Wochenendberichterstattung

Wiedermal ein Zustandsbericht, um zu zeigen, wie es einer erfolgsfrei schreibenden Literaturbesessenen im Wiener Alltag so geht und da müßte ich eigentlich gut anfügen, obwohl ich die ganze Woche nicht zum Korrigieren gekommen bin. Der erste Mai, die Diagnostik, die Monatsabrechnung und dann noch zwei Veranstaltungen, von den mich die erste in meine Vergangenheit als schüchterne Studentin und hoffnungsvolle Berufsanfängerin zurückbrachte und die zweite mich mit Peter Henisch über Karl May, Franz Kafka und das was die Literatur und den erfolgreichen Literaten ausmacht, reflektieren ließ. Den Ersten lese ich sehr gerne, der zweite stürmt wahrscheinlich immer noch die Bubenzimmer, obwohl Katharina Tiwald, die derzeit in einer Hauptschule unterrichte, meinte, daß ihre Faysals etc, ihn nicht lesen können und der dritte steht hoch oben im Literaturkanon, wird in den Schulen, von den Studenten und wer weiß von wem sonst noch gelesen und bei Rolf Lappert habe ich ein bißchen über die Bestimmung ein mittelmäßiger Dichter oder Musiker zu sein, nachgedacht und das ist ja recht spannend. Denn das darf man offensichtlich nicht sein, mittelmäßig in der Kunst. Da läßt man es dann bleiben oder schreibt verschämt im Kammerl und wenn man vielleicht an einen Zuschußverlag gerät, erntet man Spott und Hohn und verliert noch sehr viel Geld. Schade eigentlich, daß man nicht einfach schreiben, singen, etc kann, so gut, wie es einem gelingt, denn das der Platz am Himalaya sehr eng und luftleer ist, weiß man ja. Der in Stockholm kann auch nur jedes Jahr von einem besetzt werden und die Literaturstipendien und die Preise bekommen immer dieselben. Ich habe es gewagt, es trotzdem zu tun und denke, ich habe gar nicht so viel dagegen, daß ich vielleicht nur “mittelmäßig” schreibe, was ist so schlecht daran? Den Göller und den Hochschwab kann man ja auch besteigen und keiner macht sich darüber lustig, daß es nicht der Himalaya ist, den man schafft. Zwar hätte ich gerne ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz, geht aber nicht. Wahrscheinlich auch, weil die, die ich kenne, meist selber schreiben und mit ihrem eigenen Fortkommen beschäftigt sind. Die Kritiker sind übersättigt und abgehoben, haben wahrscheinlich mit dem, was auf ihren Schreibtischen landet, genug zu tun, so daß sie nicht über den Tellerrand blicken und die anderen interessieren sich nicht für Literatur, was auch sein soll, ich will niemanden missionieren. Interessant aber, daß ich von den zufälligen Lesern, die meine Bücher irgendwie in die Hand bekommen haben, am meisten gelobt wurde.
Egal meine Krise ist vorbei. Was ich daraus gelernt habe, ist wahrscheinlich wirklich Rudolf Blazejewskis Rat, der schon vor dreißig Jahren kam, anzunehmen und es hinzunehmen, daß ich so schreibe, wie ich es kann und es möglichst selbstbewußt weiter tue. In meinen selbstgemachten Büchern, die jetzt ja zumindest in E-Bookform ein bißchen salonfähiger werden und auf meinen Blog, obwohl da auch schon eine Horrormeldung kam und mich der Alfred darauf aufmerksam machte, daß mein Speicherplatz bald voll ist und ich dafür, daß ich da ziemlich unbemerkt über mein Schreiben und den Wiener Literaturalltag berichte, nicht wirklich etwas zahlen will.
Es gibt eben überall Stolpersteine im Leben einer erfolgsfrei schreibenden Literaturbesessenen. Kaum freue ich mich über die Anerkennung des Selfpublishing in Frankfurt, streicht Wikipedia mein Selbstgemachtes heraus. Egal, es ist wie es ist, ich kann es nicht verändern und es geht mir eigentlich gut dabei, auch wenn ich auf der anderen Seite des Literaturbetriebes stehe, dreißig Bücher, über tausend Artikel, ein enormes Literaturarchiv und vier Bücherkästen auf der Straße zur freien Entnahme sind auch sehr schön und ein wunderbares Geschenk für mich und so habe ich, wenn der Alfred demnächst nach Australien aufbricht, auch vor, einen kleinen Lesemarathon einzuschieben, in Salzburg bin ich ja nicht zum Lesen gekommen, habe aber wieder ein Rezensionsexemplar angefordert und ein paar weitere angeboten bekommen und auch sonst tut sich momentan sehr viel in Wien. So gibt es das Stadtfest, das ja inzwischen, von einer Grazer Agentur organisiert, einen eigenen Literaturschwerpunkt hat, heuer mit Milena Michiko Flasar und Josef Haslinger, was ich versäumte, da ich den Samstag in Harland war.
Am Freitag war ich aber, nachdem meine zweite Diagnostik nicht stattgefunden hat, kurz auf der Freyung, denn da gab es wieder diese Jacobs Kaffee Aktion, die sich, glaube ich “Zeit zum Reden” nennt. Man setzt sich auf rote Sofas auf die Straße, junge Mädchen bringen einen Kaffee und Kuchen, ein Programm gibt es, glaube ich, auch, das habe ich versäumt. Vor drei Jahren bin ich zufällig hingekommen, habe, kurz darüber berichtet und als ich diesmal beim Nachhauseweg, Milch einkaufen wollte, Gabriele Petricek getroffen, die voriges Jahr bei den “Mittleren” gelesen hat, die ja nicht mehr im Literaturhaus stattfinden konnten, weil die Leute glauben könnten, daß es sich dabei um mittelmäßige Literatur handelt, wie mir Silvia Bartl einmal sagte.
Und was die Bücherschränke betrifft, gibt es nicht nur die Leseaktion im Juni, sondern eine traurige Mitteilung, was den Wortschatz am Margaretenplatz betrifft, wird der ja seine eifrige Berichterstatterin verlieren, was ich sehr schade finde, denn ich schreibe zwar auch immer wieder darüber, was sich da so finden läßt, fotografiere aber, für mich zum Glück nicht, weil das ja den meisten Speicherplatz erfordert.

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