Der 1988 in Wien geborene Lukas Meschik, ist eine junge Stimme, die mir fast entgangen wäre, zumindest habe, ich sie, bei meinen “Klagenfurt-Getratsche” nicht erwähnt, ich war auch noch nie auf einer Lesung, den Namen des vorigen Luftschacht- und jetzigen Jung und Jung Autors habe ich aber schon gehört, so habe ich im Jänner 2012 als es die “Anleitung zum Fest”, in der Morawa-Abverkaufskiste gab, danach gegriffen, das Buch brav auf die Leseliste gesetzt und erst jetzt mitbekommen, daß es sich dabei um einen Erzählband handelt und, daß es sich, wie am Klappentext steht, bei Lukas Meschik um einen “jungen Erzähler mit hohen stilistischen und formalen Können” handelt, lassen die Verlage bzw. die Nominierung zum letzten “Alpha” mit wahrscheinlich dem Jung und Jung Roman “Luzidin oder die Stille”, vermuten. Dann gibt es noch den Debutroman “Jetzt die Sirenen”, mit dem er mit Steffen Popp verglichen wurde und dem Netz entnehme ich, daß der mir Unbekannte, kanpp vor der Matura, die Schule geschmissen hat, um sich ganz der Literatur und der Musik zu widmen, womit er offenbar sehr erfolgreich war, während er in seinen Erzählungen, die Tristesse der jungen Leute und die Schwierigkeiten des Lebens zwischen Matura und Studienbeginn schildert und tut das mit einer wahrhaft präzisen Sprache und einem frischen knappen Stil.
“Ein ortloser Ort”, ist den “Nachtrouten Wiens” gewidmet und beginnt mit der allgemeinen Betrachtung der Frage, ob “vier Uhr früh ein Zeitpunkt zum Sterben ist?”
Lukas Meschik behauptet jedenfalls, daß in dieser Zeit in den Altersheimen, Spitälern, etc, am meisten gestorben wird.
“Todesursache Altersschwäche, sagen die Schwestern und Pfleger und Ärzte gelassen und nicken, als wüssten sie von anderen, denen es ähnlich erging” und zieht dann in einem atemberaubenden Tempo durch das nächtliche Wiens, wo die Nachtbusse fahren oder zu spät kommen, man sich die Namen für die Kinder ausdenkt, die Liebste küsst, aber auch von Messerstechern, die den Angstschweiß spüren, überfallen wird, zischt in die Casinos ab, findet in “bröckelnden Mauernumschalung kleine Pakete zurückgelassener Kleidung” und denkt “an die Sommerresidenz einiger Obdachloser”. Am Schluß kommt er wieder zu der vierten Morgenstunde zurück und fängt zu kochen an “Prost und guten Appetit”.
Im “Tag der Trägheit”, “Glück”, lautet der Untertitel, den es bei jeder Geschichte gibt, verbringen zwei, die Zeit zwischen Matura und Studienbeginn im Badezimmer, das heißt “Joe verbringt manchmal Tage einfach nur damit im Badezimmer das Licht anzulassen”, um die Mutter zu ärgern, die brav arbeiten geht, Joe und der oder die Erzählerin, so genau habe ich das nicht herausgefunden, rauchen Gras und bezweifeln, daß die Mütter den Geruch erkennen, ernähren sich von Fertigpizza, trinken Bier, der die ErzählerIn bereitet sich auf das Philosophiestudium vor, Joe hat, wie er sie meint einfach Angst, davor seine Chancen auszunützen oder, daß es ihm gefallen könnte und entschwindet dann auch irgendwohin draußen “und es geht ihm nicht schlecht”, lautet der letzte Satz.
Dann kommt die “Neuordnung der Synapsen” oder “Acht Gegensätze” und bei “Was uns an Amputationen denken läßt”, geht es in die Diskothek und da wird ganz genau beschrieben, was dort passiert. Es wird geraucht und gekifft, getrunken und geliebt, die Nachtbusse rauschen vorbei, der Türhüter läßt die Dreizehnjährigen hinein, obwohl man ja zwischen sechzehn und sechsundzwanzig sein sollte und während es bei den Protagonisten an die Liebe geht, denken sie bei der “Beschreibung ihres Ausgehabends”, ständig an “Amputationen. Jeunesse doree pur, könnte man meinen oder auch an die “Krankheit der Jugend”, denken, die Lukas Meschik ganz neu zu beschreiben versteht.
In der “Kunst des Halbierens”, sitzen zwei im ersten Stock eines Restaurants, die Frau hat ein Aufnahmegerät dabei und interviewt den Mann, der ihr eine “Liebesgeschichte” erzählt.
“Wir leben in unverbindlichen Zeiten!”, zitiert er immer wieder, beschwert sich beim Kellner, der die sechszehn Stufen über die Wendeltreppe hinaufkeuchen muß, über den unverschämt hohen Preis der Scholle, bestellt sie aber doch, streicht der Frau übers Haar und man weiß nicht recht, was hier passiert? Diktiert der Schriftsteller seiner Sekretärin oder Ghostwriterin die Beziehungsgeschichte, interwiewt die Reporterin den Erfolgsmann für das Wochenmagazin oder läuft so das Leben ab und Lukas Meschik ist mit seinen etwas über zwanzig Jahren so mutig, daß er sich das in schönen Worten auf siebzig Seiten, langsam und bedächtig zu erzählen traut, Banales aufrollt, die Geschehnisse in Einzelheiten zerfleddeert und es ist keiner da, der “Da passiert ja nichts!” zu ihm sagt und der Titel der Geschichte rührt davon her, daß der Mann Theorien über das Halbieren aufstellt. Das Schnitzel, die Scholle kann man teilen, den Menschen nicht und am Ende gehen sie, wo doch alles so schön begonnen hat, wieder auseinander.
Dann steigern sich die Geschichten von den kiffenden Jugendlichen in einer nächtlichen Stadt zu wahren Apokalypsenfantasien.
In “Unter der Oberfläche”, wird einer, ein gelangweilter Bobo höchstwahrscheinlich, von seinem weisen Mann, der ihm destruktive Ratschläge gibt, in eine zufällige Liebesnacht nach zufälliger Bekanntschaft in seine Wohnung geleitet. In “Die Rückkehr der mißhandelten Frauen”, kommen die Models und Pornofilmdarstellerin, die sich einen halben Liter Milch einflößen lassen, damit es nachher aus ihnen heraussprudelt, sie sich zu ihren Studium was verdienen und die Männer ihre Freude haben, in das Dorf, bevor sie wieder auf ihre Plakatwände bzw. Fersehserien steigen werden.
“Gedanken in blau”, beginnt im Hörsaal, vierte Reihe hinten, steigert sich zu einer allumfassenden Weltuntergangsstimmung, um am Schluß wieder dorthin zurückzukehren.
Das scheint überhaupt Lukas Meschiks Spezialität zu sein, nach der Katastrophe mit dem ganz banalen Alltag abzuschließen und die Titelgeschichte ist auch mit “ein Ende” bezeichnet, wir werden von Lukas Meschik, der wie viele junge Literaturtalente auch beim FM4 Preis begonnen hat, aber sicher noch einiges hören und in dem “Profil-Unter Dreißig Artikel”, das hatte ich vergessen, wurde er auch als Beispiel erwähnt, habe also durch das Abverkaufbuch eine ineressante junge Stimme kennengelernt und bin gespannt, ob ich ihr einmal beim Bachmannpreislesen, etc, begegnen werde.