Jahresbeginn

Den Silvester, den wir in den letzten Jahren meist bei Hilde Schmölzer und etwas früher bei Alfreds guten Freund Martin in der Porzellangasse verbrachten, verlebte ich diesmal ganz bescheiden in Harland, zuerst im großen Wohnzimmer im ersten Stock und in der Badewanne, wo ich der Versuchung widerstand die “Bachmann-Mythen”, doch noch 2011 auszulesen und damit, wie versprochen, hundertfünfzehn Bücher in diesem Jahr gelesen zu haben. Dann hätte ich aber bei der Veröffentlichung mogeln müßen oder zwei Artikeln in einem Tag, was ich auch nicht wollte.
So daß ich um halb zehn doch angefangen habe, die erste Szene der “Wiedergeborenen” abzuändern. Da bin ich am Abend des dreißigsten Dezember in eine wahre Krisenstimmung hineingekommen, beziehungsweise habe ich beim Schreiben bemerkt, wie mich der Jahresrückblickbericht des Kulturjournals über die besten Bücher blockierte und so kann man natürlich keinen Roman schreiben und es stimmt, es wurde wahrscheinlich schon über alles geschrieben, der Literaturbetrieb nimmt mich nicht wahr und dann scheint es auch noch einen Kampf der sogenannten Gebrauchsliteraten gegen die, die ihre Bücher als E-Books herausgeben und damit noch Geld verdienen oder nicht, zu geben, die nennen diese Schreiber “Autoren” unter Anführungszeichen und ich kann natürlich auch ihren Unmut erregen, wenn ich so frischfröhlich über mein erfolgloses Schreiben flüstere. Aber ich tue es nun einmal gern und wenn es nicht anders geht, dann so, wie ich es eben kann.
Ich werde also, wenn ich über drei Frauen, die einmal in einer Wohnung lebten, die in der Porzellangasse, die mir schon sehr oft als Vorbild diente, schwebt wieder einmal im Kopf herum, schreibe, wahrscheinlich die Literaturkritik, die nach den neuen Talenten sucht, was ich wahrscheinlich nicht bin, vermutlich nicht vom Stockerl reißen. Ich sollte mich aber, wenn ich schreiben will, nicht von anderen oder auch mir selbst blockieren lassen, sondern dorthingehen, wo ich stehe und versuchen besser zu werden.
In diesem Sinn sind oder waren die vierzig Rohseiten, die ich in den letzten Wochen produziert habe, wirklich schlecht oder sagen wir, erste Entwürfe und unvollkommen. Der unerfahrene Autor läßt so etwas stehen, der erfahrenere arbeitet weiter und soweit bin ich jetzt, glaube ich, zumindest.
Also noch einmal zurück und versuchen die Fallen wirklich aufzulösen, obwohl ich noch keine Ahnung habe, ob mir das gelingt und wohin ich wirklich will? Aber wenn die Theresa, die ich übrigens von Blumental auf Brunner umbenannt habe, schon in einer alten Schachtel ein Tagebuch ihrer Großmutter findet, könnte ich versuchen der Rosa eine Stimme zu geben und wenn die Marianne ihre Tochter besucht, könnte sie mit ihr über Jan reden und da könnte man auch auf den Mutter-Tochter bzw. Großmutter-Tochter Konflikt kommen und der Albert mailt nach Hause und bekommt die Adresse von entfernten Verwandten, die in Margareten einen Hausbesorgerposten haben und wenn er die Theresa im Sigmund Freud Park trifft, könnte er sie ein wenig unverkrampfter dorthin zum Tee einladen…
Das ist dann wahrscheinlich auch nicht so originell, daß ich auf eine Buchpreisliste oder auch nur zu einen Verlag komme, könnte aber, wenn ich geduldig an meinen Schwächen arbeite und immer wieder neuanfange, wenn ich nicht weiter weiß oder an meine Grenzen stoße, zu etwas werden, was authentisch ist, mich bewegt und wird wahrscheinlich kein Groschenroman, denn die haben ja ganz eigene Regeln, die ich gar nicht so gut kenne, daß ich mich daran halten könnte.
Den Zensor also aus den Kopf, denn die Digitalbuchdruckereien bieten gute Veröffentlichungsmöglichkeiten und ich will gar nicht daran verdienen, sondern mich verwirklichen, mit dem Schreiben besser werden und weil ich irgendwie doch an die Öffentlichkeit möchte, blogge ich darüber, in der Hoffnung, vielleicht ein paar Leser zu haben, die das interessiert, weil sie auch gern schreiben wollen und wissen möchten, wie das geht?
Ob es so naive Schreiber, wie ich es vor dreißig Jahren war, heute noch gibt, weiß ich nicht, glaube aber schon, daß das Ringen, um den Ausdruck interessant sein könnte und ich habe ja auch eine Psychotherapeutenseele und bin sehr für die allgemeine Kreativität.
So weit bin ich gestern Abend also bis kurz vor Mitternacht gekommen und als ich bei der ersten Szene vielleicht wirklich ein paar Fallen aufgelöst hatte, die Mutter-Großmutter-Andeutungen sind drinnen geblieben, war es halb zwölf und ich bin zu meinen Schwiegereltern hinuntergegangen, habe mit ihnen den “Silvesterstadl” angesehen, um Mitternacht Sekt getrunken und ein bißchen dem Harlander Feuerwerk zugesehen. Dann kam schon der WordPress-Jahresrückblick des Literaturgeflüsters und der ist auch sehr interessant. Habe ich 2011 doch 298 Artikel geschrieben, auch wenn die Gesamtartikelzahl, die dort steht, nicht mit der auf meiner Statistikseite übereinstimmt, da bin ich schon bei 928 Artikel. Aber die Rezension von “Scherbenpark” und “Der Artitikel über die Plagiatsskanale sind immer noch die großen Renner, keine Ahnung, wieso die so prominent besucht werden, aber auf “Scherbenpark” bekommen, ich immer wieder Kommentare mir wildfremder Menschen und es wurde bis jetzt auch 1.231 mal besucht, während die Besprechung vom “Kaiser von China”, die ich etwa zum gleichen Zeitpunkt machte, bis jetzt nur fünf Aufrufe hatte. Interessant, wie es das genauso ist, das ich Schweizer Leser habe, von denen ich bis jetzt wußte.
Das war also das letzte Jahr, das ich schon vor ein paar Tagen besprochen habe und für das neue, wünsche ich mir natürlich, meine Leser ahnen es wahrscheinlich, daß mir endlich der große Roman gelingt.
Ansonsten bin ich kein Silvesterfeiertyp und würde den, wenn mich niemand einlädt, am liebsten im Bett verbringen. Das hätte ich mir früher zumindestens so gewünscht, als mir noch um acht die Augen zufielen. Inzwischen hat sich da geändert und ich kann bis Mitternach ohnehin nicht schlafen. Also ist das Aufbleiben kein Problem und ein beschaulicher Silvester mit einem Glas Sekt vor dem Fernseher oder vor dem Laptop mit dem Korrigieren am eigenen Text ist auch ganz schön.
Trotzdem gibt es für Interessierte, den Silvesterrückblick die ich seit es das Literaturgeflüster gibt bei Hilde Schmölzer und Ruth Aspöck, zwei liebe literarische Kolleginnen verbracht habe.
Und um noch was vom neuen Jahr zu schreiben, ich werde heute wahrscheinlich Radfahren, sowie das Bachmann-Buch auslesen und besprechen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *