Das große Cartoonsutra

Was verkauft sich gut nach Katzen, Weihnachten, Vegetariern, Kunst, Wien, Fußball, etc, mag sich der “Holzbaum-Verlag” gedacht haben und hat als neuen Karikaturenband “Das große Cartoonsutra”, herausgegeben, in dem uns sechsundvierzig Zeichner erklären “was wir noch nie über Sex wissen wollten”, denn Sex sells natürlich und ich, die ich mich ja eigentlich als eher prüde Frau betrachte, habe mich in letzter Zeit ein wenig in die Erotik  eingelesen, blättere mich also durch die erotischen Cartoon und gebe meinen Eindruck dann hoffentlich mit nicht sovielen Rechtschreibfehler wieder, obwohl das bei diesem Thema nicht so schlimm sein sollte, schauen die Männer bei den Frauen  angeblich ohnehin immer woanders hin, so fragt das schöne Fräulein mit entblößten Busen an der Bar den Freier “Hallo?! Meine Augen sind hier oben!”, wie Michael Holtschulte beobachtet hat.

Aber wieder schön der Reihe nach.

Da liegen auf Seite drei, zwei Pandas im Bett “Wir sind vom Aussterben bedroht..”, sagt der eine, “Wie kannst du da bloß an Sex denken?, antwortet die andere.

Und Andreas Prüstel hat beobachtet, daß die “sexuellen Belästigungen am Arbeitsplatz immer subtiler werden”.

So fragt der alte Chef, die auch nicht mehr so junge Sekretärin “Würden Sie mir wohl einen Blasen…und Nierentee bereiten?!”

Und wenn sie keinen Sex will, “muß man wohl (ihn) so stehen lassen und dann gehen zwei alte Damen mit Rollator, Katze und Stock spazieren “Schläfst du noch mit deinem alten Mann?”, will die eine wissen.

“Gottchen, nein! Ich schlafe nicht mal mehr mit meinen Zähhnen.”. lautet die Antwort.

So stellen sich die Jungen wohl den Sex im Alter vor, aber der Zeichner Beck wurde auch schon 1958 geboren und wird es bald erleben und bei Bettina Bexte erlebt einer in einem bequemen Lehnstuhl sitzend beim Anruf bei einer “Love-Hotline”, einen Schlag oder Erschöpfungsanfall. Denn was muß da alles tun und wissen.

“Möchtest du eine rassige Brasilianerin sprechen? Dann drücke bitte die 1. Für eine blutjunge Asiatin drücke die 2…” Und so weiter und so fort, bei Erich Rauschenbach “..als Vorspiel nehme ich die 79 und die 132, anschließend die 94, die 103 und die 128 und als Nachspiel…”, diktiert da der Kunde aus dem Katalog im Sexhotel der hübschen Hostesse mit dem Notizblock in der Hand.

“Ich hoffe, Ihr Hund trägt ein Kondom,!”, läßt Gerhard Glück Frau Bidermann Herrn Bidermann beim Anblick von zwei jagenden Hunden fragen.Dann kommen “Die ersten Male” von Gernot Budweiser gezeichnet, wo ich den des Herrrn Hitlers ein wenig geschmacklos finde.

Unnd Hannes Richert hat bemerkt, daß “Männer angeblich ja an einem Tag bis zu 50 unbemerkte Erektionen bekommen. “Schon viel!”, fragt man da erschreckt zurück.

Dann der Cartoon für mich beziehungsweise einen BücherbloogerIn “Mein Mann ist unglaublich bibliophil!”, prahlt die eine Dame beim Kaffee der Freundin.

“Der Kerl fickt Bücher?”, denkt sich mit skeptischen Blick auf den strahlenden Mann.

Und Harm Bengen ist weiter unheimlich böse, denn da treffen sich zwei Feen, eine alte schiache und eine schöne mit großen Mund und ebensolchen Busen.

“Wenn ich zu Männern sag “Du hast drei Wünsche frei!”, wollen sie immer Geld, Geld, Geld!”, beschwert sich die eine.

“Du Glückliche!”, sagt oder denkt die andere.

Und dann will einer  “Keinen Sex, ich will einfach nur reden!”

Aber auch das ist nicht soeinfach, muß man sich da ja zwischen “französisch, Griechisch, Spanisch und Englisch?”, entscheiden.

Man kann natürlich auch, wie Johann Mayr meint, es mit reiner Natur, also mit “Bienenstich statt Viagra, um nur einen Euro”, versuchen und dann kommt die Überraschung “Hab ich Sie also mit meiner Frau erwischt?”, fragt der heimkommende Mann entsetzt.

“Ich bin aber nicht Ihre Frau!”, lautet die Antwort, denn “Ich bins, Schatz! Ich hab schnell eine Geschlechtswandlung machen lassen! Überraschung!”

Wie man das wohl verstehen soll?

Im “SM-Studio gibts zwischen 17- 22 Uhr die Happy Aua”, wieder was für Rechtschreibfanatiker, die auch beim Sex genau sein wollen und Martin Zak ist  richtig gemein, denn “Schatz! Weißt du, daß unser Sohn schon schreiben kann?”, fragt Mama Papa in der Küche, während das Söhnchen schon mit der Zeichnung “Mama Onkel Bett” und den entsprechenden Pfelen ankommt.

Uje, uje, vielleicht ist die ÖVP deshalb gegen die Gesamtschule und für ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr?

Michael Friedrich hat sich ganz genau an das Thema gehalten und vier Bilder zu “Kamasutras Rache” gezeichnet.

“Würden Sie auch ehrenamtlich arbeiten?”, läßt Michael Holtschulte, den Mann im Rollstuhl, die Nutte fragen und dann wirds wieder bös, denn wenn die alten “Mädels” den achtziger feiern, kann sich der Stripper leicht als der Sensenmann entpuppen.

Miriam Wurster hat sich zu einem “Demografischen Wandel!”, entschlossen, wenn da der alte Kunde, statt “zwei fünfundzwanzigjährige eine Fünfzigjährige bekommt!

Gerecht könnte man sagen und anmerken, daß mehr Männer als Frauen die Cartoons gezeichnet haben, aber vielleicht gibt überhaupt mehr Karikaturisten als Karikaturistinnen, aber die sind mitunter auch ganz böse, so läßt Peter Thulke eine Frau mit ihrem Mann telefonieren.

“Mach dir keine Sorgen Schatz, ich bin mit der Tina nur noch kurz beim Griechen!”

Sowas habe ich schon mal umgekehrt im Fernsehen gesehen, jetzt liegen aber beide Damen mit dem dunkelhaarigen Herrn im Bett und griechischen Wein scheint es zum flotten Dreier auch zu geben.

Und so weiter und so fort könnte man so schreiben oder schauen und wer sich zu den Sprüchen die passenden Zeichnungen geben will, die ich zum Teil sehr originell und lustig und nur ganz weniges, wie eben den Hitler-Witz peinlich empfunden und manche auch nicht ganz “Die Bergmüllers laden uns zu einer BBQ-Party mit anschlissendem Analfisting ein. Was meinen die mit BBQ”, verstanden habe, sollte sich durch das Buch blättern. Vielleicht gibts auch wieder eine Ausstellung im “Shop der komischen Künste” und dort kann man sich sicher, sowohl die Zeichnungen, als auch das Buch kaufen,sowie sich auch das genaue Autorenverzeichnis und die Lebenläufe der Zeichner und Zeichnerinnen ansehen.

Nikolas Mahler will ich noch verraten, ist diesmal nicht dabei.

 

Ein liebender Mann

1821 lernte der über siebzigjährige Goethe in Marienbad, die siebzehnjährige Ulrike von Levetzow kennen, der er 1823 einen Heiratsantrag machte, der aber abgewiesen wurde, so daß er daraufhin die “Marienbader-Elegien” schrieb, 1832 in Weimar starb, Ulrike von Levetzow ist unverheiratet geblieben und hat, wie ich “Wikipedia” entnahm, ihr Leben lang dementiert ein Liebesverhältnis, sondern nur eine väterliche Beziehung zu dem alten Geheimrat gehabt zu haben, trotzdem ist sie als Goethes letzte Liebe in die Geschichte eingegangen und der 1927 in Wasserburg geborene Martin Walser, hat 2009  den Roman “Ein liebender Mann” darüber geschrieben, der als verbilligtes Taschenbuch über den “Thalia-Abverkaufstoß” zu mir gekommen ist, angelesen habe ich ihn ihn aber schon 2009, denn damals hat die FAZ einen Teil des Romanes im Internet veröffentlicht und allgemein kann es als sehr interessant empfinden, was einem ebenfalls nicht mehr jungen Mann über die letzte Liebe des alten Geheimrates eingefallen ist.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert, der erste spielt, 1823 in Marienbad, da ist Goethe mit seinem Diener Stadelmann, der sich ein Geschäft darausmacht, Goethes Haare zu verkaufen und dem Schreiber John auf Kur, sein Freund und Dienstgeber, Großerzog Carl August  bzw. Chef steht irgendwo, Martin Walser bedient sich durchaus einer modernen Ausdrucksweise, ist ebenfalls anwesen und Frau von Levetzow mit ihren drei Töchtern, Ulrike, Amilie und Berta, neunzehn, sechzehn und fünzehn Jahre alt.

Goethe geht mit der “Contresse Ulrike”, wie die, in einem Straßburger Internat Erzogene, genannt wird, weil sie so kritische Fragen stellt, spazieren und auf Abendgesellschaften, da tanzt er mit ihr. Es ist aber üblich, daß die Tänze abgelöst werden können, so tritt ein Herr de Ror auf, ein halbgriechischer oder halbtürkischer Gewürzwarenhändler von dem man keinen Vornamen weiß und Goethe erglüht in Eifersucht.

Sein Alter macht ihn auch zu schaffen, er ist drei-, bald vierzundsiebzig, also fünfundfünfzig Jahre älter, während sich sein Hausarzt ein Mann von fünfzig Jaren mit einer dreißig Jahre jüngeren Frau verlobt.

Das mag noch angehen, aber fünfundfünfzig? Trotzdem geht das Leben weiter. Nach dem Eifersuchtsanfall, wo Goethe sich beleidigt in sein Gasthauszimmer zurückzieht, kommt es zu einem Kostümball und da verkleidet er sich als Werther, Ulrike als Lotte und sie gewinnen auch noch den ersten Preis, nur als sie zwischendurch spazieren gehen, stürzt der alte Mann, muß vom Hausarzt versorgt werden, entschließt sich aber trotzdem, den Herzog als Heiratsvermittler zu Frau von Levettow zu schicken.

Das wird, wie in “Wikipedia” steht abgewiesen, in dem Buch wird das etwas unverbindlicher ausgedrückt. Die Familie reist nach Karlsbad ab. Goethe reist nach und geht sogar vier Stunden mit Ulrike spazieren, wobei es zu einer “Du -Zone” kommt.

Es werden auch Küße getauscht und weil die Levetzowschen Töchter, Frauen des neunzehnten Jahrhunderts sind, bedienen sie sich und das finde ich genauso köstlich, wie die “Contresse Ulrike”, einer Art Kürzelsprache und sagen”Swswnn”, wenn sie “So weit sind wir noch nicht” meinen und “ab” “Aber bald”.

Das sind schon Floskeln, die Goethe und Ulrike während des Spaziergangs austauschen, sie schickt ihm ein Band, das sie als Lotte trug, er raubt ihr einen Handschuh und im dritten Teil ist sie wieder im Internat, dort hat sie angeblich nur Schiller und nicht Goethe gelesen, wie die vorlaute Schwester, dem Geheimrat in Marienbad verriet. Goethe in Weimar, im Hause seines Sohnes August und seiner Schwiegertochter Ottilie, die auch etwas gegen die Liebe des “Lustgreises” und wahrscheinlich gegen eine Heirat haben.

So schreibt Goethe  die “Marienbadner-Elegien”, die er im Roman Ulrike zukommen läßt, in Wirklichkeit scheint das nicht geschehen zu sein. Walser läßt Goethe auch Briefe an Ulrike schreiben, beziehungsweise übt er sich in der Kunst des Briefromanes und da schildert er die Überwachungen, beziehunsweise die Beschimpfungen seiner Schwiegertochter, die Ulrike eine “Ehrgeizhure” nennt. Das läßt Walser Goethe tatsächlich an seine Geliebte schreiben, was mir als nicht sehr realistisch scheint. Er schreibt auch von seinen Befürchtungen, daß sie die Briefe nicht erhalten wird, weil Ottilie, den Postmeister besticht und sie abfangen lassen wird.

Es werden auch Goethes weitere Eifersuchtsanfälle, abwechselnd mit seinem Herzrasen geschildert, das er bekommt, als er einen Brief von Ulrike empfängt, die ihm einen Besuch von Herrn de Ror, der, wie inzwischen herauskommt, Juan heißt, erzählt und von Schmuckstücken, die ihr, die bisher immer ungeschmückt war, von dem Händler zur Verfügung gestellt bekommt.

Dazwischen wird sein Leid, auch in dem Romanversuch “Ein liebender Mann” geschildert und auf der letzten Seite läßt Walser Ulrikes Kammerfrau erzählen, daß sie am zwölften November 1899, einen Tag vor ihrem Tod, seine Briefe verbrennen ließ.

Eine interessante literarische Deutung eines anderen großen Dichters und alten Mannes über die vermutlich letzte Liebe Goethes.

Und für Johann Wolfgang Goethe hat sich der Vielschreiber, der einen beachtlichen Werkkatalog aufzuweisen hat, von dem ich einiges gelesen  habe, glaube ich, auch in anderen Werken interessiert, so habe ich das Surhkjamp-Taschenbüchlein “In Goethes Hand”, noch auf meiner Leseliste.

Interessant, interessant, ob es jetzt so war oder nicht, in Walsers Phantasie hat es sich so abgespielt und mir hat vor allem der moderne Ton, in den er die Geschichte packt, sehr gefallen, so sprechen Ulrike und Goethe ganz am Anfang auch über Literatur, Byron und Scott sind gerade in  und sie unterhalten sich über “Satzhoheiten” und “unvorgreifliche Voschläge”, das ist die “höflichste Art sich etwas dringend zu wünschen”, sagt Ulrike, während Goethe, den Ulrike Exzellenz nennt, von einer “Art Befehl”, spricht.

Seine Farbenlehre kommt vor und so sieht er auch Ulrikes Augenfarbe von blau in grün wechseln und über seine Minerialiensammlung wird auch berichtet.

Sehr interessant also, Goethe über Martin Walser näher kennenzulernen, ich kann mich aber an die Worte meiner Lehrerinnen erinnern, da weiß ich  nicht mehr so genau, ob es die Frau Linser in der Haptschule oder die Frau Professor Friedl in der Straßergasse war, die, als sie über die Liebe des alten Goethe zu einem jungen Mädchen und seinen Heiratsantrag, berichtete, meinte, daß ihre Eltern bzw.  Mutter so vernünftig waren, ihn abzulehen.

Nach der Lektüre des Buches denke ich fast ein wenig aufmüpferisch, die junge Frau wäre gut versorgt gewesen, hätte mit dem alten Herrn über Literatur diskutieren können und wäre bald Witwe geworden, vielleicht hätte sie ihn ein bißchen pflegen müßen, Personal wäre aber im Haus gewesen, was ist also dabei?

Die Welt natürlich, die Klatschmäuler und wahrscheinlich die Familie Goehte Junior und darüber hat auch Gerhard Hauptmann ein Drama geschrieben und ich habe in meiner Sturm und Drang Phase, die “Leiden des jungen Werthers” und noch andere Goethe-Lektüre gelesen. Ein Gedichtausgabe, habe ich einmal zu Weihnachten von meinen Eltern bekommen, mit der Frau Professor Friedl haben wir ein Jahr den “Faust” studiert, was ich zuerst für einen Witz gehalten habe und heute etwas übertriebenfinde.

Ein Buch der Ottilie von Goethe, wahrscheinlich sind es Gedichte oder ein Tagebuch, habe ich mir einmal antiquarisch gekauft und sogar einmal eine Erzählung über den “Torquato Tasso” geschrieben, der mich in meiner “Sturm und Drang-Phase sehr beeindruckt hat.

JADRAN heißt die Adria

Von Ruth Aspöck sind, seit sie 2007 mit ihrem Verlag “Die Donau hinunter”, in Pension gegangen ist, vier Bücher im “Löcker-Verlag” erschienen, die man wohl als dokumentarische Literatur oder Dokumentarromane bezeichnen könnte.

In “Nichts als eine langweilige Blindschleiche”, hat sie ihre Tagebücher aufgearbeitet, dann ist sie mit “Grillparzer auf Reisen” gegangen und im Vorjahr hat sie ihre Salzburger und oberösterreichischen Nachkriegserinnerungen aufgezeichnet.

Jetzt hat sie mit “JADRAN heißt die Adria”, das Leben einer bosnischen Flüchtlingsfamilie, die in den Neunzigerjahren aus Banja Luka nach Österreich kam und sie die Frau, die als Kassierin in der Kantine des Bundeskanzleramts arbeitet, kennenlernte, weil sie dorthin manchmal essen geht, aufgezeichnet.

Wahrscheinlich lange Gespräche geführt und ist mit ihr im letzten Oktober oder November auch nach Banja Luca gefahren, um sich ihre Heimat anzusehen und hat mir von dort eine schöne warme weiße Haube zu meinem Geburtstagsfest mitgebracht.

Jetzt habe ich das Buch, das heute mit Musikbegleitung von Sasa Jansetovic, moderiert von Renata Schmidtkunz, in der Hauptbücherei vorgestellt wurde, gelesen, das in sieben Abschnitten, die alle mit “A” beginnen “Aufwärmen”, “Aufsitzen”, “Anreiten”, “Ausreiten”, man sieht das Reiten spielt dabei eine wichtige Metapher, eingeteilt ist und die Abschnitte berichten abwechselnd auch von der Ich-Erzählerin, deren Biografie, was mir wieder, wie im letzten Buch, auffällt, seltsam abgewandelt und distanziert wurde, als auch von Susana Jovanovic, die im Betriebsrestaurant eines Druckereibetriebs, in dem die Ich-Erzählerin, jetzt Pensionistin, als Emfangsdame beschäftigt war, arbeitet.

In “Aufwärmen” wird von den Sammelleidenschaften der Pensionistin, sie sammelt Eulen und hat früher Bierdeckeln in Trinklokalen, in denen sie als Kind mit ihrem Vater war, erzählt. Wieder fällt mir die sehr genaue, etwas altmodisch klingende Sprache auf, warum schreibt sie nicht von Wirtshäusern und Weinstuben, wie ich es wahrscheinlich tun würde?

Die Armut in der Jugend wird wieder thematisiert, in der “Edition die Donau hununter” hat Ruth Aspöck einen entsprechenden Essay veröffentlicht, sie hat in ihrer Jugend in Fabriken und Wirtshäusern gearbeitet, da einen reichen Mann kennengelernt, der sie später verlassen hat, dann ging sie für einige Jahre nach Amerika, Ruth Aspöck ist, glaube ich, in Kuba gewesen und hat ein Buch darüber geschrieben, wieder zurückgekommen und in dem Betriebsrestaurant Susana Jovanovic kennengelernt, die in den neunziger Jahren mit ihrem Sohn Alexander nach Wien gekommen ist. Ihren Mann Branco, aus einer katholischen Familie stammend, hat sie gegen den Willen ihrer Eltern geheiratet und ihn in seinem kleinen Transportunternehmen geholfen, dann kam der Krieg, die Nachbarn wurden Feinde und Branco, der immer eine Pistole mit sich führte, hat bei einem Streit in einem Park einen Angreifer erschossen, wofür er sechs Jahre eingesperrt wurde.

Danach ging er zuerst nach Italien und als Susana oder Bijana Panic, wie der wirkliche Name heißt, der im Buch und im Veranstaltungsprogramm erwähnt wird, nicht nachkommen und schon wieder eine Sprache lernen wollte, zu ihr nach Wien.

Das Buch schildert nicht nur das Leben einer Flüchtlingsfamilie, die längst in Österreich heimisch geworden ist und ein Häuschen am Stadtrand bewohnt, sondern es zeichnet auch die Geschichte nach, wie es zu dem Zerfall Jugoslawien gekommen ist und geht so gar weiter in die Geschichte, in den ersten Weltkrieg und nach Österreich- Ungarn zurück.

Im ersten Kapitel schreibt die Pensionistin, die schon einige Erzählungen in Anthologien veröffentlicht hat, von ihrem Wunsch einen Roman zu schreiben, durch ihre Bekanntschaft mit Susana Jovanovic ist ihr das gelungen.

“Susana ist die Hauptfigur dieses Buches, das zu schreiben und zu veröffentlichen mir nun doch geglückt ist. Deshalb trete ich jetzt zurück. Genug des Sinnierens. Ich habe mich ausreichend vorgestellt. Sie kennen mich nun. Vorderhand verabschiede ich mich und lade Sie ein, lesend das Leben Susanas zu verfolgen”.

Ganz hat sie diesen Vorsatz nicht durchgehalten, taucht sie doch immer wieder in den weiteren Kapiteln auf und am Ende geht es  um das Schreiben und um die Schreibschulen, in denen man es lernen kann.

“Ich habe keinen Schreibkurs besucht. Meine Texte sollen aus mir kommen, aus meinen Überlegungen un in meinem Stil, nicht der eines Lehrers oder einer Lehrerin”, schreibt sie auf der vorletzten Seite, was, wie meine Leser wissen werden, so auch nicht ganz stimmt, haben wir uns doch die letzten zwei Jahre öfter mit Robert, Ruth, Ilse und und Fritz im Cafe Ludwig in der Westbahnstraße getroffen und daraus am sechsten März gelesen.

Am Abend in der Hauptbücherei gab es dann einige Bekannte, Margot Koller war mit ihrer Freundin da, Irene Wondratsch, Ingeborg Reisner, Klaus Khittl und und und …

Alexander Lellek, der Verlagsleiter leitete damit ein, daß er nicht wüßte, wieviele Bücher Ruth Aspöck schon geschrieben hat, dann begann der Schwiegersohn von  Bijana Panic, der im bosnischen Fernsehen als Kameramann tätig ist, am Akkordeon zu spielen, bevor Renata Schmidkunz von Ruth Aspöck  wissen wollte, wie sie auf die gekommen ist, das Buch zu schreiben?

Dann begann die Lesung mit verteilten Rollen und dann noch einmal ein Gespräch, das in eine ziemlich aufgeheizte Diskussion im Publikum führte, wo es um die die bosnische beziehungsweise serbokroatische Sprache und um die Frage ging, wie lange man sich noch als Bosnier oder schon als Österreicher fühlen kann und soll?

Spannend von der Literatur, in die Soziologie und vielleicht wieder zurück zu kommen und von Ruth Aspöck, die ihr viertes “Löcker Buch”, wie sie betonte über die Gegenwart und Wien schreiben wollte, habe ich sehr viele Bücher gelesen.

Wieviele sie geschrieben hat, weiß ich ebenfalls nicht, werde aber die, über die ich schon gebloggt habe, hier verlinken und interessant ist auch auch die Frage ob  “ihr Ziel  mit diesem Buch Susana Jovanics Leben und das ihres Umkreises darzustellen und verständlich zu machen”, gelungen ist.

Biljana Panic antwortete jedenfalls auf Renata Schmiedkunz Frage, daß das Buch etwas für sie  ist, daß sie an ihre Kinder weitergeben kann und, daß sie also überleben wird.

April in Stein

Wolfgang Derler, Robert Streibel, Barbara Rett, Michael Schwanda

Wolfgang Derler, Robert Streibel, Barbara Rett, Michael Schwanda

Den Historiker und Leiter der VHS Hietzing,Robert Streibel, kenne ich, glaube ich, von einigen Exil-Literaturveranstaltungen, habe ihn bei der letzten Sommerakademie des Instituts für jüdische Geschichte in der WU gehört und er hat auch einmal im Kremser Literaturhaus anläßlich einer Kramer-Preisverleihung einen Vortrag über einen Widerstandskämpfer gehalten, nach dem in Stein eine Straße benannt ist, nun hat er ein Buch über das Häftlingsmassaker, das am 6. April 1945 in der Justizstrafanstalt Krems/Stein stattgefunden hat, geschrieben, das vor kurzem bei “Residenz” erschien und heute in der Alten Klosterkirche der Justizanstalt vorgestellt wurde.

In dem Vorwort beschreibt der Historiker, der in Krems aufgewachsen ist, zwei Erlebnisse, die ihn, den 1959 geborenen mit der NS-Zeit verbinden.

Zu Beginn, 1938 wurde der jüdische Rechtsanwalt Dr. Brüll, bei dem Streibels Großmutter Hausgehilfin war, vor seiner Praxis zusammengeschlagen und das Kind oder der Jugendliche ging jeden Tag am Schulweg vor dem Haus vorbei und am Ende im April 19445 fand dieses Häftlingsmassaker statt, daß sein Vater als Dreizehnjähriger miterlebte und offenbar auch dabei war, als einer der Häftlinge erschlagen wurde.

Jedenfalls schildert Robert Streibel in seinem Dokumentarroman, zu dem der von Erich Hackl ermuntert wurde und der auf Interviews passiert, die er mit Zeitzeugen, die davon betroffen waren, führte, den dreizehnjährigen Josef Streit, Namen sind,  steht  in dem Vorwort zum Großteil abgeändert, Sohn einer Tabakarbeiterin, der in einer Traumwelt des Comichelden Rolf Torring lebt, Lebensmittel klaut, von einer Patronenkugel verwundet , aber auch Zeuge wird, wie einer der Häftlinge auf der Straße angeschossen wird und verblutet.

Barbara Rett, Robert Streibel und Vater

Barbara Rett, Robert Streibel und Vater

Was ist passiert?

In der Justizanstalt Stein, waren in der NS-Zeit, sowohl normale Gesetzesbrecher, als auch Kommunisten, Widerstandskämpfer, etc, inhaftiert.

Am 6. April, als der Krieg schon verloren und die Russen nahen, bekam der Gefängnisdirektor einen Befehl, alle Gefangenen freizulassen, was zu einem Massaker führte, weil sowohl die SS, die SA, aber auch die Bevölkerung, Jagd auf die Entlassenen machte und fast dreihundert Personen dabei ums Leben kamen.

Robert Streibel versuchte nun aus seinem Interviewmaterial, wie auch vor drei Jahren Manfred Wieninger, einen Dokumentationsroman zu machen, in dem er die Geschichte der einzelnen Gefangenen in zweiundfünfzig Kapitel, die spannende narratrive Überschriften haben, erzählt.

Da gibt es den dreizehnjährigen Josef, der mit seinem Freund den Kriegsalltag erlebt, es gibt Szenen, wo die Gefangenen, aber auch die Wächter und alle anderen, bei einem Eisenbahnzug liegen, wo aus einem Waggon Wein fließt und sich betrinken, Schokolade wird gestohlen und Fleisch von einem toten Pferd herausgeschnitten.

Griechische Häftlinge bzw. Zwangsarbeiter gibt es auch und die Geschichte von einem Lied aus dem Zigeunerbaron, das immer für einen Häftling vor dem Gefängnis gesungen wurde, damit er sich nicht alleine fühlt.

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Der Gefängnisdirektor und einige Angestellten wurden nach dem Massaker exekutiert, einige Häftlinge sind in Hadersdorf erschossen worden, anderen ist die Flucht gelungen.

Einer der griechischen Häftlinge ist nach dem Krieg in Krems geblieben und Robert Streibel schildert fiktiv, daß er auf einer Bank beim Friedhof saß und mit einem der  Verantwortlichen des Massakers, der sich 1995 vor dem Massengrab, der 386 Toten erschossen hat, ein Gespräch führte.

Im Anhang gibt es ein Personenverzeichnis, das die Lebensläufe, der in dem Buch vorkommenden Personen schildert. Ein Glossar gibt es auch und in der Galerie Kultur Mitte, in der wir auch schon einige Male waren, wird am zehnten April die Ausstellung “Stein 1945” eröffnet.

Am Abend ging es dann in die Steiner Landstraße, wo die Strafanstalt, bzw. die alte Kirche, genau gegenüber dem niederösterreichischen Literaturhaus gelegen ist und ich habe diese Kirche, obwohl ich schon einige Male im Niederösterreichischen Literaturhaus war, noch nie gesehen.

Es gab aber eine Tafel, die auf die Veranstaltung hinwies und im Foyer standen Justizwachebeamten in blauen Uniformen, die mich sowohl an die Bahn, als auch an den ersten Weltkrieg erinnerten, hakten die Namen ab und man konnte  in die Kirche, wo mich sogleich Barbara Rett, die Ohrenschmaus-Moderatorin, die diesen Abend moderierte, begrüßte.

Ziemlich vorne eine Platz gefunden und vorher noch den Chef der Galerie “Wien Mitte” begrüßt, den ich oder er mich nach  Ruth Aspöck fragte, die am Mittwoch die Präsentation ihres neuen Buches in der Hauptbücherei hat und einige Reihen vor mir, saß Jessica Beer, nun Lektorin bei “Residenz”, die früher das Veranstaltungsprogramm der Hauptbücherei organisierte und einmal auch in der Jury beim “Alpha” war.

Claudia Romeda war da, saß später am Podium und die habe ich am Donnerstag im Literaturhaus gesehen und eine Woche vorher in Leipzig beim Österreich-Empfang und ich bin mir auch nicht sicher, ob wir nicht am Morgen in derselben Straßenbahn zur Messe gefahren sind.

Die Veranstaltung begann ziemlich ungewöhnlich ohne Einleitung oder Begrüßung mit einer Lesung aus dem Buch von Robert Streibel, dann trat erst Barbara Rett nach vorn und bat die Eingeladenen auf das Podium, die da waren Michael Schwander vom Bundesministerium für Justiz,  Wolfgang Derler, Vizebürgermeister von Krems, Bruno Sladek, Leiter der  Justizanstalt und Claudia Romeder vom “Residenz-Verlag”.

Die Diskussion geriet dann meiner Meinung nach etwas durcheinander, da sich der Bauftragte vom Justizministerium mehr auf die Gegenwart bezog und von der Justiz als dritte Exekutivgewalt des Staates sprach, deren Aufgabe es ist vom gestern in die Gegenwart zu kommen, um damit für die Zukunft zu sorgen, Sätze, die wie aus einem Schulungsseminar klangen und  auch kurz die Aufgaben der Justiz und die Trainingsmethoden der Beamten schilderte, damit diese ihre schweren Aufgaben nachkommen können.

Dann ging es wieder in die Vergangenheit, nämlich zu den Zeitzeugen, so begrüßte Barbara Rett, Robert Streibels Vater, jenen Josef Streit, von dem Robert Streibel nicht mehr wußte, ob er als Dreizehnjähriger wirklich geraucht hat, wie er es ihm andichtete.

Barbara Rett fragte danach, der Vater verweigerte die Antwort, natürlich, da er damit heute ja krimilisiert wäre und erzählte von seinen Gefühlen, die er  als Jugendlicher hatte, zwei andere Herren waren auch noch da, Sohn, bzw. Enkel eines Betroffenen,  die berichteten, daß es die Stadt Hadersdorf immer noch nicht geschafft hat, eine Gedenktafel für die einundsechzig Erschossenen anzubringen.

Der Enkel hielt auch ein Plädoyer auf die Menschlichkeit, die er sich für die Zukunft wünschte, der sich Barbara Rett anschloß, so endete der zweite Lesungsteil von Robert Streibel auch mit keinem Applaus, sondern mit einer Schweigeminute des Gedenkens an die bei dem Massaker umgekommenen.

Dann gab es aber Wein und Brötchen, Gespräche und die Möglichkeit sich das Buch zu kaufen.

Ich habe meines mitgebracht, da ich die ausgelesenen Bücher in das neue Regal in Harland stelle, so daß ich, was ich nur sehr selten tue, die Gelegenheit benützte, mir das Buch signieren zu lassen und da die Ausstellung zu “Stein 1945” zeitgleich mit der “Literatur und Wein”, wo der Alfred wieder Karten kaufte, fällt, können wir sie uns wahrscheinlich am Sonntag ansehen, beziehungsweise an der Kranzniederlegung am Steiner Friedhof, wo sich einer der Mitverantwortlichen 1995 erschossen hat, teilnehmen.

Robert Streibel wird im April, glaube ich, gemeinsam mit Erich Hackl in der “Alten Schmiede” auftreten und da wäre es interessant zu vergleichen, über den Unterschied von Dokumentation und Fiktion wurde heute aber auch gesprochen.