Wach ich oder schlaf ich

Isabel Boltons 1946 geschriebener Roman “Wach ich oder schlaf ich”, erschienen in der Brigitte- Edition-erlesen, ist offenbar eine Wiederentdeckung von Elke Heidenreich, habe ich bei Wikipedia doch gelesen, daß die 1883 in Conneticut geborene und 1975 in New York verstorbene Autorin, nach ihrem Tod vergessen wurde. Sie wurde aber mit Henry James und Virginia Woolf verglichen und die Dreiecksgeschichte vom Partyleben der New Yorker Boheme, im Frühling 1939, während Krieg in Europa herrscht, Hitler Wien und das Sudentenland besetzt hat, ist sicher interessant zu lesen.
Verbringen doch die Dichterin Millicent, ihre Freundin Bridget und der Schriftsteller Percy ihren Tag zwischen dem Lunch im französischen Restaurant, wo die Seezunge aus der Normandie im Salzwasser extra eingeflogen wird und Lenny Weeds Cocktailparty, mit Nichtstun, lockeren Seelenschmerzen, inneren Mologen und äußerlichen Philosophieren. Dazwischen wird zur Schneiderin gegangen und charmant geplaudert.
Dabei hat Bridget ein behindertes Kind in Wien, das mit seinem großen Kopf, wie sie erzählt, von den Nazis im grotesken Kostüm und einem Schild um den Hals ausgestellt wird.
Sie braucht also Geld, um das Kind aus dem besetzten Wien herauszubringen, plaudert aber locker über die europäische und die amerikanische Literatur und zieht Vergleiche zwischen Faulkner und Dostojewsky, während Millicent, von der der Titel, “Wach ich oder träum ich”, stammen könnte, weil sie oft nicht das tut, was sie eigentlich will und darüber unzufrieden ist, ins Kino geht, wo sie bei der Wasserstoffpuppe an der Kasse, ihren Zehndollarschein läßt und während der Wochenschau, wo die deutschen Soldaten durch Wien marschieren, Gedichte auf einen Briefumschlag schreibt.
Bei der Party wird der betrunkene Percy, der Millicent unbedingt helfen will, ihr Kind aus dem besetzten Wien herauszubringen und sich dafür von seinen Verleger Vorschüße auf alle seine noch ungeschriebenen Bestseller auszahlen lassen möchte, von einem jungen Mann namens Price niedergeschlagen und liegt, während die Party weitergeht, mit Kopfverband im Nebenzimmer. Bridget verschwindet mit Price und seinen Millionen zu Kind oder Traualtar, während Millicent sich überzeugen geht, ob Percy heil in seinem Appartement angekommen ist, als ihr der nicht antwortet, will sie in ein Taxi steigen, erinnert sich aber, daß sie kein Geld in der Tasche hat, so daß sie sich schließlich neben einer heruntergekommenen Irin auf einer Parkbank wiederfindet, versonnen auf die Zweige eines jungen Ahornbaumes blickt und die kleinen Sterne leuchten sieht.
“Hochmodern und aktuell, denn tanzen wir nicht auch gern über Wahres oder Wichtiges hinweg?”, schreibt Elke Heidenreich in ihrem Nachwort und man bleibt ein wenig betroffen zurück, denn die starken Bilder des Symbolismus und des literarischen Stils einer Virginia Woolf sind sehr eindrucksvoll, geheimnisvoll und manchmal unverständlich. Den Holocaust aus der Sicht der New Yorker Boheme zu beschreiben, die von dem Ganzen nicht viel versteht, sondern naiv und trunken ihr Partyleben feiert, erscheint mir aber auch ein bißchen pietätlos, wenn es auch sicher stimmt, daß geliebt, geprasst und gedichtet wird, während tausend oder auch nur ein paar Kilometer weiter, die Fetzen und die Bomben fliegen.

Generalversammlung

Am Samstag die diesjährige Generalversammlung in der alten Schmiede, früher gab es die den ganzen Samstag und am Sonntagvormittag. Dann nur noch Samstag, jetzt wird es wieder durch den Freitagabend bzw. Nachmittag verlängert, bezüglich Kennenlernen der neuen Mitglieder, kleiner Umtrunk am Freitagabend und das ist eine gute Idee, denn die GAV wächst und wächst und wird naturgemäß immer jünger, obwohl die ganz Jungen, wie ich hörte, nicht in die GAV eintreten.
Aber dreizehn neue Mitglieder wurden diesmal problemlos in die GAV aufgenommen, darunter Anita C. Schaub und Susanne Toth und am Vormittag war ich dadurch frustriert, daß mir Christl Greller erst nach der Generalversammlung mitteilen wollte, ob sie zu meiner Geburtstagslesung kommt, zu der ich sie eingeladen habe, weil ich nach der Frauenlesung ein bißchen harsch zu ihr war und ein harmoniebedürftiger Mensch bin, der mit allen gut auskommen will. Dann gabs eine Enttäuschung, weil es wieder nicht gelungen ist, noch einmal in die Jury der Neuaufnahmen zu kommen. Da wünscht sich Ilse Kilic immer neue Mitglieder, obwohl die anderen das auch länger machen. Es macht zwar nicht wirklich was, weil ohnehin schwer zu entscheiden und man sich leicht irren kann, aber ich bin sehr neugierig auf die Texte, dadurch lernt man die neuen Mitglieder am besten kennen. Werde also nach Bedarf weiter meine Veti stellen, aber am Nachmittag bzw. am frühen Abend dachte ich fast an Austritt, denn mein Veranstaltungsvorschlag, die Mittleren IV, mit Ruth Aspöck, Andrea Stift, Susanne Schneider und Cornelia Travnicek ist problemlos durchgekommen, Christine Huber meinte zwar Cornelia Travnicek ist ein bißchen jung für eine Mittlere, aber die Idee, die mich zu dieser Veranstaltung führte, ist, die schreibenden Frauen, die ich im Laufe meines Lebens kennenlernte, vorzustellen und das sind, seit ich das Literaturgeflüster betreibe, Andrea Stift und Cornelia Travnicek, im ersten Teil waren das noch die Arbeitskreis- und Lesefrauen und mit Marlen Schachinger und Anni Bürkl hatte ich auch immer eine jüngere Frau dabei, die ein bißchen für das Mentoringsystem stehen könnte, so habe ich es jedenfalls Silvia Bartl einmal erklärt.
Die Enttäuschung kam mit dem Gerücht, daß das Amerlinghaus vielleicht geschlossen werden soll, genaueres weiß man zwar nicht, was mache ich aber dann?
Dann war es doch nicht so eine gute Idee, mich statt für die “Freiheit des Wortes” für die Frauenlesung zu entscheiden. Petra Ganglbauer, die das erste jetzt als Vizepräsidentin macht, hat mich zwar für die Veranstaltung eingeladen, aber ich bin ziemlich abgestürzt und erst das Abendessen im Gasthaus Pfudl und das Gespräch mit den Kollegen am Tisch hat mich langsam aufgeheitert.
Bücher habe ich schon vorher getauscht, so Margot Kollers “Flaschenpost an Josy- eine nicht ganz seichte Lektüre zum Thema Wasser” gegen “Die Radiosonate”, das ist auch ein fünfzig Exemplare Selbstdruckbuch und Dietmar Füssel hat mir das “Literarische Jahrbuch der Stadt Linz aus dem Jahr 1987” mitgebracht und mit ihm habe ich mich intensiv über seine Bücher unterhalten. Er arbeitet immer noch an seinem historischen Ägyptenroman, schreibt ihn immer wieder um, weil ihm die Dialoge nicht gefallen und hat mit seinem satirischen Roman Verlagsschwierigkeiten. Dann habe ich Peter Hodina aus Oberösterreich, der in Berlin lebt, kennengelernt und Richard Wall hat mir viel über sein Schreiben erzählt.
Das Essen wieder gut, Leberknödelsuppe, Kalbsgulasch und Eismarillenknödel, aus lauter Frust habe ich ein zweites Übergebliebenes gegessen und viel Wasser dazu getrunken.
Ruth Aspöck hat mich am Donnerstag eingeladen zu ihr zu kommen, um mir ein paar übergebliebene Bücher der Edition die Donau hinunter auszusuchen und Alfred hat jetzt doch zwei Bücher(s)pässe gebracht, so daß ich es, wenn von der Buch Wien keine positive Antwort kommt, mit dem Niedrigeintritt versuchen kann, ich bin aber immer noch sehr betroffen, auch wenn von Andrea Stift ein liebes Mail gekommen ist, daß mein Manuskript bei ihr eingetroffen ist und ich mit Elisabeth Ernst ein nettes Gespräch führte, die mir das Katalogbild von dem nackten Mann zeigte, den sie für das Künstlerhaus gespendet hat und “Die Radiosonate” kaufte.