auf watte

Es ist eine “Legende des heiligen Trinkens” oder eine über die Trauer, die GAV-Kollegin Andrea Stift, auch eine Mittlere, 1976 in der Steiermark geboren, da in kurzen sprachlich sehr brillanten, manchmal etwas boshaften Kapiteln, da über die Härten unseres Lebens erzählt.

Roman steht nicht in dem “Leykam-Büchlein”, es ist wahrscheinlich auch keiner, eher eine Prosakizzenansammlung über einen Lebensweg.

Da ist einer, der namenlosen Ich-Erzählung, junge Frau steht am Klappentext, der Vater weggestorben;

“Was ich nicht kann: über meinen Vater schreiben. Er ist tot. Mein Vater hat sich selbst getötet, bvevor es der Krebs tun konnte.”

Damit ist schon alles gesagt oder doch nicht ganz, denn da gibt es den Haß auf die Mutter, einer Trinkerin, mit der die Erzählerin offenbar zusammenlebte, das nun nicht mehr tun will, sie in ein Heim abschiebt und deshalb vielleicht auch Schuldgefühle hat: “Man gibt seine Mutter nämlich nicht ins Heim.”

Aber ein Zusammenleben wäre unmöglich und würde sie, wie sie schreibt, nicht ertragen. Trotzdem fährt sie oft mit dem Fahhrad in das private Pflegeheim, das von einer Arztgattin, von allen Feldwebel genannt, geleitet wird und wird von den Bewohnern  liebevoll aufgenommen, die alle das tun, was man in diesem Heim offenbar darf, nämlich rauchen und trinken.

So geht sie vorher in den billigen Supermarkt, im Heim wird der Alkohol nur verteuert abgegeben, aber die Heimkosten sind so hoch, das nur ein wenig Taschengeld überbleibtbleibt, das die Feldwebelin dann auch noch in Raten ausgeben läßt, kauft “sechs Dosen Bier, zwei Flaschen Sekt und ein paar Magenbitter” ein und verstaut sie in ihre Fahrradtaschen.

Im Heim lernt sie auch Cornel, einen rumänischen Tänzer, mit stark verbandagierten Füßen kennen und verliebt sich in ihm.

Sonst geht es viel ums Trinken und um die Selbsteinschätzung, daß man ja jederzeit aufhören kann, sich verschätzt, zu schwach dazu ist, zuerst noch ein paar Tage lang nichts trinkt, dann aber immer mehr und immer öfter und der Gang zur Bank, wo man der Beraterin etwas von einem Job vorlügen muß, den man bald bekommen wird, ist sehr unangehehm.

Sie verliert auch bald ihren Job, geht aber und das ist vielleicht ein bißchen unrealistisch nicht aufs AMS, sondern putzen, weil sie vom Behördenkram nichts hält, geht auch in die  Erinnerung zurück. Kindheitsstationen werden geschildert, wie die Mutter in einer Trinkerheilanstalt war und sie von ihr einen Teddybär geschenkt bekam, wie sie nach dem Tod des Vaters die Wohnung putzte, wie sie ihn schon einmal im Krankenhaus besuchte und und und…

Sie landet sie selber in dem fröhlichen Trinkerheim, das wahrscheinlich gar kein solches ist, denn die Feldwebelin will nur das Geld ihrer Klienten. So steht es im Klappentext und ist wahrscheinlich auch oft so in der Realität.In dem Buch selber gar nicht so, da wird zwar umgebaut und es gibt billiges Essen, davon aber dreimal am Tag und zwischendurch noch Jausen, so daß alle aufquellen und weitertrinken.

Am Schluß stirbt Cornel und hinterläßt einen Abschiedsbrief indem er sich für all die großen Lügen entschuldigt “denen ich und alle anderen verfallen waren. Das war der Traum von Cornel, dass er einmal Balletttänzer werden würde. Stattdessen wurde er Trinker.”

Und damit das nicht so tragisch endet, gibt es auf der letzten Seite noch ein “Alternativ” das mit ” Ich brauche ein Aspirin” endet und ich bleibe ein wenig ratlos zurück, denn wahrscheinlich ist das Buch für mich  ein wenig zu hart gewesen, zu gefühllos oder auch zu satirisch von den Härten dieses Lebens erzählt.

Vielleicht ist der schonungslose Ton Andrea Stift von der ich schon “Reben”, Klimmen”, “Wilfert und der Schatten des Klapotetz” und “Elfiriede Jelinek spielt Gameboy” gelesen habe, doch nicht so  das meine, obwohl ich mich mit dem Trinken und, wie man damit umgehen kann, schon literarisch beschäftigt habe und mit dem Leben in Demenz und Altersheimen auch.

Eine Alternative, wo es auch um das grausame  Leben in Altersheimen und dem Trinken dort geht, wäre Max Bläulich, der das Ganze vielleicht noch etwas grotesker erzählt.

 

Vierundvierzig Gedichte von Reinhard Priessnitz

Der 1945 geborene Reinhard-Priessnitz ist mir eigentlich hauptsächlich als Namensträger des “Priessnitz-Preises” bekannt, der immer Ende Oktober zu seinem Geburtstag im Literaturhaus an einen meist  experimentell jüngere Autorin oder einen jüngeren Autor, vergeben wird, bekannt.

Stimmt nicht ganz, bei einem der Büchertürme die es bei der “Literatur im März” einmal gegeben hat, habe ich einen seiner Werkbände gefunden, aber noch nicht gelesen und Anfang dieses Monats war ich im Literaturhaus bei der “In Memoriam-Lesung”, da hat Ferdinand Schmatz auch die “Vierundvierzig Gedichte”, das einzige zu Lebzeiten erschienene Priessnitz-Buch vorgestellt.

Ansonsten war  der Name für mich eine Legende, wie der von Norbert C. Kaser, der inzwischen, glaube ich, eher vergessen ist, da habe ich mir in den Neunzigerjahren einmal ein Buch gekauft, daß das bei Reinhard Priessnitz nicht  so passiert,  sorgt, glaube ich, der “Priessnitz-Preis, die “Alte Schmiede” und der Nachlaßverwalter oder Werkherausgeber Ferdinand Schmatz, der diese “Stunde der literarischen Erleuchtung” auch gemeinsam mit Konrad Priessnitz, den 1974 geborenen Sohn, der auch an der Sprachkunst studiert hat und inzwischen Sonette veröffentlicht hat, gestaltete.

Das heißt eigentlich hat er sie fast allein gestaltet, denn Konrad Priessnitz ist erst kurz vor Ende gekommen und hat ein paar der Gedichte gelesen, die Ferdinand Schmatz vorher schon kommentierte und Kurz Neumann hat eingeleitet und erzählt, daß Priessnitz kurz vor seinem Tod ein Symposium in der “Alten Schmiede” unter dem Titel “Unvollendet” oder so, vorbereitet hat.

Er hat auch öfter in der “Alten Schmiede” gelesen. Ich glaube an die fünfzehn Mal in verschiedenen Rollen. Als Autor, Lektor und Kollegem wie Kurt Neumann betonte, der auch seine Kollegalität hervorgehoben hat. Ich war glaube ich, bei keiner dieser Lesungen, also fast ein Debut und auch eine Überraschung, denn nachdem ich bis jetzt gehört habe, habe ich mir einen sehr experimentellen Dichter vorgestellt und so hat ihn Ferdinand Schmatz, der das ebenfalls ist und Sprachkunstprofessor auch beschrieben und von Montage gesprochenm beziehungsweise einen Briefwechsel mit einem Freund vorgeselesen, wo Priessnitz sich auf sein Dichten bezieht und beschreibt, wie er monitert, neue Worte schafft, in dem er Silben verschiebt, Dialket und anderes einarbeitet, etcetera.

Dann gibt es aber durchaus Konventionelles unter den Gedichten zu hören, einiges was sich fast oder wirklich reimt, also eine Überraschung und ein Grund ihn zu lesen, vielleicht wenigstens die “Texte aus dem Nachlaß”, die in meinen Regalen  schlummern.

Ferdinand Schmatz, der Professor hat sehr viel erklärt und erläutert, von seiner Begegnung mit dem Dichter und dem Mißtrauen, das er damals gegen Gedichte hatte, gesprochen, was ich ich sehr interessant gefunden habe. Der Dame neben mir, ist es zu viel gewesen, so daß Sie “Fangen Sie doch endlich zu Lesen an!”, gerufen hat.

Da hatte Ferdinand Schmatz aber schon einiges gelesen und er hat auch mit dem Gedicht “Premiere” begonnen.

Dann gibt es zwei “Schneegedichte”, die ich als konventionell interpretieren würde. In den Brief an den Freund, schreibt Priessnitz auch, daß einiges gelang, einiges nicht.

“Da wird sich die Literaturwissenschaft wohl fragen, was das nicht Gelungene ist!”, ätzte Ferdinand Schmatz.  Ging  zum letzten Gedicht über und “der blaue Wunsch” wurde zweimal gelesen, zuerst von Schmatz, dann von Konrad Piessnitz.

Das Gedicht “Mund” dürfte eher der konkreten Poesie angehören und Ferdinand Schmatz erwähnte auch den starken Bezug zur Wiener Gruppe, zu Ernst Jandl und Friederike Mayröcker.

Sehr spannend, diese Wiederbelebung und die Freunde oder Piressnitzfans waren im Publikum auch zu finden.

Hans Jörg Zauner, auch ein “Neue Texte-Autor,” die Heimrad Bäcker “Edition”, die dann von “Droschl” übernommen wurde, wo auch die “Priessnitz-Werke” erschienen sind.

Angelika Kaumfann, Peter Rosei, Gerhard Jaschke, Judith Nika Pfeifer, Heinz R. Ungar und und…

Ich habe sicher einige vergessen und ebenso interessant, daß die Nicht-Lyrikerin, die ich ja bin, für meinen “Adventkalender” vor einigen Tagen, beziehungsweise mitten in der Nacht ein Gedicht geschrieben hat, wo ich  auch  experimentiert beziehungsweise verdichtet habe:”

“Weihnachtswald, Weihnachtskind,

Weihnachtsmann, komm her geschwind

Weihnachtsfrieden, ach genau

Weihnachtsmann sucht Weihnachtsfrau”

Mit Priessnitz sicherlich nicht zu vergleichen, ich finde es aber auch sehr dicht.

Mach mir den Garten, Liebling

Ein Chick Lit aus dem “Aufbau-Verlag”, durch meine Longlistenleseverlagsanschreiberei bin ich zu diesem Buch gekommen, weil ich ja ganz ehrlich, gelegentlich auch gern das sogenannte Leichtere lesen, was man vielleicht nicht überall zugeben kann, merkte aber wieder, man lernt sehr viel dabei, denn hier wird oft das sehr plastisch an- und ausgesprochen, was in der sogenannten experimentellen Literatur oft verloren geben.

Die kleinen wichtigen Dinge des realistischen Lebens, das ganz normale tägliche Mobbing am Arbeitsplatz beispielsweise, der Liebeskummer, die Intrigen darum herum, aber auch die Frage, ob man seine Life-Balance durch einen Garten wieder in Schwung bringen kann?

Da ist ist also Luisa Fröhlich, Ellen Berg, eine 1969 geborene, offenbar  schon sehr erfolgreiche “Aufbau-Autorin”, die über eine lange Werkliste verfügt, hat es mit den sprechenden Namen und Luisa Fröhlich, an die Vierzig, ist so etwas wie ein Arbeitstier und die gute Seele der Firma “Fun Conncetion”, die wackelnde Dackel und Glücksschweinchen herstellt, schon seit dreißig Jahren tut sie das, denn der Chef Herr Haase, von allen nur Karnickel genannt, ist ein wenig konservativ und geizig ist er auch, so schmeißt er Luisas Verbesserungsvorschläge in den Müll, trotzdem macht sie sich Hoffnung Betriebsleiterin zu werden, als sie zur großen Jubiläumsparty geht.

Das Arbeitsklima in der Firma ist sehr mies, die Kollegen machen sich gegenseitig herunter, strengen sich nicht an und fangen jeden Nachmittag an zu trinken. So geht es mit der Firma auch hinab und ein neuer Geschäftsführer muß her, der zurst einmal allen mit Kündigung droht und dann, um halb sechs Uhr früh oder in der Nacht Mails shickt, um die Mitarbeiter zu “motivieren”.

Genau in diese Situation platzt ein anderes Problem, denn wie oft in Bestsellerbüchern, ist es auch hier ein wenig problembeladen und mit allerhand Konflikten überfrachtet, Luisas Tante Ruth meldet sich, die seit einem Jahr in Italien lebt, vorher aber Luisa ihren Garten übergeben hat und den jetzt wiedersehen will.

Uje, uje, denn die fleißige Arbeitsbiene Luisa hat alles, aber keinen grünen Daumen, so hat sie einen Friedhofsgärtner mit der Gartenarbeit beauftragt und der hat ein Grab daraus gemacht, wo doch alles blühen und grünen sollte und Luisa muß sich anstrengen, das Chaos zu beseitigen.

Hat aber in der Firma genug zu tun, denn der neue Chef, der gleich mit einer protzigen Assistentin antanzt, hat wie die Mitarbeiter bald herausfinden, nichts anderes vor, als die Firma zu ruinieren.

Aber vorerst organisiert Luisa ein Mitarbeiterseminar in ihrem Garten, verliebt sich in den schönen Eddie, findet eine neue Produktlinie heraus, die die Firma retten könnte, kommt aber bald in große Schwierigkeiten und so geht es hin und her, bis es zum Happyend kommt, der Garten wieder blüht, die Mitarbeiter zusammenfinden und mit einer neuerwachten Soldarität an einer neuen Produktschiene unter der neuen Produktleiterin Luisa fröhlich tätig sind.

Im wirklichen Leben wird es mit den Happyends wahrscheinlich nicht so einfach sein, ein total verkorkster Garten blüht wahrscheinlich nicht in zwei Wochen und Leute die sich jahrelang heruntermachten, werden sich nicht plötzlich wirklich lieben und sich total verändern, trotzdem ist die Geschichte trotz einiger Übertreibungen spannend erzählt und die Charaktere  glaubhaft geschildert.

Da gibt es einen Zauberkünstler, eine dicke Esoterin, aber auch den Computer Nerd und die Idee, Tante Luises Garten durch ein Crowd funding Projekt zu retten ist originell, auch wenn es wahrscheinlich in der Praxis nicht funktioniert, wenn jeder sich wünschen kann, was er geplanzt haben will, denn manche Pflanzen passen wahrscheinlich nicht zusammen und dann gedeihen nicht.

Auch die Spitznamen der Crew mit denen sie sich gegenseitig beschimpfen sind originell, Lämmchen Annikas Wandlung in die böse Schlampe, die den neuen Chef verführt und dann mit Perlenkette und Stöckelschuhen am Nachmittag Sekt trinken geht, erscheint mir nicht ganz realistisch, aber in den Unterhaltungsromanen muß man wohl ein wenig übertreiben, weil der normale Büroalltag wahrscheinlich in seiner grauen Tristesse niemanden interessiert und ein Garten kann wahrscheinlich heilen und gute Sprüche, wie, die “Willst du eine Stunde glücklich sein, einen Tag, ein Leben lang… dann….” gibt es natürlich auch.

Zehntelbrüder

Den zweiten Roman der 1963 geborenen  Tochter des zeitgenößischen Komponisten, Ruth Cerha, habe ich auf der ersten  “Rund um die Burg” neu neu kennengelernt und ihn im vorigen Sommer um zwei oder drei Euro beim “Morawa” gekauft, inzwischen ist der hochgelobte Sommerroman “Bora” erschienen und durch “Buzzaldrin” zu mir gekommen, mal sehen, ob ich ihn heuer noch zu lesen schaffe.

“Die Zehntelbrüder” erinnern stark an Elfriede Hammerls Patchworkfamilien, obwohl hier der Protogononist der Endzwanziger Mischa, DJ aus Wien ist, er ist mit seiner sehr jungen Mutter Margit in einem Gasthaus aufgewachsen, wo sie kochte, den Vater Chris einen Musiker hat er kaum gekannt, der Großvater Grossmann, ein ziemlich reicher, in Grinzing oder so wohnender Typ tauchte nur einmal auf und dann nie wieder, dafür zog Margit mit dem Kleinen zu dem Tschechen Janek, der schon Zwillinge von einer Gisela hatte und dann von Janek noch Jul bekam, eine Jenny tauchte auf und Margit verschwand immer öfter und blieb dann endgültig weg, Mischa blieb bei Jenny, einer ziemlich esoterischen Kindergruppentante zurück, kümmerte sichum Jul, nachdem Janek nach Spanien, verduftete kämpfte mit den Zwillingen und Gisela bekam noch zwei Zwillingsmädchen von einem Norbert.

In dieser Situation ist es wahrscheinlich natürlich, daß man die Schule schmeißt, obwohl Mischa nach anfänglich schlechten Erfahrungen einen großen Bogen um Drogen und den Alkohol macht.

Jetzt ist er, glaube ich, vier-oder sechundzwanzig, legt Platten auf und ist in einer Krise, denn seine Freundin Hannah, um einiges älter, will ihn zu ihren Eltern mitnehmen. Das Paar scheint sich zu trennen, Mischa träumt schlecht und denkt über sie beziehungsweise seine Familie nach, denn der sechzehnjährige Jul, sein Zehntel oder Sechstel oder was auch immer Bruder, scheint in die rechtsradikale Szene abzukippen, beschmiert Schulwände, säuft sich an, so daß er ihn sowohl von der Polizei abholen, als auch die Rettung holen muß und eine der Zwillingsschwestern Lilli, taucht auch noch auf, sie ist jetzt vierzehn und will für ein Schulprojekt einiges über die Familie wissen.

Mischa muß bei einer Reichen Party auflegen und lernt da die exzentrische Nella kennen, die unverläßlich ist, Angst oder Paranoia zu haben scheint und einen eifersüchtigen Bruder, der Mischa zusammenschlagen läßt, wenn er sich mit ihr trifft.

Dann bekommt noch Hannah ein Kind von einem anderen, von dem sie weder Namen noch Telefonnummer weiß und alle beschließen nach Ibiza zu Janek zu fliegen, um ihm ihre Meinung zu sagen.

Am Ende ist Mischa dann mit seiner Tagesfreizeit Hausmann geworden und versorgt den kleinen Jakob, dessen Vater er nicht ist, er trifft aber auch Nella wieder und das Ende bleibt wahrscheinlich offen, beziehungsweise sind noch ein paar Protokolle von Mischas und Lillis Familienrecherchen angeheftet.

Das Buch wird in zwei Erzählsträngen entwickelt, rückwärts in die Vergangenheit und dann auch wieder nach vorn, so daß man nach und nach die Zusammenhänge und das Elend der ach so modernen Patchworkkinder erkennt, die von irgendwelchen ständig wechselnden Personen aufgezogen werden, mit denen sie nur zu einem Sechstel bis Zehntel, wenn überhaupt verwandt sind.

Wien in leiwanden Grafiken

Jetzt kommt wieder ein Buch aus der “Holzbaum-Produktion” und es ist ein “ur-leiwandes” oder wer hat schon einmal ein Buch gesehen, das hauptsächlich aus bunten Kugeln besteht?

Aber dieses Buch, man kann es wahrscheinlich sowohl rasch durchblättern, als auch die Texte zu den bunten Kugelchen genau studieren, hat es in sich und ist wahrscheinlich als Erholung nach einem mehr oder weniger anstrengenden Longlistenlesen, das ich  gerade hinter mir habe,  zu empfehlen.

Man lernt sehr viel über Wien  und kann sich auch noch gehörig über die Wiener Mentalität lustig machen.

Also ein Gang durch das Buch und, wenn es mir gelingt, ein Zitieren der lustigsten Grafiken. Falls mir das nicht gelingen sollte, ist die Lektüre des Buches sehr zu empfehlen.

Im “Shop der komischen Künste” kann man es bestimmt erwerben und dazu gibt es auf der letzten Seite auch ein buntes Kugelchen und noch eines eine Seite weiter vorn, das erklärt, daß die Texte des Buches schön gleich verteilt von Clemens Ettenauer, der auch der Herausgeber ist und der, wie ich kürzlich erfuhr, auch  bei “Proverbis” veröffentlicht, Elisabeth Geiderer, Johanna Bergmayr, Katja Ettenauer, Nadine  Obermüller und Sophie Pichler, während die Graphiken nur von Lena Kothgasser sind.

Aber nun nach vorn und da kann man gleich erfahren, wofür der Wiener Opernball weltberühmt ist. Wer weiß es? Vielleicht gibt es bei der Präsentation ein Buch zu gewinnen, wenn man es weiß, ich werde es also nicht veraten.

Aber vielleicht man schon erlebt, daß die Straßenbahn nie zu spät kommt, wenn man zum Zahnarzt muß oder die Fahrscheinkontrolleure bevorzugt am ersten Tag des Semesters, wenn die Studenten noch nicht ihre Netzkarten haben, kontrollieren?

Wieder eine Frage, die man mit dem Buch nachprüfen kann. Gehen die Leute wegen der Kultur oder wegen dem Esen ins Museumsquartier?

Vielleicht tun sie es ja wegen der “Ohrenschmaus Preisverleihung” am ersten Dezember oder ins “Shop der komischen Künste”, um sich das Buch zu kaufen dorthin.

Auf der Wiener Mariahilferstraße wird man oft von Fundraisern oder Keilern, aber selten von Bekannten angesprochen, behauptet die Graphik und spannend wieder die Frage, was man am meisten mit seinem neuen Fahrrad macht?

Durch die Gegend fahren oder eine Diebstahlsanzeige machen?

Und wer  bestellt am Würstelstand eine “Eitrige mid an Burgl und an Sechzehna Blech?”

Ich nicht, füge ich, vorlaut hinzu, aber ich esse ja selten eine Burenwurst an einem Wiener Würstelstand, sondern jeden zweiten Samstag eine Käsekrainer am Markt von St. Pölten und die bestellt mir dann der Alfred.

Lustig oder ein bißchen ernster, der Unterschied, was die Wiener studieren und wo es Jobs für Akademiker gibt.

Und glauben, die Touristen wirklich, daß sich die Wiener alle im Fiaker fortbewegen oder tun das nur die Japaner oder die, die einen Reiseführer, wo das drin steht, lesen?

Wieder eine Zehnerfrage, ob man die meisten Politiker beim Heurigen oder im Paralent trifft und spannend wird wahrscheinlich die Antwort nach der Religionsgemeinschaft der Wiener sein.

Auf die Frage, was die FPÖ, den Wienern bringt, gibt es ein leeres Blatt zur Antwort.

“Glauben das die Wähler auch?”, könnte man vorwitzig fragen. Aber die letzte Wien Wahl war ja nicht so schlecht. Also weiter durch das Buch, um sich zu informieren, wann die Wiener nach Schönbrunn gehen? Wann ins Museum und das wird alles auch beantwortet und durch ein schönes buntes Kugelchen belegt.

Wer weiß mehr über den Wiener Stephanstrum, die Volksschulkinder, die das wohl in der Schule lernen oder die Touristen, die durch ihre Führer dorthin getrieben werden und  trifft man Toni Faber, Anmerkung für Nichtwiener, das ist der Dompfarrer, öfter auf einer Party oder im Stephansdom an?

Die leiwanden Grafiken behaupten, die Antworten zu wissen und verraten uns auch, wer glaubt, daß die Sachertorte “urlecker” ist und welche Marmelade dafür verwendet wird.

Worüber sudern die Wiener am meisten? Was halten sie vom Wetter? Das wird ausnahmsweise in einer anderen Graphikart festgestellt.

Ist jetzt Thomas Brezina oder Thomas Bernhard der berühteste Wiener Schriftsteller?

Das ist wahrscheinlich eine Altersfrage, denn Thomas Brezina ist ja eine Jugendbuchautor und, daß man mit “Dixie Traubenzucker” gratis in den Tiergarten kommt, habe ich nicht gewußt.

Also durch  die leiwanden Grafiken und dem “Holzbaum-Verlag” wieder was gelernt und gelacht hat die ja nicht so besonders Humorvolle über dieses Büchlein auch.

Ja der “Holzubaum-Verlag” lehrt das Schmunzueln und ist, wie schon erwähnt zwischen dem Longlisten- und dem Leselistenlesen sicher zu empfehlen und viele bunte Bildchen beziehungsweise Graphiken, gibt es für die, die leichter lesen wollen, auch.

Die Erfindung der roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenanger im Sommer 1969

So alle LL-Bücher ausgelesen und bin damit, soweit ich weiß, ziemlich einzigartig unterwegs, “Zeilensprünge” haben es noch getan und der Otto hat sich alle gekauft um mir zwei davon zum Lesen überlassen, so daß er zumindest den Vladimir Vertlib noch nicht gelesen hat, denn den hat er mir in der Plastikhülle verpackt übergeben.

Was habe ich davon habe, werden meine Leser vielleicht fragen? Viel ist die Antwort, obwohl mein Bemühen in Bloggerkreisen ziemlich unbemerkt geblieben ist und sogar zur Löschung meiner Verlinkungen geführt hat.

Aber ich habe jetzt einen einmaligen Einblick welche Bücher da für den deutschen Buchpreis und damit, wie ich behaupte, auch für den Weihnachtstisch ausgesucht wurden und weil ich bei den früheren dBps ja immer nur “theoretisch” mitgemischt habe, kann ich auch nicht sagen, ob die heurige Auswahl normal oder etwas Besonderes war?

Es waren aber einige sehr dicke Bücher und ein sehr schwer zu Lesendes dabei und, wie es der Zufall wollte, ist das Buchpreisbuch erst ganz zum Schluß, als ich schon meine Shortlist und meinen Sieger hatte zu mir gekommen und kann nur sagen, es ist ebenfalls ein “irres” Buch.

Da ich mich da für die deutsche Geschichte, das dritte Reich, die DDR, die RAF, die Studentenbewegung, etc, sehr interessierte, hat mich das Buch schon im August bei der Longlistbekanntgabe sehr interessiert.

“Matthes und Seitz” haben es mir nicht geschickt, in den St. Pöltner Buchhandlungen war es, als ich mit dem Alfred zweimal dorthin kaufen ging, nicht zu bekommen. Der Otto hat es gerade gelesen, als er mir den Vertlib und den Peltzer brachte, aber da habe ich es mir von meiner lieben Schulfreundin Trude, die mir zum Geburtstagsfest immer ein Buch bringt und zweimal eines erwischte, daß ich schon vom Alfred hatte, gewünscht, nun also ganz zum Schluß das irre Buch, das der Preisträger bei der Preisverleihung, glaube ich, selbst als solches bezeichnet hat und sich wunderte, daß er auf die Shortlist kam.

Eine Menge Verlage haben es, glaube ich, auch vorher abgelehnt, zwölf Jahre dürfte er daran geschrieben haben, Ingo Schulze und und Thomas Meinecke haben den1955 in Wiesbaden geborenen Schriftsteller, Zeichner und Musiker, von dem ich vorher noch nie etwas hörte, unterstützt und ich würde es neben das Richter-Buch, das lange nicht so surreal ist und vielleicht deshalb im Lesereigen der dicken Bücher etwas untergegangen ist, einreihen.

Die sogenannten offiziellen Bücherblogger, die ja gar nicht soviel gelesen haben, sondern oft nach dem Anlesen  weggeschmissen oder abgebrochen, haben es, glaube ich, auch eher vermieden.

Der Kaffeehaussitzer und Jochen Kienbaum haben es aber gelesen und für den war es auch der Favoriti und mich würde jetzt interessieren, was Tobias Nazemi, der ja den Peltzer abbrach und sich beim Setz darüber beschwerte, daß er so lang sei und ihm am Lesen seiner anderen Bücher hinderte, dazu sagen würde und wann und, ob er das Buch abbrechen würde?

Auf den “Amazon-Seiten” gibt es die übliche Diskussion, die es schon beim Setz gab, die einen vergleichen es mit Musil, die anderen sagen “Unbrauchbar, so eine Zumutung, welch ein Quatsch, wer wird das lesen?”

Das ist auch eine Frage, die mich beschäftigt und ich bin ja wahrscheinlich eine Überdurchschnittsleserin, eine, die eine knappe Woche dazu brauchte, die nicht abgebrochen hat, obwohl ich manches nicht verstanden und daher überlesen habe.

Der Stil ist aber flüßiger, als beim Peltzer und mein Favorit beezüglich des surrealen-Verrückten, bleibt, glaube ich, der Setz, da ist mir als Psychologin und Psychotherapeutin wohl der Inhalt näher.

Borderlinepersönlichkeiten und Behindertenbetreuer interessiern mich eben, obwohl es in dem Buch  auch darum geht und der Teenager, wie ja schon der Titel sagt, psychisch auffällig ist.

Also durch die achtunhundert Seiten, die kein Chronologie haben, so daß ich jetzt eigentlich noch nicht sagen kann, was da  der Anfang ist und warum es geht?

Um die Weltgeschichte, um das Aufwachsen im katholischen Nachkriegsdeutschland, der fünfziger und sechziger Jahre, um Borderline und Bipolitarität umd Schuld und Sühne oder vielleicht, um etwas ganz anders?

Richtig um die Musik der Beatles und Co, wo ich mich nicht so auskenne und nicht so interessiere, geht es auch und wenn ich es mir interpretieren sollte, würde ich sagen, es geht um die Vergangenheitsbewältigung eines später Geborenen, wieder auf eine ungewöhnliche Art, wie es auch Peter Richter mit seinem Jugendlichen in der DDR zwischen 1989 und 1990 versucht hat.

Der Jugendliche, um den es geht, ist 1969 dreizehn oder dreizehneinhalb und heißt entweder Timo vom Heiligen Timotheus, dem Schutzpatron für das Bauchweh oder Frank Witzel selbst und der wurde  auch 1955 in Wiesbaden geboren, das, wenn ich es richtig verstanden habe, in der Nähe von Bibrich ist, wo der Jugendliche, Sohn eines Fabrikanten, lebt.

Die Mutter hatte einen Schlaganfall oder eine ähnliche Krankheit, wird aber später wieder gesund, deshalb ist eine Frau von der “Caritas” im Haus und daran entknüpfen sich die Fantasien des Heranwachsenenden, der sich mit seinem Freund Bernd und seiner Freundin Claudia ganz am Anfang  eine Verfolgungsjagd mit der Polizei bietet.

Aus Wasserpistolen wird geschoßen, Spielzeuge werden im Auto vergessen, im Fernsehen berichten sie dann von Terrorüberfällen in denen die Jugendlichen verwickelt sein sollen. Die Frau von der “Caritas” schöpft Verdacht, wird dafür in der Phantasie oder in der Wirklichkeit vom Erzähler in der DDR geschickt, wo es ganz furchtbar ist und man statt Schokolade, nur hartes Brot mit Kakakopulver hat.

Die Frau von der “Caritas” taucht dann als DDR- Funktionärin in Uniform wieder auf und die Jugendlichen, die inzwischen auch eine Bank überfallen haben und einen Obdachlosen mit einer Flasche Whisky vergifteten, werden dorthin gebracht, erfahren es gibt Salami, die besser als die Westdeutsche schmeckt und werden von der “Caritas-Frau” in Unform wieder zurück ins Heimatstädtchen gebracht.

Dazwischen, davor oder danach, das habe ich nicht ganz herausgekriegt, gibt es einen Sanatoriumsaufenthalt des Jugendlichen, der sehr schlecht in der Schule ist, er kommt auch vorher oder nachher in ein Konvikt und soll Priester werden und wie das offenbar im Mief der Sechzigerjahre so war, streiten sich dann der Psychiater oder Psychologe, dem Dr. Märklin werden beide Berufe zugeordnet, obwohl doch der Psychiater Medizin und der Psychologie Psychologie studierte, mit dem Pfarrer über Gut und Böse beziehunsweise über den kleinen Patienten.

Es kommen auch immer wieder Kapitel vor, die sich mit der “Erfindung der Freundlichkeit” etc beschäftigen und  am Schluß gibt es ein Register, wo Begriffe, wie Paul, Robinien, etc den Seiten, wo sie vorkommen, zugeordnet werden. Was soll das?, man könnte man fragen, als aber irgendwo auf den siebenhunderter Seiten, der Jugendliche erklärt, daß der das mit der RAF nur erfunden hat, weil er verschleiern wollte, was er im Sommer 1969 wirklich tat, nämlich nach London fuhr und dort offenbar einen Sänger in einem Schwimminbpool ertränkte, habe ich nachgeschaut wo “Gibber Kerb”, ein Begriff, der mir nichts sagte, vorkommt, um besser zu verstehen.

Der erwachsenen gewordene Teenanger taucht auch immer wieder auf, will in die Klinik für Boderlinestörung in Hamburg Eppendorf, ist mit einer Frau namens Gernika zusammen, hält einen Vortrag an dieser Klinik und Theaterspiele für die Patienten, wo der Nationalsozialismus oder die Weltgeschichte erklärt werden, kommen auch  vor, wie vieles andere, was ich jetzt auslasse, um nicht so fürchterlich zu spoilern und das Lesevergnügen zu zerstören.

Wobei sich  natürlich schon die Frage stellt, wer tut sich in Zeiten, der Ungeduld, der Überforderung, des zwanzig Prozent Analphabetismus auf unseren Schulen, diese achthundert Seiten, das zwölfjährige Werk des Frank Witzels, wirklich an?

“Matthes und Seitz” ist das Wagnis eingegangen,  hat das Buch gedruckt und für die LL eingereicht. Dann ist der Verleger aber, glaube ich, ohne eine neue Auflage zur Preisverleihung gefahren, so daß das Buch  einige Zeit vergriffen war und erst wieder vierzigtausendmal aufgelegt wurde.

Jetzt sieht man es auch in den Buchhandlungen und ich frage mich schon, was die berühmten Schwiegermütter dazu sagen werden, wenn sie es am Weihnachtstisch unter den Gaben finden und die Überlegungen der Buchpreisjury ist auch interessant, beziehungsweise kann man herrlich spekulieren, nach welchen Prinzip sie jetzt das eine Buch auswählen?

Herausbekommen wird man das wahrscheinlich nie, weil die Jury ja jährlich wechselt, aber ich habe mir gedacht, der Peltzer wird es nicht, weil zu kompliziert. Ein sogenanntes anspruchsvolles Buch wird es aber schon sein, der Setz ist vielleicht zu jung und sein “Wahnsinn” zu speziell auf die Generation Dreißig abgeschnitten und dann verliert man die lesenden Schwiegermütter.

DDR, Holocaust und dessen Bewältigung durch die Studentenbewegung und die roten Armeefraktion ist aber sicher interessant, was man auch an den vorigen Buchpreisbüchern sehen kann.

So ist es also Frank Witzel und seine “Erfindung” geworden.I ch gratuliere sehr, hätte selber den Rolf Lappert den Preis gegeben und Zaimoglu, Erpenbeck, Setz, Weyandt, Monique Schwitters, die den deutschen Buchpreis für “Eins im Anderen” bekommen hat, noch auf auf Shortlist gesetzt.

Bei Frank Witzel weiß es ich nicht und muß das auch nicht tun. So schließe ich also das heurige Buchpreisbloggen ab. Sybille Lewitscharoff, die  2011 mit “Blumenberg” auf die Shortlist gekommen ist, steht noch auf meiner heurigen Leseliste, werde mich jetzt auf die Buch-Wien und den Ö1-Quiz stürzen und kann das Buchpreisbloggen und das Longlistenlesen, jeden nur empfehlen, obwohl man da natürlich die hundert, tausend, oder wieviel auch immer schönen Bücher versäumt, die in diesem Jahr erschienen sind und die man auch lesen sollte.

Ein Buchpaket mit zehn bzw. neun schönen Bücher, wo einige andere Neuerscheinungen darauf sind, habe ich ja bei Buzzaldrin gewonnen, sechs davon stehen noch auf meiner heurigen Leseliste.

Mal sehen, ob ich alles schaffe und eine Kritik kann man bei dem Buchpreisbuch noch anmerken, zumindestens die Buchqualität ist sehr schlecht, nämlich nach einmal Badewannelesen schon aufgelöst und an den Rändern kaputt.

Am Ufer

Nun kommt ein schon ziemlich aufgelöstes Leseexemplar von Rafael Chirbes “Am Ufer”.

“Liebe Kollegen, bitte keine Besprechungen vor dem 15. 1. 2014” und nach dieser Zeit habe ich das Buch, es hatte, glaube ich, schon einen zerknitterten Rücken, irgendwo in den Schränken gefunden und Rafael Chirbes, von dem ich jetzt erst mitbekommen habe, daß er am fünfzehnten August gestorben ist, habe ich und da bin ich stolz darauf, bei meinem ersten Frankfurt-Buchmessensurfen 2008 kennengelernt.

Da wurde “Krematorium” vorgestellt, daß ich dann in einer Abverkaufkiste fand und daß ich “Mimoun” schon 2005 oder 2006 in der “Buchlandungs-Abverkaufskiste” auf der Mariahilfestraße, um einen Euro kaufte, bin ich auch erst später daraufgekommen und habe den Spaner damals wohl auch wegen der “Wagenbach-Ausgabe” für einen Italiener gehalten.

“Krematorium” Ende 2013 gelesen hat mir dann gar nicht so gefallen und “Am Ufer”, jetzt ist die Immobilienblase endgültig zerplatzt und alles in den Bach beziehungsweise in den Sumpf hinuntergeschwommen, ist, würde ich sagen ein fast ähnlich schwer zu lesendes Buch, wie der Ulrich Peltzer und ich würde auch gerne wissen, wie die Bucherblogger mit ihm umgegangen sind oder es würden?

Denn dieser endlos Monolog des Don Estebans liest sich nicht einfach und es gibt auch immer wieder zwischendurch kursiv eingestreute andere Erzählstimmen, so habe ich fast eine Woche dazu gebraucht, obwohl auch bei mir andere Bücher warten, beispielsweise der Frank Witzel, aber um diesen Unbill vorzubeugen, gibt es ein beigelegtes Blatt, auf dem alle bzw. die meisten Personen angegeben sind.

Es ist ja ein besonderes Buch, “mein persönliches Leseexemplar”, das ich da gefunden habe.

Es gibt ein Vorwort von Antje Kunstmann, der Verlegerin an die “Lieben Kolleginnen, liebe Kollegen!!”, ob die Buchhändler damit gemeint sind und ein beigelegtes Faxformular für Rückmeldungen. Dann ein Bild von Rafael Chirbes und ein Portrait von ihm, wo sein Leben geschildert wird und er selbst sagt, daß er jetzt nicht mehr viel schreiben und mehr kochen würde.

Das ist jetzt auch vorbei und “Am Ufer” höchstwahrscheinlich, der letzte Chirbes, der erscheint, aber nicht der, den ich lesen werde, denn da gibt es ja außer “Mimoun”  noch den “Fall von Madrid”, ebenfalls ein Fund aus dem Bücherschrank auf meiner Leseliste.

Man sieht, ich bin fast eine Chirbes-pezialistin und seine Themen, seine sozialkritischen Anklagen müßten mir ja auch sehr liegen, sein männlicher Ton, in dem er da von den Huren und anderen Freuden des Mannes erzählt, eher nicht.

Aber alles in allem hat mir das Buch gefallen, obwohl ich mir öfter dachte, wenn ich einen solchen Endlosmonolog abliefere, schmeißen ihn mir die Leute vor die Füße, aber das tue ich ja auch, wenn auch in einer weiblicheren stilleren Art.

Da sind also vierhundert Seiten, die vom Niedergang des spanischen oder  überhaupt  des allgemeinen Globalisierungsleben erzählen.

Das erste Kapitel ist sehr kurz, da geht Ahmed, der in Don Estebans Schreinerei gearbeitet hat, bevor diese geschloßen wurde, in den Sumpf, sieht dort menschliche Gebeine und ein abgefacktes Auto und flieht aus Angst von der Polizei behelligt zu werden. Dann kommt der Hauptteil des Buches, nämlich fast vierhundert Seiten, in denen Don Esteban sein Leben schildert, bevor er und sein Vater in den Sumpf gehen, weil er ein Opfer der Spekulanten geworden ist, die Schreinerei beschlagnahmt, kein Geld mehr im Haus, die kolumbianische Pflegerin entlassen, die anderen Arbeiter arbeitslos, etcertera und der, der ihn in den Ruin getrieben hat, der Bauunternehmener Pedros tafelt   im dritten kurzen “Exodus” mit anderen Bauunternehmern Hummer, Süßigkeiten, Paella, etcetera bis wahrscheinlich zum Exodus, denn er hat sich rechtzeitig mit Estebans Geld abgesetzt und der hat die Scheiße auszulöffeln.

Das ist jetzt wieder eine Kurzfassung des Inhaltes, den man sich eigentlich auch aus der Beschreibung und den Beilagen zusammenreimen kann.

Wozu so kompliziert, könnte man dann fragen?

Die ganze spanische Geschichte kommt noch herein und es wird auch genau erläutert, daß der Mensch eine Bestie ist, weil er  Fisch ißt, Tiere schießt, beziehungsweise, das, was eigentlich stinkt, als teuere Delikatessen verkauft, die anderen Menschen ausbeutet, verkauft, versklavt, etcetera.

Der Straßenstrich wird geschildert zu dem dann die ausländischen Arbeiter und die Fernfahrer gehen und die Unterdrückung der kolumbianischen Pflegerin Liliana, die vorher Don Estebans alten Vater pflegte.

Jetzt tut er das allein, wäscht ihm, wechselt ihm die Windeln und hat vielleicht auch Schuldgefühle, denn er hat ja das Familienunternehmen verspekuliert. Er hat aber  auch nicht Schreiner werden wollen, sondern wurde von seinem Vater und seinem Großvater dazu gezwungen, die aus sozialistischen Familien kamen. Der Vater hat eine Bauerntochter geheiratet und sein Freund Francisco, der Gourmetkritiker kam auch aus besseren Kreisen, mit dessen verstorbener Frau Leonor er ein Verhältnis hatte und so spult sich sein ganzes Leben ab, bevor dann das passiert, wovor der markkanische Ex-Arbeiter am Anfang flüchtete.

Rafael Chirbes nimmt sich kein Blatt vor den Mund, erzählt alles in einer rauhen deftigen Sprache und hat  damit wahrscheinlich auch sein Leben zu Ende erzählt. Denn er ist ja inzwischen auch in die Sümpfe gegangen und das, was von der Spanischen oder Weltwirtschaftskrise übergeblieben ist, können wir täglich im Radio oder Fernsehen verfolgen.

Programm Pandora

Daß die 1973 in Gmunden geborene Dors Nußbaumer einen rotzig frechen Tonfall hat, der aufhorchen läßt und am Anfang vielleicht etwas irritiert, habe ich gemerkt, als ich vor eineinhalb Jahren zu spät in den Veranstaltungsvorraum der “KritLit” in die Brunnenpassage gekommen bin, dann habe ich Bücher mit ihr getauscht und so ist der bei “PROverbis” erschienene Erzählband “Programm Pandora”, wo auch Emily Waltons “Senfglas” und höre und Staune ein Buch von Celemens Ettenauer, dem “Holzbaum-Chef”, der mir immer so getreulich seine Cartoon- und Karikaturbände schickt, verlegt wurden, zu mir gekommen und ich habe mich Anfangs mit der Doris Nußbaumers Sprachgewalt,  die sich 2000 auch bei den Widerstandslesungen engagierte, da habe ich sie kennengelernt und später mit ihr  in dem “Women Science Fiction-Band” eine Geschichte, etwas schwergetan.

Doris Nußbaumer ist auch Sprachpädagogin, so habe ich sie 2009 bei einem Schreibseminar der Mariahilfer Frauenwochen wiedergetroffen, organisiert das “Werkl im Goethehof”, liest beim Volksstimmefest und und…

Eine starke Frauenfigur halt und das merkt man ihren Geschichten durchaus an, so hetzt Athene im “Programm Pandora”, durch die Geschichte, nicht durch die griechische Mythologie, nein, ich glaube durch das nächtliche Wien, sauft sich im Beisl des Dionysons an, schläft mit Hephaistos und verliert sich immer wieder in der Computerwelt, um unter Stöhnen und Schmerzen das besagte Programm  zu entwickeln.

Ebenso sprunghat geht es in “Almrausch” zu. Da weiß man nicht recht, ist man jetzt in einem Flugzeug, auf einer Berghütte, unter Wasser, auf der Rennbahn, bei nichts davon oder allem gleichzeitig, das moderne hektische Leben halt und dann geht es zu dem kleinen Sepeerl, der zu allem Scheißdreck sagt und von der Scheißtante trozdem eine Schoki will, obwohl der Zahnarzt dann sicher schimpft, auch das gehört zu unseren moderen Alltagsleben, wie der Leistungsdruck in der Schule, dem Angelika, locker zu widerstehen scheint und sich mit Gesrpächen mit dem Mathematiklehrer von einer Klasse zu nächsten bis zur Matura hantelt.

Besagte Ankeika stammt aus einer Großfamilie, für die sie nichts kann und die sie sich auch nicht ausgesucht hat und so wird sie von ihren Tanten auch stes belehrt, wie sich ein braves Mädchen zu verhalten hat, bis sie Tante Hortensia, die eigentlich Mizzi heißt, ordentlich drüberfährt und ihr dann auch noch vor die Füße speibt.

Dann gibt es noch die Katzengeschichte, die mit einer Abteibung endet, die Doris Nußbaumer auch bei den “Wilden Worten” vorgetragen hat.

“Ida” ist wieder eine hochkomplexe Geschichte in zehn Teilen, einer Wisschenschaftlerin, frau merkt Doris Nussbaumer hat beim “Lise Meitner-Preis” mitgemacht, die mit Datenbrille, Datenhandschuh, etcetera in virutelle Welten des Theater La Fenice und andere Orte begibt, ihren Studenten “Die Stories von Computerspielen und Animationen” beizubringen versucht, sich  von ihrem blinden Freund trennt und sich im anschließenden Cybersex ganz altmodisch nach ihm sehnt.

“Zapp” hab ich, glaube ich, schon in der Brunnenpassage, teilweise gehört, da wird durch die Fernsehprogramme gezappt.

In “Pamukkale” scheint es um ein Verhör und um Erinnerungen zu gehen. Die Geschichte vom Drachen, dem Ritter und der Jungfrau wird neu erzählt und ganz schön hinterfotzig geht es auch in “Herrin der Ringe” zu.

Da empieht die Nachbarin einer Schlaflosen, Magnetringe gegen die Magnetstrahlungen. Der Wünschelrutengänger erscheint, findet das Zimmer total verstrahlt, empfiehlt die teueren Ringe und die Protagonistin greift nach der Digitalkamera um sein verdutztes Gesicht festzuhalten, wennn….

Im “Märchen der Erkenntnis”,  wird Schiller zitiert und sich noch einmal über die Wissenschaft und ihren Erkenntnisdrang, beziehungsweise über die verzopften Wissenschaftler, die forschen, während ihre Gattinnen zu Hause mit dem Essen warten”, lustig gemacht.

Sechzehn spannende Geschichte einer starken weiblichen Stimme, die es vielleicht nicht auf Long-oder auf Shortlist schafft, aber trotzdem sehr zu empfehlen sind.

Aufzeichnungen einer Blumendiebin

Jetzt kommt wieder die Besprechung von etwas ganz Alten. In Frankfurt hat man sich bei einem Bloggertreffen ja gewünscht, daß die Blogger nicht alle immer das gleiche Neue besprechen sollen und die haben gewantwortet, daß sie  weniger Aufmerksamkeit hätten, wenn sie die alten Schinken hervorholen würden.

Aber ich habe ja meine Leseliste und die offenen Bücherschränke, kaufe Bücher in Abverkaufslisten und da sind mir beim “Morawa” einmal zwei Bücher der 1962 geborenen Burgenländerin Karin Ivancsics in die Hände gefallen, die ich seit den Zeiten kenne, als ich meine Manuskripte immer regelmäßig zu “Milena” oder noch zum “Wiener Frauenverlag” schickte und dort war sie Lekotrin, Mitglied bei der “Fried-Gesellschaft”, wo man ausgewählt werden muß und sich nicht bewerben kann, ist sie auch, so sehe ich sie öfter im Literaturhaus oder bei anderen literarischen Veranstaltungen.

Bei der “Poet Night” und bei den “Wilden Worten” hat sie gelesen, ich glaube auch beim “Volksstimmefest” und als ich ihr erzählte, daß ich leider die “Aufzeichnungen einer Blumendiebin” noch nicht gelesen habe, hat sie mir das Buch geschickt.

Das war schon im vorigen Jahr, ich habe aber eine lange Leseliste und damals noch die Illusion, daß ich sie herunterlesen könnte, so kam ich jetzt erst dazu, wo inzwischen schon ein neues Buch von ihr erschienen ist und die “Restplatzbösrse” habe ich, glaube ich, heuer beim “Morawa” gekauft und muß es noch lesen.

“Die Aufzeichnungen einer Blumendiebin”, 1996 bei “Ritter” erschienen, ist ein dünnes zweiundachtzig Seiten Bändchen und wenn ich mich nicht irre, ist es die poetischte Karin Ivancsics, die ich je gelesen habe.

Ein sehr lyrisches Buch, wo mir die Sprache fast ein bißchen besser gefällt, als das letzte Buch der Valerie Fritsch, von dem  ja alle sehr begeistert sind und ich muß gestehen, ich habe Karin Ivancsics so viel Lyrik gar nicht zugetraut, die feinsinnigen Beobachten schon, die sind, glaube ich, ja auch in “Wanda wartet” enthalten.

Da zieht eine, schläft sich, liebt sich, durch eine heiße Sommerstadt und schreibt dabei ihre Gedanken in sechs Teilen auf, die Überschriften wie “Morning Glory”, “Hermes & Hyde”, “Liberty bells” etcetera, haben.

Die “Blumendiebin” schlängelt sich, wie eine Handlung durch das Buch und beginnt gleich am Anfang mit “Ich bin ein Kind vom Land, am Wochenende stehle ich Sonnenblumen von den Feldern und montags schneke ich sie den hungrigen Herzen der Stadt”

So zieht sie herum durch die heiße Gegend, wird von Männern angesprochen und tut ihnen, wenn es sich, wie in den neunziger Jahren üblich, um einen bosnischen Flüchtling handelt, unrecht, wenn sie gleich an Anmache denkt, sie wollen nur die Nägel von ihr geschnitten haben und dafür versäumt sie gerne eine Straßenbahn und winkt noch nach.

Der Vergleich mit dem Tod kommt auf und eine sehr schöne Metapher ist es, sich die Ankommenden am Flughafen, wie die aus dem Totenreich vorzustellen oder umgekehrt, wird man dann aus und in ein anderes Land geflogen.

Dann kommt die Großmutter, der sie ihre Sucht gebeichtet hat und erzählt, daß das Blumenstehlen nun verboten ist und sie stellt sich vor, wie das die Execkutive ahnden wird.

“Patrouillieren rund um die Parks und rund um die Uhr ? Oder wird auf die Mithilfe der Nachbarschaft vertraut, auf die alten, gelangweilten Weiblen, die vor allem im Sommer aus den Fenstern hängen und das Telefon nicht weit, Hallo, Herr Inspektor, bitte bkommen S schnell, da hat grad ein junges Mädchen drei Zweige vom Goldregen abgerissen und ist damit auf und davon.”

Sie findet dann aberh Rosen und Narzissen, als sie sich das Stehen verbietet, vor ihrer Tür, beziehungsweise auf der Straße und beginnt sich vorzustellen, wer Rosen einfach auf die Straße wirft?

Eine Frau, die nicht beschenkt werden wollte, ein Liebhaber, der vergeblich gewartet hat, etcetera?

Sie beginnt auf dem Markt die Schnittblumen zu kaufen oder in Häusern ohne Gegensprechanlage, die gab es in den Neunzehnhundertneuzigerjahren noch, Topfblumen in ihren Korb zu stecken, dann beginnt sie, um ihre Sucht zu überwinden, ihre Zimmerblumen zu verschenken, begibt sich Mathlerapie denkt an Steinhof und Gugging und an die Psychoanalyse mit Freud, beziehungsweise an sein Träume.

Der Sandmann taucht im dritten Kapitel auch mehrmals auf. Sehr poetisch halt und auch sehr realistisch, wenn beispielsweise von der adrett aber ärmlich gekleideten alten Frau berichtet wird, die sich an der Supermarktkassa ihr Kartoffelpürree nicht mehr leisten kann.

“Hat sie wirklich kein Geld!”,, kreist es dann lang im Kopf der namenlosen Protagonistin, die höschstwahrschelich Invacsiscsche Züge hat, herum.

Liebhaber tauchen auf, kommen und gehen, wie die Jungfernhäutchen. Es ist auch ein sehr erotisches Buch, das aber auf  weiblich und auch sehr musikalisch.

Man sieht, ich bin begeistert und kann das Lesen nur empfehlen, aber höchstwahrscheinlich ist es vergriffen und nur mehr in den schon erwähnten Bücherschränken, wenn man Glück hat, zu entdecken, denn Bücher haben zwar kein Ablaufsdatum, werden in Zeiten, wie diesen, aber wahrscheinlich oft nicht mehr wieder aufgelegt und sind, wie ich auch immer hörte, nach wenigen Wochen schon ein Abschreibgegenstand.

Deshalb ist es wirklich gut, daß es Blogs und Blogger gibt, die sich damit beschäftigen, ich bin eine davon.

Ex Libris

Während ich am Feiertag meine ungelesen bleibenden 2015 Leselistenstöße in die Regale zurückräumte, die 2016 Bücher heraussuchte und Schwierigkeiten beim Finden hatte, habe ich wieder begonnen meine inzwischen aktualisierte Bücherliste weiterhinunterzulesen, bin ich mit dem Buchpreislesen bis auf das Buchpreisbuch jetzt ja fertig und ich sollte Karin Ivancsics “Aufzeichnungen einer Blumendiebin” lesen, aber da war ja noch Anne Fadimanns “Ex Libris” und Bücher über Bücher sind ja interessant und faszinieren mich, obwohl ich das bei “Buzaldrin” gewonnene “Buchhandlungsbuch” auf meinen Schlafzimmerbücherstapel bei der Wand geräumt habe.

Eigentlich sollte ich das Buch auch wegräumen, wenn ich noch den “Circle”, die Ruth Cerha, die Eva Menasse und die neuen Bücher lesen will, aber dann habe ich es doch genommen und bin damit in die Badewanne gegangen, denn die “Bekenntnisse einer Bibliomanin” sind ja interessant, bin ich ja höchstwahrscheinlich auch eine solche und schreibe auch gerne über das Bücherlesen.

Anne Fadiman war mir kein Begriff, leider gab es im “Diogenes-TB”, ein Fund vom offenen Bücherschrank, die ich jetzt ja länger vernachläßigt habe, keine Biografie.

“Wikipedia” belehrte mich, daß das eine 1953 in New York geborene Essayistin und Reporterin ist, die offenbar auch aus einer bibliphien Familie stammt.

Das Büchlein über Bücher ist in siebzehn Kapitel gegliedert und manche waren für mich ein wenig irritierend, manche vertraut und das von den beiden Bibliotheken, die ihre und die ihres Mannes, die sich dann irgendwann einmal vereinen, fand ich originell. Da war dann auch die Frage, nach welchen Gesichtspunkten man Bücher ordnen soll, nach dem Alphabet, nach der Farbe, nach der Größe, etcetera?

Ich würde sagen, das ist eine Platzfrage und ich habe inzwischen soviele Bücher und so wenig Platz, daß sich diese Frage bei mir erübrigt. Duplikate gebe ich  weg. Interessant ist  die Frage, wie das dann ist, wenn man den doppelten “Mobby Dick” entsorgt hat und die Ehe bricht entzwei?

“Wortungeheuer und Bandwurmwörter” war für mich ein überraschendes Kapitel, da ist es um sehr unbekannte Worte gegangen, die in meinem Bibliophilenleben keine Rolle spielen,  auch das vom “Kuriositätenkapinett”, wo Anne Fadmann aus  einem Buch über Scotts Polarexpedition zitierte.

Dann gibt es noch ein Kapitel, wo sie ein Buch ihrer Urgroßmutter, das diese für ihre hervorragenden schulischen Leistungen “Eines über die wahren Bestimmungen der Frau”, erwähnt, das von einem Geistlichen geschrieben wurde, der die Mädchen belehrte gute Hausfrauen und Mütter zu werden. Sie liest es während sie ihre Tochter stillt und wird es ihr dann vermachen, wenn sie auch Mutter ist.

Ein mehr oder weniger wertvolles Antiquitätenstück  und ich habe auch das berühmt berüchtige “Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind” einer Frau Dr. Johanna Haarer in meiner Sammlung, wo drin steht, daß man die Kinder schreien lassen soll, um sie nicht zu verwöhnen.

Vertrauter oder was ich erwartet hatte, ist das Kapitel mit der Frage, wie man mit seinen Büchern umgehen soll? Anne Fadiman erwähnt hier eine Europareise mit ihren Eltern und ihrem Bruder, der ein Buch offen im Hotelzimmer liegen ließ, das Zimmermädchen steckte ein Lesezeichen hinein und schrieb dazu “Tun Sie das Ihrem Buch nicht an!”

Da scheiden sich wohl die Geister. Darf man Eselsohren machen und was hineinschreiben? Ich gehöre zu der Fraktion, die sagt man darf, Lesezeichen ist mein Bleistift, ich streiche alles an, um mich wie ich mir einbilde, später für das Bloggen zu erinnern, ich betrachte Bücher sozusagen als meine Gebrauchsgegenstände, deshalb stelle ich sie nach dem Lesen auch nicht in den offenen Bücherschrank.

Das nächste Kapitel ist den Autogrammen und den Widmungen gewidmet. Ich bin keine Autogrammsammlerin, hole mir nur höchst selten solche und mag  auch keine Widmungen, weil ich finde, daß sie die Bücher verschandeln, habe aber natürlich welche, weil ich viele Bücher aus den Schränken hole und die sind dann ganz interessant.

Anne Fadimann zitiert ein Beispiel,  daß Shaw einmal ein Buch mit seiner Widmung in einem Aniquariat gefunden hat, er hats gekauft, es noch einmal gewidmet und an den Adressat zurückgeschickt.

Ich habe einmal eines der Ruth mit Widmung im Schrank gefunden und sie gefragt, ob sie es haben will und es ihr  zurückgebracht.

Weiter geht es mit Anne Fadiman bibliophiler Familie, die Mutter war im Krieg Berichterstatterin und sehr empört, als ihr ihr Redakteur die Artikel klaute und ungenannt veröffentlicht, es gibt also ein Kapitel über Plagiate. Da habe ich ja auch schon einige miterlebt und die Familie hat die Eigenschaft des unerschöpflichen Korregierens. Sie können es im Restaurant nicht lassen die Rechtschreibfehler anzuprangern und die Mutter hat ein dickes Kuvert mit all den Fehlern ihrer Zeitschrift, die sie ihrer Redaktion mal schicken will.

Das ist wohl Erbsache, Anne Fadiman spricht von Familiengen oder würde ich vermuten ein Schichtproblem, denn die sozialistische Unterschichttochter war in der Straßergasse eigentlich sehr stolz auf ihre Rechtschreibfehler, verteidigt sie noch immer mehr oder weniger und kann eigentlich nicht wirklich verstehen, warum man, daß nicht mehr mit scharfen “ß” schreiben darf, wo ich es doch in der Schule so lernte.

Ein wichtiges Kapitel ist aber auch das Lesen lernen und Anne Fadiman wiederholt die wichtige Beobachtung, daß Kinder das von ihren Eltern lernen, nur aus den vorgelesen Bekommenen werden Leser, die schönsten Kinderbücher im Kinderzimmer nützen nicht, wenn die Regalbretter im Wohnzimmer leer sind und da kommen wir schon zu den Antiquariaten.

Anne Fadismanns Mann führte sie einmal zum Geburtstag zu einem solchen, zurück kam sie mit acht Kilo Büchern. Ich habe ehrlich keine Ahniung, wieviel Bücher das sind, würde aber schätzen, daß das gar nicht so viel sind und für die braucht man dann Platz, so hat Anne Fadimann auch einmal in einem Antiquariat ein teures dünnes Büchlein von einem englischen Premierminister gefunden, das “Über Bücher und ihre Unterbringung” hieß, der war ein Büchernarr und hat genau aufgeschrieben, wie man am besten die meisten unterbringen kann.

Anne Fadiann studiert aber auch Versandkataloge, solche die Pfannen und keine Bücher verkaufen und hat ein Kapitel ihrer ersten Schreibfeder gewidmet.

Da gibt es auch einen Absatz, wo jemand einen Vogel tötete, weil er unbedingt eine Feder brauchte, um was aufzuschreiben, ein sehr männliches Verhalten von Sir Walter Scott, das mich eher abstößt. Einer hat auch einmal seine Farbänder ausgetauscht und reinigen lassen und jetzt schreibt man sowieso am Computer und es gibt keine Originilae mehr.

Anne Fadimans Buch ist in den Neunzigerjahren erschienen, wo ihre Kinder noch klein waren und wird wahrscheinlich heute, als schon zweiundsechzigjährige auch anders lesen und schreiben.

Sie berichtet auch, daß man an die Orte gehen soll, wo die Bücher geschrieben wurden.  So hat Thomas Babington Macaulay Titus Livius am Trasimener See gelesen, wo die punischen Kriege statt fanden und in drei Stunden fünfzehntausend Römer starben, etwas was ich eigentlich auch nicht im Original lesen will, während sie mit ihrem Mann George am Grand Canyon über  “Die Erforschung des Colorado River und seiner Canyons” las.

Es gibt ein Kapitel über Bücher über Bücher, die meisten sind auf Englisch angegeben und unterscheiden sich wahrscheinlich von meiner Sammlung, aber mir ist noch eingenfallen, daß ich da auch etwas von Nick Hornby gelesen habe.

Es gibt eine lange Danksagung und ich kann noch erwähnen, daß es in Ö1 schon lang am Sonntag eine Sendung namens “Ex Libris” gibt, die ich mehr oder weniger regelmäßig höre.