Weinwandern

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Literatur und Wein, ein für mich nicht unwichtiges Thema, trinke ich ja gern ein Gläschen Rot, das von Sylvia Treudl vor fünfzehn Jahren intiierte Festival und ihre Anthologien, hat mich auf dieses Thema gebracht. Denn manchmal läutet bei mir das Telefon und eine Weinverkostungsfirma will bei mir ihr Geschäft machen. So sind wir eine Zeitlang zu Herrn Fischer gegangen und haben seine französischen und auch andere Weine verkostet und irgendwann sind wir auch auf das Traisental Weinttasing und das Weingut “Herzinger”, aufmerksam geworden.
Seitdem gehen wir im April, wenn das Taisental zur Verkostung lockt und im Dezember, wenn es, um Nikolo eine Verkostung mit Glühwein gibt, immer wieder regelmäßig hin.
Zu Pfingsten gibt es dann es Pfingstmarkt und wenn der Alfred da ist, radeln wir hin und essen dort Mittag. Fleischknödel oder anderes wird angeboten, verkosten im Keller ein paar Weine. Kaffee und Kekse gibt es dann bei der Frau Herzinger. Einmal ist mir da das Rad dabei eingegangen, so daß uns Alfreds Eltern mit dem Bus abholen mußten. Das ist jetzt vorbei. Alfreds Vater vor Weihnachten gestorben und der Bus soll verkauft werden, nur leider ist derzeit die Lenkradsperre eingeschaltet, so daß er in eine Werkstatt muß.

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Ich trinke gerne ein Gäschen Roten und habe auch vor kurzem “Kerstrins Achterl” geschreiben, im vorigen Jahr, als der Alfred in Australien war und ich zu Pfingsten daher auf Lesemarathon, aber jetzt sind wir da und sind mit dem Auto nach Nußdorf an der Traisen zum Winetasting gefahren. Manchmal aber auch mit dem Rad, im Jahr 2007 beispielsweise, als wir von Ruths Aspöcks Abschieds-Radkadkarwane frühzeitig zurückgekommen sind, wir sind ja nur bis Regensburg mitgefahren und dann mit dem Zug und ein paar Mal umsteigen zurück. Da ist es sich dann ausgegangen mit dem Rad nach Nußdorf an der Traisen zu fahren und das war das einzige Mal, wo wir auch die anderen umgebenden Weingüter mitverkostet haben. Nur leider mußte der Alfred bei jedem etwas kaufen, ich bin ja eine Schnorrerin und habe nichts dagegen, mich umsonst durchzukosten.
Der Alfred kann das aber nicht und so war der Korb am Rad bald voll von den Flaschen und der Alkoholgehalt im Blut wahrscheinlich auch auch erhöht, so daß wir in Serpentinen an der Traisen zurückgefahren sind.

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Eine freundliche Frau, die unser Elend erkannte, hat uns auch ein paar Riemen geborgt, so daß wir die Flaschen ein bißchen befestigen konnten, trotzdem haben wir an der Traisen, glaube ich, ein paar der kleinen Marmeladenlgäser verloren und haben sie aufsammeln müßen.
Dann wurde alles anders, um die Schnorrer einzudämpfen, wurde ein Beitrag von fünf Euro verlangt, so daß wir ein paar Jahre nicht mehr hingefahren sind, bis uns die freundliche Frau Herzinger, bei der Alfreds Eltern immer das Sptztmittel für ihre Weintrauben kaufen, sagte, daß sie diese Gebühr nicht einhebt, so sind wir im vorigen Jahr, nachdem wir von Salzburg zurückamen, wieder hin. Inwischen ist Alfreds Vater gestorben und der Alfred allein für die Gartenpflege und das Spritzmittel verantwortlich und wir wieder hin und dieses Mal, weil die die WU ja im Sommer in den Prater übersiedelt und im März etwas dafür vorbereiten mußte, daher nicht nach Leipzig fahren konnte, hat der Alfred Karten für Wein und Literatur gekauft.
Da geht es zwar, glaube ich, um die Wachau und daher um Weißwein, aber ich trinke gerne Roten und das Winetasting im April gibt es natürlich auch.
Also losgefahren, um fünf Uhr Nachmittag, nachdem der Alfred mit seiner Mutter einkaufen war. Mit dem Auto selbstverständlich und die Liste angesehen und nach den Rotweinen angefangen.

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Ich trinke ja keinen Weißen, mit denen man üblicherweise anfangen soll, wie Andreas Herzinger, der Juniorchef, den Gästen freundlich emfahl.
Also gleich mit dem “Credo” begonnen und dann “Cabernbet Sauvignon.”
Es gab Brot mit Schmalz, Kartpoffelkäse, Liptauer und, ich glaube, auch Bärlauchauftstrich, zu verkosten und wenn der Alfred zu viel getrunken hat, verlangt es ihm nach einem Spaziergang durch die Weinberge und zurück.
Heuer hat es mich danach verlangt, um ein paar Fotos zu machen. Danach gab es ein paar Liköre zu verkosten. Schnaps trinke ich ja nicht. Also einen Holunderblüten, einen Schlehen, einen Nuß- und einen Marillenlikör.
Säfte und Marmeladen gav es auch zu verkosten und der Alfred kauft ja sehr viele und sehr gern davon und dann zurück. um einen “Literaturgefüsterliterarartikel”, darüber zu verfassen.
Rote Rosen, rote Rüben, roter Wein und manchmal gibt es auch ein paar der guten Äpfel, die wunderbar ins Müsli passen. Der Alfred kauft ja sehr gern und sehr viel davon und ich trinke gern ein Gläschen. Im Literaturhaus wird das noch immer ausgeschenkt. In der Hauptbücherei nicht mehr und ob ich jemals wieder zu “Literatur und Wein”, kommen werde, weiß ich nicht. Bin ich ja eine Schnorrerin, die nicht gerne Eintrittsgeld bezahlt, aber gern ein Gläschen trinkt und auch gern “Weinwandert”, beziehungsweise mit oder ohne Vea Kaiser spazierengeht.
Mit dem Lehrer Sladky waren wir einmal in der Wachau und auch sonst gehe ich gern spazieren und trinke gern ein Gläschen Wein und wenn meine Weitasting-Impressionen einen Text für das “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, ergeben könnten, freut mich das sehr.
Rote Rosen, roter Wein. Ich trinke gern ein Gläschen Zweigelt, Blauburgunder oder auch einen Cabernet Sauvignon und wandere auch gern und schreiben tue ich ebenfalls sehr gern, das ist wahrscheinlich, wie meine Leser sicher wissen, für mich überhaupt das allerwichtigste und bin daher so frei, meine Impressionen hier auszubreiten.

Novecento

Jetzt kommt ein kleines Büchlein “Die Legende vom Ozeanpianisten”, vom 1958 in Turin geborenen Kultautor Alessandro Baricco, der mit seinen Büchern “Seide” und “Land aus Glas” zum Bestsellerautor geworden ist und der die “berühmteste Schule für kreatives Schreiben Italiens”m gegründet hat.
Ein Monolog, der, wie im Vorwort von September 1994 steht, für einen Schauspieler und einen Regisseur, geschrieben und dann in Buchform, zuerst in der Originalausgabe bei Fellitrini, dann bei Piper, 1999, auf Deutsch, verlegt wurde. Verfilmt wurde die Geschichte von Danny Boodman T.D. Lemon Novecento auch von einem Kultregisseur und der Text ist ein Monolog für einen Schauspieler, der in verteilten Rollen, die Geschichte des Ozeanpianisten erzählt, der im Jahre 1900 auf dem Schiff “Virginian”, das von Europa nach New York hin und herpendelte, in einer Zitronenkiste auf dem ersten Klassedeck in einem Tanzsaal vom Matrosen Danny Boodman, einem Schwarzen, gefunden wurde, der ihm diesen Namen gab. Zuerst den seinen, dann das T. D. Lemon, das auf der Kiste stand und das nicht “Thanks Danny!”, wie sich der Matrose einbildete, sondern “Tano Damato”, bedeutete und am Schluß kam noch die Jahreszahl dazu.
Der Matrose nahm den Kleinen an Kindesstatt auf und verließ mit ihm aus Angst vor Schwierigkeiten mit der Behörde, weil er ja keine Papiere für ihn hatte, acht Jahre lang nicht das Schiff, dann starb er und als der Kapitän, mit dem “Unfug!”, Schluß machen wollte, war der Kleine verschwunden, bzw. saß er auf paar Nächte später, wieder voll am Meer, am Klavier und entzückte alle mit seinen Künsten.
So blieb er dort, siebenundzwanzig, dreiunddreißig und noch einige Jahre länger, spielte seine eigentümlichen Melodien mit seinen eigenen Noten, freundete sich auch mit einem Trompeter an, der seine Geschichte dann auch erzählte, duellierte sich mit dem Gründer des Jazz, gewann natürlich und obwohl er das Schiff nie verlassen hatte, wußte er über den Geruch Londons und über die Pariser Brücken bestens Bescheid, denn er konnte in den Leuten, die aus aller Welt auf das Schiff kamen, wie in den Büchern lesen und als er es einmal doch verlassen wollte, um das Meer von der anderen Seite zu betrachten, scheitere der Versuch.
Dann kam der Krieg und das Schiff wurde dadurch in Mitleidenschaft gezogen, so daß es in die Luft gesprengt werden sollte, worauf es alle verließen es, nur Novecento nicht…
Achtzig Seiten hat der Monolog und es ist eine fesselnde interessante Geschichte, die da in knappen Worten sehr poetisch rezitiert wird.
Ein Fund aus dem “Wortschatz”, den ich mir genommen habe, weil den Namen Allessandro Baricco glaube ich aus der Zeit kenne, da er mit “Seide” auf den Bestsellerlisten stand und es diese “Libro”-Aktion gegeben hat, kenne obwohl ich von ihm noch nichts gelesen habe. Jetzt aber einen kleinen Eindruck von dem Kultautor bekommen habe, der fünf Jahre jünger als ich ist.

Hasenherz

John Updike, 1932-2009, ist einer der großen Amerika, der wie Philip Roth ewig auf der Nobelpreisliste stand, von den wir sehr viel lernen sollen und sehr viel von ihm hören. Ich glaube bei “Thalia”, gab es einmal ein Büchlein mit Textauszügen, wo von seinem “Rabbit”, etwas drinnen stand, das ich genommen habe und auf meinen ewigen Regalreihen verkommen ließ, in den Bücherschachteln, die einmal in Ediths Broczas Eingang standen, waren zwei Englische Updike- Romane, “Golf dreams” und “Gertrude and Claudius”, für die ich jetzt eine 2019 Leseliste eröffnet habe und im vorvorigen Jahr hat es “Hasenherz”, wahrscheinlich im “Wortschatz” gegeben und das 1960 erschienene Buch, das das Kleinstadtleben Amerikas der Fünfzigerjahre schildert, ist wirklich höchst beeindruckend.
In Wikipedia habe ich gelesen, Updike hat es bezüglich seiner Sexstellen überprüfen lassen, heute müßte er das wahrscheinlich bezüglich des Alkohol- und Nikotinkonsums tun und da würde der Rotstift darüber fahren, aber wahrscheinlich geht es in manchen Slum- und Krisengebieten immer noch so zu.
Da ist also ein sechsundzwanzigjähriger Junge, Harry Angststrom, einmal ein hervorragender Basketballspieler, im College, dann erfüllte er seine Pflicht beim Militär, hat geheiratet, einen kleinen Sohn, seine Frau ist mit dem zweiten Kind schwanger, Harry führt in einem Kaufhaus Küchengeräte vor und ist auf dem Weg nach Haus, da kommt er bei Jungen vorbei, die Basketball spielen und er kann nicht anders, als mitzuspielen, denn das Leben ist schön und Harry liebenswert.
Zu Hause ist dann alles anders, denn da sitzt die, um einige Jahre jüngere Janice mit der Whiskeyflasche vor dem Fernseher, alles ist unaufgeräumt und so setzt sich Harry in das Auto, um Zigaretten zu holen, obwohl er sein Päckchen ja vorhin in die Mülltonne geschmissen hat, weil er das Rauchen aufgeben wollte. Er fährt und fährt, kauft sich bei Tankstellen, Autokarten, Hamburgers, Kaffees und wird geplagt von Schuldgefühlen, ob ihn die Polizei jetzt nicht verfolgt. Schließlich fährt er wieder zurück, landet bei seinem ehemaligen Basketballtrainer, der ihn bei sich schlafen läßt und mit zu einem Date zu zwei Frauen nimmt. So landet er bei Ruth, einem sehr freizügigen Mädchen, auch Gelegenheitsprostituierte genannt, zieht bei ihr ein, wechselt den Job, vermittelt durch einen Geistlichen, der sich um ihn und um Janices Familie kümmert und als Ruth von ihm schwanger ist, läutet das Telefon “Komm, Janice hat gerade ein Mädchen geboren!” und er kann das “arme Ding doch jetzt nicht allein lassen!”
So landet er in der Klinik, wird von der Nonne in den Warteraum gesetzt und kann erst zu seiner Frau bis das Baby gestillt ist, dann darf er es etwas später von der Schwester hochgehoben durch die Scheibe sehen, ja die Sitten in den Krankenhäusern waren in den Fünfzigerjahren fürchterlich und heute unvorstellbar, so bin ich aber wahrscheinlich auch zur Welt gekommen.
Rabbit kehrt mit dem kleinen Nelson in die Wohnung zurück, weil der brave Schwiegervater still und heimlich die Miete weiterzahlte, die Schwiegermum ist auf ihn sauer, Mister Springer vermittelt ihm auch einen Job in seinen Autosalon. Janice kommt am Freitag aus dem Krankenhaus zurück und zum Dank, weil Pfarrer Eccles so toll geholfen hat, soll Rabbit am Sonntag in die Kirche gehen, was ihm nicht gut bekommt. Denn die Frau Pfarrer hat so einen hübschen Hintern, so kommt es am Abend zwischen Janice und Rabbit zum Streit, sie werden beide sehr nervös, ihre Milch versiegt, Rabbit zwingt sie zum Sexualverkehr und verläßt, als sie ihn zurückweist die Wohnung. Sie fängt dann wieder zum Trinken an und als der Vater anruft und fragt warum Harry nicht im Autosalon ist und die Mutter ihre Ankunft meldet, wird die betrunkene Janice wieder nervös will das Baby baden, das dabei ertrinkt.
Harry, der nach Ruth suchte, in einem Hotel übernachtete, wird von Pfarrer Eccles wieder zurückgeholt, die Polizei ist auch jetzt noch nicht aufgetaucht und auch nicht das Jugendamt, die bewußtlose Janice und der kleine Nelson sind wieder bei ihren Eltern und Harry bekommt bei der Beerdigung einen Anfall, der in “Rabbit, run!”, dem amerikanischen Titel des Buches mündet.
Er rennt zunächst zu Ruth, erfährt von ihrer Schwangerschaft, sie will sich das Kind nicht wegmachen lassen und verlangt von dem so liebenswerten Sechsundzwanzigjährigen die Entscheidung. Wie die ausfällt, erfährt man im ersten der Rabbit- Bücher nicht, denn hier läuft er nur wieder und die Leserin bleibt betroffen zurück von dieser eindrucksvollen Schilderung des Elends des amerikanisches Provinzlebends und den überfordertden jungen Männer, die mit sechsundzwanzig schon zweifache Väter sind und Familienpflichten haben, obwohl sie noch nichts als die schöne Basketballzeit ihrer Jugend und die Frauenpos im Kopf haben und die jungen Frauen, die von den Haushaltspflichten überfordert nach den Whiskey greifen, während die Babies brüllen und die Mütter mäkeln.
Inzwischen hat sich wahrscheinlich einiges geändert oder auch nicht und auf jeden Fall könnte man sich eigentlich nicht vorstellen, daß dieser eindrucksvolle Roman, der ja alles sagt und in der Katastrophe endet, eine Fortsetzung hat. Hat er aber, gibt es ja fünf “Rabbit-Bücher, mit denen ihr Autor offensichtlich auch berühmt geworden ist. Mal sehen ob ich noch auf die anderen stoße. Jetzt warten jedenfalls die beiden erwähnten Updike-Romane und ich habe in dem amerikanischen Kultautor eine sehr eindrucksvolle Stimme kennengelernt, die ohne “Wortschatz”, vielleicht an mir vorbeigegangen wäre.

Herbert J. Wimmers literarischer Konstruktivismus

Jetzt ist sich die Präsentation von Herbert J. Wimmers neuen Roman “Membran”, 224 Seiten, in der Edition Sonderzahl erschienen, wie neun andere seiner Bücher, doch noch ausgegangen und es ist wieder ein Buch, wo es schwer fällt einen Roman darin zu sehen oder viele wahrscheinlichen sagen würden, das ist keiner, weil kein Plot, keine Handlung, keine Prämisse, aber vielleicht gibt es das alles, wenn auch in einer sehr experiminentellen Art und da die experimentelle Literatur in der Alten Schmiede ihr Publikum hat, sind auch viele der Wimmer-Gerstl-Freunde zu der Lesung gekommen. Margret Kraindl, Lukas Cepek, Christiane Zintzen, Friedrich Achlaitner, Christel Fallenstein und noch ein paar andere Stammgäste, die ich nur vom Sehen kenne.
Der Lehrer aus Retz war da und Dieter Bandhauer der Verleger und den habe ich schon am Montag gesehen, war ja eines seiner Bücher, bei denen, die dort vorgestellt wurden und ich habe jetzt doch die “Waldviertel-Anthologie”, das Buch zum Welttag des Buches bekommen, was gar nicht so leicht war, denn beim “Frick” war es schon aus, beim “Morawa” sind noch drei Stück bei der hinteren Kasse gelegen und wenn dieses Buch dem Publikumsgeschmack entsprechend, auch nicht experimentell sein kann, hat es doch eine interessante Textauswahl, ein paar Kramer-Gedichte, ein Text von Norbert Silberbauer u.u.u.
In der Alten Schmiede hat die Kunstprofessorin und Philosophin Elisabeth von Samsonow, die Friederike Mayröcker manchmal in ihren Texten erwähnt, die Einleitung gehalten und gesagt, daß sie sich zur Vorbereitung alle Wimmer-Bücher besorgt hätte, um zu sehen, welche Beziehungen sie zu dem neuen haben. Sie hat auch viel gefunden und mit der Zahlenmystik begonnen, sehr viele Wimmer-Bücher sind in Zahlenkuben angelegt und dieses ist eigentlich eine Hommage an Elfriede Gerstl, erzählt das Leben vor mit und nach ihr, verwendet bekannte Figuren wie Blauensteiner und Grit und Herbert J. Wimmer hat dann ein paar Stellen aus seinem Buch gelesen, das, wie viele seiner Bücher, “Autostop” oder “Innere Stadt” zum Beispiel, die Bücher, die ich von ihm habe und endlich auf meine Leseliste setzen sollte, mit der Stadt verortet sind, so beginnt und endet es mit der “Kleeblattgasse”, wo Elfriede Gerstl mit ihrer Mutter wohnte. Dann kommen Stellen, wo eine Philosophie des Gehens durch Wiener Kaffeehäuser und Konditoreien angedacht war und eine, die in Rom in der Straße spielt, wo die Künstlerwohnung des BUMUKs liegt, in der auch Elfriede Gerstl und Herbert J. Wimmer eine Zeit verbracht haben. Es beginnt immer mit Gerstl Sätzen und die Zahlen kommen natürlich auch vor und da hat Elisabeth von Samsonow noch angemerkt, daß sie sich eines der Wimmer-Bücher aus der Bibliothek des Germanistischen Instituts geholt hat, in dem es keine Zahlen gibt, das hat ein Leser dann nicht ausgehalten und fein säuberlich mit Bleistift 1- 120 hingeschrieben.
Am Schluß gabs noch ein Gespräch und den Hinweis, daß das Kleid das Elisabeth von Samsonow trug aus dem berühmten Gerstl-Kleiderfundus stammte. Herbert J. Wimmer hat das Buch schon vor zehn Jahren angedacht, dann zwischenzeitlich etwas anderes geschreiben und nach dem Gerstl-Tod zwei Jahre nur Gedichte und keine Prosa schreiben können, so daß er die Arbeit an dem Roman erst Ende 2011 wieder aufnahm. Kurt Neumann wies auf den Büchertisch, aber ich habe ja einiges von dem Autor, das ich noch lesen muß und ihn auch schon bei mehreren Lesungen gehört, ist er in der Alten Schmiede ja ein gern gesehener Gast und hat einmal sogar, lang lang ists her die Textvorstellungen moderiert.

Krankenstand

Für die, die sich wundern, daß da gestern kein Bericht über das Buch zum Welttag des Buches und die Anthony Mc Carthen Lesung in der Hauptbücherei kam. Ich bin ein bißchen krank geworden, bzw. hat mich der Alfred mit seiner Verkühlung angesteckt, so daß ich, um dreiviertel Sechs als der letzte Klient gegangen war, den Befund, den ich noch schreiben hätte müßen und von daher den Besuch der Lesung wahrscheinlich aufgeschoben hätte, liegen ließ und mich hinlegte, um mich auszukurieren.
Eifrige Leser werden es ja wissen, ich bin eine, die nicht sehr oft krank ist, aber einmal im Jahr plagt eine Verkühlung oder ein verdorbener Magen schiebt das Geplante auf.
So habe ich den Befund erst heute Morgen geschrieben, als es schon etwas besser ging. Und als der Alfred gestern, um elf von dem Fußballmatsch, das er sich unbedingt anschauen mußte, nach Hause kam, hatte er mir zwar das neue Buch der Doris Knecht mitgebracht, das er beim “Thalia” kaufte, daß er aber nach dem Geschenkbuch fragen hätte können, daran hat er nicht gedacht und ob ich heute, wie geplant in die “Alte Schmiede” zur Lesung von Herberts J. Wimmers neuen Roman komme, ist auch nicht ganz sicher, da ich um vier noch eine Diagnostik habe und daher auch einen Befund zu schreiben.
Also wieder, damit ich regelmäßig über mein literarisches Leben bloggen kann, die Aufarbeitung der Kleindetails und da gibt es schon was zu berichten. Waren wir doch am Sonntagnachmittag am Margaretenplatz und haben das Coverfoto für das Nanowrimo-Novel gemacht. Der Entwurf des Einbands liegt schon am Küchentisch, so daß es bald eine kleine Vorschau auf mein dreißigstes Indie-Buch, bei dem es dann auch das große Gewinnspiel, auf das ich mich schon freue, geben wird und das einunddreißigste, das “Literaturgeflüster-Texte-Buch”– gibts hoffentlich auch noch in diesem Jahr, denn am Wochenende bin ich mit dem Korrigieren wieder ein bißchen weitergekommen. Habe drei Artikel, wie “Kaffee bei Erika Brunngraber”, “Schlechtes Schreiben” und “Zwei Jahre offene Bücherschränke” hinausgeschmisen, damit ich mich nicht zu oft wiederhole und vielleicht auch nicht zuviele Jammereien drinnen habe. Ein bißchen habe ich es auch gekürzt und jetzt kommt der große Kampf bezüglich der Beistriche und der Anführungszeichen, damit die überall gleich sind. Das wird noch sehr viel Arbeit werden, aber sonst denke ich, daß die zweihundertachtundzwanzig Seiten beziehungsweise achtundsiebzigfünfhundertvierzehn Wörter, die es derzeit sind passen und, daß das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” eigentlich einen spannenden Einblick in das Leben einer nicht so besonders erfolgreich, aber sehr bemühten, literarisch schreibenden Frau sein kann und würde es nur sehr schade finden, wenn es dann im November oder Dezember fertig ist und wieder nicht sehr viel damit passiert, als, daß der oder die denen ich es zeige, pikiert “Sehr schön, welcher Verlag?”, fragen, wie es meistens ist, denn es ist ja ein besonderes Buch, in dem das Herzblut und das literarische Wissen, der letzten fünf Jahre steckt.
Mal sehen, was damit passiert, ein wenig mehr Werbung werde ich versuchen damit zu machen und es verstärkt herumschicken, aber erst muß es einmal fertig werden. Im Augenblick komme ich aber nur am Wochenende dazu, weil ich mich ja auch sehr bemühe mit meiner Leseliste weiterzukommen und da lese ich gerade an John Updikes “Hasenherz”, was ein sehr interessantes Buch eines großes Amerikaners ist, der die Gelüste des jungen Mannes an Sex und seine Verantwortlichkeit für die Familie schildert, das wenn es einem Textkritiker, wie denen im Literaturcafe, in die Hände gefallen wäre, vielleicht auch nicht standgehalten hätte, jetzt aber als große Literatur eines, auch leider nein Nobelpreisträgers, gilt.
Neue Artikel werde ich das “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, vorläufig nicht hineinnehmen, habe aber vor, wenn wir am Wochenende zum Wine-tasting nach Nussdorf an der Traisen fahren, vielleicht einen “Weinwander”-Text zu schreiben, wie sie das ja auch bei “Literatur und Wein” so tun.

Schönste Bücher zum Auftakt des Welttags des Buches

Seit sechzig Jahren gibt es die Aktion “Die schönsten Bücher Österreichs”, wo die Graphik zählt, das Layout und die Gestaltung, veranstaltet vom Hauptverband des Buchhandels und dem Bundesministerium, auf der Seite www.buecher.at wird immer dazu aufgerufen und JuSophie hat mich auch einmal aufgefordert, statt zu jammern etwas zu tun und mich dafür zu bewerben, aber ob meine selbstgemachten Indie-Bücher, die meistens ein Foto als Cover und ganz selten ein Design von der Anna, die auch keine ausgebildetete Graphikerin ist, da eine Chance haben. Ich habe nachgeschaut, gesehen, man muß ein Nenngeld zahlen und die Aktion dann gelassen, von der Veranstaltung, die meistens im Radio Kulturhaus stattfand, habe ich aber über buecher.at erfahren und voriges Jahr auch hingeschrieben, weil in der Radiokulturhauszeitschrift stand, daß man dafür zwar keine Karten kaufen, aber ein paar Karten gewinnen kann und keine Antwort erhalten. Macht ja nichts, war ohnehin ein Donnerstag, wo ich einen Fix-Klienten habe. Jetzt macht aber Ingrid Führer die Pressearbeit für den Hauptverband und schickt mir immer ihre Mitteilungen. Da habe ich sie gefragt, ob ich eine Einladung bekommen kann, sie wirds versuchen, ich soll aber nicht bös sein, wenn nicht, hat sie mir geantwortet und ich habe mir gedacht, das wird dann sicher nichts, es ist aber eine Einladung aus dem BUMUK gekommen und da habe ich dann noch gemerkt, daß in der Alten Schmiede die Olga Martynova gewesen wäre, offensichtlich kann man es mir nie recht machen und am Nachmittag gabs auch noch einen Vortrag im Rahmen des “Wiener Dialoges Frauengesundheit” zum Thema “Frauen Körper, Gesundheit und Macht”, da habe ich mich dann bemüht, dem Dreizehnjährigen, dem plötzlich schwindlig wird, weil er sich in der Schule und auch beim Übersetzen für seine Eltern, offenbar sehr anstrengt, besonders schnell zu erklären, wie er eine Panikattacke verhindern kann und bin dann losgezogen und die Journalistin Sybille Hamann hat zwar nichts wirklich Neues darüber erzählt, wie dem weiblichen Körper durch Burkas, Tschadors, Beschneidungen, Pograpschen, etc Gewalt angetan wird, sie hat es aber besonders eindrucksvoll getan, so gab es eine lange Diskussion und als Beate Wimmer-Buchinger um zwanzig vor sieben endlich das Buffet eröffnen wollte, hat sich noch eine Frau gemeldet, die noch unbedingt etwas sagen wollte, so daß ich darauf verzichten mußte und in den Audienzsaal des BUMUKs am Minoritenplatz, wo die Veranstaltung diesmal stattfand, aufgebrochen bin.
Dort war es schon sehr voll und Thomas Maurer hat alsbald mit seiner Moderation begonnen, das heißt die Frau Minister hat vorher eröffnet und gesagt, daß diese Veranstaltung ihre allerliebste sei. Fünfzehn Bücher wurden aus den über vierhundert Einreichungen von einer Jury, der unter anderen auch Zitha Bereuther angehörte, ausgewählt, von denen dann drei einen Staatspreis bekamen.
Thomas Maurer erklärte die Kategorien, Sachbuch und Wissenschaft, Foto und Kunst, allgemeine Literatur und Sonderpreise für nicht im Buchhandel erhältliches, wozu dann meine Bücher zählen würden, wenn sie es soweit schafften. Die Kinderbücher wurden heuer überhaupt nicht nominiert. Thomas Maurer zeigte aber trotzdem zwei hoch, dann wurden die Bücher einzeln vorgestellt und ein Haufen Leute vom Gestalter zum Verleger auf die Bühne gebeten, die ihre Bücher erklärten und fotografiert wurden. Da gab es Ausstellungskataloge, ein Tierbuch für Kinder, das man wie einen Leporello ausziehen kann, ein Fotobuch, eine Dimplomarbeit, ein Buch mit Texten von Ruth Weiss, eines über Wildtee und und und.
Nach einer musikalischen Einlage erschien dann die Frau Minister, erzählte, was ihre nächsten literarischen Veranstaltungen wären und öffnete die Kuverts mit den drei Preisträgern.
“Das Bild der Anderen” Fotografien von Vera Brandner, “Hands have no tears to flow” und “Unbuildable Tatlin”, waren das. Dann gabs ein Buffet, Brötchen und was Süßen, so daß ich im Ringturm nicht wirklich was versäumt habe. Man konnte sich auch die Bücher ansehen und ein bißchen Smalltalks treiben, die Brigitte, die Nachbarin der Linders war da und ich konnte bewundernd zusehenn, wie sie in Kontakt mit den meist sehr jungen Preisträgern kam. Mir gelingt das lange nicht so gut, aber ich bin eben introvertiert und Thomas Maurer hat am Beginn der Veranstaltung Gerald Schantin, den Präsidenten auch gefragt, ob die prämierten Bücher morgen in den Auslagen der Buchhandlungen aufliegen würden?
Der drückte sich herum, sie oder andere und ich habe beim Hingehen zum Ringturm schon bei Kuppitsch angefragt, ob es schon das Buch zum Welttag gäbe? Gab es noch nicht und es lag auch nicht, wie ich fast gehofft habe, bei der Veranstaltung auf, also werde ich es vielleicht morgen bekommen, wenn ich in die Hauptbücherei gehe, kann aber, weil es so schön zum Thema passt und meine fast dreißig Indie-Bücher ja auch sehr schön sind, jetzt schon auf die Aktion “Blogger schenken Lesefreude hinweisen”.
Da gab es ja in Deutschland voriges Jahr eine große Aktion, wo man sich eine Kiste mit dreiunddreißig Bücher bestellen und sie dann verteilen konnte.
Das gibt es nicht mehr. Während in Österreich Alfred Komarek die Anthologie “Erlesenes Waldviertel”, mit Gerald Schantin zusammengestellt hat, dafür gibts eine Aktion, wo Blogger ein Buch verschenken und obwohl ich mich da nicht registriert habe, schließe ich mich gerne an und vergebe an den ersten bzw. verlose ich, wenn sich morgen mehrere Interessenten melden sollte, eines meiner Bücher, so weit vorhanden nach Wahl. Das heißt in Österreich schicke ich es zu, nach Deutschland oder anderswo versuche ich es als PDF bzw. E-Buchform zu versenden. Traut euch also Leute, wenn ihr wissen wollt, was in meinen selbstgemachten Büchern steht Sie beißen nicht, das kann ich euch versichern!
Ich bin gespannt, ob sich jemand meldet, wünsche einen schönen Tag des Buches und habe mich ein bißchen über das Literaturcafe und die dortige Diskussion bezüglich Peter Stamms “Agnes” geärgert, aber ich bin eben ein bißchen harmoniesüchtig, die alle verteidigen will, hätte das Buch im vorigen Jahr gern geschenkt bekommen und habe es inzwischen auf meiner Leseliste stehen.

Die verfehlte Wirklichkeit

Die 1942 im Burgenland geborene Dine Petrik, hat eine starke Beziehung zur 1951 aus dem Leben geschiedenen Hertha Kräftner, hat sie doch nicht nur 1997 einen bei Otto Müller erschienenen Roman “Die Hügel nach der Flut”, sondern 2011 bei Art and Science noch ein zweites Buch über die junge Dichterin herausgebracht, in dem es, wie die Literaturwissenschaftlerin Daniela Strigl in ihrem Vorwort schreibt “um eine Spurensuche und ein Sittenbild geht.
“Nicht in Form eines Romans diesmal, sondern in Gestalt einer handfesten biobraphischen Recerche, die mit literarischen Mittel ausgereitet und zusammengefaßt wird.”
Dine Petrik tut das sehr subjektiv, mit großen Engagement und hat seit den Neunzigerjahren offenbar auch sehr viel an Material gesammelt, die Tagebücher und die etwa hundert Gedichte durchforstet, mit der Familie, den Zeitzeugen, etc, gesprochen, um ” dieverfehlte Wirklichkeit”, der 1928 in Wien geborenen und in Mattersburg aufgewachsenen Hertha Kräftner, in dreizehn nicht chronologisch angeordneten Kapiteln, zu schildern.
“Einen Weg aus der traumatisierenden Kriegs- und Nachkriegswelt”, wie es Dine Petrik im ersten Kapitel, das die Jahre 1947/48, beschreibt, nennt.
Da ist Hertha Kräftner nach Wien gegangen, um Anglistik und Germanistik zu studieren, wohnt bei der Großmutter und der Tante im zehnten Bezirk, der Russenzone, des besetzten Wiens, beginnt zu schreiben, versteckt ihre Gefühle hinter einer Maske, die “ich schaffe es”, lächelt, obwohl sie sich sehr krank fühlt und meint, daß man das auch wird, wenn man sich mit Psychotpathologien beschäftigt. Sie hat dann auch den einen großen Literaturförderer Hermann Hakel kennengelernt, der wahrscheinlich auch ein Traumatisierter war, der ein Gedicht von ihr im “Lynkeus”, druckte, später selbst Gedichte über sie schrieb, sie als Nymphomanin bezeichnete und auch Gerüchte von einer Abtreibung austreute, die er von ihrem Hausarzt hatte.
Hertha Kräftner hatte mehrere Freunde und wechselnde Bezeihungen, den Verlobten Otto Hirss, den Fotografen Harry Redl, Wolfgang Kudrnofsky, ging zu Viktor Frankls Vorlesungen und wurde von ihm an seinen Freund Hans Weigel vermittelt, der die junge Dichterin ebenfalls entsprechend förderte, zwar von “einer Selbstmörderin auf Urlaub” schrieb, ihre Gedichte aber bei mehreren Festwochenveranstaltungen, Rundfunksendungen, in Literaturreihen und in den “Neuen Wegen” herausbrachte.
“Für ihr Pariser Tagebuch” hat die den Preis der “Neuen Wege” gewonnen, Andreas Okopenko hat sich, glaube ich, auch sehr mit ihren Werken beschäftigt.
Jahr für Jahr bis zu 1951, tastet sich Dine Petrik voran, zitiert aus den Tagebüchern und Briefwechseln, gibt auch Deutungen zu Hertha Kräftners Depression, der “bipolaren Störung”, die von Viktor Frankl als “konstitionell”, bezeichnet wurde und überlegt, ob es eine Neurose war?
Dann geht sie nach Mattersburg und ins Jahr 1945 zurück, beschreibt die Verrgewaltigung der Frauen durch die Russen und erzählt vom Tod Viktor Kräftners, Herthas Vater, der im Mai von einem Russischen Offizier verletzt wurde und im September an den Folgen verstarb. Die Hebamme Emilie Adam, kam dabei auch ums Leben, die Hertha Kräftner möglicherweise nach einer Vergewaltigung beistehen wollte.
Dine Petrik gibt das als Ursache für die Traumatisierungen an, erzählt dann von den Schulfreundinnen und dem kleinen Bruder Günther, beschreibt, daß sowohl der Vater als auch Hertha, die viel in Wien und im Burgtheater gewesen ist, nie in Mattersburg integriert waren.
Sie ist dann auch mit dem Maturazeugnis nach Wien gegangen und eine Dissertation über die “Stilprinzipen des Surrealismus” zu schreiben angefangen, die sie nicht abgeschlossen hat. “Notizen zu einem Roman in Ich-Form”, begonnen, sich mit Engeln beschäftigt und in ihren Gedichten und dem Essay “Wenn ich mich getötet haben werde”, immer mehr ihrer “Todessehnsucht”, Ausdruck gegeben.
Im elften Kapitel geht es zu Wolfgang Kudrnofsky, den Hertha Kräftner offenbar im psychologischen Institut kennengelernt haben dürfte, und der 1979 und 1991 seine Erinnerungen “Mein Leben mit Hertha Kräftner” in verschiedenen Literaturzeitungen veröffentlichte. Dann geht es wieder in den November 1951 zurück, wo Hertha Kräftner, eine Karte mit den Worten “Ich werde es nicht mehr tun!” an Hans Weigel schickte und sich dann mit Veronal ins Bett legte, woran sie am 13. November starb.
Im dreizehnten Kapitel gibt es Auszüge aus den Abschiedsbriefen an Otto Hirss, die Tante, Harry Redl, etc, die Gedenkrede im November hat Hans Weigel 1954 gehalten, wo er das Gedicht erwähnt, von dem ich, als ich es in den Siebzigerjahren in Bozen in der Zeitschrift “Brigitte las”, sehr beeindruckt war.
“Sie selbst hat in einem ihrer schönsten Gedichte das Gleichnis von der großen Reise gefunden – sterben – im Schlafwagen fahren – die Karte ist der teuer gewesen – sie hat das Leben gekostet – doch um diesen Preis gewinnt man die Ewigkeit.”
Ein sehr umfangreiches Wissen, das Dine Petrik in dem Buch, das mir Alfred vorigen Jänner kaufte, als wir bei der Präsentation in der Buchhandlung Tiempo waren, zusammengetragen hat. Im Anhang gibt es auch noch einen “Standard-Artikel” und sie liest auch öfter ihre Gedichte vor.
Ich habe den Namen Hertha Kräftner, wie erwähnt, 1978, wahrscheinlich, als ich, nach dem Tod meiner Schwester, mit meinen Eltern in Südtirol war, in einem Artikel der Zeitschrift “Brigitte” gelesen und mir später auch ihr “Werk” in der Editon Roetzer gekauft und mich jetzt auch in die “Verfehlte Wirklichkeit”, eingelesen.
Es war wahrscheinlich nicht leicht, als sensibler Mensch in den Fünfzigerjahren mit all den Traumatisierungen und Kriegserfahrungen zu leben, aber das ist es, wie man an den Themen, der heute unter “Dreißigjährigen”, die von ihren Eßstörungen, Vergewaltigungen und Borderlineerfahrungen schreiben, ebenfalls nicht und in Wikipedia habe ich gelesen, daß Hertha Kräftner sich in ihrer frühen Lyrik an Hoffmannsthal, Weinheber, Trakl, Wildgans und Rilke orientierte und “kein Wort über zerbombte Häuser, Lebensmittelkarten und Schwarzmarktgeschäfte” schrieb, aber auch das ist, denke ich, zu verstehen.

Grundlsee

Jetzt habe ich Gustav Ernsts neuen Kurzroman oder ist es nicht eher eine Novelle doch bekommen, was mich sehr freut, würde ich mich ja fast als Fan, des 1944 in Wien geborenen, realistisch schreibenden Autors, bezeichnen und das ist ja etwas, was mich sehr interessiert.
Wo ich Gustav Ernst genau kennengelernt habe, kann ich mich nicht mehr erinnern, wahrscheinlich durch seine Funktion als Redakteur der Zeitschrift “Wespennest” und als mich dann die Monika 1980 für das “Literatureck” der Alten Schmiede anmeldet, waren er und Marie Therese Kerschbaumer, die beiden Autoren, die über meinen Text, die Geschichte einer Ursula, die aus Klagenfurt nach Wien geflüchtet ist, gesprochen haben.
Jetzt sehe ich ihn immer wieder, bei Veranstaltungen der Hochschule für Sprachkunst, bzw. im Literaturhaus, zuletzt in der Kolik.Lounge und ich habe auch einige seiner Bücher gelesen.
“Einsame Klasse”, schon in den Achtzigerjahren, 2010 “Helden der Kunst, Helden der Liebe”, dann seinen zuletzt bei Haymon erschienen Roman “Beste Beziehungen” und dann noch den Fund aus dem offenen Bücherschrank “Frühling in der Via Condotti”, was sehr gut ist, denn Gustav Ernst, der auch noch einige Theaterstücke geschrieben hat, bringt einen eigenen Ton in die österreichische Literaturgeschichte und während es bei “Beste Beziehungen”, um einen Amoklauf geht, wird hier das ganze Leben in einer höchst ungewöhnlichen Form abgewickelt. Was gleich bleibt, sind die Dialoge, das “sagte er, sagte sie”, denn da steht einer irgendwo im Himmel oder hinter einer Hauswand versteckt, so genau habe ich das nicht mitbekommen und müßte es den Autor fragen, wenn er es mir verrät und resumiert über sein Leben und das beginnt im Sommerhaus am Grundsee, als John sieben, die Tochter Bella vier oder fünf war und Lili noch in die Windel machte. Dort verbringt die Familie den Sommer, spielt mit den Kindern, macht mit ihren einen Ausflug am See, der kleine John, der von allen wissen will, ob sie jetzt tot sind und den Eltern erklärt, daß sie sicher traurig wären, wenn ihre Kinder verhungert etc wären, will ständig Schweinsbraten essen und nach dem Ausflug erkundigen die Kinder sich, wie das denn wäre, wenn sie einmal, viel später im selben Grab liegen werden, wer wird dann bei der Mama und beim Papa sein und wieviel Platz werden die Kinder haben?
In der zweiten Szene sind die Kinder schon in Ferienaufenthalten und die Eltern allein am Grundlsee und sie werden vielleicht nie mehr zu fünft um den See gehen, denn die Kinder zieht es in Zeiten der Globalisierung weit hinaus, John nach Den Haag, Lilli nach Brüssel, Bella sogar in die U.S. A und die Mutter trifft sich mit den Kindern in Amsterdam und während der Ich-Erzähler von seiner Frau erzählt, sagt die “Seit Papas Tod steige ich in kein Flugzeug mehr!” und man erfährt, das Flugzeug ist irgendwo im Dschungl explodiert und die “Stücke vom Papa im Wald verstreut.”
Dann geht es weiter im Leben, Bella trifft sich mit John vor der Piazza della Borsa und ske sprechen vom Tod der Mutter, die sie, nachdem sie sich ein Bein gebrochen hat, nicht alleine lassen hätten sollen. Dann treffen sich Lilli und Bella in der Grafton Street und haben Johns Tod zu bewältigen, der obwohl, ein guter Schwimmer offenbar im Grundlsee ertrunken ist.
In der nächsten Szene schreibt Bella einen Brief an Johannes, den wir schon am Anfang, als die Kinder im Wirthaus Spaghetti aßen, kennenlernten und der Lilli von der Schaukel stieß, weil ihm seine überspannte Mutter den Spielplatz und das Eis verboten hat, sie berichtet vom Tod der Schwester, die für die Uno tätig, in Paraguay bei einem Spaziergang von falschen Polizisten ausgeraubt und erstickt wurde und dann spricht der Erzähler, der sich vor jeden Kapitel mit einer kurzen Passage meldet, von seiner Enkelin Miranda, Johns Tochter, die in München lebt, niemals in Wien war und von der ganzen Familie auch nicht viele kannte, jetzt reist sie mit einem Volker an den Grundlsee und sucht das Haus, das ihr der Vater beschrieben hat, das sie nicht findet, denn es ist längst verkauft und nur der Erzähler ist da irgendwo und versucht sich zu erinnern, an Bella, die an Brustkrebs starb und an das Fläschchen, das in dem Haus gefunden wurde, ob es das wohl war, das er in der ersten Szene in Lillis Mund steckte? Es kann aber auch ein anderes sein, denn es fällt ihm schwer sich an alles, was in “Auflösung begriffen ist, zu erinnern. Gibt es ihn ja auch selber gar nicht mehr.
“Wir werden sehen”, lautet trotzdem der letzte Satz und sind durch einen seltsam dichten Todesreigen hindurchgegangen. “Eine Familiengeschichte über drei Generationen hinweg”, wie im Klappentext steht und eine, wie ich sie noch nie gelesen habe, die mich aber, die ich mich ja auch sehr gerne mit dem Alter und dem Tod beschäftige, sehr berührte.
Und für die, die es interessiert, das Buch wird am 30. 4. um 19 Uhr, im Literaturhaus Wien, in der Zieglergasse vorgestellt.

Holzfällen und Niedermetzeln

“Bislang unentdeckte, ja geradezu nicht für möglich gehaltene Zombietexte von Thomas Bernhard, Peter Handke, Franz Kafka, Johann Nestroy, Arthur Schnitzer & Joseph Roth”, steht am Buchrücken.
Stimmt nicht ganz, denn die Texte wurden durch Curt Cuisine und andere von der Hydra-Gruppe tippunterstützt, mit Anknabberhilfe souffliert, Untergangsunterstützt, bzw. ungehobelt Reimgeholfen” etc und so spaziert Thomas Bernhard dreiundzwanzig Jahre nach seinem Ende, als Zombie mit der Metallaxt von der Grinzinger Gruft auf den Graben und in die Kärntnerstraße, versucht der “stumpfsinnig machenden Isolation” zu entkommen und gerät prompt in die Arme des Ehepaars Auersberger, die er dreiundzwanzig Jahre nicht gesehen haben und ihm vom Selbstmord der Jolanda erzählen und zu einem kannibalischen Abendessen in die Gentzgasse einzuladen, das sie einen berühmten Burschauspieler nach der Dracula-Aufführung geben wollen.
Sitzt der ewige Grantler als Zombie verkleidet im Ohrensessel und denkt über die Achtzigerjahre nach, bzw. an das was passierte, seit er in der Gruft verschwand.
Da gab es nämlich ein “abscheuliches Brüderpaar, das in Klagenfurt anzutreffen ist, einen selbsternannten Freizeitjäger und nebenberuflichen Ministerialsgatten, einen waffenschieberischen Blutsauger der verlogensten Art und selbstverständlich auch noch einen geschniegelten und gestriegelten Vorzeigeschwiegersohnzombie und grinsenden Exfinanzministerleichnahm.”
Einen “sogenannten Landesvater der sich in seinem protzigen Dienstwagen überschlagen hat”, gab es natürlich auch und einen “grinsenden Zahntechnikerzombie von dem der Protagonist nicht einmal eine Leberkäsesemmel kaufen will”.
Er sitzt also mit seiner Axt auf dem Ohrensessel, denkt und schimpft und Curt Cuisine hat in seinem Nachwort geschrieben, daß ihm die Berhardsche Schmutzwäsche nicht interessierte und er den Text gekürzt und andere Personen einführte, sich aber nicht damit begnügte, das Wort Mensch nur durch Zombie zu ersetzen.
So kommen also nicht nur die Auersberger und die Elfriede Billroth vor, sondern auch ein paar junge Dichter, die die Namen “Glavunoc und Kohlmann oder Kohlmeier oder Kohldampf” tragen und unser Protagonist hätte statt der Einladung zu folgen in der Gruft besser” Handke, Horvarth oder Roth oder Artmann” gelesen.
Am Ende erscheint der Burgschauspieler, Herr Auersberger verwechselt die Mary Shelly mit Bram Stoker, das kannibalische Abendessen wurde natürlich nach Jamie Oliver zubereitet, der Schauspieler hält seine Haßtiraden, verwandelt sich in einen Wehrwolf, beißt die Billroth und den Auersberg tot und Papa Bernhard kehrt in seine Gruft zurück.
Dann geht es mit Jürgen Miedl weiter zu “Leutnant Grusel”, der sitzt im Konzert und wartet bis es zu Ende ist, weil er “keine fünf Minuten mehr stillsitzen”, kann. Dann beginnt aber gleich einiges zu passieren, die Soubrette, eine Ungarin, ein schöner Zombie schlägt dem ersten Geiger die Schädeldecke ein und ein Zuschauer beißt den Dirigenten in den Hinterkopf, bevor es in die Pause geht. Der Leutnant seine Vorgesetzten trifft, den süßen Mädeln beim Handküßen, den ganzen Arm abreißt und so weiter und so fort mit dem “Metzelwetzel”, wo man nur “Putzfrau möcht ich keine sein von derer Oper!”, stöhnt und schließlich in “Hirne, Hirne, Ach, Hirne, mein ich!”, enden kann.
Wesentlich moderner wirds bei der “Verwesung” von Franz Kafka mit soufflierender Anknabberhilfe durch Konrad J. Gregor, denn da wird Gregor Samsa eines Morgens in einen Zoombie verwandelt und der scheint einer der Schüler zu sein, die die Nächte vor den Computerspielen verbringen und sich den Wecker statt um acht, um zehn stellen, weil sie zwar nicht in die Schule gehen, aber irgendwann weiterspielen wollen. An diesem Morgen schafft er es nicht den Fernseher aufzudrehen, so daß die Mutter, die eine erstaunliche altmodische, wahrscheinlich die Originalsprache hat, als sie ihm mitteilt, daß sie zu einem Geschäftsessen aufbricht, doch die Türe zu seinem Zimmer öffnet, weil sie sich Sorgen um ihn macht, was ihr nicht gut bekommt, weil sie vom Zombiesohn gleich überfallen wird, das Gleiche passiert der Schwester, die etwas später kommt und ihre Facebook-Statusmeldungen niederschreibt, nur der Vater bleibt eine Respektperson, der kommt mit einem Stapel Zeitungen unterm Arm nach Haus und wartet auf das Abendessen, als er bemerkt, daß es nichts damit werden wird, bestellt er im Gasthaus zuerst zwei, dann mit Blick auf den bluttriefenden Sohn, nur eine Portion Zwiebelrostbraten, Frittatensuppe und Sachertorte mit einer Flasche Wein, dreht dem Sohn lautlos den Fernseher auf und liest seine Zeitungen weiter.
Dann kommt eine Anmerkung des Herausgebers “Der folgende Text fand sich im Nachlaß des 1939 verstorbenen Schriftstellers Joseph Roth. Möglicherweise handelt es sich bei diesem Romanfragment um ein früher, nicht veröffentlichtes Konzept zum berühmten “Radetzkymarsch”. allegemein anerkannt unter Literaturwissenschlichen ist aber inzwischen die These, daß dieser Text der einzige ist, den Joseph Roth je nüchtern verfasst hat.”
Dann geht es zu Leutnant Trotta der von Wien und der Frau von Taußig in seine Garnisonstadt zu seinem kaiserlichen Vampirjägerregiment fährt, im Wirtshaus seine Vorgesetzten trifft, die ihn erzählen, daß die Zombies in der Stadt ist, die Regiment muß gegen sie ausrücken, der treue Bursche Onufrij bringt den verletzten Trotta schließlich in ein Krankenhaus um von ihm dann angefressen zu werden.
Konrad J. Gregor hat wieder bei Peter Handke und der “Angst des Zombies vor der Schrotthilfe”, mitgeholfen und erzählt die Geschichte des Zombies Josef Blochs, der nachdem er dazu geworden ist, beißend durch die Stadt läuft, in den Kinos, Hotels und Fußballplätzen die Leichen hinterläßt und sich schließlich nach den Beschreibungen durch die Literatur sehnt.
Und bei dem “Zombielied von Johann Nepomuk Nestroy”: “Da fallen sich die Leute an und beißen sich ganz tot”, scheint überhaupt eine Verwechslung passiert sein, es gibt aber noch zwei andere Gedichte, die wie in der Anmerkung steht, nicht von Nestroy, sondern von zwei anderen Dichtern noch dazu unösterreichischer Herkunft sind.
“Welch ein faux pas. Andererseits… haben nicht auch Deutsche Anrecht auf ein klein wenig Zombietum? Egal. blutegal sogar. Wer die Originale kennt, besucht uns auf hydrzine.at.
Erkannt habe ich nur das Hobellied, das von Ferdinand Raimund ist und mich, die ich ja nicht gerade ein Fan der Satire bin und das Gelächter bei Lesungen und Kabaretts oft nur sehr schwer aushalte, trotzdem bei der Zombieweltliteratur aus Österreich amüsiert.
Das was man in den literarischen Reiseführern als das typisch österreichische, bei Franz Kafka bin ich mir da nicht ganz sicher, nachlesen kann, wird daq fröhlich vom Zombietum durchsetzt. Ein bißchen blutrünstig zwar für die nicht sehr gewaltsame Eva, ja, aber die “Kinder der Toten” haben mir auch sehr gut gefallen und interessant, daß die Jelinek in dieser Sammlung nicht enthalten ist.
Österreichs Literatur ein bißchen weniger sentimental und so satirisch, daß ich es ausgehalten habe, könnte man sagen und spannend ist es sicher auch, das Ganze mit den Originalen, wenn man es gelesen hat, zu vergleichen.
“Holzfällen”, habe ich gleich nach Erscheinen, an dem Wochenende, als wir nach München in ein Hotel, in dem es zufälligerweise auch einen Ohrensessel gab, gefahren sind und noch nicht sehr viel verstanden. Von der Rolle der Jeannie Ebner, die ich ein paar Jahre vor ihren Tod öfter in der Gesellschaft für Literatur, aber auch in dem kleinen Park, weil sie ja in der Nähe wohnte, öfter traf und dem klagenden Komponistenpaar noch nicht sehr viel gewußt. Jetzt weiß ich ein wenig mehr und habe mich von Thomas Bernhard Negativismen eigentlich abgewendet.
“Holzfällen”, satirisch liest sich aber eigentlich sehr flüßig. Bei der “Verwesung” habe ich an Milena Michiko Flasars Hikikomoris denken müßen.
Den “Radetzkymarsch” habe ich im Sommer gelesen, Peter Handke auch einmal im Schnellkurs, betrachte das als Fortsetzung und kann das Buch jeden, der sich über die vielgelobte österreichische Literatur von Josepf Roth bis Thomas Bernhard einmal etwas lustig machen will, empfehlen, die jungen Leute von Hydra haben dabei wahrscheinlich ihren Spaß gemacht und man frischt sein vorhandenes Literaturwissen dabei sicher auf oder sollte ich aufbluten schreiben?

Menschen im Hotel

“Menschen im Hotel” von Vicki Baum, einer der großen Berlin-Romane, die in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts geschrieben wurden, wie Kurt Bracharz in seinen Leseempfehlungen anführt und ein Buch aus dem offenen Bücherschrank, weil es, wie ich eigentlich angenommen hatte, nicht im Bücherkasten meiner Eltern war. Dort hat es zwar “Marion” und “Hotel Shanghai” gleich zweimal gegeben, die “Menschen im Hotel”, mit Heinz Rühmann erfolgreich verfilmt, zumindest lacht er vom Cover meines Ullstein-Büchleins aus dem Jahre 1985 und Vicki Baum hat, glaube ich, auch noch einen dritten Hotel-Roman geschrieben, der sich mit der NS-Zeit beschäftigt, den muß ich noch finden, einige andere Romane der Meisterschreiberin warten noch auf mich. Das der Roman der neuen Sachlichkeit zuzuordnen ist, weiß ich spätestens seit der neuen Kanon-Veranstaltung im November und es beginnt auch erstaunlich realistisch im Grand-Hotel.
Da telephoniert der Portier Senf nämlich mit dem Krankenhaus, seine Frau liegt in den Wehen oder wurde gerade dorthin gebracht, er hat aber Dienst und die Nachtschwester wird ihn später auch nicht hineinlassen, jetzt muß er dem Dr. Otternschlag, das ist ein Arzt und Kriegsveteran mit zerstörten Gesicht und einem Koffer Morphium im Kasten mit dem er sich jeden Abend heimdrehen will und es doch nicht schafft, Auskunft geben, ob Post für ihn gekommen sei oder jemand nach ihm fragte?
Das macht der Dauergast schon seit Jahren mehrmals täglich und nie kommt etwas für ihn. Jetzt kommt aber ein neuer Gast ins Grand-Hotel, nämlich der Buchhalter Kringelein, im Film vermutlich Heinz Rühmmann, aus Fredersdorf mit einem verbeulten Hut und einer Stulle und will ein Zimmer haben. Der Portier hat natürlich nichts für ihn frei, schließlich bekommt er aber doch was er will, denn er hat eine Todesdiagnose und will bis es soweit ist, noch was vom Leben haben und sein Geld, das er von irgendwo herbekommen hat, ausgeben.
Es kommt auch sein Chef, der Generaldirektor, der mit einer Chemnitzer Strickwarenfabrik füsionieren soll und die Grusinskaja, eine berühmteTänzerin, bricht ins Theater auf, obwohl die Vorstellung nicht mehr ausverkauft ist. Sie ist alt und müde und läßt ihre Perlen, die ihr bisher Glück brachten, im Hotel zurück, die dort ein Opfer des veramten Baron Gaigern, der sich als Fassadenkletterer betätigt, werden sollen.
Jetzt kommt glaube ich, die neue Sachlichkeit zum Tragen, Gaigern klettert nämlich die Fassade hinauf und kann das auch ungestört, wird das Hotel ja von großen Scheinwerfern beleuchtet, so daß man ihn von unten nicht sehen kann. Sein Pech ist nur, die Scheinwerfer fallen aus, als er mit den Perlen in der Tasche wieder hinunter will und so erwischt ihn die Tänzerin, die von der Vorstellung einfach abhaute und sich Veronal in die Teetasse rührt und das Unerhörte passiert, die beiden verlieben sich ineinander.
Gaigern steckt die Perlen wieder zurück und soll auf die Grusinskaja in Wien warten, also braucht er ein neues Opfer, das ist Kringelein, den führt er in Berlin herum, läßt ihn mit dem Flugzeug fliegen und im Spielcasino gewinnen.
Der Direktor hat sich inzwischen in das Flämmchen verschaut, das das das Berliner Pedant zu Schnitzerls süßen Mädel, nur eine, die wahrscheinlich einen Bubikopf hat, Nacktaufnahmen macht und sich ihre Chancen beim Film ausrechnet. Sie soll zuerst für den Direktor tippen, ihn dann nach London begleiten und als Gaigern, der auch Kringeleins Brieftasche wieder zurückgeben mußte, schließlich in sein Zimmer dringt, erschießt er ihn.
Das Flämmchen flüchtet zu Kringelein und dampft mit ihm ab, die Grusinskaja wartet in Wien vergeblich auf den Liebhaber, der Direktor wird verhaftet, weil keiner etwas Schlechten vom Baron glaubt und seine Frau, die empört nach Berlin kommt, wird sich wahrscheinlich scheiden lassen, während der Portier nach fünf schweren Tagen ein fünf Pfund schweres Töchterlein glücklich in die Arme schließen kann.
So war es in Berlin in den Neunzigzwanzigerjahren. Die Courths-Mahler hat auch sehr viel darüber geschrieben und die Flämmchens dabei moralischer oder verächtlicher geschildert. Der Ton ist erstaunlich lapidar und daher sehr spannend, wie der Reiz des Telephonierens, wo es noch Telephonisten und Fräuleins vom Amt gegeben hat, stattgefunden hat, zum Beispiel.
Die ganze Melancholie und Todessehnsucht, die Sinnlosigkeit von World War I ist sehr stark zu spüren. World War II ist dann etwas später gekommen, als Vicki Baum schon in Amerika war und danach die DDR und jetzt das neue hippe Leben in Berlin, das wahrscheinlich wieder ganz anders ist, von dem Ilma Rakusa kürzlich ja in der Hauptbücherei las.
Trotzdem kann einem das Schauern über der Ähnlichkeit zu jetzt, wo wir ja vielleicht in einer ähnlichen Krise und genauso berauscht auf einem Vulkan tanzen, wenn auch alles viel moderner ist, packen und ich kann das Buch, wo ich vor kurzem ein Frühwerk der Autorin gelesen habe, wirklich sehr empfehlen und freue mich auch auf die anderen Baum-Romane.