Otto Wanz – ein Leben für und gegen das Telefonbuch

“Heute 18 Uhr Telefonbuchzerreißen mit Otto Wanz”, diese Meldung soll vor einem Jahr bei Facebook, wie der Online-Standard” berichtete, aufgetaucht sein. Ohne Mitteilung wann und wo das Event stattfinden soll und dem Nachsatz, daß Menschen, die nach dem Vierteltelefon aufgewachsen sind, den Namen Wanz vielleicht nicht mehr kennen würden.
Das bin ich erstens nicht und von den Telefonbuchzerreißer kann ich mich erinnern, daß mir irgendjemand bei dem ich lesen wollte oder gelesen habe, erzählte, daß er demnächst auftreten würde oder das schon sei.
Thomas Rottberg schrieb am 11. Juli 2012 im “Standard” weiter, daß Wanz im Museumsquartier aufgetreten sein sollte, da spürt die Spur vielleicht zum Holzbaumverlag, weil die ja dort ihre Ausstellungen haben und Daniel Jokesch, den wir ja schon vom “Buwockl” kennen, hat ein Buch über den ersten Telefonbuchzertrümmerer geschrieben und gezeichnet.
“Wenn jemand stärker ist als du, hau ihn nieder – dann ist er es nicht mehr!” (Otto Wanz, Einführung in den nonverbalen Destrukitivismus, Band I)”
Für alle Leser, die nach dem Vierteltelefon aufgewachsen sind und auch ein bißchen für mich selber, habe ich schnell nachgegooglet und herausbekommen, daß “Big Otto”, 1943 in Graz geboren wurde und ein ehemaliger Wrestler und Schauspieler ist, der mit 1.89 und 175 kg, zu den Superschwergewichtlern zählt. Er war Boxer, Ringer, Wrestler und spielte im Film “Hilfe ich liebe Zwillinge.” Vom Telefonbuchzerreißen steht nichts in Wikipedia, nur, daß er heute Wettbewerbveranstalter ist.
Der “Standard” wollte es genauer wissen und hat den Neunundsechzigjährigen angerufen, der über die Nachricht staunte, da er, weil seine rechte Hand seit einen Motorrradunfall gelähmt, heute ein Telefonbuch nicht einmal mehr heben kann, sich aber freute, daß sich seine Fans noch an ihn erinnern. Dank Daniel Jokesch, der ihm in der ersten Otto Wanz-Biografie zum Telefonbuchphilosophen und Poeten machte, können das nun noch viel mehr Leute tun. Das kleine Büchlein im knallgelben Telefonbuchdesign ist auch schnell gelesen und erinnertn an die gute alte knallgelbe “Telephonzelle”. Die nach dem Viertelanschluß geborenen, werden sich auch an sie nicht erinnern können und Jokesch behauptet, daß der “Dichter und Philosoph in einer Grazer Telefonzelle geboren wurde und, daß der Arzt, der die mit dem Telefonkabel verwickelte Nabelschnur durchtrennte, gesagt haben soll “Der wird wohl einmal ein Telefonbuch schreiben.””
Vorerst lag der kleine Otto aber im Gitterbettchen und wuchs und wuchs, wurde mit seinem Teddybär im Arm immer dicker und dicker “…bis er eines Tages so groß war, daß er sein Kinderzimmer nicht mehr verlassen konnte.”
Die Mama las ihm vor und vor und weil sie, da er so viele Lebensmittel brauchte, kein Geld mehr Bücher hatte, verlegte sie sich aufs Telefonbuch was dem kleinen “Big Otto” sehr gefiel, so daß er beschloß “Wenn ich groß bin, werde ich das schönste und dickste Telefonbuch der Welt schreiben”.
Er versuchte es vorerst mit anderen literarischen Versuchen, wie “Ich will dich anrufen. Doch der Nachbar telefonier und telefonier und telefoniert. Vierteln will ich diesen Hund!”
Dann wurde es soweit, das Telefonbuch entstand, aber die Kritiker waren von dem “Otto Wanz Telefonbuch” aber gar nicht so begeistert.
“Dieses Buch ist keine große Nummer, sondern nur ein großes Buch mit Nummern”, schrieben sie boshaft.
Was zuerst Ottos großes Herz zeriß, was er dann aus Wut nach seinen Lesungen mit den anderen Telefonbüchern machte. Dem Publikum gefiels und so “wurde Otto zum bekanntesten Telefonbuchautor der Welt.”
Im Epilog wird noch angeführt, daß es auch im digitalen Telefonzeitalter, wo man keine Telefonbücher mehr braucht, in der finnischen Stadt Savolinna jährlich Otto Wanz zu Ehren, eine Handyweitwurf-Weltmeisterschaft stattfinden würde und, daß Otto Wanz öfter in einem Grazer Kafeehaus sitzen und in sein Handy Nummern eintippen würde.
In Wikipedia steht die Biographie ein wenig anders, trotzdem kann ich das kleine gelbe Büchlein sehr empfehlen, weil es die heutigen Handybesitzer an eine vielleicht tragische Legende der österreichischen Nachkriegszeit erinnnern kann und mich, daß ich offenbar einmal irgendwo vor oder nach dem bekannten Telefonbuchzertrümmerer gelesen habe, auch wenn ich über das wo und wann ebenfalls nichts mehr erinnern weiß.

Else Lasker-Schüler Abend

Eigentlich habe ich ja nicht zu der Frauen-lesen-Frauen-Lesetheaterveranstaltung “Else Lasker-Schüler Briefe und Gedichte”, die Hilde Schmölzer für das Amtshaus des vierten Bezirks veranstaltete, gehen wollen, weil nicht im Kalender eingetragen und ich mit meinen Buchbesprechungen ohnehin schon weit voraus, dann hat aber Brigitte Gras, bei der wir uns am Mittwoch zum Intervisionstreffen bzw. Kassenpsychologenjourfix treffen wollten, abgesagt und einen schweren Tag, wegen einer abgezogenen WPGV-Stunde habe ich heute auch gehabt, so daß ich umdisponierte, obwohl ich Hilde Schmölzer schon abgesagt hatte. Aber als mich Judith Gruber-Rizy auf ihr neues Buch aufmerksam machte, habe ich wieder zugesagt, denn die 1869 geborene expressionistische Dichterin ist sicher interessant und ich habe auch zwei Bücher von ihr. Eines davon habe ich auch schon gelesen, es mir einmal, lang lang ists her von meinen Eltern zu Weihnachten schenken lassen und es dann, ich glaube auf unserer Mexikoreise gelesen oder war es, wie wir in Bali waren? Das zweite lag in den übriggebliebenen Bücherschachteln meiner Schulfreundin Edith und steht jetzt auf meiner Leseliste.
Vorher habe ich mir noch die Portraits der für die Bachmannlesung zugelassenen Autoren angeschaut und bin dann losgezogen in das Amtshaus Wieden, das ja ganz in meiner Nähe ist. Susanne Schneider war schon da, Jörg Liebscher ist bald eingetroffen und noch ein paar andere Bekannte, wie Hilde Langthaler und ein paar alte Damen, die offenbar zu den Bezirksfestwochen wollten.
Eine junge Frau hat für die Bezirksvorstehung eingeleitet. Judith Gruber-Rizy, Heidi Hagl, Elfriede Haslehner, Traude Korosa, Angelika Raubek haben gelesen, Hilde Schmölzer hat eingeleitet und ein bißchen was aus dem Leben der Dichterin, die eine ziemlich exzentrische Frau gewesen sein muß, erzählt.
1869 in Eibersfeld als Tochter eines jüdischen Bankiers geboren, die ein enges Verhältnis zu ihrem Bruder Paul hatte, der jung gestorben ist.
Den Tod der Mutter hat sie auch sehr betrauert, beziehungsweise einige Gedichte auf sie geschrieben, dann hat sie einen Arzt Benjamin Lasker geheiratet, die Ehe war nicht gut und der Sohn Paul war nicht von ihm. Den hat sie allein unter ziemlichen finaziellen Schwierigkeiten aufgezogen, so daß Karl Kraus für sie eine Spendensammlung machte.
Es gibt einen Briefwechsel mit vielen bedeutenden Männern der Wiener und der Berliner Bohemiene und Else Lasker Schüler, die sich Prinz von Theben nannte und ihren Liebhabern viele verschiedene Namen gab, scheint ihre Gedichte auch sehr herumgeschickt zu haben. Mit Herwarth Walden war sie ein zweites Mal verheiratet.
1911 ist ihr der literarische Durchbruch gelungen. Der Sohn Paul ist auch sehr jung gestorben. Mit Gottfried Benn gab es auch eine Liäson und vorher mit Peter Hille. 1932 hat sie noch bevor die Nazis kamen, gemeinsam mit Richard Billinger den Kleist Preis bekommen. Dann mußte sie zuerst in die Schweiz immigrieren, später ging es nach Israel, wo sie 1945 starb.
Viele Gedichtbände und auch einige Theaterstücke, darunter “Ich und ich”, bei dem die Nazis in die Hölle kommen, hat sie geschrieben und die Lesefrauen haben eine Auswahl daraus und auch die Briefe an die bedeutenden Männer, die ihre Liebhaber waren oder die sie um Geld anschnorrte, wie beispielsweise Peter Altenberg, vorgelesen.
Nachher gab es Wein, Oliven und was zu knabbern von der Bezirksvorstehung und ein paar angeregte Gespräche, wo mir zum Beispiel eine Frau erzählte, daß “Ich und ich” kürzlich aufgeführt worden ist.
Am Samstag gibt es noch eine Aufführung von Dario Fos “Bezahlt wird nicht”, im Berta von Suttner Hof bzw. in der Bezirksvorstehung und ich habe wieder eine große Dichterin kennengelernt, bzw. von ihrem Leben erfahren, auf deren zweites Buch ich mich schon sehr freue.

Seebachs schwarze Katzen

Wie wirkt sich die Stasi-Tätigkeit eines Ex-DDR-Vaters auf die psychische Entwicklung seines pubertären Sohnes aus und was hat das für die Gesellschaft zu bedeuten, wenn beispielsweise im Jahr 2003, die Söhne darauf kommen, daß ihre Väter für die Stasi spioniert und ihre Mutter betrogen haben, ect?
Eine interessante psychologische Frage, die in dieser Form vielleicht noch nicht beantwortet wurde.
Die 1958 in Gotha geobrene Psychologin Kathrin Schmidt unternimmt den Versuch und tut das, da sie 1998, sowohl den “Heimito von Doderer-Preis, als auch einen der Bachmannpreise gewonnen hat, auf eine höchst literarische Art.
“Zeitgeschichte und wilde Fabulierkunst. Detailtreue und Phantasiebrausen schließen sich bei Kathrin Schmidt nicht aus”, schreibt die Frankfurter Zeitung am Buchrücken.
Neugierig geworden? Ich habe, da mir das Verstehen nicht ganz leicht gefallen ist, mich bei den Rezensionen umgeschaut und gesehen, daß es den Lesern nicht sehr gefallen hat und Kathrin Schmidt macht es mit dieser Mischung aus Kunst und Detail auch nicht leicht, springt sie doch vom Hundersten ins Tausensenste, wechselt die Zeiten und die Erzählebenenen, spielt mit Metaphern, Fallbesipielen und Sex bis hin zur Sodomie, um die spannende Frage, wie es den pubertierenden Söhnen mit ihren für die DDR gespitzelt habenden Vätern geht und das interessiert die Psychologin in mir sehr und die schreibende Frau, hätte es sicher realistischer angefangen und so beginnt es scheinbar auch im ersten Teil, wo Bert Willer mit seinem Sohn David in den Ferien nach Teneriffa aufbricht. Er hat die Reise für ihn gebucht, kauft ihm vorher Kleider und mietet ihm sogar ein Hotelzimmer, das auf einem anderen Flur, als das seine liegt. Der Sohn ist jedoch verstört, hat er doch die geheimen Aufzeichnungen des Vaters gefunden, die zeigen, daß er als informeller Mitarbeiter, Kontakte zu Frauen hatte und mit ihnen Beziehungen aufbaute.
Die Mutter Lou ist vor drei Jahren gestorben und im Flugzeug lernen Vater und Sohn Michaela kennen, zu der nun sowohl der Vater, als auch der Sohn eine Beziehung beginnt.
Michaela bekommt im Meer epileptische Anfälle, der Sohn findet einen Hund, schmuggelt ihn in sein Hotelzimmer ein, nennt ihn Lou und als der Vater kommt, greift der an Lous Geschlechtteile. Sexbesessen scheint der Vater auch zu sein und eine der Frauen zu denen er Kontakt hatte, die geheimnisvolle Belja spukt auch in seinem Kopf herum. Die war Psychologin, wie Kathrin Schmidt und auch Lou, bzw. hat sie Belja während eines Praktikums kennengelernt, wo sie Lou Bert Stasiakte zeigte. Man erfährt auch, daß Belja an den Folgen einer Schizophrenie gestorben ist.
“Eingegangen wie Seebach schwarze Katzen!”, nannte das Lou, Hinweis für die, die sich wundern, daß ein Buch in dem ein Hund eine wichtige Rolle spielt, eine Katze im Titel hat. Vater und Sohn reisen vorzeitig ab. Michaela bleibt noch etwas länger und kümmert sich um den Hund, den sie kastrieren lassen will, um ihn mitzunehmen, was aber nicht geht, weil er trächtig ist.
Der Sohn verweigert den Vater nun die Auskunft, zieht sich in Mutismus zurück, schrumpft auch ein und Bert Willer nimmt den Kontakt zu seinen alten Kollegen wieder auf und erfährt von ihnen, daß Belja gar nicht gestorben ist, sondern mit ihrem Mann in Saarland in der Stadt N. lebt.
Das war der erste Teil, der mit seinen Metahphern, den von der “alten Fettvettel Zeit” zum Beispiel, noch halbwegs realistisch war, im zweiten wird es dann vollends surrealer und gar nicht leicht zu lesen.
Wir sind in N. bei einem Ehepaar, bei Harald Emil Jürgen Hartung, so heißt Beljas Ehemann, seine Frau ist Psychologin und hat keinen Namen, daß sie aber die zweite Frau ist und die erste Belja war, kommt heraus. Sie hat Kontaktprobleme und wenig Freunde, betreut autistische Kinder und Erwachsene, bereitet ein Fest vor, daß von ihrem Mann verhindert wird, der sie in die psychiatrische Klinik bringt, wo sie eine Geschichte von einer Lou erzählt, die die behandelnde Ärztin als “Räuberpistolen” bezeichnet und nur Hartung weiß die Wahrheit.
Wahrlich nicht leicht zu verstehen, wo ich im Teil eins schon so glücklich war, herausgefunden zu haben, wie das sein konnte, daß in der DDR die Freunde von ihren besten Freunden bespitzelt wurden. Bert war bei der Armee, sonst hätte er nicht studieren können. Da erzählte ihm ein Freund, daß er in den Westen wollte, war auch ein IM und der Staat erpresste ihn nun, ein solcher zu werden, weil Bert ihn nicht verriet.
Im dritten Teil macht sich Bert dann mit seinem geschrumpften Sohn auf den Weg nach N. Er nimmt mehrere Umwege, bevor er zu Hartung kommt. Der gar nicht überrascht ist, ihn bei sich schlafen läßt und ihm von seiner Frau erzählt, die am nächsten Tag aus der Psychiatrie entlassen wird. Ahnen wir es schon? Sie ist natürlich Lou.
Als Psychologin kann ich nun sagen, daß man vielleicht Abwehrmechanismen braucht, um so grausige Geschichten erzählen zu können. Der Literaturbetrieb braucht seine Abhebungen und will keinen eins zu eins Realismus.
David findet den Akt und stellt den Vater zur Rede. So könnte man es ja auch beschreiben. Kathrin Schmidt macht es viel komplizierter und wurde vom Literaturbetrieb sehr gelobt, hat sie ja, als sie ihren Schlaganfall beschrieb und Hertha Müller den Nobelpreis bekam, ganz überraschend den dBp bekommen.
Den Leuten deren Rezensionen ich gelesen habe, hat es nicht gefallen. Ich bin ein wenig ratlos, denn ich sehe trotz der Schrumpfungen, die mich an E.T.A Hofmann erinnern, das mit den informellen Informanten jetzt ein wenig realistischer. Mit den Sexszenen hat sie ein wenig übertrieben denke ich und das mit dem Hund und der Fast-Sodomie war vielleicht geschmacklos. Aber ich bin sehr tolerant beim Lesen und denke, so gehts natürlich auch.
Wenns dem Durchschnittleser aber nicht gefällt und es nur die Literaturkritik so abgehoben haben will, ist das vielleicht schon ein bißchen schade. Jedenfalls habe ich das 2005 erschienene Buch voriges Jahr, als ich zur Bezirksschreiberlesung in die Buchhandlung Kuppitsch gegangen bin, um einen Euro aus der Abverkaufskiste herausgezogen und sonst noch nie etwas von dem Buch gehört.

Wie im echten Leben/Marlene Streeruwitz

“Wen interessierts – Theater, Literatur, politische Sprache”, lautete Marlene Streeruwitzs Thema am vierten Abend von Angelika Reitzers vierzehnten Autorinnenlabor und die ohne Zweifel politische Autorin machte es möglich von der “Literatur, wie im echten Leben” zu lesen, beziehungsweise war es eine Themenverfehlung, wie sie gleich am Anfang betonte, nämlich kein Essay, sondern offenbar, wenn ich es richtig verstanden habe, ein Ausschnitt von einem Roman, wo die weiblich Hauptfigur eine Dora F. ums Leben kommt und die scheint wieder das Alter Ego von Marlene Streeruwitz zu sein und die Züge ihres Echtlebens zu tragen, nicht die private Biografie, wie sie betonte, aber die ihres Werkes und so fing der Essay gleich mit einem Mail an die Steuerberaterin an.
Kann man einen Betrag den man zurückzahlt als Verlust verbuchen? Die Steuerberaterin, eine sehr sympathische Person, antwortet nicht gleich und so kommt die Heldin oder ihre Autorin vom hundertsten in tausendste, während sie aus ihrer Lieblingstasse Kaffee trinkt und es geht um ein Theaterstück, vom Volkstheater beauftragt und auch bezahlt, aber jetzt nicht aufgeführt, sondern in die Schublade gesteckt und wie handelt die Autorin richtig?
Ein revolutionäres Theaterstück hat der Intendant verlangt, dann war es ihm offenbar zu politisch oder zuviel weibliche Sprache und Marlene Streeruwitz zeigte die Frauenverachtung in den Medien auf. Eine Fernsehwerbung mit Hermann Meier kam auch vor, wo er ein kleines Mädchen in männlicher Pose am Klogang hindert, weil der Erfolg keinen Aufschub verlangt und eine Elisabeth Leopold, die sich in einer Dokumentation weinend für das Unrecht, das den Juden angetan wurde, entschuldigt, was von Marlene Streeruwitz als faschistisch gedeutet wurde.
Ein Prosastück, das die Frauenverachtung dieser Welt anprangert und zeigte, wie leichtfertig Frauen heruntergemacht werden.
Marlene Streeruwitz ist offenbar sehr sensibel und deckte am Ende den Text als Realität auf. Ihr ist das so passiert und in dem sie darüber schrieb, konnte sie sich wehren, weil die Zeitungen, der “Falter” oder das “Profil”, würde das heute nicht mehr für sie tun.
Angelika Reitzer schien angesichts dieser wortgewaltigen Prosa ein wenig hilflos und konnte ihre Fragen vielleicht nicht wie geplant stellen. Marlene Streeruwitz dozierte aber für sie und kam dann gleich zum Bachmannpreis, der ja, das Medienereignis der letzten Tage, abgeschafft werden soll und meinte, daß man das vielleicht könnte, wenn man sich für mehr Theaterstücke einsetzen würde. Sie kam auch auf die Abhängigkeit des Autors von seinen Verlagen zu sprechen und erzählte von dem Theaterstück, das sie geschrieben hat und in dem sie bis zu Metternich zurückgegangen ist.
Die Selbsthilfe, ist das darüber schreiben oder auch das Aufführen in kleineren Theatern, die Frauensolidarität, die vielleicht doch noch vorhanden, für mich persönlich aber nicht sehr spürbar ist, aber ich habe meine Zurückweisung mit dem Alpha-Literaturpreis, ja auch auch in einem Roman verarbeitet und bezüglich Bachmannpreis läß es sich ja herrlich, wie im echten Leben vergleichen. Da haben sich die IG Autoren ja schärfstens gegen die Abschaffung gewandt und ich kann mich erinnern, daß sie sich in den Siebzigerjahren, als der Preis eingeführt wurde, genauso energisch gegen den Preis wandten, weil das öffentliche Diskutieren Autorenfeindlich ist.
So wendet sich alles und ich habe in den letzten Tagen auch darüber nachgedacht und drücke natürlich meinen Protest dagegen aus, aber ich werde nicht dazu eingeladen, drücke meine Solidarität also beispielsweise für den “schönsten Betriebsausflug” der Lektoren und Vertragsvertreter aus, die mich gar nicht haben wollen und schaue mir die Lesungen in meiner Harlander Sommerfrische begeistert an, während das die breite Masse wahrscheinlich gar nicht so interessiert.
Eine Dame, die sich auch die anderen Abenden angehört hat, sagte mir beim Nachhausegehen, daß sie gar nicht so für die öffentliche Förderung der Literatur sei.
Wieder ein heikles Thema, denn die meisten Autoren, die um ein Stipendium einreichen, bekommen es ja nicht, während einige andere eines nach dem anderen bekommen und als ich damals im Cafe Amadeus keine Zuhörer hatte, habe ich trotzdem gelesen, weil ich auf das Honorar nicht verzichten wollte.
Marlene Streeruwitz erzählte noch, daß sie das Honorar wahrscheinlich behalten wird und so dreht sich alles im Kreis.
Jetzt ist es wirklich interessant, was Stephan Schmitzer am 18. 2. darauf antworten wird?
Den Pfarrer Balacz Nemeth, den ich ich den Siebzigerjahren durch die ökumenischen Workcamps kennenlernte und der damals in der Zwinglikirche auch literarische Abende mit der Nöstlinger, der Frischmuth, der Jelinek, etc, veranstaltet hat, habe ich getroffen.
Katharina Serles hat, glaube ich, eine Frage gestellt. Und dank dem ORF und den offenen Bücherschränken kenne ich Marlene Streeruwitz auch sehr gut und habe schon einiges von ihr gelesen.

Wanderwochenende und Sommerpläne

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Im dritten Juniwochenende findet meistes das Sladky-Wanderwochenende statt, das ist Alfreds ehemaliger Turn- und Mathematiklehrer, der nach seiner Pensionierung mit seinen ehemaligen Schülern und deren Ehefrauen und Männern inzwischen schon zweimal im Jahr Wandern geht. Einmal vor dem Sommer und das zweite Mal am Ende und vor zwei Jahren waren wir auf der Teichalm und wollten in die Bärenschützklamm. Leider spielte das Wetter nicht so ganz mit, so daß wir es heuer noch einmal versuchten und diesmal passte es.

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Schönes Wetter und doch nicht ganz so heiß, wie in Wien. So sind wir am Freitag Nachmittag mit dem Rucksack und einem Buch, das ich dann nicht einmal angelesen habe, losgefahren, denn am Abend sind wir in dem Wirthaus gesessen, haben getrunken und gegessen und Lehrer Sladky, der in seiner Pension sehr rührig ist und auch gerne bastelt, hat für seine Schülern “Medaillen” zusammengestellt.
Das sind Holzscheiben, von einber Birke heruntergeschnitten, auf denen die einezelnen Namen stehen und dann, wie oft seit 2001, seitdem es das Ganze schon gibt, mitgegangen wurde.

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Beim Alfred und mir waren das ganze neunzehn Mal und das war immer sehr toll. Obwohl es mit dem Wetter nicht immer ganz klappte und ich einmal sogar eine Lesung deshalb versäumte und dann sind wir trotzdem zurückgegangen. Diesmal passte es aber und die Bärenschutzklamm ist wirklich wunderschön, obwohl so ganz habe ich das nicht mitgekommen, denn ich bin ein bißchen höhenscheu und da muß man eine Stunde lang Leitern hinaufklettern. Also nicht nach links und rechts schauen, sondern denken “Das ist nicht gefährlich!”, so wie ich es in der Verhaltenstherapiestunde bei meinen Klienten tue, auch wenn die Brücken und Steige anfangs wackelten, später gewöhnte ich mich daran. 1901 wurde mir gesagt, wurden die Steige angelegt, also wirklich ganz toll. Nachher gabs ein gutes Mittagessen, um vier Uhr Nachmittag. Backhendlsalat und Eiskaffee. Gitarrespiel und Ziehharmonika gab es am Abend auch und heute gings die große Raabklamm enlang, die wir schon vor zwei Jahren ein Stückchen angegangen sind, die hat mir fast besser gefallen, weil nicht so viele Leitern.
Hendlsalat gabs beim Jägerwirt auch und wir sind dann noch kurz nach Harland bzw. nach St. Georgen, weil der Alfred Kirschen brocken wollte. Das nächste Treffen “Sladky 20” also, werde ich wohl versäumen, denn da ist das Volksstimmefest und dafür habe ich meinen Text ja schon beim vorletzten Schreibtreffen geschrieben.

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Jetzt gibts noch eine normale Arbeitswoche, dann kommen zwei Monate Sommerfrische in Harland bei St. Pölten und diesmal keine Sechsländerreise und auch kein Wandern in der Hohen Tatra, weil die WU übersiedelt und der Alfred nicht wegkann. Aber ich bin ohnehin nicht so Reiselustig, das Radfahren an der Traisen genügt mir und das Literaturgeflüstertextebuch ist ja auch zu korrigieren. Das will ich diesmal sehr konzentriert angehen, um möglichst bald fertigzuwerden.
Beginnen tut es aber nach dem ersten Wochenende wieder mit dem Bachmannlesen und da das habe ich am Freitag noch mitgekriegt, herrscht jetzt große Aufregung. Denn der ORF-Generaldirektor soll am Donnerstag bei einer Pressekonferenz gesagt haben, im nächsten Jahr gibt es das nicht mehr, weil viel zu teuer und wahrscheinlich hat er noch dazugedacht, weil das ja ohnehin keinen interessiert.

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Mal sehen, wie es wird, die Proteste sind ja schon gekommen und heuer wird es ihn auch noch geben. Ansonsten habe ich meine Sommerlektüre schon vorbereitet, habe vor mir wieder ein paar “Stadtschreibertage” mit “Stadtschreibertexten” zu machen und wenn ich mit dem Korrigieren fertig bin, gehts ja an das Materialsuchen für den nächsten Text. Aber da kann ich noch keine Prognosen machen, wie lange ich brauche, bis ich fertig bin, das nächste Jubiläum, nämlich “fünf Jahre Literaturgeflüster” gibts aber an dem Tag, wenn in Klagenfurt das Lesen eröffnet wird auch und am nächsten Tag, dem 4. Juli löse ich die Fragen meines großen Gewinnspieles auf.
Bis dahin kann man noch mitmachen und “Eva Jancak-Bücher” gewinnen, wenn man sich ein bißchen in die Fragen hineinläßt. Alle werden ohne vorherige Lektüre der Bücher wohl nicht zu lösen sein, einige aber schon, also probieren!
Eine gute Woche ist ja noch Zeit, bis es aufs Land und in die Ferien geht, obwohl das Wetter, wie ich höre, inzwischen wieder kalt und schlecht werden soll.
Und noch ein bißchen was aus dem Wanderwochenendearchiv

Rückkehr nach Peyton Place

Das erste und eigentlich einzige Schreiblernbuch, das ich mir gekauft habe, war James N. Frey “Wie man einen verdammt guten Roman schreibt” und das habe ich vor zehn oder mehr Jahren, gelesen und gelesen. James N. Frey führt seine Thesen, wie man spannend schreibt, an Beispielen einiger berühmter Romane aus und zitierte dabei auch öfter eine Miss Metalious, die in “Die Leute von Peyton Place”, das Liebesleben einer amerikanischen Kleinstadt so am Schmelztiegel geschildert hat, daß alle sich erkannten, sie danach haßten, ihr aber der verdammt gute Roman gelungen ist.
Das hat sich bei mir eingeprägt und aus dem Nachlaß meiner Schwester Uschy habe ich in Harland, “Den engen weißen Kragen” gefunden und war eigentlich nicht so beeindruckt, die Bücherschränke machten es dann möglich, daß zuerst die “Rückkehr” und dann das Erstlingswerk auf meiner Leseliste landeten.
Dann habe ich Wikipedia bemüht, daß das Buch ein Weltbestseller geworden ist, das in Amerika allein in der Taschenbuchausgabem die 4 Millionenauflage erreichte, steht auf dem Heyne Cover, auf der Rückseite sieht man das Bild einer jungen Frau mit schwarzen Haaren und Bleistift im Mund, die 1924 in New Hampshire geboren wurde und 1964 dort starb. Sie war die Frau eines Lehrers, hat schon in ihrer Kindheit geschrieben und mit den “Leuten von Peyton Place, ist ihr 1954 einer der kommerziell erfolgreichsten Romane überhaupt gelungen, in dem sie sehr freizügig Sexualität, Inzest und Abtreibung ihrer Kleinstadt zum Thema machte.
Damit ist sie reich geworden, hat sich aber auch Anfeindungen und Verleumungsklagen ausgesetzt, so daß sie zum Alkohol griff und die “Die Rückkehr nach Peyton Place”, zu dem sie der Verlag drängte, zwar in einer Woche niederschrieb, er ist aber angeblich so schlecht geworden, daß er von einem Ghostwriter umgeschrieben wurde.
In Wikipedia steht, daß der Roman, wie auch zwei andere, die darauf folgten, nicht an den Erfolg anknüpfen konnten, auf dem Heyne Buch steht etwas anderes. Grace Metalious ist jedenfalls mit neununddreißig Jahren an einer Leberzirrhose gestorben und im Netz kann man über die Bücher, obwohl sie verfilmt wurden und auch als Fernseheserien liefen, eigentlich nicht viel finden. Sie dürften auch vergriffen sein, in den Schränken stehen sie aber öfter herum.
Wahrscheinlich war es nicht gut, den zweiten vor dem ersten Teil, der demnächst folgen soll, zu lesen, denn ich habe mir recht schwer getan in die Personen hineinzukommen und mich auszukennen. Wird in dem Buch doch vieles, was in Teil eins geschehen ist, angedeutet und vorausgesetzt.
Allison Mac Kenzie, Grace Metalious Alter Ego, ist es jedenfalls gelungen ihren Roman “Samuels Schloß”, das eben das Leben in Peaton Place beschreibt, wo ein junges Mädchen ihren Stiefvater tötete, ein Fabriksbesitzer eine junge Frau davonjagt, als sie von ihrem Sohn schwanger wird und noch sehr viel mehr passiert, einen New Yorker Verlag zu finden. Vorher hat sie nur einige Geschichten in Zeitschriften untergebracht, jetzt ist sie eine richtige Schriftstellerin und in New York, sie hat dort schon vorher gelebt und auch ein Verhältnis mit einem begabten jungen Dichter gehabt, erwartet sie der Ruhm und der Verleger, ein vierzigjähriger verheirateter Mannm mit dem sie ein Verhältnis beginnt.
Ansonsten muß sie Lügen, Intrigen und Vermarktungsstrategien kennenlernen, wird in ein altes graues Kleid gestreckt und muß sich einen Pferdeschwanz machen, um das Provinzgänschen darzustellen, um ein paar Jahre jünger wird sie auch gemacht, dafür wird sie aber schnell berühmt und in Hollywood wird ihr Roman auch verfilmt.
Dazwischen läuft die Handlung in Peyton Place weiter, Michael Rossi ihr Vater, ein Schuldirektor, wird entlassen, wie es auch mit Grace Metalious Mann passierte, nachdem die Leute sich in dem Roman erkannten, eine Weile kauft niemand in dem Geschäft von Allisons Mutter ein, in dem auch Selina arbeitet, das ist das junge Mädchen, das in Teil eins, den Stiefvater erschlagen hat. Sie beginnt ein Verhältnis zu einem Schauspieler, um am Schluß doch den Richtigen zu heiraten und eine böse Schwiegermutter, die ihrem Mann Schlafpulver ins Essen mischt, um im Hinterzimmer das Liebesleben ihres Sohnes und ihrer noch böseren Schwiegertochter zu belauschen, gibt es auch. Die führt perverse Liebesspiele auf, so daß Roberta Carter beschließt Jennifer beim Erntedankfest zu ermorden. Blöderweise schreibt sie sich aus Kriminalromanen in ein Notizbuch genau auf, wie das geht, so daß die Schwiegertochter, die in ihren Sachen schnüffelt, ihr auf die Schliche kommt und sie die Stiegen hinunterstößt und Allison und ihr Geliebter haben einen Autounfall, wo er ums Leben kommt, was ihr fast das Herz bricht. Eine berühmte Schauspielerin, die Allison in Hollywood kennenlernte, kommt aber zu Weihnachten auf Besuch und versteht sie aufzuheitern, so daß anzunehmen ist, daß Allison sich fassen und weiterschreiben wird.
Grace Metallious scheint das, wie auch Robert Schneider, Karin Struck, Brigitte Schwaiger ect nicht so ganz gelungen zu sein, bwz. hat sie es getan, ist aber an ihrem Erfolg zerbrochen, vorher aber offenbar vielen Haus- und anderen Frauen vergnügliche Stunden mit “Schmutz und Schund” beschert.

Die Teufelin

Von der 1931 geborenen englischen Autorin und Feministin Fay Weldon habe ich vor einiger Zeit einige Romane gefunden. “Die Teufelin”, die auch verfilmt wurde, habe ich jetzt gelesen und denke, daß man das Buch als eine Parodie auf den amerikanischen Way of life interpretieren könnte und um die Unterdrückung der Frauen durch die Männer geht es dabei auch. Das Buch ist abwechselnd in “ich” und “sie” Form geschrieben und der Satz “Mary Fisher lebt in einem Turm am Meer”, kommt auch öfter darin vor.
Mary Fisher ist eine schöne und erfolgreiche Schriftstellerin von ChitLit Romanen oder Groschenhefterln und hat einen Steuerberater mit dem sie ein Verhältnis hat und der, Bobbo, hat eine sehr unansehliche, zu große, unbeholfene aber sonst immens tüchtige Frau namens Ruth und die erzählt die Geschichte.
Erzählt von der schönen Mary Fisher in ihrem Leuchtturm, während sie in einer Reihenhaussiedlung mit zwei Kindern lebt, kocht, wascht, putzt und Bobbo, der immer ehrlich ist, erzählt ihr haargenau von seinem Verhältnis zu der schönen Mary. Am Abend kommen Bobos Eltern auf Besuch, Ruth kocht Pilzsuppe, Pastete, Schokomousse und geht dann in ihr Zimmer, um sich vorzusagen “Ich muß so tun, als wäre ich glücklich, ich muß meine Prinzipien über Bord werfen, ich muß..etc”, dann wirft sie diese Sätze über Bord und die Pastetchen auf den Boden, auf die sich dann Hund, Katze und Meerschweinchen stürzen und eröffnet den Schwiegereltern, das ihr Bobo sie betrügt, worauf er sie verläßt, um zu seiner Mary zu ziehen und Ruths Rachefeldzug beginnt.
Zuerst zündet sie das Haus an, bringt die Kinder zu Mary in den Leuchtturm, dann heuert sie in dem Seniorenheim an, in dem Marys Mutter untergebracht ist, da wird geschildert, wie an die Alten Beruhigungsmitteln verreicht werden und wenn sie inkontinent sind, wirft man sie hinaus.
So wird Mary Mutter das, während Ruth die Beruhigungsmittel absetzt und die Mutter zu Mary bringt, dann beginnt sie Bobbos Konten zu verlegen, macht ihm zum Steuerbetrüger und während das Geld auf ihrem Konto landet, kommen die Steuerprüfer, Bobbo wandert für Jahre ins Gefängnis, denn Ruth, die sich langsam zur Teufelin verwandelt, hat auch beim Richter angeheuert, dann läßt sie sich ihre Zähne ziehen und zum Schluß von dem Geld auf ihren Konto in eine Kopie von Mary umoperieren, sie läßt sich auch die Beine verkürzen, die plastische Chirurgie machts möglich. Mary hat sie inzwischen zugrunde gerichtet. Bobbo ist das auch und als Mary gestorben und Ruth ihre Kopie ist, holt sie Bobbo aus dem Gefängnis und macht ihn zum willenlosen Sklaven.
So what die Parodie einer Feministin, die versucht eine spannende Geschichte für Frauen zu machen, dabei natürlich übertreibt, was manchmal sehr spannend und manchmal eher langatmig wirkt.
Was, glaube ich, auch zu Fay Weldon passt, von der ich schon einige Bücher gelesen habe, “Ehebruch” hat mich sehr begeistert,die “Bulgary Connection” weniger, an “Memoiren eines Teufelsweib” kann ich mich nicht mehr erinnern.
“Vier starke Frauen”, die Geschichte des englischen Feminismus, würde ich als eher durchschnittlich empfinden und bei diesem Buch kann ich theoretisch vieles nachempfinden, was mir in der Schreibpraxis zu übertrieben ist. Fay Weldon ist aber, glaube ich, eine Erfolgsautorin, die ihre begeisterte Leserschaft hat.

Dreißig Jahre Zieharmonika

Nicht nur ich feiere heuer einige Jubiläums auch die Theodor Kramer Gesellschaft zuerst mit der Zeitschrift “Zieharmonikna”, die jetzt “Zwischenwelt” heißt, tut das und hat diesbezüglich einige Festveranstaltungen geplant.
So am Montag im Parlament, aber dahin gehe ich wegen der Sicherheitskontrollen nicht so gerne und heute im Kreisky-Forum, im ehemaligen Kreisky-Wohnhaus in der Armbrustergasse, wo ich schon ein paar Mal war, als der “Preis für das politische Buch” vergeben wurde und dazu gab es ein dichtes Programm, an das die Gesellschaft auch einige Male per Mail erinnerte. Die Theodor Kramer-Gesellschaft, deren Herz und Motor Konstantin Kaiser ist, widmet sich ja den Werken des 1897 in Niederhollabrunn geborenen und 1958 bald nach der Rückkehr aus dem Exil verstorbenen Dichter und vergibt jährlich den Theodor Kramer-Preis, aber auch ganz allgmein der Kultur des Exil und des Widerstands und so ging der heutige Abend auch durch die ganze Welt. Zwei junge musikerinnen Teodora Miteva die Violoncello und Rusanda Panfili die Violine spielten waren auch angekündigt und es begann mit dem rumänischen Holocaust-Forscher Andrei Oisteanu der die posthum veröffentlichten Tagebücher des jüdisch rumänischen Autors Michail Sebastian vorstellte, die Konstantin Kaiser mit denen von Victor Klemperer verglich.
Danach ging es nach Griechenland, der las elena Strubakis das von ihr übersetzte Buch “Die Freiheit kam im Mai” des Schriftstellers und Filmemachers Iakovos Kamabanellis vor, der Mauthausen überlegte und in seinem Buch auch davon erzählte, wie die Überlebenden nach der Befreiung zu den Bauern gegangen sind und sich von dort die Kälber in das Lager mitnahmen.
Dann kam eine alte Dame aus Brünn, die mit dreizehn mit ihren Eltern nach Auschwitz deporiert wurde, dort den größten Teil ihrer Famlie verlor und immer noch an Schuldgefühlen leidet, daß die Mutter auf die eine Seite und sie auf andere gehen mußte. Sie hat erst im Alter die Kraft gefunden das aufzuschreiben.
Vladimir Vertlib, der ja selber auch aus Russland kommt und schon an den verschiedensten Orten lebte, beschäftigte sich mit dem jüdisch lettischen Dichter David Bezmozgis und Lydia Mischkulnig mit dem slowenischen Widerstandskämpfer Boris Pahor. Die ersten drei Beiträge waren sehr lang gewesen, Vertlib und Mischkulnig versuchten zu kürzen, war es doch sehr heiß im Saal und seine Aufmerksamkeit einem Werk und einem Dichter zu schenken, von dem man vielleicht noch nicht so viel gehört hat, war in dieser Dichte auch nicht ganz leicht.
So zog Konstantin Kaiser die Pause und das Buffet vor. Da gab es verschiedene Arten von Quiche, belegte Semmeln und Schokowürfel und es würde darüber diskutiert, ob man nicht im Garten weitermachen sollte?
Das Haus mußte auch um zehn verlassen werden. So wurde nach der Pause, was ich sehr schade finde, die Musik eingespart. Es war aber interessant nach Persien zu gehen, wo Nahid Bagheri-Goldschmied, die ich im Rahmen des Milena Wiederstandsbuch kennenlernte und 2001 zum Tag der Freiheit des Wortes eingeladen haben, wo auch konstantin Kaiser gelesen hat. Da dürfte er sie kennengelernt haben, denn er lädt sie öfter ein und so stellte sie den 1992 im deutschen Exil ermordeten Schriftsteller und Filmemacher Fereydoun Farrokhzad vor. Dagmar Schwarz las ein paar seiner Gedichte und dann noch welche von Nahid Bagheri-Goldschmid, zum Beispiel eines, das “Beethovengang” hieß, was ja in die Gegend passte.
Den türkischen Arzt Ecevit Ari habe ich auch bei dem Zwischenwelt-Verlagsfest am Mexikoplatz kennengelernt. Er hätte Nazim Hikmet vorstellen sollen, brachte aber ein Gedicht, das er in Bezug auf die türkischen Prosteste geschrieben hat und erzählte ein bißchen was davon. Ich fand das sehr interessant, ein Mann im Publikum schrie aber “Zum Thema!”, kommen und als Konstantin Kaiser, auf die Einhaltung der Zeit drängte, verließ er erbost, den Saal, aber Nazim Hikmet kann man ja auch selber lesen.
Die letzten Programmpunkte waren dann ein bißen kurz, nämlich ein paar Gedichte einer französischen Widerstandskämpferin, die heuer hundert geworden wäre und die der polnisch jüdischen Autorin Tamar Radzyner, die 1959 wegen der neu aufflammenden antismitischer Hetze nach Wien ausgewandert ist und deren Gedichte, die wirklich sehr beeindruckend waren, außer in der “Zwischenwelt” noch nicht erschienen sind. Ein sehr beeindruckender heißer Abend mit natürlich viel zu wenig Zeit für die einzelnen Autoren, man kann sich aber Dank Konstantin Kaiser und seiner “Zwischenwelt” und auch so mit ihnen weiter beschäftigen und Konstantin Kaiser hat mir gerade gemailt, daß es morgen auch in Niederhollabrunn eine Veranstaltung gibt und den Kramer Preis, der heuer erst im Oktober in Niederhollabrunn vergeben wird, hat, wie ich der “Residenz-Vorschau” entnahm Manfred Wieninger mit seinem “Faustpfand” gewonnen.
Dann war ich noch hier und hier.

Wie im echten Leben/Kathrin Röggla

Der zweite Abend von Angelika Reitzers Versuch gesellschaftspolitisch revolutionäre Zusammenhänge literarisch darzustellen, war Kathrin Röggla gewidmet und das ist eine sehr interessante Autorin, die experimentelles Schreiben mit dokumentarischen Formen verbindet. Also passend für Angelika Reitzers Recherche und das Thema, das sie in ihrem Essay behandelte, war ebenfalls sehr interessant.
“Wie darüber sprechen, was wirklich wichtig ist?” und das knüpft wahrscheinlich ab das Röggla Buch “wir schlafen nicht” wo sie sich im Unternehmensberaterbereich auf Recherche begab und aus ihrem Interviewmaterial den Text montierte. Den habe ich gelesen, wie auch “irres Wetter” und die 1971 in Salzburg geborene und in Berlin lebende Autorin, habe ich 1992 durch meine Jurytätigkeit für das Nachwuchsstipendium kennengelernt, vielleicht aber auch durch die Zeitschrift “erostepost” und dann mit ihr bei dem Christine Haidegger Symposium “Sichten und Vernichten” im Salzburger Literaturhaus gelesen, da hat sie dann Thomas Rothschild nach Klagenfurt eingeladen. Dann kamen viele Preise und Stipendien. Im Leipzig habe ich aus “wir schlafen nicht” lesen gehört und dafür hat sie, glaube ich, auch den “Bruno Kreisky Preis für das politische Buch bekommen. Die “alarmbereiten” ist ein anderer Text, dann gibt es Theaterstücke über Natascha Kampusch und der Essay behandelte die Schwierigkeiten, die man beim Interviewen und Dokumentieren haben kann. In sechs Punkten berichtete Kathrin Röggla darüber, der erste beschäftigte sich mit dem Schweigen, denn den Angestellten im öffentlichen und auch im privaten Bereich ist es oftmals vertraglich verboten Aussagen zu machen, die ihrer Firma schaden kann. Dann kam schon die Geschwätzigkeit, wenn es anonym bleibt, reden die Leute oft sehr gern und sehr viel darüber, aber das Zuhören kann manchmal schwierig sein. Das war ein Punkt, wo ich, die ja davon lebt, den anderen zuzuören, aufhorchte, aber Kathrin Röggla recherierte auch in Franfurt über eine Fluglärmbelästigungs-Bürgerinittiative und da waren die Interviewten oftmals sehr zynisch und überheblich ihren Gegnern gegenüber eingegestellt und wenn man aus einer “Ikea”-Wohnung H u M bekleidet in schicke durchdesignte Vorstadtvillen oder Hochhaustürme geht, ist die Kommunikation nochmals schwer.
Interessant,interessant, auf diese Art und Weise im echten Leben herauszufinden, was beim Sprechen wirklich wichtig ist und auch zu klären, ob es zuverlässig ist, wenn man alles hat und es einem gut geht, sich gegen Fluglärm aufzuregen?
Kathrin Röggla, die auch Dokumentarfilme drehte, war auf Angelika Reitzers Frage, ob sie sich als politische Autorin versteht, ein wenig ratlos, zitierte Büchner, der das tat und damit eingefahren ist. Aber das ganze Leben ist politisch, man muß es gar nicht so definieren, so meinte auch eine Frau im Publikum, daß man den Fluglärm in einem Theaterstück am besten durch Geräusche darstellen könne. Interessant, interessant und auch die Frage, was Peter Waterhouse, den ich wieder als etwas weniger politischen Autor verstehen würde, im nächsten Jahr darauf antworten wird? Aber Kathrin Röggla hat sich in ihrem Essay ohnehin mehrmals auf ihn bezogen und das dokumentarische Schreiben ist für eine, die in ihrer eigenen Arbeit auch manchmal in die Nähe von dem, was man Schlüßelroman nennt kommt, auch sehr interessant, obwohl ich natürlich, wie ich immer schreibe, viel realistischer bin.

Rand- oder Kultfigur?

Diese Frage habe ich beim “Archivierungssymposium” im Literaturhaus vor zwei Wochen gestellt, als der junge Literaturwissenschaftler, der an Christa Gürtler Seite über das “Elfriede Gerstl-Archiv” referierte, meinte, daß man sie vielleicht genauer vorstellen müßte und stellte sie mir auch vor Jahren, als ich ihr Portrait in dem Hilde Schmölzer Buch “Frau sein und schreiben”, nicht entdeckte.
Das war in den späten Siebzigerjahren, als wir im Arbeitskreis auf das Buch gekommen sind und damals war mir Elfriede Gerstl ein Begriff. Wo und wie ich auf die kleine zarte Frau aufmerksam wurde, weiß ich zwar nicht so genau, bin ich ja keine frühe Kennerin der Avantgarde und habe, als ich 1973 die Schule verlassen habe, Hofmannsthal, Doderer und Musil gelesen und nicht H.C. Artmann oder Peter Handke, deren Namen ich höchsten vom Literaturgeschichtelehrbuch kannte.
Trotzdem kann ich mich erinnern und da habe ich wahrscheinlich noch studiert, sie einmal mit Hut und altem Kleid in der Konditorei Aida in der Wollzeile gesehen zu haben und wußte erstens, wer das war, zweites war sie für mich schon damals eine Kultfigur der Wiener Literaturszene.
“Wow und eh schon wissen!”
So habe ich mir, 1983 wahrscheinlich, an der II. HNO Klinik arbeitend und in der Otto Bauer Gasse wohnend, die in der “Edition Neue Texte” erschienene “Wiener Mischung” gekauft und zuerst ist mir wahrscheinlich nicht einmal aufgefallen, daß ihr Portrait in dem “Frauen schreiben-Buch” fehlte. Später habe ich Hilde Schmölzer danach gefragt und war von ihrer Antwort, daß sie damals unbekannt gewesen wäre, unbefriedigt.
“Das stimmt doch nicht!” und das habe ich auch auf die Bemerkung des jungen Assistenten gedacht.
Aber als sie gestorben ist, hat “FM4” bei Cornelia Travnicek angerufen und sie um einen Nachruf gebeten und die hat einen Germanistikstudenten gefragt, der auch “Elfriede wer?”, gefragt haben dürfte.
Die Geschmäcker und die Bekanntheitsgrade sind also sehr verschieden, denn für mich war die kleine alte Dame immer der Inbegriff der Wiener Literaturszene.
“Sie war beides!”, hat mir Christa Gürtler auf meine Frage geantwortet und gemeint, daß sie außerhalb des Wiener Literatenkreis nicht so bekannt sein dürfte. Im diesem aber schon und das hat sich auch heute im Cafe Korb erwiesen, als dort der zweite Band der “Droschl”-Gesamtausgabe “Behüte behütet”, von der immer, um den Gerstl-Geburtstag im Juni ein Band erscheinen soll, vorgestellt wurde, denn das war das erweiterte Wohnzimmer der Kaffeehausgeherin, die sich vor der Natur und vor Zecken fürchtete, eine Stadtmenschin eben und das Cafe Korb ist ja von Kleeblattgasse, wo sie wohnte, nicht weit entfernt.
Denn als ich um sieben in den Keller hinabgestiegen bin, war der bummvoll, ich mußte mir erst mühsam ein freies Plätzchen suchen und die Creme der Creme des Wiener Literaturbetriebes war anwesend.
Gustav Ernst, Antonio Fian, Gabriele Petricek, Konstantin Kaiser, Christl Fallenstein, die Brigitte, Lukas Cejpek, Gerhard Jaschke und und und.
Als im Vorjahr in der “Alten Schmiede” der erste Band präsentiert wurde war das ebenso und Anette Knoch, die Droschl-Verlegerin, dankte auch dem Publikum, das trotz der großen Hitze gekommen war.
“Gemeinsames Schwitzen für Elfriede Gerstl!”, hat es Margret Kreidl, die mit Franz Schuh Texte aus dem Band gelesen hat genannt und Herbert J. Wimmer, der Lebensmensch, präsentierte fünfundvierzig Fotos auf einer Endlosschleife.
Christa Gürtler erläuterte welche Texte in dem Band enthalten seien. Die aus der “Neuen Wiener Mischung”, die später wieder aufgelegt wurden, Reisetexte, Elfriede Gerstl, die, in den Sechziger-und Siebzigerjahren viel von Wien nach Berlin pendelte, wo sie mit ihrem Ehemann Gerald Bisinger lebte, hat viel in Zügen und sonst wo geschrieben und auch dem Band “Unter einem Hut”, den Franz Schuh herausgegeben hat.
Elfriede Gerstl, die verkannte, die Schwierigkeiten hatte beim Wohnungssuchen, beim Veröffentlichen und bei den Preisen und Stipendien. Die durch die Wiener Gruppe, bzw. Oswald Wiener und Konrad Bayer zu schreiben angefangen hat.
Ich habe, immer noch in der Otto Bauer Gasse lebend, in der Zeitschrift “Emma”, die ich mir damals kaufte, den Text “Das kleine Mädchen, das ich einmal war”, gelesen. Ich weiß nicht, ob ich ihn noch irgendwo aufgehoben habe und ob er meine Umzüge überlebte, da steht jedenfalls etwas von der Kindheit der jüdischen Zahnarzttochter, die sich mit der Mutter und der Großmutter in Wien verstecken mußte und lange nicht zur Schule gehen konnte.
Viel später hat sie dann zwei Preise, den “Fried”- und den “Trakl-Preis” gleich hintereinander bekommen und spätestens dann war sie bekannt in Wien. Das Lesetheater hat jedenfalls ihre Texte aufgeführt, da ist auch der Band “Alle Tage Gedichte” erschienen, aus dem gelesen wurde und wenn man Publikum bei seinen Lesungen haben wollte, hat man sie eingeladen, was sie, die nicht so gut nein sagen konnte, auch genau wußte.
Als ich 1998 oder so zu dem “Wespennestfest” gehen wollte und keine Einladung hatte, hat sie mich mitgenommen, zum “Alpha-Literaturpreis” nimmt mich niemand mehr mit, denn sie war eine ausgesprochen Nette, eine Ausnahme im Wiener Literaturbetrieb, obwohl Franz Schuh behauptete, daß sie auch ganz schön stur sein konnte, wenn ihr etwas nicht passte.
Einmal war sie auch bei meinem literarischen Geburtstagsfest, da haben mich dann die, denen ich das erzählte, beim nächsten Fest gefragt, ob auch die Elfriede Jelinek komm?
Natürlich nicht, Elfriede Gerstl war aber mit ihr befreundet, vielleicht deshalb, weil beide schwierige Mütter hatten.
Einmal habe ich ihr, als ich sie bei einer Veranstaltung traf, zu der wir nicht mehr hineingekommen sind, einen Sack Schuhe, in ihr Kleiderarchiv in die Kettenbrückengesse getragen, das sie mir dann zeigte. Bücher haben wir getauscht und und.
2009 ist die alte Dame, dann schon schwer krank gestorben, vorher haben wir sie noch auf dem Volksstimmefest fotografiert, das sie auch regelmäßig besuchte, ich war bei ihren Begräbnis und als etwas später ein Buch von ihr im Cafe Korb präsentiert wurde, konnte ich nicht daran teilnehmen, weil ich mit dem Alfred nach Sizilien fuhr.
So habe ich das heute nachgeholt und im vorigen Jahr habe ich an ihrem Geburtstag ein Stüćk aus den “Berechtigten Fragen”, dem Jugend und Volk Büchlein, das ich einmal im offenen Bücherschrank fand, vor dem, in der Grundsteingasse gelesen. Eine Lesetheateraufführung gab es davon auch, so daß sie für mich wohl eine Kultfigur bleiben wird, auch wenn bald der nächste Student, Assistent oder Journalist kommt und “Elfriede wer?”, fragen sollte. Kleiner Trost am Rande, bei Herta Müller wurde das 2009 auch gefragt, was ich genausowenig verstanden habe.
Bei Katharina Serles gibt es übrigens ein Foto von der Veranstaltung zu finden, was wohl als Beweis zu deuten ist, daß sich auch jüngere Leute für Elfriede Gerstl interessieren.