Hundert Bücher

Ich bin ja keine besondere Freundin der Challenges der Bücher-Blogger und das Literaturgeflüster ist auch nicht der übliche Bücherblog, obwohl mich Bücher ja sehr interessieren und ich auch ein Faible für Bücherlisten habe, bzw. einen großen Vorrat an noch zu lesenden Büchern, die ich bewältigen will.
Daß die meist sehr jungen Bücherblogger sich gern selbstgewählten Aufgaben stellen, habe ich aber mitbekommen und das Projekt 31 Bücher in 31 Tagen, das letzte Mai in vielen Blogs herumgeisterte und von den meisten auch vorzeitig beendet wurde, hat mich zu einem gleichnamigen Artikel veranlaßt, in dem ich aber nur geschrieben habe, daß ich da nicht mitmachen werde.
Trotzdem haben sowohl die offenen Bücherschränke, als auch Leselustfrust, als die noch viel gelesen hat, meine Lesequote sehr gesteigert und der Bücherturm im Badezimmer ist jetzt auch besonders hoch.
Sechzehn Bücher habe ich dieses Jahr schon gelesen, elf im Jänner, im Februar bis jetzt fünf und wenn das so bleibt, könnten es bis Jahresende hundert werden. Neunzig waren es ja schon im letzten Jahr und da bin ich bei Charlousie auf eine Challenge gestoßen, die mich aus diesen Grund interessiert, da ich mich ja immer wieder dabei ertappe nachzudenken, in welcher Reihenfolge ich meinen SUB auflesen werde. Neue Bücher bringen in diese Planung zwar regelmäßige Schwierigkeiten, aber mir selbst und meinen Lesern eine Liste der hundert Bücher aufzustellen, die ich 2011 lesen will, ganz egal, ob und wie ich das dann schaffe und wie ich im Laufe des Jahres umdisponieren werde, ist eine Verlockung, der ich diesen Nachmittag einen Extraartikel widmen will, bevor ich am Abend zur literarischen Soiree in Radio Kultur Cafe gehen werde, meine Leser können beobachten, wie gut ich die Vorlage erfülle oder ob ich schließlich was ganz anderes lese.

1. Jurij Brezan “Die grüne Eidechse”
2. Karl Olsberg “Das System”
3. E.Y. Meyer “Eine entfernte Ähnlichkeit”
4. Hanns-Josef Ortheil “Hecke”
5. Roddy Doyle “Das Frittenmobil”
6. Jurek Becker “Jakob der Lügner”
7. Renata Serelyte “Blaubarts Kinder”
8. Sophie Kinsella “Prada, Pumps und Babypuder”
9. Batya Gur “Denn am Sabbat sollst du ruhen”
10.Dorothee Elmiger “Einladung an die Waghalsigen”
11. Dai Sijie “Balzac und die kleine chinesische Schneiderin”
12.Peter Henisch “Morrisons Versteck
13.Angela Leinen “Wie man den Bachmannpreis gewinnt”
14.Michael Scharang “Komödie des Alterns”
15.Gustav Ernst “Beste Beziehungen”
16.Evelyn Grill “Das Antwerpener Testament”
17. Lydia Mischkulnig”Schwestern der Angst”
18. Angelika Reitzer “unter uns”
19. Ludwig Laher “Verfahren”
20. William Kotzwinkle “Hot Jazz Trio”
21. Johanna Tschautscher “Jeanne d Arc beendet den heiligen Krieg”
22. Sebastian Fitzek “Die Therapie”
23. Boris Chersonskij “Familienarchiv”
24. Ludwig Roman Fleischer “Aus der Schule”
25. Sigfrid Maron “Schmelzwasser”
26. Alfred Paul Schmid “Fünf Finger im Wind”
27. Fabian Burstein “Statusmeldung”
28.Dirk Stermann “sechs österreicher unter den ersten fünf”
29. E.A. Richter “Das leere Kuvert”
30. Nicole Engbers “Hexen hexen heimlich”
31. Heinrich Steinfest “Der Mann, der den Flug der Kugel kreuzte”
32. Louis Begley “Lügen in Zeiten des Krieges”
33. Martina Paura “love sheriffs”
34. Wilhelm Genazino “Mittelmäßiges Heimweh”
35. Ingrid Noll “Die Apothekerin”
36. Harry Mulisch “Augenstern”
37. Gaby Hauptmann “Fünf-Sterne-Kerle inklusive”
38. Katharina Hacker “Die Habenichtse”
39. Rolf und Alexandra Becker “Gestatten mein Name ist Cox”
40. Sibylle Berg “Gold”
41. Ildiko von Kurthy “Mondscheintarif”
42.Thomas Glavinic “Das Leben der Wünsche”
43. Linda Barnes “Carlotta steigt ein”
44. Gustav Ernst “Frühling in der Via Condotti”
45. Tina Grube “Männer sind wie Schokolade”
46. Arno Geiger “Alles über Sally”
47. Ingrid Noll “Der Hahn ist tot”
48. Edda Helmke “Pepsi im Waschsalon”
49. Sara Paretsky “Tödliche Therapie”
50. Hannelore Valencak “Vorhof der Wirklichkeit”
51. Hera Lind “Das Weibernest”
52. Henning Mankell “Die Rückkehr des Tanzlehrers”
53. Paulo Coelho “Elf Minuten”
54. Philip Kerr “Das Wittgenstein-Programm”
55. Evelyn Grill “Winterquartier”
56. Polina Daschkowa “Die leichten Schritte des Wahnsinns”
57. Arno Schmidt “KAFF auch Mare Crisium”
58. Sasa Stanisic “Wie der Soldat das Grammofon repariert”
59. Alois Hotschnig “Leonardos Hände”
60. Clemens Meyer “Die Nacht, die Lichter”
61. Heiner Link “Frl.Ursula”
62. Ray Bradbury “Friedhof für Verrückte”
63. Lily Sauter “Ruhe auf der Flucht”
64. Benjamin v. Stuckrad-Barre “Soloalbum”
65. Erica Pedretti “Valerie oder Das unerzogene Auge”
66. Christoph Hein “Von allem Anfang an”
67. Frank McCourth “Die Asche meiner Mutter”
68. Elisabeth Gürt “Was jetzt Cornelia?”
69. Annemarie Selinko “Heute heiratet mein Mann”
70. Eva Bakos “Ein wunderbarer Wüstling”
71. Sven Regener “Herr Lehmann”
72. Bruno Schulz “Die Zimtläden”
73. Michaela Falkner “Du blutest, du blutest”
74. Max von der Grün “Stellenweise Glatteis”
75. Hans Lebert, Podium Portrait 50
76. Orhan Pamuk “Das stille Haus”
77. Paula Fox “Der kälteste Winter”
78. Märta Tikkanen “Persönliche Fragen”
79. Ralf Rothmann “Der Windfisch”
80. J.M.G. Le Clezio “Die Wüste”
81. Thomas Hettche “Ludwig muß sterben”
82. Ilona Lütkemeyer “Mit achtzig Seiten um die Welt”
83. Rudolf Lasselsberger “Tanz in den Mai”
84. Wolfgang Herrndorf “In Plüschgewittern”
85. Anna Gavalda “Zusammen ist man weniger allein”
86. Thomas Wollinger “Die Archäologin”
87. Reinhard Kaiser-Mühlecker “Wiedersehen in Fiumcino”
88. Kurt Klinger “Podium Portrait 12”
89. Josef Burg “Ein Stück trockenes Brot”
90. Peter Handke “Wunschloses Unglück und andere Prosatexte”
91. Ernst Fischer “Das Fanal”
92. Harald Schmidt “Mulatten in gelben Sesseln”
93. Philip Roth “Exil Ghost”
94. Birgit Vanderbeke “Sweet sixteen”
95. Judith Hermann “Sommerhaus,später”
96. Seher Cakir “Zitronenkuchen für die sechsundfünfzigste Frau”
97. Gerrit Wustmann “Beyoglu blues”
98. Joseph Zoderer “Die Farben der Grausamkeit”
99.Iris Grädler (Hg) “Sommer am Meer und anderswo”
100. Grzegorz Kielawski “So wie du kann jeder aussehen”

Jetzt ist der achtzehnte Dezember und ich habe gerade das letzte Buch nämlich Thomas Wollingers “Die Archäologin” verlinkt und zu diesem Zeitpunkt schon 108 Bücher gelesen. Bis zum Ende des Jahres kommen wahrscheinlich noch drei bis fünf Bücher dazu. Soviel, wie ich noch nie in einem Jahr gelesen habe und dank der vielen Bücherschränke, die es auf einmal gibt, war das gar nicht schwer. Ich habe die Bücher im Gegensatz zum vorigen Jahr ziemlich linear hinuntergelesen, bzw. die Rezensionsexemplare, die es noch immer gibt, auch wenn das, wahrscheinlich durch die entsprechenden Bücherblogdiskussionen, wirklich etwas schwerer wird, vorgezogen und natürlich im Sommer die Harlandbücher, die weiter unten angefügt ist. Als ich von der Sommerfrische zurückgekommen bin, war die Liste bis auf Platz hundert gefüllt, so daß ich zweite Liste angelegt habe, bei der ich auch bleiben werde. Also weiter alle meine Bücher verlinken und ich habe auch ein System geplant, das ich ab nächsten Jahr ausprobieren will. Nämlich die Jahresliste bis auf Platz sechzig mit den SUBs auffüllen und dann jede Woche, wenn es eines gibt, ein neues Buch dazuschreiben, so daß ich wieder auf hundertzehn bis hunderzwanzig Jahresbücher komme, was zu schaffen ist.
Die Hundert Bücher Challenges ist also ein Erfolg geworden und hat den Zweck erfüllt eine Übersicht über meine Bücher zu bekommen und auf keines zu vergessen und wenn ich es noch schaffen sollte, im nächsten Jahr wirklich nur ein bis zwei Bücher pro Woche dazu zu bekommen, kann ich die Bücher auch so einigermaßen lesen.

Die Liebe als Labyrinth verwickelter Identitäten

Die 1964 geborene und seit 1983 in Paris lebende Übersetzerin und Schriftstellerin Anne Weber, die 2005 beim Bachmannpreis gewonnen hat, hat einen Liebesroman geschrieben “Luft und Liebe”, 2010 bei Suhrkamp erschienen, auf Französisch heißt er “Tous mes voeux” und stellte ihn am Dienstag in der Alten Schmiede vor. Petra Messner hat eingeleitet und davon erzählt, daß der Roman ein Verwirrspiel verschiedener Identitäten und Perspektiven ist. Erzählt er doch die Geschichte einer in Paris lebenden Schriftstellerin zu einem französischen Adelligen und deren Scheitern.
Weil man in der Person der Schriftstellerin autobiographische Tendenzen vermuten könnte, hat Anne Weber gleich damit gespielt und fängt den Roman damit an, daß die Schriftstellerin, die die Geschichte ihrer Freundin Lea erzählen will, das Manuskript in den Mistkübel schmeißt und dann noch einmal in der Ich-Perspektive beginnt, die Lea bleibt aber nicht im Mistkübel liegen, sondern nimmt Kontakt zu der Ich-Erzählerin auf und beginnt sich in die Geschichte einzumischen. Vielleicht weil man eine Liebesgeschichte heute nicht mehr so einfach und linear erzählen kann, weil es sonst kitschig wirkt, vielleicht weil man als Erzählerin, auch die Distanz benötigt, um von seinen Gefühlen zu sprechen. Es passt jedenfalls ganz gut zu dem Schreibseminar, zu dem sich das Literaturgeflüster in letzter Zeit entwickelt hat und die Frage, wieviel Ich ist wirklich, ist ja auch eine, die mich regelmäßig beschäftigt.
Anne Weber tut das sehr souverän und damit noch nicht genug, gibt es auch noch die Märchenprinzessin, die dem Ritter auf sein schönes Schloß folgt und der ist in seine Dulcinea so verliebt, daß er alles für sie macht, auf sie wartet und auch sein Sperma in ein Reagenzglas kippt und das Kinderzimmer einrichtet, denn die Märchenprinzessin ist schon ein bißchen angewuzzelt, nämlich zweiundvierzig und will ein Kind, das klappt aber nicht gleich und die große Liebe scheitert auch oder erweist sich als Illusion, so daß es zu einer gewesenen Märchenprinzessin kommt, die sich schließlich als Rächerin entwickelt.
So weit die Stellen, aus denen Anne Weber las, in der Diskussion fragte eine Dame, woran die Liebe scheiterte, sie würde sich das Buch zwar kaufen, aber das würde sie schon gern vorher wissen. Alle lachten und Anne Weber erklärte, daß sie das der Dame zwar ins Ohr flüstern würde, aber nicht öffentlich verraten.
Dann kam es zu einer Diskussion mit Kurt Neumann über den Erzählfaden, ob zuerst die Idee oder die Handlung da gewesen wäre. Kurt Neumann erstellte darüber eine Theorie, die die Autorin nicht ganz teilte und erzählte ein bißchen was über ihr neues Buch, das in März erscheinen wird. Das heißt “August” und im Untertitel “ein bürgerliches Puppentrauerspiel”, weil es von Goethes Sohn August handelt und das hat sich so ergeben, weil die Autorin während des Schreibens erkannte, daß sie keine Biografie schreiben wollte und das Puppenspiel würde auch zu Weimar passen, wie Anne Weber meinte.
Eine andere Dame fragte nach den Übersetzungen, die ersten Bücher verfasste Anne Weber nämlich zuerst auf Französisch, dann auf Deutsch, jetzt macht sie das umgekehrt. Sie übersetzt auch nicht wortwörtlich, sondern nimmt sich schon ein wenig die Freiheit heraus, mehr zu verändern, was sie zum Beispiel bei einem Genazino nicht tun würde.
Anne Weber hat, wie ich Wikepedia entnehme schon sehr viel übersetzt, auch da hat sie zuerst von Deutsch auf Französisch begonnen, jetzt übersetzt sie nur mehr in die Muttersprache, wie das üblich ist und zwischen ihren Romanen nimmt sie sich Zeit zum Übersetzen.
Und noch etwas war sehr interessant, nämlich Anne Webers Einleitung, sagte sie doch, als sie sich für die Einladung bedankte, daß sie schon länger nicht mehr in der Alten Schmiede gelesen hat und die hat sich inzwischen ja verändert und jetzt, wo sie in der Werkstatt liest, wird ihr die Diskrepanz zu dem, daß sie als Autorin nicht wirklich oder nur mit dem Kopf arbeitet, deutlich bewußt.
Da habe ich mir gedacht, daß für mich die Alte Schmiede schon so ein Museum ist, daß ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, daß da wirklich einmal Schmiede gearbeitet haben, obwohl das ja noch gar nicht solange her ist, daß ich mich eigentlich daran erinnern könnte.
Vom Publikum habe ich nur den Sascha gekannt, der Anne Weber eifrig fotografierte.