In der Musiksammlung der Wien Bibliothek gab es heute die Buchpräsentation von Rosa Mayreders “Zivilisation und Geschlecht”, ein Lesebuch herausgegeben von Eva Geber.
Rosa Mayreder, die 1858 geborene und 1938 verstorbene Frauenrechtlerin, Kulturphilosophin, Librettistin, Schriftstellerin und Malerin ist sicherlich eine interessante Frau, die seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr Tagebuch, mit dem “Haus in der Landskrongasse” ihre Autobiografie schrieb und mit Marie Lang und Auguste Fickert 1893, den allgemeinen österreichischen Frauenverein gründete und für Hugo Wolf, das Libretto für seine Oper “Der Corregidor”, schrieb. Deshalb fand die Buchpräsentation in der Musiksammlung in der Bartensteingasse statt, da dort gerade eine Ausstellung zum hundertfünfzigsten Geburtstag von Hugo Wolf läuft, in den “Loosräumen” einer ehemaligen großbürgerlichen Wohnung, also einem sehr interessante Ambiente, in dem ich noch nie war.
Rosa Mayreder war mir dagegen schon bekannt, hat doch Hilde Schmölzer 2002, bei Promedia, eine Biografie “Ein Leben zwischen Utopie und Wirklichkeit” herausgebracht und mir das Buch zum Geburtstag geschenkt, bzw., als wir uns 2000 oder 2001 in dem Gartenhäuschen der Bruni trafen, davon erzählt.
“Mayreder nicht Mairöcker”, hat sie mir einige Male zugerufen, als ob ich das verwechselt hätte. Aber beide Namen waren mir schon damals bekannt und das Buch habe ich, als ich es bekommen habe, gelesen, die bei Mandelbaum erschienene Autobiografie “Das Haus in der Landskrongasse” dagegen nicht. Aber das wäre ohnehin schwierig gewesen, da es mit den Rechten Schwierigkeiten gegeben hat, wie Michael Baiculescu erzählte, so daß das Buch eingestampft werden mußte.
Das ist jetzt vorbei, siebzig Jahre nach dem Tod werden die Rechte freigegeben, so daß Rosa Mayreder wieder erscheinen kann, wenn sie ihre Leser findet und sich die Herausgabe wirtschaftlich trägt.
Mit dem von Eva Geber, der Herausgeberin der “AUF”, die jetzt bald ihren fünfunddreißigjährigen Geburtstag hat, herausgegebenen Essayband bzw. Lesebuch wurde ein Anfang gemacht und es gab in den sehr schönen Jugendstilräumen ein Gespräch zwischen Eva Geber und Michael Baiculescu.
Hilde Schmölzer hat ihre Biografie auf den Büchertisch gelegt und mir von ihrem Vorlaß erzählt und Eva Geber erzählte ein bißchen was von der radikalen Frauenrechtlerin, die eine schwierige Kindheit hatte, nämlich einen patriachalen Vater und eine schwache Mutter, die ein ehemaliges Kindermädchen war und zwölf Geschwistern, darunter einige Brüder, für die die beste Bildung vorgesehen waren und weil sich die kleine Rosa frühzeitig für die “Rechte des Weibes” interessierte, hat sie mit ihnen Latein und Griechisch gelernt und später sehr radikale und freie Ansichten entwickelt, auch wenn sie manchmal etwas widersprüchlich waren.
Im Jänner 1938 ist sie, zum Glück, wie Eva Geber meinte, gestorben, denn kurz darauf wurden die Frauenvereine ja verboten und es war lange still, um die Rechte der Frau, die erst in den Siebzigerjahren, wahrscheinlich mit und durch die AUF-Frauenbewegung, eine Renaissance fanden.
Eva Geber hat jedenfalls in einer Bücherwühlkiste ein altes von einem Frauenverein herausgegebenes Buch gefunden, in dem ein Rosa Mayreder Portrait enthalten war und die Frauenbewegung hat die große Frauenkämpferin für sich entdeckt und ihre Werke herausgebracht.
Eva Geber las ein Kapitel über die “Rechte des Weibes”, es gab eine Diskussion, in der gefragt wurde, warum die jungen Frauen so wenig kämpfen und darüber, ob die Frauen selber schuld an ihrer Unterdrückung sind, wo alle lebhaft widersprachen, aber ein bißchen stimmt es wahrscheinlich schon, beziehungsweise habe ich die Frauen oft am wenigsten solidarisch erlebt und hatte auch bei Hilde Schmölzer, als ich ihr mein neues Buch zeigte, ein bißchen das Gefühl, daß sie es nicht so ernst nimmt, aber es ist sicher schwer, in einer Situation in der das Boot sehr voll ist und der Platz, der einer bleibt sehr eng und schmal, wenn man da vorwärts kommen will, ist es nicht so einfach, die anderen nicht zu übersehen.
Danach gab es Brot und Wein, ich habe mich mit Renate Saßmann, Hilde Schmölzer und einer Stammbesucherin, deren Namen ich nicht weiß, unterhalten und am 6. Mai wird im ersten Wiener Lesetheater Anita C. Schaubs “Tanzende Rose”, im Amerlinghaus aufgeführt und am nächsten Dienstag gibt es im Literaturhaus eine Gedenkveranstaltung zum ersten Todestag von Elfriede Gerstl und vor dem Burgtheater gibt es am Donnerstag, den 29. 4., eine große Protestverstaltung bezüglich Amerlinghaus, es ist also auch heute nicht so leicht und man muß ebenfalls viel kämpfen, um seine Rechte nicht zu verlieren.