als ziemliche Ekel dargestellt werden, ist ja sicher auch sehr reizvoll.

Was du liebst, gehört dir nicht

Jetzt kommt ein Roman von Louise Doughty, von der das “Ein Roman in einem Jahr” Projekt ist, das es 2007 im Autorenhausverlag gab, ein Buch bzw. Internetausdruck, den ich mehrmals gelesen habe.
Als “Was du liebst gehört dir nicht” bei Morawa in der Abverkaufskiste lag, war ich neugierig, was und wie die 1963 geborene britische Autorin, Journalistin und kreative Writinglehrerin schreibt und bleibe bei dem Buch, wo es, um Schuld und Sühne und den Verlust eines Kindes geht, etwas ratlos zurück.
Gibt es in dem Buch doch in der Mitte einen Stil und Perspektivenwechsel und das habe ich ja von den Schreibratgebern gelernt, daß man nie die Genre wechseln darf und so ganz habe ich mich mit dem Verlauf der Handlung auch nicht ausgekannt.
Da ist Laura Needham, eine junge Mutter und Physiotherapeutin, geschieden, der von zwei Polizisten, der Unfalltod ihrer Tochter Betty beigebracht wird.
Danach ist das Buch in verschiedene vorher und nachher Abschnitte gegliedert, die zuerst einmal Lauras Leben bis zu dem Unfalltod schildern.
Sie hatte eine pflegebedürftige Mutter für die sie als Kind schon Veranwortung übernehmen mußte und keinen Vater, die Pflegeschwester und die Fürsorgerin, rieten ihr Krankenschwester zu werden, sie studierte aber Physiotherapie und lernte dann David kennen, den sie nach einigen Anläufen heiratet und zwei Kinder, Betty und Rees bekam.
Noch vor Rees Geburt betrügt David sie mit Cloe, von der er dann ein Baby bekommt und Laura bekommt anonyme Briefe, die von Chloe sein könnten, die sie dazu bringen will, die Kinder zu David zu lassen, was sie auch tut. Als das Baby geboren wird, kauft sie sogar ein Geschenk für es ein.
Dazwischen begleiten wir Laura ins Krankenhaus, erleben die Begräbniszeremonie und ihren Schmerz und all die Trauerreaktionen, die eine Mutter, deren Kind gestorben ist, wohl hat.
So ist sie auf Sally, der Mutter, von Betty Freundin, die auch in den Unfall verwickelt war, aber erst nach Betty stirbt, eifersüchtig und kann sie nicht sehen und auch auf eine junge Mutter, die mit ihren Kind auf den Spielplatz kommt.
Sie hat auch im Krankenhaus seltsame Begegnungen mit Jugendlichen und anderen Patienten, die sie beschreibt und die als Trauerreaktionen zu deuten sind.
Ungewöhnlich für mich ist, daß die Vertrauenspolizistin sooft zu ihr kommt und daß sich die Nachbarinnen so auffällig, um sie kümmern und ihr alles abnehmen, aber vielleicht ist das in England so üblich.
Laura kommt auch eine Nacht in eine psychiatrische Abteilung und Rees vorübergehend zu David und Cloe.
Dann wird es ein wenig unklar, Laura liest die Unfallsberichte über den Mann, der die Kinder angefahren hat. Es ist ein Flüchtling, der in einer Wohnwagensiedlung lebt und der einen Neffen hat, um den er sich sehr kümmert. Es ist der, den Laura im Krankenhaus gesehen hat.
Nun packt sie ein Messer und geht auf den Jungen los, das habe ich nicht ganz verstanden und “Uje!”, gedacht, auch, daß sie den Flüchtling in ihr Haus mitnimmt, mit ihm schläft und ihm dann erklärt, daß er ihr etwas schuldig ist. Ist es doch ein Kriminalroman, ein Thriller und kein, ein vielleicht ein wenig konstruiert wirkendes Trauerbuch?
Kurz danach verschwindet Chloe, von der David Laura gesagt hat, daß sie sehr depressiv ist, ihr Geld und ihr Auto bleiben zurück, hat sie vielleicht Selbstmord gemacht?
Der Flüchtling verschwindet auch und Laura wird verhaftet.
Uje, uje, sie kommt aber wieder frei, denn die Polizei kann ihr nichts beweisen und vielleicht hat sie auch nichts getan und sich die depressive Chloe wirklich selbst umgebracht. Warum hat sie aber mit dem Mann, der schuld am Tod ihrer Tochter ist, geschlafen? Das erscheint mir nicht sehr realistisch. Sie kommt auch wieder mit David zusammen und Chloes Mutter greift nun Laura an und schreibt ihr weiter Briefe.
Geht es also um die Trauer einer Mutter, deren Kind einen Autounfall hatte oder um ihre Beziehung zu David?
Die Rezensionen, die ich bei “Amazon” gelesen habe, sind auch widersprüchig. Eine nennt das Buch “ein nettes Buch für den Strandurlaub, mehr aber nicht”, was es sicher nicht ist, eine andere bezeichnet es als “Schwere Kost”.
Mich stört der Bruch und der Perspektivenwechsel und mache kein Hehl daraus, daß ich lieber ein Buch gelesen hätte, wo eine Mutter ihrn Schmerz, um den Verlust ihres Kindes verarbeitet, aber kein Mordkomplott ausheckt, weil ich diese abgehobene Spannungselemente nicht mag, die meisten Krimis sind aber nach diesen Mustern gestrickt und das andere wären Sachbücher, die ich nicht so oft lese.
Die Rezensionen nennen, den ersten Teil des Buches auch langweilig und finden es erst spannend, als Laura zum Messer greift.
Ich habe ihn ein wenig zu bemüht und konstruiert empfunden und kann mich erinnern, daß ich mit “Mein ist die Rache” selbst einmal einen Krimi in der Schreibwerkstatt der Eveline Haas geschrieben habe, der keiner war.
Da fahren zwei Freunde mit einem Motorrad, einer wird versehntlich von der Polizei, die einen Bankräuber jagt, erschoßen, das war ein realer Fall, das war ein Lehrer, sein Freund, ein Arzt, hat ein paar Monate später den Polizisten, der geschossen hat, auf dem OP und soll seinen Blindarm operieren. Er denkt dabei immer wieder “Mein ist die Rache!”, tut es aber ganz ordnungsgemäß.
Das sind die Handlungen, wie ich sie will und womit man wahrscheinlich keinen spannenden Krimiwettbewerb gewinnt.
Bei Louise Doughtys Buch ist mir aber vieles unklar und die Geschichte mit dem Mann, der sie betrügt, und mit dem sie nach dem Tod der zweiten Frau wieder zusammenkommt, passt auch nicht ganz hinzu.
Spannend aber in die Karten der Schreiblehrer zu schauen und zu sehen, wie sie die Genres wechseln, obwohl sie doch immer mahnen, daß man das nicht soll.

Sich verlieren – sich finden

“Frankfurt Feeling”, hat Friedrich Hahn bei den abendlichen Textvorstellungen versprochen und drei Autorinnen vorgestellt, die auch dort lesen hätten können, bezeihungsweise eine beachtliche Karriere in anerkannten Verlagen vorzuweisen haben und das Thema war “Sich verlieren – sich finden”, weil man meist erst eine Krise durchmachen muß, bevor man weiter kommt und stellte als erste die 1976 geborene Isabella Feimer vor, die jung zu schreiben begonnen hat, wobei ihr von ihrer Lehrerin abgeraten wurde, so daß sie Theaterwissenschaft studierte und lange am Theater arbeitete, bevor sie eine schreibende Karriere startete, 2008, die Leondinger Akademie besuchte, 2012 beim Bachmannpreis gelesen und jetzt den ersten Roman, mit dem sie auf der Alpha-Shortlist stand, fünfzehn Theaterstücke hat es dazwischen auch gegeben.
Isabella Feimer las dann das Stück, wo ihr Protagonist mit der namenlosen Erzählerin zu ihrer Familie geht und diskutierte mit Friedrich Hahn die Schuldgefühle, die ihre Protagonistin hat, weil sie ein Leben ohne Krieg und Terror erlebte, während ihr afghanischer Freund sein Leben in der Freiheit viel lockerer genießen kann.
Friedrich Hahn erzählte von einem ähnlichen Erlebnis mit seinen Lehrern, die seine erste Lesung als Schmarrn bezeichneten und schwankte zu Daniela Meisel hinüber, die, wie Isabella Feimer und Anna Weidenholzer 2008 die Leondinger Akademie absolvierte, dann ein Buch bei Arovell hatte und jetzt das zweite bei Picus, das sie vorstellte “Der Himmel anderswo”, eine ähnliche Thematik, zwei Flüchtlinge, ein Mann aus Bosnien, eine Frau aus der Ukraine, beide mißbraucht, die in die Natur flüchten und sich dabei finden.
Daniela Meisel, die studierte Meeresbiologin ist, erwähnte, daß die Natur für sie sehr wichtig sei und, daß das Buch sehr grausame Sachen, wie Zwangsprostiution etc, die ihren Helden widerfuhren schildert, dann sagte sie noch, daß sie sich für ihre neue Arbeit, von der es schon zweihundert Seiten zu geben scheint, vorgenommen haben, mehr auf sich selbst und nicht auf die Stimmen von außen zu achten, etwas was auch für mich gelten könnte.
Danach kam die 1971 geborene Birgit Unterholzner aus Bozen, die das dritte Mal in der “Alten Schmiede” gelesen hat, mit einem Roman namens “Für euch, die ihr träumt”, die nicht wollte, daß Friedrich Hahn zuviel von ihrem Bucht verriet, in dem die Heldin offenbar ein Kind verlor, ihre Verzweiflung ebenfalls in der Natur auslebte und durch eine ätiopische Flüchtlingsfrau dazu kam ihr Leben zu verändern, die sie ebenfalls viel stärker als sie selbst erlebte.
Drei sehr ähnliche Themen, die irgendwie ineinanderüber gingen und drei sehr interessante Bücher von denen ich eines schon gelesen habe und Bestätigung, daß nicht nur Frankfurt, sondern auch Wien sehr viel zu bieten hat.
Friedrich Hahn erwähnte noch seinen nächsten Abend am siebenten November, wo er Erzählungen vorstellen würde und wollte von Birgit Unterholzner wissen, ob sie beim Schreiben gleich merken würde, ob es ein Roman oder eine Erzählung wird?
Ich denke, das merkt man schon, beziehungsweise legt man es darauf jeweils an, obwohl es mir manchmal passiert, daß meine Roman schließlich zu viel kürzeren Erzählungen wurden.

Elfriede Hammerl zur Frauengesundheit

Ich bin ja im Verteiler der Frauengesundheitsbeauftragten Beate Wimmer-Puchinger, wie ich Psychologin und wie ich gerade hörte, die “Frau Professor”, gehe mehrmals im Jahr zu den Frauengesundheitsdialogen in den Ringtum, das letzte Mal habe ich dabei wegen der “schönsten Bücher” das Buffet versäumt und bei einer tollen Tagung im Rathaus, wo ich zwischendurch Konstantin Kaiser zu seinem Ehrenkreuz gratulierte und nachher zur Rolf Schwendter Geburtstagsfeier ins Literaturhaus huschte, war ich auch einmal und heute hat der Verteiler zu einer Veranstaltung und Lesung von Elfriede Hammerl in die Künstlerische Volkshochschule, ein Ort, wo ich seltsamerweise noch nie war, zum “Equalpayday” unter dem Motto “Alles falsch gemacht”, das ist ein Buch von Elfriede Hammerl, beziehungsweise eine ihrer Kolummensammlung, eingeladen und da die Veranstaltung schon um siebzehn Uhr dreißig anfing, hätte ich sie fast versäumt, beziehungsweise mußte ich eine Stunde verlegen und bin nach der sechzehn Uhr Stunde zwar pünktlich hingekommen, aber alle Sitze waren schon voll und Sessel mußten erst hineingetragen werden, die Profil-Journalistin Elfriede Hammerl ist offensichtlich eine sehr bekannte Frau, für die sich die eingeladenen Frauen sehr interessierten.
Die Leiterin der künstlerischen Volkshochschule eröffnete, Beate Wimmer-Puchinger führte mit dem VHS- Leiter, ein Zwiegespräch und neben der Frauengesundheit ist auch die der Frauenbildung ein aktuelles Thema, gerade heute, wo die Pisa Studie für Erwachsene bekanntgegeben wurde, die herausfand, daß auch die Erwachsenen und da vor allem die älteren nicht gut lesen können.
Das triff mich, glaube ich, nicht, obwohl ganz sicher kann ich mir da auch nicht sein, weil ich ja immer Kommentare bekomme, daß es ziemlich trottelig ist was ich da verfasse oder das schlechteste überhaupt was man je gelesen hätte.
Das glaube ich zwar nicht, in diesem Punkt bin ich ziemlich selbstbewußt und Elfriede Hammerl, die ich von ihren “Profil-Kolumnen” kenne, ist das glaube ich auch.
Beate Wimmer-Puchinger, auch eine sehr selbstbewußt Frau, erklärte, daß sie und die Autorin am selben Tag Geburtstag hätten und sich durch einen Mann kennengelernt hätten und ich kenne Elfriede Hammerl, wie schon erwähnt, von ihren “Profil-Artikeln”, wo ich nicht immer einer Meinung mit ihr bin, dann hat sie auch Antia C. Schaub in ihrem Frauenbuch portraitiert und einmal in die Poet Night migebracht.
Bei “Rund um die Burg” hab ich sie lesen gehört, den “Verpassten Mann” im Schrank gefunden und auch “Müde bist du Kängaruh”, was ich noch lesen muß.
Jetzt las Elfriede Hammerl Kolummen, dazu, daß Frauen jetzt zwar mehr Bildung als ihre Mütter und Großmütter hätten, in den Stellenausschreibungen für wenig Geld aber die größte Perfektion verlangt wird und, daß den alten Frauen, die beste Bildung nicht viel nützt, weil sie leicht entmündigt oder besachwaltert werden und, daß die Bauarbeiter mehr als die Altenpflegerinnen verdienen, weil das angeblich eine wertvollere Arbeit ist.
Elfriede Hammerl las sehr lang, das Publikum verlangte auch noch eine Zugabe, nachher gab es, wie in den VHS offenbar üblich, bzw. habe ich das in der Bezirksvertretung Wieden, das letzte Mal so erlebt, Wein, Brot und Oliven und einen Büchertisch der sehr frequentiert war, sowie eine Signierstunde und ich warte auf die Einladung zum “Alpha-Preis” und hoffe, daß sie kommt, bzw. wurden heute die Finalisten bekanntgegeben, die Cordula Simon, Marjana Gaponeko und Harald Darer sind, da kann es wohl nur die Frau Gaponeko werden, von der ich noch “Annuschka Blume” lesen muß, aber vielleicht irre ich mich wieder und den Rest der Woche geht es nach Frankfurt bzw. am Abend in die”Alte Schmiede zu den Textvorstellungen” wo Isabella Feimer, die auch auf der Shortliste war, ihren “Afghanischen Koch” vorstellen wird.

In Frankfurt und in Wien


In Frankfurt wurde am Montag im “Römer” um achtzehn Uhr der deutsche Buchpreis vergeben und für die, die dort nicht teilnehmen können oder dürfen, denn da muß man ja sicher auch eine Einladung haben, konnten die Verleihung im Livestream verfolgen, für mich eine sehr ungünstige Zeit, da ich ja meistens zu einer Lesung gehe und daher meistens erst beim Nachhause kommen, das fünf Minuten Filmchen mit der Dankesrede sehen kann, denn den Livestream gibt es nicht als Video, obwohl man sich das ja sicher locker auch später ansehen könnte und diesmal habe ich den dBP ganz besonders intensiv von der Verkündung der Longlist, zu den Leseproben bis zur Shortlist verfolgt und war am Schluß soweit, daß ich keine Prognosen stellen konnte, außer, daß ich sicher war, daß Reinhard Jirgl mit seinem schwer lesbaren Roman nicht gewinnen wird.
Ganz am Anfang sah ich ja Therezia Mora als eine der Favoriten, nach Verkündigung der Shortlist habe ich zuerst auf Clemens Meyer getippt, dann kamen Therezia Mora und Mirko Bonne, den die Blogger ja besonders favorisierten hinzu.
Mir persönlich ist bei den Leseproben Marion Poschmann, die ich vorher nicht kannte, besonders aufgefallen und die wurde im Wochenendstandard auch als Favoritin genannt, da war ich eigentlich nicht sicher, habe mir das Buch inzwischen aber vom Alfred zum Geburtstag gewünscht und von der Anna Rentsiks “Mittelstandrauschen” und auch die Newcomerin Monika Zeiner hatte durchaus Chancen.

Also spannend zum Auftakt der Frankfurter Messe, wo ich in den Blogs schon lesen konnte, Buzzaldrin geht zur Preisverleihung, Wolfgang Tischner wird über die Messe bloggen und ich hatte für den Abend natürlich wieder etwas vor, ganz selten, daß ich an einem Montag zu Hause bin und diesmal gab es sogar etwas ganz Interessantes, stellte doch Judith Gruber Rizy im Republikanischen Club ihr neues Buch “Schwimmfüchslein” vor, aber in die Rockhgasse brauche ich nur vierzig Minuten, also konnte ich mir den Beginn des Livestreams geben, vielleicht erfahre ich schon den Namen, dachte ich und schaltete mich um sechs Uhr zu.

Da kam ein Eröffnungsredner und Gottfried Honnefelder, den ich schon von den Preisverkündigungen kannte, erklärte, daß am Ende die Literatur und das Buch gewinnt und, daß die Diskussion über den Buchpreis wichtig sei, dann ein Herr, der die Jury vorstellte, von denen einige in Wien Literatur studiert haben und als er ein Gespräch mit dem Vorsitzenden zu führen begann, war es zwanzig nach sechs und ich schaltete den Laptop ab, um zur Lesung zu gehen und zum ersten Mal bedauerte ich, daß ich kein Handy habe, denn da hätte ich mir den Livestream am Weg weiteransehen können.

Na gut, ich werde es schon erfahren und schwenkte zu Judith Gruber Rizy über, die mir einmal, lang lang ists her, als ich zu einer Lesung ins Ernst Kirchweger-Haus ging, Arthur West vorstellte.
Judith Gruber-Rizy, die eifrige, bemühte, 1952 in ÖO geboren, Journalistin, Studium der Literatur und Theaterwissenschaft, die auch in der GAV Mitglied ist, von Anita C. Schaub die Frauen lesen Frauen Gruppe übernommen hat und eine Reihe von Büchern in Klein- und Kleinstverlagen hat und das besondere bei ihren Büchern ist die Protagonistin, die immer Rosa heißt.

“Aurach” habe ich mit ihr getauscht. “Drift” hat sie mir mal zum Geburtstag gebracht, ebenso, wie “Zwischenlandschaft” und jetzt also “Schwimmfüchslein” wo es um Künstlerinnen, die von ihren Männern unterdrückt werden und oft ihr eigenes Schaffen aufgeben und im besonderen um die Malerin Gabriele Münter geht, die als Wassily Kandinskys Muse gilt, geht und Rosa fährt im Zug und findet dort ein Buch, mit Briefen, wo einer “Schwimmfüchslein” an seine Geliebte schreibt.

Judith Gruber Rizy hat glaube ich schon beim Volksstimmefest ein Stück daraus gelesen und setzt sich auch für andere unterdrückte Frauen, so etwa für Veza Canetti ein, wo sie einmal bei einer “Freiheit des Wortes” einen Text dazu geschrieben hat und den dann in der Ferdinandstraße gelesen hat.
Alle Bekannte und auch die Lesekreisfrauen in der Rockhgasse, Hilde Langthaler, Ruth Aspöck, Susanne Schneider, Elfriede Haslehner, Hilde Schmölzer Hansjörg Liebscher und und und.
Alfred fotografierte und zeigte mir gleich auf dem Handy, daß Terezia Mora den DBp gewonnen hat, was für mich eine Überraschung war. Er kaufte mir auch Judith Grubers Buch, das meine 2013 Leseliste etwas ausreizt, aber sicherlich sehr spannend ist und Anna Jeller an deren Buchhandlung wir beim Nachhauseweg vorübergehen, hat ihre Schaufenster neugestaltet und natürlich “Das Ungeheuer” liegen und Ingrid Führer hat mich zu der Pressekonferenz bezüglich der Buch Wien, die ja ein Monat später stattfindet eingeladet und mir schon das Programm übermittelt. Aber erst geht es nach Frankfurt wo das Buch ja wichtig ist und wir eine neue dBp Buchpreisträgerin haben, daß es aber viele andere schöne Bücher daneben gibt, habe ich nie bezweifelt und so werde ich in der nächsten Zeit zwischen Wien und Frankfurt pendeln, weil man letzteres mit dem Laptop im Wohnzimmer ja ganz bequem machen kann.

Oktoberplanung

Nach den Marathonveranstaltungen der letzten Woche ist es an der Zeit mich meinen Oktoberplänen zu widmen, denn eigentlich, so weit man das bei mir so sagen kann, läuft ja alles gut und die letzten Wochen waren sehr intensiv.
Mit dem Korrigieren der “Dreizehn Kapiteln”, die ich ja im Sommer so flott heruntergeschrieben habe, bin ich letzten Sonntag fertig geworden und darauf habe ich schon lange gewartet, beziehungsweise habe ich bei verschiedenen Schreibetreffs und einigen Artikeln, mich schon ein bißchen auf das nächste Projekt, dieser Brüdergeschichte eingelassen und damit begonnen, aber eigentlich will ich damit ja nicht wieder in zwei Wochen fertig werden, so habe ich eine längere Recherche geplant und hätte die gern letzte oder diese Woche gemacht, aber in der letzten ging es nicht, denn da war soviel anderes zu tun, so sind die “Ohrenschmaus-Texte” mit einigen Verzögerungen in zwei Tranchen zu mir gekommen und dabei habe ich erfahren, daß Michaela König, die ja das Vorbild meiner “Mimi” ist, gestorben ist, was ich sehr bedauere.
Die Texte hatte ich dann Anfang letzter Woche durchgesehen und meine Vorschläge aufnotiert, die Jurysitzung wird am fünfzehnten Oktober sein und die Preisverleihung am 2. Dezember wieder im Museumsquartier, dann bin ich auf die Sozialversicherung gegangen und habe meinen Pensionsantrag gestellt, weil ich ja am neunten November sechzig werde und am achten November ist mein literarisches Geburtstagsfest geplant, bei dem ich diesmal sechzig Minuten aus meinen dreißig Indie-Büchern lesen werde.
Das habe ich mir von Friedrich Hahn abgeschaut, der so etwas Ähnliches zu seinem sechzigsten Geburtstag machte und bei meinem fünfzigsten Geburtstag auch schon allein gelesen, sonst lade ich mir ja immer einige Autoren dazu ein, wie lange ich das damals tat, weiß ich nicht mehr. Jetzt habe ich aber vor, das immer jeweils um zehn Minuten zu steigern, sollte es zu meinem siebzigsten oder achtzigsten Geburtstag noch solche Feste geben.
Was ich lesen werde, muß ich noch planen, die Ruth hat mir schon geschrieben, daß sie neugierig ist, wie ich das machen werde. Die Einladungen sind jedenfalls ausgesendet und ich hätte diese Woche wieder Zeit in den praxisfreien Zeiten auf Recherche zu geben, aber da fängt ja am Mittwoch die Frankfurter Buchmesse an und die habe ich wieder vor mir online zu geben.
Also werde ich die praxisfreien Zeiten bis Ende Oktober dazu nützen mir Notizen für mein neues Romankonzept zu machen, von dem ich bis jetzt weiß, daß es um drei Brüder, einen Zahnarzt, einen Psychiater und einen Universitätsprofessor geben soll und um eine junge Frau, die ihren Vater sucht. Aber ein wenig ist mir das in den letzten Tagen wieder entglitten, so daß ich erst wieder in den Stoff hineinkommen muß.
Wenn das bis Ende Oktober mache, könnte ich dann Anfang November beim Nanowrimo mitmachen, obwohl ich ja länger als ein Monat daran arbeiten will und wir auch nach meinem Geburtstagsfest, am Dienstag, nicht am Sonntag, weil da ja der “Erich Fried Preis” und am Montag der “Alpha” vergeben wird, wofür ich ja diesmal wirklich eine Einladung bekommen soll, nach Ungarn fahren wollen, falls es das offene Bein der Schwiegermutter erlaubt und dann bald ja die Buch-Wien stattfindet, die mich auch vom Schreiben abhalten wird, aber es macht ja nichts, ein bißchen mitzuschreiben und auch, wenn ich am 30. November die fünfzigtausend Worte nicht habe, beziehungsweise, was ich mir eigentlich wünsche, mit dem Roman dann noch nicht fertig bin. Hineinkommen und den großen Roman zu schreiben ist ja mein Ziel und natürlich auch damit ein bißchen literarisch aufzufallen, was mir auch mit dem Literaturgeflüster oder vielleicht gerade deshalb nicht gelingt, aber ich werde es weiter versuchen. Das Wichtigste ist ohnehin mit dem Schreiben besser zu werden, bezieungsweise, so gut wie möglich zu schreiben, was ein Zitat ist, daß Thomas Stangl im “Wochenend-Standard” in einem Interview anläßlich der Frankfurter Buchmesse äußerte.
Ich werde es auch für mich versuchen und so gesehen, geht es sehr gut.
So habe ich am Freitag auch das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” korrigiert.
Ob sich das noch ausgeht, das Buch am achten bei meinem Fest zu präsentieren, würde ich zwar skeptisch sein, weil der Alfred mit dem Garten in Harland und der WU-Übersiedlung, die am Freitag eröffnet wurde, aber noch lange nicht fertig ist, sehr viel zu tun hat. Aber es geht alles gut voran und wenn es mir jetzt noch gelingt, auch in der Öffentlichkeit ein wenig präsenter zu sein, wäre das sehr schön, ich tue was ich kann und kann mit meinem Output und meiner Energie eigentlich zufrieden sein.

Feuchtgebiete

Die achtzehnjährige Helen Memel liegt nach einer mißglückten Intimrasur im Krankenhaus und quasselt vor sich hin, über ihre Hämorrhoiden, ihren “Blumenkohl”, den Venushügel, über Analverkehr, Gott und die Welt, über vorletzteres nicht so viel, obwohl sie im Krankenhaus “Maria Hilf” liegt, wo überall Kreuze und Heiligenbilder hängen, klingelt ständig nach den Schwester oder dem hübschen Pfleger Robin und bringt das Krankenhaus zur Verzweiflung oder eigentlich gar nicht, denn die 1978 geborene Charlotte Roche, die mit ihren ersten Roman “Feuchtgebiete” berühmt geworden ist, so daß das Buch, das ich im Schrank gefunden habe, gerade verfilmt wurde, hat sich für ihren Erstling in dem es gegen oder vieleicht auch für die Hygiene geht, einen ganz besondereren Protagonistenteenager ausgedacht, ein bißchen erinnert die Frühreife, die da so locker über ihr Intimleben plaudert und vielleicht gar nichts versteht, an Helene Hegemann, die Überforderung fehlt aber oder ist nicht so stark zu spüren, wahrscheinlich weil Charlotte Roche älter ist, ihre Bücher sollen aber, wie ich gelesen habe, zu siebzig Prozent autobiografisch sein und natürlich hat Helen Memel schon einiges erlebt, so einmal die Mama und den Bruder am Boden liegend nach einem Selbstmordversuch gefunden oder hat sie sich das nur eingebildet?
Die Eltern sind jedenfalls geschieden, so ist es Helens größter Wunsch sie wieder zusammenzubringen und dafür nimmt sie viel auf sich.
Sie war aber offenbar immer schon ein Extremcharakter, so hat sie sich einmal, als sie eine Schularbeit vermeiden wollte, den Blindarm operieren lassen, jetzt hat sie sich am Arsch geschnitten, wird deshalb operiert, liegt mit ihren Avocadokernen, die sie im Krankenhaus gar nicht haben darf und die sie deshalb unter der Bibel versteckt in ihrem Zimmer und läßt sich von Robin ihren Arsch bzw. die OP-Wunde rasieren, um sie dann Dr. Notz, dem Operateur zu zeigen, der sich damit gar nicht so besonders auszukennen scheint. Sie muß jedenfalls solange im Krankenhaus verbleiben, bis sie unblutigen Stuhlgang hat und da sie ihre Eltern wieder zusammenführen will, beschließt sie den solange zu vermeiden, bis das geschehen ist und sich die Eltern bei ihren gemeinsamen Besuchen wieder versöhnen.
Christine Nöstlinger hat auch einmal etwas Ähnliches geschrieben.
Bei Helen klappt es ebenfalls nicht. Die Eltern kommen nicht gemeinsam, obwohl Helen sie zur selben Zeit bestellt, verspätet sich die Mutter um zwei Stunden und den unblutigen Stuhlgang hat sie auch, als sie sich mit einem Leintuch über dem Krankenhausnachthemd in die Cafeteria begibt, vorher hat sich noch ein paar Besucher mit ihren blutigen Tampons verschreckt, denn die Regel hat sie gerade auch und von ihren Bordell- und anderen Fickversuchen, hat sie uns vorher auch schon vollgequasselt.
Im Krankenhaus verschweigt sie also den Stuhlgang, obwohl sie alle danach fragen und ihr nur noch Müsli und Vollkornbrot zum Essen geben und als ihr der Vater, der etwas zugänglicher ist, ein Kissen gegen die Hämorrhoiden bringt, die Schwester aber davon abrät, weil es die Wunde wieder aufreißt, hat Helen schon die nächste Idee, die zur Notoperation führt, Robin soll die Eltern davon verständigen, die kommen aber nicht, weil er nur die Antwortbeanrufer erwischt, so läßt sich Helen gleich danach vom “grünen Engel” mit Trauben füttern und als Professor Notz sie dann trotz fehlenden Stuhlgang, offenbar um, die schwierige Patientin loszuwerden, entläßt, die ständig nach allen klingelt, unterm Bett zu masturbieren versucht, sich dabei ein Glas Wasser übern Kopf schüttet und beim Duschen die seltsamsten Experimente anstellt, erzählt sie Robin von ihrem längst gehabten Stuhlgang und verläßt mit ihm gemeinsam das Kranenhaus. Sie werden zusammenziehen und er wird sie vorerst nur von vorne vögeln, ihre schönste Avacado hat sie ihm schon geschenkt.
Ein Kultbuch, das die Welt veränderte? Jedenfalls ein Bestseller, das sich die Anna vor ein paar Jahren vom Alfred schenken ließ, ob es ihr gefallen hat? Ich habe es eher ein langweilig gefunden, aber auch, als eher prüde fast Sechzigjährige, die sich nicht intim rasiert, nicht alles verstanden.
Charlotte Roche habe ich mit ihrem zweiten Erfolgsbuch “Schoßgebete”, das ich noch nicht gefunden habe, einmal auf einer Buch-Wien gehört und ich denke sie hat damit wahrscheinlich den Zeitgeist getroffen, die einen sind empört, die anderen begeistert, ein bißchen ironisch ist es auch und widersrpüchlich, denn ist Helen, die sich ja soviel intim rasiert jetzt für oder gegen zuviel Hygiene und ob sich eine Achtzehnjährige wirklich das Kreuz im Krankenzimmer abhängen läßt? Sie ist altklug, wohlstandsverwahrlost, ein Scheidungskind, überfordert und hat eine große Schnauze mit dem sie altklug Sachen schwätzt von denen ich bis dato noch nichts wußte und lustig, wie sie mit dem Professor umgeht und wie sie das Krankenhaus dirigiert ist es vielleicht auch.
Interessant wie das vor sich Hinmonologisieren im Krankenhaus im Film ungesetzt sein wird, die Szene wie sie mit der Toga in die Cafeteria maschiert und dabei den verblüfften Besuchern ihre Tampons kredenzt, kann ich mir dagegen plastisch vorstellen und das Buch wurde zum Film passiend, auch wieder neu aufgelegt.

Jede Nacht

Nicole Makarewiczs, 2010 bei “Seifert” erschienene dreißig Erzählungen haben es in sich und machen es der Leserin nicht leicht.
“Unbequeme Geschichten über Wende- und Endpunkte, die sich in jedem Leben ereignen können”, steht ganz harmlos auf der Buchrückseite und ist ganz schamlos untertrieben, denn eigentlich ist nichts “alltäglich” in den dreißig Kurzgeschichten, sondern alles bis zur Extremspannung gesteigert und dann noch mit einem Schuß Phantasie zu einer unerwarteten Wende aufgeladen.
Man lernt das wahrscheinlich in den Schreibseminaren und die 1976 in Wien geborene Journalistin und Redakteurin, hat auch, glaube ich, Thomas Wollingers “Texthobel” besucht, zumindest habe ich sie bei einer dortigen Lesung kennengelernt und so fängt es mit “Heißhunger”, der Geschichte, mit der Nicole Makarewicz, den ersten Preis bei der “Münchner Menulesung 2009” gewonnen hat, auch mit einer “ganz harmlosen Eßstörung” an.
So denkt sich das zumindestens die Psychologin und hat solche Geschichten auch schon gelesen, die von einer Frau handeln, die sich ihr Gewicht hinunterhungert und ihr Leben vom “Essen bestimmen” läßt und die “Kochshows mit Ersetzen erfüllt”.
Das hat mich ein wenig erstaunt, dachte ich doch, daß die Magersüchtigen gerne für die anderen kochen und sich diese auch gern ansehen. Die Erzählerin spricht jedenfalls von “Ananas auf Kochschinken, harten Eiern und Avodados” und fährt dann mit der U-Bahn und trifft dort auf eine “Esserin”, die mit Wonne ihren Apfel, ihr Schokocroissant und ihre Käsesemmel” vernascht und so verliebt sie sich in sie so sehr, daß sie sie zum Essen eindlädt.
So weit noch alles nachvollziehbar, dann betäubt sie die Freundin aber mit dem “Cocktail, hievt sie in die Badewanne und bindet sich die neue Schürze um, um die neuen Pfanne und die großen Kochtöpfe einzuweihen”.
Gekonnt makaber und beklemmend und hoffentlich nicht wirklich alltäglich und so geht es weiter von Geschichte zu Geschichte, in dem uns Nicole Macarewicz, die Scheußlichkeiten des Lebens zeigt und das immer auch noch auf die makabere Spitze zu treiben weiß.
In “Unter Strom” ist ein Mann eifersüchtig auf seine Frau und glaubt, daß sie ihn mit dem “fetten rotgesichtigen Nachbarn” betrügt. So setzt er das Auto unter Strom, es kommt aber die Polizei und er darauf, daß er den Frauen hereingefallen ist, denn die Gattin hat ihn nicht mit dem Nachbarn, sondern mit der Nachbarin betrogen und nun sitzt er in der Gefägniszelle und hofft auf das “Mißverständis.”
In “Allein” geht es ähnlich scheußlich weiter, obwohl hier eigentlich nur das “pure” Leben geschildert wird, wie es in den Familien tatsächlich vorkommen kann.
Eine Dreizehnjährige gebiert auf der Schultoilette, das vom Vater gezeugte Kind und läßt es dort zurück. Sie bringt sich später um, der Bub wird adoptiert und träumt von Kinderfüßen. Seiner Tochter wird er aber nichts antun, so lange er es aushält, da wird er sich lieber auf der Toilette, wo sein Leben angefangen hat, erschießen.
“Vergissmeinicht” auch eine preisgekrönte Geschichte, macht es wieder auf Kriminalroman. Da pflanzt eine Frau im Dorf diese Blumen an und trauert, um den Mann der sie verlassen und zum Gespött der Dorfgemeinschaft gemacht hat. Nur leider stolpert man oder sie, ähnlich, wie bei Doris Dörrie oder Christine Grän, bei denen ich solches auch schon gelesen habe, über Rattengift.
Da ist “Stillstand” wieder harmloser oder vielleicht auch nicht? Ein Student, der sich zu Weihnachten mit seinen Eltern verkracht hat, beschließt das Fest allein im Studentenheim zu verbringen, die anderen sind, weg, der Hausmeister ist auf Urlaub, da bleibt der Lift stecken, der Aku ist leer, er gerät in Panik und als er endlich doch seine Mutter erreichen kann, hängt die aus Wut auf, weil er nicht früher gemeldet hat.
Böse böse und sehr makaber, gibt es nichts Schöneres und Normaleres auf dieser Welt?
Bei Nicole Macarewiczs Erzählband offenbar nicht, obwohl ich “Morgen” schon in meiner Praxis erlebt haben könnte, denn da geht einer, um sich auf das morgendliche Großereignis, das endlich stattfinden kann, vorzubereiten, in einem Kosmetiksalon, läßt sich die Finger und die Zehennägel bemalen, die Beine entwachsen, geht auch zum Friseur, denn morgen hat er es geschafft, da wird er endlich in eine Frau umoperiert, worauf er schon sehr lange wartet.
“Brüderlein fein” geht dann wieder in die psychische Extremsituation, die man auch “Wahnsinn” nennen kann und in manchen Schauergeschichten beschrieben findet, denn da erzählt eine von ihrem Bruder, der mit ihr Sommer um Sommer Tiere zerlegt, zerschneidet und zerhackt. Frösche, Hunde, Katzen, gar nichts läßt er aus, am Ende geht es an die Mutter, die er, wie in den vorigen Geschichten, fein zerteilt und zerlegt und wir sind nicht sicher, ob es den Bruder überhaupt gegeben hat. Der Frau wird aber jedenfalls versichert, daß sie nicht zurechungsfähig ist.
Ja, es gibt solche Geschichten, wir lesen sie manchmal in “Täglich heute”.
Nicole Macarewicz hat ein ganzes Buch daraus gemacht und hastet sozusagen von Perversität zu Perversität, die immer wieder auch mal nur eine “ganz normale Eßstörung” ist, oder eine Frau beschreibt, die sich für ein Kind aufopfert, das sie aus einem Kinderwagen gestohlen hat.
Auch das gibt es, ich habe im “Wiener Stadtroman” darüber geschrieben.
Dann fährt eine seit ihrem vierten Lebensjahr, jährlich aufs Land zur Sommerfrische und erlebt dort das bäuerliche Schlachten bis zur Schlachtplatte mit den Bluntzn und dem Liptauer beim Heurigen mit, bevor sie selbst, aus Notwehr an das Gewehr greift und der Amokläufer, der in “siebenundvierzig Minuten, einundzwanzig Schüler, neun Lehrer und sich selber schafft”, war einmal ein unauffälliger, gemoobter pickeliger Durchschnittsschüler, ja das gibt es, wir lesen es in der Zeitung und hören es im Radio und sollten vielleicht weniger mobben oder mehr die Waffen verbieten.
Am eindruckvollsten ist wohl die Geschichte von der Frau, die einfach einmal “hier raus” mußte, so läßt sie ihre vier Kinder, den hilfsbereiten Großen, die trotzende Dreijährige, die wunderschönen Zwillinge, erstickt zurück, nimmt ihren nie benützen Paß und geht spazieren, ißt zu Mittag eine Gulaschsuppe, muß sich übergeben und räsumiert dabei ihr Leben, in dem sie nie Kinder wollte und dennoch ohne Unterstützung viermal Mutter wurde, bis die Polizei hinter ihr steht und sie antippt.
Alpträume kommen vor und Schlaflabore und Wunschkinder, die andere Seite der Geschichte und wieder ist Micole Mackarewicz wunderbar oder grauslich makaber, da hat sich so ein Paar durch eine als “Fruchtbarkeitsklinik getarnte Geldvernichtungsmaschine”, gequält.
“Sie müßen pressen!”, mahnt die Hebamme, sie wartet auf den ersten Schrei und hört ihn nicht, nur die Hebamme betroffen “Es tut mir leid. Damit, daß soetwas geschieht, rechnet niemand. Aber es passiert” und sie ist es, die, das “Licht sucht und nur mehr die Leere findet.”
In “Jede Nacht”, der Titelgeschichte, schleicht sich auch ganz alltäglich, der Sohn ans Bett der Mutter nur steckt er dann sein Glied in sie hinein, bevor sie ihn zurück und morgen wieder in die Schule schickt.
Und die die ihr lebenlang immer nur die zweite war, hat das Glück als erste in der Familie an Gehirntumor zu erkranken und gegen Schluß wird es noch einmal packend alltäglich und das kennen wir nun aus den Prospekten mit den Zahlscheinen, die die Sterbehospitze manchmal an uns schicken, denn da wird im Sommer für eine Achtzehnjährige noch einmal Weihnachten gefeiert, mit Christbaum, Kerzen, Kugeln, Gansl, Rotkraut, von denen sie nur mehr ein paar Bissen essen kann, bevor sie es erbricht und richtigen Schnee gibt es für eine Sekunde offenbar auch oder waren es die Tränen aus Hilflosigkeit vor der Ungerechtigkeit der Welt?
Kein Zweifel, Nicole Makarewicz ist eine sehr eindrucksvolle Schreiberin, die uns die reale und erdachte Grausamkeit wirkungsvoll servieren kann und so läßt mich das Buch, das auch ein wenig makaber ihren “Mädchen, zur Inspiration und Ablenkung. Und das jeden einzelnen Tag” gewidmet ist, etwas ratlos zuück und daran denken, daß das ganz normale Leben zum Glück meistens doch ein wenig harmloser ist und kann der Autorin nur wünschen, daß sie vielleicht auch einmal etwas anderes erzählt.
Aber es gibt noch einen, ebenfalls bei “Seifert” erschienenen Roman, eine Homepage, auf der genau die vorhandenen Veröffentlichungen, Preise und literarischen Erlebnisse aufgelistet sind. So hat Edith Ulla Gasse “Jede Nacht” einmal für die ORF-Bestenliste vorgeschlagen und eine Literaturhausrezension gibt es auch, die meint, daß das Buch wirkt, als hätte die Autorin “Täglich Alles” etc auf die grauslichsten Geschichten abgesucht und daraus Literatur gemacht.