Manchmal fühle ich mich ja auf meinen Blog sehr alleine und verborgen und habe das Gefühl, daß ich da ganz unbemerkt im Worldwide Web unterwegs bin, weil oft tagelang keine Reaktionen kommen. Einmal kam eine scharfe Rüge einer GAV-Kollegin, daß ich nicht über sie schreiben soll, einmal habe ich mich mit dem Wort “schwierig” ein wenig vergriffen, obwohl ich ohnehin sehr aufpasse neutral und wertfrei zu schreiben, um niemanden zu verärgern.
In letzter Zeit kommen manchmal ein paar liebe “Gefällt mir”-Grüße von Buzzaldrin, Lesewelle und Diana und als ich den “Residenz”-Verlag gesucht habe, hat sich am nächsten tag Herwig Bitsche bei mir gemeldet und mich zu einem weiteren Besuch eingeladen und der “Becher”-Neuherausgeber hat geheimnisvolle Briefe bei mir vermutet, obwohl, die, über die ich geschrieben habe, schon längst veröffentlicht waren.
Robert Eglhofer hat mich im Jänner 2010 für das Etcetera interviewt, E.A. Richter hat mich gefunden und zu seinen Veranstaltungen eingeladen, der Holzbaum-Verlag bietet mir seine Bücher an und Ingrid Führer, inzwischen Pressesprecherin des Hauptverbands des Buchhandels hat mich gestern zu einer Buchparty eingeladen, alles aufregende Lebenszeichen zwischen oft tagelangen Schweigen und derzeit mehr oder minder intensives Trödeln am “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, das ich, glaube ich, am liebsten einer Sekretärin oder einem Lektorat überantworten würde, damit ich weiter schreiben kann und vor circa einem Monat hat sich auch noch Wally Rettenbacher von der “Redaktion Summerau, 96”, bei mir gemeldet, die auf “Literaturgeflüster” gestoßen ist und mit mir ein Interview bei Radio Fro, dem Linzer freien Radio machen wollte. Da hätten wir einen Tag vor dem “Literatur und Wein Festival” nach Linz zur Aufnahme fahren sollen, was sich, wenn wir dann nach Harland gefahren wären, auch ausgegangen wäre. Wally Rettenbacher hatte aber noch einen anderen Vorschlag, hat sie ja gestern zum “Tag der Freiheit des Wortes” gelesen und ist daher heute um elf zu mir in meine Praxis/Wohnung gekommen.
Das Literaturgeflüster ist ja schon öffentlich vorgestellt worden, am 28. 5. 2010 habe ich es im Amerlinghaus bei der von Ilse Kilic organisierten Veranstaltung zum “Alltäglichen Leben” vorgestellt und jetzt will Wally Rettenbacher am 12. Juni eine Sendung über mich und das “Literaturgeflüster” machen und so habe ich heute fünf Texte daraus vorgelesen.
Drei Texte zu je zehn Minuten wünschte Wally Rettenbacher sich.
“Das ist leicht!”, habe ich zuerst gedacht, habe ich ja sehr lange Texte, dann war ich länger uneinig, welche ich dafür nehmen soll und mich dann für sehr unterschiedliche Textsorten, wie den “Wunderschönen Tintentraum”, den “Langen Brief an den Herrn Kurz”, alles meine Lieblingstexte und dann noch den “Sommer am Wasser”, entschieden und das gestern abgestoppt.
Acht, sieben und fünf Minuten, habe ich dazu gebraucht. Da ist mir dann noch “Die Zahl dreizehn”, eingefallen, für das ich auch fünf Minuten brauchte.
Wally Rettenbacher, die seit der vorigen GV-GAV Mitglied ist, aus Salzburg kommt und von der ich gestern hörte, daß sie lange Reisen durch Indien machte, hatte auch einige Fragen zum Selbstpublishing und zu meinem Schreiben, so daß ich dann auch den Artikel “Ins Jubiläumsjahr” dazu nahm, der sehr genau von meinen Schreibjubiläums berichtet, die dieses Jahr auf mich zukommen werden.
Das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” ist ja noch ziemlich unfertig, obwohl ja alle diesbezügliche Texte schon fast seit einem Jahr feststehen, das “Nanowrimonovel” liegt aber schon mit Umschlag und dem Nanowrimologo, neben mir am Küchentisch, der Alfred muß nur noch die Korrekturen einarbeiten, obwohl ich ja nicht glaube, daß es schon bis zur Lesung am 8. Juni fertig ist.
Also die Artikel gelesen, Wally Rettenbachers Frage beantwortet und dann noch lange über ihre Projekte und den Literaturbetrieb geplaudert, auch über meine Bücher und mein Leseverhalten. Denn ich habe meine Bücherregale umgeräumt, so ziemlich alles Ungelesene zusammengestellt und auf meine Leseliste gesetzt, die jetzt schon bis 2022, eine gigantische und wahrscheinlich auch abschreckende Zahl, geht und noch einmal meinen Vorsatz bekräftigt, darauf zu schauen, daß jetzt wirklich nicht mehr viel Neues dazukommt.
Was ich natürlich nicht gehalten habe, sondern vorige Woche wieder drei Rezensionsexemplare anfragte.
Marlen Schachingers neues Buch über ein abgeschriebenes bzw. gestohlenes Manuskript, ein Thema das mich ja sehr interessiert, ist inzwischen auch gekommen.
Susanne Rössler von Zsolny Verlag, die ich um den neuen Rene Freund, auf den ich bei Buzaldrin aufmerksam wurde, fragte, hat mich freundlich darauf aufmerksam gemacht, daß ich doch schon so viele Bücher habe und dieses daher verschmerzen kann. Natürlich und vielen Dank, schade ist es aber trotzdem etwas, aber vielleicht kommt das Buch noch einmal zu mir, für ein neues pro Woche habe ich ja auf meiner Bücherliste Platz und sonst bin ich ja auch sehr gut und schnell im Lesen und wenn man viele Bücher liest, kann man auch gut verlinken und sich ein Bild von der Autorin, dem Autor machen, die beispielsweise bei den Grundbüchern oder auch anderswo vorgestellt werden.
Am 12. Juni um 19 Uhr wird jedenfalls die Sendung mit Musik und meinen Texten im Radio Fro erscheinen und wer das vielleicht nicht hören kann, es wird einen Link dazu geben und die Lesung am 8. Juni in der Klimt-Villa, wo ich den Beginn des Nanowrimo-Novels lesen werde, gibt es auch.
Jetzt werde ich noch ein paar Stunden machen und dann vielleicht am Heldenplatz zum “Fest der Freude”, anläßlich der Kapitulation der Nazis am 8. Mai 1945 gehen oder mich mit dem neuen Buch in die Badewanne legen und am morgendlichen Feiertag habe ich ganz ernsthaft vor fleißig zu korrigieren, so daß es das “Literaturgeflüster” auch bald in Buchform geben kann.
Und hier gehts zur Sendung
Uncategorized
Freiheit des Wortes 2013
Wieder einmal “Tag der Freiheit des Wortes”, die traditionelle GAV-Veranstaltung, die von Josef Haslinger, der inzwischen deutscher PEN-Präsident geworden ist, ich glaube, in den Achtzigerjahren im Gedenken an die Bücherverbrennung der Nazis am 10. Mai 1933, eingeführt worden ist, bei der ich zweimal in Kärnten, als sie dort Gösta Meier organisierte, gelesen habe und die dann irgendwann stillschweigend unterm Tisch gefallen ist, so daß ich sie 2001 und von 2003 bis 2009 zuerst noch im NIG im Hörsaal I und dann im Literaturhaus organisierte. Aber dann wurde das mit dem Literaturhaus schwieriger, Silvia Bartl hat mir in den Ausschreibungstext hineingeschrieben, so daß ich, als die GAV beschloß, dam man nur mehr eine Veranstaltung im Jahr organisieren darf, mich für die “Mittleren” entschied und die Veranstaltung wieder “Vorstandssache”, wurde, was bedeutete, daß sie Petra Ganglbauer in den Juni verlegte, mich das erste Mal eingeladen hat und dann nicht mehr.
Voriges Jahr war sie dann wieder im Mai und ich glaube auch wieder im Literaturhaus und heuer organisierten sie Ilse Kilic und Magdalena Knapp-Menzel im Universitäts Campus, haben vierzehn Autoren, darunter auch Wally Rettenbacher, die morgen ja zu mir kommt, eingeladen, dem Ganzen das Thema “Widerspruch und Widersprüche” gegeben und ich habe, nachdem ich gesehen habe, daß in der Wien-Bibliothek der vergessene Dichter Alfred Grünwald, der 1942 umgekommen ist, vorgestellt wurde, eigentlich dorthin gehen wollen.
Um Wally Rettenbacher kennenzulernen, habe ich umdisponiert, lange die Aula im Universitätscampus gesucht, die Veranstaltung ist jedesmal wo anders und mit Erstaunen festgestellt, daß die GAV-Prominenz, die großen bekannten Gesichter zum Größtenteil fehlte, ich habe die Veranstaltung immer ausgeschrieben und jeden lesen lassen, der das wollte, vorher mir waren Marie Therese Kerschbaumer, Helmut Eisendle, Friederike Mayröcker etc bei den Lesenden, diesmal waren es für mich relativ viele unbekannte Gesichter, wie zum Beispiel Wally Redtenbacher und im Publikum habe ich Anton Blitzstein erkannte, dem ich erzählte, daß es Berlin demnächst eine “Ohrenschmaus”-Lesung geben wird, zu der mich die österreichische Botschaft eingeladen hat, aber Berlin ist ja weit weg.
Magdalena Knapp-Menzel moderierte und bat die ersten vier Lesenden auf das Podium und so begann Bettina Balaka, die ein Stück aus ihrem Roman “Kassiopeia”, nämlich die Stelle wo der, der Kommerizalrat wird, bei seiner Ernennung von dem toten jüdischen Kind erzählt, das er auf der Straße gefunden hat. Dann kam Wolfgang Helmhart und las aus einer Art Tagebuch, wo er sich zuerst auf den Wikipedia Eintrag über die Bücherverbrennung bezog und dann allerlei Persönliches erzählte.
Gerhard Jaschke las einen Teil eines Textes, wo er einen Strafbescheid erhielt, weil er einen oder eine Beamten nach seinem oder ihren Geschlecht fragte und das Beamtenbeleidigung ausgelegt wurde. Oh diese Transen!
Und Erika Kronabitter zeigte einen Film, wo Gesichter einen Art Strumpf übergezogen hatten, den sie dann abstreiften, sprich ihre Fassung verloren. Dann kam Margret Kreidl, die ich schon letzte Woche bei dem Veza-Projekt hörte. Jetzt las sie aus “Einfache Erklärung – Alphabet der Träume”, wo es in etwa um eine Dollfuß-Quelle ging, weil ihre Großmutter Dollfuß liebte.
Melamar, die mit einer Literaturperformance angekündigt war, las einen am Nachmittag geschriebenen Prosatext, wo sie von ihrer Zeit in einem sehr elitären Benediktinergymnasium erzählte, wo die Schüler und der Direktor den Nazis noch sehr nahestanden.
Christa Nebenführ hatte dann etwas über die Bedeutung der Privatsphäre unter dem Titel “Brauchen Sie ein Taschentuch?” und Thomas Northoff, der bei den von mir organisierten Veranstaltungen auch oft aufgetreten, brachte etwas aus seiner Graffitisammlung zum Thema Widerspruch.
Doron Rabinovicis Text über die Kinder die gleich nach ihrer Geburt abgeschoben werden sollen, habe ich schon bei Gustav Ernsts Kolik-Louge gehört und Jörg Piringer, den ich einmal im Republikanischen Club zum Thema Urheberrecht gehört habe, setzte dem Thema Widerspruch überhaupt die Krone auf, scheint er doch zum Urheberrecht eine eher kritische Stimme zu besitzen und so montierte er Sätze dazu, las sie sehr schnell herunter und stellte sich auch noch einen Wecker, um seine Zeit nicht zu überschreiten und alle lachten, weil das mit dem Urheberrecht und seiner Aufhebung so lustig war, obwohl sich die Autoren ja meistens bezüglich seiner Aufhebung sehr besorgt zeigen und die Festplattenabgabe wollen.
Dann kam Wally Rettenbacher und hatte ihre “Gedanken zur Freiheit”. Rolf Schwendter hatte wieder seinen bewährten Text zum Thema und am Schluß kam ein mir bisher unbekannter Filmer und hatte vier Kurzfilme, die ebenfalls sehr lustig waren, aber auch einen Text Gerhard Rühms zur Aufführung brachten. Eigentlich eine sich sehr widersprechende Themenvielfalt und jetzt sehe ich gerade, ich habe auf Lisa Spalt vergessen, die vor Rolf Schwendter einen Text zur der Frage, wie eine Gemeinschaft entsteht, gelesen hat.
Drei literarische Zeitreisen
Am Nachmittag gabs wieder eine Muttertagsfeier zu der ich von der Bezirksvorstehung Mariahilf nun schon zum fünften Mal eingeladen wurde. Zweimal bin ich da im Haus des Meeres herumgeklettert und habe mir je eine Szene davon mitgenommen. Einmal einen “Haus des Meeres Besuchs” der Natalie und ihrer Mutter in der “Radiosonate”, das zweite Mal die “Taubenfütterungszene” in der “Absturzgefahr”.
ann gabs Einladungen zu einer Jause ins Pensionistenhaus am Loquaiplatz. Vor zwei Jahren hat dort Heinz Zuber gesungen, voriges Jahr war ich mit meiner Cousine Irmi da, als Erni Mangold ihre Memoiren vorstellte und diesmal trat ein Dr. Sepp Tatzel auf, das ist ein 1925, geborener Mariahilfer, der die Turniere auf der Schallaburg gerstaltet, Kabarettprogramme und auch einige Bücher geschrieben hat und er gestaltete diese Muttertagsfeier, es gab wieder Kaffee und einen Schokowürfel mit einem Herzchen, in Gedenken an seine Mutter, hat ein paar Liedtexte vorgelesen und erzählt, daß er aus einer Offiziersfamilie stammt, mit zehn Jahre zum Familieneinkommen beitrug, weil er im Raimundtheater aufgetreten ist und eineinhalb Jahre vor Kriegsende wurde er noch eingezogen.
Das war sehr berührend und auch beklemmend, weil ich mich ja sehr für die Zeitreisen ins Jahr Vierunddreißig oder so interessiere und da stand an diesem Montag auch noch einiges anderes am Programm.
Um achtzehn Uhr wurde nämlich die Widmungstafel vor dem Haus in der Ferdinandstraße Nummer 29 enthüllt und dazu hat mich nicht nur Konstantin Kaiser eingeladen, Petra Ganglbauer war auch am Morgen im Leporello und hat ein bißchen was zu dem “Veza lebt”-Projekt erzählt, wo ich ich ja schon vorige Woche in der Alten Schmiede war. Weil es um sieben in der Grundbuchveranstaltung Hilde Spiel vorgestellt wurde, hatte ich zwar vor dort hinzugehen, aber vorher ein bißchen in der Ferdinandstraße vorbeigeschaut, die schon sehr bevölkert war.
Batya Horn habe ich auf den Weg dorthin getroffen, Christel Fallenstein war da und viele andere und Konstantin Kaiser erzählte mir, daß der Theodor Kramer-Preis heuer erst am 4. Oktober in Niederhollabrunn, Theodor Kramers Geburtsort vergeben wird.
Ein Politiker hat dann die Veranstaltung eröffnet, erzählt, daß Erinnerungsarbeit wichtig ist, Konstantin Kaiser würdigte die Dichterin und die Projektleiterin Gertrude Moser-Wagner zählte alle Sponsoren auf.
Dann gabs im gegenüberliegenden Lokal eine Muiskperformance und auch einen Rundgang durch sämtliche Stationen, wo es im Rahmen des Projektes Installationen gibt, so wird zum Beispiel der Name “Veza” auf eine Hausmauer projeziert.
Ich bin aber nach der Enthüllung der Tafel, wie geplant in die Alte Schmiede gegangen, denn Hilde Spiel interessiert mich sehr und ist auch zeitlich passend, da sie ja, wie Veza Canetti nach London emigrierte, allerdings nach Wien zurückkehrte, wo sie 1990 starb und ich habe im vorigen Jahr einiges von ihr und über sie gelesen.
Das vorgestellte Grundbuch “Das Haus des Dichters – literarische Essays, Interpretationen, Rezensionen”, 1992 posthum herausgegeben war mir aber völlig unbekannt, was für ein Grundbuch sehr interessant ist, es dürfte auch vergriffen sein, jedenfalls habe ich es nicht am Büchertisch liegen sehen und Kurt Neumann erwähnte in seiner Einleitung, daß Anneliese Rohrer, die bekannte Journalistin heute nicht den Titeltext lesen würde.
Der würde erst morgen in Linz vorgestellt, man könne ja hinfahren, wenn man ihn hören wolle, heute würde es eine Rezension über ein Buch von Helmut Qualtinger geben und Anneliese Rohrer meinte, daß sie den Text deshalb ausgewählt hat, weil Qualtinger nebenan im Heiligenkreuzerhof gewohnt hat und man auch die Verachtung des Österreichischen dabei gut sehe. Es wurde diskutiert, daß Hilde Spiel in dem Text fein umschrieben hat, daß Qualtinger nicht in dem Dichterolymp aufgestiegen ist, sondern sein Talent irgendwie vergeudete und nicht sehr achtsam mit sich umgegangen wäre.
Paul Jandl erzählte dann insgesamt etwas über den Band, meinte daß Hilde Spiel eher einen konventionellen Literaturbegriff gehabt hat und gerne selber die große Form des Romans geschrieben hätte.
Das hat sie an Heimito von Doderer sehr bewundert, von dessen “Strudlhofstiege” sie so begeistert war, daß sie ihm sogar seine kurzzeitige Sympathie für den Nationalsozialismus verziehen hät, sonst hätte sie von Jandl, Mayröcker, Handke, Turrini und Wolfgang Bauer nicht viel gehalten und von der Wiener Gruppe gerade Konrad Bayer gelten lassen.
Sehr interessant über dieses mir unbekannte Grundbuch wieder viel über die Dichterin zu erfahren bzw. mein bisheriges Wissen auffrischen zu können.
Der Band von Marcel Reich Ranicki , den ich im Vorjahr gelesen habe, wurde erwähnt und auch, was mir, glaube ich, ebenfalls aufgefallen ist, wie ambivalent sich der Literaturpapst darin geäußert hat.
Kurt Neumann meinte in seiner Einleitung noch, daß man Hilde Spiel in den Neunzigerjahren zu einer Grand Dame der Literatur gemacht hat, wohl auch, um andere große Damen damit zu verhindern.
Wer damit gemeint ist, hat er nicht verraten, aber von Netzwerken und der genauen Literaturkritik gesprochen, die heute nicht mehr möglich ist und er hat auch die Erinnerungsbände erwähnt, mit denen Hilde Spiel berühmt wurde und von dem ich auch einen gelesen habe.
“Kati auf der Brücke”, das inzwischen neu aufgelegt wurde und das ich gerne lesen würde, lag am Büchertisch auf und im Publikum war Daniela Strigl, die sich auch zu Wort meldete.
Sehr interessant an einem einzigen Tag soviel über das vergangene Wien von seinen unterschiedlichen Zeiten zu erfahren, obwohl sich das Grundbuch über Hilde Spiel hauptsächlich auf die Siebzigerjahre bezog und die habe ich ja auch sehr intensiv erlebt, obwohl ich von dem damaligen Literaturbetrieb wahrscheinlich nicht sehr viel gewußt habe.
Das Jahr vierundzwanzig
“Das Jahr vierundzwanzig” von Patrik Ourednik, einem 1957 geborenen Tschechen, der 1985 nach Paris emigrierte, von Michael Stavaric übersetzt, der es auch einmal im Standard als Beispiel für nicht lineare Literatur, die man unbedingt lesen sollte, ist ein sogenanntes Erinnerungsbuch und stammt von von den Büchertürmen der “Literatur im März”. Da war mir der Name Ourednik völlig unbekannt, so ist das dünne Czernin-Bändchen erstmals in meinen Bücherregalen verschwunden. Dann war ich einmal bei einer Stavaric-Lesung im Literaturhaus, dort lag es am Büchertisch auf.
“Das muß ich lesen!”, habe ich gedacht und es dann wahrscheinlich im Februar 2012, als ich den Krisenartikel schrieb, auf die Leseliste gesetzt. Dabei hätte ich es wahrscheinlich schon 2011, als ich die “Wiedergeborenen”, schrieb und daher über Prax und die Besetzung etc recherchierte, lesen sollen, es jetzt erst getan und hatte durch den Stavaric-Artikel auch den Eindruck, daß mich etwas Experimentelles, schwer lesbares erwarten würde.
Was aber nur für die Zahlenangaben stimmt, denn das könnte man vielleicht mit Herbert J. Wimmer vergleichen. Ansonsten ist es erstaunlich realistisch, wenn uns auch das Nachwort von Vlastimil Harl belehrt, daß man nicht alles, was darinsteht glauben soll, so wären schon mindestens drei der vier Eingangszitate falsch “Brutus: Das ist nicht die Wahrheit”, Jago:”Es ist eine Lüge”, Hamlet: Was ist Wahrheit”,”So ist die historische Wahrheit Rotes Recht”.
Dann beginnen die kurzen Absätzem die von I/2 bis XXIII/2 gehen, jeweils mit dem Satz “Ich erinnere mich..”
Vlastimil Harl erklärt, daß das Spiel mit der Erinnerung 1970 vom Amerikaner Joe Brainard in die Literatur eingeführt wurde. Der hat seine “I remember-Sätze”, sehr persönlich gehalten und wären dann wahrscheinlich als bloß experimentell bald vergessen worden. Dann kam aber George Perec, 1978 und meinte, daß diese Sätze Erinnerungen enthalten müssen, die für die ganze Gesellschaft relevant sein sollen und Patrik Oudrenik scheint das Ganze zu mischen.
“CSSR 1965 1989”, steht am Umschlag. Da hätten wir das Jahr vierundzwanzig. Was das bedeuten soll habe ich aber nicht ganz verstanden, denn das Buch wurde laut Wikipedia 1995 geschrieben und ist 2003 auf Deutsch herausgekommen.
1968 spielt natürlich eine große Rolle und Ourednnik erinnert sich auch an viel. An seine Mitschüler, daran, daß Pavel Kohout, als er 1968 nach Wien ausreistem nicht mehr einreisten konnte, an seinen ersten Sex, an seinen Vater, an die Witze, an Sprüche, an die Filme, die er sich im Fernsehen und Kino angesehen hat u.u.u.
Eine Frau hatte eine Liste mit der Höhe der Bestechungsgelder, die man auf den verschiedenen Ämtern in verschiedener Höhe geben mußte, in ihrer Wohnung hängen, daß er die Worte “unzugänglich” mit unzulässig” verwechselte, wie er mit seinen Vater “über die Heldenstraße und den Friedensplatz ging”, “Wie er den “Scherz” sah und sich langweilte”, “daß er in der Musikstunde nicht die russische Hymne singen wollte und, daß das das ein Nachspiel hatte.”
“KP bedeutet klares Problem” und das Sprichwort, daß “Wer nicht den Staat bestiehlt, bestiehlt die Familie”, habe ich erst kürzlich bei Zdenka Becker gelesen.
Er erinnert sich an die Charta 77 und die Unterzeichner, daran, daß “Sachalin die größte sowetische Insel war.” An die “Polinnen, die sich angeblich von jeden für Strümpfe und Parfum, auch für russisches…”, daran, daß “Hrabal ins Gasthaus “Zum Tiger” ging und wirft die Frage auf, ob “Gorbatschow seinen Fleck vom Wodka-Trinken habe”.
Der letzte Eintrag lautet “Ich erinnere mich an Scha-la-la-la-li-yea (?)
Dann gibts acht Seiten Anmerkungen und Erklärungen zum besseren Verständnis und das schon erwähnte Nachwort.
Ich muß meinen Eindruck über nicht lineare Literatur wieder einmal revidieren und kann mich nur Michael Stavarics Buchempfehlung anschließen. Lesen, falls das Buch noch zu bekommen ist, ansonsten hat Michael Stavaric noch drei weitere Bücher von Parik Ourednik übersetzt.
Kinder der Dunkelheit
“Kinder der Dunkelheit”, der 2002, erschienene Erzählband, der 1936 in Fiesolo geborenen Dacia Maraini, die die Lebensgefährtin Alberto Moravias war, führt in die Niederungen Roms und einmal auch in ein Kloster an der Algerischen Grenze, wenn sie die einfühlsame Kommissarin Adele Sofia, die manchmal an Lakritzfischchen knabbert, ihre Fälle schildern läßt. Da gibt es den siebenjährigen Grammofono, von seinen Eltern Gramo genannt, der Vater trägt Ohrringe und hat lange Haare, die Mutter ist selber noch ein Kind, sie lassen ihn sehr oft allein zu Hause, wo er am Balkon steht und zum “Taubenmann”, hinuntersieht, der ihn schließlich in sein Auto lockt, vergewaltigt und ermordet. Die Kommissarin findet heraus, daß es der Sozialarbeiter, der sich um “mongoloide” Kinder kümmern soll, gewesen war.
Vielleicht noch ein bißchen eindringlicher geht es Viollca weiter, das ist ein zwölfjähriges albanisches Mädchen, das seinen Teddybär am Arm, von Xhuvan nach Italien in ein Bordell gebracht wird, denn die Familie ist arm und so soll das Mädchen, ein bißchen was für ihre Hochzeit oder sonst verdienen.
Dann geht es in ein Kloster an der algerischen Grezne, das von Moslems überfallen wurde, Schwester Attanasia wird dabei vergewaltigt und geschwängert. Schwester Giuditta überredet die Oberin, sie das Kind gebären und weiter im Kloster arbeiten zu lassen, allein der Bischof ist dagegen. So wird sie von ihrem kleinen Mädchen getrennt, das in ein Waisenhaus kommen soll und am nächsten Morgen tot im Hühnerstall aufgefunden.
Ja, manchmal sind die grausamen Geschichten der Marraini höchst poetisch. Bei “Macaca” geht es ins erwachsene Leben hinein und erzählt von wehrlosen Frauen, denn Macaca hat ihrem Pippo, weil er sie zum Sex mit seinen Freunden gezwungen und sie dann brutal geschlagen hat, den Pimmel “ratzekahl” abgeschnitten und fragt die Frau Kommissarin nun, ob sie “lebenslänglich” bekommen wird.
“Das glaube ich wirklich nicht!”, sagt die “und schiebt sich ein Lakritzfischchen in den Mund.
Alicetta ist ein behindertes Mädchen, das seine Eltern bei einem Unfall verloren hat, als der Großvater nicht mehr für sie sorgen kann, bringt er sie in ein privates Pflegeheim, wo sie vom Psychiater Dr. Farra, die Diagnose “abnorme pathologiesche Schizophrenie” verpasst bekommt.
Die “Einfaltspinsel” genannte Pflegerin Mirta Vallone soll sich um sie kümmern. Sie kommt auch gut mit ihr zurecht, dann hört Alicetta aber zu essen auf und liegt nur noch im Bett.
“Regression”, nennt Dr. Farra das und wird eines Tages tot aufgefunden. Der Großvater macht die Anzeige und die Kommissarin findet heraus, daß sie mit Beruhigungsmittel vollgestopft worden war, obwohl sie nur “psychiatrisch” behandelt werden sollte und außerdem von zwei Pflegern immer nachts gebadet wurde, obwohl das eigentlich nur Frauen tun sollten.
“Nächtliche Mauern” ist wieder eine kleine Zwischengeschichte, die von einer Erwachsenen und ihren Leiden handelt. Da hat sich ein angesehener Universiätsprofessor, ein Philosoph, in der Nacht seiner Frau, die alles für ihn tat, seine Post erledigte, die Diplomarbeiten durchsah, etc, mit einem Messer genähert. Sie schlägt ihn nieder und liest dann der Kommissarin einen Zettel vor, wo draufsteht “Das schlimmste ist, daß ich mich selbst nicht liebe. Ich bin ein kleiner Schwinderl vor Gott!”
Dann wirds wieder dramatisch, da macht nämlich ein Elfjähriger eine Anzeige, der Vater hätte ihn und einige Geschwister mißbraucht.
Im Jahr 1995 macht er das. Der Kommissar denkt an seine eigenen Kinder, die gegen ihn rebellieren, schickt die Sozialarbeiterin hin, die Mutter schützt den Vater, der ist freundlich und die Sozialarbeiterin findet nichts.
Im nächsten Jahr kommt er wieder, da sagt der Vater, der Sohn hätte sich am kleinen Bruder vergangen und die ältere Schwester versucht mit ihren kurzen Röckchen den Kommissar zu verführen, widerspricht sich und der Kommissar droht Tino das Gefängnis an, wenn er weiter so lügt.
Im Jahr 1998 wird der kleine Bruder tot am Tiber aufgefunden, Vater und Sohn beschuldigen sich gegenseitig, aber auch die Schwester hat den Kleinen mit dem Vater aus dem Haus gehen sehen. Am Schluß macht dann doch die Mutter, die aus Angst und aus Liebe ihren Mann deckte, eine Aussage und alles klärt sich drei Jahre zu spät auf der Kommissar und die Kommissarin essen aber ihre Lakritzfischen zusammen, so daß wenigstens hier etwas weitergeht.
Bei “Eine Nummer auf dem Arm”, geht es in die Vergangenheit zurück, da trifft Mara Garda im Urlaub in Buenos Aires in einem Souveniergeschäft Hans Kurtmann, den brutalsten SS-Mann des Lagers, in dem sie als Jugendliche war wieder.
“Heute ist heute ist heute” und “Wer hat “Paulo Gentile ermordet”, sind eher konventionelle Kurzkrimi. Bei den letzten beiden Geschichten geht es dann wieder um Pädophilie und Kindesmißbrauch. In der einen wird der arabische schwarzarbeitende Schäfer gleich verdächtigt, die beiden kahlgeschorenen aufreizend angezogenen Mädchen, die nicht einmal einen BH trugen ermordet zu haben und in “Schatten” begleitet die Gra0mama Agata die kleine Agatina wöchentlich zum Herrn Notar um sich ein Zubrot zu verdienen.
Das sind wohl die beeindruckensten und dichtesten Geschichten des Bandes von der berühmten italienischen Autorin, von der ich ihre Jugenderinnerungen gelesen habe und “Die stumme Herzogin”, sowie den Krimi “Stimmen” auf der Leseliste habe.
Mai-Schreiben
Fünf Tage Schreiben hat Anni Bürkl, glaube ich, im Jänner für Mai angeboten und macht morgen auch einen Schreibmarathon und das ist ja etwas was mich immer sehr fasziniert und was ich gelegentlich zur Einstimmung in neue Schreibvorhaben oder wenn der Alfred an einem langen Wochenende auf Urlaub ist, nütze.
Aber diesmal passt es bei meinen Korrigiervorhaben nicht, mich schreibend oder Materialsuchend durch die Stadt zu begeben, obwohl ich auch ein schreibintensives Wochenende haben werde und am Mittwoch hat es auch schon mit den Maifeiern angefangen.
Zwar habe ich den Tag ganz pomali in der Badewanne bei Dacia Marainis “Kinder der Dunkelheit” angefangen und bin nicht zum Frühstück in den Rotpunkt auf die Reinprechtsdorferstraße gegangen, sondern später erst mit dem Alfred zur Albertina und dann zum Parlament und diesmal wurde die Internationale zweimal gesungen, war die Maifeier am Rathausplatz ja noch nicht vorbei, als wir angekommen sind. Dann ging es gleich am Yppenplatz beim “MayDay” weiter, denn da marschieren ja die Prekären seit einigen Jahren von sehr viel Polizei begleitet durch die Stadt an Polizeischubgefängnissen, Asywerberstellen, etc, vorbei zum Augartenspitz, nur leider ist es erst sehr verspätet losgegangen und hat sich auch sonst sehr lang hingezogen, so daß wir uns schon am Schottentor verabschiedet haben, aber sonst gute Stimmung und ich habe auch versucht ein paar Impressionen für mein “Dreizehn Kapitel”-Projekt einzufangen und am Freitag ist es dann auch mit Roberts Schreibgruppe im Cafe Ludwig weitergegangen.
Wieder waren wir zu fünft, zwar ist die Ruth mit Erika Brunngraber in Frankreich, aber diesmal war ein jünger Mann dabei, ein Musiker, der schon einen von Roberts Text vertonte und als Thema habe ich wenig originell “Mai” vorgeschlagen, wobei meine Assoziationen von Maibaumklettern bis zum ersten Mai gingen.
Robert hat dann noch das Thema “Mißbrauch” eingebracht, wobei ich gleich an die beklemmenden Geschichten der Maraini denken mußte und hat eine Verbindung vorgeschlagen und Ruth hat uns sozusagen das Thema “Reisen” hinterlassen.
Also losgeschrieben und diesmal ist es mir gelungen eine Kurzgeschichte in den dreißig Minuten entstehen zu lassen und den Mißbrauch tatsächlich auf den Rathausplatz zu bringen.
Weil da ja eine in einer der Wohnungen sitzen könnte, eine aus Minsk, zuerst hatte ich Bukarest geschrieben, die in den goldenen Westen geschleppt wurde und in einem Bordell, sprich Massagesalon landete, statt, wie versprochen in einem Kinderkrankenhaus und nun blickt sie hinunter auf den Rathausplatz, wo die Massen mit den Fahnen und den Kampfliedern vorbeimarschieren.
“Komm lieber Mai und mache”, ertönt es noch aus dem staubigen gelben Transistorradio im Hintergrund.
Der neue Teilnehmer, der in Budapest aufgewachsen ist, hat das Thema Arbeit mit der Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen verbunden, eine Forderung der Grünen, die ja am Vortag des ersten Mais ihr Fest der Arbeitslosen feiern und Robert Eglhofer dachte bei Mißbrauch an den offenen Bücherschrank, beziehungsweise verknüpfte er seinen Weg auf den Rathausplatz mit den Klagen einer der Betreuerinnen vor dem “seltsamen Möbel”, die von denen erzählte, die mit Schachteln und Säcken kämen, um die Bücher auf den Flohmarkt zutragen.
Ein Mißbrauch an den ich nicht ganz glaube und der wahrscheinlich genauso ein Vorurteil, wie das ist, daß die Nachbarn beim bedingungslosen Grundeinkommen auf der faulen Haut liegen würden, während man selber die Freizeit sinnlvoll nützen würde.
Ilse Kilic hatte wieder einen ihrer bewährten Texte mit “Tag der Arbeit, Hurrah!” geschrieben, wobei sie überlegte, wie man Menschen gebrauchen könnte, Ruth Aspöck zum Beispiel als Begleiterin beim Schwimmen, an der sie sich erfreuen würde, Fritz Widhalm widmete sich dem Reisen, wobei er verlauten ließ, das er das gar nicht gerne täte. Spannend also wie unterschiedlich man die Themen Mai und Mißbrauch verbinden kann und ich werde den morgigen Tag dazu benützen, meine Geschichte zu überarbeiten, die ich ja am Mittwoch Wally Rettenbacher vorlesen könnte, bevor ich mich möglichst intensiv meinen “Literaturgeflüster-Texte-Buch” im Sinne eines Korrigiermarathons widmen werde und das fällt mir im Augenblick ein wenig schwer, daran konzentriert zu arbeiten und nicht gleich “Ich will lieber etwas Neues schreiben!”, zu denken. Ich werde mich aber bemühen.
Umgeräumt und aufgeschrieben
Die die sich an meine Bücherbeschränkungspläne erinnern, werden sich vielleicht über meine übers Wochenende angewachsene Leseliste wundern, aber ich nehme die Idee, meine Bücher möglichst alle möglichst schnell aufzulesen, ernst und habe da einmal Inventur gemacht, hat sich ja in den letzten Jahren sehr viel angesammelt und wenn wenn man da die Übersicht verliert, hat man vielleicht einiges vergessen.
Also nachgeschaut, was es noch alles zu lesen gibt und da einmal aufgeschrieben, da bin ich jetzt zwar schon bei 2022 angelangt, habe es jetzt aber schwarz auf weiß und wenn ich es lesen will, kann ich es bis dahin tun.
Andererseits bleibe ich dabei mit meinen Vorauslisten etwa 2023, wo ich siebzig werde, fertig zu sein, das ist dann nur zu schaffen, wenn ich die zwei höchstens drei neuen Wochenbücher auf eines reduziere und möglichst nichts mehr auf die Vorauslisten schreibe.
Daß ich das ganz schaffe, bin ich zwar etwas skeptisch, denn wenn ich die “Englischen Jahre” und die “Vermessung der Welt” finde, lasse ich sie besser nicht liegen, aber ich muß ja nicht jedes ChickLit und jeden Krimi einsammeln, wenn ich noch ungelesene in den Regalen habe.
Andererseits gibt es soviel, was mich interessiert. Aber jetzt weiß ich wenigstens, wie es ausschaut und finde ich einmal einen der “Rabbit-Bände”, nehme ich ihn, auch wenn ich dann erst 2025 mit dem Vorauslesen fertig bin. Andererseits habe ich auch schon sehr viele meiner etwa siebentausend Bücher gelesen. Also schauen, wie es geht und mir das Ein-Wochenbuch angewöhnen, dafür habe ich ja auf jeder meiner Jahresleseliste Platz.
Hundertfünfzig Bücher müßte ich im Jahr lesen, dann geht es sich aus. Mal sehen, wie meine Luxusprobleme funktionieren, ich denke ja auch, daß es in fünf, sechs Jahren, wenn alle ihre Bestände ausgeräumt und auf den Kindle umgestellt haben, keine offenen Bücherschränke mehr gibt.
Ich bin für die, die es wissen wollen, in den letzten Wochen auch sehr konsequent gewesen und habe nur ein paar Mal mein Limit überschritten und ein Buch, nämlich Lisa-Maria Seydlitz “Sommertöchter”, habe ich mir auch um einen Euro gekauft, obwohl ich das auch nicht wollte.
Aber die kleine verstaubte Buchhandlung in der Lerchenfelderstraße hat da oft was ganz Tolles auf ihrem Abverkaufstisch liegen.
Ganz aufgearbeitet habe ich meinen SUB immer noch nicht, ein bißchen wirds schon noch zu finden geben, die Übersicht ist aber da und bei einigen Büchern bin ich mir auch nicht sicher, ob ich sie schon gelesen habe oder nicht, was aber jetzt auch nicht mehr passieren kann, weil ich mir alles anstreiche und es daher gleich sehe.
Lesen ist also eine schöne Kompetenz, die ich beherrsche. Ansonsten habe ich am Wochenende zwar sehr langsam, aber doch an meinem “Texte-Buch” korrigiert, kämpfe immer noch mit den Anführungszeichen, die ich möglichst konsequent und einheitlich setzten will und habe mich ansonsten bei den Blogs ein bißchen umgesehen und da auch einiges interessantes gefunden. So hat Petra van Cronenburg auf ein tolles neues Buch hingewiesen, das das gleiche Thema, wie Martin Pollacks “Anklage Vatermord”, das ich gelesen habe, weil es vor Jahren einmal bei den Literatur im März-Büchertürme warn, behandelte und ich habe von einem amerikanischen Autor namens Austin Ratner, der dasselbe Thema anders aufgearbeitet hat, noch nie etwas gehört.
Dann hat es mich auch interessiert, daß Martina Gercke wieder schreibt, auf ihrer Facebookseite und auf ihre Blog, kleine Einblicke in ihre neue Arbeit gibt und anmerken läßt, daß sie sich mit jemanden anderen zusammentut, was ich auch sehr spannend finde, denn wenn sie beispielsweise Emily Bold oder sonst einen bekannten Namen, auf ihrer Seite hat, kann das ihrem Comeback dienlich sein und ich finde es sehr spannend, daß sie weitermacht, mal sehen, wie sich das noch entwickeln wird.
Jan Drees hat auf seinen Blog eine Serie über den Zusammenhang von Schreibeschulen und Druckkostenverlage gestartet, was ich auch sehr spannend finde und sehr logisch ist. Ich denke ja, daß man heutzutage bei keinem Druckkostenverlag, der ein paar tausend Euro von einem haben will, abschließen muß, wenn man sich seine Bücher relativ einfach schnell und billig bei Amazon oder der nächsten Druckerei selber machen kann. Aber schreiben muß man erst lernen und da gibt es das Literaturinstitut in Leipzig, das Sprachstudium in Hildesheim und das in Wien, die suchen sich unter ihren hunderten Bewerbern, die zehn bis zwanzig aus, die ihnen am geeignetsten erscheinen, die anderen gehen zu den Fernkursen, wie die “Cornelia von Goethe” oder anderen Akademien, die sich dafür was zahlen lassen Bastei- Lübbe, hat, lernte ich beim Literaturcafe, jetzt auch eine solche Akademie fürs spannende Schreiben, wählt aus und läßt sich zahlen und, ich glaube, ja auch, daß man das Schreiben irgendwo lernen muß und das sich auch sicher viele Autoren als Lehrer zur Verfügung stellen. Dann will man aber auch veröffentlichen und da ist es sicher spannend zu erfassen, wo gehen die Absolventen dann hin? Zu Book on Demand und den kleineren oder größeren Verlagen, die sich mehr oder weniger dafür was zahlen lassen, hat Jan Drees aufgelistet. Ich würde ja Amazon oder das Druckenlassen empfehlen und finde es ja spannend, daß sehr viele Leute schreiben. Vielleicht müßten sie auch lesen und sich für das der anderen interessieren, da hapert es, wie ich öfter höre, vielleicht.Ich versuche es aber und habe im Literaturcafe auch wieder einen interessanten Artikel zum Selberpublishing gefunden. Tom Liehr meint, daß die, die es professionell machen wollen, bei einem Verlag versuchen sollen.
Natürlich, wer bei Suhrkamp abschließen kann, soll und wird es wahrscheinlich auch tun, bevor ich sonst viel zahle, ist Amazon vielleicht die bessere Lösung, daß ich dort wirklich sehr reich werde, habe ich nie geglaubt, es gibt aber einige Autoren, die das behaupten und durchaus zufrieden damit sind.
Man sieht auch die Literaturlandschaft ist ein weites Land und eines das mich sehr interessiert und für mich selber versuche ich möglichst viel Selbstsicherheit aus dem, wie ich es mache, zu schöpfen. Ganz einfach ist das zwar nicht, wenn ich sehe, daß sich niemand für meine Gewinnspiele interessiert, finde meine fast dreißig selbstgemachten Bücher aber trotzdem schön und hoffe nur bald mit dem “Texte-Buch”, fertig zu werden, damit ich wieder etwas Neues machen kann, lesen sollte ich natürlich auch und möglichst viele Bücher in den Schränken stehen lassen, damit sich meine Listen langsam abbauen lassen.
Fahr zur Hölle, Jonny
Ein weiteres Buch aus dem Bücherschrank meiner Eltern, das in der Büchergilde Gutenberg, Prag, Zürich 1936 erschienene “Fahr zu Hölle,Jonny” und ich lese über den 1908 in Berlin geborenen, 1985 in Dänemark verstorbenen Autor Jonny G. Rieger, das er der Bruderschaft der Vagabunden, um Gregor Gog angehörte und von der Illustrierten Arbeiterzeitung eine Weltreise gewonnen hat.
Im Netz findet man ein bißchen was über den inzwischen fast vergessenen Autor, dessen Vagabundroman 1984 im Rotbuchverlag wieder aufgelegt wurde und der auch noch viele andere Bücher geschrieben hat.
Es beginnt in einer einer Hamburger Hafenkneipe, wo der Erzähler Jonny über das Leben, den Tod und noch vieles andere resumiert.
Orje ist der Wirt, der als Geschirrwäscher angefangen hat, jetzt hält er sich Mädchen zum Geschirrwaschen, denen er “nur fünfunddreißig Pfennig” pro Stunde gibt, denn “sie sind jung und können nach Feierabend noch ihre Chancen haben und außerdem die Reste in der Küche aufzehren.”
Ted schmeißt eine Runde und freundet sich mit Detje an, Hannes mit Lisa, an der Wand steht auf einem Schild zu lesen “Nur Lumpen pumpen, Wer betrügt, fliegt!”
Drei Damen kommen herein um für die gefallenen Mädchen zu sammeln.
“Ich gebe direkt!”, sagt der Ich-Erzähler.
“Ich kassiere selbst!”, erklärt Lisa.”
Der Kettensprenger versucht Geld für sich zu sammeln und ein arbeitsloser Seemann spricht vom “einig Volk und Brüdern”
Wegen einer Puderdose, schlägt Ted auf Hannes ein und muß mit Detje, die “Komm auf die Schaukel, Luise”, summt, das Lokal verlassen. Hannes ist dann nur leicht angeschrammt, weil aber der Affe in Detjes Wohnung, wo Ted und der Erzähler übernachten, dem Papagei, der alles mit seinen schönen Sprüchen begleitet, die Federn rupft, bekommt Ted nochmals einen Wutanfall und fordert Jonny auf zur Hölle zu gehen.
Dann befinden wir uns in Antwerpen, wo Jonny, nach einem Lob auf das Vagabundentum, den ewigen Studenten und Säufer trifft, der ihn auf eine Schiffsreise nach Mexiko mitnimmt, dort lernen wir die Typen kennen, die ausreisen wollen, erfahren, daß die französischen alleinreisenden Mädchen nicht nach “Habana” einreisen dürfen. Warner verschwindet von Bord und läßt Jonny seinen Geldkoffer zurück, der das Schiff in Veracruz verläßt und uns von der schönen Inez erzählt, die alle Männer, die ihr hörig sind, um ihr Geld bringen will.
In Tampico trifft er in einer Cantina, Mac, das ist einer, der sich ebenfalls als Spaziergänger in Richtung Hölle bezeichnet und der heuert ihn zum Goldschürfen in Mazatlan an, aber vorher fahren sie noch mit dem Taxi zur Union, das ist dort, wo sich nicht nur Spielbuden und der Straßenhandel, sondern auch die Mädchen befinden, die es, wenn ihnen die Signores gefallen für zwei Pesos und viel Liebe machen.
Dort rettet Jonny eine vierzehnjährige Schöne, die das Bild der Madonna überm Bett hat, vor einem Brutalo und muß beim Kartenspielen zuhören, wie nebenan eine Weiße ausgepeitscht wird, weil sie ihr Handgeld nicht abzahlen wollte. In Mexiko-City kleidet Mac ihn für die Tour ein und verabredet sich mit ihm in einem so berüchtigten Lokal, daß sogar die fünfundzwanzigjährige Polizistin erschrickt, als er sie nach dem Weg dorthin fragt und sich entrüstet abwendet.
Er kommt hin, allein Mac trifft er dort nicht, so kommt er am ersten Mai am berühmten Zocalo, dem Hauptplatz von Mexiko City, wo ich auch schon einmal war, wo die Arbeiterinnen, die nur fundzwanzig Centavos pro Tag verdienen zum Palast des Präsidenten ziehen, der auch gefährlich lebt und oft ermordet wird, so daß in den Amtstuben die Bilder der Präsidenten oft übereinander hängen. Jonny entscheidet sich aber für die Freiheit und bleibt ein Vagabund, Mac bleibt verschwunden, so daß Jonny sich eine Fahrharte nach Manzanillo kauft, dort Mac wiederfindet, beide haben ihr Geld verloren, so daß sie sich bei einem Chinesen einmieten und auf Pump in den Tag hineinleben, immer wieder Chips unterschreiben, bis sie daraufkommen, daß sie sich dafür auf ein Schiffsheuer verpflichtet haben.
Im zweiten Teil geht es dann nach Antwerpen zurück und auf die Straße, in Berlin mokiert sich Jonny über die Beamten, die ihre Butterbrote im Aktenkoffer tragen, alle wollen Beamten werden, Jonny nicht, so geht es weiter auf der Walz nach Italien, Spanien und schildert uns die Schattenseiten dieses Lebens in allen Farben, denn die Vorsteher der Asyle sind dick und ausgefressen, haben für die Vagabunden nichts über und in den Schlafsälen trifft er die Bettlerkönige, ein paar Tage schließt er sich ihnen an, dann entscheidet er sich wieder für die Freiheit und wandert weiter. Ein paar Mal hat er eine Frau dabei und die weiblichen Vagabunden der Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts waren sehr kaputte Typen, da gibt es Gatty, die sogar Medizin studiert hat und Mary, “eine der auffälligsten Typen eigentlich, von der niemand wußte, woher sie kam”.
Sie nimmt ein schlimmes Ende und Jonny bringt sich auch manchmal als Feldarbeiter durch und einmal zeichnet er in einem Elendsgässchen von Bacelona, teilt sein Zimmer mit einem Chemiestudentin, der vom Kommunismus schwärmt, weil er eigentlich gerne Lokführer werden will, das aber nicht kann, weil das so schlecht bezahlt wird und hat ein Mädchen, das er mit vielen anderen teilt, das ihm aber gerne ihr Geld gibt, wenn er Hunger hat.
Im kurzen letzten Teil befindet sich Jonny dann in Shanghai und hält eine Abhandlung über das Elend dieser Stadt, wo die Menschen sterben, weil kein Platz und keine Nahrung für sie vorhanden ist und sich die Lebenden nur durch Erpressung und Resignation über die Runden bringen, erzählt zwei Frauenschicksale, die der reichen Rose, die zu essen hat, aber unglücklich liebt und die der Chinesin Chung-lan, die nach Amerika ging, um dort zu studieren, weil das die Frauen in China vor 1918 nicht tun durften, dort hungerte sie sich durch, wurde von ihrer Familie verachtet, tut es um ihren Land zu dienen und wird dann hingerichtet.
Mit diesen Erkenntnissen trifft Jonny dann auf Warner, den wir schon von Teil eins kennen, um mit ihm offenbar endgültig “zur Hölle zu fahren!”
Ein sehr interessantes Buch, dem nach den heutigen Maßstäben wohl die Struktur fehlt und lektoriert werden würde, mehr eine Materialsammlung, als ein Roman, aber sehr ungewöhnlich von den Vagabunden, die in Deutschland und auch sonst auf der Welt, vor 1936 lebten, in deftigen Worten, mit vielen Gedankenblitzen und Einfällen zu erfahren. Ein Buch das sicher zum heutigen ersten Mai passt, eines das ich empfehlen könnte, obwohl es wahrscheinlich schwer zu bekommen ist.
Veza Canetti erinnernd
Veza Canetti als Venetiana Taubner Calderon 1897 in Wien geboren und 1963 in London gestorben, war die Frau des Nobelpreisträgers von 1981, Elias Canetti, deren Werke “Der Oger”, “Die gelbe Straße”, “Die Schildkröten”, etc, erst in den Neunzigerjahren erschienen sind und die vorher, als Englischlehrerin, Lektorin und Übersetzerin tätig, immer im Schatten ihres Mannes gestanden ist und sich, wie das ja öfter vorkommt, eher für seinen, als ihren Erfolg einsetzte.
Den 1990 bei Hanser erschienenen Roman “Die gelbe Straße”, der sich aus verschiedenen Erzählungen zusammensetzte und die Wiener Ferdinandstraße meinte, in der Veza Canetti mit ihren Eltern lebte, habe ich nach Erscheinen gekauft und gelesen und den “Oger”, wo ein Mann seine Frau sehr unterdrückt, habe ich einmal mit dem Alfred im St. Pöltner Schauspielhaus gesehen.
2006 begann dann ein Kunstprojekt in der Ferdinandstraße, wo Judith Gruber-Rizy, die einmal einen Text über Veza Taubner- Calderon, die unter den Pseudonymen Veronika Knecht, Veza Magd, etc, was ja sehr bezeichnend ist, publizierte, bei der einer von mir organiserten “Tag der Freiheit des Wortes”- Veranstaltung gelesen hat, wurde eingeladen, dort ihren Text zu lesen und hat mich eingeladen hinzukommen.
Ich erinnere mich an ein sehr beeindruckendes Fest, das im Veza Canetti Park in der Ferdinandstraße im zweiten Bezirk begonnen hat. Dann sind wir in das Haus gegangen. Eine Torte wurde angeschnitten, im Hof haben Judith Gruber-Rizy und andere gelesen. Es gab verschiedene Aufführungen, Peter Waugh, den ich, glaube ich, damals kennenlernte, hat mit seiner Künstlergruppe Labyrinth aus verschiedenen Wohnungen Gedichte vorgetragen. Ich habe die Veranstaltungen inzwischen vergessen, gibt es ja viele Künstler und Projekte für die man sich interessieren kann.
Im vorigen Jahr ist dann ein Aufruf zu mir gekommen für eine Anthologie “Veza Canetti lebt”, Texte beizusteuern, es waren wohl experimentelle Texte, die Petra Ganglbauer und Gertrude Moser-Wagner suchten, war Veza Canetti ja auch eine eher expressionistische Dichterin. Ich habe, glaube ich, “Den langen Brief an den Herrn Kurz”, “Nebelschwaden” und das “Postfrühstück” hingeschickt. Texte die zum Teil auch in der “5er Edition” und in der neuen Volksstimmeanthologie drinnen sind, so war ich gar nicht unglücklich, als mir Petra Ganglbauer “Leider, diesmal nicht!”, mailte, obwohl es das eigentlich sein sollte, sondern habe auf das Projekt vergessen und erst im Programm der Alten Schmiede gesehen, daß da am 30. 4. ein Autorenprojekt von Petra Ganglbauer “Lücken-Veza Canetti erinnernd” stattfindet.
Da da gleichzeitig im Literaturhaus Gustav Ernst seinen neuen Roman vorstellte, habe ich zuerst auch nicht hingehen wollen, dann ist das Buch aber gekommen und “Grundlsee” wird auch in der Alten Schmiede vorgestellt.
Also hingegangen und es nicht bereut, denn Veza Canetti ist für eine, die sich sehr für die Zwischenkriegs-und andere Literatur interessiert sicher spannend. Ich sah auch gleich viele bekannte Gesichter. Gerhard Jaschke ist gekommen, die Galeristin Batya Horn, die glaube ich, mit Gertrude Moser-Wagner befreundet ist, Lukas Cejpek, der Lebensgefährte von Margit Kreindl, denn die wirkte mit Ilse Kilic und dann noch einer Literaturwissenschaftler bei dem Projekt mit. Aber vorerst, nach der Einleitung von Kurt Neumann, der darauf hinwies, daß sich schon Elfriede Czurda mit Veza Canetti beschäftigt hat, wurde ein Film gezeigt, wo liebe kleine Strickfiguren, die “Gelbe Straße” in der Hand hielten und daraus vorlasen.
Dann kam Petra Ganglbauer mit ihrem Projekt “Lücken” und wies auf Veza Canettis Lebenslauf hin, sie hat 1934 nach ihrer Hochzeit mit Elias Canetti zu schreiben aufgehört, dann erst wieder im Exiul damit angefangen und auch einige ihrer Werke verbrannt.
Margret Kreidl folgte und beschäftigte sich mit ihren Text sowohl mit dem “Oger”, als auch mit den Häusern in der Ferdinandgasse, mit denen sie eine Art Stadtrecherche machte. Ilse Kilic hatte einen langen Text, das heißt zuerst einen Film “Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in den Himmel kommt”, in den zwei anderen Teilen bezog sie sich dann offenbar auf Veza Canettis Werke, die sie experimentelle abwandelte.
Das war ein wenig lang, so daß die Pause willkommen war, da habe ich mich mit Hans Jörg Liebscher unterhalten, Anita C. Schaub die Schönlaterngasse entlangspazieren sehen, Frau Millner war, glaube ich, da und auch ein paar Studenten, denen es auch zu lange gewesen ist.
Dann folgte wieder ein Film, eine Installationen über Schildkröten, die zuerst am Rücken liegend sich aus eigener Kraft umdrehen mußten. Dann folgte die Literaturwisssenschaftlerin und erläuterte noch einmal literaturwissenschaftlich, was es alles über Veza Canetti zu wissen gibt und die bildende Künstlerin Gertrude Moser-Wagner stellte das Projekt vor, das heißt, sie zeigte einen Film mit Peter Waugh, der aber glaube ich, aus 2000 war, wo auf das Fest von 2006 hingewiesen wurde.
Damals sollte auch eine Gedenktafel an dem Haus befestigt werden, ging aber nicht, jetzt ist es soweit, am Montag wird die in der Ferdinandstraße enthüllt und da wird es auch ein großes Fest, Musik und die Präsentation der Anthologie “Veza lebt”, geben. Eine sehr interessante Veranstaltung, wo ich mir wieder viel mitgenommen habe und vielleicht auch am Montag zur Enthüllung gehen werden.
Am Dienstag ist die diesmal von Ilse Kilic veranstaltete “Tag der Freiheit des Wortes” Veranstaltung, wo ich nicht mehr eingeladen bin, dafür ist aber heute ein lieber Brief mit einer Einladung von Christoph Kepplinger gekommen, daß ich beim nächsten Volkksstimmefest zum Thema “Ausverkauf” lesen kann und ich habe in meinem Bücherkatalog nachgeschaut, was ich von Veza Canetti habe.
“Die Schildkröten”, wo sie ihre Exil-Erfahrungen beschreibt, nicht, das müßte ich erst finden und es wäre auch interessant in der Anthologie die Texte zu lesen, die sich sprachspielerisch mit Veza Canetti und den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts auseinandersetzen.
Wiener Vorlesungen zur Literatur
Die Wiener Vorlesungen zur Literatur gibt es schon sehr lange in der Alten Schmiede, wurden sie doch 1986 von Josef Haslinger und Kurt Neumann eingeführt, wahrscheinlich haben sie schon sämtliche experimentelle Dichter und Dichterinnen abgehalten und ich bin ich auch bei einigen gewesen. In der letzten Zeit aber schon lang nicht mehr. Wahrscheinlich seit 2008 nicht, so daß es noch keinen diesbezüglichen Blogeintrag gibt und ich war auch heute ein wenig unsicher, ob ich nicht stattdessen in die Gesellschaft für Literatur gehen sollte, wo Anna Rottensteiner und Bernd Schuchter aus ihren Romanen gelesen haben, habe mich dann aber für Franz Josef Czernin entschieden, denn den habe ich ja vor kurzem bei seiner Preisverleihung gehört. Die Vorlesungen finden in Quartalschritten statt, die ersten beiden habe ich versäumt, die letzte zum Thema “Poesie und Fiktionalität” findet am 4. 7. statt und als ich in die Schönlaterngasse eingebogen bin, ist Friedrich Achleitner aus dem Haus in dem er wohnt herausgekommen.
Die Veranstaltung war auch sonst sehr prominent besucht, Alexander Nizberg hat sich neben mich gesetzt, Lukas Cejpek, Hans Jörg Zauner, dann noch ein paar Studenten und die Frau und Freunde des Autors.
Das Thema der dritten Vorlesung lautete “Wissenschaft Erkenntnis Poesie” und Franz Josef Czernin erzählte kurz, um was es in den beiden anderen gegangen ist.
Um die parodistische Auslegung der Bundeshymne in der ersten, in der zweiten um die Form und jetzt meinte, der Autor, hätte er den Begriff vielleicht ein bißchen zu allgemein umspannt. Er bezog sich jedenfalls auf ein Proust-Zitat, eine Stelle auf Seite neunundzwanzig der “Suche nach der verlorenen Zeit”, las sie vor, sie war auch auf die Wand projiziert, dann unterschied er zwischen wissenschaftlichen und literarischen Texte.
An die ersteren geht man mit einer These heran, die wahr oder falsch sein kann und allgemein bezogen ist, die Literatur soll den Lesern aber Erkenntnis und Erfahrung bringen und Erlebnisse hat man beim Lesen von Romanen auch. Unterhaltung und Zerstreuung, das was die meisten Leser suchen, wenn ich das Literaturcafe richtig interpretiere, schloß er aus und er meinte auch, daß sich in der Literatur die Thesen auch noch erfahrbar machen sollten.
An dieser Stelle hat dann später Thomas Eder, der den Text kommentierte, eingehakt und gesagt, daß ihm nicht ganz klar sein, wie das möglich sein soll?
Daran schloß sich eine wilde Diskussion im Publikum, das offenbar auch ganz anderer Ansicht als Franz Josef Czernin war, vorallem eine junge blonde Frau engagierte sich sehr intensiv mit Beispielen, die bis zu Kant und zur Wahrheit führten und am Schluß einigte man sich darauf, ob die Schönheit des Textes zur Wahrheit führen kann, damit war Franz Josef Czernin sehr einverstanden.
Robert Musils “Mann ohne Eigenschaften wurde noch zitiert und Elfriede Jelineks “Kinder der Toten” und ich, die ich unter Literatur ja vor allem das pychologisch soziologisch realistische, das wahrscheinlich auch noch spannend sein soll und gut geschrieben, verstehe, habe bei diesen philosophischen Exkursen nicht sehr viel mitbekommen, mich auf dem Heimweg aber sehr intensiv mit einem der Stammbesucher, einem pensionierten Lehrer, der jetzt glaube ich den Schmidt-Dengler Nachlaß im Literaturarchiv aufarbeitet, unterhalten und wir sind auch noch auf Arno Schmiedt und Adalbert Stifters “Witiko” gekommen, den ich ja auch auf meiner Leseliste habe.
Also spannend und interessant und wieder was gelernt, die Rolle der Psychologie in Franz Josef Czernins Vorlesung zum Beispiel, der sich darin sehr intensiv auf Freud bezog, den er offenbar literarischer als ich zu empfinden schien, aber Freud selber hat sich, glaube ich, auch als Schriftsteller verstanden und das Zitat aus der “Verlorenen Zeit”, war ebenfalls ganz spannend, bleibt also die Frage, ob ich jemals zu dem Erlebnis daraus meine literarischen Erkenntnisse zu ziehen, kommen werde.
Befindet sich Proust ja noch nicht auf meiner Leseliste, die ich heute aus den Beständen meiner Regale ziemlich aufgefüllt habe. Was nicht ist, kann aber noch werden und ob ich zur vierten Quartalsvorlesung komme, ist auch fraglich, da ich am 4. 7. wahrscheinlich schon in Harland sein werde.
Dafür werde ich morgen statt ins Literaturhaus, da ich “Grundlsee” jetzt ja schon gelesen habe, doch wieder in die “Alte Schmiede” gehen, denn da gibt es zum fünfzigsten Todestag von Veza Canetti ein ihr gewidmetes Projekt und das interessiert mich auch sehr.