Wiedermal ein Zustandsbericht, um zu zeigen, wie es einer erfolgsfrei schreibenden Literaturbesessenen im Wiener Alltag so geht und da müßte ich eigentlich gut anfügen, obwohl ich die ganze Woche nicht zum Korrigieren gekommen bin. Der erste Mai, die Diagnostik, die Monatsabrechnung und dann noch zwei Veranstaltungen, von den mich die erste in meine Vergangenheit als schüchterne Studentin und hoffnungsvolle Berufsanfängerin zurückbrachte und die zweite mich mit Peter Henisch über Karl May, Franz Kafka und das was die Literatur und den erfolgreichen Literaten ausmacht, reflektieren ließ. Den Ersten lese ich sehr gerne, der zweite stürmt wahrscheinlich immer noch die Bubenzimmer, obwohl Katharina Tiwald, die derzeit in einer Hauptschule unterrichte, meinte, daß ihre Faysals etc, ihn nicht lesen können und der dritte steht hoch oben im Literaturkanon, wird in den Schulen, von den Studenten und wer weiß von wem sonst noch gelesen und bei Rolf Lappert habe ich ein bißchen über die Bestimmung ein mittelmäßiger Dichter oder Musiker zu sein, nachgedacht und das ist ja recht spannend. Denn das darf man offensichtlich nicht sein, mittelmäßig in der Kunst. Da läßt man es dann bleiben oder schreibt verschämt im Kammerl und wenn man vielleicht an einen Zuschußverlag gerät, erntet man Spott und Hohn und verliert noch sehr viel Geld. Schade eigentlich, daß man nicht einfach schreiben, singen, etc kann, so gut, wie es einem gelingt, denn das der Platz am Himalaya sehr eng und luftleer ist, weiß man ja. Der in Stockholm kann auch nur jedes Jahr von einem besetzt werden und die Literaturstipendien und die Preise bekommen immer dieselben. Ich habe es gewagt, es trotzdem zu tun und denke, ich habe gar nicht so viel dagegen, daß ich vielleicht nur “mittelmäßig” schreibe, was ist so schlecht daran? Den Göller und den Hochschwab kann man ja auch besteigen und keiner macht sich darüber lustig, daß es nicht der Himalaya ist, den man schafft. Zwar hätte ich gerne ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz, geht aber nicht. Wahrscheinlich auch, weil die, die ich kenne, meist selber schreiben und mit ihrem eigenen Fortkommen beschäftigt sind. Die Kritiker sind übersättigt und abgehoben, haben wahrscheinlich mit dem, was auf ihren Schreibtischen landet, genug zu tun, so daß sie nicht über den Tellerrand blicken und die anderen interessieren sich nicht für Literatur, was auch sein soll, ich will niemanden missionieren. Interessant aber, daß ich von den zufälligen Lesern, die meine Bücher irgendwie in die Hand bekommen haben, am meisten gelobt wurde.
Egal meine Krise ist vorbei. Was ich daraus gelernt habe, ist wahrscheinlich wirklich Rudolf Blazejewskis Rat, der schon vor dreißig Jahren kam, anzunehmen und es hinzunehmen, daß ich so schreibe, wie ich es kann und es möglichst selbstbewußt weiter tue. In meinen selbstgemachten Büchern, die jetzt ja zumindest in E-Bookform ein bißchen salonfähiger werden und auf meinen Blog, obwohl da auch schon eine Horrormeldung kam und mich der Alfred darauf aufmerksam machte, daß mein Speicherplatz bald voll ist und ich dafür, daß ich da ziemlich unbemerkt über mein Schreiben und den Wiener Literaturalltag berichte, nicht wirklich etwas zahlen will.
Es gibt eben überall Stolpersteine im Leben einer erfolgsfrei schreibenden Literaturbesessenen. Kaum freue ich mich über die Anerkennung des Selfpublishing in Frankfurt, streicht Wikipedia mein Selbstgemachtes heraus. Egal, es ist wie es ist, ich kann es nicht verändern und es geht mir eigentlich gut dabei, auch wenn ich auf der anderen Seite des Literaturbetriebes stehe, dreißig Bücher, über tausend Artikel, ein enormes Literaturarchiv und vier Bücherkästen auf der Straße zur freien Entnahme sind auch sehr schön und ein wunderbares Geschenk für mich und so habe ich, wenn der Alfred demnächst nach Australien aufbricht, auch vor, einen kleinen Lesemarathon einzuschieben, in Salzburg bin ich ja nicht zum Lesen gekommen, habe aber wieder ein Rezensionsexemplar angefordert und ein paar weitere angeboten bekommen und auch sonst tut sich momentan sehr viel in Wien. So gibt es das Stadtfest, das ja inzwischen, von einer Grazer Agentur organisiert, einen eigenen Literaturschwerpunkt hat, heuer mit Milena Michiko Flasar und Josef Haslinger, was ich versäumte, da ich den Samstag in Harland war.
Am Freitag war ich aber, nachdem meine zweite Diagnostik nicht stattgefunden hat, kurz auf der Freyung, denn da gab es wieder diese Jacobs Kaffee Aktion, die sich, glaube ich “Zeit zum Reden” nennt. Man setzt sich auf rote Sofas auf die Straße, junge Mädchen bringen einen Kaffee und Kuchen, ein Programm gibt es, glaube ich, auch, das habe ich versäumt. Vor drei Jahren bin ich zufällig hingekommen, habe, kurz darüber berichtet und als ich diesmal beim Nachhauseweg, Milch einkaufen wollte, Gabriele Petricek getroffen, die voriges Jahr bei den “Mittleren” gelesen hat, die ja nicht mehr im Literaturhaus stattfinden konnten, weil die Leute glauben könnten, daß es sich dabei um mittelmäßige Literatur handelt, wie mir Silvia Bartl einmal sagte.
Und was die Bücherschränke betrifft, gibt es nicht nur die Leseaktion im Juni, sondern eine traurige Mitteilung, was den Wortschatz am Margaretenplatz betrifft, wird der ja seine eifrige Berichterstatterin verlieren, was ich sehr schade finde, denn ich schreibe zwar auch immer wieder darüber, was sich da so finden läßt, fotografiere aber, für mich zum Glück nicht, weil das ja den meisten Speicherplatz erfordert.
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Die Gesänge der Verlierer
“Die Gesänge der Verlierer” von Rolf Lappert, ein Buch das ich voriges Jahr um einen Euro bei Buchlandlandung gefunden und gekauft habe, weil ich den Namen kenne, da Rolf Lappert 2008 mit “Nach Hause schwimmen” auf die Shortlist des deutschen Buchpreises gekommen ist, ist sehr interessant, denn es beginnt sehr langsam und bedächtig und eigentlich so, wie ich immer höre, daß man nicht schreiben darf, weil das ja niemanden interesiert.
Ein Mann namens Tyler, Manager einer mäßig erfolgreichen Rockband geht in London spazieren, bzw. hört er seinen alten Nachbar in der Nebenwohnung hantieren, stellt Beobachtungen über ihn an, sinniert über seine Hanteln nach, dann geht er hinaus, beobachtet einen Straßenverkäufer, der mit traurigen Lächeln seine Waren anpreist, kauft von ihm einen Spielzeughund, den er eigentlich nicht braucht und ärgert sich über seine Gutmütigkeit, die ihn ausnützbar machen läßt. Bei einem Supermarkt wird ein Mann auf einer Trage hinausgetragen, der Sanitäter steckt an der Kasse noch schnell einen Schokoriegel ein und Tyler geht zu einer Carol, deren Tochter er den Hund dann schenkt.
Nach und nach erfährt man die Geschichte, die Band soll einen großen Auftritt haben, dazu benötigt man aber einen Musiker, der verschwunden ist und den zu suchen Tyler aufgebrochen ist. Der erfährt man, ist in Amerika und so macht sich Tyler nach Los Angeles auf, schlägt sich in dem Motel mit dem Portier herum, der ihn unbedingt in ein bestimmtes Restaurant schicken will, findet den Musiker schließlich, der ihm Geld gibt, aber nicht mitkommen will und ihm als Grund die Geschichte von einer Frau erzählt, die er ermordet hat, bzw. durch einen Unfall zu Tode gekommen ist, so daß Tyler wieder abziehen muß, aber statt zurückzufliegen, nach New Orleans fliegt und das Road Movie beginnt.
Denn jetzt wohnt Tyler in einem Hotel das zwei Brüdern gehört, die ihm den Fernseher austauschen, viel von sich erzählen und Tyler, offenbar ein guter Beobachter, prägt sich verschiedene Gesichter ein, die in einem Hinterhaus zu tun haben, findet Fotos in einem Mülleimer und bekommt heraus, da werden offensichtlich Pornos mit Kindern gedreht. Weil die Brüder damit etwas zu haben, bekommt er ein kleines Mädchen in die Hand gedrückt, das er zu seinem Onkel fahren soll, erst dann können die Brüder zu Polizei gehen, Tyler tut es und ich wurde nun ein bißchen an Nabokovs “Lolita” erinnert, ein bißchen nur, bloß die Stellen, wo ein Mann mit einem Kind in einem Wagen sitzt. Sally ist fünf, spricht nicht viel und ist ständig müde, denn die Mutter hat ihm Schlaftabletten für sie mitgegeben, die sie als Vitaminpräparate deklarierte. Später als Tyler die Tabletten weggelassen hat, wird sie munterer und spielt mit ihren Puppen, die Tyler ihr ständig kauft und als sie die Adresse der Verwandten erreichten, sind die schon lange ausgezogen. So stellt Tyler das Auto mit dem schlafenden Kind vor die nächste Polizeistation und fährt von Schuldgefühlen gepeinigt auf einen Parkplatz, wo noch die Hurricanschäden zu finden sind. Dort trifft er auf einen seltsam gekleideten Koreaner namens Joe, der ihn in eine Art Sekte mitnimmt. Tyler will eigentlich nicht bleiben, verletzt sich auf der Flucht aber durch einen rostigen Nagel, so daß er auf die Sanitätsstation gebracht wird. Er gibt sich als Journalist aus und recherchiert ein bißchen in der Sekte herum, die von einem Mister Goldmann gegründet wurde, der außerhalb des Zauns in einem Hotel wohnt. In der Sekte muß man am Bau des Doms arbeiten und im Chor singen, der in einem Schiff untergebracht ist.
“Die Gesänge der Verlierer” heißt ja das Buch und Mister Goldemann erzählt Tyler auch, daß er zu dem Chor gekommen ist, weil er ein Augenleiden hat, das nur durch einen bestimmten Gesang gemildert wird. Es gibt auch einen sogenannten Palazzo, wo die Wächter wohnen, die obwohl verboten, Zigaretten und Bier verkaufen und dabei gut verdienen und Tyler trifft in der Kantine Celia, in die er sich ein bißchen verliebt. Der alte Joe ist als Art Feuerwächter angestellt und es kommt zu einer Brandlegung und einer Schießerei, die damit endet, daß Tyler mit Celia und Joe in einem gestohlenen Wagen flüchtet. Geld hat er ja viel, hat ihm auch Sallys Mutter dieses mitgegeben und so fährt er wieder zu der Polizeistation, nachdem er in dem Motel niemanden erreichen konnte, gibt sich als Sallys Onkel aus und läßt sich den Namen des Heimes sagen, in dem sie untergebracht wurde, dann erführt er sie mit Joes Hilfe und bricht mit ihr und Joe, nachdem sie Celia, die nach New York wollte, zum Flughafen brachten, in ein vielleicht besseres Leben auf.
Ein interessantes Buch, vor allem in der Art und Weise, wie es erzählt wird. Zuerst kommen die kleinen trefflich geschilderten Beobachtungen, dann kommt man nach und nach hinein in das amerikanische Roadmovie und Abenteuerroman.
Etwas habe ich jetzt vergessen, was mich in meiner momententanen Bilanzziehstimmung sehr beeindruckt hat. Irgendwo in der Mitte des Buches beginnt Tyler über den man sonst nicht so viel erfährt, über sein Leben zu erzählen. Er ist der Sohn eines verhinderten Opernsängers, der davon träumte auf großen Bühnen zu singen, es aber nur zu kleinen Rollen oder als Agentursänger auf Hochzeiten und Bars gebracht hat, wodurch das Eheleben wackelte und Tylers Jugend geprägt wurde. Was macht man als mittelmäßiger Sänger, wenn man gerne Opernarien singt, es aber nie in die erste Liga schafft?, ist ja etwas was mich, in Bezug Literatur ja sehr beschäftigt.
Lappert bringt es auf einen Punkt und erzählt es lapidar und dennoch sehr beeindruckend. Ein sehr interessanter Autor also, der 1958 in Zürich geboren wurde und vor vier jahren auf der Shortlist des dBP stand. Sonst habe ich von ihm noch nichts gehört und gelesen, die Shortliste hat aber großes Aufsehen gemacht und so habe ich mir den Namen eingeprägt und das ist ja die Art und Weise, wie ich mir Bücher aussuche und ich habe mir gleich eine Idee für mein eigenes Schreiben mitgenommen. Ich könnte ja den Tag einer Frau beschreiben, an dem eigentlich nichts passiert, sie aber durch lauter schöne Momentaufnahmen stolpert, habe ich gedacht, als ich noch ziemlich am Anfang war. Später ist dann sehr viel Handlung dazugekommen, der Roman rast rasant durch Amerika, parodiert es vielleicht ein bißchen, hat sicher seine märchenhaften Seiten und wird auch seine diesbezüglichen Vorbilder oder Reisen haben, um die Stimmung so prägnant hinzubekommen zu haben.
May im Mai
Hieß die Veranstaltung in der Gesellschaft für Literatur und war damit etwas verspätet, hatte Karl May ja schon am 30. März seinen hundertsten Todestag, was im ORf und in Leipzig auch entsprechend gefeiert wurde, an mir aber etwas vorüberging, denn ich muß gestehen, ich habe keinen Karl May gelesen, weil ich wahrscheinlich doch eher geschlechtsspezifisch sozialisert wurde. An die Jules Verne Bände kann ich mich erinnern. “In achtzig Tagen um die Welt” habe ich in der Hauptschule verschlungen und meine Großmutter, bei der ich die Sommerferien verbrachte, wenn meine Mutter arbeitet war, hat mir den “Huckleberry Finn oder den Tom Sawjer” zu lesen gegeben und den Oliver Twist habe ich, glaube ich, auch einmal bekommen. Von Karl May war aber nie etwas dabei und die berühmten Winnetou-Filme der Sechzigerjahre sind irgendwie auch an mir vorbei gegangen. Der Alfred hat in Harland einige Karl May Bände stehen und der Landeshauptmann von NÖ hat sich ja gerühmt als einziges Buch einen solchen Band gelesen zu haben und in Leipzig habe ich einmal einen Band in die Hand gedrückt bekommen, der sich mit der Frage beschäftigte, ob und warum Kinder Karl May lesen sollen. In den habe ich, glaube ich, hineingeschaut und als Peter Henisch “Vom Wunsch Indianer zu werden. Wie Franz Kafka Karl May traf und trotzdem nicht in Amerika landete”, im Rahmen des Karl May Schwerpunktes in den Tonspuren war, habe ich das irgendwie versäumt und wollte eigentlich auch in die Alte Schmiede gehen, als ich auf die “May im Mai” Veranstaltung aufmerksam wurde und ich bin ja, wie schon ein paar Mal erwähnt, ein Peter Henisch Fan. Dieses Buch vor zwanzig Jahren geschrieben und von Residenz im Zuge der Karl May Feierlichkeiten, wie Marianne Gruber vermutete, wieder aufgelegt, ist aber ebenfalls an mir vorbeigegangen und ich hatte keine Ahnung, daß sich Peter Henisch mit Karl May beschäftigte, mit Arno Schmidt ja, da habe ich ihn ja einmal bei einer Veranstaltung in der Hauptbücherei getroffen. Das Buch ist aber, wie Peter Henisch gleich erwähnte, kein Roman über Karl May, sondern über eine fiktive Begegnung zwischen Karl May und Franz Kafka während der Übefahrt nach Amerika. Da ich, wie erwähnt kein Karl May Fan, habe ich von seiner Biografie auch nur die üblichen Klischees im Kopf, nämlich, daß er all seine phantastischen Geschichten erfunden und und im Gefängnis schrieb, wo er auch die Gefängnisbibliothek geplündert und leergelesen hat. Im Alter und als berühmter Mann ist er dann wirklich im September 1908 von Bremerhaven nach New York gefahren und daraus machte Peter Henisch seine fiktive Begegnung.
Franz Kafka ist ja vielleicht nie in Amerika gewesen, auch da habe ich nicht viel Ahnung und bin kein Kafka Fan, habe seinen unvollendeten Roman “Amerika” aber zweimal gelesen und nicht verstanden. Peter Henisch ist vielleicht ein zweifacher Fan oder Kenner und so begann seine Lesung auch gleich damit, daß ein junger Mann an der Reeling steht und ins Wasser kotzt. Peter Henisch wurde dabei an einen Charly Chaplin Film erinnert und der junge Mann von einem älteren Ehepaar beobachtet, das sich Mister und Missis Burton nennt, sich des jungen Mannes annahm, ihn in ihre Luxuskabine mitnahm und aufs Bett legte. Weitere Namen werden dabei nicht erwähnt. Der alte Mann hat aber einen weißen Haarschopf und einen weißen Bart und der junge Mann stammt aus Prag, ist aber, behauptet er, kein Schriftsteller, trotzdem hat er eine Prosaskizze geschrieben “Vom Wunsch Indianer zu werden” und nennt das Zitat von der Literatur, die “wie eine Axt zu sein hat”. Daran knüpft sich ein Gespräch über Literatur und der junge Mann erwähnt, daß er fünfundzwanzig Karl May Bände gelesen hat, die er anschließend in einem Anitquariat verkaufte, um sich dafür gute Literatur zu besorgen. Das Publikum lachte und Peter Henisch erläuterte im anschließenden Gespräch, daß das ein autobiografisches Erlebnis war und ihm solches passierte, um dann weiter auszuführen, wie oft er von Lesern und Journalisten mit seinen Helden verwechselt wurde, nur weil er die Ich-Form verwendete. Ich bin da ja immer etwas skeptisch, wenn ich in dem Ich- die Autobiografie des Autors erkenne und den dann sagen höre “Aber das bin doch nicht ich!”, aber Peter Henisch ist kein Besatzungskind, wie sein “Schwarzer Peter” und hat auch nicht in Amerika unterrichtet wie der Paul Spielmann in der “Sehr kleinen Frau”.
Vorher gab es aber ein Gespräch mit Katharina Tiwald und Konrad Paul Lissmann, der sich als bekennender Karl May Leser outete, über phantastische Reisen, fiktive Szenarien, etc.
Konrad Paul Lissmann erläutete dabei, daß man über die vielen Karl May Bände zum Viellesen kommen, man fängt bei einem an und hört nicht mehr auf und Katharina Tiwald bekannte einen gelesen zu haben und enttäuscht zu sein, weil immer das gleiche Szenario passiert, das Buch aber eine herrliche Sprache hat, die die deutschen Wohnzimmer in die amerikanischen Weiten bringt. Über die Phantasie Karl Mays wurde diskutiert und darüber, ob er die jetzt mehr oder anders als Franz Kafka hatte, Karl Mays Werke wurden aber sehr zensuriert und verfälscht, so daß Katharina Tiwald wahrscheinlich nicht die Originalausgabe gelesen hat. Die wird jetzt erst von der Karl May Gesellschaft herausgegeben und Marianne Gruber bekannte, als Kind eine begeisterte Karl May Leserin gewesen zu sein, ebenso wie Ingeborg Reisner, neben der ich wieder gesessen bin, das ist mir entgangen und werde ich höchstwahrscheinlich nicht mehr nachholen. Aber ich habe auch den Harry Potter nicht gelesen, mit dem Karl May als Leseverlocker verglichen wurde und werde auch das Henisch Buch höchstwahrscheinlich nicht lesen, habe dafür aber heute ein anderes vom Residenz Verlag zugeschickt bekommen, nämlich “Madame Strindberg oder die Faszination der Boheme”, von dem ich im “Leporello” hörte, als wir nach Salzburg fuhren und um hier nicht für eine elaborierte Leserin gehalten zu werden, kann ich gleich gestehen, daß ich auch meine Schundromanlesephase habe und beispielsweise eine Hedwig Courths Mahler Spezialistin bin, die ich für eine sehr gute Schriftstellerin halte. Seitenweise Klischees und absolute Frauenfeindlichkeit. Mädchen, die unbedingt und um jeden Preis Jungrauen bleiben müssen und von einem Mann nicht mehr angeschaut werden, wenn sie sich mal küssen ließen und dann blitzen auf einmal ein paar Zeilen auf, wo alles ganz anderes ist und sich die alte Dame selbst in Frage stellt und ein wunderbares Bild vom Berlin der Neunzehnhundertzwanzigerjahre bekommt man auch.
So ähnlich hat Konrad Paul Lissmann seine Leidenschaft für Karl May erklärt, der sehr sozialkritisch war und sehr für den Frieden eintrat und natürlich auch nicht als großer Literat gilt, obwohl die Landeshauptherren ihn, wie schon erwähnt, gelesen haben und fast alle Kinder und er genauso reich und erfolgreich geworden ist, wie Hedwig Corths-Mahler, die auch nicht als große Literatin gilt und die man heimlich lesen muß, weil alle Besserwisser sofort die Nase rümpfen, wenn sie einem dabei erwischen. Eine Veranstaltung in der Gesellschaft für Literatur über das Frauenbild von Hedwig Courths Mahler würde ich mir aber wünschen und könnte mich dafür auch als Expertin zur Verfügung stellen.
Klub logischer Denker
Wieder ein Stück meiner Vergangenheit und etwas, worüber ich, glaube ich, noch nicht geschrieben habe. Als ich im Jahre 1974 im zweiten Semester studierte, habe ich den Rudi Blahout einen Schwechater Elektrohändler, der zuerst Theaterwissenschaft, später Medizin studierte, kennengelernt und der hat mich in den Klub der logischen Denker gebracht.
“Klub logischer Denker?”, habe ich gefragt und das für eine abstrakte Philosophenrunde gehalten, es war aber ein Treff, wo sich einmal wöchentlich am Mittwoch ein paar mehr oder weniger skurrile Persönlichkeiten zusammenfanden, um unter der Leitung von Herrn Lembacher über Gott und die Welt zu diskutieren und ich war damals noch sehr schüchtern und habe mich das öffentliche Sprechen nicht getraut. Das habe ich dann dort geübt und einen ersten Vortrag über “Psychologische Diagnostik” gehalten und außerdem dort einige Leute kennengelernt, mit denen ich sehr lange befreundet war. Die Monika Jensen, auf deren Begräbnis ich vor drei Jahren war, beispielsweise und die Hansi Berger, eine alte Jüdin, die von Prag nach Israel emigrierte und mit ihren zweiten Mann in den Sechzigerjahren nach Wien gekommen ist. Eine studierte Juristin, die als Journalistin arbeitete und sich sehr für die Psychoanalyse interessierte und 1992, glaube ich, gestorben ist und so hat sich der Klub auch jeden Samstag im Cafe Votiv getroffen und ist gemeinsam in die Strotzka-Vorlesung gegangen.
Der Klub war sehr lange sehr wichtig für mich, nach meinem Dissertantengespräch im Juni 1977 hat mich der Herr Lembacher zum Pfingstreffen nach St. Gallen in die Steiermark eingeladen und später, als ich mit dem Studium fertig war, meine Familie gründete und nicht mehr so oft hingegangen bin, hat er mich zu Vorträgen eingeladen, wo ich so zehn bis fünfzehn wahrscheinlich hielt und eine Zeitlang habe ich im Sommer auch einen autogenen Trainingskurs gemacht und psychologische Beratung angeboten. Später habe ich bei den Weihnachtsfeiern gelesen und den Herrn Lembacher, der die Seele des Klubs war und immer wieder Leute dafür aquirierte und das Programm in kleine Heftchen druckte und dann austeilte, zu meinen Geburtstagsfesten eingeladen.
2002 ist er dann gestorben, seither bin ich nicht mehr im Klub gewesen, der vom Cafe Vogelsang, ins Votiv, dann ins Cafe Einstein, wo ich noch Vorträge hielt und später sogar in die Brigittenau übersiedelte und jetzt im Cafe Benno in der Bennogasse seine Heimstatt hat, habe aber regelmäßig einige der Mitglieder bei Veranstaltungen, wie den Wiener Vorlesungen getroffen und den Herrn Dr. Mold, einen Rechtsanwalt, einige Male in der Alten Schmiede. Da hat er mich dann angesprochen und erzählt, daß er einen Vortrag über die Klubgeschichte halten wird und von mir Informationen dazu haben will und so bin ich heute wieder in den Klub gekommen und war eigentlich erstaunt, daß alles ein bißchen anders, aber genauso streng organisiert abgelaufen ist, habe ich doch den Herrn Lembacher für die Seele des Klubs gehalten und mir gar nicht vorstellen können, daß es den Klub nach ihm noch geben wird, was aber, wie ich heute hörte, durchaus geschah.
Den Herrn Schön, der in seine Fußstapfen folgte, habe ich auch immer wieder regelmäßig irgendwo getroffen. Jetzt habe ich erfahren, daß er wieder einen Nachfolger hat, den ich nicht kannte, daß es jetzt eine kleine Eintrittsgebühr für sogenannte Gäste gibt und sich die Vortragenden durchwegs aus Univ Professoren zusammensetzen.
So hält Roland Girtler nächste Woche beispielsweise einen Vortrag über Huren und Pfarrersköchinnen und der Klub geht inzwischen in sein zweiundvierzigstes Jahr. Wurde er doch am 13. 1. 1971 gegründet.
Dr. Mold war schon dort, als ich hingekommen bin, die meisten anderen, die heute im Cafe Benno waren, habe ich, außer einer alten Dame, nicht gekannt, dafür war es interessant, die Geschichte noch einmal zu hören und durch die eigenen Erinnerungen zu ergänzen.
War da ja auch eine Frau Alice Strigl Mitglied, die, glaube ich die Tante von der Literaturkrtikerin Daniela Strigl ist. Der heutige Generalsekretär, ein Dipl. Ing. Wolfgang Klein erwähnte in seiner Einleitung die Wiener Vorlesungen, die erst fünfundzwanzig Jahre sind und das groß feiern, während der kleine Klub der logische Denker, der sich ohne Subventionen nur durch Mitgliedsbeiträge erhält, schon seit über vierzig Jahren besteht. Die Diskussion war sehr interessant und spannend zu sehen, daß das Leben auch nach Josef Lembacher weitergegangen ist und es Klubmitglieder gibt, die ihn gar nicht kannten.
Mai feiern
Nach einem intensiven Praxistag, wo ich noch bis halb zwei des nächsten Morgens meine Abrechnung gemacht habe, ging es weiter mit dem Feiern und dem schönen Wetter, war ja gleich ein Feiertag und der erste Mai, von dem ich hier auch schon öfter geschrieben und von dem kleinen Mädchen berichtet hat, das mit seinem Vater und seiner Schwester Ursula früh am Morgen von der Remise bei der Wattgasse und der roten Nelke losgestartet ist. Ein Buschen Maiglöckchen für den Bürgermeister Jonas, glaube ich, war auch einmal dabei. Heute wird darüber ja ein wenig abfällig mit “Weihnachten der Sozialisten” gespottet. Ich habe auch damit aufgehört und bin, glaube ich, erst 2000 wieder auf den Maiaufmarsch gegangen, da allerdings animiert von meiner Tochter schon auf den der Kommunisten, der bei der Albertina beginnt und beim Parlament endet. Dazwischen habe ich, eine Frühaufsteherin, auch zweimal wieder den Rathausplatz angepeilt, bin da mit den Margaretnern Sozialisten mitgegangen und einmal war ich am Rathausplatz von St. Pölten. Aber bis zur Tribüne bin ich in Wien nie gekommen, weil mich vorher immer jemand mit dem Aufruf “Was du bist eine Sozialistin?” abgewunken hat. Die letzten zwei Jahre habe ich mich statt zu den Margaretner Sozialisten, in den Rotpunkt begeben und mich dort zum Frühstück einladen lassen. Wenn man aber bis halb zwei Uhr früh als Freiberuflerin “hakelt” und dann noch ein wenig seine Bücherliste ablesen will, beginnt man gleich mit der Albertina und da bin ich auch gleich in die Ruth hineingelaufen, die diesmal auch nicht mit der roten Nelke und dem Rathausplatz begonnen hat. Für eine, die seit Jahren am Volksstimmefest liest und deren literarische Sozilisation ja vor Jahrzehnten bei den schreibenden Frauen, die sich nach einem Vortrag des Bunds kommunistischer Frauen im Rotpunkt bebildet haben, begonnen hat, ist der Maiaufmarsch der Kommunisten auch ein literarischer Treff, wo man einige bekannte Gesichter sieht. So kam gleich Christoph Kepplinger heran und entschuldigte sich, daß die Linke Wort-Anthologie noch nicht fertig ist. Er hat die Fahnen aber schon zur Endkorrektur geschickt. Die Rizys waren da und ein paar von den Lesefrauen, Heidi Ambrosch, die mir vor Jahren einmal versprochen hat, mich in der Volksstimme vorzustellen und so ging es nach Begrüßungen und Küßchen übern Ring zum Parlament.
Dort hielt ein griechischer Genosse eine Rede zur Situation in Griechenland, erzählte von der Wahl, die am nächsten Sonntag stattfinden wird und rief zur Solidarität auf, damit es uns nicht demnächst wie den Griechen geht.
In den letzten Jahren sind wir immer hinters Burgtheater gegangen, weil die Sozialisten dort ein rotes Fressdorf haben, wo es wunderbare Fleichleiberln bzw. Hamburger gab, diesmal aber nur Hotdogs oder Bratwürsteln, also sind wir doch zum Fest ins Siebenstern, wo es ein gutes Gulasch gab. Gerald Grassl und Christian Schreibmüller vom Arbeitskreis Literatur der Arbeitswelt habe ich dann auch noch gesehen und dort, wo im Herbst immer die Poet Night stattfindet und im Dezember der Adventrundgang Station hält, gab es dann auch noch eine Diskussion mit dem Griechen, der gut Deutsch sprach, weil er in den Siebzigerjahren in Wien studierte, damals auch schon an Veranstaltungem im Siebenstern teilgenommen hat, das damals anders aussah. Ich erinnere mich an eine Lesung von Hermann Kant, der dort, kurz nach der Wende, sein neuestes Buch präsentierte. Damals mußte man den Raum, glaube ich, von hinten betreten. Die Diskussion war interessant, weil die griechischen Genossen genauso zerstritten wie die Wiener Kommunisten sind, so daß drei Links- Parteien vereinzelt zur Wahl antreten werden, obwohl sie vereint die größten Chancen hätten und dann noch fünfzig Parlamentssitze dazu bekommen würden.
Wir sind diesmal weder zum Fest der Grünen, noch in den Prater oder bei der Mayday Demonstration mitmarschiert, sondern über den Bücherschrank nach Hause gegangen und dort steckten in den Büchern schon die schönen Zetteln, die zu den Lesungen aufrufen, die im Juni bei dem in der Grundsteingasse stattfinden werden. Ich lese ja am 16. Juni um zwanzig Uhr aus “Mimis Bücher”, vor mir liest Helge Streit aus “Kafkas Reisen” und um neun Peter A. Krobath “Lexikon der Sabotage”, den ich, glaube ich aus Linz kenne, als ich in den Achtzigerjahren zu der Schreibwerkstatt in den Jägermayerhof eingeladen wurde. Es gibt dann noch andere Bücherschrank Veranstaltungen. An zwei Terminen kann jeder seine Texte vortragen, er muß sich allerdings vorher anmelden und sich mit einem Video vorstellen und das Publikum wählt aus, wem es hören will, also doch nicht jeder, aber das ist vielleicht so in den neoliberalen Bewerbungszeiten. Frank Gassner hat mich allerdings auf seiner Seite auch sehr schön vor und das Video vom El Speta hineingestellt, so daß man mich auch vorher anhören kann. Am 30. Juni werden Tarek Leitner und Manfred Rebhandl lesen. Und aus Manfred Rebhandls Krimi “Das Schwert des Ostens”, das ja am Brunnenmarkt spielt, habe ich schon bei der Buchmesse in Leipzig gehört. Bevor wir dann in den anderen Bücherschrank, den am Margaretenplatz schauten, haben wir noch am Eissalon an der Ecke ein wunderbares Eis gegessen, ich einen Becher mit Erdbeeren, Schlagobers und Sekt und dabei die Liesl F. getroffen, die wir sonst bei politischen Veranstaltungen sehen.
Das neue Buch
Hurrah, hurrah, es ist schon da das neue Buch! Das achte seit ich diesen Blog betreibe, das sechsundzwanzigste Selbstgemachte. Selfpublishing, heißt das ja heutzutage viel positiver, als es der diskriminierende “Eigenverlag” war und es ist ein schönes Buch, “Die Frau auf Bank oder dreimal “S”, die Geschichte von den drei Frauen, deren Namen alle mit einem “S” beginnen und die am selben Tag Geburtstag haben.
Ein realistischer Text, der Alltagsleben schildert und wo die Katastrophen nicht im Mord und Totschlag passieren, sondern so, wie wir sie alle kennen und das vom Alfred beanstandete positive Ende, ist meiner Meinung nach gar nicht so wunderbar, sondern so, wie es das Leben spielt. Und da heiratet man ja einmal und läßt sich wieder scheiden und alles hat auch einen realen Hintergrund.
Vielleicht ist eine Journalistin an mir verloren gegangen, denke ich mir manchmal.
Es ist also da, das schöne Buch, das keine Bank am Cover hat, denn die waren weggestellt, als wir im Jänner auf den Rathausplatz zum Fotografieren waren. Dafür sieht man ein paar schöne dunkle Bäume, ein Stück Himmel und den Turm des Wiener Rathauses, passt vielleicht auch ganz gut zum Text.
Nicht ganz pünktlich, sondern einen Tag zu spät, um es noch nach Salzburg mitzunehmen ist es gekommen, aber daran war meine Schlampigkeit bzw. meine leichte legasthene Ader Schuld, hätte ich doch das “i” zuviel am Umschlag fast übersehen.
Jetzt ist es aber da, ob ganz fehlerlos werden meine Leser sehen und da rufe ich gleich zum Lesen auf. Wer es haben will, bitte melden! Auf meiner Homepage kann man es bestellen! Ich verkaufe es zum leicht aufgerundeten Selbstkostenpreis, weil ich am Schreiben nicht wirklich verdienen will, tausche es auch gerne und wer mir eine halbwegs objektive Rezension schreiben will, soll sich bitte melden!
Ein bißchen hineinlesen kann man sich auch oder konnte das schon länger. Beschreibe ich ja meine Schreibprozesse genau in den Literaturgeflüsterartikeln, das Hangen und das Bangen, die Manie und die Depression und dieser Schreibprozeß war auch sehr interessant. Habe ich ja vor nicht ganz einem Jahr damit angefangen. Hatte die Idee mit den Namen und den Frauen und bin dann gleich einmal ins Writersstudio zum Schreibcafe mit Yoga gegangen und war dort, als ich eine ganze Stunde an meinem Text schreiben sollte und mein kleines grünes Büchlein mit den Notizen nicht mithatte, ein bißchen überfahren, habe dann aber tapfer das Konzept entworfen. Dann kam der Sommer und der eigentliche Schreibbeginn in Harland, wo ich ja sehr viel geschrieben habe und auch zum Denken und zum Reflektieren ein paarmal mit dem Rad nach Wilhelmsburg gefahren bin. Dann kam die Reise nach Polen. Das Manuskript reiste mit, die drei Frauenschicksale blieben aber ziemlich unbeachtet und fanden ihre Renaissance erst wieder im August am Rathausplatz beim Warten auf den Film, was ja zum Buch und Thema passt und als ich schon am Korrigieren war, kam eine Einladung in die Schreibfabrik, wo man sich Feedback holen konnte und das tat ich dann gleich bei der Szene, die man hier und auf meiner Homepage Probelesen bzw. auch per Video anhören kann. Der Foxtrott war in der ursprünglichen Fassung noch ein Tango, das habe ich auf Grund der Rückmeldungen geändert, obs wirklich passend war, weiß ich noch immer nicht, habe aber auf meinem Geburtstagsfest das erste Mal aus dem Manuskript gelesen, wieder die “Tanzstundenszene”, die ja sehr stimmig ist und die habe ich auch bei der Lesung im El Speta präsentiert, von da stammt das Video. Es gab also schon zwei Lesungen aus dem Buch, daher ist keine Buchpräsentation geplant, weil ich nicht wüßte, wo ich damit hingehen soll und auch nicht wieder vor leeren Sesseln lesen will. Wer aber etwas weiß und mich dazu einladen will, ist herzlich willkommen.
Sarah Wipauer, die ich ja auch sozusagen während oder vor dem Schreiben kennenlernte, hat mir einen schönen Text geschrieben, den man auch hier finden kann und jetzt werde ich wieder meine kleine Aussendung machen.
Die Nationalbibliothek fordert ja ihr Pflichtexemplar und schreibt es dann in die Kataloge und wenn der deutschen Bibliothek in Leipzig das österreichische Auslandsporto nicht zu teuer ist, fordert sie das Buch an. An das Literaturhaus werde ich ein Buch schicken, an die Alte Schmiede und an die Literaturabteilung von Ö1, vielleicht bekomme ich wieder einen Termin für die Textvorstellungen oder kann es im Radio Montagabend bei der “Neuen Literatur aus Österreich” präsentieren.
Wäre schön und war auch schon bei anderen Büchern so und da das Selfpublishing im Augenblick immer moderner wird und es immer mehr Autoren so machen, tue ich mir auch ein bißchen leichter damit, nur bei Wikipedia würde ich es ja gerne eintragen, aber vielleicht trägt der, der mich hinausgestrichen hat, alles wieder nach. Auf meiner Homepage stehen alle meine Bücher und ich denke, es kommt auf den Inhalt und nicht auf die ISBN Nummer an, die ich mir auch kaufen könnte, wenn ich das wollte. Also schönes Lesen, wer das will und wer meine Jammerartikeln der letzten Wochen gelesen hat und wissen will, wie es damit weitergeht, ein bißchen klarer bin ich durch die Krise hervorgegangen, glaube ich.
Da haben zwar auch die zwei sehr schönen Lesungen, die ich vor kurzem hatte und bei denen ich nur einmal aus der “Frau aus der Bank”, sonst den Beginn des nächsten noch nicht druckfertigen Buchs, gelesen habe, Schuld daran und wahrscheinlich auch die vielen Blogartikel der sogenannten Gebrauchsautoren, die jetzt auch ihre Bücher selbermachen, weil sie daran mehr zu verdienen glauben und keine Knelbelverträge der Verlage mehr wollen. Ich denke mir, es ist, wie es ist, ich würde auch gerne bei Suhrkamp oder S. Fischer publizieren, geht aber nicht. Trotzdem nehme ich das Schreiben ernst, tue es sehr lang und sehr intensiv und so gut wie ich kann und muß halt akzeptieren, daß das niemanden aufzufallen scheint.
Die Möglichkeit des Selbermachens und des Bloggens ist aber eine feine Sache. Durch meinen Brotberuf bin ich auf das unbedingt Verdienen müßen auch nicht so angewiesen und kann es lockerer sehen, wenn sich niemand für meine Bücher interessiert. Es muß mich keiner lesen! Ich will aber schreiben und das tue ich auch sehr intensiv und da sind die neuen Möglichkeiten schon ein wahrer Segen! Also werde ich “Die Frau auf der Bank”, statt der “Absturzgefahr” in Zukunft in meiner Handtasche mit mir herumtragen und wer es anschauen will, dem zeige ich es gerne, ansonsten wartet ja “Die Wiedergeborene”, von der es auch schon ein schönes Video gibt und aus der ich schon dreimal gelesen habe, auf das Fertigwerden und die “Paula Nebel” mein übernächster Kurzroman auf das Korrigieren und das gar nicht so schlecht ist, wie ich schon dachte, habe ich inzwischen festgestellt. Die nächste Lesung wird übrigens am 16. Juni um 20 Uhr vor dem offenen Bücherschrank in der Grundsteingasse sein und da lese ich aus einem Oldie, dem hier heiß diskutierten “Mimis Bücher”, weil da ja der Kasten in der Zieglergasse, eine gewisse fiktive Rolle spielt,ich das Buch, als ich damals eine Aussendung machte, an Frank Gassner schickte und auf diese Art und Weise mit ihm in Kontakt gekommen bin.
Salzburg-Lesung
Das mit der Lesereise war natürlich stark übertrieben, obwohl ich im Laufe meines Schreiberinnenlebens schon einige schöne Lesungen und Literaturveranstaltungen außerhalb des Kernraum Wien bzw. St. Pölten hatte. So hat der Tag der Freiheit des Wortes von Gösta Maier organisiert in den Neunzigerjahren einmal in Klagenfurt und einmal in Villach stattgefunden. 2007 gab es die von Ruth Aspöck organisierte Dichterradkarawane von Wien nach Bamberg, wo ich ein Stück mitfuhr und in Vilshofen las. Die IG Autoren haben mich in den Neunzigerjahren zu einer Lesung in eine Innsbrucker Buchhandlung eingeladen und nach Klagenfurt wurde ich 1989 zum Preis der Arbeit, den es damals dort gab, auch eingeladen. In Salzburg war ich einmal bei dem von Christine Heidegger veranstalteten Symposium “Sichten und Vernichten” zur Bücherverbrennung in Salzburg und dann gabs einmal eine Vollversammlung in Mondsee. Die “Mittleren II” mußten in der Villa Falkenhorst bei Feldkirch in Vorarlberg stattfinden und 2005 hast mich Erika Kronabitter zu einer Text und Kritikwerkstatt auf die Silvretta eingeladen, da gab es auch eine sehr schöne Lesung in einer sehr gefüllten Galerie bei Bregenz.
Und weil die Mittleren II ja in Voralberg mit Erika Kronabitter, Anni Bürkl und mir stattfanden haben, habe ich gedacht, das wäre eine gute Idee sowas vielleicht auch in Graz, Salzburg etc zu machen und habe vor ca zwei Jahren Margot Koller darauf angesprochen. Daraus wurde am Donnerstag eine von Wolfgang Kauer eingereichte Veranstaltung, bei der ursprünglich auch Walter Baco lesen hätte sollen. Aber der hat der GAV schon zuviel gelesen, so daß außer Margot Koller, Wolfgang Kauer und mir noch Josef K. Uhl gelesen hat und den habe ich ja erst vor kurzem bei einem Dichtfest in Wien gehört. Und weil die Veranstaltung Donnerstagabend stattfand und Margot Koller mich bei sich unterbrachte, haben wir gleich das Wochenende drangehängt, so daß es doch eine Lesereise wurde oder auch eine Art Literaturtourismus, der noch dazu bei besonders guten Wetter stattfand.
So sind sind Alfred und ich Donnerstag früh mit einem Zwischenstop in St. Pölten losgefahren und haben die erste Rast in der Autobahngaststätte Mondsee mit Blick auf den See gemacht, was von dem guten Spargel abgesehen, schon einmal literarisch sehr intensiv war. Sind wir doch vor oder hinter einem älteren Paar gesessen und der Mann im Trachtenjanker bestellte in unverkennbar oberösterreichischer Mundart zwei Espressi “i” nicht “o”, wie wir das tuen würden, beim Kellner, worauf sich der erkundigte, ob der Kaffee italienisch mit der Marke Illy oder nach Wiener Art mit Meinl Kaffee gewünscht wurde und der Herr ergänzte etwas von einem “Kaffee Deutsch”, den es in Bozen gäbe, worunter wahrscheinlich der berühmte Blümchenkaffee mit Blick auf das Tassenmuster gemeint ist.
Dann waren wir schon in Salzburg und Margot Kollers Reihenhaus war auch bald gefunden. Mit dem Bus sind wir mit unseren Büchertaschen in die Stadt gefahren, noch ein bißchen herumspaziert und uns um halb sechs mit den anderen vor einem Lokal in der Nähe des Afroasiatischen Institutes getroffen, wo die Veranstaltung stattfand.
Bei der letzten GV der IG Autoren habe ich versucht ein bißchen Werbung für die Veranstaltung zu machen und alle Salzburger Kollegen darauf aufmerksam gemacht, worauf die mich nach einem bestimmten Cafe fragten und meinten, die Veranstaltung würde dort stattfindens, weil Wolfgang Kauer dort offenbar mit der “Freitagslektüre” Veranstaltungen macht.
Aber das Thema unserer Veranstaltung war ja “Abgeschoben” und da passt das Afroasiatische Institut natürlich besser und die Veranstaltung war auch liebevoll organisiert und geplant.
Begonnen hat es schon um sechs mit einer Vorveranstaltung da hat ein junger Mann aus Kamerun vom Leben dort, der Politik, der Geschichte, dem Tourismus, den Königen und den Präsidenten erzählt und auf Nachfrage auch ein bißchen, warum er nach Österreich gekommen ist und wie es ihm hier so geht.
Dann folgte eine kleine Pause, es gab einen Besucherwechsel, ein paar sind auch geblieben und Wolfgang Kauer, bzw. Margot Koller leiteten die Veranstaltung ein.
Wolfgang Kauer ist, glaube ich, zwei Jahre Mitglied der GAV und sonst Gymnasiallehrer in Salzburg. Margot Koller kenne ich viel länger und habe mit ihr schon einige Veranstaltungen gehabt. Die erste war die gemeinsame Arbeit an der sogenannten Selbstmordanthologie “Kälte frißt mich auf”, zu der es, glaube ich, noch in den Achtzigerjahren nach dem Selbstmord eines GAV-Mitglieds kam. Dann habe ich sie zu “Selbstgemacht” eingeladen, das noch im Literaturhaus stattfinden durfte und wo es um das selbstgemachte Publizieren ging. Bei den “Mittleren V” hat Margot Koller auch gelesen. Josef K. Uhl, den Kärntner Kollegen, kenne ich auch schon länger. Hat er ja einmal auch einen meiner Text in seiner Zeitschrift “Unke” gebracht. Ich sehe ihn öfter bei den Generalversammlungen und war, wie schon erwähnt, bei seiner Lesung vor zwei Wochen in Wien.
Ich habe mit dem Lesen begonnen und da war ich anfangs, obwohl ich ja, glaube ich, selbst das Thema vorschlug, ein bißchen ratlos, was ich lesen soll?
Dann hat der Beginn der “Wiedergeborenen”, die “Wiedergeburt” stand fälschlich im Programm sehr gut gepasst. Da geht es zwar nicht um die aktuelle Asyldebatte, aber um die Vertreibungen und Flüchtlingsströme des gesamten letzten Jahrhunderts. Margot Koller hat gleich mit “Ein jeder kehre vor seiner eigenen Tür” weitergemacht und das war eine Textcollage aus einem aktuellen Erlebnis, eine Frau wird während einer Kur von einer Bosnierin angesprochen, die von ihr vierzig Euro haben will, damit sie in ihre Heimat zurückfahren kann und Auszügen aus einem Brief von SOS-Mitmensch und dem Dokumentarroman “Verfahren” von Ludwig Laher. Wolfgang Kauer las einen Ausschnitt aus dem Buch “Der Code der Schnabelkanne” und nicht aus dem, das im Programm angekündigt war. Um die Vertreibungen nach dem zweiten Weltkrieg ist es dabei aber trotzdem gegangen. Josef K. Uhl endete mit politischen Gedichten und einigen aus seinem neuen Buch Rock`ǹ Roll des Herzens”, die, was ich mir anfangs gar nicht vorstellen konnten, wunderbar zum Thema passten.
Dann gab es noch eine Diskussion mit einer Frau vom Verein “ekando kumer”, der sich um “Schülerpatenschaften in Afrika kümmert und am Schluß mußte man durch ein Natz, das eine bildende Künstlerin inzwischen am Eingang gespannt hat, damit man sich ein bißchen konkreter vorstellen konnte, was Flucht und Abschieben für den Betroffenen bedeutet.
Eine sehr interessante Veranstaltung in einem neuen Rahmen, obwohl ich in Salzburg ja schon einige Male war. Das erste Mal im selbgemachten Dirndl mit der Frau Fachlehrer Linser in der vierten Hauptschulklasse. Dann war ich als Studentin in einem Sommer eine Woche oder zehn Tage mit Monika Jensen dort, habe bei einer ihrer Freundinnen gewohnt, war bei einer Festspielveranstaltung wo Gidon Kremer spielte und ich den Kritiker Klaus Khittl traf. Zurück sind wir wieder autogestoppt, der Herr, der uns mitgenommen hat, war Helmut Zenker und erzählte und, nachdem ich ihn erkannte, daß Lukas Resetarits der neue Kottan sein wird.
Einmal war ich mit dem Alfred dort und dreimal im Rahmen der GAV, einmal beim kulturpolitischen Arbeitskreis, der von Ludwig Laher organisiert wurde, einmal bei einer GV im Literaturhaus und das letzte Mal bei dem schon erwähnten Symposium mit Kathrin Röggla,Thomas Rothschild, Elisabeth Reichart, Ludwig Laher etc.
Das war in den Neunzigerjahren. Seither hat sich Salzburg wohl ein bißchen verändert und so bin ich am Freitag zuerst mit dem Alfred allein, später auch mit Margot Koller in der Stadt herumgelaufen, haben in der Buchhandlung Höllrigl, dem angeblich ältesten Buchgeschäft Österreichs, nicht nur die Geschenkanthologie zum Welttag des Buches, sondern auch Cornelia Travniceks “Chucks”, Anni Bürkls “Narrentanz”, Carla Federicos bzw. Julia Kröhns “Feuerland”-Buch und vieles mehr gesehen.
Dann haben wir in einem schönen Gastgarten Mittag gegessen und sind nach einem Besuch im Mirabellgarten, ein bißchen auf den Mönchsberg marchiert, wo auch das Stefan Zweig Center untergebracht ist und ganz neu, ein Literaturarchiv. Aber das wurde schon eine Woche früher eröffnet. Eine Alfredo Bauer Lesung im Literaturhaus haben wir auf diese Art und Weise auch versäumt. Dann ging es noch einmal in einen Biergarten. Diesmal in einen ganz großen, wo sich die Nichtbiertrinker mit Kracherln begnügen müssen und am Schluß sind wir bei der langen Nacht der Forschung herumgehoppelt und haben im Mozarteum ein bißchen was übers Hammerklavier und im neuen Haus, wo wir schon am Nachmittag auf der Dachterrasse, die Festung Hohensalzburg bewundert haben, ein bißchen was über das Leben der Studenten und Dozenten gehört und am Samstag gab es einen Ausflug in die Gegend. Eine Seenrunde um den Wallner- und den Mattsee, wo wir wunderschöne Frösche fotografierten. In der Teufelsklamm sind wir auch herummarschiert und jetzt wieder zurückgefahren, wo sowohl das literarische als auch das nicht literarische Alltagsleben weitergeht und ich mein neues Buch suchen werde müßen, das entweder schon gekommen ist oder noch kommen wird.
Junge Slowenen
Bezüglich der osteuropäischen und der Balkanliteratur kenne ich mich ganz gut aus, wird die bei den Buchmessen ja meistens sehr promotet, es gibt Broschüren mit Textproben und der Wieser-Verlag, der gerade eingegangen ist, hatte da seine Reihen, die auf der Buch-Wien präsentiert und von der Bank Austria gefördert wurden und einmal habe ich ja eine ganze Kiste solcher Bücher gewonnen, wo beispielsweise eines mit Texten von Marusa Krese war und mir auch sonst immer wieder ein paar geholt.
Walter Famler stellte sie sie in der Literatur im Herbst vor und ich bin ja auch am Nationalfeiertag mit dem Literaturschiff von Bratislava nach Wien gefahren und am Mittwoch gab die junge slowenische Literatur im Literaturhaus. Katja Gasser, die sich als Kärtner Slowenin vorstellt, sollte zwei Autoren und zwei Autoren präsentieren, alle zwischen 1988 und 1980 geboren, einer Nejc Gazvoda, war aber verhindert, weil er gerade einen Film dreht, so las die Übersetzerin Metka Wokounig, ebenfalls eine Kärtner Slowenin, seinen Text “Der Schatten” vor und interessant, die Texte sind allesamt noch nicht übersetzt, so lagen am Büchertisch die Bücher in slowenischer Sprache und eine Broschüre in Deutsch und Englisch, die Natasa Kramberger vorstellte,auf.
Barbara Zwiefelhofer leitete ein und wies darauf hin, daß es in Wien ein slowenisches Kulturinformationszentrum gibt, das die Autoren offenbar ausgesucht und eingeladen hat, dann nannte sie die Namen und die jungen Leute stürmten auf das Podium, aber das war nur die Einleitung, die Podiumsdiskussion fand erst später statt. Zuerst wurde einzeln gelesen und da hat Natasa Kramberger begonnen, die 1983 in Maribor geboren wurde und jetzt in Berlin lebt. Sie las Slowenisch aus ihrem Versroman “Kaki vojaki” in dem es um einen Baum und drei Tiersoldaten geht, die ihn umkämpfen. Sie hat noch einen anderen Roman geschrieben “Himmel im Brombeerstrauch” der in der Broschüre erwähnt wird und an der Wand wurde der Text zum Mitlesen projeziert, das wurde schon beim Short Cut Festival im November so gemacht, was ich aber mühsam finde, weil ich mich, wenn gleichzeitig gelesen wird, auf den Text nicht gut konzentrieren kann. Es gab aber nachher die Ausdrucke davon, so daß man nachlesen kann. Der zweite Autor war, wie schon erwähnt nicht da, die junge Übersetzerin las seinen Text “Der Schatten vor” und dann kam die Jüngste in der Runde, die 1988 in Ljubljana geborene Katja Perat, die vergleichende Literaturwissenschaft studierte und als eine der begabtesten Nachwuchslyrikerinnen gilt, sie las dann auch Gedichte vor, in einem wurde Friedrich Engels erwähnt und leitete ihre Lesung auf Englisch mit den Worten ein, daß es lustig ist, eine Einleitung über sich zu hören und kein Wort zu verstehen.
Der vierte Autor war Goran Vojnovic, 1980 in Ljubljana geboren, Katja Gasser erwähnte noch in der Einleitung, daß er bosnische Eltern hätte, fühlt er sich jetzt als Migrant?
Er hat einen Roman mit dem Titel “Jugoslawien, mein Land”, geschrieben, mit dem er 2011 Dragar Jancar ausgestochen hat, wie Katja Gasser erwähnte. Bei der Geschichte, wo es um den Krieg und die Vergangenheit Ex-Jugoslawiens geht, haben die Leute sehr gelacht und Katja Gasser eröffnete die Diskussion auch mit der Frage, ob es eine Jugoslawien Nostalgie gibt?
Aber dazu waren die Autoren viel zu jung, haben sie den Krieg ja als Kinder miterlebt und das Tito Jugoslawien oder das des Slobodan Milosevic ist lang vorbei, jetzt ist Europa angesagt und da wurde dann diskutiert, ob man sich in Slowenien als Europäer fühlen kann und es eine Balkanliteratur gibt. Es war dann noch ein Experte auf dem Podium, nämlich der offenbar in Wien lebende, 1981 in Ljubljana geborene Aleksander Studen-Kirchner, den Katja Gasser als Experte für die slowenische Literatur vorstellte und ich habe mir die ganze Zeit gedacht, daß ich den Namen Natasa Kramberger kenne, dann ist mir eingefallen, daß sie vielleicht auf dem Literaturschiff gewesen sein könnte.
Sie war das auch oder hätte es sein sollen, ist aber schon in Novi Sad ausgestiegen, aber höchstwahrscheinlich auf dem Programm gestanden, vielleicht habe ich auch ihre Texte gefunden und mitgenommen.
Ein spannender Abend mit spannender Literatur, gibt es ja nicht nur in Österreich Autoren unter Dreißig und allgemeines Bedauern, wann die Texte auf Deutsch erscheinen werden. Zumindestens den Jugoslawienroman würde ich gern lesen.
“Gern!”, antwortete Metka Wukounig auch auf Barbara Zwiefelhofers Frage.
“Wenn ichs bezahlt bekomme, sofort!”
Nachher gabs wieder was zu trinken und ich beobachtete erstaunt, daß die Bücher fast alle verschwunden waren, die letzten kauften gerade zwei Damen, die sich lange mit der Bibiane, die sich als burgenländische Kroatin outete, unterhielten und als Katja Gasser kam und etwas kaufen wollte, haben sie ihr die Bücher gegeben. Natasa Krambergers Versroman, die sich sehr nett mit mir unterhalten hat, war aber noch dort.
Ein interessanter Abend also und jetzt gehts auch auf Lesereise.
Gibts den Autor noch im Netz?
So lautet die Frage, die momentan nicht nur Gerhard Ruiss von den IG Autoren beschäftigt, von den Fantasien Andreas Eschbachs wie es wäre, wenn das Urheberrecht verschwunden oder nur noch auf fünf Jahre beschränkt ist, wie es in Deutschland offenbar die Piraten wollen, habe ich ja schon berichtet. Für mich eine Horrorvorstellung, den Neoliberalisms diesbezüglich auszuweiten, daß man sich für einen Lesekreis bewerben muß und der Autor nimmt dann nur die tausend besten, die ihm zu Gesicht stehen oder das meiste zahlen. Verständlich, daß sich ein Autor sowas wünscht und weit ab von der Realität der offenen Bücherschränke und der Aktion zum Welttag des Buches wo an die Million Bücher einfach so verschenkt werden. Trotzdem bewet die Urheberdebatte die Gemüter und die GAV bzw. der republikanische Club lud zur Urheberdisskussionen ein. Nicht das erste Mal, vor drei Jahren während des Bachmannpreises, bin ich ja schon einmal bei einer diesbezüglichen Veranstaltung gewesen und Gerhard Ruiss, der vor einigen Tagen übrigens Professor wurde, ist diesbezüglich überhaupt besonders aktiv. So hat er zu einer Unterschriftenaktion “Her mit der Festnetzabgabe” aufgerufen, die Aktion “Kunst hat Recht” gestartet und die Diskussion “Gibt es im Netz noch den Autor und die Autorin?” mit Sandra Csillag von der Literara mechana, Gerhard Ruiss, Jörg Piringer und Hans G. Zeger klingt auch interessant.
Am Dienstag um 19. 30 hatte ich mir in meinem Kalender eingetragen, aber auf den ausgedruckten Einladungen stand Beginn 19 Uhr und als dann noch die GAV eine Erinnerung schickte, bin ich nach einem praxisintensiven Tag losgestartet, dann lange neben Ruth Aspöck gesessen und habe mich mindestens eine halbe Stunde mit ihr unterhalten, wie der Poetry Slam in Krems war, an dem sie am vorigen Freitag teilgenammen hat.
Für alle, die es wissen wollen, Andi Pianka hat gewonnen und Tschif Windisch hat ihn moderiert, es gibt also einen regen Poetry Slam Tourismus, den dann immer dieselben, nämlich die Profis gewinnen und die andere bleiben über. Aber diesmal ging es um die Urheberdiskussion. Es war schon halb halb acht vorbei, als Doron Rabinovich die Veranstaltung ankündigte. Dann gab es eine rege Diskussion, die sehr widersprüchlich war, denn die Geschäftsführerin der Literamechana ist natürlich für den Urheberschutz und beklagte auch, daß ihr Fond, der den Autoren mit Pensionen und Sozialhilfe zur Verfügung steht, also ihnen beispielsweise das Begräbnis zahlt, kein Geld mehr hat, da inzwischen niemand mehr kopiert, also muß die Festnetzabgabe her und Gerhard Ruiss brachte wieder seine diesbezüglichen Beispiele. Er ist da ja sehr wortgewaltig und hat auch einen Kampf mit Google Books geführt, während der Medienkünstler Jörg Piringer und Hans G. Zeger es wieder ganz anders sahen. Es gab also eine rege Diskussion und Gespräche bei Wein und Knabbereien, die sehr interessant waren.
Ilse Kilic und Fritz Widhalm waren da und ich bin ins Gespräch mit einem Mann gekommen, dem ich meine Bücher zeigte, der mir auf meine Nachfrage, ob er auch schreiben würde, sagte, daß er der Lebensgefährte von Marianne Fritz gewesen ist.
“Kennen Sie die?”, hat er mich gefragt und mir wahrscheinlich nicht geglaubt, daß ich sie sehr wohl kenne, bzw. mich ein bißchen mit ihr und ihrer Literatur beschäftigt habe, anschließend habe ich mich lange mit Sibylle Summer vom Rebublikanischen Club, die eine sehr liebe freundliche Frau ist und mit Gerhard Ruiss unterhalten, der sich immer noch mit meinen bei Wikipedia herausgestrichenen Büchern beschäftigt und den dafür Zuständigen nicht finden kann und bin etwas verwirrt nach Hause gegangen. Denn das Urhebergesetz hat viele Seiten, vor allem für eine, die außerhalb des Literaturbetriebs steht, aber manchmal zu den sehr schönen Veranstaltungen des republikanischen Clubs geht. So kann ich mich beispielsweise an das Fest vor zwei Jahren erinnern, bei dem an das das berühmte Waldheim-Pferd von Alfred Hridlicka erinnert wurde. Am nächsten Tag habe ich dann erfahren, daß er gestorben ist.
Über Hilde Spiel
Über Hilde Spiel, die im letzten Oktober ihren hundertsten Geburtstag gefeiert hätte, habe ich schon geschrieben und gelesen, habe ich mir ja bei der Buch-Wien von Gerlinde Tamerl, das von Ingrid Schramm und Michael Hansel herausgegebene Buch “Hilde Spiel und der literarische Salon” geben lassen und bin, im Jänner oder Februar, wird es wahrscheinlich gewesen sein in Harland in der Badewanne gelegen und habe mir den ersten 1989 erschienenen Memoiren Band “Die hellen und die dunklen Zeiten”, den ich, was ich offenbar vergessen hatte, von meiner lieben alten Freundin Hansi Berger geschenkt bekommen habe (zum Glück gibts die Geburtstagswidmungen) geblättert, hatte keine Ahnung, ob ich das Buch gelesen oder nach dem Bekommen auch nur durchgeblättert, wird wohl so gewesen sein, und habe es, was auch sehr interessant ist, nicht so dicht, wie das Schramm und Hansel Buch gefunden, aber wahrscheinlich war das durch die Flüchtigkeit meines Lesens begründet und als im vorigen Mai oder Juni, die “Buchlandung” eine Totalräumung ihrer wahrscheinlich unverkäuflichen Bestände machte und die Ein-Euro-Kisten besonders füllte, bzw. ganze Regalreihen damit bestellte, habe ich Marcel Reich-Ranickis “Über Hilde Spiel” gefunden und den 1920 in Wloclawek geborenen kenne ich auch.
Wer kennt den nicht?, werden jetzt meine Kritiker schreien, natürlich jeder kennt den Wortgewaltigen, Energischen, der mit lauter Stimme und erhobenen Zeigefinger über die Bücher und die Autoren fährt, schon mal was wörtlich oder auch nur übertragen zerreißt und dann noch offenbar soviel Humor besitzt, daß er für das Telefonbuch Werbung macht und wenn er ins Fernsehen eingeladen wird, um einen Preis zu bekommen, beschimpft er es genauso lautstark öffentlich, was zur Folge hatte, daß Elke Heidenreich ihre Büchersendung “Lesen” ins Internet verlegte und jetzt nicht mehr macht.
Nun ja, das weiß ich nicht so genau, bin ich ja keine deutsche und auch keine österreichische Ferseheherin und gebe nur das Mitbekommene mit. Daß Marcel Reich-Ranicki von Ernst Willner und Humbert Fink für den Ingeborg Bachmann Preis gewonnen wurde und dort in den ersten Jahren Juror war, Hans Weigel war, glaube ich, auch dabei, weiß ich auch und als Brigitte Guttenbrunner dort gelesen hat, erzählte sie, daß er “Ist das eine Emanze?” über sie gesagt haben soll.
Seine Biografie “Mein Leben” habe ich mir vom Alfred zum Geburtstag schenken lassen und war hoch beeindruckt, anderen hat das Buch, soviel ich weiß, nicht so gut gefallen und haben zum Lesen aufgehört, ich kann sein autoritäres Gehabe dadurch aber besser verstehen und habe mir schon viel früher, als ich das noch tat, Bücher von ihm gekauft, bzw. den “Der doppelten Boden”, denn der Band “Unser Grass” war in einem der Büchertürme, als es die Literatur im März noch gab und dieser, der Nobelpreisträger, ist ja auch ein sehr wortgewaltiger energischer Herr und hat gerade erst die Literaturwelt und den Staat Israel so erregt, daß man ihm den Nobelpreis aberkennen wollte.
Ich bin, glaube ich, nicht so wortgewaltig, aber sehr an Literatur interessiert und so habe ich mir das dtv-Bändchen in die Badewanne mitgenommen, daß sieben, wahrscheinlich schon früher publizierte Aufsätze und dann eine sehr ausführliche Biografie und Publikationslisten beider Autoren enthält.
“Wer hat Angst vor Hilde Spie?”, heißt so wortgwaltig der erste Text und schildert, daß Hilde Spiel Reich-Ranicky zusammenputze, als er mit ihr 1962 in Berlin auftrat und Arthur Schnitzler einen unterhaltsamen Autor nannte, was Hilde Spiel als Skandal empfand.
Nun bin ich ja, wie meine Leser wissen, eigentlich eine Psychologin und keine Literaturwissenschaftlerlin. Das Theater unterhaltsam ist, weiß ich auch, von “Professor Bernhardi” würde ich das nicht unbedingt behaupten und beim “Reigen” und bei “Liebelei” kann einer auch das Gruseln kommen, ob der Hintergründigkeit oder der Art und Weise, wie die “lieben Mädeln” da behandelt werden. Aber Österreich ist Österreich und hat seine literarischen Unterhalter. Heimito von Doderer ist auch einer, mit dessen “Dämonen” und einer meiner ersten Lieben, ich 1977, einen höchst beeindruckenden Sommer im Wiener Stadtpark verbrachte. Daß da auch ein bißchen Nazivergangenheit verpackt ist, habe ich erst später begriffen und steht auch in dem Buch, aber in einem anderen Kapitel.
“Wem sagen Sie das?” heißt der zweite Text und da geht es um “Lisas Zimmer”, ursprünglich in Englisch geschrieben und 1961 in London erschienen, ein Buch über “Emigranten, zumal Intellektuelle, über symptomatische Schicksale im zweiten Viertel unseres Jahtrhunderts?”
Hilde Spiel wird von Reich Ranicki in dem Buch sowohl gelobt als getadelt, der alte Grandseigneur, der wahrscheinlich gar nicht anders kann, breitet genüßlich seine Theorien über sie aus, nennt sie eine begnadete Essayist und schwache Romanschreiberin, weiß wieder alles sehr genau und wahrscheinlich sehr viel besser als die alte, 1990 verstorbene, Dame selbst.
Vor allem aber gibt es in dem Buch sehr viele Bilder. Einige davon kenne ich schon, sind sie ja auch in dem Schramm-Buch enthalten, ob in den “Hellen und finsteren Zeiten” Fotos sind, weiß ich jetzt nicht, habe ich das Buch ja in Harland, denke aber schon und Ingrid Schramm, die ja in der österreichischen Nationalbibliothek tätig ist, wird auf der letzten Seite auch besonders für die Bildrecherche gedankt.
Im September 1990 wurde “Welche Welt ist meine Welt”, der zweite Memoirenband, im Palais Pallavicini vorgestellt. Marcel Reich Ranicki war dabei und hat wahrscheinlich die Laudatio gehalten, Andre Heller hat gelesen, davon gibt es viele Fotos, die die alte Dame mit Würdenträgern aber auch ihr Buch in der Hand haltend, zeigen.
Ich war nicht dabei, habe ich mich damals, trotz Hansis Geburtstagsgeschenk, wahrscheinlich doch nicht so viel für Hilde Spiel interessiert, sondern an den “Hierarchien” und auch meinen “Stotterer-Buch” gearbeitet, finde es aber sehr interessant und würde mir, meine Leser wissen es wahrscheinlich, sehr wünschen, die frühen Romane, die Hilde Spiel sehr jung geschrieben und dafür auch Preise bekommen hat, “Kati auf der Brücke”, “Verwirrung am Wolfgangssee”, aber auch “Lisas Zimmer” und alles andere, im offenen Bücherschrank zu finden und schaue auch immer sehr genau, um nichts zu übersehen.
Bei den biographischen Notizen habe ich übrigens etwas interessantes entdeckt, nämlich daß Hilde Spiel, die mit Milo Do, Begründerin und auch erste Präsidentin der IG Autoren war und dem PEN angehörte, 1980 zum Mitglied der Grazer Autorenversammlung gewählt wurde.
Was die Pendantin in mir natürlich wachrüttelt, wie kann das sein? Gibt es da doch diesen Aufnahmeparagraphen, aber vielleicht war das eine Ausnahme und, daß schon Leute aus dem PEN ausgetreten sind, die eigentlich nicht drinnen sein hätten dürfen, habe ich auch schon in der Zeitung gelesen und einmal, wenn ich mich recht erinner, dem Herrn Menasse einen diesbezüglichen Brief geschrieben.












