Nun liegt die zweite Sommerfrischenwoche hinter mir und sie war wieder eine sehr intensive, obwohl ich mich an die Worte der Anna “Mama, ist dir nicht fad dabei!”, die sie mir vor einigen Jahren sagte, gut erinnern kann.
Die Gefahr ist schon dabei in ein mehr oder weniger großes Sommerfrischenloch zu fallen, es ist aber alles auch schon eingespielt und das Programm mehr oder weniger dicht.
Zwar nicht wirklich besonders abwechslungsreich, sonder eher ziemlich stabil, baden, lesen, mit dem Rad einmal in die eine und dann in die andere Richtung eine Stunde fahren, aber diese Stabilität beugt ja auch Depressionen vor und es wird bei solchen sehr empfohlen, immer das gleiche zu machen. Ein wenig Abwechslung ist auch dabei und ich achte darauf die Maximalkapazität herauszuholen und seit zwei Jahren beginnt es auch sehr dicht mit dem Bachmannleseevent, vorher war das ja in der letzten Juni-Woche und ich habe es zwischen meine Termine eingequetscht und die erste Woche dann mit der Sommer-Akademie des Institus für jüdische Geschichte begonnen. Jetzt ist das Bachmannlesen sehr dicht und zweigeteilt, weil man sich dabei ja gleichzeitig die Events am Wörthersee, am Lendhafen, das Wettschwimmen, den Empfang im Maria Loretto und das eigene Erleben an der Traisen und auf der Terrasse geben kann.
Ein Arbeitsprogramm habe ich auch mitgenommen, als ich vor zwei Wochen in die heurige Sommerfrische aufgebrochen bin, nämlich die “Literaturgeflüster-Texte” fertig zu korrigieren und da bin ich jetzt in der Phase, wo ich glaube, jetzt schaffe ich es und bin fertig und dann Fehler um Fehler zu finden.
Etwa zwei gute Stunden brauche ich für so einen Durchgang. Wenn ich in der Früh aufstehe mit meinem Sommerbuch in die Badewanne gehe, da habe ich den Sommer ja mit “Kristin Lavranstocher” begonnen und mich ziemlich gequält dabei und bin mittlererweile bei Julia Camerons “Weg des Künstlers” gelandet” und das passt zum “Stadtschreiben” und erweckt die Kreativität, habe ich den Tag gut gestartet. Dann blogge ich und mache Mittagessen oder gehe mit meinem kleinen schönen “Stadtschreiberbuch”, das sich ja auch ganz gut ergeben hat, gleich Radfahren.
Eine Menge Texte stehen schon darin und Platz für einen längeren, den ich noch schreiben werde, gibt es auch.
Die Telefonbücherzelle vis a vis der “Seedose” habe ich jetzt auch gefunden und das ist ein weiterer Sommerschwerpunkt, der eigentlich nicht eingeplant war, denn da meine 2013-Leseliste eigentlich schon voll ist, war ich froh, jetzt acht Wochen in keine Bücher-Versuchung zu kommen.
Mitnichten nichts, davon, denn die ergab sich in der zweiten Woche schon in Wien, als ich am Montag, nachdem die neun Uhr Diagnostik abgesagt wurde, zum Friseur gehen wollte, denn da habe ich gleich Karl Markus Gauss “Die versprengten Deutschen” gefunden und es auf meine Sommerleseliste gesetzt.
Dann ging ich in die “Alte Schmiede”, kam beim “Morawa” vorbei und hatte siebzehn Euro fünfzig weniger und zehn Bücher mehr, die ich hoffentlich noch in diesem Jahr lesen werde.
Das heißt das Ritter-Buch und die Elisabeth Plessen, die vielleicht nicht so unbedingt nötig waren, habe ich auf später gesetzt.
Danach am Nachmittag die zwei Stunden den Text durchgehen und hoffen fertig zu werden, da heißt, wenn ich das so rasch schaffe, komme ich vielleicht auch in Nöten, denn ich will meinen “Fünf Tage Materialsuch- Marathon” ja erst in September in Wien machen, aber ein paar Radtouren hätte ich ja noch geplant.
So bin ich am Freitag in Traisen, der längste Ausflug, Herzogenburg gewesen und ein paar Stadtschreibertage sind auch noch drin.
Also wird es höchstwahrscheinlich doch nicht so fad werden. Denn am Samstag treffe ich den Alfred meistens am Markt, esse mit ihm ein Würstl und gehe dann einen Kaffee trinken und am letzten Sonntag waren wir, nachdem wir wußten, wer in Klagenfurt gewonnen hat, auch in Traismauer im “Donaugasthof” Mittagessen und sind ein Stück die Donau hinuntergefahren und in Rossatz mit der Fähre auf die andere Seite, weil die Schwiegermutter ihren einundachtzigsten Geburtstag hatte. Der Alfred hat Marillen gekauft und Marmelade und Gartenarbeit gibt es immer auch und das übliche Sonntagsrital auf die Rudolfshöhe zu fahren.
In den letzten Jahren habe ich mir auch immer Events ausgedacht. So bin ich zweimal beim “Residenz-Verlag” gewesen, habe die Doris Kloimstein getroffen, mit dem Alfred war ich zweimal bei “Glatt-und verkehrt” und einmal beim Harry Rowohlt im Cinema Pardiso.
Diesmal habe ich solche Events nicht vor, weil ich nicht wüßte, wen ich treffen könnte, aber am Markt, wenn man vor dem Grillstand steht, trifft man sich sowieso und zum “Residenz-Verlag” könnte ich ja mit meinem kleinen Stadtschreiberbüchlein hinaufwandern und meine Stadtschreibergeschichte schreiben.
So weit, so what und spannend und das Wetter ist auch sehr schön, die zweite Woche also sehr abwechlsungsreich herumgebracht.
Die Liste der Sommerbücher ist erstellt und erweitert und mit meiner “Inneren Nobelpreisträgerin” bin ich, wie das Julia Cameron empfiehlt, auch unterwegs gewesen, die nehme ich jetzt gemeinsam mit meinem kleinen Stadtschreiberbuch immer auf meine Radtouren mit.
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Der Weg des Künstlers
Julia Camerons “Der Weg des Künstlers” habe ich in einem der Bücherschränke gefunden und auf die Schöpferin der “Morgenseiten” bin ich durch Judith Wolfsbergers “Writersstudio” gekommen, auf die und deren Buch “Frei schreiben” eine Anleitung für Studenten, die Blockaden bei ihren Diplomarbeiten habe, bin ich durch die Sigmund Freud Uni gekommen. Denn dort stellte Judith Wolfsberger oder hieß sie damals noch Huber, ihr Buch vor und ich habe dann begonnen ihre Schnupperworkshops und andere Gratisaktivitäten zu besuchen. Da stieß ich auf den Namen “Cameron” und die” Morgenseiten”, die manchmal am Beginn der Schnupperworkshops stehen und von denen Judith Wolfsgruber sehr begeistert ist und weil ich manchmal kreative Writingbücher in den Schränken finde, gekauft habe ich mir nur einmal den Frey und mir die “Angela Leinen” schenken lassen, nehme ich sie mir gerne in die Ferien mit oder lese sie zu Beginn einer neuen Arbeit und so passt Julia Camerons “Weg des Künstlers” auch diesmal in die Sommerfrische, auch wenn ich am “Literaturgeflüster-Texte-Buch” noch korrigiere und noch nicht am Ideen sammeln für die “Dreizehn Kapiteln” bin.
So habe ich das Buch zu lesen begonnen und war am Anfang auch etwas enttäuscht, weil die 1948 in Illinois geborene Dramaturgin, die in New York Kreativ-Workshops gibt, zu viel von Spiritalität und Gott spricht. Die esoterische Ader geht mir ja ab und auch wenn sie verspricht, daß man das Buch auch Lesen kann, wenn man atheistisch ist und das auch bleiben will, denke ich, nicht jeder kreative Akt ist göttlich, zumindest kann man das auch anders nennen.
Mir scheint das sinnvoller zu sein und Gott zu hoch und zu weit entfernt dafür und das Buch ist auch nicht etwas schnell Herunterzulesendes, sondern ein Kurs von zwölf Wochen, wo man nach jeder Aufgaben bekommt und dazwischen gibt es Themen und Essays und zwei Grunddinge, die durch das ganze Buch, bzw. Leben begleiten, gibt es auch.
Nämlich die “Morgenseiten”, die ich schon kenne und die man täglich machen soll. Da schwanke ich nun etwas, sie in meiner Sommerfrische auszuführen, aber ich habe ja eine tägliche Kalenderspalte, in der ich über das Schreiben berichten will und auch mein kleines schönes Stadtschreiberbuch.
Die” Morgenseiten” soll darf man aber niemanden zeigen und dann gibt es auch die “Künstlertreffs”.
Das ist kein Literatenstammtisch und auch kein Schreibsalon, sondern einmal zwei Stunden in der Woche, die man mit sich selbst, bzw. mit seinen inneren Künstler verbringen soll.
Julia Cameron liebt große Worte. Dann gibts auch gleich einen Vertrag, den man mit sich selbst abschließen soll, also für die zwölf Wochen des Kurses alle Aufgaben machen, Morgenseiten schreiben und seinen Künstler treffen.
Dann werden noch ein paar Grundprinzipen erklärt, bevor es losgeht mit der Woche eins. An sich ist es ganz einfach und einiges schon bekannt. Da sind die inneren Stimmen oder die inneren Feinde, die einem von der Kreativität abhalten. Julia Cameron wendet sich an alle Arten von Kunst und nicht nur an Schreibende, die inneren Stimmen, die einer zuschreien nichts zu können und davon abhalten kreativ zu werden.
Julia Cameron meint auch, es wäre nicht die Angst vor dem Scheitern, die einen hindert, sondern die, vielleicht Erfolg zu haben und was ist dann?
Das kann ich bestätigen, als ich 2008 die “Radiosonate” an einen Kleinverlag schickte und auf die Reaktion wartete, hatte ich Angst, was werden könnte, wenn er es nimmt? Dann kann ichs nicht mehr selber machen und und…
Der Verleger hat mir nicht geantwortet und das ist eine Erfahrung, die ich sehr gut kenne, während Julia Cameron in der dritten Woche von “Synchonizität” spricht.
Man will einen Film machen, ein Buch schreiben, etc und trifft dann einen Schriftsteller, der einen fördert, etc.
Diese Gedankenspiele mache ich auch manchmal, das letzte mal vor zwei Wochen, als ich in die Klinik ging, da dachte ich, wenn ich nach Hause komme, habe ich einen Kommentar oder ein Mail von einem Förderer. Ich hatte einen Kommentar von Hans Raimund mit der Mitteilung “Selten etwas derart Uninteressantes und Desinteressierte gelesen!”
Solche Kommentare bekomme ich öfter. Interessant, daß Julia Cameron, wenn man erst seine Blockaden lockert, das Gegenteil verspricht.
Sie spricht aber auch davon, daß man sich von seinen Verrücktmachern lösen soll und das sind bei mir wohl jene Stimmen, die mir “Du kannst es nicht!”, kommentieren!” und sich fragen soll, wo das den eigenen inneren Hemmer trifft?
Bezüglich Hans Raimund habe ich mir dann gesagt, offenbar wird vieles, was ich schreibe als uninteressant empfunden, das ich aber desinteressiert bin, stimmt nicht und interessant ist auch der Satz, daß man auf die Quantität achten soll, Gott wird schon für die Qualität sorgen!
Da habe ich ja manchmal Schuldgefühle, daß ich zu viel, zu lang, zu schnell schreibe und nur “Quantität” ist es ja nicht, also ein tröstlicher Widerspruch der Meisterin.
Die “Verrücktmacher” halten einen von der Kreativität und dem Loslassen ab und sind oft selber verhinderte Künstler.
Sehr interessant ist auch Julia Camerons Umgang mit den Kritikern, schreibt sie doch, daß einem Freunde, wenn man noch am Anfang steht mit ihrer vielleicht berechtigten Kritik sehr verunsichern können und genau das habe ich vor Jahrzehnten mit der “Einladung zum Tee” bei der Monika und dem Gerhard erlebt.
Da war ich baff, habe nichts verstanden und nur gedacht, “Könnte ich das auch bei anderen so machen?”
Die Antwort war nein, ich habe es später auch ausprobiert. Also sollte das auch bei mir gelten und ich lese bei Julia Cameron heraus, daß man auch wertschätzend und empathisch kritisieren kann und, daß man lernen muß mit der Kritik umzugehen. Also herausfinden, wo sie stimmt und wo nicht und die, die nicht passt einfach loslassen und sich mit dem auseineinandersetzen, wo man weiter kommen wird.
Das habe ich, glaube ich, durch das “Literaturgeflüster” und meine zwei scharfen, vielleicht nicht immer ganz konstruktiven Kritikerinnen Frau Heidegger und JuSophie auch gelernt.
Daß man gut mit sich umgehen soll, muß man sich in dem Vertrag auch versprechen und sich bzw., dem inneren Künstler bei den Künstlertreffs kleine Freuden machen, ist auch etwas, was mir sehr sympathisch ist und ich schon praktiziere.
Weiter geht es mit der Selbstverwirklichung und dem Lösen von Blockaden. In Kapitel vier wird von aufrichtigen Veränderungen gesprochen, “Nein-Sagen” und Ausmisten von alten nicht mehr passenden Kleidungsstücken wird dazugezählt. Als Übungen wird das sich beschäftigen mit seinen “Vergrabenen Träumen” aber auch “Leseentzug” empfohlen, weil man dann nach Meinung Julia Camerons wohl kreativer aber auch Zeit für anderes finden wird. Eine Übung, die ich angesichts meiner langen Leselisten, derzeit eher nicht praktizieren werde. Den Himbeerkuchen backe ich mir nebenbei, wenn mir danach gelüstet.
In fünf und sechs gehts um Geld und wieder um verbotene Freuden. Die Verbindung Gott und Geld, ist mir zu esoterisch, daß man sich aber kleine Freuden schaffen soll und das der größte Luxus oft nichts kostet, ist mir wohl bekannt.
Bei einigen der Punkten bin ich auch schon mittendrin und habe mein Ziel schon erreicht, denke ich ja, was mir fehlt ist die Anerkennung, denn ich lebe ja meine Kreativität und tue mir nur schwer, wenn die dann nicht gesehen wird.
Es gibt also das “Tugendfallen-Quizz”, die “Verbotene Freuden” und noch andere Übungen, die uns helfen sollen zu uns selbst zu kommen und uns zu finden. Eine “Wunschliste” wird aufgestellt. Da stünden, bei mir beispielsweise eine ganze Menge Preise darauf, die ich gern gewinnen würde. Im Kapitel sieben gehts ums Zuhören, Perfektionismus, Risiko und Gefühle, wie Neid und Eifersucht. Spannend sind auch hier die Empfehlungen. So soll man sich eine “Neidkarte” aufstellen.
Ich beneide Sibylle Lewitscharoff um den Georg Büchner Preis. Was kann ich dagegen tun? Weiterschreiben und meine Bücher in meinen Blog vorstellen.
So weit bin ich schon und ein bißchen hilft mir das auch. Und eine Synchronizität habe ich inzwischen auch erlebt. Andrea Stift hat mir gemailt und mich auf eine “Selbstpublisher-Messe” aufmerksam gemacht, die im Oktober stattfinden wird.
Dann wird es wiederholend, wenn Julia Cameron davon schreibt, wieviele junge Künstler dadurch blockiert werden, in dem ihre Lehrer vernichtende Urteile über ihre ersten Romane abgaben. Wenn sie Glück hatten kamen sie dann in ihre Workshops. Sie hat Ermutigung gegeben und positiv, wie sie die Sache sieht, schreibt sie dann von den Romanen, die Autor Ted inzwischen veröffentlicht hat.
Dann gehts um die Angst, ein wichtiger Blockierer, wie wir schon wissen, Angst vor dem Anfang dem Erfolg, dem Versagen, nicht weiterzukommen, etc, dagegen hilft nicht zu große Ziele zu setzen, nich tgleich den Nobelpreis und den großen Roman wollen, sondern das erste Kapitel schreiben.
Rückschritte gibt es auch und haben ihre Gründe, man soll sich nicht selbst durch unrealistische Ziele blockieren, sich von Ablehnungen nicht kirre machen lassen und Chancen auch nicht übersehen.
Gefahren gibt es bei all dem natürlich auch. Wodurch lassen wir uns so gerne hindern, abschrecken und blockieren? Sind es die Drogen, die Arbeit, der Partner oder gar der Sex?
Gegen die innere Dürre hilft das gut Umgehen mit sich selbst, sich selbst als wertvolles Geschenk betrachten, da bin ich gerade dabei das zu tun, sich auch mal eine Karte der Aufmunterung zu schreiben. Auch daran habe ich schon gedacht oder mir selbst den “Literaturgeflüster-Preis” zu verleihen, wenn mir das Abschicken und das Urkundenausstellen nicht auch zu albern wäre. Ein anderer könnte es finden und darüber lächeln. Allerdings soll man ja um seine Blockaden zu überwinden und kreativ zu werden, auch sein “Inneres Kind” entdecken und Julia Cameron rät auch zu spielerischen Aktivitäten.
Als ich mich getraut habe Elfriede Haslehner zu verraten, daß ich gern den …preis bekommen würde, hat sie “Bist du betrunken?” geantwortet. Das sind die Blockierer, aber vielleicht sind sie auch selbst blockiert. Mit Ruhm und Konkurrenz umzugehen muß man auch noch lernen. Dann gehts an die eigene Akzeptanz.
“Erfolg ist eine spirituelle Praxis!”, schreibt Julia Cameron. Ich würde das wieder anders nennen. Aber das Gehen eine spirituelle Praxis ist, die hilft mit Blockaden umzugehen, habe ich schon erkannt und renne auch viel herum. In der Sommerfrische fahre ich Rad, die anderen laufen oder schwimmen. Ruth Aspöck und Ilse Kilic tun das beispielsweise, während der Peter Handke und der Julian Schutting ja auch begnadete Flanierer sind. Dann brauchen wir noch das Vertrauen in uns selbst und natürlich Phantasie, um bei unserer Kreaktivität zu bleiben, die man nicht, wie Julia Cameron betont mit Produktivität verwechseln sollte.
Dann kommt der Abschlußvertrag und im Epilog wirds mir wieder zu spiritistisch. So lasse ich die heiligen Kreise und das Gebet des Künstlers weg und habe trotzdem viel gelernt, obwohl ich das Buch nicht in zwölf Wochen, sondern in zwei Tagen gelesen habe.
Ich werde auch einiges mitnehmen und weitermachen. Nachschauen und auffrischen läßt es sich ja immer auch. Ein tolles Buch, gerade richtig für meine kreative Sommerfrische, in der ich ja gut mit mir umgehen will.
Jetzt muß ich nur noch dazu kommen auf andere interessant zu wirken. Das scheint ja meine momentane Schwierigkeit zu sein, obwohl, wenn ich es so recht betrachte, einige Zutaten, die man dazu braucht, wie Ehrlichkeit, Offenheit, Kompetenz, Empathie und Wertschätzung für andere, aber auch Beharrlichkeit und Disziplin sind ja eigentlich schon da.
Sommerbücher
Die Frage nach den Sommerbüchern scheint sich in einer Sommerfrische zu stellen und ist auch in der letzten Zeit in Blogs oder per Aussendung an mich herangetreten.
Daß man man im Sommer spezielle Bücher lesen kann, darauf bin ich, glaube ich, 2009 oder 2010 durch “Leselustfrust” gekommen, weil die damals in die Buchhandlungen gegangen ist und danach fragte.
Als wir vor zwei Jahren in Polen waren, hatte ich, glaube ich, ein Sommerbuch mitgenommen, das ich schon ein Jahr vorher in der hohen Tatra halb gelesen habe und Buzaldrin berichtete Ende Juni auch von einer “Zeit-Beilage”, die ihren Lesern Sommer und Urlaubslektüre empfahl.
Na ja, der Urlaub bietet sich an, den Lesern eine spezielle Lektüre zu verordnen, so empfiehlt die Zeit neun Bücher, wahrscheinlich Neuerscheinungen, das von Joachim Meyerhoff, der ja jetzt in Klagenfurt las, ist dabei und ich kann mich erinnern, als ich vom Klinischen Mittag nach Grinzing zum Zwischenweltsverlagfest hinausging, das war in der Woche, wo es so heiß war, bin ich in der Gymnasiumstraße bei einer kleinen Buchhandlung vorbeigekommen und stehengeblieben, um mich durch die Abverkaufskisten durchzuwühlen, da hat mich die Buchhändlerin angesprochen, daß es drinnen Bowle gebe, sie feierten nämlich ein Sommerfest und auf den aufliegenden Zetteln stand, daß der Sinn des Festes sei, daß man sich in Ruhe die Sommerlektüre besorgen könne, für die mit dem kleinen Geldbeutel, gäbe es einen Flohmarkt.
Ein Buch habe ich mir um einen Euro gekauft, es steht nicht auf meiner Sommerleseliste, denn da hatte sich schon das passende angesammelt. Bis zur “Wand” bin ich ja auf meiner Leseliste gekommen, als wir nach Harland zur Sommerfrische aufbrachen und, daß ich Hans Scherers “Meine erste Reise”, ein Buch das vor einiger Zeit im Wortschatz gefunden habe, nach Harland gemeinsam mit Julia Cameron “Der Weg des Künstlers”, dem kreativen Writinglehrbuch, mitnehmen wollte, hatte ich schon geplant.
Dann habe ich aber umdisponiert. Die “Erste Reise-Geschichten” in Wien gelassen, in das ich ja jede Woche zwei Tage komme und Geschichten lassen sich ja zwischendurch lesen und auch so bloggen und noch ein Sommerbuch nämlich Seydlitzs “Sommertöchter” hat sich da angesammelt, das ich in Wien lesen will und in Harland habe ich die erste Woche an den drei Bänden von Sigrid Undsets “Kristin Lavranstochter” gelesen, was zwar nicht unbedingt zum Sommer passt, aber auf der Liste steht und was dann auf mich im Juli und im August wartet, ist interessant und spannend und ich freu mich schon aufs lesen.
Nämlich ein paar Abverkaufsbücher vom “Thalia” in der Kremsergasse, die sich so nach und nach angesammelt haben.
Da wird nach der eingeschobenen “Cameron”, Nick Hornby “All you can read”, ein Buch übers Lesen folgen, auf das ich schon freue. Liza Marklund “Mias Flucht”, da geht es, glaube ich, um Gewalterfahrung. Sarah Kuttners “Mängelexemplar”, Reinhard Kaiser-Mühlecker “Der lange Gang über die Stationen”, Leah Cohns “Der Kuß des Morgenlichts”, lauter Bücher, von den ich schon gehört habe und die ich für sehr spannend finde. Als ich die Sommerfrische begonnen habe, habe ich bei meiner ersten Radtour den St. Pöltner oder Viehofner “Offenen Bücherschrank” bei der Seedose entdeckt, bei dem ich mich eindecken kann, wenn mir der Lesestoff ausgeht, obwohl der eher eine Ramschansammlung zu sein scheint und mit den Kästen am Margaretenplatz und in der Zieglergasse, wo man ja wahre Schätze findet, nicht zu vergleichen.
Ich werde aber meine doppelte “Sigrid Undset” hineinstellen, für die die es interessiert.
Und ein Buch, das auf meine Sommerleseliste kommen wird, habe ich doch gefunden, nämlich von Johannes Twaroch herausgegebene Texte zur “Niederösterreichische Literatur im Aufbruch – 20 Jahre Arbeitsgemeinsacht für Literatur”, was sicher sehr interessant zu Lesen ist und in die Sommerfrische passt.
Was sind aber eigentlich Sommerbücher? Krimis wahrscheinlich oder solche, die das Wort im Titel haben. Gesammelte Geschichten über Urlaub, Reisen etc oder das, was besonders interessiert, was bei mir die kreative Writingbücher oder Bücher über Bücher sind, die Urlaubsschmankerln sozusagen und da passt natürlich ein Buch über niederösterreichische Literatur zu Harland in St. Pölten.
Als ich dann nach Hause kam, habe ich ein Mail von Doris Lind, vom literaturmanagement.at, bekommen, die mir ja immer ihre Nachrichten schickt und die hat mich auf ein paar Sommerbücher zum Thema See aufmerksam gemacht.
“Grundlsee” ist dabei, das ich schon gelesen habe und Rene Freund “Liebe unter Fischen”, auf das ich noch warten muß. Aber auch Klassiker wie Gerhard Roths “Der See” und Barbara Frischmuth “Die Mystifikationen der Sophie Silber”, beides habe ich, glaube ich, schon gelesen, was mich daran erinnert hat, daß ich wahrscheinlich noch einige “Seebücher” auf meinen Leselisten haben.
Es ist ja auch eine schöne Vorstellung in den Urlaub mit einer ganzen Tasche Sommerbücher aufzubrechen. Manchmal findet man auch in den Bücherschränken diesbezügliches und die Harlander Sommerleseliste habe ich mir ja schon im letzten Jahr angelegt und dementsprechend erweitert.
Urlaub und Bücher gehören ja zusammen und da ich mir meine Sommerlesepläne nochmals durchgesehen habe, macht mir die Sommerfrische nochmals Spaß.
Weil ich in ihr ja intensiv am “Literaturgeflüsterbuch” korrigieren will, wird es keinen entsprechenden Lesemarathon geben. Es sei denn ich werde früher fertig und sitze am Land fest, weil ich meine Materialsuchtage besser in Wien mache, aber da habe ich ja Stadtschreiberpläne und mein diesbezügliches Büchlein hat sich inzwischen auch ganz schön gefüllt.
Was tut sich sonst in Sachen lesen, nachdem der intensive Klagenfurter Lesemarathon jetzt vorüber ist?
Es tut sich Neues in Sachen Martina Gercke, deren Seite ich ja sehr intensiv verfolge. Die hat ihre beiden “Küßchenbücher” ja neu bearbeitet wieder herausgegeben und die Leserunde bei lovelybook, nachdem zuviel Widerstand gekommen ist, zurückgezogen.
Jetzt soll “Glücksstern mit Schwips” als neues E-Book von ihr bei Amazon erschienen, das es schon als Cover zu sehen gibt und das ist auch interessant, wie sich das weiterentwickeln wird, obwohl ich mich vom E-Booklesen, weil ich ja keinen Reader habe und auch so, inzwischen zurückgezogen habe.
Im vorigen Sommer habe ich sozusagen als Experiment von Haymon die Vorschauen als E-Books bekommen, jetzt werde ich eher konventionell weiterlesen und spezielle Urlaubs- und Sommerbücher machen die Sommerfrische spannend, obwohl ich mich sonst eher konsequent an meine (endlos langen) Leselisten halte.
Der lange Gang über die Stationen
Es ist ein sehr bedächtiges Buch, das der 1982 in Kirchdorf an der Krems geborene Reihard Kaiser-Mühlecker da 2007 geschrieben hat. In einem altmodisch fast märchenhaften Ton erzählt da einer von seiner Frau. Er, der junge Bauer, der mit der Mutter und dem kranken, unsichtbaren Vater auf dem Hof lebt, heißt Theo oder Theodor und hat eine namenlose Frau, eine Städterin aus Linz dorthin gebracht.
So erzählt er uns von seiner Frau, mit der in arbeitsarmen Zeiten einen Ausflug durch die Gegend macht, von seiner ersten Autofahrt, auf die ihn ein Bekannter der Frau, sozusagen als Hochzeitsgeschenk nimmt. Die Frau, die Städterin ist schon mit dem Auto gefahren, er nur mit dem Zug und weil es an der Zeit ist, nimmt er sich auch ein halbes Jahr Auszeit und verschwindet irgendwohin Er kommt zurück und lebt weiter mit ihr auf den Hof, nimmt einen Knecht auf, der irgendwann mit einem Bündel erscheint und dann auch verschwindet.
“Irgendwann sehen wir uns wieder!”, sagt er zum jungen Bauern, der ihn vorher gefragt hat, ob er ihn nicht vielleicht zu hart halten würde? Es gibt Begegnungen mit einem alten Mann, mit dem Nachbarn, von der warmen Küche auf der immer irgendwelche Töpfe stehen, wird erzählt und von den toten Vögeln, die er, von den Katzen verfolgt, in die Erde gräbt.
Dann fährt er mit der Frau in die Stadt, nicht nach Linz, sondern nach Wien, wo er natürlich noch nie war und sich in den Weiten natürlich unwohl fühlt (von den großen Städten mit denen natürlich Innsbruck gemeint ist, hat Gerhard Kofler einmal in einem Gedicht geschrieben.)
Theo geht die Frau aber auf die Nerven, die ganz ungeniert in seinem Dialekt nach den Straßen fragt, die sie eigentlich kennen müßte, denn sie war schon einmal da. Er geniert sich für den Dialekt und eingeladen sind sie natürlich von dem Bekannten. Theo fällt nur ein nach dem Dach zu fragen und ist enttäuscht, daß man dieses ganz leicht reapieren kann.
Am Land zurück gibt es Sorgen und das Ehepaar entfremdet sich noch viel mehr mehr. Der Frau ist Theo zu ungepflegt, aber der muß sparen und will sich deshalb keine Rasierklingen leisten. Es gibt zwar einen Kredit für den Schafstall, den er bauen will, der Bankdirektor schüttelt aber besorgt den Kopf und wir lesen von einer Welt, wo es zwar Banken und Tanzlokale, aber keine Krankenkasse zu geben scheint. So kann sich die Mutter keine Brillen leisten und der Vater stirbt.
Der Freund und Nachbar mit dem und dessen toter Frau Theo in seiner Jugend tanzen war und der früher trank, als Theo ihn unbedarft zum Schnapstrinken auffordert, ist die Frau entsetzt, erhängt sich und Theo schafft es nicht, den Pfarrer zu einem christlichen Begräbnis zu überreden.
So begräbt er ihm am Hof. Darf man das überhaupt? Die Frau fährt immer öfter in die Stadt, ob zu ihren Bekannten oder zu einer Abteibung ist nicht ganz klar. Sie antwortet nur einmal nach der Rückkehr, als Theo sie fragt, ob ihr morgens noch schlecht sei “Jetzt nicht mehr!”
Am Ende verschwindet Theo, der für Schnaps und Zigaretten doch Geld zu haben scheint, mit beiden im Wald und wir haben ein beklemmendes Stück Literatur, eines sehr jungen Mannes gelesen, das die Literaturkritik glaube ich auch ein bißchen in Verlegenheit brachte, das Arnold Stadler, aber als “großes Glück”, am Buchrücken beschreibt.
Ein sehr bedächtiger, erster Roman, mit schönen, sehr genauen Beschreibungen, die immer wieder nicht in die Zeit zu passen scheinen, denn die Knechte, die gar nicht mehr so heißen, tragen, glaube ich, keine rotkarierten Bündeln mit sich herum und auch am Land ist man wahrscheinlich schon mit dem Auto gefahren, wenn die Städterin Sommerkleider mit schmalen Trägern und schöne Stiefeln trägt, der 2008, für einen jungen Autor ungewöhnlich, gleich bei Hoffmann und Campe erschienen ist.
Bei einer literarischen Soiree habe ich das erste Mal von ihm, der hoch gelobt und vielleicht auch ein bißchen berätselt wurde, gehört. Ich war auch bei einigen Lesungen.
“Wiedersehen in Fiumicino”, das dritte Buch, habe ich gelesen. Dazwischen erschien “Magdalenenberg” und jetzt “Roter Flieder”.
Alle vier Bücher bei Hoffman und Campe. Das letzte Mal habe ich Reinhard Kaiser-Mühlecker, glaube ich, in der “Aten Schmiede” bei einer Lesung, wo er Wolfgang Hermann moderierte, gesehen. Kurt Neuman fragte ihn da nach dem neuen Roman, der inzwischen erschienen sein dürfte.
Ein interessanter literarischer Erstling, den ich da bei “Thalia” in der Abverkaufskiste gefunden habe und eine interessante literarische Karriere, die Reinhard Kaiser-Mühlecker da gelungen ist, der sein Schreiben inzwischen auch verändert hat und neuzeitlicher geworden ist.
Kristin Lavranstochter
“Kristin Lavranstochter”, die historische Trilogie der norwegischen Nobelpreisträgerin von 1928, Sigrid Undset, befand sich in Büchergilde Gutenberg Ausgaben im Bücherschrank meiner Eltern und steht seit vorigem Jahr auf meiner Leseliste. Das heißt zwei Bände, in denen die drei Teile “Der Kranz”, “Die Frau” und “Das Kreuz” enthalten sind, so daß ich zuerst glaubte, den dritten Teil nicht zu besitzen und im Bücherschrank nach einer Gesamtausgabe griff, die ich jetzt wieder zurückgeben kann, da ich beim Lesen daraufgekommen bin, ohnehin alles zu haben.
Von Sigrid Undset habe ich schon vorigen Sommer einer ihrer Gegenwarts- und Frauenromane “Das getreue Eheweib” gelesen. Sie ist 1949 gestorben und jetzt beginne ich meine Sommerfrische mit dem Dreiteiler, der überall hochgelobt wird, inzwischen aber vergriffen ist, sie hat den Nobelpreis, glaube ich, dafür bekommen.
Eine historische Romantrilogie, die im vierzehnten Jahrhundert in Norwegen spielt.
“Der Kranz” behandelt Kristins Kindheit, die mit ihrer Mutter und ihrem Vater auf einem Bauernhof aufwächst. Später wird noch die kleine Schwester Ulvhild geboren, die der Mutter fast lieber ist, die erleidet einen Unfall, so daß sie gelähmt zu bleiben scheint.
Kristin wird mit fünfzehn Jahren mit dem, um fünf Jahren älteren Simon Andressohn verlobt, scheint sich aber in Arne, der zum Hofgesinde gehört, zu verlieben und der Priester Bentein verliebt sich auch in sie, so daß er Arne ermordet und seine Mutter breitet schlechte Gerüchte über Kristin aus, so daß der Vater sie vorerst für ein Jahr in ein Kloster nach Oslo gibt.
In diesem Kloster, in dem es sehr freizügig zuzugehen scheint, lernt sie bei einem Einkauf in der Stadt in die sie mit einer Freundin aufbricht und wieder von Männer überfallen wird, den Ritter Erlend Nikulaussohn kennen, dem sie sehr nahe kommt, so daß sie Simon bittet sie freizugeben. Der Vater will sie ihm aber nicht zur Frau geben, weil Erlend mit Eline Ormstochter schon eine Frau und Kinder hat. So schickt er Frau Aashild, die seine Muhme und eine Art Hexe oder weise Frau ist zu Kristin, zum sie zu entführen. Die ist auch bereit dazu, in Frau Aashild Hof taucht aber Eline auf, die nun von ihrem Mann Sigurd verwitwet und von Erlends Verwalter schwanger zu sein scheint, will von Erlend, daß er sie heiratet, weil er ihr das versprochen hat und Kristin willsie zwingen zwingen, Gift zu trinken, Erlend will es ihr aber in den Mund schütten, so daß sie sich schließlich selbst ersticht.
Erlend reitet mit der Leiche davon, um sie beerdigen zu lassen, Kristin kehrt vorerst zu ihrem Vater zurück, wo ihre Schwester stirbt und als Erlend einen Brautwerber mit einem Brautvertrag schickt, ist der Vater einverstanden und es kommt zu einer Hochzeit der inzwischen achtzehn-oder neunzehnjährigen mit dem viel älteren Mann.
Im zweiten Teil “Die Frau”, der Sigrid Undsets Vater Ingvald gewidmet ist, wird im ersten Kapitel “Die Frucht der Sünde” geboren. Kristin empfindet Schuldgefühle, daß sie ihre Unschuld schon verloren hat und traut sich Erlend von der Schwagerschaft auch nichts zu sagen. Es kommt sehr schön heraus, daß man im vierzehnten Jahrhundert, als es noch keine Schwangerschaftsuntersuchungen und keine Mutter-Kind-Päße gab, mit der Schwangerschaft recht alleine war.
Kristin kennt alles nur vom Hörensagen, wann sich das Kind zu bewegen beginnt beispielsweise und hat Sorge, als es das nicht rechtzeitig tut. Zur Geburt kommen dann die Frauen von den anderen Höfen, als Wehenmütter und als das Kind nicht so recht herauswill, wird Kristin Erlend auf den Schoß gesetzt, weil es eine Sage gibt, daß man das bei “geheim empfangenen Kindern” so machen soll.
Naakve wird dann doch geboren und noch vier andere Söhne. Erlend hat schon zwei andere Kinder von seiner “Buhle”, um die er sich kümmert. Mit Orm versteht sich Kristin gut, der Vater hat mit ihm Schwierigkeiten, weil er eher schwächlich ist. Mit Margret, der Tochter tut sich wieder Kristrin schwer. Ansonsten versucht sie den eher verlotterterten Hof in Schwung zu bringen, während Erlend sehr damit beschäftigt ist, gegen die Russen, die Dänen, etc in Krieg zu ziehen.
Kristin kommt erst acht Jahre nach ihrer Hochzeit mit ihren Söhnen und den Dienstleuten nach Jörundhof zurück, als ihre jüngste Schwester Simon heiratet, der von seiner ersten Frau verwitwet ist. Dann stirbt auch noch der Vater, zu dem Kristin eine sehr gute Beziehung hatte.
Im dritten Kapitel wird zuerst Erlend von der Inquisition verhört, weil er einen Bauern laufen ließ, der jemanden erschlug, der seine Frau “Hexe” nannte, dann erwischt er einen Mann im Bett seiner Tochter, schlägt selber zu und verheiratet diese. Kristin bekommt indessen noch zwei Söhne, obwohl sich Erlend eine Tochter wünscht und zwischen den Eheleuten kommt es immer wieder zum Streit, so daß Erlend sie mit Frau Sunniva betrügt. Er beendet aber sehr bald das Verhältnis, so daß Sunniva seine politischen Pläne verrät und Erlend gefangengenommen und gefoltert wird. Simon nimmt sich Kristin und ihrer Söhne an und am Ende von Band zwei kommt Erlend frei und das Ehepaar wieder zusammen.
Im dritten Teil “Das Kreuz” kehren sie nach Jörundhof zurück, der inzwischen Kristin gehört, da Erlend seine Besitztümer verloren hat. Kristin hat kein Problem damit, sie geht, ähnlich die bei Haushofers “Wand” im Sommer mit den jüngeren Söhnen auf die Alm, kümmert sich um Simons Kinder und die Hofleute, während Erlend sich mit Simon zerstreitet und auch auf eine einsame Waldhüte hinaufzieht. Als Kristin ihn dort besucht, um ihm eine Botschaft des sterbenden Simons zu überbringen, wird sie erneut schwanger, sie will aber nicht auf die Hütte hinauf und Erlend nicht in den Hof hinunterziehen, so daß es zu Gerüchten kommt, daß der neunte Sohn nicht von Erlend, sondern vom Verwalter ist. Erlend, der nun doch erscheint, um seine Frau zu verteidigen, kommt dabei zu Tode, so daß es Kristin mit ihren Söhnen, das neunte Kind ist kurz nach seiner Geburt gestorben, zurückbleibt und ins Kloster geht, wo sie dann stirbt.
Ein sehr starkes Buch, das mit seinen eindrucksvollen Naturschilderungen, das Leben im vierzehnten Jahrhundert recht gut wiedergibt. Kristin wird sehr selbstbewußt geschildert.
Die drei Bände sind mit ihren eintausendfünfhundert Seiten aber sehr langatmig und damit für unsere Begriffe, wo ja alles schnell gehen und auf Spannung ausgehen muß, schwer zu lesen.
Sigrid Undset widerholt sehr viel, gibt auch scheinbar unwichtige Details, wie die Art der Kleidung wieder und das Buch, das auf der einen Seite sehr freizügig und auch sehr erotisch ist, kaut die Schuldgefühle und Moralvorstellungen Kristins, die sich nicht verzeihen kann, sich als junges Mädchen unverheiratet Erlend hingegeben zu haben, weshalb die beiden auch nicht zusammenfinden konnten, obwohl sie sich ja liebten, für heutige Begriffe fast unverständlich immer wieder.
Das dürfte vielleicht mit Sigrid Undsets Bekehrung zum Katholizismus zu tun haben, wie ich aus dem Nachwort des anderen Buches weiß, daß ich jetzt in die Telefonzelle beim Viehofner See tragen werde.
Das schöne kleine Stadtschreiberbuch
Vor einiger Zeit habe ich einen ganz besonderen Fund im “Wortschatz” gemacht. Ein kleines graugrünes Heftchen, das am Cover eine weiße Rose hatte, lag darin.
“Schreib war! Lies was ! Welttag es Buches An Freunde denken Bücher schenken” stand noch darauf und ich war etwas verwirrt, denn die Anthologie des Hauptverbandes “Erlesenes Weinviertel”, habe ich schon auf meiner unendlichen Leseliste und die sieht auch etwas anders aus.
Es ist auch weniger ein Buch zum Lesen, sondern eher eines zum Schreiben. Ein Notizbuch zum Welttag des Buches mit “26 Begriffen in 26 Schriften aus der Welt des Buches” .
Links gibts immer einen schönen Spruch, der die Welt der Bücher von “Alphabet” bis zum “Zitat” erklärt, “Buchhandlung” “Copyright”, “Druckfehler”, “Eselsohr”,”Fußnote”, “Gutenberg”, “Hieroglyphen”, “ISBN”, “Jugendliteratur”, “Kafkaesk”, “Lesen”, “Muse”, “Non-Book”, was auch dieses Büchlein ist, “Originalität”, “Papier”, “QR-Code”, “Reim”, “Seite”, “Titel”, “Unterhaltung” “VLB”,”Wort” “Xenie und “Ypsilon” kommen auch noch vor. Rechts ist die Seite leer, beziehungsweise ist “Schreib was!” in verschiedenen Schriften daraufgeschrieben und das ist eine Aufforderung an mich.
Bin ich ja immer auf der Suche nach einem schönen kleinen oder großen Notizbuch und für die Schreibwerkstatt in die ich mich auch heuer wieder in der Sommerfrische begeben will, kann und soll es etwas ganz Besonderes sein.
Ein kleines Büchlein, das ich mir auf meinen Radfahrten in den Rucksack stecken und mitnehmen kann, wenn ich mir Notizen mache. Da gibt es ja ein großes Gelbes, in das habe ich mir, glaube ich, schon den Plot und die Szenen für die letzten drei Bücher notiert. Das habe ich auch nach Harland mitgenommen. Aber die Schreibstudien, egal ob es jetzt die fünf Marathontage sind, die ich am liebsten im September mache, um in mein “Dreizehn Kapitel Buch” hineinzukommen oder die Stadtschreibernotzen sollen etwas ganz Besonderes sein.
Zwar bin ich nicht ganz sicher, ob es mir gelingen wird aus den eher kleinen sechsundzwanzig leeren Seite Ende August ein richtiges St. Pöltner Stadtschreiberbuch gemacht zu haben, nehme es mir aber vor.
Sechsundzwanzig Skizzen von A wie “Anfang” bis Z….?, das Alphabetharium einer Stadtschreiberin und dazwischen kann ich am See, auf der Ochsenburg, an der Traisen oder wo auch immer die schönen Sprüchlein aus der Welt der Bücher in den sechsundzwanzig Schriften lesen und am Schluß gibts auf den neun freien letzten Seiten noch eine Stadtschreibergeschichte dazu.
Die Wirtschaftskammer Wien ist der Herausgeber dieser nicht so bekannten Gabe zum Welttag des Buches. Ich würde auch nicht wissen, wo man das Büchlein bekommen hätte, gebe es nicht den offenen Bücherschrank, in die es eine freundliche Seele legte und ich suche ja immer ein schönes Heft zum Schreiben.
Ein Impressum hat das Ganz natürlich auch. Der Herausgeber ist die Fachgruppe Buch und Medienschaft. Der Sonderzahlverleger Dieter Bandhauer steht auch darin und da habe ich auch gleich die Assoziation zu den schönsten Büchern, die ja am 22. April präsentiert wurden.
Wäre schön wenn das St. Pöltner Stadtschreiberbüchlein auch so ein Buch werden könnten. Mal sehen, die ersten Texte über das Sitzen auf einer Bank neben dem Steg bei Ratzersdorf und die Bücherfunde im offenen Bücherchrank St. Pöltens, der Telephonzelle vis a vis der “Seedose”, zu der ich mich jetzt doch getraut habe, dann das was ich auf der “Schubertburg”, in “Wilhelmsburg” und in der Landeshauptstadt erlebte, sind schon geschrieben.
Die Reise mit Paula
Nun kommt die Besprechung des Buches, das ich, als besser lesbar auf die Teichalm mitgenommen habe, dann ungelesen zurückbrachte, die “Feuerlinie” gelesen, “Die Wand” und “Entweder Olga” vorgezogen, denn Geschichten kann ich ja an meinen Praxistagen lesen und kurz besprechen, bevor ich in die Sommerfrische fahre und zu der Demonstrationsveranstaltung der Psychotherapeuten gegen das Psychologengesetz am 26. vor dem Maria Theresia Dendenkmal hat es auch gut gepasst, denn der 1931 in Washingthon D.C. geborene Irvin D.Yalom ist ein schreibender Psychiater und in Berührung bin ich mit ihm vor ein paar Jahren gekommen, als die Stadt Wien “Und Nietzsche weinte” für die “Stadt ein Buch Aktion auswählte”, ich mir das Buch bei der Buch-Wien holte und mich bei der anschließenden Lesung wunderte, wie sehr der freundliche ältere Herr von seinen Leibwächtern umgeben war.
Das Buch beschreibt eine Therapie Nietzsches bei Josef Breuer, interessant habe ich mir gedacht, als ich es gelesen habe, vielleicht ein wenig weitschweifend!
“Und Nietzsche ist es nicht!”, hat Robert Eglhofer in etwa gesagt. Dann habe ich noch “Die Schoppenhauerkur” gefunden, bzw. bei diesem Flohmarkt in Stattersdorf oder auch bei einem “Thalia-Abverkauf” bekommen.
“Die Reise mit Paula”, sechs “Fallgeschichten”, lagen im Bücherschrank und als ich mich vorher bei Amazon erkundigt habe, habe ich festgestellt, daß die Leute es als sein bestes Buch bezeichnen.
Fallgeschichten eines schreibenden Psychoanalytikers sind sicher sehr interessant, Dr. Yalom geht auch erstaunlich offen und augenzwinkernd mit seinen Fehlern und Schwächen um.
Bei der Danksagung wird an die Lektorin gedacht “die mich wie schon bei so vielen anderen Büchern auch diesmal gnadenlos dazu gedrängt hat, beim Schreiben das Beste aus mir herauszuholen.”
Nun ja, das fehlt mir vielleicht ein bißchen. Fallgeschichten und Gruppentherapien gibts bei mir wohl auch zu finden und von der Psychoanalyse verstehe ich nicht so viel, obwohl ich irgendwie ein bißchen in der Berggasse sozialisiert wurde und in den Siebzigerjahren bei den Strotzka-Vorlesungen war.
“Mama und der Sinn des Lebens” ist die erste Geschichte.
Die Mutter ist zehn Jahre tot, vorher hat sie in einem Altersheim gewohnt, mit den Büchern des Sohnes neben sich am Tischchen und auf den Knien, die sie nicht lesen konnte, weil Mama blind und auch noch Analphabetin war.
Der berühmte Sohn träumt nun jede Nacht von ihr und fragt und sich ob sie zufrieden ist? Die beiden werfen sich ihre Fehler vor, der Sohn erklärt ihr, daß sie ihn loslassen soll und hat am Ende doch nur wieder Mamas Strategien übernommen.
In der Titelgeschichte geht es um Paula und um eine Gruppe mit sterbenden Patienten, das hat es in den Siebzigerjahren noch nicht gegeben. Dr. Yalom gründet eine 1973 mit Paula, einer unheilbaren Krebspatientin. Das heißt er führt zuerst Gespräche mit ihr. Sie ist ein Bündel an Agilität, irgendwo wird die Frage gestellt, die ich mir auch immer stelle, wieso es eine erst Krebsdiagnose braucht, um seine Aktivität zu finden und regt ihn zu der Gruppe an.
Die wird ein Erfolg, Dr. Yalom ist der Leiter, aber die Energie kommt von Paula, sie bringt Kerzen mit und regt zu Meditationen an und Dr. Yalom kommt auf die Idee, um Forschungsgelder anzusuchen und das Ganze evaluieren zu lassen. Das bringt ihn in Konflikt mit Paula, die die Gruppe verläßt, er hat, neben all seiner anderen Tätigkeiten zu wenig Zeit sich um sie und ihre Probleme zu kümmern, so daß er erst Jahre später von ihrem Sohn von ihrem Tod erfährt.
In “Trost aus dem Süden” geht es auch um eine Gruppentherapie, diesmal in einem psychiatrischen Krankenhaus, die Yalom einmal in der Woche leitet, bzw. den Assistenzärzten vorführen soll, wie man eine solche macht. Er radelt dazu von seinem Sprechzimmer in die Klinik hinüber, denkt über die Schwächen und Schwierigkeiten einer solchen Therapie nach, welche Patienten werden zugelassen und übt Kritik an Ronald Reagan, der plötzlich alle für gesund erklärte, so daß die Patienten wieder in ihre schädigenden, sie krankmachenden Umgebungen zurückmußten.
In der Gruppe hat er sehr schwierige Patieten, depressive, die nach mißglückten Suiziden in Rollstühlen sitzen, abgemagerte, zwangsernährte anorektische Mädchen, Psychotiker, etc und versucht ihnen ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. Die eigenen Unzulänglichkeiten und Schuldgefühle nicht das Beste aus sich herausgeholt zu haben, kommt natürlich auch dabei vor.
In “Sieben Lektionen zur Bewältigung von Leid” gehts um Trauertherapie. Da wird der Psychiater von einem Freund angerufen, ein anderer Freund ist an Krebs erkrankt und nun will dessen Frau zu Dr. Yalom zur Bewältigungsanalyse. Das ist nun schon mal ein Kunstfehler, der dachte ich, bei den Analytikern viel wichtiger als Beispielsweise bei den Verhaltenstherapeuten zählt. Dr. Yalom therapiert trotzdem und geht in mehreren Jahren mit seiner Patientin, einer Chirurgin, alle Trauerstadien durch. Daß er von Kübler-Ross nicht viel hält, ist schon im vorigen Kapitel angeklungen. Jetzt erzählt Irene ihm ihre Träume, sie hat Angst vor Verlusten, deshalb sieht sie ihren Psychiater auch nicht in die Augen, hat sie doch als junges Mädchen ihren Bruder verloren. Jack soll nicht sterben, er tut es natürlich und auch noch ihr Vater und die Mutter erkrankt an Alzheimer, während ihr Psychiater so unverwüstlich gesund wirkt. Darf jemand, der keinen Verlust an sich selbst erlebte, überhaupt Trauerarbeit leisten, lautet eine weitere frage, die Dr. Yalom mit einem “Natürlich, denn ein Schizophrener wird ja auch nicht von einem Schizophrenen behandelt”, beantwortet. Dann stirbt ihm aber der Schwager weg. Irene wird trotzdem immer depressiver, scheint nicht loslassen und sich einen neuen Mann suchen zu können, sondern läßt alles wie es ist, Jacks Schreibtisch bleibt unberührt, sie starrt aus dem Fenster, der Psychiater wird ungeduldig, das muß doch schneller gehen und schlägt Irene Medikamente vor. Da bringt sie ihm ein Brodsky-Gedicht als Metapher und schließlich, noch ein paar Jahre und hunderte Analysestunden später, stellt sie ihm einen Kevin vpor.
“Nimm dich in Acht”, denkt sich Dr. Yalom dann. “Pass ja gut auf sie auf. Und wehe dir, wenn du stirbst!”
“Doppelbelichtung” gibt wieder augenzwinkernd Einblick in den Analysebetrieb. Diesmal ist ein Dr. Lash der Protagonist. Myrna kommt zu ihm, weil sie Beziehungsschwierigkeiten hat und ist mit der Therapie eigentlich unzufireden und der Anlytiker ist es auch ein bißchen. Er nimmt die Gespräche aber immer auf Tonband auf und gibt sie seiner Analysantin mit, damit sie sie sich nochmals anhören kann. Einmal passiert ein Lapsus. Der Analytiker dreht nicht ab, so daß Myrna seine Aufzeichnungen über den Fall “Myrna” mitbekommt, die er sich für eine Gegenübertragungsgruppe macht. Da hört sie dann etwas, das sie ih langweilt und daß der Analytiker gerne auf ihre Titten starrt und das, was eigentlich ein Kunstfehler ist, rettet die Therapie. Myrna wird wütend, denkt sich “Na, den Kerl lass ich jetzt für mein Geld arbeiten!” und ein paar Monate später, stellt sie Gedichte auf eine Internetplattform und eine neue Beziehung wird sie demnächst wahrscheinlich auch beginnen.
In der letzten Geschichte “Der ungarische Katzenfluch”, wird wieder, wie Yalom in seinem Nachwort meint, die Fiction mit den Therapieerlebnissen durcheinandergewürfelt. Der Protagonist erneut Ernest Lash macht Fehler um Fehler, um über sich hinauszuwachsen und therapiert am Ende eine Katze, um herauszufinden, was man mit langweiligen Patienten macht und wie man mit Therapiebeendigungen umzugehen hat.
Ein Schwarzer aus Trinidad, der in England auf Elitecolleges studierte, will das nach der vierten Stunde tun, begonnen hat er, nach einem Alptraum, als er in Panik in eine Notklinik gelaufen ist und Ernest bringt ihm durch seine Frage nach dem Frühstück vom Vortag dazu, vorläufig zu bleiben. Denn am Vortag hat er, der Langeweiler, in einem Cafe eine tolle Frau getroffen, die ihm am Abend in ihrem Haus Schwammerln gekocht hat, danach erwachte er von einer Katze gejagt, stand bis zu den Schenkeln in einer Säure und rannte von Artemis davon. Das erweckt wieder Ernests Gefühle, sowas kann man einer Frau nach einer tollen Liebesnacht nicht anzutun! So kauft er sich Thomas Mann “Erwählter” und quält den armen Mister Halston so lang, bis der ihm den Namen des Cafes verrät. Das sich die vegane Artemis für deutsche Literatur interessiert, hat er schon vorher aus ihm herausgebracht. Das Spiel widerholt sich, Artemis kocht wieder Schwammerln, jetzt hat Lash den Alptraum und rennt davon. Er kommt aber wieder und Artemis ist gar nicht so erstaunt, wie er dachte, sondern liest ihm den Brief ihrer Großmutter vor. Die hat in Budapest anno 1931 einen Kater in die Donau versenkt und wurde von ihm verflucht, daß fortan sie und ihre Kindes-und Kindestöchter von der Liebe jejagt und von den Männern verlassen werden. Dr. Lash gibt nicht auf. Er bringt vietnamesisches Essen, statt der Schwammerln, therapiert den Kater, wünscht ihm ein gutes Leben und kann fortan ein solches bei Artemis haben. Mister Hash hat die Therapie inzwischen endgültig abgebrochen.
Ein spannendes Buch, das ich in einigen Tranchen gelesen habe und das auch einer Verhaltenstherapeutin gefallen kann. Ich würde mich auch dem Urteil der anderen Leser anschließen und es für das beste zu halten, das ich bisher von Irvin D. Yalom gelesen habe.
Entweder Olga
Jetzt kommt wieder ein Kunststück nämlich die Besprechung eines experimentellen Textes, sehr sorgsam konstruiert, in verschiedenen Sprachformen aufgebaut, aber wenig Plot und Inhalt, schöne Sätze, wenig Handlung und wahrscheinlich kein Realismus, den ich ja sehr brauche, also flüchte ich mich wieder in allgemeine Literaturbetrachtung, erzähle was ich über die Autorin und die Geschichte des Buches weiß und das letztere ist sehr interessant und vermag auch ein wenig Einblick in den Literaturbetrieb und das Leseverhalten zu geben.
Also um nicht ebenfalls unverständlich zu werden. Ich bespreche Magdalena Sadlons, 1993 bei gangan erschienene Prosa “Entweder Olga”.
Ein Buch das ich vor mehr als einem Jahr im “Wortschatz” am Margaretenplatz gefunden habe. Ein neues, ungelesenes Buch. Und wenn ich mich nicht irre, standen ein paar Exemplare im Kasten und dann immer wieder, wer sich also dafür interessiert, hingehen, vielleicht ist es noch zu finden.
Ich interessiere mich natürlich dafür, wer die unverkaufte Auflage hineinstellt? Der Herausgeber Gerald Ganglbauer, der Ex Mann Petra Ganglbauers wird es nicht sein, lebt er, glaube ich ja in Australien und ist seit seiner Parkinson Diagnose Botschafter für Parkinson-Selbsthilfegruppe.
Vielleicht die Autorin selbst, die 1956 in der Slowakei geboren wurde und 1968 mit ihrer Familie nach Österreich kam und die, wie ich in der GAV-Mitgliederliste gesehen habe, im vierten Bezirk lebt und sich einer Restauflage entledigen will? Ich kenne den Namen von der GAV und wahrscheinlich auch von der Zeit als ich noch um Stipendien angesucht habe, hat Magdalena Sadlon, wie im Buch steht, einige bekommen. Persönlich kenne ich sie, glaube ich, nicht.
2006 ist aber bei Zsolnay ein Buch von ihr erschienen und das wurde, glaube ich, in “Ex Libris” besprochen.
Dann kam noch 2007 der Adalbert von Chamisso-Preis, also eine sehr beachtliche literarische Karriere, die viele GAV-Mitglieder nicht schaffen.
Seit 1984 lebt die Schauspielerin und Übersetzerin in Wien und Zwettl, steht auf dem Buch.
1988 sind bei gangan “Man sucht ein Leben lang – 41 Anagramme” erschienen, dazu gibts Besprechungen von Barbara Alms, Brigitte Mayr und Wendelin Schmidt-Dengler der “sie ist eine Meisterin, in dem, was man die “Alchemie des Wortes” genannt hat”, schreibt.
Das Buch ist unter hundert Seiten lang und besteht aus verschiedenen Sprachformen. Ein großer Teil sind dreizehn Abschnitte, die von einer “sie” erzählen, ob das die Olga ist?
Handlung ist wie geschrieben, keine zu erkennen, aber schöne Sätze, Anmerkungen, Fußnoten, Paragraphen. Eine Meisterin der Sprache, wie Andrea Winkler vielleicht, oder etwas experimenteller und weniger Mainstream, mehr wie Ilse Kilic könnte man meinen, gibt es ja immer wieder Zeichnungen und auch Überschriften. So steht im Abschnitt I auf einmal “Leben? Sinn? und ähnliche Fragen” großgedruckt in der Mitte der Seite.
“Haus des Zufalls Zuhauf warum ums Herz” im zweiten.
Es wird aber Groß und Klein geschrieben, was interessant ist, weil das in der neueren experimentellen Literatur nicht so ist.
Dann gibts immer wieder eingeschobene Geschichten. “Gespräche mit einem Hund” beispielsweise.
“na wer kommt denn da, na wer ist denn da? na was, ablutschen und liegen lassen, du Elender!”
ein Kapitel ist mit “ich” überschrieben.
“ich habe dich nicht kommen gehört
ich habe dich nicht hören gesehen
ich habe dich nicht sehen
ich habe dich nicht wollen”
Auf Seite achtunddreißig gibts eine Zeichnung. Da wird der Weg von der Faulmanngasse zur Josefinengasse und retour, mit Prater, Riesenrad, Stephansplatz und U-Bahnstationen ganz genau gezeichnet.
Zwei Kapitel sind der “Kindheit” gewidmet. In “Kindheit” trifft man auf bekanntes.
“Sitz gerade! Antworte wenn du gefragt wirst! Gib deine Hände auf den Tisch!” u.s.w.u.s.f.
“In Gewissen” trifft man auf die Handschrift, etwas was mich an den Rudi erinnert. Ein Kassenzettel aus dem “Gasthaus Spatzennest” findet man später auch. “Keine bezahlte Anzeige” steht darunter.
Bei Abschnitt XII steht dann immer wieder “Bilder diesselben und immer Worte. Worte diesselben und immer Bilder.”
In der Mitte ist ein Quadrat herausgeschnitten, da auf der gegenüberliegenden Seite zu finden ist.
“Fortissimo” steht darunter.
Auf den Seiten 82 und 82 gibts ein “Hörstück”
Dann folgen einige Gedichte. Die schon erwähnte Rechnung über 108 Schilling, was ein Wurzelfleisch und ein Seidl betrifft, was mir für 1992 sehr teuer erscheint.
Dann kommt das, was den Namen des Buches erklären könnte.
“entweder Olga, Aug um Augusta, alles oder Nina, Geld oder Lena, an da Wanda, mein Undine”, schön angeordnet, was auch am Cover anzutreffen ist.
Danach wird für das Zustandekommen gedankt. Die mir bekannten Namen sind dabei Reinhold Aumeier auch ein experimenteller Autor, den ich schon gelesen habe, Ilse Kilic, Christian Steinbacher und ein bißchen weniger experimentell, dem St. Pöltner Autor Günther Stingl, sowie ihrer Mutter und ihrem Vater.
“Weiters danke ich der Jury des Anerkennungspreises des Landes Niederösterreichs 1990, der Jury des Förderungspreises der Stadt Wien 1990, der Jury des Theodor Körner Preises 1992 und der Jury des österreichischen Staatsstipendiums für Literatur 1993. M.S.”
Man sieht Magdalena Sadlon ist eine anerkannte Autorin, die den meisten Österreicherin wahrscheinlich trotzdem unbekannt ist, wenn man sie lesen und mehr von ihr erfahren will, ist der “Wortschatz” am Margaretenplatz, wie schon erwähnt, sehr zu empfehlen.Vielleicht gibts noch mal das Buch darin zu finden. Und wieder bin ich ein bißchen ratlos zurückgeblieben. Weil mir die schönen Worte und die Sprachspielereien nicht ganz reichen. Damit werden aber Preise und Stipendien gewonnen, sowie Bücher gedruckt, die vielleicht unverkäuflich sind.
Lyrische Kommunikation
Noch einmal Textvorstellungen in der “Alten Schmiede” und dann Sommerpause, bevor es Ende August, Anfang September mit dem Volksstimmefest in die Herbstsaison hinübergeht.
Das heißt, daß es zwar einige Programmpunkte in Wien gibt, die “Alte Schmiede”, hat noch am Dienstag und am Mittwoch je eine Veranstaltung. Am Donnerstag gibt es die O-Töne im Museumsquartier mit den Herbstneuerscheinungen und am Freitag tagt das fröhliche Wohnzimmer und die Cafe Prückl-Sommerreihe gibt es ebenfalls, da haben mich auch Ruth Aspöck und Irene Wondratsch dazu eingeladen, aber ich fahre wieder aufs Land in meine zweite Sommerfrischewoche, wo ich mein “Stadtschreiberbüchlein” auf die Radfahrten mitnehme, die “Julia Cameron” lesen werden und außerdem hoffe, mit dem Korrigieren fertig zu werden, bevor ich dann doch noch ein paar Wochen und ein paar Durchgänge, Fehler um Fehler finden werde.
Die Montagabende verbringe ich aber in Wien, da gibt es jetzt ja das “Kino unter Sternen” und das “Filmfestival am Rathausplatz”, wo ich auch immer ganz gerne hingehe, heute gab es aber noch einmal “Alte Schmiede” und noch einmal “Textvorstellungen” und ein ganz besonderes Programm und zwar stellte Renata Zuniga unter dem Motto “Lyrische Kommunikation” drei lyrische Texte vor und ich bin, als ich in die “Alte Schmiede” ging, wieder einmal über den “Morawa” gestolpert, durch den ich ja meistens durchzugehen pflege. Diesmal lockte mich die “Flohmarktankündigung” in den Hof und da wars um mich geschehen.
Habe ich mir nicht einmal geschworen, mir niemals mehr ein Buch zu kaufen und wenn es auch nur einen Euro kostet? Und sie kosteten teilweise auch mehr, Peter Stephan Jungks “Elektrisches Herz”, sogar vier, das ist meine Schmerzgrenze, aber bei Michail Schischkinks “Venushaar”, den ich vom Frankfurter Buchmessen Surven kenne, habe ich zugegriffen und dann lauter Schmankerln teilweise aus dem Hymon-Verlag, wie den “Herrn Faustini” von Wolfgang Hermann, dann einen Roman von Christoph W. Bauer “Im Alphabet der Häuser” und Gedichte, Gedichte auch von Kurt Lanthaler und dann die Anthologie von Christine Werner “Die Zuckerlfabrik im Schulbankfach” bei Arovell erschienen, wo auch Cornelia Travnicek einen sehr witzigen Text drinnen hat. Zugegeben, das “Ritter-Buch” von Helmut Schrank “Birnall” war vielleicht nicht so nötig, denn ich lese ja nicht gerne “Ritter-Bücher”, aber jetzt habe ich eine volle 2013 Bücherliste, weiß nicht genau, wo ich die anderen Bücher unterbringen werde, aber die Lyrik und Haymon passte auch zum Abend, wurde doch Angelika Rainers lyrische Prosa “Odradek”, das ist ein Zwirnspulenwesen, das bei Kafka vorkommt, und von Angelika Rainer weiterentwickelt wurde, vorgestellt und davon habe ich schon etwas gehört.
Zuerst habe ich aber, als ich mit meiner schweren Büchertasche die kleine Gasse zur Schönlaterngasse hinuntergegangen bin, Christl Grellers Mann und die Frau vom Tagebuchtag getroffen und wußte ich bin richtig und Christl Greller hat auch gleich mit ihren noch unveröffentlichten Gedichten “Stadtseelenland” begonnen und sie hat auch eine Künstlerin, nämlich Yoly Maurer mitgenommen, die nach ihren Gedichten Schöpfbilder hergestellt hat, die man bewundern konnte und Christl Grellers Gedichte handelten von der Stadt und von der Natur und waren sehr dicht.
“Wenn es einem in der Stadt zuviel wird, soll man auf die Dächer schauen”, meinte sie zum Beispiel, las dann von Künstlern im Altersheim, die nicht mehr sehen können, wenn die Kirschen blühen und und und. Zwanzig Gedichte wurden vorgestellt, danach folgte eine Schweizerin, nämlich Monika Schnyder, die 1945 in Zürich geboren wurde, in St. Gallen lebt und dort arabisch-ägyptisch unterrichtet, die viel auf Reisen ist und in ihren Gedichtbänden, sie hat schon einige, der vorgestellte heißt “Blattzungen” viel experimentiert. Fremde Spraqchen einmischt, ihre Reisen beschreibt und sie trug ihre Texte auch sehr performend vor, begann dabei fast zu singen und erklärte zwischendurch, wie Christl Greller, immer wieder etwas.
Von Angelika Rainer, habe ich, wie erwähnt schön öfter gehört, ihre Texte aber noch nicht gekannt und ihre lyrische Prosa ist auch sehr dicht und enthält viele schöne Sätze und Wendungen, denn während der Odradek” bei Kafka sehr still ist, unterhält er sich bei ihr mit dem Hausvater. Angelika Rainer hat ihre Prosa auch in vier Teilen gegliedert und las aus drei davon etwas vor.
Daran entwickelte sich eine rege Kommunikation, Monika Schnyder wollte von ihren Kolleginnen wissen, wann und wie sie schreiben und meinte, daß sie sich jeden Morgen dazu zwingen müsse, dann würde sie am Nachmittag weiterkommen. Die anderen Autorinnen beklagten zuwenig Zeit zu haben und meinten nicht so konsequent zu sein. Angelika Rainer ist auch noch in einer Musikgruppe, wo sie Harve spielt tätig. Christl Greller betonte ihr aktives Leben, sowie, daß das “Verdichten” sehr wichtig für ihr Schreiben ist. und eine Zuhörerin führte wieder auf die Texte zurück.
Es war eine sehr angeregte lyrische Kommunikation, so daß ich anschließend nicht, wie ich eigentlich wollte, am Karlsplatz auf das Kino unter Sternen wartete, sondern nach Hause ging, um meine lyrischen und auch prosaistischen Eindrucken in den Blog und auf die Welt zu bringen.
Letztes Bachmannpreiskolloquium?
Das ist ein Ausdruck, den ich vor fünf Jahren, als der Bachmannpreis noch in der letzten Juniwoche durchgeführt wurde und ich ihn in Wien zwischen meinen Stunden mitverfolgte, auf dem Blog der Christiane Zintzen hörte, da habe ich von den ersten Blogs erfahren, die darüber berichteten und ein paar Tage später, habe ich beschlossen selbst zu bloggen, so daß ich am Tage der Eröffnung des 37. Bachmannslesen, seit drei Jahren schon in der Sommerfrische, mein Fünfjahrjubiläum feiere und seit ca zwei Wochen hat der Bachmannpreis eine besondere Bedeutung bekommen. Spricht die literarische Welt ja davon, daß er abgeschafft bzw. eingespart werden soll und empört sich darüber. Ich, die ich mich noch an die Empörung der IG Autoren vor siebenunddreißig Jahren erinnere, die meinte, daß ein solch öffentliches Zurschaustellen den Autoren unzumutbar sind, habe wahrscheinlich auch durch die Resignationsphasen durch die ich dauernd gehe, eine differenziertere Meinung, die wahrscheinlich manche erstaunt.
Denn eigentlich ist es mir egal, werde ich ja ohnehin nie dort lesen und nie einen Preis erhalten und wenn ich darüber berichte, laufe ich Gefahr, daß mein Bericht als schlecht und uninteressiert empfunden wird.
Also kann ich im nächsten Jahr auch etwas anderes tun, lesen, schreiben, mich in der Sommerfrische in eine Schreibwerkstatt begeben, etc, denn ich interessiere mich ja sehr für Literatur und wenn ich die Bücher von Joachim Meyerhoff oder Nadine Kegele, etc, in den Schränken finde, werde ich sie genauso lesen, wie die der Autoren, die vielleicht im nächsten Jahr lesen oder nicht lesen.
Aber wenn es einen Bachmannpreis geben wird, was ich eigentlich glaube, werde ich ihn mir wahrscheinlich wieder genauso begeistert anschauen und genauso spannend oder langweilig, wie ich es halt kann, darüber bloggen.
Die Bachmannberichterstattung hat im Literaturcafe schon am Nachmittag begonnen, da konnte man bereits Wolfgang Tischers Twittermeldungen verfolgen, die Portraits wurden auch mehrmals interpretiert und ganz am Schluß gab es noch einen Podcast mit Cornelia Travnicek in einer Klagenfurter Buchhandlung über den ich die Eröffnung fast verpasst hätte und im womöglich letzten Jahr war alles neu.
Ein neuer Moderator, ein neuer Organisator, ein neues Jurymitglied und ein gelbes Design, so schlüpfte Cornelia Travnicek auch mit einer gelben Tasche auf ihren Platz oder ließ sich mit dieser vorher von Wolfgang Tischer fotografieren und die womögliche Abschaffung des Bachmannpreises war auch das große Thema der Eröffnungsredner.
Die meisten versicherten, daß sie dagegen wären, der Kulturbeauftragte der Stadt Klagenfurt erklärte das sogar sehr entschieden und auch Burkhard Spinnen hatte viele Argumente, denn, daß Wasser wichtig ist, merkt man erst, wenn man keines hat und Joe Lendle oder ein anderer Lektor könne dann nicht mehr vier Tage lang ohne Geldsorgen über Literatur diskutieren und die Lehrerinnen wissen auch alle, was der Bachmannpreis ist.
Stimmt, es ist ein Preis, den man öffentlich mitverfolgen kann und ein paar tausend Leute tun das auch, so wie ich jetzt vier Tage lang in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder anderswo.
Und natürlich beschäftigte sich auch Michael Köhlmeiers Eröffnungsrede, der eigentlich über Jörg Fauser sprechen hatte wollen, der 1984 in Klagenfurt sehr verrissen wurde, mit diesem Thema, nur der 3-Sat Mann nahm wahrscheinlich berufsbedingt eine andere Meinung ein und sagte etwa sinngemäß, was passieren wird, entscheiden wir!
Dazwischen gabs immer Musik und danach wurden die vierzehn Autoren und Autorinnen aufgerufen und die erste, nämlich Larissa Boening zog sich gleich als erste und wird am Donnerstag um 10.15 lesen. Dann gings in Klagenfurt zum Buffet.
Die Buttons mit der Kampfaufschrift “bleibt”, die bei der Eröffnung ausgeteilt worden schienen, wurden bei den Lesungen nicht getragen und der neue Moderator Christian Ankowitsch, wies bei seiner Einleitung auch darauf hin, daß es jetzt, um die Texte gehen würde.
Es begann, wie erwähnt Larissa Beoning mit einem Ausschnitt aus einem Roman mit dem Arbeitstitel “Zucker”, eine Kaptialismuskritik oder eine Krebsbewältigung durch Kochen, wie es in der Diskussion genannt wurde?
Annemarie eine Wirtshaustochter hat Krebs und noch ein paar Monate zu leben und lädt sich einen Vermögensberater namens Matthias ein. Der will an ihre Millionen, sie will ihn zur Puppe machen oder ein Mutter-Sohn Verhältnis und beginnt ihn mit Buttercremeschnitten und Zunge vollzufüttern und er hält das in dem Gedanken, sie zu beerben und nie wieder arbeiten zu müssen, aus, obwohl er sich nicht sicher ist, ob man sich beim Geschlechtsakt nicht mit Knochenkrebs anstecken kann?
Ein wenig dicht am Kitsch vorbeigeschrammt, könnte man vielleicht meinen, Wolfgang Tischer twitterte, das ist nicht die Bachmannpreisträgerin, diskutiert wurde heftig und dann kam der Burgschauspieler und Bremer Literaturpreisträger Joachim Meyerhoff, den ich vor kurzem bei “Rund um die Burg” hörte und dessen Videoportrait einen sehr sympathischen Eindruck machte mit einem Text der den sehr interessanten Titel “Ich brauch das Buch” hat und der natürlich grandios vorgetragen wurde. Die Diskussion drehte sich darum, ob das Kafka, Kleist etc nachempfunden wurde und Meyerhoff war auch einer, der sich auch sein Recht, etwas dazu zu sagen nahm und der Text war meiner meiner Meinung nach, eine Pubertätsgeschichte im typisch Meyerhoffschen Übertreibungston.
Da geht ein Zweiundzwanzig- und nicht Fünfzehnjähriger, der also die Pubertät schon überwunden haben sollte, in eine Buchhandlung und schaut sich ein paar Tage ein Live-Magazin mit den Beinen von Marylin Monroe an, dann beschließt er, er muß das Buch klauen, owohl es ihm seine Großeltern sicher gekauft hätten, schwarz ist er auch schon mal gefahren und ließ sich dabei erwischen. Jetzt nimmt er einen Umhang probt vor dem Spiegel, gerät im Buchladen in Ängste und rennt dann mit dem Buch davon, der Kaufhausdetektiv ihm hinter her, sie ringen um das Buch, er schreit “Ich muß es haben”, so läßt er es ihm schließlich. In einer Kirche in die er auf der Flucht gekommen ist, sieht er einen lateinischen Spruch, zu Hause ruft er den Großvater an und fragt, was das bedeutet.
“Glücklich, der, der ohne Schuld”, oder so. Na ja, ich würde sagen, ein wenig anders als die üblichen Bachmanntexte, wie weit er es in die Preisrunde bringt, wird sich zeigen, danach folgte Nadine Kegele, die ich ja von den Volksstimmefesten, der “Alten Schmiede” und der “Gesellschaft für Literatur” kenne und löste bei der Jury Ratlosigkeit aus, obwohl der Text sicher literarisch angelegt und in zwanzig Abschnitten unterteilt war und einige treffende Erkenntnisse, wie die, daß das eigene Unglück immer das größte ist, enthielt.
“Scherben schlucken” hieß er oder der Auszug daraus, es geht um eine Frau, deren Mutter im Sterben liegt und der sie nicht verzeihen kann, daß sie sie als Kind offenbar dem Vater oder Stiefvater auslieferte, jetzt ist sie von einem Mann schwanger, der sie nicht heiraten möchte und geht auf Kinderspielplätze, um den unartigen Kindern zuzusehen und dabei das eigene Unglück zu bewältigen.
Mir hat es sehr gut gefallen, die Jury fand es aber teilweise für unfertig und fehlerhaft.
In der Pause ging es nach Wien, zum Wirtshaus beim Friedhof der Namenlosen, wo es Peter Handke Katja Gasser in einem Interview nicht leicht machte und danach las die Berliner Schauspielerin Verena Güntner einen Text, der ebenfalls von einem pubertierenden Jungen handelt, der psychologischer an seine Grenzen geht. Er schrammt an seinem Körper um ihn zu erforschen, hat dabei ein gutes Verhältnis zu seiner Mutter, seinen Stiefvater mag er nicht, er muß alles unter Kontrolle haben und versucht sich ständig zu trainieren und als er mit den Eltern auf das Nebelhorn fährt, lernt er ein rosarotes dickes Mädchen kennen und alles wird scheinbar gut. Ein dichter Text, ohne Kleist und Prinz von Homburg und Übertreibungen, voll aber psychologischer Dichte, wie es auch der, der Twitterin Anousch Müller war. Die kommt auch aus Berlin und erzählt von einer Skandinavienreise und einer Trennung, die dabei passiert und wieder geht es um den Körper und psychosomatische Reaktionen, denn die Frau hält den Mann offenbar nicht aus und reagiert sehr stark auf ihn. Die Lymphdrüsen sind geschwollen, am Mund gibt es Bläschen und Krusten, der Mann nimmt das alles nicht ernst, er hat das Geld und bestimmt die Richtung und hat die Frau offenbar durch sein Reden überzeugt, so daß sie sich von ihm nur durch Schweigen trennen kann, was ihr auch gelingt.
Während die Donnerstagstexte erstaunlich ähnlich waren, von Pubertierenden, Mißbrauchserfahrungen, Schamhaaren und Brüsten handelten, wurde es am Freitag erstaunlich differenziert und spannend. Gleich zu Beginn mit dem in Brasilien geborenen Ze do Rock und seinem Text “Gott ist Brasilianer, Jesus anscheinend auch”, in dem Sätze stehen, wie “ja, die geschichte bestätigt das chlischee, aber in diesem buch wird das chlischee nich sehr oft bestätigt: die brasilianische bahn hat practisch aufgehört zu existieren. er kaufte das ticket und am näxten Tag ging er um 12 uhr zum bahnhof” und so weiter uns so fort.
Vorher, als ich auf die Übertragung wartete, habe ich mir das Video von 1984 angesehen, wo Marcel Reich Ranicky lautstark begründete, warum der Fauser-Text, so gut er auch geschrieben sein möge, nicht nach Klagenfurt passe. Das habe ich mir dann ein bißchen bei dem von Joachim Meyerhoff gedacht, aber jetzt natürlich viel mehr, denn Ze do Rock ist offenbar ein Kabarettist und hat die Rechtschreibfehler der “Kanakensprach” bestimmt mitkonstruiert und dann passt es vielleicht nicht zu fein stilisierten Texten einer Nadine Kegele, Andrea Winkler etc und was sagt die Jury zu den Rechtschreibfehlern? Natürlich,”Ich bin mir ganz sicher, Herr do Rock schreibt ausgezeichnet Deutsch!”, das glaube ich zwar auch, aber der Text ist dann eine Paradie und das sollte vielleicht nicht sein oder wurde schon bei anderen Texten so argumentiert, daß das dann nicht nach Klagenfurt passt, zum Beispiel wenn sich einer den Literaturbetrieb auf die Schaufel nimmt.
Aber auf jeden Fall sehr spannend und die Jury hat das “vielleicht nicht so literarisch” auch nur sehr fein und absolut politisch korrekt angedeutet.
Dann gings weiter mit Cordula Simon und die hatte es natürlich schwer, obwohl sie ja aus Odessa kommt, von einer Babuschka erzählte und gleich selbstbewußt andeutete, daß man ihren Roman, der demnächst erscheinen würde, schon bestellen könne.
Über Heinz Helle, der mir, wie die meisten anderen deutschen Autoren bisher unbekannt war, habe ich in den Tweets gelesen, vielleicht den möglichen Preisträger vor mir zu haben. Der Text von dem Münchner Philosophen und Werbetexter, der in Biel lebt und daher als der einzige Schweizer des Bewerbs gehandelt wird, hieß “Wir sind schön” und erzählt sehr bedächtig, distanziert fast experimentell, eine Beziehungsgeschichte, bzw. die von einem Mann, der sich vielleicht von seiner Freundin trennt, obwohl er immer in “Wir-Form” spricht, also das Beziehungsthema viel weniger psychologisch, als die gestrigen Texte aufrollt.
Phillip Schönthaler, das ist der, der 2012, den Clemens Brentano-Preis bekam, hatte mich auch schon neugierig gemacht und er erzählte in “Ein Lied in allen Dingen”, von einem Starflötisten, der in allen inszeniert wird, er wird auf einen Seil in die Vorstellung gehievt, die persönliche Assistentin antwortet für ihn und bestellt ihm das Schnitzel mit Pommes frites und Salat ohne Zwiebel. Er geht von Interviewtermin zu Interviewtermin und kann nur auf einer Zugstoilette während eines Zwischenfalls in Ruhe und für sich allein üben.
Erzählt wird das von seinem Simultanübersetzer und die Juroren hörten heraus, daß er bei der letzten Aufführung abgestürzt wäre oder Selbstmord begangen hätte, weil die Geschichte nur so Sinn mache. Ein Paar bezweifelten dann, daß die Geschichte so ausginge, ich habe das fanale Ende auch nicht gelesen, zeigt aber ganz schön, was in den Köpfen der Leser passiert und was sie sich erwarten und so war es auch bei der letzten Leserin.
Einer Russin aus Berlin, bzw. wurde Katja Petrowskaja 1970 in Kiew geboren und schon, als sie die ersten Sätze gelesen hat, es ging um eine Urgroßmutter, die 1941 in Kiew zurückblieb, während die anderen evakuiert wurden, weil sie nicht mehr gehen konnten, hieß es auf den Tweets “Das ist die Bachmannpreisträgerin” und dann wurde darüber diskutiert, ob ihr Text ähnlich, wie der von Olga Martynova vom Vorjahr oder von Maya Haderlap, 2011 sei. Maya Haderlap hat vom zweiten Weltkrieg und den slowenischen Partisanen gelesen, Olga Martynova ist Russin und ich war erstaunt, daß ein Text der von der Deportation und der Massenerschiessung 1941 handelt, unbedingt den Bachmannpreis bekommen muß. Wenn das so klar wäre, wären das die deutschen Schuldgefühle und dann könnte man den Text dahin konstruieren und das stand auch in den Teweets. Wolfgang Tischer hat, glaube ich, von “Weltkriegskitsch” getwittert und gemeint, daß Philipp Schönthaler besser weggekommen wäre, hätte er die Geschichte 1940 spielen lassen.
Ich habe schon viele Deportationsgeschichten und Holocausttexte gelesen und war vielleicht von daher nicht so von den Socken. Das Publikum applaudierte aber stark und lang und die Jury war mit Ausnahme von Paul Jandl, der Bedenken hatte und sogar beleidigt reagierte, als ihn Hildegard Elisabeth Keller unterbrach, genauso begeistert. Jandl störte, daß die Urgroßmutter vielleicht erfunden wäre, etwas was ich wieder nicht so nachvollziehen kann, denn womöglich ist es autobiographisch und, daß eine Tochter, die nur geboren wurde, weil der Vater durch den Zufall eines zurückgelassenen Ficus, Platz im Lastwagen fand, sich die in Kiew verschollene Großmutter vielleicht phantasiert, erscheint mir aus der Traumaforschung nachvollziebar.
Eine interessante Diskussion. Wir werden sehen, ob es die Preisträgerin ist, mein Tip wäre es so schnell nicht gewesen, aber ich hätte auch keine Alternative und nichts dagegen.
Die Jury hat wieder überzogen, so daß die Diskussion erst richtig angefangen hatte, als das Fernsehen schon abgedreht wurde, im Internet kann man aber weitersehen und es war ein spannender Tag mit interessanten Erfahrungen.
Am Samstag ging es weiter mit einem Text über ein blindes Kind. Die 1977 geborene, in Berlin lebende Hannah Dübgen, hat, eingeladen vom neuen Jurymitglied Juri Steiner aus der Schweiz, “Schattenlider” vorgetragen und da war es interessant, gleichzeitig mit dem Lesen und den Hören die Tweets mitzuverfolgen und immer wieder von “Behindertenkitsch” und “Betroffenheitsprosa” zu hören. Das habe ich mit der “Mimi” schon einmal selbst erlebt und die Twitterer sind unerbittlich, gingen mir mit ihrem Urteil aber manchmal auf die Nerven und wenn ich am Donnerstag nicht so schnell war, bei Katja Petrowskaja sofort sagen zu können, die wünsche ich mir als Siegerin, habe ich bei Frau Dübgen umdisponiert, denn ich habe ja Nadine Kegele meine Stimme geben wollen. Aber dieser Text hat mir sehr gefallen und liebe Kritiker, wenn dir die Schwester im Krankenhaus ein Kind ohne Augenlicht zeigt, kapierst du das manchmal nicht sofort, auch wenn du sonst nicht blöd bist, das nennt sich Abwehrmechanismus und meiner Meinung nach hat diese Mutter, diese Familie alles das perfekt durchgemacht, was eine Familie mit behinderten Kind in dieser Gesellschaft erlebt und das, das bei den Zuhörern Abwehr, Angst und Widerwillen auslöst war an den Tweets zu merken.
Kompliment!
Dann kamen die Höhepunkte des Samstags nämlich zwei mögliche Preisträger, zuerst Roman Ehrlich mit einem Ausschnitt aus einem Roman, der schon am Dienstag bei Dumont erscheinen wird und die Twitterer und die Jury an einen Vorvorjahressieger “Schimmernder Dunst über Coby Country” erinnerte und dann Benjamin Maack, der schon in seinem Vorstellungsfilm sehr witzig war.
Setzte er sich doch mit einem Eis auf den Spielplatz und sagte “Mein Traum ist Schriftsteller zu werden, bitte, bitte geben Sie mir Ihre Stimme!”
Die Twitterer meinen, er wird einen Preis bekommen und “Wie man einen Käfer fängt von Joachim Kaltenbach”, war wieder, ähnlich wie der Güntner Text psychologisch interessant, aber auch sehr literarisch. Da ist einer in der Pubertät, sagt seiner Mutter alles nach, fängt Käfer und gerät über das Tampon seiner Angebeteten, der er so gerne die Käfer zeigen will, ihn große Nöte. Spannend, spannend, ich habe nichts gegen diesen Preisträger, wie ich überhaupt finde, daß dieser Bachmannpreis ein sehr perfekter war.
Sehr gute, sehr verschiendene Texste, selbstbewußte Autoren, ein bißchen zu überhebliche Twitterer, das muß sich vielleicht noch einspielen, die werfen mit ihren Floskeln und Bewertungen vielleicht noch ein bißchen zu vorschnell herum und eine Jury, die das nicht mehr macht, sondern höchst professionell agiert, obwohl die letzte Leserin Nikola Anne Mehlhorn sehr schlecht weggekommen ist.
Die ist auch Musikerin und erzählte, wieder eingeladen von Juri Steiner, in dem Auszug aus “Requiem einer Vierzigjährigen”, vielleicht das, was man schon Chicklit oder Unterhaltungsroman nennen könnte und daher natürgemäß bei Jury und Twitterer, die wahrscheinlich alle elitäre Literaturkritiker sind, schlecht ankam. Vielleicht unnötig zu sagen, mir hats gefallen, schade, daß ich keine zweite oder dritte Stimme habe.
Eine Frau ist in ihrer Musikerkarriere gescheitert, sammelt Teebeutelsprüche, hat einen Mann, den sie nicht mag und den sie daher geschnetzelte Regenwürmer in die Spaghetti mischt. Ihr Kind verschwindet, der Vater ist nicht der verhaßte Oliver, sondern der Polizist, der ihr das Verschwindet meldet und sie denkt in diesem ersten Kapitel an das Millenium zurück und wie sich ihr Leben seitherentwickelt hat. Alles was man in unzähligen Unterhaltungsromanen lesen kann und wie es die Leute auch mögen.
Kompliment an Juri Steiner, der immer sehr fein argumentierte und auch großen Zuspruch bekam, daß er den Mut hatte, einen solchen Text ins Gespräch zu bringen und ich finde die Themenvielfalt des heurigen Wettbewerbs wirklich sehr interessant. Habe, wie meine Leser wissen, mit den vielleicht etwas übertriebenen Texten meine Schwierigkeiten, bin aber gespannt, wer Publikumspreisträger wird? Joachim Meyerhoff vermuten Wolfgang Tischer und die Twitterer oder vielleicht doch Katja Petraskaja?
In der Nacht auf Sonntag beziehungsweise am Vormittag kam dann die Überraschung, ORF-Direktor Alexander Warabetz hat für “Bachmann bleibt” unterschrieben und gab das dann auch im ORF-Theater bekannt.
Die Shortlist bestand für mich überraschend aus Larissa Boening, Roman Ehrlich, Verena Güntner, Heinz Helle, Benjamin Maack, Joachim Meyerhoff und Katja Petroskaja, die dann gleich im ersten Durchgang den Preis, wie ja schon am Donnerstag deutlich wurde gewann.
Der Kelag-Preis ging an Verena Güntners Text “Es bringen”. Dann wurde es endlich Benjamin Maack, wie sich das die Twitterer schon lange wünschten und der Ernst Willner Preis ging an Hein Helle mit seinem Beziehungstext “Wir sind schön.” Und der Publikumspreis ging sehr überraschend nicht an Joachim Meyerhoff oder Katja Petrowskaja, sondern an Nadine Kegele, die sich sehr freute und auch überrascht wirkte. Der Preis der automatischen Textkritik ist schon vor einer Stunde an Roman Ehrlich gegangen, den sich auch Katja Petrowskaja als Preisräger wünschte.
Und hier mein Archiv der Bachmannpreisberichterstattung der letzten fünf Jahre, das meiner Meinung nach sehr interessant ist, auch wenn es natürlich nur meine subjektive Meinung widergibt.





