Anleitung zum Fest

Der 1988 in Wien geborene Lukas Meschik, ist eine junge Stimme, die mir fast entgangen wäre, zumindest habe, ich sie, bei meinen “Klagenfurt-Getratsche” nicht erwähnt, ich war auch noch nie auf einer Lesung, den Namen des vorigen Luftschacht- und jetzigen Jung und Jung Autors habe ich aber schon gehört, so habe ich im Jänner 2012 als es die “Anleitung zum Fest”, in der Morawa-Abverkaufskiste gab, danach gegriffen, das Buch brav auf die Leseliste gesetzt und erst jetzt mitbekommen, daß es sich dabei um einen Erzählband handelt und, daß es sich, wie am Klappentext steht, bei Lukas Meschik um einen “jungen Erzähler mit hohen stilistischen und formalen Können” handelt, lassen die Verlage bzw. die Nominierung zum letzten “Alpha” mit wahrscheinlich dem Jung und Jung Roman “Luzidin oder die Stille”, vermuten. Dann gibt es noch den Debutroman “Jetzt die Sirenen”, mit dem er mit Steffen Popp verglichen wurde und dem Netz entnehme ich, daß der mir Unbekannte, kanpp vor der Matura, die Schule geschmissen hat, um sich ganz der Literatur und der Musik zu widmen, womit er offenbar sehr erfolgreich war, während er in seinen Erzählungen, die Tristesse der jungen Leute und die Schwierigkeiten des Lebens zwischen Matura und Studienbeginn schildert und tut das mit einer wahrhaft präzisen Sprache und einem frischen knappen Stil.
“Ein ortloser Ort”, ist den “Nachtrouten Wiens” gewidmet und beginnt mit der allgemeinen Betrachtung der Frage, ob “vier Uhr früh ein Zeitpunkt zum Sterben ist?”
Lukas Meschik behauptet jedenfalls, daß in dieser Zeit in den Altersheimen, Spitälern, etc, am meisten gestorben wird.
“Todesursache Altersschwäche, sagen die Schwestern und Pfleger und Ärzte gelassen und nicken, als wüssten sie von anderen, denen es ähnlich erging” und zieht dann in einem atemberaubenden Tempo durch das nächtliche Wiens, wo die Nachtbusse fahren oder zu spät kommen, man sich die Namen für die Kinder ausdenkt, die Liebste küsst, aber auch von Messerstechern, die den Angstschweiß spüren, überfallen wird, zischt in die Casinos ab, findet in “bröckelnden Mauernumschalung kleine Pakete zurückgelassener Kleidung” und denkt “an die Sommerresidenz einiger Obdachloser”. Am Schluß kommt er wieder zu der vierten Morgenstunde zurück und fängt zu kochen an “Prost und guten Appetit”.
Im “Tag der Trägheit”, “Glück”, lautet der Untertitel, den es bei jeder Geschichte gibt, verbringen zwei, die Zeit zwischen Matura und Studienbeginn im Badezimmer, das heißt “Joe verbringt manchmal Tage einfach nur damit im Badezimmer das Licht anzulassen”, um die Mutter zu ärgern, die brav arbeiten geht, Joe und der oder die Erzählerin, so genau habe ich das nicht herausgefunden, rauchen Gras und bezweifeln, daß die Mütter den Geruch erkennen, ernähren sich von Fertigpizza, trinken Bier, der die ErzählerIn bereitet sich auf das Philosophiestudium vor, Joe hat, wie er sie meint einfach Angst, davor seine Chancen auszunützen oder, daß es ihm gefallen könnte und entschwindet dann auch irgendwohin draußen “und es geht ihm nicht schlecht”, lautet der letzte Satz.
Dann kommt die “Neuordnung der Synapsen” oder “Acht Gegensätze” und bei “Was uns an Amputationen denken läßt”, geht es in die Diskothek und da wird ganz genau beschrieben, was dort passiert. Es wird geraucht und gekifft, getrunken und geliebt, die Nachtbusse rauschen vorbei, der Türhüter läßt die Dreizehnjährigen hinein, obwohl man ja zwischen sechzehn und sechsundzwanzig sein sollte und während es bei den Protagonisten an die Liebe geht, denken sie bei der “Beschreibung ihres Ausgehabends”, ständig an “Amputationen. Jeunesse doree pur, könnte man meinen oder auch an die “Krankheit der Jugend”, denken, die Lukas Meschik ganz neu zu beschreiben versteht.
In der “Kunst des Halbierens”, sitzen zwei im ersten Stock eines Restaurants, die Frau hat ein Aufnahmegerät dabei und interviewt den Mann, der ihr eine “Liebesgeschichte” erzählt.
“Wir leben in unverbindlichen Zeiten!”, zitiert er immer wieder, beschwert sich beim Kellner, der die sechszehn Stufen über die Wendeltreppe hinaufkeuchen muß, über den unverschämt hohen Preis der Scholle, bestellt sie aber doch, streicht der Frau übers Haar und man weiß nicht recht, was hier passiert? Diktiert der Schriftsteller seiner Sekretärin oder Ghostwriterin die Beziehungsgeschichte, interwiewt die Reporterin den Erfolgsmann für das Wochenmagazin oder läuft so das Leben ab und Lukas Meschik ist mit seinen etwas über zwanzig Jahren so mutig, daß er sich das in schönen Worten auf siebzig Seiten, langsam und bedächtig zu erzählen traut, Banales aufrollt, die Geschehnisse in Einzelheiten zerfleddeert und es ist keiner da, der “Da passiert ja nichts!” zu ihm sagt und der Titel der Geschichte rührt davon her, daß der Mann Theorien über das Halbieren aufstellt. Das Schnitzel, die Scholle kann man teilen, den Menschen nicht und am Ende gehen sie, wo doch alles so schön begonnen hat, wieder auseinander.
Dann steigern sich die Geschichten von den kiffenden Jugendlichen in einer nächtlichen Stadt zu wahren Apokalypsenfantasien.
In “Unter der Oberfläche”, wird einer, ein gelangweilter Bobo höchstwahrscheinlich, von seinem weisen Mann, der ihm destruktive Ratschläge gibt, in eine zufällige Liebesnacht nach zufälliger Bekanntschaft in seine Wohnung geleitet. In “Die Rückkehr der mißhandelten Frauen”, kommen die Models und Pornofilmdarstellerin, die sich einen halben Liter Milch einflößen lassen, damit es nachher aus ihnen heraussprudelt, sie sich zu ihren Studium was verdienen und die Männer ihre Freude haben, in das Dorf, bevor sie wieder auf ihre Plakatwände bzw. Fersehserien steigen werden.
“Gedanken in blau”, beginnt im Hörsaal, vierte Reihe hinten, steigert sich zu einer allumfassenden Weltuntergangsstimmung, um am Schluß wieder dorthin zurückzukehren.
Das scheint überhaupt Lukas Meschiks Spezialität zu sein, nach der Katastrophe mit dem ganz banalen Alltag abzuschließen und die Titelgeschichte ist auch mit “ein Ende” bezeichnet, wir werden von Lukas Meschik, der wie viele junge Literaturtalente auch beim FM4 Preis begonnen hat, aber sicher noch einiges hören und in dem “Profil-Unter Dreißig Artikel”, das hatte ich vergessen, wurde er auch als Beispiel erwähnt, habe also durch das Abverkaufbuch eine ineressante junge Stimme kennengelernt und bin gespannt, ob ich ihr einmal beim Bachmannpreislesen, etc, begegnen werde.

Schreiben mit Robert, Ruth, Ilse und Fritz

Im Jänner habe ich von Robert Eglhofer ein Mail erhalten, daß er sich mit seinem schreibaffinen Freundeskreis gerne jeden ersten Freitag im Monat im Cafe Ludwig in der Westbahnstraße treffen würde, jeder schreibt zu einem vereinbarten Thema einen Text im Zeitraum von zirka dreißig Minuten, der im Anschluß besprochen werden soll.
Nun war ich schon in einigen Schreibgruppen, die erste war der Arbeitskreis schreibender Frauen, wo nicht direkt geschrieben, aber gelesen wurde, ich meine literarische Prägung erhielt und einige Autorinnen kennenlernte, mit denen ich heute noch Kontakt habe. 2000 habe ich dann eine Zeitlang bei der Schreibgruppe der Gewerkschaft teilgenommen, die von Eveline Haas geleitet wurde. Sie gab einen Schreibimpuls, dann wurde geschrieben und der Reihe nach gelesen, Kritik hat es eher keine gegeben, trotzdem habe ich dort sehr viel gelernt, bzw. Texte geschrieben, die teilweise im “Best of – Eva Jancak- Lesebuch”, enthalten sind. Dann haben die Schreibgruppen zum Boomen angefangen, vorher war man ja eher der Meinung, daß man das Schreiben nicht lernen kann, viele Autoren bieten Schreibsalons an, wo sie regelmäßige Feedbacks und Coachings geben.
Ich war noch 1987 einmal in der Schreibwerkstatt des Max von der Grün Preises in Linz, wo ich Rudi Lasselsberger und Traude Korosa kennenlernte, Ilse Kilic hat damals, glaube ich, einen Preis gewonnen und 2005 bei der Text und Kritik Werkstatt der Erika Kronabitter in Voralberg und gehe jetzt ganz gern zu den Tagen der offenen Tür Veranstaltungen des Writersstudios, wo es mit der Freewritingmethode Schnupperworkshops zu verschiedenen Themen gibt, bin dem Thema Schreibenlernen also sehr aufgeschlossen, obwohl ich nicht sehr gerne ins Kaffeehaus gehe und auch nicht konsumiere, aber Freitag ist für mich ohnehin ein eher schwieriger Termin, da wir da jede zweite Woche nach Harland fahren.
So habe ich den Februartermin, wo außer Ruth Aspöck noch Inge Reisner eingeladen haben, versäumt und habe nur erfahren, daß Ilse Kilic und Fritz Widhalm gekommen waren. Inge Reisner ist, wie mir Ruth Aspöck, bzw. sie mir, als ich sie bei der Julian Schutting Veranstaltung im Klangtheater getroffen habe, ausgestiegen und ich bin wegen der langen Hörspielnacht auch zum zweiten Termin nicht gekommen, war aber, etwas neugierig und habe mich für diesmal angemeldet und sogar Manfred Lagler-Regall, den ich vorige Woche beim Osterspaziergang getroffen habe, dazu eingeladen. Hat Robert Eglhofer ja in St. Pölten im Rahmen der LitGes auch eine solche Veranstaltung gemacht, weil er offenbar auch gerne in der Gruppe schreibt und es war auch eine lustige Erfahrung im Hinterzimmer des Cafe Ludwigs, wo sonst die Lesetheateraussendungen verschickt werden, vor sich hinzuschreiben, während draußen an der Theke ein Haufen Männer standen, Bier tranken, Dart spielten, ect.
Ruth Aspöck und Robert Eglhofer hatten Themenvorschläge, “Workshops” und “Einladungen”, waren die von Ruth, die glaube ich etwas übers Schreibenlernen dabei erfahren wollte, Robert schlug “Bahnhof”, vor. Wir einigten uns auf “Bahnhof” oder und “Einladungen” und ich habe geschrieben und geschrieben.
Ich schreibe ja bei solchen Gelegenheiten immer sehr schnell und sehr viel und kann es dann nicht mehr gut lesen und so war ich diesmal, als ich es schon vorlesen sollte, auch mit dem Korrigieren noch nicht fertig. Ruth hatte schon ein bißchen was suggeriert. Man steht vorm Postkastel, bekommt viele Einladungen und weiß dann nicht, soll man zu den Veranstaltungen der Kollegen gehen? Da floß es dann aus mir heraus, ich erwähnte meine “Alpha-Traumatisierung”, dachte an Elisabeth Chovanecs Einladungen, die zu meinen nie recht Zeit hat, so daß ich da schon ein bißchen beleidigt bin. Beschlossen habe ich den Text mit “Kerstins Achterl”, das ich ja am Montag erwarte und daß ich dafür ein Gewinnspiel veranstalten möchte und, daß die Einladungen jetzt nicht mehr mit der Post, sondern meistens per Mail kommen, die Buffets eingespart werdeen, was mich, da ich ohnehin kein Nachtmahl mehr esse, aber eher freut und habe das Ganze ein bißchen hervorgestottert.
Die Texte der anderen waren kürzer, aber auch recht ähnlich. Robert Eglhofer, der vom Bahnhof schreiben wollte, ist zu seiner Lehrererfahrung zurückgekommen, wo ihm ein Kollege riet, daß er “Bahnhof” in das Klassenbuch als Unterrichtsgegenstand eintragen sollte und Fritz Widhalm hat in seinen Text die Bahnhöfe seiner Kindheit erwähnt, wo er auf die Züge wartete, die in die Welt fuhren und inzwischen eingestellt wurden.
“Jetzt fährt man Auto, aber das Auto ist nicht die Welt”, schloß er. Ilse Kilic schrieb vom einladen ihres Kellerinhaltes, den sie morgen auf den Müllplatz transportieren muß und Ruth Aspöck erwähnte, glaube ich, auch, das sie “Bahnhof verstehen” würde.
Im Unterschied zu anderen Schreibgruppen wurde dann sehr schnell allgemein diskutiert. Vielleicht ist das etwas GAV- Spezifisches. Es kam auch heraus, daß es weniger um das Schreiben lernen, da es sich ja um lauter Schreibprofis handelte, als um das Schreiben im Freundeskreis ging. Ich weiß zwar nicht, ob ich im Mai wiederkommen werden, im Juni ja, denn da ist am Samstag die Lesung, zu der mich Christl Greller eingeladen hat und vielleicht werden noch andere Teilnehmer kommen.
So hatte Robert Eglhofer auch Doris Kloimstein eingeladen, die fast gekommen wäre, wenn sie sich nicht mit ihrem Pferd verletzt hätte.
Ruth Aspöck sammelte die Texte ein für eine mögliche Veröffentlichung, aber ich denke, meiner müßte noch gekürzt und überarbeitet werden.
Über das Lesen und das Schreiben, Amazon, den Wert der Arbeit, den Kapitalismus und wie sich Autoren verändern, wenn sie Erfolg haben und ob sie dann noch mit den anderen reden, wurde auch sehr viel diskutiert.

Maramba

Der nächste Fund aus dem “Wortschatz”, wo sich ja manchmal literarische Schätze finden lassen, ist besonders interessant “Maramba”, der aus dem Nachlaß herausgegebenen Erzählband, der 2003 bei einem Bergunfall verstorbenen, 1981 in Bregenz geborenen Paula Köhlmeier.
Herausgegeben wurden die sehr poetischen Texte über Liebe, Beziehungen und andere Mißstände von ihren Eltern dem Schriftstellerpaar Michael Köhlmeier und Monika Helfer 2004, die im Vorwort schrieben, daß ihre Tochter, die das Gymnasium in Dornbirn besuchte und nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Mexiko, in Wien an der Filmakademie studierte, bei ihrem letzten gemeinsamen Spaziergang von zwei Romanprojekten erzählte, an denen sie mit schlechten Gewissen, gleichzeitig schrieb. Sie plante auch einen Erzählband, der “Mein Talent zum Glück”, heißen sollte, die Eltern haben sich für “Maramba”, entschieden”, weil eine der Geschichten diesen Titel trägt und Maramba ein Zauberwort ist und die Beziehungsgeschichten, der neunzehn bis einundzwanzigjährigen, die jetzt auch schon über Dreißig wäre, haben wirklich einen eigenen unverwechselbaren Ton, der mich manchmal an Anna Weidenholzer erinnert, die in ihren realistischen Geschichten auch manchmal sehr skurrilen Einfälle, wie eine Kaulquappe in ein Tiefkühlfach zu legen, hat. Paula Köhlmeier läßt ihre Maramba eine Zeichnung ins Eisfach legen und Protagonisten auf Sachen aufpassen, obwohl sie eigentlich besitzlos sind und beginnen tut es im “Tagebuch einer Verrückten”, sehr alltäglich, obwohl uns allbald die Schauer des Grusel herunterrinnen wird, können wir solche Geschichten doch fast täglich in Zeitungen wie “Heute”, lesen. Paula Köhlmeier erzählt es die Geschichte von der Frau, die einmal im Monat das Türschild als Beitrag zu Ehe putzt, viel poetischer. Der Mann bringt eine Geliebte, eine Lehrerin, die die Kinder, die über den Rand hinaus zeichnen zum Psychologen schickt nach Haus, bespricht mit dem Arzt, welche Tabletten die Frau nehmen soll, bestimmt, daß sie die Wohnung behalten darf, während er zur Geliebten zieht. Dann nimmt sie das Messer, ersticht den Mann und die auf ihm liegende Geliebte und gibt das Ganze dann sehr ungerührt ins Polizeiprotokoll.
Vom einem ganz ähnlichen Alltagswahnsinn, wo die Frauen ihre Männer beim Lampenwechseln ermorden wollen oder die Lebensgefährten mit Hackbeilen umbringen, habe ich ja erst bei Zdenka Becker gelesen.
Paula Köhlmeiers Geschichten sind aber ganz kurz und gehen gleich zum nächsten Inhalt weiter, da wird dann von einer “Gräfin”, erzählt, die einmal eine berühmte Schauspielerin war, jetzt obdachlos ist und sich in dem Kaffeehaus von den zwei Studetinnen, an deren Tisch sie Platz genommen hat, ein Bier bestellen läßt, obwohl sie lieber Wein trinkt.
Es werden in den Texten überhaupt sehr viele Geschichten erzählt, die vielleicht die Filmcutterin erahnen lassen. Leo Lionni schlägt das dem Mann mit dem unbekannten Namen vor. Renata Theobaldi, die vierunddreißig ist und ihre Haare zu Zöpfen trägt, die sie jeden zweiten Mittwoch rostrot färbt, muß sie ihrer Mutter “von ihr als einer komischen Person erzählen.”
In manchen Texten treffen wir die gleichen Protagonisten, wie zum Beispiel Rutha, immer wieder, es geht um “Pyjamawelten voller Schulverkäuferinnen”, da wird eine Frau von ihrem Geliebten verlassen und zieht sich offenbar in diese Welt zurück, bzw. entwickelt sie, wie ihre Freundin sagt, eine Paranoia. Ich habe ja, viel älter, einen ähnlichen Inhalt in den “Zwillingswelten”, viel alltäglicher beschrieben.
Im “Talent zum Glück”, geht es um ein Dorf, das einen Bahnhof und ein Bordell besitzt. Der Fahrdienstleiter heißt Bruno und “übersetzt die Zugansagen ins Französische und Englische.” Im Bordell gibt es eine Lilli,die Bruno am Tag warmes Essen bringt und mit ihm ein neues Leben riskieren will. Er tut das aber mit einer Frau, die auf französisch nach der nächsten Stadt fragt, so bleibt Lili als neue Fahrtdienstleiterin übrig, die fortan am Schalter sitzt, eine rote Mütze und die blaue Uniform trägt und den Damen vom Bordell “Kaffee, Schokolade, Kaugummi und Taschentücher, Cola und Kondome verkauft.”
Rutha begegnen wir dann auch in zwei Texten, die in Mexiko spielen, in “Der mit den schwarzen Haaren und den vielen Tätowirenen”, sitzt sie in Zipolite in einem Cafe in dem Kerzenhalter in Form von Madonnen auf den Tischen stehen und der Kaffee so viel kostet wie bei uns ein Kaugumm” und hat ein Buch sich, in dem sie schreibt, “damit sie nicht fragen. Ich darf schreiben. Ich habe eine unausgesprochene Erlaubnis dafür ich gebe mehr Trinkgeld als nötig. Ich muß nichts reden.” Trotzdem lernt sie Mann mit den schwarzen Haaren kennen, den sie dann in San Christobal nochmals begegnet und in “Pablo”, führt sie der, der Glasfiguren an die Touristen verkauft, weil sie Deutsch spricht zu seiner Familie, sie soll dort einen Vertrag übersetzen, den sie nicht versteht. Dafür erzählt sie Pablo dann eine Geschichte, die er nicht versteht. “Schöne Geschichte!”, sagt er trotzdem.
Dann ist Rutha Zivildienerin im Hohenemser Krankenhaus und hat den heroinabhängigen Manuel Farber zu betreuen, sie setzt ihn in den Rollstuhl und geht mit ihm in den Park und als er nicht essen will, füllt sie seinen Knödel und die Tomatensauce in einen Plastiksack und wirft ihn beim Verlassen des Krankenhauses in den Müll, skurrile Alltagsgeschichten fein erzählt und als Rutha mit Jacob, Marie und Augustin zwischen dem Amacord in der Schleifmühlgasse und dem Hotel Ananas in der rechten Wienzeile hin und her pendeln wird es vollends makaber. Jacob ist Lastkraftfahrer und arbeitet in Berlin, Marie ist seine Schwester und verbringt die Nächtee gern mit Augustin im Hotel Ananas, der sie zu allerhinand Mutproben aufstachelt.
“Ich habe dich zum Fressen gern, wollen wir uns vergiften?”
Dann bekommt Marie Krebs, AIDS oder eine andere heil bzw. unheilbare Krankheit und Rutha Jacobs neue Freundin schlägt ihm beim großen Frühstück im Cafe Amacord vor, Augustin mit einem Kissen zu ersticken, nachdem sie mit ihm geschlafen hat.
Erstaunliche längere aber auch ganz kurze Geschichten, die vom “Alter”, Nieren”, “Schlechten Zähnen”, u. u. u., einer sehr jungen Frau und Schriftstellertochter handeln, Michael Köhlmeier habe ich übrigens vor wahrscheinlich mehr als zehn Jahren ein paar Mal in der Nähe der rechten Wienzeile und der Kettenbrückengasse getroffen, das zu einem möglichen Autobiografiebezug und interessant ist auch, daß das 2005, bei Zsolnay erschienene Buch offenbar noch immer gelesen wird. So hörte ich beim letzten Leipzigsurfen eine junge Frau, die bei der Leipziger-Lesenacht aufspielte “Maramaba”, sagen, als sie nach dem Buch das sie gerade liest, befragt wurde.

Der größte Fall meines Vater

Wie schreibt man einen Kriminalroman, wenn man nicht wirklich Morde oder andere Grausigkeiten erfinden will? Daß ist eine Frage, mit der ich mich ja öfters beschäftige. Zdenka Becker tut es, beziehungsweise hat sie sich in ihrem neuen Roman mit einem realen Mordfall, der 1964 in der Slowakei geschehen ist, beschäftigt, dabei die Geschichte des Lebens im Kommunismus mit allen seinen Auswüchsen und noch dazu eine Familiengeschichte erzählt, die das Aufwachsen eines pubertierenden Mädchens in der Beatles-Zeit genauso, wie die sechzigjährige Tochter schildert, die ihren neunzigjährigen Vater, jede Woche in den Rollstuhl setzt und ihn in seiner Gardeuniform im Park spazieren führt und mir haben diese sehr genauen Schilderungen fast ein bißchen besser, wie “Taubenflug”, gefallen, den ich ja ein bißchen übertrieben fand.
Im Jahr 1964 zu Nikolaus wurde in der Slowakei auf der Toilette eines Zuges ein männlicher Kopf in einer Jutetasche gefunden, das ist so passiert und Zdenka Becker, die Tochter eines Polizisten, wie sie auf der Lesung im “Thalia”, sagte, erfindet eine Familiengeschichte und verknüpft das Ganze auch noch in einigen Ebenen. So gibt es auch noch die Schriftstellerin, die einen Roman darüber schreibt, beziehungsweise den Vater, der der Tochter Lara, die so, wie die Heldin aus dem Doktor Schiwago heißt, den Auftrag dazu gibt, denn ein paar Monate vor seinem neunzigsten Geburtstag, der Polizeipräsident a. D. will hunderteins werden und seinen Vater damit um zwei Jahre überholen, begegnen sie im Eissalon, wo ihre Spaziergänge im Sommer enden, einer Frau mit kornblumenblauen Augen und da sind wir schon in der Zeit, als Teo Mudroch Oberleutnant war und im Winter wollende Unterhosen trug, die er nur einmal in der Woche wechselte. Das Baden war 1964 im sozialistischen Plattenbau offenbar ein Problem und die Familie, der Vater Polizist, die Mutter aufstiegsorientierte Journalistin, die Chefredakteurin werden wollte und ihre Kinder Lara und Fedor teilten sich ein Wannenladung und im Kästchen des Wohnzimmers lagen Polizeizeitschriften, die sich die Dreizehnjährige begierig ansieht. Dann wird der Kopf gefunden, Teo Mudroch mit dem Fall betraut und verbringt die nächsten Wochen mit der Aufklärung, bzw. mit der schönen Mörderin, die kornblumenblaue Augen und sieben Kinder von zwei Männern hat, im Krieg Zwangsarbeiterin war, dann in einer Kolchose schuftete und mit ihrem versoffenen Lebensgefährten sehr unglücklich war. Verlassen will sie ihn aber nicht, das wäre eine Schande, so hackt sie ihm den Kopf ab, verbrennt den Körper im Holzofen. Den Kopf setzt sie aber im Zug aus, damit sie nicht ihre Ehre verliert und vorher marschiert sie, einen kleinen Hang zur Übertreibung scheint Zdenka Becker doch zu haben, damit auf die Polizeistation um die Abgängigkeitsanzeige zu machen.
Der Fall ist eigentlich ganz einfach, es gibt, wie in den Krimis üblich, keine Verwicklungen und Komplikationen, nur Teo Modrich wechselt seine Unterhosen etwas öfter, während er recherieren geht. Die Mama ist auf Schulung in Moskau, die Nachbarin erscheint mit dem selbstgemachten Schnaps und wartet vergeblich auf den schönen Teo und die Tochter ist stolz darauf, daß der Papa sie in alle Geheimnisse einweiht, er tut es aber nicht, denn er steht ja unter Schweigepflicht.Jetzt will er seinen größten Fall aber aufgeklärt sehen und so soll Lara, darüber schreiben. Sie wehrt sich zuerst, geht dann aber in ihre Kindheit zurück und man erfährt vieles über die damalige Tschechoslowakei, die den neuen Menschen schaffen wollte und als Teo noch nicht seinen Fall zu klären hatte, war er mit den Schmugglern beschäftigt, die den Prager Schinken abzweigten und als er einige Beatles Platten, im Westen sehr begehrt, im Osten verboten, konfiszierte und nach Hause brachte, war die Tochter selig, gab es ja im Kommunismus offenbar das Sprichwort “Wer nicht stiehlt, bestiehlt seine Familie”, so hatte die Familie gelegentlich Schinken zu essen und die Mutter brachte von ihren Russlandreisen den besten Vodka mit, fachte dort wohl auch ein Pantscherl an, versuchte ihren Gatten wirklich oder nur in Laras Fantasie beim Lampenwechseln umzubringen. Der alte Präsident in seiner Gardeuniform besucht die Mama aber sooft, wie möglich am Friedhof und Lara bekommt er auch herum, den Roman über ihn zu schreiben. Als es dann soweit ist, will er ihn erst nach seinem Tod veröffentlicht haben und als ihn seine Pflegerin Frau Gabi verlassen will, bedroht er Lara mit einer Spielzeugpistole.
Am Ende klärt sich aber alles auf, Frau Gabi zieht zu ihm und gemeinsam mit seinem ehemaligen Assistentin Laco Jahoda ziehen die drei in den Park, um einen neuen Mordfall aufzuklären, hat man doch im fernen Wien, das jetzt nicht mehr durch den eisernen Vorhang getrennt ist, zerstückelte Leichen im Keller eines Eissalons gefunden, man sieht Zdenka Becker hat Humor und spielt virtuos in allen Lagen. Ein spannendes Buch, das sehr genau recherchiert, viel erzählt und dabei auch noch ein wunderschönes Cover hat, mit einem zwar viel jüngeren Mädchen im weißen Kleid und einer Soldatenmütze, das grinsend vor einer schäbigen Mauer steht, das, wie Zedenka Becker auf der Lesung ebenfalls verriet, ihr sehr gut gefallen hat.

Korrigier- und andere Probleme

20130331-165758

20130401-144143

Nachdem am Mittwoch meine Schilderungen einer Kassentherapeutin und der vergebliche Kampf, um einen Gesamtverband verbunden mit den Entwicklungen der Psychologie und Psychotherapie seit Beginn meines Studiums, keinen Anklang gefunden haben, bin ich etwas niedergeschlagen nach Harland gekommen und habe den Donnerstag mit dem Korrigieren am “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, verbracht, vor dem ich mich ein wenig gefürchtet habe. Denn es ist ja nicht ganz leicht aus den inzwischen 1380 vorhandenen Artikel von fast fünf Jahren, die besten auszuwählen und von der Tagesaktuallität wegzubringen. Obwohl ich die Textauswahl im vorigen Mai bzw. Juli sehr schnell getroffen habe. Inzwischen habe ich noch ein paar Mal ergänzt und die Zusammenstellung der ersten zwei Drittel erschien dann auch ganz spannend. Die Idee war ja aus den Texten die literarischen Miniaturen und die Reiseberichte, etc, auszuwählen und so einen Einblick in das literarische Literaturgeflüster zu geben. Es kamen dann auch die Essays über das Lesen und das Schreiben hinzu und die finde ich auch ganz interessant. So war das nochmalige Durchgehen auch sehr spannend. Am Schluß sind dann die Artikel übers Lesen immer länger geworden und haben sich auch wiederholt. Da habe ich ja im März und im Feburar ausgehend von Blogaufrufen von Writeaboutsomething einen über die “Lesegewohnheiten” und einen über die “Ware Buch”, geschrieben, die zu lang waren und überarbeitet gehören. Fürs Literaturgeflüster werde ich das noch machen, mahnen mich ja meine Leser manchmal, daß ich zu lang und zu unverständlich schreibe, das trifft für die beiden Texte wahrscheinlich zu. Aus dem Buch habe ich die Texte gestrichen, weil es schon genügend Texte übers Lesen gibt.

20130401-150205

20130401-150453

“Ungelesen” und “Bücherbeschränkung”, der noch hinzugekommen ist, werde ich aber wahrscheinlich drinnen lassen. Beziehungsweise, wenn ich mir in Wien die zweihundertvierundvierzig Rohseiten bzw. 82 441 Worte, die ich jetzt habe, ausdrucke, das Ganze darauf durchsehen, wie es in der Zusammenstellung wirkt, bevors ans im Detail korrigieren geht.
Denn die Textproben sollen ja einen Einblick in das Literaturgeflüster geben und den Leser nicht langweilen und da ist das Interesse auf die Ansichten einer eher erfolglosen Schreiberin, die auch ihre Mißerfolge schildert, vielleicht nicht sehr groß. Trotzdem denke ich, daß die Auswahl vielleicht schon stimmt. Der Artikel “Kehrtwende”, den ich im Sommer geschrieben habe, ist nicht dabei, da bin ich mir nicht ganz sicher, ob er nicht vielleicht doch hinein soll.

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Vielleicht geben mir meine Leser ein paar Empfehlungen, da man sich die Artikel ja anschauen kann. Es ist zwar einiges schon gekürzt und akutalisiert, für Tips bin ich aber dankbar, ob noch was fehlt und sich zu oft wiederholt wird, da sich in den letzten fünf Jahren ja nicht soviel verändert hat. Das Selbstpublishing ist salonfähiger geworden und bei mir sind ein paar Bücher hinzugekommen, ich bin durch ein paar Krisen gegangen, habe resigniert, es gibt aber auch kleine Erfolge, die man nicht übersehen sollte. So hat mir, als ich am Donnerstag meine Mailbox öffnete, Christl Greller geschrieben, daß die Veranstaltung “Die Zeit und wir”, zu der sie vor ein paar Jahren in den GAV-Mitteilungen aufgerufen hat und zu der ich mich gemeldet habe, am 8. Juni in der Klimt-Villa in Wien Hietzing stattfinden wird. Damals habe ich ihr einen Text dazu geschickt. Welchen weiß ich nicht mehr, weil sie mir schrieb, daß in der ersten Runde nur Männer lesen würden. Jetzt habe ich gedacht, daß der Beginn von “Zum Sterben sollte man zu Hause sein”, dem zweiten “Nanowrimonovel”, ganz gut passt, denn es geht ums Sterben wollen oder nicht wollen, versucht man ja in der Antiaging-Residenz hundertzwanzig oder älter zu werden, bzw. ist der Nanowrimo mit dem Schreibemonat November auch ein interessanter Zeitaspekt, einen Roman in dreißig Tagen mit fünfzigtausend Worte zu schreiben. Da wäre es natürlich schön, wenn es bis dahin das Buch, das ja mein dreißigstes Selbstgemachtes sein wird, schon gibt und ich es in die Klimt-Villa mitnehmen könnte. Ansonsten rechne ich am “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, sehr lang zu korrigieren. Es kommen wahrscheinlich auch immer wieder Texte dazu und da mir ja schon bei den zwei letzten, viel kürzeren Texten, das Fertigwerden schwer gefallen ist, stelle ich mich auf ein langes Korrigieren ein. Eigentlich wollte ich es schon zum Fünfjahresjubiläum haben, aber bis dahin, denke ich, werde ich noch nicht fertig sein, fange ich ja jetzt erst so richtig an.

20130401-160807

Kommentare habe ich in den Ostertagen auch ein paar sehr nette bekommen und das bekümmert mich ja auch ein bißchen, daß sich da bei mir nicht sehr viel tut und bei Dietmar Füssels Gewinnspiel, bei dem ich seit langem wieder einmal mitgemacht habe, habe ich seinen neuen Roman gewonnen, auf den er mich per Mail aufmerksam machte. Das korrumpiert zwar wieder etwas meine Buchbeschränkungspäne, aber daß das nicht so leicht sein wird, habe ich mir schon gedacht.
Als auf in einen schönen Korrigiersommer mit viel Geduld und Frustrationstoleranz, wenn die Aufmerksamkeit der anderen auf das, was man macht und einer wichtig ist, doch nicht so groß ist, wie sie es gerne hätte. Vielleicht bringe ich doch eine nicht allzu ausufernde Textsammlung zusammen, die Einblick in das Schreiben abseits vom Mainstraim gibt.
Ansonsten ist der große Schnee am Ostersonntag wiedergekommen, da waren wir mit der Schwiegermutter im Donaugasthaus in Traismauer essen und als ich zurückgekommen bin, hatte ich ein paar liebe Kommentare von Manfred Lagler-Regall und Bernhard Kathan und Robert Englhofer hat mich am Samstag auch in seine Schreibgruppe eingeladen, die am nächsten Freitag zum dritten Mal stattfindet. Diesmal werde ich es auch schaffen hinzugehen, da wir beim ersten Mal nach Harland gefahren sind und das zweite Mal die lange oder kurze Hörspielnacht gewesen ist.
Die Fotos, die das verschneite Ostern zeigen, wurden vom Alfred am Ostermontag auf unserem üblichen Spaziergang auf die Rudolfshöhe gemacht.

Rot und Schwarz

Jetzt kommt wieder ein Buch aus dem Bücherschrank meiner Eltern, nämlich Stendhals “Rot und Schwarz”, Zeitbild von 1830, einundvierzigig Jahre nach der französischen Revolution, neun Jahre nach Napoleons Tod, Frankreich ist wieder Monarchie, das in dem kleinen französischen Städtchen Verrieres beginnt, mit dem der 1783 in Gerenoble geborene, 1842 in Paris verstorbene Dichter, der eigentlich Marie-Henri Beyle hieß, berühmt geworden ist.
Es gibt inzwischen andere Übersetzungen, ich habe die von Arthur Schrurig gelesen, von dem es auch ein mit 1921 datiertes Nachwort gibt und der von einem realen Anlaßfall bericht, hat doch an einem Sonntag im Juli 1826 in einer Kirche Grenoble ein junger Klosterschüler, während eines Hochamts eine Frau Michoud erschossen, in deren Familie er als Zwanzigjähriger Erzieher war und ein Verhältnis mit ihr hatte, er wurde zum Tod verurteilt und 1828 hingerichtet.
Stendhal hat ein Sittenbild der Gesellschaft und einen Roman, den Goethe sich vorlesen ließ und der heute noch gelesen wird, so gibt es, glaube ich, ein Hörbuch oder ein Hörspiel davon, das ich einmal im Radio hörte, daraus gemacht.
Wie war nun die Gesellschaft vierzig Jahre nach der französischen Revolution? In dem kleinen Städtchen geht die Frau Bürgermeister am Sonntag mit ihrem Mann spazieren, sie ist dreißig, hat drei Söhne zwischen sechs und elf Jahre alt und der patriarche Ehemann bestimmt, um seinen Rivalen eines auszuwischen, den Sohn eines Müllers, als Hauslehrer für sie zu nehmen und dieser Julian Sorel, wie es in der Übersetzung heißt, in den neueren, wird er, glaube ich, Julien genannt, ein schöner,mädchenhafter Jüngling von neunzehn Jahren, der von seinem Vater und seinen stärkeren Brüdern verprügelt wird, wenn er lesend neben der Mühle liegt, hat große Pläne, er will hoch hinaus, ist ein Verehrer Napoleons und trägt sein Bild in der Hosentasche und weil man damals offenbar nicht anders weiterkommen konnte, hat er sich beim Pfarrer eingeschleimt und verwirrt seinen künftigen Brotherrn, daß er die Bibel auswendig auf Latein hinunterleiern kann.
Sonst kann er wahrscheinlich nicht viel, aber das merkt die feine Gesellschaft nicht und er verachtet diese, dingt sich aber aus, daß er bei der Familie am Tisch und nicht in der Küche essen darf und weiß, schüchtern wie er ist, am Antrittstag auch nicht recht, in das feine Haus hineinzukommen. Die dreißigjährige Hausherrin, die ihm im Garten erwischt, hat aber andere Sorgen, hat sie doch noch nie ohne ihre Kinder geschlafen und fürchtet auch, daß der strenge Lehrer sie schlagen könnte.
Es kommt, wie es kommen muß, die unerfahrene Dreißigjährige aus gutem Haus, verliebt sich in den schönen Jüngling, ihre Kammerzofe tut das gleichfalls und will ihn sogar heiraten, er spielt mit allen und beginnt ein Verhältnis mit ihr, da schildert Stendhal lang und breit, wie er ihre Hand nimmt, sie sie ihm wieder entzieht, sich zu einem Kuß entfrecht und dan nächtens in ihr Zimmer schleicht und auch, daß sie glaubt, er hätte eine Geliebte, als er, um nicht als freisinnig entlarvt zu werden, das Bildnis Napoleons, das man damals offenbar nicht mehr haben durfte, verbrennt.
Er will aber weiter hinaus und reitet so auch in der Uniform, als der König Karl X das Städtchen besucht, in der Garde mit, rot ist die Farbe des Krieges, schwarz, die der Kirche, auch der Hauslehrer trägt einen schwarzen Rock und dem jungen Bischof, der nur ein paar Jahre älter ist, bringt er auch die Mitra, während sich die Gesellschaft darüber erregt, daß ein Bauernsohn in der Garde reitet und Madame Renal sich in Schuldgefühlen windet und ihrem Mann gleich alles verraten will, als der kleine Sohn erkrankt.
Bald beginnen die Intrigen, Renards Widersacher, der Armenamtvorsteher Valenod schreibt einen anonymen Brief, der Bürgermeister traut sich zwar nicht darauf zu reagieren, da greift Frau Renard selber zur Intrige und Julian entschwindet ins Priesterseminar, vorher kommt es aber zu einer köstlichen Szene, als er im bürgerlichen Gewand in ein Cafehaus geht, offenbar ein Sündenbabel, wo man Billard spielt und sich das Fräulein vom Buffet des armen Julian erbarmen muß, sie gibt ihn als ihren Vetter aus und eine Visitenkarte, die ihm später im Seminar, einem weiteren Sündenbabel in große Verlegenheit bringt, denn dort sind meistens die armen Bauernsöhne, die sich ein kalorienreiches Leben ohne Arbeit in einer guten Pfarre mit viel Autorität wünschen, so wird sein Koffer untersucht, er sucht sich auch den falschen Beichtbater aus und wird als er Horaz zitiert auf den Platz 187 degradiert, obwohl er doch einer der besten Schüler ist, außerdem ist Madame Renard sehr fromm geworden und will von ihrem früheren Sündenfall nichts mehr wissen.
Der Prior wird dann hinausintrigiert, geht zu einem Marquis de Mole, dem er Julian als Sekretär empfiehlt, so kommt der Provinzjüngling nach Paris, nicht ohne vorher mit einer Leiter in Verrieres einzudringen und die Nacht den darauffolgenden Tag unter und im Bett von Frau Renard zu verbringen, in Paris hat er dann Schwierigkeiten in die feine Gesellschaft einzudringen, schreibt er doch dieses mit zwei “ss” und fällt auch gleich vom Pferd als er mit Norbert, dem Sohn des Marquis, ausreiten soll. Julian wird dann in ein Duell verwickelt, bekommt einen natürlichen adeligen Vater angedichtet und wird in die feine Gesellschaft eingeführt. Die Tochter des Marquis, ein etwas überspanntes neunzehnjähriges Mädchen, das am 30. April wegen irgendwelcher Hinrichtungen im Sechzehntenjahrhundert Trauer trägt, von Jakobinern schwärmt, Voltaire liest, aber täglich in die Messe geht, verliebt sich in ihm, schreibt ihm, trotz Erwartung einer Ehe mit einem Herzog, tollkühne Briefe, die ihn, der alles hasst und trotz Priesterseminar an nichts glaubt, in eine Paranoia bringen und zu sadomasochistischen Liebesspielen führen, nach drei Tagen läßt sie ihn fallen, er wird von ihren Vater auf große Mission geschickt und erhält von einem russischen Brief Liebesbriefe und den Rat, diese an eine Freundin Mathildes abzuschreiben, um sie eifersüchtig zu machen, der Plan gelingt, so daß die schwangere Mathilde, den Müllerssohn schließlich heiraten will und der Vater auch seine Zustimmung gibt. Dann kommt ein vom Beichtvater der Frau Renard erzwungener Brief, in dem sie ihm denunziert, er eilt nach Verrieres, läßt sich dort die Pistolen laden und schießt in der Kirche auf sie, trifft nicht, hält sich aber trotzdem für einen Mörder und proviert bei der Gerichtsverhandlung die Geschworenen ihn zum Tod zu verurteilen, obwohl doch beide Frauen sich bis zum Äuersten sich für ihn einsetzten und sich Frau Renard sogar dem König vor die Füße werfen wollte. Mathilde läßt den Marmor für die Grotte, in der er begraben liegt mit italienischen Marmor auslegen. Frau Renard stirbt drei Tage später in den Armen ihrer Söhne und ich habe einen Roman gelesen, der wahrlich in die Osterzeit passt, den ich schon einmal begonnen habe und in den ich auch nicht ganz leicht hineingekommen bin. Sind die Romane aus den vorigen Jahrhunderten ja viel umständlicher und weitschweifender geschrieben, als unsere Konzentrationsfähigkeit zuläßt, dieser ist auch noch sehr widersprüchig. Die Charaktere widersprechen sich ständig, obwohl er auf der anderen Seite wieder sehr modern klingt, erstaunliche Sätze in ihm zu finden sind und man ein durchaus spannendes, wenn wahrscheinlich übersteigertes Sittenbild von 1830 vorfindet.

63,69

Am Donnerstag habe ich eine Karte bekommen “63.69”, steht darauf und auf der Rückseite, “daß die durchschnittliche Lebenserwartung der österreichischen Autoren und Autorinnen im Augenblick bei 63,69 Jahren, also deutlich unter jeder der Gesamtbevölkerung liegt, die bei Männern 75,5, bei Frauen 81,5 Jahre beträgt…”
Bei Christiane Zintzen hatte ich beim Surfen, vorher schon gefunden, das der 1953 geborene experimentelle Autor Bernhard Kathan, von dem ich, glaube ich, schon etwas gehört oder gelesen habe, diese provozierende Ziffer zur Diskussion stellt.
Da denkt man natürlich sogleich an die IG Autoren und an diversen Studien zur sozialen Situation der Autoren, die ja nicht sehr gut ist. In diesem Falle scheint es sich aber mehr um eine Kunstauktion zu handeln und wenn man auf die angegebene Webadresse geht, ein Stückchen weiter oben ist übrigens die Nummer 140 oder 240 neben der Zahl tausend angegeben, offensichtlich haben soviele Leute, diese Karte bekommen, kommt man auf das “Hiddenmuseum”, das Bernhard Kathan seit 1990 als Direktor und Kurator betreibt und da kann man lesen, das er, die Liste der verstorbenen Mitglieder der GAV hergenommen hat und damit zu dieser Zahl gekommen ist, was ich sehr interessant finde, denn dann wäre es bei mir und Bernhard Kathan schon in vier Jahren soweit und ich wäre mit meiner Leseliste, bei der ich gerade über die Beschränkung nachdenke, schon darüber.
Interessant ist auch, daß ich, als ich meinen dreiunddreißigsten Geburtstag hatte, mir vorgestellt habe, daß ich sechsundsechzig, also noch einmal so alt werden könnte oder wollte. Inzwischen habe ich mich auch mit den durchschnittlichen Lebenserwartungszahlen beschäftigt und da bin ich von einer, die bei dreiundachtzig liegt, ausgegangen und mich an dieser orientiert.
Die durchschnittliche Lebenserwartung der österreichischen Autoren liegt aber nach Bernhard Kathan darunter. Das allgemeine Klischee oder das Vorurteil, das man dabei hat, ist wohl, daß Autoren im allgemeinen vielleicht nicht sehr gut mit sich umgehen, also sich vielleicht öfter als die Normalbevölkerung umbringt oder sich zu Tode sauft.
Der Krebs ist auch eine Krankheit an der man früher als der Durchschnitt sterben kann und das ist glaube ich in den letzten Jahren auch Heidi Pataki und Gerhard Kofler so passiert. Franz Hütterer ist an einer Lungenentzündung gestorben und war jünger als ich und meine Schulfreundin Edith Brocza, die nicht geschrieben hat, an einem Hirntumor.
Bernhard Kathan findet diese Zahlen auch in seinen Berechnungen wieder, spricht davon, daß man “die Todesfälle gehäuft zwischen vierzig und fünfundvierzig findet”, da wären vielleicht die Selbstmorde dabei und Herta Kräftner, die kein GAV Mitglied war, hat sich mit dreiundzwanzig umgebracht, Paula Köhlmeier, deren Buch ich demnächst lesen werde, verunglückte mit Einundzwanzig bei einem Spaziergang oder Bergtour tödlich, waren also noch viel jünger.
Dann spricht Kathan von einer Häufung zwischen “56 und 67”, da würde ich die Krebsfälle vermuten und dem “76 und 85 Lebensjahr”, da wären wir schon bei der Allgemeinstatistik bzw. bei den normalen Todesfällen.
“Wer es bis zum 67. LA geschafft hat gute Chancen zehn oder noch mehr Jahre zu leben”, schreibt Bernhard Kathan weiter und da gibt es auch sehr viele Autoren, bzw. werden ja auch heuer runde Geburtstage gefeiert.
Josef Winkler wurde sechzig, liegt also unter Kathans provokanter Ziffer. Bodo Hell feierte am fünfzehnten März seinen siebzigsten Geburtstag. Julian Schutting war im Oktober 75, Friederike Mayröcker und Ilse Aichinger sind noch viel älter.
Man kann also, wie man sieht auch die Autoren nicht auf einen Haufen schmeissen, obwohl es wahrscheinlich stimmt, daß sie riskanter leben, sich mehr verausgaben, vielleicht nicht so gut auf sich schauen und die sozialen Bedingungen, da wären wir wieder bei den IG Autoren und den Sozialstudien, die es ja ebenfalls gibt, sind auch nicht sehr gut. Da lebt der Durchschnittsautor wahrscheinlich unter und am Existenzminimum oder mit der Hand in den Mund.
Bernhard Kathan, der offensichtlich öfter solche provokante Aktionen macht, kommt dann noch zur Pensionsversicherung und meint vielleicht ein bißchen zynisch “liegt die durchschnittliche Lebenserwartung wie in unserem Beispiel unter dem gesetzlichen festgelegten Pensionsantritt von 65 Jahren, dann kann die Finanzierung der Pension kein großes Problem sein.”
Dabei hat er wahrscheinlich vergessen, daß der durchschnittliche Autor ja ohnehin Schwierigkeiten mit der Künstlersozialversicherung hat und wenn überhaupt eher eine Mindestpension bekommt, bzw. von der Literarmechana unterstützt wird.
Möglicherweise provoziert, verärgert, ect eine Aktion, wie diese manche, ich finde, da ich mich schon sehr lange sowohl von meiner psychologischen Seite in Sterbeseminaren, Supervisionen oder Krisensitzungen, als auch in meinem Schreiben mit dem Sterben und Älterwerden beschäftige, interessant, werde mich jetzt noch mehr bemühen meine Leselisten einzudämmen, so daß ich spätestens 2023 oder leicht darüber auf Gleichstand bin und natürlich auch auf meine Lebensqualität schauen, was ich aber ohnehin, trotz des Grundfrustes literarisch nicht so aufzufallen, wie ich es gerne täte, schon tue und wenn man von der Situation der Autoren auf das allgemeine Sozialbarometer schaut, so ist das in Krisenzeiten, wie diesen auch nicht gerade rosig, wenn man hört, daß in Spanien, Griechenland, Portugal etc, schon jeder zweite, dritte oder vierte Jugendliche ohne Arbeit ist und in Zypern die Banken von der Polizei geschützt werden, damit sie nicht von denen, die sich ihr Geld abholen wollen, gestürmt werden.
Die neue und die alte Armut ist in aller Munde,die Hilfsorganisationen erzählen auf ihren Bittbriefen Geschichten, von denen, die sich nur mehr pro Tag ein Salzstangerl leisten können und die Sozialversicherung plante in Linz die guten Hüftprotesen nur mehr an fünf Prozent der Bevölkerung auszugeben, was einen Proteststurm auslöste und schließlich zu Dementi führte, aber zeigt, daß die Zeiten in denen wir leben, trotz allgemeinen Wohlstands nicht sehr rosig sind, so daß es sich vielleicht lohnt, über Aktionen, wie diese nachzudenken, auch wenn ich in der glücklichen Lage bin, das anhand meiner Bücherliste zu tun.
Über Helmut Eisendle, der auch recht jung gestorben bin, habe ich für einen der Osterspaziergänge eine Text geschrieben und auf dem Kofler Begräbnis, auf dem der Heidi Pataki, der Elfriede Gerstl und dem von Andreas Okopenko bin ich gewesen, da entscheide ich ziemlich spontan, wie persönlich meine Beziehung zu dem Verstorbenen war, zu Andreas Okopenko, bin ich, glaube ich, gegangen, weil ich mir den Tag für einen Wien Spaziergang reserviert hatte, ein persönliche Beziehung hatte ich zu ihm nicht.

Osterspaziergang in der Kälte

Der Schnee ist dann so ziemlich verschwunden, so daß es sich schon am Karfreitag ganz gut Radfahren ließ und ich dann noch auf die Ochsenburg hinaufgegangen bin, am Abend sind wir zur Kartause Mauerbach gefahren, wo ich ja bezüglich Italia mia Karten gewonnen habe und wir vorher eine Führung durch die Unterkirche machten.
Es war ein wirklich schönes Konzert mit Monteverdi und anderen Stücken aus dem Sechszehntenjahrhundert zu den drei heiligen Tagen, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersamstag, das Bernhard Trebuch liebevoll moderierte, nur in der Kirche war es entsetzlich kalt.
Die Sänger sind in Stiefel, Mantel, Schal aufgetreten, die Besucher haben sich in bereitliegende Decken eingewickelt. Ich hörte eine Dame sagen “Zu Weihnachten war es nicht so kalt!” und ich habe mich gewundert, daß die Besucher das ausgehalten haben und sich nicht darüber beschwerten.
Ich bin ja eine, die da ziemlich hart im Nehmen ist und die Sommerabende oft im Regen am Rathausplatz beim Musikfestival verbringt, den Leuten hat es aber gefallen und nachher gab es auch eine warme wirklich gute Kräutersuppe, Gebück und ein Glas Wein und heute ist es mit der Kälte und mit dem Osterspaziergang der LitGes um den Viehofenersee, weitergegangen. Seit 2009 findet der, glaube ich, dort statt, vorher war ich einmal im Kaiserwald und einmal, noch viel früher ists an der Traisen entlanggegangen.
Beim Wegfahren habe ich mir noch gedacht, daß ich mich erinnern kann, da schon einmal beim Picknick mit Sonnenbrillen gesessen sein.
Diesmal war es nichts mit einer Sommerbrille, ich bin ähnlich eingemummt, wie gestern mit dem Rad und dem Alfred abgefahren und es war diesmal auch eine eher kleine Gruppe, die sich vor der Seedose traf.
Beim letzten Mal hat es geregnet, da hat der Spaziergang bzw. die Lesung überhaupt nur im Lokal stattgefunden. Diesmal sind wir ein Stück gegangen und haben auch an drei Stationen halt gemacht, es ist aber immer kälter und kälter geworden. Eva Riebler, die Obfrau der Liges war da, Ingrid Reichel, Herr Mayer-König der Ehrenobmann, Frau Wimmer, dann ein paar Leute, die ich nicht kannte und Manfred Lagler-Regall, der mich schon einmal am Blog besuchte, hat mich auch gleich angesprochen.
Ich habe gleich auf der ersten Station gelesen und zwar einen Text, der wieder eine Themenverfehlung war, nämlich “Sommer am Wasser”, den ich anläßlich des gleichnamigen Jugendwettbewerbs geschrieben habe, bei dem Emily Walton in die Endauswahl gekommen ist und man für sie stimmen konnte.
Da hat zwar nicht die Jahreszeit, wohl aber das Wetter und die Gegend gepasst, denn der Text spielt genau am und um die Viehofenerseen. Vorher hat ein Mann einen Text über den St. Pöltner Bahnhof und das Warten auf den Zug bzw. auf Godot etc gelesen, zu dem ihm, glaube ich, ein Theaterstück inspiriert hat.
Rosalia Wimmer hat einen Text auf der nächsten Station vorgetragen, zu dem sie in der Schreibwerkstatt nach einem Mayröcker-Zitat inspiriert wurde und dann eine Geschichte von einer Braut im blauen Kleid und vorstehenden Zähnen, die sie am Standesamt trifft und die auf ihren mit ebensolchen Zähnen ausgestatteten Bräutigam wartet, den ich, glaube ich, schon gehört habe und dann noch ein paar Limericks.
Dann gings zu einer anderen Bank, da lasen dann Ingrid Reichel und Eva Riebler frauenspezifische Texte. Ingrid Reichel ein Interview mit einer bildenden Künstlerin, die erst mit Siebzig im Museum for modern Art ausgestellt wurde, während ihre männliche Kollegen das natürlich schon viel früher schafften und Eva Riebler hatte einen Text aus einem Indien-Buch von Maria E. Brunner, in dem es darum ging, daß eine Frau mit entstellten Gesicht studieren durfte, wahrscheinlich weil sie keinen Mann bekommen hätte.
Dann ging es zum Aufwärmen in die Seedose, das Picknick bzw. Eierpecken wurde wieder etwas sparsam ausgeführt, das heißt es gab die Eier, Brot und Salz und dann noch Merci-Schokolade und ich erkundigte mich ein bißchen nach denen, die fehlten. So kommt Alois Eder ja schon länger nicht und auch der Herr Professor, der sonst immer da war, fehlte und Robert Eglhofer ist auch aus der LitGes ausgetreten bzw. sich mit ihr überworfen.
Dafür habe ich gleich die beiden Bücher, die ich immer in der Handtasche hatte, verkauft und in der Seedose, die heute den ersten Tag geöffnet hatte, gab es auch eine Broschüre über das Mahnmal Viehofen. Dann ging es zurück und wir sind gerade noch vor dem Dunkelwerden nach Harland gekommen.

Ostern im Schnee

Ich bin ja keine, die über das Wetter jammert, obwohl ich im Wiener Stadtroman einen “Wetternörgler”, erfunden habe, sondern es relativ gelassen hinnimmt, wie es kommt, aber diesmal ist es wirklich ein bißchen extrem.
Schnee liegt in der Karwoche und Ende März Zentimeter dick auf der Terrasse und auf der Autobahn gab es am Dienstag eine Massenkarambolage mit einigen Verletzten und Toten ausgelöst durch schlechtes Fahren und sogenannten Blitzeis und in der Karwoche mache ich auch gern in Harland Osterferien und komme, wenn es geht am Dienstag, Mittwoch oder spätestens am Gründonnerstag dort hinaus.
Manchmal hindern Termine das frühzeitige Kommen, so war ich, glaube ich, wegen der Radtour 2007, die halbe Karwoche in Wien, habe Aussendungen gemacht und bin am Abend in die Alte Schmiede zu einem sehr schönen Musikprogramm gegangen, einmal war ich im Republikanischen Club bei einer Geburtstagsveranstaltung von Edith West und als ich von meiner Radtour zurückgekommen bin, habe ich auf Christiane Zinzens Blog von Elfriede Gerstls Tod erfahren und voriges Jahr hatte ich am Mittwoch meine Lesung im El Speta und bin daher erst sehr spät nach Harland gefahren, um dort meinen Bärlauch zu suchen und Rad zu fahren und heuer ist es deto.
War ich ja im vorigen Mai seit langem wieder einmal im Klub der logischen Denker, weil dessen Geschichte von Herrn Doktor Mold dargestellt wurde und habe dann mit dem jetzigen Obmann einen Termin für ein Referat ausgemacht.
Auf “Die neuesten Entwicklungen in Psychologie und Psychotherapie”, wo ich ein bißchen die Psychologiegesetzentwicklungen mit meiner Clubgeschichte verbunden habe, haben wir uns geeinigt, weil ich ihm entweder etwas aus der Psychologie oder was Literarisches angeboten habe und er hat mir einen Termin im März gegeben. Früher hatte er nichts mehr frei und ich habe nur geschaut, daß es sich nicht im Leipzig überschneidet, obwohl wir heuer ohnehin nicht dort waren.
Es hat sich mit der Karwoche überschnitten, aber das habe ich erst gemerkt, als ich Herrn Doktor Mold wieder einmal in der Alten Schmiede traf und er mir sagte, daß er dann vielleicht auf Urlaub sei.
Ich habe Montag, Dienstag, Mittwoch aber ohnehin genug in meiner Praxis zu tun gehabt, es war auch noch die Abrechnung zu machen, so daß wir wieder sehr spät nach Harland gekommen sind und der Unterschied zum Vorjahr ist nur der Schnee. So viel Schnee auf der Traisen, daß es sich nur schwer Radfahren läßt.
Auch nicht wirklich schlimm, denn das passiert zu Weihnachten in der Winterfrische öfter und ich habe auch diesmal genug zu tun, ist ja das “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, zu korrigieren, damit habe ich übrigens auch in den Weihnachtsferien begonnen, dann aber mit dem “Nanowrimo-Novel” und mit “Kerstins Achterln”, weitergemacht.
Das ist jetzt in der Druckerei, nach Ostern soll das Dummie kommen, dann gibts bald Digi-Buch Nummer neunundzwanzig und ich werde in Harland mit dem “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, beschäftigt sein, so daß es gar nichts macht, wenn ich nicht Radfahren kann, obwohl ich die Osterferien eigentlich mit Pinzen, Bärlauch und einer Radtour nach Herzogen- bzw. Wilhelmsburg verbinde.
Aber macht ja nichts und ist nicht so wichtig. Ein Osterprogramm gibt es auf jeden Fall, vorigen Karfreitag war ich mit dem Alfred im Cinea Paradiso beim Karfreits-Slam, diesmal habe ich ein Konzert im Rahmen von Italia Mia in der Kartause Mauerbach gewonnen und am Karsamstag gibt es wieder den inzwischen schon üblichen Osterspaziergang der Litges, um den Viehofener See soll es gehen. Ob das die Wetterbedingungen zulassen werden?
Das letzte Mal hat es, glaube ich, geregnet, da haben wir in der “Seedose” die Eier gepeckt. Diesmal ist es auch die Frage, wie ich zum Viehofner See komme, aber vielleicht taut es noch inzwischen, aber Ostern in Weiß ist auch ganz lustig und mich tangiert es nicht so sehr, weil ich keine Eier verstecke.
Die Osterdekorationen für die Krongasse habe ich schon vor zwei Wochen herausgesucht, da gab es ja auch einen Leiner-Gutschein, wo ich mir ein paar Ostereierkerzen und zwei Packungen Osterservietten holte. Erika Brunngraber hat mir schon lange einen dieser tollen Schokoosterhasen aus der Kurkonditorei Oberlaa geschenkt, der Alfred einen Lindt-Hasen und ein Klient ein kleines Fläschen Magenbitter in einem Osterkörbchen zusammen mit einem Überraschungsei.
Das alles liegt in Wien und wird ab Ostermontag aufgegessen werden, den Magenbitter laße ich aus, weil ich keine Schnapstrinkerin bin und in Harland wurden die Dekorationen, die ich auch ein bißchen sammle, am Gründonnerstag herausgeholt.
Genauso sammle, wie die Bücher und da habe ich in meine Bücherbeschränkungspläne , als ich an inzwischen drei Schränken vorbei ins Cafe Benno in die Alserstraße gegangen bin, nicht ganz eingehalten. Der Vorsatz war zwar da und das Regal wieder auf das noch zu Lesende durchgeräumt, aber wenn in den Schränken Daniel Kehlmanns “Vermessung der Welt”, Köhlmeiers “Idylle mit Hund” und Andrea Grills New York-Geschichten liegen, tue ich mir schwer. Die “Naschmarktmorde” habe ich aber liegen lassen und in Harland ist Stendhals “Rot und schwarz” als Monsterprojekt aufzulesen. In Wien habe ich inzwischen Zdenka Beckers “Der größte Fall meines Vaters”, bekommen und werde es nach Ostern lesen. Vielleicht treffe ich Zdenka Becker wieder am Markt oder auch nicht, wenn ich wetterbedingt dort nicht hinkomme und am Osterspaziergang nimmt sie, glaube ich, nicht teil.
Und Christl Greller hat mir jetzt den Termin für die geplante Lesung “Die Zeit und wir”, bekanntgegeben, den Ort hat sie noch für sich behalten.

Bücherbeschränkung

In den letzten Tagen habe ich meine Bücherlisten aufgefüllt und festgestellt, das Bücherregal, das ich mir 2011 kaufte, ist schon fast voll, die Leselisten reichen bis 2017 und in den Regalen liegt immer noch einiges Ungelesene, was ich endlich lesen sollte, einen Malaparte zum Beispiel oder auch Judith Hermanns “Nichts, als Gespenster”, das ich mir 2000 um einen Luitpold Stern Preis-Gutschein kaufte und dann erschrekt feststellte, daß ich keine Kurzgeschichten lese.
Wenn ich also meinen SUB halbwegs auflesen will und nicht demnächst bei Bücherlisten, bis 2050 oder so landen will, muß ich etwas tun, komme ich ja sehr oft und begeistert an den Bücherschränken vorbei und das mit den ein bis zwei Büchern pro Woche, wo ich eines auf die Jahresliste und das andere auf die jeweils letzte stelle, klappt auch nicht immer und in der letzten Zeit habe ich auch die Bücherabverkaufskisten sehr regelmäßig frequentiert und dort einiges gekauft, was nicht wirklich notwendig war.
Aber was ist schon notwendig? Ich bin eine Büchersammlerin und war das schon immer und habe mir früher darüber, ob ich das alles wirklich lesen kann auch keine so großen Gedanken gemacht, jetzt wo ich im November sechzig werde, mache ich mir sie schon, denn 1918 bin ich fünfundsechzig und da ich ja eigentlich wirklich alles lesen will, muß ich etwas tun und wer weiß, ob ich das mit Siebzig noch kann?
Ich glaube zwar, daß es dann wahrscheinlich keine Bücherschränke mehr geben wird, weil alle dann schon das E-Book haben, aberm ich glaubw, mit dem, was ich habe, komme ich locker aus, aber jetzt packt mich der Ehrgeiz das Vorhandenene möglichst zu lesen, es gibt ja so viele Gustostückerln und es wäre schade, wenn…, ich muß also etwas tun, aber wie macht man das?
Vorige Woche war ich mit dem Alfred im Thalia bei der Zdenka Becker Lesung, da habe ich mir dann von ihm den neuen Schindel und den neuen Köhlmeier schenken lassen, denn diese Bücher sind sicher interessant und sollte man haben, dann habe ich aber reuig auf die Rechnung, über fünfzig Euro geschaut und mir geschworen, ich kaufe mir nie mehr ein Buch, auch wenn es nur einen Euro kostet und das auch gleich auf ein paar Blogs gepostet.
Am Samstag kam dann dieser Indiebookday, diese Aktion der unabhängigen Verlage, die die Leute zum Kaufen von solcher Bücher aufforderte und als ich mir die 2entsprechende Facebookseite angesehen habe, habe ich mit Erstaunen festgestellt, daß eigentlich sehr bekannte Bücher, wie “Ich nannte ihn Krawatte”, von Milena Michiko Flasar oder “Nachhinein”, von Lisa Kränzler, das auf der Leipziger Buchpreisliste stand, genannt wurden.
Dagegen ist nichts zusagen, außer, daß es stimmt, daß es sehr viele Bücher gibt und das man nicht alle lesen kann und ich habe noch hinzugefügt, daß ich die meinen, bevor ich siebzig werde, gerne alle auflesen möchte, aber wie machte ich das?
Das hat mich dann so beschäftigt, daß ich einige Ideen geboren habe. Die erste und wahrscheinlich am leichtesten durchaltbare ist, die an den Bücherabverkaufskisten in Hinkunft vorbei zu gehen.
Zu Weihnachten und zum Geburtstag kann ich mir ja etwas wünschen, weil ich sonst nur vielleicht etwas, was ich nicht so will, bekommen, aber das mit dem zwei, höchstens drei Büchern pro Woche, wenn es wirklich ganz besondere Schmankerl gibt, müßte ich noch schaffen.
Da muß ich natürlich einiges liegenlassen, was man vielleicht wirklich nicht lesen muß, aber nur so kann ich meine Bücherlisten, sagen wir bis 2023, um es mir nicht zu schwer zu machen, abbauen und bis dahin, vielleicht auf die 2018 Liste, die Judith Hermann, den Malaparte und was es sonst noch so auf den Regalen gibt und nicht vergessen werden sollte, stellen. Luxusprobleme? Ich weiß und ich schwelge auch genüßlich darin und wenn ich so auf meine Leseliste schaue, denke ich, daß ich bei einigen Schriftstellern ja wirklich schon eine Expertin bin und fast alles gelesen habe, von Evelyn Grill zum Beispiel, von Donna Leon haben sich auch einige Krimis angesammelt und die lese ich ja gerne und auch zwei Kinsella-Bücher und die sind ja derzeit in aller Munde und die “Schnäppchenjägerin”, das habe ich schon geschrieben, halte ich für die großartigste Beschreibung einer Kaufsucht, die ich je gelesen habe. Durch die Bücherschränke und die Flohmarktkäufe, kann man auch seine Bildungslücken schließen und das auflesen, was sonst an einem vorbeigegangen wäre.
“Im Westen nichts Neues”, “Lolita”, “Gebürtig”, den “Radetzkymarsch” und und und, beispielsweise und das halte ich für sehr wichtig.
Aber inzwischen will ich nichts ungelesen lassen und nehme mir ernsthaft vor meine Zugänge zu beschränken und 2023 keine Vorausleselisten mehr zu haben. Meine Leser werden sehen, ob ich das schaffe, ich nehme es mir jedenfalls ernsthaft vor, bin aber schon zufrieden, wenn es zu achtzig Prozent geht.
Mal sehen, wie es geht und welche Schätze sich noch in den Regalen verbergen, aber ich habe auch einige Vicki Baums und Pearl S. Bucks aufgeschrieben, die ich in den nächsten Jahren auflesen will und dann gibt es natürlich noch Bücher, die ich gerne finde würde, den neuen Gustav Ernst zum Beispiel, oder Cornelia Travnices “Chucks”, die Anni Bürkl Krimis und und und….
Mal sehen ob sie zu mir kommen und auch, ob mir das Auflesen der alten Schätze, so halbwegs gelingt, dazu müßte ich es bei den hundertfünfzig gelesenen Jahresbüchern belassen, bin da aber derzeit ein bißchen langsam, weil ich im Augenblick wirklich dicke Wälzer lese, mit denen ich nicht so gut weiterkomme, aber vierzig Büchjer habe ich in diesem Jahr schon gelesen und das ist eigentlich ein guter Schnitt, also auf mit den guten Vorsätzen und sehen, wie die Bücherbeschränkung gelingt?