Sein Leben ein Traum

Jetzt kommt etwas ganz Altes aus dem Bücherschrank, der in der Bücherbilde Gutenberg” erschienene “Grillparzer Roman” von Friedrich Schreyvogl, des Großneffens von Joseph Schreyvogel, der 1899 in Wien geboren wurde, ein katholischer Dichter war, 1933 vom Pen-Club in die illegale NDSAP eintrat, dort in der Reichstumschriftkammer tätig war, sich nach 1945 wieder auf seine Katholizität besann und bis zu seinem Tod 1976 in Wien im literarischen Leben aktiv tätig war. Er hat auch ein Ehrengarab am Zentralfriedhof und gilt wie ich “Wikipedia” entnehme “als wendiger, schnell und vielschreibender Literat.”

So gibt es auch eine lange Werkliste und einige Grillparzer-Bücher sind dabei.

Mein Buch hat das Copyright 1940 aus dem “Zsonay-Verlag” und ich habe es schon vor einiger Zeit gefunden und auf die Leseliste gesetzt, nachdem ich Ruth Aspöcks “Reisen mit Grillparzer” gelesen habe.

Ich bin ja kein so besonderer Fan des österreichischen Nationaldichters, gehe auch nicht mehr viel ins Theater.

“Weh dem der lügt”, hat mich aber sehr beeindruckt und als ich als Hauptschülerin von der städtischen Bücherei mit einer Grillparzer-Gesamtausgabe nach Hause kam, habe ich sie glaube ich, auch ziemlich ungelesen wieder zurückgebracht.

Trotzdem sehr interessant den 1940 geschriebenen Roman mit all dem historischen Wissen, das man inzwischen hat, zu lesen, er  ist noch in der alten Schrift, die aber relativ leicht zu lesen ist und beginnt auf einem Schloß bei einem Grafen, wo der junge Grillparzer nach seinem Jusstudium Hofmeister war.

Der Graf jagt ihm bei Regen auf einen offenen Wagen zu einer Kirche, der Fieberwahn oder ode ersten Dichterphantasien wieder, später treffen wir ihn dann in Wien, wo er als Konzipient gearbeitet hat und ein Freund die ersten Verse entdeckt, die werden Joseph Schreyvogel, der damals Burgtheaterdirektor war zugespielt und der Aufstieg beginnt.

“Die Ahnfrau” im “Theater an der Wien”, die den jungen Dichter sofort berühmt machen und während er an der “Sappho” schreibt, erhängt sich die Mutter, der Bruder bringt sich um und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

“Medea” wird geschrieben und Grillparzer lernt in einem Salon Kathi Fröhlich kennen, die jüngste von vier Schwestern, die ihr von ihrem Unheil erzählt, weil ihre Mutter mit den Kindern jeden Tag auf den Friedhof geht, um dort den toten Bruder zu besuchen, so daß die kleinen Mädchen, den als Spielplatz benützten.

Die großgewordene Kathi geht mit Grillparzer und Franz Schubert in den Weinbergen spazieren und dann auf den Grinzinger Friedhof und Schreyvogel deutet an, daß sie vielleicht deshalb die ewige Braut geblieben ist, weil es in ihrem Zimmer, als er sie besuchen wollte, so unaufgeräumt war und sie dann noch aus Trotz einen Hausschuh einfach unters Bett beförderte, während der zweite schon im Bett versteckt war.

Grillparzer, der schon an seinen “König Ottokar” denkt, will sich, um sich ganz der Dichtung zu widmen auch aus dem Staatsdienst entfernen, ein hellsichtiger Minister hindert ihn daran, denn man braucht ja die Wurzeln, wenn der Geist in die Höhe fließen wird.

Er soll auch für Beethoven ein Libretti schreiben, entscheidet sich für die “Schöne Melusine”, die aber von dem tauben Titanen nie komponiert werden wird.

So trifft er sich mit Gleichgesinnten im “Ludmannsbund”, gerät dabei mit der Zensur in Schwierigkeiten und geht auf große Deutschlandreise, besucht in Berlin Hegel und in Weimar nimmt sich der doppelt so alte Goethe sogar einen ganzen Tag für ihn Zeit.

Beethoven stirbt und eine mögliche Geliebte, eine andere heiratet, war Grillparzer wirklich so ein Frauenheld, aber der verknöcherte Hofarchivdirektor, wie wir ihn von den Bildern kennen, wird einmal jung gewesen sein und in dem Biedermeier-Wien sehr beliebt.

“Ein treuer Diener seines Herrn” wird geschrieben, “Des Meeres und der Liebe Wellen” und, daß es an der Zeit ist, sich an “Ein Traum ein Leben” heranzuwagen, daran erinnert ihn, ein bei einer Kur in Gastein gekaufter schwarzer Stock.

Die deutschen Dichter Heinrich Laube und Karl Gutzkow kommen nach Wien und besuchen den “Blauen Stern”, wo Nikolaus von Lenau, Grillparzer und andere Dichtergrößen ihren Stammtisch haben, dann geht es auf die von der Ruth beschriebenen Reisen nach England und Frankreich, wo Grillparzer in Paris im Palais Rothschild mit den Meistern Meyerbeer und Rossini zu Abend essen wird. Das der letztere ein Feinspitz ist, weiß ich von einem Kochbuch, das ich einmal geschenkt bekommen habe. Bei Rothschild darf der den Champagner goustieren und erkennt den Jahrgang am Geschmack, dafür komponiert er nicht mehr und Grillparzer soll auch bald in die Krise kommen, taucht doch plötzlich ein bisher unerwähnter Bruder auf, den er im Gefängnis in Linz begeben hat, denn der “wahnsinnige” Zollbeamte, hat einen Mord gestanden, der nur in seinen Träumen geschah und Bruder Franz, jetzt Vierzigjährig schreibt “Weh dem der lügt” und wird dafür im Burgtheater ausgepfiffen.

Es geht mit dem Schiff auf der Donau bis nach Konstantinopel. Erwin Riss hat darüber, glaube ich, ein Hörspiel gemacht und Ruth Aspöck ist ihm nachgefahren und zum dreiundfünfzigsten Geburtstag gibts für den ersten österreichischen Dichter ein großes Fest in der “Concordia”. Waldmüller hat dazu ein Portrait gemacht und dann kommt die Revolution.

Für ein Gedicht auf Feldmarschall Radetztky bekommt Grillparzer eine große Ehrrung, aber kein Geld und die Excellenzen bemühen sich in den vierten Stock des Hauses, in der die Wohnung der Schwestern Fröhlich liegt, in der Grillparzer ein Zimmer gemietet hat.

Die letzten Theaterstücke scheint er nur mehr für sich selbst geschrieben zu haben,  die Ehrungen und die Stürze kommen und im einundachtzigsten Lebensjahr, stirbt der grantige Herr Hofrat an Alterschwäche. Vorher hat ihn noch die Schauspielerin Charlotte Wolter besucht, ins Burgtheater, wo Heinrich Laube Direktor wurde, ist er dann nicht mehr gegangen.

Und so sind wir mit dem wendigen Dichter in sehr anschaulichen Bildern und vielen Wetterschilderungen in achtzehn Kapiteln und drei Teilen auf vierhundertfünfzig Seiten, durch Grillparzers Leben gegangen und haben seine Träume kennengelernt.

Friedrich Schreyvogl hat auch an der Herausgabe der Grillparzer Gesamtwerke mitgearbeitet und von seinem Großonkel vielleicht auch einiges an Wissen gehabt.

Die Henkerin

Nun kommt wieder etwas ganz “Altes” aus Alfreds Beständen, die er in Harland gesammelt hat, nämlich Pavel Kohouts “Die Henkerin”, die “Hoffmann und Campe-Ausgabe” aus dem Jahr 1978, geht man zu “Wikipedia” wird dort als Erscheinungsjahr 1993 angegeben, höre ich ja immer “Wikipedia” sei sehr fehlerhaft, was ich eigentlich so nicht bestätigen kann und der 1928 in Prag geborene Pavel Kohout, der die Charta 77 unterschrieb, 1978 den österreichischen Staatspreis für europaische Literatur erhielt und seither in Wien lebt, seit der Wende wahrscheinlich auch in Prag, ist fast ein Klassiker.

Ich erinnere mich mit dem Willi, einem Freund meiner Studentenzeit, den ich im “Klub der logischen Denker” kennenlernte, sein Stück “August August August” gesehen zu haben. Gelesen habe ich noch nicht sehr viel, obwohl ich glaube, vor kurzem eines seiner Bücher im Schrank gefunden zu haben.

Als politischen Schelmenroman, der Klappentext schreibt von sich überbietender Absurdität, könnte man das Buch beschreiben und es ist ein sehr spannendes Stück Literatur, das einen voll sarkastischen Witz, in ein Stück der jüngeren Vergangenheit führt.

“Personen, Schauplätze und Geschehnisse sind leider frei erfunden!”, soll Kohout laut Klappentext dazu gesagt haben, “dafür sind die historischen Informationen und die zitierte Literatur gottlob streng authentisch”

Es geht gleich los in  sechs Kaptiel, die in zweiundsechzig Szenen unterteilt sind, die oft mitten im Satz aufhören und beginnen.

Die bildhübsche Linzinka, ein blonder Engel, fünfzehn Jahre alt, hat die Pflichtschule beendet und da müßen die Eltern in Prag, ich nehme an, die Handlung spielt dort, sich was für den weiteren Werdegang einfallen, beziehungsweise ihre Beziehungen und Reize spielen, lassen und Lizinka ist, sowohl bei der Eignungsprüfung fürs Gymnasium, als auch bei der des Konservatoriums durchgefallen.

Die Mama dreht durch, sperrt sich im Badezimmer ein, beschimpft den Papa, einen nutzlosen Philologen, der schon bei der Telefonseelsorge anruft, dann erscheint sie geschminkt und ruft den einflußreichen ehemaligen Liebhaber an. Der fährt zwar mit der Gattin auf Schiurlaub, verweist Mama Luzie aber an eine Kommission und der fällt zuerst Bäckerin und Melkerin ein, fragt dann aber, ob “Das Fräulein nicht vielleicht Vollstreckerin werden will?”

Lizinka nickt blauäugig, so rückt die Aufnahmekommission in die Wohnung der Tachecis an. Lizinka besteht mit Bravour und köpft, bezeihungsweise tötet im Badezimmer einen Fisch und einen Hahn, der aufrechte Papa bekommt zwar einen Tobsuchtsanfall, als er begreift, um welchen Beruf es sich handelt, aber Linzika-Täubchen nickt wiederum begeistert.

Die Aufnahmekommission bestand aus dem Scharfrichter Professor Wolf, seinen Assistenten Schimssa und den Gehilfen Karli und die ersten beiden begeben oder begaben sich gemeinsam mit einem nicht näher genannten Doktor, ein Jahr lang in ein Cafe, um dort den Lehrplan für ihre Scharfrichterakademie, ein einjähriger Jahrgang mit Abitur auszuklügeln.

Es gibt sieben Schüler, sechs Burschen und der Gleichberechtigung wegen, Linzinka, die die erste Henkerin der Welt werden soll und die Schüler beziehungsweise einer davon, der Fleischersohn Richard und die beiden Lehrer verlieben sich in die schöne Jungfrau.

Das wird mit der beschriebenen sich überbietenden Absurdität geschildert, dazwischen geht es in die Geschichte der Folterungen und Henkermethoden zurück und die sieben Schüler machen am Samstag mit ihren Lehrern auch immer Excursionen in Foltermuseen, etcerta.

Zuerst ist aber Weihnachten und da hängt bei den Tachecis ein so schweren Paket an der Tür, daß die Schnalle abfällt, Richard hat seiner Angebeten nämlich das beste Fleisch aus dem Hause seiner Eltern geschickt und kommt dann auf Besuch um sie zum Eislaufen auszuführen.

Das führt zu Streit zwischen den Eltern, ein Nebenbuhler taucht auch auf und als die Klasse zum Silvesterschiausflug aufbricht, hat die Klasse einen Schüler, nämlich Richard, weniger.

Das Leben geht aber weiter, denn im Juli muß die Meisterprüfung, sowie das Abitur bestanden werden.

Dann erfährt man viel vom Werdegang des Dozenten Schimssa, der vom Staat, das heißt von Waisenhäusern und Kasernen aufgezogen wurde, bevor er in Prof. Wolf seinen Mentor fand und bevor er Henker wurde, hatte er noch eine erstaunliche Karriere als Foltermeister hiner sich gebracht und der, obwohl er eigentlich auf schwarzhaarige Frauen steht, verliebt sich in das blonde Prinzesschen, so führt er, als Wolf der Hexenschuß plagt und die Samstagexcursion absagt, seinen Auftrag das auszurichten, nicht ganz aus, sondern fährt mit Linzinka in das Seminarhotel und will sie dann, damit sie Extrapunkte sammeln kann, als Gehilfin zu einer Vollstreckung mitnehmen. So führt er sie in sein Wochenendhaus, schickt sie in die Badewanne, füllt sie mit Whisky ab und dann kann er nicht. So schleppt er die noch Angetrunkene ins Gefängnis, holt den Deliquenten hinzu und die Schule hat dann einen Lehrer weniger und Wolf muß seine restlichen Schüler und die Schülerin alleine zum Abitur führen.

Aber erst beginnt er sie auf eine Excursion mitzunehmen, obwohl er zu Hause eine liebende Gattin hat, aber die kann ihm keine Kinder schenken, so nehmen die beiden einen Kranz und fahren damit nach Deutschland in ein ehemaliges KZ um ihn dort niederzulegen.

Das führt, wir ahnen es schon, zu Komplikationen, obwohl Engelchen Lizinka keinen Widerstand leistet und mit einem schwarzen Abendkleid und blonden Zöpfen ihren Lehrer und dem Leiter des KZ-Museums in ein Restaurant und dann zu einem makabren Spiel folgt, bei dem früher die Häftlinge, jetzt Hunde dran mußen.

Ein Kuß von Lizinka ist das Pfand, sie küßt am Ende beide und den sterbenden Hund und bevor sie zurückkommen gibt es im Zug noch eine unheivolle  Ent- oder Verwicklung, dann kommt Wolf aber reumütig zu seiner Marketa zurück und das Abitur beginnt.

Das besteht Linzinka mit Bravour, denn die Aufnahmekommission ist gnädig und die Mama hat ihr die wichtigen Fakten ohnedies auf die Handballen geschrieben, die praktische Meisterprüfung besteht aus einer Art Kabarett, das heißt ein Schwein wird gehängt, das bei der anschließenden Feier gleich gegessen wird, Dozent Schmimscha ist der zweite Aufknüpfungskanditat und mit dem Doktor gibt es, wie sich herausstellen soll, auch Probleme.

Prof. Wolf schwebt aber im siebenten Himmel, läßt sich von seiner Frau scheiden, hält bei der Feier um Linhzinkas Hand an, beschließt aber gleich, die Menage dann a la trois zu betreiben, mit Marketa, der schönen Ex, mit Mama Lucie die ihm auch Avancen macht und mit Engelchen Linzika, der weltweiten ersten Henkerin.

Ein wahres Schelmenstück der tschechischen Widerstandsliteratur, aber inzwischen hat sich die Weltlage ja geändert, geköpft und gehängt wird wahrscheinlich nicht mehr in der tschechischen Republik und was mir nicht so gefällt ist das Cover, da gibt es nämlich das Bild eines hübschen Blondchens mit  der Henkerkappe und einer Schlinge auf ihrem nackten Busen zu sehen.

Pavel Kohout spielt aber schon ein bißchen mit dem Weiblichkeitsklischee und stellt seine Heldin ein bißchen als nicht besonders eigenwillige femme fatal dar.

In einer Person

Jetzt kommt ein Einschub auf meiner Leseliste, nämlich John Irvings, 2012 erschienener Roman, “In einer Person”, als Recherchelektüre zu “Paul und Paula” und interessant, es ist nicht der erste Irving, den ich mir zum Vorbild nehmen wollte, denn als ich, lang lang ists her, die “Globalisierungsnovelle” geschrieben habe, wo es um den Verkauf einer Niere geht, ist gerade “Die vierte Hand” erschienen.

Sehr viel hat mir die Sprachgewalt des 1942 geborenen John Irvings, den ich inzwischen für einen Mainstreamschriftsteller hielt und von den Amerikaner, die ewig über ihren Sex schreiben, halte ich bekanntlichermaßen auch nicht so viel, glaube ich, nicht geholfen. Das lag aber wahrscheinlich auch an mir und meiner damaligen Gehemmtheit.

inzwischen habe ich, auch durch das “Literaturgeflüster” meine schreiberischen Hemmungen ziemlich verloren und von John Irving habe ich inzwischen “Witwe für ein Jahr” und “Laßt die Bären los”, gelesen, das war einmal Buch bei der “Eine Stadt-ein Buch-Aktion” und da bin ich über die fürchterliche Übersetzung gestolpert, die, glaube ich, so schlimm war, daß ich als es, um Wien und den Bürgerkrieg oder die Okkupation der Nazis ging, nichts mehr verstanden habe.

Bei dem Buch ist mir nichts negativ an der Übersetzung aufgefallen und ich habe mich jetzt ein paar Tage lang, nachdem es mir, als sehr sehr gut, empfohlen wurde, eingelesen und war die ersten hundert Seiten lang nicht so davon überzeugt, beziehungsweise brauchten ich oder John Irving, die wahrscheinlich, um in das Buch hineinzukommen, denn da wird das Leben eines genau, wie der Autor, 1942 geborenen Mannes, in allen seinen Details erzählt.

Der, William Abbot, wächst in einem First Sister genannten Städtchens in Vermont auf und ist, glaube ich, dreizehn als das Buch beginnt und er sich in Miss Frost,  die Bibliothekarin des Ortes, verliebt, die ist viel älter, hat einen kleinen Busen und breite Schultern und, weil er sich in sie verliebt, will er auch Charles Dickens zweimal lesen und in dem Örtchen, beziehungsweise an seiner Schule, wird auch sehr viel Shakespeare gespielt.

Er ist der Sohn, der Soffleuse, seinen Vater, Franny Dean kennt er nicht wirklich, denn der ist schon nach oder vor seiner Geburt verschwunden, die Mutter zog ihn allein auf, tut sich dann aber mit einem Lehrer, namens Richard Abbot zusammen, der auch den Schülern Shakespeare beibringen soll.

Das geschieht in etwa auf den ersten hundert Seiten, dazwischen geht es gelegentlich nach vor, zu der Europareise, die William oder Bob nach seinem Schluabschluß mit seinem Mitschüler Tom Atkins  macht, geht vielleicht noch ein bißchen nach vor, zu der Zeit, wo er in Wien studierte, auch das hat sein Autor so getan und dort auch einige Romane geschrieben oder spielen lassen oder nach Hamburg, wo Bill schon als Schriftsteller mit der Transexuellen Donna in ein eher mieses Transvestitenlokal geführt wird.

Interessant an diesen Theateraufführungen ist  auch, daß die meisten Frauenrollen von Männern gespielt werden. Nun gut, die Schuler waren in den Fünfziger und Sechzigerjahren noch getrennt, aber auch sein Großvater Harry, der in fast jeden Stück mitspielt, spielt weibliche Rollen und nach dem Tod der Großmutter trägt er  nur noch ihre Kleider.

Ein großer Teil des Buches spielt 1960, da ist  Bill gerade achtzehn und liebt noch immer Miss Frost, die sowas, wie die Romantherapeutin für die örtliche Schuljugend ist, das heißt, falsch, soviele Jungen aus der Schule, gehen nicht in die städtische Bibliothek, aber Bill, in Miss Frost verliebt, tut es.

Sie empfiehlt ihm “Giovannis Zimmer” und nimmt ihn in den Keller und in ihr Stahlbett mit. Sie betreibt dort mit ihm “Schenkelsex” und er erkennt, daß sie einmal ein Mann war. Aber wieder falsch, das findet er heraus, weil er noch ein anderes Hobby hat. Er durchforstet nämlich die Jahrgänge der Schulabgänger und im Buch von 1935 findet er einen Albert Frost, einen Ringer. Die Familie findet inzwischen das skandalöse Buch und auch den BH, mit dem der bisexuelle Bill  onaniert und schickt den Großvater in die Bibliothek.

Die Bibliothekarin wird entlassen, die Mutter ist entsetzt und Bill geht mit seinem Freund Tom auf Europareise, der ist auch ein wenig seltsam, aber in Bill verliebt.

Der liest ihm “Madame Bovary” vor, weil ihm das Miss Frost empfohlen hat und Tom ist eifersüchtig,  weint und windet sich am Klo. Nun ja, später wird Bill in Wien mit der Sängerin Esmeralda, die an der Staatsoper fast einmal auftreten durfte, sich das aber selbst vermasselte, weil an diesem Tag Kennedy ermordet wurde, Vaginalsex haben und er hat noch viele Begegnungen mit Männern und Frauen und noch von der Schule eine Freundin, Elaine, die von seinem Erzfeind Kittredge geschwängert wurde.

Ein bisschen verwirrend und schwierig, das alles wiederzugeben und dann kommen wir in die Siebzigerjahre.

Bill ist Schriftsteller geworden, lebt mit und ohne Elaine in New York und erlebt, wie alle seine Freunde nach und nach an Aids sterben.

Er hat aber, als er noch Schüler war und bei seinem Albumstudien zum Jahr 1940 kam, noch erfahren, daß sein Vater Franny auch sehr weiblich war und den soll er Jahre später in Madrid in einer Transvestitenbar wieder finden, wo er mit seinem Freund Mister Bovary auftritt und eine “haarsträubende Geschichte”, wie man durch das Lesen des berühmten Romanes zusammen kommt, erzählt.

Am Schluß kehrt Bill  nach Vermont zurück, er hat das Haus seines Großvaters geerbt und wird Lehrer an seiner Schule. Jetzt gibt es auch Mädchen dort und einen dicklichen Jungen, der eigentlich George heißt, sich aber, bis er zu einer Georgia werden kann, Gee nennt, der wird zuerst von den anderes Schülern als “Tampon” oder “Weichei” beschimpft, mausert sich aber, als so schönes Mädchen, daß Bill oder Mister A., wie er jetzt genannt wird, sie als Julia besetzen kann und viele viele andere hetero-homo-und transsexuelle Begegnungen, gibt es in dem Buch auch.

Zuviel für ein einziges Leben, eine einzige Familie, einen einzigen Menschen und wahrscheinlich eine maßlose schriftstellerische Übertreibung.  Aber sehr spannend zu lesen und wahrscheinlich auch sehr informativ, manchmal sträuben sich vielleicht die Haare, bei all den schriftstellerischen Zuspitzungen, so haben Bill und sein Freund Tom zum Beispiel Sprachfehler, sie können  die Worte “Vagina” oder “Penis” nicht aussprechen und müßen deshalb bei Elaines Mutter, die, an der Schule Lehrerin ist, Sprachunterricht nehmen.

Aber ich weiß schon, die Amerikaner sind Meister des spannenden Schreibens und  Bill und seine Freunde, die auch alle  Schriftsteller geworden sind, geben auch Unterricht im kreativen Schreiben.

Für mich, die sich ein bißchen in die Transgenderliteratur einlesen und  herausfinden wollte, wie man jetzt über Paul und Paula korrekt schreibt und keinen Klischees erliegt, war es sehr lehr-und hilfreich, denn wenn John Irving in seinem Roman soviel geschehen läßt, kann mein “Fräulein Paula”, vielleicht auch mit Highheels und einem roten Kleid zu einem Faschingsfest gehen, hat aber inzwischen ohnehin eine rote Bluse an und aus den Heels sind blonde Locken geworden.

Ich denke mir auch, daß das Buch, in dem prüden Amerika, wo Kinder zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts von der Polizei abgeschleppt wurden, weil sie ihre Schwestern auf den Topf setzten, sehr gewagt ist, denn einiges, was da passiert, der Schenkelsex, der transsexuellen ehemaligen Ringerin mit einem gerade Achtzehnjährigen, beispielsweise, ist vielleicht politisch doch nicht so korrekt. Aber John Irving gibt auch Unterricht in die sprachlichen Veränderungen.

So verwendet der 1942 geborene Bill, das Wort transsexuell, doch 2007, als er als Lehrer an die Schule kommt und dem oder der jungen Geee  gegenübersteht, sagt die ganz selbstverständlich “Das heißt jetzt transgender!” und, daß an Aids mehr junge Männer gestorben sind, als im Vietnamkrieg, gibt vielleicht auch zu denken.

Die Jungen hatten 1960 in  ihrer Knabenschule einen Schularzt, der Homosexualität, als “heilbar” erklärte und der junge Bill, geht 1970 zu einen “Schwulenarzt”, der schon ein Präservativ empfiehlt, aber leider hören die jungen Männer, die später qualvoll sterben werden, nicht darauf.

Bill hat aber Glück, er ist bi-, nicht transsexuell, von Aids bleibt er auch verschont und, als der Sohn seines Widersachers und erster Liebe Kittredge auftaucht und ihn als “Doppelstecker” beschimpft, erinnert er sich an Miss Frosts Worte, die schon längst gestorben ist und sagt ihm “Mein lieber Junge, bitte steck mich nicht in eine Schublade!”, dann dreht er sich um und geht  ins Theater, denn dort beginnt die Vorstellung und Gee wird die Julia spielen….

Zwei für immer

Nach dem “Datingbuch” der Engländerin Laura Henderson geht es  weiter mit der englischen Literatur, in dem es irgendwie auch um Dates und Beziehungen geht, ein Buch aus dem Hause “Aufbau”, beziehungsweise “rütten & loening”, das auf dem ersten Blick, wie ein ChickLit wirkt.

Ist es aber nicht, der Autor, Andy Jones, Geburtsdatum wird im Klappentext keines angegeben, der mit seiner Frau und seinen Töchtern in London lebt und in einer Werbeagentur arbeitet, schreibt dort, “daß es ein Buch für Männer werden hätte sollen und ein Liebesroman herausgekommen ist.”

Ich würde es “Memoir” nennen, obwohl ich nicht weiß, wieviel davon autobiografisch ist, sind die Angaben, die man im Netz über Andy Jones findet, ja eher spärlich und es geht um eine Beziehung, beziehungsweise um eine Schwangerschaft.

So könnte man den Roman auch fast als Sachbuch darüber bezeichnen, es geht aber auch um mehr.

Da ist William, Fisher wird er in dem Buch genannt, Anfang dreißig und Regisseur von Werbefilmen über Klopapier und Käse und der verliebt sich in Ivy, schon Anfang vierzig, die am Set als Maskenbildnerin tätig ist.

So beginnt das Buch, daß die Beiden, die ersten zwei Wochen ihrer Beziehung im Bett beziehungsweise in einer ihrer Wohnungen verbringen, dann fahren sie zu Fishers Familie. Es gibt nur einen Vater und eine Schwester mit drei Kindern, zwei davon sind Zwillinge, die Mutter ist bei einem Autounfall gestorben, als sie Fisher und seinen Freund El, als Jugendlichen vom Kino abholen wollte.

Nachdem Fisher, Ivy, die viele Narben hat, weil sie als Kind durch einen Glastisch gefallen ist, der Familie vorstellte, kommt es zur ersten Krise, Ivy verschwindet, Fisher glaubt, sie will mit ihm Schluß machen, dann bestellt sie ihm in ein Cafe und verrät ihm, daß sie schwanger ist.

Schon schwanger und die Beiden kennen sich  noch kaum. Wie kann das gehen?

Es geht auch nicht ganz so gut, obwohl sie zusammen ziehen, denn wenn man sich nicht kennt, kommt es zu Mißverständnissen. Kauft sie doch keine Vollmilch, läßt die Klotür immer offen und er versucht ihr zweimal sein Lieblingsgericht zu kochen und beide Male landet es im Müll.

Er wird auch ihrer Familie vorgestellt und der Bruder Frank, der sich scheiden lassen will, was die Eltern nicht wissen dürfen, zieht in Ivys Wohnung ein und stört das Paar, denn das Zimmer in dem er schläft, soll das Kinderzimmer werden und nach dem ersten Ultraschall stellt sich auch noch heraus, es werden Zwillinge.

Es gibt aber noch andere Komplikationen, so hat Fisher einen Freund, der im Sterben liegt und dessen Lebenspartner schon eine andere Beziehung hat und es taucht auch eine Suzy aauf, für die Fisher einen anspruchsvolleren Film drehen soll.

Die Schwangerschaft geht weiter und, wie eine solche passiert, wird in dem Buch  genau beschrieben und einige der vierzig Kapitel, bestehen nur aus ein paar Gemüse- und Früchtenamen”.

“Pfirsich, Zitrone, Apfel, Avocado, Zwiebel,Süßkartoffel”, beispielsweise und “Süßkartoffel” ist die Größe, die ein Baby in der achtzehnten Woche hat.

Zu Weihnachten gibt es eine Krise, die Beiden wachsen aber zusammen, gehen zur Geburtsvorbereitung, besorgen zwei Babybettchen, zwei Körbchen, etcetera und richten das Kinderzimmer ein, nachdem Frank doch ausgezogen ist.

Sie suchen auch nach Namen für die Kinder und dann hört das eine mit dem Bewegen auf.

Die Kinder werden geboren. Baby Dan ist eine “stille” Geburt, trotzdem hält ihn Ivy ein paar Tage in der Hand, bis das namenlose Baby oder Baby D auf der Intensivstation liegt, dann geht es nach Hause und Baby D hat sechsunddreiißig Tage keinen Namen. In England ist das offenbar vierzig Tage möglich. Ob das bei uns auch so ist?

Es geht aber alles gut aus, Baby D bekommt den Namen seines toten Bruder, die Familie zieht in ein größeres Haus  und geheiratet wird wahrscheinlich auch.

Ein interessantes Buch, ein bißchen ungewöhnlich und gar nicht so einfach hineinzukommen, bis man merkt, daß man schon drin und von der Thematik gefangen ist.

Ich habe vor kurzen ein anderes Buch über Mutterschaft gelesen.

Dieses wurde von einem Mann geschrieben und es vereinigt wahrscheinlich vieles in einem. Sachbuch, Erlebnisbericht, Liebesroman, um Sterbehilfe geht es auch, etcetera.

Es wird geheiratet und gesoffen, geliebt und gestritten und das rote weiße Cover, das ich ein wenig kitschig finde, verrät auch, daß sich da zwei oder drei für ein Leben gefunden haben, das der Beziehungsaufbau nicht ganz einfach ist, aber trotz Katastrophen und Schicksalschläge gelingen kann.

 

Ein Date mit Mr. Darcy

Jetzt kommt ein skuriller Fund aus dem offenen Bücherschrank, nämlich ein “Ratgeber für die moderne Romantikerin”.

“Mit Jane Austin den Mann fürs Leben finden”, heißt der Untertitel und geschrieben wurde das “Bastei-Lübbe-Taschenbuch”, von der 1966 in London geborenen Journalistin und Schriftstellerin Lauren Henderson, die in Cambridge englische Literatur studierte.

Deshalb interessiert sie sich vielleicht auch für Jane Austen, die berühmte englischen Schriftstellerin, die von 1775 bis 1817 lebte, “Stolz und Vorurteil”, “Emma” und noch eine Reihe anderer Romane geschrieben hat und über die man immer wieder auf den Blogs stolpert.

Ich habe noch nichts von ihr gelesen, aber “Verstand und Gefühl” steht auf meiner Leseliste und wird demnächst an die Reihe kommen.E in aus dem Osten Deutschland stammendes “Reclam-Taschenbuch”, das ich mir vor Jahren einmal beim “Thalia-Abverkauf” auf der Mariahilferstraße kaufte, als ich einen Gutschein einlöste, den ich auf meinem Geburtstagsfest bekommen habe.

Wahrscheinlich wäre es gescheiter gewesen, zuerst mit der Lektüre des Buches zu beginnen, aber Lauren Henderson bezieht sich zum großen Teil auf “Stolz und Vorurteil”, der Mr. Dacy  stammt jedenfalls von dort und am Ende des Buches gibt es auch eine Inhaltsangabe, der erwähnten Romane und eine Charakterisierung der Personen und das spannende an dem Buch ist, daß es eigentlich keines über die berühmte Romanschriftstellerin ist, wie ich wahrscheinlich glaubte, als ich danach griff, sondern ein Datingratgeber.

Nun habe ich den, als über Zweiundsechzigjähre wohl nicht nötig,  meinen “Traummann” schon gefunden und Dates gibt es, glaube ich, hauptsächlich in Amerika. Zumindest in dieser Form, daß es eine Reihe von Ratgebern gibt, wie man sich verhalten soll, wenn man welche macht und plant, zum Beispiel, wie Lauren Henderson schreibt, einen Wecker stellen, damit man nicht zulange mit dem Kanditaten telefoniert, ihn warten lassen, damit er nicht zuviel Interesse merkt und anderen Unsinn mehr.

Eine kuriose Idee könnte man meinen, im eiinundzwanzigsten Jahrhundert einen Datingratgeber nach Figuren einer Pfarrerstochter aus dem achtzehnten Jahrhundert zu empfehlen und ich bin auch nicht wirklich sicher, ob man damit einen Mann findet.

Ich habe auch schon einen und mache keine Dates, aber interessant etwas über das amerikanische Balzverhalten zu erfahren, Lauren Henderson hat einige Zeit in Amerika gelebt und vielleicht lernt man auch in England so seine Partner kennen.

Es gibt zehn Kapitel, die eigentlich recht interessante Themen haben, so ist das erste der “Offenheit” gewidmet, dann gibt es eines, was ich auch sehr interessant finde, daß man sich seinen Partner danach aussuchen soll, daß er seine guten Eigenschaften fördert, das ist vielleicht wirklich ein Tip, wie Partnerschaften  länger halten, daß man nicht zynisch sein soll, ein anderes, daß man warten und auch den Partner, wenn nötig zurechtweisen soll, etcetera.

Jedes dieser Kapitel beginnt mit einem Zitat aus Jane Austens Bücher und das für mich als nicht Austen Kennerin ein wenig mühsam, kann aber durchaus Geschmack auf das Lesen ihrer Romane machen und deshalb habe ich es wahrscheinlich auch aus dem Schrank genommen, dann kommen Beispiele aus dem Leben der Autoren, sie führt Fälle an, wo man es richtig oder falsch gemacht hat.

Hier kommt gleich meine Kritik, denn, obwohl ich es  durchaus logisch finde, bei seinen Dates ehrlich und offen zu sein und auch geduldig, kommt mir schon ein wenig vor, daß hier den Frauen öfter der Zeigefinger hingehalten wird, nicht zu früh Sex zum Beispiel und ehrlich soll man schon sein, aber was mache ich, wenn ich mich verliebt habe und es beruht nicht auf Gegenseitigkeit?

Das wird im zweiten Kapitel behandelt, da rennen dann in den negativ Beispielen, die Heldinnen den Männern nach, wo sie sich zurückziehen hätten sollen.

Mußte man wahrscheinlich im achtzehnten Jahrhundert, im einundzwanzigsten kann man vielleicht doch ein wenig verführischer sein und umzustimmen versuchen und ich denke und das wird von der Autorin auch mehrmals erwähnt, daß die Frauen im achtzehnten Jahrhundert wohl wirklich anders lebten, wie, die im heutigen England und Amerika. Die mußten heiraten und verloren damit glaube ich auch alle Rechte und ihr Geld an ihre Männer, Scheidung gab es nicht.

Heute sind die Frauen berufstätig, die Ehen halten, wohl weil man vielleicht zu ungeduldig ist und nicht so genau aussucht nicht so lang, aber ob man sich wirklich mit den Pfarrers-oder Gutsbesitzertöchter vergleichen soll?

Gut, ich suche keinen Mann und habe keine Dates und, wie schon erwähnt, das Buch wegen Jane Austen gelesen und doch etwas gelernt, wie Beziehungen länger halten können.

Das Buch ist, glaube ich, auch recht berühmt und sogar verfilmt worden und nach den Negativ- und Positivbeispielen, die sich hauptsächlich an Frauen richten und ihnen auch sagen, daß man geduldig mit Männerschrullen umgehen soll und, daß die kluge Frau wartet, lernt und sich entschuldigt, so wird das Beispiel einer unpünktlichen Frau angeführt, die zu spät ins Theater kam, der Mann erwies sich darauf sehr ungeduldig und schickte sie im Taxi heim. Sie hat aber nachgedacht, sich bei ihm entschuldigt und sich in der Folge auch verbessert, so daß die Beziehung weiterging und die Ehe vielleicht immer noch hält und das Negativbeispiel einer schlampigen Frau, die damit die Schlampigkeit ihres Partners noch verstärkte, so daß beide am Ende keine Rechnungen mehr bezahlten und die Freunde nicht mehr auf Besuch kamen, hier wird, glaube ich, geraten, die Beziehung zu beenden, beziehungsweise ging die dann auch schief.

Vorher erfärt man immer, wie es Emma,  Mr. Darcy, Henry, Catherine, etcetera falsch oder richtig machten und am Ende jedes Kapitel gibt es  einen Fragebogen, wie man seinen Datingpartner richtig einordnen kann.

So zum Beispiel einer, wie man erkennt, daß er einen wirklich mag oder, ob er einen erst einwickelt und dann fallen läßt und am Schluß kann man noch einen Test machen, um herauszufinden, welche Jane Austen Figur man sein könnte?

Ich wäre die “Mary”  und würde laut Lauren Henderson “einen ausgeglichenen Mann” brauchen, wenn ich den bei Jane Austin wählen könnte, müßte ich entweder Edmund Bertram aus , Mister Knightley oder Henry Tilney nehmen.

Man kann auch einen Test für seinen Partner machen. Der Alfred wäre dann entweder  Henry Tilney, Captain  Wenthworth oder Mister Bingley und zwei von ihnen hätten mit der Mary ein Problem, “weil die ihre Spielchen” durchschaut” und ich rate nach der Lektüre zu Jane Austen Romanen zu greifen und was die Partnersuche betrifft, ist es wahrscheinlich wichtig offen zu sein, sich Zeit zu lassen, zu schauen, ob man zusammenpasst , etcetera, das sind wahrscheinlich doch zwei verschiedene Fliegen oder Schuhe.

Aber natürlich kann man sich “Stolz und Vorurteil”, “Verstand und Gefühl”, etcetera zu den jeweiligen Dates mitnehmen, über die Romane diskutieren, sie gemeinsam lesen und die Tests kann man dann auch noch machen.

 

Hans Platzgumer neu entdeckt

Die “Alte Schmiede” hat  jetzt eine Reihe “Angelika Reitzer stellt mir ihren Gästen neu zu entdeckende Büche vor” und da war heute Hans Platzgumer mit “Am Rand” da, ein Autor, der mir nichts sagte, seinen Namen habe ich in den letzten Tagen aber öfter, wo gehört oder gelesen, also war ich auf die Entdeckung sehr neugierig und es war auch sehr interessant.

Sehr voll in der “Alten Schmiede”, ich glaube Norbert Gstrain, der nächste Woche seinen neuen Roman vorstellen wird, war da und eine Menge Leute, die ich, wie den 1969 in Innsbruck geborenen Autor, der in Lochau bei Bregenz lebt, nicht kannte und Angelika Reitzer erwähnte  in der Vorstellung, daß der bei “Zsolnay” erschienene Roman, letzte Woche herausgekommen ist, deshalb war auch der Verlagsleiter Herbert Ohrlinger, mit dem ich einmal in einer Jury gesessen bin, da und in dem Buch geht es,  um einen Mann, der eines Morgens um vier Uhr in der Früh aufsteht, kein Licht in der Küche macht, sondern sich mit der Beleuchtung eines Schlafzimmerlämpchens, Eier mit Schinken macht, Speckbrote einpackt und sich dann mit Zug und Bus aufmacht auf einen Berg zu fahren. Dort steigt er auf den Gipfel, setzt sich bei Sonnenaufgang hin, um bis die Sonne untergeht, einen Roman über sein Leben zu schreiben.

Er ist nämlich Schriftsteller, aber sehr pedantisch, so daß er bisher nie etwas zu Ende brachte, aber jetzt muß er wohl oder nimmt es sich vor und dann erzählt er, der Leserin, die das Manuskript finden wird, von einem Nachbarn, der als er ein Bub geworden ist, ein Jahr lang tot mit Kopfhörern vor dem eingeschalteten Fernseher gesessen ist und niemand hat sein Sterben bemerkt, obwohl die Nachbarn vorher  für die Kopfhörer gesammelt haben, damit sie durch seinen Fernseher nicht gestört werden. Seltsam also, daß erst ein Einbrecher kommen muß und die Tür offen läßt, damit die Mutter  in die Wohnung gehen und nach dem Nachbarn schauen kann und der Kleine steht dabei und beobachtet, seine Freunde wollen den Fernsehsessel dann im Keller aufstellen und ihn als den der Mumie vermieten. Da haben die Leute gelacht, ich habe das wieder nicht so lustig gefunden und es geht dann weiter, daß die Mutter des Erzählers eine “Hure” war, nach der Geburt hat sie sich aber vollkommen gewandelt, ist in ein Pflegeheim gegangen,  hat die Alten gebadet und gepflegt und drei Mal am Tag mit ihnen gebetet. Das Wort Nonne ist auch einmal gefallen und das ist eine Metapher, die ich mit Verlaub, noch ein wenig kitschiger finde, als die von der Mumie mit Kopfhörern am Fernsehsessel.

Der Erzähler hat dann noch zwei Morde vor, beziehungsweise hinter sich, denn eines Tages kommt der Großvater, der sich “Monarch” nennt, während die Mutter im Pflegeheim ist, verlangt von dem Kleinen, daß er ihm ein Bier holen soll und der tut das ein paar Mal, dann geht er aber weg und beschließt erst  zurückzukommen, wenn der Großvater verschwunden ist. Der zieht aber später in die zwei Zimmer Wohnung ein und von einem Freund, den er von seinen Leiden erlöst, wird im Programm auch noch berichtet.

Ein Buch über das Sterben also und Hans Platzgumer erzählte im Gespräch mit Angelika Reitzer, daß er auf die Idee gekommen ist, als er auf diesen Berg gegangen ist.

Da wollte er darüber schreiben, daß einer dort einen Roman schreibt, dann ist er nach Hause gegangen und es ist ihm gekommen, daß es ein Buch übers Sterben werden wird, denn er ist kein planender Autor, sondern setzt sich hin und läßt sich von seinen Figuren leiten und hatte nur einen Zettel, wo die Namen der handelnden Personen standen. Wenn dann einer gestorben war, hat er ihn abgehakt.

Da wurde wieder gelacht und eine kleine Stelle hat der Autor auch noch gelesen, nämlich, die, wie der Held Gerold Ebner zu seinen Ideen kommt, er setzt sich auf die Straße und schaut den Passanten zu und denkt sich etwas aus, aber weil da immer andere Leute sind, kommt er nicht weit und seine Romane sind nicht fertiggeworden.

Der Autor hat noch eine  Metapher gebracht, die mir Schwierigkeiten machte, nämlich die, daß sich der Held, statt sich vom Berg zu stürzen, ja auch auf seinen Manuskriptstapel stellen und damit in die Schlinge rutschen könnte, etwas was mir auch nicht sehr gefiel, wie ich überhaupt den Roman etwas konstruiert und aus der Zeit gefallen empfand.

Angelika Reitzer hat das im Gespräch auch angesprochen und Hans Platzgumer hat begeistert “Stimmt, er könnte auch an einem anderen Ort oder im vorigen Jahrhundert spielen”.

Da habe ich mich  wieder ein bißchen gewundert, daß er dann heute noch verlegt wird, dem Publikum hat es aber, glaube ich, gefallen.

Angelika Reitzer rief, glaube ich, zum Bücherkaufen und Signierenlassen auf, der sehr selbstbewußte Autor verneigte sich und ein Detail am Rande kann ich noch erwähnen, ihr “Wir Erben” lag in der “Morawa-Abverkaufskiste” um vier Euro, als ich in die “Alte Schmiede” gegangen bin.

Ich habe es nicht gekauft, weil ich es ja schon gelesen habe, also wer in Wien wohnt und es haben will, morgen früh hingehen und ich habe, für alle, die es wissen wollen, mit dem “Umschreiben von Paul und Paula” begonnen und hoffe nur, daß ich mich damit nicht um meine Spontanität und meine Pointen schreibe, aber das wollte ich ja, einmal lange an einem Text korrigieren, mal sehen, wie es damit weitergeht.

Haus, Frauen, Sex

“Das ist ein sehr kluges und witziges Buch” schreibt, der im vorigen Sommer verstorbene Helmuth Karasek über Margit Schreiners  2001 erschienenen Roman, einen Fund aus dem offenen Bücherschrank, den ich vor kurzem gelesen habe.

Die 1953 in Linz geborene Schriftstellerin, die auch in Salzburg gelebt hat, ist, glaube ich, damit berühmt geworden und mir hat ihr Monolog eines enttäuschten Ehemannes eigentlich besser, als erwartet gefallen, denn irgendwie hatte ich, glaube ich, ein Margit Schreiner Vorurteil und habe mir auch eine Thomas Bernhard Suada erwartet.

Ein Bißchen ist das vielleicht auch so, aber ganz so bösartig sind diese Gesänge des verlassenenen Mannes eigentlich nicht und man kann viel über die Gesellschaft nachdenken, wenn man das liest, was vor fünfzehn Jahren geschrieben wurde und inzwischen vielleicht auch schon ein bißchen überholt ist, aber dann wieder erstaunlich aktuell und modern klingt.

In sechzehn Kapitel monologisiert oder spricht mit seiner Ex Frau Marie Therese, die er Resi nennt, aber von ihm nicht so genannt werden will, Franz vor sich hin, der die Welt nicht mehr versteht.

Da hat er doch alles für seine Frau und seinen Sohn getan, hat ein Haus für sie gebaut und jetzt, wo er arbeitslos geworden ist, hat sie ihn mit dem Kind verlassen, will von ihm das halbe Haus, Alimente und Unterhalt und er leidet oder trinkt vor sich hin.

Am Schluß spricht er dann mit dem Rechtsanwalt, der bei der Scheidung seiner Meinung nach sehr ungerecht gewesen ist, einmal beschüttet er auch den Herd mit Schnaps und zündet ihn an und erzählt von den Füchsen die das Haus umschleichen und von denen er sich nicht fürchtet.

Es sind gewaltige Gesänge, die Frau wird beschimpft, die eigentlich nichts war und nichts konnte, bis Franz sie zu dem machte, was sie ist und er fühlt  sich nicht verstanden, aber eigentlich ist er gar nicht so bösartig, sondern auch nur eine arme Haut, das ist zumindest das, wie ich das Buch interpretieren würde, in dem man sehr viel Wahres über unsere Gesellschaft findet und natürlich den Thomas Bernhardschen Monolog und seine Übertreibungen nicht überhören kann.

“Über zweihundert Seiten geht der verbale Amoklauf, die Männer werden sich solidarisieren, während die Frauen selber schuld und “geschiehet ihm recht” rufen werden, bis die einen, wie die anderen herausfinden, daß es eine Frau ist, die ein furioses Stück Rollenprosa geschrieben hat, wie es ein Mann, politisch domestiziert und emotional verbogen, wohl nie hätte schreiben können”, schreibt  Henryk M. Broder im Spiegel  und MMR meint “Ein intelligentes Buch, sehr überzeugend, eine kunstvolle Sprache, ich finde die Autorin  hoch beachtlich”.

Interessant, daß es Männerstimmen sind, die das  Buch so hochloben, aber vielleicht hat die, der Verlag extra so ausgesucht.

Mir hat das Buch, wie schon erwähnt aber, auch gut gefallen, obwohl mir der arme Franz am Ende ein bißchen leid getan hat.

Margit Schreiner hat inzwischen weiter und noch einige andere Bücher geschrieben und ich habe sie auch einmal in der “Alten Schmiede” gehört.

Im Paradies der Bücher

Jetzt kommt “Eine Plauderei in 11 Kapitel” oder auch Band 9 der Text-Bildbände meiner Autorenkollegin Margot Koller, die 1941 geboren wurde,  die ich durch die GAV kennenlernte und die ihre Bücher ähnlich, wie ich selbst herausgibt und da wir bei den GAV-Sitzungen und auch sonst unsere Bücher tauschen, habe ich schon einige ihrer Werke in meinem Besitz.

“Flaschenpost an Josy” , habe ich schon gelesen.

“Alle Wege führen zum Wasser und “Steine lächeln stille” warten noch auf mich, das ist übrigens der erste Teil der “Text-Bildbände” und die “Plauderei der Bücher” beziehungsweise das Exemplar, das mir Margot Koller bei der letzten GAV-GV gegeben hat, ist übrigens etwas ganz besonders, nämlich ein Buch mit ihren Korrigernotizen, das heißt, es könnte einmal noch ganz wertvoll werden, allerdings haben sich inzwischen ihre handschriftlichen Anmerkungen mit meinen vermengt, denn ich streiche beim Lesen auch viel an.

“Die schönsten Dinge des Lebens bekommt man geschenkt! Jede Seite dieses Bändchens handelt davon” steht am Buchrücken, darunter ist ein “Bild der Autorin beim Bücherflohmarkt vor dem Literaturhaus Salzburg am H. C. Artmann Platz” zu sehen und am Cover sieht man eine Kiste mit lauter Büchern Colin Forbes “Kaltgestellt” liegt  oben auf.

Gewidmet ist diese Plauderei “allen Büchernarren” und es handelt eigentlich im großen und Ganzen vom Salzburger “Recyclinghof” einem der offenen Bücherschränke dieser Stadt und der, wo sich Margot Koller ihre Buchbestände holt und, wie sie schreibt in dem Keller ihres Häuschen schon ein ganzes Regal davon aufgestellt hat.

Das habe ich inzwischen besichtigt,  mir auch ein paar der Bücher ausgesucht und nach Hause mitgenommen, denn Margot Koller ist sehr freigiebig und verschenkt viele ihrer Schätze.

Sie kommt bei ihren Büchertouren auch ins Gespräch mit anderen “Büchernarren” und gibt ihre Erfahrungen über den Literatur- und Verlagsbetrieb auch gerne weiter.

So findet man in dem Buch auch ihre Anschrift und Mailadresse, damit man seine Erfahrungen mit ihr austauschen kann und dann geht es los mit den Plaudereien über den Salzburger “Recyclinghof”.

Jedes der elf, eigentlich sind es zwölf Kapitel, denn ein Nachwort, beziehungsweise eine biografische Notiz der Autorin gibt es auch, beginnt mit einem Bildchen aus ihren Bücherschätzen und ein Motto, beziehungsweise jeweils eine Conclusio gibt es auch und so switschen wir uns durch durch Margot Kollers Bücherparadies:

“Die Welt ist nicht größer als das Fenster, das du ihr öffnest”, heißt es da” oder “Es lebe der Wertstoffhof- es lebe die Umtauschmöglichkeit”, beziehungsweise “Es lebe der Wertstoffhof- es lebe die Physik und das Schneckenstreicheln” und dann kann man erfahren, was Margot Koller schon alles im Wertstoffhof gefunden hat.

So gab es zum Beispiel eine Überraschung mit “Venedig Recht Kultur und Leben in der Republik 697- 1797” oder den “1000 Tagen die die Welt bewegen”

Es gab aber auch eine Verwechslung. So hat sie zum Beispiel einmal ein Buch eines Walter Russels statt des bekannteren  Bertrand Russel gefunden und das ist mir auch schon mal passiert, daß ich den Jean Amery mit dem Carl verwechselt habe und so einen Autor kennenlernte, auf den ich vielleicht sonst nicht gekommen wäre.

Margot Koller läßt einen aber auch immer wieder in ihr reiches Autorenleben blicken und erzählt zum Beispiel, wie die Verlage mit unverlangt eingesandten Manuskripten umgehen,  welche Werke sie interessieren und was überhaupt noch verlegt wird.

Sie erzählt auch, was man alles durch das “Impressum” erfahren kann und lehrt uns, wie wichtig es ist, das genau zu lesen und man kann erfahren, daß die Titel bei den meisten Büchern von den Verlagen und nicht von den Autoren ausgewählt werden, so daß die bei Lesungen oft nur sagen “Ich lese aus meinem Buch mit dem Arbeitstitel XY!”

Bei Selfpublishern ist das natürlich anders, die können sich da freier bewegen und sind nicht so sehr auf Verlagsprognosen angewiesen.

Dann geht es wieder zu den Werkhoffunden und Margot Koller kommt von den Donna Leon Krimis zu den Lyrikreihen.

“Es lebe der Wertstoffhof- Es lebe die Lyrik”, heißt es da und im nächsten Kapitel berichtet sie von den Begegnungen mit anderen Bücherfreunden, die man dort machen kann.

“Es lebe der Wertstoffhof, wo man Gleichgesinnte treffen und Freude tanken kann”

Im zwölften Kapitel erfährt man  viel von den Büchern der Autorin und ich bin mit ihr vor kurzem durch Salzburg gezogen und habe auch die anderen Bücherschränke kennengelernt.

Margot Koller schwört auf den “Recyclinghof”, ich habe auch mit den anderen Salzburger und natürlich auch mit den Wiener Bücherschränken gute Erfahrungen gemacht und wer sich durch das zwölften Kapitel lesen will, kann über Margot Koller und ihre Bücherreihen  viel erfahren.

Wer sie in Wien kennenlernen möchte, dem kann ich ihre Lesung am 6. März  zum internationel Frauentag im der “Galerie Werkstatt Nuu”, in der Wilhelm Exner Gasse 15, um 17 Uhr sehr empfehlen, da liest sie über ihre “Salzburg-Wien Pendlerbewegungen” und läßt vielleicht auch in ihre Buchpublikationen Einsicht nehmen.

Die Banalität des Guten

Ein Gegenzitat zu Hannah Arendts “Banalität des Bösen”, die in diesem Buch, auch dem 1942 in Wilna hingerichteten Feldwebel Anton Schmid gedachte, der dort versuchte, dreihundert Juden das Leben zu retten.

Der 1963 in St. Pölten geborene Manfred Wieninger, der sich nach seiner “Marek Miert Krimi-Reihe” zunehmend mit Verfolgung und Widerstand in NÖ beschäftige, das Lager, um den Viehofener See entdeckte und das Buch “Faustpfand” geschrieben hat, sowie 2013 den “Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und Exil” erhalten hat, hat darüber, wie ich dem Impressum entnehme, schon 2014 einen “Roman in Dokumenten” im Verlag der “Theodor Kramer Gesellschaft” herausgegeben, der am 21. Jänner im Bezirksmuseum Brigittenau präsentiert wurde.

Von Feldwebel Schmied habe ich aber  schon im Jahr 2014 durch Ö1 und das “Radio für Zeitgenossen” erfahren und das Lesen des sehr gut dokumentierten Buches, ob es wirklich ein Roman ist, darüber kann man diskutieren, ist auch sehr interessant.

Wurde Anton Schmid, der mit seinem Bärtchen ein wenig an Hitler erinnern kann und ein offensichtlich sehr lebensfreudiger Mann war, wie man den abgebildeten Fotografien entnehmen kann, doch 1900 in Wien geboren und hatte in der Brigittenau ein Elektrogeschäft.

Er war verheiratet, seine Tochter Gerta oder Gertrude, der er aus Wilna viele Briefe schrieb, wurde 1921 geboren, 1940 wurde er in die Wehrmacht eingezogen, zum Feldwebel ernannt, auch davon gibt es im Buch einige Fotos in der Wehrmachtsuniform und in Wilna stationiert, wo er eine “versprengte Sammelstelle” und einen Tapezierbetrieb mit jüdischen Zwangsarbeitern leitete.

Dort versuchte er Juden, die in Willna zu Hauf erschossen wurden, gefälschte Papiere zu vermitteln und aus dem Krisengebiet zu schmuggeln, wurde dabei aber verraten und 1942 erschossen.

Das, was man in “Wikipedia” auf einer Seite nachlesen kann, erweckt nun Manfred Wieninger mit vielen Details und Originalbelgen, Briefen, Zeugenaussagen, sowie den schon erwähnten Fotos, zum Leben.

Es beginnt mit zwei englischen Gedichten für Anton Schmid, dann wird von der Hinrichtung und dem Brief des Gefängnispfarrer an Frau Steffi, von  der Kindheit, bis wiederum dem Ende, 1942 und dem, was danach geschah erzählt.

Zwei der von Anton Schmid Geretteten, waren der jüdische Schriftsteller Hermann Adler und seine Frau Anita. Hermann Adler, der in Würzburg an einer Sonderschule Lehrer war, mußte nach der Machtübernahme in die Tschechoslowakei fliehen und kam über Polen und Lemberg nach Litauen, seine Frau Anita stammte aus Wien.

Auch der Lebensweg der Beiden, die 2001 sowie 1997 in Basel gestorben sind, wird genau und detailreich geschildert, so daß man sich von den damaligen Geschehnissen ein sehr gutes Bild machen kann und in den Briefen Anton Schmids an seine Frau und seine Tochter erfahren kann, wie es damals gewesen sein mag.

“Es geht mir gut!”,, schreibt er immer wieder und erwähnt die Schnitzel und die Schweinebraten, die ihm seine Kameraden kochten. Er schickte auch sehr viele Würste und Fleischwaren nach Wien und schreibt immer wieder, wie gerne er nach Hause kommen würde, schreibt von Urlauben, die offenbar nie zustanden kamen und versteckte während dieser Zeit in seiner Dienstwohnung Juden, stattetete sie mit falschen Papieren aus und ließ sie damit auch in der Kompanie arbeiten.

Hermann und Anita Adler wollte er auch in seinem Dienstwagen nach Wien zu seiner Frau bringen, ein Plan, der offenbar nicht zustande kam.

Die Familie ließ, nach dem sie vom Tod Anton Schmids erfuhr, eine Seelenmesse lesen, wurde dabei aber offenbar von Hausparteien beschimpft und eine Fensterscheibe wurde eingeschlagen.

Es gab dann sehr bald, nämlich 1968, einen Spielfilm im ZDF.

Es scheint auch andere Bücher über Anton Schmid zu geben, die Sendung “Diagonal” hat sich, glaube ich, auf ein solches bezogen und ein Weg beziehungsweise, ein Gemeindebau ist in Brigittenau, ein Bezirk von Wien, auch nach ihm benannt, sowie in Deutschland eine Kaserne, die es aber offenbar nicht mehr zu geben scheint.

Manfred Wieninger ist mit Christiane M. Papst, der das Buch auch gewidmet ist, 2002 nach Vilnius gefahren, hat dort gemeinsam mit einer Dolmetscherin das Militärgefängnis, wo Anton Schmid hingerichtet wurde und das jetzt ein Wohnhaus ist, besucht und mit einem Zeitzeugen gesprochen. Auch nach dem Grab wurde gesucht, das sich aber “heute leider nicht mehr lokalisieren ließ”.

Ein wirklich interessantes Buch mit sehr vielen Briefen und Dokumenten, das ich zu lesen sehr empfehlen kann.

 

Die letzte Liebe meiner Mutter

Weiter gehts mit der “alten Bücher Challenge” beziehungsweise meiner Leseliste, nämlich der “Letzten Liebe meiner Mutter”, des 1972 in Belgien geborenen  Dimitri Verhulst, dessen Bestseller “Die Beschissenheit der Dinge” ich vor einem Jahr gelesen habe.

Ich bin ja eine gute “alte Bücher-Leserin” und Stammbesucherin der Bücherschränke, von da stammt “Die Beschissenheit”, die “Letzte Liebe” kommt von einem “Tahali” 3.99 Abverkauf her.

Wieder ist es vermutlich autobiografisch, so steht es  im Klappentext, der kleine Jimmy, elf Jahre alt, fährt mit seiner Mutter Martine und ihrem neuen Freund oder Mann Wannes mit einem Bus eine Woche lang auf Schwarzwaldurlaub und das wird in der Verhulstenschen Art witzig, sarkastig, kräftig und deftig erzählt, ein Kontrast zur Brigitte Kronauer, aber mehr mein Stil, wenn es bei mir vielleicht nicht ganz so kräftig deftig ist.

Sein Vater, ein Alkoholiker hat die Mutter geschlagen und mußhandelt, sie ist Näherin in einer Fabrik, der neue Vater Wannes, froh eindlich eine Frau, aber gleich eine mit Kind? gefunden zu haben, ist Arbeiter in einer Autofabrik, die Mutter Martine ist sparsam bis zum Geiz, wie das die kleinen Leute, die nicht viel haben, eben sind und so wehrt sie sich auch zuerst gegen die Urlaubsreise. Dann stimmt sie doch zu, packt zwei große Koffer, ein Bügeleisen kommt hinein, jede Menge Tabletten, aber auch Ersatzbettwäsche, weil man der im Hotel nicht trauen kann und dann kommen sie fast zu spät zum Bus, denn sie muß noch einmal zurückgehen und nachschauen, ob ohnehin alles abgesperrt ist, diese Gelegenheit nützt Wannes seinem Sohnemann einzureden, daß er ihn mit Papa, Vater oder Pa anreden soll, worauf der beschließt überhaupt nicht mehr zu reden.

Das hält er zwar nicht lange durch und ein, um vier Jahre älteres Mädchen sitzt dann auch noch im Bus und bald neben ihm. Die Busfahrt wird köstlich geschildert, es ist die erste der Familie Impens, während die anderen schon das zehnte, elfte Mal in den Schwarzwald zu den Fleischbergen und den Kuckucksuhren fahren. Sie geht über Frankreich, was Wannes nicht einkalkulierte, deshalb keine Franc bei sich hat. Das Ganze dürfte in den Siebzigerjahren spielen, wenn ein autobiogrfisch ist, wären es die Achtziger. Aber der Busveranstalter bietet seinen Gästen, was Besonderes, nämlich einem Besuch bei Mc Donald, den es in Frankreich, aber offenbar noch nicht in Belgien gibt.

Ich war das erste Mal  in Stockholm beim Mc Donald, das war Mitte Siebzig, den am Schwarzenbergplatz hat es dann in Wien 1977 oder 1978 gegeben.

Die fünfzehnjährige Heloise empfiehlt dem Kleinen einen Bic Mac, die anderen fragen noch Bik was? und mokieren sich über den amerikanischen Schweinefraß.

Dafür gibts im “Knusperhaus”, dem Schwarzwaldquartier Rostbratwürstl, Rinderbraten, Schwarzwälderkirschtorte und Martine ißt und ißt, während  Wannes enttweder vom Mc Donald Fraß oder vom Zwetschegenwasser, das er der Runde spendieren muß, Durchfall bekommt.

Vorher ißt Martine ihrem Jungen noch aus Nervisität die ganze Schokolade weg, worauf die gewitzte Heloise gleich fachmännisch kneißt, daß sie schwanger ist.

Es kommt zu Konflikten zwischen Nicht-Vater und Sohn, der überlegt einen Handtaschendiebstahl, wobei er sich erwischen lassen will, um den erstaunten Fragenden zu verkünden, daß er das deshalb tat, weil er seinem echten Vater eine Ansichtskarte mit einer “Zentzi mit nackten Busen und Bierkrüge stemmend” schicken wollte, aber der Liebhaber seiner Mutter weigterte sich sie zu bezahlen.

So geht es die ganze Woche dahin und die Fernsehserie, die man damals in Begien sah “Home is whre my children cry” wurde, sehr zu Martines Leidwesen versäumt.

Auf den letzten zehn Seiten beginnt das zweite Kapitel. Da ist Jimmy schon ein Greis, hat eine Pflegerin, die ihn bestiehlt, er ist Philosoph geworden, Heloise hat ihm das damals vorgeschlagen und Wannes ihn deswegen angeschrien, daß er ihn nicht so brüskieren soll und die Mutter hat ihn noch gefragt, wie ihm der Name “Kenneth” gefällt?

Jetzt bekommt er Besuch von seinem zwölf Jahre jüngeren Bruder mit diesen Namen, den er offenbar noch nicht oft gesehen hat, denn  oder Wannes haben den Elfjährigen damals, nach der Reise hinausgeworfen und jetzt sechzig oder siebzig Jahre später ist es offenbar Zeit zum Versöhnen oder sich all das zu erzählen…

Interessant vielleicht noch ein Zitat oder eine Beschreibung von dem was Wannes für Bildungsbürgertum oder kulturelle Interessen hält, nämlich fünf Bücherim Jahr zu lesen, manchmal in Kino gehen, auf den Fußballplatz und eine politische Meinung haben. Und dafür nimmt er in den Urlaub auch zwei Konsaliks mit, kommt aber eigentlich nicht recht zum Lesen.