Die neuen Bücher

Die neuen Bücher

Die neuen Bücher

Schon sind sie da, die neuen Bücher, die mich 2008 und die erste Hälfte von 2009 stark beschäftigt haben.
Der Roman “Die Radiosonate oder das einsame Jahr” und die Erzählung “Das Haus”. Die “Radiosonate” ist mein bis jetzt dickstes Buch. Das kann ich also auch. Ich bin ja eine eher barocke Schreiberin, die von Monsterwerken a la “Turm” träumt und dann immer unzufrieden ist, wenn die Idee für den Jahrhundertroman irgendwann versandet. Aber Kritiker aufgepasst, die Radiosonate hat 328 Seiten und Leser des Literaturgeflüsters konnten die Entstehung hautnah miterleben.
Beim “Haus” jedenfalls von der Idee im Zelt bis zum schon nicht mehr vorhandenen Korrekturexemplar.
Die “Radiosonate” war im Rohkonzept fast fertig, als ich im Juli 2008 mit dem Blog begonnen habe und dann hieß es korrigieren, korrigieren.
Es ist also ein schönes Werkergebnis, das ich kurz vor dem Geburtstag meinen Lesern präsentieren kann.
Beide Bücher sind bei digitaldruck.at erschienen. Da gab es bei der “Radiosonate” einen, wie ich zugegeben muß, halbherzigen Versuch, es vielleicht doch noch einmal mit einem “richtigen” Verlag zu versuchen.
Die anderen schaffen es auch, warum geht es bei mir nicht?
Das Ergebnis hat mich überzeugt, daß es so bleiben wird.
Eva Jancak erscheint im Digitaldruckverfahren und nicht im Eigenverlag.
Weil ich die Semmeln, die ich beim Bäcker kaufe, zwar bezahle, aber wenn ich mir das Mehl, das ich für die, die selber backe, in der Getreidemühle male, trotzdem keine Bäckereibesitzerin bin.
Ich kann mich wiederholen, ich bin stolz darauf und die Trauben, das glaube ich, auch sehr ehrlich, nicht nicht mehr allzusauer und wenn sie es trotzdem sind, dann schmecken saure Trauben gut, denn von allzu Süßem bekommt man Diabetes!
Wenn man es genauer wissen will, muß man sich die Bücher anschauen und sie lesen. Auf meiner Homepage www.jancak.at gibt es Leseproben, da kann man sie auch bestellen und ich wiederhole meinen Aufruf für das “Ein Jahr Literaturgeflüster – Geburtstagsfest”.
Wer mir bis zum ersten Juli seine Meinung zum “Literaturgeflüster” schreibt, kann sich eines der beiden Bücher aussuchen und gratis probelesen. Er braucht das Buch auch nicht zurückgeben oder weiterschicken.
Dasselbe gilt für Rezensionen. Wer mir eine Rezension auf seinem Blog oder sonstwo schreiben will, kann sich bei mir melden.
Ich bin sehr stolz, es sind sehr schöne Bücher und ich habe am Wochenende wieder eine Diskussion über das Verlagfinden oder nicht finden, “Braucht man einen oder tut es das Internet oder das BoD auch?” im literaturcafe.de gelesen.
Die ist zwar schon zwei zwei Jahre alt, aber trotzdem interessant, denn da spießen sich die Meinungen. Obwohl man gar nicht glauben sollte, wie kompliziert das Ganze ist. Denn eigentlich ist es ja einfach. Es gibt immer weniger Leute, die lesen und immer mehr, die schreiben. Dann gibt es die Bestseller wie Harry Potter, die Fantasy- und Kriminalromane und die vielen unverlangten Manuskripte, die täglich von Verlag zu Verlag geschickt werden. Obwohl Suhrkamp oder Aufbau von den Tausend eingesandten in sechs Jahren, vielleicht zwei verlegen. Dann gibt es die sogenannten Zuschußverlage, die ihr Geschäft mit der angeblichen Eitelkeit der Autoren, an die ich nicht glaube, machen und ein paar tausend Euro für tausend Bücher, die wahrscheinlich nie gedruckt und sicher nicht verkauft werden, verlangen und die Häme der Autoren, für die, die da hereinfallen.
Es ist meiner Meinung nach auch nicht notwendig. Denn seit es den Digitaldruck gibt, kann ich mir sehr schnell und auch sehr billig meine fünfzig bis hundert Stück oder soviel ich brauche, drucken lassen und immer zwei davon in die Tasche stecken und mich selbst promoten.
Es spießt sich aber leider trotzdem, denn jetzt schreien die Kollegen auf.
Im Internet kann man die Diskussion verfolgen, daß man dann nie mehr einen richtigen Verlag findet und auf ewig völlig weg vom Fenster des Literaturbetriebs ist.
Und das muß nicht sein, denke ich. Denn entscheidend ist ja, was in den Büchern steht. Und ich kenne die Geschichten mit den Kleinverlagen und die Klagen meiner Autorenkollegen, daß es damit nicht klappt, weil die Verleger so furchtbar sind!
Da denke ich, ich mache es selber und kann es haben, wie ich es will.
Nur will ich natürlich schon wahrgenommen werden, selbstverständlich und auch lesen und hätte gerne eine Rezension.
Die habe ich auch, denn es gibt ja Ausnahmen und auch die Textvorstellungen in der alten Schmiede, die da ein wenig offener ist, während es an anderen Orten tatsächlich zum Verzweifeln ist.
Z.B. Christa Nebenführ aber auch meine Schwierigkeiten mit dem Literaturhaus sind wahrscheinlich dadurch begründet und dann habe ich keine ISBN Nummer, ich weiß.
Aber ich weiß auch, daß ich mir die kaufen könnte und selbst darauf verzichte, weil ich mit trotzig hoch erhobenen Kopf denke, dann mach ich es lieber ganz allein, was meine Kollegen schon gar nicht zu verstehen scheinen.
Denn da habe ich schon Bemerkungen erlebt, wie “Da ist mein Ruf zerstört, wenn ich mit jemanden, der im Eigenverlag verlegt, in der gleichen Zeitschrift abgebildet bin!”
Nur zufällig hat die Kollegin ihr Buch auch bei DigiBuch/ Melzer machen lassen, aber einen Verlagsnamen daraufgeschrieben.
So ist das und ich kenne mehrere Beispiele, die das belegen.
Ich habe aber jetzt zwei neue schöne Bücher, neunzehn “selbstgemachte”, sowie die “Hierachien”, die mir Jack Unterweger machte und dann die beiden Fachbücher übers Stottern, die im Fischer Taschenbuchverlag bzw. bei Orac erschienen sind.
Eine eigene Buchpräsentationen wird es wahrscheinlich nicht geben, es sei denn, es lädt mich jemand dazu ein.
Aber ich habe die “Radiosonate” bei meinem Geburtstagsfest vorgestellt, am Volksstimmefest daraus gelesen und aus dem “Haus” bei meiner Frauenlesung im Amerlinghaus und beim Tag der Freiheit des Wortes ein Stückchen aus dem Kapitel “Die roten Schuhe”.
“Ich wünsche dir mit neuen Büchern viel Erfolg!”, hat mir Dietmar Füssl gestern geschrieben. Danke ich kann es brauchen!

Die Geschichte in den Geschichten

Montag Abend war es wieder schwer, denn auf beinahe jedem literarischen Ort gab es eine hochkarätige Veranstaltung und ich hatte mich zu entscheiden.
In der alten Schmiede las Paul Nizon, der schon im Jänner lesen hätte sollen und in der Hauptbücherei gab es einen Leserinnenzirkel zum Thema Sommerlektüre und da gehe ich gerne hin und als das Thema “Wende” war konnte ich nicht. Dann waren im Amerlinghaus wieder die von Richard Weihs, Michaela Opferkuh und Franz Hütterer veranstalteten “Wilden Worte” und da hatte ich mir vorgenommen, hinzugehen und wenigstens im zweiten Teil meine neuen Bücher vorzustellen, aber da gibt es ja nur die Korrekturexemplare und im Literaturhaus gab es Montag und Dienstag Ditha Brickwells Werkstattgespräche und das ist zumindestens Teil zwei, denn bei Teil eins habe ich mich beworben, ich glaube mit “Wilder Rosenwuchs”, denn die Geschichten zum Literaturbetrieb sind ja ein Thema über das ich gerne diskutiere.
Es wurde nichts daraus, aber letzten Februar mailte mich Ditha Brickwell, die in Berlin lebt, an, lud mich ins Cafe Hummel auf eine heiße Schokolade ein, kaufte mir “Und Trotzdem” ab und schien vom “Novembernebel” begeistert, so daß ich glaubte, sie lädt mich ein, aber leider, leider diesmal nur historische Romane aus den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts und da habe ich zwar natürlich etwas, nämlich “Das Haus”, die Geschichte von hundert Jahren Steinhof, aber leider nur das Korrekturexemplar und das auch nicht mehr, denn das habe ich in der Hoffnung, daß morgen meine Bücher kommen, Ditha Brickwell verkauft und eine Chance für Teil drei, wenn da nicht zufällig utopische Romane das Thema sind.
Ich hatte alle Veranstaltungen im Kalender angestrichen und bin ins Literaturhaus gegangen. Denn historischen Romane sind ja interessant und ich wollte auch Ditha Brickwell und Silvia Bartl von meinen neuen Büchern erzählen, am Dienstag kann ich nicht, denn da ist unser Kassenjourfix.
Also Montag mit dem “Haus”- Exemplar losmarschiert und es war auch intensiv. Zuerst hat Inge Rowhani-Ennemoser ihren bei Mandelbaum erschienen Roman “Nachrichten vom Verlust der Welt – Spuren einer Familie” vorgestellt, den kannte ich aber schon und zwar wurde das Buch am Tage der Nobelpreisverkündung 2002, beim Gewerkschaftstreff in der Strudelhofgasse, den es damals noch gab, vogestellt. Dann kam ein Buch an die Reihe, das noch nicht erschienen ist, nämlich Wolfgang Fritz “Die Geschichte von Hans und Hedy. Chronik zweier Hinrichtungen”, das im Herbst bei Milena erscheinen soll.
Den Juristen und Mitarbeiter in der Finanzverwaltung habe ich nicht gekannt und daß der Milena Verlag, der ja als Frauenverlag von Elfriede Haslehner mitbegründet wurde, inzwischen, wie dem Programm zu entnehmen ist, fast nur Männer verlegt, finde ich schade, so beklemmend die Geschichte von dem proletarischen Ehepaar, das in der Erwerbslosensiedlung Leopoldau Hasen züchtete und leider einen Abziehapparat von widerständischen Kommunisten in ihrem Häuschen stehen hatte, was ihnen 1941 das Leben kostete, auch war.
Wie auch Inge Rowhani-Ennemosers Familiengeschichte, die wenn ich mich nicht irre, auch an der Begründung des Frauenverlags 1978 oder 1979 mitbeteiligt war, sehr spannend ist, die Geschichte mit dem Koffer alter Briefe ihrer Mutter, die sowohl mit einem jüdischen Postbeamten in der Herklotzgasse, als auch mit einem Wehrmachts-Soldaten der in Stalingrad gefallen ist, verheiratet war und ihre Tochter Lotte mit einem Kindertransport nach Schweden schickte, was die ihr nie verziehen hat.
Vorher habe ich Michael Baiculesco von dem um einen Euro gekauften in der Buchlandung gekauften “Germano”-Buch erzählt, was ihn sehr erstaunte und Silvia Bartl “Das Haus” gezeigt und erzählt, daß es zum Thema passt.
“Natürlich, natürlich”, hat sie etwas gepresst geantwortet.
Natürlich nicht, es ist aber so und Herr Blaha vom Augustin hat mir viel von Psychiatrie bzw. Antipsychiatrie erzählt.
Ernst Kölz war da und hat mir berichtet, daß er nicht mehr komponiert. Und nach der Pause kam György Dalos mit seinem Buch “Jugendstil” an die Reihe, bei dem die Leute lachten.
Da ging es um sehr viel Amnesie während einer Straßenbahnfahrt durch Wien, in der die ehemalige Geliebte auftaucht und der Held, der in den Westen gegangen ist, um ein angesehener Wissenschaftler zu werden, kann sich partout nicht mehr an die Kovacs, Nemeths etc. mit denen er zu Schule ging, erinnern.
Dann gab es eine Diskussion um den Ungarnaufstand 1956, bei dem György Dalos dreizehn war und bedauerte, daß es keine Romane dazu gäbe und zeigte gleich eine mögliche Handlung dazu auf.
Er hat ein Sachbuch darüber geschrieben und ich kenne zumindestens Ivan Ivanji “Ein ungarischer Herbst”, das bei Picus erschienen ist und habe zuerst Ditha Brickwell, dann György Dalos darauf angesprochen, der das Buch zwar kannte, aber meinte, das wäre eine Biographie, ein Roman ist etwas anderes.
Ich glaube aber Ivan Ivanji versteht das Buch als solchen und die Gattungsbezeichnung “Roman” ist auch am Umschlag angegeben.
Nachher gab es Brot und Wein, Weintrauben und Tomaten und sehr viel Informationsmaterial und es war ein sehr interessantes Werkstattgespräch über das Thema Schreiben, obwohl ich darüber ja schon etwas weiß.
Und Richard Weihs und Franz Hütterer werde ich, wenn sie erschienen sind, jeweils eines meiner neuen Bücher, in der Hoffnung vielleicht im Herbst als Gast eingeladen zu werden, zu schicken und da, die Hoffnung, wie ich immer höre, zuletzt stirbt, habe ich vielleicht eine Chance.