Astronauten

Jetzt kommt eines der Weihnachtsbücher von 2015, nämlich Sandra Gugics Debutroman “Astronauten”, deren literarischen Karriere ich ja auch von Anfang an verfolgen konnte.

1976 als Tochter von serbischen Gastarbeitern geboren hat sie 2008 den EXil-Literaturpreis gewonnen, dann war sie beim Klagenfurter Literaturkurs, hat in Wien und in Leipzig Sprachkunst studiert, im letzten Jahre den “Priessnitz-Preis” bekommen, Hans Weigel-Stipendiaterin ist sie auch und 2015 ist bei Beck ihr Debutroman “Astronauten” erschienen.

Da war ich bei der Präsentation in der “Gesellschaft für Literatur” und habe da mit den Episoden von sechs Menschen die in einem Sommer über eine Stadt ziehen, gar nicht so viel anfangen können.

“Na ja!”, habe ich mir wahrscheinlich gedacht oder “Ein typischer Debutroman!”.

Ich habe auch versucht ihn mir zu bestellen, aber bei “Ch. Beck” ist das schwer ein Mail zu schreiben und so habe ich  das Buch voriges Jahr auf meine Geburtstagsliste geschrieben und gemeinsam mit Cornelia Travniceks “Junge Hunde” vorige Weihnachten bekommen.

Und Tiere spielen in dem Roman, der wieder keiner ist, sondern eine Andeinanderfolge voll Sprachkunst erzählter Episoden über sechs Menschen, die einen Sommer in einer Stadt verbringen. Sich miteinander vermengen, sich wieder verlieren, alle irgendwie einsam sind, wie der Klappentext verrät und den ersten schönen Satz “Gott ist ein Astronaut” gibt es auch, den wir  in dem Buch auch noch öfter wiederfinden und ich habe mich ja vor der Präsentation gefragt, wieso Sandra Gugic dazugekommen ist ihr Buch so zu nennen?

Bei Birigit Birnbachers “Debut “Wir ohne Wal” hat es mich ja gestört, daß dieser Roman eine Aneinanderfolge verschiedener Erzählungen ist, die eigentlich nicht viel mit sich zu tun haben. Hier gibt es keinen Plot und keine Handlung, aber Ereignisse und auch Verknüpfungen und das ist eigentlich etwas, was meinem Schreiben sehr ähnlich ist und ich es mit dem “Frühstücksprojekt” auch gerade probiere.

Aber natürlich Kritiker, aufgepasst, meine Sprache ist nicht so schön und auch nicht so frisch modern, bin ich ja schon über sechzig, aber Sandra Gugic ist auch schon vierzig, hat aber einen sehr frischen Ton und bei “Amazon” habe ich gelesen, daß das Besondere an dem Buch ist, das jede Person ihre eigene Sprache hat.

Warum geht es jetzt werden meine Leser jetzt schon ungeduldig fragen? Also da sind sechs Menschen, fünf Männer eine Frau, Darko, Zeno, das sind zwei Jugendliche, die wahrscheinlich aus Serbien oder sonstwo aus Exjugoslawien kommen oder dort ihre Wurzeln haben, Alen ist der Vater von Darko, Alex ein drogensüchtiger Kleinkrimineller aus guten Haus, wie im Klappentext steht, Niko ist Polizist und Mara ist eine Künstlertochter.

Die verleben jetzt ihren Sommer in drei Teilen, verknüpfen sich, verlieren sich und erzählen oder erleben auch sehr schöne Geschichten. Mara, die Künstlertochter ist die Meisterin darin, ihre erste Szene beginnt in einer Galerie. Da geht sie mit ihrer Schulklasse hin und dort hängt offenbar auch ein Bild, auf dem ihr Vater ihre Mutter malte.

Der Vater ist inzwischen verschwunden, die Mutter irgendwie seltsam depressiv, sitzt am Boden und betet ihren Guru an und Mara geht zu ihrer Therapeutin und da denkt sie sich Geschichten aus, nämlich, daß die Theraueutin nicht in das Institut, Anstalt darf man die Klinik, wo die Therapie stattfindet, nicht nennen, weil sie einen Hund überfahren hat, den begräbt sie dann nachts und ein Fuchs kommt und gräbt ihn wieder aus und Eichhörchen überfallen überhautpt die Stadt, dringen bis zur Schmerzgrenze in einen Supermarkt ein, man sieht, wirklich sehr schöne Bilder.

Es spielt aber auch die Kriminialität eine große Rolle, der drogensüchtige Alex und Zeno, dem von seinem Vater immer wieder angedroht wird, zurück nach Serbien oder sonst wohin gebracht zu werden, der halbgepackte Koffer steht immer im Zimmer, drehen krumme Sachen, der Polizist Niko soll vermitteln, während der Taxisfahrer Alen seinen Sohn deshalb im Sommer bei sich hat, weil der Großvater, wo er sonstwohnt im  Sterben liegt, Krebs hat und man ihm das nicht sagen darf.

Darko ist in Mara verliebt, die beginnt aber obwohl noch minderjährig ein Verhältnis zu Alen, sitzt in seinem Taxi, faltet Füchse oder fotografiert und am Schluß fahren alle irgenwohin und wir haben einen sehr poetischen Debutroman, einer sehr poetischen Autorin gelesen, die eine sehr moderne Sprache hat, die im Gedächtnis bleiben wird, obwohl nicht alle “Amazon Rezensenten” dieser Meinung sind.

Gut aber tot

“Fleisch essen kann gefährlich sein, vegan leben auch!”, steht am Rücken meines vom Alfred bekommenen Weihnachtsbuches und ich habe wieder einmal einen Eva Rossmann Krimi glesen.

Der Achtzehnte ist es schon in dem Mira Valensky und ihre Putzfrau oder jetzt schon Freundin Vesna, alle möglichen gesellschaftlichen Porbleme unserer Zeit bearbeiten, den die 1962 geborene Verfassungsjuristin und Hobby oder auch schon Profiköchin da geschrieben hat, denn die, die auch als Journalistin gearbeitet hat, ist eine sehr fleißige Person, die Jahr für Jahr einen Kriminalroman heruausgibt.

“Wahlkampf” war der erste, 1999 erschienen, den hat sie dann beim “Poetenfest” bei Richard Pils vorgestellt und ich habe aus den “Wiener Verhältnissen” gelesen. Das war mein erstes Selbstgemachtes, jetzt schreibe ich schon am dreiundvierzigsten Digitaldruckbuch und bin damit leider nicht so erfolgreich, wie die freundliche Journalistin geworden, habe aber im letzten Jahr wieder mit ihr im Literaturhaus gelesen, das heißt, sie hat da eine “Flüchtlingsanthologie” vorgestellt und weil es eine sogenannte “Publikumsveranstaltung” war, habe ich mein “Sommerbuch” vorstellen können.

Man tut was man kann und ich habe für die Lesung in Schloß Raabs ja auch kein Honorar bekommen nur ein Mitternachtsessen, das, wenn ich mich richtig erinnere, aus Schweinsbraten bestanden hat, womit wir wieder beim Thema wären.

Die achtzehn Krimis sind in dem “Folio-Buch” genau angeführt, Taschenbuchausgaben gibts dann immer bei “Bastei Lübbe”, wofür sich die freundlich Autorin auch sehr freundlich bedankt und ich kann genau nachvollziehen, welche ihrer Krimis ich nun gelesen habe und welche nicht.

Nicht mehr alle, aber sehr viel, denn bis zu Buch zehn oder elf habe ich sie immer vom Alfred zum Geburtstag oder Weihnachten bekommen und sie dann mehr oder weniger begeistert gelesen.

Manche haben mir gefallen, manche eher nicht, mein Highlight ist wahrscheinlich immer noch “Freuds Verbrechen” und seit 2008 blogge ich ja mit, da habe ich “Russen kommen” zu Weihnachten bekommen, aber noch nicht so genau rezensiert.

Dafür gibts eine Rezension von “Leben lassen” “Evelyns Fall” war dann schon ein Rezensionsexemplar.

“Unterm Messer” hat mir der Alfred gekauft.

“Unter Strom”, “Alles rot” und “Fadenkreuz” habe ich nicht gelesen, dafür aber das 2013 erschiene “Männerfallen”, das war dann wieder ein Rezensionsexemplar.

Von den letzten Büchern habe ich auch nicht so viel gehört, dafür wurde aber “Gut aber tot” im Cafe Sonntag, der Sendung, die ja Eva Rossmann moderiert vorgestellt und auf der “Buch-Wien” war sie, glaube ich, damit auch und das Buch hat wieder ein brisantes Thema, geht es ja um das Essen.

Vegan oder nicht und, daß man daraus genauso einen Glaubenskrieg machen kann, wie daraus, ob man nun links oder rechts ist, Hofer oder van der Bellen wählte, hat Eva Rossmann wieder sehr genial herausgefunden und vermarktet und, wie immer nähert sich sich ihrem Thema, sehr langsam, von allen Seiten und mit vielen Fragen an.

Der letzte von mir gelesene Rossmann-Kkrimi, mit dem sie auch den “Perutz-Preis” bekommen hat, ist 2013 erschinen.

Seither ist viel passiert, Kater Gismo ist gestorben, Mira fährt mit einem Elektroauto und die Tochter ihrer Freundin Eva, die sie 2005 bei “Wein und Tod”, kennenlernte, ist jetzt selber Winzerin und engagiert sich bei den “Landsleuten”, das ist eine Vereinigung junger Bauern, die man nicht für rechts halten soll, denn die jungen Landleute sind “Weder blöd noch dumpf, sondern einfach vom Land, die sich gegen die “blöden Veganer” wehren, die sich V. A.s nennen, eine Organisation, die es offiziell gar nicht gibt.

Und die haben jetzt mit Theaterblut “Mörderin” auf das Tor der Winzerin geschrieben, die empört, Mira Valensky herbeiholt und der Krimi beginnt.

Wie immer langsam und bedächtig. Zuerst macht sie ein Experiment, in dem sie zwar Lammkottelets einkauft, ihrem Oksar aber ein veganes Süppchen und dann irgendwas im Brotteig serviert, worauf sie der entsetzt anschaut und sich erkundigt, ob sie jetzt immer so kocht?

Und weil wir in einer intoleranten Gesellschaft leben, beschweren sich die Nachbar auch über das Geschrei der neuen Katze und drohen mit der Polizei.

Mira leckt Blut und beschließt in ihrem Magazin einen Artikel über die Veganer zu schreiben. Dazu besucht sie den Gnadenhof, wo ein ehemaliges Model, alten Tieren mit Spenden und Testamenten von Tierfreunden ein Leben im Ruhestand ermöglichen will.

Mira stolpert nun gleich über die erste Leiche. Der herzkranken Geschäftsführer wurde von Füchsen angefresen und eine Reihe von Spekulationen tauchen auf. Die Finanzgebarung könnte nicht stimmen, das Gebäude könnte sich auf einer ehemaligen Mülldeponie befinden und und und….

Es geht aber vorerst  mit einer Produktverkostung weiter, auf der auch Franz, das ist einer der Landleute, der aber, weil seine Eltern den Hof noch nicht übergen wollen, ein bißchen bei “MitTier” mitarbeitet, sein veganes Würschen aussteilt und den dritten Platz macht.

Martina, die junge Winzerin triumphiert, macht eine Party, bei der zwar auch die Polizei anrückt, weil nicht angemeldet, aber sie bekennt, daß in Franzens Würchen, das beste Biofleisch war, worauf der dann mit einem Schuß im Rücken tot aufgefunden wird.

Ein veganer Aktivist, der bei dem tatsächlich stattgefundenen Tierschützerprozeß, eine Rolle spielte und im Gefängnis saß, taucht auf und eine halbtürkische Kabaretistin, die ein Programm “Gegen Fleisch” macht und alle in den Kakao zieht.

Die wird daraufhin entführt und landet in einem Schweinetransporter vor dem Berliner Zoo. Der Schweinetransporter ist von Viktors Hof ausgegangen, der weil er Schulden hat, nicht biologisch arbeiten kann , sondern einen Vertrag mit “Pro Schwein” hat, wo es eher Massentierhaltung gibt.

Am Ende stellt sich noch heraus, daß ein großer Prozentsatz der Fima, der auch der Gnadenhof gehört, eigentlich Teil eines großen Mulitkonzerns ist, der erkannt hat, daß die Leute nicht mehr soviel Fleisch essen und, daß vegal also ein guter Geschäftszweig ist.

Das Buch ist, glaube ich, durch die Medien gegangen und die Debatte Fleisch oder nicht Fleisch ist auch ein aktuelles Thema und vor einer Woche habe ich auch in den Nachrichten gehört, daß es den Veganern verboten werden soll, ihre Produkte “Schnitzel” oder “Wurst” zu nennen, weil das zu Irreführungen führen kann und, daß die meisten veganen Produke auch industriell erzeugt sein sollen.

Köstliche Rezepte gibt es in dem Buch, wie in den anderen Rossmanns Krimis auch und es ist Fleisch dabei, denn Eva Rossmann gehört nicht zu den Vegetariern.

Ich esse auch Fleisch, weil das der Alfred gerne kocht, denke aber, daß man das nicht soviel und auch vielleicht keine Tiere töten sollte und bin auf den nächsten Eva Rossmann Krimi, ganz egal, ob er zu mir kommen oder nicht kommen wird, schon sehr gespannt.

Liebe und Tod auf Bali

Weiter geht es mit dem “Vicki Baum-Schwerpunkt”, der vorläufig ein kleiner ist, denn 2016 habe ich von den sechs geplanten Bücher nur “Die Karriere der Doris Hart” gelesen und “Liebe und Tod auf Bali” in das neue Jahr hinübergenommen, was ein interessantes Buch einer interessanten Autorin ist, die ja irgendwie den Ruf  einer  Chick Lit oder Trivialschreiberin hat, mit “Stud chem  Helene Willfüer,” 1928 schlagartig berühmt wurde und damit ihren Beitrag zur neuen Sachlichkeit lieferte.

“Menschen im Hotel” gilt als Kolportageroman, mit “Hotel Shanghai” hat sie das Leben der jüdischen Emigranten in China beschrieben und weil sie auch einige Monate in Bali war, erschien 1937, zeitgleich mit dem ChickLit “Doris Hart”, der Roman “Liebe und Tod auf Bali”

“Entgegen dem Titel handelt es sich nicht, um eine Liebesgeschichte, sondern um eine romanhafte Schilderung des von Ritualen bestimmten Lebens eines balinesischen Dorfs und seine Vernichtung durch holländische Kolonisalitoren am Anfang des letzten Jahrhunderts”, steht bei “Wikipedia”.

Das klingt gar nicht so verlockend, beweist aber wieder, daß die 1888 in Wien geborene und 1960 in Hollywood verstorbene Hedwig Baum eine sehr vielseitige Schriftstellerin war, bei der es sich lohnt, ihre Werke zu entdecken. Nun ich habe ja noch einige auf meinen Leselisten und zumindestens die, die in Harland sind, werde ich heuer höchstwahrscheinlich auch lesen.

“Liebe und Tod auf Bali” beginnt mit einem Vorspiel, ein alter offenbar holländischer oder deutscher Arzt Dr. Fabius, der schon längst die einheimischen Gebräuche angenommen hat, kehrt von seinem Dienst im Spital heim zu seinem Hof und sieht dort in den Vorhöfen zwei Menschen sitzen, einen Schnitzer und einen Bauern, die ihn lange mit höflichen Gesprächen aufhalten, bevor der Arzt erfährt, daß der Sohn des Bauern Putuh, der zum Tempeltänzer ausgebildet werden soll, krank ist und wahrscheinlich Malaria hat.

Er eilt mit dem Bauern hin und am Rückweg überfallen ihn Visionen, von der Zeit, um Neunzehnhundert, als die Holländer in das Dorf eindrangen, den Fürstenpalast zerstörten, an deren Stelle jetzt moderne Hotelanlagen stehen.

Dann geht es in die Zeit um 1907 und da strandete ein chinesisches Schiff vor dem Dorf Taman Suri und die Einheimischen bemächtigten sich der Waren, wie es Brauch war, denn was die Götter an das Land schwemmen, gehört ihnen, der Chinese Kwe Tik Tijang verlangt Schadenersatz vom Fürsten Alit, der zahlt nicht.

Die holländischen Kolonisatoren, die Verbesserungen bringen wollen, also die Hahnenkämpfe und das Witwenverbrennen verbieten, mischen sich ein und am Schluß des Romanes ist das Dorf zerstört und der Chinese unterschreibt, dem holländischen Beamten Boomsmer, daß er siebentausendfünfhundert Gulden Schadenersatz erhalten hat.

Dazwischen ranken sich neun Kapiteln, die vom Leben des Dorfes an Hand des Bauern Pak, seinen zwei Frauen, seinen Söhnen und Töchtern, seinen Hahnenkmpfen etcetera erzählt, seine Schwester Lambon, ebenfalls zur Tempeltänzerin ausgebildet und in den berühmten Tänzer Raka verliebt, wird dem Fürsten, der eigentlich eher ein weltfremder Gelehrter, als ein Frauenliebhaber ist, als eine von sechs Nebenfrauen zu seinem Geburtstag zugeteilt.

Das erfolgt in großen Ritualen, sie trifft sich eine Zeit heimlich mit Raka, dem besten Freund des Fürstens, bis der die große Krankheit und den Aussatz bekommt. Pak gewinnt mit einem schönen Hahn und während er noch überlegt, ob er den nicht einem Schmied verkaufen soll, kommen die Beamten des Fürsten und erklären ihm, daß er dazu auserwählt worden ist, dem Fürsten den Hahn zu schenken und nehmen ihn ihm weg, was Pak  dazu bewegt, als die Holländer das Dorf angreifen, weil sich beim Begräbnis seines Vaters drei seiner Frauen mit ihm verbrennen ließen, obwohl das doch streng verboten ist, nicht mitanzugreifen, sondern sich in dem Hof eines Abtrünnigen zu verschwazen.

Ein Teil der Bauern,auch Lambon und Raka tun das aber schon und gehen mit dem Fürsten in den Tod und die Tradition verschwindet. Die Holländer beginnen zu herrschen und in den Bali-Führern entnehme ich “Wikipedia”, wird das Buch den Bali Touristen, als Lektüre wärmstens empfohlen. Deshalb gibt es auch relative viele Rezensionen bei “Amazon” zu finden.

Ich war einmal mit dem Alfred und der kleinen Anna in Bali und habe das wahrscheinlich in seinem Führer auch so glesen und bedaudert, daß ich das Buch nicht habe, jetzt habe ich es gelesen und empfinde es durchaus interessant. Es regt auch angesichts der Tatsache, daß ich mir in der letzten Zeit einige Videos der Identitären, die sich und ihre Identität durch die Flüchtlingskrise und die Masseneinwanderung bedroht fühlen, auch zum Nachdenken an.

Aber die Gebräuche, Rituale und Tempelfeste gibt es in Bali, glaube ich, noch immer und ansonst ist das Land wahrscheinlich sehr amerikanisiert und als ich vor dreißig oder fünfunddreißig Jahren öfter in Holland war, habe ich die indonesischen Reistafeln, die man dort essen konnte, als etwas sehr Besonderes und Außergewöhnliches erlebt, das man bei uns noch nicht kannte.

Daß sich die Witwen in Bali nicht mehr mitverbrennen lassen müßen, ist natürlich gut, Gewalt gegen Frauen und Massenvergewaltigungen soll es aber, wie man  hört, immer noch dort und auch in Indien geben.

Die Karriere der Doris Hart

Jetzt komme ich doch, drei Tage vor Jahresende, dazu, meinen Vicki Baum-Schwerpunkt aufzulesen oder zumindest anzufangen und über die Jahre mitzunehmen, denn da haben sich ja bei meinen Bücherkastentouren nach und nach sehr viel Schmankerln, der 1888 in Wien geborenen und 1960 in Hollywood verstorbenen Autorin angesammelt, deren Namen ich aus dem Bücherkasten meiner Eltern kannte.

“Marion”, “Rendezvous in Paris”, “Hotel Shanghai” lag darin, was ich nach und nach gelesen habe und auf die Autorin aufmerksam wurde.

Und da ich kein Literaturlexikon zu Hause hatte, war es in “Vor-Wikipedia-Zeiten” gar nicht so einfach, an die entsprechenden Informationen heranzukommen, da in den alten Büchern meistens keine Bibografien und Inhaltsangabenstehen und ich so, was man heute gar nicht mehr glauben kann, mir einmal sogar von Konstanze Fliedl einen Lebenslauf schicken ließ.

Jetzt hat man sich an die Autorin aber, glaube ich, wieder erinnert, es gibt Bücher über sie, die ich aber nicht gelesen habe. Ich habe aber eine Sammlung ihrer Romane und so sind sechs davon auf meine 2016-Leseliste gekommen und ich schreibe, glaube ich, ja schon das ganze Jahr davon, daß es heuer einen Vicki Baum Schwerpunkt geben wird.

“Menschen im Hotel” und “Stud Chem Helene Willfüer” habe ich schon gelesen und bei einer diesbezüglichen Veranstaltung im Literaturhaus war ich auch einmal. Aber ab August war ich ja mit meinen dopptelten oder sogar dreifachen Buchpreisbloglisten beschäftigt, so daß ich am Ende schon alle Bücher, außer “Die Karriere  der Doris Hart” von meiner Liste herausstrich.

Ein paar andere der sechs geplanten Bücher werden sich aber wahrscheinlich doch noch ausgehen, obwohl die “Doris Hart”, 1936 geschrieben, ich habe ein altes “Ullstein-Taschenbuch” gefunden, nicht so leicht zu lesen war, da es aus zweihundert Seiten im Kleindruck bestand.

Die Handlung spielt zum größten Teil in Amerika, in New York, dort dorthin ist Vicki Baum, die sich in Wien, als Harfinistin ausbilden ließ und dann lange im “Ullsteinverlagshaus” arbeitete, in den Dreißigerahren emigriert.

Bei “Amazon” gibt es eine Rezension, ich weiß auch nicht, wieviele der vielen Kolportagen- oder “Asphaltromane”, wie es die Nazis nannten, noch aufgelegt sind, in den Bücherschränken findet man aber immer wieder, meist ältere Ausgaben, ihre Bücher und der Rezensent lobt, die “Menschen im Hotel” und “Liebe und Tod auf Bali”, steht auch auf meiner Liste und meint, hier hätte wohl das Honorar die Autorin dazu verführt einen Groschenroman zu schreiben, weil die Frauen ja so was lesen wollen und das Spiel, um Liebe und Moral, Anständigkeit und Unanständigkeit, das hier beschrieben, wird, ist auch sehr interessant und Vicki Baum ist, glaube ich, eine Meisterin viel zu sagen und gleichzeitig auch nichts.

Es beginnt jedenfalls in einer Galerie, da geht ein reiches amerikanisches Ehepaar hin,  sieht eine Skulptur und erkundigt sich nach dem Bildhauer, denn Juddy Bryant von ihrem Mann “Snob” genannt, will eine solche lebensgroß in ihrem Garten haben.

So fährt F.O Bryant in das Atelier des russischen Bildhauers, dem steht gerade Doris Hart nackt Modell, obwohl seine Skulpturen gar nicht gegenständlich sind, ein bißchen satriisch ist Vicki Baum offenbar auch.

F O Bryant, genannt, der Junior, denn einen Alten gibt es auch, verschaut sich natürlich in die nackte Frau und fährt sie dann in das deutsche Restaurant, wo sie mit kurzen Röckchen, die Schweinehaxenserviert, denn sie, die Tochter eines deutschen Arztes, ist unsterblich in Basil Nemiroff verliebt, der aber mit seinen Modellen nicht ins Bett geht, sie hat auch noch andere Pläne, sie will Sängerin werden und nimmt Unterrricht bei der alten Signora Salvatori, die ihr aber ihre Stimme verdirbt.

Der junge Bryant macht ihr den Hof und verschleppt sie in seine Villa zu einer wüsten Sexparty. Basil nun doch irgendwie eifersüchtig, geht zu seinem jüdischen Pfandleiher, der zwar gerade seinen Sabbat macht, löst aber doch seinen guten Anzug, seinen Samovar und seine Pistolen aus, fährt auch in das Haus und schießt Doris, die sie mit Bryant im Bett findet, in die Lunge.

Dort scheint zwar natürlich nichts Böses geschehen zu sein, er wird aber trotzdem zu zwischen zehn und fünfzehn Jahren verurteilt und Doris liegt monatelang im Spital. Zuerst zahlt der junge Bryant die Rechnung, als sie ihn abweist, kommt sie in den Massensaal und der alte Bryant zu ihr, um sie von seinem Sohn abzulösen.

Sie will zwar nichts von dem, nur Basil retten, den sie ins Gefängnis rührende Briefe schreibt, denn ein Mann, der so was macht, muß sie doch leben, denkt aber doch an ihre Karriere und da bezahlt ihr nun der alte Milliardär das Studium bei einem alten Sänger.

Köstlich werden da sie Szenen beschrieben, wie sie mit ihm und seinen anderen Schülern in einem Haushalt lebt und, um von ihm überhaupt aufgenommen werden, muß sie sich auch mit seinem Sekretär hochschlafen und sie tut das auch alles willfährig und voller Unschuld, freundet sich mit den anderen Schülern an, eine ist aus Wien, begleitet den alten Maestro abends in die Oper und als es, das Ganze beginnt 1927, ein Jahr später zum Börsenkrach kommt, stellt der Milliardär die Zahlungen ein.

Sie nimmt dann, als sie endlich singen darf, die erste Zeit darf sie ja nur schweigen  die Tonleitern trällern, eine Anstellung an. Singt Händel-Opern, hat auch Operretten im Repertoir, eine wüste Kreuzfahrt gibt es auch und besucht auch immer zwischendurch Basil im Gefängnis, versucht ihn von dort herauszubringen, denn lange hat man, als Sängerin mit einer halben Lunge ja nicht mehr Zeit.

Trotzdem bleibt ihr noch soviel, um die Karriere zu machen und selbst einen ganzen Hofstaat mit Sekretärin etcetera um sich zu haben, dann kommt der Krankheitsschub und mit ihrem Geld, sie hat den alten Bryant zwischendurch auch noch geheiratet, gelingt es ihr dann doch, ihn herauszuringen und mit ihm ein paar Tage auf einer tropischen Insel zu verbringen, bevor sie ihr Leben an seiner Seite aushaucht.

Kitschig würde man heute sagen und die heutigen ChickLits sind auch anders gestrickt.

Natürlich, selbstverständlich, trotzdem gelingt es Vicki Baum aber köstlich ein Zeitpanaorama zu zeichnen und auch das Schicksal oder die Not der kleinen Mädels eigentlich sehr liebevoll zu beschreiben, denen vielleicht gar nichts anderes überbleibt, als sich ihre Karriere oder auch nur ihren Lebensunterhalt zu erschlafen.

Bis ich 21 war

Jetzt noch das Weihnachtsbuch von vor zwei Jahren. Ela Angerers “Bis ich einundzwanzig war”, das die 1964 in geborene, die laut Klappentext, als Schriftstellerin, freie Autorin (was ist der Unterschied) und Fotografin, damals auch auf der “Buch-Wien” vorstellte, wo es dem Alfred wahrscheinlich aufgefallen ist.

Damals hatte ich von Ela Angerer keine Ahnung, inzwischen habe ich ihren fiktiven Roman gelesen und sie auch  in einer Diskussion mit unter anderen Peter Henisch in der “News-Lounge” über die österreichische Literatutur auf der heurigen “Buch-Wien” gehört, weil sie inzwischen auch eine Kolumne in der Zeitschrift “News” hat.

Das Debut ist laut Klappentext ein autobiografischer Roman und das Ela Angerer aus einer bürgerlichen Familie stammen könnte, ist mir schon bei den “Kometen”aufgefallen.

Um was geht es also in der Autobiografie, der um zehn Jahre jüngeren Autorin und Journalistin?

Um das grausliche Leben in der österreichischen Oberschicht, die Mutter, die eigentlich Künstlerin werden wollte, ließ sich vom Vater offenbar sehr jung, drei Kinder andrehen, betrügt ihn dann mit einem reichen “Cadillacfahrer” und zieht nach einigen Komplikationen mit den zwei Töchtern, der Sohn ist dem Franhzosen nicht zuzumuten, zuerst in ein Reihenhaus, es sind ja noch Alimente für dessen Familie zu zahlen, dann in ein Schloß, wo es ähnlich zugeht, wie es vorher war.

Nämlich Kindermädchen, Bügel- und Putzfrauen, die auf die Kinder aufpassen und den Haushalt schupfen, die Mutter steht zwar gegentlich in der Küche, um den Franzosen sechsgängige Menus zu bereiten, die vom Großvater dann mit “Votre Couisine est tres simple, mais bonne!”, gelangweilt kommentiert werden.

Ansonsten überläßt sie die Kinder den Kindermädchen und geht mit dem Göttergatten auf Reisen oder Bridgespielen, so daß, die dann, wenn kein Essen im Kühlschrank ist, in den Keller gehen und sich die französische Gänseleperpastete und den “Beluga-Kaviar”, der monatlich angeliefert werden, aufs harte Brot schmieren.

Wie schrecklich, könnte man in der Zeit der Achtundsechzigerjahre, wo die Portraits der RAF-Terroristen an der Schweizer Grenze ingen, wenn die Mutter mit der namenlosen Tochter dorthin einkaufen fuhr.

Reicht aber natürlich nicht für einen Roman, die übliche Vergewaltigung  durch den Großvater ist natürlich auch dabei und die Ich-Erzählerin fängt auch früh mit Drogen und  erotischen Spielechen, sowohl bei Männchen oder Weibchen an, schlecht nachts auf dem Haus, um sich in der Disko Heroin oder ist es noch LSD zu spitzen und die Mutter hat natürlich den Tablettencocktail, “Mothers little Helpers” im Badezimmer stehen, um immer frisch und fröhlich zu sein und kleine Nasen und Ohren braucht man auch, um an den Mann zu kommen, so werden diese plattgedrückt.

Einmal ist eine ältereKinderfrau dabei, als die Erzählerin einer Freunin Captagon mit Martini serviert, so daß, die dann flach am Boden liegt und die Betreuerin die Rettung holt.

Die Erzählerin täuscht eine Zehenverletzung vor, kommt dann aber mit Dreizehn oder Vierzehn doch in ein Internat. Zwei Schweizer, ein sehr katholisches und eines, wo arabische Prinzessinnen von ihren Tennislehrer begleitet werden, werden angeschaut. Sie kommt dann in eine billigere Erziehungsanstalt, macht auch dort ihre erotischen Erfahrungen mit manchen Lehrerinnen, die ihr Nachhilfeunterricht geben, fährt am Wochenende angeblich zur Großmutter nach Wien, in Wahrheit in in WG ihrer Jugendfreunde und das Alpha Tierchen Stella wird beim Klauen erwischt. Fünfhunderttausend Euro Schaden in den örtlichen Juweliergeschäften und die goldene Uhr der Erzählerin, die diese vom Stiefvater bekam, ist auch dabei. Sie zeigt, um sich zu retten, die Erzählerin wegen Drogendeals an, die wieder alle Spielchen braucht, um sich reinzuwaschen und zu siegen, was auch gelingt.

Sie will trotzdem heim ins stiefväterliche Schloß, beginnt ein Liebesspiel mit einem Cousin in einem Nobelhotel in Vendig, wohin sie mit ihren Eltern darf, bevor sie sich mit der Mutter verzankt und nach Paris ausbüchst.

Der Sinn des Lebens scheint ihr noch immer zu fehlen oder vielleicht hat sie ihn auch dort gefunden, denn wenn das Buch wirklich autobiografisch ist, hat ihn Ela Angerer ja bekommen.

Aber ich weiß schon, in Romanen ist alles übertrieben und nicht ganz wörtlich zu nehmen, Drogenkonsum ist ja auch verboten und Sex mit Minderjährigen auch. Aber natürlich kann man nur schreiben, was man erlebt hat, so wird das Leiden der wohlstandsverwahrlosten Oberschichtnugend nicht ganz erfunden sein und ich glaube auch, daß so ein Leben zwischen wechseldnen Kindermädchen und Putzfrauen und einer medikamentensüchtigen Mutter, die mit Omar Sharif Bridge spielen geht, sicher nicht ganz einfach ist.

Das von den Unterschichtjugendlichen, die kiffen, dealen oder klauen und dazwischen arbeitslos sind, ist es wahrscheinlich auch nicht, aber die bringen höchstwahrscheinlich keinen so fehlerfreie und grammatikalisch richtige Autogbiografie, ob erfunden oder echt zusammen, daß sie bei “Deuticke” verlegt wird, trotzdem frage ich mich , warum ein solcher Roman erscheint und warum ich ihn lese?

Nun ich habe ihn vor zwei Jahren zu Weihnachten bekommen und bin ja sehr interssiert an der österreichischen Gegenwartsliteratur, möchte am liebsten alles lesen und auch selber schreiben, was ich auch tue, aber leider offensichtlich nicht so gut und so interessant, daß es einem Verlag gefällt und mit dem Selbstgemachten ist es ja auch nicht so leicht, obwohl ja schon viele solche Bücher von mir erschienen sind.

Interessanterweise sind die “Amazon-Rezensionen”, die ich mir durchgeschaut habe, eher begeistert und sprechen davon, daß das Buch an die Erlebnisse der eigenen Jugend erinnert. Das habe ich bei den “Kometen” mehr  empfunden, obwohl ich ja zehn Jahre älter bin.

Hier würde ich schon ganz vorsichtig sagen, daß ich hoffe, daß nicht jede Jugend, so ausschaut und, daß ich eine solche auch nicht als sehr empfehlenswert und für vorbildhaft halten würde.

Elke Heidenreich hat sich ja in einer Fernsehdiskussion sehr über Michelle Steinbecks Debut empört und von “krankhaft” gesprochen, was ich eher für erfunden gehalten hätte. Hier wäre ich, wenn das wirklich alles autobiografisch ist, wahrscheinlich mehr besorgt und kann vielleicht froh sein, daß mir das erspart geblieben ist, auch wenn ich auf meine Bücher solche Reaktionen bekomme.

Chronik einer fröhlichen Verschwörung

Nun kommt ein Geburtstagsbuch vom vergangenen Jahr, Richard Schuberths Debutrom, den ich mir wünschte, weil ich ja wenigstens teilweise bei der Präsentation im Ost-Club war, der natürlich auch in dem Buch vorkommt, Robert Schindel war mit Sabine Gruber ebenfalls anwesend und der, habe ich mir zumindest am Anfang des Buches gedacht, könnnte das Urbild für den Ernö Katz sein, aber dann macht das fünfhundert Seiten Buch ja sehr rasante Sprünge, aber schön langsam, hübsch der Reihe nach, denn ich soll ja nicht so unverständlich schreiben.

Den 1968 Geborenen kenne ich, glaube ich, vom “Volksstimmefest”, ich bin auch irgendwie in seine Kartei gekommen, denn er schickt mir regelmäßig die Einladungen zu seinen Veranstaltungen. Er hat Essays und Theaterstücke geschrieben, “Wie Branca sich nach oben putzte” bespielsweise, aber auch das “Neue Wörterbuch des Teufels”, mit seinem 1915 erschienenen Debutroman, stand er im Vorjahr auf der Longlist des “Alphas”, heuer hat er auf den Ö- Tönen daraus gelesen und das Stück, was ich im Ost-Club daraus hörte, hat mir sehr gefallen, wohl wissend, daß Richard Schuberth mir wahrscheinlich  zu männlich aggressiv sein wird und er sehr viel über Sex schreibt und manches in dem Roman war schlichtweg so kitschig, daß man sich wundert, daß er bei “Zsolnay” erscheinen konnte.

Bei “Amazon” gibt es ein paar fünf Stern und eine ein Stern Rezension. Ich vergebe ja keine Sterne, Hauben oder Bücher, weil ich Bücher ja nicht verreißen möchte, hier könnte ich aber sowohl das eine, als auch das andere geben und das ist wahrscheinlich auch der Vorzug des Buchs.

Wieder schön der Reihe nach und die Handlung des Buches ist eigentlich sehr schnell erzählt und steht auch so am Klappentext.

Der siebzigjährige Jude und ehemalige Universitätsprofessor Ernö oder Ernst Katz fährt auf der Westbahnstrecke mit dem Zug nach Wien und ist stinkwütend, maßt sich da doch ein junger Autor namens Rene Mackensen, wie er in der Zeitung gelesen hat, einen Roman über das Leben Klara Sonnenscheins zu schreiben. Eine Wiener jüdin, die ein paar Jahre in einer Wohnung versteckt wurde, dann ein paar Monate in Mauthausen war und sich in den Sechzigerjahren in Belgien erhängte. Sie war Philosophin, hat Aphorismen und Haikus geschrieben, sowie Briefe an Ernst Katz zu dem sie irgendeine Beziehung hatte, Teile aus ihrem Werken sind den jeweiligen Kapiteln vorangestellt und die Aphorismen “Arschloch: Tunnel, in den die Karriereleiter führt und an desen Ende es kein Licht gibt”, beispielsweise, stammen wohl auch aus dem “Wörterbuch des Teufels.”

Im Zug lernt der Fluchende die siebzehnjährige Birgit oder Biggy Haunschmid aus St. Pölten kennen, die aus einer HTL geflogen ist und die nun bei ihm einzieht.

Er zahlt ihr alles, sie gibt das Geld auf seiner Kreditkarte mit vollen Händen aus und das ungleiche Paar zieht im ersten Drittel des Buches durch Wien herum, säuft und kifft und treibt allerhand seltsame Sachen, in dem sie beispielsweise verkleidet in den Ost-Club ziehen und dort Tischfußball spielen.

Dann schmieden sie ein Komplott, denn das Schreiben des Romans muß verhindert werden. So hetzen sie den armen Rene, der den Roman am Anfang gar nicht schreiben will, aber von seinem Agenten und Verleger Carsten Kempowski  und seiner älteren Geliebten Almuth, einer Literaturritikerin dazu gezwungen wird, mit gefälschten Wikipediaeinträgen und gefläschten Briefen zuerst nach Belgrad, dann sogar nach Tel Avic und als Mackensen Dr. Katz besuchen will, weil der ja eine Vorlesung über Klara Sonnenschein gehalten hat, spielt er ihm einen senilen inkontinenten alten Trottel vor, der ihm Unterricht in Hegels Werke geben will.

Man sieht ein sehr ungewöhnliches Buch, es wird geschnackselt und gevögelt und Birgit, die zu dem alten Philosophen natürlich nur eine unerotische Beziehung hat, betrügt ihn mit allen möglichen Sorten von Arabern. Sie zeigt ihm auch gruppendynamische Kniffe. Beispielsweise, daß sich alle Leute in der U-Bahn entschuldigen, wenn man ihnen auf die Zehen tritt. Dann kommt es zu einer Wende. Katz beginnt ein Verhältnis zu Mackensens Geliebter, Birigit eines mit Rene. Der alte Katz erleidet einen Schlaganfall, als er, das ist eine der kitschigen Szenen, im Cafe Landtmann eine rassige Frau küssen soll, um Almuth von ihm abzubringen.

Dann begeht er noch einen Selbstmordversuch. Biggy rast zu ihm ins Spital und dort, aber auch in einer Bar, wo inzwischen der betrunkene Mackensens herumhängt, erscheint Klara Sonnenschein allen drein und bringt Biggy platonisch oder nicht, mit dem alten Katz zusammen, bevor sie wieder ins Paradies entschwebt und der Epilog ist ein Kronenzeitung-Artikel, in dem über dem Live Ball berichtet wird, wo sich Abdulramahn Mackensen, der junge Dichter, hat während des Romans, nicht nur seine jüdischen Wurzeln entdeckt, sondern ist auch zum Islam konvertiert mit seinem schönen Freund befindet und einen tollen Roman, der aber ein ganz anderer, als der über Klara Sonnenschein ist, denn den, hat ihr Geist dem alten Katz verraten, wird natürlich Biggy verfassen, hat er auch geschrieben.

Wird man mir jetzt glauben, daß es ein sehr intellktuelles, höchst anspruchsvolles Buch ist, das sich mit Gott und der Welt und noch vielen anderen beschäftigt und das gar nicht so leicht zu lesen ist?

Es ist so manchmal und manchmal ist es, wie schon erwähnt wieder unerträglich kitschig. Mir zuviel harten Männersex und auch zu aggresssiv und die Stelle, wo Biggy in die Wohnung, wo Klara Sonnenschein, die von ihrem Verstecker natürlich auch mißbraucht wurde,  gelebt hat, einbricht und dann von den jetztigen Bewohnern, einem Juppiepärchen nicht nur fünfzehnausend Euro als auch noch ein Bild von Maria Lassing geschenkt bekommt, die “Identitären” würden das wohl “Ethno-Masochismus” nennen, habe ich vollends nicht verstanden.

Aber ich weiß schon, Richard Schuberth hat sich in seinem Debut ordentlich ausgetobt, alle Saiten gezogen und über alle Stränge gesprungen, irgendwie phaszinierend und sehr interessant.

Ein ungewöhnliches Buch, über eine “ungewöhnliche Freundschaft”, wie am Buchrücken steht, auf jeden Fall.

Eine Mischung zwischen E und U oder besser eine zwischen einem Porno und einem philosophischen Essay und das so etwas möglich ist und noch dazu bei “Zsolnay” erscheint und auch auf die “Longlist des Alphas” für das beste Debut kommt, ist auch sehr ungewöhnlich.

Wie schon geschrieben, ich habe das Buch sehr ambivalent gelesen und bin jetzt schon auf seinen nächsten Roman, von dem ich schon ein Stück lesen durfte, weil er damit einmal ein “Hans Weigel- Stipendium” bekam, sehr gespannt und ehe ich es vergesse, eine Satire auf den Literaturbetrieb ist das Ganze auch noch.

Wiener Wunder

Zu Weihnachten ein Krimi statt einem Weihnachtsbuch, die “Buch-Wien 2014” und Franzobel machten es möglich und das Wort Weihnachten oder, die schon aufgestellten Dekorationen, kommen in dem Buch auch vor, spielt er ja in Wien, Ende Oktober und jetzt weiß ichs endlich, der 1967 in Völklabruck geborene Stefan Griebl, “Bachmannpreisträger von 1995 und seit einigen Jahren auch “Ohrenschmaus-Juror” ist wie ist ein großartiger Schriftsteller, bisher war ich da eher skeptisch. Aber er kann schreiben, versucht sich in allen Genres und traut sich auch an einen oder sogar schon zwei Krimis, obwohl die, ja nicht als große Literatur gelten und ihm, wie ich hörte, der Verlag abgeraten haben soll.

Aber “Das Krimischreiben ist wie für einen Antialkoholiker die Entdeckung des Weins. Ein berauschender Genuss. Man kann sich nicht vorstellen, wie man es solange ohne ausgehalten hat!”, schreibt er am Buchrücken.

Eine Satire ist es natürlich auch, sprachlich exzellent und dennoch nicht hochgestochen und ein Genuß beim Lesen, vor allem für eine, die, wie ich, ja Schwierigkeiten beim Schreiben eines Krimis hat.

Ein Mord soll es nicht sein, also fallen bei meinen Krimiversuchen immer Äste von den Bäumen und erschlagen die Leichen und bis zum zweiten Drittel des Buches könnte man glauben, Franzobel hat mir  nach- beziehungsweise vorgemacht, wie das richtig gehen könnte, aber dann wird es, wie schon im Klappentext steht, alles anders und die Geschichte wendet sich und am Schluß wird es vollends parodistisch und man kann das Vergnügen merken, daß der Autor wohl beim Schreiben hatte.

Aber warum geht es eigentlich?

Um einen Kommisar Falt Groschen, Franzobel ist auch ein Meister der sprechenden Namen, so heißt der Journalist Walter Maria Schmierer und einen Dr. Döblinger gibt es auch, das ist der etwas doofe Untersuchungsrichter, mit Vornamen Answer, obwohl er niemals solche gibt und der Kommissar bekommt ein Mail, daß sich demnächst ein Sportler tot aufgefunden werden wird, ein als Selbstmord getaqrneter Mord und der Sportler ist ein Leichtatleht des Dopings überführt und nun aus dem Fenster gefallen und fünf Tatverdächtige ergeben sich auch gleich.

Der erste ist der Manager Stanek aus dessen Wohnung Edgar Wenninger fiel, dann seine Ehefrau Marion, die Groschen fast im Bett mit ihrem Trainer Oktavian Tulpian erwischt und dann noch den Sportreporter Walter Maria Schmierer und den Doppingfahnder Hanns  Hallux mit zwei “n” geschrieben.

Falt Groschen führt sie alle an der Nase herum, während er das Gefühl hat ständig beobachtet zu werden. Dann bestellt er die Fünf, die er, während er mit seiner Frau gemütlich am Donaukanal essen geht, überwachen läßt, er tut das nur, um seine Frau als Köder zu benützen, am nächsten Tag in die Tatortwohnung, dort erklärt er ihnen, daß sie alle ein Motiv hätten, es aber leider doch ein Selbstmord war, weil der Gedopte sich an ihnen rächen wollte.

“Wui!”, habe ich gedacht, so muß man es machen. Es geht aber weiter. Erstens gibt es da noch einen seltsamen Nachbarn, der Falt Groschen ständig über dem Weg läuft und dann wird Karl Stanek, genannt Spritzen-Chary auch noch mit einem Gewehr im Mund tot in der Wohnung aufgefunden.

Ein Wortspiel oder eine Behauptung, daß niemand freiwillig mit Schuhen und Wertsachen aus dem Fenster springt und es deshalb ein Mord war, während Spritzen-Charly sich ohne Schuhe in den Mund geschoßen hat, gibt es auch, Franzobel scheint wirklich über eine große Phantasie zu verfügen.

Aber dann entarnt Groschen noch seinen Beobachter, trifft einen alten Schnorrer und ehemaligen Bekannten wieder und der Mörder war ein genialer Einzelgänger. Ehemaliger Wenniger-Verehrer, weil er selbst wegen eines verkrüppelten Fußes nicht so schnell laufen konnte und den hat er nur, weil seine Mutter, in der ehemaligen DDR in der sie aufgewachsen ist, einem Zwangsdoping, während man das in Wien ständig verharmlost, “ohne Doping kein Sieg!”, unterzogen wurde und der nun von seinem Liebling enttäuscht ist.

Ein vertauschtes Biertr und einen nochmaligen Fenstersturz gibt es auch , bevor sich alles aufklärt und man einen rasanten Sprint durch die Krimiphantasien eines “Bachmannpreisträgers” gemacht hat.

Für die deutschen Leser seis verraten. Man erfährt sehr viel von Wien dabei, aber ich habe  auch nicht gewußt, daß es in der Taborstraße einen kupfernen Hirschen auf einem Dachvorsprung zu sehen gibt und eine kleine Satire würde ich annehmen, ist für die Deutschen auch noch eingebaut, obwohl “Zsolnay” ja ein österreichischer Verlag ist oder auch nicht wirklich, sondern nur die kleine Schwester oder  der kleine Bruder des großen “Hansers”, aber weil die deutschen Großverlage ja den österreichischen Autoren, wenn sie nicht so berühmt, wie Friederike Mayröcker oder Marlene Streeruwitz sind, alle österreichischen Ausdrucke umschreiben und aus einem Karifol einen Blumenkohl etcetera machen:

“Zum Kotzen finde ich das!”, sagt Falt Groschen seinen Verdächtigen “Zum Speiben verbessert er sich selbst. Seine Frau wies ihm immer wieder darauf hin, gefälligst österreichische Ausdrücke zu verwenden – und keine deutschen. Paradeiser statt Tomaten, Erdäpfel statt Kartoffeln, Spritzer statt Schorle, Krapfen statt Berliner…”

Köstlich, köstlich und wo hat der Oberösterreicher nur so gut Wienerisch gelernt?

Eine Buchempfehlung, die man vielleicht noch schnell der Mami oder der Schwiegermutter auf den Weihnachtstisch legen sollte. Eine, die für alle passt, für die, die sich nur für die hehre Literatur interessieren und keine Genres mögen, denn Franhzobel ist ja “Bachmannpreisträger”, hat auch den Bernhardschen-Jargon bestens drauf und ist, wie weiter auf dem Klappentext steht “Einer der populärsten österreichischen Schriftsteller” und für die, die sich unterhalten wollen und gerne Krimis lesen, ist es auch geeignet, denn es ist ja einer.

Einer in dem man viel von Wien erfährt, sprechende Namen findet, Spannung, aber auch Wissen über das Wien und seine Klischees. Es scheint aber auch, was das Dopingwesen betrifft, gut recherchiert zu sein, spannend, lustig, satirsch und wieder ein Beweis, daß man vielleicht auch Krimis lesen kann und solche schreiben, auch wenn man gegen Morde ist, aber nein-.

Denn es war ja ein Doppel- oder sogar ein Dreifachmord, aber der nicht wirklich und eine unterschobene Bierflasche des Komissars  hat es auch gegeben, also doch ein dritter Mord, aber den hat dann ein anderer fast ausgeübt.

Vom Vielschreiber gibt es inzwischen noch einen zweiten “Groschen-Krimi”, das Cover ist auch einem Groschenroman nachgebildet, den ich leider noch nicht gewonnen und auch nicht gefunden habe und bei der Vorstellung eines “Works in Progress” bin ich vor einem halben Jahr auch in der  “Alten Schmiede” gewesen und habe ihn auch bei anderen Lesungen schon gehört.

“Wiener Wunder” ist aber, glaube ich, das erste Buch das ich von ihm, der ja einmal auch, ganz klein, im “Fröhlichen Wohnzimmer” angefangen hat, gelesen habe.

Kryptozän

“Liebe Blogger und Bloggerinnen!”, hat mir vorige Woche der “Wagenbach-Verlag” geschrieben.

“Die Zukunft läßt sich nicht aufhalten. Zeitenwenden kommen ungeplant und unverhofft. Lange schon wurde spekuliert und gerätselt. Monatelang hatte sich der Anbruch eines neuen Zeitalters angekündigt und nun ist es geschehen. Das Kryptzän hat begonnen!”

Dazu gibt es eine Website und das Angebot sich Pola Oloixaracs ersten auf Deutsch erschienen Roman zu bestellen, in dem es in drei Handlungssträngen um die Verknüpfung von Überwachungs- und Genmanupulationsstrategien geht.

Die Grundlage dazu, habe ich in einer Rezension gelesen, ist “daß Argentinien die biometrischen  und genetischen Daten seiner Bürger in einem Ausmaß erfaßt, wie kein anderes Land.”

Und die 1977 geborene Autorin ist eine argentinische Schriftstellerin und hat, wie es scheint, nicht nur mit ihrem ersten, sondern auch ihrem zweiten, bei “Wagenbach” erschienenen Roman großes Aufsehen erregt.

Denn das Thema Überwachung und, wie weit das Internet manipulieren kann, wenn man vielleicht zu bereitwillig oder auch unfreiwillig seine Daten hergibt, ist ja in aller Munde und da habe ich auch zufällig vor kurzem zwei Romane gelesen, die das Thema auf jeweils sehr unterschiedliche Weise erfassen.

Vereinfacht ausgedrückt, kann man Pola Oloixaracs Roman wahrscheinlich genauso ungewöhnlich, wie den von Jarett Kobek beschreiben. Er ist auch genauso schwer zu lesen, denn höre und staune, der Zukunftsroman, der uns wieder eine Dystopie vor Augen führt und ich weiß, was das ist, auch wenn mir das mein Kritiker Uli nicht zu glauben scheint, beginnt im Jahr 1892, denn da geht der Pflanzenforscher Niklas Bruun auf eine Expedition nach Patagonien, um die “Crissida pallida” zu erforschen, macht von den beobachteten Pflanzen schöne Zeichnungen, die auch im Buch abgebildet sind, gerät wahrscheinlich in einen Drogenrausch, kommuniziert mit Ratten, die in dem Buch überhaupt eine große Rolle spielen und so weiter und so fort.

Und hundert Jahre später macht sich eine argentinische Studentin auf eine Forschungsreise nach Brasilien auf, wird dort geschwängert, unterbricht ihr Projekt, heiratet kurz den den Kindesvaters, kehrt aber bald schon mit dem Söhnchen zu ihren Eltern zurück und der, ein dickliches, ein wenig asoziales Kind, wie die Wunderkinder halt sind, entwickelt sich zu einem begnadeten Hacker, wo schon, als er zwölf ist, die Herren von der Bank bei der Mutter anklopfen, den das Söhnchen hat die Daten stillgelegt.

Der geht nun, weil das Hacken ja langweilig ist, auch nach Patagonien in  ein ehemaliges Atomforschungsinstitut, wo er nun die Vermischung digitaler und genitaler Daten erforschen soll.

Da sind wir jetzt schon im Jahr 2024, also ein bißchen in der Zukunft, Cassio, wie der begnadete Hacker heißt, ist schon über vierzig und eine schöne junge Biologin namens Piera, die den Sonderling an Monica Lewinsky erinnert, gibt es auch.

Das Wunderkind erkennt die Gefahren, die in einer solchen Firma liegen, nicht umsonst hat der Gründer beziehungsweise, der Freund, der Cassio dorthin brachte, die Firma still und heimlich verkauft und so macht er sich auf, die Computer dieser Welt mit Viren zu verseuchen und sich auf den Weg nach Chile, um dort in die Einsamkeit zu entkommen.

Ein interessantes und schon wegen seiner Zeichnungen, so ungewöhnliches Buch, wie Philiph Krömers “Ymir”, das beim “Bloggerdebutpreis” an zweiter Stelle, hinter Shida Bazyar gekommen ist.

Die Nazis und die bösen Deutschen, die ja in Patagonien dieses Atomzentrum einmal errichtet haben, kommen vor und noch vieles anderes.

Sex und erotische Phantasien, die mich ja nicht so interessieren, etcetera, ein sehr ungewöhnliches Buch, für das der Verlag, wie  oben beschrieben, auch einen sehr ungewöhnlichen Aufwand machte, eine eigene Website anlegte, wo man einen Trailer und auch Interviews mit der schönen Autorin und anderen lesen kann.

Spannend zu lesen und darüber nachzudenken, wie wir den Gefahren unserer Datenverschmelzung entgehen können, nicht umsonst habe ich mich in letzter Zeit ja auch mit den “Wissenschatlichen Cartoons” aus dem “Holzbaum-Verlag” beschäftigt, wo das Ganze viel harmloser gezeichnet wird.

Spannend sich durch die drei Handlungsstränge zu lesen und, um auf die Frage, des “Amazons-Rezensenten” zurückzukommen oder sein Erstaunen zu beantworten, wieso ein Hackerroman im Jahr 1882, beginnt?

Der Anfang ist das Ende und alles führt in die Vergangenheit zurück, denn “ohne es zu wissen, wandelt er so auf den Spuren anderer Forscher, die schon am Ende des 19. Jahrhunderts einen radikalen Transhumanismus predigten. Als er erkennt welch finsteres Kalkül hinter dem Projekt steckt, steht Cassio vor der Frage, die jahrelang  auf seinem T-Shirt prangte: Hacker oder Beherrschte? Mit atemberaubenden Tempo und abgründigen Humor erzählt Pola Oloixarac von den alten und neuen Kontrollphantasien desMenschen – und schreibt ganz nebenbei noch eine Biografie des Internets. Kryptozän beweist, was wir spätestens seit Edward Snowdon ahnten. Der politische Held unerer Zeit ist der Hacker – ob wir wollen oder nicht!”, steht noch am Klappentext.

Interessant in letzter Zeit soviel über das Internet, aber auch über die Gentechnik gehört zu haben, denn Elisabeth Reichart hat ja auch einen diesbezüglichen Roman geschrieben, aber der ist noch nicht zu mir gekommen.

Wissenschaftliche Cartoons

Mit dem “Holzbaum-Verlag” meinem treuen Bücherversorger geht es weiter und nach der Literatur wird es wissenschaftlicher war Weihnachten ja schon und über Katzen, Hunde, Fußball, Kunst, Wien, etcetera hat es auch schon Cartoons gegeben.

Was kann man über Wissenschaft satririsch zeichen und texten?

Der Buchrückentext verrät es uns: “Diese Bilder setzen die Naturgesetze außer Kraft. Hätte Leonardo da Vinci Humor gehabt, hätte er auch wohl so lustige Bilder gezeichnet wie unsere Cartoonisten, die sich für dieses Buch in das Feld der Wissenschaft begeben haben. Ob Physik, Biologie oder Alchemie. Hier finden Sie neue Erkenntnisse, spannende Experimente und viele neue Denkansätze. Trainieren Sie Ihren musculus risorius!”

Einstein ist natürlich auch ein Thema, das sich durch die Cartoons von AD Kannebogen, ADAM, Andreas Prüstel, BECK, Benedikt Kobel, Bernd Püribauer, Bernie Magenbauer, BURKH,  Clem Mariak, Clemens Dreyer, Clemens Ottawa, Daniel Jokesch,  Daniel Noll, Dorthe Landschulz, Egon Forever, Elke Lichtmann, Erik Liebermann, Eugen Egner,  Feicke, Frederik Mettjes, Freimut Woessner, Georg Rauber, Gerald Noebel, Gresner&Lenz,  Gucci Falke,  Hannes Richert,  Harm Bengen, Hauck & Bauer,  HUSE, Jakub Vrba, Jan Rieckhoff, Jean le Fleur, Katharine Greve,  Katja Schröckenstein, Klaus Puth,  La Razzia,  Marco Finkenstein, Mario Lars, Markus Grolik, Martin Zak,  Martina Hillemann,  Matrattel, Michael Dufek, Michael Friedrich,  Michael Holtschulte, Muguel Fernandez,  Nadine Nebel, Oliver Ottisch,  Pause ohne Ende,  Rudi Hurzlmeier, Ruedi Widmer,  Schilling & Blum,  Schneckensteiff, Stephan Rürup,   Teddy Tiez, Teja Fischer, Tessa Biljleven, Til Mette,  Tobias Schülert, Uwe Krumbiegel und Wolf Rüdiger Marunde zieht.

Gehen wir also kurz durch das  hundertdreißig Seiten Buch:

Da beginnt es mit dem einen Stein von Bernd Püribauer gezeichnet.

“Willst Bulitan?”, fragt die Nutte am Chemikerstrich.

Das “Gen-Kartoffel-Experiment” für das man hoffentlich den Nobelpreis erhält, gibt es auch und Dorte Landschulz erklärt uns ausführlich, “Wie es zum  Urknall kam”.

Die Bücher über “Chaostheorie” sind in der Bibliothek natürlich chaotisch angeordnet und “Früher suchte ich in Büchern nach dem Sinn des Lebens, heute suche ich nur noch nach einem Platz für meine Bücher!”, klagt ein alter Herr in seiner Bibliothek sitzend, wo sich die Bücher stapeln, einem anderen. Wie wahr, kann ich gut nachvollziehen.

“Die Vorgaben der Landwirtschaft an unsere Genforscher” sind streng nach “H-Milch, Dickmilch, Magermilch und Sahne” geordnet und “Tierversuche  beweisen: Ist doch gar nicht schwer stundenlang in High Heels herumzulaufen!”

Nun ja, wenn man eine Spinne ist.

Oliver Ottitsch interpretiert Hamlet wieder einmal anders, nämlich “to beam or not to beam!”

Und in der “Vollautomatisierten Welt” kann es vorkommen, daß man plötzlich “Eine Million Liter Milch!”, geliefert bekommt und das Problem dann mit seinem “Kühlschrank klären muß”.

Nun ja, nun ja, soviel geht wahrscheinlich nicht in ihm hinein.

Und Weihnachten bei Physikern gibt es natürlich auch.

Uwe Krumbiegel hat sie gezeichnet, da hängen die roten Weihnachtskugeln straff hinunter oder stehen ab, Otto Normalverbraucher steht daneben und schaut skeptisch und ich gestehe, ich habe die Ponte oder den Witz nicht verstanden.

Macht ja nichts, ich kann ja in den “Cartoons über Weihnachten” nachschauen, wenn ich nicht einmal das Physikbuch studieren will und schreibe, weil ja Weihnachten naht, wieder mal dazu:

Ein Buch für alle, Schwiegermütter oder auch Physiklehrer und sonstigen Wissenschaftler, die sich sicherlich darüber freuen würden und bin schon auf den nächsten Cartoonband aus dem “Holzbaum-Verlag” sehr gespannt und neugierig.

Und die Nacht prahlt mit Kometen

Das nächste Buch ist wieder  bei “Aufbau” erschienen, obwohl es in  Wien in den Neunzehnhundertachtziger Jahren und zu Weihnachten im Vorjahr spielt, nämlich Ela Angerers “Und die Nacht prahlt mit Kometen” und von der 1964 in Wien geborenenen “News-Journalistin” habe ich das erste Mal vor zwei Jahren auf der “Buch-Wien” gehört.

Da wurde ihr Buch “Bis ich 21 war” vorgestellt, das ich dann vom Alfred zu Weihnachten bekommen habe und noch heuer lesen will und während ich im Herbst mit dem “Buchpreislesen” beschäftigt war, habe ich von zwei Neuerscheinungen gehört, die mich interessierten.

Nämlich von Paula Fürstenfeld “Familie der geflügelten Tiger” weil ich dachte, daß eine Autorin ähnlichen Namens einmal bei “Etcetera” veröffentlicht hat und eben “Die Nacht prahlt mit Komenten”.

Auf der heurigen “Buch Wien” ist mir dann das Buch auch ständig vor die Augen gekommen und ich war auch kurz bei der Diskussion auf der “News Lounge” wo Heinz  Sichrovsky mit Peter Henisch und Ela Angerer über die österreichische Literatur diskutierte und Ela Angerer, glaube ich, genau erklärte, wie sich ihr erstes Buch vom zweiten unterscheidet.

Es ist Fiction und geht unm Gewalt an Frauen und im Klappentext steht auch noch genau beschrieben, daß es zum Teil in einer Zeit spielt, wo es Vierteltelefone, den Reaktorunfall in Tschernobyl und die Waldheim-Affaire gab.

Das ist lange her und die jüngeren LeserInnen können sich vielleicht gar nicht an diese Zeit erinnern, in der Valerie oder Vie, Tochter aus guten Haus, die die Schule geschmissen hat, zwanzig ist und Bojan aus dem damaligen Jugoslawien kennenlernt.

Der ist etwas widersprüchlich, nämlich Maler oder Kunststudent, geht mit ihr auch in esoterische Sitzungen und ernährt sich makrtobiotisch. Dann schlägt er sie aber wieder serbisch-matschohaft, ist grundlos eifersüchtig, während er sie ständig mit anderen Frauen betrügt, hinauswirft und wiederkommt und Vie  sich nicht wehren kann.

Im zweiten Handlungsstrang ist Valerie knapp fünfzig, erfolgreich im Beruf, trotz ihres widerlichen Chefs und hat sich zu Weihnachten vierzehn Tage Auszeit genommen, die sie, wie sie erzählt, auf den kanatrischen Inseln verbringen will.

In Wahrheit hat sie vor zu Hause zu bleiben, holt sich Konserven aus dem Keller, will schlafen, fernsehen, als sie eine Facebookanfrage von Bojan bekommt, was sie veranlaßt über die Zeit damals nachzudenken, wo sie in verschiedenen Geschäften jobbte, Bojans Atielier aus dem er sie immer wieder hinausschmiß oder seine  jeweiligen Freundinnen mitbrachte putzte, ihm zu einem Festival nach Portugal nachreiste, von ihm schwanger wurde, einmal abtrieb und dann das Kind gegen seinen Willen bekam.

Am Ende schmeißt sie ihn hinaus und ist Bea eine schlechte Mutter, die inzwischen in Washingtohn studiert und von ihr nichts wissen will.

Valerie verläßt die Wohnung, fährt zu dem Atelier, beobachtet eine Frau und eine Katze darin, sieht einen Mann mit Krüken in dem Bojan, der immer Angst vor dem Alter hatte, erkennt, bis sie dann am vierten Jänner in ihre Firma fährt, dem Chef alles hinschmeißt und dann nach Washington fliegt, um sich mit ihrer Tochter zu versöhnen.

Sehr dicht und bildhaft ist das Ganze beschrieben und ich konnte mir das alles sehr gut vorstellen, obwohl ich da glaube ich, zehn Jahre vorher war, nämlich in den Siebzigerjahren wo ich studierte und ein ähnliches Wien erlebte.

Valerie geht  mit  Bojan in ein Restaruant, sie stopfen sich die Bäuche, dann rennen sie davon und weil es Vierteltelefone gibt und man so nicht immer telefonieren konnte, schmeißt Bojan mit der Zange den anderen Teilnehmer hinaus.

Sehr dicht und spannend, die Gewalt an Frauen, die damals und wohl auch noch heute serbische aber auch andere Männer an Frauen, die sich schlecht whren können, ausübten.

Ob es so Mischtypen, wie diesen Bojan gibt, weiß icht nicht oder doch höchstwahrscheinlich und die Tochter aus guten Haus, “Gräfin!”, sagt Bojan manchmal zu ihr, die in den Altbauwohnungen von Vermieterinnen wohnt, die auf Reisen sind, konnte ich mir auch gut vorstellen.

Ein sehr journalistischer Roman würde ich meinen, leicht zu lesen und ein Gang durch Wien von gestern und von heute, der Silvester mit den Ereignissen in Köln vor einem Jahr kommt auch vor und obwohl ich ja noch keine Weihnachtsbücher lesen wollte, habe ich jetzt außerplanmäßig eines gelesen und es ist wahrscheinlich auch, als schnelle Lektüre für das Weihnachtsfest an eine interessierte Leserin bestens geeignet.