A Mörda Frühling

Eva Rossmann

Eva Rossmann

Clementine Skorpil

Clementine Skorpil

Das “Morawa-Krimifestival” gibt es schon seit zwei Jahren im Schauspielhaus, ich bin, glaube ich, erst heuer durch Klaudia Zotzmanns-Facebookseite, die jetzt auch einen Krimi veröffentlicht hat, darauf aufmerksam geworden, dann habe ich mich noch bei einem Gewinnspiel beteiligt und am Mittwoch dem “Tag des Buches” vom “Morawa” auch zwei Eintrittskarten für den Samstag zugeschickt bekommen.
Denn das Krimifestival mit dreißig österreichischen Autoren ist zweitägig und, daß die österreichischen Krimiautoren sehr gern und sehr viele Veranstaltungen machen, habe ich schon herausgefunden.

Sigrid Neureiter

Sigrid Neureiter

Herbert Dutzler

Herbert Dutzler

So gibt es ja die Krimicafehausnacht schon seit ein paar Jahren, wo an vielen Veranstaltungsorten gleichzeitig gelesen wird, so daß man nur eine oder zwei Veranstaltungen davon besuchen kann. In der Hauptbücherei gibt es auch so eine Veranstaltungsreihe, da war ich im vorigen Jahr, es gibt den “Leo Perutz-Preis” und wahrscheinlich noch einiges anderes.
Krimis werden auch gerne gelesen und ziehen offenbar auch zahlendes Publikum an. So war es im Schauspielhaus auch ziemlich voll, als wir um sechs dort eingetroffen sind.

Claudia Rossbacher

Claudia Rossbacher

Manfred Baumann

Manfred Baumann

Sigrid Neureiter im rosa Kostüm oder Jacke hat eröffnet und ein bißchen was zu der Veranstaltung erklärt, die vor zwei Jahren von Gerhard Loibelsberger gegründet wurde, die in verschiedene Themenblöcke gegliedert war, wo immer drei Autoren bzw. Autorinnen je fünfzehn Minuten lasen, dann ertönte eine sehr schrille Sirene, wenn sie noch nicht fertig waren. Danach gab es eine kurze Pause und einen vollbestückten Büchertisch mit all den Krimis gab es natürlich auch.
Der erste Block hieß “Ladies Crime” und da begann Eva Rossmann, die von Sigrid Neureiter als große Krimiautorin vorgestellt wurde, so daß sie gleich zu Beginn ihre Größe outete, ich glaube 1.78, einen Zentimeter größer als ihr Vater, ein Spiel das dann von einigen Autoren wiederholt und abgewandelt wurde.

Thomas Schrems

Thomas Schrems

Reinhard Badegruber

Reinhard Badegruber

Eva Rossmann las aus “Männerfallen”, ein Buch das ich schon gelesen habe, habe ich ja bis auf “Unter Strom” alle Rossmann-Krimis gelesen, ein Privileg, das ich bei den anderen Autoren so nicht anführen kann. Trotzdem habe ich sehr viele gekannt, von einigen schon etwas gelesen oder sie auf Veranstaltungen kennengelernt, so wie Clementine Skorpil, die ich ja im Juni bei der Krimi-Veranstaltung in der Hauptbücherei traf und da hat sie, glaube ich, aus demselben chinesischen Krimi aus den Neunzehnzwanzigerjahren, wo eine aufmüpfige Großmutter ihre in ein Kurtisanenhaus verschleppte Enkeltochter sucht und dabei einen kommunistischen Studenten kennenlernt.

Susanne Schubarsky

Susanne Schubarsky

Manfred Rebhandl

Manfred Rebhandl

Die PR-Beraterin Sigrid Neureiter habe ich, glaube ich, noch nicht sehr gekannt. Sie hat aber zwei Krimis, die in Südtirol spielen, aus dem letzten, wo es um einen Kongreß über Oswald von Wolkenstein, im Schloß Tyrol und einen ermordeten Maler geht, hat sie ein Stück gelesen.
Der zweite Block hieß “Alpenkrimis”, da begann Herbert Dutzler, den ich schon bei einer “Kriminacht” im “Morawa” hörte. Jetzt las er aus “Letzte Bootsfahrt”. Ein Altausseer-Krimi wo es wieder um den “tolpatschigen” Erimittler Gasperlmaier geht, in dem Stück, das er las, geht der mit seiner Mutter, die gerne am Freitag einen Fisch essen will, sich aber ein Schnitzel bestellt, weil sie immer das gleiche wie ihr Sohn nimmt. Dann kam Claudia Rossbacher und die kenne ich auch, weil ich ja einmal einen “Amazon-Gutschein” gewonnen habe und mir da “Drehschluss” bestellte, das Buch war aber noch nicht lieferbar, da habe ich auf “No plot, no problem” umdisponiert, weil ich da ja das erste Mal beim “Nanowrimo” mitmachte, das Buch auch nicht bekommen und schließlich zu Reinhard Badegrubers “Die erste Geige spielt der Tod”, der auch einer der Initatoren bzw. Moderatoren des Festivals war, gegriffen.
Claudia Rossbacher hat mir aber als ich das bloggte, kommentiert und das schade gefunden, so daß es mir der Alfred schließlich kaufte. Inzwischen hat sie vier Steirerkrimis geschrieben.

Andreas Pittler

Andreas Pittler

Stefan Slupetzky

Stefan Slupetzky

“Steirerblut” habe ich, glaube ich, auch auf der Leseliste. Aus “Steirerkreuz” hat sie gelesen und dazu erklärt, daß es in einem fikitiven Ort um Mürzuschlag spielt, wo eine blinde Frau ihren Peter sucht, der dann schließlich an den Füßen erhängt mit seinem Hund an der Seite im Wald aufgefunden wird. Ja, Claudia Rossbacher hat immer sehr drastische Bilder, ich kann mich noch sehr lebhaft an die Stelle in “Drehschluss” erinnern, wo die Heldin schon am Fleischerhacken hängt und gerade noch in letzter Sekunde gerettet werden kann.
Manfred Baumann habe ich wie Thomas Schrems nicht gekannt. Der erstere kommt glaube ich aus Salzburg, ist auch Kabarettist und hat daher seine “Drachenjungfrau” entsprechend dramatisch vorgetragen. Da geht es glaube ich um ein Casting wo der “Austria-Marketenderinnen-Award” vergeben werden soll und eine der Kanditatinnen wird ermordet im Dirndl ohne Schuhe aufgefunden und ihre kleine Schwester schießt auf den Bürgermeister mit Pfeil und Bogen während der Veranstaltung, die trotz Todesfall weitergeht.
Die dritte Abteilung, wo Thomas Schrems begann, hieß Kurzgeschichten und da gibt es auch Krimianthologien “Tatort Kaffeehaus”, “Tatort Heurigen”, “Tatort Würstelstand” beispielsweise, in der Pause habe ich auch eine Frau mit fünf Büchern, worunter sich zwei solche Anthologien befanden, gesehen, die sie sich von Claudia Rossbacher signieren ließ.
Thomas Schrems las seine Kurzgeschichte aus “Tatort Würstelstand”, die in Favoriten spielt und von einem Witwenmörder handelt, das ist eine scharfe Wurst, die an einem dortigen Würstelstand verkauft wird, beziehungsweise werden Wettessen abgehalten und der Meister der Wettesser geht dabei ins Knie, beziehungsweise läßt er sein Leben vor dem “Sechserwagen”.
Mit Reinhard Badegrubers Text “Der Bertl Onkel liegt unter Tisch” aus der noch nicht erschienenen Anthologie “Tatort Heurigen” wurde es dann genauso lustig, beziehungsweise Wienerisch. Da geht eine Familie Sonntags zum Heurigen und Reinhard Badegruber, der in Oberösterreich geboren wurde trug den dabei verwendeten Wiener Dialekt auch sehr treffend vor.
Ob ich Susanne Schubarsky schon kannte, weiß ich jetzt gar nicht so genau, ihr Text “Bist deppart Oida” von einer arbeitslosen Stripperin, die vom AMS zum Putzen in eine Luxusvilla geschickt wurde, war ebenfalls sehr lustig und hat mir auch sehr gut gefallen.
Dann kam wieder eine Pause und dann kamen drei mir schon bekannte Herren, nämlich Manfred Rebhandl mit seinen Brunnenmarkt-Krimis, den ich das erste Mal im Leipzig hörte, dann hat er den “Perutz-Preis” gewonnen, auch beim “Bücherschrank” gelesen und stellte jetzt “In der Hölle ist für alle Platz vor” aus dem ich glaube ich, schon bei der letzten “Buch-Wien” ein bißchen was hörte.
Und Andreas Pittler, der mit seinen Mayor Bronstein ja historische Krimis schreibt, die vom ersten Weltkrieg bis nach 1945 gehen, auch schon für den Perutzpreis nominiert war, habe ich bei Klaudia Zotzmanns Advent-Gewinnspiel einmal “Chuzpe” gewonnen, das mich sehr beeindruckt hat. Jetzt ist der Krieg zu Ende und Mayor Bronstein in das zerbomte Wien zurück gekommen, trifft einige wieder an, muß sich von der reschen Hausmeisterin dasselbe sagen lassen, was auch der Herr Karl meinte, daß es ein Glück für ihn war, im Ausland gewesen zu sein, während sie die letzten zwei Jahre immer in der Nacht in den Luftschutzkeller mußte und nach verstecken SS-Männern scheint er auch zu suchen.
Dann sollte eigentlich Gerhard Loibelsberger kommen, von dem ich zwar nicht die “Naschmarktmorde” aber “Reigen des Todes” gelesen habe, aber der hat inzwischen einen Preis bekommen, so las Stefan Slupetzky für ihn.
Am Sonntag geht es weiter mit Gerhard Loibesberger, Klaudia Zotzmann und noch sechzehn anderen in sechs Abteilungen, von denen ich wieder einige sehr gut und einige weniger oder noch gar nicht kenne.
Ein wenig wundert mich auch, daß Anni Bürkl, die ja inzwischen schon vier oder fünf Krimis geschrieben hat, ihre “Teekrimis” um Berenike Reuther nicht vorstellt, da sie ja Mitglied bei den “Mörderischen Schwestern” ist.
Wir werden einen Radausflug an die alte Donau machen und einige Krimis, die ich sehr gerne lese, obwohl ich selber keine schreiben will, stehen auch auf meiner Leseliste, beziehungsweise habe ich auch am Freitag einige von Donna Leon gefunden.

Zweifelsfälle für Fortgeschrittene

“Wolfgang Fritz erzählt den beruflichen Werdegang des Buchhalters Taras Vanyocki und die Alltagsgeschichte der Kleinbürger in der zweiten österreichischen Republik ohne Abschweifungen und mit einem fast heiteren Blick auf diese “Zweifelsfälle für Fortgeschrittene” – ganz in der besten Tradition der Wiener Volkskomödie”, steht am Buchrücken des 1981 in der Collection S. Fischer erschienenen Büchlein vom “Offenen Büchschrank”, das ich vor zwei Jahren fand und ich stellte mir etwas Experimentelles dabei vor, erschien doch in derselben Reihe Marianne Fritz “Die Schwerkraft der Verhältnisse”, das ich mir in den Achtzigerjahren kaufte und Marianne Fritz ist ja eine experimentelle nicht gerade leicht zu lesende Autorin.
Auf der Homepage des 1947 in Innsbruck geborenen Autors, der in Wien jahrelang im Finanzamt und dann im Finanzministerium tätig war, bzw. in “Wikipedia” habe ich gefunden, daß er mit Marianne Fritz verheiratet war.
“Zweifelsfälle für Fortgeschrittene” war sein erstes Buch, es gibt noch Weitere, denn die literarische Arbeit, steht auf der Homepage war für den Beamten immer sehr wichtig und seine Werke sind auch feinsäuberlich in wissenschaftliche und literarische Werke aufgeteilt.
Unter Wissenschaftliche fällt dann “Die Geschichte von Hans und Hedi – Chronik zweier Hinrichtungen” und davon habe ich schon einmal im Literaturhaus gehört und die “Zweifelsfälle für Fortgeschrittene” erinnerten mich ein bißchen an Canettis “Blendung”.
Ist der Taras Vanyocky ja ein bißchen, wie der Büchernarr Kien, vor allem aber ist er klein und dürr, hat ungepflegte Haare und trägt seit Jahren denselben Mantel, den ihm seine geschiedene Lintschi einmal zu Weihnachten schenkte und er hat eine Heidenangst vor Frauen, ist er mit seiner Lintschi, die schließlich das Bett mit ihrem Liebhaber teilte und ihn auf die Kautsch (wird so geschrieben) hinausexportierte, doch sehr eingefahren.
Jetzt lebt er im zweiten Bezirk in einem kleinen Zimmer, ist seit Jahren arbeitslos und geniert sich dafür, geht nur am Samstag ein Achterl zu seinen Stammwirten trinken und davor fürchtet er sich auch, gibt es in dem Haus doch eine Frau Lucie, fünfzig wie er und die hat ihm einmal auf einen Kaffee eingeladen.
Seither traut er sich nicht aus dem Haus, damit sie ihm nicht erwischt, denn er ist sehr schüchtern und sagt immer “Sehr wohl, Herr Chef!”
Als er sich aber einmal auf sein Achterl aufmachen will, gerät die Frau Lucie vor der Basena draußen mit einer Türkin in Streit und flüchtet vor ihr, die Türkin holt ihren Mann oder Bruder herbei, die zerreißen Taras Mäntelchen und die Lucie bringt ihm dann den von ihrem Seligen, aber der ist ihm viel zu groß und zu weit.
So weit so gut und auch ziemlich lustig, weil sich Wolfgang Fritz ein wenig über das Wiener Klischee und diese Beamtenmentalität lustig zu machen scheint und er dreht auch die Geschlechterverhältnisse um.
Der Buchhalter ist zwar sehr ordentlich und pedantisch und verlangt sogar vom Maronibrater eine Rechnung und er war auch im Jahr 1947 oder so, der beste in der Handelsschule, aber fleißig ist eigentlich die Frau Lucie, die putzt und wäscht und lädt den Herrn Taras immer ein, aber der macht eine Zeitlang nichts, als vor ihr zu flüchten.
Er wird auch ziemlich oft zusammengeschissen, von den Gästen im Wirtshaus, von seinen Chef, er findet schließlich doch eine Stellung in einem sehr windigen Betrieb, traut sich dort nicht zu essen und auch nicht aufs Klo zu gehen und wird dann von seinem Chef als Betrüger hingestellt, so daß sich Taras vor Angst fast anmacht und aus dem Fenster springt, als die Luzie ihn holen kommen will.
Er glaubt, sie ist die Vorhut der Polizei, die haben ihn aber schon als harmloses Würstl vergessen, der Taras muß aber ein Jahr ins Krankenhaus, dann wird er im Rollstuhl entlassen, heiratet die Lucie, die sich inzwischen in seinem Stammwirtshaus als tüchtige Kellnerin verdingt und die Lintschi, Taras Ex ist inzwischen auch zur Amtsrätin im Finanzamt aufgestiegen.
Eigentlich ein lustiges Buch und das Augenzwinkern, mit dem es beschrieben wird, ist auch zu spüren,da macht sich ein noch junger Mann über die die österreichische subalterne Kleinbürgerlichkeit lustig, übertreibt schamlos dabei und ist am Ende doch erstaunlich modern und gibt es nicht bei Ingrid Noll auch so ein Ende?
Aber so bösartig ist die Frau Lucie gar nicht, die ist eigentlich eine gute Seele, nur der Taras ist ein subalternes ängstliches Würstl, mit seinem “Jawohl, Herr Chef!” und seine Angst vor Autoritäten, die ihm sogar das Sterbebett seiner Mutter versäumen läßt.
Ein gar nicht experimenteller Roman, sondern einer, der mit den Wiener Klischees spielt, sie übertreibt und ins Lächerliche kippt, dabei manchmal auch an Nestroy erinnert und dann gar nicht so unmodern damit ist.
Spannend einen mir bisher fast unbekannten Autor kennenzulernen, obwohl der, wie ich seiner Homepage weiter entnahm, in der Josefstadt lebt und auch GAV-Mitglied ist.