Niederösterreichs Literatur im Aufbruch

Buch vier meines St. Pöltners Stadtschreiber- Lesemarathons passt hervorragend zum Thema, ist ein Ausflug in meine Vergangenheit und das erste Buch, das ich in der ersten Sommerfrischenwoche, am Mittwoch, als ich auf das große Bachmannlesen gewartet habe, im offenen Bücherschrank St. Pöltens oder eigentlich Viehofens, vis a vis der “Seedose” gefunden habe und ich dachte zuerst er birgt nur Ramsch Frauenzeitschriften, Kinderbücher und ein paar durchnäßte Lesezeichen der Buchhandlung “Schubert” und habe das kleine blaue Büchlein “Niederösterreichs Literatur im Aufbruch – 30 Jahre Arbeitsgemeinschaft Literatur”, herausgegeben von Johannes Twaroch, 1988 im Niederösterreichischen Pressehaus, fast übersehen.
Ausflug in meine Vergangenheit, natürlich, 1987 habe ich ja meine Halbtagsstelle als Assistentin an der Sprachambulanz der II HNO Klinik nicht mehr verlängert und bin in die freie Praxis in die Otto Bauer Gasse gegangen, was auch bedeutete, daß ich für eine freiberufliche Autorentätigkeit offen war.
Zumindest Brotberuflich hat das nicht geklappt, das ist der Psychologin und Psychotherapeutin vorbehalten geblieben. Meine Praxen habe ich auch mehrmals geändert, weil ich die Wohnung in der Otto Bauer Gasse aufgegeben habe, die Praxis in die Gumpendorferstraße verlegte und dann einige Jahre lang von St. Pölten mit Kind und Mann und ohne Kegel pendelte. Das war 1988 und den Namen Johannes Twaroch habe ich gekannt, weil der 1942 geborene damals für das Radio NÖ verantwortlich war und die Zeitschrift “Literatur in Österreich” herausgab und da habe ich ja hingeschickt und hingeschrieben und Johannes Twaroch hat mich auch vertröstet, daß er schon etwas von mir im Radio bringen wird.
“Ich verstehe Ihre Ungeduld aber..”, hat er mir geschrieben. Ich warte immer noch oder jetzt nicht mehr, denn er wird schon in Pension sein, es ist aber nichts von mir im Radio NÖ erschienen. Im Radio Wien habe ich mich ja mit den “U-Bahngeschichten” und mit einem Endlosmonolog damals in der GAV und einem langen Briefwechsel mit vielen Vertröstungen von Konrad Holzer durchgesetzt. In der “Literatur aus Österreich” ist, glaube ich, etwas von mir erschienen und einmal gab es auch irgendwo eine Lesung meiner Texte, von der ich erst später erfahren habe.
Ich habe mich damals auch um Stipendien beim Land NÖ beworben und einmal, das war später, als schon die ablehnende Kritik der “Hierachien” von Peter Zumpf in der “Literatur aus Österreich” erschienen ist, die mit dem Absagebrief zurückbekommen.
“Sie werden schon verstehen..!”
Habe ich, glaube nicht, sondern es als ungerecht empfunden, aber das ist lange her und damals gab es am Hammerweg in einem schönen Haus Lesungen, wo ich ein paar im Rahmen der GAV-NÖ veranstaltet habe. Die erste Frauenlesung mit Marie Therese Kerschbaumer, Ruth Aspöck, Hilde Langthaler, Elfriede Haslehner, am 18. 5. 90, damals hat, glaube ich, Barbara Neuwirth Gabriele Ecker vertreten und moderiert und die “Selbstmordanthologie” “Kälte frißt mich auf”, habe ich dort, ein Jahr später, auch vorgestellt.
Aber ich wollte ja von dem Buch und der NÖ Literatur im Aufbruch schreiben. Also der erste der insgesamt neun Artikel “Aufbruch aus der Provinz” von Johannes Twaroch, behandelt die dreißig Jahre Arbeitsgemeinschaft Literatur, die ich wahrscheinlich vorgefunden habe, als ich von Wien in die Provinz und wieder zurückpendelte.
Die Arbeitsgemeinschaft wurde aber 1958 vom Niederösterrechischen Bildungs- und Heimatwerk in Krems von Friedrich Sacher, 1899-1982 gegründet. Es gab Lesungen im Marmorsaal des Regierungsgebäudes in der Wiener Herrengasse, Namen wie Wilhelm Szabo, Josef Pazelt. Lois Schifferl tauchen auf. Mehrmals wird die Tradition, die Mundartdichtung und, daß das damalige literarische Schaffen NÖs sehr konservativ gewesen sein muß, erwähnt, obwohl es auch einmal einen Vortrag der Wiener Grupope gab. Rudolf Henz hat aber referiert und die ARGE wurde dann auch von Josef Pfandler geleitet unter dem es zu einem “Dichterstreit in NÖ” kam, das heißt Wilhelm Szabo, den ich ja durch den Arbeitskreis schreibender Frauen, bzw. seine Frau Valerie kannte und öfter in seiner Grinzinger Gemeindewohnung war, der offenbar selber Leiter werden wollte, trat aus der ARGE aus und gründete den Literaturkreis Podium.
Johannes Twaroch führt dann noch an, daß ein Großteil der Mitglieder “Hobby und Freizeitautoren” waren und, daß er sich, was ich sehr fortschrittlich finde schon damals mit der Maturaschule Roland für eine Schule des Schreibens engagierte, die unter der “Leitung von Mag. Alois Eder, die Teilnehmer, soweit dies möglich ist, schrittweise an professionelles Schreiben heranführte.”
Da sind wir dann schon beim zweiten Artikel, bzw. dem Meister Eder, den ich in der Zeit, als ich in St. Pölten lebte, durch die literarische Gesellschaft kennenlernte und der sich jetzt offenbar krankheitshalber zurückgezogen hat, so daß ich ihn schon lange nicht mehr bei den Osterspaziergängen der LitGES und auch nicht in der Kremsergasse oder beim “Thalia” gesehen habe.
“Fruchtbbarer Widerspruch: “das pult” lautet sein Artikel und das “pult” ist sozusagen der Vorvorläufer der Zeitschrift der LitGEs, die heute “etcetera” heißt.
Sie wurde 1968 zuerst in Heftform von Klaus Sandler 1945- 1984 gegründet und nach seinen Tod auch eingestellt, bzw. ist sie in die Zeitschrift “Limes” übergegangen, die, wenn ich mich nicht ihre von Alois Eder und oder Günther Stingl herausgegeben wurde. Da gab es auch einen Literaturpreis und den hat einmal Manfred Wieninger oder auch nicht gewonnen. Aber zurück zum Pult, ich glaube, ich habe in meinen Frühzeiten auch Texte hingeschickt und als ich einmal bei der Wiener Buchwoche war, habe ich mir so ein Heft angeschaut und eine freundliche Dame meinte, ich könne es mir mitnehmen.
Wenn Johannes Twaroch im Vorartikel angedeutet hat, daß das NÖ Literaturleben einmal sehr konservativ gewesen ist, so wurde daß durch Klaus Sandler, von dem ich , glaube ich, auch ein Buch gelesen habe, sehr verändert, Alois Eder meint, daß die Zeitschrift in etwa gleichrangig den “Manuskripten” und dem “Wespennest” gewesen wäre.
Und interessant ist auch ein Bild aus einer Redaktionssitzung, da ist nämlich der Lyriker und Übersetzer Hans Raimund zu sehen, von dem ich ein Buch aus der Edition Umbruch gelesen habe, ihn und seine Texte immer wieder in Anthologien und Zeitschriften fand, so daß mir sein Name ein Begriff ist, persönlich habe ich ihn dann vor ca einem Monat im Literaturhaus kennengelernt. Leider hat ihm mein Bericht über die Literatur aus Kärnten, Triest und Slowenien so gar nicht gefallen.
Dann kommt wieder Johannes Twaroch mit dem “Literaturkreis “Podium”, den Alois Vogel, Wilhem Szabo etc gegründet haben und da habe ich auch meine Geschichte, denn ich habe in den Achtziger- und Neunzigerjahren sehr eifrig hingeschckt. Möglicherweise bin ich durch die Valerie und den Arbeitskreis auf die Idee gekommen. Einmal, war es 1986, als ich meinen Urlaub in Harland verbrachte, hat mich Alois Vogel angeschrieben und mir mitgeteilt, daß er ein Stück aus meiner “Slavica”, mit der ich dann auch in Kärnten beim “Preis der Arbeit” war, im “Podium” bringen wollte. Ich hatte dann noch einige Texte dort. Marianne Gruber hat, glaube ich, eines meiner “Works in Progress” vorgestellt. Mein “Selbstmordtext” war drin und vielleicht auch einiges mehr. Später nicht mehr, Johannes Vyoral und Barbara Neuwirth, die jetzt dort tätig sind, haben aber einige Rezensionen meiner Bücher gebracht und als ich bei Sommerlesereihe im Cafe Prückl lesen wollte, bin ich bei Christa Nebenführ, die ja Schwierigkeiten mit meinen Texten hatte, abgeblitzt. Ich gehe auch immer wieder zu Podium-Veranstaltungen und BuchPräsentationen.
Dann gibt es noch das “Niederösterreichische Graz”, nämlich den “Wiener Neustädter Literaturkreis”, von dem ich, wie ich zuerst dachte, weniger Ahnung habe, da tauchte aber die Nanmen Peter Zumpf, Peter Schuster, E.A.Richter und die Edition Weilburg auf und an die habe ich ja, 1989 muß das geschehen sein, die “Hierarchien” wie auch an andere zweiundvierzig Verlage geantwortet. Peter Zumpf war einer der wenigen, die mir höflich geantwortet haben, so daß ich glaubte, daß er vielleicht Interesse hätte, wenn das Geld vorhanden wäre.. etc. Jack Unterweger hat es dann in der “Edition Wortbrücke”, auch ein Stück NÖ Literatur, die in dem Buch aber nicht vorkommt, gemacht, ich oder er haben das Buch dann an die “Literatur in Österreich” geschickt und Peter Zumpf hat es und auch zwei andere im höchsten Maß verrissen, von einem ereignislosen Leben geschrieben und davon, daß man nichts versäumt, wenn man das Buch nicht gelesen hat, nun, ja eh, schon wissen. Ich habe es inzwischen wiedergelesen und gedacht, daß ich es gar nicht so schlecht finde, es ist aber natürlich mein veröffentlichtes Roman-Debut.
Dann kommt ein Artikel von Paul Wimmer über Friedrich Sacher dem “Meister der Idylle” und Paul Wimmer bzw. seinen Namen habe ich auch bei der Valerie kennengelernt, ich glaube sie und ihr Mann waren mit ihm befreundet. Später, da waren beide Szabos schon tot, bin ich in die Krongasse gezogen und habe irgendwann herausgefunden, Paul Wimmer wohnt ein paar Häuser weiter, beziehungsweise hat er, glaube ich, einmal die Anna angesprochen, das muß 2001 gewesen sein, als ich das erste Mal den “Tag der Freiheit des Wortes” organisierte und sie gebeten habe, Werbung dafür zu machen. Jedenfalls hat sie ihm so ein Flugblatt gegeben. Dann habe ich ihn in der Gesellschaft für Literatur, in der Szene Margareten und auch bei der Eröffnung des Erika Mitterer Hauses bzw. der Tafel-Enthüllung getroffen. Vor einigen Jahren ist der, 1929 geborene Dichter, der PEN-Mitglied, mit Franz Theodor Csokor und wahrscheinlich noch mit vielen anderen befreundet war und der Jeannie Ebner bis zu ihren Tod betreute, gestorben und von Friedich Sacher, der 1960 gemeinsam mit Lois Schiffer den neugestalteten Kulturpreis des Landes NÖ erhielt, weiß ich nicht viel.
Das heißt, sein Namen habe ich wahrscheinlich auch immer wieder in Anthologien und Literaturzeitschriften gelesen und die “Brunnenstube”, glaube ich, einmal im Schrank gefunden. Er dürfte auch, was Paul Wimmer diskret verschweigt oder nur andeutet, ein eher konservativer Dichter gewesen sein, hat aber viel Athologien und Gemeinschaftsbänden herausgegeben. Paul Wimmer bezeichnet ihn als “Anthologist”, Namen wie Ernst Scheibelreiter, Josef Weinheber, aber auch Thodor Kramer und Wilhelm Szabo tauchen da unter anderen auf. Friedrich Sacher ist jedenfalls 1899 in Wieselburg geboren, war Lehrer, Leiter der ARGE und schon früh schriftstellerisch tätig. Am 2.November 1982 ist der Meister der Idylle, wie Paul Wimmer es nennt, in Wien gestorben.
Dann beschäftigt sich der 1935 geborene und wahrscheinlich ehemalige Hauptabteilungsleiter beim ORF, Roman Rocek mit Wilhelm Szabos Widerstand gegen die völkische Dichtung.
“Mit eigenen Waffen”, heißt der Bericht, in dem sehr lang die “Ballade von Döllersheim” zitiert wird:
“Und das war anno achtunddreißig, im Ausmärz als fiel unser Land und das Reisiggrün war noch nicht schleißig gepflückt, zu bekränzen die Schand…”
Ich habe von Wilhelm Szabo, ja, glaube ich, nicht sehr viel gelesen, in der Schule kein Wort von den bedeutenden Lyriker gehört, ihn aber dann durch die Valerie kennengelernt und ein kleines bei J.u.V. erschienenes Bändchen, hat sie mir, glaube ich, einmal gegeben.
Alois Eder nimmt sich dann noch einmal genauer dem “niederösterreichischen Dichterstreit im Spiegel einer Dichterfreundschaft” an, gemeint sind da Wilhelm Szabo und Walter Sachs, die beide 1988 schon gestorben waren und die beide auch in den schon erwähnten Anthologien von Friedrich Sacher, Texte hatten, die im Krystall Verlag erschienen sind, wo es auch das sogenannte Bekenntnisbuch gegeben hat, in dem sich österreichischen Schriftsteller nach dem Anschluß zum Nationalsozialismus bekannten.
Im letzten Artikel beschäftigt sich wieder Roman Rocek mit der 1982 im siebenundachtzigsten Lebensjahr verschiedenen Imma von Bodmershof und deren Romane.
Interessant, daß ein 1988 erschienenes Buch, das “Niederösterreichs Literatur im Aufbruch” vorstellt, so weit in die Vergangenheit zurückgeht, aber die Namen Peter Henisch, Jutta, nicht Julian Schutting, Nils Jensen und noch einige andere, werden natürlich auch erwähnt.
Am Schluß gibt es noch die Liste NÖ-Literaturpreisträger von 1960 bis 1988. 1960 haben ihn Louis Schifferl und schon erwähnt Friedrich Sacher bekommen, 1988 noch die Jutta Schutting und dazwischen das who ist who, der niederösterrichen Literatur zum größten Teil Männer, wie Wilhelm Szabo, Rudolf Henz, Adalbert Muhr, Peter Marginter, Albert Drach, Hans Weigel, Alois Vogel, Alfred Gesswein, Hans Heinz Hahnl, Hans Krendeslsberger, Josef Mayer-Limberg, bei den Frauen sind Graziella Hlawaty, Lotte Ingrisch, Ilse Tielsch und Maria Grengg dabei.
Inzwischen gehören wahrscheinlich Cornelia Travnicek, Milena Michiko Flasar, Magda Woitzuck, etc, wahrscheinlich dazu und vom heutigen literarischen Leben St. Pölten ist mir die LitGes bekannt, wo ich mich regelmäßig am Osterspaziergang beteilige und Robert Eglhofer einmal Vizeobmann war.Von den Autoren die es geschafft haben, sind neben Cornelia Travnicek, Doris Kloimstein, die ehemailge LitGEs Obfrau und Zdenka Becker zu nennen, die ich regelmäßig in St. Pölten oder auch woanders treffe.
Ein interessantes Buch, das mein Wissen auffrischte und falls Hans Raimund diesen Bericht lesen sollte, er ist vielleicht ein wenig oberflächig ausgefallen, da es mir wieder darum ging, eher schnell einen Schnappschuß meines literarischen NÖ-Lebens zu geben. Desinteressiert ist es aber nicht, wenn auch natürlich unvollständig, für mehr oder weniger wohlwollende Ergänzungen bin ich jederzeit dankbar und mit Wikipedia verlinkt habe ich jetzt auch.

Der Fall des Ökonomen

Das dritte Buch des viereinhalb Tage Lesemarathon führte mich nach Ungarn, in das Budapest von 1962 bis 2006 und mit dem Fahrrad an der Traisen bis zu den Seen, den Naturlehrpfad und damTraisencenter.  György Dalos “Der Fall des Ökonomen” kannte ich auch schon ein bißchen, habe ich von dem Buch doch, glaube ich, auf der Buch-Wien und oder in Leipzig etwas gehört, war bei einer Lesung in der “Alten Schmiede” und bei “Literatur und Wein” in Göttweig und da hat es mir der Alfred auch gekauft.
Ein interessantes Buch berührt es ja viele Themen, die mich auch beschäftigen und über die ich mehr oder weniger dicht und spannend, der 1943 in Budapest geborene und in Berlin lebende Autor, der glaube ich, auch mit Ditha Brickwell befreundet ist, hat ja eine eigene unverwechselbare Sprache, auch schon geschrieben habe.
Es geht um Gabor Kolozs und beginnt 2001 mit dem Tod des Vaters, bei dem und von dem der Ökonom, er hat nach dem Gymnasium in Moskaus Ökonomie studiert, nach dem Tod der Mutter, alleine lebt, hat der Vater als Holocaustüberlebender, er war in Mauthausen, ist von dort zerbrochen zurückgekommen und konnte seinen Arztberuf nie wieder ausüben, von einer Schweizer Stiftung doch eine monatliche Wiedergutmachungsrente und die jüdische Gemeinde versorgt ihm mit dem Mittagessen.
Davon haben Sohn und Vater gelebt, denn der Ökonom ist seit der Wende arbeitslos, erstmal ist er auch schon über Sechzig und dann braucht man in dem neoliberalen Budapest weder seine sozialistische Ökonomie noch seine Russischkenntnis.
Der Sohn begräbt den Vater also in dem schon vorausbezahlten Grab in Kosice, von dort kommen die Eltern her, die Mutter ist schon begraben und vergißt den Personalausweis des Vaters abzugeben und der Brief, den er an die Stiftung schickt, bekommt er zurück, was ihn auf die Idee bringt, bis 2007, wo er eine staatliche Rente bekommt, den Tod des Vaters zu verheimlichen, um weiter die Rente und das Mittagessen zu bekommen, um zu überleben.
Dann geht es in das Jahr 12962, also in den Sozialismus, Gabor, der zuerst Schulschwiergkeiten hatte, ist jetzt ein guter Schüler und wird zum Studium nach Moskau vorgeschlagen werden, eigentlich will er Puschikinforscher werden, aber Marx und Engels tun es schließlich auch. Dann wird er Assistent eines Professors und heiratet Marta, um Sex mit ihr zu treiben, weil in der schäbigen Wohnung seiner Eltern ist kein Platz und die der ihren zwar groß genug, aber ohne Trauschein darf er dorthin nicht kommen. Also läßt sich der Unentschlossene, die Ehe hält aber nicht lang, weil als sie nach Krakau auf Hochzeitsreise wollen, gerade die Russen in die CSSR einmarschien und die Züge daher nicht fahren. Nach der Wende wird Gabor eine Zeit lang Paralentarier und verdient genug, um sich eine eigene Wohnung zu leisten, in der eines Freundes der in Pars arbeitete, hat er auch einige Zeit gewohnt. Als es mit der Partei nicht klappt, zieht er wieder zu den Eltern und bewirbt sich “zwischen 1995 und 2001 rund vierhundertmal als Manager, Lehrer, Dolmetscher, Telefonist, Hausmeister, Hotelportier etc und wird überall abgelehnt”, so daß er sich mit dem Vater das Essen teilt und am Abend auf seinen alten Computer zwei Stunden die schönsten Reisen an allen Orten der Welt plant, denn früher hatte er keinen Paß dazu, jetzt hat er den, das Geld ist aber nicht da.
Nach dem Tod des Vaters nehmen Gabors finanziellen Schwiergkeiten zu, das Haus ist renoverungsbedürftg, die Waschmaschine geht ein, die Schuhe haben Löcher und und und als noch der Computer draufgeht beschließt Gabor schweren Herzens, den Tod des Vaters noch einmal für ein Jahr aufzuschieben, was ihn aber auch in Schwierigkeiten bringt, denn bald würde der Vater hundert und da schickt die Stiftung ein Fernsehteam, um ihren ältesten Holocaustüberlebenden zu interviewen.
Ein sehr interessantes und dichtes Buch in dem György Dalos mit feiner Ironie Kritik am Sozialismus und wahrscheinlich auch am neoliberalen Orban-Budapest übt, das seine Ökonomen und Intellektuellen in das soziale Elend treibt. Jetzt verstehe ich auch, warum sich Gabor nicht einfach an das AMS wendet, sondern einen Betrug begeht, das habe ich György Dalos damals in der “Alten Schmiede” ja gefragt. Das ist die Überhebung, ist das Ganze ja ein Schelmenroman, nicht chronologsich geschrieben, sondern springt zeitlich hin und her. Am dichtesten habe ich die Stellen empfunden, wo Gabor seinen Vater begräbt und nach und nach seinen Tod verheimlicht und von György Dalos, den ich ja immer wieder bei Lesungen sehe, habe ich einmal in Andalusien im heißen Zelt “Der Versteckspieler” gelesen, das mich auch sehr beeindruckt hat, weil es ebenfalls, um einen “sympathischen Taugenichts im ungarischen Kommunsmus zwischen Anpassung und Widerstand geht.”

Mängelexemplar

Nun kommt die Besprechung eines Buches mit Themen, die mir eigentlich sehr bekannt sein müßten und die mich doch am Anfang etwas ratlos machten und ich hätte dem Roman bis etwa zur Mitte zwei Deutungen geben können, dann kommt ein Knick und plötzlich wird die Fortsetzung in einem ganz anderen Ton erzählt und man kann sich die Geschichte wieder auf eine ganz andere Art und Weise interpretieren.
Da ist Karo, sie ist siebenundzwanzig und wie in der Beschreibung steht “klug, kokett, liebenswert und unnahbar und fällt vollkommen unerwartet in einem Abgrund.”
Als das Buch beginnt, ist sie aber schon wieder davon heraus, geht sie doch zu ihrem neuen Psychiater und beginnt mit “Eine Depression ist ein fuckig Event!” und der Psychiater schaut auch noch ein bisschen “wie Niels Ruf, nur weniger Arschloch!” aus.
Nun muß ich gestehen, keine Ahnung zu haben, wer Niels Ruf ist und ob es ihn wirklich gibt. Ich bin aus dem Prolog auch noch nicht wirklich klug geworden, dann geht es aber mit den Geschehnissen vor einem Jahr weiter und da beschreibt Karo sich selbst.
Eigentlich hat sie keine Probleme, ja, den Job als Eventmanagerin hat sie verloren und jobt jetzt als Kellnerin und die Oma bezahlt die Miete und in ihrer Beziehung mit Philipp fühlt sie sich auch nicht wirklich glücklich. Also beginnt sie eine Therapie, einfach so und fragt sich während sie die Stufen zur Praxis von Frau Diplompsychologin Görlich, später Anette genannt, hinaufgeht, wie sie sich anstellen muß, um bei den “Psychocasting” genommen zu werden?
Sie wird genommen und Frau Görlich sagt dann noch den Satz “Sie wurden einfach zu oft alleingelassen” und die schnodderige Karo witzelt weiter, ob ihre Diagnose für die Krankenkasse wichtig genug ist, daß die Hundert Euro pro Stunde für sie zahlt. Was für ein Satz. Ist der in Deutschland wirklich so hoch? Ich arbeite für fast die Hälfte und die schnodderige Art der lieben Karo ging mir am Anfang auch auf die Nerven. Was ist das? Eine Parodie auf das Leben und die Psychotherapie?
Dann fängt sie aber an zu weinen und hört nicht mehr damit auf. Zuerst trennt sie sich aber von Philipp, einfach so, als sie ihn von einer Reise abholt und sie eigentlich miteinander essen gehen wollten. Dann sagt Anette einen Satz und Karo beginnt sich nach Philipp zu sehnen, der will aber nicht mehr zu ihr zurück.
Karo fängt an Angst vor Messern zu haben und erlebt in der Nacht Herzanfälle, die Panikattacken sind und als sie die Geburtstagsgeschenke für ihren besten Freund Nelson einpacken will, bekommt sie derartige Anfälle, daß der sie in die Notaufnahme bringt.
Dort sagt man ihr, gehen Sie zum Psychiater und machen Sie die Therapie weiter. Als der Vater anruft ist er sehr besorgt und sie muß ihm versprechen, daß sie sich nicht umbringt. Und die harte Mutter holt sie in ihre Wohnung zurück, kauft ihr Autogene Training Kassetten und die Beschreibung, wie die ungeduldige Karo, die einzelnen Abschnitte löscht, um schneller zum Ziel zu kommen, könnte man Kabarett reif nennen. Eine fürchterliche Person, diese Karo könnte die Therapeutin denken, Anette tut das nicht und treibt sie offenbar auch nicht, wie man ebenfalls denken könnte, in die Krise hinein, denn langsam, langsam kommt Karo aus ihr heraus und der schnodderige Ton, beginnt sich zu ändern und sie beginnt wieder Glück zu haben, denn ihr Eventmanager ruft an und bietet ihr an, zusammen mit Kollegen Max einen Kindergeburtstag zu gestalten. Da blödelt Karo zwar noch eine Weile vor sich hin und schlägt Max vor, den Kinder Schnaps, Bier und Kokain zu servieren. Max sagt ruhig, das geht nicht, die Party wird ein Erfolg und schließlich bahnt sich auch eine Beziehung mit Max an. Zur Krise kommt es dann wieder, als sie mit ihm in Urlaub fahren will, da fahren sie dann mit gepackten Koffern zu Anette und die gibt Karo für alle Fälle Notfallstropfen, denn die ungeduldige Karo hat ihre Tabletten inzwischen wieder abgesetzt. Da kommt es dann, als sie schon eine vorsichtige Beziehung zu Max akzeptiert, zu einem erneuten Rückfall, so daß sie zu ihrem Traumpsychiater, der die Karenzvertretung für ihre frühere Psychiaterin Frau Dr. Kleve ist, die ihr erzählte, nur eine depressive Verstimmung zu haben. Der neue Psychiater erklärt ihr dann, es ist schon eine richtige Depression und sie braucht auch ihre Tabletten nicht absetzen, nur vielleicht etwas weniger zu Anette zu gehen, denn zu viel denken ist nicht gut.
Und ich habe verstanden, daß es die etwas schnodderig erzählte Geschichte eine Depression ist und nicht die Gegenattacke darauf, wie anfangs für mich fast rüberkam.
Das Buch “Mängelexemplar”, der 2009 erschienene Debutroman ist auch ein Bestseller geworden und die 1979 in Ostberlin geborene Sarah Kuttner war auch zuerst Fernsehmoderatorin und Kolumnistin, vielleicht deshalb der schnodderige Ton.
Ein bißchen könnte man natürlich sagen, daß es zusehr nach dem Lehrbuch geschrieben ist und der Knick fällt mir auch auf. Zuerst ist die Karo eine fürchterliche Person, die nichts und niemanden erst nehmen kann und sich ihr Leben selbst kaputt zu machen scheint. Dann kommt sie plötzlich aus der Krise und beginnt ganz zaghaft ihre Wunden und die Verletzungen zu zeigen und das mit der Psychotherapie werden die Therapeuten vielleicht auch ein bißchen anders, als die Psychiater sehen.
Trotzdem habe ich eine treffende Beschreibung einer Depression und Angststörung gelesen und freue mich auf das Buch “Wachstumsschmerz”, das im nächsten Jahr an die Reihe kommen soll.
Interessant ist vielleicht noch ein Detail. Zu Beginn des Buches, als Karo einfach so eine Therapie beginnt und sich von Stunde zu Stunde immer mehr in ihren Schmerz fallen läßt und darüber schnoddert, habe ich gedacht, ich lese schon den “Wachstumssmerz” und hätte mir das Buch als eine pubertäre Entwicklung deuten können, aber “Mängelexemplar” heißt es, weil Max ihr sagt, daß er keine Angst vor solchen hätte.

Der Kuss des Morgenlichts

Jetzt kommt ein Buch über “Nephilime”, das heißt gefallene Engel bzw. Untote, auf den Spuren von Stephenie Meyer höchstwahrscheinlich, von Leah Cohn, die ich unter dem Namen Julia Kröhn auf ihren Blog schon sehr lang verfolge und auch der Entstehung des Buches ein bißchen miterleben konnte.
Julia Kröhn wurde 1975 in Linz geboren, hat Philosophie, Theologie und Religionswissenschaften geschrieben, das erste Buch bei “Resistenz” dem rührigen Linzer-Kleinverlag, wo einige meiner GAv-Kollegen ihre Bücher haben, herausgegeben und ist dann nach Frankfurt gegangen, wo sie eine Zeitlang beim Fernsehen arbeitete, bevor sie unter verschiedenen Pseudonymen und Identitäten, Julia Kröhn, ist auch dabei dabei, historische Romane, Romane über Patagonien, Kinderbücher, etc herausbrachte.
Sie scheint eine sehr disziplinierte und bemühte Schreiberin zu sein und es war sehr spannend von den verschiedenen Identitäten, Lizenzausgaben, etc auf ihrer Seite zu lesen, dann hat sie ein Kind bekommen, weniger gebloggt und ist jetzt hauptsächlich auf Facebook unterwegs, wo ich nicht hineinkomme.
“Der Kuss des Morgenlichts”, das Buch, das mich wohl auch am meisten interessiert, ich habe ein bißchen einen kitschigen Geschmack und das Historische von den Ammen und den Päpsten im Frankreich des Mittelalters interessiert mich nicht so sehr, lag vorige Weihnachten bei “Thalia” auf dem 3.99 Stoß und so war es ein sehr spannendes Lesen, das ich vorhin bei meinem viereinhalb Tage Marathon mit dem Rad an der Traisen hatte.
Es spielt in Salzburg und bei Hallstadt, also auch eine schöne Sommerfrischengegend und da ist Sophie Richter, zu Beginn gerade neunzehn Jahre alt, sie studiert am Mozarteum, will Pianistin werden, ist aber so schüchtern, obwohl enorm begabt, daß sie von ihren Kommilitoninnen “Japanerin” genannt wird und die fesche Hanne Lechner, die Sängerin werden will, stellt ihr den begabten Cellisten Nathanael Gregori vor, das heißt sie nimmt sie in den Saal mit, wo er Rachmaninov spielt, will mit ihm Klavier spielen, aber der will das nur mit Sophie und eine schüchterne Liebe beginnt, wo Sophie erst einmal ein paar Wochen, wie in Trance herumläuft oder mit ihm auf den Mönchsberg geht. Nathanael hat aber eine unangenehme Eigenschaft, er verschwindet regelmäßig, ohne zu sagen, wo er war und erzählt auch sonst kaum was von sich. Er scheint auch nichts zu essen, küßt aber ausgezeichnet im Morgenlicht und so kommt es dazu, daß Sophie von ihm schwanger wird, worauf er ihr einen bösen Brief schreibt und verschwindet.
Sieben Jahre später hat Sophie das Klavierspiel aufgegeben und schreibt jetzt Musikerbiographien, hat von ihrem Vater ein Haus am Hallstädtersee geerbt, in dem sie nun den Sommer mit ihrer Tochter Aurora verbringen will, weil sich die nach ihrem siebenten Geburtstag seltsam verändert hat und fast autistisch vor sich hinstarrt.
In der revoierungsbedürftigen Villa wird es aber auch nicht besser, taucht da doch ein schwarz gekleideter Mann namens Caspar von Kranichstein auf und beginnt Aurora zu hypnotisieren, so daß sie plötzlich Englisch, sowie Italiensich spricht, Gedankenlesen kann und alles weiß.
Sophies Freundin Nele, die Kinderpsychologin ist, rät ihr ein Kindermädchen zu nehmen und es stellt sich auch eine Cara mit grünen Augen vor und als Sophie einmal ihr Telephongespräch belauscht, hört sie Sätze wie “Sie hat keine Ahnung, man sollte sie einweihen” etc.
Sophie bricht zu Caras Haus auf und trifft dort Nathanael wieder, sieht ihn in der Nacht mit Caspar mit dem Schwert kämpfen und legt ihm ihr Handy hin, damit sie noch ein Telephongespräch mitbkommen kann.
Da hört sie dann etwas von “Felim” oder “Filim” und das kluge Töchterchen klärt sie auf, daß sie nach “Nephilim” goolen oder besser in der Bibel nachschauen soll.
Da kommt aber schon Nathanael mit Cara, der ihr alles erzählt. Er ist ein solcher Engel, da gibt es böse und gute, er ist ein Guter, hat aber auch schon Menschen getötet, darunter einen Cellisten, damit er seine Fähigkeiten bekommt. Ja richtig, in Salzburg, aber auch jetzt, traten ungeklärte Mordserien auf, wo Menschen das Herz herausgeschnitten wurde, ect.
Caspar ist ein böser und er und Nathan sind verfeindet und wollen die Macht übereinander bekommen und auch Aurora haben, bei der sich nach dem siebenten Geburtstag die nephilimen Kräften entwickelt haben, die jetzt gefördert werden müßen.
Nachdem Sophie alles weiß, kommt es zu Kämpfen, denen gegenüber auch die Polizei machtlos ist, Cara soll ihren Bruder, das ist Caspar, sie hat die Seiten von den Bösen zu den Guten gewechselt, töten. Caspar will zuerst Sophie und dann Aurora in die Gewalt bekommen, die kämpft auch schon mit dem Schwert, rollt dann aber einen Abhang hinunter und als sie im Krankenhaus wieder erwacht sind ihre übersinnlichen Kräften weg und kann sich an die Zeit nach ihren siebenten Geburtstag nicht mehr erinnern.
Nathan nimmt Sophie das Versprechen ab, doch wieder Klavier zu spielen, versichert sie seiner Liebe. Er ist nur um sie zu schützen geflohen und Cara hat ihren Bruder doch nicht getötet, so daß er, wie die letzten Worte lauten, wenn er auch keine Ahnung hat, wozu, weiterleben wird.
Ich weiß das vielleicht ein bißchen, gibt es inzwischen ja einen zweiten Band “Der Fluch der Abendröte”, wo Auroras magische Kräfte vielleicht wieder begonnen haben.
Weitere Bände, steht auf Julia Kröhns Seite, sind nicht geplant. Jetzt hat sie unter Sophia Cronenberg “Das Efeuhaus” geschrieben, das ich ich bei meinem Buchhandlungstag bei “Thalia” gesehen, aber irgendwie vergessen habe, hineinhzuschauen.
Eine fleißige Schreiberin, die auch unter Carla Federico aktiv ist, mit ihren Pseudonymen, wie sie bei Gebrauchsschreiberinnen üblich zu sein scheinen und von den Verlagen so verlangt werden, wie sie bei Interviews sagt, keine Probleme hat und sich bei Lesungen auch mit “Guten Tag ich bin Julia Kröhn und lese jetzt aus einem Buch, wo ich als..” vorstellt. In der Fischer-TB Ausgabe wird bei den Biographienangaben aber von dem Pseudonym nichts erwähnt.

Mias Flucht

In “Mias Flucht – Der Weg in die Freiheit” erzählt die schwedische Krimiautorin und Journalistin Liza Marklund gemeinsam mit Maria Erikson deren Geschichte, die Geschichte einer schwedischen Frau, die von ihrem libanesischen Exverlobten, von dem sie ein Kind bekam, verfolgt und bedroht wurde. Zu Beginn des Buches ist Mia oder Maria, mit Anders verheiratet, Emma, um die ein Sorgerechtstreit besteht und die stark traumatisiert und verhaltensauffällig ist, ist fünf, der kleinere Bruder, das Kind das Maria von Anders hat, den sie später heiratete ist drei und die Familie kommt von einem nicht näher beschriebenen Auslandsaufenthalt wieder nach Schweden zurück.
Seit Jahren lebt sie mit verborgener Identität, vom Sozialamt unterstützt im Untergrund und will eigentlich auswandern. Da hört Maria von einer tollen Organisation, die solche Auslandaufenthalte vermittelt. Eine Journalistin namens Hanna Lindgren gibt ihr die Telefonnummer einer Katarina Nilsson Strömlund, die sich mit ihr in einem Hotel vor Stockholm trifft, sie vierzig Minuten warten und dann auch noch den Krabbensalat bezahlen läßt, aber verspricht, etwas für sie tun zu können, wenn sie das kinderpsychiatrische Gutachten von Emma bekommt und die Behörden für sie bezahlen.
Inzwischen wird die Familie bei einem Ausflug auf einen Rummelplatz von Emmas Vater verfolgt und angegriffen, die Verfolger kommen auch noch in die Wohnung. Mia will aber keine Anzeige, ruft nur bei Katarina an, die ihr einen Notschlafplatz in einem verfallenen Haus, wo auch das Büro untergebracht ist, verspricht. Gibt es einen regulären Platz, gibt es Köchinnen, Ärztinnen, Freizeitpädagogen, Psychologen, etc, jetzt nur ein paar alte Betten und ein Büro, wo ständig das Telefon läutet und gelegentlich Katarina und ein paar andere Personen hinkommen.
Katarina erscheint manchmal mit einer Bibel in der Hand und einmal möchte sie von Mia, daß sie Hanna Lindgreen ein Interview gibt. Sie bringt auch ein paar Frauen, um die sich Mia kümmern soll, was sie auch tut, dann geht Mia ans Telefon und bekommt heraus, daß Katarina nur Geld vom Sozialamt fordert, die Frauen aber in andere Notbetten sperrt und ihr Team nur aus ihrer Familie besteht.
Das Sozialamt will aber für Mias Betreung bezahlen, die sagt aber rechtzeitig ab, informiert Hanna Lindgren über den Betrug, läßt sich von einer Freundin, einer Bankbeamtin, eine Wohnung besorgen, in die sie mit ihrer Familie zieht und fängt zu spekulieren an, damit sie selbst nach Chile, sie war früher offenbar Flüchtlingsbetreuerin und hat diesbezügliche Kontakte, flüchten kann.
Erst gibt es aber einen Rechtsstreit, Katarina hat Hannas Zeitung verklagt und die läßt die Journalistin fallen und das neue Sozialamt kümmert sich nicht um Mia, will ihr aber ihre Kinder, Emma sollte längst zur Schule gehen, wegnehmen.
Der Antrag, die Übersiedlung nach Chile zu bezahlen, wird auch abgelehnt, so streckt Hanna das fehlende Geld vor, Mia, die inzwischen begonnen hat, ihr Leben aufzuschreiben, verkauft das Reihenhaus, das es vom früheren Leben gab, feiert mit ihrer Mutter endlich Weihnachten, dann besteigt die Familie das Flugzeug nach Santiago de Chile und der erste Teil die “Flucht” ist beendet.
Im zweiten Teil “Exil”, findet Mia nach kurzen Anlaufschwierigkeiten einen Platz in einer Privatschule für die Kinder, ein Haus und macht in der Schule, in der reiche Ausländer ihre Kinder haben, eine Imbißbude auf, die ein Erfolg wird.
Emma ist von der Schule ganz begeistert und es gibt nur gelegentliche Rückfälle in ihre Verhaltensauffälligkeiten, Robin bekommt zwar Asthma, aber sonst klappt die Assimilierung gut, es gibt auch keine Schwierigkeiten mit der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.
Mia beginnt sich auch um ein Straßenkind zu kümmern und ihm den Schulbesuch zu ermöglichen.
Dann kommt es für mich zu zwei unlogischen Rückflügen nach Schweden, das erste Mal, um ihr Buch, das sie mit Hanna geschrieben hat, vorzustellen, Interviews zu geben und in Fernsehshows aufzutreten und ich dachte, sie wäre auf der Flucht und keiner darf wissen, wo sie ist und das zweite Mal, als Hanna ihr mitteilt, daß ihre Schutzfunktionen weg und ihre Daten wieder für einsichtbar sind, wozu braucht sie die noch, wenn sie nun in Chile lebt?
Sie muß mit der ganzen Familie wieder zurückkommen, um sich bei einem Chef einer Steuerbehörde vorzustellen und darf dem aber nicht sagen, daß sie aus Chile kommt, außerdem erkrankt Mia auch noch an einer Hepatitisinfektion und wird für einige Zeit in ein Spital eingesperrt.
Nach drei Jahren hin und herreisens wird die Schule verkauft, die Familie verliert ihre Wohnung und Mia den Imbißstand, so daß sie beschließt zu einer Schulfreundin Emmas nach Amerika zu reisen, die sie zu einer Hochzeit eingeladen hat und dort Asyl zu beantragen, was ihr nach einigen Rückschlägen, so geht ihre Ehe drauf, für eine Blinddarmoperation des Sohnes hat man fünfzehntausend Dollar zu zahlen und der 11. September wirft auch seine Schatten, schließlich gelingt.
Die Geschichte, die in den Neunzehnneunzigerjahren begann, wurde von Liza Marklund und Maria Erikson, 2009 in Stockholm herausgebracht. Am Schluß gibt es einen Hinweis des Verlags, daß das Buch nicht nur, reale, sondern auch fiktive Teile enthalten soll. Einen ersten Band, “Mia. Ein Leben im Versteck”, wo wahrscheinlich die Vorgeschichte erzählt wird, gibt es auch und ich fand die Schilderung von Gewalt, die auch in Schweden, einem der demokratischsten und sozialistischsten Ländern, möglich ist, sehr interessant, obwohl es natürlich schade ist, Teil eins nur in Form des Prologs am Anfang des Buches mitbekommen zu haben.
Ich habe von Liza Marklund einmal “Prime Time” von der Elfi zum Geburtstag bekommen, war, glaube ich, auch bei einer Lesung im Literaturhaus und über “Nobels Testament” habe ich auf dem blauen Sofa in Leipzig gehört.

St. Pöltens Bücher

Über die Buchhandlungen in St. Pölten, respektive den “Thalia” in der Kremsergasse habe ich ja schon öfter geschrieben, bzw. habe ich mich dort hinbegeben, um die Abverkaufskisten zu plündern oder mich auch mal nach dem Putzen auszuruhen oder ein 5 Stunden Urbanwriting an den schönsten Plätzen der Stadt, eine Idee auf die mich um Weihnachten Anni Bürkl brachte, zu machen.
Diese Idee mich an fünf Tagen je fünf Stunden in die Stadt zu begeben, habe ich auch im September in Wien vor, wenn es an das Plotten des “13-Kapitel”-Projektes geht.
Jetzt habe ich mich mal zwei Monate zur Sommerfrischen-Stadtschreiberin gemacht und da sollten St. Pöltens Bücher oder die Buchhandlungen der Stadt drinnen sein.
Denn Buchhandlungen sind natürlich im Zeiten des Bücherumbruchs und des Buchhandelssterbens ein wichtiges Kulturgut, obwohl für mich ja nicht unbedingt so sehr. Habe ich ja eine Bücherliste zehn Jahre im Voraus und gehe lieber zu den Bücherschränken, als zu den netten Einzelbuchhändlern, die mich nur anzuschauen brauchen, um mir dann fünf Bücher auszusuchen, für die ich ihm einen Hunderter hinlege.
Das mache ich natürlich nicht. Deshalb bin ich für den Buchhandel wahrscheinlich auch eher ein Schreckgespenst, als ein gern gesehener Gast, obwohl mich der Hauptverband immer gratis auf die Messe läßt und mich Ingrid Führer im Mai auch auf eine Buchparty einlud.
Trotzdem gehören Buchhandlungen zum Stadtschreiben, hat Cornelia Travnicek, die derzeitige Stadtschreiberin von St. Pölten Wolfgang Tischer für seinen Bachmann-Podcast ja in die Buchhandlung Heyn in Klagenfurt gebeten und die ist sehr kundenfreundlich, trägt den Müttern den Kinderwagen hoch und hat auch ein paar Katzen mit denen die Kinder spielen und signierte Bücher hält sie auch in großen Stapeln bereit.
Jetzt bin ich auch nicht unbedingt eine Autogrammsammlerin und lasse mir nur selten etwas unterschreiben, daß das Buchhandlungssterben aber in aller Munde ist, das kann man auch auf Steglitz-Blog bemerken, die dort regelmäßig Buchhändler und Händlerinnen interviewt, die erklären, warum man in eine Buchhandlung gehen soll?
Ich tue das eigentlich nur, wenn ich eine Abverkaufskiste draußen finde oder wie jetzt, wenn ich darüber schreiben will. Als ich das das letzte Mal zu Weihnachten machte, war ich vorher beim Friseur und habe dort die St Pöltner Stadtzeitung “mfG” gelesen und erfahren, daß engagierte junge Frauen, meist Sozialarbeiterinnen, kleine Geschäfte in der Stadt aufmachen.
Darunter eine Buchhandlung in der Schreinergasse, die wollte ich mir schon immer anschauen, habe es das letzte Mal aber irgendwie nicht geschafft, weil ich nicht wußte, wo die Schreinergasse ist. Als ich dann am Freitag vor zwei Wochen kurz nach sechs dort war, habe ich sie nicht gefunden und jetzt, am Mittwochmorgen, wo ich meinen Buchhandlungstag machte, ging ich durch die Schreinergasse, aber keine Buchhandlung, nirgends.
Es gibt aber den “Thalia”, der vor einigen Jahren noch unter dem Namen “Amadeus” in der Kremsergasse eine Filiale aufmachte und gleich einige Buchhandlungen, darunter das “TaBü” mitnahm, wo wir der Anna öfter etwas kauften. Die ehemalige Buchhändlerin von dort, habe ich dann einige Male gesehen, es gab auch einige Zeit ein samstägiges Brunch, jetzt ist sie, glaube ich, schon in Pension und bei der Abverkaufskiste, bei der, wo die Bücher 3.99 kosten und wenn man drei nimmt, ist das vierte gratis, bin ich am vorigen Samstag das letzte Mal mit dem Alfred gewesen und habe mir acht Bücher genommen, die nicht unbedingt nötig waren und auch nicht unbedingt so besonders, als ich heute meinen “St. Pöltner-Büchertag” dort begann, habe ich gleich Interessanteres gesehen, wollte aber keinen Großkauf machen. Dann habe ich aber Helene Hegemanns “Axolotl Roadkill” entdeckt und konnte nicht widerstehen und als ich vorher beim Suchen der neuen Buchhandlung, am Bücherflohmarkt der städtischen Bücherei vorbeigekommen bin, habe ich zwei ganz alte Bücher Heines “Buch der Lieder” und den “Der Golem” von Gustav Meyrink entdeckt. Man sollte fünfzig Cent dafür zahlen, die Büchereifiliale war aber noch geschlossen.
Ein Programm für meinen Buchhandlungstag habe ich mir auch festgelegt. Zuerst kurz den Abverkaufstisch umschnuppern und dann schauen, was es Neues gibt? Fünf Bücher aussuchen und je ein Kapitel daraus lesen. Das klingt spannend, obwohl ich bei solchen Aktionen meistens nicht sehr geduldig bin. Eine Buchhändlerstimme war auch zu hören, die einem Herrn erklärte, daß das Buch, das er suchte nicht mehr im Handel zu bekommen sei. Der Verlag hätte es herausgenommen. Es gäbe um 9.90 aber noch ein paar Restexemplare und er zählte auch gleich die Filialen auf, wo es noch zu bekommen wäre.
“Der Onlinehandel zerstört sehr viel!”, erklärte er noch und ich hatte das, wovon ich immer lesen kann, nun auch direkt bestätigt bekommen. Bei den Büchertischen fand ich einiges Bekanntes. Die Doris Knecht, Zdenka Becker und die Bücher, die die Blogger derzeit lesen. Cornelia Travniceks “Chucks” und Milena Michiko Flasars “Ich nannte ihn Krawatte” nicht mehr. Dafür waren die Bücher von Joachim Meyerhoff auf den Bestsellerstapeln zu finden. Dann gab es noch einen Chick Lit Tisch und einen mit den Krimineuerscheinungen und da bin ich gleich fündig geworden.
“Axolotl Roadkill” hatte ich schon in der Hand und werde es noch diesen Sommer lesen.
Bei den Krimis gab es Anni Bürkls vierten “Göttinnensturz” und da warte ich ja schon, eimal etwas im Schrank zu finden, war bei der Präsentation des ersten “Schwarztee” in Lihotzkys Literatursalon und bei “Ausgetanzt” gab es eine große Diskussion, die mich zu den “Sommerlöchern” veranlaßte, also habe ich gleich ein hineingeschnuppert, denn die Teelady Bernike hat ja im Ausseerland einen Teesalon und findet immer wieder Leichen und bei Beate Maxian, die ich vor einigen Wochen in der Hauptbücherei hörte, geht bei “Tod hinterm Stephansdom” eine schwarze Frau in der Blutgasse spazieren, bzw. ermordet offenbar eine solche im ersten Kapitel einen Mann und scheint sich bei ihm für etwas zu rächen. Dann war noch Hannes Steins “Der Komet” interessant, denn da geht es um Wien und um eine Utopie, was gewesen wäre, wenn der Thronfolger in Sarajewo nicht ermordet worden wäre und es World War I und II nicht gegeben hätte?
Im ersten Kapitel fährt jedenfalls einer mit einem alten Aufzug, von denen es einige auch noch zu geben scheint, hoch, besucht einen literarischen Salon und hört einer Lesung einer steirischen Slowenin zu. Joachim Meyerhoffs zweites Buch “Wann wir es endlich wieder so wie es nie war,” wo er seine Kindheit in der Psychiatrie beschreibt, habe ich mir auch geholt, da hat meine Geduld aber nicht mehr für das ganze erste Kapitel gereicht, habe ich ihn ja auch schon bei “Rund um die Burg” gehört und in Klagenfurt hat er auch gelesen und da wurde auf den Blogs diskutiert, ob er eine Stelle aus dem Buch gebracht hätte, aber das darf nicht sein, da wird man vom Wettbewerb ausgeschlossen, wie es Gabriele Petricek einmal passierte.
Das fünfte Buch war dann der Roman von Roman Ehrlich mit dem er keinen Jurypreis sondern nur den der automatischen Risenmaschine gewonnen hat. Den Roman “Das kalte Jahr”, das gleich nach dem Leser bei “Dumont” erschienen ist und in dem einer nach einer Umweltkatastrophe in sein Elternhaus kommt und dort nur ein fremdes Kind findet, das an Bomben oder an ähnlichem bastelt.
Inzwischen wurde es in der Buchhandlung immer voller, ich habe noch kurz in Rene Freundlichs “Unter Fischen” hineingeschnuppert, den umtriebigen Buchhändler zu einer Frau sagen hören, daß es die von ihr gewünschten Bücher nur mehr im Antiquariat gäbe und festgestellt, daß es Sarah Kuttners “Wachstumsschmerz” und “Mängelexemplar” noch im reglären Verkauf gab. Eines von den beiden hat mir der Alfred um Weihnachten am Abverkaufsstoß gekauft, das andere gab es in der Billig-Buchhandlung in der Wienerstraße, die damals zusperrte.
Als ich soweit war, war es halb zwölf und ich bin zum Mc Donald gegangen, um mir einen Cheeseburger mit Tomate und kleinem Pommes frites und danach noch ein Eis zu kaufen und bin dann in den “Schubert” in die zweite St. Pöltner Buchhandlung gegangen, die es noch gibt, nachdem ich die neue nicht gefunden habe. Dort hole ich mir ja manchmal das Buch zum 23. April und habe 2009 nach dem Buch zum deutschen Buchpreis gefragt.
Da gab es auch eine Abverkaufskiste, einen Novitätenstoß und einen Buchhändler der freundlich grüßte.
Ja, richtig, ein Leseprobenbüchlein habe ich bei “Thalia”, dort, wo sich das ehemalige Cafe, das es jetzt nicht mehr gibt, befand, auch bekommen. In Jennifer Shaw Wolf “Wo die Liebe totet” und in Karen-Susan Fussel “Liebe macht anders” kann ich mich hineinlesen und dann werde ich mich für den Rest der Woche auf einen Lesemarathon begeben und “Fünf Bücher in viereinhalben Tagen” oder so lesen und mit Sarah Kuttners “Mängelexemplar” beginnen.

All you can read

Weil ich Bücher über Bücher liebe, habe ich im Vorjahr zugegriffen, als auf dem Abverkaufsstapel bei “Thalia” in St. Pölten Nick Hornby “All you can read – Bücher die ich kaufe – Bücher die ich lese”, lag. Das war dann zweite Bücherbuch meiner heurigen Leseliste, habe ich ja schon Kurt Bracharz “Für reife Leser” im April gelesen und bin jetzt ein bißchen enttäuscht. Weil wieder nicht sehr viel verstanden, dabei handelt es sich um keinen experimentellen Text und bei Bücher kenne ich mich ja aus, sollte man meinen. Wie man sich täuschen kann!
Wenn ein englischer Autor in der englischen Zeitschrift “Believer” eine Kolumne hat, in der er von 2005 bis 2006 über die Bücher die er las und die er kaufte, schreibt und das Buch die Fortsetzung von einem anderen, nämlich “Mein Leben als Leser” ist, kann sich sogar eine so Bibliophile, wie ich, schwer tun, noch dazu, da die angegebenen Bücher mal auf Deutsch, meistens aber auf Englisch zitiert werden.
Und ich lese ja vorwiegend deutsche bzw. österreichische Gegenwartsliteratur. Sicher, von einigen Büchern, sie werden zu Beginn von jeden der vierzehn Kapiteln bzw. Kolumnen angeführt, habe ich schon etwas gehört.
Philip Roth ist mir natürlich ein Begriff und Bob Dylan auch. Andrej Kurkows “Picknick auf dem Eis” habe ich gelesen, trotzdem macht es einer, behaupte ich mal, der 1957 geborene Autor in der Art und Weise, wie er da lässig über die Bücher, die er las, bzw. kaufte, schreibt, nicht leicht, denn er wirft sehr schnoddrig ein paar Sätze darüber hin, erzählte meist etwas anderes, schimpft über die Zeitschrift für die er arbeitet, erzählt von seinem Schwager Robert Harris und über die Bücher erfährt man nicht so besonders viel.
In der Einleitung steht aber etwas übers Lesen, was ich mir selbst schon dachte und das mich neugierig machte.
“Machen wir uns nichts vor. Das Buch buhlt um unsere Aufmerksamkeit und hat dabei starke Gegner. Wir müssen uns immer häufier zwischen Playstation, CD-Player, Kino, Fußballstadion und Literatur entscheiden.”
Wir erinnern uns, Nick Hornby ist ein begnadeter Fußballfan. Sein “Fever Pitch” war einmal Gegenstand der “Eine Stadt- ein Buch Aktion”, da habe ich mir mit dem Lesen auch nicht leicht getan, aber Fußball interessiert mich nicht, während das bei Büchern anders ist.
Übrigens habe ich von Nick Hornby auch noch “How to be good”, als Hörbuch konsumiert und da habe ich mir leichter getan.
Es geht also los und was ist mir, die ich ja eigentlich auch eine reife Leserin bin, hängengeblieben?
In der ersten Kolumne wird über die Zeitschrift “Believer” hergezogen und Philip Roths “Verschwörung gegen Amerika” mit “Chronicles” von Bob Dylan verglichen. Auf der Bücherliste stehen dann noch Bücher von Tom Wolfe “Ich bin Charlotte Simmons” und andere, die ich nicht kenne.
Bei Nummer 2, geht es um Bücher von Kate Atkinson und Ruth Rendell, sowie “Wie man Fanatiker kuriert” von Amoz Oz und “The Man of the Moon” das Hornby offenbar seinem kleinen Sohn oftmals vorlesen mußte. Ich habe mir auch noch etwas von einem jungen Mann, der sich eine Zeitlang in einem Altersheim aufhielt, um ein Sachbuch zu schreiben, gemerkt.
Bei 3 wird es interessant, zwar sind mir da die Bücher “Saturday” von Ian Mc Ewan und “Bullshit Nights” von Nick Flynn, die beschrieben werden, mir nicht sehr bekannt, was sich auch nach der Lektüre des Artikels nicht verändert, aber Hornby geht zum Friseur und dieser erzählt einer Kundin “Das ist ein berühmter Schriftsteller!”, worauf das hübsche Mädchen ihn erstaunt anschaut und “Kenn ich nicht antwortet!” Es stellt sich heraus, außer Enid Blyton, die sie auch noch falsch ausspricht, hat sie von Bücherschreibern keine Ahnung.
Bei Nr. 8 hat Hornby kein Buch gekauft und gibt als Grund dafür die Bombenanschläge in London an. Der Verlag schickt ihm aber Voltaires “Candide”, das er liest, weil man Klassiker gelesen haben muß, es hat auch nur neunzig Seiten. Er kommt dabei auf allgemeine Erkenntnisse und darauf, daß er in seinen Regalen schon eine ungelesene Ausgabe mit hundertdreißig Seiten hatte, denn das ist für einen so alten Schinken offenbar zuviel.
Bei 9 hat er sich “Was ich liebe” von Siri Hustvedt gekauft, was mir, glaube ich, die Trude Kliber zum Geburtstag schenkte und Andrej Kurkows “Picnic auf dem Eis”, das habe ich mir von einem der Rezensions-Gutscheine, die mir “Thalia” einmal schickte, eingetauscht. Kennengelernt hat Hornby die Autoren bei “tollen Literaturtagen” in Island und den Kurkow hat der in Nummer 11 gelesen, eine Kolumne, die er wieder mit “Also der letzte Monat war ein Reinfall. Dabei hatte ich mir so viel davon gesprochen. Es war Weihnachtszeit in England und ich hatte mich auf ein bisschen gemütliche Feiertagslektüre gefreut”, so wie er offenbar auch den März 05 begonnen hat. Sehr lustig und für eine die nicht über soviel Humor verfügt, ein wenig unverständlich, der Kurkow kommt aber gut weg und mir hat die Geschichte von dem Nachlaßschreiber mit dem Pinguin auf dem Balkon ja auch sehr gut gefallen. Ich habe es sicher für “Thalia” rezensiert, leider war es vor Juli 2008, also nichts davon im “Literaturgeflüster”.
Weiter gehts bei 13 mit dem “Persepolis-Comic” von Marjane Satrapi, der einmal, lang lang ists her, als es die “Literatur im März” noch gab, dort vorgestellt wurde und mit “Es liegt in der Familie” von Michael Ondaatje und eines der Ondaatje Bücher wurde, glaube ich, auch einmal in Ex Libris besprochen.
Dazwischen macht sich Hornby noch über Ghostwriter lustig, meint, daß inziwschen jeder ordentliche Schriftsteller einen solchen hat und mokiert sich darüber, daß soviele Schriftsteller über Schriftsteller schreiben.
Kurt Vonnegut kommt auch noch vor und von dem habe ich auch einmal ein Buch im Schrank gefunden, das ich noch zu lesen habe und insgesamt hat Nick Hornby in dem hundertvierzig Seiten Bändchen, wenn ich mich nicht irre, an die achtundfünzig Bücher besprochen oder sie erwähnt.
Interessant ist, daß die Amazon-Leser, bei denen ich mich in meiner Verzweiflung kundig machte, postive Rezensionen abgaben, obwohl einer zugab, von den meisten der besprochenen Büchern noch nichts gehört zu haben, aber “Hornbys kurzweilige Geschichten leuchten am zeitgenössischen Literatur-Himmel” und das ist für die Leser spannend.
Ich habs ein wenig oberflächig empfunden, aber vielleicht bin ich von falschen Voraussetzungen ausgegangen und meine Buchbesprechungen sollen ja auch nicht immer verständlich sein.
Wenn die Neugier auf das Buch geweckt wird und man es sich dann besorgt, hat eine solche Kolumne, die man ja vielleicht beim Friseur oder in der U-Bahn liest, aber ihren Sinn getan.
Sein Leben als Leser, hat mir Nick Hornby zwar nicht besonders eröffnet, aber das war ja schon das vorangegangene Buch.

Zwischen Stadtschreiben und Materialsuche

Hurrah, hurrah, es ist fertig korrigiert mein Literaturgeflüster-Texte-Buch, 214 Seiten bzw. 75.986 Worte oder 79 Artikel der letzten fünf Jahre wird es haben und liegt jetzt am Tisch am Alfred, damit er ein PDF daraus machen kann.
Wie es dazu kam, daß ich den umgekehrten Weg der Kehrtwende beschritten haben und aus den besten meiner fast 1500 Blogartikel ein “selbstgemachtes Buch” machen werde?
Erinnern wir uns, voriges Jahr geriet ich bei der “Wiedergeborenen” und auch der “Paula Nebel” in eine Krise. Nach jeweils viderzig Seiten wußte ich nicht weiter, wollte, aufhören, es wegschmeißen, dachte, ich kann es nicht, etc.
Heute weiß ich, es war wohl die fehlende Resonanz und Anerkennung, die ich ja immer noch nicht habe. Da schreibe ich und schreibe und keiner schaut hin und merkst oder wenn, schreibt er nur, daß ist das Schlechteste, Uninteressanteste, das ich je gesehen habe.
Nein, liebe Kritiker ist es sicher nicht, so prominent bin ich nicht, daß ich am schlechtesten von allen auf der Welt schreibe, ich bin wohl Durchschnitt und vielleicht auch ein bißerl patschert, so daß ich zwischen allen Sesseln sitze, aber damals, beim wiederholten Jammerartikel, im April 2012 ist mir die Idee des Literaturgeflüster-Texte-Buchs gekommen. Richtig, der Otto hat mir das schon viel früher einmal geraten. Aber da dachte ich etwas überheblich, ich machs nicht, wenns ein Verlag will, soll er sich melden. Jetzt machte ich es selbst und setzte glaube ich schon im Mai oder Juni eine Artikelauswahl zusammen. Es sollten es die eher literarischeren Texte werden, die Glossen, Reiseberichte und allgemeine Betrachtungen übers Leben und das Schreiben.
Weil der Alfred aber, als ich die Zusammenstellung hatte, in Australien war und ich mir den Text nicht selber schicken konnte, habe ich inzwischen mit “Kerstins Achterln” angefangen und als das dann auf Alfreds Schreibtisch lag, war es November und ich dachte, ich mache beim “Nanowrimo” mit. Das wurde dann mein dreißigstes Indie-Buch und etwa ab Weihnachten habe ich dann angefangen am “Texte-Buch” zu korrigieren. Das war nur scheinbar einfach, weil zweihundert Seiten sind ja viel und da hatte ich erst einmal Mühe die Apostrophe richtig zu setzen. Aber jetzt ist es geschafft und wer mir was zum Literaturgeflüster schreibt, kann eines der fünf Bücher haben, die ich zum Fünfjahrestag verlosen wollte.
Jetzt bin ich in der dritten Sommerfrischewoche fertig, die ich ja diesmal zu einem Stadtschreiben nützen will und sitze ein bißchen in der Patsche, denn eigentlich sollte ich jetzt ja meinen “Fünftagemarathon” machen” auf den Westbahnhof, in den “Thalia”, in die Innere Stadt, nach Schönbrunn, ins AKH, etc, gehen und das “13 Kapitel -Buch” recherchieren, das ich als nächstes schreiben will.
Da gibt es ja schon einige Notizen in meinem großen gelben Buch, ist mir ja bei der letzten Buch-Wien eingefallen, daß ich sowas machen will. Einen Roman aus dreizehn Kapiteln schreiben und jedes hat eine andere Person als Protagonisten, die man schon vom vorigen kennt. Daß die erste Laura Augustin heißt, sechzig Jahre wird und für zehn Jahre ungelesene Bücher im voraus hat, weiß ich schon, die anderen Einfälle habe ich inzwischen vergessen und muß mein Wissen wieder aus den Notizen aktivieren.
Aber jetzt habe ich ja noch fünf Wochen, die ich Mittwoch bis Sonntag in St. Pölten verbringen, dort Radfahren und Stadtschreiben will?
Geht das und kann man beide Ansprüche verbinden? Natürlich, ganz leicht sogar. Gibt es ja das schöne kleine Stadtschreiberbuch, das in den ersten zwei Wochen schon ziemlich voll geworden ist. Einige freie Seiten für einen Text habe ich zwar noch und die Ideen einen Tag in den St. Pöltner Buchhandlungen zu verbringen und dort vielleicht fünf Kapiteln aus fünf Bücher lesen, ist mir auch gekommen und dann wollte ich auch einen Lesemarathon mit den Sommerbüchern machen “Fünf Bücher in fünf Tagen” oder so und wenn ich mit den Harlander-Büchern und denen die ich mir aus Wien mitbringen werde, fertig bin, werde ich mich aufs Rad setzen zur Telefonzelle bei der “Seedose” fahren, ein Buch schnappen, man kann das ja gezielt oder auch im Blindversuch machen und damit lesend den ganzen Tag verbringen.
Ein paar andere Stadtschreibernotizen lassen sich sicher auch noch machen. So war ich noch nicht beim Naturlehrpfad und nicht in Herzogenburg. Aber ich kann mich ja genauso gut mit dem gelben Buch in St. Pölten in den Sparkassen- oder Schillerpark setzen, aufs Arbeitsamt, in die Krankenkassa gehen oder sonstwohin, wo ich Menschen finde und meine Notizen machen.
Das heißt ich kann ja schon als selbsternannte St. Pöltner Stadtschreiberin mit der Materilsuche oder vielleicht auch mit dem Roman beginnen. Mal sehen, wie es wird, ich bin ja sehr schnell und sehr diszipliniert und diesmal soll es auch wirklich der große Roman werden, mit dem ich mich übertreffe und der alle interessiert! Es gibt ja noch sehr viel Zeit und eine Sommerfrische ist für ein Romanrohkonzept sicher gut geeignet.

Meine erste Reise

Sechzehn wahre Geschichten, herausgegeben vom FAZ Redakteur Hans Scherer, geschrieben von Autoren und von Redakteuren, die zum größten Teil in einer Sommerserie des “Reiseblattes” der FAZ erschienen sind.
Am Titelbild des Diogenes Taschenbuch, aus dem Jahr 1998, das ich vor einiger Zeit im “Wortschatz” fand, sitzt ein schönes Mädchen im Fünfzigerjahrelook mit einem blau-weiß gestreiften Bikini, einem Pferdeschwanz, neben einem Mofa und lächelt freundlich und ich habe mir das Buch für die Sommerfrische, bzw. die Montage und Dienstage in Wien aufgehoben.
Denn die Geschichten kann ich ja einzeln lesen und man kann sich das Buch auch für das Platzbesetzen bei den Filmfestivals am Karls- oder Rathausplatz mitnehmen.
Nun bin ich ja eine, die Kurzgeschichten gar nicht so gern mag, da ich sie aber immer wieder finde, habe ich mich an das Lesen schon gewöhnt und die ersten Reisen von Schriftstellern wie Walter Klier, Jens Sparschuh, Martin Mosebach oder FAZ-Redakteueren, sind ja für eine, die gar nicht so besonders reiselustig ist, ihre ersten Reisen aber wahrscheinlich in den Fünzigerjahren in der Beiwagenmaschine des Vaters, mit den Eltern und der Schwester Uschy durch Österreich machte, um einmal den Großglocker zu sehen, sicher interessant. Heuer haben wir auch keine Reise geplant, also ist es interessant, ein bisschen hineinzuschnuppern, wo die Redaktuere und die Schriftsteller, wie Hans Scherer in seinem Vorwort schreibt, “das erste Mal ohne Eltern, hilfreiche Onkel, Tanten, Großeltern und ohne Schutz einer Schule oder Jugendorganisation hingekommen sind.”
Für die 1946 in Nantes geborene Gabrielle Wittkopp-Meinardeau war das Nizza und sie schildert diese Stadt an der Cote d` Azur, die in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts das Refugium der Reichen und der Schönen war, ehe sie zum Massentourismus verkommen ist, auch sehr genau.
Hans Scherer erzählt dann von seiner ersten Reise nach Norderley, das ist in Friesland, er ist sechzehn und es geht ihm nicht gut, die Mutter schickt ihm eine Woche hin, er wohnt im Kurhotel, daß es später, als er die Reise zu Recherchezwecken nicht mehr gibt, wurde es doch um ein schickes Nordeseebad zu machen im Zeiten des Wirtschaftswunders abgerissen. Ein Heine-Denkmal gibt es auch.
Gustav Seibt erzählt von seiner Reise nach Rom, das war schon seine zweite, das erste Mal war er nach der Matura oder dem Abitur, wie das in Deutschland heißt, mit der Klasse da, da zweite Mal ist er mit einem Freund von Siena aus zu Fuß hinmarschiert und hat natürlich viel mehr gesehen.
Hans H. Krüger war als junger Mann in Südostasien, da hat ihm die FAZ wahrscheinlich die zweite Reise nicht mehr hinspendiert und der 1927 geborene Ludwig Harig erzählt in einem Romanausschnitt wieder von einer Nizza-Reise, da ist einer mit einer Frau und seinem Bruder in einem grünen Auto im Sommer 1953 hingefahren. Während Dirk Schümer eine Bildungsreise nach Florenz schildert, die noch dazu in einem Zelt auf einem Campingplatz verbracht wird.
Martin Mosebach, von dem ich ein Frankfurt-Buch gelesen habe, geht auf große Wallfahrt nach Vierzehnheiligen und schafft die große Schlachtplatte nicht und Ulrich Weinzierl, erzählt von vielen Reisen, die er als junger und auch älterer Mann gemacht hat. Als Dreizehnjähriger mußte er die Großmamama durch Euroüpa begleiten, nur 1968 wollte sie nicht nach Paris, den studentischen Unruhen wegen nicht und dem “Radetzkymarsch” hat sie ihm wegen seiner erotischen Szenen wegen auch vorenthalten, das kann ich nun nicht ganz nachvollziehen, aber Weinzierl war auch bei den Salzburger Festspielen und hat dort Thomas Bernhard gesehen und noch viel mehr. Ein interessanter Text, dem man die schriftstellerische Ader anmerkt, während es Jens Jessen mit seinen Eltern nach Dänemark verschlagen hat und der Schriftsteller Jens Sparschuh schwärmt von der sächsichen Schweiz, in der ich auch schon mal war, aber diese Reise kann man nicht wiederholen.
Paul Ingendaays Reise ging nach Irland und beim Widerkehren stellte er mit Bedauernd fest “Was bleibt, ist der Plüsch der Seele” und hatte Schwierigkeiten mit dem modernen Irland von heute, das nicht mehr so wie damals war, als er mit Frank, der schon einmal ein Jahr Englischlehrer in Peking war, ein Zimmer bei Mister Carey einem ehemaligen Polizisten mieten wollte.
Mit Siegfried Diehl geht es dann endlich nach Giechenland, dorthin wo alle wollten, als ich studierte, aber die jungen Männer in dem Buch, mit einer Ausnahme sind alle Männer, die über ihre ersten Reisen schreiben, waren meist in den Fünfzigerjahren auf diesen und Griechenland wurde damals noch genauso als Bildungsstädte wie Italien besucht. Sirtaki mit Alexis Corbas fing man erst später an zu tanzen und Udo Iwannek fuhr nach Boston weil ihm ein Freund eine Baseballkappe von den Red Sox mitbrachte.
Der Tiroler Walter Klier, den ich von seiner Zeitschrift “Gegenwart” kenne und der mit Stefanie Holzer 1990 unter dem erfundenen Pseudonym Luciana Glaser den Roman “Winterende” herausgegeben haben soll, beschreibt wie er mit sechzehn in England war und “Weinen mit Meryl Streep” von Lutz Herbert ist besonders insteressant. Da fährt einer nämlich nach Bad Harzburg, dicht an der ehemaligen DDR gelegen, um sich dort in ein Hotel einzuquartieren und endlich seinen Führerschein zu machen. Die vielen Kinos haben ihm nämlich bisher daran gehindert. In Bad Harzburg gibt es nur eines, das von einem alten Paar geführt wird und ständig denselben Film spielt, also bleibt ihm gar nichts anderes über als den Führerschein zu schaffen, vorher bekommt er aber noch einen Abzess am Hintern, das ihm fast daran hindert, dann wird dank der Salbe eines Apothekers aber alles gut.
Die sechzehnte Geschichte ist wieder von Hans Scherer und sprengt das Thema, schildert sie diesmal nämlich die letzte Reises eines der an der Rheinstrecke immer alle Bücher und Zeitschriften ausbreiten um doch nie zu lesen. Bevor die Reise zu Ende ist, wird er vom Schaffner tot im Abteil aufgefunden und ich habe die männlichen Adoleszenzgeschichten der späteren Reporter und Autoren sehr genossen, mich an meine ersten Reisen ins Work Camp nach Epsom nach meiner Matura und die zwischen Rigorosen und Promotion nach Dänemark 1979 erinnert und werde mich demnächst, das “Erste allgemeine Nichtreisebuch” geben, das ich vom Alfred vor Jahren schon zu Weihnachten bekommen habe.
Und hier ein paar Sommer– und Reisebücher

Martina Gerckes neues Buch

Von Martina Gercke habe ich zirca vor einem Jahr erfahren, als Wolfgang Tischer ihren Erfolg, sie ist mit ihrem KSP-Buch bei Amazon auf den ersten Platz gekommen, in einem Video vorstellte. Da gab es eine strahlende Autorin, die stolz ihr Buch, das gerade auch in Printform erschienen war, in die Höhe hielt und das Ganze hat offenbar bei einem Art Weihnachtsfest im Sommer stattgefunden, zu dem Amazon einlud und man so ein Armband, wie es auch die Babies bei der Geburt bekommen, um die Hand trug, um bei dem Empfang hineinzukommen.
Damals war das Kindle direkt Publishing erst kurz in Mode, ich habe meinen Kehrtwendeartikel geschrieben und im Jänner davor einen über meine eigenen Indie-Bücher, von denen ich dachte, daß ich sie ja auch bewerben könnte.
Auf meinen Blog scheint das aber nicht zu gehen, jedenfalls keine Reaktionen auf mein Gewinnspiel, vom vorigen Juni zum dreißigsten Buch und bei Amazon will ich es eigentlich nicht versuchen, weil ich mir nicht vorstellen kann, daß ich es da auf Platz eins in den Rankinglisten bringe.
Das scheint aber doch möglich. Wolfgang Tischer berichtet jedenfalls regelmäßig darüber, Martina Gercke und auch andere haben es geschafft. Die 1963 in Gelsenkirchen geborene und bei Hamburg lebende Flugbegleiterin hat es, wie sie in dem Interview erzählt, indem sie Kontakt zu ihren Lesern aufnahm, Blogger anschrieb, ihnen ein Gratisexemplar anbot, Gewinnspiele veranstaltete, etc.
Ich habe ein bißchen was darüber geschrieben und dann darauf vergessen, bis im Dezember bei Wolfgang Tischer die Plagiatsmeldung kam.
Inzwischen war auch ein zweites Buch “Champagnerküßchen” erschienen, beide Bücher haben beim Lovelybook Rankings gewonnen oder gute Plätze bekommen. Martina Gercke war in Frankfurt bei der Messe, ihr Buch sollte auch verfilmt werden.
So weit, so what, plötzlich hieß es, das ist von Ildiko von Kürthy, Sophie Kinsella, etc abgeschrieben. Wolfgang Tischer wollte es nicht glauben, outete sich dann, das Buch gar nicht gelesen zu haben, der Justiziar des Verlages der Sophie Kinsella vertritt, schaltete sich ein und man konnte sich im Internet die Vergleichsstellen hochladen.
Auf Martina Gerckes Facebookseite und Webauftritt, war erst einmal Pause, die Bücher wurden vom Verlag und von Amazon genommen. Einige Blogger schrieben darüber, empörten sich oder brachten eine Zusammenstellung der Ereignisse. Kurz vor oder nach Weihnachten gab es dann von Martina Gercke ein Video, wo sie gar nicht glücklich aussah und zu den Vorwürfen Stellung nahm. Da sprach sie von einer Platzhaltertheorie, von der ich ich bisher noch nichts gehört habe, die mir aber durchaus logisch schien, daß man, wenn man zu schreiben beginnt, vielleicht so ein Buch zusammenstellt. Man muß nachher natürlich alles entfernen und Martina Gercke meinte, daß das bei ihr nicht so geklappt hätte.
Die Aufregung im Internet über diese Erklärung war sehr groß und das Video nach einigen Tagen verschwunden.
Der Justiziar schaltete sich wieder ein, sagte, es wäre rechtlich noch nicht alles geklärt und außerdem Stillschweigen darüber vereinbart worden und Martina Gercke begann Bilder mit sich und einer Weihnachtsmütze zu veröffentlichen, später Kuchenfotos und Bilder von ihren Reisen nach Amerika.
Dann, ganz langsam, berichtete sie wieder übers Schreiben, das sie als das Schönste oder Wichtigste bezeichnete.
Sven Schroder hatte inzwischen auf Twitter noch einmal alles auf mögliche Plagiate untersucht und die Stellen bekanntgegeben, der Justiziar schien darüber verärgert und die Leser und die Blogger ebenso.
Ansonsten schwieg Martina Gercke bis in den Juni, wo sie noch einmal einen Versuch mit einen offenen Brief an ihre Leser machte. Mir ist inzwischen klar geworden, daß das Buch offenbar wirklich aus Stellen von verschiedenen Chick Lits zusammengestellt wurde und, daß Frau Gercke, wie auch der Justiziar auf der Buchmesse in Leipzig bei einer Veranstaltung des Literaturcafes erklärte, von ihrem Erfolg überrascht wurde.
Offenbar hat sie nicht daran gedacht, daß die Leser das bemerken werden und wußte dann auch nicht so recht, wie man das dann erklärt. Die Reaktionen waren auch nicht sehr geduldig, denn ich dachte mir öfter, wozu die Aufregung, das weiß man ja jetzt schon, daß das passiert ist.
Sollte nicht sein, natürlich, klar, aber nobody is perfect, also die Fehler ausbessern und von vorn beginnen und das schien Martina Gercke und das ist auch etwas, was mir sehr gefällt, getan zu haben.
Sich nicht entmutigen lassen, sondern weiter über ihre Reisen und das Schreiben mit gelegentlichen Textproben und Vorgeschmäckern berichten, die Sven Schroder meist kritisch dokumentierte.
Eine Buchverlosung gab es auch und dann die Ankündigung, daß das neue Buch Ende Mai erscheint und ein weiteres in Zusammenarbeit mit einer bekannten Autorin, deren Namen noch nicht verraten wurde.
Im Mai gab Martina Gercke dann ihre beiden ersten Bücher in überarbeiteter Fom bei Amazon neu heraus und veranstaltete bei Lovelybook eine Diskussionsrunde zu “Champagnerküsschen” mit einer Buchverlosung, was bei den Lesern zuerst Begeisterung hervorrief “Ich will gewinnen, bitte, bitte!”, dann schalteten sich Tom Liehr und Sven Schroder ein, wiesen auf die Plagiatsvorwürfe hin und darauf, daß noch immer solche Stellen in “Holunderküßchen” enthalten wären.
Da begannen sich die Leser zweizuteilen, ein Teil meinte, das ist halt passiert und eigentlich kann man sich vorstellen, wie das geschehen konnte, aber jetzt eine eine neue Chance. Ein anderer sprach von Schande, Skandal, Betrug, etc und war empört.
Die Forderung nach Auflösung der Leserunde kam auf, die Leute dort sagten zuerst das ginge nicht. Ein paar Tage später war die Runde verschwunden und Martina Gercke begann wieder zu schweigen, bis sie am 23. Juni mit ihrem offenen Brief an ihre Leser erschien und ebenfalls um eine faire Chance ersuchte.
Interessant, daß die Leser bei Lovelybook oft schrieben, ja wenn es ein neues Buch wäre, dann würden wir eine solche geben.
Das scheint jetzt so weit zu sein. Das Cover von “Glücksstern mit Schwips”, da gabs zuerst noch einen Rechtschreibfehler, wurde letzte Woche hochgeladen. Das Buch bei Amazon folgte mit Verzögerung. Martina Gercke machte es spannend und ich bin nun gespannt, was jetzt passiert?
Daß Martina Gercke nicht aufgibt, sondern weitermacht, gefällt mir, leicht wird sie es nicht haben, weil Sven Schroder wahrscheinlich schon in den Startlöchern liegt, um mögliche Plagiatsstellen zu finden und die dürfen natürlich auch nicht enthalten sein.
Das Cover hat er schon auf einer amerikanischen Seite entdeckt, da kann man es sich offenbar kaufen. Ich bin gespannt was geschieht, ob es die Chance geben wird oder sich wieder ein Skandal entfacht.
Interessant war auch, daß man damals im Dezember meinte, daß Martina Gerckes Karriere als Autorin damit erledigt sei. Mir gefällt, daß sie weiterschreibt und ich lese ja auch ein Chick Lit hin und wieder gern, obwohl ich, weil ich keinen Kindle habe und ich das Buch bei Amazon, wie ich schon bei diversen Gratisaktionen bemerkte, nicht auf meinen Rechner laden kann. Es gibt aber Leseproben und ein bißchen konnte man sich auch schon auf der Facebookseite umsehen und herausfinden, daß es um eine Melanie und einen sehr ordentlichen Florian geht, während die Hauptperson Sara ein wenig chaotisch ist und von einer Krise in die nächste schlittert.
Ich bin ja eine, die sich für jede Art des Schreibens interessiert und auch den Erfolg der Selbstpublisher gespannt verfolgt. So habe ich ja Anfang Jänner über Bela Bolten berichtet, von dem inzwischen neue Krimis erschienen sind und finde es nur ein wenig schade, auf den Blogs von den Vorbehalten, die es doch bei dem Selbstgemachten zu geben scheint, immer wieder zu lesen, auch wenn die Leute so tun, als hätten sie keine. Das Vorurteil, da brauchen wir einen Verlag, der über die Qualität entscheidet, scheint hartnäckig zu sein, etwas, was ich nicht so ganz verstehe, weil ich denke, daß man das doch selber entscheiden kann, ob es einem gefällt und es ist ja auch ganz spannend vielleicht ein Plagiat zu entdecken, was mir ja auch schon passiert ist und über Manfred Wieninger ist zu sagen, daß er sich, obwohl er damals ja zu schreiben aufhören wollte, weiterentwickelt hat. Zuerst seine Krimireihe, jetzt der Theodor Kramer-Preis.
Mich würde es auch freuen, das alte “Hollunderküßchen” im Bücherschrank zu finden. Die Namen Sophie Kinsella, Ildiko von Kürthen, etc sind dadurch ja auch in aller Munde und ich habe die Bücher, die ich von diesen Autorinnen habe, inzwischen auf meine Leselisten gesetzt.