Noch einmal Hauptbücherei

Cornelius Hell

Cornelius Hell

Normalerweise finden ja am Samstag keine Veranstaltungen in der Hauptbücherei statt, aber Peter Esterhazy tritt am Montag in der Sendung les.art auf und präsentierte vorher sein neues Buch “Esti”, das eigentlich eine Figur aus einem Roman von Deszö Kosztolany 1885-1936 ist, der in seinen “Bekenntnissen des Kornel Esti”, in Deutsch unter dem Titel “Ein Held seiner Zeit”, erschienen, nach dem Vorbild von Thomas Mann “Felix Krull”, siebzehn Schelmengeschichten schrieb und diesen Romanhelden hat der 1950 geborene Peter Esterhazy jetzt offenbar wiederbelebt und ihm auch verschiedene Rollen gegeben.
Cornelius Hell, der die Veranstaltung moderierte und auch ein Buch über Budapest geschrieben hat, in dem er öfter auf Peter Esterhazy hinwies, bzw. ihn schon mehrmals interviewte, begann seine Moderation damit, daß er sich über das Buch, weil er ja Cornelius heißt und als Kind Cornel gerufen wurde, auf das Buch freute und gab dann eine sehr umfangreiche Einleitung, die Peter Esterhazy etwas zu stören schien, “Sie erzählen ja schon alles was ich lesen werde!”
Mir ist der Unterschied zwischen den beiden Büchern aber nicht so recht klargeworden.
Eine Gelegenheit beide zu lesen, um es herauszufinden, ich weiß, trotzdem habe ich den Alfred vom Kaufen abgehalten, habe ich ja schon so viele Bücher und wieder einige beim Bücherschrank gefunden, an dem ich natürlich vorbeigekommen und dabei auch Ruth Aspöck getroffen.
“Esti c èst moi!”, steht irgendwo bei Peter Esterhazy und der erzählte auch im Gespräch mit Cornelius Hell, daß er als Schüler Kosztolany kennenlernte und begann mit der Lesung mit einem Kapitel “Kornel Esti und die deutsche Sprache”, wo es um das Deutschlernen eines Ungarn ging, am Nachmittag vertieft er sich in seine Bücher, versucht selbst eine Novelle zu schreiben, zitiert dann Jandl und geht in seine Kindheit zurück, wo er bei der Tante Deutsch lernte und das aus einem “Fix und Foxi”- Heft aus den Sechzigerjahren mit einer Sprechblase und einem Wort machte, dann kam noch die Baronin dazu, die der Vater den Kindern als Hauslehrerin holte und der Junge verliert ständig seinen Radiergummi, um unter den Tisch kriechen zu können und sich die Unterhose der Lehrerin anzusehen, die ihn in ihrer Mächtigkeit faszinierte.
Dann kam das Gespräch, wo Esterhazy einiges über sich erzählte und dann kamen noch die Kapitel, die Cornelius Hell schon in seiner Einleitung angedeutet hatte.

Peter Esterhazy

Peter Esterhazy

Peter Esterhazy

Peter Esterhazy

Eine italienische Putzfrau in der Toscana, die Esti so schnell auf Italienisch was erzählte, daß er immer nur “Si, si!”, antwortete und sie dabei offenbar so mißverstand, daß sie entsetzt davon flüchtete und dann eine Szene, wo Esti einem Dieb nachläuft und dann noch die, wo die Tochter zu Weihnachten eine Hundepfote den Eltern schenkt, weil sie einen Hund haben möchte und den ihnen auf Raten kauft, interessant, interessant, obwohl ich den Unterschied der beiden Bücher nicht so ganz verstanden habe, am Büchertisch lagen die Bücher von beiden Autoren auf und ich habe auch meine Peter Esterhazy Geschichte, von dem ich nicht sicher bin, ob ich ihn schon einmal einmal bei einer Lesung hörte, mir aber 1989 ein Buch von ihm besorgte, ich glaube, es waren die “Hilfsverben des Herzen”, weil ich da ja über die Veränderungen in Ungarn nach der Wende etwas schreiben wollte, am Recherchieren aber entsetzlich gescheitert bin, so daß nicht mehr als das erste halbe Kapitel entstanden ist.
Ich habe dann noch das 1996 erschienene “Eine Frau”, in meinen Katalog eingetragen und bei Buchlandung auf der Mariahilferstraße habe ich mir einmal um einen Euro einen Marginalienband zu dem Monsterwerk “Harmonia Celestis” gekauft, also Peter Esterhazy nicht wirklich viel gelesen, aber jetzt einen guten Eindruck von dem selbstbewußten, weißhaarigen Dichter mit der leisen freundlichen Stimme bekommen.
Und in “Diagonal” gab es zwei Stunden über Bücher, wo auch einiges über meine Lieblingsthemen, die Lesegewohnheiten, die veränderten Billyregale und die ausgeräumten Wohnzimmer, ich denke ja immer, das sind die Bücher, die ich in den Bücherschränke finden, obwohl in Österreich ja angeblich nur ein Prozent die E-Books nützen, die Verleger, die Lektoren, etc zu hören war, wahrscheinlich weil bald die Leipziger Buchmesse naht.

Die Königin der Olga Flor

Die 1968 in Wien geborene und in Graz lebende Olga Flor kenne ich seit ihrer GAV-Aufnahme, 2001 war das wahrscheinlich. 2002 habe ich sie, glaube ich, auf dem Rathausplatz gehört, als es da im Zug der steirischen Tage im Kaffeehauszelt eine von Martin Wanko moderierte steirische Lesung gegeben hat, wahrscheinlich hat sie da aus ihrem ersten Roman “Erlkönig” gelesen und ist bald bekannt geworden und in den Literaturbetrieb eingestiegen. 2003 hat sie den Priessnitz-Preis bekommen, da war ich dort, bzw. bin ich gerade von einer Gerstl-Lesung aus der Hauptbücherei gekommen, wo ich die zweite Szene von “Taubenfüttern” geschrieben habe, die, wo der Johannes Schwarzinger wirr in Wien herumrennt und habe mich mit Antia C. Schaub unterhalten, die gerade an unseren Frauenbuch geschrieben hat und ihr gesagt, daß sie Olga Flor auch in ihre Portraits aufnehmen hätte können.
2004 ist dann der Stoessl-Preis gekommen, für den ich mich auch ein paar Mal erfolglos beworben habe und 2005 der zweite Roman “Talschuss”, der, wie ich dem Programm der Hauptbücherei entnehme, monatelang auf der ORF-Bestenliste stand.
Dann kam der Roman “Kollateralschaden”, der ähnlich, wie mein “Wiener Stadtroman” an einem Tag spielt, 2008 war der für den dBP Preis nominiert und da war auch die erste Buch-Wien, wo Olga Flor, glaube ich, bei der Eröffnung der Lesefestwoche im Museumsquartier daraus gelesen hat und jetzt gibt es den vierten Roman, im Herbst erschienen und irgendwie an mir vorbeigegangen, “Die Königin ist tot”, der am Freitag in der Hauptbücherei präsentiert wurde.
Ich habe noch keinen Flor-Roman gelesen, war aber auf den oben erwähnten Lesungen und habe sie, glaube ich, auch in der Alten Schmiede gehört, als dort das Grundbuch-“Wand” präsentiert wurde, bzw. bei den Jelinek-Dialogen.
Das die kleine Physikerin mit den kurzen Haaren und der riesigen viereckigen Brille, die von der Radio Moderatorin Judith Brandner vorgestellt wurde, sehr qurelig ist, habe ich auch erst jetzt so richtig mitbekommen.
Ein modernes Macbeth Drama hat sie in ihrem vierten Roman geschrieben, bzw. die Handlung nach Chicago in die nahe Zukunft verlegt und eine Europäerin mit großen Mundwerk und großen Wortschatz nicht linear von ihrem Leben erzählen lassen, eine Europäerin, die offenbar um jeden Preis, den großen Aufstieg will, sich deshalb von einem mächtigen Medientycoon ehelichen läßt, er läßt ihr durch seine Anwälte den Ehevertrag schicken und fährt mit ihr im Lift in den siebenundsechzigsten Stockwerk seines Towers auf und ab. Der Lift spielt überhaupt eine große Rolle und die Ich-Erzählerin, die sich Lilly nennt, war offenbar einmal sein Liftmädchen, einen Türsteher gibt es auch und soziale Unruhen, die man vom Fenster aus beobachten kann, es gibt Sicherheitskontrollen und der Tycoon inszeniert sie oder sie ihn mit ihrer spitzen Zunge, dann tauscht er sie für eine Jügere aus, bzw. übergibt er sie seinen Stellenvertreter. Sie läßt sich aber offenbar auch gerne übergeben und am Ende schmiedet sie ein Rachekomplott, bzw. einen Mord und Olga Flor erzählte auch genauso schnellzüngig, was mich ein wenig an Wendelin Schmidt-Dengler erinnerte von ihrer Romanarbeit. Macbeth hat sie immer schon fasziniert, die Ich-Erzählerin hat ein antifeministischen Konzept und das am Frauentag, den Judith Brandner in ihrer Einleitung extra erwähnte.
Was soll sie aber machen, fressen oder gefressen werden ist die Devise in einer Welt wie dieser und die Protagonistin will die Macht und das angenehme Leben.
Sie ist eine unsympathische Figur, denn nur mit einer solchen wollte sich Olga Flor beschäftigen, sonst wäre das Schreiben langweilig, dann ist sie ihr aber doch sympathisch geworden.
Die Publikumsfragen beschäftigten sich mit den Gefühlen und mit den Kindern, die in solchen Familieninszenierungen natürlich auch vorkommen und ihre Rolle spielen, der Tycoon braucht ja seine Erben.
Sabine Gruber war im Publikum und wurde von Olga Flor herzlich begrüßt und am Ende wies Judith Brandner, die mit Olga Flor seit zehn Jahren befreundet ist, auf den Büchertisch hin und ich bin natürlich gespannt, ob ich einmal eines der Olga Flor-Bücher finde, obwohl mir die Ich-Erzählerin und ihr Lebenskonzept glaube ich, nicht sehr sympathisch ist.