Jetzt kommt wieder etwas Aktuelles, nämlich die gerade bei Haymon erschienene Biografie das Leben der Philippine Welser “Die Wolkenbraut” von Jeannine Meighörner, die eigentlich etwas ganz Altes ist, wurde die Augsburger Kaufmannstochter doch 1527 geboren und es gibt auch schon einige Biografien über sie.
Das Buch der 1963 in Deutschland geborenen und in Innsbruck lebenden Jeannine Meighörner ist aber ein historischer Roman und er wendet einige Kunstgriffe an, um das Leben der Kaufmannstochter, die 1557 den Kaisersohn. Erzherzog Ferdinand II, Landesfürst von Tirol heimlich heriatete, mit ihm vier Kinder hatte, die von der Erbfolge ausgeschlossen wurden, in Schoß Ambrass lebte und sich sehr für die Heilkunst interessierte, Heilkräuter sammelte und ein Arzneibuch, sowie ein Kochbuch geschreiben hat, zu erzählen. Beziehungsweise läßt sie dies den Hofzwerg Thomele tut, den es, wie ich dem Nachwort entnehme, tatsächlich gegeben hat und der, in Prag geboren, der seine Herrin überlebte, tut dies in einer Rückblende und mit einer sehr deftig starken Sprache, wie sie wahrscheinlich den Hofzwergen eigen war, bzw. Jeannine Meighörner sich für ihn ausdachte.
So nennt er Philippine nur “Die Frau mit den schönen Nasenlöchern”, zitiert auch öfter den Ausspruch seiner Mutter “Wer alle Tage Kuchen ißt, Pasteten und Kapaunen, der weiß nicht mehr wann Sonntag ist und kennt nur schlechte Launen!”, die selber wohl nur Brot und Kartoffeln gegessen hat und den kleingebliebenen Sohn, Jeannine Meighörner meint, daß er vermutlich am Seckel-Syndrom, einer sehr seltenen Erbkrankheit von starken Kleinwuchs gelitten hat, für ein bißchen Geld an den Erzherzog in Prag verkaufte.
Dort mußte er sich dann den Damen auf den Schoß setzen, aus Kuchen und Pasteten springen und erzählt so in seiner deftigen Außenseiter oder Leibeigenensprache, Proletensprache ist wohl nicht der richtige Ausdruck, das Leben der ungewöhnlichen Kaufmannnstochter.
Er tut das in farbigen Bildern und Kapiteln, die eine Jahreszahl und einen Titel, wie “Die Frau mit den schönen Nasenlöchern” oder “Ein Zwerg wird nicht länger wenn man daran zieht” die die einzelnen Lebensabschnitte erzählen. Philippine Welser kommt zwischendurch, wenn auch viel kürzer, auch selber immer wieder ans Wort und so hanteln wir uns durch das Leben der Philippine Welser und erfahren viel mehr davon, als das was man bei Wikipedia oder wahrscheinlich auch in den schon vorhandenen Biografien nachlesen kann, denn, “Jede gute Geschichte verdient es ausgeschmückt werden”, ist das Zitat von J. R. R. Tolkien, dem Buch als Motto vorangestellt ist und so haben wir einen sehr farbenprächtigen Eindruck vom Leben in Prag und Tirol des sechzehnten Jahrhunderts bekommen.
Die Fleischeslust und der Reichtum der Fürsten wird dabei von Thomele sehr direkt beschrieben, Philippine Hexe, Hure, Maitresse und Beischläferin genannt und wir haben auch ein wenig Geschichte gelernt.
Ein interessantes Buch, das wohl an mir vorbeigegangen wäre, hätte es mir Haymon nicht als Vorab E-Book geschickt, so daß ich mich wieder einmal im elektronischen Lesen üben konnte und zwei Tage nicht in der Badewanne war und Jeannine Meighörner entnehme ich ihrer Biografie hat schon einige solche geschrieben, so zum Beispiel die von Deutschlands erster Bestsellerautorin Sophie von La Roche und die der Anna Hofer.
Day: 23. February 2013
Bei den Dialektautoren
Am Freitagmorgen kam ein Mail von El Awadalla mit einer Einladung zu Lesung und Umtrunk zu “25 Jahre österreichische DialektautorInnen”, was ganz passend war, da ich vor kurzem beklagte, daß es am Freitag kaum noch literarische Veranstaltung gäbe und ich mich auch den ganzen Tag sehr intensiv mit einer Schweizer Bloggerin über Lyrik austauschte.
“Manche mögens ätzend, langweilig oder gar altmodisch finden…”, in Wien gibt es eine ganze Reihe von regelmäßigen Lyrikveranstaltungen, sowohl experimenteller als auch konventionellerer Natur, die Lyrik im März von GAV und Podium initiiert naht, die Alte Schmiede hat die DichtFeste und die Gedichtekonferenzen zu denen ich mehr oder weniger regelmäßig gehe und dann gibt es auch die DialektautorInnen mit ihrer Präsidentin El Awadalla, die ich vom Arbeitskreis schreibender Frauen kenne, die im Tschocherl in der Wormsergasse Poetry Slams veranstaltet und in Gumpendorf Dialektumgänge macht, etc.
An eine Veranstaltung im Literaturhaus kann ich mich erinnern, da lernte ich, glaube ich, den Tschif Windisch kennen und auch das Tischtuch auf das sich die Interpreten signieren und da erfuhr ich auch, daß es einen Unterschied zwischen Dialekt und Mundart gibt, muß ich doch gestehen, daß für mich vorher beides dasselbe war.
Bei der vorletzten KritLit an der Donau war ich bei einem Dialektworkhop der El Awadalla, wo wir allerdings nicht über die Diskussion hinausgekommen sind und im Tschocherl war ich auch schon einmal und zwar, lang ists her, ich glaube, 2005 an dem Tag an dem El Awadalla die Million in der Millionenshow gewonnen hat, bzw. die Sendung ausgestrahlt wurde.
Jetzt also wieder Dialektautoren, ich schreibe ja weder Gedichte, noch Dialekt und die Aussendung war auch ein bißchen geheimnisvoll “es wird also hauptsächlich im dialekt gelesen – wer und was – das gibts erst an ort und stelle”.
Es war diesmal auch leerer in dem Lokal in der Wurmsergasse, in das ich, weil man erst anläuten und dann drücken mußte, fast nicht hineingekommen wäre.
El Awadalla und Tschif Windisch, der ja voriges Jahr den Poetry Slam in St. Pölten gewonnen hat, habe ich gekannt, die anderen Autoren nicht, sind ja zu der Generalversammlung der IG Autoren einige aus Tirol bzw. der Steiermark angereist.
Das Tischtuch mit den Unterschriften lag schon am Lesetisch, El Awadalla ärgerte sich in ihrer Ankündigung, daß nicht alle der erwarteten Vorstandsmitglieder gekommen wären, aber wie heißt es so schön, wer nicht da ist, ist selber schuld, wenn er was versäumt und ich habe ja auch schon einmal an einem fast leeren Ort nur vor dem Fotografen und dem Veranstalter gelesen, so schlimm wars diesmal nicht und es begann Güni Lerch in Tiroler Dialekt mit Andreas Hofer, über das “Krebselen und Schrimpselen der Garnelen und anderen Meerestieren von den Frauen mit den Burkas bei denen man nur die schönen Augen sieht.
Sepp Graßmugg vom Europa Literatur Kreis Kapfenberg folgte mit Gedichten vom Wiener Schnitzel und anderen Speisekartenerlebnissen, dann kam Tschif Windisch, der ein Gösser Bier Emblem auf seinem Pullover angenäht hatte, mit Texten zum Krieg, du kriegst mich nicht, da sitz ich da ohne ex und gehe nicht hin, zu Weihnachten, zu Sivester und zu Ostern ebefalls nicht.
El Awadalla hatte einen Nicht-Dialekttext zum “Schmetterlingsmann”, der seinen Frauen Blumennamen gibt und sich solche von Schmetterlingen wünschte und El Awadalla ist dazu viel mehr als der Zitronenfalter und das Pfauenauge eigefallen, es passte aber trotzdem nicht, als der Liebste anrief und von seinen Schmetterlingen im Bauch erzählte.
In der zweiten Runde gab es außer dem Tirolertexten, einer Ansprache eines Bürgermeisters von Sepp Graßmugg zur Gründung eines Autofriedhofs in dem die Autos in Skulpturen dargestellt werden sollen, um die Wirtschaft zu beleben, noch El Awadallas AKH Dialoge, Beobachtungen am frühen Morgen im Foyer beim Aschenbecher, wenn die Schwestern aus dem Dienst nach Hause gehen und über ihre Nachtdienste schimpfen bzw. die burgendländischen Arbeiter ihren Aufträgen nachtelefonieren und beschließen auf jeden Fall eine Rechnung zu stellen.
Eine interessante Veranstaltung, ein bißchen rauchig war es auch, was ich in Zeiten der Nichtraucherzonen gar nicht mehr gewohnt war.