Zur Ablenkung von Ärger, zum Beispiel, wenn die Abrechnung nicht stimmt, den ich vor einigen Tagen hatte, kommt jetzt ein weiterer “Komische Künste Comic” mit dem schönen Namen “Trotzphase”, die habe ich in den wieder vogelartigen Figuren der La Razzia genannten Doris Schamp, die laut Bruno Haberzettl, der das Vorwort schrieb, oft im Flugzeug zu finden ist und von Agilität so strotzt, zwar nicht sehr gefunden, aber einige Weisheiten, die eigentlich sehr verblüffend ist.
“Sie addet mich, sie addet mich nicht”, murmelt so eines der Vögelchen, während es eine Margarite zupft.
“Na, seid ihr beide immer noch so sportlich?”, fragt Vogelfrau die andere.
“Klar!”, schnattert die drauf los “Wenn er Sonntags Marathon läuft, laufe ich immer Amok!”
“Deine Ausdrucksweise befindet sich unter der Gürtellinie”, jammert Frau das Männchen an.
“Cool, wußte gar nicht, daß meine Muschi sprechen kann!”
Na ja, na ja!
Da klettert einer die Rakete hoch und sagt “Ich dachte, wir machen den Ausflug gemeinsam Schatzi!”
“Ich komm nach!”, flötet dieses und zündet die Lunte an.
Böse, böse, böse.
“Heute hab ich keinen Bock!”, sagt das Schaf vor dem Weinglas und befindet sich vor einer Runde von lauter Böcken.
“Er lacht ja gar nicht!”, wundert sich Vogelfrau über das Kind im Kinderwagen.
“Dann geben Sie ihm mal 5 Euro”, antwortet der Vater.
Und bei den Kannibalen wird einer gekocht.
“Das können Sie nicht machen!”, schreit er.
“Immerhin sind wir Facebookfreunde!”
Die Sensenmänner mit schwarzer Kutte und ganz altmodischer Manier kommen auffällig viel vor, vielleicht hat La Razzia, obwohl sie zwischen Bramberg und Oberpullendorf aufgewachsen ist, viel von der Wienerischen Morbidität mitbekommen. So sitzt der Tod im Wirtshaus und fordert den Leichenschmaus mit einer Gabel, denn ein Messer hat er selbst.
Dann stellt sich Vater Tod vor dem I-Phone Schalter für Ärzte und verwandte Berufe an und Vogelfrau fordert den erhängten Mann auf “jetzt lass doch den Kopf nicht so hängen, Helmut!”, wieder böse böse und die Putzfrau führt ihre schmutzigen Gedanken zum Psychiater.
Gegen Schluß läuft der Tod noch eine letzte Runde, während die Alten schon auf ihn warten und so ungeduldig sind, daß einer droht, sich den Strick zu holen.
Köstlich, köstlich, morbide, böse und dann immer wieder neu und originell.
Schade, daß man hier die die dazugehörenden Bildchen nicht bewundern kann. Die muß man schon selber sehen, also das Buch besorgen oder wenn man in Wien zu Hause ist, kann man sich auch in die Ausstellung der Galerie der komischen Künste im Museumsquartier vom 21. 6. bis 31. 7. begeben. Da gibt es freien Eintritt und wahrscheinlich auch den Prospekt mit ein paar Probebildchen, der dem Buch beigelegen ist.
Uncategorized
Die Wand
Das Grundbuch “Wand” habe ich vor einigen Jahren ein paar Monate in meinem Regal liegen gehabt. Judith GruberRizy die mit dem Lesetheater Marlen Haushofer aufgeführt hat, hat es mir geborgt. Ich habe es ihr ungelesen wieder zurückgegeben, denn aus irgendeinen Grund hat mich das Buch damals nicht so interessiert. Marlen Haushofer aber schon, von ihr habe ich in den Siebzigerjahren das erste Mal etwas gehört, mir dann die “Tapetentür” aus einer Bücherkiste gezogen und gelesen.
Daniela Strigl hat vor einigen Jahren eine Biografie über sie geschrieben, darüber habe ich in Ex Libris gehört, aber nicht recht zugehört, denn bei der ersten literarischen Soiree im Radio Kultur Cafe wurde das Buch vorgestellt, man konnte es gewinnen, wenn man ein paar Fragen, wie beispielsweise wo Marlen Haushofer geboren wurde, beantwortete und ich hatte sehr viel falsch.
Mit der Hilfe eines Herrn hatte ich aber die gleiche Punktzahl wie er und er hat mir das Buch auch überlassen. Dann kam die Grundbuchveranstaltung in der Alten Schmiede.
Die “Wand” wurde verfilmt, im Bücherschrank habe ich das Buch auch gefunden und jetzt hat es gepasst, bzw. bin ich jetzt disziplinierter im Lesen und es interessiert mich auch.
Ein tolles Buch, der 1920 in Frauenstein OÖ, geborenen Marlen Haushofer, das von den Feministen vereinnahmt wurde und von Paulus Hochgatterer, als die Metapher für eine Depression bezeichnet wurde. Da weiß ich nicht recht. Eine unsichtbare Wand, die einem von der Welt abtrennt ist zwar die perfekte Depressionsmetapher, aber die namenslose Ich-Erzählerin, von der in dem Buch die Rede ist, scheint mir andere Motive zu verfolgen und sich auch nicht besonders depressiv zu verhalten, kämpft sie doch um ihr Leben.
Ich würde es eher als Methapher für die atomare Bedrohung bezeichnen und als Reaktion der traumatisierten Marlen Haushofer bezüglich ihrer Kriegserfahrungen.
1963 ist das Buch erschienen, es hat wirklich eine sehr dichte Sprache und erzählt die Geschichte einer vierzigjährigen Frau, die keinen Namen hat, bzw. will sie den ihren möglichen Verfolgern oder Feinden nicht preisgeben und auch keine rechte Biographie, daß sie verwitwt ist und zwei halbwüchsige Töchter hat, erfährt man, viel mehr nicht.
Ja, noch, daß sie am Land aufgewachsen ist und daher Melken und Heuen kann, was ich für eine Konstruktion Marlens Haushofers halte, um das Überleben in der Einsamkeit zu ermöglichen.
Die Frau setzt sich zu ihrem letzten Papier und ihren letzten Bleistiften und schreibt auf, was ihr in den letzten zweieinhalb Jahren widerfahren ist.
Im April vor zwei Jahren ist sie mit Hugo, dem Mann ihrer Cousine Louise und mit ihr in sein Jagdhäuschen gefahren. Hat Reisfleisch gekocht, während sich Hugo und Louise ins Dorf aufmachten. Der Hund Lux ist zurückgekommen. Hugo und Louise tun das nicht mehr und als sie sie am nächsten Tag suchen will, stößt sie auf eine unsichtbare Wand und die Leute die sich dahinter befinden scheinen zu Stein erstarrt.
Was ist das? Die atomare Bedrohung, man weiß es nicht recht. Die Frau geht mit Lux zurück, erkundet ihre Umgebung, findet später die Kuh Bella, eine Katze kommt auch noch zu ihr, beginnt zu heuen, die Kuh zu melken, Kartoffeln anzupflanzen, Verantwortung über ihre Geschöpfe zu übernehmen und lebt zweieinhalb Jahre ein Leben in der Einsamkeit, fernab von aller Zivilisation.
Der Mercedes in der Garage beginnt zu verrosten, bzw. dient er als Brutplatz für allerhand Getier. Die Frau fängt Forellen, schießt sich Wild, zieht im Sommer auf die Alm, schlägt Butter, ernten Himbeeren und Preiselbeeren und gewöhnt sich an ein Leben ohne Zucker.
Medikamente und Schnaps gibt es noch etwas. Sie geht auch nie ohne Gewehr aus dem Haus. Die Katze bekommt Junge, irgendeinen Kater scheint es im Wald doch zu geben, Bella bekommt einen Stier und am Schluß ist plötzlich ein Mann auf der Alm, der Lux und Stier tötet, bevor er von ihr getötet wird.
Das ist wahrscheinlich wieder Metaphernreich und die Geschichte ist wirklich sehr dicht und eindrucksvoll erzählt und wird, wahrscheinlich dank des Filmes, auch heute noch gelesen.
Einen Marlen Haushofer Geschichtenband habe ich auch noch gefunden und “Wir töten Stella”. Jetzt müßte ich nur noch die “Mansarde” bekommen, dann wäre ich eine halbe Haushofer-Expertin und kann das Lesen des Buches wirklich nur empfehlen. Den Film habe ich nicht gesehen.
Der Rätsel Lösung
Mein großes Gewinnspiel zu “Dreißig Fragen zu dreißig Büchern”, das ich nach Erscheinen des dreißigsten Selbstgemachten “Zum Sterben sollte man zu Hause” sein für mich und meine Leser anläßlich meines Jubiläumjahres, vierzig Jahre Schreiben, fünf Jahre Literaturgeflüster, der sechzigste Geburtstag wird auch noch folgen, ins Leben rief, ist wie fast erwartet, kein großer Publikumserfolg geworden, habe ich ja wenig Kommentierer und werde, für mich immer noch recht unverständlich, von manchen für “bös” gehalten, die dann auch “So nicht!”, schreiben und wissen wollen was ich vom Literaturbetrieb will?.
Ja, ich will in ihm präsent sein und tue das durch das “Literaturgeflüster”, will mich und mein unentwegtes Schreiben präsentieren und da ist so ein Blog ein wahrer Segen, auch wenn Hans Raimund recht behalten dürfte, daß ihn nur wenig Leute lesen.
Ich glaube nicht, daß im Internet nur “Schrott” zu finden ist und auch nicht, daß das “Literaturgeflüster” solches ist und auch in meinen dreißig Indie–Büchern ist dieser nicht zu finden.
Was steht also drin? Hier kommt die Auflösung der Fragen und wer mehr über meine Bücher wissen will, kann sich die hier vorhandenen Vorschauen ansehen oder auf meiner Website umsehen.
1. “Die Wiener Verhältnisse” sind Ruth Aspöck gewidmet und dazu kam es durch einen kleinen “Streit”. Ich war auf der xxx-small und wollte ein Buch mit ihr tauschen. Sie hat das irgendwie als Angriff auf ihren Verlag empfunden, weil man sich die Bücher ja kaufen soll. Hat mir dann aber doch das “Stern”-Buch gegeben, das mich auf die Idee brachte, die “Wiener Verhältnisse” zu schreiben.
Ich habe den Text für gut gehalten und herumgeschickt und herumgeschickt. Diana Voigt, die damals eine literarische Agentur hatte, schrieb mir, das wäre kein Roman, was ich auch noch immer nicht verstehe. Dann hat sich der Alfred mit den BoDS und dem Selbermachen, das damals aufkam, auseinandergesetzt, hat das “DigiBuch” gefunden und mir die “Wiener Verhältnisse” zum Geburtstag geschenkt.
2.Martin Walser “Tod eines Kritikers”, wo er sich offensichtlich auf Marcel Reich Ranicki bezieht.
3. Da habe ich natürlich an das “WUK”, das “Werkstättenkulturhaus” gedacht, bei dem die Anna angemeldet war, weil die Schule das Öffentlichkeitsrecht hat, als ich aber bei der Vorstellungsrunde diskutiert wurde, wie man reagieren würde, wenn die Kinder nach vier Jahren nicht schreiben und lesen können, habe ich einen Schreck bekommen und die Anna doch in die Hofmühlgasse gegeben, obwohl man sie im WUK genommen hätte.
4. Elfriede Haslehner, die demnächst ihren achtzigsten Geburtstag feiert.
5. Die schwarz-blaue Haider-Schüssel-Regierung, die sich 2000 gebildet hat und sehr viel Widerstand, wie beispielsweise die Widerstandslesungen, die sehr lang jeden Donnerstag am Ballhausplatz, wo ich auch mehrmals gelesen habe, erregten.
6. Judith Gruber-Rizy und es geht, wie man auch dem Text entnehmen kann um eine junge Inderin, die ihre Niere verkauft, mit dem Geld nach Wien kommt, nun illegal putzt, Deutsch lernt, in einem Caritas-Wohnheim wohnt und an den Mann denkt, der nun mit ihrer Niere lebt.
7.Daniel Kehlmann “Der fernste Ort”
8.Die Geschichte die ich sehr mag und die anderen nicht so gefällt, weil sie vielleicht ein wenig laryomant sein könnte, heißt “Letzter Versuch”, das Gedicht “Weihnachten 2000”, das auch im “Literaturgeflüster-Texte-Buch” enthalten sein wird. Geschrieben habe ich es 2000 in der Schreibwerkstatt der Eveline Haas, als das Thema ein Weihnachtsgedicht war.
9. Agathe Zimmermann heißt die Protagonistin der “Begrenzten Frau” und Krysztof Janocz pflegt regelmäßig die Arie des Cavardossi aus “Tosca” vor der Oper zu singen. Da fällt eines Abends der Tenor aus, ja das ist der Stoff aus dem die Träume sind, es gibt ja auch einige, die mich für kitschig halten.
10. Peter Zimmermann “Last Exit Odessa”. Da ging ich einmal in der Sommerfrische in die Kremsergasse, wühlte in der Abverkaufskiste, fand das Buch, das mich interessierte und war zu “geizig” es mir zu kaufen. Und als ich es dann eine Woche später doch tun wollte, war es nicht mehr da. So gibt es jetzt “Die Zusteigerin oder die Reise nach Odessa”. Auch nicht schlecht!
11. Elfriede Jelinek hat 2004 den Nobelpreis bekommen, ich habe mehrere Interviews darüber gesehen und gelesen und die Geschichte ihrer Sozialphobie und was ein Nobelpreis für eine empfindliche Künstlerseele bedeutet könnte, hat mich dann sowohl als Psychologin als auch als schreibene Frau eine Weile beschäftigt.
12. Da gibt es ja die Sigmund Freud Privatuniversität in der Schnirchgasse und das Cafe Sperl in der Gumpendorferstraße, das ich als Studentin an der Uni Wien, etwas anderes hat es damals nicht gegeben, regelmäßig besuchte, Zeitungen las, lernte oder auch an meinen Texten schrieb und dabei einen kleinen Braunen konsumierte. Damals habe ich auch dort öfter gegessen und die Sitzbänke waren noch sehr zerschlissen, jetzt ist, glaube ich, alles renoviert und ich habe mich auch mit Elfriede Gerstl einmal dort getroffen, als sie mich zu diesem “Wespennest-Fest” ins Semper-Depot mitnahm.
13. Margareten natürlich, denn da hätte ich ja einmal in der Szene Margareten lesen sollen, leider hat mich der Veranstalter wieder ausgeladen, als ich schüchtern fragte, ob nicht die Büchereien das Honorar übernhemen könnten und “M.M oder die Liebe zur Germanistik” geht um eine frühpensionierte Lehrerin, die eine Dissertation über Jura Soyfer schreiben will und auch einen Taxifahrer namens Jury kennenlernt, als sie ins Hospiz nach Lainz zu ihrer krebskranken Schwester fährt.
14.Franziska Link auch Frauenzimmerchen genannt, Rosa Binder und Karoline Radetzky und den Roman schreibt die Franziska, die als Altenhelferin bei einem emeritierten Germanistik-Professor jobbt und auch ihre Erfahrungen mit einem sogenannten Zuschußverlag und einem Portrait in einer Zeitschrift, wie der “Autorensolidarität” hat.
15. Valerie Nowotny wurde am Donaukanal erschlagen, der an Alzheimer erkrankte Dichter Johannes Schwarzinger, der dort oft herumschlurft, wird des Mordes verdächtigt, der Zwangspatient Fabian Schultheis, hat aber gesehen und fotografiert, daß es doch ein heruntergefallener Ast, wie weiland in Paris bei Ödon von Horvath, gewesen und Veronika Schätzmeister, die ihren Urlaub auf dem Balkon statt in Rom vorgibt, verbringt, bekommt auch noch einiges zu sehen. Die Nonne heißt Rosalia und die Wallfahrt geht natürlich nach Mariazell.
16. In Best of 2 sind Geschichten von 2001 – 2005 enthalten.
17. Das schöne Cover in “Und Trotzdem” stammt von der Anna und gehen tut es darin um eine depressive Mutter, einen alten Mann, der unbedingt noch ein Haus bauen will um eine überforderte Tochter, die haarscharf an einer Eßstörung vorbeischrammt, Kindergärtnerin werden will und vielleicht den richtigen Freund findet. Eine Stimmenhörerin und eine Frau, die ihrem Krebs mit dem Fahrrad davonradeln will, kommen auch noch vor.
18. Das habe ich glaube ich auch schon ein paarmal geschrieben. Das mir der Digitaldruck.at zweimal ein Gratisbuch anbot. Beim “Novembernebel” hat es dann gepasst und das kleine gelbe Buch mit einem von der Anna geschriebenen Brief am Cover ist sehr schön geworden.
19. Mit dem “Haus” ist das psychiatrische Krankenhaus auf dem Steinhof, das vormals Baumgartner Höhe jetzt OWS heißt, gemeint und beschreibt die Geschichte einer Psychiaterinnendynastie einer Großmutter-Mutter Tochter, die auch die hundert Jahre Psychiatrie- und Weltgeschichte dieses Hauses beschreiben. Otto Lambauer hat mir den Text und Leselustfrust eine schöne Rezension geschrieben. Eine andere Rezension von Helmuth Schönauer gibt es dazu auch.
20. Bei der “Radiosonate” geht es um zwei Rundfunkjournalisten, Xaver Mayerhofer und Amanda Silberkandl, die miteinander in einem Konkurrenzverhältnis stehen. Für die depressive Josepha Stock sind ihre moderierten Sendungen aber der Weg ins Leben. Die Mozartsonate hat der tschetschenische Musiklehrer Boris Alkemirov, der in Grossni seine Frau verloren hat, nach Wien mitgebracht. Es geht also um das Radio und Ö1 hat Ausschnitte aus dem Buch auch im November 2009 in der Montagabend Literatursendung gebracht.
21. Felix Baum geht in “Sophie Hungers Krisenwelt” mit Valerie auf eine Reise ihren Mann zu suchen, zuerst fahren sie von Wien nach Graz, dann kommen sie nach München und Berlin, von Drsden geht es nach Bratislava, Prag und nach Budapest wo Valeries Mann Hubert, den sie nachreisen, auch noch hinkommen soll, fahren sie dann nicht mehr, sondern gemeinsam wieder nach Wien zu Felix Mutter und Valeries Kindern, die inzwischen von ihrer Mutter Hertha Werner, die auch die Messiewohnung entrümpelte, betreut wurden.
22.Die “Heimsuchung” ist mein erstes Buch, das im Rahmen des “Nanowrimo” entstanden ist, das zweite ist dann das zu diesem Gewinnspiel den Anlaß gab.
23. Das ist natürlich der “Ohrenschmaus”.
24.Die Fritzi Jelinek in der “Absturzgefahr” hat ihren Namen von ihrer Mutter, einer engagierten AHS-Lehrerin die Elfriede Jelinek und Friederike Mayröcker verehrt bekommen. Fritzi ist Lebensberaterin, möchjte Schreibtrainerin und später Psychotherapeutin, wie ihr Vater werden. In ihrer Diplomarbeit muß sie ein Schreibcoaching über einen Roman geben, der von fünf Frauen handelt, die in einer einsamen Villa leben und alle zwanzig Jahre eine Tochter bekommen. Urururenkelin Jennifer löst sich von ihrer Tradition, bekommt einen Sohn und will mit ihren Freund aus der Frauensynastie ausziehen.
25.Die Katharina fährt nach Linz zum Begräbnis ihrer Mutter, während die Lisbeth vorerst depressiv, bzw. um ihren verstorbenen Lebensgefährten trauernd zu Hause bleibt und versucht alle ihre Bücher aufzulesen, weil sie ihm versprochen hat, ihm erst dann zu folgen, wenn das erledigt ist.
26. Drei Frauen, die alle ihren fünfunddreißigsten Geburtstag feiern und mit S fängt ihr Name auch noch an. Da gibt es die vielleicht paranoide Selma, die sogenannte Stadt-Sheriffa, Sevim die türkische Hausfrau und ihre Szenen habe ich auf Wunsch von Reinhard Wegerth am 30. Oktober auch in der Alten Schmiede gelesen und Svetlana Mihic, die Psychiaterin, die eigentlich aus einer Hausmeisterwohnung stammt.
27. Die Marianne besucht den ehemaligen Dissidenten Jan, der 1968 von Prag nach Wien geflüchtet ist und der auch der Vater ihrer Tochter Theresa ist, die zu Beginn des Buches auf einer Demonstration den aus Ägypten geflüchteten Studenten Albert Taher kennenlernt.
28. “Langer Brief an den Herrn Kurz” und “Nebelschwaden”
29. Um einen Entzug und Loslösung von einer schwierigen Beziehung. Der Park ist der Stadtpark und das Bild ist das der Infantin Margarita von Velasques.
30. Da steht die Auflösung schon bei 22. Das Buch wurde von mir auch oftmals Nanowrimonovel genannt und der offene Bücherschrank am Margaretenplatz ist der Wortschatz und eigentlich sollte ich die Bücher, die meine Leser nicht gewinnen wollen und die noch nicht vergriffen sind, an einem der nächsten Mon- oder Dienstage dort hineinstellen.
So das wars. Wie schon angedeutet, haben sich nicht sehr viele Leser um meine Bücher gerissen, ich habe aber Wally Redtenbacher, die mich für das Radio Fro interviewte sehr zu danken, daß sie mein Gewinnspiel so schön verlinkte.
Wer jetzt doch auf den Geschmack gekommen ist, wer mir was zum Fünf-Jahresjubiläum schreibt, kann eines der fünf Literaturgeflüstertextebücher gewinnen, das ja noch in Arbeit ist. Und das Gewinnspiel von Buch Nummer 29 ist auch noch offen.
Und jetzt auf nach Klagenfurt, wo ja schon eröffnet wurde!
Fünf Jahre Literaturgeflüster
Gerade rechtzeitig vor dem großen Fest habe ich wieder eine “Ohrfeige” bekommen, damit ich nicht zu übermütig werde und glaube, das “Literaturgeflüster” ist toll!
Dabei habe ich mir ohnehin schon früher gedacht, daß mein Versuch mit dem Bloggen nicht so klappt, wie ich will.
Das heißt, um nicht mißverstanden zu werden und interessierte Leser werden es ohnehin wissen, das “Literaturgeflüster” ist sehr sehr wichtig für mich und ich denke, daß ich in den fünf Jahren und den fast eintausendfünfhundert Artikeln über den Literaturbetrieb, das Schreiben und das Lesen etc, ein sehr umfangreiches Archiv aufgebaut habe. Von desinteressiert kann wohl keine Rede sein. Aber meine Leser sehen das wohl anders. Wahrscheinlich habe ich auch gar nicht so viele. So an die hundert bis hundertfünfzig Zugriffe pro Tag, das schon und das ist auch etwa gleichgeblieben. Im ersten Jahr hatte ich auch eine Handvoll interessierter Kommentierer, die mir regelmäßig ihre Meinung schrieben und mich literarisch verstärkten.
Dann kam Frau Haidegger, die, glaube ich, ein bißchen provozieren wollte und sich über meine Rechtschreibfehler, bzw. falschen “s” aufregte und Ju Sophie, die auch sehr scharf ihre Meinung äußerte.
Danach hatte ich eher das Gefühl im Verborgenen vor mich hinzublicken und mit dem “Literaturgeflüster” auch nicht in den Literaturbetrieb hineinzukommen, eher das Gegenteil und ein bißchen war das auch mit meinen selbstgemachten Büchern so.
Als mir da der Alfred 2000 das erste zum Geburtstag schenkte, dachte ich “Wow so schön, so schnell so billig, ab nun erscheint jedes Manusḱript von mir!” und merkte erst nach und nach in welch Fettnäpfchen ich mich da offenbar naiv gesetzt habe. Vielleicht ist das mit den Bloggen ähnlich, höre ich da ja von den sogenannten Profis öfter “Im Internet ist nur Schrott zu finden und wir haben keine Zeit uns dafür zu interessieren, weil da ja jeder schreiben kann!”
Ja und das finde ich auch toll daran! Und ich denke, daß eine, die seit Jahrzehnten zu literarischen Veranstaltungen geht, vierzig Jahre schreibt und sehr viel liest, keinen Schrott produzieren wird, vor allem wenn sie es, wie ich, sehr ernsthaft und engagiert betreibt. Meine Leser sehen das offenbar anders. Beziehungsweise reagieren sie meistens überhaupt nicht und wenn, dann mit “Da ist ein Rechtschreibfehler, das ist das Schlechteste, das Uninteressanteste, das ich je gelesen habe, etc.
Ich denke, daß es nicht so ist. Das Literaturgeflüster ist ein Einfrauenbetrieb einer engagierten Literaturbesessenen, der das Lesen und das Schreiben sehr sehr wichtig ist und die es nicht schafft in den Literaturbetrieb hineinzukommen, dessen Türen wohl wirklich sehr verschlossen ist und die Lizenz zum Schreiben offenbar nicht an mich verteilt.
Ich tue es trotzdem, weil ich es zu können glaube, realistisch und auch mal mit einem Rechtschreibfehler, weil mir die nicht so wichtig ist. Nicht schlampig, wie ich meine, aber eher schnell, weil ich denke, daß das Bloggen nach einer Literaturveranstaltung in etwa einer Stunde passieren sollte, weil alles andere nicht wirklich ökonomisch ist.
Vielleicht sollten die Leser bei einer Bloggerin, die ihren Blog allein betreibt, etwas toleranter sein. Sie sind es nicht, sondern schreien auf, wenn ich mal das Wort “Autobiografie” mit der “Biografie” verwechsele. Da würde ich mir denken, ein Hinweis, “Schau doch mal nach!”, wäre nützlicher.
Aber es ist, wie es ist und ich gebe das Bloggen auch nicht auch. Wer nicht will, braucht mich nicht lesen. Ich tue es für mich und gründe meinen Parallelbetrieb der Literatur und ich denke auch, daß ich gar nicht so schlecht unterwegs bin.
Das denke ich, wenn ich mich so durch mein Archiv sehe. Die anderen scheinen das nicht zu sehen und das ist zwar schade, aber auch egal und offenbar nicht zu ändern.
So scheint der fünf Jahre Jubelartikel ein bißchen elegisch, niedergeschlagen und depressiv zu werden. Es ist aber der Status quo und ich bin eine ehrliche Person, die schreibt, was sie denkt und nichts vorzutäuschen versucht, was nicht ist.
Über eintausendverhundertsiebzig Artikel in den letzten fünf Jahren, fast hundertsiebzigtausend Besucher, was an sich nicht schlecht wäre, wenn man nur genauer wüßte, wie genau sich die für das Literaturgeflüster interessieren. Interessant ist ja, daß die es loben, die ihre Kommentare auf Englisch geben, also den Artikel wahrscheinlich nicht verstanden und gelesen haben.
Das ist die eine Seite, die andere ist, das mir das Schreiben und das Archivieren sehr wichtig ist und daß ich, auch wenn ich irgendwie im Netz verschwinde und nur ganz selten jemand schreit “So nicht!”, trotzdem denke, daß mir da in den letzten fünf Jahren etwas ganz Beachtliches gelungen ist!
Für mich ist das “Literaturgeflüster” etwas Besonderes und das soll auch so bleiben und weil ich heute ein bißchen elegisch bin, darf der Jubelbericht auch ein bißchen gedämpft ausfallen.
Trotzdem bin ich mit meinem Plänen ganz gut vorangekommen und habe im Juni auch eine schöne Lesung im Radio Fro gehabt, wo ich in fünf Artikeln das “Best of Literaturgeflüster” vorgestellt habe. Es gab auch ein paar schöne Lesungen und im April und Mai habe ich auch eine freundliche Kommentiererin gehabt, die jetzt wieder verschwunden ist.
Das Netz ist eine flüchtige Angelegenheit, ich bin aber eigentlich eine sehr konsequente und genaue Bloggerin. Schade, daß das niemand merkt und, daß dieser Artikel ein bißchen anders, als geplant ausfällt.
Die Feier soll es trotzdem geben, morgen die Auflösung meines Gewinnspiels “Dreißig Fragen zu dreißig Büchern” und heute ein Zuckerl an meine Leser.
An die, die mir einen Kommentar zum “Literaturgeflüster” schreiben, vergebe ich nach Erscheinen fünf Literaturgeflüstertextebücher.
Ich finde ja nicht, daß meine Artikeln etwas Desinteressiertes und Uninteressantes sind, wenn mir aber einer, eine, sachlich und qualifiziert begründen kann, warum das “Literaturgeflüster” böse und aggressiv ist, vergebe ich natürlich trotzdem ein Buch dafür, das hoffentlich das Gegenteil beweist.
Und hier noch Jahresarchiv
Neue Bücher von Peter Pessl und Hans Eichhorn
Jetzt muß ich aufpassen, nicht desinteressiert und uninteressant zu wirken, aber manchmal ist man in der Stimme Autorenportraits mit Hilfe von Wikepedia und anderen Quellen zusammenzubasteln, manchmal fällt die Berichterstattung knapper aus und ich wurde auch schon gemahnt, nicht zu lang und breitschweifig zu schreiben.
Desinteressiert bin ich, würde ich behaupten, nie, sondern immer noch sehr neugierig und von der Literatur besessen, aber am Montag hatte ich drei Befunde zu schreiben, habe in der Nacht nicht viel geschlafen und wir sind auch noch sehr früh nach Wien gefahren.
So daß ich am Nachmittag schon dachte, es nicht zu schaffen, in die “Alte Schmiede” zu kommen, aber Peter Pessl hat mich zu der Vorstellung seines neuen Buches eingeladen und ich hatte mein Kommen auch versprochen und mir den Platz zum Bloggen freigehalten, blogge ich ja schon wieder sehr weit, voraus, ein bißchen manisch bin ich also schon und wahrscheinlich auch ein wenig schlampig.
Dann ists sich aber mit den Befunden gut ausgegangen. Um sechs, als das letzte Kind weg war, waren schon zwei geschrieben und ich halte ja gerne meine Versprechen, Peter Pessl und Hans Eichhorn interessieren mich auch und Katharina Serles, die voriges Jahr das erste Mal bei Katharina Riese moderierte, leitete die Veranstaltung ein und tat das wieder in einer sehr gründlichen, ausführlichen Art, die letzten Jahr auch kritisiert wurde, aber man erfährt sehr viel von den Autoren dabei, obwohl ich den, 1963 in Frankfurt am Main geborenen Peter Pessl, was ich nicht wußte, ich hätte ihn eher nach Graz getan, schon lange kenne. Aus der GAV und dann hat er 2001 als ich das erste Mal den Tag der Freiheit des Wortes organisierte gelesen und sich immer wieder regelmäßig angemeldet.
Ein experimenteller Autor, der auch fürs Kunstradio schreibt, offenbar sehr reiselustig ist, denn jetzt stellte er den vierten und letzten Teil seines bei “Ritter” erschienenen Himalaya-Projekts “Der Tempel der Lu” vor. Katharina Serles leitete in die vier Bände ein, wo sich Peter Pessl immer einen Weggefährten wählt und dann mit ihm ein paar Tage lang durch Indien, Tibet, etc wandert und sozusagen seinen experimentellen Sprachansatz über die Landschaft und die Mythen breitet.
Bei einer dieser Veranstaltungen bin ich in der “Alten Schmiede” gewesen. Da ging es glaube ich um den zweiten Band, da habe ich mit ihm ein Buch aus dem fröhlichen Wohnzimmer getauscht und heuer in der Buhandlung Kuppitsch, als ich einmal in den Republikanischen Club wollte, eines seiner Bücher um einen oder zwei Euro gekauft. Keines aus der Himalaya-Reihe, aber eines von “Ritter” und das sind ja die Bücher, von denen ich immer ein wenig keck schreibe, daß ich sie nicht lese.
Jetzt habe ich aber alle auf meiner Leseliste verteilt, muß aber gestehen, mir beim Zuhören schwer getan zu haben, weil für mich viel zu experimentell, so daß ich nicht sehr viel verstanden habe.
Katharina Serles hat bei der Diskussion ausgeholfen, zusammengefaßt, nachgefragt und das schöne Bild mit der experimentellen Sprache über die Landschaft geprägt. Sie hat auch nach dem “Faustischen” gefragt, Pessl hat ihr geantwortet, daß er eher an den Spaß für sich und seine Leser gedacht hat und daß er durch das Reisen zu seiner Reihe gekommen ist. Ein etwas anderer Reiseführer, dort weitermachen, wo die konventionellen aufhören. Sehr interessant, wenn auch wahrscheinlich nicht sehr leicht zu verdauen, aber auch schöne Bilder, das von dem Blumenmönch hat sich mir eingeprägt. Bei Hans Eichhorn war es dann wieder leichter zu verstehen und die Sprache sehr poetisch. Da bin ich auch schon einmal bei einer Lesung in der Alten Schmiede gewesen, aber wahrscheinlich noch nicht bloggte, wo auch Christine Huber und Alexandra Millner war und Katharina Serles hat sich in ihrer Einleitung auf ein Rampe Portrait von Alexandra Millner über Hans Eichhorn, den 1956 in Vöcklabruck geborenen Fischer und Dichter, der am Attersee lebt, bezogen und hat ein ganzes Alphabet von ihm zitiert.
“Und alle lieben leben”, heißt das bei “Residenz” erschienene Buch in dem es um eine Krebsbewältigung, einen Spaziergang auf den Karst in Triest, aber auch ganz alltägliche Begebenheiten, wie Fernsehen und Faschiertes aus einem Supermarkt holen, geht. Eine schöne Sprache und sehr schöne Bilder. Katharina Serles fragte dann nach dem Titel, der stammt von einem frühen Peter Handke-Gedicht, das “Am Morgen” heißt und Hans Raimund hat öfter am Morgen, bevor er fischen ging, die Natur beobachtet und danach Gedichte geschrieben.
Ein schöner Kontrast, die beiden Texte, Katharina Serles sah Ähnlichkeiten, mir würden eher die Unterschiede auffallen, aber ich habe die Bücher nicht gelesen, mir aber wieder schöne Eindrücke und schöne Impressionen aus der “Alten Schmiede” mitgenommen, mit denen ich in meine Sommerfrische, beziehungsweise in mein “Fünfjahresjubiläum” gehen werde.
Feuerlinie
Jetzt kommt wieder etwas Lyrik, nämlich Gioconda Bellis “Feuerlinie” – Gedichte aus Nicuargua. Der Bücherschrank machts möglich, denn da ist wieder ein ausrangiertes Büchlein der städtischen Büchereinen aus dem Peter Hammer Verlag hineingekommen und die Lektüre der Gedichte der großen lateinamerikanischen Lyrikerin sind wirklich interessant, weil sehr direkt und politisch, weiblich und magisch realistisch auch, also weit abgehoben vom Elfenbeinturm, wie Lyrik sonst vielleicht manchmal ist und ich habe von der 1948 geborenen Gioconda Belli, dank der Bücherschränke, schon einen Roman gelesen, der mich auch sehr beeindruckt hat. Den Namen habe ich, glaube ich, aus der Lektüre der lateinamerikanischen Notizen der Erika Danneberg das erste Mal gehört, inzwischen noch einmal, ist ja im letzten Jahr ein neues Buch erschienen, das von der Presse sehr besprochen worden und ein weiteres Gedichtbändchen wartet ebenfalls auf mich.
Das Bändchen mit den ausgewählten Gedichten ist nur sehr dünn. Gerade sechundsechzig Seiten hat es und ist dennoch sehr zu empfehlen. Dem Buchrücken kann man entnehmen, daß Gioconca Belli ihren ersten Gedichtband mit sechsundzwanzig Jahren veröffentlicht hat. 1975 beteiligte sie sich an den Guerilla-Kämpfen, wurde verhaftet und verurteilt, konnte aber nach Costa Rica entkommen. 1978 erschien ihr zweiter Gedichtband aus beiden Bänden sind Gedichte in “Feuerlinie” enthalten, so daß man kurz und knapp einen dichten Eindruck in das frühe dichterische Schaffen der Lyrikerin bekommen kann.
So beginnt es mit der Liebe zu Nicuargua. “Was bist du Nicuargua?”, fragt sie, wünscht sich einen “Streik”.
“Oh Nicuargua, ich mag dich”, geht es gleich weiter, bevor es in “Und Gott machte eine Frau aus mir” zu ihrer Weiblichkeit geht. Sie beschreibt ihre “Mutterschaft”, das “Ungeborene”, stellt sich vor, wie es ist “Die Brust zu geben”, bevor sie davon spricht, wie lange sie ihr Kind schon nicht mehr gesehen hat und die Frage stellt, wie man einem zweieinhalbjährigen die Revolution erklärt?
Es bleibt auch erster, wenn sie schreibt, daß sie früher einmal ein fröhliches Mädchen war und in einem Prosagedicht vom “Sprengstoff” spricht.
Ein weiteres Prosagedicht schildert “Die Begegnung”, in dem sie vom Nußkochen schreibt, den sie mit ihrem Geliebten ißt und von den Taxifahrten, bei denen sie an die Gedichte denkt, die sie für ihn geschrieben hat.
Der Geliebte spielt in ihren Texten eine große Rolle, wie auch die Liebe, für sie sehr wichtig scheint. Dem “Commandante Marcos” ist ein Gedicht gewidmet, “Der Angriff auf meine linke Schulter” wird beschrieben, bevor sie in “Monimbo”, von dem “Kind an der Straßenecke” spricht.
“Sein Vater ist tot: 600 Mann, 2 Panzer, 3 Panzerwagen, 5 Maschinengewehre Kaliber 50, Hubschrauber und bewaffnete Flugzeuge.”
“Und da fragt das Volk:wieviele Tote sind nötig für eine Verletzung der Menschenrechte? Wieviele Leichen müssen wir ansammeln?”
So weit, so gut und wir haben in einem Schnellkurs viel von der Revolution in Nicuargua und einer ihrer Kämpferinnen gelernt.
Nur schade, daß das Büchlein von der Städtischen Bücherei ausrangiert wurde, aber vielleicht sind inzwischen neuere ihrer Werke dort zu finden.
“Die Republik der Frauen” heißt der letzte, im vorigen Jahr erschienene Roman.
Und die Revolutionen sind ja inzwischen auch weitergegangen und finden derzei gerade in der Türkei bzw. in Brasilien statt.
Auch davon wird man wahrscheinlich bald lesen können.
Es ist aber immer gut, ein bißchen in die Vergangenheit, in die Jahre 1975, 1978, etc zurückzublicken und sein Wissen aufzufrischen. Eine starke direkte Sprache, die sehr zu empfehlen ist, hat die lateinamerikanische Dichterin allemal und die Weiblichkeit ist auch nicht zu verachten, denn Dichterinnen sehen bestimmt noch einmal vieles anders, als es vielleicht die männlichen revolitonären Dichter, wie beispielsweise Ernesto Cardenal tun können, der in dem Büchlein auch beworben wird.
Sommerfrischen-Stadtschreibwerkstatt
Jetzt gehts wieder in den Sommer und in die Ferien, was bei mir schon seit Jahren eine ganz altmodische Sommerfrische im Haus von Alfreds Eltern in Harland bei St. Pölten ist.
Ich weiß gar nicht, wieviele Jahre ich das schon machen. In den Neunzigerjahren haben wir auch eine Zeit in Harland gewohnt und sind von dort täglich nach Wien gependelt.
Jetzt teile ich mir die Sommer immer so ein, daß ich Montag, Dienstag meine Praxis mache und den Rest der Woche am Land verbringe. Mit Schreiben auf der Terrasse, Radfahren, Baden, Relaxen und da ich ja eine sehr fleißige Person bin, spielt das Schreiben immer eine große Rolle.
Urlaub vom Schreiben gibt es nicht. Ganz im Gegenteil. Seit ich blogge ist auch die Idee der Schreibwerkstatt, die ich mir selber machen könnte, dazugekommen, bzw. die Idee der Stadtschreibeartikel. Ist der Sommer ja die Zeit, wo die “hauptberuflichen” Autoren, ihre Stadtschreiberposten antreten, bzw. das angeblich so fürchterliche Atelier in Rom oder das in Paliano, das vielleicht ein bißchen schöner ist, beziehen.
Das habe ich nie versucht, daran hindert mich meine Familie und meine Kassenverträge, abgesehen davon, daß ich wahrscheinlich ohnehin keinen Platz bekommen würde, da ich vielleicht für das Ministerium nicht als Zielgruppe gelte.
Durch das Lesen dessen, was die sogenannten Professionelleren über ihre Stadtschreiberstipendien berichten, Cornelia Travnicek ist da ja jetzt beispielsweise in Klagenfurt, bin ich auf die Idee gekommen, daß ich das ja auch machen könnte.
Regelmäßig im Literaturgeflüster das veröffentlichen, was ich im Sommer in meiner Sommerfrische erlebe. Eine selbsternannte Stadtschreiberin also, die keine Bons und Gutscheine von der Stadt bekommt. Aber ich fahre regelmäßig mit dem Rad zum Lidl, koche mir zu Mittag selber und treffe am Samstag den Alfred auf dem Markt, der dann dort sehr viel einkauft.
In Wilhelmsburg und in Herzogenburg gibt es, glaube ich, keinen Mac Donald, der mit dem Rad zu erreichen ist, aber der in St. Pölten lockt und da habe ich mir gedacht, ich könnte mir ja zwanzig Euro in die Tasche stecken, um mir bei meinen Stadtschreibertagen ein Eis, ein Croissant oder einen Hamburger mit kleinen Pommes Frites zu kaufen.
Stadtschreiberartikel gibt es auch schon einige. Heuer weite ich das vielleicht ein bißchen intensiver und konzentrierter aus und außerdem bin ich sowieso beschäftigt, nehme ich mir ja das Literaturgeflüster-Texte-Buch mit das zu korrigieren ist.
Und das will ich im Sommer ganz intensiv angehen, um damit bald fertig zu werden und mich an mein “13- Kapitelbuch” zu machen. Obwohl da gibt es eine kleine Schwierigkeit. Denn bevor ich das beginne, will ich mich ja auf einen “5-Tage Schreibemarathon” durch Wien begeben, um Material zu sammeln, also wieder eine Bücherkastentour machen, mich ins AKH setzen, am Westbahnhof spazierengehen, in der Innenstadt, in Schönbrunn, immer mit meinem kleinen gelben Notizbüchlein, weil ich ja eigentlich noch nicht so genau weiß, wovon die dreizehn Kapiteln handeln sollen.
Im Juli und im August werde ich im am Montag und Dienstag aber nicht dazukommen, habe ich ja nächste Woche gleich fünfmal Diagnostik zu meinen WGPV-Stunden. Ich könnte das natürlich auch in St. Pölten tun und habe das ja auch schon im Jänner getan, aber ob ich da auf Ideen komme?
Mal sehen, das ist ja das Tolle, daß ich das alles offen und mich überraschen lassen kann. Obwohl es schon ein Programm in diesen zwei Monaten gibt. Geht es ja nächste Woche gleich mit meinem Jubiläum “5-Jahre Literaturgeflüster” an und am Abend beginnt das Klagenfurt-Wettlesen.
Damit werde ich die erste Woche sehr beschäftigt sein. Die restlichen habe ich dann Zeit, meine Stadtschreiberstudien zu machen, mit dem Textebuch fertig zu werden, bevor es Ende August zur Lesung nach Wien aufs Volksstimmefest geht. Das Lesen ist auch sehr wichtig und wird dabei eine Rolle spielen und Buzzaldrin hat auch schon nach Sommerbüchern gefragt und auch selber welche vorgestellt. Ich bin mit den ersten sechzig Büchern auf meiner Leseliste sehr brav fast fertig geworden.
“Meine erste Reise” – “Sechzehn wahre Geschichten” mit einem schönen Mädchen im blaugestreiften Bikini auf dem Cover, das ich mir eigentlich nach Harland mitnehmen wollte, werde ich in Wien lassen und zu lesen beginnen, wenn ich mit der “Reise mit Paula” fertig bin. Dann kommt noch Lisa-Maria Seydlitzs “Sommertöchter”, an den Mon-und Dienstagen an die Reihe und dann kann ich schon die zwei Rezensionsexemplare lesen, die mir Residenz vorsorglich geschickt hat.
So daß ich mir nur Julia Cameron “Der Weg des Künstlers” nach Harland mitnehmen werde. Denn die Lektüre eines Schreiblernbuchs hat bei mir auch immer Tradition, obwohl ich mir ja einbilde, daß ich das Schreiben schon kann. Aber das verbinde ich wahrscheinlich mit den Sommerschreibwerkstätten und da ich das Buch ja im Schrank gefunden habe, passt es gut zu lesen, wenn ich mit dem Korrigieren fertig bin oder einmal einen Tag an die Seen fahre und dort faul herumliege.
Ansonsten habe ich meine Harlander Leseliste und da steht jetzt ja das Marathon Projekt mit Sigrid Unsetzs “Kristin Lavranstocher” darauf, das vielleicht auch ganz gut zum Sommerlesen passt. Dann folgt ein Nick Hornby, ein alter Kaiser-Mühlecker und Leah Cohns bzw. Julia Kröhns “Kuß des Morgenlichts” kann auch folgen.
Also alles bestens für den Sommer, der diesmal sehr lang werden wird, weil wir nicht auf Urlaub fahren und weniger stressig, weil der Opa von keiner Pflegehelferin mehr versorgt werden muß und es sich die Oma, glaube ich ganz gut gehen läßt und von mir bzw. dem Wortschatz am Margaretenplatz auch reichlich mit Readers Digest Bänden versorgt wurde, die sie sehr gerne liest.
Also auf in die Schreibe-Sommerfrische, auf die mich mich schon freue, denn meine Leser wissen es, ich will mit dem Korrigieren fertig werden und was Neues schreiben, mit dem ich endlich auffalle, und Eintritt in den Literaturbetrieb bekomme, obwohl die Chance dazu ja, wie ich an den mangelnden oder auch negativen Kommentaren, die ich auf mein Geflüster bekomme, merken kann, nicht gegeben scheint.
“Was wollen Sie damit? im “betrieb” präsent sein? so nicht!”, hat mir Hans Raimund vor ein paar Tagen ziemlich empört auf meine Drava-Verlag- Berichterstattung kommentiert. Was ich wieder nicht ganz verstehe, aber antworten kann, daß ich mit meinem Bloggen wahrscheinlich eine literarische Parallelwelt aufbauen will oder auch schon aufgebaut habe, als Trost und Kompensation, wenn es schon nicht anders geht.
Daß das vielleicht nicht sehr gewünscht wird, kann ich manchmal merken, obwohl ich es ja ganz ehrlich, engagiert und begeistert meine und mich auf mein “Fünf Jahre Jubiläum” und den entsprechenden Jubelartikel schon sehr freue und es ist auch ein sehr beachtliches literarisches Archiv, das da in den letzten fünf Jahren entstanden ist und das Literaturgeflüster, das mir sehr wichtig ist, gehört irgendwie auch in das Sommerfrischen-Schreibwerkstatt , wie das Radfahren und das Lesen in der Badewanne und da gibt es von der Anna noch ein paar schöne Badeöle, so daß ich das alles genießen kann.
Die Leute von Peyton Place
Jetzt kommt das Anfang vom Ende und ich muß sagen, von wegen Trivialroman, man soll sich vielleicht doch nicht von Wikepedia beeinflußen lassen und auch nicht das Ende vor dem Anfang lesen, denn die “Leute von Peyton Pleace” ist ein sehr beindruckendes Stück Literatur, nicht umsonst steht in meiner “Donauland-Ausgabe” etwas, daß es jeder neunundzwanzigste Amerikaner gelesen hat und wirklich schade, daß es vergriffen ist.
Also Leute zu den Bücherschränken gehen, denn da findet man es manchmal. Noch ein Detail am Rande bevor ich ans Entsprechen gehe. Sylvia Plaths “DieGlasglocke”, die bisher an mir vorbeigegangen ist, wurde neuaufgelegt und ich habe die “Literarische Soiree” im Radio gehört und denke jetzt, daß man die beiden Amerikanerinnen und ihre Romane, die den Way of Live des Amerikas der Fünzigerjahre schildern, vielleicht vergleichen kann. Einer der Kritiker hat die “Die Glasglocke” mit der “Wand” verglichen und gemeint, daß sie besser wäre. Ich sage das natürlich nicht, sondern nur, daß ich die “Die Glasglocke” jetzt gern lesen würde, vielleicht schenkt sie mir wer zum Geburtstag oder ich finde sie im Schrank und was den “Peaton Place” betrifft, jetzt kenne ich mich darin aus.
Das ist eine Kleinstadt Amerikas, in der die Straße alle nach Bäume heißen, oben gibt es “Samuels Schloß” nachdem die Stadt heißt und das ein “Neger”, das darf man heute nicht mehr sagen, ein ehemaliger Sklave also, der das Schloß aus “Echt-England herimportieren ließ. Keiner war aber je drinnen, es ist auch verschlossen und also sehr geheimnisvoll, aber eigentlich nicht wirklich wichtig.
Wichtiger sind die alten Männer, die auf der Straße sitzen und über alle reden, im Sommer tun sie das, im Winter versammeln sie sich vor dem Kolonialwarengeschäft, wo der Besitzer im Sommer, wenn die Touristen kommen, die Stoffe aus dem Lager holt und im Herbst wieder hinein tut, aber das weiß ich schon vom letzten Roman, von dem, der angeblich von einem Ghostwriter geschrieben wurde, weil Mrs Metalious von ihrem großen Erfolg schon so zerbeutelt war, daß es nicht mehr allein konnte.
In Teil eins kommen auch keine Fremde in das verschlafene Städtchen und wenn sich doch mal einer in das Speisehaus verirrt und eine Tasse Kaffee bestellt, sind alle aus dem Häuschen und wenn das Michael Rossi der neue Schulleiter tut, weiß das auch die ganze Stadt und der Vorstand holt ihm von dort ab und am Bahnhof gibt es zwar Schließfächer, aber die hat vor ihm noch niemand benutzt.
Es beginnt aber in der Schule, der Schulwart läutet die Glocke, so daß alle um halb drei in das Wochenende gehen können und Allisson MacKenzie ist zu Beginn dreizehn und recht unglücklich. Sie hat nur eine Freundin, das ist Selena, ein hübsches Mädchen, das in den Baracken wohnt und als dort der Besitzer des Stadtanzeigers und der Arzt die Kanalisation einleiten will, raten alle ab, es ist noch zu früh. Die wohnen in der Kastanienallee, wo die Honoratioren ihre Häuser und pokern gemeinsam. Den Fabriksbesitzer Leslie Harrington gibt es auch und den alten Lucas Cross, der säuft, seine Frau Nellie prügelt und seine Stieftochter Selena vergewaltigt. Als die von ihm schwanger wird geht sie zu Doc Swain, dem Arzt des Städtchens, das städtische Spital wird nach ihm genannt und die Schülerinnen der Krankenschwesternschule, werden Docs Mädchen genannt und der führt mit Hilfe einer Schwester eine Blindarmoperation aus, die darauf, weil streng katholisch, Gewissensbisse bekommt, aber der Blindarm wird auch herausgenommen.
Allison Mutter gilt als honorable Witwe und ihr verstorbener Vater ist ein Held für sie, dabei war Constance gar nie verheiratet und eine uneheliche Mutter galt damals noch als Schande. Trotzdem hilft Selena in Constanes Laden aus und spart das Ballkleid an, daß sie am Schulball tragen wird. Dort geschehen die ersten Küsse, Selena ist in Ted Carter, den Jusstudenten verliebt, der sie später nicht heiraten wird und Allison in den kleinen Norman Page, der eine seltsame Mutter hat, bei ihrer Party wird sie von Rodney Harrington, dem Sohn des Fabriksbesitzers, der schon mit sechzehn von seinem Vater ein Auto bekommt, geküßt, obwohl sie das gar nicht wollte.
Rodney schwängert dann Betty Andersson, die von Leslie aus der Stadt vertrieben wird, später wird er bei einem Autounfall ums Leben kommen. Vorerst will aber Michael Rossi Constance heiraten, die will aber nicht wegen ihres Geheimnisses, aber eines Tages kommt es zum Eklat. Nellie Cross, die bei Constance putzt, erhängt sich in Allissons Kleiderkasten, Allisson war mit Norman im Wald, wo sie Gedichte lasen, Constance bekommt aber einen Pnaikanfall, als die beiden nach Hause kommen. Normans Mutter tut das später auch. Constance schreit Allisson ins Gesicht, daß ihr Vater ein Gauner war, trotzdem heiratet sie Rossi und Allisson geht nach Schulabschluß nach New York, um dort, das sie schon Kurzgeschichten über die Leute vom Peaton Place in Zeitungen veröffentlicht hat, ihren Roman zu schreiben.
Inzwischen spitzt es sich am Ort zu, der Weltkrieg bricht aus, der zweite Teil spielt 1939, der dritte 1942, Rodnay drückt sich um den Einsatz, Norman wird eingezogen, hält das aber psychisch nicht durch und Lucas Cross, den der Doc befohlen hat, die Stadt zu verlassen, kehrt als Marine zurück, um seine Kinder zu besuchen. Er bedroht Selena, die nimmt den Feuerhacken und schlägt zu, gemeinsam mit dem kleinen Bruder vergraben sie die Leiche im Schafstall und haben nur das Pech, daß zuerst die Army ihren Marine sucht und dann wieder ein Fremder einen Kaffee trinkt und dem Sheriff erzählt, daß er einmal einen solchen hergebracht hat, der seine Kinder besuchen wollte.
Selena wird dank Docs Aussage freigesprochen, ihre Beziehung zu Ted, der ja Jus studiert zerbricht und Allison, die in New York bei einer Schauspielerin wohnt und einen jungen Dichter kennenlernt, sucht sich einen Agenten für ihr Buch das schon geschrieben ist, geht mit ihm ins Bett und erfährt erst nachher, daß er verheiratet ist. So kehrt sie nach Peaton Place, wo gerade die Gerichtsverhandlung stattfindet, zurück.
Eigentlich wird alles schon in dem ersten Buch gesagt und das zweite ist nur ein Aufguß, eine Wiederholung, weil der Verlag es so haben wollte und 2013 rührt das wahrscheinlich auch niemanden mehr vom Ofen weg.
Denn das passiert, das Kinder von ihren Vätern oder Stiefväters mißbraucht werden und das regt uns heute auch viel mehr auf, als die unehelichen Mütter.
Und das Buch ist dicht geschrieben und sehr interessant, schade, daß Grace Metalious daran, wie nach ihr Brigitte Schwaiger, zerbrochen ist und gut, daß es Bücherschränke gibt, wo man die Bücher findet, sonst wäre dieses Stück Literatur an mir vorbeigegangen und der zweite Teil ist natürlich interessant durch das, was nachher passierte. Trotzdem würde ich empfehlen, zuerst die “Leute” zu lesen, weil im zweiten Teil viel nacherzählt und vorausgesetzt wird, wo man sich dann nicht auskennt. Zumindest ist es mir so gegangen und als ich in Harland vorige Woche meine Bücherlisten ergänzen wollte, bin ich auf ein Buch namens die”Verdammten von Peaton Place” oder so gestoßen, das aber einen anderen Autor hat und wie es aussieht wirklich ein Trivialroman zu sein scheint. Mal sehen, ich will es trotzdem lesen.
Hunkeler und die Augen des Ödipus
Die 1968 kommen ins Pensionsalter. Der 1938 in Aarau geborene Dramatiker und Krimiautor Hansjörg Schneider tat das und sein Kommissär Peter Hunkeler vom Dezernat Basel ebenfalls, sechs Wochen hat er noch bis zu seiner Pensionierung und damit geht es ihm gar nicht gut. Zwar hat er ein Ferienhäuschen im Elsaß und eine verständnisvolle Freundin und zu einem Fall wird er auch gleich geholt, allerdings nur mehr zum Mithelfen, die Führung hat schon Wachtmeister Madörin übernommen, aber das Schiff Antigone ist an der deutsch französisch schweizerischen Länderecke havariert und das gehörte dem Baseler Theaterintendanten Bernhard Vetter, der seither verschwunden ist. Vorher hat er in seinem Theater Ödipus inszeniert und das war ein Rheinfall, so daß während der Premiere, die Leute den Saal verließen und nachher eine honore ältere Dame, dem Regisseur zwei Zähne ausschlug.
Kommissar Hunkeler, in seiner Jugend ein Linker, der am Theater statierte, bevor er Jus zu studieren begann, findet die Vorstellung aber großartig, nur als er den Regisseur fragt, warum der Chor Damenbinden trägt und mit Blut herumschmiert, bekommt er von ihm eine Ohrfeige.
Ein ehemaliger Schauspieler, dem der Direktor viel verdankte, der sich jetzt aber zu versaufen beginnt und daher nicht die Hauptrolle bekam, tritt auch noch auf und als der Fallführer Madörin von der Maffia zu faseln beginnt, die in diesem Fall verwickelt sein soll, ergreift Hunkeler die Flucht, geht in sein Häuschen und ermittelt, die Pensionierung ist inzwischen schon herangekommen, auf seine Weise.
Der Theaterdirektor wird aus dem Rhein gefischt, ein anderer Achtundsechziger, der damals für Vetter Arbeiterstücke schrieb, jetzt aber obdachlos ist, taucht auch noch auf und entdeckt in einem Heuschober Dynamit und dem Theaterdirektor wurden noch die Augen ausgestochen, das erinnert den belesemen Hunkeler, der sich nicht nur mit dem griechischen Theater, sondern auch mit Hölderin und Brecht beschäftigt, zu philosophischen Gedanken, was sollte Vetter nicht sehen, er schwimmt auch noch den Rhein entlang, trinkt gelegentlich zu viel Schnaps, so daß er von der Polizei auf einer Parkbank gegeweckt wird, findet aber heraus, daß sich der Theaterdirektor in eine Sambatänzerin verliebte, die ebenfalls verschwunden ist. Einen Galeristen, der brasilanische Figuren ausstellt gibt es auch und noch einen anderen Achtundsechziger, der jetzt kokst, mit Mädchen handelt und ebenfalls in die Sambartänzerin verliebt war.
Am Schluß kommt Wachtmeister Madörin und findet die entführte Tänzerin, ihr Peiniger wurde von einem Matrosen erschlagen und der Theaterdirektor wurde womöglich von dem versoffenen Schauspieler erschlagen und die Maffia war unschuldig.
Bei der Totenfeier wird wieder Brecht und Hölderin zitiert und ich habe einen Krimi glesen, in dem zwar ein paar Leichen vorkommen, aber Gedichte zu finden sind, viel philosophiert wird und über das Älterwerden geht es auch.
Eine interessante Abwechslung zur Donna Leon oder den Schwedenkrimis, die ich in letzter Zeit gelesen habe und zu verdanken habe ich diesen Fund ebenfalls der Buchhandlung Kuppitsch Abverkaufskiste, als ich voriges Jahr bei der Lesung von Emily Walton war.
So habe ich mein Wissen über die revolutionären Siebzigerjahre und das revolutionäre Theater aufgefrischt und in Hansjörg Schneider, der mir bisher völlig unbekannt war, einen interessanten Autor entdeckt. Es gibt von ihm übrigens schon eine ganze Serie Hunkeler-Krimis.
Antworten Sie mir!
Literarische Antworten aus dem Jahr 2013 auf Rahel Varnhagen, 1771 – 1833 gab es heute in der Alten Schmiede und das war sehr interessant, denn die jüdische Schriftstellerin und Salondame hat sehr viele Briefe an bedeutende Persönlichkeiten ihrer Zeit, wie Hegel, Mendelsohn, Tieck und Schlegel, etc, geschrieben, dieser Briefwechsel sollte nach ihrem Tod von ihrem Mann herausgegeben werden, zusammengekommen ist das Projekt aber offenbar erst jetzt durch Barbara Hahn und die Berliner Autorin Esther Dischereit, die vor einigen Jahren den Erich Fried Preis bekommen hat und die inzwischen Professorin an der Hochschule für Sprachkunst ist, hat mit ihren Studenten ein Projekt erarbeitet und außerdem scheint es noch eine diesbezügliche Tagung im Berliner Brechthaus gegeben zu haben.
In der Alten Schmiede hing jedenfalls ein Portrait der jüdischen Dichterin und die Bände standen auch auf dem Vortragstisch. Barbara Hahn hielt ein Einleitungsreferat und las auch ein paar der Briefe vor. Dann kam Esther Dischereit mit drei junge schwarzgekleidete Frauen und verkündete, daß man sein Handy eingeschaltet lassen konnte. Sie schienen auch zu twittern und auf ihren Laptops Nachrichten zu schreiben.
“Wird ein virteueller oder tatsächlicher Salon entstehen, twittern wir uns rückwärts in die Jahrhunderte oder lernen wir einen Brief zu schreiben. Relaunch letters”, steht im Alten Schmiede Programm.
Leider gab es keine diesbezüglichen Erklärungen und leider stehen auch die Namen der vier Studierenden nicht im Programm.
Sie wurden zwar von Barbara Hahn erwähnt. Ich habe aber nur Maria Oberrauch und Laura Wurm verstanden. Die erste junge Frau las jedenfalls einen Text, der nicht viel mit Rahel Varnhagen, die Goethe eine “schöne Seele” genannt hat, zu tun haben schien. Er war aber sehr poetisch, handelte von Ferien am Land und vom Milchholen, später kamen dann noch die U-Bahnen, ein Kind und ein Spielplatz vor.
Die zweite junge Frau wurde schon konkreter, sie erwähnte verschiedene Schreibzeuge, Tinte und Federkiel, Schreibmaschinen und Computer, die in ihrer Kindheit sehr groß und unförmig gewesen waren und heute auf dem Dachboden stehen.
Die dritte bezog sich dann direkt auf Rahel Varnhagen. “Rahel du bist mir so unvertraut, du läßt mich nicht in deinen Salon, auf Umwegen kam ich zu dir”.
Dann wurde ein Text von Laura Wurm gelesen, die sich Rahel einen Brief von Rahel an eine Pauline schreiben ließ und dabei auch das Berlin von heute einbezog.
Auch Esther Dischereit hatte einen Brief und wurde dabei sehr politisch, die Neonazimorde kamen dabei vor und noch vieles anderes und am Schluß tippten wieder alle fleißig in ihre Laptops und ihre Handies.
Eine interessante Veranstaltung und ein interessantes Projekt, wo ich vielleicht noch ein wenig mehr Information gebraucht hätte, um mich auszukennen und es wäre ja auch interessant, das Rahel Varnhagen Projekt im Internet zu verfolgen und vor allem die Namen der Studierenden zu kennen. Aber vielleicht komme ich noch dazu.
Beim Nachhauseweg habe ich am Karajan-Platz halt gemacht, wo gerade Richard Strauss Konversationsstück “Cappricio”, das ich, glaube ich, das erste Mal vor vierzig Jahren in einer konzertanten Aufführung in der Londoner Royal Albert Hall gesehen habe, übertragen wurde, das ja auch sehr interessant ist, weil es da um die Vormachtstellung der Musik über die Dichtung geht, wobei für mich immer ganz klar war, daß das Wort das Wichtigste ist und ich habe, ebenfalls vor vierzig Jahren oder mehr, einem etwas älteren Mann, mit dem ich damals spazierengegangen bin, erklärt, daß das Wichtigste, das “Was” für mich ist ist, während ja leider in der Literatur das “Wie” immer noch für viel wichtiger zählt.