“Text im Speicher”, lautete das Thema eines Symposiums des Instituts für Germanistik, das Donnerstag und Freitag im Literaturhaus stattfand und das ist für eine Sammlerin und Archivarin wie mich ja das Thema, obwohl ich anfangs gar nicht sicher war, ob es sich an mich richtet. So habe ich am Morgen auch ein bißchen getrödelt, bzw. bin ich mit der “Eva Bakos” in die Badewanne gegangen, damit ich nicht in der Kaffeepause, die gleich nach der Erföffung stattfand, vielleicht isoliert herumstehe, da die Vorträge erst um halb elf beginnen sollten. Dann hat sich aber die Frau Millner sehr nett mit mir unterhalten und ich bin auch gerade zu Susanne Hochreiters Frage, die ich ja von dem Veza–Projekt kenne, an Konstanze Fliedl zurechtgekommen, wer bestimmt was archiviert wird und hörte sie antworten, daß das wohl die Eliten seien und da war ich schon beim Thema, habe ich ja inzwischen ein sehr umfangreiches Archiv von fast tausendfünfhundert Blogartikeln und das Internet macht es möglich, daß sich auch die “Minoritäten” bzw. die Gruppen, die sonst nicht gehört bzw. verstanden werden, zur Wort melden und auf sich aufmerksam machen können.
Ich tue das, seit es das Literaturgeflüster gibt und Susanne Hochreiter, die in der Pause die “Stichwortflyer” auf den Anmeldetisch legte, erläuterte in ihrem Referat “Women only”, das sie das im Frauen und Lesbenarchiv tut, denn die Frauen sind so eine Minoritätengruppen, die sich erst Raum schaffen mußten und da gibt es ja auch über vierzig Jahre “AUF” und ein Buch das in Promedieverlag erscheinen wird, von dem mir die Ruth am Dienstag erzählte.
Dann kamen Christa Gürtler und Martin Wedl und berichteten über die Schwierigkeiten beim Aufarbeiten des Gerstl Nachlaß und da kamen wir zu der interessanten Frage, ob die Elfriede Gerstl eine nicht so bekannte Dichterin oder ein stadtbekanntes Wiener Original war? Ich denke, sie war beides und ich habe mir schon in den frühen Achtzigerjahren, als ich noch Geld für Bücher ausgab, die “Wiener Mischung” gekauft, während ihr Portrait in Hilde Schmölzers Frauenbuch, erschienen Ende Siebzig, nicht enthalten war und als ich die Hilde daraufhin ansprach, meinte sie, sie wäre nicht so bekannt gewesen. Das meinte auch der Referent und erzählte dem Publikum etwas aus dem Leben der kleinen zarten Hut tragenden Dame, zeigte Bilder aus ihrer Wohnung und von ihrem Kleiderarchiv in das sie mich einmal mitgenommen hat.
Christa Gürtler arbeitet ja an der Werkausgabe, der erste Teil wurde schon in der “Alte Schmiede” vorgestellt, der nächste wird, glaube ich, in zwei Wochen im Cafe Korb folgen und die Referenten erzählten auch, wie chaotisch und ungeordnet der Nachlaß bzw. der Vorlaß war, den sie zu bearbeiten hatte.
Nach der Mittagspause kam Manfred Mittermayer aus Salzburg, erzählte von den Hochwasserschäden dort und dem Salzburger Literaturarchiv, das auf Anregung des Germanisten Adolf Haslingers entstanden ist und die Nachläße von Autoren die mit Salzburg zu tun haben, also auch wenn sie in dem damaligen Residenz-Verlag verlegten, also Bernhard, Handke, Kappacher, Innterhofer ect, archivieren, sammeln, herausgeben und für Ausstellungen vorbereiten.
Evelyne Polt-Heinzl erzählte etwas in sieben Thesen von wiedergefundenen Manuskripten und vorgeschobenen Herausgeberschaften, also wenn der Autor behauptet, irgendjemand hätte ihm ein Manuskript übergeben, von dem er jetzt erzählen soll und Katharina Serles, die ich auch von der “Alten Schmiede” kenne, behauptete, daß es nicht stimmt, daß das Netz nichts vergißt, sondern zeigte an einigen Beispielen, daß es sehr sehr flüchtig ist.
Isabella Schwendter kam dann nach der Kaffeepause zu Arthur Schnitzler und begann von einer seiner Jugendlieben zu erzählen, über die er dann eine Erzählung geschrieben hat, da mußte ich das Literaturhaus aber verlassen, gab es ja im Hotel Ibis eine Treffen über das neue Psychologengesetz, das gerade in Begutachtung ist, so daß ich einige Vorträge, die Weinpause und dann noch Lisa Spalts Lesung aus “Dings”, zu dem es auch einen Vortrag gab versäumte.
Am Freitag ging es weiter mit Verena Schaffner aus Wien und Christiane Fritze aus Göttingen, die ein bißchen was zu Bibliothekskatalogen, Katalogisierungssysteme und über digitale Katalogisierungsprojekte erzählten.
Alexandra Millner machte es dann wieder konkret und berichtete über ihr konkretes Forschungsprojekt, wo es um einen zeitgenössischen Literaturkanon, bzw. um schreibende Frauen in der Monarchie mit Migrantenerfahrung, also Ada Christen, Berta von Suttner etc ging und die Schwierigkeiten sie und ihre Werke in den Katalogen aufzufinden.
Interessant waren auch Marina Rauchenbachers Ausführungen zum Günderrode Nachlaß bzw. die Mythenbildung, die es darum zu geben scheint. Daran knüpfte sich eine Diskussion, ob Handschriften in Literatursammlungen Aufforderungscharakter haben und ich habe mit einem der Teilnehmen darüber diskutiert, ob es in Zukunft noch Handschriften und Originalen geben würde, was ich nicht glaube.
In Panel 6 nach der Mittagspause ging es um die kritische Robert Walser Ausgabe, die der Schweizer Literaturprofessor Wolfram Grodeck in Zürich vorbereitet. Davon gab es einen Editionsprospekt und viele interessante Aspekte, die zur Frage führten, wie das nun mit der Digitalisierung ist?
Irene Fußl aus Salzburg erzählte etwas von der Briefedition zwischen Marie Ebener von Eschenbach und Josephine Knorr und Dietmar Pravida aus Frankfurt am Main erzählte, wie Handschriften zerstört werden können, wenn man sie lesbar machen will. So hat Karl Emil Franzos Amoniaksäure über den Woyzeck gegossen und beim Faust wurde auch an einigen Stellen manipuliert.
Stefan Lotter, ein Poetryslamer und Literaturhausmitarbeiter erzählte in sehr tragischen Tonfall über seine Diplomarbeit, “Faksimileprobleme bei Franz Kafka und Frierike Mayröcker”, über ganz moderne digitale Projekte wurde auch noch diskutiert.
Am Schluß gabs eine Podiumdiskussion mit einer Frau aus der Nationalbibliothek, die ja gerade mit Google alles digitalisieren, Gerhard Ruiss, der sehr dagegen ist, Klaus Kastberger, der sowohl das Handke-Online Projekt, als auch eine ganz konventonelle Horvath-Gesamtausgabe betreut, der meinte, daß er das macht, was ihm nützt, während der Philosoph Franz Schuh das Netz war nicht verwendet, aber prinzipiell positiv dazu eingestellt ist, Karl Kraus und noch manches andere zitierte.
Konstanze Fliedl moderierte, die Reihen hatten sich schon etwas gelichtet, es gab aber noch einen kleinen Sektempfang und ich hatte vom Alfred noch eine Einladung zu einem Bibliotheksfest bekommen. Roberts Schreibgruppe habe ich auf diese Art und Weise auch versäumt, aber eigentlich meinen Text für das Volksstimmefest ohnehin schon das letzte Mal geschrieben. Jetzt raucht mir der Kopf, ich kann mich auf die Lesung morgen in der Klimt-Villa freuen und eine Einladung zu einer Lesung für nächstes Jahr habe ich von Irene Wondratsch auch bekommen.
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Bank Austria Literis Stipendiaten
Vom Bank Austria Literais habe ich an dieser Stelle schon öfter berichtet, das erste Mal bin ich irgendwann um Weihnachten damit in Berührung gekommen, als in der Bank Austria Kundenzeitung ein Gewinnspiel ausgeschrieben war, wo man etwas von der Wieser Edition zwei gewinnen konnte. Die Ausschreibungsfrist war noch nicht zu Ende, da hatte ich schon die neun Bücher im Haus und als ich nachfragte, bekam ich die Auskunft “Da ist wohl der Praktikant zu übereifrig gewesen!”
Dann war etwas in der CA oder Bank Austria Filiale beim Schottentor. Da wurden einige Preisträger vorgestellt und ich habe Annemarie Türk Teodora Dimovas “Die Mütter” abgeschnorrt und dann das Buch im literarischen Zirkel der Hauptbücherei unter der Leitung von Angelika Reitzer vorgestellt.
Dann gabs den Bank Literis 2020 im großen Sendesaal des Radiokulturhauses, wo ich mir die Renata Serelyte und den Boris Cheronskij nach Hause brachte und hier besprochen habe.
2012 war eine Veranstaltung in der Akademie der Wissenschaften, da gab es dann drei Bücher die ich noch lesen muß und beim Bank Austria Literis werden auch Stipendien, nämlich das Milo Dor Stipendium vergeben, das diemal der Rumäne Lucian Dan Theodorovici und der Ungar Attila Menes bekommen haben. Bücher gibt es da noch keine auf Deutsch, nur ein ein monatlicher Aufenthalt in Wien und eine Lesung mit Textauszügen aus den beiden Büchern in der Hauptbücherei, die wie in der Einleitung betont wurde, schon sehr viele Veranstaltungen mit Kultur Kontakte Austria machte.
Da bin ich noch bei keiner gewesen, was wahrscheinlich zu bedauern ist, denn die Veranstaltung war sehr festlich. Weiß gedeckte Stehtische und es hat schon vor der Veranstaltung Sekt gegeben, dann begrüßte eine Dame mit starken deutschen Akzent von der Bank Austria, sagte, wie sehr sich sich nach den vielen Zahlen für die schöne Literatur interessiere und froh wäre alle in der “Wiener Stadtbücherei” begrüßen zu dürfen, was schon ein bißchen peinlich war.
Ein Herr vom Kulturkontakt begrüßte auch und sagte, er hätte Geldsorgen, dann kam schon Annemarie Türk und entschuldigte den Rumänen der aus familiären Gründen sein Stipendium nicht antreten hat können. Für ihn las die ehemalige Leiterin des rumänischen Kulturinstituts ein Stückchen auf dem Roman “Bruno Matel” in der Originalsprache. Da geht es um einen Marionettenspieler, der im Rumänien der Fünfzigerjahre sein Gedächtnis verliert.
Nikolaus Kinsky, nicht der Klaus, las die deutsche Übersetzung, dann folgte Aattila Menes und der ungarische Übersetzer Geörgy Buda, den ich schon ein paar Mal gehört und auch gelesen habe und der heuer den Staatspreis für Übersetzungen bekommt und Annemarie Türk stellte den Stipendiaten vor, der 1961 in Debrecen geboren wurde, von seiner Literatur nicht leben kann und daher auch als Schreibtherapeut und als Trainer bei Alphabetisierungskampagnen bezüglich Roma tätig ist. Sein Roman heißt “Dauerwelle kalt” und handelt von einer Mutter und einer Tochter in den Siebzigerjahren, die Tochter verbringt ihre Freizeit in Parks und findet die alleinerziehende Mutter peinlich, die eine Brieftasche mit sechsuhundert Forinth und einem Parteiausweis bei der Polizei abgibt, weil sie ansonsten Verfolgungsängste hätte. Es folge eine Diskussion. Annemarie Türk stellte ein paar Fragen zur sozialen Lage Ungarns, Attila Menes meinte, sie wäre sehr schlecht, bedankte sich bei Kulturkontakte und der Bank Austria für das Stipendium, dann gab es es einen Imbiß mit Blätterteigtascherln und was zu trinken. Ich kam mit einer Dame ins Gespräch und konnte die sonstigen Besucher, den Sascha, Cornelius Hell, etc beobachten und bin gespannt, wann es die Bücher in Deutsch geben wird. Der Wieser scheint es nicht mehr zu machen, zumindest hat Annemarie Türk angedeutet, daß der Sinn des Stipendiums ist, daß die Autoren mit den Verlagen in Kontakt kommen.
Ein Abend für Raoul Blahacek
“Sehr geehrtes Fräulein Jancak!”, hat mir die Stadt Wien in den späten Siebziger- frühen Achtzigerjahren, als ich sehr sehr schüchtern meine ersten Bewerbungen für ein Stipendium bzw. einen Preis der Stadt Wien geschrieben habe, geantwortet “leider hat Sie die Jury…, wir wünschen Ihnen aber dennoch für Ihr weiteres literarisches Schaffen alles Gute!”, gezeichnet von Horat Denscher, geschrieben und dann gab es noch den Literaturreferenten Raoul Blahacek, mit dem ich, glaube ich, bezüglich auf meine Anfragen bezüglich einer Lesung bei der “Literatur im März”, etc, in Kontakt gekommen bin und der ist wahrscheinlich ein paar Jahre älter als ich, fünf Jahre vermutlich, denn das ist das Pensionsalter bei den Männern und so wurde er vor kurzem, wie es Kurt Neumann in seiner Einleitungsrede vorzüglich ausdrückte, in Pension geschickt. Weil die starren Systeme keine Flexilbilität erlauben. Bei der SVA der GW hat man es als Freiberufllerin besser und so kann ich mit 1. 12. 2013 meinen Pension beziehen und trotzdem meine Praxis weiterführen, denn für die Künstlersozialversicherung bin ich sowieso leider nie in Frage gekommen.
Ein Abend für Raoul Blahacek in der “Alte Schmiede” also und den habe ich mir vorgemerkt, weil ich bezüglich Gustav Ernst ein schlechtes Gewissen hatte, denn der hat mir ja sein neues Buch verschafft, nachdem ich bei Haymon irgendwie von der Rezensentenliste gerutscht bin, macht ja nichts, habe ich ja sowieso eine Leseliste bis ins Jahr 2023 und keine Ahnung, ob ich überhaupt solange leben und lesen werde und weil ich das Buch zuerst nicht bekommen habe, hatte ich mir den 30. 4. im Literaturhaus dick in meinem Kalender vorgemerkt, dann kam das Buch und ich gehe ja nicht gerne zu Lesungen, wo ich das Buch schon kenne.
Gustav Ernst hatte ich es aber bei der “Hausdurchsuchungslesung” bzw.l der “Kolik Lounge” versprochen und er schickte mir auch so getreulich die Ankündigungen zu seinen Lesungen. Am 30. 4. wr aber auch “Veza lebt” in der “Alten Schmiede” und das hat mir ja eine neue Kommentiererin eingebracht, die jetzt wieder verschwunden sein dürfte.
Also den 4. 6. dick im Kalender angestrichen und Raoul Blahacek interessiert mich natürlich sehr und auch Ferdinand Schmatz der Professor für Sprachkunst, obwohl ich ja keine experimentelle Lyrik schreibe und dann kam auch die creme de creme des Wiener Literaturbetreibs. Ruth Aspöck beispielsweise mit der ich fast befreundet bin, aber auch Alexandra Millńer, die Praktikantin der Deutschlehrerin bei der Anna war, lang lang ists her, Evelyne Polt-Heinzl, Robert Huez, den ich in letzter Zeit fast mehr außerhalb, als innerhalb des Literaturhauses treffe, Lukas Cepek, Peter Rosei, Marie Therese Kerschbaumer, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, Gerhard Jaschke, Karin Rieck u. u, u…
Kurt Neumann eröffnete die Veranstaltung, die die Stadt Wien ihrem Literaturreferenten offenbar vor bzw. nach dem Ausscheiden beschieden hat.
Julia Danielczyk, die neue Literaturreferentin, die vorher in der Wien-Bibliothek gearbeitet und auch Franz Hütterers Nachlaß verwaltet hat, saß in der ersten Reihe und im Jänner, als die Idee entstand, wurde Roul Blahecek von Kurt Neumann aufgefordert, zwei Autoren einzuladen und sein Lielingsbuch vorzustellen.
Die Autoren waren Gustav Ernst und Ferdinand Schmatz, die wie Kurt Neumann und auch Roul Blahacek betonten, sehr verschieden sind. So verschieden sind sie wahrscheinlich gar nicht, jedenfalls sind beide lange Jahre im Wiener Literaturbetrieb aktiv und beide auch im Institut für Sprachkunst tätig, der eine als Professor und wie Raoul Blahacek betonte, als einer der bedeutendsten experimentellen Lyriker Österreichs in der Nachfolge der Wiener Gruppe, der andere ist ein Realist und Dramatiker, hat zuerst im Wespennest gearbeitet, bevor das von Walter Famler übernommen wurde, jetzt gibt er die “Koliken” heraus und wurde von Roul Blahacek eingeladen ein Stück aus “Grundlsee” vorzulesen und der gab in seiner Einleitung das Bonmot, das er, als er nach Gustav Ernst goolglete “Gustav ernst tot” gefunden hat, was, wie ich ihm unterstellen würde, eine Überleitung zu “Grundlsee” ist, denn da stirbt in ast jedem Kapitel auch einer.
Dann gings zu Ferdinand Schmatz, dem Professor für Sprachkunst nach Robert Schindel. Roul Blahacek merkte launig an, daß er sich jetzt ja als außerordentlicher Hörer dort bewerben könne und der hat einen neuen Gedichtband “Quellen” herausgegeben und ein paar Beispiele daraus gelesen.
Das Lieblingsbuch war das des Fokus-Redaktuer Rainer Schmitz “Was geschah mit Schillers Schädel” was irgendwei ein würdiges oder unwürdiges Literaturlexikon zu sein scheint. Alle lachten bei den ausgewählten Textbeispielen und dann ging es vom Keller hinauf, in den Galeriensaal, wo Hofrat Denscher eine kurze Rede hielt “Wir haben Zeit!”, rief Raoul Blahacek launig und Karin Rieck, die Personalvertreterin, mit der ich auch schon einmal bei den “Textvorstellungen” gelesen habe, einen Gutschein für eine Reise, übergab.
Dann wurde das Buffet eröffnet bzw. auf den Jubilar angestoßen und das war sehr gut, Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise und ich habe wieder versucht ein bißchen mit den Wichtigen der Literatur ins Gespräch zu kommen.
Gerhard Jaschke der GAV-Generalssekrär, mit dem ich am Samstag in der Klimtvilla lesen werde, sagte mir, daß sich inzwischen schon siebenundneunzig Leute für die Lesung angemeldet haben.
Wow wieviel, bei mir kommen ja immer sehr viel weniger, ich habe mich ein bißchen mit Robert Huez unterhalten und ihn nach dem “Stoessl-Preisträger” gefragt, der ist noch ein Geheimnis, das dann im Herbst gelüftet werden wird. Der Schlu war da, ein Freund vom Alfred und vom Karl, der inzwischen, glaube ich, Presselsprecher des Bürgermeisters oder etwas Ähnliches ist.
Wow, eine solche Karriere werde ich wohl nicht mehr machen, habe aber heute das “Nanowirimo-Dummie” bekommen und wieder ein paar Fehler entdeckt und dann vom Residenz-Verlag ein Buch von Psychiater Thomas Stompe “Vom Wahn zur Tat” geschickt bekommen, das wieder den Übergang meiner psychologischen zur literarischen Seele schildert und interessant, daß das Buch in Zusammenarbeit mit einem Journalisten, also mit einem Ghostwriter, geschrieben wurde und jetzt geht es weiter mit einem Abend mit dem Bank Austria Literis in der Hauptbücherei und einem Symposium des Instituts der Germanistik im Literaturhaus und natürlich am Samstag mit der Lesung “Die Zeit und wir” in der Klimt Villa in Hietzing. Dafür habe ich schon meinen Text abgestoppt und das Gewinnspiel mit den “Dreißig Fragen zu den dreißig Büchern” werde ich auch vorbereiten, was ein weiteres Jubiläum in meinem Jubiläumsjahr sein wird. In etwa einer Woche wird es veröffentlicht werden, für die die sich daran beteiligen wollen, fünf Jahre Literaturgeflüster wird es demnächst auch geben und spannend, daß mir die meisten Leute, die ich im Small Talk darauf anspreche, versichern, daß sie es regelmäßig lesen, obwohl ich ja immer noch nur durchschnittlich hundert bis hundertzwanzig tägliche Zugriffe habe.
Von Jean Paul zu Birgit Schwaner
Diese interessante Autorenkombination war Montag in der Alten Schmiede zu hören und “Wer ist “Jean Paul, noch nie etwas von ihm gehört?”, sagte mir der Alfred am Morgen auf die Frage, ob er in die Alte Schmiede käme. Dabei steht er doch auf den Maturaleselisten, aber vielleicht habe ichs falsch artikuliert und muß zugeben, daß ich auch nicht viel mehr Ahnung hatte, als mir einmal Herr Wesenauer vor fast vierzig Jahren, während meines Akademikertrainings bei “Rettet das Kind”, von einem Johann Paul Friedrich Richter erzählte, den er gerne lesen würde.
“Wer ist das?”, keine Ahnung. Also hat er Jean Paul dazu gesagt und ich bin sicher rot geworden, habe genickt und mich daran erinnert, daß ich mir einmal, wahrscheinlich wars in der Buchhandlung in der Kalvarienberggasse, eine Goldmannausgabe von “Dr.Katzenbergers Badereise” gekauft und glaube noch nicht gelesen habe, so kann ich es auf meine Harlander Leseliste setzen, denn Bernhard Setzwein, Christian Thanhäuser und der Haymonverlag machen es möglich, sich wieder für den Klassiker, der 1763 in Wunsiedel geboren und 1825 in Bayreuth gestorben ist, zu interessieren oder eigentlich war das, seltsamerweise H.C.Artmann, denn der hat dem Verleger und Buchdrucker Thanhäuser einmal eine Jean Paul Ausgabe geschenkt und ihn daher zum Liebhaber gemacht. So hat er was gezeichnet, Bernhard Setzwein, der in der Nähe des Fichtenwaldes lebende Schriftsteller, hat ein Abcdarium von “Adam” bis “Zucker” daraus gemacht und aus diesem vorgelesen.
Eigentlich hätte er das im Duett mit Christian Thanhäuser tun sollen, aber der ist wegen dem Hochwasser nicht von Ottensheim weggekommen, so hat Kurt Neumann die Entstehungsgeschichte erzählt und gesagt, daß Bernhard Setzwein in seinem ABC, die Biografie mit der Werkgeschichte und der Wirkgeschichte verbunden hat und “Ihren Jean Paul müssen Sie selber lesen, verehrtes Publikum!”
Der Büchertisch machts möglich, denn da sind nicht nur einige Reclamheftchen, “Dr. Katzgraber”, “Siebenkäs” etc aufgelegen, sondern auch einige J.P. Biographien und Romane von Bernhard Setzwein und eine Autobiografie hat Jean Pauul, der seinen Namen ein Viertel französisiert, in Verehrung von Jean Jaques Rousseau, hat, auch geschrieben.
Bernhard Setzwein hat dann mit dem “Adam”, angefangen, bzw. mit den Fragen, “Wer sind Sie und was wollen Sie?”
Denn da hat einer lang. lang ist her dem Dichter vom “Anton Reiser”, sein Manuskript geschickt und das war dann gleich viel besser, als das von dem großen Goethe, der den Provinzautor, der ihm Konkurrenz machte, offenbar nicht recht leiden konnte.
Jean Paul war aber ein Pfarrerssohn und hat in Joditz gelebt, das ist irgendwo, bei Hof, an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze und hat dort vor dem Pfarrhaus seines Vaters, das erste Mal die Erkenntnis von “Ich bin ich” gehabt.
an sieht das Buch ist eine Anekdotensammlung, das wahrscheinlich versucht, dem unbedarften literarischen Publikum, wie ich es beispielsweise bin, den Klassiker nahezubringen und der war mir wahrscheinlich auch sehr ähnlich, denn er ist sehr viel zu Fuß gegangen, wie Johann Gottfried Säume, Peter Handke, Julian Schutting, etc, allerdings nicht, wie ich von der Krongasse zum Zentralfriedhof, wenn beispielsweise Elfriede Gerstl ihr Begräbnis hat, sondern von Joditz nach Leipzig, denn dort hat er kurzfristig Theologie studiert, nach dem Tod des Vaters das Studium aufgeben müßen, denn die Familie war, bevor es ihm gelungen ist, der erste deutsche Schriftsteller zu werden, der vom Schreiben leben konnte, sehr arm.
Jetzt gibt es in der Gegend einen Jean Paul Wanderweg und den ist Bernhard Setzwein mit Christian Thanhäuser auch abgewandert und Jean Paul wurde, als er das tat, öfter für wahnsinnig gehalten, offensichtlich hat er laut vor sich hingeredet oder seine Geschichten fabuliert.
Er hat auch sehr viel Bier getrunken und wurde in Beyreuth für einen Säufer gehalten, brauchte aber offenbar, wie später Joseph Roth, den Alkohol zum Schreiben und die Frauen haben ihn verehrt. Er ist wahrscheinlich an Diabetes gestorben, vorher hat er noch “Salina und die Unsterblichkeit” geschrieben, wovon sich der Büchner Preisträger Walter Kappacher inspirieren ließ und Thomas Bernhard war vom “Siebenkäs” begeistert, erklärte ein Herr aus dem Publikum auf Bernhard Setzweins Frage, was die Österreicher von Jean Paul wissen oder halten?
Ich weiß, wie man merkt, nicht sehr viel, interessiere ich mich ja eher für die Gegenwartsliteratur, werde aber meinen “Dr. Katzenberger” lesen und Birgit Schwaner, die um zwanzig Uhr an die Reihe kam, hat sich in ihrem neuen Klever-Buch “Polyphems Garten” auch auf ihn bezogen.
Da füllte sich dann die Alte Schmiede mit einem Teil der experimentellen Dichterszene, während die Jean Paul Liebhaber nach Hause gingen, Lisa Spalt, Gerhard Jaschke, Nils Jensen, Evelyn Holloway und noch einige andere habe ich gesehen und Birgit Schwaner habe ich, glaube ich, durch das Lesetheater kennengelernt. Dann hat sie einmal den Siemenspreis gewonnen und da ist es um eine Flaschenpost gegangen, was interessant ist, denn die kommt in ihrem neuen Buch auch vor und das ist ein Kunstwerk, denn Birgit Schwaner hat eine wirklich sehr poetische Sprache, so daß sie eigentlich für den Priessnitzpreis in Frage käme, das Buch ist aber ein Science Fiction Roman oder viel viel mehr, wie Kurt Neumann einleitete, auf jeden Fall etwas, das den Leser fordert und Ray Bradbury kommt auch darin vor, bzw. seine Ideen, die er in Fahrenheit 451 verwendet hat und Birgit Schwaner, die in ihren schönen Worten, den Leser anspricht und ihm die Geschichte von dem Garten und den wenigen und den meisten, die von einer Mauer getrennt leben, von einem Schiff in dem die Stadträte regieren, erzählte, brachte eine köstliche Satire über die Angst vor dem E-Book, die in der Flaschenpost gefunden wird, da ersetzen zuerst die kleinen Tabletts die Bücher, dann wird das Lesen und das Schreiben aus hygienischen Gründen verboten, es gibt aber noch Vorleser, wie beispielsweise Lena und noch vieles andere, wie Spatzen, Automaten, Chips und natürlich die literarische Montage, die schon Tristan Tzara anwandte, Zitate in einen Sack durcheinander gewirbelt und der neue Science Ficton Roman kann bei Klever erscheinen…
Zu den Satzmontagen fällt mir Martina Gercke ein, deren beiden Bücher “Holunder- und Champagnerküßchen” jetzt neu überarbeitet wieder bei Amazon erhältlich sind. Für “Champagnerküßchen” hat sie eine Leserunde bei Lovelybooks eröffnet und zwanzig Freiexemplare versprochen. Zuerst kamen ein paar Bewerbungen, dann traten Tom Lier und Sven Schröder auf und wiesen darauf hin, daß in der Neuüberarbeitung von “Holunderküßchen” noch immer ein paar Plagiatsstellen aus “Höhenrausch” von Ildiko von Kürthy zu finden sind. Daran knüpfte sich eine rege Diskussion mit den Hinweis, daß offenbar auch ChickLit Autoren mit Monatage- bzw. Platzhaltertechnik arbeiten und ich finde Martina Gerckes Entschlossenheit, von der jetzt auch zwei neue Bücher erscheinen sollen, sehr spannend und nur schade, dßa sie nicht persönlich Stellung nimmt, allerdings als sie das zu Weihnachten versuchte, ist man ihr sehr grob über den Mund gefahren und hat ihre Erklärungen als “Blödsinn” bezeichnet.
Sonst kann ich vermelden, das “Nanowrimo-Novel” ist an die Druckerei gegangen und sollte bald als Dummie zurückkommen und das “Literaturgeflüstertextebuch” macht den Eindruck, als könnte es doch einmal fertig werden und ich habe wieder viel gelernt an diesen Abend und in dieser interessanten Kombination von zwei sicher sehr unterschiedlichen Autoren, mein literarisches Wissen aufgefrischt.
Und jetzt noch zwei Preisberichte, GAV-Kollege Christian Steinbacher erhält den Heimrad Bäcker, Sybille Lewitscharoff den Georg Büchnerpreis. Ich gratuliere, hätte mich aber auch gefreut.
Endstation Venedig
Jetzt geht es nach Venedig, schließlich findet dort gerade die Biennale statt und ein Konzert bei dem auch Donna Leon anwesend war, wurde von Ö1 auch am Freitag übertragen.
Ach ja, es gibt auch Donna Leon, die amerikanische Krimi-Schreiberin, die in Venedig lebt, die begeistert Tag in die Oper geht und den Commissario Brunetti schon an die zwanzig Fälle aufklären ließ. Den zweiten habe ich gerade gelesen, erscheint sie ja in Großauflage, so daß man in den Schränken öfter ihre Bücher findet.
Das “Venezianische Finale” habe ich mir aber in einer der Abverkaufskisten, einer der Buchhandlungen auf der Wiedner Hauptstraße gekauft, als ich im Künstlerhaus, die Ausstellung “Kampf um die Stadt” gesehen habe.
“Nobilita” habe ich bei diesen Hörbuchwettbewerb bekommen und “Wie durch dunkles Glas” vor einem Jahr besprochen und wie immer geht es um Venedig.
Da wird in der Nacht die Leiche eines sportlich durchtrainierten jungen Mannes, ein Amerikaner, wie sich später herausstellt, angetrieben.
Denn in Vicenza gibt es einen amerikanischen Armeestützpunkt, also ruft der Commissario dort an und bekommt heraus, daß es Sergeant Forster war, der in der Gesundheitsabteilung arbeitete, seine Chefin Captain Peters, eine Kinderärztin, soll ihn identifizieren und übergibt sich fast dabei, war sie doch, wie sich herausstellt, auch seine Liebhaberin, obwohl sie das bei der Army nicht durfte.
Sie ruft auch den Commissario, der wieder Schwierigkeiten mit seinem Chef, Vice-Questore Patta, der alles vertuschen will, hat, an und schickt ihm eine Akte und eine medizinische Zeitschrift, in der beschrieben wird, das sich ein Kind, bei einem Ausflug, Verbrennungen zuzog, die von einem gefährigen illegallen Müll stammte.
Ja richtig, Doctor Peters wurde inzwischen auch ermordet, bzw. soll sie sich angeblich aus Liebeskummer selbst niedergespritzt haben und bei Forster fand sich Heroin, obwohl der nichts von Drogen hielt, Brunetti schmuggelt es aus dem Armeestützpunkt und wird durch einen Bilderdiebstahl abgelenkt, den ein Kleinkrimineller, mit dem er befreundet ist, begangen hat. Es scheint aber eher ein Versicherungsbetrug gewesen zu sein und einen Lastwagen, der die giftigen Armeeabfälle neben den See schaufelt, kommt Brunetti auch auf die Spur. Sein adeliger Schwiegervater warnt ihn aber, vorsichtig zu sein und sich nicht in alles einzumischen, weil das viel zu gefährlich ist und der mächtige Signor Viscardi tut das mit dem Vice-Questore ebenfalls.
Brunetti läßt sich aber nicht einschüchtern und trifft sich um Mitternacht mit dem Einbrecher Peppino Ruffolo, findet ihn aber ermordet vor und der Mord an Forster wird Ruffolo auch in die Schuhe geschoben, bzw. findet sich dessen Ausweis in seinen Taschen. Signor Viscardi, die Army und wer auch immer noch seine Hände in dieser Sache hatte, rechnen aber nicht mit Peppinos wütender Mutter Signora Concetta, die die Villa eindringt, Viscardi ermordet und die drei gestohlenen Gemälde einen Guardi, einen Monet und einen Gauguin in ihrer Verzweiflung zerstückelt, worauf sie für verrückt erklärt wird.
Wieder einmal ein höchst beindruckender Krimi, der berühmten Autorin, bei dem man schon die Themen findet, die später immer wieder kehren, die Umweltverschmutzung, die Maffia und die Polizei, die alles vertuschen will. Brunetti läßt sich aber nicht unterkriegen, obwohl er ja Schiwerigkeiten mit seinen halbwüchsigen Kindern hat, seine Paola steht aber zu ihm und so war der zweite Fall sehr vergnüglich zu lesen und hat das Korrigieren am Literaturgeflüstertextebuch heute sehr spannend werden lassen.
Der vierte Fall wird demnächst folgen und ein paar andere Brunetti Bücher warten ebenfalls noch auf mich.
Woher ich komme
Zur Abwechslung eine Krimipause, nämlich das dünne Büchlein, “Roman”, steht am Cover “Woher ich komme”, der 1973 geborenen Alexa Henning von Lange, die, wie in der Beschreibung steht, seit ihrem Debutroman “Relax” zu den erfolgreichsten Autorinnen ihrer Generation zählt, ich habe ihren Namen, glaube ich, einmal beim Messesurfen gehört und würde als Gattungsbegriff wohl “Shortcuts” angeben.
Auf etwas über hundert Seiten, wird da in kurzen Abschnitten von einer Kindheit und der Erinnerung daran erzählt. Daß eine Dreißigjährige mit ihrem Vater in das Ferienhaus ihrer Kindheit zurückkehrt und sich an das Vergangene erinnert, kann man auch in den Beschreibungen lesen.
Mir ist zumindestens die Altersangabe entgangen und es beginnt gleich sehr dramatisch.
“Es ist Anfang August. In ein paar Tagen hätte mein Bruder Geburtstag, und an seinem Geburtstag waren wir immer irgendwo am Meer. Dieses Jahr fahren wir nicht an Meer, mein Vater will nicht an Meer, ihn erinnert das zu sehr an meine Mutter und meinen Bruder, genau wie unser Haus, in dem er als Einziger zurückgeblieben ist.”
Und dann geht es los, in poetisch schönen Stücken, in die Kindheit, in die Erinnerung, an das was geschehen ist und was einem im Leben zumindest in der Literatur passiert.
“Momentaufnahmen aus einem beschädigten Leben, die in der Schwebe zwischen Autobiographie und Fiktion bleiben”, schreibt die Süddeutsche Zeitung und ziemlich durcheinandergewirbelt erfährt man die Erinnerungen der Ich-Erzähler, die keinen Namen hat und ich mich nur an ein paar Stellen erinnert kann, wo ihr Mann erwähnt wird.
Sonst geht es um das Ferienhaus in den Dünen, um die Milchsuppe mit Marmelade und Butter, die die Familie in der Ferienhausvaranda gegessen hat. Dann geht der Vater mit dem jüngeren Bruder ans Meer und kommt allein zurück.
Die Short cuts gehen weiter, nach vor und zurück, die Mama erzählt der Erzählerin ihre Träume, spricht von ihren Ängsten übers Sterben und als der Bruder geboren wird, geht die Erzählerin mit dem Papa ins Krankenhaus und darf das Brüderchen nicht berühren.
Später kommen Andeutungen, daß das Kind nicht vom Vater, sondern vom Papa der Sophie, die Geige übt und ein Cembalo in der Wohnung stehen hat, ist. Der Vater erzählt vom Krieg, als er ein Junge war und die Tatsache, daß er nach jeden Stück Essen greift, deutet sich die Erzählerin, die später eine Eßstörung bekommen haben dürfte und in einer entsprechenden Klinik war, auf diese Art und Weise.
Im Ferienhaus gab es einen Herrn Wallbrecht, den Vermieter und Schafbauer und eine Valerie, die von ihm mißbraucht worden sein dürfte. Es gibt aber auch Stellen, die andeuten, daß der Erzählerin dasselbe passiert sein dürfte, wesehalb sie auch in der Klinik war, wo die Mädchen vor dem Abwiegen Wasser trinken, um schwerer zu sein und der Papa dem Dr. Heller, wie das mit der Mama und dem kleinen Bruder war, erzählt. Es gibt dort eine Monika mit der sich die Erzählerin nicht sehr gut versteht und von der sie behauptet, daß sie “zu wenig Hirn hätte.”
Das “Unglück von Tschernobyl” wird erwähnt, damals war sie dreizehn, der Bruder sieben Jahre jünger und die Mutter wollte nicht, daß der Bruder und sie im See baden oder Gemüse aus Herrn Wallbrechts Garten essen.
“Ein rührendes, in seiner Schlichtheit virtuoses Buch”, steht noch am Buchrücken. Am Cover ist ein rotgeocktes Mädchen abgebildet, das, wie ich Wikipedia entnehme, Alexa Henning von Lange ähnlich sehen könnte.
Ich würde die hundertacht poetischen Seiten nicht “Roman” benennen, irgendwo habe ich noch das Wort kitschig gefunden, mir wars nur vielleicht zuwenig konkret, habe ich es doch gerne realistischer ausgebreitet, breiter erzählt, etc, um mich auszukenne. Habe aber trotzdem einen kleinen Eindruck von Alexa Hennig von Lange und ihrem Schreiben mitbekommen und das Lesen sehr genossen.
Verblendung
Jetzt kommt ein fast siebenhundert Seiten Schinken oder der Roman zum Film, wie am Cover steht, auf jeden Fall Teil eins der sogenannten “Milleniums-Trilogie”, des 2004 in Stockholm verstorbenen Journalisten Stieg Larsson, der den Stoff von zehn Kriminalromanen hinterließ, von denen die ersten drei “Verblendung”, “Verdammnis”, “Vergebung” im schwedischen Original heißen sie anders, beispielsweise, “Männer, die Frauen haßen” oder auf Englisch “the Girl with the Dragon Tatoo”, was ich stimmiger finde, posthum erschienen ist.
Gefunden hab ich das Buch im Bücherschrank und gelesen über Stieg Larsson und seine Lisbeth Salander Krimis, während unserer Sechs Länderreise voriges Jahr, in Nida, als der Alfred dort einen “Spiegel” kaufte. Da stand darin, daß die Larsson Lebensgefährtin, die leider mit dem Autor nicht verheiratet war, von der Erbfolge ausgeschlossen wurde, so daß Vater und Bruder mit den Tantiemen, den Rechten auf die Verfilmung etc, denn die Bücher sind ein großer Erfolg geworden, reich geworden sind, während Eva Gabrielsson leer ausgegangen ist, aber ein Buch über ihre Beziehung zu Stieg Larsson geschrieben hat.
Als ich dann zurück kam, gab es eine kurze Aufregung über einen anderen Schwedenkrimi, der gar nicht von einem Schweden stammte und in meiner Bibliothek, ich habe ja jetzt so ziemlich alles Ungelesene auf meine Bücherliste gesetzt, haben sich auch einige Schwedenkrimis angesammelt, obwohl ich bisher nur die von Henning Mankell wirklich gelesen habe. Schwedenkrimis haben einen guten Ruf und einen eigenen Reiz und das Monsterbuch von Stieg Larsson beginnt sehr langsam und umständlich, so daß es mich fast ein bißchen wundert, daß die Leser die Geduld aufbringen zig Seiten über eine Familiendynastie zu lesen, bis es wirklich spannend wird.
Aber das Leben und die Literatur ist rätselhaft und ich habe beides wahrscheinlich noch nicht richtig verstanden und die Figur der Lisbeth Salander, die eigentlich bis zum Schluß geheimnisvoll bleibt, ist auch wirklich sehr interessant. Eine Heckerin, eine Autistin, ein Mädchen mit Tatoos, das alle Computer knackt, aber unter Sachwalterschaft steht und von ihren Sachwaltern vergewaltigt wird, bis sie sie ans Bett fesselt und ihnen “Ich bin ein sadistisches Schwein, ein Widerling und ein Vergaltiger” auf den Bauch tätowiert.
Das ist stark und ungewöhnlich und soetwas habe ich in dieser Form noch nicht gelesen. Aber Moment mal, werden meine Kritiker jetzt sagen, schön langsam und von Anfang an!
Da gibt es also eine Einleitung, zwei alte Männer bekommen jedes Jahr eine gepresste Blume geschenkt, das heißt nur einer zum Geburtstag, der pensionierte Kriminalkommissar ist als Zuschauer dabei.
Dann beginnt es auch noch nicht richtig oder doch, wir kommen zu Kalle Blomkvist, nicht zu den von Astrid Lindgreen, sondern zu einem Wirtschaftsjournalisten, der eigentlich Mikael heißt und im ersten Kapitel des ersten Teils, zu drei Monaten und eingigen tausend Kronen Strafe verurteilt wird, weil er einen Wirtschaftsmagnaten verleumdet an.
Bis dahin ist es noch ziemlich langweilig und schwer zu verstehen. Nach der Verurteilung zieht er sich von seiner Zeitung zurück und wird von dem alten Mann im Prolog, dem Industriellen Henrik Vanger, der mit seinem Familienclan auf einer Halbinsel im Norden lebt, angeheuert, das Verschwinden seiner Lieblingsgroßnichte Harriet, vor siebenunddreißig Jahren aufzuklären. Dafür verspricht er ihm Beweismittel gegen Hans-Erik Wennerström zu liefern. So zieht er in das Gästehaus legt ein Archiv der Familienmitglieder an, kauft sich lange Unterhosen, denn in Schweden ist es sehr kalt, beginnt auch ein Verhältnis zu der älteren Ceciia Vanger und findet allmählich heraus, daß an der Sache etwas daran ist. Die sechszehnjährige Harriet wurde von ihrem Vater und ihrem Bruder länger vergewaltigt und hat auch noch herausgefunden, daß ihr Vater, nicht nur ein Nazi und ein Säufer, sondern auch ein berüchtigter Frauenmörder war. Es gab ein Verzeichnis mit den Namen, der ermordeten Frauen und dazu passenden Bibelversen und nachdem sie ihren Vater umbrachte, offiziell ist er ertrunken, flüchtete die Sechszehnjährige nach Australien und wurde dort erfolgreiche Schafzüchterin. Dem Lieblingsonkel, der inzwischen auch in Mikaels Zeitung eingestiegen ist, schickt sie aber dennoch jedes Jahr eine Blume zum Geburtstag. Als Mikael ungefähr so weit ist, das herauszufinden, erleidet Henrik einen Schlaganfall und Lisbeth Salander, die beste Kraft der Milton Security, die für Vanger bzw. dessen Rechtsanwalt sein Profil zusammenstellen mußte, hat er inzwischen auch gefunden, denn die Angelegenheit ist inzwischen so kompliziert geworden, daß er eine Assistentin braucht.
Das autistische oder was immer Mädchen, da gibt es offenbar ein Geheimnis, das erst Band zwei oder drei zu klären weiß, der Name “Asperger-Syndrom” wird aber einmal genannt, das Schwierigkeiten im Beziehungsherstellen hat, hat aber bald Vertrauen zu Mikael und als dessen Nachforschungen, für den Täter zu gefährlich werden, kann sie ihm auch das Leben retten. Dann wird ein bißchen unlogisch, denn jetzt, der Täter ist gefaßt, bzw. von einem Lastauto überrollt worden, sollte man die Polizei holen, Mikael will das tun, Lisbeth hält ihn zurück, schmeißt den Täter-Computer weg und verwischt die Spuren, denn sie will keine Polizei. Eigentlich hätte ja die Familie Interesse am Vertuschen der alten Geschichte. Sei es wie es sei, Harriet kommt nach Schweden zurück und Mikaels Auftrag ist erledigt und es stellt sich noch heraus, daß die Vangers gar nicht so viel Beweismaterial gegen Wennerström hatten, Mikael also gelegt haben.
Wieder tritt Lisbeth an den Plan, beginnt Wennerström zu hecken und das Geld auf seinen Konten zu verlagern, dazu reist sie mit blonder Perücke und falschen Busen sogar in die Schweiz und zweigt sich auch ein bißchen was für sich ab. Sie hegt auch zwischendurch immer wieder Mordgedanken, zum Beispiel gegen ihren Peiniger, Rechtsanwalt Bjurman.
Am Schluß, als sich alles aufgeklärt hat, will sie Mikael, mit dem sie schon das Bett teilt, ein Weihnachtsgeschenk kaufen, schmeißt es aber weg und nennt sich “Ein peinliches Rindvieh”, als sie ihn in fröhlicher Gesellschaft mit seiner Freundin und Partnerin in einer Kaffeebar sieht.
Ich weiß nicht genau, ob es ein gutes Buch war, das ich da gelesen habe. Ein sehr dickes und höchst erfolgreiches auf jeden Falls, da kann man nur staunen und neidig werden. Die Figur der Lisbeth Salander habe ich, wie erwähnt, sehr erfrischend gefunden. Das viele Hecken und Verschieben fremder Konten ist wieder etwas, was mir weniger gefällt, passt aber irgendwie in unsere Zeit, wo die Bankgeheimnisse ja aufgehoben werden. Das hier Geschilderte also wahrscheinlich gar nicht mehr möglich wäre und der Rechtsstreit der Familie Larsson, um das Erbe und die Gerüchte, daß die Romane eigentlich von Eva Gabrielsson geschrieben wurden, sind auch sehr interessant.
Schwedenkrimis, das heißt auf jeden Fall dieser, sind sehr brutal sehr direkt und die Frage, wieso wir sowas so gerne lesen wollen, stellt sich natürlich immer noch und Detail am Rande vor ein paar Wochen war ich bei einer Fortbildung über Autismus, Kognition und Geschlecht und habe da von einer deutschen Computerfirma gehört, die eine Reihe von Autisten wegen ihrer besonderen Fähigkeiten eingestellt hat.
Ein Mord für Kay Scarpetta
Jetzt kommen ein paar Krimis, die sich im Lauf der Zeit gefunden habe und ich lese sie ja gerne, obwohl ich gegen Gewalt bin und selber Krimis aus diesen Grund nicht schreiben kann. Ein Patriicia Cornwell Krimi ist schon länger in meinen Regalen gestanden und ich habe sie wohl mit Patricia Highschmidt verwechselt, bis ich einmal in einer der blauen Sofa Sendungen Wolfgang Herles ein Interview mit der berühmten Krimiautorin über deren Gerichtsmedizienerin Kay Scarpetta hörte. Inzwischen haben sich noch einige ihrer Romane bei mir angesammelt.
“Ein Mord für Kay Scarpetta”, ist der erste, den ich gelesen habe und am Anfang bin ich nicht so schnell hineingekommen, gibt das Buch ja wieder Stoff für drei Romane her und die Geschichte mit der ermordeten Romanautorin und dem verschwundenen Manuskript ist ja eigentlich banal, obwohl ich mich für so etwas sonst sehr begeistere.
Da gibt es also zwei Briefe am Beginn des Buches, die Beryl Madison an sich selbst schrieb, die sich vor irgendjemanden oder irgendwas sehr fürchtete und nach der Rückkehr aus ihrem Feriendomizil in ihrer Alarmanlage gesicherten Villa brutal ermordet wird. Und sie hat den Täter selbst hineingelassen und die Alarmanlage ausgeschaltet.
Seltsam seltsam, dann taucht noch der Jugendfreund Mark James, ein Rechtsanwalt, denn die Superfigur Kay hat auch noch Jus studiert, bei ihr auf und interessiert sich für ein verschwundenes Manuskript.
Beryl hat nämlich ihre Autobiografie geschrieben und da gibt es einen berühmten Pulitzerpreisträger, der sie förderte und bei dem sie als junges Mädchen wohnte. Der hat ihr verboten über ihn zu schreiben. Sie hat sein Gebot gebrochen und jetzt taucht noch ein gerissener Medienanwalt auf, der Kay beschuldigt, das Manuskript, das in der Wohnung nicht gefunden wurde gestohlen zu haben.
Kay ist überhaupt eine Agentin mit vielen Fähigkeiten, nicht nur, daß sie in diesem Amerika zu viel raucht, sie übernimmt auch noch die Polizeiarbeit und zwei der Polizisten Peter Marino und Benton Wesley vom FBI sind auch noch ihre Freunde. Die Polizei recherchiert, Fasern von einem orangen Overall werden auch am Tatort gefunden und Mark ruft Kay plötzlich an, bringt sie in New York mit diesen Medienanwalt zusammen und als sie in seiner Firma anruft, ist er dort unbekannt.
Dafür spürt die Polizei die Garage auf in der Beryl ihren Wagen waschen ließ, dort gibt es den Sohn des Besitzers, der zwar Psychologie studierte, aber trotzdem ein Looser ist, weil er Menschen mit Farben verbindet und in seiner Jugend in der Psychiatrie war. Pete Marino, der Mann fürs Grobe, verhört ihn scharf, er erscheint auch bei Beryl, in deren Büro eingebrochen wurde und erzählt ihr von dem Mörder und seinen Psychiatrieerfahrungen. Dann bringt er sich um und der Pulitzerpreisträger, der auch irgendwie ein Looser ist und mit seiner Schwester in einem einsamen Häuschen lebt, wird brutal ermordet, die krebskranke Schwester bringt sich um und Kay wird sowohl von dem Mörder als auch den Manuskriptjägern verfolgt.
Sie fliegt nach Key West, dorthin, wo alles begann, findet Beryls Freunde und das Manuskript, Mark quartiert sich in ihr Hotelzimmer ein und beruhigt sie, er ist vom FPI, ihr Liebesverhältnis beginnt neu und als Beryl vom Flughafen zurückkommt, läutet ein Mann, der ihr den verlorenengegangenen Koffer zurückbringen will in seiner Uniform an ihrer Tür und sie erkennt zu spät, daß er der Mörder ist.
Spannend, spannend und ein bißchen Einführung in die Psychologie, in das, was ein Standford Binet Intellegenztest und ein MMPI ist und ob man die Intelligenz messen kann, wird auch diskutiert.
Ich habs am Anfang ein bißchen langatmig und auch etwas unlogisch empfunden, ein paar Vorurteile scheinen mir auch drin zu stecken oder wie kann man am Telefon erkennen, daß jemand von weißer Hautfarbe ist? Aber sonst wars interessant zu lesen und ich freue mich auf die beiden anderen Cornwell Bücher, die noch auf meiner Leseliste stehen und auf die Krimis, die in allernächster Zeit folgen werden, natürlich auch.
Frühe Kraniche
Jetzt kommt die Besprechung der Tschingis Aitmatow Novelle “Frühe Kraniche”, denn den “Scheckigen Hund”, bzw. den “Jungen und das Meer”, wie es in den Westdeutschen Ausgabe heißt, habe ich schon vor einem Jahr gelesen. Da war auch der “Weiße Dampfer” dabei und die “Schönste Liebestgeschichte der Welt”,”Dshamilia” wartet im nächsten Jahr auf mich, denn von dem berühmten kirgisischen Autor, gibts in den Schränken relativ oft was zu finden und das Sammeln lohnt sich, denn die Texte sind sehr unterschiedlich.
Beeindruckend die Geschichte von dem Jungen und der Mutprobe, die ihm am Meer zwar zum Erwachsenen macht, aber seinen Vater und die andere Besatzung des Bootes verlieren läßt, vielleicht weniger dramatisch, aber auch sehr eindringlich und poetisch geschildert, die von dem Kriegswinter 1943 in dem kirgisischen Dorf, wo zuerst noch alle in der kalten Schulklasse sitzen, husten und frieren, während die Lehrerin von Ceylon erzählt, daß es dort Bananen gibt, Elefanten, Tee und auch sonst sehr viel Schönes und der fünzehnjährige Sultanmurat schwirrt mit seinen Gedanken ab, denn da gibt es Erinnerungen an den Tag, als er mit dem Vater in die Stadt gefahren ist und dort im Zoo einen Elefanten sah, nur er, den jüngeren Bruder hat der Vater damals nicht mitgenommen und jetzt ist der Vater im Krieg und die Mutter, die vier Kinder zu versorgen hat, weint sich die Augen aus. Es gibt aber auch Schöneres zu denken, an Mysagül, dem schönsten Mädchen in der Klasse, zum Beispiel, das früher neben ihm gesessen ist, was gut war, weil es ja peinlich wäre, wenn die anderen Zettelchen schreiben würden “Sultanmurat und Mysagül ist Liebespaar”.
Als er Stroh zum Heizen nachlegen soll, Kohle scheint es nicht zu geben, geht die Türe auf und der Kolchosevorsitzende im Armeemantel, der im Krieg ein paar Rippen verloren hat, kommt mit dem Schulleiter herein und sucht sich fünf der stärksten Jungen aus, um mit ihren eine Brigade bzw. eine “Luftlandetruppe” zu gründen.
Sultanmurat ist dabei und wird sogar zum Gruppenvorsitzenden, was nützt es, daß sich die Mutter die Augen ausweint und krank wird, es kommt zwar der Onkel, der als Schafshirte von der Armee befreit wurde, um ein bißchen zu helfen und mit dem jüngeren Bruder muß er auch Holz suchen und mit dem älteren Kameraden, der schon Sechzehn ist, gerät er in eine Konkurrenzverhalten, der Kolchosevorsitzende belehrt die Jungen aber, daß man den Vorsitzenden einer “Luftlandegruppe” nicht selber wählen darf.
Die Jungen müßen aber ohnehin nur Pferde abrichten, um mit ihnen später die Felder zu pflügen und da hat Sultanmurat nun ein Problem, wie er Mysagül ein Briefchen schreiben kann, das ihr der Bruder in die Klasse schmuggelt. Das gelingt und sie schickt sogar ein Taschentüchlein in dem die Anfangsbuchstaben ihrer Namen eingestickt sind und Anatai, der Konkurrent, mit dem er sich ein bißchen, um das Taschentüchlein prügelt, muß erfahren, daß sein Vater, wie schon die von drei der anderen Jungen, gefallen ist.
Es kommen auch noch Pferdediebe und vor den Wölfen muß der Junge die Pferde auch retten, die Bewährungsprobe, wie es im Vorwort des kleinen, schon sehr abgegriffenen DDR-Büchleins steht, in dem hervorgehoben wird, das Aitmatows Texte in denen der sozialistische Realismus mit der kirgisischen Fabelwelt, die er von seiner Mutter lernte, verwoben wird, zur Weltliteratur zählen.
1928 ist er im nordkirgisischen Ail Scheker geboren, vielleicht ist die Novelle auch ein bißchen autobiografisch, die 1975 geschrieben sein dürfte, jedenfalls ist dieses Datum angegeben, das Buch ist 1980 in der ersten Auflage erschienen, Aitmatow hat von 1956 bis 1958 das Moskauer Literaturinstitut besucht und ist 2008 in Nürnberg gestorben, was natürlich nicht in dem Büchlein steht.
Und die “Frühen Kraniche”, die Titelmetapher, ein Symbol für gute Ernste, sieht die Brigade beim Pflügen auch.
Poesie und Prosa aus Kärnten, Triest und Slowenien
Es geht gleich mit dem Literaturhaus weiter, denn heute stellte der Drava-Verlag aus Klagenfurt seine Publikationen vor und tat das auf eine sehr gründliche Art und Weise. So war das erste Package der slowenischen Bibliothek, Bücher von Zofka Kveder, Ivan Pregelj, Vladimir Bartol und Marjan Rozanc schon am Lesetisch aufgestellt, als ich ins Literaturhaus kam. Einen Büchertisch mit den Publikationen der auftretenden Autoren gab es auch und auf diesen lagen auch einige Verlagsprospekte. Barbara Zwiefelhofer begrüßte und der Verlagsleiter Peter Wieser leitete ein, in dem er von der Geschichte des Verlags erzählte, der sich vor sechzig Jahren als Druckerei gegründet hat, um in Klagenfurt eine slowenischsprachige Zeitschrift herauszugeben, vor dreißig Jahren expandierte er, gibt italienische, slowenische Literatur und die der Kärntner Slowenen heraus und dann noch spezielle Sachen, wie beispielsweise den Gedichtband von H.G. Adler, den ich bei Fix Poetry einmal gewonnen habe.
Dann kam der 1945 in Petzelsdorf geborene Schriftsteller und Übersetzer Hans Raimund an die Reihe, von dem ich, glaube ich, einen Gedichtband aus der Edition Umbruch gelesen habe, der einige Zeit in Triest lebte und dort den hier ziemlich unbekannten Lyriker Virgilio Giotti, der von 1885 bis 1957 in Triest lebte und ein Weggefährte Italio Svevos war, übersetzte. “Kleine Töne, meine Töne”, ist bei Drava erschienen und Hans Raimund las ein paar Beispiele daraus sowohl auf Italienisch als auch auf Deutsch vor, wo mir vorallem das Bild von dem Lehrmädchen hängengeblieben ist, das mit den Schuhen von der Chefin in der Auslage steht und dort etwas zu dekorieren schien.
Als nächstes ging es zur slowenischen Bibliothek und zu Erwin Köstler, der diese Reihe übersetzte und betreute und ein bißchen was davon erzählte, wie sie zustande kam.
2009 war er auf einem slowenischen Kongreß und sollte dort ein Projekt vorstellen, im Zug skizzierte er die slowenische Bibliothek, alle waren begeistert, dreißig Bänden in drei Tranchen wurden, glaube ich, geplant, die erste gibt es schon, der Rest ist wegen finanziellen Schwierigkeiten derzeit auf Eis gelegt und mir sagen die Namen der fünf Prosaautoren allesamt nicht viel, es wäre aber sicher interessant sich hier einzulesen. In der zweiten Tranche wäre ein Krimi geplant und einen Interviewband soll es auch geben.
Dann ging es wieder nach Österreich, nämlich zu dem in Wien lebenden Jani Oswald, der 1957 in Klagenfurt geboren wurde und das slowenische Gymnasium besuchte. Er hat dann Jus studert und arbeitet als Finanzmanager und ich habe ihn in Villach kennengelernt, als dort einmal der Tag der “Freiheit des Wortes” stattfand. Da war der Alfred von seinen Gedichten so begeistert, daß er gleich einen Band gekauft hat. Sechs oder sieben solche gibt es inzwischen, der vorletzte ist “Andante Mizzi”, davon habe ich, glaube ich, bei “Ex libris” im Radio gehört, jetzt stellte er “Quaran Tanja” vor und sagte in der Einleitung, daß er dafür zwei Kunstsprachen gewählt hat. Es gibt vier Zyklen, aus denen er einige Beispiele brachte und die mich zu Beginn an Ernst Jandl erinnerten. Dem Publikum hat es, glaube ich, sehr gut gefallen, nachher gab es noch was zu Trinken und dem Small Talk zuzuhören, mit Beppo Beyerl, der mich fragte, was mich zu der slowenischen Litertur geführt hat, habe ich mich schon vorher unterhalten.