Derzeit blogge ich wieder um Tage voraus, lese jeden zweiten Tag ein Buch, gehe zu Veranstaltungen, mache meine Praxis, in den letzten Tagen auch meine Steuererklärung, von der nicht ganz klar war, ob man sie jetzt online machen muß oder, wie gewohnt händisch abschicken kann und suche meine Schulzeugnisse für die Pensionsversicherung zusammen, da ich ja im November sechzig werde, da bleibt nicht viel Zeit und Platz für das eigentliche Herz des Literaturgeflüsters, die ganz persönlichen Literatur- bzw. Schreibberichte.
Mit den Letzteren ist es derzeit ein bißchen schwierig, korrigiere ich ja, wenn ich dazu komme, am “Nanowrimomnovel” und bin da in der Phase, wo ich auf das Fertigwerden warte, aber noch ein paar Wochen bis Monate Fehler um Fehler finde. Bei meinem Blog-oder Korrigierwart Alfred geht auch nicht sehr viel weiter, jetzt hat er mir aber “Kerstins Achterl” doch ausgedruckt und zur Endkorrektur übergeben, wo ich ja bis Oktober korrigierte und korrigerte und dann bei der Lesung auf meinem Geburtstagsfest prompt einen Fehler bei der Stelle fand, wo der kleine Hektor mit Kerstin und Susa Dworak Eis essen geht. Diese Szene, dann den Anfang und noch die von der Hochzeit und vielleicht die vom Kindergeburtstag im KHM habe ich am Donnerstag für die Lesung bei den “Schreibinteressen”, am 14. 2. ausgewählt, die bis jetzt so ziemlich die einzige Lesung ist, die ich heuer haben werde.
Habe ich ja die “Mittleren” nicht mehr eingereicht, den “Tag der Freiheit des Wortes” vor einigen Jahren, als die GAV meinte, daß man nur mehr eine Veranstaltung pro Jahr organisieren darf, gegen die “Mittleren” eingetauscht, es dann aber satt gehabt, mit den Zetteln herumzulaufen und zu hören, daß die Leute da sicher keine Zeit haben und sich die Eingeladenen nach der Veranstaltung nicht mehr melden. Die Poet Night gibt es vielleicht im Herbst noch, da könnte ich dann meinen zweiten Honorarzuschuß beziehen, aber beim Volksstimmefest ist es schon nicht mehr so klar, hat Christoph Kepplinger beim letzten Mal ja angedeutet, daß soviele Leute noch nicht gelesen haben und sich daher nicht immer dieselben melden sollen.
Es gibt eben eine Sperre oder Gitter vor dem Eingang zum Literaturbetrieb, wie auch Eveline Polt-Heinzl bei der Kanonverstaltung zur Zwischenkriegsliteratur vorigen Herbst in der Wien-Bibliothek feststellte, die sie durch ihr Buch aufbrechen will und durch die scheine ich nicht zu kommen, so viel ich mich auch bemühe und so tut sich derzeit Literarisch bei mir nicht sehr viel, außer daß ich meine Bücherberge hinunterlese, mich freue, wenn ich mein Lesepensum steigere, schaue, daß ich mit meinen drei Projekten weiterkommen, so daß ich in einem halben Jahr oder so wieder mit was Neuem anfangen kann, aber keine Preise gewinne, zu keinen Lesungen eingeladen werde und auch mit meinen Blog nicht literarisch auffalle, etc.
Das tun dann die anderen, denn der Literaturbetrieb geht weiter und Leipzig naht, die Buchmesse bei der ich häufig mehr oder weniger eifrig bzw. frustriert herumlaufe, weil der Alfred Freunde in Leipzig hat, die uns auf ihren Dachboden schlafen lassen. Heuer werden wir aber nicht fahren, da die WU, wo Alfred arbeitet, in den Prater übersiedelt und er zu dieser Zeit nicht wegkann.
Dabei wäre der Leipziger Buchpreis heuer besonders interessant, hat mir der Residenz Verlag ja vor einigen Tagen gemailt, Anna Weidenholzer wurde für die Sparte Belletristik mit “Der Winter tut den Fischen gut” nominiert. Und dann noch Lisa Kränzler, die beim letzten Bachmannpreis gelesen und, glaube ich, auch gewonnen hat, David Wagner den ich von einem der dBPs kenne und noch zwei Bücher von Autoren, die mir unbekannt sind.
Dann gibts in Leipzig noch die Abteilung Übersetzung und da ist u.a. Alexander Nizberg mit seinem “Meister und Margarita” nominiert, das Buch, das ja in der alten Übersetzung auf meiner Leseliste steht und in der Abteilung Sachbuch gibt es eines, das mich auch sehr interessiert, nämlich über die “Gruppe 47”.
Die Preisverleihung kann man sich aber auch via live stream in das Zimmer holen und dann bekomme ich wahrscheinlich viel mehr mit, als wenn ich ganz hinten in der Glashalle stehe oder sitze und die VIPs an mir vorübergehen. Denn ich habe ja nicht die Lizenz durch die Gitter durchzugehen und bin ja auch als einsame Wölfin abseits des Literaturbetriebs konsequent, beharrlich und ein bißerl deprimiert so weit gekommen, daß ich fünf Jahre blogge, dreißig Bücher selber machte und mir auch ein ziemliches literarisches Wissen angearbeitet habe, das niemanden interessiert. Franz Blaha hat aber ein paar schöne Ankündigungen für die “Schreibinteressen” daraus gemacht, die ich mir aufheben werde.
Was den Leipziger Buchpreis betrifft ist vielleicht noch interessant, daß da u.a. Daniela Strigl in der Jury sitzt, die auch Jurorin beim Bremer Literaturpreis ist und beim Bachmannlesen, ob sie auch in der des dBp ist weiß ich jetzt nicht und müßte ich nachschauen, man sieht aber, es sind immer dieselben, die beim Preisgeschehen mitmischen, während die anderen daneben stehen und überbleiben.
Der Alfred hat mir aber als Alternative für Leipzig schon das “Literatur und Wein Festival” in Krems angeboten, das im April zum fünfzehnten Mal in Stift Göttweig stattfindet, zu dem ich aber nie gefahren bin, weil ich bei Veranstaltungen nicht gerne Eintritt zahlen. Aber diesmal werden wir höchstwahrscheinlich auch nicht auf Urlaub fahren, so daß es gut ist, wenn neben der Sommerfrische in Harland ein paar kleinere Highlights dazukommen.
Anna Weidenholzer wird da auch auftreten und die ist auch demnächst in der Alten Schmiede und hat, wie ich auf ihrer Homepage sah, jetzt überhaupt sehr viel zu tun, weil die Nominierten ja herumgereicht werden und vor Leipzig überall auftreten.
Interessant, wer in den verschiedenen Sparten gewinnen wird, ich halte ihr, deren literarischen Aufstieg ich ja von Anfang an mitverfolgen und ihr auch ein kleines Bißchen in die GAV helfen konnte, die Daumen, kenne aber keines der anderen Bücher, bin also gespannt.
Ansonsten gibt es im April als nächste größere Literaturveranstaltung Rauris, wo ich auch noch nie war und nicht eingeladen werde und diesmal Mathias Senkel der Hauptpreisträger ist, der auch beim letzten Bachmannpreis gelesen, aber glaube ich, nicht gewonen hat.
Spannend, spannend, was alles literarisch, um mich herum passiert, während ich in der Badewanne meine Bücher lese, die in in den Bücherkästen finde, am Abend zu Veranstaltungen gehe und zwischen meinen Stunden am Nanowrimonovel korrigiere.
W.w.w buecher.at versorgt mich ja mit den literarischen Informationen und ich blogge auch gern darüber, um mein literarisches Wissen zu archivieren und lese derzeit eher die Bücher, die ich in den letzten Jahren in den Schränken gefunden habe, bzw. in meinen Regalen stehen und nur wenig Neues, weil das mit den Rezensionsexemplaren auch nicht so gut klappt und die entweder mehrmals oder gar nicht kommen und wenn ich dann, “Leider haben wir da nicht mehr so viel!”, höre, denke ich, daß ich da ja auch draußen bleiben, das Ältere lesen und auf diese Art und Weise meinen eigenen, unbeachteten Weg, weiter gehen kann, obwohl ich das ein wenig schade finde, den Erfolgreicheren aber alles Gute wünsche!
Day: 9. February 2013
Tag und Nacht und auch im Sommer
Jetzt zu einem anderen Geschichtenerzähler, nämlich Frank Mc Courts drittes Buch aus seinem Leben, das erste habe ich ja 2011 zweisprachig gelesen und es wird vom Writers Studio auch immer als besonders gelungenes Beispiel für die amerikanische Literaturgattung des”Memoirs” angeführt.
Der kleine irische Junge, dessen Buch über seine entbehrungsreiche irische Jugend mit der ständig gebärenden Mutter und dem trinkenden Vater, der betrunken seine Jungs auf Irland schwören läßt, ist erwachsen geworden, bzw. zuerst mit Neunzehn und einem Koffer alter Kleider und einem Band Sheakespeare noch einmal nach Amerika und nach ein paar Jahren Arbeit an den Docks Lehrer geworden.
Dann geht er in Pension, beginnt zu schreiben, denkt sich, ist das schön mein Buch im Buchladen stehen zu sehen und es wird ein Welterfolg, die Königin lädt ihn ein, der Papst und die Herzogin von York meint, er sei ihr erster Dichter. Da schreibt er natürlich weiter.
“Ein rundherum tolles Land”, Band zwei seiner Memoiren, das ich leider noch nicht im Schrank gefunden habe, dafür aber den dritten Band und der berichtet von seinen Erfahrungen als Lehrer und McCourth tut das wieder in seinen brillanten Stil, der eine Mischung zwischen Komik und Sarkasmus ist.
David Sedaris scheint mit seinen Büchern auch so etwas zu probieren.
Die Geschichte, wie da einer schreibt, wie er mit den von seiner Mutter beim Antiquar heruntergehandelten Kleidern, die immer den Traum von einem schönen Leben in Amerika hatte und den “noch unerfüllt träumen würde, wenn sie nicht gestorben wäre”, nach Amerika kommt, bzw. beginnt es nach der Einleitung mit dem Tag, wie er das erste Mal in einer Klasse steht, in einer Schule mit Kindern von italienischen oder irischen Einwanderern, in den Fünfzigerjahren, die später die Handwerker oder Sekretärinnen Amerikas werden dürften und fast entlassen worden wäre, weil er das Jausenbrot eines Schülers ißt.
“Hey Mister, nicht um neun vor den Schülern Mittagessen, das senkt die Schulmoral!”.
Es war aber ganz anders, das Brot wurde durch den Raum geworfen, es wäre zu einer Keilerei gekommen, hätte sich Frankie nicht mit dieser Einlage eingemischt und die Aufmerksamkeit der Schüler auf sich gezogen und so geht es weiter. Der irische Einwanderer, der selber Jahre am Hafen gearbeitet hat “Hey Mister, haben Sie schon mal was gearbeitet!” und wegen seines irischen Akzents fast keine Anstellung bekommen hätte, behauptet locker, er hätte in seinem dreißig Jahren Lehrerleben mit seinen ca zwölftausend Schülern nichts anderes getan, als ihnen die Geschichte seiner Kindheit und von Irland zu erzählen.
“Angelas Ashes!”, war da noch nicht geschrieben. Er erzählte es vorher offenbar seinen Schülern und schrieb das Jahrzehnte später nochmals auf, wiederholt “Angelas Ashes”, vor dem Lehrerpult und lehrt den Schülern die Grammatik in dem er sie rätseln läßt, was passiert, wenn “John in einen Laden geht”.
Die amerikanischen Schüler der Fünfzigerjahre waren offenbar genauso keine Waserln, wie die irischen Kinder in McCourths Schulzeit von ihren Lehrern geprügelt wurden. Sie schrieben sich ihre Entschuldigungen selbst. McCourth hat schon einen ganzen Stapel auf seinem Schreibtisch. Da fällt ihm auf, daß die Entschuldigungen viel phantasievoller sind, als das, was die Schüler sonst so schreiben. So kommt ihm die Idee, sie Entschuldigungsbriefe schreiben zu lassen “Eva an Adam” beispiesweise. Hitler kann man nicht entschuldigen, aber sonst geht viel. Das macht Spaß, aber leider kommt gerade die Inspektion in die Klase. Frankie glaubt schon, er würde gefeuert, aber der Inspektor sagt ihm nur “Wir brauchen Lehrer, wie Sie!”.
Etwas was für die Fünfzigerjahre im Mc Carthy Amerika ganz schön unglaublich klingt und man sich sowas in den heutigen Schlulen wahrscheinlich vergeblich wünscht und so geht es weiter in dem typischen McCourth-Charme.
Vorher kommt noch die Geschichte von dem Professor, der den Studenten vorschwafelte, was sie als Lehrer alles theoretisch beachten müßen, aber nie in einer Schule stand. Ein Studentin fragt ihn das und geht dann nicht nur mit dem Professor, sondern auch mit sämtlichen Studenten ins Bett, um den Professor nachher brühwarm von ihrem Verhalten zu erzählen.
Auch recht unglaubhaft in Zeiten, wo die Lehramtskanditaten unterschreiben mußten, daß sie niemals Kommunisten waren und das auch nicht werden würden, aber Frank McCourth ist ein begnadeter Erzähler und schafft es offenbar nicht nur seinen Schülern die richtige Mischung zwischen Grammatik und Psychologie beizubringen.
Im zweiten Teil der Erinnerungen wirds dann depressiver, McCourth verläßt die High school, um Lehrbeauftragter für Literatur und kreatives Schreiben zu werden, seine Schüler sind Feuerwehrleute, die hart arbeiten und statt Englisch zu lernen oder eine Facharbeit zu schreiben, von der sie gar nicht wissen, was das ist, lieber zu einem Footballspiel gehen, so probiert er es an einer Modeschule, unterrichtet neundundzwanzig frühreife schwarze Mädchen mit großen Klappen, die nur über Sex reden und zwei puertoricanische Jungs, die sich vor ihnen fürchten, Küchengehilfen soll er englische Worte beibringen und er hat auch eine Frau, namens Alberta, die unzufrieden mit ihm ist, ihm zuerst zu einem Analytiker und ihn dann zum Schreiben einer Doktorarbeit nach Dublin in das berühmte Trinity College schickt, woran der Protestant jämmerlich scheitert und einige so gar nicht ethisch korrekte Sachen über sich erzählt.
Dann geht er an eine der Eliteschulen des Landes, dort, wo die späteren Nobel- oder Pulitzerpreisträger herkommen und bringt den Schülern, obwohl er das nicht gelernt und auch keine Ahnung von Satzdiagrammen hat, das kreative Schreiben bei, das heißt, er läßt sich von ihnen zuerst trösten, weil sie nichts über das Elend der französischen Revolution hören haben wollen, weil sie schon mit der Überforderung ihrer koreanischen oder schwarzen Eltern, denen es gelungen ist, ihren Kindern die Aufnahmsprüfung zu ermöglichen, zu tun haben. Läßt sie Kochrezepte vorlesen, veranstaltet mit ihnen ein Picknick auf der Straße und bringt ihnen das Gedichtelesen und wahrscheinlich auch das Schreiben auf höchst ungewöhnliche und unterhaltsame Art und Weise bei, bis eben seit letzter Schultag gekommen ist und die Schüler ihm raten, selbst ein Buch zu schreiben.
“Ich probiers!”, ist der einzige Satz von Kapitiel achtzehn. Das Resultat habe ich schon gelesen und oben beschrieben.
“Tag und Nacht und auch im Sommer”, der Titel ist offenbar eine Anspielung, daß ein Lehrer ständig in Bereitschaft ist, kann wahrscheinlich an “Angelas Ashes” nicht anknüpfen, das Buch ist auch von Rudolf Hermstein und nicht von Harry Rohwolt übersetzt, einen sehr realistischen Einblick in den Lehreralltag bis zur Jetztzeit kann man trotzdem daraus zu bekommen.
Interessant, daß McCourth keine Angst vor Mißerfolgen und den negativen Dingen hat. Frei heraus plaudert er über Sex und Alkohol und das, was nicht so gut gelingt und wird auch gelobt dafür “Es lebe, verdammt noch mal und wieder und noch lange, Frank Mc Courth”, schreibt so die “WElt”, am Buchrücken.
2009 ist der US-amerikanische Dicher irischer Abstammung gestorben.