Derzeit blogge ich wieder um Tage voraus, lese jeden zweiten Tag ein Buch, gehe zu Veranstaltungen, mache meine Praxis, in den letzten Tagen auch meine Steuererklärung, von der nicht ganz klar war, ob man sie jetzt online machen muß oder, wie gewohnt händisch abschicken kann und suche meine Schulzeugnisse für die Pensionsversicherung zusammen, da ich ja im November sechzig werde, da bleibt nicht viel Zeit und Platz für das eigentliche Herz des Literaturgeflüsters, die ganz persönlichen Literatur- bzw. Schreibberichte.
Mit den Letzteren ist es derzeit ein bißchen schwierig, korrigiere ich ja, wenn ich dazu komme, am “Nanowrimomnovel” und bin da in der Phase, wo ich auf das Fertigwerden warte, aber noch ein paar Wochen bis Monate Fehler um Fehler finde. Bei meinem Blog-oder Korrigierwart Alfred geht auch nicht sehr viel weiter, jetzt hat er mir aber “Kerstins Achterl” doch ausgedruckt und zur Endkorrektur übergeben, wo ich ja bis Oktober korrigierte und korrigerte und dann bei der Lesung auf meinem Geburtstagsfest prompt einen Fehler bei der Stelle fand, wo der kleine Hektor mit Kerstin und Susa Dworak Eis essen geht. Diese Szene, dann den Anfang und noch die von der Hochzeit und vielleicht die vom Kindergeburtstag im KHM habe ich am Donnerstag für die Lesung bei den “Schreibinteressen”, am 14. 2. ausgewählt, die bis jetzt so ziemlich die einzige Lesung ist, die ich heuer haben werde.
Habe ich ja die “Mittleren” nicht mehr eingereicht, den “Tag der Freiheit des Wortes” vor einigen Jahren, als die GAV meinte, daß man nur mehr eine Veranstaltung pro Jahr organisieren darf, gegen die “Mittleren” eingetauscht, es dann aber satt gehabt, mit den Zetteln herumzulaufen und zu hören, daß die Leute da sicher keine Zeit haben und sich die Eingeladenen nach der Veranstaltung nicht mehr melden. Die Poet Night gibt es vielleicht im Herbst noch, da könnte ich dann meinen zweiten Honorarzuschuß beziehen, aber beim Volksstimmefest ist es schon nicht mehr so klar, hat Christoph Kepplinger beim letzten Mal ja angedeutet, daß soviele Leute noch nicht gelesen haben und sich daher nicht immer dieselben melden sollen.
Es gibt eben eine Sperre oder Gitter vor dem Eingang zum Literaturbetrieb, wie auch Eveline Polt-Heinzl bei der Kanonverstaltung zur Zwischenkriegsliteratur vorigen Herbst in der Wien-Bibliothek feststellte, die sie durch ihr Buch aufbrechen will und durch die scheine ich nicht zu kommen, so viel ich mich auch bemühe und so tut sich derzeit Literarisch bei mir nicht sehr viel, außer daß ich meine Bücherberge hinunterlese, mich freue, wenn ich mein Lesepensum steigere, schaue, daß ich mit meinen drei Projekten weiterkommen, so daß ich in einem halben Jahr oder so wieder mit was Neuem anfangen kann, aber keine Preise gewinne, zu keinen Lesungen eingeladen werde und auch mit meinen Blog nicht literarisch auffalle, etc.
Das tun dann die anderen, denn der Literaturbetrieb geht weiter und Leipzig naht, die Buchmesse bei der ich häufig mehr oder weniger eifrig bzw. frustriert herumlaufe, weil der Alfred Freunde in Leipzig hat, die uns auf ihren Dachboden schlafen lassen. Heuer werden wir aber nicht fahren, da die WU, wo Alfred arbeitet, in den Prater übersiedelt und er zu dieser Zeit nicht wegkann.
Dabei wäre der Leipziger Buchpreis heuer besonders interessant, hat mir der Residenz Verlag ja vor einigen Tagen gemailt, Anna Weidenholzer wurde für die Sparte Belletristik mit “Der Winter tut den Fischen gut” nominiert. Und dann noch Lisa Kränzler, die beim letzten Bachmannpreis gelesen und, glaube ich, auch gewonnen hat, David Wagner den ich von einem der dBPs kenne und noch zwei Bücher von Autoren, die mir unbekannt sind.
Dann gibts in Leipzig noch die Abteilung Übersetzung und da ist u.a. Alexander Nizberg mit seinem “Meister und Margarita” nominiert, das Buch, das ja in der alten Übersetzung auf meiner Leseliste steht und in der Abteilung Sachbuch gibt es eines, das mich auch sehr interessiert, nämlich über die “Gruppe 47”.
Die Preisverleihung kann man sich aber auch via live stream in das Zimmer holen und dann bekomme ich wahrscheinlich viel mehr mit, als wenn ich ganz hinten in der Glashalle stehe oder sitze und die VIPs an mir vorübergehen. Denn ich habe ja nicht die Lizenz durch die Gitter durchzugehen und bin ja auch als einsame Wölfin abseits des Literaturbetriebs konsequent, beharrlich und ein bißerl deprimiert so weit gekommen, daß ich fünf Jahre blogge, dreißig Bücher selber machte und mir auch ein ziemliches literarisches Wissen angearbeitet habe, das niemanden interessiert. Franz Blaha hat aber ein paar schöne Ankündigungen für die “Schreibinteressen” daraus gemacht, die ich mir aufheben werde.
Was den Leipziger Buchpreis betrifft ist vielleicht noch interessant, daß da u.a. Daniela Strigl in der Jury sitzt, die auch Jurorin beim Bremer Literaturpreis ist und beim Bachmannlesen, ob sie auch in der des dBp ist weiß ich jetzt nicht und müßte ich nachschauen, man sieht aber, es sind immer dieselben, die beim Preisgeschehen mitmischen, während die anderen daneben stehen und überbleiben.
Der Alfred hat mir aber als Alternative für Leipzig schon das “Literatur und Wein Festival” in Krems angeboten, das im April zum fünfzehnten Mal in Stift Göttweig stattfindet, zu dem ich aber nie gefahren bin, weil ich bei Veranstaltungen nicht gerne Eintritt zahlen. Aber diesmal werden wir höchstwahrscheinlich auch nicht auf Urlaub fahren, so daß es gut ist, wenn neben der Sommerfrische in Harland ein paar kleinere Highlights dazukommen.
Anna Weidenholzer wird da auch auftreten und die ist auch demnächst in der Alten Schmiede und hat, wie ich auf ihrer Homepage sah, jetzt überhaupt sehr viel zu tun, weil die Nominierten ja herumgereicht werden und vor Leipzig überall auftreten.
Interessant, wer in den verschiedenen Sparten gewinnen wird, ich halte ihr, deren literarischen Aufstieg ich ja von Anfang an mitverfolgen und ihr auch ein kleines Bißchen in die GAV helfen konnte, die Daumen, kenne aber keines der anderen Bücher, bin also gespannt.
Ansonsten gibt es im April als nächste größere Literaturveranstaltung Rauris, wo ich auch noch nie war und nicht eingeladen werde und diesmal Mathias Senkel der Hauptpreisträger ist, der auch beim letzten Bachmannpreis gelesen, aber glaube ich, nicht gewonen hat.
Spannend, spannend, was alles literarisch, um mich herum passiert, während ich in der Badewanne meine Bücher lese, die in in den Bücherkästen finde, am Abend zu Veranstaltungen gehe und zwischen meinen Stunden am Nanowrimonovel korrigiere.
W.w.w buecher.at versorgt mich ja mit den literarischen Informationen und ich blogge auch gern darüber, um mein literarisches Wissen zu archivieren und lese derzeit eher die Bücher, die ich in den letzten Jahren in den Schränken gefunden habe, bzw. in meinen Regalen stehen und nur wenig Neues, weil das mit den Rezensionsexemplaren auch nicht so gut klappt und die entweder mehrmals oder gar nicht kommen und wenn ich dann, “Leider haben wir da nicht mehr so viel!”, höre, denke ich, daß ich da ja auch draußen bleiben, das Ältere lesen und auf diese Art und Weise meinen eigenen, unbeachteten Weg, weiter gehen kann, obwohl ich das ein wenig schade finde, den Erfolgreicheren aber alles Gute wünsche!
Month: February 2013
Tag und Nacht und auch im Sommer
Jetzt zu einem anderen Geschichtenerzähler, nämlich Frank Mc Courts drittes Buch aus seinem Leben, das erste habe ich ja 2011 zweisprachig gelesen und es wird vom Writers Studio auch immer als besonders gelungenes Beispiel für die amerikanische Literaturgattung des”Memoirs” angeführt.
Der kleine irische Junge, dessen Buch über seine entbehrungsreiche irische Jugend mit der ständig gebärenden Mutter und dem trinkenden Vater, der betrunken seine Jungs auf Irland schwören läßt, ist erwachsen geworden, bzw. zuerst mit Neunzehn und einem Koffer alter Kleider und einem Band Sheakespeare noch einmal nach Amerika und nach ein paar Jahren Arbeit an den Docks Lehrer geworden.
Dann geht er in Pension, beginnt zu schreiben, denkt sich, ist das schön mein Buch im Buchladen stehen zu sehen und es wird ein Welterfolg, die Königin lädt ihn ein, der Papst und die Herzogin von York meint, er sei ihr erster Dichter. Da schreibt er natürlich weiter.
“Ein rundherum tolles Land”, Band zwei seiner Memoiren, das ich leider noch nicht im Schrank gefunden habe, dafür aber den dritten Band und der berichtet von seinen Erfahrungen als Lehrer und McCourth tut das wieder in seinen brillanten Stil, der eine Mischung zwischen Komik und Sarkasmus ist.
David Sedaris scheint mit seinen Büchern auch so etwas zu probieren.
Die Geschichte, wie da einer schreibt, wie er mit den von seiner Mutter beim Antiquar heruntergehandelten Kleidern, die immer den Traum von einem schönen Leben in Amerika hatte und den “noch unerfüllt träumen würde, wenn sie nicht gestorben wäre”, nach Amerika kommt, bzw. beginnt es nach der Einleitung mit dem Tag, wie er das erste Mal in einer Klasse steht, in einer Schule mit Kindern von italienischen oder irischen Einwanderern, in den Fünfzigerjahren, die später die Handwerker oder Sekretärinnen Amerikas werden dürften und fast entlassen worden wäre, weil er das Jausenbrot eines Schülers ißt.
“Hey Mister, nicht um neun vor den Schülern Mittagessen, das senkt die Schulmoral!”.
Es war aber ganz anders, das Brot wurde durch den Raum geworfen, es wäre zu einer Keilerei gekommen, hätte sich Frankie nicht mit dieser Einlage eingemischt und die Aufmerksamkeit der Schüler auf sich gezogen und so geht es weiter. Der irische Einwanderer, der selber Jahre am Hafen gearbeitet hat “Hey Mister, haben Sie schon mal was gearbeitet!” und wegen seines irischen Akzents fast keine Anstellung bekommen hätte, behauptet locker, er hätte in seinem dreißig Jahren Lehrerleben mit seinen ca zwölftausend Schülern nichts anderes getan, als ihnen die Geschichte seiner Kindheit und von Irland zu erzählen.
“Angelas Ashes!”, war da noch nicht geschrieben. Er erzählte es vorher offenbar seinen Schülern und schrieb das Jahrzehnte später nochmals auf, wiederholt “Angelas Ashes”, vor dem Lehrerpult und lehrt den Schülern die Grammatik in dem er sie rätseln läßt, was passiert, wenn “John in einen Laden geht”.
Die amerikanischen Schüler der Fünfzigerjahre waren offenbar genauso keine Waserln, wie die irischen Kinder in McCourths Schulzeit von ihren Lehrern geprügelt wurden. Sie schrieben sich ihre Entschuldigungen selbst. McCourth hat schon einen ganzen Stapel auf seinem Schreibtisch. Da fällt ihm auf, daß die Entschuldigungen viel phantasievoller sind, als das, was die Schüler sonst so schreiben. So kommt ihm die Idee, sie Entschuldigungsbriefe schreiben zu lassen “Eva an Adam” beispiesweise. Hitler kann man nicht entschuldigen, aber sonst geht viel. Das macht Spaß, aber leider kommt gerade die Inspektion in die Klase. Frankie glaubt schon, er würde gefeuert, aber der Inspektor sagt ihm nur “Wir brauchen Lehrer, wie Sie!”.
Etwas was für die Fünfzigerjahre im Mc Carthy Amerika ganz schön unglaublich klingt und man sich sowas in den heutigen Schlulen wahrscheinlich vergeblich wünscht und so geht es weiter in dem typischen McCourth-Charme.
Vorher kommt noch die Geschichte von dem Professor, der den Studenten vorschwafelte, was sie als Lehrer alles theoretisch beachten müßen, aber nie in einer Schule stand. Ein Studentin fragt ihn das und geht dann nicht nur mit dem Professor, sondern auch mit sämtlichen Studenten ins Bett, um den Professor nachher brühwarm von ihrem Verhalten zu erzählen.
Auch recht unglaubhaft in Zeiten, wo die Lehramtskanditaten unterschreiben mußten, daß sie niemals Kommunisten waren und das auch nicht werden würden, aber Frank McCourth ist ein begnadeter Erzähler und schafft es offenbar nicht nur seinen Schülern die richtige Mischung zwischen Grammatik und Psychologie beizubringen.
Im zweiten Teil der Erinnerungen wirds dann depressiver, McCourth verläßt die High school, um Lehrbeauftragter für Literatur und kreatives Schreiben zu werden, seine Schüler sind Feuerwehrleute, die hart arbeiten und statt Englisch zu lernen oder eine Facharbeit zu schreiben, von der sie gar nicht wissen, was das ist, lieber zu einem Footballspiel gehen, so probiert er es an einer Modeschule, unterrichtet neundundzwanzig frühreife schwarze Mädchen mit großen Klappen, die nur über Sex reden und zwei puertoricanische Jungs, die sich vor ihnen fürchten, Küchengehilfen soll er englische Worte beibringen und er hat auch eine Frau, namens Alberta, die unzufrieden mit ihm ist, ihm zuerst zu einem Analytiker und ihn dann zum Schreiben einer Doktorarbeit nach Dublin in das berühmte Trinity College schickt, woran der Protestant jämmerlich scheitert und einige so gar nicht ethisch korrekte Sachen über sich erzählt.
Dann geht er an eine der Eliteschulen des Landes, dort, wo die späteren Nobel- oder Pulitzerpreisträger herkommen und bringt den Schülern, obwohl er das nicht gelernt und auch keine Ahnung von Satzdiagrammen hat, das kreative Schreiben bei, das heißt, er läßt sich von ihnen zuerst trösten, weil sie nichts über das Elend der französischen Revolution hören haben wollen, weil sie schon mit der Überforderung ihrer koreanischen oder schwarzen Eltern, denen es gelungen ist, ihren Kindern die Aufnahmsprüfung zu ermöglichen, zu tun haben. Läßt sie Kochrezepte vorlesen, veranstaltet mit ihnen ein Picknick auf der Straße und bringt ihnen das Gedichtelesen und wahrscheinlich auch das Schreiben auf höchst ungewöhnliche und unterhaltsame Art und Weise bei, bis eben seit letzter Schultag gekommen ist und die Schüler ihm raten, selbst ein Buch zu schreiben.
“Ich probiers!”, ist der einzige Satz von Kapitiel achtzehn. Das Resultat habe ich schon gelesen und oben beschrieben.
“Tag und Nacht und auch im Sommer”, der Titel ist offenbar eine Anspielung, daß ein Lehrer ständig in Bereitschaft ist, kann wahrscheinlich an “Angelas Ashes” nicht anknüpfen, das Buch ist auch von Rudolf Hermstein und nicht von Harry Rohwolt übersetzt, einen sehr realistischen Einblick in den Lehreralltag bis zur Jetztzeit kann man trotzdem daraus zu bekommen.
Interessant, daß McCourth keine Angst vor Mißerfolgen und den negativen Dingen hat. Frei heraus plaudert er über Sex und Alkohol und das, was nicht so gut gelingt und wird auch gelobt dafür “Es lebe, verdammt noch mal und wieder und noch lange, Frank Mc Courth”, schreibt so die “WElt”, am Buchrücken.
2009 ist der US-amerikanische Dicher irischer Abstammung gestorben.
Über allem die Liebe
Jetzt hätte hier das “Geteilte Haus” stehen sollen, denn das hatte ich als nächstes auf meiner Leseliste, am vorigen Freitagabend aber, als ich nach Harland kam, das erstbeste Buck-Buch genommen, das über dem Bett lag und so die Neunzehnfünfundsiebziger-Lizenzausgabe der Büchergilde-Gutenberg erwischt, denn es gab ja einige Buck-Romane im Bücherkasten meiner Eltern und im Sommer habe ich ein paar herausgesucht und auf die nächsten Leselisten gesetzt.
Pearl S Buck, die Nobelpreisträgerin von 1938, wegen der sich die Mitglieder der schwedischen Akademie vielleicht genauso zerstritten haben, wie Jahre später über Elfriede Jelinek, jetzt gibt es jedenfalls einen Lex-Buck, entnehme ich Wikipedia, damit es nicht wieder vorkommen kann, das jemand, der solchen “Kitsch” schreibt, mit dieser Auszeichnung geehrt wird.
Die Leute stört es aber nicht, sie lasen und lesen immer noch die bittersüßen Geschichten über die Liebe im alten China, denn Pearl S. Buck, die Amerikanerin wurde von ihren Eltern, die Missionare war, als Baby nach China mitgenommen und hat dort Jahrzehnte gelebt. “Ostwind-Westwind” geschrieben, das meine Geschichtslehrerin in der Straßergasse auf ihre Leseliste setzte und “Geliebtes unglückliches Kind”, ein Buch, das ich als Kind in der Wattgasse hatte, aber irgenewie verschwunden ist, denn Pearl S. Bucks Tochter war behindert und litt an einer damals noch nicht behandelbaren Krankheit und einmal vor Jahren, als ich noch nicht bloggte, habe ich auch ein Buck-Buch aus den Regalen genommen, eine bittersüße Geschichte von einer Frau aus guten Haus, gelesen, deren Füße noch verkrüppelt wurden, die dann alles für ihren Ehemann tut um eine gute Frau zu sein und sich umbringt, als er sie verläßt bzw., sich eine modernere Zweitfrau nimmt. Ich war, glaube ich, enttäuscht, als die Geschichte im ersten Drittel des Buches zu Ende war und hätte mir eine emanzipatorischere Fortsetzung, wie sie den Mann austrckst, gewünscht und lange nicht Buck gelesen und auch die meisten ihrer Bücher in den Schränken stehenlassen, jetzt aber doch ein paar gefundene herausgesucht und nach meinen China–Schwerpunkt auf die Leseliste gesetzt. Im nächsten Jahr kommt dann noch das “Geteilte Haus” dazu. “Die Frau des Missionars” und “Söhne” gibt es auch noch und die “Gute Erde” sollte ich auch noch Harland haben. Mal sehen, was sich in Harland noch alles finden läßt.
Wie ist das Buch? Ein Chick-lit der Fünfzigerjahre, natürlich, selbstverständlich, in dem eigenen Ton, der in den Biografien als “unaufgeregt” bezeichnet wird, manches für mich wieder unverständlich und im Stil glaube ich, daß es mich an die “Wand” erinnern wird, denn das habe ich ja noch nicht gelesen, nur einmal eine Diskussion darüber gehört.
Und von China handelt es auch nicht oder nicht wirklich, denn es ist der “25. September 1950″, als sich Elisabeth in ihrer Farm im Tal der Bergen von Vermont”, USA, hinsetzt und, wie jene Frau hinter der Wand, alles aufschreibt, damit sie es nicht vergessen wird oder sie nicht den Verstand verliert.
Bei Elisabeth ist es das Tal hinter den Bergen und sie ist mit ihren Sohn Rennie vor einigen Jahren aus Peking in das Haus ihrer Eltern zurückgekehrt und hat jetzt einen Brief von ihrem Mann Gerald, des Mutter Chinesins war, bekommen, der ihr “Meine Liebe Frau, Vor allem – ehe ich es sage, was gesagt werden muß – sollst du wissen, daß ich dich liebe!” schreibt.
Das, was dann gesagt wird, kommt in dem Buch erst ein paar hundert Seiten später vor, Wikipedia oder vielleicht auch der Klappentext hat es aber schon verraten, die böse kommunistische Regierung hat ihn gezwungen eine chinesische Frau zu nehmen und die schreibt dann weiter, daß sie schwanger ist, einen Sohn gebährt und auch, daß Gerald erschossen wurde, als er angeblich kurz vor der Geburt seines chinesischen Sohnes, zu ihr flüchten wollte.
Für mich genauso unverständlich, wie für Rennie oder seinem Freund Sam, die sagen, er hätte ja mit ihr nach Amerika zurückgehen können, wenn er sie so liebt, aber ein Mann liebt ja zuvorderst seine Arbeit und Peking liebt er natürlich auch, denn dort wurde er geboren und ist aufgewachsen, obwohl er einen amerikanischen Vater hat.
Deshalb ging er als junger Mann nach Harvard, um zu studieren und lernte dort Elisabeth kennen, die das ebenfalls tat. Die hatte einen fortschrittlichen, verstorbenen Vater und eine engstirnige Mutter, der fast das Häferl aus der Hand fiel, als Elisabeth ihr sagte, daß sie einen halben Chinesen heiraten will. Sie tat es trotzdem, denn er kehrte beim Vorstellungsgesrpäch seine amerikanische bzw. schottische Seite hervor und Elisabeth ging mit ihm nach Peking. Bis der Krieg kam und der Mann, der ziemlich autoritär geschildert wird, seine Frau “Eva” und dem Sohn verbietet sie “Mum” zu nennen, sie und das Kind zurückschickt.
Er ist Rektor an der Universität, Elisabeth geht an die Farm zurück, die Mutter ist inzwischen schon verstorben und macht mit einem Nachbarn die Arbeit. Den Brief hat sie versiegelt in ein Sandelholzkästchen gelegt, macht ihn aber immer wieder auf, spricht nicht darüber und erteilt ihr Einverständnis in die Zweitehe auch vorerst nicht. Erst als die “jüngere Schwester” Meil-lan ihr schreibt, tut sie es.
Sie geht inzwischen auf die Suche nach Geralds Vater, einem Gelehrten, der am Hofe des chinesischen Kaisers gearbeitet hat, seine amerikanische Verlobte ist aber nicht mit nach China gegangen, so hat er die fast verwitwete Schwester eines Freundes ohne Liebe geheiratet und die wurde, weil sie das spürte, angeblich nach der Geburt Geralds zur Revolutionärin, verließ Mann und Kind und wurde am 15. Mai 1930, Elisabeths Hochzeitstag erschoßen.
Einundzwanzig Jahre später kommt zwar kein Brief von Gerald, aber die Zeitung, wo ihr Bild und die Nachricht ihres Todes zu sehen ist und Elisabeth deutet sich die Zusammenhänge, fǘr mich auch manchmal sehr unverständlich, zusammen.
Der Vater ist auch nach Amerika zurückgegangen, wurde dort in einem Zug krank, in den Bahnhof gesetzt, von einem jungen Farmer aufgenommen, der für ihn sorgt, so finden ihn Elisabeth und Rennie in einer Hütte mit langen weißen Bart, chinesischen Gewand, in einem chinesischen Buch lesend und nehmen ihn zu sich. Er bekommt bald noch einen Schlaganfall und verfällt in die Demenz und in das Pflegestadium und interessant, daß Pearl S. Buch vor sechzig Jahren, vielleicht etwas verschönt, das schildert, was ich im letzten halben Jahr an Alfreds Vater erlebt habe.
Rennie, der am Beginn des Buches siebzehn ist, wird erwachsen und verliebt sich in das erstbeste Mädchen, in Allegra, die Elisabeth und dem Baba nicht gefallen, so daß er auf Chinesisch “Wer ist denn diese Weibsperson?”, beim Vorstellungsgespräch fragt und Elsabeth ihr Rennies chniesisches Viertelblut erklärt, was der gemein findet, weil er mit seinen chinesischen Vorfahren ohnehin seine Schwierigkeiten hat. Verständlich, denn in China sind die Amerikaner verhaßt und in Amerika waren das in der Mc Carthy Ära, die Kommunisten. So hat man es mit einem halbchinesischen Vater und viertelchinesischen Augen wahrscheinlich nicht leicht und Elisabeth geht auch noch zu Allegras Eltern und erzählt ihnen das brühwarm, um “Allegra und Rennie” zu retten, was ich auch nicht verstehe und eine “Mutter soll sich da nicht einmischen!”, sagen würde.
Allegras Eltern packen ihre Tochter und verschwinden. Rennie geht zu Sam, das ist der Mann, der den Baba versorgte und hilft auf seiner Farm, um später Physik zu studieren, Elisabeth schreibt weiter, pflegt den Baba und fragt den Hausarzt, warum er nicht geheriatet hat, worauf sie von ihm einen Antrag bekommt.
Zu Weihnachten kommt Rennie, diesmal mit der richtigen Frau zurück, Baba stirbt und Elisabeth hat eine Vision, sie sieht Gerald im Zimmer stehen, mit traurigen Blick und dem chinesischen blauen “Sträflingsanzug”, den er, der Intellektuelle und Rektor, so haßte. Er verschwindet und Elisabeth weiß schon vor Meil-Lans Brief, daß er gestorben ist, bzw. wird ihr das von der einfältigen Frau ihres Erntehelfers gedeutet wird.
Trotz des “Kitsches” und der etwas überheblichen Besserwisserei der weiblichen Stimme, ein sehr interessantes Buch, das mich China, das mir ja ein bißchen unverständlich ist, näher brachte und interessant noch eines, nicht nur, daß es ein Viertelchinese im Amerika der MC Carthy Ära schwer hatte und, daß die Liebe der Beiden, an den Regierungen und der unterschiedlichen Herkunft zerbrach, bei der Hochzeit, Rennie heiratet mit Zwanzig eine Maria, die angeblich besser zu ihm passt, raucht er eine Pfeife, “denn er ist ein Mann geworden” und der Hausarzt, den Elisabeth vielleicht doch heiraten wird, tut das auch.
Wenn das Buch jetzt in Amerika aufgelegt werden würde, würde das wahrscheinlich herauszensuriert werden oder doch nicht?
Pearl S. Buck lesen, nehme ich mir also vor und in den Bücherkästen in Zukunft ein wenig aufmerksamer danach schauen. Aber ich habe doch schon soviele Bücher und kann auch nicht alle lesen, es war aber sehr interessiert und wegen mir würde es keinen Lex-Buck brauchen, denn wenn die Leute die eindringlichen Liebesromane gerne lesen und dabei etwas von China und der Politik der Fünfzigerjahre erfahren ist das doch besser, als wenn sie Proust, Dostojewski, Arno Schmidt, Obermayr, Winkler oder Musil, die angeblich bessere Literatur, als unverständlich weglegen oder gar nicht lesen?
Lesegewohnheiten
Da scheine ich durch meine Neugier ob Buzzaldrin über den Bremer Literaturpreis bloggt, eine Diskussion über das Lesen ausgelöst zu haben.
Wie viel oder wenig soll man lesen? Gibt ein Limit oder eine Latte, bzw. ein Leistungssoll? Daran hat sich dann noch ein anderer Blog angeschlossen und ich nütze die Diskussion zu einem Blogeintrag, weil ich derzeit ja, da ich höchstwahrscheinlich noch das nächste halbe Jahr am “Nanowirimo” bzw. am “Literaturgeflüster-Texte-Buch” korrigiere, relativ wenig “eigene Artikel” schreibe und dafür mehr Buchbesprechungen. Die Zahl der Veranstaltungen scheint auch zurückzugehen, habe ich ja, wahrscheinlich durch die krisenbedingten Einsparbemühungen bemerkt, daß da am Freitag nichts mehr stattfindet, aber da fahren wir ohnehin jede zweite Woche nach Harland und am Donnerstag habe ich Abendstunden und das Lesen bzw. die Zahl der Buchbesprechungen und da sind wir schon beim Thema, steigt.
Derzeit sind es drei bis vier diesbezügliche Artikel, die in der Woche erscheinen und ich habe ja eigentlich gar keinen Bücherblog, sondern ein literarisches Tagebuch, das Herr Blaha für die Ankündigung der “Schreibinteressen” am 14. 2., sicherlich sehr übertrieben, “Das schreibende Gewissen der Gegenwart”, genannt hat.
Aber ich lese gerne und habe das eigentlich immer schon getan, das war mir, genau, wie das Schreiben und da behaupte ich ja immer, daß das an erster Stelle steht, immer sehr wichtig.
Ich kann mich erinnern, daß ich schon in der Volksschule am Wochenende Aufsätze für mich geschrieben habe und sie am Montag der Lehrerin zeigte, die mir dann die ersten Schreibtips gab, gelesen habe ich auch sehr viel und Bücher waren im Gemeindebau in Hernals auch immer da und da habe ich gelesen und gelesen und mich immer schon für Literatur interessiert.
Zuerst wahrscheinlich sehr brav und angepasst, so kann ich mich erinnern, in der Hauptschule in die städtische Bücherei am Elterleinplatz gegangen zu sein, um mir einen Krimi auszuborgen. Die strenge und wahrscheinlich sehr verstaubte Dame hat der circa Zwölfjährigen aber nur einen pro Woche zugebilligt. So ist eine ebenfalls verstaubte Grillparzer-Ausgabe zu mir gekommen, die ich nach ein paar Leseversuchen, wahrscheinlich genauso verstaubt, zurückgegeben habe.
Nach der Matura, in meiner Studentenzeit, habe ich viel gekauft und viel gelesen, den ganzen Adalbert Stifter, viel Thomas Mann, den “Mann ohne Eigentschaften” in vierzehn Tagen im Sommer 1973 oder 1974 im Gartenhäuschen auf der Höhenstraße und natürlich nicht verstanden.
Doderers “Dämonen”, ein paar Jahre später und fasziniert davon, wenn auch immer noch ohne viel Verständnis der Zeitgeschichte. Den die haben wir in der Straßergasse trotz der enormen Leselisten der Frau Professor Friedl nicht mitbekommen und von H.C. Artmann, Peter Handke, Gert Jonke etc, habe ich damals nicht viel gewußt oder es hat mich auch nicht so interessiert.
Ich kann mich erinnern, daß ich in den frühen Siebzigerjahren, um mein eigenes Schreiben zu überprüfen, in eine Buchhandlung in der Kalvarienberggasse gegangen bin und verzweifelt in einem Jonke-Bändchen blätterte, denn so wollte und konnte ich nicht schreiben.
Aber viel gelesen und irgendwann ein bißchen zeitgemäßer geworden. Das kam wahrscheinlich auch mit dem eigenen Schreiben und da war der Jung-Residenzverlag der Siebziger und Achtziger Jahre sicherlich das Eldorado. Henisch, Frischmuth, etc. Ich habe die schönen alten Residenzausgaben und ich eine Zeitlang auch die Thomas Bernhard-Romane mit Begeisterung gelesen und bei den “Alten Meistern” kann ich mich erinnern, in der Bahnstation Hütteldorf, weil ich ja eine Zeitlang nach St. Pölten pendelte, herzlich gelacht zu haben. Da schreibt einer über dreihundert Seiten, ob er am Abend ins Burgtheater gehen soll, dann geht er hin und das Buch endet mit “und die Vostellung war eine fürchterliche.”
Jetzt kann ich den Bernhardschen Negativismus nicht mehr so gut aushalten, die Verhaltenstherapeutin wehrt sich wahrscheinlich dagegen und die Österreichbeschimpfungen, die kürzlich erst in Ö1 waren, kann ich auch nicht mehr hören. Aber gelesen und gelesen und natürlich und leider mit nicht sehr viel Erfolg, Beachtung und Aufmerksamkeit geschrieben. Da nur sehr wenig, bzw. negatives Feedback bekommen und irgendwann habe ich mit dem Bücherkaufen aufgehört. Ich erkläre mir es als Trotzreaktion, wenn die Verlage mich nicht wollen, muß ich mir auch nicht ihre Bücher kaufen. Ich war aber immer schon sehr sparsam und eigentlich auch eine “Konsumverweigerin”. Gelesen habe ich aber immer und habe, inzwischen verteilt an zwei Orten auch schon fast siebentausend Bücher, denn inzwischen habe ich die ja katalogisiert, als ich einmal zu Weihnachten “Holzfällen” nicht mehr gefunden habe und die Anna beschuldigte, der ich ja einige Bücher gegeben habe, das sie es hätte.
Dann kamen die ersten Büchertürme, bzw. Kisten mit Gratisbüchern, die man sich bei Flohmärkten oder anderen Gelegenheiten nehmen konnte. Da gabs ja einmal bei der Buchwoche so eine hundert Bücher-Kanonliste, die man gelesen haben sollte und man konnte seine eigene dazuschreiben und einen zehntausend Schilling Gutschein dafür gewinnen, was ich natürlich nicht habe, aber die Büchertürme waren eine Zeitlang bei der Literatur im März, solange die es noch gab, da und da haben die Verlage das offenbar Unverkäufliche hineingestellt und ich habe es herausgenommen und gelesen und gelesen. Da kam mir das erste Mal, glaube ich, die Idee, daß ich ja am Morgen oder am Abend in der Badewanne ein Buch (aus)lesen könnte. Ich glaube ich habe auch einiges überflogen. Richard Obermayrs “Der gefälschte Himmel”, beispielsweise. Dann kam Thalia, bzw. Amadeus daher und lockte mit zehn Eurogutscheinen für Leserrezensionen und da habe ich angefangen, die Bücher, die ich lese, zu besprechen. Als diese Aktion endete, habe ich damit aufgehört, mit dem Bloggen aber wieder begonnen. Und das halte ich inzwischen für eine Superidee, denn da kann man auf Knopfdruck nachschauen, wie einer das Buch gefallen hat und man hat nichts vergessen, es schult natürlich auch die Schreibfähigkeit. So empfiehlt das Gustav Ernst, wie ich ihm einmal sagen hörte, seinen Studenten auf der Hochschule für Sprachkunst.
Als ich dann schon bloggte und mit den Bücherbesprechen angefangen habe, das hat ja einige Zeit gedauert, bis ich wirklich jedes Buch besprach, dachte ich, jetzt werde ich auf diese Art und Weise bald meinen Bücher-SUB aufgelesen haben. Mitnichten, denn da kam der erste offene Bücherschrank, dem weitere folgten und damit wuchs auch meine Leselust oder ist es eine Sucht? Ich würde es nicht so bezeichnen, aber der Appetit kommt mit dem Essen und wenn man sich mit Büchern beschäftigt, steigert das auch die Lust am Lesen, bei mir jedenfalls, wie ich mich ja eigentlich ein bißchen wundere, daß mich das auch noch nach vierzig Jahren Lese- und Schreiberfahrung immer noch so interessiert und die Freunde an den Büchern und am Schreiben nicht nachgelassen hat und das ist eigentlich sehr schön, so depressiv und unerfreulich, die Begleitumstände vielleicht auch sind.
Meinen SUB werde ich, solange ich zu den Bücherkästen gehe und ich komme ja regelmäßig daran vorbei, nicht aufholen, darüber habe ich auch schon geschrieben und schreibe ich immer wieder, weiß, daß das eine Quadratur des Kreises ist, einen Knoten, den man nicht aufknüpfen kann, aber es macht ja nichts, es ist ja schön, daß soviele Leute schreiben. Ich finde das wenigstens, dann will ich auch alles oder das meiste lesen, weiß, daß ich das nicht kann, probiere es trotzdem, etc.
Darüber habe ich ja auch schon viel gebloggt und im Herbst 2010 kam Elisabeth von leselustfrust, die es nicht mehr bloggend gibt, deren Blog mich sehr beeindruckt und auch mein Leseverhalten gemeinsam mit den Bücherkästen gesteigert hat, mit einer Herbstleseliste. Ich habe aus meinem SUB im Badezimmer mir auch gleich eine erstellt und die dann x-mal umgeändert, was vorgezogen, etc.
Im Herst 2010 wurden aber meine Bücherregale in der Krongasse zu klein und ich hatte die Wahl was auszumustern, nicht mehr zu den Schränken zu gehen, die Übersicht zu verlieren oder mir ein neues zu kaufen. Ich wählte das Letztere, jonglierte im Jänner 2011 noch eine Weile mit sich ständig verändernden Leselisten, bis ich im World Wide Net auf eine hundert Bücher Challenge stieß, mir gleich eine solche Liste machte und meine Leseliste war geboren. Seither lese ich mehr als hundert Bücher im Jahr und habe, um meinen SUB zu ordnen, inzwischen Listen bis 2017, was man natürlich für idiotisch finden kann. Für mich ist es aber wichtig, weil ich nichts übersehen will und seither lese ich auch eher strikt hinunter, ziehe höchstens Geburtstagsbücher oder Rezensionsexemplare vor und fahre für mich selber gut damite.
Von mir aus braucht aber niemand lesen, da ist die pädagogische Ader der Psychologin und Verhaltenstherapeutin nicht sehr ausgebildet. Lesen ist schön und wichtig, aber ins Kino gehen, surfen, fernsehen, Fußballspielen, etc sicher auch.
So bin ich auch nicht unbedingt darauf erpicht, daß die anderen meine Bücher lesen, wenn sie nicht wollen, brauchen sie das nicht. Sie brauchen sie auch nicht kaufen. Ich lese aber gerne, was die anderen schreiben und ich bin, so seltsam das auch klingen mag, wirklich an sehr vielem interessiert. An allem nicht, so lese ich beispielsweise höchstwahrscheinlich keinen Harry Potter und auch nicht Karl May.
Das ich aber Liebesromane, die sogenannten Groschenschundhefterln, in der meiner Schulzeit sehr gerne und auch viel gelesen habe, habe ich jetzt zu erwähnen fast vergessen. Falls mich die Zeitschrift “Volltext”, einmal zu meiner “Unwürdigen Lektürenerfahrung” auffordern sollte, würde ich über Hedwig Courths Mahler schreiben, deren Romane ich für ein großartiges zeitgeschichtliches Kolorit des Berlins der neunzehnhundertzwanziger Jahre, gepaart mit einer sehr strengen unrealistischen Moral, die sie selber immer wieder klammheimlich, aufbricht, halte.
Schade, daß das außer von mir noch nicht sehr bemerkt wurde. Eine Stephenie Meyer habe ich aber inzwischen im Schrank gefunden und auch Nele Neuhaus “Schneewittchen muß sterben” und freue mich auf das Lesen irgendwann in den nächsten Jahren.
Marcel Proust und Joyce würde ich, um die Fragen der beiden jungen Germanistinnen von “writeaboutsomething” zu beantworten, aus dem Kasten ziehen und zu lesen versuchen, der “Ulysses” lag schon mal auf meinem Badezimmertischchen in Harland, dann kam die liebe Anna daher und sagte “Kann ichs haben, Mama?”, natürlich, denn das ist ja ein Buch, das man lesen sollte!
“Kaff Mare Crisium” habe ich schon gefunden und es an dem Vormittag gelesen, als es den letzten “Rund um die Burg rund um die Nacht Lesemarathon” gegeben hat. Da habe ich mich entschieden, daß ich das Buch lieber nicht verstehen will, als ihm das nächste Jahr zu widmen, bin aber ein Monat später brav in die Hauptbücherei gegangen, wo “Zettels Traum”, präsentiert wurde, habe mich neben Peter Henisch gesetzt, gefragt, ob er das Buch verstanden hat und ein Herr hat einen Vortrag gehalten, in dem er erklärte, wie man das Buch lesen oder nicht lesen soll. Ich habe daraus entnommen, daß man es nur, wie ich machen kann, entweder die Leseliste für das nächste Jahr vergessen und in seine Welt hineintauchen oder schauen, daß man nicht zu spät zum Literaturmarathon kommt. Inzwischen steht aber ein Sekundärband zu Schmidt auf einer meiner Listen. Eine Woche lese ich aber schon mal an einem Buch.
Ich sollte meine Leseliste vielleicht auch nicht unbedingt soweit in die Zukunft ausdehnen, weiß ich ja nicht, wie lange ich noch lebe oder gut sehen kann.
Aber das Angebot ist da und der Appetit kommt, wie erwähnt, mit dem Essen, wenn ich eine Pearl S. Buck oder Vicki Baum aus dem Bücherkasten oder der Bibliothek meiner Eltern lese, schaue ich nach, was ich sonst noch habe und setze das Buch dann auf die Liste oder so, wie kürzlich jetzt endlich doch den ersten Erzählband von Marica Bodrozic, den ich bisher nicht las, weil ich ja keine Erzählungen wollte.
Leselisten und Bücherbloggen kann also auch Vorurteile auflösen und meinen Vorsatz für 2013 möglichst nur zwei Bücher pro Woche auf meine Listen zu setzen, habe ich letzte Woche auch eingehalten. Da kam zwar noch eine uralte DDR-Anthologie dazu, aber sonst war ich ganz “brav” und habe dieses Jahr auch schon viel gelesen. Achtzehn Bücher sind es bis dato schon.
Wow, wenn das so weitergeht könnte ich wirklich einmal die zweihundert Büchermarke sprengen! Aber man soll ja keine Rekorde aufstellen und es nicht wichtig, wie viel oder wenig man liest! Für mich offenbar doch ein bißchen und wenn ich jemanden zum Nachmachen animieren kann, will ich das auch gerne tun!
Literatur als Radiokunst
Offenbar als Auftakt zur langen Nacht des Hörspiels, bzw. Hörspielgala, wie es jetzt der Kürze wegen heißt, gibt es immer “Radiokunst”, die Produktion des letzten Jahrs, in der Alten Schmiede und da mich das nicht so besonders interessiert, bin ich meistens nicht hingegangen.
Aber diesmal wäre die Ursula Krechel die einzige Veranstaltung der Woche gewesen und das wollte ich doch nicht zulassen, obwohl ich wieder vier fünf Tage in die Zukunft blogge und mir daher schon wieder Bücher kaufte, obwohl der Artikel in dem steht, daß ich in der letzten Woche nur zwei Zugänge hatte, noch nicht erschienen ist.
Also habe ich die Steuererklärung über der ich am Nachmittag gebrütet habe, unterbrochen und bin in die Alte Schmiede und vorher in den “Frick”, die vorige Zentralbuchhandlung hineingegangen und hätte mir da beinahe Isabell Alendes “Luna” auf Spanisch oder so, um einen Euro gekauft und ein Buch der Andrea Grill um drei, auf Tschechisch, habe den Irrtum aber bemerkt und mir nur ein schönes schwarzes Moleskine mit Stadtplan von Prag, im vorigen Jahr hätte ich das sehr gebraucht, um drei Euro gekauft und dann noch Steven Uhlys, den ich vom Buchmessensurfen kenne “Adams Fuge” um drei Euro. Eine Hörprobe von Michael Michael Köhlmeiers “Die Abenteuer des Joel Spazierer” gab es umsonst und eine Leseprobe von Jussi Adler Olsen und beim Morawa gab es auch etwas in den Abverkaufskisten, obwohl das jetzt auch nicht mehr ganz billig ist, aber Halldor Laxness “Die Litanei von den drei Gottesgaben”, um zwei Euro, Georg Kreislers literarische Vermutung “Anfänge” um 1.50 und Louise Doughty “Was du liebst gehört dir nicht” um drei, der Autorin von “Ein Roman in einem Jahr”, dem Schreibprojekt, das es 2008 im Autorenhausverlag gab.
So ausgerüstet bin ich in die Alte Schmiede zur Radiokunst gegangen. Christiane Zintzen, von deren Blog ich ja sehr profitiere, war die Kuratorin und Elisabeth Wandeler-Deck, die ich beim vorletzten Dicht-Fest kennenlernte und die inzwischen den Baseler Lyrik Preis gewonnen hat, war eine der Aktivisten und dann gab es noch Birgit Schwaner mit deren Hörstück “Hirnsegel Ahoy” die Performance begonnen hat.
Aber erst hielt die Kuratorin eine Einleitung, erklärte, daß es sich dabei um ein Projekt und vier Aufführungen im Jahr handelt, die im Kunstradio gesendet wurden, wo es in Surroundtechnik nur um die Komposition und die menschliche Stimme geht, die in zwei Teilen jeweils in fünfzehn Minuten Länge gesendet wurden.
Die 1960 geborene Birgit Schwaner kenne ich vom Lesetheater, dann hat sie einmal einen den Siemens Literaturpreis gewonnen und sie hat eine sehr poetische Sprache und hat sich, wie sie in dem Gespräch mit Christiane Zintzen erklärte, wie oft in ihren Texten mit dem Mond beschäftigt.
Bei dem Siemenspreistext ist es, glaube ich, um eine Flaschenpost gegangen, jetzt fällt eine Botschaft auf einen Studenten, der am Donaukanal auf einer Parkbank sitzt, bzw. auf seinen Mops und die Mondfälscherin erzählt mit “glockenheller Stimme”, wie Christiane Zintzen einleitete, aber auch in veränderten Tonlagen, von Arno Schmidts “Kaff Mare Crisum”, aber auch von Cyrano de Bergerac.
Birgit Schwaner erzählte in der Einleitung, daß sie verschiedene Texte ineinander monitert hätte, aber auch was Neues schrieb und während der Aufnahmen haben sich die Texte noch verschoben.
Dann kam ein Mann, nämlich Bruno Pisek” mit “Wir bleiben nicht still”, der glaube ich, auch Musiker ist und der wollte, wie er erzählt,e nicht monoton sonder mit der “Wir-Stimme” sprechen und hat sein Hörstück, in dem es wie bei Birgit Schwaner um Utopien geht, in drei Sätzen komponiert.
Am Schluß war er ganz erstaunt bzw. entsetzt, weil einige der Textstellen offenbar nicht von seinem Stück stammten.
Es folgte Elisabeth Wandeler-Deck und hatte wieder einen sehr lyrischen Text, bzw. ein Gedicht aus ihrem damals vorgestellten Gedichtband “Beharrlicher Anfang – doch doch sie singt” und montierte immer wieder wiederholend die ersten Zeilen in einen theoretischen Text über das Singen.
Dann kam Jürgen Berlakovich vom Wiener Gemüseorchester mit “Self Compiler. Ein Sprach Sound Scape”, wo es um die Literatur im Netz, um das Urheberrecht und vieles anderes mehr in einer wahrhaft geschwätzigen Sprachgewalt ging. Ein komplett anderer Text, als die lyrischen Montagen der beiden Frauen, aber für eine Bloggerin, die sich ja auch sehr oft und viel im Netz aufhält, wie mich, sehr interessant, obwohl ich von der “elektroarkustischen Technik der Granularsynthese” nicht viel Ahnung habe.
Am Schluß gabs wieder ein Gespräch und Christiane Zintzen wies auf die Hörspielgala am 1. 3. hin und ich habe, obwohl mich das Kunstradio und die Literatur als Radiokunst ja nicht so besonders interessiert, ein sehr schönes Hörerlebnis gehabt.
Deutsche Buchpreisträgerin in Wien
Den deutschen Buchpreis 2012 hat ja die 1946 in Trier geborene Ursula Krechel, die ich eigentlich nur dem Namen nach kannte, gewonnen, die heute mit ihrem bei Jung und Jung erschienenen Roman “Landgericht” und ihrem Verleger Gast in der Alten Schmiede war.
Ein Buch das sich mir bisher nicht sehr erschlossen hat und von dem ich auch nicht sehr viel wußte, außer, daß es sehr teuer ist und um einen Richter geht, der nach der Emigration nach Deutschland zurückkehrt und sich dort sein Recht erkämpft.
Die Alte Schmiede, war, als ich sie erreichte, gar nicht so voll, was sowohl mich, wie auch Gabriele Madeja, die sich neben mich setzte, etwas wunderte. Sie wunderte sich auch, daß ich das Buch noch nicht gelesen habe, obwohl ich ja soviel lese, daß sich die Bücherblogger darüber wundern und Diskussionsrunden veranstalten, wieviel man lesen soll und bei den Buchpreisbüchern bin ich auch relativ belesen, bzw. habe ich sie mir öfter zum Geburtstag gewünscht. Dieses aber nicht und auch “Shanghai fern von wo”, 2008 erschienen, ist eher an mir vorbeigegangen oder doch nicht so ganz, denn da war ich ja einmal im Literaturhaus bei einer diesbezüglichen Veranstaltung, aber da war sie, glaube ich, nicht dort und ihr Roman für den sie sehr lang recherchierte und einige Immigrantenschicksale erzählte, wurde nur erwähnt.
Jetzt hat Kurt Neumann in seiner Einleitung auf ein längeres Projekt und den ersten Roman hingewiesen und Jochen Jung hat ein bißchen was über beide Bücher erzählt, bzw. wielange er die Autorin schon kenne und, daß er in Frankfurt mit ihr einmal auf einer Veranstaltung mit Barbara Frischmuth und Leni Riefenstahl war.
Dann erzählte Kurt Neumann den Inhalt des sehr umfangreichen Buches. Der Richter Richard Kornitzer kehrt nach zehn Jahren Emigration aus Kuba an den Bodensee zurück, wo seine Frau Claire, die zurückblieb, lebt, die Kinder sind nach England emigriert und weigern sich zurückzukommen. Kornitzer beginnt in Mainz am Landgericht zu arbeiten und lebt in der zerstörten Stadt vorerst allein, dann gibt es Rückblenden in die Zeit vor 1933, wo die Kornitzers in Berlin lebten.
Kurt Neumann sprach von Aussparungen und verschiedenen Kunstgriffe, wie Präsens, Vergangenheit und Mitvergangenheit, um in das Geschehen hineinzuspringen und Ursula Krechel, die eine wirklich sehr lyrische Sprache hat, sie ist, glaube ich, außer mit Hörspielen auch als Lyrikerin hervorgetreten, las dann ein Stück aus 1933.
Claire, die eine sehr emanzipierte Frau ist, Werbetexterin, geht ins Kino und schaut sich die Werbefilme an, die dort laufen, sie schaut sich mit dem Filmvorführer als Führungskraft auch Wochenschauen vom Führer an, ein Sprachspiel, das sie brauchte, wie Ursula Krechel später erklärte, denkt an den kranken Sohn, dessen Fieber weder vom Kindermädchen noch vom Richter erkannt werden wird und hat auch sprachlich schöne Stellen, wo der Stummfilm vom Tonfilm abgelöst wird, “wo dann auch das Brüllen auf den Straßen” kam. Dann wird der Richter in Ruhestand versetzt und telefoniert mit einem Kollegen, der ihm erzählt, wie die SS im Landgericht gewütet hat.
Die Lesung endete an einer Stelle, wo Ursula Krechel in die Zukunft geht und von nine elefen spricht, wo Präsident Bush die Amerikaner zu “Shoppen” aufgefordert haben soll, während Claire, dem im Ruhstand versetzten Richard riet, doch ins Kino zu gehen, was Kurt Neumann, als weiteren Kunstgriff der Autorin erklärte.
Daran schloß sich eine lange Diskussion in der Ursula Krechel sehr viel von der Entstehung des Buches erzählte. Sie recherchierte sehr viel und sorgfältig, war in Archiven, hat die Akte eines Richters gefunden, daran ihre Geschichte entwickelt. Sich auch einiges ausgedacht und nicht so genau gewußt, wie ein Ehepaar miteinander umgeht, das sich zehn Jahre nicht gesehen hat.
Das reale Vorbild hat es gegeben und die Familie hat inzwischen auch den Kontakt zu der Autorin aufgenommen, bzw. von Freunden erfahren, daß sie in dem Buch über den Vater bzw. Großvater geschrieben hat. Was ja sehr interessante Fragen aufwirft, wie weit man das darf und wieviel man verfremden muß, damit sich die Vorbilder nicht erkennen.
Ursula Krechel scheint aber auch ein paar Mal angefragt und mit dem Sohn telefoniert zu haben, dem das Interesse an der Familie gar nicht recht gewesen war.
Sie hat auch von einem Seminar erzählt, das sie in Leipzig gehalten hat und das “Zitieren, recherchieren, montieren” oder so ähnlich hieß, wo sie den Studenten erklären wollte, wie man den “Kopf durch Fundstücke” erweitern kann, was auch recht interessant klingt, so daß ich mir schon überlegte, wie ich das für mein nächstes Buchprojekt gebrauchen kann..
Jochen Jung meinte noch, daß der österreichische Buchhandel im Gegensatz zum deutschen von dem Buch nicht so begeistert war. Am Büchertisch lag es aber auf und wurde, glaube ich, auch gekauft und ich bin natürlich sehr gespannt, ob und wann das Buch einmal zu mir kommt.
Sag, daß Jerusalem ist
Ilana Shmuelis Buch “Über Paul Celan – Oktober 1969 – April 1970”, wie am Titelbild des 2010 wiederaufgelegten Bandes steht, habe ich 2011 von Christel Fallenstein zu meinem Geburtstag bekommen. Eine Woche nach dem Fest, am 11. November 2011 ist Ilana Shumeli gestorben, die 2009 den Theodor Kramer Preis bekommen hat und nun habe ich das Büchlein gelesen, das ein Nachwort von Matthias Fallenstein, Christel Fallensteins Mann, offenbar Literaturwissenschaftler, hat. Leider habe ich über ihn nicht sehr viel in Wikipedia gefunden und auch im Buch gibt es keine Angaben.
Ilana Shmueli wurde 1924, Paul Celan 1920 in Czernowitz geboren, die beiden haben sich seit der Kindheit gekannt, wo sie in bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen sind. Nach der Okkupation 1941 wurde Celan in ein Arbeitslager eingezogen. Seine Mutter wurde deportiert und bei einem der Todesmärsche erschossen. Celan konnte sich retten und traf sich manchmal mit der Freundin.
“Es waren verboteene, eigentlich gefährliche Zusammenkünfte, gestohlene erfüllte Stunden mit Spinoza und Nietzsche, Bücher, Rilke, Trakl, George, Karl Kraus und… Wir hörten Beethoven-Symphonien auf dem alten Grammaphon, lasen und sprachen stundenlang bei Jakob Silbermann im großen, schönen Raum, in dem es noch immer viele wunderbare Bücher und Kunstmappen gab.”
1944, bevor Czernowitz wieder von den Sowets besetzt wurde, wanderte Ilana Shmueli mit ihrer Familie nach Israel aus, begann in Palästina Musik zu studieren, wurde 1948 ins Militär eingezogen, nahm am Befreiungskrieg teil, heiratete, studierte Sozialarbeit und Kriminologie und war auf diesen Gebiet bis zur ihrer Pensionierung tätig, während Paul Celan oder Antschel, wie er noch immer hieß, nach Bukarest, nach Wien und 1948 nach Paris ging.
Er heiratete Gisele Lestrange, wurde ein berühmter Dichter, litt sehr an der Welt, seinen Traumen und verschiedenen Ungerechtigkeiten und Benachteilungen, wie unter “Claire Golls Hetzereien, die ihn des Plagiats an ihrem Mann, dem Dichter Yan Goll, bezichtigte.”
Aus diesen Grund dürfte er auch nach seinen Czernowitzer Wurzeln gesucht haben, so daß er sich mit einem Brief nach ihren Schicksalen erkundigte. Dieser Brief kam Ilana Shmueli in die Hände, so daß sie ihn 1965 nach einundzwanzig Jahren in Paris wiedertraf. Es kam zu einem Briefwechsel, beziehungsweise Gedichten, die Celan Ilana Shmueli schickte.
Anfang Oktober 1969 kam Paul Celan nach Israel, wo sich auch der Israel Zyklus “Sag, daß Jerusalem ist”, anschloß. Es gibt das Gedicht “Mandeline” und andere 26 Gedichte, die Celan, der sich über seine Gedichte zu sprechen weigerte “Ich habe Gedichte geschrieben, was kann ich noch sagen”, an die Freundin sandte, die in dem Bändchen mit dem genauen Entstehungsdatum abgedruckt sind.
Zu Weihnachten 1969 kam Ilana Shmueli noch einmal nach Paris, der Briefwechsel wurde bis April 1970 fortgesetzt, wo er sich dann das Leben nahm. Im letzten Brief, am Sonntag den 12. April schrieb er “Ich schreibe dir diese Zeilen in Dankbarkeit, Ilana. In Dankbarkeit für dein An-mich-Denken, Dein Zu-mir-Fühlen, dein Zu-mir-Stehen. Du weißt, ich habe die Zeilen geschrieben “Was zu Dir stand/ an jedem der Ufer/ es tritt/ gemäht in ein anderes Bild” Mach diese Zeilen unwahr Ilana. Du weiß, was meine Gedichte sind – lies sie, das spüre ich dann. Paul”
Die Eindringlichkeit berunruhigte Ilana Shmueli “Es klang mir wie Abschied. Ich fuhr nach Paris. Die Freunde suchten ihn schon.”
Mit Sechzig ist Ilana Shmueli in Frühpension gegangen, weil sie “die Klischees, den professionellen Jargon, die klinischen, psychologischen, pathologischen und psychiatrischen Definitionen im Unterreicht, die Abgrenzungen zwischen normal und anormal, die schematischen Diagnosen und Abstempelungen” nicht mehr aushielt.
“Niemals durfte, so fühlte ich, zu einem “Fall” werden.”
So begann sie ihr Hebräisch zu vertiefen, einen Übersetzerkurs zu machen, begann auch Paul Celans Gedichte zu übersetzen, selbst zu schreiben und schließlich, ihren Briefwechsel mit Celan und das Buch auf Hebräisch herauszugeben.
“Als “Sag, daß Jerusalem ist”, zunächst auf Hebräisch, herauskam, war ich an die 65 Jahre alt.”
Das Buch verfasste sie zur Zeit des Golfkrieges 1991, als sich Celans Witwe mit der Bitte an sie wandte, die Briefe, Gedichte, Handschriften, dem Deutschen Literaturarchiv in Marburg zu überlassen, damit nichts verloren geht.
Das Buch ist in der ersten Auflage in der Edition Isele und in der zweiten 2010 im Rimbaud Verlag erschienen und es war sehr interessant sich wiedereinmal mit Paul Celan, der ja ein sehr eifriger Briefschreiber gewesen sein muß, zu beschäftigen.
Seinen Bachmann-Briefwechsel habe ich 2009 gelesen und die “Todesfuge”, das Taschenbuch mitgenommen als ich in den Siebzigerjahren nach Hamburg gefahren bin. Ein Symposium über Paul Celans Todesfuge, habe ich im Wiener Radio Kulturhaus, ungefähr 2000 auch einmal besucht und Ilana Shumeli in Krems kennengelernt.
Langsamer!
Ilma Rakusas als Droschl Essay 54, erschienener Aufruf zur Langsamkeit. Nach einer Einleitung begibt sich die 1946 in der Slowakei geborene und in der Schweiz lebende Schriftstellerin, Übersetzerin und Literaturwissenschaftlerin, die auch als Bachmammpreisjurorin tätig war, in neun Kapiteln auf die Suche nach der Langsamkeit und gibt in ihrem Plädoyer auch diesbezügliche Literaturtips ab.
“Gegen Atemlosigkeit, Akzeleration und andere Zumutungen”, lautet der Untertitel und Robert Walser “Ich bin überzeugt, daß wir viel zu wenig langsam sind”, wird auch dabei zitiert.
Aber das war in einem anderen, im vorigen Jahrhundert, Ilma Rakusa Essay ist in der vierten Auflage 2006 erschienen und erzählt in ihrer Einleitung natürlich von dem “Drang zur Beschleunigung”, der uns “seit mindestens zweihundert Jahren” quält, zu Streß, Burnout und anderen Störungen führt, so daß inzwischen von “kühnen Antizyklikern slow food- restaurants und slow cities” ausgedacht wurden.
Ilma Rakusa geht dagegen in Kapitel eins zur “Liebe” bzw. zur “Lektüre” und erzählt von der Ruhe, die sie durch das Lesen erfahren hat. Lesen ist langsam, man braucht Geduld und Ausdauer dazu, wenn man “schon als Kind der Leselust verfällt” und unter der Bettdecke “Schuld und Sühne” durchgeht. Nach dem Karl May kam dann später Marcel Prousts “Suche nach der verlorenen Zeit” hinzu, während Marlene Streeruwitz “Majakovskyring”, diese Ruhe störte. Zum Glück gibt es aber Peter Handkes Romane und denen werden wir auch noch öfter begegenen.
Dann gehts zur “Arbeit”, die sich Ilma Rakusa “anmutig” wünscht, während im global live ja der Anpassungsdruck und der Flexibiliesierungszwang herrscht, wo man auch nicht schläft, sondern im “Drift” der globalisierten Welt dahintreibt und ständig Arbeit, Wohnung, Lebensform wechselt, während die von Ilma Rakusa gewünschte Anmut wahrscheinlich in den “jungen Menschen” zu finden sind, die “nicht höher hinauswollen, als es ihnen ihre innere Stimme diktiert. die keine Armbanduhren tragen und sich für Gespräche und Essen Zeit lassen.”
Dann kommt die “Natur” bzw. das “Nichtstun” Hier wird Peter Handkes “Jahr in der Niemandsbucht” zitiert, aber auch Adalbert Stifter, der ein Jahr vor seinem Tod das autobiografische Werk “Mein Leben” schrieb.
“Geschwindigkeit” – “Grenze” folgt mit dem Turbokapitalismus und der High Speed Technology. Da gibt es aber wieder die Vereine zur Endeckung der Langsamkeit und natürlich Sten Nadolny.
Der “Schrift” wird der “Schlaf” gegenübergesetzt. Hier führt Ilma Rakusa Peter Waterhouse und Oskar Pastior an und natürlich wieder Kathrin Röggla als Gegenbeispiel, während die uralt Methode zur Ruhe und Entspannung, das Schäfchenzählen ist, das den Herzrhythmus verlangsamen kann.
“Auszeit” – “Alter” folgt und da wird der Workoholic und die New Economy angeführt.
“Muse und Märchen” gibt es natürlich auch, da wird “Fahrenheit 451” als überholt erklärt bzw. Peter Handkes “Versuch über die Müdigkeit” angeführt.
“Erlebnis”- “Entschleunigung” gibt es auch und am Schluß kommt die “Reise” bzw. die “Ruhe” an die Reihe.Da werden Goethes bzw. Musils Eisenbahnerlebnisse zitiert und das schnelle, dem langsamen Reisen gegenübergestellt, das viel vergnüglicher ist. So ist Ilma Rakusa als Studentin oft von Zürich nach Leningrad mit der Bahn gefahren und Wolfgang Büscher hat sich zwischen August und Oktober 2001 zu Fuß von Berlin nach Moskau aufgemacht.
Ein literarisches Pladoyer für die Langsamkeit gepaart mit fünf Seiten weiterführender Literatur von Mark Aurels “Selbstbetrachtungen” bis zu Harald Weinrichs “Knappe Zeit” und ich habe Ilma Rakusa, die ich bisher nur als Bachmannjurorin kannte als Essayistin kennengelernt und mich dabei recht hastig durch ein Thema durchgearbeitet, das mir nicht so liegt.
Denn ich bin eigentlich eine Schnelle, Disziplinierte, eine, die zwar in ihrem Leben die Arbeit und die Freizeit mit ihren Brotberufen perfekt verbindet, die offenen Bücherkästen treiben mich aber eher zum beschleunigten Lesen und der literarische Mißerfolg zum fast manischen Schreiben. Gegangen wird dagegen eher und das zwar nicht bis Leningrad, aber manchmal bis zum Zentralfriedhof oder nach Hütteldorf, also doch ein bißchen meditativ und das Schäfchenzählen liegt mir auch, obwohl ich durch mein diszipliniertes Bloggen ja nicht sehr viel schlafe und dann bin ich auch noch sehr ungeduldig, würde das “Langsamer!”, also für mich nicht unbedingt zum Schlachtruf ausrufen, obwohl der literarische Streifzug durch Ilma Rakusa Verlangsamung interessant und lehrreich war.
Sansibar oder der letzte Grund
Alfreds Andersch berühmter Roman, die Abrechung mit dem Nationalsozialismus, der auch, wie ich zufällig in dem dazu enthaltenen Begleitbuch gelesen habe, auch in deutschen Schulen gern gelesen wird, beginnt ganz einfach.
An einem Tag im Oktober 1937 sitzt ein Junge in dem kleinen ostdeutschen Fischerstädtchen Rerik in seinem Versteck, liest Huckleberry Finn, träumt, wie er in den Weiten des Missisippis verschwinden könnten und denkt an die drei Gründe aus Rerik wegzugehen. Erstens es ist nichts los, zweitens haßt er alle, seit sein Vater, offenbar ein Alkoholiker im Meer ertrunken ist, der dritte Grund fällt ihm vorerst nicht ein. Seine Mutter läßt ihn ohnehin nicht weg und sagt, er muß noch zweieinhalb Jahre beim Fischer Knudsen lernen und dann zur Marine gehen. Daß in dem Jahr und in dem Örtchen ohnehin gerade viel passiert, scheint dem Fünzehnjährigen nicht aufzufallen.
Da ist doch nämlich der Fischer Knudsen, offenbar ein ehemaliger Kommunist, aber das gibt es ohnehin nicht mehr, seit die “Anderen” kamen, deutlicher spricht es Andersch nicht aus und der Fischer hat offenbar eine behinderte oder geistesgestörte Frau, auch das wird nicht klarer, nur über den Witz, den sie ständig allen erzählt angedeutet und soll in die Anstalt und irgendwie weiß man schon, daß dort nichts Gutes passiert. Dann gibt es noch den Pfarrer Helander mit der Beinprotese vom World War one und die Kirche mit den Türmen, in der sich die Skulptur des lesenden Klosterschülers befindet, die, weil entartete Kunst, abeholt werden soll und dann gibt es noch einen ehemaligen Kommunisten, einen der sich auch schon entfernt hat, obwohl er einstens in Leningrad an der Parteiakademie studierte und der soll sich mit Knudsen treffen, um sich zu erkundigen, ob es noch eine Parteizelle gibt und der Pfarrer will Knudsen veranlassen den “Klosterschüler” nach Schweden zu schmuggeln. Ja und Judith gibt es auch, das ist ein katholisch getauftes Mädchen mit stark jüdischen Aussehen und einem ebensolchen Paß aus wohlhabenden Haus und die Mama hat ihr geraten, in das kleine Hafenstädtchen zu fahren, weil das romantisch ist und sie einmal dort war und zu den schwedischen Booten zu gehen und sich für Geld hinüberfahren lassen.
“Das tue ich nicht, ich lasse dich nicht allein!”, sagt Judith zur gelähmten Mutter und geht in die Küche. Als sie zurückkommt ist die Mutter tot, hat sich vergiftet und Judith packt den Koffer, fährt los, quartiert sich im “Wappen von Wismar” ein, bestellt im Gastraum ein Wurstbrot und hat Schwierigkeiten mit dem Wirt, der ihren Paß sehen will.
Das ist eigentlich die ganze Handlung. Man könnte noch hinzufügen, daß Knudsen am Ende Judith und die Skulptur nach drüben bringt, daß der Junge, der tausendmal vorhatte, abzuhauen und nach Amerika oder besser nach Sansibar, dem Sehnsuchtsort aufzubrechen, denn das ist der letzte Grund, wieder zurückfährt um, wahrscheinlich bald ein Hitlerjunge oder Soldat zu werden und um Knudsen nicht allein zu lassen und den braucht seine Berta. Gregor ist gar nicht mitgefahren, sondern fährt mit dem Fahhrad in den unsicheren Nationalsozialismus könnte man vermuten und der Pfarrer, dessen schlecht amputiertes Bein ohnehin schon brennt und fault, nimmt die Pistole und richtet sie am nächsten Morgen auf die, die den “Klosterschüler” abholen wollen, die erschießen ihn natürlich sofort. So hat er sich die Folter erspart, vor der er sich fürchtete, denn Gott hat ihn ohnehin schon lang alleingelassen.
Es ist eine Parabel könnte man sagen, der 1957 geschriebene Roman, des 1914 in Münchchen geborenen Alfred Andersch, der 1980 in der Schweiz starb, der in Dachau interniert und Kommunist war. Redakteur ist er auch gewesen.
Wegen der einfachen und klaren Sprache und der überschaubaren Handlung schreibt Fred Müller in den “Oldenbourger Interpretationen”, die ich mir um einen Euro wohl einmal in einer der “Buchlandungen” kaufte, wird er oft in der Schule verwendet und erklärt auf hundert Seiten die Handlung, die Personen, die Erzählperspektiven, den Nationalsozialismus,etc. Unterrichtshilfen und ein Bild von der Barlach-Figur, die die Vorlage zum Klosterschüler stellte und der Wismarer Georgenkirche, die Andersch nach Rerik verlegte, gibt es auch.
Das Buch ist auch wirklich interessant durch seine Andeutungen, den Zweifel, die die Personen auf den hundertsiebzig Seiten haben, die immer und immer wieder sagen, daß sie nicht tun werden, was sie später ganz selbstverständlich machen, den inneren Monologen und den sechs Erzählstimmen, der Klosterschüler hat glaube ich auch eine eigene. Das Buch ist in Kapitel gegliedert und trägt die Überschriften der handelnden Personen.
Den Klassenunterschied gibt es auch und die Mißverständnisse, so gehören Judith und der Pfarrer dem Bürgertum an, Gregor ist ein kommunistischer Arbeiter und traut sich nicht Judith zu küssen, der namenlose Junge steht mit seinem Huckleberry Finn überhaupt außerhalb, der Kommunismus ist zerbrochen und die “Anderen” sind eigentlich auch noch nicht da, zumindestens in Österreich sind sie das zu dieser Zeit noch nicht gewesen.
Interessant diese verhaltene symbolhafte Abrechnung mit dem Nationalsozialismus und ein berühmtes Buch, von dem ich immer nur in Andeutungen hörte, bis ich es, einmal auf der Wiedner Hauptstraße in einer der zwei Buchhandlungen, die es damals dort gab, um wahrscheinlich einen Euro fünfzig kaufte.
Gregor Sanders hat glaube ich einen Erzählband geschrieben, der sich auf den Roman und auf Rerik bezieht, was ich, glaube ich, einmal beim Leipziger Buchmessen Surfen hörte.
Ich habe den Roman eigentlich für schwer lesbar gehalten, aber wahrscheinlich habe ich, das passiert mir manchmal Alfred Andersch mit Günther Anders verwechselt, über den ich einmal ein Seminar hörte und ein paar ungelesene Bücher in meinen Regalen habe.
“Sansibar oder der letzte Grund” habe ich also jetzt gelesen und mit dem stillen leisen Buch eine Entdeckung gemacht, so daß es, von dem ich gar nicht weiß, ob es noch erhältlich ist, sehr empfehlen kann. Ich habe ich Fischer TB-Ausgabe von 1960 gelesen.
Literaturpreise und Indie-Probleme
In Bremen wurden am Montag die gleichlautenden Literaturpreise an Wolf Haas und Andreas Stichmann vergeben. Andreas Stichmann kenne ich vom letzten Bachmannpreislesen. Wolf Haas natürlich von seinen Brenner Krimis und den Bremer-Literaturpreis verfolge ich, soweit man das aus Wien mit seinem Laptop kann, sein 2009, wo Clemens J. Setz gewonnen hat und Cornelia Travnicek mitgenommen hat.
Das kann man jetzt, glaube ich, nicht mehr. Aber Österreicher sind meistens bei den Gewinnern, so war das 2010, die Frau Mayröcker, die glaube ich, nicht mehr hinfahren konnte und im letzten Jahr Marlene Streeruwitz mit ihrer “Schmerzmacherin”. Es ist ja, glaube ich, auch Daniela Strigl in der Jury und ich finde das sehr interessiert, obwohl ich diesen Preis ja höchstwahrscheinlich nie gewinne und jetzt wahrscheinlich auch von niemanden mehr zum Mitkommen aufgefordert werden könnte.
So habe ich gespannt geschaut, ob vielleicht Mara Giese von “Buzzaldrins Bücher” darüber berichtet, die wohnt ja in Bremen, aber leider gab es zeitgleich eine andere Veranstaltung. Im Internet kann man sich die Laudatien ausdrucken und ein paar Fotos anschauen, sowie ein kurzes Video über die Veranstaltung, wo sich der Berichterstatter im nächsten Jahr keinen österreichischen Preisträger mehr wünscht.
Eine literarische Woche gibt es da immer auch und da hat Peter Rosei am Samstag über das Thema “Geld” gelesen und ich tümple derweil in Wien so vor mich hin.
Das heißt, ich lese die Bücher von meiner Bücherliste, korrigiere mein Nanowrimo und drifte auch oft in die schöne Blogwelt ab, denn da gibt es ja immer wieder Neuigkeiten und Aufregungen. Im Augenblick sind es ja die sogenannten Indie-Autoren, die die Gemüter, bzw. mich erregen, von denen ich vor einem Jahr nicht einmal noch sehr gut wußte, daß es sie gibt. Aber dann kam ja Amazon daher und hat, aus welchen Gründen auch immer allen erlaubt, ihre Bücher einfach bei ihm hochzuladen und für 70% zu verkaufen und jetzt machen sehr viele das, was früher “Pfui!”, war und Wolfgang Tischer vom Literaturcafe mischt auch sehr eifrig mit. Hat er ja einen Ratgeber geschrieben, wie man das macht und bringt immer wieder und immer öfter News davon. Im Sommer hat er Martina Gercke vorgestellt, die mit dem Frauenroman “Holunderküßchen” auf Platz eins des Rankings kam, von Amazon zu einer Weihnachtsparty und nach Frankfurt eingeladen und eifrig darüber bloggend und facebookend weiterschrieb. “Champagnerküßchen” ist erschienen, das dritte Buch geplant, bevor, die, die schon im Sommer bei den Rezensionen schrieben, “Da ist aber sehr viel Kerstin Gier, Sophie Kinsella und Ildiko von Kürthy dabei!”, ernst genommen wurden und sich die Rechtsanwälte meldeten.
Wolfgang Tischer hat auch darüber berichtet, seither beobachte ich, weil mich so etwas ja sehr interessiert, die facebook Seite und Martina Gerckes Blog, der glaube ich, sehr entrümpelt wurde, jetzt gibts auf ihm eigentlich nur mehr zwei Videos, ein Gedicht und ein Bild mit den Bücherbergen und der strahlenden Autorin zu sehen. Als die ersten Rezensenten Stellenvergleiche veröffentlichten, hat sie sich entschuldigt und gesagt, “Ich garantiere, es kommt nichts mehr!”, dann fuhr der Rechtsanwalt darüber und gab eine Zusammenstellung aus dem Kinsella Buch “Sags nicht weiter, Liebling”.
Martina Gercke sagte eine Weile dazu nichts, veröffentlichte kurz auf Facebook ihre Frankfurt-Fots und gab vor Weihnachten ein Video auf ihre Seite, wo sie sich entschuldigte und etwas von “Platzhaltern” schrieb. Das habe ich nicht ganz verstanden, wie man so ein Buch machen kann. Das Video ist dann auch verschwunden, die Bloggerszene reagierte eher unwirsch darauf undab Jänner gibt es nur mehr Meldungen von Spaziergängen, Torten, Kaffeehäferln und Flugerlebnisse, bzw. ein paar kurze Hinweise, das weitergeschrieben wird.
Wolfgang Tischer interviete Emily Bold, eine andere E-Book Autorin, die mit ihren Büchern sehr erfolgreich ist, bzw. stellte er ein Video aus Frankfurt auf seine Seite. Xander Morus erzählte von seinen Erfahrungen mit dem Selfpublishing und brachte jetzt in einem Artikel, die “Zehn Frechheiten” zur Sprache, die Blogger nicht machen sollten, wobei er vom “Rezi-Nazi” und vom “Trittbrett Marketing” sprach, was mich zu einem Kommentar veranlaßte, weil mich diese zehn Gebote Manier etwas stört.
Das Selfpublishing, was bisher sehr verboten war, “Mach das ja nicht, denn sonst…!”, ist etwas relativ Neues. Viele scheinen es zu probieren und vielleicht auch noch ein paar Fehler dabei zu machen.
Wolfgang Tischer rät, in ein Lektorat zu investieren und das Cover machen zu lassen. Gute Ratschläge, die die Profis, Selbstpublisher, wie Bela Bolten, Martina Gercke, etc auch befolgen.
Ich habe aber schon von einer Lektorin gelesen, die sich weigert, das Selbstverlegte zu lektorieren, weil so viele Fehler und dann meckern die noch wenn man was übersieht!
Was ich auch nicht ganz verstehe, soll sie sich doch freuen, wenn sie Aufträge bekommt, wenn es mehr Fehler als üblich sind, muß sie halt eventuell ihr Honorar erhöhen und einen Grob- oder Feinschliff anbieten und natürlich denke ich, kann auch mein Mann das Lektorat machen oder ich selber, wenn ich es kann!
Das Resultat muß stimmen und das muß man auch vielleicht erst lernen, da hilft aber das E-Book vielleicht ohnehin, denn wenn ich Rückmeldungen bekomme, kann ich schnell etwas verändern und natürlich muß ich serios arbeiten. Also den Text selber schreiben und nicht copy and paste benützen, weil man, wie man sieht sehr schnell entdeckt wird, denn offenbar gibt es immer noch Leser, die die Kinsella und anderen Stellen entdecken und da geht auch die Martina Gercke Geschichte weiter, die offenbar mehr Fremdstellen hatte, als sie zugab.
Jetzt hat ein Twitterer sechs Kinsella Romane ausgemacht aus denen Textstellen im “Holunderküsschen” verwendet wurden. Die “Schnäppchenjägerin”, das ich ja sehr gern gelesen habe und für ein großartiges Buch halte, war dabei, dann “Hochzeit zu verschenken”, hab ich auch gelesen , bzw. mir von dem Gutschein gekauft, den ich in der Szene-Margareten einmal gewonnen habe. Dann noch “Göttin in Gummistiefeln”, das Buch muß ich noch lesen und ich denke, während die Blogger toben, daß da halt einiges mehr oder weniger naiv übernommen und zusammenmontiert wurde. Im Nachhinein ist es sicher peinlich, das zuzugeben. Aber das weiß man jetzt doch schon und Martina Gercke hat sich mit den Rechtsanwälten geeinigt. Jetzt werden die halt noch ein paar Paragraphen dazufügen und die Einigung wird teurer und man braucht das Buch ja nicht lesen, es ist ohnehin nicht mehr oder eigentlich nicht mehr zu bekommen. Ich würde das zwar jetzt gern und vielleicht selber ein paar spannende Stellen finden.
Martina Gerckes drittes Buch, an dem sie schon schreibt, wird jetzt sicher sehr genau überprüft werden, ob wirklich alles von ihr ist, ansonsten denke ich mir, braucht es kein Erstaunen mehr. Es ist passiert und sollte es natürlich nicht. Obwohl ich mir manchmal denke, daß es auch viele Thomas-Bernhard Nachahmer gibt, die leicht erkennbar in seinem Ton schreiben und das entlockt höchstens nur ein Lächeln und da sind oft ganz anerkannte Autoren dabei und im Grunde geht es ja ums Schreiben. Das wollen offenbar viele. Amazon machts möglich, das man es veröffentlicht. Da kann man natürlich Fehler machen und ein paar Tips und Tricks sind vielleicht auch hilfreich.
Man sollte sich die Rezesionen nicht selber schreiben, kommt auch noch dazu und andere nicht hinunterschreiben, um selbst hinaufzukommen.
Was ich auch nicht so ganz verstehe ist, warum es so wichtig ist, viel Geld mit seinen Büchern zu verdienen. Ich denke da immer, wichtig ist, das die Bücher gelesen werden und ich freue mich über Gratisbücher und benütze sie auch regelmäßig aus den Bücherschränken. Im E-Buchbereich gibt es das auch. Da bietet Amazon zu Weihnachten immer einige gratis an und die Autoren können das ebenfalls ein paar Tage lang und machen das auch, weil sich dann ihre Bücher besser verkaufen lassen. Leider geht das nur, wenn man einen Kindle oder Windows hat, so daß ich da nicht mitmachen kann und mir vorige Woche Bela Boltens “Leahs Vermächtnis” nicht herunterladen konnte.
Bei den E-Book Autoren regt sich aber auch schon der Unmut, daß man das nicht machen soll, weil man damit den Markt ruinieren würde. Jetzt glaube ich ja eigentlich auch, das sich niemand ein Buch kauft, wenn man es gratis bekommt und ich tue es ja auch so, aber ich freue mich darüber und lese die Bücher auch und kompensiere damit wahrscheinlich meinen eigenen Mißerfolg.
Der Jungstar Vea Kaiser hat sich da ja vor ein paar Wochen auch über das illegale Downloaden ihrer Bücher empört. Das darf man natürlich ebenfalls nicht, mit der Festnetzabgabe, die die IG Autoren anstrebt, ist das Problem aber ohnehin gelöst und Bibliotheken, wo man sich Bücher ausborgen kann, hat es immer gegeben.
Ich denke mir immer noch, das Wichtigste ist lesen. Ich tue das viel und ich schaue, daß ich meine Bücher möglichst billig bekomme, verkaufe die meinen auch zum Selbstkostenpreis und wenn sie einer von mir gratis haben will und sie dann bespricht, kann er sie auch haben, will ich ja die literarische Anerkennung, aber nicht unbedingt um jeden Preis daran verdienen.
So werde ich die Indie-Debatte interessiert weiterverfolgen, meine Bücher wahrscheinlich weiter drucken lassen und auf meinen Blog bewerben und sollte ich “Holunderküßchen” einmal im Schrank finden, werde ich es interessiert lesen und die Stellen mit Sophie Konsella vergleichen vergleichen, vielleicht findet sich auch etwas aus “Prada, Pumps und Babypuder”, etc.
Und in den Tonspuren gab es ein Feature über Joachim Lottmann “Von der Wiege bis zur Bahre Streß und Alkohol”, das ich zuerst für eine Satire gehalten habe und dachte, daß es den Klamaukdichter, der säuft, die Wiener Bohemiene genießt, sie zu Tode lobt, immer über Dasselbe schreibt und meint in zwei drei Jahren auch die Preise “purzeln” würden, nicht geben könnte. Es gibt ihn aber und das Feature war offenbar ernst gemeint, was nicht sehr lustig für das literarische Selbstverständnis ist.