Götter und ihre Fans

Jetzt kommt ein Buch dessen Titel auf den ersten Blick wie eine Ode auf den Fußball klingt, zum Glück hat sich aber Dietmar Füssel die Religion aufs Korn genommen und stellt gleich zu Beginn die Frage “Darf man über Gott lachen?, die er in fünfundvierzig kurzen Geschichten zu beantworten versucht.
Da steigt zu Beginn der Prophet auf den Berg und will dem Volk davon erzählen, wird aber ausgelacht und nicht angehört, weil, wie die kluge Frau errät, man diesen etwas Schönes versprechen oder aber drohen muß.
Dann gehts mit der “Tätowierung” weiter. Da hat sich ein Priester “Jesus liebt dich” auf seinen Schwanz tätowieren lassen und nach einer Polizeikontrolle die liebe Not damit.
Eine Tintenpatrone will unbedingt rot werden und als der weichherzige Jesus seinen Vater einen “bösen Bullen” nennt, wird er von unsichtbarer Hand an einen Heizkörper geschleudert und Erzengel Charly hat die Schwester Maria geschwängert, der war zwar ein Betrüger, aber “schön” war es doch und das zweite Mal erscheint der Engel bei der Jungfrau und sagt ihr Gott hat sie dazu auserkoren sich das Kind von einem widerlichen Lebensmittelhändler machen zu lassen, diesmal ist der Engel echt, der Lebensmittelhändler nimmt aber ein Präservativ und schon wieder nichts.
Bei der “Beichte” wird es bösartiger, da kommt der Engel zum Atheisten ans Sterbebett und sagt “Ich hole dich um 15.35, du kannst noch vorher beichten, damit du nicht in die Hölle kommst”. Der Priester erscheint um 15.24 mit dem Notar und will zuerst die Kirchensteuerschulden zurückhaben, bis das erledigt ist, ist es zu spät zum beichten und der Arme muß in die Hölle.
Dann kommt eine Satire auf die “Beschneidung” und eine bezüglich des “Schlimmsten Verbrechens”, bevor es mit den zehn Geboten weitergeht, die leider auch eine Falschmeldung sind.
Ein Mann kommt nach Hause und trifft seine Frau nackt mit einem Mann im Schlafzimmer an, der ihm erzählt, daß er ein Janist ist, der seine Frau bekehren wollte und ein anderer Bekehrter dankt der Glaubensinformation, daß er beim Rosenkranzbeten zwar seine Potenz verloren hat, das Leben jetzt aber trotzdem viel schöner ist.
Nach Texten, wo sich die Anhänger der verschiedenen Religionen gegenseitig bekriegen, geht Dietmar Füssel in ein paar weiteren Texten spielerisch mit den Gottesbeweisen um. Es gibt eine “Hochzeitspredigt” und eine Satire, wo “Gott Bodo” zuerst für einen Irren gehalten wird, dann liegen alle zu seinen Füßen, weil er das Fernsehgerät reparieren kann und schließlich steigt er wieder in den Himmel hinauf, nicht ohne die Familie zum ewigen Nichtfersehen zu verdammen, so daß sie in ihrer Verzweiflung sogar zu Büchern greifen muß.
Ein anderer “Messias” steht auf einer Bühne und schießt alle Gottesungläubigen tot, während bei der “Letzten Ölung” ein Priester in den “April” geschickt wird.
Dann gibt es noch eine “Blasphemische Legende” über den “Stall zu Bethlehem”, eine Neudeutung der “Drei Weisen” und noch einiges anderes, bevor Dietmar Füssel den “religiösen Fanatikern, Gotteskriegern und Selbstmordattentätern zehn gute Gründe, ihn nicht zu ermorden, nennt.
Man sieht Dietmar Füssel hat Humor und Fantasie in seinen Texten eines “Ungläubigen an Ungläubige”, läßt dabei keine der großen Religionen aus und ist ein bemühter literarischer Arbeiter, der in seinen Buchproduktionen ähnlich unermüdlich, wie ich zu sein scheint, aber schon zehn Bücher in den verschiedensten Kleinverlagen hat.
Ich habe ihn, ähnlich wie Rudi Lasselsberger durch den “Max von der Grün-Preis”, den er gewonnen hat, kennengelernt und bin 2008 durch das “Autorenhausverlagslexikon” auf seine Homepage und monatlichen Gewinnspiele gestoßen, durch die er sich und seine Arbeit präsentiert und damit auch so ziemlich alle seine Bücher bekommen.
Inzwischen habe ich ihn einmal in Wien bei einer Lesung getroffen und bei den GAV-GVs sehe ich ihn manchmal auch. “Rindfleisch”, “Unterwegs”, “Diesseits von Eden” und “Leidenschaft”, habe ich schon besprochen. Sein neuestes Buch “Der Sohn einer Hure”, soll noch in diesen Jahr kommen. Dann stehen noch “Die Arbeit ehrt Mensch und Pferd” und “Mörder wie du und ich” in meinem Katalog, bzw. auf meinen Regalen. Das erstere habe ich jetzt an das Ende meiner Leseliste gesetzt, das zweite muß ich noch finden und über die anderen Bücher und Veröffentlichungen gibt seine Homepage Auskunft, die ich schon wegen der Chance jedes Monat einen “Füssel” zu gewinnen, sehr empfehlen kann.

Veza Canetti lebt

“Sozialkritische Literatur zeitgenössischer Autorinnen”, steht auf dem Umschlag des “Promedia”-Bändchens mit dem Bild einer Frau im altmodischen Kleid, von der statt eines Gesichtes nur ein riesiger großer roter Mund zu sehen ist und die mit dem Finger auf eine Hauswand mit einem Briefkasten und einer Uhr zeigt.
Vor zirka einem Jahr ist der Aufruf von Karin Ballauf, Petra Ganglbauer und Gertrude Moser-Wagner, den Herausgeberinnen, anläßlich Veza Canettis fünfzigsten Todestages, sozialkritische beziehungsweise formal spannende Kurzprosa einzureichen, zu mir gekommen.
Detail am Rande war noch, daß sich der Aufruf an deutschsprachige Autorinnen wandte, die das vierzigste Lebensjahr schon überschritten hatten, um dem Jugendkult und dem Fräuleinwunder bei den Einreichungen entgegenzusetzten und ich, die ich als Verza Canetti in den Neunzigerjahren zum ersten Mal in Buchform aufgelegt, bzw. im Theater gespielt wurde, mir sowohl die “Gelbe Straße” kaufte, als auch den “Oger” im St. Pöltner Landestheater gesehen habe und 2006 von Judith Gruber-Rizy eingeladen, auch bei dem “Fest für Veza”, in der Ferdinandstraße war, habe das Literaturgeflüster durchforstet, denn irgendwie habe ich ja vielleicht etwas mit der 1897 geborenen Dichterin gemein, obwohl ich nicht expressiv schreibe, in keiner experimentellen Szene verhaftet bin und auch keinen späteren Nobelpreisträger zum Mann habe, aber ich wurschtle mich an die vierzig Jahre im literarischen Untergrund dahin, gebe meine Bücher selbst heraus, weil ich bis auf einen Roman in einem Kleinstverlag und zwei Sachbüchern auch nur in Anthologien und in Zeitschriften zu finden bin und mir, auch wenn das nicht bemerkt wird, die Literatur, das Schreiben und das Lesen sehr wichtig sind, so daß ich die Möglichkeit des Bloggens, die Veza Canetti noch nicht hatte, seit 2008 nütze und seither mein literarisches Leben fast täglich und manchmal auch darüber ins Internet stelle.
Aus diesen dann drei Texte herausgefischt, die zwar keinen unmittelbaren Bezug zu Veza Canetti haben, hatte ich im “Literaturgeflüster” ja ,glaube ich, noch nicht sehr viel über sie geschrieben.
Aber mein “Langer Brief an den Hern Kurz” schien mir die die “aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen” widerzuspiegeln, “Nebelschwaden”, ein Kurztext zum Projekt an dem ich gerade arbeitete, ebenfalls und das “Post-Frühstück” schien mir auch geeignet.
Da die ersten beiden Texte inzwischen in anderen Publikationen erschienen sind oder noch erscheinen werden, war ich gar nicht so unglücklich, als mir Petra Ganglbauer oder war es wer anderer schrieb “Diesmal leider nicht!” und ich wollte zuerst auch gar nicht zu der Veranstaltung in die “Alte Schmiede” gehen, dann ist sich das aber doch ausgegangen, habe ein paar liebe Kommentare auf den Artikel bekommen und vielleicht sogar eine neue Kommentiererin für das “Literaturgeflüster” gefunden, was mich sehr freuen wurde und bei der Tafelenthüllung im Hause Ferdinandstraße Nummer 29 bin ich kurz auch gewesen und dann ist jetzt noch das Buch zu mir gekommen, so daß ich auch noch einen Eindruck über die aktuelle Zeitgenössische Auseinandersetzung der deutsprachigen Autorinnenschaft über Vierzig geben kann.
Gertrude Moser-Wagner, die mir auch einen Kommentar schickte,leitete in ihrem Vorwort in das Projekt ein, erzählte, wie es zu der Textauswahl kam und bedankte sich auch den nicht ausgewählten Autorinnen, für ihr Engagement was ich auch sehr interessant finde.
“Veza-werden” ist der erste Text, der mir bisher unbekannten Elke Krasny, der ein bißchen an die Erinnerungsbücher erinnert, von denen ich vor kurzem eines gelesen habe.
“Ich erinnere mich. Ich erinnere an sie. Die Positionen sind vielfach verschoben.”
Ein Zitat von Virginia Woolf gibt es auch und die Aufzählungen all der Namen unter denen Veza Canetti in den erwähnten Zeitungen und Zeitschriften geschrieben hat “Veza Magd, Veronika Knecht, Martha Murner, Martina Murner, Marina Muner, Martin Murner”
“Sie war eine Frau. Sie war eine Jüdin. Sie war eine Behinderte. Sie war eine Austromarxistin. Sie war eine Emigrantin. Sie war eine Übersetzerin. Sie war eine Schriftstellerin. Sie war eine Feministin”.
Da ist interessant, daß ich das mit Behinderung bisher genausowenig wußte, wie das Valerie Szabo-Lorenz Jüdin war, zumindest kann ich mich nicht erinnern, das von ihr gehört zu haben, obwohl ich mit ihr ja sehr gut und lang befreundet war.
Susanne Hochreitner, deren Text zu den literaturwissenschaftlichen Texten gehört, die auch noch eingefügt wurden, habe ich schon in der Alte Schmiede gehört.
Dann wird es literarischer und so erinnert die 1949 in Heidelberg geborene Lebensberaterin Shobhar C.Hamann in ihren Text vorher an fünf Frauen, die von ihrem Männern geschlagen werden, um die Alimente betrogen, von den Jugendamtsmitarbeitern belächelt, werden, bevor sie zu Vezas Briefwechsel mit Elias Canettis Bruder George kommt und daran erinnert, daß sich Elias, erst an das Schreiben seiner Frau erinnerte, als er schon Nobelpreisträger war, sie hat ihm dagegen bei der Herausgabe der “Blendung” geholfen und war auch offensichtlich auch noch sehr depressiv.
In “Nachrichten aus dem “Hier und jetzt” der 1965 in Bregenz geborenen Ute Liepold spricht eine Frau eine andere auf der Straße an, erzählt von der Gewalt, die Frauen von ihren Männer erleiden, die sie aus Liebe heiraten und retten wollen und dann mit ihren Kindern, mit blauen Augen und zerkratzten Händen im Frauenhaus landen, wo sie vielleicht langsam wieder zu sich kommen.
Brigitte Menne geht es in “Dorothea mit dem Hammer oder die Eingebungen des heiligen Geistes” poetisch an und erzählt in einer Mischung zwischen Polizei und anderen Protokollen die Geschichte einer Schizoprenen mit religiösen Wahn, einer Bäuerin, die mit einem Hammer auf ihren schlafenden Mann einschlug, “um die Welt vor dem Teufel zu retten.” Er will sie, ihren Sex und ihre Arbeitskraft zurückhaben, sie ist aber ganz froh über die geschlossene Anstalt in der sie landet,”beschäftigte sich mit nützlichen Arbeiten und wurde mit der Zeit ausgeglichen und umgänglich.”
In “Valerie und Valerie” erzählt Sylvia Treudl von Valerie Lorenz und ihrer Tante die in Weitra im Waldviertel lebt und Valerie Lorenz-Szabo, habe ich ja in den späteren Siebzigerjahren im “Arbeitskreis schreibender Frauen kennengelernt” und bin jung und blauäugig auch in ihre Gemeindewohnung nach Grinzig gekommen, wo mir der Lyriker Wilhelm Szabo zwar die Hand küsste, aber mich und mein literarischen Arbeiten nicht so förderte, wie ich es mir erwartete.
Er hat auch seine Frau nicht gefördert, die eine Kunstschule besuchte, mit ihm im Waldviertel und später in Wien lebte, an deren Jausen ich mich sehr gern erinnere, haben wir uns ja bis zu ihrem Tod 1996 regelmäßig bei ihr getroffen und wir haben auch einmal ein Frauenbuch herausgeben wollen, in dem sie einen Text mit dem Titel “Kafka ist es nicht” drinnen haben hätte sollen, wo man die mangelnde Anerkennung des gefeierten Lyrikers an seiner schreibenden Frau finden kann. Nach ihrem Tod sind in der Edition Doppelpunkt “Veras Puppen”, erschienen, vorher, glaube ich, auch Texte in Anthologien. Sylvia Treudl hat recherchiert, daß sich im Literaturkreis Podium niemand an die Valerie erinnert hat. Da hat sie vielleicht Elfriede Haslehner nicht befragt, aber vielleicht ist die dort nicht mehr so aktiv. Eine Parallele zu Verza Canetti kann man aber sicher herstellen und es ist auch sehr wichtig, daß Syvia Treudl an sie erinnert, ob sie in den ersten Frauenverlagsanthologien Texte drinnen hat, weiß ich nicht und “Veras Puppen” ist ja auch nicht im “Wiener Frauenverlag” erschienen, aber jetzt kann man Interessantes über die Dichterin nachlesen.
Weiter geht es bei den achtzehn Prosatexten mit und ohne Veza Canetti mit prezzemolas “Konditormeisterin”, die wahrscheinlich authentische Geschichte einer Frau, die als alleinerziehende Mutter eine Konditorei gründete und ihr Kind um siebenunddreißig Jahre überleben mußte.
Die Musikredakteurin Irene Suchy, die ich von Ö1 kenne überraschte mit einer “Litanei gottloser Gebete.”
Dine Petrik, deren zweites Hertha Kräftner Buch ich vor kurzem erst besprochen habe, ging auf Spurensuche ihres nicht aus dem Krieg zurückgekommenen Vaters und Irene Wondratsch, ebenfalls GAV-Kollegin und seit kurzuem in Pension erzählt sehr poetisch und mit Farbenangabe wie eisengrau oder erdbeerot “Was Katja zwischen dem 19. März und dem 11. Mai erlebt.”
In “Die Puppe zu Besuch beim alten Mann”, erzählt die aus Polen stammende Magdalena Diercks, was Agnieska bei ihrem Nachbarn erlebte, und wie sie dem einsamen und verbitterten langsam näher kommt. Und in “Kreuzungen” von Silvia Hlavin fährt ein 1956 Ungar Flüchtling jetzt Rosenzüchter mit einem solchen Strauß für seine Mutter nach Budapest. Der Wartburg einer entlassenen Staatssicherheitsbeamtin rast in ihn hinein und sie erinnert sich an alle seine Briefe, die sie einmal lesen und an ihre Vorgesetzen weiterletien mußte.
In “Fahrige Zeichen im Nirgendwo” von Katja Schröckenstein geht es dann langsam wieder zu den Canettis zurück. Zuerst werden aber Grenzen gebrochen, Päße gezeigt und auch sonst von Flüchtlingsschicksalen erzählt. Und Gertraud Klemm mit der ich ja erst vor kurzem gelesen habe, gibt wieder eine Probe ihres bei Droschl erscheinenden Romanes “Herzmilch” ab.
Gerda Sengstbratl, die glaube ich, einmal in einer von Petra Ganglbauers Schreibgruppen war, zeigt in einem sehr poetischen Text, wie die Auslöschung der Frauen am Land passiert und die in Kurks geborene Ljuba Arnautovic geht in das Wien des Austrofaschismus und zeigt sehr eindrücklich die Angst einer evangelischen Frau, die mit einer Nonne in einem Keller eines Polizeigefängnis eingesperrt ist, in dem langsam das Wasser hochsteigt. Dann kommen zwei Horrorvisionen, bevor es mit Fotos des Veza-Projektes und den zwei Männern im Buch weitergeht.
In “Gehen und Stehen” beschreibt Claudia Bittner, die glaube ich, zweimal den Siemens-Preis gewonnen hat, die weiblichen Arbeitsbienen in ihrem Alltagstrott und die 1948 geborene Elfie Resch, die Redaktionsmitglied des “Driesch” ist, neben der ich bei Veza-Veranstaltung in der “Alten Schmiede gesessen bin und die ich auch mit dem Buch unterm Arm an nächsten Tag bei den Maidemonstrationen gesehen habe, schildert ein Szenario, nach dem Frau, die erfolglos bei den schwarz-blau Demos mitmarschierte, sich auf einen Berg zurückzieht, als die Chips eingeführt wurden und die Bücher abgegeben werden müssen, in Wahrheit wird letzteres wahrscheinlich viel subtiler passieren, sie vereinsamt dort ein bißchen und als die Depression zu groß ist, kommen die Mädchen, die sie versorgen mit zwei Flüchtlingen hinauf, so, daß “Die Alte vom Berg” wieder eine Aufgabe hat.
Klaus Zeyringer erzählt ein bißchen, wie wenig Schriftstellerinnen bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts publiziert wurden und kommt zu den vierzehn Erzählungen, die unter den schon erwähnten Pseudonymen in der Arbeiterzeitung in den Dreißigerjahren von Veza Canetti publiziert wurden und Klaus Neudlinger ist zu einem Symposium nach Ruse gefahren, wo das Geburtshaus Elias Canetti steht, an dem die Veza ja “zwanzig Jahre Dienst versah” und der Bogen hat sich geschlossen.
Eine wunderbare Textauswahl von mir bekannten und auch unbekannten Autorinnen, interessant wäre nun auch die Texte der nicht Ausgewählten zu kennen und zu wissen, wie und inwiefern, sie sich von den ausgewählten unterscheiden und einige Namen, die zu diesem Thema wahrscheinlich auch etwas zu sagen hätten, wie Ruth Aspöck, Judith Gruber-Rizy etc habe ich vermißt, weiß aber nicht, ob sie eingereicht haben.

elffriede.aufzeichnungssysteme

Am Mittwoch gab es harte Kost im Literaturhaus oder experimentelle Literatur pur, sowie die Präsentation des Klever-Buches “schrei zum hummel. eine art buch.” ein monologisches hörspiel stark reduzierter, dramatisierter dichtung und zeichnung in elf akten, sprachlich, akustisch und visuell vergegenwärtigen und die experimentelle Performancerin und was auch immer ist seit einigen Jahren GAV-Mitglied. Ich würde sie dem fröhlichen Wohnzimmerkreis zuordnen. Biografie konnte ich im Internet keine von ihr finden, kann mich aber an eine oder mehrere Ausstellungen erinnern, die sie im Literaturhaus hatte und die aufzeichnungssysteme scheint es schon länger von ihr zu geben.
Also eigentlich nicht unbedingt die Veranstaltung, die ich mir primär aussuchen würde, wie auch Wolfgang Helmhart im Gespräch anmerkte, aber diese Woche war nur der Mittwoch dafür frei, weil wir am Montag die Ingrid trafen, am Dienstag Psychologen Jour fixe, Donnerstag Fixstunde und am Freitag schon Pfingsten Barock in Melk, wozu ich wieder Karten gewonnen habe und da gab es nicht sehr viel Auswahl. Richtig die literarische Soiree im Radiokulturcafe, wo Michael Köhlmeiers “Joel Spazierer” besprochen wurde, hätte es gegeben, aber das werde ich ohnehin lesen und ich interessiere mich ja für alles oder jedenfalls für sehr viel und das Literaturgeflüster soll auch ein sehr vielseitiges Bild des Wiener Literaturlebens zeigen. Außerdem habe ich auch gerade ein Buch gelesen, wo es mehrere experimentelle Texte gab und bei diesbezüglichen Veranstaltungen bin ich vor kurzem auch gewesen. In Wien kommt man nicht umhin, das zu tun, wenn man regelmäßig die literarischen Orte besucht, wie Wolfgang Helmhart ebenfalls anmerkte. Als ich das Literaturhaus erreichte, war es drinnen still und dunkel, draußen reihten sich die Raucher um Barbara Zwiefelhofer, drinnen gab es eine Ausstellung von Hanno Millesi zum Thema “Grantourismo”, die dieser Tage auch im “Leporello” vorgestellt wurde und nach und nach kamen auch die experimentellen Besucher.
Angelika Kaufmann, Michael Hammerschmid, Wolfgang Helmhart, Jörg Piringer, Birgit Schwaner und für mich überraschend, der Chemiker, den ich öfter in der WienBibliothek treffe. Dem wird es nicht gefallen, habe ich gedacht und mich getäuscht und mir hat es auch gefallen, denn die Allroundperformancerin war wirklich sehr poetisch. Zuerst hat Barbara Zwiefelhofer begrüßt, Ralph Klever, der Verleger eingeleitet und das Buch vorgestellt, das, wie er sagte, sowohl Lyrik enthält, die man auch von Schubert umrahmt, in der “Holden Kunst” senden könnte, Dramatisches, nämlich Gespräche mit Bibern gibt es auch, sogar die Romanform wurde erwähnt und auch, daß man am Büchertisch mehr T-Shirts als Bücher finden konnte, elffriede scheint wirklich eine Allroundkünstlerin zu sein und derzeit in einer Galerie auch eine Ausstellung zu haben.
Dann kam die Performance, der Lesetisch war voll von technischen Geräten und elffriede holte eine Feder heraus und begann zu zeichnen und dann selbst bzw. aus dem off ihre Auffzeichnungssysteme zu rezitieren und wie erwähnt, sehr poetisch, aphoristisch hat es der alte Herr genannt, dem es sehr gefallen hat.
“es wird verzeichnet, was auf dem tisch kommt, elffriede aufzeichnungssysteme, 2000-2013”, steht auf der Karte und im Literaturhausprogramm gibt es auch eine Zeichnung, die elffriede am Beginn präsentierte “betrachten sie dieses schreiben als gegenstandslos” steht darauf.
Ein paar der poetisch klingenden Sätze habe ich mir auch mitgeschrieben “jeden tag spiele ich mit dem leben, spitze die ohren”, beispielsweise und nehme an, daß sich elffriede in der Kleinschreibung übt.
“es gibt mindestens zwei schwierigkeiten mit dem buch. in dem buch ist nichts. das buch ist vollkommen leer.”
“das weiße vom ei, die spreu vom weizen mischen” und so weiter und so fort. Dazwischen wurden die zeichnungen projeziert und elffriede mischte gekonnt das Bild mit der Akustik und als sie das Ende der Performance verkündete, gab es großen Applaus.
Nachher gab es noch was zu trinken, ich habe mich beim Wein, sowohl mit dem Chemiker, als auch mit Wolfgang Helmhart unterhalten und wieder was gelernt oder eingetaucht in der experimentellen Szene Wiens. Ob das Literaturgeflüster auch experimentell ist wollte Wolfgang Helmhart, der sich schon auf das Literaturgeflüsterbuch freute, von mir wissen. In gewisser Weise ja wahrscheinlich, zumindest ist es auch ein gigantisches Aufzeichnungssystem des literarischen Lebens, das am dritten Juli seinen fünften Geburtstag feiert und wenn ich so diszipliniert weiter mache, wie bisher, wird es auch bald meine Aufzeichnungen geben, in denen zumindest von einigen experimentellen Veranstaltungen berichtet wird, denn in Wien kommt man nicht darum herum, wenn man es einigermaßen konsequent betreibt und das kann auch für eine psychologisch-realistische Schreiberin durchaus spannend sein.

Demeter, der Schweinehirt

Jetzt kommt ein Buch von der Harlander-Leseliste, beziehungsweise aus dem Bücherschrank meiner Eltern, ein ganz altes aus dem berühmten E.Prager-Verlag, in dem auch Else Feldmanns “Der Leib der Mutter”, in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunders erschienen ist und von meinem Onkel Hans meiner Mutter zu Weihnachten 1932 oder so geschenkt und gewidmet wurde, das habe ich schon vor Jahren gelesen, damals, als es der Milena-Verlag, der jetzt ja leider nicht nur mehr Frauen verlegt, wieder herausbrachte und als ich meine Bücher 2005 oder so katalogisierte bin ich auf Andreas Szilagyis “Demeter, der Schweinehirt” gestoßen, Copyright 1931, das ich im letzten Sommer auf die Leseliste setzte.
Leider finden sich im Internet keine biographischen Anfaben zu Buch und Autor und auch im Buch selbst ist nichts davon zu finden. Es dürfte aber in Siebenbürgen spielen zur Zeit der Wirtschaftskrise, auch das ist nicht näher angegeben, am Land, wo der zwölfjährige Demeter, als er die Schule verläßt “Ich will ein Handwerk lernen!”, zu seiner Mutter sagt. Er sucht dann auch ein paar Jahre und findet nichts Rechtes, will er ja nicht ausgenützt und geschlagen werden, bis ihm seine Mutter beim Großbauern Ruzsa als Schweinehirt anmeldet und so zieht er los mit seiner Herde, in der sich auch ein paar Wildschweine befinden, in den Wald, wo es die Eicheln gibt und löst den alten Pavel ab, der bisher dieses Amt versah und der hat bei Ruzsa Schweirigkeiten seinen Lohn zu bekommen, will der ihn doch um fünfzig Schweine betrügen.
Demeter freundet sich inzwischen mit den Schweinen an, nennt sie bei ihren Namen und folgt den beiden Wildschweinen Tobias und Istok an eine Stelle, wo er die schöne Szabina mit dem roten Röckchen und den großen Busen trifft, die dort Holz einlädt. Sie ist schon siebenundzwanzig, eine arbeitsame Frau und bringt den Knaben zu wilden Fantasien und auch zu großen Ängsten, was er machen soll, wenn sie noch Jungfrau ist? Ist sie nicht mehr, denn sie hatte schon viele Geliebte und verdingt sich auch im Winter bei einem alten jüdischen Holzhändler als Magd.
Demeter bekommt indessen von Pavel Besuch, der ihn bittet zu bezeugen, daß er dreihundert Schweine von ihm übernommen hat. Der tut das auch unerschrocken, obwohl ihm das der Stuhlrichter nicht glaubt. Er geht auch zum Pfarrer und will bei ihm beichten, der ihm aber nicht zuhört, sondern Honig und Schnaps auf den Tisch stehen hat und den Großbauern erwartet. Der läßt nicht nach den alten Pavel um seinen Lohn zu betrügen, als der aber von den Schweinen aufgefressen wird, bezahlt er ihm das Begräbnis und den aufmüpfigen Demeter jagt er im Winter, als die Schweine wieder hinabgetrieben und geschlachtet wurden, aus den Dienst.
Der hat inzwischen Szabina, die von ihm schwanger wurde und das Kind doch nicht abtreiben läßt, geheiratet und versucht es bei den Holzfällern, die aber auch um ihren Lohn betrogen werden. Überall betrügen die reichen Herrn die armen Tagelöhner und als Szabina, um Demeters Lohn aufzubessern, wieder in das Bett des alten Holzhändlers will, läßt er das nicht zu. Er bringt auch die anderen Holzknechte dazu, sich zu wehren und sich die Unterdrückung nicht gefallen zu lassen, so daß er und sein Freund Gyuszi von den Genarmen zum Stuhlrichter gebracht und verprügelt werden, als der ihm “Kommunist” beschimpft und Demeter, der eigentlich keine Ahnung hat, was das ist, “Selber Kommunist!” antwortet. Er erfährt dann aber, daß das “Revolutionär oder Räuber” bedeutet und ist stolz darauf. Am Ende kommt es zum Streik bei den Großbauern und Holzhändlern, so daß Ruzsa selbst die Kühe melken muß und ihm nichts anders über bleibt, als mit Demeter zu verhandeln und seinen Leuten Maria und Boris “vierzig Kreuzer mehr Lohn zu geben.”
“Im Herbst werden die Großbauern aber wieder unverschämter” und Demeter ärgert sich, daß er nicht, wie Pavel ihm das schon geraten hat, nicht schriftlich ausgehandelt hat.
“Ein zweites Mal werden wir klüger sein, sagen sich aber die Armen” und das Buch schließt mit den Sätzen “Aber der Kampf währt fort. Der Klassenkampf zwischen reich und arm. Revolution. Die Auflehnung sämtlicher Dörfer und Sädte – Berge und Ebenen nennt man Revolution!”
Inzwischen schreiben wir 2013, haben einige Kriege und Klassenkämpfen überwunden und schlittern einer neuen Wirtschaftskrise entgegen, wo zwar alle noch zu essen haben, inzwischen aber wieder ähnliche Ausbeutung, Lohndumings und Freisetzungen passieren und so war es spannendend, die Krise heute mit der in dem alten, inzwischen wahrscheinlich längst vergriffenen Büchlein zu vergleichen. Interessant welche Schätze sich im Bücherkasten meiner Eltern finden und schade, daß im Netz so wenig über Andreas Szilagyi, über den ich gar nichts weiß, zu finden ist und es war auch spannend das Buch zu lesen, wechseln sich doch die klassenkämpferischen Passagen mit expressionistischen, wie die mit den beiden Wildschweinen, die den alten Hirten fressen, ab, so daß ich es fast lesbarer, als andere Bücher aus dieser Zeit, wie beispielswweise den “Karl” fand und die Szenen, wo der Jüngling seine ersten Erfahrungen mit Frauen macht, sind auch erstaunlich offen und freizügig erzählt.

Neuigkeiten

Wenn man letzte Woche Cornelia Travniceks Twitter und Facebookeinträge mitverfolgte, konnte man merken, daß das Bachmannwettlesen langsam naht, jedenfalls hat sie ihre Klagenfurter Stadtschreiberstelle angetreten, Fotos von dem Schriftsteller Atelier gepostet, ihr “Dienstrad” und die Volksküchengutscheine und die Badekarte gezeigt, die ihr die Stadt Klagenfurt zur Verfügung stellt, eine Lesung im Musil-Haus und ein Foto mit den Kulturreferenten vor dem Lindwurm gab es auch.
Also lag es nahe auf die Bachmannseite zu gehen und nachzusehen, wann die Namen der 2013 Lesenenden bekanntgegeben werden. Eine Schätzung gab ich nicht mehr ab, gibt es ja einige Österreicher und Österreicherinnen die dafür in Fragen kommen und die jungen Deutschen und Schweizer, die dafür ausgewählt werden, kenne ich ja vorher nicht.
Nadine Kelgele war in den letzten Tagen öfter bei meinen Suchanfragen zu finden, sie hat aber vor kurzem ihr ersten Buch, die “Annalieder” herausgegeben, das vor einer Woche bei den “Beispielen” und ich glaube auch in “Ex Libris” war, also nachsehen und herausfinden, die Namen werden am Montag den Dreizehnnten bekanntgegeben. Spannendes Warten und, um die die Spannung zu steigern, kann ich vorher ein paar andere News melden, so daß Olga Flor die nächste Wildganspreisträgerin ist und auf meiner Seite hat sich auch etwas getan.
Ich kann ein neues Jubiläum bekanntgeben, denn als ich am Donnerstag meine Mailbox öffnete, hatte ich ein Deja-vue Erlebnis, war da doch eine Einladung von Reinhard Wegerth für die “Textvorstellunge” am 30. 10, aber das war doch schon im vorigen Jahr, dann las ich 2013 und “Kerstin Achterln” und toll, toll, das ist also flott gegangen und heute habe ich noch erfahren, daß ich mit Ludwig Roman Fleischer und Andrea Wolfmayr lesen werde.
Dann ging ich ich am Vormittag, als wir von Harland nach Wien gekommen sind, ein paarmal auf die Bachmannpreisseite, aber da war noch nichts zu finden, dafür habe ich ein liebes Mail von Buchmanie bekommen, die mir schrieb, daß sie sich schon lange ein Buch von Marlen Schachinger lesen wollte, dann machte ich zwei Stunden und als ich dann wieder nachschaute, hatte ich die Namen und die Bachmannseite hatte auch ein neues für mich gewöhnungsbedürftiges, nämlich sehr hellgelbes Design und es gibt auch einen neuen Organisator Horst E. Ebner, haben sie doch Michaela Monschein, die das bisher machte hinausgeschmissen und einen neuen Moderator, nämlich Christian Ankowitsch, sowie einen neuen Juror gibt es auch.
Also dann die Namen und wie meist stehe ich staunend vor den inwischen sehr jungen Eingeladenen, denn außer Nadine Kelgele, Cordula Simon und Joachim Meyerhoff, der, glaube ich, heuer einer der Bremer Preisträger war, kannte ich wieder niemanden und keine Ahnung, an wenm dann in sechs Wochen der Preis vergeben werden wird.
Nadine Kegele kenne ich ja ganz gut, habe ich ja schon zweimal mit ihr beim Volksstimmefest gelesen, habe sie einmal bei den “Textvorstellungen” und einmal in der “Gesellschaft für Literatur” gehört und Cordula Simon wurde im Literaturhaus bei den “Auftritten” vorgestellt, hat da sehr extravertiert aus ihrem Buch gelesen und eine Flasche Wodka aus der Ukraine, wo sie lebt, mitgebracht. Spannend, spannend und natürlich auch ein bißchen deprimierend, denn da hätte ich auch einmal ganz gern gelesen, aber leider keine Chance, keine Chance, warum eigentlich? Keine Ahnung, aber dafür gibt es inzwischen schon die Informationen für das Rahmenprogramm. Da wird Michael Köhlmeier, auch ein Bekannter, den Erföffnungsvortrag halten, Angelika Reitzer eine “Bachnmannvorlesung” und Marlen Schachinger wird im Literaturkurs ihr neues Buch vorstellen, war sie ja einmal auch Literaturkurseingeladene und die Namen der Literaturkursteilnehmer sind mir noch unbekannter, weil da schon wieder keine Österreicher und nun wissen wir fast alles bezüglich des schönsten Betriebsauflug in Sachen Literatur und ich kann von mir vermelden, daß ich am Wochenende sehr sehr fleißig und diszipliniert gewesen bin und das Literaturgeflüster-Texte-Buch gleich zweimal durchkorrigiert habe, so daß es langsam mit den einheitlichen Anführungszeichen klappen sollte. Die Namen habe ich auch alle abgekürzt, die Verbindungssätze eingeführt und noch einen Artikel weggestrichen, so daß ich, wenn ich während meiner Sommerfrische und bis dahin weiter so diszipliniert verbleibe, vielleicht wirklich bis zum Nanowrimo fertig bin und mich dann ein paar Schreibetage lang auf Materialsuche für mein “Dreizehn Kapitel-Projekt machen kann und wenn wir im November eine Woche nach Ungarn fahrne, kann ich mich dort auch auf Lesemarathon begeben um meine lange Leseliste ein wenig abzuarbeiten. So weit so what, um meinen Frust mit ein paar internen Schmankerln, die ich mir selber geben kann, zu versüßen und mich auch auf den Bachmannmarathon, der wieder Anfang Juli sein wird, freuen, vielleicht verstärkt er mein konzentriertes Korrigieren und bringt mich auch auf ein paar Ideen, so daß ich mich im Oktober oder November, etc, frisch und energiegeladen auf mein neues Projekt stürzen kann.

denn ihre Werke folgen ihnen nach

Diesen, bei Otto Müller, erschienenen Roman von Marlen Schachinger, habe ich vorige Woche bei den Empfehlungen zur ORF-Bestenliste gefunden und war fasziniert, denn Romane über den Literaturbetrieb interessieren mich ja sehr, habe schon einige geschrieben und immer zu hören bekommen, daß man das nicht soll, weil das niemanden interessiert, was ich eigentlich nicht glaube und die 1970 in OÖ geborene Marlen Schachinger ist mir auch bekannt.
2000 ist ihr erster Roman “morgen vielleicht”, in Ruth Aspöcks Edition herausgekommen, da habe ich sie auch kennengelernt und wir haben Bücher mit einander getauscht. Später haben wir uns eine Zeitlang in der “Frauen lesen Frauen”- Gruppe des ersten Wiener Lesetheater getroffen und auch ein paarmal bei dieser Frauenlesung in der Galerie Heinrich zusammen gelesen. Eine Lesung bei Radio Orange haben wir auch einmal gemeinsam gehabt. Da ist mir Marlen Schachingers poetischer lyrischer Ton aufgefallen. Zur ersten “Mittleren” Lesung, die noch im Literaturhaus stattgefunden hat, habe ich sie eingeladen und sie später einmal bei der “Hausdurchsuchung”-Lesung in der Hauptbücherei getroffen, wo sie mit einem Tonband hantierte und die Lesung aufgenommen hat. Dann referierte sie im Literaturhaus bei einer Schreibveranstaltung, ich war auch bei dem Vortrag in Gallizinstraße, wo sie an einem Lehrgang für Schreibpädagogik mitarbeitete, jetzt hat sie, entnahm ich dem Buch und ihrer Website ihr eigenes Institut für narrative Kunst, hat eine Dissertation geschrieben und einen Roman über den Literaturbetrieb, der ihr Indiserwissen bekanntgibt und ganz anders ist, als ich mir erwartet habe. Reißerischer und weniger poetischer, als ihre letzten Texte vielleicht, aber für eine, die sich ja ebenfalls sehr für den Literaturbetrieb interessiert und sich dort viel herumtreibt, sehr interessant.
“Alles ist Lug und Trug, ist Täuschung und Traum, ist nicht das, was es scheint”, lautet eines der Motti, von Nikolaus Gogol und das geht es gleich in medias res und zu dem Bestsellerautor Mario Kamov dessen Lebensgrundsatz “Klug geflunkert ist halb gewonnen” lautet. Der schlägt eine Zeitung auf in der “Kein Gericht der Welt würde mich schuldig sprechen, und dennoch trage ich die Verantwortung für Luca H.s Tod” steht.”
Deshalb schreibt er auch einen Beichtroman, das heißt er schickt seine Berichte an eine Internetbeichtseite ab, die ihm dann Vergebung bzw. Betaufträge sendet. So kommen wir in das Geschehen hinein. Mario ist ein Schulabbrecher, auch seine Buchhandelslehren hat er hingeschmissen und so ist er in jugendlichen Jahren mit zwei Freunden in einen Verlag eingebrochen und hat außer einer Kaffeemaschine auch eine Tasche mit abgelehnten, unverlangt eingesandten Manuskripten mitgenommen. So etwas Ähnliches hatte ich auch schon einmal. Unser Held schreibt sie um und wird zum Bestseller, zum “U” nicht zum “E”, was ja nicht für die Karriere gut ist, trotzdem nimmt er eine Poetik-Vorlesung an, das heißt er wird Lehrer in einem Wiener Universitätsinstitut für Sprachkunst, was meiner Meinung nach zwar nicht dasselbe ist, aber hier lernt er Luca kennen und das ist der Sohn einer Verfasserin eines der Manuskripte und der hält ihm das Manus entgegen.
“Aha!”, denkt man und “Eh schon wissen!”
Aber jetzt fängt es erst an und entwickelt sich rasant in eine ganz andere Richtung, eigentlich in viele Richtungen weiter. Zuerst ist es Ostern und Mario braust mit seinem Motorrad nach Salzburg, wo die Mutter lebt, verfolgt sie ins Bett und nimmt mit ihr aus dem Hotel, wo der Beischlaf stattfindet, sämtliche Badeprodukte mit, was ich eigentlich auch immer tue. Dann fährt der Schalträger noch nach Venedig und liest dort Thomas Manns berühmte Erzählung. Inzwischen ruft der Verlag an und schlägt ihm ein Mentorprogramm vor. Mario wählt Luca und nicht die begabte Lisa, deren Arme Schnittspuren tragen und die auch schlecht liest, dafür aus und Luca, der für Proust und Thomas Bernhard schwärmt, lädt Mario zum Essen ein, der sein Mail aber nicht bekommt und zur gemeinsamen Lesung ins Literaturhaus erscheint er stark geschminkt. Der Verlag will ihm einen Platz im Herbstprogramm reservieren, ein Bachmannjuror ihn dort lesen lassen. Mario lehnt ab, sein Schützling ist noch nicht so weit, schlägt stattdessen sein eigenes Werk vor und Luca soll stattdessen in “Germany next Bestseller”- Show auftreten. Da magert er stark ab, wird hinausgeworfen, vorher ist er Mario noch bös, weil er vom Beischlaf mit seiner Mutter erfuhr, blamiert ihn bei einer Preisverleihung und seine Schreibmaskottchen stiieht er ihm auch, Marlen Schachinger läßt nichts aus, was Mario immer zu eigenen Texten anregt. Am Ende bekommt Marios Mutter ein tolles Manuskript von Luca, der sich umbrachte, war ja seine Motivation im Schreibinstitut “einen einzigen genialen Roman zu schreiben und dann abzutreten”, der Verlag bringt es groß heraus, es steht aber trotzdem ein paar Wochen weniger lang auf der Bestsellerliste, als das Werk Marios, so daß der gewonnen hat und wenn man jetzt wieder “Eh schon wissen!”, denkt, hat man sich noch einmal geirrt, denn noch ist es nicht aus und das Flunkern der Großmeister geht weiter, denn daran schließen sich noch zwei Kapitel, wo es einen anderen Schluß zu lesen gibt.
Das Ganze ist in siebenunddreißig Kapiteln und zwei Perspektiven geschrieben, in der Marios als Ich-Erzähler und in der von Lucas und man erfährt viel vom Literaturbetrieb, Marcel Proust, Mario Vargas Llosa , Thomas Mann, Thomas Bernhard etc, was ich sehr interessant finde und nur etwas bedauere, daß die Feministin Marlen Schachinger, die ja auch ein Buch über Herta Firnberg geschrieben hat und frauenspezifische Stadtspaziergänge macht, das Ganze so männlich und homoerotisch schildert. Sämtliche Vorbilder der Literaturgeschichte sind Männer, wo bleiben da Virginia Woolf, die Bachmann und die Jelinek? Aber dann wäre es vielleicht nicht so erotisch geworden und vielleicht auch nicht so boshaft, wenn eine Frau das Manuskript gestohlen und geflunkert hätte.
Interessant also, auch wenn mir einiges schon bekannt war, habe ich ja auch Milena Mosers “Möchtegern” gelesen, wo auch so eine Schreibshow beschrieben wird und krebse seit vierzig Jahren im Literaturbetrieb, wenn auch auf der anderen, auf der Verliererseite, wie Mario vielleicht sagen würde, herum und bezüglich Marlen Schachinger ist interessant, daß inzwischen noch ein anderer Roman von ihr erschienen ist, der am 14. Mai in Lhotzkys Literaurbuffet vorgestellt wird, eine höchst umtriebige Autorin also, die sich von der Kleinstverlagschiene in die mittlere Verlagswelt hinaufgearbeitet hat, was sicher nicht so einfach ist, der ich einen Platz auf der ORF-Bestenliste wünsche und auch ihren Krimi “Der Unschuld Verlust”, gelesen und für “Thalia” besprochen habe. Den Erzählband “Störung”, habe ich ebenfalls in meinen Regalen stehen.

Sonnenblumen im September

Ein Erzählband aus dem “Loma”- Verlag, der bewährten Edition von Rudolf Lasselsberger, für die er sich im Vorjahr zehn ISBN-Nummern kaufte, nach dem sein “Tanz in den Mai”, zuerst ohne richtige erschienen ist. Von Rudolf Lasselsberger, der ja öfter hier kommentiert, ist schon viel auf meinen Blog erschienen, zuletzt habe ich aber vorige Woche etwas von ihm gehört, als er als Mitaufrufer für die Kundgebung am ersten Mai vor dem Parlament auftrat.
Die Zeichnungen in dem kleinen weißen Büchlein mit dem “Loma” – Stern, der eine eigene Seite hat, sind wie auch bei anderen Bänden von Erich Sündermann, der 1952, wie Rudi Lasselsberger in Ruperechtshofen, NÖ geboren wurde und die “Sonnenblumen im September” enthalten acht Kurzgeschichten, die schon in Anthologien und in Literaturzeitschriften, wie “Kolik” oder “Wespennest” von den Achtzigerjahren bis 2000 erschienen sind.
Zwei der Erzählungen stammen aus den “Geschichten aus der Arbeitswelt”, eine im Europa-Verlag erschienene Anthologie, die ich vielleicht sogar in Harland stehen habe und ich habe den Rudi, wenn ich mich richtig erinnere, auch 1987 in Linz kennengelernt, als der den “Max von der Grün”-Preis gewonnen hat und ich im Jägermayerhof zu einer Schreibwerkstatt eingeladen war.
Es sind auch Geschichten aus der Arbeitswelt, die dieser Sammelband versammelt und die eifrige Lasselsberger-Leserin kennt auch schon das Szenario, des den beiden Schwestern gewidmeten Buchs, denn höchstwahrscheinlich treffen wir die Familie Lasselsberger in der Elfriede, der Anna und dem Franz und “Franz in Linz” ist noch ein Buch aus der “Loma”- Sammlung, das mir fehlt, während ich die “Willis” schon gelesen oder noch auf meiner Liste stehen habe.
“Bekanntlich meldet … der Kitzbühler Sportmoden-Erzeuger Zavratsky am 17. Juli den Ausgleich an, im St. Leonharder Zweigwerk wurden daraufhin fast 100 Frauen beschäftigungslos (Niederösterreichsche Nachrichten, Woche Nr 37, 1981”, ist der Titel, bzw. die Einleitung zum ersten Text, der von der Elfi, der Putzfrau dieser Firma handelt, die aufsteht, Husten und Kopfweh hat, an die Tochter, die für die Hauptschulprüfung lernen muß und an das Enkerl denkt, auf das sie aufpassen soll, der Sohn Franz ist in Wien und hat sein Lehrerstudium unterbrochen, dann geht es in die Firma, die Elfi putzt und darf nicht mehr mit der Erika Kaffee verkaufen, dann geht es nach Hause, die Osternesterl herräumen und dann noch einmal in die Firma, bevor die Elfi am Abend im Fernsehen den Kurt Tozzer hört, der ihr von der drohenden Arbeitslosikeit in der Steiermark erzählt.
In “Über die Äcker”, besucht der Enkel Franz die Großmutter Anna, die immer noch in einer Baracke wohnt, Fäustlinge stopft, damit sie etwas zu tun hat, von Sohn und Schwiegertochter versorgt wird, Diabetes hat und sich in der Früh spritzen muß. Sie sinniert über ihr hartes arbeitsreiches Leben nach, als sie dem Enkel “Hätscherltee” kocht und darüber, ob sie mit ihren viertausend Schilling Rente auskommen kann, die zweitausend Schilling Pflegegeld gehen an die Gerda, die ihr dafür den Haushalt macht und die Haare wäscht.
In Verkäuferin im Traumgeschäft”, das sowohl in den Geschichten aus der Arbeitswelt als auch im Wespennest erschienen ist, geht es um die Erni, die eigentlich Goldschmiedin werden wollte, aber das ließ sie die Mutter nicht, weil sie das auswärts lernen hätte müßen, was zu gefährlich wäre, so weckt sie sie immer frühmorgens auf und bringt sie zu dem Supermarkt, wo sie die Küche macht. Erni sitzt dann am Hocker des Fotogeschäfts, das hier seine Filiale hat, putzt die Spinnennester weg, sortiert Platten, läßt sich vom Chef und von den Kunden sexistisch belästigen und bekommt das Kotzen wenn sie an ihre Erlebnisse vom letzten Tanzabend denkt.
In “Ein schönes Stück Österreich”, treffen wir den Franz wieder, Rudis Alter-Ego, wie ich behaupten würde, der fährt von Wien, wo er in der Neustiftgasse wohnt, nach Haus, trifft schon nach St. Pölten auf die Gartenzwerge, geht ins Wirtshaus Kartenspielen, wo die Ewiggestrigen dröhnen, die Kelnerin alle Mühe hat, die Gäste zum Nachhause gehen zu bewegen und die Idee, in dem Ort einen Jugendclub mit Lesungen, etc zu gründen, eingegangen ist, weil die Chefs der Mitglieder ihnen das Kommen untersagte.
In “Zeit” begegnen wir Georg und Andrea, der Lehrerin und ihrem Mann, die ich, glaube ich, schon aus “Tanz in den Mai” kenne, es kommt ein Anruf bei dem sich keiner meldet, Georg arbeitet am Haus, Andrea fährt mit dem Rad, geht durch den Wald spazieren und denkt dabei an Martin, der Deutsch und Turnen an der Parallelklasse unterrichtet und sie im Auto heftig küsste, so “daß sie wie die Haftelmacher aufpassen müssen, daß nichts herauskommt, weil beide verheiratet und im Lehrerberuf, das gäbe einen Wirbel, den sie sich lieber ersparen wollen.”
In “Sonnenblumen im September” geht es nach Linz, wo Ulrike, die Kunst studierte, mit ihren zwei Kindern lebt, da gibt es wieder Gustostückerl von der Lasselsbergerschen Sprache, die so deftig erdig ist und manchmal auch ein bisserl infantil “Na, du Deppi, bist mein patriotisches Kind, gö”, beispielsweise und bei “Come together” begleiten wir Ulrikes fünfzehnjährige Tochter Gabi und deren sechzehnjährigen Freund Karl durch die Stadt. Das ist nichts für schwache Nerven, denn Fritz zündet im Jugendclub Mäuse an und wirft sie der eintretenden Gabi entgegen, dann trinken sie Punsch und essen Bratwürstl am Weihnachtsmarkt und rennen ohne zahlen davon und die Ausländer und die Tschuschen werden auch ordentlich angemacht oder niedergeschlagen.
Zuletzt treffen wir in “Alles in Ordnung”, Franz wieder, der, wie der Rudi Stadtschreiber in Linz geworden ist, seine Schreibmaschine samt leeren Blatt stehen läßt, von der Polizei perlustriert wird, die sich seinen Beruf erklären läßt und ganz genau wissen will, was er so schreibt.
Eine interessante Textsammlung mit sehr eindrucksvollen Geschichten aus einer Welt von der man sonst vielleicht nicht so viel lesen kann. Wenn man wissen will, was der Rudi so in “Kolik”, “Rampe”, “Wespennest” etc in Laufe der Jahre veröffentlicht hat, ist das weiße Lomabändchen sehr zu empfehlen und live war er am Freitag mit Christian Katt, Armin Baumgartner und Peter A. Krobath, den ich, glaube ich, auch aus Linz kenne, im “Heureka” zu hören und aus den “Sonnenblumen” hat er, glaube ich, auch schon am Volksstimmefest gelesen.

Die unsichtbare Fotografin

Jetzt kommt ein Buch, das ich vor einem Jahr aus der “Morawa”-Abverkaufskiste zog und um zwei Euro kaufte, nämlich Elisabeth Reicharts vorletzter Roman “Die unsichtbare Fotografin, 2008 bei Otto Müller erschienen und es ist ein Buch für das man ein wenig Geduld braucht, weil sich die Zusammenhänge erst weiter hinten verstehen lassen.
Das ist Alice, eine etwa vierzigjährige Fotografin, mit Kindheit in Gmunden und Eltern in Wien, die jetzt aber keine Wohnung mehr hat, sondern durch die Welt fliegt, in Hotelzimmern wohnt, sich an den Flughäfen von ihren Assistenten, Dolmetschern, Agenten abholen läßt, mal dortwo eine Vorlesung hat und hier zu einer Buchpräsentationen kommen soll.
Sie ist eine, die die Schönheit liebt und sich auf Gewalt nie einlassen würde, und trotzdem wird sie schon im zweiten Kapitel, jedes trägt einen Ortsnamen, im Titel, der erste ist Shanghai, der zweite Tokio von ihrer Assistentin mit Fotos konfrontiert, die sie in Shanghai gemacht haben soll.
Folterfotos mit Hunden, Gefangenen und Flaggen im Hintergrund.
“Bist du wahnsinnig?”, schreit die Agentin, aber Alice hat doch nur Hunde fotografiert und im nächsten Teil, in “New York”, trifft sie ihren Dolmetscher Li wieder, in den sie sich verliebte und der sie offenbar bzw. ihre Fotos mißbraucht hat, um in den USA Asyl zu bekommen.
Dann gibt es noch Bob, Alices Bruder, ein egomanischer Schriftsteller, der in Chicago lebt, an Flugangst und einer Schreibkrise leidet, mit Alice aber offenbar so verbunden ist, daß sie ständig miteinander telefonieren und er ihr auch nachreist, obwohl er business class buchen muß, weil er die Flüge nur am Boden liegend übersteht.
Alice reist weiter zu ihrer Freundin Lilly nach Ohio, das ist eine Physikerin, die beste Freundin ihrer Kindertage, aber jetzt hat sie sich schrecklich verändert, außer Coca-Cola, das sie schon vorher gerne trank, ist sie jetzt auch noch fernsehsüchtig, ihr Haus ist vermüllt, so daß Alice im Hotel schlafen muß und David ihr Mann, der Alice nachts besucht, deutet an, daß Lillys Verrücktheit von ihrer Kinderlosigkeit kommen kann.
Die Reise geht vorerst nach Wien, denn da hat der Vater einen Schlaganfall erlitten und läßt sich von seiner Tochter stundenlang seine alten Tagebücher vorlesen, in denen nichts anderes steht, als wann er Brot mit Marmelade gefrühstückt und Schweinsbraten mit Knödel gegessen hat, was Alice sehr verstört, so daß sie froh über Sebastians Anruf ist, der sie nach Mexiko holt, dort soll sie zwar auf keiner Ausstellung fotografieren, aber der Enthüllungsjournalist hat Mist gebaut, sich von einer Indigenen namens Frieda, die Alices einstens fotografierte und die nun Leiterin einer Putzabteilung ist, sich in einen Pharmakonzern einschmuggeln lassen. Jetzt wurde Frieda entführt und scheint darüber den Verstand verloren zu haben, so daß Bob und Sebastian sie nach Mailand in die Klinik von Sebastians Vater bringen, aber vorher hat Alice noch in der mexikanischen Klinik Visionen, sieht sie doch einen Schatten im Zimmer, der sich später als der Schamane Josef entpuppt und als sie den später fotografiert, sind auf dem Foto Schatten, ähnlich geheimnisvoll, wie die Tatsache, daß die Gmundner-Kinder Bob und Alice heißen, während die Indigenen Frieda und Josef und ein Syrier Maximillian, aber vielleicht ist das genauso geschickt gewählt, wie der Titel des Buches.
Denn die Fotografin ist ja nicht wirklich unsichtbar, sie kann sich nur nicht festlegen, ob sie jetzt politisch ist oder nicht, rettet aber Straßenkinder, in dem sie sie fotografiert und als sie am Flughafen von Chicago mit David telefoniert, gerät sie in Terrorverdacht und darf nun wohl auch nicht mehr in die USA einreisen, die China-Aufträge hat sie schon abgesagt.
Jetzt ist aber ein Angebot nach Ruanda gekommen, wo sie starke Parlamentarierinnen fotografien soll, vorher muß sie noch ein bißchen nach Paris, um Modefotos zu machen, ja das Chatleben einer unabhängigen Fotografin ist sehr teuer und die Flüge ihres Bruders muß sie auch bezahlen, obwohl der, wie der Schluß, aus der Schreibkrise gekommen scheint und einen zweiten Roman über seine schöne Schwester schreiben wird..
Interessant, der vorletzte Roman, der am 19. November 1953 in OÖ geborenen Elisabeth Reichart, die damit genau zehn Tage jünger als ich, ist und die ich durch verschiedene Veranstaltungen kenne. In Salzburg bei dem Symposium von Christine Haidegger sind wir sogar gemeinsam aufgetreten.
Das Buch “Februarschatten”, mit dem sie, glaube ich, bekannt geworden ist, habe ich gelesen.
Aus dem “Haus der sterbenden Männer”, habe ich sie bei “Rund um die Burg” gehört. Beim Bachmannpreis hat sie, glaube ich, zweimal gelesen. Einmal habe ich sie im Literaturhaus bei einer “Roth”-Veranstaltung gehört und im vorigen Jahr bei der Wendelin-Schmid-Dengler-Veranstaltung in der Nationalbibliothek. Da habe ich ihr auch erzählt, daß ich ein Buch von ihr gekauft habe und sie hat sich gewundert, daß es nicht die “Voest-Kinder”, waren.
Den Wildganspreis und einige andere Auszeichnungen hat sie auch bekommen und der Roman der Historikerin, der natürlich auch wieder Anspielungen an die Nazi-Zeit und die Erlebnisse des Großvaters hat, ist sprachlich schön gearbeitet, trotzdem vielleicht ein bißchen beliebig, zumindest habe ich mir bei den ersten zweihundert Seiten gedacht, daß die Handlung fehlt und eigentlich nur Szene an Szene gereiht wird und, daß man das bei mir sicher ankreiden würden.
Einige Rezensenten, wie Werner Schandor haben auch nicht so viel damit anfangen können.
Thomas Bernhard blitzt manchmal ein bißchen durch die Zeilen, wie an der Stelle auf den Seiten 248- 249, wo Bob über die Schriftsteller schimpft und ich habe vor kurzem auch über eine Fotografin geschrieben, so daß der, der will unsere Stile miteinander vergleichen kann.

Schlafes Bruder

Nun kommt ein weiteres Fundstück aus dem offenen Bücherschrank, in dem man ja wahre Schätze findet, die sonst an mir vorbeigegangen wären, nämlich “Schlafes Bruder”, des 1961 in Bregenz geborenen Robert Scheiders, Erstling, das von dreiundzwanzig Verlagen abgelehnt wurde, bevor es “Reclam” entdeckte und zu einem Bestseller machte, der in vierundzwanzig Sprachen übersetzt, verfilmt und vertonte wurde, etc.
“Dieser Roman wird wie eine Droge wirken”, meint so etwa der “Spiegel”, “Ein unvergeßliches Buch”, schreibt Gerard Mendal von “Liberation”, etc und einen von Rainer Moritz herausgegebenen Materalienband gibt es dazu auch.
So euphorisch würde ich den ersten Teil einer Vorarlberger Trilogie, für den Robert Schneider, der sicher ein Ausnahmetalent ist, der dafür, glaube ich, auch Stipendien bekommen hat, gar nicht bewerten, beeindruckend ist die Geschichte des Naturtalentes Johannes Elias Alder, der sich mit zweiundzwanzig Jahren aus unerfüllter Liebe durch Schlafentzug das Leben nimmt, aber allemal und auch in einem scheinbar sehr altmodischen Ton geschrireben, der den Verlagen 1992 wahrscheinlich unliterarisch erschien.
Das Buch spielt aber zu Beginn des neunzehnten Jahrhundert in einem kleinen Vorarlberger Dörfchen, wo alle untereinander durch Inzucht verbunden sind und auch alle den gleichen Namen tragen.
Eigentlich beginnt es schon lange vor Elias Alders Geburt, es endet auch viel später und Schneider kommuniziert auch, was zeitgenössischer ist, immer wieder mit dem Leser und breitet so ein sehr eindruckvolles Bild des Lebens der Vorarlberger Bauern aus, obwohl ich nicht weiß, ob die wirklich alle so behindert sind.
In Robert Schneiders eindrucksvoller Erzählung gebiert die Seffin, die Frau des Seff Alders, aber lauter Idioten, im Buch wird es noch “Mongoloide” genannt, einer davon ist Johannes Elias, der mit gelben Augen und einer Baßstimme zur Welt kommt, dafür drei Jahre von seiner Mutter eingesperrt wird, bevor er sich selbst die Kopfstimme beibringt und zum Naturtalent wird. Er ist außerdem in seine um fünf Jahre jüngere Cousine Elsbeth unsterblich verliebt, traut sich das aber nicht zu sagen, denn “der Voralberger spricht nicht über seine Gefühle und hoffen kann er auch erst, wenn er ihre Sinnlosigkeit erkannt hat.”
So wird er von seinem Onkel, dem Lehrer Oskar Alder unterrichtet, das Orgelspielen und das Notenlesen verwehrt ihm aber dieser, so muß es sich Elias selbst beibringen und bringt die schönsten Choräle und Konzerte auch ohne Notenlesen zusammen. Sein Freund und Blutsbruder Peter quält indessen die Tiere, bringt seinen Vater um sein Amt, verheiratet seine Schwester Elsbeth mit einem Lukas Alder, der die Kühe melkt und keine Tiere quält und Elias darf die Brautmesse spielen, obwohl er aus verschmähter Liebe fast wahnsinnig wird und Gottesercheinungen hat.
Da kommt ein Organist aus Feldberg daher, hört das Genie spielen und lädt ihn zu den Feldberger Orgelwochen ein, im Nachhinein bereut er das zwar, könnte er sich dadurch ja einen Konkurrenten erschaffen. Peter und Elias erscheinen aber barfuß im Dom und Elias spielt alle in Trance, die feinen Damen stecken ihm Erdbeeren und Geldscheine zu. Er bekommt die Organistenstelle zwar nicht, dafür aber ein Stipendium, das er aber nicht in Anspruch nehmen kann, ist er zu dieser Zeit doch schon tot, ist in dem Dörfchen doch einmal ein Scharlatan und Wanderprediger aufgetreten, der den Staunenden verkündete, daß der, der schläft nicht lieben kann und Schlaf daher Sünde ist und Elisas Aufgabe bei dem Orgelfest war über den Tod des “Schlafes Bruder” zu improvisieren.
So geht er, statt nach Hause zurückzukehren, zu einer bestimmten Stelle, vielleicht war es die, wo er sich einmal die Kopfstimme beibrachte, läßt sich von Peter festbinden und Tollkirschensaft einflößen, so daß er an dessen Wirkung nach stirbt und die Lukasin kehrt nach neun Jahren, obwohl abgezerrt von vielen Schwangerschaften, noch immer ein sehr schönes Weib, mit ihren sechs Kindern an diese Stelle, um ihnen von dem seltsamen Naturtalent, der an der Liebe starb, zu erzählen.
Man kann es wahrscheinlich auch als Parodie auffassen, mich hat der Ton an Stifter erinnert und habe daher bisher wahrscheinlich das Lesen vermieden, weil ich es als eher “fad” eingestuft hatte.
Es war aber spannend zu lesen und Robert Schneider sicher ein Außenseiter des Literaturbetriebs, der ja von der Kritik, als er ein paar Jahre später mit dem zweiten Teil der Trilogie, der “Luftgängerin” aufgetreten ist, zerrissen und fallen gelassen wurde. Dieses Buch habe ich gelesen und es hat mir ganz gut gefallen, weil es ja auch in der Gegenwart spielt. Robert Schneider hat inzwischen noch einige Romane und auch Theaterstücke geschrieben und, wie ich Wikipedia entnehme, sich vom Literaturbetrieb zurückgezogen, was ich verstehen kann.
Ich habe schon über einige Beispiele anderer Autoren, die zuerst von der Kritik hochgejubelt und dann fallengelassen wurden, wie etwa Brigitte Schwaiger oder Karin Struck geschrieben und ich habe zu diesem Hochjubeln und Fallenlassen, wie auch zum Ignoriertwerden, das ich ja bei mir orten würde, sowieso ein sehr distanziertes Verhältnis, freue mich aber über die offenen Bücherschränke, die mich meine Bildungslücken schließen lassen und habe auch noch einige andere Gustostückerln auf meinen Listen, bzw. schon gelesen.

Vorschau auf “Beim Sterben sollte man zu Hause sein”

Der vorliegende Text ist im Rahmen des National Writing Months, einem kreativen Schreibprojekt aus
Amerika, das 1977 von Chris Baty ins Leben gerufen wurde, entstanden, bei dem sich inzwischen weltweit tausende Schreiber und Schreiberinnen vor ihren Laptop setzen, um vom ersten bis zum dreißigs-
ten November, einen Roman von fünfzigtausend Worten zu verfassen:
Die fünfundneuzigjährige Lea Weißensteiner, gewesene Ghostwriterin und Volkshochschuldozentin hat
ein Problem mit ihrem Leben, bzw. mit dem Sterben, das sie nicht zu schaffen scheint, obwohl sie sich das
sehr wünscht.
Während der achtzig- oder vielleicht doch schon hundertjährige Medienzar Kasimir Konstantin sich in sei-
ner Nobel-Seniorenresidenz „Zum ewigen Leben“,auf ein solches mit grünem Tee, gesunden Lebensstil,
Nordic Walking, Vitaminen und Mineralstoffcocktails einzustellen beginnt.

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So jetzt kann ich endlich die Vorschau auf mein dreißigstes selbstgemachtes, sogenanntes IndieBuch präsentieren, nach dessen Erscheinen, das hoffentlich bald erfolgen wird, es ein großes Gewinnspiel mit dreißig Fragen zu den dreißig Büchern geben wird. Eine wird sicher das neue Buch betreffen, damit es mit den Antworten leichter geht, hier die Schreibberichte 1 2 3 4 5 6.
Eine Leseprobe wirds dann auf der Homepage geben und das sind auch die Stellen, die ich am 8. 6. bei der von Christl Greller organisierten “Die Zeit und Wir” – GAV-Veranstaltung lesen werde.
Viel Spaß beim Schmökern und vielleicht ein bißchen Freude auf das neue Buch!
Rezensionsanfragen sind willkommen. Bitte kommentieren oder mir ein Mail schicken.