Obdach. Los. Es.

Die “Wilden Worte” einmal anders, während im Juni Erika Kronabitter höchst experimentelle aus ihrem Victor und ihrer Liza las und im Oktober Sisi Klocker eine experimentelle Performance darbieten wird, begann die Herbstsaison mit einer Lesung aus einem Buch über die Notschlafstelle der Cecily Corty in der Wilhelmsstraße 10 in Wien.
Die Juristin Martha Laufer, die schon unter dem Namen Hanna Seth ein Buch geschrieben hat und auch schon eine Menge Lesungen hatte, hat sich, wie im Einleitungstext steht, nach neunundvierzig Jahren völlig umorientiert und ein Sachbuch über die Notschlafstelle, bei der sie mehrere Monate mitgearbeitet hat, schreiben wollen.
Herausgekommen ist “Milchstraße 10” in der Bibliothek der Provinz erschienen, Erlebnisberichte von der Schlafstellte gemischt mit Ereignissen des Reakterunfalls in Fukishima und anderen Texten, wie Martha Laufer in der Einleitung erzählte. Ein Thema das mich natürlich sehr interessierte, wenn die Lesung diesmal auch mehr soziologisch, sozialkritisch, etcetera, war. Daher vielleicht auch andere Gäste als sonst.
Margit Heumann war aber da und Erika Kronabitter mit einer Freundin und das Amerlinghaus war, wie Richard Weihs in seiner Einleitung erzählte über den Sommer frisch renoviert worden. Kein knarrender Fußboden mehr und frischgestrichene weiße Wände, auch neue Lampen und eine Ausstellung war auch gerade am Fertigwerden.
Martha Laufer begann dann etwas über die Notschlafstelle zu erzählen, ein Haus im zwölften Bezirk mit achtundvierzig Betten, das ab halb sechs betreten werden kann. Darüber gibt es Notwohnungen und Sozialberatung, Schreib- und Malgruppen und psychiatrische und andere Sprechstunden gibt es aus und ein Experiment, das aus der Unibesetzung vor ein paar Jahren entstanden ist, nämlich eine Wohngemeinschaft, wo Studenten mit Obdachlosen zusammenleben.
Es dürfen auch Alkoholiker und Menschen mit Hunden in den Notbetten übernachten, dreißig Tage lang, manche auch länger und Marthas Laufer erster Abend war eine Begegnung mit einer alten Frau, die schon vier Jahre dort täglich übernachtete und später in ein Pflegeheim übersiedelte.
Es gibt Frühstück und Abendessen, das von ehrenamtlichen Kochgruppen zubereitet wird. Alle Betreuung ist ehrenamtlich und Regeln gibt es natürlich auch.
Kinder dürfen dort nicht übernachten und auch keine Menschen im Rollstuhl, obwohl solche oft genug von Spitälern abgeliefert werden.
Polizisten bringen Männer, die aus ihren Wohnungen gewiesen wurden und die dann flüchten, weil sie es in dem Schlafsaal nicht aushalten und am Schluß erzählte Martha Laufer, wie viel sie von den Gästen gelernt hat und, daß sie während ihrer Mitarbeit ihre eigene Obdachlosigkeit erkannte und las auch noch eine Stelle aus einem Interview mit Cecily Corti vor, daß es das Wort “Erfolg” für sie nicht gibt.
Daran spann sich eine lange Diskussion, weil natürlich viele Frage, wer wird ausgewählt und wohin gehen die Menschen, die hinausgeschmissen werden, wer entscheidet wer länger als dreißig Tage bleiben darf und und und ???
Eine sehr lange Diskussion, viel länger als sonst üblich und wahrscheinlich auch sehr viel Betroffenheit.
Dann kamen die Wunschgedichte, wo ich mir diesmal eines zum “Herbstanfang” mit den Worten “Zwetschken” und “Weintrauben” wünschte und feststellte, daß ich sehr einfallslos bin, denn das letzte Mal habe ich mir eines zum Frühlingsbeginn gewünscht. Da fehlt dann nur der Sommer, da war aber Sommerpause und Gabriele Petricek, Erika Kronabitter und Sisi Klocker, die das letzte Mal da waren, haben sich alle drei sehr erotische Gedichte gewünscht, die für Richard Weihs, wie er sagte, eine gewisse Herausforderung darstellten.
Eine weitere Herausforderung war wohl auch das Wunschgedicht “Ich werde nie mehr ein Gedicht schreiben oder höchstens eins, zwei, drei…
Ein interessanter Abend also, ein bißchen anders als sonst, aber, daß die Literatur und die Gesellschaftskritik sehr dicht beieinander liegen kann, habe ich schon öfter festgestellt.
Man geht aus dem Amerlinghaus an all den Menschen, die im Beisl sitzen und ihr Schnitzel oder ihre Ethno-Speisen essen mit einem Gefühl vorbei, daß es einem vielleicht doch gut geht, weil man eine Wohnung und ein Bankkonto hat, so daß das Leben vielleicht wieder ein bißchen schön sein kann, bis einem die Depression wieder packt.

Der afghanische Koch

So jetzt geht es ein bißchen an die Alpha-Shortliste. Dank Frau Gmeiner vom “Septime Verlag”, die sich von meiner endlos Leseliste offenbar weniger als andere Verlage abschrecken läßt, kann ich da zwei Bücher lesen, die sonst wahrscheinlich an mir vorbeigegangen wären, da ich zugeben muß, vom “Septime Verlag” bisher noch nicht viel gehört zu haben.
Gab es ihn wahrscheinlich noch nicht, als ich meine Manuskripte noch wild herumschickte und auf der Buch-Wien ist er mir bisher auch noch nicht sehr aufgefallen.
Was sich ändern wird, denn es sind sehr interessante Bücher, die in diesem Verlag erscheinen, die es sowohl auf die Hot-List als auch zu den Alpha-Nominierungen bringen.
Ich beginne also mit Isabella Feimers “Der afghanische Koch”, die ich, seit dem sie im Vorjahr in Klagenfurt gelesen hat, kenne und auch eine Zeitlang ihren Blog verfolgte und es ist ein sehr interessantes Buch mit einem mich ja sehr interessierenden Thema, das mir da beinah entgangen wäre.
Ein Liebesgeschichte einer namenlosen Ich-Erzählerin, einer Frau, die studiert hat, deren Großvater aus Stalingrad zurückkam, deren Mutter früh verstarb und deren Vater ein Polizist nun mit einer anderen Frau zwei Kinder und auch ein Enkelkind hat.
Die Frau “in den Achtzigerjahren in Wien groß geworden, steht im Klappentext, lebt mit einem Afghanen zusammen, der das in dieser Zeit in Kabul, aber vielleicht auch an anderen Orten tat, denn Isabella Feimers Roman ist einer, wie Michael Stavaric im Nachwort schreibt, einer, den man nicht nacherzählen kann.
Ich denke, das kann man schon, aber einfach ist es nicht, den Isabella Feimer erzählt in Fragmenten und wechselnden Perspektiven und Zeitsprüngen, soll die Ich-Erzählerin ja, seine, Rahmans, er hat einen Namen, Geschichte aufschreiben und sie phantasiert, wie das beim Romanschreiben so ist, offenbar auch einges hinzu, so gibt es oft zwei Lesarten. Man könnte auch sagen, das ist der Traumatisierung geschuldet, denn wenn man Krieg und Gewalt erlebt, verdrängt oder verschweigt man oft auch etwas, kann manches nicht sagen, so daß es zu mehren Deutungen kommt.
Die Frau hat jedenfalls nicht viel Geld und lebt mit Rahman immer in Angst um seine Liebe und daß er sie verlassen könnte, zusammen. Er scheint sie auch manchmal einzusperren, dann gibt es wieder einen Mitbewohner, es könnte aber auch sein, daß es im Laufe der Geschichte eine Entwicklung gibt, in der Rhaman zur Ich-Erzählerin zieht.
Dann erzählt sie wieder in Ich-Form, manchmal auch aus der Rahman Perspektive von seinem Leben in Kabul, die Mutter Russischlehrerin, der Vater Arzt, sie verstecken sich im Keller, Rahman zieht mit seinem Cousin Tariq herum und muß das Land verlassen, weil es ohne Bart und Turban zu gefährlich ist. So wird er zu Tariq nach Moskau geschickt, der dort schon bei seiner russischen Frau Nataschla lebt. In einer anderen Lesart, lebt Rahmna in Indien und sein Vater ist Diplomat.
In Wien ist er jedenfalls Koch, während er in Afghanistan sicher Medizin studiert hätte und Arzt wie sein Vater geworden wäre.
Die Perspektiven wechseln und auch die Zeitsprünge, es gibt auch Träume, wo die Ich-Erzählerin im Taschador durch Kabul geht und sich auf einer Konferenz mit George W. Bush und Hitler trifft.
Die Flucht von Baku über Kiew nach Moskau wird sehr eindringlich geschildert. In Kiew hat er kein Geld, gibt sich am Bazar aber als Afghane zu erkennen und so wird ihm geholfen, beziehungsweise kann er solange am Markt aushelfen, bis er das Geld für das Ticket zusammengespart hat. Dazwischen wird er aber von der Polizei erwischt, eingesperrt, geschlagen, ect.
In Wien scheint er auch mit Drogen gehandelt zu haben und Erlebnisse mit anderen Frauen hatte er auch. Immer abwechselnd und mit Vergleiche aus dem Leben ihres Großvaters, wie hätte sich die Ich-Erzählerin damals in Wien am Heldenplatz verhalten?, gibt uns Isabella Einblicke in die Traumatisierung eines Flüchtlingsleben und hat über Krieg, Gewalt, Flucht und das Leben eines Asylwerbers einen sehr poetischen Roman in einer sehr schönen Sprach geschrieben, was, wenn wir uns anschließend für die Situation der Afghanen, was ich manchmal in meiner Praxis tue, interessieren, vielleicht an SOS-Mitmensch Geld Spenden oder zu den entsprechenden Demonstrationen gehen, auch in Ordnung ist.
Weil hier die l`art pour l` art allein wohl nicht reichen würde. Ich kann mir das Leben in Kabul in den Achtiger- NeunzigerJahren oder wann auch immer, jetzt aber ein bißchen besser vorstellen und wünsche dem Buch daher alles Gute!
Wäre fein, wenn es in die Finalrunde käme und so noch ein bißchen bekannter würde und in der “Alten Schmiede” wird es demnächst, glaube ich, auch bei den “Textvorstellungen” vorgestellt.
Isabella Feimer hat, wie dem Buch zu entnehmen ist, für die Romanarbeit auch ein Stipendium bekommen, das sie in das “abenteuerliche Moskau” führte.
Nach Kabul zu den Talibans wäre höchstwahrscheinlich zu gefährlich gewesen und spannend finde ich natürlich, daß man offenbar auch sehr poetisch über ein sehr realistisches gesellschaftspolitsch wichtiges Thema schreiben kann und das ist ja das, was ich mir immer wünsche.

Das Casting

Es ist eine seltsam grausame Geschichte, die der 1952 geborene Ryu Murakami, da filmisch genau in einem seltsamen altmodischen Stil, von Leopold Federmair und Motoko Yalin übersetzt, da erzählt.
“Casting” ist in die Finalrunde der Hot List gekommen und mir mit seinem genauso seltsam eindringlichen Titelbild, eine junge Japanerin im Matrosenkleid, schon auf verschiedenen Blog aufgefallen, so daß ich neugierig wurde und dank Frau Gmeiner vom “Septime-Verlag” jetzt ein “Eins aus zehn-Leseexperiment” starten kann.
Ob mir das Buch gefallen hat? Schwer zu sagen. Der Anfang ja, die sehr genaue Erzählung, die subtile Grausamkeit des japanischen und wahrscheinlich weltweiten Lebens. Die Unterdrückung der Frau, die unterschiedlichen Machtverhältnisse werden da auf sehr unterschwellige Art und Weise geschildert. Dazu kommt noch der für uns fremde, japanische Ton, die Höflichkeit und eine Art des Erzählens, die an vorige Jahrhunderte denken läßt, obwohl das Buch im Jetztzeit-Japan spielt.
Nicht umsonst werden auch Edgar Allan Poe und Dostojewski am Buchrücken erwähnt.
Der Schluß, der in dem ganzen Buch schon auf eine sehr direkte Art angedeutet wird, natürlich nicht, obwohl ich bei Stieg Larsson vor kurzem ja etwas ganz Ähnliches gelesen habe. Aber da fehlte wohl die japanische Fremdheit, der exotische Ton, die für uns ungewöhnliche Distanz, die fast altmodisch wirkt.
Da ist Herr Aojama, zweiundvierzig, Filmproduzent, seit einigen Jahren Witwer, da ihm seine Frau Ryoko “vor sieben Jahren nach einem virual bedingten Krebsleiden verlassen” hat. Auch so eine seltsam altmodische Formulierung, würde ich ja “gestorben” schreiben. Vater eines fünfzehnjährigen Jungen, der dagegen erstaunlich modern mit seiner Computersucht und seiner klaren Ausdrucksweise wirkt “Bitte, ich muß doch zur Schule, da hab ich schon genug am Hals. Ich kann dich nicht Tag und Nacht pflegen, wenn du jetzt wie Leonoard Lowe oder der Rain Man wirst.”
Das ist vielleicht die japanische Grausamkeit, die alle, die nicht funktionieren, zum Arzt schicken oder in best betreute Pflegeheime abschieben, wie das später Aojamas Freund mit seiner Mutter tun wird.
Zuerst aber rät Sohn Shigehiko seinem Vater wieder zu heiraten und Freund Yoshikama rät zu einem Casting, so daß sich Aojama, die künftige Frau in aller Ruhe aussuchen kann.
So wird dieses ausgerufen, viertausend junge Frauen melden sich, von denen dreitausendneunhundert Bewerbungen, die Frauen mußten einen Aufsatz schreiben, ein Bild und einen Lebenslauf schicken, gleich einmal weggeworfen werden.
Hundert werden dann zum Vorstellungsgesüpräch bestellt, erscheinen teilweise im Badeanzug, tanzen, singen, ziehen sich freiwillig aus, beziehungsweise müssen sie sehr intime Fragen zu ihrem Vorleben beantworten.
Diese Schilderung der Menschenverachtung, die nicht nur in Japan üblich ist, hat mich sehr beeindruckt. Herr Aojama hat sich dagegen schon sehr bald für die wunderschöne Asami Yamasaki, vierundzwanzig Jahre alt, arbeitslos, seit sie wegen einer Verletzung nicht mehr Ballett tanzen kann, entschieden.
Er ruft sie an, lädt sie zum Essen in teuren Restaurants ein, sehr höflich und umständlich passiert das. Aoyama ist von der Schönheit und auch von dem Satz in ihrer Bewerbung “Es klingt vielleicht seltsam aber in gewisser Weise, ist es so, wie wenn man sich plötzlich mit dem Tod konfrontiert sieht” fasziniert. Während die anderen ihm vor ihr zu warnen anfangen. Der Sohn tut das und der Freund, denn es gibt keine Spuren zum Privatleben der jungen Frau und einer, den sie als ihren Förderer angibt, hat sich unter seltsamen Umständen umgebracht.
Es taucht auch eine Frau mit einem jungen Mann im Rollstuhl in dem Restaurant, wo Aojama mit der Schönen sitzt auf, der bei ihrem Anblick verfällt und Asami antwortet ihm auf der Frage nach ihren Eltern, daß sie als Kind vom Stiefvater mißhandelt wurde und das nur durch das Ballett kompensieren konnte.
Auch das wird vom Freund angezweifelt und Aoyama gewarnt, der sich nicht warnen läßt, sondern noch eine ganze Weile sich keusch und sittsam mit Asami in verschiedenen Restaurants trifft, wo sie ihm gerade mal nur andeutungsweise, die Hand auf den Arm legt.
Dann gesteht er ihr, daß nichts aus dem Casting wurde und, daß er sie heiraten will, worauf sie lacht, aufsteht und davonläuft.
Auf Aufforderung der Restaurantbesitzerin, einer ehemaligen Geisha, rennt er ihr nach, da küßt sie ihm und ruft am nächsten Tag im Büro an, um ihm ihre Liebe zu gestehen, was den Älteren ratlos macht. Soll er vor oder erst nach der Ehe mit ihr ins Bett? Wie wollen das die jungen Frauen heute? Er lädt daraufhin eine Kollegin zum Essen ein, um das herauszufinden, was für mich auch sehr ungewöhnlich ist und bestellt Asami dann in ein Hotel.
Dort schlägt er ihr einen Museumsbesuch vor, als sie sich schon auszuziehen beginnt und ihn auch entkleidet. Immer noch ist sie sehr unterwürfig höflich, aber etwas in ihrem Tonfall ändert sich. Es kommt zum Sex. Dann erwacht Herr Aojama allein und benommen im Zimmer, die “Gattin” ist verschwunden und er bekommt heraus, sie hat ihn mit Schlaftmitteln betäubt und ihm auch einen Zettel hinterlassen “Lügen werden nicht vergeben. Eine Frau die ihren Namen verloren hat.”
Vorher hat sie ihm noch ihre Narben, die vom Stiefvater kamen und die verkrüppelten Zehen, die das Tanzen angerichtet haben, gezeigt. Herr Aojama denkt an ein Mißverständnis, das er klären will, kann sie aber telefonisch nicht mehr erreichen und eine Adresse hat er nicht. Der Freund rät, von ihr abzulassen. Herr Aoyama magert ab und bespricht das auch alles mit den Kollegen und als der Sohn eines Tages einen Schiausflug macht und die Haushälterin frei hat, erscheint plötzlich Asami in seiner Wohnung. Das heißt, sie war schon vorher da, hat ihm ein Betäubungsmittel in das Joghurt gemischt und verkündet, daß sie ihm die Füße abschneiden wird, damit sie von den Erinnerungen an den Stiefvater loskommt.
Sie tötet zuerst den Hund, es kommt zum Kampf, Shigehiko, der gerade rechtzeitig zurückkommt, kann sie mit einem Kampfmesser unschädlich machen, während sie mit einem KO-Spray herumspritzt und der glücklose Liebhaber bleibt geschwächt mit einem Fuß zurück.
Ich weiß wirklich nicht, ob mir das gefallen hat und ob ich so etwas lesen will? Es ist jedenfalls eine sehr männlich gefärbte Geschichte und der Lisbeth Salander verzeiht man ihre Racheakte wohl leichter. Denn Herr Aojama hat der Schönen ja nichts getan, sondern sie nur in verschiedene teure Restaurants eingeladen. Aber vielleicht zeigt das schon die Unterdrückung der Frau und er hat sich in seiner Verliebheit auch oft vorgestellt, wie sie ihm statt der Haushälterin in einer Schürze bekochen wird und liebevoll neben ihm sitzt und Händchen hält, während ihm das Essen schmeckt.
Ein sehr brutales Buch, dem ich trotzdem beim Independent-Preis alles Gute wünsche, denn die japanische Literatur ist vielleicht anders und mir bisher ziemlich unbekannt, obwohl ich einmal zehn Tage in Japan war und über die Grausamkeit der Gesellschaft und die Unterdrückung der Frauen kann man auch trefflich nachdenken, obwohl der westlich europäisch Stil, siehe auch Stieg Larsson viel direkter und daher auch aushaltbarer ist. Spannend war das Buch auf jeden Fall, denn ich habe es trotz wachsenden Widerwillen, in einem Zug durchgelesen.

Literaturnachrichten und Preisverleihungen

Während ich in meinem Praxiszimmer sitze und auf die Nachmittagsklienten, bzw. auf die anschließende Fahrt ins Wochenande nach Harland in St. Pölten warte, kann ich über die erste Arbeitswoche nach der Sommerfrische resumieren, die eine sehr literaturbewegte war.
So trudelten die ersten Veranstaltungsprogramme ein. “Alte Schmiede”, “Amerlinghaus”, “Gesellschaft für Literatur”, “Literaturhaus”, etc.
Das “Literaturhausprogramm” war diesmal besonders interessant, habe ich ja daraus erfahren, daß der “Otto Stoeßl-Preis” 2012 an Angelika Reitzer vergeben wurde, was mir Roebert Huez bei der “Blahacek- Veranstaltung” im Juni noch nicht verraten wollte. Die Preisverleihung steht im Programm, findet am 4. Oktober im Literaturhaus statt. Da hatte ich ja auf meinen Artikel von der Preisverleihung von 2010, wo der Preis an Andrea Grill vergeben wurde, eine interessante Diskussion mit einem, der einreichen wollte und sich nach dem er meinen Artikel las, nicht dazu entschlossen hat. Ich hätte ja zugeraten, vermutlich hat er aber recht behalten, daß man um, da zu gewinnen, schon einen in Österreich bekannten Namen haben muß und andere Preise, wie beispielsweise den “Priesnitzpreis”, den heuer Anna Weidenholzer am 28. Oktober bekommen wird, gewonnen haben.
Also wieder keine Chance für mich. Aber ich reiche beim Stoeßl-Preis und eigentlich auch sonst sonstwo, nicht mehr ein, sondern ziehe mich auf meinen Blog und das Schreiben meiner Indie-Bücher zurück.
Habe die Veranstaltungsprogramme diese Woche aber intensiv durchgesehen und das für mich passende eingetragen. Das stimmt wieder nicht so ganz, für eine Lesung am Naschmarkt, habe ich mich am Montag angemeldet, da ich da bei der vom Peppo Beyerl war. Mal sehen ob es damit klappt.
Und ein Mail von Herrn Leitgeb vom “Alpha” habe ich auch bekommen, daß ich, nachdem er meinen diesbezüglichen Artikel gelesen hat, heuer eine Einladung bekommen werde.
Natürlich fein und etwas auf das ich schon lange warte, nur blöd, daß wir gleich nach meinem literarischen Geburtstagsfest, wo ich sechzig Minuten aus meinen dreißig Büchern lesen werde, nach Ungarn fahren wollen. Doppelt blöd, weil am zehnten November auch noch der “Fried Preis” vergeben wird, an wem, weiß ich noch nicht, das wird erst im Novemberprogramm stehen und das wäre ja auch ein Preis, den ich sehr gerne hätte, aber träume weiter Eva, da hast du keine Chance, weil dich der einzige Juror höchstwahrscheinlich gar nicht kennt und weder das “Literaturgeflüster” noch die dreißig selbstgemachten Bücher wahrnimmt.
Es gibt auch noch den “Wildganspreis”, den hätte ich auch sehr gern, wird heuer aber an Olga Flor am 3. 10. im Haus der Industrie vergeben. Da habe ich im Vorjahr eine Einladung bekommen, man kann sich aber auch übers Internet anmelden.
Und der “Leo Perutz-Preis”, der österreichische Krimipreis des österreichischen Buchhandels, wird am 11. 9. um 19 Uhr im Wiener Bestattungsmuseum vergeben. Da stehen Christian David, Georg Haderer, Sabine Naber, Beate Maxian und Thomas Raab auf der Shortlist, wer es wird, erfährt man erst am Mittwoch.Und die Shortlist des dBp wird ebenfalls an diesen Tag am Vormittag bekannt bekanntgegeben.
Vielleicht steht Thomas Stangl darauf. Mit dem wird jedenfalls die neununddreißigste literarische Saison der “Alten Schmiede” eröffnet und zu dessen Buch, gibt es auch eine interessante Diskussion im Internet, bei der ich mich auch beteiligte.
Eine Lesung der Nominierten für den “Schweizer Buchpreis” gibt es am 14. 10. im Literaturhaus auch. Wer die sind, wurde, glaube ich, noch nicht verraten, habe mir den Termin aber schon vorgemerkt und freue mich, wie man wahrscheinlich merken kann, auf die literarische Saison über die ich wieder eifrig bloggen werde.
Jetzt kann ich das ja schon sehr umfassend, das heißt über den “Alpha” habe ich auch so gebloggt. Neben Literaturprogramme studieren und Preistermine herausbekommen habe ich diese Woche auch noch die zwei Bücher des “Bank Austria Literis” aufgelesen, die ich mir von der vorigen Preisveranstaltung nach Hause genommen habe und neue Bücher habe ich auch bekommen.
Die zwei “Alpha-Finalisten” aus dem Septime Verlag hat mir die freundliche Frau Gmeiner, die meinen Blog zu lesen scheint, geschickt und dann ist auch noch Ryu Murakamis “Das Casting”, das zu den Finalisten des Hot-List-Preises zählt, zu mir gekommen, was mich besonders freut, daß ich außer Eins aus zwanzig des DBp”, jetzt auch “Eins aus zehn der Hotlist” lesen kann, obwohl meine Leseliste dadurch wieder angewachsen ist und ich zwei der Bücher am Abend nach Harland mitnehmen werde, damit ich sie auch schaffe, obwohl ich das Bücher hin und her schleppen eigentlich nicht so mag.
Neben dem und meinen Stunden, habe ich dann auch noch die “Dreizehn Kapitel” kapitelweise durchkorrigiert, bin jetzt bei achtundsiebzig Seiten und 30.967 Worten angekommen und finde, daß diese Erzählung, die reigenweise in dreizehn Kapiteln einen Roman entstehen lassen will, eigentlich eine kompakte Zusammenfassung meiner Themen und meiner Schreibweise ist.
Dazwischen denke ich schon über das Nächste nach, habe da etwas von drei Büchern und einer Büchersammlerin aufnotiert und mir wieder einmal gelobt, mir viel Zeit zu lassen, damit das Opus magnus entsteht, was ich wohl auch muß, denn ich will ja auch auf neue Themengebiete kommen. Habe dazu aber noch ein bißchen Zeit, weil ich noch an den “Kapiteln” korrigiere und das “Literaturgeflüstertextebuch” muß auch noch fertig werden, was derzeit aber am Alfred liegt, der mit seinen Uni-Umzug sehr beschäftigt ist.
Literarische Veranstaltungen hat es diese Woche eine gegeben, in der nächsten Woche sind zwei geplant, dann gibt es auch wieder die Schreibgruppe mit Ruth, Robert, Fritz und Ilse, ich bin aber gestern, weil sie im Radio soviel darauf hingewiesen haben zur Ausstellungseröffnung vom “Salon der Angst” ins Museumsquartier gegangen, habe dabei den Rudi getroffen, der bei der GAV manchmal den Büchertisch betreut, bin durch die angstauslösenden Bilder gegangen, die mir als Verhaltenstherapeutin, die sehr viel mit Angststörungen zu tun hat, wahrscheinlich nicht so viel Angst machten und heute früh im “Leporello” in diesem Zusammenhang ein Interview mit Thomas Glavinic zu seinem neuen Longlist-Buch das “Größere Wunder” gehört, in dem es auch über Angst, bzw. Angstüberwindung geht.
Spannend spannend also die erste Septemberwoche, wo noch Altweibersommerwetter herrscht und der literische Herbst mit großen Hoffnungen, Erwartungen und Vorsätzen allmählich beginnt.

Unser Sonderberichterstatter

Es beginnt mit einem Urschrei “Sombreroo! von irgendwoher, aus dem Fenster eines Wohnblocks im schlafenden Viertel.”
Dann erwacht Antonje in der 2007 in der Edition Zwei, diesmal noch zweisprachig und mit Anmerkungen über Autor und Übersetzung, erschienenen Erzählung “Unser Sonderberichterstatter”, des 1974 in Rumänien geborenen Florin Lazarscu, offenbar in Himmel, der aber eine Art Werbeabteilung oder Castingshow ist, so erwarten ihn schöne Mädchen und Zigaretten, er wird dann zu einem alten Mann geführt, muß vor Publikum eine Frage beantwortet und wird wieder auf die Erde zurückgeschickt.
Dort geht es ähnlich verwirrend mit wechselnden Perspektiven und wechselnden Zeitabschnitten weiter.
Die Haupthandlung ist aber in Rumänien nach der Wende angesiedelt, in einem also, das mit westlichen und amerikanischen Methoden arbeiten will, aber das Know how und das Equipment dazu noch nicht ganz hat.
So erklärt der Chefredakteur, Antonjes Chef, daß in seiner Zeitung nur Platz für Kultur ist, wenn die Werbeaufträge fehlen und Antonje wird als Mädchen für alles oder als Tolpatsch vom Dienst, zu allen möglichen Aufträgen geschickt.
So berichtet er über Schildkröten, Überschwemmungen und auch mal von seltsamen Ufos.
Aber eigentlich will er zu dem Begräbnis des großen Journalisten, zu dem auch der Präsident kommen soll. Er wird dann auch dorthin geschickt und von den Leibwächtern offenbar ins Koma geschlagen, in dem er dann auch einige Tage liegen soll, um sich vor seinem Chef zu retten, aber vorerst passieren noch einige seltsame Dinge.
So wird das Begräbnis in eine andere Kirche verlegt, weil es dort zu unsicher ist und dem Heiligen in der Reliquie auch ein Finger gestohlen wurde. Das tat offenbar ein drogendealender Zigeuner mit dem Antonje schon vorher in der U-Bahn fuhr und einen Terroristen nahmens Mohammad, der geschäftstüchtig Visitenkarten mit einer Bombe und seiner Mail Adresse verteilt, gibt es auch.
Der ist aber ganz brav in das Land eingewandert und fuhr, weil er sich in seinem Job langweilte, am Sonntag mit dem Zug im Land herum, um dort die Notbremse zu ziehen, später kam er auch zu Dynamit und so wollte er die Bombe werfen.
Es gibt aber auch immer Kapiteln, die in die Vergangenheit in das Regime Ceausecus führen. So wird von einem Lehrer erzählt, der aufs Land strafversetzt wurde und dort von seinem ebenfalls strafversetzten Direktor zu einer Schulung einberufen, zu der er nicht will, so zeigt er ihm den Mittelfinger und kommt daraufhin für Jahre ins Gefängnis und der Vater des Chefredakteurs war ein Komponist und Dirigent, der wie Mozart komponieren wollte, was er aber in der Diktaur des Sozialismus nicht durfte.
Es geht aber auch in die Geschichte zurück und so wird von einem Prinzen erzählt, der die Soldaten seines Vaters, des Königs ärgert, der die Hunnen besiegen will und von einem Mönch namens Ioan, der hat dann den kleinen Antonje nach dem Tod seiner Eltern in einer Höhle auf einem Berg, ganz abgeschieden vom Sozialismus aufgezogen, bis eines Tages die Leute kamen und erzählten “Ceausescu ist tot, wir haben jetzt die Freiheit!”
So fährt Antonje, der dumpfe Tor in die Stadt, wird dort als eine Art Kaspar Hauser bewundert, bekommt vom Präsidenten eine Garconniere und vom Chefredakteur eine Unterstützung, bis dem das zu viel wird und Anonje zum Reporter macht.
Es endet nach noch einigen anderen Einschüben und Seitenhandlungen, so will der junge Pfarrer Ioan zu einem Heiligen machen und sendet im Internet dessen Wunder auf, so daß die Touristen in Scharen mit einem Bus angefahren werden und dann auf den heiligen Berg hinauskriechen, in dem Krankenhaus, in dem Antonje im Koma neben einem autistischen Zwerg liegt, in der Nacht aber mit dem Zwerg aus dem Fenster springt und zu einem See fischen fährt, dort wird er dann wegen Entführung verhaftet und zeigt allen triumphierend seinen Mittelfinger.
Eine köstliche Farce auf das Wende-Rumänien, für nicht Eingeweihte in seinen Zeitsprüngen und Perspektivenwechseln nur nicht ganz so leicht zu verstehen, mit dem Florin Lazarescu, da 2006 den “Bank Austria Literaris” gewonnen hat.
Ich finde es ja wieder schade, daß im Buch und Internet so wenig über das Buch zu finden ist, obwohl ich die Bemühungen von “Kulturkontakt Austria” die osteuropäische Kultur zu fördern sehr schätze und da ich regelmäßig zu den Preisverleihungen und anderen Veranstaltungen gehe, auch in den Genuß der Bücher komme, die sonst vielleicht nicht so geschätzt werden.
Man kann sich bei den Preisverleihungen zwar eines mitnehmen, die dann im Internet verkauft werden oder sie werden bei der Buch-Wien an Kinder verteilt, die wahrscheinlich nicht die richtige Altersgruppe sind. Denn es sind sehr interessante Bücher und sehr interessante Lebenswelten, die ich da kennenlerne und wahrscheinlich auch ziemlich alleine darüber schreibe.

Como

Ein junger Mann aus Belgrad, der in einigen Zeitschriften Artikel hatte, fliegt, weil ihm ein Freund ein Formularblatt der Rockefeller-Stiftung in das er hineingeschrieben hat, daß er die Absicht hätte, einen Roman zu schreiben, über Zürch nach Milano, da ihm die besagte Stiftung für ein Monat ein Stipendium in ihrer Villa am Como See gewährt hat.
Er ist verkatert, so verlangt er im Flugzeug nach Bier, das er nach einigen Verhandlungen mit der Stewardesse auch bekommt. Der Fahrer, der ihm abholt, besteht darauf, seinen Koffer zu tragen und in der Villa in Bellagio, wird ihm ein Schlaf- und Arbeitszimmer zugewiesen und der Speisesaal gezeigt, wo er Mittags und Abends essen kann. Die Villa ist voll mit etwa zwanzig Stpendiaten, meist älteren Wissenschaftlern aus Amerika oder Australien, ein paar Nigerianer sind auch dabei.
Zum Abendessen soll man eine Krawatte tragen, der Ich-Erzähler, hat keine, kauft sich aber nach ein paar Tagen eine im Ort, vom Taschengeld der Rockefelder-Stiftung und verbringt seine Tage mit spazierengehen. Da gibt es einen Hügel, auf der noch keiner der Einheimischen war, weil er sich offenbar im Besitz der Rockefeller-Stiftung befindet, freundet sich mit den Kellnern Gregorio und Mahatma an, die ihn mit Wein und Whiskey bedienen und ihn auch ins Fernsehzimmer holen, wenn dort Fußballspiele übertragen werden.
Sie selbst dürfen sich die Spiele höchstens im Stehen anschauen, weil sie sonst ihren Job verlieren würden.
Und die umliegenden Orte sind, wie der Erzähler bemerkt sehr reich, obwohl die Waren, die am Markt angeboten werden, viel billiger als in den Geschäften sind. Nach den Abendessen gibt es oft Klavieraufführungen oder andere gesellige gesellige Veranstaltungen der Gäste, die er meidet, er geht lieber in den Ort und freundet sich in den Kneipen mit Alda und Augusto an.
Alda ist eine Kellnerin die kein Englisch spricht, der Erzähler kaum Italienisch, so zeichnen sie alles in ein Heft und verstehen einander prächtig. Augusto, der Besitzer einer anderen Kneipe kann gut Englisch und als der Erzähler die beiden einmal als Gast in die Villa einladen will, um ihnen den Hügel zu zeigen, gibt es Anfangs mit Frau Bella, der Verwalterin Probleme, weil sie Italiener sind und er ihre Nachnamen nicht kennt. Dann geht auch das in Ordnung. Man kann sich in der Villa Lunchpakete geben lassen und so steigt er mit einem einmal auf einen Berg hinauf und wird dann von einem alten Professor und Vogelkenner gebeten, das aufzuschreiben.
Das alles tut der Ich- Erzähler freundlich und lügt auch manchmal ein bißchen herum, nur eines nicht, er schreibt an keinen Roman und nur dadurch und sonst mit keinem Wort, erfährt man ein bißchen was von dem Trauma, was man vielleicht haben könnte, wenn man Ende der Neunzigerjahre, auch das wird nicht genau angegeben, aus so einem “beschissenen Land” wie “Serbien” kommt.
Oder doch, einmal erinnert, ihn eine alte Dame an Dubrovnik, wo sie einmal war und dort dürfte er seine Kindheit verbracht haben. Nach einem Abend oder Mittagessen, spielt die alte Professorin eine ihm bekannte Melodie.
“Kennen Sie sie?”, fragt sie und wiederholt sie noch einmal für ihn. Dann kommt er darauf, das wurde in der Kathedrale von Korcula, in der nun acht Jahre schon nicht mehr war, immer gespielt.
Am Abend zeichnet der das für Alda auf und als das Monat beendet ist, er hat inzwischen noch Brenda, eine New Yorkerin mit einem sehr bekannten Mann, kennengelernt, betrinkt er sich wieder und muß beim Abendessen, weil das so üpblich ist, eine Abschiedsrede halten.
Erst blödelt er herum, dann erzählt er das Erlebnis und bekennt, daß er das ganze Monat nichts an dem Roman gearbeitet hat, was Frau Bella versteht und meint, daß das wenn es für ihn gut ist, auch in Ordnung ist.
Er wird auch von Augustos Bruder eingeladen, legal oder illegal in Bellagrio zu bleiben und Zigaretten zu schmuggeln und von Brenda zu ihr nach Brooklyn zu kommen, reist dann aber mit zwei Flaschen Whiskey, die er von seinen Lieblingskellnern bekommen hat, doch wieder in sein “beschissenes Serbien” zurück, das heißt die eine Flasche schenkt er dem Chauffeur, der auch alles über ihn weiß, alles versteht und trotzdem seine Koffer tragen muß.
Ein sehr unaufdringliches Buch, mit dem der 1967 in Belgrad geborene Srdan Valjarevic, 2008 den zweiten “Bank Austria Literaris” bekommen hat, wie ich wieder nicht dem Buch, aber der “Wieser-Verlagsseite” entnehme, das in seiner lakonischen Art zwischen den Zeilen, sehr viel vom Leben eines Serben während des Kriegs erzählt und auch, wie es bei den Stipendiatsaufenthalten der “Rockefeller”- oder anderen Stiftungen, in deren Genuß ich noch nicht gekommen bin, zugehen kann.
Ein Buch das vom Saufen, der Liebe, der Verzweiflung und auch von der Völkerverständigung handelt, die entstehen kann, wenn sich zwei Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, miteinander trinken und sich ihre Geschichten einfach in ein Heftchen zeichnen.

Saisonstart am Naschmarkt

Daß es “Naschmarktlesungen” gibt, habe ich schon gehört. Cornelia Travnicek hat einmal dort, glaube ich, mit Kollegen gelesen und daüber im Blog oder Facebook berichtet und jetzt hat mir Beppo Beyerl noch in meine Sommerfrische eine Einladung zur Lesung am “Textstand – Literatur am Naschmarkt” geschickt.
“Mal schauen ob es sich ausgeht!”, habe ich ihm geantwortet und als er “Das wär super!”, zurückmailte, ist mir schon eingefallen, daß ich für Montag 19 Uhr eine Stunde ausgemacht hatte, die am Freitag aber verschoben wurde.
Also Saisonstart am Naschmarkt, nach zwei Monaten Veranstaltungsabstinenz habe ich ohnehin schon “Entzugserscheinungen”, obwohl die letzten Tage ja sehr Blogintensiv waren, der “Deutsche Buchpreis” und die Alpha Shortlist mich herumtrieb und ich schreibe es gleich, hurra, ich habe eine Antwort, eine Entschuldigung und die Versicherung einer Einladung bekommen und zwei Bücher von der Shortlist wurde mir inzwischen auch angeboten und am Wochenende hat die Saison eigentlich schon mit dem Volksstimmefest angefangen.
Beppo Beyerl las aber aus seinem “Löcker-Buch” “Die Straße mit sieben Namen – zwischen Triest und Wien”, was ja auch hervorragend zum Sommerfrischenende passt und so bin ich um halb acht auf den Naschmarkt losmarschiert und habe mir zuerst gedacht, den Stand 87, werde ich schon finden, muß ich halt auf die Stände schauen, dann waren aber irgendwie nur die Zeilen angegeben. Der türkische Verkäufer, den ich meinen Zettel zeigte, wünschte fröhlich “Viel Vergnügen!” und meinte, ich solle nur hinunter und über die Straße gehen.
Das klang zuversichtlich, dann wurde es aber schwieriger, denn die nächsten Verkäufer hatten keine Ahnung und Standbezeichnungen gab es eigentlich auch nicht. Ein freundlicher junger Mann schickte mich auf die Hinterseite zu einem “Naschmarktmuseum” zurück, das ein sehr verlassen wirkender kleiner Raum war und eine Bioverkäuferin meinte, daß das “Yumi”, was auch dabei stand, ein asiatisches Restaurant sei.
Also ging ich zu der Restaurantzeile hinunter, fand da auch das “Yumi” nach einem “Textstand” mit Lesung sah das aber nicht aus, eher nach aisiatischen Essen, fragte den Kellner, der mich freundlich hineinwies und dann entdeckte ich zwischen den asiatischen Schüßeln Manfred Chobot, eine Nachbarin und sogar Ruth Aspöck. Welch Überraschung und ein sehr volles Lokal. Gerade, da ich noch ein Plätzchen zwischen der Ruth und dem Lesetisch fand.
Die Ruth zeigte mir gleich einen Artikel aus der Wiener Zeitung der sie hergetrieben hat, ihr Verleger war übrigens auch da und hatte draußen einen Büchertisch und ich war zuerst etwas verwirrt, ob der Warnung, daß man hier etwas essen müße.
Dann hat mich der Kellner aber übersehen, ein Herr mir seinen Salat angeboten und eine Dame hat sich neben mich gesetzt und die Veranstaltung eröffnet. Das tat sie im Wettstreit mit einem launigen Beppo Beyerl, den 1955 geborenen, mit den ich schon bei den Poet-Nächten gelesen habe und den ich das letzte Mal bei der “Triest Slowenien Kärnten-Lesung” getroffen habe, nach der sich Hans Raimund über meinen Bericht beschwerte.
“Die Straße mit sieben Namen”, ein Buch über Beppo Beyerls Fuß- und andere Reisen zwischen Wien und Triest, das er auch launig einleitete und bevor er las sehr viel über die Triester Straße erzählte und den “Zweierwagen” der in Triest jetzt nicht mehr fährt.
Er erzählte was von der “Alten Siebzehner” und den Obelisken, die die Stellen anzeigen, wo man das erste Mal das Meer sieht.
Am Semmering gibt es einen und einen in Triest und von Wilhelm Oberdan, der als “Guiglielmo” den alten Kaiser umbringen wollte und dafür gehängt wurde. Das war für die Nichteingeweihte ein wenig verwirrend, aber ich gehe auch viel spazieren, die Triesterstraße bin ich auch schon öfter hinuntergegangen, zum KFJ-Krankenhaus oder zur WGKK und von Johann Gottfried Säume, der das im Neunzehntenjahrhundert machte und von Wien nach Syrakus marschierte, habe ich auf unserer Sizilienreise gelesen.
Beppo Beyerl fing dann auch zu lesen an. Las ein Kapitel über die Triesterstraße und eines über seine erste Italienreise im alten VW seines Vaters, über Wiener Neustadt und den Semmering ans Meer und an den Karst. Später ist der dann Autostoppend nach Triest gefahren, hat dort den “Zweierwagen” genommen, den es nicht mehr gibt, ist manchmal mitten auf der Autobahn gestanden und nach Maribor ist er, glaube ich, auch einmal marschiert, beziehungsweise hat er außer dem Fahrrad auch andere Verkehrsmittel genommen und ich entdeckte unter dem Publikum Gerhard Jazek und Birgit Schwaner.
Die Ruth hat mir als die Lesung aus war, den Artikel, der am Wochenende in der “Wiener Zeitung” von Beppo Beyerl “Wie die Wiener ans Meer kamen” und der auf die Lesung hinwies, gegeben.
Im Unterschied zu mir, scheint sie den “Textstand” sofort gefunden zu haben und ich habe mich bei der freundlichen Moderatorin gleich auch zu einer Lesung angemeldet und ihr meine Bücher gezeigt. Mal sehen ob es klappt und ob bei mir auch so viele Leute kommen?
Birgit Schwaner hat mir “Kerstins Achterln” abgekauft und ich bin an einem schönen Sommerabend nach Hause gegangen und an meinen Triestaufenthalt vor vielen Jahren gedacht, wo ich mit dem Alfred und der Anna ein verlängertes Osterwochenende verbrachte, auf den Karst marschierte und das im Anschluß für meinen “Verrückten Traum der Thea Leitner” verwendete.
Die Saison hat angefangen und wird gleich wieder aufhören, denn bis die Lesungen wirklich anfangen, wird noch eine gute Woche vergehen. Nächste Woche wird das heurige “Eine Stadt ein Buch”, am Dienstag um halb zwölf in der Hauptbücherei ausgeteilt. Am Mittwoch wird am Vormittag in Frankfurt und im Netz, die Shortlist bekanntgegeben und am Abend der heurige “Leo Perutz-Preisträger oder Preisträgerin” im Wiener Bestattungsmuseum.
Ingrid Führer hat mich dazu eingeladen und mir auch schon die Termine für die “Buch-Wien” bekanntgegeben, man sieht die Saison beginnt und der Otto, dem ich wieder einmal mailte, um ihn zu fragen, ob er zu einer Veranstaltung käme, schrieb mir zurück, daß er im Longliststreß sei und schon an die zehn Bücher von der Zwanzigerliste gelesen hätte.
Das nenne ich tapfer. Denn die fünf um Buzzaldrin, haben ihre vier Stück, glaube ich, gerade erst bekommen und die zehn besten Bücher für die Hotlist, die Alternative zum dBp wurden inzwischen auch nominiert. Da ist dann wieder der “Jung und Jung” mit Saskia Henning von Lange “Alles was draußen ist” dabei, die ich schon bei “Rund um die Burg” hörte und ein weiteres Buch vom “Septime Verlag” bei dem ja Isabella Feimer und Valerie Fritsch, die auf der “Alpha-Shortlist” stehen, ihre Bücher haben, ist auch dabei, nämlich Ryu Marakami “Das Casting” von dem im Netz derzeit viel die Rede ist.
Das habe ich jetzt auch angefragt, mal sehen, ob es kommt. Von den anderen acht Titeln habe ich wieder keine Ahnung, aber als die “Hotlist” noch aus dreißig Nominierungen bestand und man abstimmen konnte, glaube ich, für Sakia Henning von Lange gestimmt.
Das Programm der “Alten Schmiede” ist inzwischen auch gekommen, da fängt die Saison am 17. September mit dem Longlistenbuch von Thomas Stangl an und ich stehe auch darauf, weil ich ja am 30. Oktober bei den Textvorstellungen aus “Kerstins Achterln” lese und am 28. ist die Ruth mit ihrem Grillparzer-Buch daran und Grillparzer wurde von Beppo Beyerl, um wieder an den Start zurückzukommen, bei seiner Lesung und in seinem Triest-Reisebuch auch erwähnt.

Männerfallen

“Männerfallen” ist der fünfzehnte “Mira-Valensky-Krimi” von Eva Rossmann und juchu, vierzehn habe ich davon gelesen, da mir der Alfred die Bücher sehr lang zum Geburtstag oder zu Weihnachten kaufte.
“Evelyns Fall” habe ich als Rezensionsexemplar bekommen.
“Unterm Messer” nicht mehr, das hat mir dann der Alfred bei einer sehr überfüllten Krimi-Nacht, bei der ich mich regelrecht in das Cafe Landtmann drängte, gekauft.
“Unter Strom”, der vorletzte Krimi ist dann an mir vorbeigegangen.
Die 1962 geborene Verfassungsjuristin und Sachbuchautorin in Frauenfragen, hat inzwischen auch ein anderes Buch in einem anderen Genre “Krummvögel” geschrieben und bei der letzten “Rund um die Burg” daraus gelesen und jetzt ist wieder ein Krimi von ihr erschienen.
Scheint Eva Rossmann ja eine sehr fleißige konsequente Schreiberin zu sein, die immer aktuelle Themen aufzugreifen versucht.
Bei ihrem ersten “Walhlkampf” haben wir einmal sogar gemeinsam bei dem Poetenfestival in Raabs gelesen. Ich aus den “Wiener Verhältnissen” mein erstes DigiBuch, inzwischen gibt es dreißig selbstgemachte Bücher und fünfzehn Mira Valensky Krimis, die sich mit der Kosmetikindustrie, dem Kochen, dem Wein, der Armut etc auseinandersetzten.
Sehr aktuelle Themen halt, die Eva Rossmann und das war ein bißchen meine Kritik an den zwei letzten Büchern, die ich gelesen habe, nach demselben Schema aufarbeitete, so daß die Pause vielleicht ganz gut tat, denn “Männerfallen” hat mir wieder sehr gut gefallen und ich würde es nach “Freudsche Verbrechen”, nach wie vor mein Valensky Hit an zweiter Stelle setzte, obwohl mich die gute Mira mit ihren vielen Fragen anfangs etwas nervte und ich mich auch nicht so genau auskannte, wie das nun mit der Frauengewegung zu verstehen ist?
Damit man mich jetzt nicht mißversteht, ich werde im November sechzig, nicht fünfzig wie Eva Rossmann ist und Mira im Buch langsam wird und habe von der Auf-Gründung und den Siebzigerjahren einiges mitbekommen, auch wenn ich nicht immer ganz aktiv dabei gewesen bin und nicht sehr oft ein Transparent in der Hand hielt.
Jetzt ist die Mira jedenfalls fast fünfzig und drängt sich zu Beginn des Buches im Museumsquartier, um bei einer Veranstaltung des Autors Thomas Pauer, dem mit “Sei ein Mann” ein Bestseller gelungen ist, in dem er von der Unterdrückung der Männer spricht und immer wieder betont, wie stark seine Frau ist, weil sie sich traut, bei den Kindern zu bleiben, hineinzukommen. Was nicht so einfach ist, denn es drängen sich hunderte Frauen um einen Platz, stoßen und bedrängen Mira, so daß sie schließlich von einem Bodyguard zum Interview geführt wird.
Die Stimmung scheint Mira auch nervös zu machen, denn sie schickt den Fotografen, der sie begleiten soll, weg, interviewt dann den Autor, lernt die Verlegerin Farah Seifriedkennen, die nach Farah Diba heißt. Kocht ihrem Oskar dann was zu essen, aber vorher trifft sie noch Jana, die Tochter ihrer Freundin Vesna bei “frauen.com” und eine kleine Demo mit Frauen die Transparente in die Höhe halten gibt es auch.
Die Anführerin ist Maggy Körmer, eine Rothaarige zwischen fünfzig und sechzig, die schon in den bereits erwähnten Siebzigerjahren dabei war und als radikale Feministin gilt.
Sandra Alman ist dagegen die Leiterin von “frauen.com” und irgendwann wird Mira von Maggy Körmer zu einem Hotel gerufen, weil dort Thomas Pauer eine Studetnin, die ihm wegen einer Hausarbeit interviewen wollte, vergewaltigt haben soll.
Die Studentin sitzt halbnackt im Foyer und verschwindet dann, die Verlegerin gibt am nächsten Tag eine Pressekonferenz und stellt sich hinter ihrem Autor und Mira Valensky bekommt heraus, daß der zum zweiten Mal verheiratet und eigentlich ein Österreicher ist, obwohl er überall als Deutscher gilt.
Die Presse berichtet in ihrem Sinn und erklärt Nicole Moser, die Studentin zu einer radikalen Feministin, die sich dann im Waldviertel versteckt und von Maria, Vesna und Jana in sehr abenteuerlichen Umständen aufgesucht wird.
Inzwischen schickt auch Thomas Pauer ein Mail und lädt Mira zu einem Poetenfestival nach Sardinien, wo er ihr ein Interview geben will, seine Verlegerin ist dagegen und scheint überhaupt viel militanter als ihr Autor zu sein, der offenbar gar nicht so sexbesessen ist, wie er sich in seinen Büchern darstellt und auch keinen Überblick über alle seine Interviews hat.
Mira trifft ihn jedenfalls beim Joggen, wo sie sich am Bein verletzt und sie ist auch Zeuge eines Streits zwischen ihm und der Verlegerin, bzw. bekommt sie einen wütenden Anruf von seiner zweiten Frau mit.
Bei der Schlußveranstaltung des Festivals outet sich Pauer auch, daß er in Wirklichkeit ein anderer ist und, daß sich vieles ändern wird und wird am nächsten Tag, wir sind inzwischen auf Seite hundertsiebenundneunzig angekommen und fragen uns, wo die Leiche bleibt, tot an der Stelle aufgefunden, wo sich auch Mira ihr Knie verletzte.
Die fährt wieder zurück nach Österreich, sucht Nicole, die sie auch in Sardinien zu sehen glaubte, Maggy Körmer war mit ihren Trasparenten ebenfalls dort und findet sie im Krisenzimmer von “frauen.com”, wo sie von Sandra Alman versteckt wurde.
Nicole gesteht, daß die Vergewaltigung gar keine war und sie den Mann eigentlich hereinlegen wollte, der sich aber nicht hineinlegen ließ und wird dann, während alle nach der Verlegerin als Täterin, die sich das Heft nicht aus der Hand nehmen wollte, suchen, in einer Berghütte in Kärnten ebenfalls fast ermordet und ich habe einen spannenden sanften Krimi gelesen, der wieder auf auf viele Mißstände und auch ein wenig auf das Verlagsgeschäft aufmerksam macht.
Das Poetenfestival in Gavoi scheint es wirklich zu geben. Eva Rossmann scheint dort einmal eingeladen gewesen zu sein und als sie dort nach “Shades of Grey” fragte, scheint ihr die Idee gekommen zu sein, den Stand der Frauenbewegung 2013 und wie weit sich die Frauen von starken blauäugigen blonden Männern immer noch manipulieren lassen, zu hinterfragen?
Kochrezepte gibt es auch wieder ein paar finden und die Geschichte, daß angeblich so starke sexbesessene Männer auch manchmal von Frauen hereingelegt werden können, haben wir ja wahrscheinlich vor kurzem bei Dominic Strauss-Kahn erlebt. Alles ist relativ und so habe ich das Buch spannend, frisch und originell empfunden, darf dem “Folio-Verlag” für die Zusendung des Rezensionsexemplars danken und wie gewünscht auf die Veranstaltungen hinweisen, bei denen das Buch vorgestellt werden soll, eine davon wird die Wienerkriminacht am 17. September sein.

Impressionen vom Volksstimmefest

Güni Noggler

Güni Noggler

Gerda Marie Pagoda

Gerda Marie Pagoda

Nach dem Begräbnis von Rolf Schwendter ging es gleich aufs Volksstimmefest und somit ins endgültige Ende der Sommerfrische und in den Herbst- und Schulbeginn.
Wir sind ja schon Freitagfrüh nach Wien gefahren, am Freitagnachmittag habe ich den Alfred besucht und mir den neuen WU-Campus im Prater, der noch ziemlich unfertig ist, angeschaut und am Samstagnachmittag mit der U- und Straßenbahn, die Tasche mit ein paar Bücher aufs Volksstimmefest transportiert, wo es ja heuer zwei Verkaufsstände gab.
Das “Zentrum Donau” hat ja diesmal die Bücher der “Linken Wort-Leser” verkauft und dann gab es wieder einen Büchertisch, gleich neben der Siebensternbühne, die es im Vorjahr, glaube ich, nicht gegeben hat. An den Verkaufsstand sollte man die Bücher schon ab dreizehn Uhr bringen. So früh habe ich es nicht geschafft. Trotzdem bin ich schon um ca drei zur Siebensternbühne gekommen, wo alles noch ziemlich unfertig war.
Keine Bänke aufgestellt und auch noch keine Autoren, nur die Ruth ist ziemlich einsam auf einer Bank gesessen.

Rudolf Lasselsberger

Rudolf Lasselsberger

Eva Jancak

Eva Jancak

Nach und nach sind die Autoren aber eingetroffen und es begann dann mit dem 1962 geborenen und Schwaz, lebenden Güni Noggler, mit dem ich schon mehrmals gelesen habe, ich habe auch ein Buch von ihm gelesen, eines steht noch auf der Leseliste und Güni Noggler begann auch gleich mit lauter Stimme von “Es ist Ausverkauf!”, zu sprechen und zählte eine Reihe von Mißständen und Skandale auf, die in diesem Lande vorherrschen, bzw. angepriesen wurden.

Gerald Grassl

Gerald Grassl

Hilde Langthaler

Hilde Langthaler

Gerda Marie Pagoda, 1941 in Bochum geboren, die, glaube ich schon vor zwei Jahren gelesen hat, machte mit dem Ausverkauf gleich lyrisch weiter.
“Es ist Ausverkauf, Rausverkauf, alles muß raus!” oder so und Rudi Lasselsberger brachte wieder etwas von seiner “Willilogie”. Die vierte Leserin war ich und ich hatte zwei relativ kurze Texte.
Der erste war der “Maimißbrauch” den ich ja in der Schreibgruppe im Mai geschrieben habe und der zweite den Brief an “Rolf Schwendter”, der glaube ich, sehr gut angekommen ist, zumindestens haben mich einige Leute positiv darauf angesprochen.
Gerald Grassl erklärte, daß er sich mit dem größten Ausverkauf der jüngeren Geschichte, nämlich der “Arisierung” und dem Jahr 1938 beschäftigt hat und brachte einen Text von einem Juden, den er in einer kommunistischen Gruppe kennenlernte und der erzählte, daß Väterlein Stalin seinem Vater das Leben gerettet hat, in dem er ihm aus dem KZ befreite, während die Nazis ihm bei einer Hausdurchsuchung seine wertvolle Büchersammlung, darunter eine Erstausgabe des “Kommunistischen Manifestes” raubten und später, als die Nazis keine Nazis mehr wahren, in einem Antiquariat teuer verkauften.

Susanne Ayoub

Susanne Ayoub

Karin Gayer

Karin Gayer

Hilde Langthaler brachte einige kürzere Texte und Susanne Ayoub hatte einige “Mann-Frau-Dialoge”, wo es um den Ausverkauf der Paarbeziehungen ging.
Karin Gayer hat, glaube ich, auch schon einmal auf dem Volksstimmefest gelesen und hatte eine Geschichte, die “Die Katastrophe” hieß. Da kauft sich eine Sekretärin in der Mittagspause ein paar schöne Halbpreismarkenklamotten, bricht sich einen Nagel, freut sich aber trotzdem auf das Date mit einem jungen Anwalt, denn das ist die Chance für die Zukunft. Sie kauft sich dafür auch eine schöne Tasche und als sie dann mit ihrem Auto nach Grinzig fährt, ist es in der Sommerhitze so heiß, daß sie verschwitzt dort ankommt, enttäuscht zurückfährt und aus ist es mit dem Traum der Anwaltsfrau.
Bernhard Erich Kaute, 1983 in Schwarzach im Pongau geboren, ist eine Neuentdeckung für das Volksstimmefest und las einige Gedichte vor.
Dann kam Judith Gruber-Rizy mit einer Stelle aus ihrem neuen Roman “Schwimmfüchslein” und dann ein Rolf Schwendter-Gedicht.
Helmut Schranz, der als nächster lesen sollte, fiel aus. Sein Buch “Birnall” habe ich mir aber vor kurzem beim Morawa-Flohmarkt gekauft.

Judith Gruber-Rizy

Judith Gruber-Rizy

Bernhard Erich Kaute

Bernhard Erich Kaute

Gertraud Klemm las wieder eine Stelle aus ihrem demnächst bei “Droschl” erscheinenden Roman “herzmilch” und Erwin Riesss einen “Groll-Text”, der vor kurzem im “Augustin” erschienen ist. Einen neuen “Groll”-Roman “Herr Groll und die ungarische Tragödie” wird es auch bald geben.
Die Samstag Lesung endete mit einem Text von Christian Schreibmüller, den ich, glaube ich, schon kannte, nämlich mit dem Kopfsalat in dem Halluzinogene entdeckt und der daher von der Innenministerin verboten werden soll. Ein halbes Gedicht und ein Rap folgten auch noch.
Dann gabs wieder Kaffee, Kuchen und Autorentratsch am Favoritnerstand und ein Herummarschieren, Leute treffen und Sturm trinken im Festgelände.
Am Sonntag bin ich, weil ich über die Hauptalle zum Fest gehen wollte, ein bißchen später zum “Linken Wort” gekommen, so daß Doris Nussbaumer, die ja die “Lise-Meitner-Anthologien” vor der “Verramschung gerettet und auf den Bücherständen aufgelegt hat, schon las und ich ihren Text, der in der “Wien-Zeile” erschienen ist, versäumte, da die neue “Wien-Zeile” aber demnächst im “Werkl” präsentiert wird, läßt sich das nachholen.

Gertraud Klemm

Gertraud Klemm

Erwin Riess

Erwin Riess

Als nächstes kam Ruth Aspöck, versprach ihr “Bestes” zu geben und las einen Kuba-Text, in dem es darum ging, daß die Kubaner das Wort Ausverkauf nicht verstehen, da die Regale zu der Zeit, wo sie dort war, meistens leer waren und die Waren sehr knapp bemessen.
Magdalena Knapp-Menzel las wieder sehr eindrucksvoll von Ideen, wie man die Armen und die Alten entsorgen könnte, um den Wohlstand für alle zu sichern.
Dann kam wieder ein neuer Leser, nämlich der 1987 in St. Veit an der Glan geborene Gabriel Binder, der mir genauso unbekannt war, wie der in Graz lebende Schriftsteller und Liedermacher Franz Stephan Parteder, der in Graz stellvertretender Bezirksvorsteher war.
Elfi Resch, die auch in der Veza-Canetti Anthologie vertreten ist, brachte zwei beeindruckende Texte. Der erste handelt davon, daß es an einem Tag im Jahr 1988 im Burgenland auf einmal keine Bananen mehr gibt, dafür aber viele Autos mit ungarischen Kennzeichen und der zweiten handelt von einer arbeitslosen Frau und ihren Kunststücken von sieben Euro zu leben, bzw. in den Supermärkten einzukaufen und nicht zu verhungern und dann noch fünfzig Cent einer Augustin-Verkäuferin zu spenden.

Christian Schreibmüller

Christian Schreibmüller

20130831-171254

Hilde Schmölzer brachte einige theoretische Erörterungen zum Thema Prostitution und Helmut Rizy einen Traum, wie er sich auf einmal in einem Flugzeug nach Griechenland befindet und ihm dort Inseln, Yachten und Häfen zum Schnäppchenpreis angeboten werden.
Thomas Northoff brachte wieder etwas aus “Nein elefen” und die Juristin und experimentelle Autorin Neda Bei beschäftigte sich mit dem Thema Ausverkauf aus juristischer Sicht, wobei der Ramsch und die Schnäppchenkäufe auch eine Rolle spielten und der Schriftsteller Peter Clar, der auch schon bei früheren Linken Wörtern las, ich ihn von einem Jelinek-Symposium kenne und schon bei mehreren Lesungen hörte, drückte wieder auf sehr brillante Art und Weise seinen Widerwillen über dieses Thema zu schreiben aus.

Christoph Kepplinger

Christoph Kepplinger

Dazwischen kamen noch Gerald Grassl und Ottwald John zu Wort, um an Rolf Schwendter zu erinnern. Gerald Grassl erzählte Anekdoten von der Angora-Gedenklesung zu der mich Peter Contra eingeladen hat und Ottwald John gab Erinnerungen an den kleinen lesehungrigigen Rolf Schwendter zum Besten bzw. erzählte er wann und wie er ihn kennenlernte.

Den Abschluß bildeten dann die beiden jungen Sprachkünstlerinnen Eva Schörkhuber und Nadine Kegele, die auch auf den Volksstimmefestlesungen kennenlernte, wobei die nächste Klagenfurter Stadtschreiberin ihren Text vom Handy las und sich dafür entschuldige.
“Kein Grund das zu tun!”, schloß Christoph Kepplinger, versprach aber, die nächste Anthologie nicht als E-Book herauszugeben und die Texte auch nicht ins Netz zu stellen und wies nochmals auf die Büchertische hin, wo ich von mir auch tatsächlich zwei Bücher verkauft wurden.
Dann gabs noch einmal Kaffee und Kuchen und ich ging mit dem Alfred zur Volksstimmefest-Bühne, wo Harri Stojka ein sehr eindrucksvolles Konzert gab.