Madame Hemingway

Im März 2013 habe ich ernsthafte Bücherbeschränkungspläne geschwungen, alle meine ungelesenen Bücher in meine Leseliste eingetragen und mir geschworen mir wahrlich nie und nimmer mehr ein Buch zu kaufen, sowie ein solches aus einem Bücherschrank zu nehmen.

Das habe ich, glaube ich, gerade einen Tag eingehalten, denn dann bin ich in der Karwoche zu diesem verpatzten Vortrag in den Klub logischer Denker gegangen und da natürlich an einigen der Schränke vorbeigekommen.

Im “Wortschatz” ist glaube ich Norbert Gstreins “Englische Jahre” gelegen und in dem in der Zieglergasse,  Paula Mc Lain “Madame Hemingway”, ein Buch von dem ich zwar keine Ahnung hatte, um was es ging, das Cover ist aber damals in diversen Blogs aufgeschienen. Ich habe gedacht, du darst, brauchst, mußt nicht und habe dann nach dem Buch gegriffen, nach diesem und auch nach Michael Köhlmeiers “Idylle mit Hund”.

Am nächsten Tag habe ich mir zwar geschworen, die Bücher zurückzubringen, ging aber gar nicht so einfach, weil wir ja nach Harland in die Osterferien gefahren sind, dann habe ich sie behalten, Köhlmeiers “Idylle” ist noch immer nicht gelesen, “Madame Hemingway” auf meiner heurige Leseliste, ich habe da inzwischen ein bißchen umdisponiert, gerutscht und ist jetzt die zweite Biografie, in Folge, die ich lese, und nach Ralph Dutlis “Soutine” wird noch Alfred Polgars “Marlene” an die Reihe kommen.

“Madame Hemingway”, der Titel läßt schon darauf schließen, daß es sich dabei, um eine Frau oder Geliebte von Ernest Hemingway , dem Nobelpreisträger von 1954, von dem “Wem die Stunde schlägt” im Bücherkasten meiner Eltern gestanden ist, “Fiesta” und “in einem fernen Land” habe ich gefunden, aber noch nicht gelesen, der “Alte Mann und das Meer” ist, glaube ich, Schulstoff und hat mir nicht so besonders gut gefallen und Alkoholiker war Ernest Hemingway, glaube ich, auch.

Von seinen Frauen hatte ich aber keine Ahung und nicht gewußt, daß die 1891 geborene Hadley Richardson, die erste Frau des acht Jahre jüngeren Hemingway war und die 1965 geborene Paula Mc Lain, die kreatives Schreiben studierte und in einigen Künstlerkolonien gelebt hat, hat aus den biografischen Quellen, wie sie anmerkt, aus Briefen und Tagebüchern einen Ich-Roman mit der Stimme von Hadley daraus gemacht. Ein paar Szenen sind auch dem Meister selbst gewidmet, der dabei ziemlich unsympathisch hardcoremäßig daherkommt.

Hadley Richardsen, eine Pianistin hat den Jüngeren in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren kennengelernt. Sie heiraten bald und  zog mit ihm nach Paris, wo sie in Künstlerkriesen lebten, mit Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald und anderen befreundet war.

Hemingway war in dieser Zeit journalistisch tätig, mußte während der Griechenland-Türkei Konflikte an die Krisengebiete reisen und ließ seine Frau ungerührt, für Monate allein zuirück. Er betrog sie auch mit anderen Frauen. Dafür hat sie seine Manuskripte, die sie in einen Koffer packte und zu ihm bringen wollte, im Zug verloren und schwanger wurde sie auch bald, obwohl Hemingway eigentlich kein Kind wollte.

Es wurde aber sohn Bumby geboren. Da ging das Paar kurz nach Amerika zrück, da Hemingway aber nur einen schlechtbezahlten Redakteursposten hatte und von seinem Chef schikaniert wurde, gingen sie bald, obwohl sie in prekären finanziellen Verhältnissen lebten, wieder nach Paris zurück, beziehungsweise nach Spanien zu den Stierkämpfen.

“Fiesta” wurde geschrieben, die Sammlung “Three Stories and Ten Poems” wurde veröffentlicht und Paula  McLain deutet an, daß Hadley Hemingway künstlerisch gefördert hat. Die Winter verbrachte das paar trotz der schlechten finanziellen Verhältnisse in Voralberg, in Schruns und da lernte  Hemingway bald Pauline Pfeiffer kennen, mit der er Hadley ungerührt betrog. Die Ehe wurde geschieden. Pauline wurde Hemingways zweite Ehefrau, die dritte Martha Gellhorn, die vierte Mary Welsh.

Hadley hat auch wieder geheiratet und Hemingway hat sich 1961 umgebracht. Vorher kam es laut Pula Mc Lain noch zu einer Begegnung der beiden und ich kann sagen, daß es sich gelohnt hat, die Vorsätze gebrochen und das Buch nicht zurückgebracht zu haben.

Jetzt habe ich mein Wissen über Ernest Hemingwax, der in dem Buch, wie schon geschrieben, nicht sehr sympathisch erscheint, aufgefrischt und das 2011 bei “Aufbau” erschienene Buch scheint heute wieder vergessen,  auf jedenfall ist es von den Blogs verschwunden, aber ich habe ja, bevor das Herbstneuerscheungs- und das Buchpreislesen beginnt, vor, meine Backlist aufzulesen und mal sehen, viellecht kommt Hemmingway auch noch  im Original an die Reihe.

Soutines letzte Fahrt

Jetzt kommt ein Vorgriff oder Rückgriff auf das Buchpreislesen, bei dem ich ja nicht ganz sicher bin, ob ich es heuer schaffe, mich wieder durch die Longlists des östBps und des dBps zu lesen.

2013 habe ich mich das auch nicht getraut, aber da hat “Buzaldrins Bücher”, das sogenannte offizielle Buchpreisbloggen durch die Aktion “Fünf lesen vier” oder “Vier lesen fünf” ins Leben gerufen und da stand Ralph Dutlis “Soutines letzte Fahrt” auf der Ll des dBps, den öst hat es  damals noch nicht gegeben und ich hatte von dem Buch schon etwas gehört gehabt, weil es in Leipzig, glaube ich, auf dem blauen Sofa besprochen wurde und mich vielleicht auch etwas über Autor und Thema gewundert und es wohl damals noch für genausowenig literarisch gehalten, wie einer der “Amanzon-Rezensenten”.

Aber was ist literarisch? Nur der große Goethe und der große Bernhard? Wahrscheinlich nein, sondern vielleicht schon das, was dem Leser näher kommen kann und da sind fiktionale Biografien sicher ein sehr guter Weg, sich mit Personen der Geschichte auseinanderzusetzen, denn ich hatte damals sowohl von Ralph Dutli als von Chaim Soutine noch etwas gehört.

Ralph Dutli hat mich dann nicht ausgelassen, denn der ist 2015 wieder auf der Ll gestanden und da habe ich zwar nicht offiziell dBp gebloggt, aber wohl Buchpreis gelesen und dann bin ich einmal nach Ostern auf den Zentralfriedhof zu dem Begräbnis von Friedl Hofbauer und wieder zurückgegangen und bin da in die letzten Tage des Abverkaufs der Buchhandlung auf der Wieder Hauptstraße gekommen, wo heute die Kette “Hannibal” ihre Servietten, Tees, Schokoladen und Pasteten verkauft und da gab es in dem schon sehr leergeräumtes Geschäft “Soutines letzte Fahrt” um drei Euro zu kaufen und wieder hat es etwas gedauert, bis ich es auf meinen Badezimmerstapel geräumt von von dort wieder hinuntergenommen habe.

Eine fiktionale Biografie also, die der 1954 geborene Ralph Dutli  über den weißrussischen jüdischen Maler Chaim Soutine, einem Zeitgenossen von Chagall, Modigliani und Picasso, wie im Klappentext steht, geschrieben hat und der litt an einem Magengeschwür und fuhr am 6. August 1943, als in Frankreich schon die Besatzer waren, in einem angeblich oder tatsächlichen Leichenwagen nach Paris, um dort behandelt zu werden.

Am neunten August ist er jedenfalls in Paris gestorben und Ralph Dutli läßt ihn und das ist wohl der ewige Schmäh der fiktionalen Biografen, sein ganzes <leben durchleben und weil Chaim Soutine ein Maler war, macht Dutli es mit surrealen phantasitischen Bildern und erzählt so das Leben des  1893 in Weißrussland, als Sohn eines Schusters geborenenm, dem der Rabbi dort das Malen verbot. So ging er bald nach Minsk und dann nach Wilna, bevor er sich soviel Geld ersparte, um nach Paris zu kommen.

Im fiktionalen oder tatsächlichen Leichenwagen fährt auch Ma Be oder Marie Berthe als Krankenschwester gekleidet mit und das war zuerst, die Lebensgefährtin von Max Ernst, später die von Soutine und ein uneheliches Töchterlein, um das sich der Maler nie kümmerte, gab es auch und eine Gerda Groth aus Magdeburg und dann den amerikanischen Pharmahzeuten, der früh das Talent des Malers erkannte, der dafür berühmt war, seine Bilder mit denen er nie zufrieden war, zu zerstören. Er kaufte alle auf. Soutine wurde berühmt, wohl auch für seine Farben, die Farbe weiß und rot spielen eine große Rolle und am Cover des bei “Wallstein” erschienenes Buches sieht man den Bäckerjungen, mit den Soutine wohl berühmt wurde.

Die Fahrt ist dann bald zu Ende. Die letzten Kapitel erzählen über das Begräbnis das am Montparnasse stattfand und das letzte sogar von einem Besuch des Autors an Soutines Grab und seine Beziehung zu dem Maler.

Ein interessantes Buch, eine interessante Biografie, die ich da so kurz vor dem heurigen Buchpreisfiebers gelesen habe und jetzt warten, wenn ich mich nicht sehr irre, noch ein Buch über Hemingway oder seine Frau auf mich und eines über Marlene Dietrich, das von Alred Polgar geschrieben wurde, bevor ich mich entscheiden kann, ob ich mich heuer wieder an die großen zwanzig machen werde oder das lese, was abseits davon in diesem Jahr erschienen ist.