“Im Himmelreich ist der Teufel los”, dem dritten im Kehrwasserverlag erschienenen Krimi, des 1958 in Jenbach Tirol geborenen und in Linz lebenden Hauptschullehrers Ernst Schmid, ist, da es sich offenbar um eine Serie handelt, “Mord im Himmelreich”, ist 2011 erschienen, schwer zu lesen, denn der Autor springt sofort in die Handlung und den Personenpool hinein und wer da keine Ahnung von Ernst Schmids vorangegangenen Krimis hat, tut sich schwer. Hat man sich dann ein wenig eingelesen kommt man darauf, daß hier sehr aktuelle Themen behandelt werden und der Roman so gnadenlos witzig ist, daß er spannend und originell hinüberkommt, vor allem für eine, die sehr an der Sozialkritik und am sozialen Leben in Wien und in der Provinz interessiert ist.
Da gibt es einmal Kemal Özylimazkorucu, das ist, um keine Mißverstänisse aufkommen zu lassen, ein Österreicher, in Wien geboren, im fünften Bezirk, nahe dem Einsiedlerpark aufgewachsen, der sich schwer in der Hauptschule tat, so daß schließlich ein ganz gewöhnlicher Streifenpolizist aus ihm wurde und weil er auch sehr jährzornig ist, hat er offenbar in dem früheren Krimi, einen seiner Vorgesetzten verletzt, so daß er zur Psychologin mußte und in die oberöstereichische Provinz, in einen Ort namens Andling mit einem Teil namens “Himmelreich” strafversetzt wurde. Dort wurde im “Mord im Himmelreich” offenbar der Bauer des Trautnerhofs ermordet, Kemal konnte das aufklären und hat sich so in die Provinz bzw. in die Brandtnerhoftochter Agnes verliebt, daß er nicht mehr zurück in die Hauptstadt will.
So weit so gut, jetzt ist Kemal zu seiner Mutter nach Wien gefahren, die den siebenundzwanzigjährigen verheiraten will und dafür schon in Kaysersi bei den Verwandten anfragen ließ, welcher der Töchter bereit wären, zu Kemal nach Österreich zu kommen und die Schwster Ayshe, früher um nichts verlegen und sehr selbstbewußt, trägt plötzlich freiwillig Kopftuch und schwärmt von einem Iman. So flüchtet Kemal von der Dominanz der Mutter wieder auf das Land zurück und kommt dort erst so recht in Zores, denn im “Goldenen Hirschen”, dem Dorfwirtshaus, hat der ehemalige Fremdenlegionär Jean Lemberge rezeptive Johann Lemberger, einen Wasserspezialisten betrunken gemacht, um ihn auszuhören, sein Pech ist nur, daß der dann am nächsten Morgen tot aufgefunden wird.
Kemal hat einen etwas seltsamen Vorgesetzten, einen Adeligen Namens Rüdiger von Markstein, ist der Adel in Österreich nicht verboten?, der auch noch so spricht, wie aus dem Rosenkavalier, “Komme er her und überlass er das Denken den Pferden im Kopf”, denn er verdreht auch noch sämtliche Sprichworte und diskriminiert den armen Streifenpolizisten, der aber sonst im Ort ganz gut integriert ist, auf unerhörte Art und Weise.
Dann gibts noch einen senilen Hochwürden, weil der in Unterhosen auf die Kanzel geht, hat man ihm einen afrikanischen Pater zur Seite gestellt, aber der predigt in scharfen Worten gegen die Sünde, so daß Pfarrer Altmann auf den Plan tritt, um die Heilquelle zu untersuchen, mit der Enrico Gelatello, ein Wiener Gürtelkönig und jetziger Besitzer des Brandtnerhofes, den Ort zu einem Wellnesstempel machen will und sich auch, um Teufelsaustrübungen zu kümmern, denn in dem idylillischen Örtchen passieren die seltsamsten Sachen.
Da ist dem alten Bauern, auf dessen Grund die Heilquelle liegt, der Geist des ermordeten Trautners erschienen, so daß er den Hof an den Eismann verkauft, ein stinkendes Huhn wurde auch hinterlegt, bzw. verseucht es Kemals Auto und Enrico Eismann, der mit einem Kampfhund, einem Bodygard und einer Freudnin im schamlosen Röckchen und Higheels auftritt, einen Bus mit leichten Damen auffahren läßt, um die Heilquelle mit den weltlichen Freuden zu verbinden.
Kemals Chef ist begeistert, denn er wird zu der Sexparty eingeladen, der weniger, denn der Kampfhund springt ihn an, als er sieht, wie Enrico seine Freundin mißhandelt, Hochwürden veranstaltet eine Demonstration und die Frauen des Ortes, auch die angebetete Agnes ziehen mit Kopftüchern und Rosenkränzen und Kemal findet in einem Heustadel eine junge Tschetschenin mit ihren zwei Geschwistern, die ihm erzählt, daß ihre Schwester von Enrico in Wien zur Prostitution gezwungen und ermordet wurde, jetzt ist sie da, um den Teufel unschädlich zu machen und so nimmt sie auf die Demostration ein Messer mit und als Enrico seinen Kampfhund ausläßt, versteht es Hochwürden Delale ihn mit seinem Blick zu bändigen.
Im Himmelreich ist ja der Teufel los, kein Zweifel und so meldet Enrico auf dem Polzeirevier, Elena ist verschwunden, Kemal findet ihre Leiche in einem fürchterlichen Zustand an einen Baum gebunden und in Hochwürden Delales Zimmer finden sich die fürchterlichsten Prornoheftchen und Hochwürden Altmann führt Kemal hin, das ist der Täter! Ist er nicht selbstverständlich, denn der Mörder hat nur eine falsche Spur gelegt, die Kemal aber aufdecken kann und obwohl er sich als ehemaliger Hauptschüler ja nie trauen würde, seiner angebeteten Agnes, seine Liebe zu gestehen, lädt die ihn nach Linz zum Rendezvous und flüstert ihn ins Ohr, wie gerne sie seine Mutter kennenlernen würde…
Von Ernst Schmid und seinen Krimis, dachte ich, habe ich noch nie etwas gehört, mitnichten, er hat natürlich auf der Kriminacht im Thrill u Chill gelesen und ist auch auf den oberösterreichischen Krimifestivals sehr aktiv.
“Im Himmelreich ist der Teufel los”, ist der dritte Kehrwasserkrimi, es gibt aber eine Reihe anderer solcher Bücher, die in in anderen Verlagen erschienen sind und, ich glaube, auch Gedichte und ich bin über die Neuenteckung, auf die ich durch Ingrid Führers Büchercoach gekommen bin, sehr erfreut, denn offensichtlich gibt es sehr viele Krimis, auf die man, wenn man nur auf der Mainstreamlinie bleibt, nicht so leicht kommt und hier hat mich die realistische Schilderung des Milieus der Austrotürken sehr erstaunt, obwohl Schmid, dann wieder so maßlos übertreibt, daß es schon wieder komisch ist.
“Was ist hier los, Kamel? Kann er mir erklären, was dieser Menschenauflauf zu bedeuten hat?”
Der Kollege Penniseder, genannt Pennis, stottert natürlich und Kemal ist bei seinem Dienstantritt in den Jauchenwagen hineingefahren u. u. u.
So blöd, daß man den Kopf schüttelt und dann hat man doch einen sehr realistischen Einblick in das Leben der jungen Türken in Wien und anderswo bekommen, so daß ich über diese Entdeckung sehr dankbar bin, obwohl die tschetschenischen Asylwerber, wenn ich mich nicht irre, vorwiegend muslimisch sind und daher wahrscheinlich nicht mit einem katholischen Pfarrer demonstrieren gehen, aber Gregoria hat ja ein Messer dabei gehabt.
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Buchmessen-Report
Vom zehnten bis zum vierzehnten Oktober gabs in Frankfurt wieder die Leistungsschau in Sachen Buch, bei dem sich, wie man überall hören kann, soviel verändert, daß auch auf der Buchmesse kein Stein auf dem anderen bleiben wird, trotzdem fing es, wie schon seit 2005 mit der Verleihung des deutschen Buchpreises an. Am Montag wurde der im “Römer” vor dreihundert Gästen vergeben, während ich mich ja zur “Politik und Poesie” in die Alte Schmiede aufmachte, darauf vertrauend, daß ich mir die Übertragung, für die es auch einen livestream gab, nachher, wie auch früher anschauen kann. Man soll sich aber auf nichts verlassen, denn diesmal ging das Videoanschauen ohne eine Zusatzinstallation, von der mir der Alfred abriet, nicht, so konnte ich nur in Erfahrung bringen, daß Ursula Krechel, die einzige Frau auf der Liste, die Preisträgerin wurde und mit Buzzaldrin darüber bloggen. Am Dienstag begab ich mich, während in Frankfurt eröffnet wurde zu Ilija Trojanow in den Augartenradius um meinen politischen Widerstand einzuüben und habe mir dann doch das Eröffnungsvideo anschauen können. Neuseeland ist ja heuer Gastland, da gab es Einlagen von den Ureinwohnern und auch ein Wasserbecken, so daß die Gäste nasse Füße bekommen konnten und Guido Westerwelle die Eröffnungsrede hielt. Catherine Mansfield ist ja eine prominente Neuseeländerin, deren Texte für den Schwerpunkt wiederaufgelegt wurden.
Am Mittwoch gings dann los, bis Samstag zuerst für die sogenannten Fachbesucher, auf der Buchmessenseite war aber schon länger das Programm des blauen Sofas angekündigt, wo es mit Jenny Erpenbecks “Aller Tage Abend”, einer Langlistensteherin, losging, aber auch die Buchpreisträgerin präsentiert wurde, die von ihrem Roman “Landgericht” und wie sie dazu gekommen ist, erzählte und dann kam schon der erste Neuseeländer, der 1961 geborene Anthony McCarten mit seinen “Ganz normalen Helden”, kam, das ist das zweite Buch, im ersten stirbt der Sohn einer Familie und im zweiten verschwindet der Bruder im Internet, wo es dann zu einer Diskussion mit Wolfgang Herles über das Verschwinden des Buches kam und McCarten hielt einen brillanten Vortrag, wie Steve Job das Buch vermarkten würde. Dann gabs ein paar Sachbücher auf dem blauen Sofa, das um zwei von Ken Follet mit dem zweiten Teil seiner Trilogie, dem Band Winter der Welt, wo es um den zweiten Weltkrieg geht, betreten wurde, mit dem ersten war er bei der Buch Wien vor zwei Jahren und um halb drei folgte einer der Shortlistenautoren Stephan Thome, der von den Bloggern als Favorit gehandelt wurde, mit “Fliehkräfte” mit “Grenzgänge”, ist er glaube ich auch schon auf der Liste gestanden und Aspekte Preisträger geworden. Wolf Haas folgte mit seiner “Verteidgung zur Missionarsstelle” sowohl am blauen Sofa, als auch auf der ARD-Bühne, wo er in gekonnt lockerer Art und Weise über seine Art Romane zu schreiben erzählte und eine kleine Stelle auswendig vortrug und Arnold Schwarzenegger wurde durch eine sehr esoterisch wirkende Junge Dame namens Marie Pohl mit ihrem Buch “Geisterreise” ersetzt, bevor es nach einer Stunde mit der “Verteidigung Europas” Daniel Cohn-Bendit und wie der Moderator erkläre, dem österreichischen Autor Robert Menasse weiterging, der ja einen Roman über Europa geschrieben hat, bzw. jetzt einen Essay darüber geschrieben hat.
Dann ging es über in das Krimigenre mit Ingrids Noll “Über Bord”, deren “Hahn ist tot” und die “Apothekerin” ich ja im Schrank gefunden habe und die sowohl in Leipzig als auch in Frankfurt immer wieder zu finden ist und wie sie erzählte in mehr als einundzwanzig Sprachen übersetzt wurde.
Mit Sascha Lobo und Kathrin Passig und das Internet ging es weiter, bevor man in Frankfurt zu den Empfängen und ich in die Alte Schmiede zu den Textvorstellungen ging. Vorher konnte ich aber noch ein Fotoshooting mit Anthony McCarthy beobachten, der sich gekonnt in Pose setzte und dazu englische Witzchen machte und im Falter-Bücher-Herbst ist auch noch ein Buchmessengoodie zu mir gekommen.
Am Donnerstag war es dann ein wenig schwierig nach Frankfurt und aufs blaue Sofa zu kommen, wo Thomas Hettche sein neues Buch vorstellte, bzw. seine Vision darstellte, wie er sich die Rolle des Buchs in Zukunft vorstellt. Carl Nixon erzählte wieder etwas von Neuseeland, während bei ARD Donna Leon auftrat und von ihrem neuen Nicht-Brunetti Projekt, in dem es um einen Barockmusiker geht, für den sie auch sammeln will, erzählte und Dennis Scheck, die Bücher von Prominenten, wie die von der Frau von Guttenberg, Wulff etc, die offenbar jede Menge Bücher haben, zerriss und das neue Buch von Joanne K. Rowling und Wolf Haas, sowie Vea Kaiser lobte. Um zwölf sprach Wolfgang Herles mit Richard Ford, der Autor des “Unabhängikeittags” über dessen neuen Roman “Kanada”, was er schon auf seinem blauen Sofa machte und wieder den genialen ersten Satz zitierte, der aufs Lesen aufmerksam macht und ihn dann zur Präsidentenwahl und zu Barack Obama fragte. Dann folgte die Nobelpreisträgerin von 2009 mit ihrem Collagenband “Vater telefoniert mit den Fliegen”, wo Herta Müller erzählte, daß sie sich ständig mit Wortschnipseln beschäftigt, weil es “keine Poesie gibt, da die Worte gewöhnlich sind, man sie aber ungewöhnlich zusammensetzen muß”, was wirklich eine einleuchtende Erklärung der Sprachkunst ist und der diskrete Hinweis,in einer halben Stunde wissen wir mehr, in Stockholm stehen schon die Fotografen vor dem Nobelpreiskommiteebüro.Jetzt wissen wirs und es ist wieder, wie schon 2008, ein mir vollkommen Unbekannter, nämlich der 1955 geborene Chinese Mo Yan geworden und alle in den letzten Tagen gehandelten, wie Bob Dylon, Huraki Murakami, Adonis, Philip Roth etc, können auf das nächste Jahr warten. Ein weiterer Chinese der 1958 in Yanting Geborene Liao Yiwu wird am Sonntag den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.
Auf dem Sofa ging es dann mit einem Buch über Willy Brandt und Helmut Schmidt und einem älteren Playboy weiter, während auf der ARD-Bühne Elke Heidenreich das Lesen empfahl und die Anthologie “Katzenmusik und Katerstimmung” vorstellte.
Die 1962 geborene Regisseurin und Schriftstellerin Tanja Langer hat über ihre Beziehung mit 1989 bei einem Attentat ums Leben gekommenen Banker Alfred Herrhausen einen autobiografischen Romn “Der Tag ist hell und ich schreibe dir”, verfaßt, was zu interessanten literarischen Fragen führte.
Der 1948 geborenee Schweizer Martin Suter versucht in seinem neuen Buch “Zeit, Zeit”, die Zeit zurückzudrehen, beziehungsweise erzählt er von zwei Männern, die sich am Tod ihrer Frauen schuldig fühlen. Der 1934 geborene Schweizer Soziologe und Globalisierungsgegner, von dem ich “Die Barbaren kommen” im Schrank gefunden habe, der sich sehr gegen den Hunger dieser Welt engagiert beeindruckte wieder durch seine Dominanz, während man auf www. buecher.at nachlesen konnte, wer gestern aller auf dem Österreichempfang in Frankfurt war, Anna Kim, Olga Martynova, Ursula Krechel, Oleg Jurjeg, Julya Rabinovich, Jochen Jung, Clemens J. Setz u. u. u.
Den gut deutsch sprechenden Russen Michail Schischkin, der einen Briefroman geschrieben hat, der um halb vier auf dem blauen Sofa saß, habe ich, glaube ich, dort schon im Vorjahr bzw. bei der Literatur im Herbst im Odeontheater kennengelernt. Dann kam Sybille Berg mit “Vielen Dank für das Leben” und Navid Kermani mit Vergeßt Deutschland” und am Schluß ist dann die Aspekte Literaturpreisträgerin Teresa Präauer gekommen, eine junge Österreicherin, die mir bisher entgangen ist, bzw. schon vor zwei Jahren auf dem blauen Sofa saß, als da Wolf Haas, die “Gans im Gegenteil” vorstellte. Bei ARD gab es zu dieser Zeit ein Literaturquiz, wo drei Experten Texte von Heinrich Heine und Colette zu erraten bzw. zu entschlüßeln hatten und ich habe mich dann noch ein bißchen zu den anderen Messeneuigkeiten zum Beispiel zu der IG-Autorenseite, wo es ein schönes Bild von Ludwig Laher mit Kopfhörern und seinem neuen Buch zu sehen gab und die Jung und Jung Seite hat mich zu einem Video das von der DBB finanziert wurde, das die Buchmesse ein wenig karikierte und dann gabs noch die Seiten der Blogger, die sich nach Messeerfahrungen erkundigten und sich dann entschlossen, zu Hause zu bleiben und stattdessen nächstes Jahr nach Leipzig zu fahren.
Am Freitag ging es dann mit dem Shortlistenbuch “Nichts Weißes” von Ulf Erdmann Ziegler auf dem blauen Sofa weiter, wo es um eine junge Frau und das Konventieren von Religionen geht.
Paula Morris, eine Neuseländische Autorin erzählte in “Rangatira” von einem Maorihäuptling des neunzehnten Jahrhunderts. Juli Zeh, die ich schon auf dem anderen blauen Sofa hörte, bzw. dort mit Wofgang Herles im Ozean herumtauchte, schilderte die Schreiberlebnisse die sei bei ihrem Genreroman “Nullzeit”, hatte, weil sie, weil sie schwanger war, sich mit dem Fertigwerden besonders beeilte, während Friedrich Ani gerade Marlen Haushofer zitierte und erzählte, daß er am liebsten nur mehr lesen möchte, das ist ein Gedanke, der mich auch sehr oft beschäftigt, weil mir aber als erfolglos Schreibende, das so wichtig ist, werde ich es wahrscheinlich nicht tun. Dann surfte ich mich ein bißchen durch die 3 SAT Mediathek und gab mir Marijana Gaponeko, die etwas über “Wer ist Martha”, wo ein sechsundneunzigjähriger Vogelforscher im Hotel Imperial absteigt und mit einem anderen alten Herrn in den Musikverein geht, erzählte und Burkard Spinnen über sein neues Buch und die Internetsucht interviewt wurde, während auf der ARD Bühne Harry Rowohlt in gewohnt brillanter Manier vom Übersetzen erzählte. Dann gings mit Bodo Kirchoff weiter, dessen “Liebe in groben Zügen auf der Longlist stand und dessen “Schundroman” ich mir einmal zum Geburtstag schenken ließ. Um drei kam dann die holländische Psychoanalytikerin Anne Enquist, über die ich, glaube ich, schon mit dem Frans gemailt habe, die in “Die Betäubung” über eine Geschwisterpaar, eine Anästhesistin und einen Analytiker, geschrieben hat
Steven Uhly, der glaube ich schon in den Vorjahren “Adams Fuge” auf der Messe vorstellte, präsentierte seinen neuen Glücksroman “Glückskind”, wo ein Messie ein Kind in einer Mülltonne findet.Der Journalist Michael Jürgs, der nachher auf das Sofa kam, hat mit “Deckname Helene” ein Buch über eine sehr trinkfeste französische Widerstandskämpferin geschrieben, die vor kurzem mit achtundneuzig Jahren gestorben ist und zufällig in Neuseeland geboren ist. Bücher über Angela Merkel und über die “Hexenjagd Schule” von Ursula Sarrazin gab es auch, während Karen Duve eine neues Grimm Märchenbuch geschrieben hat, wo Rotkäppchens Großmutter ein Wehrwolf ist.
Und während im Frankfurter Literaturhaus der Preisträger der Hotlist, Tor Olvens “Dunkelheit des Tunnels, bei Droschl erschienen und von Bernhard Strobel übersetzt bekanntgegeben und das Fest der Idependentes gefeiert wurde, habe ich mich auf meine “Buchmessenparty” begeben, das heißt zu zwanzig Jahre H. u. K in die große Schiffgasse wo es live “Stellas Gilde” gab und Patrik Kames seine Grafiken und Nicole Montaperti ihre “Lichterscheinungen ausstellte.
Am Samstag ging es dann in die Klinik zu einer Fortbildung bzw. Tagung “Kinder von Eltern mit psychischer Erkrankung” und danach natürlich zur Buchmesse passend auf Bücherkastentour, wo ich so fündig wurde, daß ich ein paar Bücher doppelt erwischte, die ich nächste Woche in den Wortschatz legte, aber einen gut gefüllten Kasten mit einer fehlenden Tür am Zimmermannplatz, Gedränge am Brunnenmarkt und auch in der Zieglergasse. Beim Wortschatz war es dann wieder stiller und zum Nobelpreis passend, drei Bücher von Mo Yan lagen in der Auslage der kleinen Buchhandlung in der Lerchenfelderstraße, gab es den “Mister Aufziehvogel” von Haruki Murakami und dann noch was ganz Altes “Das Mädchen Alexa” von Grete von Urbanitzky.
Um vier bin ich dann nach Hause gekommen und habe mich vor das blaue Sofa gesetzt, wo ich einiges nachzuholen haben werde, waren dort doch schon Anne Weber, Clemens J. Setz, Hakan Nesser, etc, so daß ich einiges nachzuholen habe und inzwischen auch weiß, daß Clemens Setz Richard Obermayr sehr lobte, von dem die Moderatorin offenbar keine Ahnung hatte. Tim Parks “Sex ist verboten”, habe ich gerade noch gehört, jetzt sitzt Christoph Peters “Wir in Kahlenbeck”,der auf der Longlist stand und es ist sehr interessant sich vorzustellen, daß in Frankfurt jetzt die Verkleideten herumlaufen und es sehr voll wird, was ich mir auf meinem buntgemusterten Sofa, vor dem neuen Bücherregal, das inzwischen schon sehr gefüllt ist, erspare.
In den 3Sat Videos gab es eines von Alexander Nitzberg, den mir ja Christel Fallenberg beim Fest für Ernst Jandl vorstellte und der nicht nur in der Alten Schmiede seine Performances hat, sondern auch “Meister und Margarita” neu übersetzte und die lyrische Seite daran erklärte. Ich habe ja vor einiger Zeit die alte Fassung im Schrank gefunden, die laut Nitzberg mehr Romanhaft und realistischer ist, und auf meine Leseliste gesetzt. Nitzberg meinte, man müße sich für die Form die einem mehr zusagt entscheiden und da denke ich, daß es für mich passt, die ältere Übersetzung zu lesen.
Martin Walser stellte seinen Briefroman “Das dreizehnte Kapitel” vor. Das Gespräch mit Cees Nooteboom war auch eine Wiederholung, fand es ja schon am Freitagabend statt, als ich zu Patricks Fest gegangen bin und Cees Nooteboom habe ich auch im November im Literaturhaus kennengelernt. Und das hörte ich noch ein Stückchen des Interviews mit Anne Weber, die ich schon in der Alten Schmiede kennenlernte, bis sich der Laptop wegen Überhitzung ausschaltete.
Am Sonntag gings dann mit der Vorstellung von Florian Webers “Grimms Erben”, der ein bayrischer Musiker und Allround Talent sein dürfte und der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche an den chinesischen Dissidenten Liao Yiwu, weiter, der für das Gedicht “Massaker” über das was 1989 am Platz des himmlischen Friedens passierte ins Gefängnis kam, dann als Straßenmusiker lebt, 2009 nicht nach Frankfurt kommen durfte, als China dort Gastland war und jetzt seit einem Jahr in Berlin lebt und auch die Nobelpreisverleihung an den “Staatskünstler” Mo Yan kritisierte.
Gottfried Honnefelder, der Vorsteher des Börsevereins hielt die Einleitung, Felizitas von Lovenberg hielt die Laudatio und wies auf die Werke des Preisträger “Fräulein Hallo und der Bauernkaiser”, “Ein Lied und hundert Lieder”, etc, in dem er den kleinen Leuten Chinas eine Stimme gibt, hin.
“Dieses Imperium muß auseinanderbrechen”, hieß dann die Preisrede, die Liao Yiwu, der im Gefängnis das Gelübde abgelegt hat, sich nie mehr Haare und Bart abschneiden zu lassen, im schwarzen Hemd, mit ziemlich unbewegter Miene vortrug und dann ein Lied für die Mutter der Opfer von 1989 ein Lied vortrug.
Auf dem blauen Sofa trugen dann drei Brüder aus dem Iran in dem Buch “Unerwünscht” ihre Lebensgeschichte vor. Danach kam eine junge Albananerin Anina Wilms, die mit ihrem Roman “Das albanische Öl, Mord auf der Straße des Nordens”, die Geschichte um neunzig Jahre zurückdrehte. Danach schaltete ich für eine Stunde den Laptop ab, um mir die Menschenbilder mit Jochen Jung zu geben, der vom Glück erzählte und empfahl immer eine Türe offenzuhalten, damit die gute Gelegenheit zu einem kommen kann. Das ist jetzt mit der Türe zur Terrasse, während ich mir inzwichen anhöre, wie Vea Kaiser Dennis Scheck vom literarischen Colloquium und ihrer Arbeit mit Ursula Krechel an ihrem Debutroman erzählte, von Altgriechisch schwärmte und zur neuen Roman aufrief. Dann gabs wieder ein paar Videos, von dem was ich inzwischen verpasste, zum Beispiel den Neuseelandroman von Emily Perkins “The Forrests”. Weiter gings mit dem Neuseelandschwerpunkt und zwar mit den in Berlin geschriebenen Roman von Lloyd Jones “Die Frau im blauen Mantel”, der von einer Afrikanerin erzählt, die auf ihrer Flucht in Italien landet. Dann gings wieder zurück zu Scheuermann, die schon mal in Klagenfurt gelesen hat und zu ihrem Roman “Die Häuser der anderen”, wo es um das Leben der Nachbarn zu gehen scheint und Simon Becket den ich wegen Jochen Jung abgeschaltet habe, habe ich auch noch nachgeholt.
Beim Messeblogsurfen bin ich dann noch auf das nächste Schwerpunktland Brasilien gestoßen, wo man sich die Staffelübergabe auch per Live-Stream ansehen konnte und langsam langsam ging die Buchmesse zu Ende, die ich mir wieder total gegeben habe, ohne dort gewesen sein.
Leben aus zweiter Hand oder so hat es meine Kritikerin JuSophie im vorigen Jahr genannt und natürlich war ich nicht mit meinem Buch in Frankfurt und habe dieses keinen Verleger in die Hand gedrückt, aber das spielt sich auch in Leipzig und der Buch-Wien nicht sehr ab und wem es interessiert, die “Vorschau auf Paula Nebel” ist ja während der Buchmesse erschienen und da muß ich mich demnächst wieder an mein Manuskript begeben und es durchsehen, damit es an den Alfred gehen kann und eine vierte Person, eine junge Mutter, die ihr Kind zurückläßt, um das sich Lena Weißensteiner ein wenig kümmert, ist mir bezüglich meines neuen Buchprojekt, von dem ich immer noch nicht recht weiß, ob ich mich damit beim Nanowrimo beteiligen werde, auch noch eingefallen.
Das wars also von Frankfurt 2012, ich hoffe das Hin und Herspringen zwischen Video, live stream und realen Leben, ist für meine Leser nicht zu verwirrend, man kann aber alles nachschauen und nachgooglen und soll auch nur ein kleiner Anstoß und eine Erinnerungshilfe sein, was man sich alles von Frankfurt in sein Wohnzimmer holen kann.
Und hier ist auch noch mein Frankfurterbuchmessenarchiv der letzten Jahre.
Der Winter tut den Fischen gut
Fein, daß ich Anna Weidenholzers ersten bei Residenz erschienenen Roman “Der Winter tut den Fischen gut”, besprechen kann, habe ich zu der 1984, in Linz geborenen Autorin doch eine eine besondere Beziehung, was heißt, daß ich sie von ihren ersten Veröffentlichungen in Etcetera und in der Wortlaut Antohlogie 2009 und den Angelika Reizter Texvorstellungen, kenne. Dann ist sie in die GAV aufgenommen worden, hat ihre Geschichten in
“Der Platz des Hundes” herausgebracht, das ich mir auf der Buch Wien schenken ließ, dann aber, weil ich ja Geschichten nicht so gerne lese, ein Jahr dazu brauchte, bis ich es besprochen habe. Dazwischen war noch die Präsentation im Literaturhaus auf der jungen Literaturschiene, ein Studienaufenthalt in Schloß Wiepersdorf und wahrscheinlich auch einige Preise und Stipendien. Die Leondinger Akademie hat sie, glaube ich, auch absolviert und so schreibt Anna Weidenholzer sowohl poetisch, als auch sehr realistisch, berichtet vom Leben, der kleinen Leute und als achtundzwanzigjährige junge Frau, von einer Protagonistin, die zwanzig Jahre älter ist und tut das, gar nicht soviel anders als ich, denn die arbeitslos gewordene Maria Beerenberger, sitzt ja auch manchmal auf einer Bank und sieht das Leben von unten, geht es aber auch zurück und das ist ein Weidenholzerscher Kunstgriff, den man sowohl banal, als auch raffiniert nennen kann. So einfach so gut und doch noch nicht dagewesen, zumindestens kann ich mich an kein Buch erinnern, daß mit Szene vierundfünfzig beginnt.
Wieso, der poetische Titel, wenn es um eine Verkäuferin geht, die vom Arbeitsmarkt aussortiert wurde, fragt vielleicht nicht nur Frau Travnicek. Auf Seite sechzehn steht es schon, denn da geht Maria auf den Markt und “unterhält sich am liebsten mit dem Fischverkäufer. Was machst du hier immer. Schauen, sagt Maria, ich schaue nur, der Winter tut den Fischen gut, sie bleiben frisch, nicht wahr”.
Da haben wir die Lösung des Geheimnisses und vielleicht auch die Antwort auf die Frage, wie es die junge Autorin, auf Platz drei der ORF Bestenliste schaffen konnte?
Ein wenig Poetik braucht der Alltag und vielleicht auch ein wenig Surrealismus. So friert Maria die Kaulquappe Otto in den Tiefkühler ein, bevor sie sie im Wald vergräbt und schenkt ihr auch ein paar schöne Gedanken, Anna Weidenholzer hat die Arbeitswelt aber auch sehr gründlich studiert, so daß ich es ihr verdanke, zu wissen, daß die sozialökonomischen Betriebe, von denen mir meine Klienten inzwischen sehr oft erzählen, im Fachjargon “SÖB” genannt werden, die Klienten wissen das wahrscheinlich nicht und auf Seite 237 gibt es eine ganze Materalliste mit den Büchern, die Anna Weidenholzer zur Recherche gebraucht hat. Ludwig Hirsch wird hier angeführt, aber auch das Jobcenter, Hildegard Knef und Hans Georg Willmann “In 90 Tagen aus der Arbeitslosigkeit. Schritt für Schritt zum neuen Job”
Da bin ich sicher keine so gründliche Recherchiererin und sollte mir von der jungen Frau, die so alt, wie meine Tochter ist, ein Beispiel nehmen, aber schön der Reihe nach.
Anna Beerenberger, achtundvierzig, arbeitslos, verwitwet, erzählt ihr Leben “Wenn er die Tür öffnet, werde ich sagen, vielen Dank für die Einladung, mein Name ist Maria Beerenbrerger, ich freue mich, Sie kennenzulernen. Fangen wir von hinten an.”
Dann gehts zurück bis an den Tag, an dem die Tante gekommen ist und erklärt, so lange bei der kleinen Maria zu bleiben, bis die Mutter mit dem Schwesterchen aus der Klinik kommt.
“Freust du dich”, fragt die Tante und zeigt eine Ansichtskarte vom Onkel, obwohl Maria noch gar nicht lesen kann “Ich will ein Flieger, Unterseebootskapitän, Indianerhäuptlicng oder Automechaniker werden”, steht darauf geschrieben.
“Maria lacht, Indianerhäuptling ist doch kein Beruf” und dann flüstert sie “ich” in die Kartoffeln, als die Tante die Küche verlassen hat. Ich bin immer noch hier, wo es regnet und manchmal die Sonne scheint.”
Automechaniker ist auch Walter, Marias Mann gewesen und Elvis Imitator, aber damit nicht sehr erfolgreich, die kleine Schwester hat später selbst ein Kind bekommen, das Maria, wenn sie schon verwitwet sein wird, zu Weihnachten immer besucht.
Maria hat Textilverkauferin gelernt und sehr lange im Geschäft des Herrn Willerts gearbeitet, eine Nachbarin, Isolde, die Maria später im Pflegeheim besuchen wird, hat sie dorthin vermittelt und Herr Willert, dessen Sprüche uns durch das ganze Buch begleiten, “Es ist einfacher Kaffee ohne Milch zu trinken”, beispielsweise, hat Maria immer seine beste Kraft genannt. Dann bittet er und sein Sohn sie aber in sein Büro und spricht von einvernehmlicher Kündigung, die für sie viel besser ist. Am Arbeitsamt, das ja jetzt AMS heißt, wird sie erfahren, daß der Chef sie dadurch um vier Monate Abfertigung brachte und sie auch für ein Monat kein Arbeitslosen bekommt. Ihre Betreuer dort schicken sie zu Umschulungskursen, so muß Maria in Geschäfte gehen und zusehen, wie es dort die Verkäufer machen und weil sie nicht Wurst verkaufen wird, wird sie vom Service gesperrt und muß vor ihren Betreuern flüchten, wenn sie sie am Markt, auf der Straße und beim Einkaufen sieht.
“Anna Weidenholzer hat ein feines Gespür für das absurde Wesen der Welt, die man uns zumutet. Für Menschen, die sich ihr Lebtag bemühen, doch selten erlöst werden. Nicht anmaßend, “schonungslos” schreibt sie, sondern auf selten gewordene Weise einfühlsam und behutsam. Gerade deshalb geht, was sie schreibt, unter die Haut”, schreibt auf der Buchrückseite ihr Verlagskollege Peter Henisch und mir hat das Buch von den kleinen Leuten und dem wo, wie man mir ja immer sagt, nichts passiert und das angeblich niemanden interessiert, sehr gefallen und denke, um auch ein bißchen poetischer und abgehobener zu werden, dabei an Stifters “Bunte Steine”
“Nicht das Große, das Kleine, nenne ich groß” oder so, hat er geschrieben, habe ich ja einmal in der Schule, bei der Frau Professor Friedl gelernt. Vielleicht, fällt mir ein, ist ein kein Zufall, daß Anna Weidenholzer auch in Oberösterreich geboren wurde,kann das behutsam Einfühlsame, wirklich sehr empfehlen und es freut mich natürlich sehr, daß das auch die ORF- Jury erkannte.
Vorschau auf “Paula Nebel”
Die letzten Tage einer alten Frau. Da geht einer wahrscheinlich das ganze Leben durch den Kopf herum. Besucher kommen, die Erinnerung an die Kindheit, die tote Großmutter an deren Sterbebett die dreizehnjährige Paula, damals in der Zeit der Arbeitslosigkeit, drei Tage saß, das eigene Kind, das die zwanzigjährige Studentin 1942 nicht selbst aufziehen konnte, sondern von der Fürsorge auf den berühmten Spiegelgrund gebracht wurde. Der Enkel Rainer, der jetzt einen Ausbildungsplatz als Internist sucht. Aber auch ganz reale Begegnungen, da gibt es den gehemmten Hausmeister Hans, der die Einkäufe in die Wohnung in den zweiten Stock hinaufträgt und die kleine Sofia, eine Romni aus Temeswar, die einmal in Paulas Handtasche gegriffen hat, jetzt aber in die Schule gehen will, um Kindergärtnerin oder Sozialarbeiterin zu werden.
Und hier die Schreibberichte 1 2 3 4 6 7
Dazu gibts noch zwei Goodies bzw. Vorarbeiten.
Und um die Entstehungsgeschichte hier kurz zu zitieren. Da habe ich im März, nachdem ich mit der “Wiedergeborenen” fertig geworden, schnell und ohne recht zu wissen, wohin ich will, vor mich hingeschrieben. Einen halben U-Bahnrecherchetag gab es und die beiden Einschreibübungen, einen hektischen Lesemonat, mit dem Messebesuch in Leipzig, sowie der Lesung und der Organisation der “Mittleren”.
Gut ist es gegangen, aber nach vierzig Seiten war auf einmal die Luft weg und ich wußte nicht weiter, was mich in eine Osterkrise stürzte. Jetzt wirds ein kleiner feiner Text, über das Leben und das Sterben einer sehr alten Frau werden und das ist ja sozusagen ein Jancaksches Spezialgebiet.
Auch wenns bis zum Fertigwerden noch ein bißchen dauern wird, hier wieder ein Aufruf, wer mir für seinen Blog, das Literaturhaus oder auch für anderswo eine Rezension schreiben will, ist herzlich willkommen und wer das Buch so kennenlernen will, natürlich auch.
Reportagen, Stimmungsbilder und eine Aufdeckung
Oder Textvorstellungen in der Alten Schmiede moderiert von Renata Zuniga mit Manfred Wieninger, Heinrich Thaler und Judith W. Taschler, wobei Manfred Wieninger nicht sein Faustpfand sondern, die in der Edition Mokka erschienenen Niederösterreich Reportagen” Das Dunkle und das Kalte” vorstellte, eingeleitet wurde er von Kurt Neumann, da Renata Zuniga im Stau steckengeblieben ist und er präsentierte den 1963 in St. Pölten geborenen als eine Mischung zwischen Krimiautor und sozialpolitischen Aufdecker, gibt es ja die Marek Miert Krimis, die in Harland, nicht in St. Pölten spielen und seine Studien und Entdeckungen über das Zwangsarbeiterlager in Viehofen. Der Alfred hat mir schon am Sonntag ein Bild gezeigt, wo Manfred Wieninger an der Harlander Ortstafel lehnt, das ist auch im Buch enthalten, daneben gibt es eines von Zdenka Becker und die Reportagen handeln sowohl von Niederösterreichischen Außenseitern, als auch über die Zwangsarbeiter. Eine solche Reportage hat er auch vorgelesen, die von den Briefen handelten, die die sich in dem Lager befindenden Kinder, an ihre sechzehnjährige Hilfslehrerin geschrieben haben, bevor sie in Richtung Mauthausen abtransportiert wurden, er hat Kurt Neumann dann erzählt, wie er dazugekommen ist, das ehemalige Zwangsarbeiterlager zu entdecken und wie wichtig es ihm war, das aufzuschreiben, damit es nicht verloren geht.
Dann kam schon Renate Zuniga und stellte Judith W. Taschlers bei Picus erschienenen Roman “Sommer wie Winter” vor, in dem es um ein Pflegekind und um ein Familiengeheimnis geht. Das Ganze ist wie ein Therapieprotokoll aufbereitet und Judith W. Taschler erzählte im Gespräch, daß ihr Roman vor allem in Deutschland ein großer Erfolg geworden ist, so daß sie schon einige Lesungen dort hatte.
Heinrich Thaler ist Arzt für Psychosomatik und Geriatrie und hat seine Gedichte, die er immer schon geschrieben hat, ohne vorerst an Veröffentlichung zu denken, bei Roesner herausgegeben. Jetzt schreibt er schon am zweiten Buch und freute sich über den Erfolg, während ich mich wieder fragte, warum es dann ausgerechnet bei mir nicht geht? Und interessant war die Gedichtzeile, daß die Gifte und die Drogen die Menschen verderben, da fragte Renata Zuniga natürlich nach und es ergab sich eine rege Diskussion, auch wenn ich nicht so ganz glaube, daß Kafka mit Medikamenten und Psychotherapie nicht Kafka geworden wäre, das wäre auch ein enormer Schaden für die Literaturgeschichte und ich kann mich erinnern, in den Siebzigerjahren in den Samstagvorlesungen Professor Strotzka einmal gesagt gehört zu haben, daß Hesse nach seiner Psychoanalyse flacher geschrieben hätte, aber er hat geschrieben und, daß ein Arzt Gedichte schreibt, hat Renata Zuniga auch sehr beeindruckt, obwohl er ja nicht der erste ist.
Da gibt es auch den 2006 verstorbenen Tiroler Walter Schlorhaufer, sowie natürlich den Kinderpsychiater Paulus Hochgatterer, aber der schreibt, glaube ich, keine Gedichte und Kurt Neumann hat auch einmal Medizin studiert.
Es war ein interessanter Abend mit zwei mir unbekannten, einem bekannten Autor, denn über Manfred Wieninger habe ich ja schon öfter geschrieben und habe seine literarische Entwicklung, auch weil wir regelmäßig in Harland sind, mitverfolgen können.
Schule der intellektuellen Selbstverteidigung
Der in Bulgarien geborene,in Kenya aufgewachsene, in Bombay, Kapstadt und jetzt in Wien lebende Autor Ilija Trojanow engagiert sich ja sehr für Aufklärung und Freiheit, so hat er mit Julie Zeh “Angriff auf die Freiheit” herausgegeben, in “Eistau” geht es um das Sterben der Gletscher und jetzt hat er im Aktionsradius am Gaussplatz, den vierteiligen Oktoberkurs “Schule der intellektuellen Selbstverteidigung” initiert, dessen Ziel es ist “Kompetenzen zu vertiefen und altes und neues Wissen mit ungehorsamer Praxis zu verbinden”.
So war letzten Dienstag “Das Recht auf die Stadt” Thema, diese Woche ging es um “Mythen entmachten” und davon habe ich, obwohl ich das Aktionsradiusprogramm ja zugeschickt bekommen, erst vor ein paar Tagen im “Leporello” erfahren, ist der Gaußplatz ja weit und vielleicht auch nicht so unbedingt literarisch, so war ich das letzte Mal, glaube ich, vor drei Jahren dort und habe Christine Werner getroffen und Katharina Tiwald kennengelernt, bei einem Stadtspaziergang zu den unterirdischen Bibliotheken war ich dann auch einmal. So bin ich also statt zur Wiener Vorlesung zur Literatur von Franz Joseph Czernin in der Alten Schmiede zum Gaussplatz hinausgewandert und habe ihn, weil ich schon so lange nicht dort war, fast nicht gefunden, als ich mich in der Unteren Augartenstraße bei zwei jungen Frauen nach dem Weg erkundigte, schauten mich die erstaunt an und meinten, das wäre noch sehr weit, dann habe ich, glaube ich, noch zehn Minuten gebraucht. Ja die Stadtflaneure haben anderen Vorstellungen von den Weiten, ich war aber spät dran und bin zu spät gekommen. So war es in dem Veranstaltungsraum schon sehr voll, die Leute haben gerade geklatscht und Ilija Trojanow hat gerade den Vortrag eingeleitet, dabei hat er vom Perspektivenwechsel gesprochen und davon erzählt, daß die Menschen in den bulgarischen Gefängnissen am besten über die politische Lage Bescheid wußten, weil sie zwischen den Zeilen lesen konnten und, daß die Leute, die gar keine Zeitungen lesen, besser informiert sind, als die, die ihr Wissen von den Boulvardmedien beziehen.
Dann kam er zu den Werbebotschaften von denen wir überflutet werden, es sind dreitausend täglich und er dachte es wären dreihundert und dann schon zu den Mythen, die es zu entmachten galt und da hatte er einen Experten eingeladen und zwar Peter Fleissner vom Verein zur Förderung linker Diskurse und der projezierte eine Reihe solcher Mythen wie “Österreich ist eine Insel der Seligen”, “Wir sitzen alle im selben Boot”, “Jeder der arbeiten will erhält auch Arbeit”, “Wir leben über unsere Verhältnisse”, “Alle müssen ohne Schulden auskommen”, “Die Unternehmen investieren nicht, weil sie niedrige Gewinne machen”, “Die Staatsschulden sind die Ursache der Krise”, “Die Griechen sind faul”, an die Wand und begann sie mit Zahlen und Tabellen zu widerlegen. Nicht alle, eher die, wo es um den Reichtum und die Arbeit ging, den letzten ließ er aus, denn da waren andere Experten eingeladen, nämlich die Schauspielerin Katharina Stemberger und ihr Mann Fabian Eder, dem es reichte immer über die Griechenland Krise zu hören, so daß er hin fuhr, mit dreißig Griechen sprach und einen Film mit dem Titel “Griechenland blüht”, drehte, der schon im Fernsehen lief und Katharina Stemberger erzählte mit Begeisterung, wie viel man als Einzelner bewirken kann, wenn man sich wirklich engagiert und einsetzt.
Die Diskussion drehte sich dann lange über Griechenland, bis Ilija Trojanov wieder energisch zu den Mythen zurückholte und nachdenken ließ, wie man sonst noch Widerstand leisten und etwas bewirken kann. Nächste und übernächste Woche geht es mit “Die Welt als Allmende” und dem “Umgang mit Reichtum” weiter. Ich bin persönlich ja etwas skeptisch, was die Kraft des Einzelnen im Verändern betrifft, es ist aber sicher spannend darüber nachzudenken und das Thema Griechenland ist auch eines, das mich sehr interessiert, da habe ich auch einen Krimi darüber gelesen und mich selbst auch ein bißchen mit dem Schreiben darüber beschäftigt, beziehungsweise darüber nachgedacht, wie ich das tun könnte.
Ansonsten ist es sicher wichtig, nicht nur bezüglich der Literatur, wie ich ja immer schreibe, sondern auch in Sachen Wirtschaftskrise über den Tellerrand hinauszudenken und da das Thema Griechenland bezüglich des Merkl-Besuchs in Athen derzeit in den Medien ist, hatte ich auch die Gelegenheit darüber nachzudenken, daß die siebentausend Polizisten, die die Stadt in eine Hochsicherheitszone verwandelten, um die deutsche Kanzlerin vor den griechischen Emotionen zu schützen, ja sicher auch sehr teuer war.
Politik und Poesie
So heißt Ditha Brickwells neues Projekt, das offensichtlich die Fortsetzung ihrer Geschichte in der Geschichte, zu der der sie mich einmal ins Literaturhaus einladen wollte, es schon eine Vorbesprechung gab und ich ihr dann offensichtlich doch nicht prominent genug erschien. Jetzt ist das zweiundsiebzigste Autorenprojekt der Alten Schmiede daraus geworden Inka Parei, Marcel Bayer und Doron Rabinovichi lasen und erzählten über die Entstehung ihrer Werke und es hat, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erwähnte, schon ein Vorprojekt in Berlin gegeben.
“Da sind gar nicht soviele Leute interessiert!”, sagte mir der Lehrer vorher, den ich auch am Freitag bei “Rund um die Burg” getroffen habe, dann kamen sie aber doch alle nach der Reihe, Thomas Stangl, Angelika Kaufmann, Ferdinand Schmatz, Christian Katt u. u. u.
Und ich fragte den Lehrer noch, wer den deutschen Buchpreis gewinnen würde, der ja um sechs in Frankfurt vergeben wurde.
“Stephan Thome nicht, wahrscheinlich der Herrendorf!”, sagte er und ich gab meine Meinung kund, daß ich Clemens J. Setz oder Wolfgang Herrendorf schätzen würde. Oder doch die Ursula Krechel? Das habe ich schon einmal gebloggt und verrate gleich vorweg, sie ist es geworden und wer den Nobelpreis bekommt, kann man auch schon raten. Der Japaner Haruki Murakami liegt da weit vorne auf der Liste, Peter Handke eher hinten, konnte ich heute im Morgenjournal hören und Ditha Brickwell stellte in der Alten Schmiede einstweilen ihre drei Gäste vor. Mit dem 1965 in Würtenburg geborenen und seit 1996 in Dresden lebenden Marcel Bayer hat es begonnen. Sein erzählender Essayband oder essayistische Erzählung heißt “Putins Briefkasten”, spielt in Dresden und die Stücke die er vorlas, handelten von dem Haus, in dem der KGB-Offizier lange lebte, der ein ausgezeichnetes Deutsch, kein Sächsisch gesprochen hat und am Sonntag mit seiner Frau manchmal in den Tiergarten ging, um die Löwen zu besuchen.
Ditha Brickwell erkundigte sich nach der Leseprobe, nach dem Schreibvorgang und kam dann auf die Wende zu sprechen, denn der Roman, der 1967 in Frankfurt am Main geborenen Inka Parei heißt “Die Kältezentrale” und handelt von einem Mann, der in seiner Jugend in der Kältezentrale vom “Neuen Deutschland”, das heißt in dem Raum gearbeitet hat, in der die Temperaturen eingestellt wurden. Dann ist er in den Westen gegangen und kommt offenbar am Beginn des Buches wieder zurück, um seine Frau oder Freundin zu suchen und Inka Parei erzählte von ihren Schwierigkeiten, die sie als Westdeutsche mit dem Osten hatte, der ihr fremder als in umgekehrter Richtung war.
Dann kam ein großer Sprung zu dem in Tel Aviv geborenenen und in Wien lebenden Doron Rabinovichi, der vor zwei Jahren mit seinem “Andersort” auf der Shortlist stand. Er las einen noch nicht veröffentlichten Essay, in dem es um die Sprache, eine Autoreneinladung nach New York, wo man in einem Glaspalast sozusagen auf die Freiheitsstatue pinkeln konnte und über das Übersehen und Bemerkt werden, ging. Das war dann auch das Thema der Diskussion, in die Ditha Brickwell noch das Publikum einbezog, obwohl die nicht zum Mitreden aufgefordert wurden. Die Freude am Schönen ist für die Wirkung wichtig meinte sie und auch die Berührtheit des Autors, dann fragte sie die Autoren noch, wie es ihnen mit der Vereinnahmung und dem Mißverstandenwerden ihrer Texte ging und ich denke, daß es auch für mich sehr wichtig ist, mich mit den Entstehungsgeschichten von Texten zu beschäftigen, was man im Internet auch gut tun kann. Das Übersehenwerden ist auch ein Thema das mich sehr beschäftigt und die Verbindung von Politik und Poesie berührt mich natürlich auch und vor allem war es für mich interessant Inka Parei und Macel Bayer persönlich kennenzulernen, Doron Rabinovici kannte ich ja schon.
Wie durch dunkles Glas
“Wie durch dunkles Glas” von Donna Leon, Comissario Brunettis fünfzehnter Fall beginnt sowohl rasant, als auch behutsam mit dem Frühling. Brunetti steht am Fenster in seiner Commentatura, schaut auf die Blumen hinaus und erinnert sich, wie er als Kind in diesen Zeiten die Schule schwänzte. Die Mama hats immer gewußt und jetzt kommt ein Kollege und bittet ihn zu einem Farbenwerk hinauszufahren, da dort ein Freund, ein Umweltschützer, während einer Demonstration festgenommen wurde. Seine Frau hat den Freund angerufen und darum gebeten. Der Comissario machts, nimmt den Umweltschützer mit und wird von dessen Schwiegervater angepöbelt, der ihn wüst beschimpft. Der ist ein Glasmaler in Murano und dort gehts gleich hin, auf eine Vernissage, zu der Brunetti mit seiner eingeladen wurde. Dann kommt die Gattin des Umweltschützers zu Brunetti und sagt, sie macht sich Sorgen, um ihren cholerischen Vater, der ihren Mann nicht leiden kann und auch mit Anschlägen gedroht hat.
Einer, der das bestätigen kann, ist Giorgio Tassini, der in der Manufactura als Nachtwächter arbeitet und ein behindertes Kind hat, das auf Grund eines Sauerstoffmangels während einer Hausgeburt dazu wurde, der Vater glaubt aber, es ist durch die Umweltverschmutzung geschehen und, daß die Giftabfälle der Manufactura seine Gene veränderten, macht deshalb Aufzeichnungen und Eingaben und wird eines Tages tot neben dem Schmelzofen aufgefunden.
Wer wars? Offiziell ermittelt Brunetti gar nicht an den Fall, weil das sein Chef zu verhindern versucht, aber der wird ohnehin als schwierig beschrieben, so schwierig, daß seine Sekretärin schon Lotterien veranstaltet, die der gewinnt, der den richtigen Tag errät, an dem der Chef, der sich für einen Posten in London beworben hat, abgelehnt wird. Auf der anderen Seite lernt sie aber Englsich mit ihm und Brunetti hilft sie auch bei der mehr oder weniger inoffizellen Fallaufklärung, die offizieller wird, als noch die Nachbarfactura hinzukommt, dessen Besitzer Fasano, Obmann des Glasbläserverbandes, in die Politik einsteigen will. Er ist auch ein offizeller Umweltschützer, als aber Brunetti das Wasser in seinem Werk untersucht, kommt er auf einen hohen Verschmutzungswert. Der Chef will weiter die Aufklärung des Mordes vertuschen, offiziell ist Tassini an einem Schlaganfall gestorben, da bekommt Brunetti aber, als er sich vom Polizeigondolerle den Canal Grande hininterfahren läßt, heraus daß Fasanao, ausgerechnet an dem Tag, als der Unfall geschah, beim Schwarzfahren erwischt wurde.
“Wie durch dunkles Glas”, ein Fund aus dem offenen Bücherschrank, ist wie schon erwähnt, Brunettis, fünfzehnter Fall. Den ersten “Venerzianisches Finale” habe ich schon hier gesprochen, “Nobilta”, den siebten, einmal als Hörbuch bei einem Hörbuchwettbewerb gewonnen.
“Endstation Venedig”, “Vendetta”, “Sanft entschlafen”, “In Sachen Signora Brunetti” und das “Gesetz der Lagune”, alles frühere Fälle, warten noch auf meiner Leseliste, man sieht, daß Donna Leon gern gelesen und auch gerne wieder weggeben wird. Inzwischen gibts den zwanzigsten Fall “Reiches Erbe”, der glaube ich, gerade auf den Beststellerlisten steht.
Den Fall der “Signora Brunetti”, habe ich einmal bei einer Buchpräsentation im Theater an der Josefstadt gehört, da gabs auch Musikeinlagen, die Autorin war da und Ex Libris hat vermittelt, so daß mich sogar Robert Weichinger angerufen hat und sagte, die Karten sind an der Kasse deponiert. Das Buch habe ich damals nicht gewonnen, aber wenn man lang genug wartet, dann finden die Bücher schon zu mir. Bei “Rund um die Burg” habe ich “Donna Leon” auch einmal gehört, die 1943 in New Jersey geboren wurde und seit 1981 in Venedig lebt und in allen ihren Fällen den Commissario durch die Legunenstadt führt, so daß es wahrscheinlich sehr zu empfehlen ist, auf eine Venedigreise, den einen oder anderen Brunetti mitzunehmen. Es gibt bei Diogenes aber auch einige “Venedig”- Bücher von Donna Leon, die, wie ich einmal hörte, ihre Bücher nicht ins Italienische übersetzen läßt, damit sich die Venezianer nicht über ihre Bücher mokieren, was ich eigentlich gemein finde. Sie können sie aber auf Englisch, Deutsch und wahrscheinlich auch auf Chinesisch lesen und bei ihrem letzten, im Oktober erschienenen Buch “Himmlische Juwelen” scheint sie den Commissario überhaupt verlassen zu haben.
Wir waren auch einmal, ohne Kommissar Brunetti, in Venedig, sind einen Tag lang in der Stadt herumgerannt, mit den Booten gefahren und in Murano waren wir natürlich auch. Ein kleines grünes Schüßelchen, in dem im Wartezimmer meine Visitenkarten liegen, erinnert noch daran.
Oktoberaktivitäten
Das Sommerloch ist geschlossen, die literarischen Orte haben ihre Pforten aufgemacht und meine Herbstaktivitäten, die über das Übliche hinausgehen, haben begonnen und bringen mich, gepaart mit etwas vermehrter Diagnostik und Vereinssitzungen, so hat etwa die WGKK vor, ihr Antragsformular abzuändern, in Streß, obwohl ich, wenn ich erst angefangen habe, mich den Herausforderungen zu stellen, diese meist auch schnell bewältige. Da es jetzt aber sehr viele Veranstaltungen gibt und ich, wieder zum Glück, sehr viele Bücher aufzulesen habe und es auch über die eigene Schreibwerkstatt regelmäßig zu berichten gibt, übe ich mich derzeit wieder im Vorausschreiben. Die Aktivitätsflut ist aber gut und ich denke schon, daß das Literaturgeflüster ein verläßliches Panorama gibt, was so in Wien hüben und drüben des literarischen Mainstreams passiert und da habe ich gleich die erste Jubelmeldung abzugeben.
“Die Wiedergeborene”, mein achtundzwanzigstes self made Buch ist da, am Montag sind zwei Schachteln aus der Druckerei gekommen und da habe ich eine kleine Aussendung gemacht.
Die Vorschau gibts schon seit Juli, das Anfangskapitel, das ich schon dreimal gelesen habe und von dem es Dank dem lieben Rudi auch ein Video gibt, ist ab jetzt auf meiner Homepage zu finden und die Aussendung betrifft das Pflichtexemplar für die NB.
Da war ja in den letzten Tagen zu lesen und zu hören, daß es Johanna Rachinger in Zukunft digital haben will und da sende ich ja immer brav und inzwischen auch etwas resigiert an das Literaturhaus, den ORF, etc aus.
Die “Alte Schmiede” habe ich diesmal ausgelassen, damit Kurt Neumann mich nicht mahnt, ich möge auch die anderen lesen lassen, da es ja am 29. Oktober dort von mir eine Lesung aus der “Frau auf der Bank” in den Textvorstellungen gibt. Das mit den Rezensionsexemplaren ist auch recht mühsam, ich verteile zwar immer Bücher und frage an, dann geht es nur sehr langsam weiter. Das Buch ist aber da und auch schon im Netz zu sehen, wems interessiert, es ist auf der Homepage zu bestellen, ich tausche aber auch gerne und man kann es rezensieren.
Am vorigen Freitag ist ein dickes Kuvert von Franz Joseph Huainigg mit den Texten des neuen “Ohrenschmauses” im Postkasten gelegen. Hundertsechsundvierzig Einreichungen gibt es, glaube ich, diesmal, am fünfundzwanzigsten Oktober ist die Jurysitzung, der Preis wird am 3. Dezember um achtzehn Uhr im Museumsquartier vergeben, wofür ich jetzt schon alle, die wissen wollen, was Menschen mit Lernschwierigkeiten so schreiben, herzlich einladen.
Bis dahin habe ich die Texte durchzugehen und mußte dafür meine eigene Produktion, die Endkorrektur von “Kerstins Achterl” und der “Paula Nebel”, meine Leser wissen es, unterbrechen. Das heißt eine Vorschau auf die “Paula Nebel” wird es demnächst geben, denn da haben wir jetzt sowohl das Foto, als auch den Text für das Cover und dann natürlich die Aussendung für mein literarischen Geburtstagsfest, das diesmal genau an meinem Geburtstag, dem 9. 11. stattfinden wird.
Da war ich mir ja auch nicht so ganz sicher, soll ich überhaupt ein solches machen?, da ich ja nicht wirklich viele Leute kenne und mir auch schon einige Bekannte indirekt zu verstehen gaben, daß sie keine Feste mögen oder sich vielleicht doch nicht so sehr für Literatur interessieren. Das Letzte war aber gut besucht und auch die Liste der Lesenden steht eigentlich schon fest. Die Autoren wurden angefragt anfragen, bevor ich die Einladung und postalisch oder auch über das Internet versendete und ich habe an Stephan Eibel Erzberg, Rudi Lasselsberger, Franz Blaha, Hilde Schmölzer und Lidio Mosca-Bustamante gedacht. Damit war ich die letzten Tage beschäftigt, dazwischen machte ich meine Praxis, ging zu Veranstaltungen, las die Bücher, die auf meiner Leseliste stehen und Frankfurt naht ja auch mit schnellen Schritten.
Morgen wird da der DBP vergeben und wir werden wissen, ob es Wolfgang Herrndorf, Clemens J. Setz, vielleicht doch Ursula Krechel oder einer der drei anderen schaffte und dann beginnt die Messe, die ich zwischen meiner Praxis und dem Veranstaltungsreigen, den es auch nächste Woche gibt, wieder online mitverfolgen will. Werde also sehr beschäftigt sein, bin aber immer noch sehr am Literaturbetrieb fasziniert, ja und “Rund um die Burg” neu, also mit einem Schlafengehen am frühem Morgen ins eigene Bett, gab es dieses Wochenende auch noch. Noch etwas vergessen? Ja vielleicht treffen ein paar Überraschungsbücher ein, die meine Leseliste etwas verschieben, was mit Anna Weidenholzers “Der Winter tut den Fischen gut”, die auf Platz drei der ORF-Bestenliste steht, schon geschenehn ist.
Und auch vom Alpha Literaturpreis meinem Traumatisierungspunkt gibt es Neuigkeiten. Susanne Gregor, Milena Michiko Flasar und Christina Maria Landerl sind auf die Shortlist gekommen. Jetzt bin ich gespannt, ob der freundliche Herr vom Empfang sein Versprechen, mir diesmal eine Einladung zu schicken, hält, was eigentlich so sein sollte, wenn nicht, habe ich ja meine Donnerstag Fixstunde und werde sicherlich erfahren, ob Julya Rabinowich mit ihrer Einschätzung, daß Milena Michiko Flasar gewinnen wird, richtig liegt.
Rund um die Burg neu
Daß das Literaturfestival im einundzwanzigsten Jahr seines Bestehens umstrukturiert wurde, nicht mehr im zweiten Septemberwochenende, auch nicht mehr rund um die Uhr stattfindet und von Wien live statt von Asset organisiert wird, habe ich schon geschrieben. Allmählich drangen auch die Nachrichten ein, wie die Neuauflage stattfinden wird. Eröffnungsveranstaltung direkt im Burgtheater und ansonsten an verschiedenen Orten im Cafe Landtmann, das ist, glaube ich, nicht ganz so neu, da, wenn ich mich recht erinnere, das Landtmann in den ersten Jahren einbezogen war und statt dem Lesezelt wird es ein Bücherzelt mit sieben ausstellenden Buchhandlungen geben. So weit so gut und irgendwie bin ich nicht mehr jung genug, um mich auf Veränderungen wirklich gerne einzulassen, um so mehr, da zu der Eröffnungsveranstaltung mit Otto Schenk, Zählkarten gefordert waren, die man nur an der Tageskasse bekam. Nun interessiere ich mich ja nicht unbedingt für Otto Schenk, bin aber eine, die Veranstaltungen gerne komplett erleben will und so wußte ich nicht recht, wie ich es mit der Eröffnung mache? Da die Tageskasse aber bis sechs geöffnet hat und ich relativ früh mit den Durchsehen der “Ohrenschmaus”-Texte und einer Befundbesprechung fertig wurde, war ich schon um halb vier beim Burgtheater, stand ein bißchen vor der Kassa an, um zu erfahren, es gibt keine Zählkarten mehr.
Daß das Cafe Landtmann vielleicht nicht die Platzkapazitäten, wie das Zelt hat, habe ich mir schon vorher gedacht, wußte ich ja von früher, daß das bis Mitternacht oft sehr voll war, ein Herr sagte mir beim Weggehen “Wer interessiert sich schon für Otto Schenk? Ich zwar nicht unbedingt so sehr, aber eine Stunde mir die Füße in den Bauch treten, wollte ich auch nicht, umso mehr, da ich auf dem Platz zwischen dem Landtmann und dem Burgtheater, ein kleines Zelt stehen sah, aber das beherbergte keine Bücher, sondern ein Auto und ein paar junge Frauen standen mit riesigen Papptafeln davor und fragten mich zweimal, ob ich eine Autofahrt machen wolle?
Wollte ich nicht, sondern zum Lesefestival, das ja angeblich eine sehr wichtige Veranstaltung ist, also suchte ich das Bücherzeit, das war dann dort, wo man früher vom Zelt zu den Klos bzw. zum Kinderzelt gegangen ist und ging dann zum Foyer, weil ich dachte, vielleicht steht dort jemand, der eine Karte zuviel hat, ich sah aber nur Helmut Schneider mit seinem Team, wußte nicht, ob ich mich trauen soll, ihn anzusprechen, sprach dann eine seiner Assistentinnen an und erkundigte mich mißtrauisch, ob wenigstens das Cafe Landtmann Platz für alle hätte, inzwischen kam Robert Huez aus dem Burgtheater, der auch keine Karte bekommen hatte und ein freundlicher Mann, bot mir schließlich an, daß ich mit ihm hinaufgehen könne und habe mich dann wieder, das ist vielleicht die österreichische Lösung, auf einen der reservierten und nicht von den VIPs in Anspruch genommenen Plätze, in die zweite Reihe gesetzt. Dann lief in verkürzter Form, das Übliche ab, Stadtrat Mailath Pokorny eröffnete und dann der Edy Winter, der mir damals in der Szene Margareten, die Lesung absagte, als ich mich nach dem Honorar erkundigte und der im Hauptberuf bei den Wiener Linien für die Kinder Bim verantwortlich ist, die am Samstag, um den Ring statt des Kinderzelts herumfuhr. Dann kam noch die Besitzerin des Cafe Landtmanns und teilte ihre Begeisterung für das Lesen und die Kaffeehausliteratur mit und dann schon Otto Schenk mit seinem Buch “Weil mir so fad ist”, eine Art Lebenserinnerung, der beim Hinaufgehen recht gebrechlich wirkte, beim Lesen aber total vital und sprachgewaltig war.
Danach gings los, die Veranstalter wünschten den Lesern viele Bücherkäufe und versprachen, daß die Autoren im Bücherzelt fürs Signieren und für Gespräche zur Verfügung stünden und ich ging in den Keller, nämlich ins Theater “Neue Tribüne”, Wiens ältestes Kellertheater, das seit 1953 bespielt wird, wie der Moderator betonte, der Klaus Nüchtern ankündigte.
Neu war, daß die Lesungen ab da abwechselnd im Keller bzw. in der Bel Etage im ersten Stock des Hauses stattfanden, wozu man das Kaffeehaus umrunden mußte und sich meine Befürchtungen keinen Platz zu bekommen, vorerst bestätigten. Bei Klaus Nüchtern ging es noch, denn Otto Schenk hat keine Stunde gelesen und der Literaturkritiker, der 2011 den Staatspreis für Literaturkritik bekommen hat, hat sein neues Buch über Buster Keaton vorgestellt. Als er damit fertig war, hatte Dietmar Grieser in der Bel Etage schon begonnen und ich lief hinter Barbara Frischmuth, die später lesen sollte, in den ersten Stock hinauf und stand mit ihr, im Nebenzimmer, weil der Lesesaal schon besetzt war und sich die Leute darum stritten, einen Platz zu bekommen. Dietmar Grieser las aus seinem neuen Buch “Das gibts nur in Wien” und kam gleich zu Barbara Frischmuth, mit der er einmal Schwammerln gegessen hat. “Sie liest in zwei Stunden!”, kündete er an und hatte keine Ahnung, daß sie im Nebensaal zuhörte und ich kann meine Geschichte wiederholen, daß ich, wahrscheinlich 2001 im Zelt gesessen bin, das sich allmählich füllte, weil Dietmar Grieser angekündet war. Am Podium saß vom Literaturhaus eingeladen, eine kleine Alte Dame namens Ilse Aichinger und las mit zittriger Stimme und überzog ihre Zeit um ein paar Minuten, was die älteren Damen im Publikum sichtlich irritierte und ich dachte, in ein paar Jahren wird der Grieser dasitzen und über seine Begegnung mit Ilse Aichinger berichten, was ich ihm auch einmal erzählte. Jetzt wird er das nicht mehr im Zelt tun können, denn es ging in den Keller zu Gerhard Tötschinger, einem sehr wortgewaltigen und selbstbewußten Herrn, der wie er sagte, in diesem Theater schon viel gespielt hat. Er stellte sein Buch über “Bella Italia” vor und tat das solange, daß ich wieder zu spät in den ersten Stock kam. Da dachte ich, daß Thomas Sautner lesen wird und war erstaunt, einen älteren Herrn vorzufinden, der von Portraits von Postgeneraldirektoren, Sitzungen beim “Alten” Bruno Kreisky und vom Stempelmarken picken las und wunderte mich auch im Publikum einige Herren in blauen Anzügen und Krawatten zu finden, die man sonst nicht bei Lesungen sieht, bis mich der Moderator davon unterrichtete, daß Anton Wais, der ehemalige Postgeneraldirektor ist.
Man sieht, die Mischung zwischen Literatur und Büchern von prominenten Saalfüllern wurde beibehalten und in den zwei Sälen gab es zwei Moderatoren, die das Publikum nach jeder halben Stunde zum Lesen und zum Bücherkaufen aufforderten. Auch sonst waren die Stimmung äußerst freundlich, denn am Einang zur BelEtage standen zwei junge Frauen, die einen jedes Mal extra begrüßten. Allmählich wurde es Literarischer und im Kellertheater habe ich immer Platz gefunden, in der Bel Etage bin ich zweimal am Boden gesessen, bis es auch da leerer wurde.
Weiter gings, wie schon erwähnt, mit Barbara Frischmuths “Woher wir kommen”, aus dem ich schon in der Alten Schmiede hörte, sie hat auch die zwei selben Stellen gelesen. Oben las dann Thomas Sautner aus den “Glücksmachern”, wo ein Versicherungsangestellter sich einen Haufen esoterischer Bücher kauft und eine Glücksversicherung organisieren soll. Bei den nächsten zwei Lesungen Jochen Jungs “Wolkenherz” und Kurt Palms “Die Besucher” wars auch egal, ob ich zu spät komme, habe ich die Bücher ja schon gelesen. Bei Andrea Maria Dusl “Ins Hotel konnte ich ihn nicht mitnehmen” tat ichs dann und das war sehr schade, denn das Buch über den Russen ihres Vaters und der Russlandreise, die die Familie machte, um offenbar den Kriegskameraden zu treffen, war sehr interessant und die Dusl ist ja eine mit einer deftigen Sprache, obwohl ich nicht mit allen, was sie schreibt, einverstanden bin.
Inzwischen ist der Alfred gekommen und hat ein bißchen fotografiert und statt bei Rudolf Taschner, habe ich die nächste halbe Stunde im Bücherzelt verbracht und auch einen Kaffee getrunken. Dann las Ruth Cerha aus “Zehntelbrüder” und Lilian Faschinger aus einem Art Kriminalroman, wo eine Gerichtsmedizinerin, die bei allen Leuten, die sie trifft, gleich ihre Diagnosen stellt, beim Begräbnis ihres Vaters einen Jugendfreund trifft.
Dann wars halb zwölf und die Kriminacht begann, was auch beibehalten wurde, so daß ich zwar meistens den Anfang versäumte, aber Petra Hartliebs zweiten Krimi über die Wiener Inspektorin Anna Habl und den Berliner Thomas Bernhard, hören konnte. Robert Seethaler, den ich nicht kannte, hatte etwas über einen “Trafikanten”, der in das dritte Reich und in die Zeit des Anschluß führte. Susanne Wiegele habe ich schon einmal auf der Buch Wien gehört und mich über ihren Borderline-Ermittler gewundert und jetzt glatt auf Dolores Schmiedinger und ihre unartigen Lebenserinnerungen vergessen, die genau, wie “Fetzers zweiter Fall” ins Sado Maso Milieu führen und der neue Wiegele Krimi, die auch Psychologie studiert hat, beschäftigt sich mit den Kindesmißhandlungen in Heimen, ein Thema mit dem sich auch Andreas Pittler beschäftigt hat.
Aber noch sollte im Keller die letzte Otto-Stoessel-Preisträgerin Andrea Grill aus ihrer “Liebesmaschine LYC”, vielleicht ein Ersatz für die Erotiknacht lesen, was aber eher ein Reisebericht war und als ich die Stufen hinunterstieg, sah ich sie hinaufkommen und der Theatersaal war geschlossen. Als ich hinaufging, kamen mir einige Frauen entgegen, die auch von der Bel Etage kamen und als ich den Eröffnungsmoderator, der vor dem Cafe stand, fragte, ob Andrea Grill schon gelesen hätte, sagte mir der, daß die Veranstaltung wegen mangelnden Publikumsinteresse ausfallen würde, aber, wenn man vom ersten Stock in den Keller muß, braucht man einige Zeit. Da mir die beiden Frauen folgten und “Wir sind ja da!”, riefen und Andrea Grill auch noch da stand, wurde der Saal wieder aufgesperrt und die Veranstaltung fand vor sieben oder acht Leuten statt. Sogar der Fotograf ist zurückgekommen, es war aber nicht der, mit dem ich die letzten Jahre, die Nacht im Zelt verbrachte und um eins war das Zelt meistens noch sehr voll.
Bei Andreas Pittler im ersten Stock waren aber einige Leute, als ich hinaufkam. Er las aus “Zores”, wo Mayor Bronstein nun auch in der Zeit des Anschlußes einen Mord an einen Nazi aufklären muß, während er sich selbst bedroht fühlt.
Dann gings nach Hause, weil es erst wieder um neun mit Julya Rabinowichs “Erdfresserin” weiterging, das Buch aus dem sie, glaube ich, beim Bachmannpreis gelesen hat und das mich sehr beeindruckte durch die Direktheit des Erzählten. Eine Illegale auf einer Odyssee in den Untergang, sprich in den goldenen Westen, weils im russischen Dorf nicht genug Devisen gibt und sie einen Sohn zu ernähren hat. Daher immer wieder schwarz über die Grenze, der Schwester und der Mutter Geld und Medikamente für den kranken Sohn schicken. Der Vater ist verschwunden, die Schwester eifersüchtig und, um die teuren deutschen Schuhe für sie kaufen zu können, muß sie sich auch prostituieren. Dann ging es diesmal direkt im Landtmann selbst, bzw. in einem Hinterzimmer, wo es zwei Bücherwände zu sehen gab, mit Polly Adler “Wer jung bleiben will, muß früh damit begonnen”, ein Roman der sprachgewaltigen Kolumnistin und ein sehr guter Kontrast, zur “Erdfresserin”, nämlich in die Schicky-Micky Welt einer Seifenoperndrehbuchautorin, die einen Liebsten hat, der ihr marokanisches Hühnchen bruzzelt, eine gute alte Tante, die ihr das Selbstbewußtsein beibrachte “Trau keinem Mann, Schätzchen!” und die trotzdem stirbt, weiter und Cornelia Vospernig im Keller berichtete in ihrem Roman, alle bekannten Journalisten und sonstwie Prominenten, scheinen einen solchen zu schreiben und damit Erfolg zu haben “Genosse Wang fragt!”, von der Gefühlswelt eines offensichtlichen chinesischen Mannes, der seine Gefühle nicht so äußern kann und darf und dadurch seine Frau verliert und auch an Tuberkulose erkrankt. Was dann folgte war Angelika Reitzers “unter uns” und das ist ja eigentlich kein neues Buch, sondern schon vor zwei Jahren erschienen, das aber vielleicht trotzdem ganz gut zum Thema passte und dann ging es in die Breitenwirkung, obwohl anzumerken ist, so voll, wie im Zelt ist es bei “Rund um die Burg”-neu eigentlich nie geworden. Aber Joesi Prokopetz gab in seinem “So weit so komisch” Einblick in das goldene Wienerherz, die Leute lachten und Georg Markus hatte auch was zum Humor mit seinem “Wenn man trotzdem lacht”.
Mit den Science Busters “Gedankenlesen durch Schnecken” war dann dieser Literaturmarathon beendet und einiges fehlte, wie zum Beispiel, die Schule für Dichtung, die Burgtheatereinlage um Mitternacht, die Darbietungen des Literaturhauses und des Volksstheaters und natürlich auch die Erotiknacht, obwohl ich von der ja nie so begeistert war und um ein endgültiges Resumee zu ziehen. So schlecht wars nicht, nur halt eine Sparvariante und einige der aktuellen Neuerscheinungen, wie z.B. die der Vea Kaiser, von Cornelia Travnieck, Milena Michiko Flasar, Martin Horvath mit seinem “Mohr im Hemd”, Anna Kim, die am Freitag übrigens im Literaturhaus las, Clemens J. Setz, Teresa Präauer, die neue Aspekte-Preisträgerin, etc, fehlen. Daß es nicht mehr rund um die Uhr ist, finde ich persönlich schade, habe aber natürlich ein Bett zu Haus und kann auch so zu genügend Veranstaltungen gehen.
Das Cafe Landtmann würde ich sogar sagen, ist ein eleganterer Rahmen, es gibt ein Klo, es war sogar fast zu warm, nur vielleicht ein bißchen zu klein, zumindestens, was die Stoßzeiten betraf und vor allem habe ich das Hin- und Herwandeln lästig gefunden. Man bleibt dadurch zwar wach, versäumt aber nicht nur die Anfänge, sondern, wenn man nicht sehr viel Glück hat, sogar die Lesung selbst und ist meiner Meinung nach nicht nötig!!!
Das Kellertheater hätte auch genügt und jetzt ist es nach eins, das Mittagessen köchelt auf der Herdplatte, der Blog ist geschrieben und wenn ich gegessen habe, breche ich ins Museusquartier auf, um mir den vierten Jeunesse Tag zu geben, das heißt halbstündige Musikveranstaltungen von fünfzehn bis zweiundzwanzig Uhr und das Bücherlesen, ich bin ja gerade bei der Anna Weidenholzer, werde ich auf den Sonntag verschieben.



