Erinnerungen eines Narren

Nun ist der letzte Roman von Marianne Gruber “Erinnerungen eines Narren”, der im Frühjahr bei Haymon erschienen ist, in der Alten Schmiede und auch sonstwo präsentiert wurde und ich auch bei der Unsterblich-Podium-Veranstaltung im Juli ein Stückchen daraus hören konnte, doch zu mir gekommen und hat mich auch beim Lesen sehr gefordert, denn Marianne Gruber bietet keine leichte Kost, sondern einen vielschichtigen anspruchsvollen Roman, der nicht nur vom Sterben eines alten Mannes und vom zweiten Weltkrieg erzählt, das hatten wir schon, denn daran scheinen sich gerade einige Autoren um die Siebzig abzuarbeiten, sondern auch die ganze Welt- und Literaturgeschichte einbezieht, sie neu- und umdeutet und da ich in die Hauptschule und nicht ins Gymnasium gegangen bin, habe ich etwas Schwierigkeiten mit der griechischen Mythologie, das heißt ihre Helden und Götter nicht so ganz genau im Kopf und wahrscheinlich auch keinen Respekt vor ihnen, aber auch da gibt es eine beeindruckende Stelle in dem dreihundertfünzig Seiten dicken Buch, nämlich die, wo der monologisierende Ich-Erzähler, der alte namenlose Clown mit dem gefälschten Schweizer Pass, der einmal Internatsschüler war, von Sisyphos und seinen Steinen erzählt “Mein Vater schaut mich mit großen Augen an. Woher hast du denn das? Lernt man das auch im Gymnasium?”
Aber der Reihe nach, bin ich ja eine gründliche Leserin und habe den Anspruch die Realistik eines Buches zu erfassen und die wird von der 1944 geborenen Autorin, die neben Klavier auch Medizin und Psychologie, letztes bei Viktor Frankl studiert hat, zumindestens gestreift.
Da liegt ein alter Mann in einem Zimmer, vom Seil gestürzt, liegt da seit fünf Monaten und kann sich nicht bewegen. Es ist der, der sich durch die Weltgeschichte monologisieren wird, aber um die praktischen Dinge des Lebens hat er sich nie gekümmert, zumindestens nicht um so banale, wie Versicherungen. Hühner gestohlen und Menschen gerettet, hat er in seiner Jugend schon, aber jetzt braucht er eine alte Frau, die ihn versorgt und aufs Klo begleitet, weil er das allein nicht kann und es kommen auch Leute zu ihm, die Fragen stellen, nach den Versicherungszeiten z.B. und danach, welchen Wochentag man hat und was ein Kilo Brot kostet?
Das habe ich für mein Rigorosum vor mehr als Dreißig Jahren auch gelernt und führe auch regelmäßig, den Mini Mental Test durch und die alten Leute, die Shakespeare die Welt und seine Stücke erklären können, wissen das heute nicht und haben das auch damals wahrscheinlich nicht gewußt.
“Es ist der Vorabend zum zweiten Weltkrieg”, beginnt der Klappentext und das wird in einem großen Teil des Buchs behandelt, das mit dem abgestürzten Clown und seinem Redefluß beginnt, denn der erzählt allen, die es hören wollen, seine Geschichte, die von dem Internatsschüler, der obwohl kein Jude und auch sonst nicht verfolgt, aber Mutterlos, seinen Vater und das Internat verläßt und sich einem Wanderzirkus anschließt. Dort wird er von dem weisen Hieronimo zum Hilfsclown ausgebildet, es gibt Rollo, den Liliputaner und Rachel, die schöne Jüdin, die aus Angst vor der Verfolgung in der Zirkuskuppel schläft, gibt einen Löwendompteur, Bären, einen Direktor und in der Schweiz erlebt der Zirkus große Not und Hunger. Es gibt keine Arbeitserlaubnis, aber Polizisten, die eine Ausgangsgenehmigung erteilen und auch Schokolade bringen, geschmuggelte Flüchtlinge, einen evangelischen Pfarrer, der alle verrät, obwohl man sonst wenig vom Krieg wüßte, wenn es nicht ab und zu ein Flugzeug zu beoachten gibt, da der Held nur wenige Zeitungen liest, sondern Rachel seine Schokolade schenkt und mit Rollo streitet.
So geradelinig wird das nicht erzählt, sondern es gibt immer wieder Unterbrechungen, wo der Erzähler mit den jungen Männern spricht, die seine Geschichte hören wollen und dann in die Vergangenheit abdriftet, denn offenbar hatte er mehrere Leben, es gibt auch einen geheimnisvollen Anderen, der immer wieder kurz erwähnt, aber von mir nicht ganz verstanden wurde. Das Stück, das ich schon in der Alten Schmiede hörte, handelte von einem Pedro und der spanischen Inquisition. Dann gibt es zwei sehr beeindruckende Kapiteln, wo der Held mit einem William an die Schauplätze von Romio und Julia bzw. Othello geht, um mit ihm zu klären, wie das damals wirklich war mit der Eifersucht und dem Sterben?
Da ist mir eingefallen, daß es auch einen Text von Marianne Gruber gibt, der “Julias Spange” heißt, mit dem sie, wenn ich mich nicht irre, damals in die Endauswahl des Limes-Literaturpreises gekommen ist, um den ich mich auch beworben habe.
Ein großer Teil des Buches beschreibt die Erlebnisse im Wanderzirkus bis Kriegsende, wo der alte Mann zweiundzwanzig war, die Einschübe, die von Jason und Medea, Aigeus und Theseus, Romeo und Julia, dem Vogel Phönix etc. handeln, sind eher kürzer und auch die, was nach dem Krieg geschah. Da kommt der Held nach Wien zurück und sucht nach seinen Vater, er findet nur einen Grabstein mit seinem eigenen Namen, hat Schwierigkeiten mit seinem gefälschten Schweizer Pass, echte Papiere hat er nicht mehr, weil er damals offenbar in die Schweiz geschmuggelt wurde, lebt kurz bei einem Psychiater, nimmt Kontakt mit einem Anwalt auf und trifft auch seinen alten Griechisch Professor. Dann kommt schon Rollound holt ihm zum Zirkus zurück. Rachel, Hieronymo und Rollo sterben. Der Clown wird macht Gastspiele in Paris und in der ganzen Welt, dann stürzt er vom Seil.
“Was sehe ich oben?” , hat er Hieronymo vor seinem ersten Auftritt gefragt.
“Nichts oder du stürzt ab!”, hat der geantwortet.
Jetzt ist er abgestürzt, wird von der alten Frau gepflegt und nach dem Brotpreis gefragt, er erzählt seinem Besucher und fordert ihn zuletzt auf, seinen Koffer mit den Steinen und dem alten Kostüm zu nehmen und sein Nachfolger zu werden.
“Über den Rest nicht viele Worte,je länger das Leben dauert, desto weniger gibt es zu berichten, alles drängt sich zusammen, am Schluß hat es in einer Nußschale Platz!”, heißt es im letzten Kapitel, wo es vom Kriegsende schnell in die Gegenwart geht und die Jahrzehnte, die dazwischen liegen, mit ein paar Sätzen gestreift werden.
“Vier Wände lautlos auseinander und nichts mehr”, lauten die letzten Worte und Marianne Gruber, die auch Kafkas “Schloß” weitererzählt hat, ist bestimmt eine großartige Erzählerin, die mit einer sehr genauen Sprache sehr viel erzählt. Das Elend des Sterben, die Fragebögen der Psychiatrie, genauso wie die Weltgeschichte, den zweiten Weltkrieg mit seinem Elend, auch das, was damals in Verona und in Venedig wirklich geschehen ist, zu wissen scheint und geradezu sprüht von Einfällen und Geschichten.
Ich mag es ja sozialkritischer lieber und fange mit den alten Griechen, wie erwähnt, nicht so viel an, obwohl mir die Metapher vom Sisyphos, wenn ich einen neuen Roman beginne, Seite um Seite beharrlich korrigiere und das Ganze dann trotzdem niemand lesen will, schon mehr als einmal eingefallen ist. Marianne Gruber hat auch zu Sysiphos und seinen Steinen einen eigene Deutung und ich habe sie um 1980 kennengelernt, als wir beide mit unseren Geschichten, den Wettbewerb zu einem frauenfreundlicheren Kinderbuch “Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen” gewonnen haben. Damals habe ich sie sehr solidarisch empfunden und kann mich an eine ganze Liste von Ratschläge erinnern, die sie mir gegeben hat, wo und wie ich versuchen könnte, meine Texte zu veröffentlichen. Sie hat später im Fernsehen moderiert, das habe ich als Nichtfernseherin weniger verfolgt, treffe sie aber regelmäßig in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur, deren Präsidentin und Nachfolgerin von Wolfgang Kraus sie ist und finde es etwas schade, daß ich mit meinen selbstgemachten Büchern in der Herrengasse nicht lesen kann und habe das beim Dichter-Fasching aber schon zweimal getan
“Die gläserne Kugel” habe ich, glaube ich, vor langen gelesen und bei der Lesung “Veröffentlichtes und Unveröffentlichtes von Julian Schutting und Marianne Gruber” war ich in diesem Frühjahr auch und Professorin ist sie, glaube ich, gemeinsam mit Gerhard Ruiss in diesem Jahr auch geworden.

In den Herbst

Am Wochenende vor dem Wiener Schulbeginn findet traditionellerweise das Volksstimmefest statt, auf dem ich heuer, wenn ich richtig gerechnet habe, das zwanzigste oder einunzwanzigste Mal gelesen habe, dann komme ich von meiner Harlander Sommerfrische zurück, das Wetter wendet sich manchmal und man geht mit Schirm und Regenjacke auf das Fest, so wie heuer oder es ist noch eine Weile sommerlich schön und heiß, wie, glaube ich, in den letzten Jahren.
Die Veranstaltungen fangen wieder an, die ich dann meistens sehr ausgehungert besuche, war in den Sommermonaten ja nichts als tote Hose oder Sommerlöcher, obwohl es ja die Festspiele gibt und auch hin und wieder eine Literaturveranstaltung. Heuer war da aber nicht sehr viel, da ich ja nicht zu den Ö-Tönen nach Wien fahre oder dort bleibe. Ich habe viel gelesen und die Großen der Vergangenheit entdeckt und wenn ich jetzt so die Veranstaltungsprogramme durchsehen, muß ich wohl auch noch eine Weile warten, denn das Gerede, um die Wirtschaftskrise und die Einsparbemühungen, hat wohl auch zur Folge, daß es erst später anfängt.
Und so werde ich wohl diese Woche mehr in Wien sitzen und lesen, als zu Veranstaltungen gehen. Der Rathausplatz hat geschlossen und die Alte Schmiede und das Literaturhaus noch nicht aufgemacht und das sind auch die einzigen Programme, die ich bis jetzt bekommen habe.
Die Alte Schmiede öffnet am siebzehnten September mit ausgewählten literarischen Neuerscheinung, nämlich mit Barbara Frischmuths Roman “Woher wir kommen” und das habe ich mir natürlich schon dick angestrichen und das Literaturhaus beginnt am Mittwoch darauf mit der Verleihung des Walter-Rode-Preises, da weiß ich nicht, ob ich hingehen werde.
Diese Woche liest am 4. Emily Walton bei den ÖVP Bezirksfrauen des 6. Bezirkes, aber bei ihren Buchpräsentationen, war ich auch schon und der Residenzverlag hat mir geschrieben, daß beim Thalia eines seiner Sachbücher vorgestellt werden wird. Sonst weiß ich nicht viel Literarischen. Das heißt das Programm der Hauptbücher ist schon bekommen und da liest am Donnerstag Martin Horvath aus “Mohr im Hemd”, aber da kommt mein Fix-Klient und am Freitag liest Manfred Rumpl im Thalia und da will der Alfred nach Harland fahren, um die Gartenarbeit zu machen.
Am 12. Septemer bittet der Hauptverband in die Grünangergasse zur Verleihung des Leo Perutz-Krimipreises, da stehen Manfred Rebhandls “Das Schwert des Ostens”, Edith Kneifls “Der Tod fährt Riesenrad”, Georg Haderers “Der bessere Mensch” und dann noch Thomas Raab und Anne Goldmann, zu deren Büchern ich nichts sagen kann, auf der Shortlist und das wird wohl die Veranstaltung sein, mit der ich meinen Literaturherbst beginne, wenn ich nicht noch inzwischen von einem anderen Highlight erfahre.
Ein paar Vernissagen gibt es, glaube ich und Otto Lambauer hat mich auch zu einer in den zehnten Bezirk, wo es ja ein neues Kulturzentrum gibt, eingeladen und der “Rund um die Burg”-Literaturmarathon”, sollte am 14. und 15. September stattfinden oder doch erst am 5. und 6. Oktober?
Programm scheint es noch keines zu geben, ich habe nur bei www.buecher.at gelesen, daß es da neue Veranstalter gibt.
Also bin ich gespannt, werde wohl mit dem Alfred dieses Wochenende nach Harland fahren, um dann die zwei folgenden in Wien zu bleiben, denn am 21. und 22. September gibts die “Tage der offenen Tür” des Writersstudio mit seinen Schnupperseminaren, die ich sehr empfehlen kann und am 22. verlost Frank Gassner im Rahmen einer Grundstein-Veranstaltung Karten für die Buch-Wien und noch andere Goodies an die, die sich bei seiner Bücherkasten-Aktion beteiligt haben.
Einige Neuerscheinungen wird es wohl noch zu besprechen geben. Vielleicht kommt der neue Weidenholzer-Roman zu mir, würde mich freuen. Von Haymon habe ich ja noch einiges Altes aufzulesen, wie das Buch der Marianne Gruber und bei dem ganz Alten wartet, ja noch das erste Buch der Ruth Aspöck auf mich. So ist der Bücherherbst bei mir derzeit noch ein bißchen intensiver, als die Veranstaltungen, die erst nach und nach beginnen, obwohl ich mich, ja schon sehr darauf freue und beim Volksstimmefest, das den Veranstaltungsherbst eröffnet hat, war ich ja schon und bin sehr bereichert zurückgekommen.
Der Alfred hat auch zwei Veranstaltungen im Radio Kulturhaus gebucht und einige Veranstaltungen, die im Literaturhaus und in der Alten Schmiede im September und im Oktober stattfinden, habe ich mir auch angestrichen.
Also auf in den literarischen Herbst und natürlich das Selberschreiben nicht vergessen. Daß die “Wiedergeborene” bald erscheinen wird, hoffe ich sehr. Noch sind ein paar Fehler darin zu finden.
“Kerstins Achterl” ist zu korrigieren, bevor ich mich an die Arbeit des “Literaturgeflüster-Texte-Buchs” machen kann und der Alfred vielleicht Zeit findet, die “Paula Nebel” zu übernehmen und zu einem Buch zu machen.
Ich bin gespannt, habe vorgestern schon mit meiner ersten Herbstlesung begonnen, mich inzwischen auch zur Poet-Night am 22. September im Siebenstern angemeldet und stelle am 29. Oktober meine bis dato letzte Neuerscheinung “Die Frau auf der Bank” in der Alten Schmiede bei den Textvorstellungen gemeinsam mit Anita C. Schaubs und Andrea Stifts neuen Büchern vor.

Zum Volksstimmefest

Christoph Kepplinger

Christoph Kepplinger

Gerald Grassl

Gerald Grassl

Am Samstag hat es an den Volksstimmefesten öfters geregnet und am Sonntag war es dann wieder schön, trotzdem melde ich mich immer für den Samstag an, wahrscheinlich, weil ich es dann hinter mir habe oder, daß ich es nicht versäume und so bin ich auch diesmal mit dem Regenschirm und der Regenjacke über den Donaukanal hinmarschiert.
Das Motto war “Ihr nennt uns Menschen, wartet noch damit”, ein Jura Soyfer Zitat, der ja heuer seinen hundertsten Geburtstag hätte und so habe ich mir auch, den “Langen Brief an den Herr Kurz”, einen eher satirischen Text, der zum Thema passt zum Lesen ausgesucht und stand als dritte oder vierte auf der Leseliste.

Karin Jahn

Karin Jahn

Eva Jancak

Eva Jancak

Als erstes hätte der 1957 geborene Manfred Bauer lesen sollen, der am elften August gestorben ist. So las Christoph Kepplinger seinen Nachruf vor, dann folgte Gerald Grassl mit einem Text aus der Tarantl, der auch eine Art Nachruf auf die verstorbenen Autoren, die am Volksstimmefest gelesen haben, darstellte, Franz Kain, Eugenie Kain, Helmut Zenker, Arthur West, etc, wie soll man da fröhlich sein und feiern, lautete seine Frage.

Brigitte Schimmerl

Brigitte Schimmerl

Rudolf Lasselsberger

Rudolf Lasselsberger

Karin Jahn folgte mit einer Begegnung, die sie mit einem Autor hatte, der sein Manuskript einen Kleinverleger gab und ihm seine Vorschläge für den Frieden unterbreitete. Dann kam ich mit meinen langen Brief gefolgt von Brigitte Schimmerl, die glaube ich, zum ersten Mal las und kurze Szenen hatte, die die Gesellschaft wiederspiegeln, also das schildern, was man beispielsweise so in der U-Bahn erlebt, sowie Rudolf Lasselsberger und Stephan Eibl Erzberg, die Gedichte hatten.
Dazwischen folgte eine Rochade, denn diesmal lasen wir auf der Bühnen und nach vier oder fünf Autoren gab es einen Wechsel. Magdalena Knapp-Menzl, die ja, glaube ich, auch Schauspielerin ist, hatte wieder einen ihrer prägnanten Texte “Sie befinden sich im Hauptmenü, wenn Sie, Freiheit wollen, drücken Sie die eins. Bitte warten, bitte warten, dazwischen spielen wir ein bißchen Musik: Brüder zur Sonne, zur Freiheit, Brüder zum Lichte empor!”, sang sie mit lauter Stimme.

Stephan Eibel Erzberg

Stephan Eibel Erzberg

Magdalena Knapp-Menzel

Magdalena Knapp-Menzel

Denn 1979 geborenen und in Graz lebenden Stefan Schmitzer, habe ich ja durch das Volksstimmefest kennengelernt und dann ein paar seiner Lesungen besucht. Er las seine Gedichte aus dem Laptop vor. Dann folgte Nadine Kegele, von der ich auch schon einiges hörte, mit einem sprachlich sehr anspruchsvollen Text über das Leben einer Mutter mit zwei Kindern.

Stefan Schmitzer

Stefan Schmitzer

Nadine Kegele

Nadine Kegele

KurtO Wendt las aus dem neuen Roman, der ihm Frühjahr in einem kleinen sehr engagierten Verlag erscheinen soll und der dasselbe Personal, wie “Sie sprechen mit Jean Amery, was kann ich für Sie tun!”, den er ja im vorigen Jahr am Volksstimmefest präsentierte, hat. Magda hat das Callcenter verlassen, arbeitet jetzt bei den Wiener Linien und geht mit ihrem Chef fein essen.

KurtO Wendt

KurtO Wendt

Susanne Ayoub

Susanne Ayoub

Susanne Ayoub, die ich ja auch ganz gut kenne, las eine Szene aus einem Theaterstück, wo es auch um Unterdrückung und Ausgrenzung ging und Eva Schörkhuber, die ich vom Vorjahr kenne, hatte einen Text zu den Sommerlöchern und wie man die journalistisch mit Gummienten füllt.
Dann kam Julian Schutting mit einen Moskau Impressionen und hat glaube ich, zum ersten Mal, am Volksstimmefest gelesen.

Eva Schörkhuber

Eva Schörkhuber

Julian Schutting

Julian Schutting

Danach gab es wieder Kaffee und Kuchen am Favoritner Stand und einen Autorenplausch. Die Bruni habe ich begrüßt, eines ihrer Enkelkinder gesehen und mit Stefan Schmitzer über meinen Text diskutiert, dann ging ich zur Jura Soyfer Bühne, denn die, wo wir gelesen haben, heißt jetzt Siebensternbühne, hat aber schon einmal Jura Syfer Bühne geheißen und damals gab es auch das Bild des Autors darauf zu sehen. Auf der jetzigen Jura Soyfer Bühne, wo wir auch schon gelesen haben, traten um sechs Christoph und Lollo “Ich hab so Angst vor dem Islam” auf und um halb acht Willi Resetarits und Sabina Hank mit von Texten von Jura Soyfer und H.C. Artmann.

Helmut Rizy

Helmut Rizy

Gregor M. Lepka

Gregor M. Lepka

Am Sonntag gings gleich weiter mit dem linken Wort und einem Monsterprogramm. Das Wetter war sehr schön und daher dementsprechend mehr Leute bei der Siebensternbühne. Hilde Schmölzer, Elfriede Haslehner, Judith Gruber Rizy, etc, habe ich gesehen und mich mit ihnen unterhalten.
Begonnen hats mit einer Tonbandaufzeichnung von Sophie Reyer, die, glaube ich, in Köln oder sonstwo verhindert war. Ein sprachlich sehr schöner anspruchsvoller Text “Weiße Lappen vor den Mündern”, wenn es um die Beschreibung von der Atomkatastrophe von Fukushima ging.

Waltraud Seidlhofer

Waltraud Seidlhofer

Thomas Northoff

Thomas Northoff

Helmut Rizy folgte und seine Geschichte hat mich auch beeindruckt “Der Mensch ist es Menschens Wolf”.
Ein alter Mann, der den Ich-Erzähler in einem Wirtshaus um ein Bier anschnorrt, sagt ihm das Zitat auf lateinisch und erzählt ihm die Geschichte, wie er alles verloren hat, weil er gegen eine mächtige Firma prozessieren mußte.

Lisa-Maria Rakowitz

Lisa-Maria Rakowitz

Karin Gayer

Karin Gayer

Dann kamen Gregor M. Lepka und Waltraud Seidlhofer aus Wels, die zum ersten Mal beim Volksstimmefest gelesen haben. Gregor M. Lepka mit zeitkritischen Gedichten, Waltraud Seidlhofer mit einem ebenfalls sehr interessanten Text, in drei Teilen “Wachsen”. Im ersten Teil werden die Einkaufszentren geschildert, die alles verdrängen und die Waren, die ausgeschieden werden, weil sie nicht mehr verkaufbar sind. Im zweiten Teil wurde kurz die Armut skizziert und im dritten folgte die Utopie, daß in der Stadt Gemüse und Obst angepflanzt und so die öffentlichen Räume zurückerobert werden. Thomas Northoff hatte ein Poem mit dem Namen “Nein Eleven”, wo die Amerikaner mit S S abgekürzt wurden, stars and stripes und es um den 11. September geht.

Ludwig Laher

Ludwig Laher

Lisa Lercher

Lisa Lercher

Dann folgte wieder ein junges mir unbekanntes Literaturtalent, Christoph Kepplinger scheint da seine Beziehungen zu haben und sehr viel solche zu kennen.
Lisa-Maria Rakowitz, 1988 in Villach geboren und in Wien lebend, die sowohl Medizin als auch Germanistik studierte und Gedichte zum Leben hatte, wo das letzte, ein Herbstgedicht, auch den Wunsch ausdrückte, Obst zu essen und von der Autorin als hoffnungsvoller und versöhnlicher angekündigt wurde.
Karin Gayer war mir ebenfalls unbekannt. Sie wurde 1969 geboren, hat bei Arovell veröffentlicht und brachte auch sozialkritische Gedichte zum Thema vor.

Johannes Schrettle

Johannes Schrettle

Max Höfler

Max Höfler

Während Ludwig Laher, der jetzt wieder ein neues Buch bei Haymon herausgebracht hat oder bringt, sich mit seinem Text direkt auf Jura Soyfer bezog. Denn der hat mit dreiundzwanzig Jahren, 1935 ein Theaterstück geschrieben, das 2035 heißt und darin macht er sich in Form einer Geschichtsstunde über die Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts lustig, wo die Leute alle auf der Straße mit “Heil Hitler” oder “Heil Staremberg” grüßten und damit eine seltsame Heilslehre ausdrückten. Die Schüler treffen die jungen Mädchen von der Venus auf ein Rendezvutscherl und als der Lehrer fragt “Was wissen Sie über die Kultur der Neunzehndreißigerjahre?”, sagen die nichts und bekommen ein sehr gut dafür.

Lale Rodgarkia-Dara

Lale Rodgarkia-Dara

Gerhard Ruiss

Gerhard Ruiss

Die Krimiautorin Lisa Lercher, die schon einige Krimis bei Milena hat, von denen ich auch einige gelesen hatte, hatte einen Praterkrimi in “Tatort Prater”, der am Volksstimmefest spielt. Eine alte Feministin kommt nach Wien zurück und trifft dort einen Mädchenbeschneider, den die Damen dann am Klo überwältigen und offenbar kastrieren. Als es besonders spannend war, waren die acht Leseminuten dann zu Ende.
Johannes Schrettle und Max Höfler auch zwei jüngere Literaturtalente, von denen ich Max Höfler schon einmal am Volksstimmefest hörte, hatten einen Gemeinschaftstext und Lale Rodgarkia-Daras Text hatte wieder mit Jura Soyfer zu tun, er war aber sehr theoretisch, so daß ich ihn nicht ganz verstanden habe. Gerhard Ruiss präsentierte Kurzgedichte und erinnerte an Arthur West und Werner Herbst, er begrüßte auch Edith West, die im Publikum saß, dann folgte Rolf Schwendter, der auf die Poet Night hinwies, die am 22. September im Siebenstern stattfinden wird, zu der ich mich gleich angemeldet habe und dann eines seiner Anlaßgedichte “Ihr nennt uns Menschen, laßt euch Zeit damit”, in der bekannt Schwendterischen Manier vortrug.

Edith West

Edith West

Rolf Schwendter

Rolf Schwendter

Der anschließende Tratsch bei Kaffee und Kuchen war wieder sehr interessant und literarisch intensiv. Gerald Grassl hat uns Belegxemplare der “Tarantel” gegeben, wo Lutz Holzinger einen Artikel über Jura Soyfer hat und Alfred das Foto beisteuerte, daß er während der Lesetheateraufführung “So starb eine Partei” aufgenommen hat.
Mit Julija Rabinowich habe ich bei der Siebensternbühne über den Alpha-Literaturpreis gesprochen, während “Nino aus Wien” sang und total viele Zuhörer hatte und auch bei “Attwenger” auf der Jura Soyfer Bühne war es total voll. Wir sind dann etwas früher gegangen und haben den lieben Rudi, Traude Korosa, Ludwig Laher und einen Krimiautor in der Straßenbahn getroffen und jetzt habe ich noch ein paar liebe Mails von Nadine Kegele bekommen.
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Der rosarote Balkon

“Der rosarote Balkon” das neue bei Wieser erschienene Buch, des 1955 in Kärnten geborenen Axel Karner, der in Wien als Religionslehrer und Autor lebt, GAV-Mitglied ist und mich immer auf seine Veranstaltungen aufmerksam macht, könnte man als Kurzgeschichten des Dorfes und dichte eindrucksvolle Erzählungen, des Kärntner Alltags bezeichnen.
Ich tue das, komme ich ja von der Psychologie, sowie dem realistischen Beobachten her und habe weder Germanistik noch vergleichende Literaturwissenschaft studiert.
Ingeborg Kofler, die den Klappentext verfasste, tut das sicher viel poetischer.
“Brechen, schneiden, zerren, reißen. Auseinanderzunehmen gilt es das entstellte Gefüge zwischen Häusern und Höfen, Kirche, Tenn und Gasthaus, abzutragen den dumpfen Ton der ins große Geläut gegossenenen Erstarrung.”
Trotzdem haben mich die vierunzwanzig Prosatexte, manchmal ist auch ein Gedicht dabei, sehr beeindruckt und mir eine sehr intensive Badewannenstunde bereitet.
Jetzt kann ich sie mir mir noch ein bißchen besser vorstellen, die Gewalt und die Grausamkeit, die in den Kärntner Dörfern in den Fünziger und Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts herrschte und die es vielleicht immer noch gibt. Denn Axel Karner weiß sie in scharfen Bildern sehr eindrucksvoll heraufzubeschwören und es beginnt, Axel Karner ist offenbar ein Pfarrerssohn, zumindest wird in dem Buch sehr viel von einem Pfarrer berichtet, der offenbar der Vater ist, mit einem Bibelzitat “Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.” Johannes 1, 14.
“IM FEBER STEIGT DIE lUST DER EINHEIMISCHEN AM TÖTEN SIE WARTEN BIS WANDERER UNTER IHREN DÄCHERN INNENHALTEN…”, geht es dann in Großschrift weiter, um mit dem ersten Text scheinbar friedlicher zu werden, denn da besucht ein Pferd das Gasthaus und wartet auf den Zucker “Geah schon, geah in Stall, hast gnua gebettelt fia heit.”
Der rosarote Balkon, des Buches Namengeber, taucht in der zweiten Geschichte auf.
Dann wird der Kirchplatz beschrieben, der für ein Dorf sicherlich ein wichtiger Ort ist.
“Zuerst war das Wirtshaus. Die Kirche steht höher als das Wirtshaus, sie hält über alles ihren Blick.”
Dann kehrt der Vater in kurzen Hosen und festen Schuhen him und die kleine Schwester wird zum Glockenläuter geschickt.
“Aha, Dorfgeschichten!”, habe ich mir gedacht und das mit Bleifstift aufnotiert, damit ich das später gut besprechen kann.
Die Schwester wird dann noch mit dem Fahrad auf die Post geschickt, um die Asche des Kornels abzuholen, denn “das Pfarrhaus wurde benachrichtigt, das Paket innerhalb einer bestimmten Frist zu holen”
In die Grausamkeit des Dorfes spielt also auch die, der Geschichte hinein und beide hängen wohl auch sehr zusammen, denn “in der Kirchenmauer sind die Tafeln derjenigen eingelassen, die zitternd heimfanden. Das Hakenkreuz haben sie bis heute nicht eliminiert.”
So schiebt das “Schwesterlein bergwärts das Rad und traut sich nicht zu fahren, hat doch die Beamtin “Bitte pietätsvoll behandeln”, vorher zu ihr gesagt. Obwohl für “Kornel kein Platz in der Mauer ist.”
Und um zum Dorfalltag wiederzurückzukommen: “Fressen, saufen, Kindermachen – egal wo und wann!”, wird da der Sinn des Lebens sehr einfach erklärt, während der Vater “eine Handvoll Erde wirft.
So haben Arzt und Inspektor auch miteinander zu plaudern, wenn das “Kind ausgeweidet auf der Tenne hängt und sich die Organe in einer Emailschüßel befinden.”
“Daschreckn S nit!”, denn es wird gleich wieder viel banaler.
Heinz Conrad begrüßt die Einsamen, Kranken, Mädchen und Buben und die Mutter hat ihre Woche nach Sendungen eingeteilt.
Das Beinhaus wird beschrieben, das abgerissen und neu gebaut werden soll, denn “der Krieg hat nicht viele heimgebracht. Der Pfarrer spricht den Segen und der Vater möchte in dem gedüngten Boden Kartoffeln setzen.”
Ja, der Alltag und die Grausamkeit liegen dicht beieinander. So, daß der Totengräber zum Pfarrer kommt und sagt, mit dem Grab, das er aufgraben soll, kann etwas nicht stimmen, denn die Leiche, die drinnen liegt, ist höchstens fünfe und keine zwanzig Jahre alt, wie sie es eigentlich sein sollte. Der Rest ist Schweigen bis die Kinder kommen und beim Graben zusehen wollen “Geahts weg!”, ruft der Totengräber-
“Wann ana einefallt, was nocha?”
Das ist wohl die Frage, die man sich stellen kann, wenn man den Sinn des Lebens sucht.
“Fressen, saufen, Kindermachen oder das Wort von Johannes 1, 14”.
Man kann es sich wohl aussuchen, je nach Geschmack und Weltanschauung und bleibt, wenn man das Buch weggelegt hat, noch eine Weile tief beeindruckt.
Denn da hat sich ein leiser und dennoch sehr eindrucksvoller Ton in die vielen Herbstneuerscheinungen eingeschlichen. Auf der Longlist des deutschen Buchpreises ist das Buch nicht zu finden, wohl aber auf der ORF Bestenliste für September. Da hat es Edith Ulla Gasser vorgeschlagen und ich kann mich ihren Urteil nur anschließen.
Schreiben ja so viele, man kann nicht alles lesen und das Leise, bleibt auch, wenn es so eindringlich, wie Axel Karners Kurzprosa ist, oft verborgen. So bin ich dem Autor sehr dankbar für seine Informationen und bedanke mich auch sehr für die schnelle Zuschickung des Buches, als ich ihn fragte, ob er es mit mir tauschen oder mir für eine Besprechung im Literaturgeflüster schicken will?
Axel Karner ist, wie erwähnt ein GAV Kollege. Ich glaube, das erste Mal habe ich seinen Namen gehört, als ich 1992 in der Jury für das Nachwuchsstipendium war, dann ist er nach Wien gezogen und hat auch bei der von mir organisierten “Tag der Freiheit des Wortes”-Veranstaltungen gelesen. Bei der Poet Night tut er das manchmal und da haben mich seine Kriminalgeschichten, ja zum “Novembernebel” inspiriert, dem das Buch auch gewidmet ist.
Die Lissabonner Gedichte “Die Stacheln des Rosenkranzes” habe ich mit ihm getauscht und “Chanson Grillee” wurde, glaube ich, bei einer Podium Veranstaltung im Wieser Verlag vorgestellt.
Axel Karner hat aber noch mehr Publlikationen aufzuweisen und ist auch Mitglied bei den Dialektautoren, wie beim Österreichischen Schriftstellerverband.

Engel und Dämonen

Es ist nicht ganz leicht in den vierten Mayor Schäfer Krimi, des 1973 in Kitzbühel geborenen und in Wien lebenden, Georg Haderers hineinzukommen, obwohl oder weil im Beschreibungstext steht “23 Tage und noch immer keine Spur von Mayor Schäfer..”
Was soll die Realistin damit anfangen? Im ersten Kapitel ist Johannes Schäfer einundzwanzig und irrt irgendwo in Tirol erinnerungslos herum, in den späteren Kapiteln wird er am Boden kriechen und sich von Pilzen ernähren, während im zweiten Kapitiel, sein Assistent, Chefinspektor Bergmann in seinem Büro sitzt und mit seinem Team über alle Fälle spricht, die er zu erledigen hat.
Da gibt es einen Bürgermeister, der mit zwei Promille in ein Möbelhaus krachte und einen Richter, der dazu sehr viel Beweismaterial schickt, einen Kroaten mit durchbissener Halsschlagader, der vor dem AKH gefunden wird, eine Frau fällt aus einem Fenster und Schüler stellen das Video ins Internet, ein Ehepaar wird erschossen und ein Jugendlicher tötet mit ihrer Waffe noch schnell ein paar Albaner u.u.u.
Ein paar der Fälle passieren auch erst später. Das Team wird vorgestellt, die sechsundzwanzigjährige Inspetektorin Kovac, der Vorgesetzte Kamp, der Bergmann zum Teamleiter macht und ihm den Auftrag gibt offiziell oder inoffizell nach dem Verschwundenen Mayor, der für seine unkonventionellen Methoden bekannt war, zu suchen, ein unfähiges Produktionskind, das von einer Schulung zurückkommt, gibt es auch.
Nach und nach erfährt man die Details und kommt die Geschichte, die meiner Meinung nach ein wenig umständlich erzählt wird, so daß die Spannung, wenn überhaupt erst in der zweiten Hälfte auftaucht, hinein.
Zuerst recherchiert Bergmann mit seiner Assistentin die Fälle, geht zum Gürtelkaiser Müller, der eigentlich einen jugoslawischen Namen hat, läßt sich von ihm auch bestechen, trennt sich von seinem Freund und betrinkt sich sosehr, daß er ein Auto beschädigt, dann selber einen Alkoholtest verlangt und das Gelübde ablegt, eine Zeilang nicht Auto zu fahren, was er dann nicht einhält.
Aber auch die Frau Inspektor hat einen Bruder, der in Stein als verurteilter Mörder sitzt und vom Sarkasmus und ungewöhnlichen Polizeimethoden, ist auch in der Beschreibung und in den wenigen, sehr ähnlichen Rezensionen, die ich gefunden habe, die Rede.
Es gibt in den vierundsechzig Kapitel, wie schon erwähnt, einen Perspektivenwechsel, in einem Teil irrt Schäfer Gedächtnislos herum, im zweiten ermittelt Bergmann, zuerst andere Fälle, bis er später auch durch Schäfers Familie, die schon einen Privatdetektiv engagierte, getrieben, zum Kern der Sache kommt. Auch durch einen Fall, denn da wird ein IT Spezialist von einer Lampe erschlagen, während er an einer Bombe bastelte und dadurch kommt man an einem esoterischen Geheimbund, von dem schon der Wiener Neustädter Richter schwafelte und der Bombenbastler hat ein Amulett, das man auch bei Mayor Schäfer findet.
Der war aber auch psychisch sehr labil, so besucht Bergmann dessen Therapeuten, ob das Psychiater oder Psychos sind, kommt wieder nicht so klar heraus. Bergmann übernachtet in Schäfers Wohnung, in die vorher eingebrochen wurde und trinkt einen Tee, durch den er zu halluzinieren beginnt. Es erscheint ihm Schäfers Geist, der “Töte meine Dämonen nicht!”,mahnt und ein Motto, wenn du meine Dämonen killst, zerstörst du auch meine Engel, gibt es ebenfalls.
Bis daher sehr verwirrend und ich habe mich ein bißchen durch die Handlung gequält und mich immer wieder weggezappt. Im zweiten Teil wird es etwas spannener, die Nebenhandlungen fallen weg und Schäfers Pudel kommt allmählich auf den Kern, könnte man so sagen.
Da gibt es nämlich diesen Geheimbund mit Amuletten und die Amulettträger, die sich für Erzengel oder so halten, werden nach und nach umgebracht. Schäfer hat im Waldviertel auch ein esotertisches Seminar besucht und taucht dann in der Schweiz auf, wo er sein Gedächtnis allmählich wiederfindet, bzw. Bergmann ihm auf die Spur kommt.
Der macht auch einigen Blödsinn, will einen Kellner verführen, kommt aber Schäfer immer näher und der scheint selber sehr viel Dreck am Stecken oder ist seine esoterische Veranlagung, denn er hat ja seine Fälle schon früher, sehr ungewöhnlich aufgeklärt, zu haben.
Ganz lösen sich die Geheimnisse dieses Krimis nicht. Es gibt aber ein Sturmflut und eine Überschwemmung. Bergmann findet Schäfer, der inzwischen sein Gedächtnis wieder hat und läßt ihn ins Sozialmedizinische Zentrum, das glaube ich, inzwischen Otto Wagner Spital nicht mehr Baumgartner Höhe heißt, aber das ist für die deutschen Leser und die der Bundesländer, wahrscheinlich zu unbekannt, einweisen.
Am Schluß wird Schäfer rehabilitiert, er hat offenbar doch nicht gemordet und kann vielleicht auch Kommandant im Waldviertel werden und ganz am Schluß kommt noch heraus, daß ein Freund Schäfers, der achte Amulettträger war und eine geheimnisvolle Frau, deren Identität nicht ganz aufgeklärt wird, gibt es auch.
Sehr verwirrend und für einen Krimi sehr vielschichtig angelegt, werden da ja, wie es weiter in der Beschreibung heißt, die Polizeimethoden mit der Esoterik verknüpft und es gibt auch eine Stelle, wo Naturkathastrophen mit Bibelzitaten unterlegt werden.
Sehr ungewöhnlich also und so habe ich schon Georg Haderer ersten Schäfer Krimi empfunden, als ich vor Jahren einmal bei einer Kriminacht in der Buchhandlung Morava war.
“Engel und Dämonen” ist der erste Krimi, den ich, weil von Haymon als E-book, zugeschickt, gelesen habe. Eigentlich wollte ich das ja schon im Juli an einem Wochenende tun und habe mit Georg Haderers Homepage, wo es die ersten Kaptiel zur Probe gab, begonnen. Dann konnte ich den Text nicht öffnen, inzwischen habe ich das Buch in Wien liegen und einen besserern E-Book Reader, der auch der Form nach, einem Kindle ziemlich ähnlich sein dürfte.
Auf der Homepage kann man etwas von einem Lob von Clarissa Stadler lesen, das den Autor ein wenig eingebildet machte, das dazupassende Video war aber nicht mehr aufrufbar.
Krimi drei ist aber auf der Shortlist für den Perutz-Preis und aus “Engel und Dämonen” wird er bei der heurigen Kriminacht lesen.
Wahrscheinlich sollte man, um sich bei dem Buch auszukennen, auch seine Vorgänger gelesen zu haben. Ein ungewöhnliches Krimitalent scheint Georg Haderer aber zu sein und ich tue mir wahrscheinlich immer ein wenig schwer, wenn etwas nicht ganz so total nachvollziehbar ist. Denke mir, gibt es das, daß ein Polizeimayor so labil sein kann? Die Erfahrung lehrt mich aber, daß das in der Realität wahrscheinlich öfter ist, als es üblicherweise, die Kriminalromane beschreiben. Da sind die Kommissare ja meistens harte super Burschen und so ist die esoterische Ader, dieses Polizeimayors wahrscheinlich eine orignielle Idee. Und, wie es mit Krimi fünf weitergehen wird, wie sich ja manche Rezensenten fragen, wird uns Georg Haderer vielleicht in einem Jahr verraten.

Der Scholar vom linken Galgen

Scholar vom linken Galgen wurde der berühmte Balladendichter Francois Villon, der eigentlich Francois de Mountcourbier oder Francois de Loges geheißen haben dürfte und von 1431 bis 1463 lebte, genannt, es gibt eine gleichnamige Ballade, die am Beginn von Fritz Habeck gleichnamigen Buchs, das Schicksal Francois Villons steht, das der 1916 in Neulengbach geborene, 1941 veröffentlicht hat.
Rudolf Kraus schreibt dazu in seiner Buchkritik von 2005, daß das Buch, obwohl die Nazis ja Blut und Boden Heimatdichtung förderten, 1941 bei Zsolnay erscheinen konnte. Ich habe eine Büchergilde Gutenberg Ausgabe von meinen Eltern geerbt und von Habeck schon den “Ritt auf dem Tiger” gelesen, da ich mir einmal auf dem Stattersdorfer Flohmarkt kaufte.
“Der Scholar vom linken Galgen” ist ein sehr interessantes Buch und wirkt obwohl es schon so lange geschrieben wurde, noch immer sehr frisch erzählt, das liegt wohl daran, daß es der Autor als sehr junger Mann geschrieben hat und an Francois Villons Lebenslauf, der für mich bisher eine Legende war. Man kennt manche seiner Zitate und als ich im Buchkatalog nachschaute, fand ich einige seiner Balladenausgaben, die aber hauptsächlich Alfred gehören dürften, ich habe, glaube ich, in den Bücherschachteln der Edith Brocza, einen Villon gefunden, aber noch nicht gelesen und auch, ganz ehrlich, gar nicht realisiert, daß das ein mittelalterlicher Dichter war, von dem immer noch soviel die Rede ist.
Dank Fritz Habeck habe ich jetzt eine Wissenslücke aufgeholt und ich denke, das Buch liest sich sicherlich viel frischer, als die Blut- und Bodennovellen, von denen ich auch einige geerbt und zum Beispiel Jelusichs “Chromwell”, vor einigen Jahren gelesen habe.
Das Buch ist in sieben Abschnitten gegliedert, denen jeweils eine Villon-Ballade vorangestellt ist, die von Richard Dehmel, K. L. Ammer, aber auch vom Autor selbst, übersetzt wurden.
Das erste Kapitel schildert die Geburt des Dichters, in dem armen, vom Krieg mit den Engländern zerbeutelten Paris, das Kind wird von einem Freudenmädchen notgetauft, für die richtige Taufe verlangen die Kleriker zu viel Geld, so daß die Mutter zu Guillaume Villon, einem Geistlichen geht, der in dem Buch der Vater des Kindes ist.
Wikipedia schreibt nur etwas von mittellosen Eltern. Das Kind wächst in Paris auf der Straße auf, übt sich in Bandeskämpfen, überlebt die Pest, wärmt sich in Freudenhäusern und läßt sich von den Mädchen dort Geschichten erzählt. Dann nimmt ihn der Stiftsherr und Rechtslelehrte Guillaume Villon in die Lehre, dessen Namen er später annimmt, lernt schreiben und Virgil auswendig, macht sein Baccelaureat und beginnt zu studieren. Er wird Maistre und fängt zu dichten an.
Habeck schildert auch sehr ausführlich seine Erlebnisse mit den Frauen, die als sehr freisinnig geschildert werden, was, wenn man bedenkt, daß das Buch 1941 erschienen ist, sehr beeindruckend ist. Da gibt es eine Margot, die Inhaberin eines Freudenhauses, eine Catherine, die er begehrt, die ihn verschmäht und auch betrügt. Überhaupt betrügen in dem Buche alle alle und es werden einige sehr freimütige Szenen geschildert, wo sich Villon unter dem Bet versteckt, als der Ehemann, der Dame mit der es treibt, erscheint, dann pumpert er dagegen, der Mann holt den Geistlichen und Villon setzt das Liebesspiel fort, etc.
Die Ämter und die Würden scheinen Villon nicht gelegen zu sein, er scheint, sowohl die Obrigkeit, als auch die Frauen, obwohl er große Gönner hatte, durch seine Spottgedichte erzürnt zu haben, es kommt zu einem Totschlag, Villon muß fliehen, wird aber durch seine Gönner begnadigt, trotzdem schließt er sich verschiedenen Verbrecherbanden an, er wird verhaftet und gefoltert, verbringt einige Zeit in bischöflichen Gefängnissen, wo es auch zum dem Spottnamen kam. Vor der Hinrichtung wird er immer wieder begnadigt, er lebt an mehreren Dichterhöfen, wird immer kränker und nach einem letzten Todesurteil, verbannt, so daß er nach dem er die berühmten Worte “Ich bin Franzose, was mich bitter kränkt” geschrieben hat, Paris verläßt und sich die Spuren verwischen.
Spannend, spannend, nach so viel Nostalgie an die Monarchie und das vergangene Österreich, dieses Sommers, ein Buch, das in der Nazizeit erschienen ist, zu lesen, daß sich mit einem sehr freimütigen französischen Dichter beschäftigt und das ich zur Lektüre auch sehr empfehlen kann.
In den Bücherkästen kann man vielleicht eine der alten Ausgaben finden, ich glaube, es ist aber auch bei Otto Müller 2004 erschienen und vielleicht immer noch erhältlich.

Letzte Sommerfrischenwoche und neue österreichische Literaturtalente

Jetzt gehts bald in die letzte Ferienwoche, dieses Sommers, der ja trotz aller Hektik, bezüglich der Pflege von Alfreds Vaters, sehr schreibintensiv war und ich korrigiere auch gerade an der Wiedergeborenenen, habe mir “Kerstins Achterln” neu ausgedruckt und für das Literaturgeflüster-Texte-Buch sind auch ein paar neue Texte hinzugekommen, das ich ja als nächstes fertig machen will und während ich in Harland weitab vom literarischen Geschehen geruhsam auf der Terrasse sitze und alte Bücher lese, als nächstes steht noch eine Villon-Biographie von Fritz Habek an, bevor ich mir aussuchen werde, ob ich Georg Haderers “Engel und Dämonen”, als E-Book oder in Printform lesen werde, denn der Alfred hat mir jetzt einen neuen E-Bookreader installiert, so daß ich die Auswahl habe, hat um mich herum die Herbstproduktion angefangen und da erlebe ich derzeit meine Überraschungen, gibt es ja nicht nur die zwanzig Langlisttitel für den deutschen Buchpreis, auf der auch Clemens J. Setz “Indigo” steht, das überall sehr gelobt und gelesen wird, obwohl es noch gar nicht richtig erschienen ist. Den neuen Krimiskandal mit den verschiedenen Meinungen über Schlüßelromane, schlechte Bücher und das Verwenden von Pseudonymen gibt es auch und das ist ja eine sehr widersprüchliche Geschichte mit einer angeblichen Übersetzerin und einen schwedischen Originaltitel, den es nicht gibt, einer Hunderttausendstückauflage und dazu einen Autor, der keine Interviews gibt, scheinbar sehr naive Journalistenfragen und dann die sehr schnelle Abklassifizierung als schlechten Roman. Interessant ist auch, daß das Buch, auf einer Vorableseliste war und als die Diskussion begann, hat es der Verlag von dort wieder hinuntergenommen und den ausgewählten Vorablesern ein anderes Buch versprochen.
Daß man sehr viel tun muß, um ein Buch unter die Leute zu bringen, habe ich schon begriffen, deshalb bin ich nicht erfolgreich, denn ich schreibe ja sehr unbemerkt vor mich hin und bringe meine selbstgemchte Fünfzigstückauflage kaum an.
Dann höre ich aber Ex-Libris und da wird ein bei DVA erschienenes Buch eines Martin Horvath “Mohr im Hemd oder wie ich auszog um die Welt zu retten” vorgestellt, ein Roman über die sehr wichtige Asylfrage, von einem Autor, von dem ich noch nie etwas gehört habe und ich kenne mich in der Literatur ja ganz gut aus und glaube auch Bescheid zu wissen, wie der Betrieb läuft.
Es gibt aber eben immer wieder Überraschungen und Senkrechtstarter und das trifft bei Marjana Gaponeko gar nicht zu, denn die hat ja 2009 bei Residenz “Annuschka Blume” herausgebracht und jetzt bei Suhrkamp “Wer ist Martha” und die 1981 in Odessa geborene Autorin, scheint auch eine Zeitlang in Wien gelebt zu haben, zumindestens spielt ihr neuer Roman dort.
Also Neuerscheinungen, wo hin man sieht, wenn man da nur auf die Buchpreisliste fixiert ist, bekommt man vieles nicht mit. Ich lese aber Blogs und da wird derzeit auch Vea Kaisers “Blasmusikpopp oder wie die Wissenschaft in die Berge kam” viel besprochen und auch diese Autorin war mir unbekannt, wurde 1988 geboren und hat in Wien studiert. Ihr Debut ist bei Kiepenhauer und Witsch erschienen und sie scheint schon in Hildesheim Schreiben zu unterrichten oder dort zu coachen.
Wow, wie machen das die anderen nur? Da könnte man ja neidisch werden. Wenn man auf You Tube geht, sieht man eine schöne junge Frau, die beim Burgtheater mit der Straßenbahn fährt und den Unterschied zwischen dem euporischen und dem manischen Schreiben erklärt.
Da kenne ich auch beide Phasen ganz gut und würde sie auch als sehr ähnlich empfinden. Also nicht abschrecken lassen und weitermachen, im Literaturgeflüster und mit meinen Buch-Projekten und da kann ich auch flüstern, daß sich schon Ideen für das nächste Work in Progress sammeln, an dem ich ich erst nach dem Literaturgeflüster-Texte-Buch schreiben will und dazwischen die “Paula Nebel” und “Kerstins Achterl” korrigieren, wenn ich mit der “Wiedergeborenen” fertig bin.
Zu lesen habe ich auch sehr viel, bin ich jetzt ja in der Haymon-Vorableseliste und da warten noch zwei Krimis auf mich und Ingrid Führer, die mich im März angeschrieben hat und mir einige Krimis zum Rezensieren angeboten hat, hat mich zum Leo Perutz Preis eingeladen, der am 12. 9. im Hauptverband vergeben wird.
Da wäre ich zwar ohnehin hingegangen, lese ich ja regelmäßig www.buecher.at, aber vielleicht macht sie auch die Pressearbeit für den Alpha Literaturpreis, das wäre ja sehr schön und da habe ich gerade nachgesehen, ist Marjana Gaponeko mit “Annuschka Blume” im letzten Jahr, wo sie mich nicht hineingelassen haben, auf der Shortlist gestanden.
Jetzt gibts noch ein paar Ferientage mit zwei Büchern und viel Korrigierarbeit, bevor es zum Volksstimmefest geht und dafür habe ich mir den “Langen Brief an den Herrn Kurz” schon ausgedruckt. Zur Erinnerung, ich werde am Samstag als Dritte lesen. Als erster wäre Manfred Bauer dran gewesen, aber der ist am 11. August ganz überraschend verstorben und hat auch politische Krimis geschrieben, die vielleicht nicht so bekannt geworden sind.

Der Engel mit der Posaune

Weiters gehts mit der Lektüre aus den Vierziger- und Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, diesmal ist es ein Buch aus dem offenen Bücherschrank von Ernst Lothar und von dem 1890 in ‘Brünn geborenen und 1974 in Wien gestorbenen Autor, der auch Direktor des Theaters der Josefstadt war, habe ich schon einiges gehört und als es das Antiquariat “Buch und Wein” noch gab, auch dort nach seinen Büchern gesucht. Vom “Engel mit der Posaune” habe ich auch schon einiges gehört, ich glaube, er war mal als Fortsetzungsroman im Radio und dann habe ich die Verfilmung mit Paula Wessely als Henriette im Fernsehen gesehen. Das Buch, das, was ich interessant finde, 1949 im Verlag “Das Silberboot” herausgekommen ist und auch Werbung für die von Ernst Schönwiese herausgegebene gleichnamige Zeitschrift macht, hat ein Nachwort des Verfassers, das mit New York, 7. Dezember 1945, datiert ist, wo er schreibt, daß das Buch 1944 auf Englisch in New York erschienen ist und alles “Bis auf Namen, Daten und Ereignisse, die der Geschichte angehören ist alles Spiel der Einbildung, frei gfabelt und geformt” wurde und der Engel mit der Posaune, ist ein Steinwappen, das das Haus Seilerstätte Nummer 10, ziert, in der die Klavierbauerfamilie Alt mit ihren Verwandten lebt.
In drei Teilen wird nun der Untergang Österreichs und die der Familie geschrieben, bzw. der “Roman eines Hauses” erzählt, da am Schluß die Nazis kommen, die alte Frau Alt ermorden, den Sohn Hans enteignen und dem Engel den Kopf abschlagen.
Beginnen tut es scheinbar fröhlicher, am 9. Mai 1888, mit einer Hochzeit, denn da will Franz Alt Henriette Stein heiraten und pilgert zu der Familie, um die Erlaubnis zu bekommen, dem Haus einen vierten Stock aufzusetzen, damit er mit seiner jungen Frau dort leben kann.
Die ist aber jüdischer Abstammung, hat einen schlechten Ruf und auch ein kleines oder größeres Geheimnis, hat sie doch Kronprinz Rudolf, der sich gerade mit Mary Vetsera in Mayerling ermordete, sagen wir einmal sehr gut gekannt, so daß sie ihre Hochzeitsreise unterbrechen muß und zum Kaiser zur Audienz bestellt wird.
Es gibt dann noch einmal ein Gspusi, bzw die Aussage eines Schulfreundes der dem Gymnasiasten Hans, der noch an den Storch zu glauben scheint und von der Geburt seiner Schwester Martha Monica erzählt, daß der Graf Traun der Storch seiner Mama sei, worauf Franz Alt, den Grafen zum Duell fordert und erschießt.
Dann kommt der erste Weltkrieg, Vater und Sohn müssen ins Feld und als Henriette ihren Franz vom Bahnhof abholt, reißen ihm die empörten Arbeiter die Kokarde von der Uniform, worauf er einen Schlaganfall erleidet und nicht mehr sprechen kann.
Der liberalere Sohn Hans, der die Firma übernimmt, aber vorher mit Adolf Hitler, sich um Aufnahme an der Kunstakademie bewarb und mit ihm abgewiesen wurde, obwohl sein Onkel in der Aufnahmejury saß, verheiratet sich mit der jüdischen Trafikantentochter und Schauspielerin Selma, die am Burgtheater, die heilige Johanna spielen darf, dabei aber ermordet wird.
Der Verdacht richtet sich zuerst auf Henriette, es war aber der Bruder Hermann, ein glühender Nazi, der dafür gehängt wurde, weil er auch an der Ermordung Dollfußs beteiligt war.
Henriette will aus dem Haus ausziehen, weil sie der Geist Selmas nicht schlafen läßt, wird aber von der Familie daran gehindert, als sie aber nach der Machtübernahme der Nazis zum Familienfest erscheinen will, wird sie von der deutschen Cousine hinausgeworfen und später, wie geschrieben, von den Nazis ermordet, weil die in ihren Schreibtisch wollen, aber da liegen ja einige Briefe vom Kronprinz Rudolf, vom Grafen Traun und natürlich auch die ihres seligen Mannes.
ein interessantes Buch, das natürlich hautnah von den Tramatisierungen, die Österreich damals erfuhr, zu berichten weiß und heute wahrscheinlich nur mehr im antiquarischen Zustand zu bekommen ist. Mein Exemplar macht einen ziemlich zerlesenen Eindruck und von Ernst Lothar habe ich inzwischen auch die “Mühlen der Gerechtigkeit” gefunden, auf das in dem Buch auch hingewiesen wird.

Die Nacht von Olmütz

Gustav K. Bieneks Roman “Die Nacht von Olmütz, 1946 erschienen, ist, in der Ausgabe von 1951, eines der Büchergilde-Gutenberg Bücher, die ich von meinem Vater erbte und das ich schon immer lesen wollte.
Jetzt habe ich mir ja einen Anlauf gegeben und aus den Büchern ein paar für meine Leselisten herausgeholt und an Olmütz sind wir ja auch bei unserer Sechs Länderreise durchgefahren und dann war das Buch auch ganz zufällig an der Reihe, so daß ich es vorige Woche zu lesen begonnen und auch auf unser Slakdy Wanderwoche, das uns vom Gleinkersee ins Linzer Haus führte, mitgenommen habe und da wir uns am Samstag doch nicht auf den Warschenek, sondern nur auf den Stubwieswipfel trauten, wo wir schon nach zwölf wieder auf der Hütte waren, habe ich es auf den Rundwanderweg mitgenommen und es Kaptitelweise von einer Bank zur anderen und dann noch ein paar Kapitel vor dem kleinen See gelesen, den es gleich bei der Hütte gab.
Ein interessanter Lesenachmittag, obwohl es thematisch weder in die Zeit noch in die Landschaft passt, denn “Die Nacht von Olmütz”, spielt in der Nacht vom 30. November 1948 zum 1. November in dem Olmützer Schloß in das sich die Habsburger Kaiserfamilie nach der Revolution von 1948 zurückgezogen hat und schildert in sechzehn Kapiteln, das, was in dieser Nacht passiert sein könnte, um den achtzehnjährigen Erzherzog Franzi am 2. Dezember 1948 zum Kaiser Franz Joseph zu machen, was er da dann ja sehr lange war.
Die Kaiserfamilie, Kaiser Ferdinand I, sein Bruder Erzherzog Franz Karl, seine Frau Erzherzogin Sophie, Erzherzog Franzi etc sind mit dem Gefolge in eines der kaiserlichen Schlößer ins Olmütz geflohen und der 1920 geborene Schriftsteller und Journalist Gustav Karl Bienek, der auch Kulturredakteur der Arbeiterzeitung war, beschreibt das Ganze sehr ausführlich und gibt auch ein bißchen Geschichtsunterreicht.
Die Revolution von 1948 ist gescheitert, das Volk, die ehrgeizige Erzherzogin Sophie und die Hokamarilla, Fürst Windischgrätz, Fürst Schwarzenberg, Baron Jellacic etc, wollen Veränderungen, denn der Kaiser ist schwach und gütig, so war, glaube ich, sein Beiname, “pascht” am liebsten von seinen Regierungsaufgaben ab und der ganze Hof muß ihn dann suchen und findet ihn auch meist am Kohlmarkt wieder, sein Bruder Franz Karl, der der nächste Thronanwärter ist, ist auch irgendwie eigenartig, denn er schnitzt am liebsten Holzpferde und Schiffe und beschenkt damit seine Kinder zu Weihnachten, ist aber eher liberal und die ehrgeizige Erzherzogin will mit ihrer Kamarilla im Bund ihren Sohn zum Kaiser machen.
Der Kaiser ist auch bereit abzudanken und so rennt Sophie mit dem Verzichtsdekret in der Kleidertasche jede Nacht zu ihrem Mann, offenbar hatten sie kein gemeinsames Schlafzimmer, um ihn zur Abdankung zu überreden.
Der will aber nicht, sagt, das regelt sich von selbst, empfängt auch den Innenminister, einen ehemaligen Revolutionär und so passiert in der Nacht zum ersten Dezember in Olmütz angeblich sehr viel.
Ob sich das wirklich so zugetragen hat, weiß ich natürlich nicht, der Journalist und Schriftsteller hat es aber sehr spannend erzählt.
Es gibt den Kammerdiener Klapka und den Leibkoch Schandera, der den kaiserlichen Hoheiten Essigzwetschken bringt, der Kaiser entfleucht ein bißchen und der junge Franzi geht zu seiner Geliebten Bozena, einem mährischen Bauernmädchen, das ihn in die Liebe einführte und die Erzherzogin, geht zu ihren Mann, überredet ihn das Dekret zu unterschreiben, er schüttelt den Kopf, so geht es zuerst zum kaiserlichen Abendessen Schöberl-oder Frittatensuppe, Wiener Schnitzel oder Beinfleisch und dann die gute Sachertorte, von der sich die kaiserlichen Hoheiten gleich ein paar Stück einverleiben, während der junge Franzi am liebsten Obst hat und das hat Bozena für ihn vorbereitet..
Dann muß der Kaiser zu Franz Karl, um ihn zum Verzicht zu bewegen, der sagt, “Das macht schon der liebe Gott und ich wünsche dir noch ein paar Jahre”, dann muß der Kammerdiener Klapka her, denn der war früher Schauspieler und der Erzherzog liest gerne Gespensterromane und scheint auch an Geister zu glauben. So erscheint ihm eines in einem weißen Leintuch und sagt “Ich bins, dein Vater, der Kaiser Franz, danke endlich ab!”
Der Erzherzog erkennt natürlich den Kammerdiener, nennt ihn einen schlechten Schauspieler, was diesen fast zum Herzinfarkt bringt, dann geht er zu seiner Frau, erzählt ihr die Geschichte und verzichtet endlich und am 1. oder besser am 2. Dezember kann der junge Franzi, Kaiser Franz Joseph werden, da wird dieser Name auf der letzten Seite des Buches endlich erwähnt, aber die Leserin hat sichs ohnehin schon ausgerechnet, daß es Franz Joseph sein muß, denn, daß der mit Achtzehn den Thron bestiegen hat, weiß sie aus der Schule.
Das Vaterland also gerettet, bis 1916, bzw. 1918, denn im ersten Jahr ist Franz Joseph hochbetagt gestorben, im zweiten ging die Monarchie zu Ende und was das bedeutete, hat ja Joseph Roth in seinem “Radeztkymarsch” sehr eindringlich beschrieben, 1932, war das, dann kam der zweite Weltkrieg, den hat Roth nicht mehr erlebt und als der zu Ende war, sind sehr viele Romane entstanden, die Kaiser Franz Joseph und die Monarchie zum Inhalt hatten, die Sissi-Filme wurden gedreht und ich denke, das wird kein Zufall sein, daß sich die Fünzigerjahre mit dieser Zeit beschäftigten und diese Bücher hat auch die Büchergilde Gutenberg herausgebracht.
Ein paar habe von meinem Vater geerbt. Ernst Lothars “Engel mit der Posaune”, das sich auch mit dem Zerfall der Monarchie beschäftigt und das ich gerade in Wien lese, habe ich im Bücherschrank gefunden und einmal als Film mit der Paula Wessely als Henriette im Fernsehen gesehen.
Jetzt beschäftigt man sich ja weniger mit dem Zerfall der Monarchie. Unsere Zeit der Globalisierung und der Wirtschaftskrise verlangt andere Themen, wenn man aber die alten Bücher hat und den Ehrgeiz sie alle aufzulesen, kann es schon sein, daß man sich in einem Sommer viel mit der Monarchie beschäftigt und es ist auch sehr interessant.
Von Gustav Karl Bienek, habe ich “Die Rabengasse” auf meiner Leseliste und “Das Wasserzeichen”, glaube ich, auch einmal bekommen. Schade, daß der Autor inzwischen so vergessen ist und man im Internet nur sehr wenig über ihn findet.

Leichenspiele

Nach der Theorie kommt gleich die Praxis, nämlich Bernhard Aichners dritter Krimi “Leichenspiele”, bei Haymon erschienen und mit zwei Videos angekündigt, in denen der 1972 in Innsbruck geborene und dort lebende Autor sich selbst vorstellt, mit Faxen und Grimassen tut er das und beantwortet dabei fünfzehn Fragen über das Schreiben, die er an sich selber stellt, dabei einige ausläßt und sich auch selber filmt, denn eigentlich ist er Fotograf, das ist sein Brotberuf, daneben ist er verheiratet und hat drei Kinder und das Schreiben ist das Zweitwichtigste für ihn nach der Liebe. Drei Max Broll Krimis nach einigen anderen Büchern hat er schon geschrieben und er will das Unmögliche zusammenbringen, nämlich E mit U vereinen, daß heißt im selben Jahr den Glauser, als auch den Bachmannpreis gewinnen und wenn man seine Max Broll Krimis verfilmt, will er auch der Hauptdarsteller sein, denn eigentlich sieht der Totengräber, Studienabbrecher, Trinker und Lebenskünstler, genau wie er selber aus, obwohl es in seinen Romanen keine Personenbeschreibungen gibt, damit sich jeder Leser selber seine Vorstellungen machen kann.
Klingt eigentlich sehr originell und ungewöhnlich und das ist sein Schreibstil, mit dem er schon ein Staatsstipendium gewonnen hat, auch, sehr ungewöhnlich, weil einmal sehr viele Dialoge, das erklärt der Autor so, daß er die Handlung in einem durch wie einen Film ablaufen lassen will, um so für die nötige Spannung zu sorgen und dann hat er einen vielleicht nur scheinbar naiven Stil, der in seiner Ungewöhnlichkeit fast an Wolf Haas erinnert, obwohl der Plot der Handlung gar nicht so ungewöhnlich und manchmal ziemlich haarsträubend und absurd ist.
Noch etwas ist ungewöhnlich, die Handlung von Krimi drei, schließt an die beiden vorangehenden an, so tut man sich ein wenig schwer, wenn man die nicht kennt und so, wie ich noch nie etwas von Bernhard Aichner gehört hat.
Sie spielt jedenfalls in einem Tiroler Dorf, vielleicht dem ähnlich, wo der Autor aufgewachsen ist, erfährt man im Video, aber eigentlich beginnt der Roman in Thailand, denn da hat sich Max zurückgezogen, nachdem seine Freundin Hanni, die in dem Dorf einen Würstelstand betrieben haben dürfte, gestorben ist und das dürfte in Buch eins oder zwei geschehen sein.
Max hat auch noch eine Stiefmutter namens Tilda und die ist Hauptkommissarin, gibt es eine solche in einem Tiroler Dorf? Außerdem ist sie müde und ausgebrannt und will eigentlich in Frühpension gehen, weil sie in Krimi eins oder zwei offenbar lebendig begraben, von Max aber noch rechtzeitig gerettet worden ist. Der Innenminister läßt sie aber nicht und so muß sie weiter Fälle aufklären. Zuerst kommt aber Max Freund Baroni nach Thailand, wo der vier Monate gesessen ist, nichts trank und nur aufs Meer hinausschaute, um ihm mitzuteilen, daß er sein ganzes Geld verspielt hat und Max ihm also helfen muß.
So kommt er zurück, bietet ihm Hannis Würstelstand an, beginnt wieder zu trinken und die Geschichte beginnt.
Denn Baroni bekommt vor seine leere Wohnung zuerst zwanzigtausend Euro hingelegt und dann eine Schachtel mit dem Auftrag, daß die Max vergraben muß, weil ihm sonst die Hoden abgerissen würden.
In der Schachtel ist natürlich eine Leiche, allerdings mit ausgeweideten Organen und als sich die Geschichte ein paar Wochen später mit zwei Leichen und vierzigtausend Euro wiederholt, betrinken sich die Freunde und deponieren die Leichen in einem Supermarkt, den es in dem Dorf ebenfalls gibt.
Dann lernt Max im Leichenschauhaus die schöne Obduktionsassistentin Leftera, eine Griechin, kennen, die später auch als “Bumsmaus”, sehr frauenfreundlich, bezeichnet wird.
Außerdem fahren sie nach Deutschland und bekommen heraus, wo die Pakete aufgegeben wurden. Das führt sie in ein Schönheitssanatorium und weil sie noch in einem Lastwagen einen eingeschmuggelten Moldavier entdecken, bekommen sie den Verdacht, daß in der Nobelklinik, die Flüchtlinge ausgenommen und deren Organe den reichen Russen wieder eingesetzt werden.
Da beginnt das Ganze ein bißchen an Eva Roßmanns letzten Krimi zu erinnern, die übrigens ein euphorisches Lob für Krimi zwei geschrieben hat.
Manchmal hat das Ganze ziemlich unglaubliche Szenen, so die z.B., wo die beiden Freunde von einer Kuh die auf der Straße steht, angeschissen werden. Sie saufen und vögeln auch ziemlich viel und manchmal erinnert die Geschichte an eine Parodie. Ist aber wahrscheinlich so gewollt, um bei Verlag und Leser zu punkten und mit der vordergründig naiven Art ziemlich flott und selbstbewußt geschrieben.
Einerseits irgendwie neu und ungewöhnlich also, obwohl man den Plot sicher schon von einigen anderen Krimis kennt.
Am Schluß taucht noch der Innenminister auf, hat Dreck am Stecken und wird erpreßt, die müde Hauptkommissarin kann endlich in Pension gehen und lebt in dieser auch gleich auf und die Freunde entdecken in der Wohnung der schönen Mörderin einen Haufen Geld, das sie ungeniert mitnehmen und im Casino, wo das ja nicht aufällt, weißwaschen werden.
Bernhard Aichner hat, wie er sagt, seinen Spaß am Schreiben gehabt, es liest sich leicht und flüßig. Manchmal ärgerte ich mich, die ich den Klamauk ja nicht so mag und dachte, das darf doch nicht sein! Dann fand ichs wieder originell geschrieben und ich bin gespannt, ob und wann er den Glauser- und den Bachmannpreis bekommen wird und natürlich sollten wir uns die Frage stellen, warum wir so gerne Krimis lesen und die dann so absurd und blutrünstig sein müssen, damit sie uns gefallen.
Da bin ich aber auch selbst betroffen, denn die Szene, wo sich die beiden Helden selbst ihr Grab schaufeln sollen, fand ich ähnlich beeindruckend, wie die bei Claudia Rossbacher, wo die nackte Heldein am Fleischerhaken hängt, der Held seinen Arm verloren hat und noch schnell die Polizei anruft.