Leselistenleiden

Aufmerksame Leser wissen es, ich habe, als ich Mittwoch mit Peter Henischs “Großes Finale für Novak” von der Präsentation aus dem Cafe des Theater an der Wien zurückgekommen bin, eine andere Leseliste erstellt, die man jetzt direkt von meiner Blogstartseite einsehen kann, denn die Hundertbücherliste, die ich mir nach einer Challenges-Idee von Charlousie im Februar erstellt habe, um meinen ungeordneten Bücherstapel im Badezimmer und die Bücher die ich von den Bücherschränken bzw. den Buchlandungsabverkäufe nach Hause bringe und in mein neues Bücherregal stelle, ein wenig zu orden. Vor circa einem Jahr hat leselustfrust, die es inzwischen ja leider nicht mehr als aktive Bücherbloggerin gibt, zu einer Winterleseliste aufgerufen, die habe ich mir erstellt und die Bücher auch gelesen, mich aber längst nicht an die Reihenfolge gehalten und als ich im Februar einmal in der Alten Schmiede saß, habe ich mir gedacht, ich muß mir eine Hundertbücherleseliste erstellen, denn, daß ich das schaffe, war ich mir ziemlich sicher, da ich ja 2010 schon neunzig Bücher gelesen habe und da ich ja ziemlich regelmäßig zu den Bücherschränken gehe und mich dort, wenn ich etwas finde, auch bediene, haben sich bei mir schon einige Schmankerln angesammelt.
2011 war ich mit meiner Bücherliste auch konsequent, die Rezensionsexempare, die ich noch hatte und die ich zwischendurch bekommen habe, habe ich eingeschoben, aber sonst mit Ausnahme der Zeit, wo ich in Harland war, mich an die Reihenfolge gehalten, da es in Harland einen eigenen Stapel gibt, so habe mich bis Ende Juni bis zu Buch zweiundfünfzig hinuntergelesen, hatte aber schon einige Rezensionsexemplare und Harland-Bücher, die weiter unten angeführt waren, gelesen. Der Urlaub war dann noch einmal eine Ausnahme, weil ich einiges mitgenommen habe, was nicht auf der Liste stand, so daß ich als ich zurückgekommen bin, das in Tschenstochau gefundene Buch als Nummer Hundert eingetragen habe. Als ich die Liste im Februar erstellte, habe ich bis Nummer 71 bzw. 72 eingetragen, weil ich dann gleich in die Alte Schmiede ging und mir auf dem Weg dorthin in der noch existierenden Buchhandlung auf der Wiedner Hauptstraße, die “Zimtläden”, um zwei Euro kaufte.
Dann habe ich sehr sparsam immer das nachgetragen, was ich so gefunden habe. Irgendwann habe ich gemerkt, ich muß damit Schluß machen, um die Zahl Hundert nicht zu überschreiten, so daß sich eine andere Liste ergeben hat und der Plan, daß ich das, was ich 2011 vielleicht über hundert Bücher lese, nicht mehr auf diese, sondern auf eine andere Liste eintragen werde und das habe ich Mittwochnacht dann getan. Denn inzwischen hatte ich im Kopf ja schon eine Bücherliste für 2012 und mir vorgenommen, da einmal die fünfundvierzig interessantesten Bücher, die ich inzwischen gekauft oder gefunden habe einzutragen.
Ernst Lothar ist da dabei, Paulo Coelho, Lotte Ulbricht, Marcel Reich-Ranicki, Marlene Streeruwitz u. u. u. Dann kann ich noch die Bücher dazuschreiben, die in Harland über dem Bett liegen, das sind ca fünf oder sechs und 2012 jede Woche ein Buch, das ich gefunden oder bekommen habe.
Damit müßte ich hinkommen und kann auch die aktuellen Bücher einbeziehen und 2013 mache ich einen Strich und eine neue Leseliste.
Manche werden jetzt vielleicht denken, daß das ganz schön bürokratisch ist. Mag sein, für eine Büchersammlerin, die ihre Bücher auch lesen will, ist es aber eine gute Struktur, die Vorsätze auch zu schaffen. Ganz wird mir die Quadratur des Kreises zwar nicht gelingen und kann es auch nicht. Denn es gibt zuviele Bücher, das ist sehr gut, weil sie mich ja interessieren und, ob ich sie jetzt in meinem Bücherregal stehen habe oder nicht, ist eigentlich egal.
Ich bemühe mich zwar immer bei den Bücherschränken wirklich nur das zu nehmen, was ich wenigstens vielleicht lesen will, frage dann doch, ob jemand mit mir tauscht oder mir das Buch für meinen Blog gibt? Sagt er oder sie nein, denke ich “Macht ja nichts!” und das ist auch so und trotzdem schade!
Aber ich habe genug Bücher und werde die, die ich habe, wahrscheinlich nur knapp in den nächsten zwanzig Jahren, wo ich wahrscheinlich noch lesen werde, lesen, auch wenn nichts Neues mehr dazu kommt, die Bücherschränke also verschwinden und es keine Rezensionsexempare mehr gibt, was wohl nicht passiert.
Es ist auch ganz lustig, denke ich, mit dem Problem zu leben, ein Buch nach Hause zu tragen, von dem man weiß, daß man es eigentlich nicht braucht, es aber trotzdem lesen will. Eine kleine Unperfektion, die nicht schadet, denn ich ziehe mir ja auch immer Bücher aus den Regalen, die schon seit Jahren dort stehen und die ich dann doch lese, weil ich zum Beispiel E.A.Richter kennenlernte und ein Buch von ihm habe oder es für meine Romanrecherche brauche. Es gibt ja auch genug Bücher und es kommen immer wieder neue dazu und ich überlege mir auch manchmal, was man lesen soll?
Wenn man sich mit Bücherblogs beschäftigt, drängt sich natürlich die Antwort auf, das, was auf den Buchpreislisten steht, also die neue Streeruwitz, den neuen Glavinic, den neuen Henisch, den neuen Trojanow, Haslinger etc. In den Kästen oder der Buchlandung, liegen dann die älteren Bücher der Autoren und da habe ich ja die Iris Hanaka auf einer Liste, einen Roman vom Georg Klein und von Rolf Lappert von denen ich noch nie etwas hörte. Ich denke, das soll man auch lesen, denn das ist sicher interessant. Wenn dann aber die städtische Bücherei in den Neunzigerjahren ein Buch aus den Fünfzigerjahren ausrangiert und ich es 2010 lese und es auch noch auf meinem Blog veröffentliche, dann bin ich doch hoffnungslos jenseitig oder?
Mitnichten, dann reiße ich die Verleger, die es neu herausbringen kurzfristig vom Hocker, bringe sie auf Ideen und sie versprechen mir ein Rezensions- bzw. ein Belegexemplar, weil ich ja ein Buch, das ich schon gelesen habe, nicht nochmals besprechen kann.
Das ist das Lustige am Literaturgeflüster und wahrscheinlich auch das Wertvolle, weil ich ja, das habe ich schon geschrieben, meine Bücher eigentlich nur für mich selbst bespreche, als Gedächtnistraining und als Alzheimerprohylaxe sozusagen.
Es ist auch eine interessante Dokumentation, was man so in den Bücherschränken, bzw. bei Buchlandung manchmal um einen Euro finden kann.
Der Hauptverband des Buchhandels wird jetzt aufstöhnen, ich weiß, aber ich denke, daß Bücher so wertvoll sind, daß man sie immer lesen kann und nicht nur in der Zeit, wo sie auf der Buchpreisliste stehen und bis Weihnachten gekauft werden sollen und ehe ich es vergesse, das Lesebuch mit den Leseproben der zwanzig Longlistenbücher für den neuen deutschen Buchpreis ist inzwischen auch gekommen und da gibt es nächste Woche die Shortlist für die ich diesmal keine Prognose habe. Aber gespannt bin, welche Bücher ich davon lesen werde und wann das erste im Bücherschrank oder bei den Buchlandungsabverkäufen liegt?
Der Stattersorfer Flohmarkt wäre auch ein Tip, wo man originalverpackte Buchpreisbücher, um einen oder zwei Euro bekommen kann, aber da war ich nur ein einziges Mal.