Das kleine graue Heftchen mit einem Schuh, grauen Socken und ebensolchen Schnürrlsamt am Titelbild, Oleg Jurews zwischen 2006 und 2009 geschriebene Gedichte, die im Gutleut Verlag Frankfurt am Main und Weimar, erschienen sind, habe ich im Februar beim Fix Poetry Gewinnspiel, das es jetzt nicht mehr zu geben scheint, gewonnen und hatte keine Ahnung, wer Oleg Jurjew ist. Die Ahnung ist mir dann im Juli gekommen, als Olga Martynova beim Bachmannpreis gelesen und gewonnen hat. Er ist ihr Ehemann, 1959 geboren aus Russland emigriert, seit 1991 in Deutschland lebend. Am 23. Oktober werden die Beiden in der Alten Schmiede lesen, er aus seinem neueren, bei Jung und Jung erschienenen Gedichtband “In zwei Spiegeln”, sie aus den bei Droschl erschienenen Gedichten “Von Tschwirik und Tschwirka” und im Programm kann man über Oleg Jurjew “von einem dreifachen Exil, als Lyriker in der Alltagssprache, als Jude in der Sowetunion, als russischer Dichter, der seit 1991 in Deutschland lebt, lesen.
Elke Erb hat bei beiden Bänden übersetzt oder beraten und das Poem besteht eigentlich aus Prosatexten in sechs Gesänge, die sich tatsächlich von Ort zu Ort bewegen.
In der “Kurpfalz” fängt es an “Weinberge im Schnee. Eine Katze geht vorüber”, lautete die Überschrift. Dann geht es “Eine Bergstraße” weiter über “Die Liebe zum Vaterland” nach Österreich. Da trägt eine “Empfangsdame ein Lächeln, das mit einer gewissen Verzögerung ihr Gesicht einholt.”
Mit “Eine Raststätte am Hügel. Kyrillisch und lateinisch, Vokale und Konsonanten” geht es weiter in den “Sonnenwinter in Florenz. Früher Morgen (blau und golden und die scewarze florentinische Luft ist bereits aus der Stadt abgezogen.) zu den “Straßen Chicagogs -Urbana/Champaign, il über Leben und Tod.
Der zweite Gesang führt zuerst in Zürcher Oberland “Auf der Alm lagen Kühe mit den Gesichtern betagter russischer Schriftstellerinnen liberaler Gesinnung des ausgehenden 19. Jahrhunderts.) von Zürich nach Berlin und dann noch an den Nordseestrand “In den gestreiften Hüttchen lesen die bemäntelten und grestiefelten Kurgäste Bücher deren Umschläge schnattern.”
Dann gibts “Neues aus der Baumkunde, die Schilerhöhe oberhalb von Stuttgart, erstmals Herzogpark, heute Wildwuchs mit numerierten Baumstämmen und biologischen Windbruch, anscheinend Mitte März.”
“Warum riecht der Faulbaum nach billigen Parfum, der Flieder aber nach teurem?” fragt Jurjew weiter, um sich im dritten und vierten Gesang nach Frankfurt zu begeben, wo er zu leben scheint.
Im fünften Gesang geht es nach Leningrad zur “Tram Nummer neun” in die “sechziger Jahre” zum “Winter” und der “Nacht”.
“Puschkinberge. Früherbst 1977. Die Studentengruppe der Leningrader Hochschule für Binnenschiffahrt, an der ich damals studierte, hatte den “sozialistischen Studenten Leistungswettbewerb” gewonnen und wurde mit einem Gruppenausflug in die Puschkinberge belohnt, in die zu einem Museumspark erhobene Gegend im Pskower Gebiet, in der Puschkins Gut lag. Hier ist es wirklich sehr schön.”
Danach gehts nach “Gantiadi, Abchasische Schwarzmeeküste, August 1985, Schwarzsiedlung am Eisenbahndamm, hinter ihr ein wilder Strand” um im Gesang sechs das “Verschwinden Marseilles” zu beschreiben .
“In den dunklen Gesichtern der Araber glühten kleine Zigarettenkreise auf. Dann verschwanden auch sie. Seitdem hat Maseille niemand mehr gesehen.”
Um über Elsaß in die Pfalz zurückzukommen.
Es gibt dann noch einen Epilog “Über die Geometrie der Substanzen und Wesen”, der Oleg Pafil gewidmet ist, sowie eine Danksagung an Elke Erb und etwas habe ich vergessen. Um die biografischen Angaben machen zu können, habe ich mir vorhin das Alte Schmiede Programm hergeholt. Das Büchlein ist aber in graues Packpapier eingewickelt, wenn man es herausschält, kommt man zu einem weiteren Gedicht über die Pfalz, einer Seite Text den Lebenslauf und einem großen Bild des Autors.
Wieder etwas gelernt und vorhin in der Badewanne, eine interessante literarische Kurzreise durch das halbe Europa gemacht.
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Volksstück über den jungen Hitler
Am Mittwochprogramm waren zwei Termine eingetragen, Franzobels “Der junge Hitler. Eine Therapie”, in der Alten Schmiede, während im Literaturhaus Daniel Wisser seinen Text “Unterm Fußboden” vorstellte und dann gabs auch wieder eine offene Bücherschranklesung mit dem lieben Rudi in der Grundsteingasse. Die Qual der Wahl, denn eigentlich wollte ich nicht wirklich in die Alte Schmiede gehen, bin ich erstens ja kein richtiger Franzobel Fan und auch kein Fan von Theaterstücken, also doch zu Daniel Wisser, der vor zwei Jahren beim Bachmannpreis gelesen hat, dann dachte ich aber, das Thema ist interessant und als ich dann noch herausbekommen habe, daß der Wisser erst um acht Uhr liest und das Ganze eine theoretische Textcollage zu sein schien, hatte ich mich entschieden und war nur in Sorge vielleicht keinen Platz zu bekommen. Beim Bachmannpreisträger von 1995 war dann aber doch kein so großer Antrag, zumindestes scheint er nicht die Fangemeinde der heimischen Autorenschaft zu haben, wie sie etwa Friederike Mayröcker und auch Barbara Frischmuth hat. Denn außer Lydia Mischkulnig wäre mir kein Prominenter aufgefallen, bei den nicht so Prominenten war Chrstl Greller da, aber die geht ja oft zu Literaturveranstaltungen und dann war es sehr interessant und ich habe mein Franzobel Vorurteil ein wenig revidiert, denn er ist ohne jeden Zweifel ein großer Sprachgewaltiger und wirft Anspielungen und Wortschöpfungen wirklich gekonnt her und hin, er hat auch immer provokante Themen. Vielleicht kommt daher mein Voruteil und die Geschichte des jungen oder auch alten Hitlers interessiert mich ja sehr.
Kurt Neumann hat wieder eingeleitet und die beiden Theatertexte vorgestellt, die vor kurzem von Franzobel im Kyrene Verlag erschienen sind und davon gesprochen, daß Franzobel an die Nestroytradition anknüpft und “Der junge Hitler” etwas von Raimunds Zauberwelt an sich hat. Das Stück wurde schon in Villach aufgeführt, lebt von seinen Kunstgriffen und Rollenspielen und zeigt Hitler als jungen Mann, 1907 in Linz, beziehungsweise spielt es in der Psychiatrie, respektive Irrenhaus in der Jetztzeit, denn da führen drei Patienten und drei Pfleger bzw. Sozialdiener ein Rollenspiel auf, um die Geschichte um, bzw. wieder zurückzuschreiben, die ersteren drei entpuppen sich dann als Anstaltsärzte und brechen das Experiment ab.
So weit so gut. Franzobel und seine Partnerin, die Schauspielerin Maxi Blaha haben gelesen und zuerst einmal die Protagonisten vorgestellt. Da gibt es einen Kevin, einen Niki, eine Michi, die glaube ich, auch noch sprechende Namen tragen, dann die Weiningerin, das ewige Opfer Schlomo und den Dr. Bloch, Hitlers jüdischen Hausarzt und es beginnt mit einem Monolog in Hitler Worten und der Hitler Sprache und noch mit einigen grotz brr, etc, der Weiningerin. Dann kam die Warnung, “Dieses Stück kann Ihre Gesundheit gefährden und ist den Schwangeren, den Stillenden, sowie den Wankelmütigen nicht zu empfehlen!”
Dann ging es los, in der Klinik, wo die Weiningerin, eine Hitler-Forscherin, darüber in Wahnsinn verfallen ist und von den drei Sozialhelfer bzw. Pfleger, die auch Revolutionäre sind, niedergespritzt wird, dann stellt ihnen die Weiningerin ihr Theaterstück über den jungen Hitler vor, mit dem sie die Geschichte zurückdrehen will, wahrscheinlich um wieder normal zu werden und es beginnt. Die Pfleger schlüpfen in ihre Rollen, einer ist der achtzehnjährige Adolf, ein Maturant im schwarzen Anzug, der andere sein Freund Gustl Kubizek, ein Tapeziererlehrling und späterer Musiker, die beiden kommen von einer Rienzi Auffühung, der junge Adolf entbrennt im Idealismus, der Gustl will nur in sein Bett, weil er wieder arbeiten muß und versteht den anderen nicht, der Künstler werden will. Die kranke Mutter, der schlagende Vater werden erwähnt, der Hausarzt kommt und will der Mutter helfen, später sagt er, daß sie gestorben ist, weil die Dr. Weininger ihm von Adolfs späteren Lebensweg erzählte, die taucht auch auf und läßt ihn seine späteren Reden hören, der hat Angst, um seine Mutter, wird von seiner Freundin, die die Menschheit retten sollte, verlassen und zuletzt auch noch von der Kunstakademie in Wien abgelehnt, so daß der Weg frei ist, sich die Macht zu holen, an dieser Stelle verwandeln sich die Patienten in Ärzte und brechen das Stück ab.
Dann gabs noch ein Gespräch mit dem Sozialhistoriker Kurt Bauer, der erläuterte, daß Hitler nicht in Wien, wie es in “Mein Kampf” steht, Antisemit geworden ist, sondern erst nach dem ersten Weltkrieg in München. Es wurde dann noch über den Idealismus diskutiert und darüber, daß sich die Nazis alle als fehlgeleitete Idealisten deklarierten und Lydia Mischkulnig fragte nach dem Unterschied zwischen Idealismus und Größenwahn? Die Grenze ist sicher fließend und irgendwann kippt es und dazwischen merkte offenbar ein anderer Historiker an, gibt es noch den Fanatismus und die Gruppe, denn Nazi wird man nicht allein und dann wurde noch erklärt, daß Hitler offenbar gar kein so schlechter Maler war.
Interessant, interessant, obwohl mir in der Handlung gar nicht so viel Neues zu liegen scheint. Vielleicht ist es 1907 so gewesen oder auch anders.
Dieser August Kubizek scheint seine Lebenserinnerungen hinterlassen zu haben, an der sich Franzobel orientierte. Die Verlegung in die Gegenwart erscheint mir auch sehr interessant und vor allem faszinierte mich die Franzobelsche Sprachgewalt. Uwe Bolius hat ja vor einigen Jahren auch ein Buch über Hitler geschrieben und in der Diskussion wurde noch erwähnt, daß es sehr viele Bücher zu diesem Thema gibt, weil man offenbar die Geschichte und, wie es dazu kam oder kommen konnte, begreifen will und das ja nicht sehr einfach ist.
Erzähltes und Reflektiertes
Ludwig Laher hat bei Haymon ein neues Buch herausgebracht, nach der sogenannten Sozialtrilogie “Und nehmen was kommt”, “Einleben” und “Verfahren” jetzt wieder Sprachkritischeres, nämlich “Kein Schluß geht nicht – Erzähltes und Reflektiertes”, sechsunddreißig Texte, in denen sich der Essay mit dem Erzählten verbindet, vermischt und überschneidet, etc und das wurde am Dienstag in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt. Ich habe Ludwig Laher ja, als ich ihm beim Saisonabschlußfest im Literaturhaus traf, versprochen, mir sein Buch zu besorgen. Dann kamen aber die Vorableseexemplare von Haymon und da war es nicht dabei und da ich ohnehin schon eine lange Leseliste habe und außerdem Kürzesttexte nicht so gerne lese – stimmt nicht mehr, inzwischen lese ich Erzählbände und die Form, die der gründliche Recherchierer, wie ihn Marianne Gruber einleitete, wählte, entspricht wahrscheinlich dem, was das Writersstudio als Personal Essay anbietet, eine Gattung die in Amerika bekannt ist, bei uns noch nicht und da hat sie wohl Ludwig Laher für sich selbst erfunden, der ja sehr dokumentarisch schreibt und auch mit der Sprache spielt, in den sechsunddreißig Geschichten, die sich alle oder viele auf Schlüße beziehen, wohl besonders. Die Titelgeschichte hat er aber nicht gelesen, nur Marianne Gruber bestätigt, daß der Titel neugierig macht, da möchte man gern mehr wissen und in dem Buch gibt es eine Einleitung, in der sich Ludwig Laher quasi für seinen Essaystil zu entschuldigen scheint.
Das hat er nicht nötig, meinte Marianne Gruber in der Diskussion oder hat das der Verlag so vorgeschrieben? Der Verlag schreibt Ludwig Laher nichts vor, er hat es selber so gemacht und mit der Geschichte “Bergschluß und Rapfl” begonnen. Da geht ein altkluges Kind mit seinen Eltern wandern und macht Rast in einem Gasthaus, das seine Eltern “Hütte” nennen, weil auf dem Berg heißt das so, aber da ist ja kein Berg, sondern nur ein Tal, meint das Kind und beginnt mit seinen Eltern zu diskutieren, wieso das Talschluß aber Gipfel heißt.
Mit “Weiche” ging es weiter, diese Geschichte hat Marianne Gruber schon in ihrer Einleitung erwähnt. Da ist einer, jetzt fünfzig, als Kind war er oft bei seinen Großeltern und hat versucht die Weichen zu stellen. Mit fünf ist es noch nicht gegangen, aber mit acht oder neun, später dann nicht mehr Eisenbahn gefahren, sondern mit dem bequemen Mittelklassewagen. Dann wird er Großvater und hört die Großmutter das Neugeborene “Du bist aber eine ganz Weiche!”, liebevoll nennen, interessant interessant, wo die Sprachspiele hinführen können und vielleicht ist auch ein bißerl Autobiographie dabei.
Der dritte Text ging übers Sterben und das Verlieren einer Mutter. Der Sohn will einen Text über sie schreiben und kommt über den dritten Satz nicht hinaus. Die Mutter war eine Eigenbrödlerin und sehr vereinsamt, bzw. hat sie selber die Besucher nicht ins Wohnzimmer und ihren Krebs nicht behandeln lassen, dafür ist sie aber noch mit fünfundachtzig mit einem Boot namens Ilse auf dem Traunsee gefahren und nach dem Schlaganfall fast in der Badewanne ertrunken.
“Entwerter” führt wieder mehr in die Sprachasurdität hinein. Da kauft man sich einen Fahrschein und entwertet ihn, damit er gültig wird. Über diese Paradoxie kann Ludwig Laher eine Geschichte schreiben und die Protagonistin, Ruth Gehringer, die in der U-Bahn ein paar Schwarzkappler beim Amtshandeln erlebt, zu einem Schwächeanfall bringen.
“Redende Briefanlagen” führt in die Welt des Adalbert Stifters, der sich darüber freute, daß in Wien Briefkästen aufgestellt wurden, so daß man sich seine Briefe nicht mehr selber zustellen mußte und sich dabei vorstellte, wie es sein würde, wenn man seine Nachrichten redend versendet, für Stifter eine Phantasie, in der heutigen Welt der Mobiltelefonie aber längst verwirklicht ist.
Dann kam ein schon im Standard veröffentlichter Text zur Bundeshymne, in dem sich Laher seine Gedanken zu der inzwischen eingeführten Genderveränderung macht, die der Herr Molden, wie ich immer hören, ja beklagen will. Ich bin eine Frau und ich stehe dazu, im Gegensatz zu Ludwig Laher, der meint, daß man es lassen hätte sollen oder eine neue machen, denn die Jubelchöre gefallen ihn nicht und kann daher nur viel realistischer wiederholen, daß ich die Bundeshymne ohnehin nicht singe, weil ich nicht singen kann, wenn ich es aber täte, würde ich selbstverständlich “Töchter, Söhne” singen und das verhaspelnde “und” weglassen, dann könnte mich der Herr Molden, wenn er will verklagen und ich wäre gespannt, wer den Prozeß gewinnt?
Der Schlußtext, nicht der letzte, wie Ludwig Laher betonte, führte zu einem Ingeborg Bachmann Zitat und zu Grantscherben, die damit nichts anfangen können.
“Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar” wird immer zitiert und von den Schülern verlangt, daß sie darüber Aufsätze schreiben.
“Aufhören können ist nicht eine Schwäche, sondern eine Stärke”, hat sie aber auch gesagt, vielleicht, als sie keine Gedichte mehr schreiben wollte und Ludwig Laher erzählte in der Diskussion noch einiges über sein Schreiben und davon, daß er in und für die Literatur leben würde.
Die Veranstaltung war wieder nicht besonders gut besucht, was Marianne Gruber damit entschuldigte, daß irgend ein bedeutendes Rapid Matsch stattfinden würde, was mich ärgern könnte, immer diese Fußballvergleiche, als ob sich die Frauen, die zu literarischen Veranstaltungen gehen, wirklich dafür interessieren und die Männer, die vorm Fernseher sitzen, sonst in die Gesellschaft für Literatur gingen? Darüber könnte ich, wenn ich das wollte, einen Personal Essay schreiben, ich habe es jetzt aber geflüstert und mich wieder an dem Büchertisch, freie Entnahme gegen eine kleine Spende, den es immer noch gibt, bedient und habe jetzt Manfred Bauers “Gamma Lex” und Helga Glantschnigs bei Droschl erschienenes Schlittschuhbuch “Meine Dreier”, nach Hause mitgenommen.
Gustav Ernst und Karin Fleischanderl habe ich gesehen und Marianne Gruber nach der Figur des “Anderen” in ihrem Buch gefragt.
Der uralte Vogeltraum
Zur Abwechslung ein bißchen Karikatur, den zweiten Band der Edition der komischen Künste, Dirk Stermann empfiehlt Jürgen Marschals “Der uralte Vogeltraum” und tut das mit dem Band, des 1983 Geborenen und im Weinviertel Aufgewachsenen, der Theaterwissenschaft und Sozioplogie studierte, als Müllmann, Totengräber und Nachtportier gearbeitet hat, seit 2001 Cartoons für das Satiremagazin “Titanic” und seit 2007 für die ORF Lat-Night-Show “Willkommen Österreich” schreibt, sehr gekonnt, in dem er einmal Jügen Marschals Zeichnungen, das Markenzeichen sind die langen Nasen “häßlich” findet, “aber auch sehr lustig”.
So lustig, daß er möchte, “daß das Buch immer weitergeht” und Jürgen Marschal für einen “ungewöhnlichen begabten jungen Herrn hält”, für den er auch gern ein “2000 Seiten starkes Vorwort schreiben würde”.
Aber dann würde es dem Beschauer wahrscheinlich langweilig werden und man hätte nichts von den Zeichnungen, die meiner Meinung nach durch die starken, treffenden und sehr pointierten Texte beeindrucken.
Das Cover zeigt es gleich. Was ist nämlich der uralte Vogeltraum? Klaro, der vom Fahren und so sieht man auch ein gelbes Vögelchen in einem roten Auto, daß genau das in seiner Sprechblase hat.
Die Schreiberin hat nur Worte und sollte vielleicht nicht die ganze Vorschau zeigen, für den dens interessiert, verlinke ich auf die “Marschall-Seite” und weise darauf hin, daß man bis 30. November in der Galerie der komischen Künste im Museumsquartier eine Auswahl sehen kann und es außerdem am 18. Oktober eine Buchpräsentation gibt.
Hier also ein literarischer Einblick.
“Exklusiv! Nur für die Luxusklasse! Airbags aus echtem Marmor!”, steht in der Blase, das Auto klebt am Baum und Blut quillt heraus. Man sieht den bösen Witz, wenn man die Werbesprache wörtlich nimmt.
Und so kommt ein Polizist mit langer Nase und einem Unfallsauto auch ins Schlafzimmer, wo eine Frau mit nackten Busen liegt “Ach, das ist nichts Ungewöhnliches!”, erklärt er ihr “Mehr als 80% aller Unfälle passieren zu Hause.”
Und auch das Bestattungsunternehmen Müller und Sohn hat so seine Probleme “Ein schwer Verletzter bei Unfall auf der A3. Schnell, bevor der Notarzt auftaucht und ihn reanimiert”.
Böse, böse, könnte man so sagen.
Und “Die Operation verzögert sich noch ein wenig. Der Doktor muß sich Ihren offenen Oberschenkelhalsbruch erst schön saufen”, sagt so auch die lange Nasenschwester zum Patienten auf der Liege und ein anderer Doktor erklärt gemütlich “Das Bein konnten wir retten, aber den Rest müssen wir wohl amputieren.”
Und so weiter und so fort.
“Man könnte gar nicht aufhören zu lesen und zu schauen”, wünschte sich Dirk Stermann. Zum Glück gibts ja zweiundneunzig Seiten mit den bunten Bildchen der langen Nasenmenschen und den so markig originiellen Sprüchen, die in ihrer Banalität und Einfachheit so witzig sind und ich, die ich ja auch den ersten Band der Edition, nämlich “Kopf hoch” von Oliver Ottitsch, empfohlen von Gerhard Haderer, gelesen habe, werde, wenn es so weiter geht, dank dem Holzbaum-Verlag wohl bald auch eine Kennerin der jungen Karikaturisten werden. Wem das zu wenig ist, dem kann ich die literarische Schiene des Verlags mit zwei Büchern des unter “Dreißigjährigen” Stefan Sonntagbauers empfehlen.
Die Schmerzmacherin
Marlene Streeruwitzs letzter Roman “Die Schmerzmacherin” mit dem sie letztes Jahr nicht nur auf die Shortlist des dBps gekommen, sondern auch den Bremer Literaturpreis gewonnen hat, ist nicht leicht zu verstehen. Zumindest mir, die ich ja die Struktur des realistischen Inhalts und die Chronologie brauche, ist es schwer gefallen, mit den vielschichtigen Handlungssträngen und den Aussparungen der Geschichte zurechtzukommen, obwohl ja eigentlich sehr bedächtig und passiv erzählt wird.
Da gibt es Amy Schreiber, die einerseits einen berühmten Urgroßvater, eine reiche Tante in England, aber auch eine drogensüchtige Mutter hat, die sie als Kind zu den Schottolas nach Stockerau in Pflege gegeben hat oder geben mußte, vierundzwanzig Jahre ist sie alt und hat ihr BWL-Studium abgebrochen. Jetzt soll sie eine Ausbildung zur Sicherheitsfachfrau in einer Firma die Allsecura heißt und an der deutsch tschechischen Grenze ihren Standort hat, machen. Ihre in England lebende Tante Marina hat sie dorthin vermittelt und Gregory, einer der Mitarbeiter, hat sie dort eingeschleust.
Es beginnt im Dezember, Amy fährt durch den Schnee dorthin, Raubvögel tauchen auf, Amy krallt sich an die Whiskeyflasche und agiert einerseit sowohl paranoid als auch sehr passiv. Andererseits läuft sie wieder sehr viel und überlegt, ob sie es sich leisten kann ihre Ausbildung grinsend oder lächelnd zu absolvieren.
Sie rennt im ersten Kapitel durch den Ausbildungsort, eine ehemalige Schule, fürchtet sich vor Cindy, die sie in der Rezeption trifft und die sowohl sehr schlank ist, als auch einen großen Busen hat. Dann trifft sie noch einen gefesselten Mann im Schnee und um einen ehemaligen DDR Agenten soll sie sich in dem Ausbildungsseminar auch kümmern.
Ähnlich geheimnisvoll geht es weiter. Im zweiten Kapitel geht es um einen Gedächtnisverlust, der Freund Gino erleidet einen Unfall und als Amy nach England zu der Tante fährt, weil es auch noch einen Restitutionsanspruch gibt, erleidet sie eine Fehlgeburt, obwohl sie gar keinen sexuellen Kontakt hatte. Sehr minutiös wird das alles erzählt. Dazwischen fallen die Ausdrücke, die man wohl in den Sicherheits- und NLP-Seminaren so lernt, von Kommunikationstrainings und Verhörmethoden wird erzählt. Marlene Streeruwitz hat auf ihrer Website eine ganze Linksammlung über Sicherheitsfirmen und ihre Ausbildungsmethoden aufgelistet. Es gibt auch einige Szenen wo Amy foltern oder sich ihrer Folterer erwehren muß. Das das Rollenspiele sind, bekommt man erst später mit. Sie macht auch eine Ausbildung in einem Privatgefängnis in Nottingham, denn ihre Firma mit dem Heinz, dem Gregory, der Cindy und der Gertraud, ist inzwischen an die Engländer verkauft worden und hat den Namen gewechselt.
Dazwischen zieht Amy wieder nach Stockerau zu ihren Pflegeeltern, die Pflegemutter ist inzwischen an Krebs erkrankt und trifft in einer Konditorei einen Jugendfreund wieder und am Schluß rast sie durch die inzwischen leergeräumte Firma, um ihre Windstopperjacke zu suchen, findet Gregory, der sie wahrscheinlich vergewaltigt hat, tot am Konferenztisch liegen und telefoniert mit Gino, der eigentlich am Operationstisch liegt und man ist mit Marlene Streeruwitz durch die Welt der Sicherheitssysteme gerast und bleibt, ob der vielen Widersprüche und der Themenvielfalt sprachlos zurück.
Hat einen ausgezeichneten und sehr gelobten Roman gelesen, der viel über den Wahnsinn unserer Welt, ihrer Gewalt und ihrer Willkür zu sagen hat und ihn trotzdem nicht ganz verstanden, aber das ist mir bei Marlene Streeruwitz schon öfter passiert.
Zu dem Buch, das ich bei einer literarischen Soiree gewonnen habe, weil das Publikum nicht wußte, mit welchen ORF Redakteur sie befreundet war, gibt es auch eine eigene Geschichte. War ich ja bei der Lesung im Jänner in der Alten Schmiede und bin dorthin mit einer Tasche voll Ausverkaufsbücher gekommen, die ich vorher beim Morawa kaufte und sie Angelika Kaufmann zeigte und ihr erklärte, daß ich vermute, dieses Buch in einem Jahr, um ein paar Euro kaufen zu können. Dann habe ich es schon früher bekommen und jetzt, wo es inzwischen eine neue Shortlist des dBPs gibt, endlich gelesen. Inzwischen war ich sehr gespannt darauf, bin aber ein bißchen an der Vielschichtigkeit der Streeruwitzschen Abgehobenheit gescheitert, da ich es ja gerne einfacher habe.
Die “Verführungen” habe ich schon zu Pfingsten gelesen und habe mir da ein bißchen leichter getan, obwohl das Milieu in beiden Büchern gleich ist. Außerdem habe ich in den offenen Bücherschränken bzw. im Wortschatz in den letzten Monaten einige Streeruwitz Bücher gefunden, die mich im nächsten und übernächsten Jahr begleiten werden. Man darf gespannt sein, wie es mir beim Lesen geht.
Das getreue Eheweib
Sigrid Undsets, 1938 in Zürich erschienener, 1961 unter dem Titel “Die Liebenden” wieder aufgelegter, Roman “Das getreue Eheweib” beginnt langsam und bedächtig.
Im ersten Kapitel des ersten Teils wartet Nathalie auf ihren Mann. Sie ist eine moderne Ehefrau, die in Oslo lebt, berufstätig, seit sechzehn Jahren verheiratet, kinderlos.
Die moderne Wohnung wird beschrieben und der Vorteil, die sie gegenüber den alten, im Jugendstil erichteten Häusern hat.
“Wer weiß, ob nicht in ein paar Jahren dieser moderne Baustil auf einen so wirken würde, wie heute der Jugendstil?”
Nathalie taucht Morcheln in kochendes Wasser, um ein Omlett für ihren Mann Sigurd zu bereiten und überlegt, daß sie schon lange kein Wochenende mehr gemeisam verbrachten. Der kommt auch, um ihr zu sagen, daß er gleich wieder ausgehen wird, um seine Freunde zu treffen und am Morgen wird er mit ihnen einen Ausflug machen, da wird Thali sicher nicht mitfahren wollen. Sie bleibt also allein, liest in einem Buch, bekommt Besuch von ihrer Schwägerin Sonja, die als etwas leichtfertig beschrieben wird und die erzählt, von der jungen Adinda Gaarder, mit der sich Sigurd treffen will und einem Sverre, Nathalis Jugendfreund, der ihr den Hof machen soll.
Im zweiten Kapitel wollen Sigurd und Nathalie einen Wochenendausflug machen, was aber durch den plötzlichen Tod von Nathalies Vater verhindert wird. Sie muß nach Hause, Sigurd wird erst zum Begräbnis nachkommen. Nathalie wird von ihrer Schwester Ragna, die mit dem dritten Kind schwanger ist, abgeholt, es gibt noch einen Bruder und die Schwester Gerda. Der Vater war Redakteur und die Mutter soetwas, wie eine Frauenrechtlerin, die durch die Gegend reiste und Vorträge über Scheidung hielt.
Die aufgeladene Spannung, die sich im ersten Kapitel breitmacht, was ist mit der Beziehung der zwei, wird nun durch theoretische Diskussionen bzw. über Gespräche der Geschwister über Kinderlosigkeit und ihre Beziehung zu geschiedenen Personen, unterbrochen. Es scheint damals eine Schande gewesen zu sein, sich mit einem Geschiedenen einzulassen, so hatte jedenfalls die jüngere Schwester Gerda, die jetzt in London lebt, Schwierigkeit und macht ihrer Mutter Vorwürfe, daß sie ihr Leben verpatzt hat.
Dann geht es weiter mit der Sommerplanung. Sigurd und Nathalie sollen den in einem Ferienhaus verbringen, wo auch die Kinder seines Bruders leben, während Sonja eine Autoreise macht. Das ist etwas beschwerlich, denn sie müßen früh aufstehen, um den Dampfer zu erwischen. Es wird sehr schön beschrieben, wie sich die Kinder beim Schwimmen vergnügen, die Strandpyjamas, die die Sommerfrischler tragen, geben einen plastischen Eindruck, von der skandinavischen Sommerfrische des frühen vorigen Jahrhunderts.
In dem Haus findet Nathalie auch ihre norwegische Tracht, in der sie Sigurd, einen Bauernsohn, jetzt Elektroingenieur geheiratet hat und, wie stolz er war, daß sie als seine Frau, die schwarze Haube trug.
Weil ein Regen war und alle andere Kleider trocknen müßen, zieht Nathalie die Tracht an, als Sigurd und der Schwager kommen, wieder merkt man die Spannung und der Bruder drängt Sigurd es Nathalie zu erzählen. So kommt heraus, es war etwas mit dieser Adinda Gaardner, einem jungen Mädchen, das Sigurd einmal unterstützte, jetzt ist sie schwanger und die Katastrophe beginnt, denn sie will sich das Kind nicht wegmachen lassen, einen geschiedenen Mann zu heiraten ist auch unmöglich, das würde ihr Vater nie erlauben.
Die Ehe der Beiden ist aber zerstört, das heißt von nun ab getrennt, Sigurd kehrt in die Stadt zurück, Natalie bleibt vorerst im Ferienhaus und trifft sich am nächsten Abend in der Stadtwohnung, um mit Sigurd alles zu besprechen, dann verläßt sie ihn, sagt, sie fährt auf die Insel hinaus und trifft sich dazu mit ihrem Jungenfreund Sverre, das ist aber nicht wahr, sie geht in ein Hotel und erfährt, am nächsten Morgen von ihm, daß Sigurd, weiß, daß sie ihn belogen hat.
Sie versucht auch einmal zurückzukommen und ihn zu verführen, erfährt aber von der Reinigungsfrau, er ist verreist, so daß sie wieder ins Hotel zieht und am Schluß kommt nochAdinda Gaardner in das Geschäft, wo Nathalie arbeitet und sagt, daß sie nach Schweden gehen wird.
So weit der erste Teil und 2012 gelesen, wo Scheidungen schon längst selbstverständlich sind, wirkt manches ein wenig unverständlich.
Im zweiten Teil dann Ragnas Kind geboren, während die halbwüchsige Nichte, eine Zigarette raucht, es kommt zu einer nicht sehr glücklichen Liebesnacht mit Sverre und am Schluß erfährt man durch die Zeitung Adinda Gaardner ist im Kindbett gestorben.
Im dritten Teil ist Sverre mit dem es zu einer unglücklichen Verlobung kam gestorben, Nathalie hat den kleinen Sohn einer lungenkranken Kollegin zu sich genommen und triff Sigurd, der die kleine Anne, die inzwischen dreieinhalb Jahre geworden ist, großzieht, auf einer Hundeausstellung wieder. Es kommt nach einigen Gesprächen und Verwicklungen zu einem Happyend. Die Beiden ziehen mit den zwei Kindern wieder zusammen.
Daß es der Nobelpreisträgerin von 1928 ein großes Anliegen war, die Tradition mit dem modernen Leben zu verbinden, habe ich in Wikipedia gelesen. Sie hat den Nobelpreis ja auch für ihre historischen Romane, zu denen zum Beispiel Kristin Lavranstochter gehören, bekommen und der Ton klingt einerseits erstaunlich frisch und modern, dann wird wieder dort, wo wir uns heute eine spannende Handlung und Acton erwarten, sehr viel geredet und gedacht, Erinnerungen und eigentlich unwichtige Szenen mit vielen Details eingeschoben, wofür man heute wahrscheinlich keinen Nobelpreis bekäme.
Sigrid Undset wurde 1882 geboren, ist 1949 in Norwegen gestorben und eigentlich eine sehr vergessene Autorin, deren Romane man eher nur mehr antiquarisch bekommt.
Works in Progress
Wie geht es weiter mit den Monsterprojekten der Marathonschreiberin?, werden meine Leser vielleicht fragen. Da haben wir bei den vielen Buchbesprechungen der letzten Tage und den jetzt doch beginnenden Veranstaltungsreigen schon länger nichts mehr gehört. Es geht und ich komme hektisch und auch sehr flüchtend mit Rückwärtsschleifen und eingebauten Fallstricken könnte man meinen, ganz gut voran. Aber schön der Reihe nach, um nicht die Übersicht zu verlieren, was bei vier Projekten und dem Fünften schon im Entwurfsstadium, zugegebenermaßen nicht ganz so einfach ist.
Da ist einmal “Kerstins Achterl” mit dem ich überraschenderweise begonnen habe, weil der Alfred im Mai nicht da war und ich ohne ihn nicht gut am “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, das eigentlich an die Reihe gekommen wäre, nicht so gut arbeiten hätte können. Im Juni war ich mit dem Rohentwurf fertig und den Sommer über habe ich daran korrigiert. Vor zwei Wochen war ich soweit, daß ich dachte jetzt bin ich fertig, da kann ich am Nachmittag die Fenster putzen und mich um den Text kümmern? Dann habe ich vor dem Mittagessen einen Fehler gefunden und nachher ist es losgegangen, mit einer Reihe Fehlern auf jeder Seite. Habe ich das denn nicht schon genügend oft durchgesehen? Offenbar nicht. Also habe ich mit dem laut Lesen angefangen, da merkt man dann die Wortwiederholungen und auch, wo die Sätze hatschert sind und der Satzaufbau nicht stimmt. Das mache ich jetzt zum dritten Mal und es gibt immer noch einen Fehlerreigen, also Geduld, liebe Eva, vielleicht wirds doch nichts mit dem Nanowrimo im November, aber man soll sich ohnehin Zeitlassen und nicht so hudeln.
Dabei bin ich auf etwas Interessantes daraufgeklommen. Bei der “Wiedergeborenen” und der “Paula Nebel” meinen anderen noch unfertigen Projekten, hatte ich ja während des Rohtextschreibens immer die Krise, das ist nicht gut genug, schon wieder nichts geworden, ich kann es nicht, etc.
Das ist jetzt weg. Der Text gefällt mir und ich finde ihn auch beim laut Lesen gut. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen, zum Bachmannlesen wird man mich damit wahrscheinlich nicht einladen, was auch deshalb nicht funktionieren würde, weil ich keinen Verlag mehr suche, sondern es konsequent und etwas selbstbewußter selber mache. Es bleibt eine Eva Jancak, eine eher einfache verständliche Sprache, der Spannungsbogen und die Überhebung ist auch eher realistisch flach, es sind aber einige Szenen drinnen, die mir gefallen. Die von der Hochzeit habe ich ja schon bei der Poet Night gelesen und beim literarischen Geburtstagsfest nehme ich noch die mit der Susa Dworak dazu und oder, falls beides zu lang sein sollte.
Ich bin auch noch auf etwas anderes beim Lesen oder bei den Veranstaltungen draufgekommen, wenn ich das Gehörte, Gelesene mit meinem verglichen habe, so schlecht ist es nicht. Vielleicht ein bißchen anderes und es kann schon sein, daß, das, wie ich mir das Schreiben vorstelle, vielleicht nicht ganz den Kriterien des Literaturbegriffs entspricht, die ja immer höher werden.
Also “Kerstins Achterl” in Ruhe fertig korrigieren, mal sehen, wie lange ich dazu noch brauchen werde und nicht hudeln.
Einen Text brauche ich noch dazu, da habe ich schon verraten, wen ich vielleicht fragen werde oder ihn auch wieder selber mache und ein Titelbild, das ir wir in Harland machten. Die Idee dazu gab es schon und ist ganz einfach, eine Flasche Rotwein und ein Glas dazu, das man vielleicht auch umwerfen kann, mit ein paar Tropfen auf den Tisch.
Um nicht ganz chronologisch vorzugehen, das nächste Projekt ist die “Wiedergeborene”, die ja kurz vor Jahreswechsel die erste Krise in mir auslöste. Weil ich mit den vierzig Seiten, die ich da hatte, nicht weitergekommen bin und ich nicht wußte, ob ich nicht doch zum Recherchieren nach Prag fahren müßte? Ich habs nicht getan und weitergeschrieben. Korrigiert, danach im März mit der “Paula Nebel”, die ein Kurzprojekt geworden ist, weitergemacht und im Sommer war der Alfred mit dem Manuskript so weit, daß wir die Vorschau vor dem Urlaub noch in den Blog stellen konnten. Dann habe ich das Manuskript noch solange durchgesehen, bis es an die Druckerei gehen konnte. Ein paar Durchläufe waren dazu nötig, am Montag ist das Dummie gekommen, wieder zwei Fehler gefunden, einen hatte ich, glaube ich, schon angestrichen gehabt und dann doch wieder übersehen. Gerade vorhin ist das Mail gekommen, am Freitag sind die Bücher versandfertig und am Montag wahrscheinlich zugestellt. So daß ich es hier bald präsentieren kann und rechnen muß, das wieviele sogenannte Indie-Buch das jetzt ist. Da tue ich mir ja inzwischen schwer.
Fünf gibts vom Digi-Melzer, zwölf habe ich mir vom Novum drucken lassen und vom Digitaldruck.at ist es jetzt das neunte, also sechsundzwanzig, dazu kommen dann noch die “Hierarchien”, die beiden Stotterer Bücher und die drei noch nicht erschienenen Projekte.
Kommen wir zu der “Paula Nebel”, dem Monsterprojekt, das dann eine eher kürzere Erzählung geworden ist, was mich um Ostern auch in die Krise stürzte, aber den Vorteil hat, daß der Alfred sehr schnell mit der Buchumsetzung fertig war. So daß es jetzt schon für mich am Schreibtisch liegt und ich es demnächst durchgehen werde. Den Text gibt es schon, den habe ich im Mai geschrieben, das Bild war wieder etwas schwierig, was nehmen wir für das Cover? Schon wieder eine alte Frau? Da gibt es ja schon einiges. Jetzt werde ich wahrscheinlich doch das Bild von Alfreds Oma im kaputten Bilderrahmen auf das kleine weiße Kästchen in Harland stellen, wo es die Kastanien, die Trockenfrüchte und die Trockensträußchen gibt.
Flott, flott, ich tue mir ja immer ein bißchen schwer, wenn ich jemanden davon erzähle, wie schnell ich bin, nenne es selber vorauseilend manisch und habe den Gedanken, du bist zu schnell, da kann es doch nichts sein, im Kopf und imaginiere, daß den auch die anderen haben.
Stop, halt, nichts davon! Am Montag bin ich mit Friedrich Hahn in der Alten Schmiede gesessen und der hat mir erzählt, daß er seinen sechzigsten Geburtstag mit einer Lesung aus seinen dreißig Büchern feiern wird. Mein Sechziger wird im nächsten Jahr sein und, daß ich da sechzig Minuten lesen werde, habe ich mir schon vorgenommen. Jetzt denke ich, ich kann mir auch den Bücherstapel vor mich legen, die Bücher herzeigen und aus dem einen oder anderen ein Stückchen lesen.
Die Wiedergeborene wird also demnächst geben. Die “Paula Nebel” muß druckereifertig werden und “Kerstins Achterl” an den Alfred gehen.
Wenn ich das noch im Oktober schaffe, könnte ich das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” das nächste Projekt, das mir eingefallen ist, als ich mit der “Paula Nebel” gerade in der Krise war, noch ein bißchen liegen lassen. Die Texte habe ich ja schon, sie müßen nur zu einem Buch verarbeitet werden und mich an den “Nanowriomo” machen. Da habe ich ja schon eine Idee für das nächste und bei den Schnupperwochenenden des Writersstudios, die wirklich einen enormen Einblick in die Welt des Schreibens boten und mindestens den Wert von zwei Workshops hatten, aber ich habe das Schreiben ja in den letzten neununddreißig Jahren durch das Selbststudium und das permanente Tun gelernt, ein bißchen zu skizzieren begonnen. Wenn ich aber noch nicht fertig bin, bzw. noch an der “Paula Nebel” korrigiere und dann ohnehin wenig Zeit haben, wegen meines Geburtstagsfests, der Buch-Wien, etc, kann ich das auch lassen. Daß ich auch in Streßzeiten fünfzigtausend Worte schreiben kann, habe ich ja schon bewiesen. Mein Problem ist ja eher, wie merken das die anderen und wie schaffe ich es sie dafür zu interessieren? Da das ja offenbar auch mit dem Literaturgeflüster nicht möglich ist. Ich weiß es noch immer nicht, weil ja das, was ich probierte, nicht wirklich funktionierte. Habe aber am 29. Oktober die Lesung aus meinem vorläufig zuletzt erschienenen Buch in der Alten Schmiede. Lade alle wieder sehr herzlich dazu ein und kann noch von einem Leporello der letzten Woche berichten, wo Radek Knapp sein neues Buch vorstellte. Dazu verkaufte er Obst auf einem Wochenmarkt, bzw. tut er das jetzt überhaupt regelmäßig, um im Kontakt mit der Erde und der Arbeitswelt zu verbleiben, wenn ich das richtig verstanden habe und da sinnierte er auf eine Art und Weise, wie sie mir nicht ganz gefällt. Da gibt es einen Haufen Obst, oben die glänzenden schönen Äpfel, während das untere verdorben und faulig ist und wenn du nicht aufpasst, tut dir der Verkäufer dann das in die Tüte. Mir ist das am Naschmarkt nur ein einziges Mal mit einem Salat passiert und ich glaube auch nicht, daß von den zehntausenden Neuerscheinungen, die diesen Herbst Frankfurt übeerschwemmen, alle bis dreißig oder vierzig faulig sind, wie Radek Knapp meinte, sondern finde es sehr schön, wenn viele Leute schreiben und auch dem Leser schadet es nicht, sich für das vielleicht ein wenig weiter unten Liegende zu interessieren.
Willi wo bist du
Jetzt kommt ein Kontrast zu den Bestsellern aufsteigender Jungautoren, nämlich Teil 2 und 3 der Willologie des treuen Literaturgeflüsterleser und Kommentierer Rudi Lasselsberger. Teil 1 “Willi auf Kur”, noch in der fröhlichen Wohnzimmeredition erschienen, hat mich durch ihre handgeschriebene Machart ja etwas verwirrt, die Spurensuche “Willi wo bist du”, schon im loma*Verlag erschienen, das heißt, der Rudi hat sich eine ISBN-Serie gekauft, die es, glaube ich, im Zehnerblock gibt und auch soviel produziert oder ist vielleicht noch dabei. Bei der offenen Bücherschrank-Lesung am 16. Juni hat er sie mir gezeigt, bzw. das Verlagsprgramm auf einer schönen blauen Meereswellenkarte übergeben und “Will wo bist du” schon etwas früher, nämlich auf seiner Lesung im El Speta, gemeinsam mit den “Sonnenblumen im September”, die auf der Leseliste für 2013 stehen und noch einmal “Tanz in den Mai”, diesmal mit ISBN-Nummer, das von mir besprochene hat ja eine erfundene gehabt, das habe ich aber mit Erlaubnis des Autors in den Wortschatz gestellt, da ich die Bücher ja nicht horten möchte.
“Franz in Linz”, das Rudi, glaube ich bei unserer Gemeinschaftslesung im “El Speta” vorstellte, fehlt mir noch, wie auch Teil vier, fünf oder sechs der Willogie “Willi auf ein Wort” “Abraxas”, ein Gemeinschaftsbuch mit Zeichnungen von Erich Sündermann, habe ich am 16. Juni bekommen und muß noch auf meine Leseliste, man sieht allmählich werde ich eine Rudi Expertin und kann das Programm des loma*Verlags wirklich nur empfehlen, denn der 1956 in Schlatten geborene Rudi Lasselsberger, den ich ja 1987 bei der Schreibwerkstatt des Jägermeierhofes, die es damals anläßlich des Max-Grün-Preises, der er in diesem Jahr gewonnen hat, kennenlernte, verbindet meiner Meinung nach das Alltagsschreiben sehr genial und einzigartig mit der konkreten Literatur.
Er schreibt manchmal mit der Hand, verwendet seinen höchstpersönlichen Dialekt, mischt Zeichnungen und Zierzeilen ein, bei Lesungen, wechselt er öffentlich das Leiberl und schmeißt Mozartkugeln in das Publikum, schreibt von seiner Familie, sowie den politischen Ereignissen und tut das alles auf seine so gekonnte Art, daß die Zeitschrift “Kolik” ihn verlegt, wow!
Nun also zur Spurensuche, dem weißen, knapp neunzig Seiten Bändchens, das mit Bd 2 “-6 Grad zeigt der Kika-Turm an, und 5:13 Kein Schnee in Wien”, beginnt. Es ist Sylvesterabend und der Willi offenbar das Alterego des Rudis, denn er hackelt auch als Flatsortierer bei der Post, geht in den Jahreswechsel, er ruft die Mutter an, die sich bald auf Reha nach Großgerungs begeben wird, hat sich von einer Lena zu trennen, die studieren will und ihm daher “bitte, Willi, looooossssssllllaaaassseeennnnnnn n n n.” mahnt.
Der Rudi hält auch immer brav ein Zwigespräch mit dem Willi, nennt ihn daher seinen “Braven Buben”, “Ja darfst eh mein Bub, bist ja mein Bub” und läßt ihn manchmal eine Zierleiste schreiben.
“Zierzeile – Bierzeile – Mirzeile”, wo wir schon bei einem wichtigen Willi-Thema sind, dem Saufen und dem Essen und so wandert der willi auch tapfer von der “Bunten Kuh” zum “Little Stage”, beides Lokale im fünften Bezirk und da zumindestens der Rudi im sechzehnten Bezirk wohnt, fährt er mit der U3 oder dem 13A dorthin, manchmal geht er auch die Otto Bauergasse hinunter und muß zwischendurch ins “Sexgschäftl” schauen. Die Kellnerinnen bringen das Bier und das Menü, manchmal wird auch ein besonders scharfes Spezialbrot gestrichen oder Käse-Schniken-Toast bestellt. Am Biertisch wird politisiert und der ganz normalen Arbeitswahnsinn besprochen, was 2008 ja die Postrationalisierungen sind, über die ich mich auch manchmal ärgere und einmal, als das Kabarett ausfällt, steigt der Willi auf die Bühne, schreit “Wollt ihr das totale Kabarett?” und “hüpft dann auf der Bühne auf und ab , ähnlich Rumpelstilzchen.”
Am Schluß, das heißt am Buchrücken gibts noch ein Gedicht
“Wir sind verrostete Seelen
im Lagerhaus der Zukunft
die es nicht gibt, sagt Willi
Wir sind verlorene Seelen
im Layrinth des Schwachsinns,
sage ich
Ja, das auch, sagt Willi,
das auch
Die Willologie ist, entnehme ich dem Buch, auf zwölf Bände geplant, also werden manche Geheimnisse erst später verraten und ich verrate, daß der Rudi wahrscheinlich auch aus dem “Willi” am 3. Oktober um 19 Uhr bei einer neuerlichen offenen Bücherschranklesung in der Grundsteingasse, am Brunnenmarkt, 1060 Wien, lesen wird.
Hinkommen, vielleicht fliegen wieder Mozartkugeln und wenn er gewinnt der Rudi, gibts ihm am 6. Oktober noch einmal. Der Rudi hat auch einen Blog, auf dem ich jetzt verlinke, daß er mich, da ich mich ja sicher wieder irgendwo verschrieben habe, auf die Fehler aufmerksam machen kann.
Vom Wildganspreis zu Grüßen aus dem Öztal
Vor zwei Tagen ist die Einladung zur Wildganzspreisverleihung oder zum Literaturpreis der österreichischen Industrie Anton Wildgans, wie er jetzt heißt, bekommen, daß den Arno Geiger erhält, habe ich einer Aussendung von buecher.at entnommen und wahrscheinlich auch gebloggt, aber das ist ein Preis, wo ich eigentlich keine Ahnnung hatte, wo und wann er vergeben wird, obwohl er in meinen Büchern eine Rolle spielt.
Bei Lore und Lena hat ihn der Vater Paul bekommen, der Johannes Schwarzinger in “Tauben Füttern” und wahrscheinlich auch der Johannes Staudinger aus “Mimis Bücher”, daß das ein Preis ist, der nach dem legendären Anton Wildgans, einem eher konservativen Dichter, von dem die Frau Prof Friedl in der Strassergasse schwärmte, bzw. seine Werke lesen ließ, wußte ich, aber sonst nicht viel. Jetzt kam plötzlich die Einladung von einer Marketingagentur und da ich ja ohnehin ein Einladungstrauma habe, war ich einmal baff, bis ich realisierte, daß am Mittwoch ja Anna Weidenholzer ihren neuen Roman “Der Winter tut den Fischen gut” im Literaturhaus vorstellte, aber da wäre ich ohnehin nicht hingegangen, denn im Radiokulturcafe war auch Hans Haid und stellte Österreichs wildestes Hochtal vor. Dafür hatte der Alfred schon Karten gekauft und zum Glück bekam Arno Geiger seinen Preis um sechs, das Radio Kulturcafe begann um halb acht und das Haus der Industrie am Schwarzenbergplatz 4 ist nicht allzu weit von der Argentinierstraße entfernt, ins Literaturhaus wäre es sich nicht ausgegangen und bezüglich Wildgans-Preis erwartete mich bekanntes, nämlich Marianne Gruber und Barbarba Neuwirth in der Jury und außerdem feierte der Wildgans Preis seinen fünfzigsten Geburtstag.
1962 wurde er das erste Mal an Fritz Hochwälder vergeben, Fritz Habeck, Christine Lavant, Andreas Okopenko, Herbert Zand folgten, dann hätte ihn 1967 Thomas Bernhard bekommen sollen, aber weil der ja etwas unbotmäßig war, wurde die Preisverleihung abgesagt, aber sonst das Who is Who der österreichischen Literatur, daß man wieder neidig werden könnte. Kein ganz Junger steht in den Statuten, sondern einer von dem das Lebenswerk noch zu erwarten ist, also Ilse Aichinger, Milo Dor, Ingeborg Bachmann, Barbara Frischmuth, Ernst Hinterberger, Friederike Mayröcker, Christine Busta, Ernst Jandl, Gert Jonke, Josef Winkler, Julian Schutting. Peter handke hat ihn 1984 abgelehnt, Christoph Ransmayr, Ilse Tielsch, Norber Leser, Michael Köhlmeier, Vladimir Vertib, um schon zu den jüngeren zu kommen, Evelyn Schlag, Franz Joseph Czernin. 1995 gab es keine Verleihung, da wurden Bücher der vorigen Preisträger aufgekauft und an Kulturinstitute verschickt, Barbara Neuwirth hat ihn 2005 bekommen und 2011, offensichtlich hinkt der Preis etwas nach Arno Geiger zu dem ich ja auch meine eigene Geschichte habe, ihn nämlich 1996 in Klagenfurt kennengelernt, als er noch ziemlich jung und unbedarft war, Barbara Neuwirth hat in ihrer Laudation etwas von einem Nachwuchsstipendium erwähnt, das er 1994 bekommen hätte und einigen Veröffentlichungen in Anthologien, für mich war er damals jedenfalls unbekannt. Er hat nichts gewonnen, ist mir mit seinem Text aber aufgefallen und offensichtlich auch der Martina Schmidt, denn da sind bald seine Bücher erschienen, “Kleine Schule des Karusellfahrens” und “Irrlichterloh”, bei einem von beiden war ich bei einer Präsentation im Literaturhaus, dann gab es ein Hörspiel gemeinsam in Heiner Link, da war ich bei der Präsentation in der Alten Schmiede. “Anna nicht vergessen”, ein Erzählband bei “Rund um die Burg” vorgestellt und 2004 oder so hat er noch einmal in Klagenfurt gelesen, wieder nichts gewonnen, aber mit einem Ausschnitt aus “Es geht uns gut”, womit er 2005 der erste deutsche Buchpreisträger wurde. Mit ihm waren Daniel Köhlmeier und Friederike Mayröcker nominiert, erinnerte Barbara Neuwirth. Dann kam “Alles über Sally” und zuletzt “Der alte König in seinem Exil” über die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters. Da war er 20011 für den Leipziger Preis nominiert, alle haben auch geglaubt, er würde ihn bekommen. Der Preisträger war aber Clemens J. Setz, der glaube ich, den Wildganspreis noch nicht bekommen hat. Er wäre auch zu jung dazu. Vielleicht nächstes Jahr. Nicht allzu viele Leute im Festsaal im Haus der Industrie und nicht allzuviele, die ich kannte. Zum Glück hat es ziemlich pünktlich begonnen, mit einem Militärmusikquartett. Dann kam eine Rede eines Herren von der Industriellenvereinigung. Der das Lesen lobte, bei fünfundzwanzig Prozent funktioneller Alphabeten, er darf es sagen, muß man es doch fördern. Er zählte dann auch alle Vorteile auf, die es hat, wenn man es kann und was die schöne Literatur uns allen bringt. Dann kam Barbara Neuwirth und zählte das auf, was ich schon oben erwähnte. Preisverleihung und ein Fotoshooting mit der Mappe. Dann kam die Dankesrede, die damit begann, daß der kleine Anton Wildgans acht Jahre war, als der Hausarzt ihn auf das Sterben seines Vaters vorbereitete, der vor einigen Jahren einen Schlaganfall erlitten hatte, wo er seine Sprache verloren hat. Jahrelang ist er durchs Zimmer gegangen und hat versucht sie wiederzufinden und Arno Geigers Vater hat die seine auch verloren und der Vater war über Fünfzig als er ihn der Insult ereilte und Wildgans ist mit Fünfzig gestorben.
“Alles Gute zum Geburtstag Anton Wildganspreis!”
Dann gab es einen Cocktail, Sekt und ein paar Brötchen, ich habe mich mit Robert Huez unterhalten, der ja auch in der “Wiedergeborenen”, die am Montag kommen soll, eine gewisse Rolle spielt und ihn gefragt, warum er nicht im Literaturhaus wäre, aber ich war ja auch nicht dort und man kann nur auf einem Ort gleichzeitig sein und dann war es auch schon Zeit ins Radio Kultur Cafe aufzubrechen, wo ich Axel Karner und El Awadalla traf und der vierundsiebzigjährige Hans Haid ein paar seiner Mundartgedichte, musikalisch begleitet von dem Hirten Toni Burger las. Hans Haid ist ja auch ein bekannter Name, Schriftsteller und Volksskundler, ein paar Bücher über Schafe gibt es und er hat auch eine Zeit in Wien gelebt und ist dort in der Wiener Schule um H.C.Artmann, Friedrich Achleitner, Friederike Mayröcker und Ernst Jandl gewesen. Vor allem ist er aber ein Kritiker und da gefällt ihn der Ausverkauf der Tiroler Alpen und die touristische Vermarktung nicht recht. Es gab eine interessante Diskussion und mir fällt dazu ein, daß mich ja einmal eine Frau im Salon Philosophique erkannte, die mir etwas von Hans Hais erzählte, ich habe ihn aber nicht persönlich gekannt, sondern ihn höchstens einmal meine Texte geschickt. Es gab auch eine hochdeutsche Übersetzung der vorgelesenen Gedichte zum Mitnehmen und Mundartdichtung oder Dialekt, wie es ja besser heißt, ist ja eigentlich nicht das meine, trotzdem war es interessant und ein toller Kontrast und jetzt bin ich nur gespannt, ob ich das Weidenholzer Buch vielleicht doch noch lesen kann.
Licht aus im 3raum Anatomietheater
Wieder hat es eine Terminkollision gegeben, “Japan erinnert”, zwölf österreichische Autorinnen schreiben über Japan, im Literaturhaus und Textvorstellungen mit Angelika Reitzer in der Alten Schmiede, wo Peter Campa, Markus Mörth, Birgit Pölzl, und Harald Schwinger vorgestellt wurden und diese Textvorstellungen lasse ich ja ungern aus, habe mir sogar ein ganzes Archiv, ob Angelika Reitzers kunstvollen Einleitungen und den jungen Talenten, die man hier hören kann, angelegt. Daß sie Peter Campa vorstellte, den Schreibbesessenen, der in der Edition Triton verlegt und mit dem ich einige Male gelesen habe, als es das von Ernst Kostal organisierte “Wahnsinnssymposium” im Literaturhaus noch gab, hat mich besonders überrascht und mich daran erinnert, daß ich noch ein Buch von Peter Campa habe, das eigentlich auf die Leseliste sollte. Also habe ich mich gegen die bei Luftschacht erschienene Japananthologie, die auch interessant gewesen wäre, entschieden, als mir Stephan Eibel Erzberg einen Strich durch meine Rechnung machte, denn den könnte ich ja neben dem Rudi als meinen “literarischen Verehrer” bezeichnen, jedenfalls schickt er mir öfter seine Gedichte und sehr aufmunternde Mails, so auch im August, wo er mich auf sein neues Buch “Licht aus” aufmerksam machte und mitteilte, wem das besonders gut gefallen hätte. Er hat dann, glaube ich, auch beim Volksstimmefest daraus gelesen und mir vor ein paar Tagen noch eine Erinnerung an die Buchpräsentation im 3raum Anatomietheater geschickt und in dem er, glaube ich, schon seinen Roman “Sofort verhaften” vorgestellt hat. Damals hat er mich auch eingeladen, ich habe aber die Buchpräsentation in der Alten Schmiede gehört und mich gewundert, daß ich dabei einige Leute getroffen habe, die ich sonst beim klinischen Mittag oder bei den Supervisonsrefexionen sehe. Von Stephan Eibel habe ich schon sehr viel gelesen, bringt er mir ja immer seine Gedichtbände mit und war auch schon zweimal bei meinem literarischen Geburtstagsfest. Er scheint ein sehr extrovertierter Typ zu sein, der mit sehr revolutionären Ideen die Welt verändern will. So hat er ja einmal im ORF verlangt, daß bei jedem seiner Gedichte ein besonderer Satz vorangesprochen werden muß und darüber im fröhlichen Wohnzimmer eine Dokumentationen herausgegeben. Mit der F-Partei hatte er auch einmal Schwierigkeiten, die ihn klagte, die Klage dann aber zurückgezogen hat und er erzählt bei seinen Lesungen auch gerne seine Ideen. Ich bin ein bißchen früher in das Theater in der Beatrixgasse gleich neben der Musikhochschule oder, wie die jetzt heißt, gekommen und habe mich lange mit Waltraud Haas unterhalten, die eintreffenden Besucher beobachtet, bis dann Stephan himself erschienen ist und alle aufmerksam begrüßte. Die Lesung fand im Vortragsaal im hohen Pulten, wie im alten AKH statt, ein Bücherstapel war ausgebreitet. Martin Kratochwil hat einige von den Eibel Texten vertont und den Sänger Lucy Mc Evil auch im kurzen Kleidchen und Perücke, wie Christoph Vivenz bei der Poet-Night dazu begleitet.
“Diesen Gedanken hier und auch alle anderen vier schenke ich dir”-“Die Form der Norm will der Geraden schaden” – “Stephan Eibel Erzberg verdichtet in der kurzen Form seiner Gedichte die Absurdität des Alltags, denkt gekonnt und unerschrocken um die Ecke und blickt hinterlistig hinter die Fassaden des Alltags und in die Intimität des allzu Menschlichen”, steht auf dem Begleitblatt.
Und er hat, wie erwähnt auch seine Ideen dazu erzählt, beispielsweise die, daß die ÖBB Gedichte den Zugfahrern beigibt, in der zweiten Klasse Erich Fried, in der ersten Franz Josef Czernin, bei Klagenfurt kommen dann schon die Wortpfützen aus den Mündern heraus. Dann kam wieder die Geschichte mit dem SPÖ Politiker und daß die Schwarzfahrer keine Strafe zahlen müßen, wenn sie ein Gedicht aufsagen können, die natürlich genausowenig realisiert ist, als die, zum Nationalfeiertag einen Film zu drehen, wo der Bundespräsident aus seinem Auto steigt ins Parlament geht und ausruft “Mich stört nur, mein Hang zur Diktatur” und die Politiker dort stehen auf und wiederholen diesen Satz.
“Ich schau ums Eck o schreck noch ein Eck”
Der Gedichtband ist in mehrere Abteilungen gegliedert, Christine Klell hat das Buch graphisch aufwendidg gestaltet, das weg, wie die warmen Semmeln gegangen, ein Herr ließ sich “Für Otto Schenk” hineinschreiben, obwohl er nicht der berühmte Schauspieler war. Stephan Eibel signierte und seine Töchter, denen auch einige der Gedichte gewidmet waren, standen daneben und freuten sich über den Erfolg und ich denke es war eine gute Wahl, obwohl es natürlich sehr schade ist, die Textvorstellungen und auch das andere versäumt zu haben.


