Die Besucher

“Ein Alptraum im Schleudergang – Kurt Palm zeigt uns, was Mystery alles kann. Ein Roman über Vögel, die vom Himmel fallen, verregnete Landschaften und geheimnisvolle Fremde: Niemand weiß, woher sie kommen, niemand weiß, was sie wollen… Ein Meister der Groteske – Hamburger Morgenpost”, steht auf der Buchrückseite, auf der Vorderseite sitzt eine Frau, das Gesicht verdeckt mit ihren langen Haare im weißen Nachthemd und mit nackten Füßen auf einer Waschmaschine im Keller” und Kurt Palm hat in einem Radiointerview über seinen neuen Roman “Die Besucher” von David Lynch Filmen, die ihn und den Roman prägten, erzählt, so daß ich eine Vorstellung hatte, welche Art von Roman mich nun erwartet. So etwas, wie Michael Hanekes Filme, habe ich gedacht und dann beginnt alles ganz real.
Ein Mann, der vierzigjährige Journalist, Martin Koller liegt nach einem Hörsturz im Krankenhaus und kennt die Welt nicht mehr, auf einem Ohr hört er nichts, im anderen hat er irre Töne, so daß er nicht schlafen kann und ihm die indische Schwester mit einem Heilöl einreibt, das dem Gatten einer anderen Schwester sehr geholfen hat, während die polnische Schwester Grazyna für ihn betet und ihm Amulette in die Hand drückt. Er liegt in einem Klassebett, obwohl er kein Klassepatient ist und wird, weil ein solcher erwartet wird, am Morgen entlassen, dabei hatte er in der Nacht arge Panikattacken und die ihm unsympathische Neurologin verschrieb ihm Trittico, Rivotril und Zoldem.
Dabei hat Martin gar keine Ahnung, wie es dazu kam, denn in seinem Leben ist ja alles in Ordnung und Sorgen haben andere Leute auch, die Spitalsärzte zum Beispiel, die sehr lang hintereinander Dienst tun. Er hat von irgendwo ein Buch bekommen, wo drinnen steht, daß er sein Leben ordnen soll, also schreibt er “Versöhnung mit dem Bruder, Mama besuchen und mit ihr reden, neues Auto kaufen, Fensterdichtungen auswechseln” darauf.
In der Zeit, in der er im Spital lag, bekam er viele Anrufe von seiner Redaktion, die er nicht entgegennahm, er wollte auch nicht besucht werden, ein Kollege deutet aber an, daß der Chef ihn entlassen und einen Volontär an seine Stelle setzen will, es gab da einen Brandanschlag auf ein Asylanenheim und Martin kennt einen Neonaziführer, das heißt, er ist mit ihm zur Schule gegangen, der meldet sich auch bei Martin, als er schon entlassen ist, ebenso meldet sich seine Schwester und will für eine Woche auf Kur, er soll sich inzwischen, um die kranke Mutter kümmern und eine Frau, die von ihm ein Kind will, während sonst nichts mehr in der Ehe stimmt, hat er auch.
Martin fühlt sich also schlecht und als Sandler, hat er sich wegen der Geräusche, die ihn irritieren, ja schon lange nicht mehr rasiert und geduscht, fürchtet sich, seinen Chef anzurufen, fährt in diesem Zustand aber aufs Land, um seine Mutter zu betreuen.
Einen Vater, der an einer Asbestvergiftung starb, die von der Firma, in der er arbeitete, vertuscht wurde, weshalb sich Martin als Feigling fühlt, gibt es auch und eine Freundin, mit der er seine Frau Paula, manchmal betrügt.
So fährt er durch das trübe Regenwetter, auf die Scheibe fallen tote Vögel und die Mutter hat von dem alten Arzt viel zu viele Tabletten verschrieben bekommen. Die Telefonnummer von einer jungen Ärztin bekommt Martin von seiner Schwester auch noch in die Hand gedrückt, die ruft er an und besucht sie, um mit ihr über die Tabletten zu reden. Dabei sieht er schleichende Gestalten und alte Frauen aus unbewohnten Häusern schauen, wie es in Gespensterfilmen schon mal vorkommt. Die Ärtzin, deren Kind durch einen Unfall gestorben ist, lädt ihn für nächsten Abend zum Nachtmahl ein, er besorgt sich von einem ungarischen Urologen Potenztabletten, fühlt er sich durch seine Krankheit ja impotent, der verkauft ihm ein Ärztemuster für teures Geld und die Ärztin erzählt ihm von einer seltsamen Leiche, die verschwunden ist.
In der Vornacht hat er auch noch eine Schachtel mit einem Babyanzug und einem Foto von einem toten Baby am Dachboden gefunden, das vielleicht seit Bruder war und die Ärztin ruft mitten in der Nacht an, hat Angst und holt ihn in ihr Bett. Das klappt dann aber nicht und als er nach Hause kommt, sind die Besucher überall im Haus. Sie haben schwarze Kleider, eine graue Decke und keine Schuhe und Strümpfe, genau, wie die ausgeräumte Frau, die aus dem Krankenhaus verschwunden ist. Die liegt dann am Dachboden, Martin vögelt in sie ein und am Morgen stirbt die Mutter. Die Besucher sind verschwunden und niemand glaubt Martin, was er erzählt. Die Fotos, die er seiner Frau und der Ärztin schickte, kommen nicht an und auch die, die das Krankenhaus von der seltsamen Leiche machte, sind verschwunden. Die Ärtzin läßt Martin im Stich und der Bruder ist auch noch ganz real erschienen und hat der Mutter das Sparbuch, das für ihre Beerdigung bestimmt war, abgeluchst und der Kollege ruft an und erzählt Martin, daß sich der Volontär mit dem Neonazi getroffen hat, den Martin eigentlich treffen wollte.
Martin ist am Ende, hat wieder einen Alptraum, wo im Meer die abgeschnittenen Hundeköpfe treiben und im letzten Kapitel findet ein Jäger, die grauen Decken in dem Wald, in dem die Besucher nach dem Tod der Mutter verschwunden sind.
Das Buch ist aus und ich blieb mit einem beklemmenden Gefühl zurück, denn es ist, abgesehen davon, daß mir der gute Martin, in seiner männlichen Machoart ziemlich unsympathisch war, sehr eindrucksvoll geschrieben und frage mich, was habe ich jetzt gelesen?
Einen Gespensterroman zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts? Einen Alptraum? Die Beschreibung einer Panikattacke? Einer Psychose? Oder die Übertragung der Wahrnehmungen, die ein alter Mensch in seinen letzten Stunden erleben kann?
Kurt Palm hat in einem anderen Interview erzählt, daß er bei seiner sterbenden Mutter war, die von allen ihren Verwandten besucht wurde, während natürlich niemand anwesend war und die Besucher alle schon tot.
Das ist realistisch und kann ich mir vorstellen. Von meinen Supervisionsgesprächen weiß ich auch, daß die Pflegehelferinnen darauf schwören, daß ein Fenster aufgeht und sie wissen, da ist die Frau in Zimmer drei, Bett sieben gestorben.
Das ist zwar nicht beweisbar, aber es gibt ja mehr zwischen Leben und Tod, Himmel und Erde und das alles ist in dem Buch vermengt und in einer sehr beklemmenden Art beschrieben.
Die Realistin in mir schwört darauf, kein Mystery, sondern eine sehr packende realistische Darstellung des grauslichen Lebens, um uns gelesen zu haben, Liebe, Einsamkeit, Tot und Sterben, Gewalt, Rassismus und dann noch ein paar unsympathische Zeitgenossen, die es bevölkern.
Für den Gespensterroman bin ich zu realistisch und würde meinen, da ist mit Kurt Palm, die Lust am Fabulieren durchgegangen und mit manchen übertreibt er auch. So stellt er wahrscheinlich zuviele Fragen für die er zuwenige Antworten hat.
Ich kann nicht sagen, ob mir das Buch gefallen hat? Es hat mich gepackt, weil es sehr spannend und beklemmend geschrieben ist. Lösungen hat es nicht, weil das Leben eben scheiße ist und der gute Martin müßte wahrscheinlich dringend sein Leben ordnen, am Schluß ist er ja arbeitslos und fertig und nur mit Trittico, Rivotril und Zoldem, wird ihm das höchstwahrscheinlich nicht gelingen. Alkoholiker, das habe ich jetzt vergessen, war er auch noch und Kurt Palm hat, was man, wie ich in den Schreibratgebern immer lese, bei dem Buch das gemacht, was man nicht darf, er hat die Grenzen sämtlicher Genres durchbrochen, aus zwei Büchern eines gemacht und ich könnte mir, soweit ich ihn kenne, vorstellen, daß ihn das großen Spaß machte und er es sehr genoß, die Kritker und die Leser zu verwirren.
Jetzt bin ich gespannt, wie die anderen Rezensenten das Buch besprechen, ich habe es, wie schon erwähnt, packend und interessant gefunden, ob es logisch und nachvollziehbar ist, weiß ich aber nicht.
Zu Kurt Palm ist noch zu sagen, daß er 1955 in Vöcklabruck geboren wurde, ich von ihm durch seine Hermes Phettberg Show und seine Bücher über James Joyce, Adalbert Stifter und Mozart das erste Mal hörte und ich ihn persönlich durch den Ohrenschmaus, in dessen Jury, er bis jetzt ja war, ein bißchen kenne.

Zwei Jahre offene Bücherschränke

In Deutschland gibt es das Konzept der offenen Bücherschränke “Nehmen, geben, keine Anmeldung, keine Kosten”, schon lang. Nach Wien hat sie vor zwei Jahren Frank Gassner gebracht und da ist die Eröffnung des ersten Bücherkasten in der Zieglergasse, Ecke Westbahnstraße am 5. Februar 2010 an mir vorbei gegangen. Erfahren habe ich erst durch leselustfrust davon, meinem Lieblingsblog, den es ja leider nicht mehr gibt und den ich sehr nachtrauere, weil manches dort wirklich einzigartig war und bin ein paar Wochen später das erste Mal, verbunden mit einer Literaturhausveranstaltung hingegangen. Ich hab darüber geschrieben und war, obwohl ich ja noch von den Büchertürmen der Literatur im März und der Verlassenschaft meiner Eltern einige ungelesene Bücher hatte, begeistert und habe wirklich sehr viele schöne Bücher dort gefunden, die mein Leseverhalten eindeutig gesteigert haben. Ich habe mir auch parallel oder schon ein bißchen früher angewöhnt, alle Bücher, die ich lese, zu besprechen und da ich auch sonst ziemlich regelmäßig darüber schreibe, was man in den Schränken so findet, habe ich auch eine gute Dokumentation darüber und komme, da ja das Literatur- und das Amerlinghaus, sowie das AKH in der Nähe liegen, ziemlich regelmäßig daran vorbei und finde es sehr faszinierend, was man da alles finden kann und es ist auch interessant, sich Geschichten von den Menschen auszudenken, die die Bücher einmal besessen haben, so habe ich auch in drei Büchern darüber geschrieben. In der “Mimi” habe ich mir so eine Bücherbetreuerin erfunden, beziehungsweise, die Frau Tunichtgut dazu gemacht und dann gab es einmal eine Aufregung über einen alten Herrn, der sich zuviele Bücher genommen hat, da hat die Psychologin in mir einen Alzheimerpatienten aus ihm gemacht und für die “Absturzgefahr”, die Figur des Bernhard Listringer erfunden und in der “Frau auf der Bank” kommen die Bücherschränke auch ein bißchen vor. Wurden sie ja sehr gut angenommen, so daß sie, wie die Schwammerln aus dem Boden gewachsen sind und viele Nachahmer gefunden haben. Frank Gassner meint ja immer, daß es ihm gar nicht so sehr, um die Förderung des Lesens, sondern eher, um die des öffentlichen Raumes geht und so gibt es inzwischen auch einen Schrank am Brunnenmarkt und einem am Zimmermannplatz. Dort war ich bei der Eröffnung, das “Rosa Winkel”- Buch habe ich zwar nicht gefunden, mich aber für die Arbeit der “Frau auf der Bank” einen Tag dort hingesetzt, um ein bißchen die Stimmung zu beobachten.
In der Otto Bauergasse- Ecke Gumpendorfstraße sollte es auch einen solchen Schrank geben, dann war das aber, glaube ich, der Bezirksvorstehung zu teuer und die Förderungen, um die Frank Gassner angesucht hat, wurden auch immer mit Argumenten, wie “Wir brauchen keine Bücherschränke, haben wir ja die öffentlichen Büchereien!”, als ob das damit zu vergleichen wäre, abgelehnt. Dann kam aber die Gemeinde daher und eröffnete Bücherkabinen in Eigenregie und dafür war das Geld dann da, nun ja. Im achten Bezirk habe ich gehört, sollte es einen solchen Schrank geben, es gibt ihn auch noch nicht. Dafür gibt es seit November oder Dezember einen am Margaretenplatz, den die Margaretner Kaufleute gestiftet haben, ihn “Wortschatz” nannten, der von der Evi von Zwillingsleiden regelmäßig fotografiert und beschrieben wird.
Dort habe ich mir, da er praktisch vor meiner Haustür liegt, auch schon sehr viele schöne Bücher herausgeholt, weil ja nicht nur im siebenten, sondern auch im fünften Bezirk, sehr viele bibliophile Menschen oder Bücherblogger leben und ich halte, die Belebung des öffentlichen Raumes durch einen offenen Bücherschrank für eine sehr gute Idee.
Es gab dann noch eine Aktion des Bezirksrat Jurjans im Sommer 2010 am Siebenbrunnenplatz, wo mir mich die KPÖ einlud, bzw. mir ein paar “Sophie Hungers”-Exemplare abkaufte, aber das war nur eine Tagesaktion und ein Lokal im fünften mit einem Bücherkastel gibt es, glaube ich, auch. Eine Idee, die also sehr um sich gegriffen hat und ich denke, daß es ein paar Bibliophile, wie mich gibt, die sich begeistert daran bedienen, lesen und darüber schreiben. Aber auch sehr viele Leute, die Bücher zum Entsorgen haben und ein paar Ausräumer gibt es wahrscheinlich auch und einmal einen Vandalakt mit einer Bücherkastenzerstörung, was ja besonders schade ist. Die Kästen werden also sehr frequentiert und müssen viel aushalten und so wurde jetzt der in der Zieglergasse durch einen neuen ersetzt und Frank Gassner, der ja ein bildender Künstler ist, hat Hermann Nitsch zu einer Ausgestaltung der Außenwände gewinnen können und heute um fünfzehn Uhr bei der Eiseskälte, die gerade herrscht, wurde feierlich eröffnet.
Das war schon lange auf der Facebook-Seite angekündigt und ich dachte, daß ich auf die Eröffnungsfeier verzichten muß, da wir am Wochenende wieder in Harland waren. Dann sind wir aber schon um Zehn zum Mittagessen auf die Rudolfshöhe gefahren, um Zwölf hinuntergegangen und es ging sich noch aus, daß zu Fuß zum Schrank gehen konnte. Da habe ich den doppelten “Hakan Nesser” in den Wortschatz gelegt, bzw. gegen eine “Doris Dörrie” ausgetauscht und fand den Platz, um den Bücherschrank in der Zieglergasse als ich dort eintraf, schon sehr bevölkert vor. Ich habe auch einige Bekannte getroffen, die ich regelmäßig im Literaturhaus sehe.
Der Schrank war noch verhüllt, es gab aber auf einem der Mauersimse, einen ganzen Stoß mit Bücherspenden, die die Leute offenbar zwischenzeitlich gebracht haben. Der Schrank wurde ja am Donnerstag ab- oder ummontiert und Frank Gassner erzählte bei seiner Eröffnungsrede, daß er beim Abmontieren von zwei Damen beschimpft worden wäre, die enttäuscht darüber waren, den Schrank nicht benützen zu können.
Hermann Nitsch war noch nicht da, es gab aber schon was zum Knabbern, Wein aus Prinzendorf und Lesezeichen, die auf den Bücherschrank, beziehungsweise auf Spendenmöglichkeiten aufmerksam machen. Frank Gassner bekommt ja keine Förderung und muß, glaube ich, auch eine Genehmigungsgebühr dafür zahlen und die Schrankkosten trägt er auch.
So gibt es jetzt einen Shop, wo man Tragetaschen bestellen kann, wenn man den Schrank unterstützen will. Es waren auch sehr viele Fotografen da, die sich auf Hermann Nitsch stürzten, der den Schrank eröffnete. Frank Gassner zog die Umhüllung weg und die Leute stürzten sich auf die Hermann Nitsch-Bände, die es heute und in den nächsten Tagen in dem Schrank geben wird und ich erwischte ein noch originalverpacktes Residenz-Bändchen zur “farbenlehre des o. m. theaters”, das ich mir dann signieren ließ. Die Bücherbetreuer Herr Otto und Frau Elisabeth wurden vorgestellt und ich bin und bleibe sehr fasziniert von der Idee der offenen Bücherschränke zur Belebung des öffentlichen Raumes ohne Geld, da bin ich ja auch eine ziemliche Expertin, sowie von der Förderung des Leseverhaltens, die es für mich in erster Linie hat. Wenn ich für mich auch inzwischen nachdenke, wie ich das am besten mache und, wie oft ich an den Schränken vorbei gehen soll? Denn wenn ich zwei Bücher in der Woche auf meine Leseliste stelle, habe ich genug für die nächste Zeit und vielleicht auch die Chance, das sonst noch nicht Gelesene aufzulesen, finde ich dann aber ein drittes tolles Buch, kann ich nicht immer nein sagen oder bereue es, wenn ich es tue und an den Buchabverkaufskisten, wie die, die es derzeit beispielsweise beim Morawa gibt, kann ich auch nicht vorrübergehen, obwohl ich mir das eigentlich vorgenommen habe. Andererseits freue ich mich, wenn ich beispielsweise zu der Urzidil-Buchpräsentation gehe und daraufkomme, daß ich mir vor Jahren drei Bücher von ihm gekauft habe, die inzwischen längst vergriffen sind und die “Verlorene Geliebte” habe ich mir in Harland auch herausgesucht und werde sie auf meine Sommerleseliste setzen.

Schöne Künste

“Schöne Künste” von Evelyn Grill, 2007 erschienen, ist eine Satire auf den Kunstbetrieb und zwar eine sehr scharfe bissige, in Krimi-Form verpackt, geschrieben in einer elaborierten Sprache in unverkennbaren Bernhard Stil und im gehobenen Milieu einer wahrscheinlich deutschen Kleinstadt angesiedelt, ich habe Evelyn Grill daraus, glaube ich, einmal bei “Rund um die Burg” lesen hören.
Im neuen Kunstmuseum besagter Provinzstadt findet eine Vernisage und ein Happenig statt, der Museumsdirektor Morwitz steht mit seinem Äffchen auf der Schulter, seiner schönen Halbschwester und deren Gesellschafterin im Saal, gibt Erläuterungen zum Gesamtkunstwerk Ganymed von Schmoizz, der lasziv und fett am Boden liegt und von der Gattin eines Vorstandsmitglieds ausgepeitscht wird, während das Äffchen lustig herumspringt. Das Mueseum ist überhaupt in eine Stätte der modernen Kunst verwandelt vorden, wo die Fettstühle von Beuys vor sich hinranzen, die Wiener Aktionisten erwartet werden, während die vom Kunstmäzen Escher gestifteten Impressionisten im Keller vergammeln oder überhaupt schon verkauft wurden.
Und jener Mäzen hat einen Sohn namens Viktor, der auch ganz seltsame Vorlieben pflegt, so speist er zu Abend mit seiner Frau im roten Abendkleid, spricht mit ihr und läßt ihr ein weiches Ei sevieren, aber Cosima ist nur eine Puppe, nämlich die andere Halbschwester des Museumdirektors, aber schon vor zehn Jahren verstorben, weil sie ein Kind erwartete, dessen Vater nicht Escher war. Der hat sich seither aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und geht nur mehr seinen Geschäften, sprich der Verwaltung seines Vermögens nach, er besucht aber auch die beiden Kunsthistoriker des Museums und vögelt nachts die Puppe, aber eigentlich gilt sein interesse der noch lebenden Halbschwester und da liegen die Karten gut, denn der Museumsdirektor wird ermordet. Der war homosexuell und traf sich mit seinen Strichbuben im Beuyssaal, was ihn in Eskase versetzte und zu neuen Ideen zu noch neueren Performances brachte. Er und sein Affe werden aber im Saal erstickt und erstochen aufgefunden, was Escher zum Lachen und in das Haus seiner ehemaligen Schwägerin bringt, die gedenkt sich aber, stellt sich gleich heraus, wieder zu verheiraten und zwar mit einem Lehrer und Verfasser scheußlicher Poems und er verbringt sogar die Nacht in der Villa der schönen Witwe. Escher, der seine Puppe inzwischen versorgt und begraben hat, steht hinter einer Mülltonne verborgen vor dem Haus, schaut hinauf und als der Bräutigam herauskommt, schleppt er ihn in einen ehemaligen Luftschutzkeller und läßt ihn von den Ratten zerfressen. Inzwischen stellt sich heraus, daß der Direktor und das Museum verschuldet war, so daß die beiden schönen Luxusfrauen ausziehen müssen, Escher, der Margot heiraten will, bietet ihr gleich seine Villa an, bekommt aber die androgyne Gesellschafterin an ihrer Seite nicht los, denn die schläft sogar an Margots Seite oder sitzt an ihrem Bett, wenn Escher seine Frau, er hat Margot schnell geheiratet, sein Geld machte es möglich, die beiden Luxusweibchen waren ja völlig mittellos, besuchen will, Escher tröstet sich indessen auf die Hochzeitreise und versucht das neue Kunstmuseum wieder in ein altes zu verwandeln, Linda begleitet ihn als Assistentin, zu einer geschäftlichen Besprechung, nur schade, daß er dabei eine Rolltreppe hinunterfällt, im Krankenhaus verstirbt, während sich die beiden Frauen jubelnd in die Arme fallen.
Wirklich böse und auch interessant, denn ich habe von Evelyn Grill schon sehr viel gelesen und besprochen und kenne ihre “Rahmenhandlung” aus dem Abdruck in der sozialistischen Frauenzeitung “Die Frau”, die ja meine Mutter abonnierte, aus den Siebzigerjahren. Elfriede Haslehner hat sie für den Wiener Frauenverlag entdeckt, dann ging sie nach Deutschland in das kleine Städtchen Freiburg im Breisgau und begann ihre Romane im Thomas Bernhard Manier zu schreiben, bitterböse und mit einer sehr starken Sprache. “Ins Ohr” habe ich gelesen und von Elfriede Haslehner geschenkt bekommen, “Winterquartier” gab es bei Buchlandung um einen Euro, wenn man fünf Suhrkamp Taschenbücher nahm, “Wilma” steht noch auf meiner Leseliste und “Den Sammler” habe ich auch bei “Rund um die Burg” gehört und müßte ich noch im Bücherschrank oder anderswo finden. Im Vorjahr ist das “Antwerpener Testament” erschienen und das hat sich vom der scharfen Bernhard Satire ein bißchen abgewandelt und ist mehr ein allgemeiner leicht und wohl auch ein wenig bissig geschriebener Gesellschaftsroman geworden, interessant also zu erfahren, was noch alles von Evelyn Grill kommen wird.
Dieses Buch habe ich auch aus dem Bücherschrank, aus welchen weiß ich nicht mehr, wenns aber der in der Zieglergasse war, dann wär es noch einmal interessant, denn der feiert am Sonntag seinen zweiten Geburtstag, beziehungsweise wird er da durch einen neuen von Hermann Nitsch gestalteten ersetzt, was ja irgendwie zum Thema passt.

Literatur im El Speta

Wirtin v. El Speta, Rudolf Lasselsberger

Wirtin v. El Speta, Rudolf Lasselsberger

T-Shirt v. Rudolf Lasselsberger

T-Shirt v. Rudolf Lasselsberger

Wieder einmal war ich hin und hergerissen, denn in der Gesellschaft für Literatur gab es den Kolik Slam mit Nadja Spiegel, Anna Weidenholzer und Philipp Weiss und da wäre vor allem die 1992 geborene Nadja Spiegel interessant gewesen, denn über Anna Weidenholzer habe ich ja schon sehr viel geschrieben und Phillipp Weiss hat seinen Text bei der Bachmannpreislesung aufgegessen, aber ich wollte eigentlich in die Alte Schmiede gehen, denn da wurden wieder einmal Podiums-Portraits vorgestellt und zwar unter anderen die von E.A.Richter und Hilde Schmölzer und die hätte ich mir ja gerne erschnorrt und auch das Heft, wo Annemarie Mosers Rezension der “Sophie Hungers” enthalten ist, aber dann hat Rudi Lasselsberger mir gemailt und mich gefragt ob ich am 2.2. ins El Speta komme, denn da würde er mir die Neuauflage von “Tanz in den Mai” mit der Rezension von Ilse Kilic mitbringen und außerdem zwei andere Bände seines loma-Verlages, nämlich die Erzählungen “Sonnenblumen im September” und “Willi wo bist du”, eine Spurensuche. Den “Willi auf Kur” habe ich ja schon besprochen und außerdem könnte ich auch einen Lesungstermin ausmachen, weil die Wirtin des El Spetas eine Literaturschiene hat.

Christian Futscher

Christian Futscher

Rudolf Lasselsberger

Rudolf Lasselsberger

El Speta ist ein Lokal in der Hofmühlgasse, vielleicht eine Neuübernahme, denn über die Hofmühlgasse, gehe ich ja sehr oft, wenn ich von der Alten Schmiede, der Klinik oder sonst von dieser Seite der Stadt komme. Also habe ich mich für die Lesung mit Christian Futscher, Rudi Lasselsberger und Hansjörg Zauner entschieden, Maramba und Cajon wurde von Stephan Brodsky gespielt. Ottwald John war da und sonst für mich lauter unbekannte Leute, ich habe aber einen kleinen Mädchen zugesehen, das zuerst ziemlich müde später munter wurde und von Rudi Lasselsberger auch das Instrument geschenkt bekam, mit dem er die Lesung einleitete. Dazu trug er wieder, wie beim letzten Tag der Freiheit des Wortes, den ich organisierte, ein Leiberl auf dem das Lesungsprogramm aufgedruckt war und kündigte Christian Futscher an, von dem im Programmzettel stand “wird lesen, singen und schreien, eventuell auch etwas zerreißen, aufblasen und anzünden”, also wieder Aktionismus. Rudi Lasselsberger ist mit den Mozartkugeln die in das Publikum schmeißt ja auch einer, aber diesmal nichts davon, denn Christian Futscher begann mit zwei Texten, die er in der Edition Czernin veröffentlicht hat, darunter einen, den er zum zehnten Geburtstag des Verlags verfaßte und der sich darauf bezog, daß er neunzig wäre, wenn der Verlag fünzig wird.

Hansjörg Zauner

Hansjörg Zauner

Stephan Brodsky

Stephan Brodsky

Christian Futscher wurde jedenfalls 1960 in Feldkirch geboren, lebt in Wien, hat 1998 beim Bachmannpreis gelesen und ist seit 1994 in der GAV, von da kenne ich ihn wahrscheinlich oder seinen Namen und bin mir nicht sicher, ob ich ihn nicht einmal in der Buchhandlung Jeller lesen hörte.
Als nächstes las Rudi Lasselsberger zwei Geschichten, dann kam Hansjörg Zauner mit dem Text “lichtwagenputzer” und Hansjörg Zauner hat 1996 beim Bachmannpreis gelesen und ist ein experimenteller Dichter, der unter anderen bei der Edition neue Texte, bei Ritter und Droschl verlegt.
Dann kam eine Pause und ein zweiter Durchgang und zwischendurch immer Musik. Im zweiten Teil begann Hansjörg Zauner mit Gedichten und Rudi Lasselsberger las etwa aus seinen “Willi”- Geschichten vor, zum Teil sehr Aktuelles, was sich auf H.C. Straches Orden, den er jetzt doch nicht bekommt, bezieht und eine Danksagung an die anwesenden Gäste und Gönner und Christian Futscher begann zu böhmakeln und brachte eine Schewjkiade.
Eine interessante Lesung mit Texten von drei experimentellen GAV-Autoren, ich habe wieder Lesestoff und je einen Lasselsberger auf die alte und die neue Leseliste gesetzt und das Buch, das ich schon gelesen habe, da man Bücher ja nicht horten soll, mit Einverständnis des Autors in den “Wortschatz” ausgesetzt, wer sich dafür interessiert, schnell hingehen, vielleicht ist es noch da, sonst die Besprechung im Literaturgeflüster lesen, da gibt es auch ein ziemlich umfassendes Rudi Lasselsberger Portrait, mit dem ich vielleicht demnächst im El Speta lesen werde.

Kerschbaumer-Essays

Marie Therese Kerschbaumer hat einen neuen Essayband bei Wieser herausgegeben “Freunde des Orpheus”, der der Alten Schmiede zwar nicht gewidmet ist, es aber eigentlich sollte, denn es handelt sich bei den darin enthaltenen Texten, um viele, die mit ihr Bezug haben, Auftrags und Anlaßarbeiten, aber auch so Geschriebenes, wie Marie Therese Kerschbaumer bei der Präsentation in der Alten Schmiede, Florian Huber, der das Buch vorstellte, erklärte.
Ich habe es ja sicher schon öfter geschrieben, ich habe eine lange und wahrscheinlich ambivalente Beziehung zu der Dichterin, die ich in den späten Siebzigerjahren im “Rotpunkt” beim Arbeitskreis schreibender Frauen kennenlernte und später in der GAV wiedertreffen sollte.
“Der Schwimmer” war damals schon erschienen, “Der weibliche Name des Widerstandes”, von dem ich daraufgekommen bin, daß ich das Buch nicht habe, obwohl ich es eigentlich glaubte, aber wahrscheinlich haben wir im Arbeitskreis viel darüber gesprochen. Den Roman “Schwestern” habe ich mir gekauft.
Und Marie Therese Kerschbaumer ist auch eine, die nicht leicht zu lesen und nicht leicht zu verstehen ist, so ist es mir beispielsweise nicht gelungen, als ich mir 2009 bei der Buchlandung “Die Ausfahrt”, den Band der Trilogie, um das Mädchen Barbarina, der in dem sogenannten Austro-Koffer enthalten ist um einen Euro kaufte, das Buch zu besprechen.
Den Band “Fern” habe ich auf einer unserer Italienreisen gelesen und Marie Therese Kerschbaumer schon bei sehr vielen Lesungen gehört. So liest sie beispielsweise meistens bei der Lyrik im März, war im Mai bei der Bisinger Veranstaltung in der Alten Schmiede und der Wieser Verlag hat ihr Gesamtwerk herausgebracht. Ich habe sie auch bei der Frauenlesung, die ich, 1991 in St. Pölten machte, eingeladen und hätte sie auch bei der 1998 in der Alten Schmiede gern dabei gehabt. Sie war, glaube ich, mit Gerhard Kofler sehr befreundet und ihm ist auch ein Essay in dem Buch gewidmet.
Florian Huber erklärte in seiner Einleitung einiges über das das Buch, dann las Marie Therese Kerschbaumer zwanzig oder dreißig Minuten aus dem Essay, der dem Buch “Kein Anwalt für Antigone”, des Staranwalts Alfred Noll gewidmet ist, das heißt, sie erklärte eigentlich die “Antigone von Sophokles dabei, tat das sehr engagiert, leidenschaftlich, interpretierend, gab dabei auch einige Erklärungen zu ihrer Sicht der Welt, daß sie sich mehr Solidarität und Verständnis wünsche beispielsweise, erklärte ihren feministischen Standpunkt oder Nicht-Standpunkt und da gibt es auch einen Film bzw. einen Artikel aus dem Archiv.
Ich bin ja eine, die sich ziemlich ausschließlich für die Gegenwartsliteratur interessiert und sich daher mit der Literatur der Antike, den Kreons, Antigones und der Rolle der Seher nicht sehr auskennt, Marie Therese Kerschbaumer zuzuhören ist aber ein Erlebnis und es gab im Anschluß auch eine rege Diskussion, die von Kurt Neumann eingeleitet,vom Publikum weitergeführt wurde und es waren gar nicht so viele Leute, wie erwartet gekommen. Vielleicht lag das am kalten Wetter, Marie Therese Kerschbaumer hat ja einen großen Fankreis und auch schon sehr viele Projekte für die Alte Schmiede gemacht.
So lag auf dem Büchertisch beispielsweise auch der bei Sonderzahl erschienene Band “Apologie/Arkadien”, den ich bei einem der Büchertürme, als es die Literatur im März noch gab, bekommen habe, der das Ergebnis des zehnten Autorinnenlabor in der Alten Schmiede war und beispielsweise Texte von Lisa Fritsch, Barbara Frischmuth, Gert Jonke, Gertrud Leutenegger, lisa Fritsch, Heidi Pataki, Julian Schutting, Maria Elena Blanco, Gerhard Kofler, Sabine Gruber, Ferdinand Schmatz, Alfred Kolleritsch, Bodo Hell und Kurt Neumann enthält und ich kann mich bei den Kerschbaumer-Lesungen, die ich in der Alten Schmiede hörte, an den “Weiblichen Namen des Widerstands”, an die “Neun Canti auf die irdische Liebe” und an die “Gespräche in Tuskulum” erinnern, aber wahrscheinlich bin ich bei mehr Lesungen gewesen. “Die Gespräche in Tuskulum” gab es auch in der Abverkaufskiste der Buchhandlung Morawa, als ich in das letzte Mal in der Alten Schmiede war, um vier Euro, da habe ich es drinnen gelassen und mir ein bißchen etwas anderes nach Hause geschleppt und bin auch diesmal nicht um die Abverkaufskiste vorbeigekommen, aber wieder sehr sparsam gewesen, habe ich mir doch nur die “Unsichtbare Fotografin” von Elisabeth Reichart gekauft und den Walter Grond, den ich auch einmal in der Alten Schmiede hörte, drinnen gelassen und auch das “Gorilla-buch” der Awadalla um zwei Euro, das bei Chick-Lit, wo ich es auch gesehen habe, sicher teurer ist. Aber ich habe schon soviele Bücher, kann nicht alle lesen und außerdem, vor zwei Tagen Kurt Palms neues Buch “Die Besucher” vom Verlag bekommen und “Schlafes Bruder” im Bücherschrank gefunden und lese höchstwahrscheinlich doch eher das linear Realistische, trotzdem ich zwar kein Fan, aber wahrscheinlich doch eine ziemlich genaue Marie Therese Kerschbaumer-Kennerin bin.

Vom Frauenzimmer zur Chick Lit

Die Evi von den Zwillingsleiden, deren Blog ich regelmäßig lese, ist in den fünften Bezirk gezogen, bespricht seither regelmäßig das literarische Wien und hat am Montag in ihren Artikel “Ein Anfang und ein Ende”, sowohl vom Zusperren der Buchhandlung Reichmann, die jetzt ja schon fast zwei Jahre abverkauft und an deren Bücherkisten ich regelmäßig vorübergehe, wenn ich in die Alte Schmiede will, als auch vom Aufsperren einer neuen Buchhandlung namens Chick Lit in der Kleeblattgasse berichtet.
“Chick Lit!”, habe ich mit leichtem Schuldgefühl gedacht, denn das lese ich ja manchmal gerne, soll man aber nicht, wie ja erst Michael Stavric im Standard des vergangenen Wochenende beklagte, daß die Leute keine anspruchsvollen Bücher mehr lesen und da eröffneteine Buchhandlung, die nur “Chick Lit” vertreibt? Interessant, habe den Link verfolgt und bin beim Verein über die “AUF”, die Förderung feministische Projekte gestoßen, sehr interessant, denn da gab es ja einmal eine feministische Frauenbuchhandlung, das sogenannte “Frauenzimmer” in das keine Männer durften, das zuerst seinen Standort in der Langegasse gleich neben oder im Wiener Frauenverlag hatte, der jetzt “Milena” heißt und keiner mehr ist, später in der Zieglergasse vis a vis dem Literaturhaus war und vor ein paar Jahren, ich glaube, es war 2007, eingegangen ist. Da war ich mit der Ruth Aspöck noch in den letzten Tagen, als wir von einer Vorbesprechung zum “Linken-Wort”, vom “Siebenstern” kamen, es gab aber keinen nennenswerten Abverkauf, dafür ein paar Monate später ein großes Benefizfest im EGA und seither hatte Wien keine Frauenbuchhandlung und die Zeitschrift “AUF” hat ihren Betrieb auch eingestellt, weil Eva Geber, eine der Begründerinnen, in Pension gegangen ist und in ihren Räumen in der Kleeblattgasse, das weiß ich jetzt, weil es auch Dienstagmorgen im Leoporello war, haben zwei junge Frauen, eine feministische Buchhandlung eröffnet und ihr den trashigen Tiel “Chick Lit” gegeben.
In den Siebzigerjahren hat es “Frauenzimmer” geheißen und die Männer ausgesperrt und ich bin in meinen Studentinnentagen, als ich mir noch Büchjer kaufte, sehr oft in der Langegasse gewesen und habe mir auch viel gekauft.Jetzt ersah ich der Homepage und hörte ich in Leporello, gab es am Dienstag von zehn bis achtzehn Uhr, die große Eröffnung “Essen, trinken, Bücher kaufen!” und ich hatte nur ein bißchen ein mulmigen Gefühl, denn der 31. ist ja mein Abrechnungstag und am Abend gibt es auch den Vertragspsychologinnen-Jour-fixe, bin aber früher aufgestanden und nicht in die Badewanne Lesen gegangen, sondern gleich mit den Honorarnoten begonnen und wäre auch fertig geworden, wenn nicht das Epsilon-Abrechnungsprogramm gestreikt hätte, so daß ich sowieso nur mit Alfreds Hilfe meine Diagnostik abrechnen kann, aber Zeit hatte, am Nachmittag in die Kleeblattgasse zu gehen und das ist auch eine historische Adresse, da dort nicht nur bis in die Siebzigerjahre, glaube ich, der Lebensgefährte meiner Tante Grete einen Frisiersalon hatte, sondern auch Elfriede Gerstl mit ihrer Mutter wohnte und es jetzt also die Buchhandlung mit der feministischen Unterhaltung gibt.
Es sieht dort eigentlich sehr ähnlich, wie im Frauenzimmer in der Zieglergasse aus. Regale, Büchertische, ein paar Sessel, viele junge Frauen und auch ein paar Männer von denen ich zuerst niemanden kannte. Eine der Frauen rief “Kaffee ist fertig!”, es gab ein Buffet mit Kuchen, Aufschnitten und Salaten und eine Bücherkiste zur freien Entnahme, in der es ein paar sehr alte feministische Publikationen und Frauenberichte gab und sonst die Frauenliteratur quer durch den Gemüsegarten. Vom Angebot würde ich auch nicht sehr viel Unterschied zum “Frauenzimmer” sehen. Oder doch natürlich, ein bißchen Trashiges, wie “Bisse und Küsse” in fünf Teilen und “Anne Frank” als Gothic-Novel, aber sonst Bücher von El Awadalla, Hilde Schmölzer etc.
Die sollte dann auch kommen und sich nach ihrem “Rosa Mayreder”-Buch erkundigen, die neue Frauenreihe, der Traude Korosa, die “ADA -Bibliothek der Frauen, aus der Edition Mokka, wo mir Judith Gruber-rizy zum Geburtstag den “Roten Merkur” von Auguste Groner schenkte, lag auf und ein Buch der Martina Wied, der Frau, die, wie mir Hiulde Schmölzer erklärte, nach dem Krieg den ersten Staatspreis bekommen hat. Bücher von Hermynia zur Mühlen, aber auch Lydia Mischkulnigs “Schwestern der Angst” und viele Edith Kneifl Krimis, also gar nicht so viel Chick Lits und die Frauen, die bei Kaffee und Saft tratschenten oder in die Bücher sahenb, interessieren sich wahrscheinlich auch nicht so sehr dafür, sind aber jünger, als die alten Feministinnen, ihre Töchter und Enkelinnen würde ich so schätzen und die beiden Bücherfrauen, ob und wann sie ihre Eröffnungsrede halten sollten und so hat Wien wieder eine Frauenbuchhandlung, der ich, genauso, wie Hilde Schmölzer, alles Gute wünsche.