Glücksstern mit Schwips

Nachdem mir Martina Gercke freundlicherweise ihr neues Buch “Glücksstern mit Schwips”, zur Verfügung stellte, hatte ich Gelegenheit mich in ihren “Gute- Laune- Roman über die Liebe und wie das Schicksal manchmal seine eigenen Wege geht”, einzulesen und mir Bild über ihren Schreibstil zu machen.
Sarasati Sandana Elisabeth Wegner ist neunundzwanzig, Graphikerin in einer Werbeagentur und weil ihre Hippiemutter, die außerdem noch Sexualtherapeutin ist, ein so chaotisches Leben führt, daß sie sich noch mit Sechzig Cannbisrauchend in ein Gewächshaus setzt, obwohl das doch in Deutschland verboten ist, wünscht sie sich ein stinknormales Leben mit dem Rechtsanwalt Florian, “den ordentlichsten Menschen auf der Welt”, den sie auch gerne heiraten würde, wenn das nur in seinen Karriereplänen vorgesehen wäre.
Trotzdem erwacht sie des Morgens aus wunderschönen Träumen mit Florian David Fitz. Mit Brad Pitt hat sie in ihren Phantasien auch schon geschlafen und muß in ihre Werbeagentur, die nur einen Haken hat, daß sie ihre Erzfeindin Susanne Walter, die sie schon in der Schule nicht leiden konnte, zur Chefin hat, die sie zur Schnecke macht und “Brillenschlange” nennt.
Am Abend hat Sara ihren “Mädelabend”, wo sie sich zuerst in der “Bullerei” treffen, dann im “Goldfischglas” etwas trinken und schließlich in “Hassans Dönerbude” landen, der serviert den Mädels zum Abschluß einen roten Likör namens “Ask Iksiri” und Sara hat eine seltsame Begegnung mit einer alten Frau, vergißt schließlich noch ihre Handtasche, wird mit einem dunkelhaarigen Typ in ein Taxi gesetzt und am nächsten Morgen wacht sie in ihrer Wohnung auf und vor ihr steht ein wunderschöner halbnackter Mann, nennt sie “Meisterin” und erzählt ihr, er wäre ein Dschinn aus einer zerbrochenen Flasche und muß nun ewig bei ihr bleiben….
In diesem Moment erscheint Florian, so daß Sara nichts anderes überbleibt, als ihn als ihren schwulen Mitbewohner Jim vorzustellen und fortan sind alle Frauen, denen Jim begegnet, ihm verfallen und die Hormone beginnen zu rotieren.
Jim hat aber nur Augen für Sara und erfüllt ihr alle Wünsche. So gewinnt sie eine teure Kaffeemaschine und Susanne Walter ihre unmögliche Chefin, die Saras tolles Konzept für die “Frostbeule” unterschlagen hat, bekommt die Beulenpest und Florian, das hat wahrscheinlich nichts mit dem Dschinn zu tun, muß plötzlich nach London fliegen, so daß Sara ihm, der sie beharrlich “Meisterin”, nennt Hamburg zeigen kann.
Er trinkt im Gegensatz zu ihr und ihren Mädels keinen Alkohol, kocht wunderbar Honiglamm, serviert italienisches Eis und küßt auch großartig, aber nur wenn sich das Sara wirklich wünscht.
Es kommt, wie es kommen muß, während Susanne Walter auf die Isolierstation evakuiert wird, wünscht sich der “Frostbeulenchef” doch ein anderes Konzept, so daß Sara und ihre Freundin Melanie, dieses aus Susannes Schreibtisch holen und alle sind begeistert von dem fangfrischen Fisch mit der Seejungfrau und dem Piraten und diesen muß natürlich Jim spielen und für Melanies Hochzeit sucht er für sie ein wunderschönes rotes Kleid aus, das so teuer ist, daß es sich Sara niemals leisten kann.
Es kommt auch zum Sex zwischen den beiden, als Sara aber dem moralischen Dschinn, der ihr niemals etwas Bösen will, gesteht, daß sie Florian heiraten wird, verschwindet er und jetzt hilft das Wünschen vorerst nichts.
Obwohl Sara zu Florian geht, um ihre Beziehung aufzulösen und der das dann noch vor ihr tun und ihr auch ihren Zyklusplan, den er für alle Fälle aufgezeichnet hat, zurückgibt.
Am Ende beginnt Sara mit ihrer Freundin Anna, einer Chirurgin, die immer Pech mit den Männern hat, nach Jim zu suchen, der ihr noch mit seinen besten Wünschen das rote Kleid zustellen ließ.
Daß sie sich ihn nur wünschen muß, hat sie vergessen. So bricht sie verzweifelt in Hassas Dönerbude ein, der ihr zuerst nur mitteilt, daß der Likör leider ausverkauft ist, dann aber doch mit einem alten Fläschchen seiner Mutter kommt.
Sara löst den Stöpsel und der Dschinn hat seinen “Glücksstern” wieder….
Ein, wie Sven Schroder feststellen konnte, garantiert plagiatfreies “Gute-Laune-Buch”, das vielleicht an manchen Stellen ein bißchen langatmig und unlogisch ist, so besteht Saras Frauenrunde, wenn ich mich nicht verrechnet habe, aus drei Mädels Anna, Leonie und Claudia, warum serviert ihnen Hassan dann fünf Schnäpse, bzw. der Kellner der “Bullerei” sechs, als dort noch Annas schwuler Chirurgenkollegen abgeschleppt werden soll?
Ein paar allgemeine Weisheitssätze zuviel, Wie “Das Leben ist kein Ponyhof” oder “einmal ist einmal zuviel”, befinden sich meiner Meinung nach auch darin, aber auch der Satz “Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient” und dann gibt es auch ein paar schöne Stimmungsbilder, die auf Hamburg und sein Feeling neugierig machen.
Ein Roman für den Sommer, wie die die Autorin und die Mädels, die ihn bei der Lovelybook-Leserunde gewinnen wollen, schreiben.
Es gibt auch schon ein paar Rezensionen, die von spannender Unterhaltungsliteratur ohne allzu große literarischen Ansprüche, schreiben und Sven Schroder hat auch noch herausgefunden, daß das Buch inzwischen auf Platz 690 des Amazon Bestseller Rankings liegt.
Spannend, die weitere Entwicklung zu verfolgen und wer jetzt neugierig ist, auf einige Entwicklungen und Handlungsstränge bin ich gar nicht eingegangen, bei Lovelybook kann man das Buch noch bis Ende des Monats gewinnen und ein Gewinnspiel auf Martina Gerckes Facebookseite gibt es auch.

Sommertöchter

Jetzt kommt ein Sommerbuch, das ich mir halbgelesen von Wien nach Harland mitgenommen habe, nämlich den Debutroman “Sommertöchter”, 2012 bei Dumont, der 1985 geborenen Lisa-Maria Seydlitz, den Buzzaldrin, glaube ich, im Februar auf ihren Blog besprochen habe, im März oder so, kurz nachdem ich mir “geschworen” habe mir nie wieder ein Buch zu kaufen, auch wenn es nur einen Euro kostet und ich meine “Bücherbeschränkungspläne” auf meinen Blog bekanntgegeben habe, habe ich es dann in der kleinen Buchhandlung auf der Lerchenfelderstraße um einen Euro liegen sehen, die verkaufen, glaube ich gelegentlich Rezensionsexemplare, habe meine Schwur gebrochen und es auf die Leseliste gesetzt und weil ein Buch namens “Sommertöchter” in den Sommer passt habe ich das Lesen vorgezogen.
Lisa-Maria Seydlitz war 2008 Stipendiatin beim Klagenfurter Literaturkurs, hat in Hildesheim das kreative Schreiben studiert und hat natürlich eine entsprechend kunstvolle, Sprache mit der sie ihre Debutgeschichte über das “Alleinesein”, wie im Klappentext steht, erzählt.
Kurze Abschnitte sind es, in denen die Ich-Erzählerin Juno, eine junge Frau, wahrscheinlich so alt, wie die Autorin, von ihrer Kindheit mit dem Vater und der Mutter, die nie sehr viel zusammen waren und die Tochter offenbar getrennt aufzogen, die Mutter hat eine Buchhandlung in der sie für ihre Kunden kocht, der Vater geht inzwischen mit Juno spazieren, erzählt. Der Vater ist auch viel weg, obwohl Juno nicht genau weiß welchen Beruf er hat, es gibt einen Urlaub in Frankreich, der von seinen Reisen dort auch Marmeladen, Fische und andere Souveniers mitbringt.
Dann wird der Vater krank, schließlich stirbt er, die Mutter zieht mit Juno aus dem Haus aus, geht später wieder eine Beziehung ein, bekommt die Tochter Anna.
In kleinen sorgfältig erzählten Abschnitten entwirft Lisa-Maria Seydlitz diesen Handlungsstrang, dann gibt es noch einen zweiten, der mit den Kindheitserinnerungen abgewechselt wird.
Jetzt ist Juno erwachsen und bekommt eines Tages einen Brief aus Frankfurt mit einem Polaroidfoto von einem Haus und der Aufforderung, daß sie sich darum kümmern soll.
Juno fährt mit dem Fahrrad zu der Mutter, die verhält sich eher abweisend, gibt Juno aber doch einen Schlüssel und so fährt sie in die Bretagne. Hält dort bei einem Cafe um “Moules frites” zu essen, dann kommt sie zu dem Haus und sieht, es ist bewohnt. Sachen liegen drin herum und es gibt sogar einen Fisch in der Pfanne. Dann kommt Julie, das ist die Studentin, die Juno schon als Kellnerin in dem Cafe, wo sie die Fritten aß, kennenlernte.
Die sagt, sie wäre in das Haus eingestiegen, weil man das so macht und hat schon mehrere Sommer hier verbracht. Später stellt sich heraus, sie hat auch einen Schlüßel. Und im Nachbarhaus lebt ein Architekt namens Jan, der offenbar einmal ein Verhältnis zu Julie hatte und jetzt eines mit Juno beginnt. Die Besitzerin von dem Cafe, Camille taucht auf und nach und nach stellt sich heraus, Julie ist Junos Schwester, der Vater hatte bevor er krank geworden ist, eine Beziehung in Frankreich und den Brief hat Camille Juno geschickt. Und Julie bzw. deren Mutter, hat ihren Schlüßel von Junos Mutter nach dem Tod des Vaters geschickt bekommen. Die drei Jan, Julie, Juno verbringen den Sommer in dem Haus und feiern Sommerfeste. Im nächsten Frühling kehren sie dann zurück, um das Haus zu renovieren und werden dort wohl eine Weile zusammenbleiben…
Der Roman wurde von der Kritik wegen seiner schönen Sprache, glaube ich, sehr gelobt, mir war er vielleicht ein wenig zu abgehackt und wohl auch zu künstlich schön konstruiert. Die Sprache Hildesheim ist zu spüren, würde ich sagen und deshalb bin ich vielleicht nicht so richtig warm damit geworden, obwohl es schöne Bilder darin gibt und das mit der musikalischen Sprache wahrscheinlich auch stimmt.
Mal sehen, ob ich von der jungen Autorin noch einmal etwas höre, ob sie in Klagenfurt lesen oder weitere Bücher veröffentlichen und auf diversen Buchpreislisten stehen wird….

Bürgermeister-Spezialführung

20130725-175716

20130725-180757

Zum Abschluß meines selbsterwählten Stadtschreibermonats gab es ein ganz besonderes Schmankerl, auf das mich der Alfred aufmerksam gemacht hat, nämlich eine Spezial-Bürgermeisterführung vom Rathaus durch die barocke Innenstadt zu den Ausgrabungen am Domplatz, ist Matthias Stadler ja Historiker und das habe ich mir trotz Schreibklausur, die ja auch ganz gut vorangeht, nicht entgehen lassen. Also vor sechs vor dem Rathaus eingetroffen, als ich bei meinem ersten Stadtschreibertag vor einer Woche am Rathaus vorbeigegangen bin, standen dort die Neos und riefen zur Unterstützungserklärung auf, gibt es im Herst ja Wahl, jetzt standen da schon einige Leute und eine blonde Dame in einem Sommerkleid begrüßte freundlich. Kurz nach sechs kam der Bürgermeister im blauen Anzug und gestreiften hellblauen Hemd mit der Bürgermeisterkette um den Hals, die eigentlich ins Stastmuseum gehörte und führte in das Rathaus und das Bürgermeisterzimmer. Im Rathaus bin ich ja schon einmal bei dem Höfefest gewesen, als dort die Dusl las und Anfang Jänner, als mein Schwiegervater begraben wurde, habe ich für die Kommunisten unterschrieben, weil man das in NÖ ja auch mit einem Nebenwohnsitz kann und Stadtführungen habe ich auch schon zwei gemacht.

20130725-184005

20130725-185103

Ist Robert Eglhofer ja auch Stadtführer und führte uns einmal mit der Ruth, als sie bei uns Sylvester feierten durch die Stadt und durch den Dom und eine Spezialführung mit Ruths Freundinnen gab, wo wir mit dieser kleinen Bahn gefahren sind und in einer Konditorei Kakao getrunken haben, gab es auch einmal. Jetzt ging es aber in das Bürgermeisterzimmer und dort stand Wasser und Wein, zwar ein Weißer, aber einer namens “Puppenfee”, wie der Bürgermeister erklärte, weil das ein Ballett ist, das in Viehofen geschrieben oder zumindest aufgeführt wurde und Bürgermeister Stadler scheint ein wirklich kompetenter und beinahe manisch übersprudelnder Mann, der erzählte und erzählte, daß das barocke Rathaus, wann immer Geld dafür vorhanden war, aus den gotischen und romanischen Frühformen hochgezogen und daher sehr stilreich sei. An der Decken gab es Fresken von Bramdtauer oder Daniel Gran, so genau habe ich es nicht verstanden, aber wunderschöne Deckenbilder mit dem Adler als Symbol der Macht und dann noch Frauengestalte,n die die verschiedensten Tugenden, wie Glaube, Liebe, Hoffnung und dann noch Weisheit, Beständigkeit und Gerechtigkeit darstellen.

20130725-191943

20130725-193822

Nur mit der Gerechtigkeit hapert es ein wenig, denn 1945 kamen ja die Russen, besetzen das Rathaus und nahmen die Waage mit und eine alte Uhr gibt es auch, die eine Dame, die im Bürgerspital gut behandelt wurde, der Stadt hinterlassen hat und natürlich auch die Bildnisse der Bürgermeister, nicht alle, nur einige davon, Mathias Stadler ist der einundundreißigste und der sechste der demokratisch gewählt wurde und die früheren Bürgermeister hatten auch noch Gerichtsbarkeit zu vertreten. Einige der Bürgermeister kannte ich, auf jeden Fall den vorletzten Willi Gruber und dann natürlich Irene Wondratsch Großvater Hubert Schnofl, die ja ein Buch darüber geschrieben hat. Es gab aber auch einen Heinrich Raab und einen Otto Eybner, die berühmte Verwandte haben.
Dann ging es weiter in einen Saal, wo man die alten Mauern sehen konnte, durch den Sitzungssaal hinunter, wo es ein paar römische Funde und Urkunden zu bewundern gab, in einen Kellersaal, bevor es auf die Straße ging und der Bürgermeister den Rathausplatz erklärte. Das gibt es auch sehr viel Barockes und Barock bei den englischen Fräulein und den Karmeliterklöstern, die Joseph der II, aufgelassen hat. Der Bürgermeister sprach und sprach, die blonde Dame vom Tourismusbüro rief verzweifelt “Matthias, der Dompfarrer wartet um sieben!”
Der Bürgermeister hob die Hand, rief siegessicher “Das schaff ich schon!” und rannte fort in die andere Richtung. Erklärte das Gasthaus zu den “Drei Kronen” und die Poststationen, schlug ein Buch auf, um einen Brief Mozarts vorzulesen, der drei Tage lang mit der Kutsche von Salzburg nach Wien gefahren ist und in St. Pölten Station machte. Da gab es ja zwei Hauptstraßen, die Wiener- und die Linzerstraße, die den Hauptverkehr bildeten, bis in die Dreißigerjahre ist man am scharfen Eck vorbei von Linz nach Wien oder in die andere Richtung gefahren.

20130725-194131

20130725-195036a

Erst als der Bahnhof gebaut wurde, haben die Straßen mit der Kremsergasse, die heutige Hauptstraße, Konkurrenz bekommen und ein Wiener und ein Linzertor hat es auch gegeben.
Dann gingen wir durch die Herrengasse, wo der Büregermeister ebenfalls die verschiednen Häuser erklärte und vorher hat er noch das Bildnis des Herrn gezeigt, der vor hundertzehn Jahren die Elektrizität nach St. Pölten brachte.
Dann erreichten wir den Dom, der Dompfarrer sagte “Grüß Gott!” und die Dame vom Diözesanmuseum, wo es derzeit eine Sonderausstellung namens “Credo” gibt, wartete, um uns die Bibliothek zu zeigen. Der Bürgermeister führte durch den Dom, in dem wir schon mit dem Robert waren und als die Gabriele, Alfreds Cousine, heiratete, sind wir auch dort gewesen. Erzählte uns vom Domprobst Führer, der in Konkurs gegangen ist, so daß der Dom von außen ziemlich bescheiden wirkt, während er innen das herrlichste Barock enthält, das aber auch auf die gotischen und romanischen Formen aufgebaut wurde. Dann wollte der Bürgermeister noch in die Rosenkranzkapelle.

20130725-200106

20130725-200410

“Matthias!”, rief die Dame vom Tourismusbüro noch einmal verzweifelt, “die Frau vom Museum will nach Haus!”
“Das mache ich schon!”, war die Antwort mit erhobener Hand und wir stapften in den Keller, weil die Rosenkranzkapelle ein Ort ist, den nur wenige Leute kennen, wie auch die Klimt-Fresken am Sparkassahaus.
Nach der Führung durch die Stiftbibliothek und durch den Kreuzgang, mit dem wir schon mit Robert Eglhofer gewesen waren, ging es zu den Ausgrabungen am Domplatz, denn da war ja einmal ein römisches Bad, dann ein Friedhof und eine Kirche, die von den Protestanten, oder war es umgekehrt, eingestampft wurde.
Der Bürgermeister ließ sich zwei Pläne reichen und erzählte von den 800.000 Knochen, die inzwischen schon gefunden wurden und gab einen Einblick in das mittelalterliche Leben ohne Wasser, Strom und Kanalisation dann ging es zurück zum Rathaus bzw. nebenan, dem im Haus Rathausplatz Nummer zwei hat Franz Schubert einmal gewohnt, an der Oper Alfonso und Estrella komponiert und eine Schubertiade aufgeführt.
Da ist mir eingefallen, daß es da vor Jahren eine Führung mit Alois Eder gegeben hat, von der ich allerdings zu spät erfuhr und um Schubert und St. Pölten gibt es die verschiedensten Legenden und es gibt auch das Schubertbründl bei der Ochsenburg und das Gerücht, daß er dort, “Am Brunnen vor dem Tore” komponiert hätte, was wie Mathias Stadler erklärte, nicht stimmt. Der Bischof hätte aber Schubert und seinen Freund Schober, die es in St. Pölten sehr lustig hatten und verschiedene Panscherln begannen auf die Ochsenburg verbannt und so sitze ich dort manchmal beim Bankerl vor dem Brunnen, lese oder schreibe eine Stadtschreibergeschichte.

20130725-202624

Im Schubertzimmer gab es ein echtes Hammerklavier, auf dem Schubert spielte und der Bürgermeister wußte auch über ihm viel zu erzählen. Am Ende gab es noch die Ouvertüre aus der Oper und einen Katalog einer Ausstellung zu “Biedermeier und Vormärz”, wo es auch Bilder von Schubert zu sehen gibt, die 1982 in Pottenbrunn stattfand, konnte man sich auch mitnehmen.
Dann sind wir noch ein bißchen auf den Rathausplatz gegangen, haben Chili con carne gegessen und Wein bzw. Bier getrunken. Den Film am Rathausplatz haben wir ausgelassen. Es war trotzdem ein wunderschöner Abend und jetzt geht es weiter mit der Schreibklausur.
Es gibt wie ich dem aufliegenden Prospekt entnehme Stadtspaziergänge zum Thema Barock, Jugenstil, Frauem etc für die man sich im Tourismusbüro anmelden kann. Wenn man St. Pölten literarisch will, wird man im Literaturgeflüster einiges finden. Die Osterspaziergänge der LiGes gibt es auch.

Schreibklausur

Mit meinen Sommerfrischen-Stadtschreiberplänen bin ich jetzt etwas durcheinandergekommen bzw. habe ich sie abgeändert, denn ich bin ja eine Schnelle und schon fest an der Romanarbeit, so daß ein Spaziergang durch die Stadt bishin zum Residenz-Verlag nicht ganz passte und es mich eher in Richtung Schreibklausur drängte. Zwar habe ich darauf fast ein dreiviertel Jahr gewartet, aber jetzt habe ich mit dem “13-Kapitel-Projekt” begonnen und es geht rasant dahin.
Ein bißchen habe ich schon darüber berichtet, daß mich das die vierte Woche begleiten wird und jetzt denke ich, es ist besser zu schreiben und zu schreiben und dazwischen eine eher kurze Runde Rad zu fahren, bzw. in der Früh und am Abend jeweils eine Stunde meine Sommerbücher lesen. Wie gehabt also und die drei Wochen Stadtschreiberzeit, die ich mir gegeben habe, sind auch recht intensiv gewesen, so hat sich mein Stadtschreiberalphabet gefüllt und zu einer kleinen Stadtschreibergeschichte wurde ich am Samstag am Markt bzw. in der Eduscho-afebar auch inspiriert, ich bin in den St. Pöltner Buchhandlungen gewesen, habe mich ein bißchen in meine St. Pöltner Literaturgeschichte vertieft, aber jetzt brennt es weiter zu schreiben, das zweiunddreißigste Indie-Buch, das ich dann ja auch einmal probeweise bei Amazon einstellen kann, um nicht restlos jenseitig und weg vom Fenster zu sein.
Denn ich schreibe und schreibe und eigentlich geht das ja ganz gut. Sehr gut geht das soar. Bis jetzt habe ich, vier Kapitelentwürfe, siebenundzwanzig Seiten und zehntausendneunhunderteinundsiebzig Wörter und den Handlungsrahmen eigentlich auch ganz gut skizziert. So habe ich, glaube ich, auch die zwölf Protagonisten oder Handlungsträger und einen ungefähren Plan wohin das Ganze gehen soll. Ein Problem, wenn man so will, könnte darin bestehen, daß ich wieder sehr schnell bin bzw. wieder kürzer als geplant werde. Die dreizehn Kapitel werden kürzere Geschichten und nicht wie geplant Kurzromane werden. Das ist wohl mein Problem, bzw. meine Eigenschaft und Stärke, um nicht so negativ zu formulieren. Man könnte ja auch sagen, daß das Ganze damit dichter ist. Zwar ist zu befürchten, daß ich mit dem Rohentwurf vielleicht schon Ende der Sommerfrische fertig bin, aber na und und macht ja nicht, weil es außer mir erstens sowieso niemanden zu interessieren scheint und vielleicht auch weil es mein Stil sein könnte. Und ich glaube, es ist, dichter, flüßiger und fließt auch mehr oder weniger problemlos aus mir heraus. Natürlich denkt es manchmal immer noch, das ist nicht gut genug! Das muß auch so sein, wenn ich mir die mangelnden Reaktionen um mich herum, bzw. das ist das schlechteste, was ich je gelesen habe, so ansehe, aber dann denke ich, daß ich natürlich schreiben kann und das auch sehr flott und intensiv betreibe und vielleicht hilft mir auch die Schreibklausur, wo ich mich mich möglichst nicht verzettle, dichter zu werden. Denn man kann ja auch die Sommerfrische zu einem Nanowrimo machen und dadurch weiterkommen. Dann müßte mir noch gelingen, daß das auch die anderen bemerken, aber das ist eine andere Geschichte und kann ich im Augenblick nur durch meine Schreiberichte zu beeinflußen suchen.
Also vier Kapiteln habe ich schon. Vorige Woche habe ich den Beginn, die erste Szene mit der Laura Augustin geschrieben und mehrmals umgearbeitet, bis ich damit zufrieden war. Am Montag folgte das Ernst Schwarz Kapitel, die Geschichte jenes Sinologen, der das “Gesprengte Grab” herausgegeben hat. Dann habe ich mich am Dienstag mit der Uschy Bischof nach Teheran begeben und am Mittwoch die Weihnachtsfrau Nika Horvath vorgestellt, die werde ich vielleicht auch im Dezember für einen eventuellen Adventkalender verwenden.
Wies weitergeht weiß ich wieder nicht so ganz genau, habe aber einiges aufgeschrieben, da gibt es ja das lesbische Paar Ruth Horvath und Vera Mosebach, deren Klienten Jakob Pröchtl, einem ehemaligen Plagiatsautor der jetzt den Erich Fried-Preis bekommt und seine Geschichte der Bloggerin Vera erzählt, die darunter leidet, daß sich niemand für ihren Blog interessiert, den Alzheimerpatienten Laurenz Wolkner und dessen Psychiater Stephan Horetzky u.u.u.
Ein wenig krankt es noch daran, daß ich mir ein bißchen schwer tue, an die Ernsthaftigkeit eines Romans zu glauben, irgendwie bin ich ja immer noch zu schnell unterwegs, obwohl ich andererseits konzentriert arbeite und auch damit zufrieden bin. Daß ich schreiben kann, glaube ich inzwischen und ich vergleiche mich ja auch permanent mit dem was ich lese und da habe ich vorhin die “Sommertöchter” der jungen Autorin Lisa-Maria Seydlitz durchgearbeitet und war gar nicht so begeistert, obwohl die Sprache natürlich viel dichter ist und die ein Hochschulstudium in Hildesheim hinter sich hat und als nächstes kommt Martina Gerckes neues Buch “Glücksstern mit Schwips” an die Reihe, also werde ich wiedermal ein E-Book und ein Chicklit lesen. Davor habe ich ja, glaube ich, auch immer ein bißchen Angst, daß ich dahin abgleiten könnte. Aber ich schreibe psychologisch realistisch und habe da auch einige interessante Themen, wie man meinen könnte und aus Wien habe ich mir einen Stapel Sommerbücher mitgebracht, zwei Krimis, die Sophie Kinsella und ein Buch über die Welt der “Lisbeth Salander” aber bevorzugt will ich ja schreiben und erst wieder nach Herzogenburg oder woanders hinfahren, wenn ich mit dem Rohentwurf fertig bin.
Stimmt nicht ganz, am Samstag geht es auf den Markt, um den Alfred dort zu treffen und am Donnerstagabend gibt es auch einen Sonderthemenspaziergang mit dem Bürgermeister zu dem ich mich angemeldet habe. Da soll es erst durch das barocke St. Pölten und dann zu den Ausgrabungen am Domplatz gehen und dann mit dem Alfred auf den Rathausplatz zum Filmfestival und am Sonntag fahren wir zum Martin nach Pernitz. Aber dazwischen schreiben und das ist spannend und interessant und es tut sich auch sonst ein bißchen, die tote Sommerhosenzeit scheint derzeit vorbei zu sein, so laufen seit dem Tod von Rolf Schwendter beim Alfred die Anfragen nach Fotos an, weil offenbar nur wir die aktuellen haben und das ist ja interessant für die, die immer auf mein Bloggen schimpfen. Einen kleinen Text für das Volksstimmefest bezüglich Rolf Schwendter könnte ich auch noch schreiben. Der “Maimißbrauch” ist ohnehin sehr kurz. Und Petra Ganglbauer hat eine Rezension der “Paula Nebel” geschrieben.
Sonst steht die Longlist des Fm4 Preises fest, da ist Katharina Tiwald dabei, die es ja immer wieder schafft literarisch aufzufallen und sich offenbar auch unermüdlich durch den hierarchisierten Literaturdschungel kämpft. Ihre “Messe für eine” habe ich auch auf der Leseliste, aber das wird noch etwas dauern bis ich dahin komme, derzeit bin ich ja bei den Sommerbüchern und bei meinem “13-Kapitel-Roman”, solang oder so kurz der auch werden wird.

Wiedermal ein Schreibbericht

Die hat es ja seit November nicht sehr oft gegeben, weil ich seit damals hauptsächlich korrigierte, über Veranstaltungen und Bücher schrieb oder allgemeine Betrachtungen abgab. Aber eigentlich bin ich ja eine Schreiberin, so hat es in den Fingern und unter den Nägeln gebrannt, obwohl die Korrigierpause vielleicht ganz gut war, denn irgendwie war ich ja mit meinen dreißig hintereinandergeschriebenen Büchern auf die auch noch keine Resonanz gekomenn ist, ausgeschrieben und die Hemmung, “Du kannst es nicht, du kannst es nicht!”, war ja auch sehr stark da. So dachte ich, daß die Idee mit dem Literaturgeflüsterbuch vielleicht eine gute ist, um wieder schöpferische Kraft zu sammeln und dann, wie das Kind nach den Masern einen großen Entwicklungsfortschritt zu machen und meine Schwächen, daß ich so schnell drauf losschreibe, vieles halbfertig stehen lassen, mich permanent wiederhole, etc müssen ja auch noch überwunden werden.
Ohne wirkliches Feedback ist das gar nicht so leicht, nicht im eigenen Saft mit den eigenen blinden Flecken zu schmorren, etc. Trotzdem habe ich mich schon sehr darauf gefreut fertig zu werden und das war letzten Dienstag der Fall. Das habe ich auch in einem euphorischen Artikel beschrieben, darauf gleich meine Sommerfrischen-StadtschreiberLesemarathonpläne gemacht und bin mit dem gelben Notizbuch am Mittwoch nach St. Pölten gefahren, schauen, wie es mit den Notizen der dreizehn Kapitel, die es ja schon gab, steht. Das Resultat habe ich schon berichtet. Es war mager und auch sehr heiß, ich habe außer dem Namen der Hauptfigur, Laura Augustin, den ich schon hatte nicht viel gefunden. Donnerstagnacht ist dann das Expose, das heißt die zwölf Personen für die Kapiteln, die Laura wird ja zwei bekommen, also den Anfang und das Ende bilden, gefunden. Sehr gut toll, ausgezeichnet, also geht es doch und am Freitag zum Schreiben angefangen.
Das erste Kapitel mit der Laura Augustin, die bald sechzig wird und ihre ungelesenen Bücher auflesen will. Wenn ich einen Roman aus dreizehn Kapitel machen will, sollte eines ungefähr zwanzig bis dreißig Seiten haben, mir sind am Freitag aber, glaube ich, nur sechs eingefallen und da dachte es dauernd in mir, “So geht das nicht, das hast du doch schon einmal gehabt!”, etc und mir meine Kritiker vorgestellt, die mahnen, warum immer nur von Büchern und von alten Leuten schreiben.
Ich habe tief durchgeatmet, gedacht, macht ja nichts und bin mit der “Heimsuchung” und den “Zwillingswelten” in die Badewanne gestiegen, denn manchmal hilft es ja, das Eigene zu lesen. Aber das Gefühl, daß ich über meine Hemmungen und meine Schwächen nicht hinwegkomme und, daß das Ganze mir auch keine große Lust sondern eher einen Zwang bereitet, war trotzdem da.
Am Samstag habe ich im Badezimmer dann gedacht, daß mir das Schreiben Spaß machen sollte und, daß eine die das seit vierzig Jahren kontinuierlich macht, die in dreißig Minuten einen Text in einer Schreibwerkstatt oder für das Stadtschreiberbuch und in knapp vierzehn Tagen einen Nanowrimo-Rohtext zusammenbringt,schon dreiunddreißig Bücher und viele Texte in Anthologien hat, doch nicht so schlecht sein kann.
Und das Expose ist wieder angewachsen. Das erste Kapitel habe ich jetzt zweimal korrigiert, ergänzt und abgeändert. Es hat sieben Seiten und 3128 Wörter, für den Anfang also schon etwas, denn kein großer Roman entsteht in einem Tag und darin liegt vielleicht meine feedbacklose Schwierigkeit, daß ich Angst vor dem ersten Satz, der ersten Seite habe, die mir ohnehin schon oft schwer genug fällt und wenn dann nichts zurückkommt und ich das Gefühl habe, daß nichts weiter geht, wird es schwierig.
Ich habe in den sieben Seiten aber Anspielungen auf drei oder vier Personen, die in den anderen Kapiteln vorkommen. Da geht die Laura zum Beispiel mit dem Buch von dem Ernst Schwarz in die Badewanne. Aber wie mache ich da weiter ohne allzuviel zu recherchieren? Ist einfach, der Ernst Schwarz ist ein Traum, bzw eine Biografie von fünf Seiten, die die Laura im Kapitel drei der Uschy Bischof erzählt, die sich gerade ein Kopftuch aufsetzt und durch Teheran spaziert.
Aber es müßen nicht alle Personen von der Laura getragen werden, dann wäre es kein Reigen. Und wenn mir das ganze Spaß machen soll, es ohnehin niemanden außer mir interessiert, kann ich mich darin auch austoben, also ohne Rücksicht auf Verluste, die Themen anschneiden, die mich immer schon interessierten und damit vielleicht über meine Schwächen hinwegkommen.
Also wird es eine Bloggerin geben, Vera Mosebach und das ist die Freundin von Nikas Schwester, die ist Psychotherapeutin und der Plagiatsautor kommt zu ihr, ich weiß sowas ähnliches hatte ich auch schon einmal, aber man schreibt vielleicht immer denselben Roman, die anderen tun das auch und das ist vielleicht die eigene Stimme und wird diesmal auch ganz anders sein.
Denn da gibt es ja den ehemaligen Politiker Laurenz Wolkner mit Alzheimer in einer Seniorenresidenz, der hat einen Freund und der ist Psychiater und Corvin Richter ist ausgepowerter Kulturkritiker, liest Veras Blog und gibt ihr am Ende den Bloggerpreis.
Die Frau am Fenster, Mia aus Georgien gibt es auch, die habe ich schon erwähnt und dann sind zehn Jahre vergangen, Laura ist siebzig, hat ihre Bücher gelesen, aber auch schon neue auf ihrer Liste, Uschy ist in China, Vera ausgezogen und Laurenz Wolkner hat gerade sein Begräbnis gehabt.
So könnte es gehen und wenn ich nicht jedes Kapitel in einem Tag hinbekomme, ist das genau das, was ich eigentlich will, also Zeitlassen und die Stellen, wo man sich vielleicht an die Wand geschrieben hat auflösen und zurück an den Start und wenn jedes Kapitel sieben Seiten hat, habe ich auch schon neunzig und vielleicht bekomme ich bei einigen auch mehr zusammen. Und das Neue ist, daß sich die Handlung jeweils von einem Protagonisten zum nächsten hinüberzieht, das könnte ganz spannend sein und wenn ich das durchalte, was mir bis jetzt vorschwebt, wird es auch zumindest teilweise was Neues. Daniel Kehlmann hat ja ein “Ruhm” einen Roman aus verschiedenen Kapiteln geschrieben und vielleicht auch Anna Weidenholzer im “Platz des Hundes”.
Bei mir ist es ein Experiment, so habe ich noch nie einen Roman geschrieben und auch eine Idee, vielleicht mit dieser Form von dem Gefühl des Ausgeschriebenseins wegzukommen. Aber das ist jetzt gar nicht mehr so mein Problem, denn meine Leser können es an der Fülle meiner Blogartikel, die mir derzeit so einfach aus den Fingern flutschen sehen, daß ich im Moment sehr produktiv zu sein scheine.
Und dann gibt es noch die Idee, das ganze doch bei Amazon einzustellen, um zu sehen was da passiert, ob sich da die Leser darum reißen, die bei meinen Gewinnspielen gähnen und mir sonst sagen, dafür haben wir keine Zeit.
Irgendwie denke ich auch, daß mir das ein bißchen helfen könnte, weil ich ja sehr darunter leide, zu schreiben und zu schreiben und immer daneben zu stehen. Mit dem Selbstgemachten ohne ISBN Nummer habe ich mich da ja selber sehr in die Nesseln gesetzt und wenn das Kindle self publishing weniger ehrenrührig ist und man damit sogar einen Leipziger Messepreis gewinnen kann…
Mal sehen wie es wird, denn nur schreiben ist vielleicht wirklich zu wenig, man braucht schon hin und wieder jemanden, der es bemerkt und auch ein bißchen anerkennt.

Nachruf auf Rolf Schwendter

Rolf Schwendter

Volksstimmefest 2012

Rolf Schwendter

Osterspaziergang 2012

Der Montag war wieder so etwas wie ein literarischer Tag, manchmal fühle ich mich zwischen den Veranstaltungsbesuchen, den Bücherbergen und dem Bloglesen bzw. kommentieren, weit weg davon, am Vormittag hat aber Ruth Aspöck angerufen und mir von den “Literatur und Text Tagen” erzählt, die inzwischen in Strobl am Wolfgangssee stattfinden und an denen sie teilgenommen hat, dann meldete sich Doris Nussbauer vom “Werkl” mit der Mitteilung, daß sie die von der Verramschung bedrohte erste Lise Meitner Anthologie aufgekauft hat und eine Lesung im Herbst oder am Frauentag machen will. Ein Portrait will sie auch von mir bringen.
Dann bekam ich noch einen Kommentar bezüglich meines St. Pöltner Buchhandlungstag mit ein paar Mitteilungen zu Milena Michiko Flasars “Ich nannte ihn Krawatte”, ich schrieb mein zweites Kapitel mit einem Nachruf oder Lebenslauf auf den in Wien geborenen Sinologen Ernst Schwarz, den die Nazis nach Schanghai brachten und der dann in der DDR spionierte, bevor er wieder nach Österreich kam und in Münichsreith 2003 verstarb. Dann schickte mir Alfred die Nachricht des Tages, Rolf Schwendter ist am Sonntag In Kassel verstorben und ich war sehr betroffen, obwohl Rolf Schwendter ja sehr krank gewesen ist. Um Weihnachten lag er auf der Intensivstation, dann schien es ihm kurzfristig besser zu gehen und ich habe nachgedacht, ich habe ihm nicht am “Tag der Freiheit des Wortes” das letzte Mal gesehen, sondern wahrscheinlich bei Ruth Aspöcks Lesetheateraufführung von Elisabeth Freundlichs “Im Steingebierg”.

Rolf Schwendter

Osterspaziergang 2012

Am Abend habe ich mich am Abend mit der Ruth und dem Alfred am Rathausplatz getroffen, die es auch schon wußte, jetzt braucht die GAV einen neuen Präsidenten und das Volksstimmefest, dessen Programm Christoph Kepplinger, dann am Abend schickte, hat einen Leser weniger und die Ballade zum Thema “Ausverkauf” wird uns auch abgehen.
Als Arthur West 2000 im August gestorben ist, hat Helmuth Rizy vorgeschlagen, daß jeder der Lesenden vor oder nachher sein Lieblingsgedicht bringt, das wäre auch eine Idee, obwohl der 1939 in der Wiener Hasnerstraße geborene, wie ich in den Nachrufen las, eine große Menge Texte und noch viel mehr Unveröffentlichtes hinterlassen hat. Die Ruth hat mir von kleinen Heften, die sich sich stoßweise in seiner Wohnung befinden sollen, erzählt und die schwer zu transkribieren wären, denn Rolf Schwendeter war ja einer, der alles mit der Hand geschrieben hat, Telefon und seine Nachfolgermedien ablehnte und einer der gescheitesten Menschen, die mir je begegnet sind.
Ich habe ihn, den GAV-Präsidenten wahrscheinlich in der GAV kennengelernt und bin ihm immer wieder begegnet, hat er ja nicht nur erste Wiener Lesetheater gegründet, den Tag der Lyrik organisiert, die Poet-Night und und und.

Die Poet-Night wird es vielleicht nicht mehr geben, ist mir am Abend eingefallen, wieder eine Veranstaltung weniger, bei der ich dann nicht lesen kann und ich habe Rolf Schwendter, den ich auch beim “Tag der Freiheit des Wortes” immer wieder getroffen habe, auch immer wieder erzählt, wie sehr ich darunter leide, daß ich von diesem Literaturbetrieb noch nicht entdeckt wurde. Er hat es, glaube ich, verstanden und mich 2009 als der Osterspaziergang durch Margareten ging, sehr viel lesen lassen, über Paul Wimmer, Jeannie Ebner, Jura Soyfer und und und…

Ilse Kilic, Rolf Schwendter

Amerlinghaus 2010

Ja, richtig den Osterspaziergang wird es vielleicht auch nicht mehr geben und die handgeschriebenen Schnipsel bei den Lesetheateraussendungen. Denn wer bitte schreibt heute noch mit der Hand und ist telefonisch nur nach Mitternacht bis zwei Uhr früh zu erreichen, wenn man etwas für das Lesetheater organisieren will.
Der Rolf war auch ein Katzenfan und dreifacher Doktor, ein Herr Professor, obwohl er nicht so ausgesehen hat, einer der alternativsten und intellektuellsten Menschen, der von Wien nach Kassel und zurück hin und hergependelt ist. Devianzforscher und Autor von Kochbüchern “Arme essen – Reiche speisen”,”Psalter”, die Katertotenlieder” “Von der Unmöglichkeit zu Telefonieren”, sind einige seiner gedruckten Werke, wie schon erwähnt, das meiste soll unveröffentlicht sein.

Ruth Aspöck hat ein Buch über das Lesetheater herausgebracht und bei ihr in ihrem Haus im Mühlviertel, gab es auch eine Lesung, an die ich mich erinnern kann, weil ein Foto davon, das Cover des Buches bildet. Feste hat es gegeben um sechzigsten, fünfundsechzigsten, siebzigsten Geburtstag und viele viele Veranstaltungen. Beim Alltäglichen Leben zu der mich Ilse Kilic mit dem Literaturgeflüster eingeladen hat, haben wir zusammengelesen. 2002 hat er den Tag der Freiheit des Wortes organisert und immer ein Gedicht dafür geschrieben.

Rolf Schwendter

Siebenstern PoetNight 2009

Den Katzenfasching hat Susanne Schneider, glaube ich, für ihn organisiert.
Er ist sehr krank gewesen und hat seiner alternativen Lebensform wohl auch nicht sehr auf sich geschaut, so habe ich es in einem der Nachrufe gelesen, er hat aber zu trinken aufgehört, zu rauchen und auch sehr viel zu essen. Früher war er, glaube ich, dafür bekannt, daß er zwei oder drei Hauptspeisen hintereinander verzehren konnte und wenn es Streit gab, ist er immer vermittelnd und ausgleichend aufgetreten.
Jetzt braucht die GAV einen neuen Präsidenten mit der Ruth Aspöck habe ich mich ein bißchen darüber unterhalten, wer das werden könnte? Die Petra Ganglbauer oder die Erika Kronabittner vielleicht, denn Präsidentinnen braucht das Land. Ein berühmter Name, wie Robert Schindel wäre aber auch ganz gut, aber erst einmal wird er uns sehr fehlen.
Wer bitte wird beim Volksstimmefest den Abschluß machen, wiegend und singend oder vielleicht die Maultrommel spielend uns vom Ausverkauf in diesem Land erzählen?
Und hier ein Nachruf von der Wiener Zeitung mit einem Bild, das der Alfred am letzten Volksstimmefest gemacht hat.

Ein Stadtschreibertext

20130721-185156

20130721-185232

Xenia hatte das Handy in der Hand und blickte Hubert an, ihren Mann, ihren Gatten, ihren Liebsten, angetraut seit fast fünfzig Jahren und sie würde in drei Monaten ihren Siebziger feiern. Ja, damals heiratete man noch so jung. Damals vor fünfzig Jahren, als sie gerade zwanzig und mit dem College fertig war. Da war sie ein bißchen in die Welt gereist. Das heißt nach Capri an den Strand gefahren, wie man das in den Sechzigerjahren so machte und dort Hubert kennengelernt, der aus Wagram stammte. Sie kam aus Spratzern und wohnte noch bei ihren Eltern. Jetzt besaßen sie ein Haus am Mühlenweg und Hubert hatte Krebs diagnostiziert bekommen.
Dabei sah man ihm das gar nicht an, wie er so da saß in seinem dunkelbrauen Hemd, die weiße Baseball Kappe auf den kurzen Haaren und seiner tief gebräunten Haut. Fast strahlend sah er sie an, daß sie es gar nicht glauben konnte und hoffte Norbert hätte sich geirrt. Aber Norbert, ihr ältester, der auch schon bald fünfzig wurde, genaugenommen in einem knappen Jahr, irrte sich nie und galt als anerkannter Onkologe und ausgezeichneter Diagnostiker im Landeskrankenhaus. Also würde es schon stimmen und das trieb ihr die Tränen in die Augen, während Hubert, sie tapfer anzulächeln versuchte, obwohl es ihm bestimmt genauso beschißen ging. Was sollte sie ohne ihn beginnen? Also tapfer zurücklächeln. Theaterspielen und nach dem Handy greifen.

20130721-185257

20130721-185318

“Hallo, Mony, bist du dran?”, rief sie die Freundin an.
“Kommst du auf den Rathausplatz? Ich sitze mit dem Hubert noch in der Cafebar am Markt, aber nachher kommen wir dorthin auf ein paar Scampi und ein Eis und treffen dort die Ilona. Der Norbert ist noch im Krankenhaus und wir waren einkaufen!”, rief sie scheinbar munter und spürte Tränen aufsteigen.
Hubert lächelte sie beruhigend an.
“Du bist so schön, Xenia!”, behauptete er. Sie nickte und glaubte es ihm nicht.
“Der Strohhut steht dir ausgezeichnet. Da schaust du jung und frisch aus, wie du es damals am Strand von Capri, am Mittelmeer in bella Italia warst, erinnerst du dich noch?”
“Oder wie damals in der Manhattenbar!”, setzte sie in dem Versuch tapfer zu sein, hinzu.
“Komm trink den Caffe Latte aus. Wir sollten gehen. Ich muß meine Medikamente nehmen!”, sagte er und sie nickte erneut.
Der Knödel war wieder da, würgte im Hals und überhaupt und ließ sich nicht vertreiben.
“Geht es dir gut?”, fragte er, der sie kannte. Sie nickte wieder und wußte, daß die Ilona und die Mony auf sie warten mußten, denn sie würden in das Haus am Mühlweg gehen, wo Hubert seine Infusion und Tabletten brauchte.
“Du bist schön, wie ein junges Mädchen, Xenia, weißt du das?”, wiederholte er fast drängend und sie nickte erneut und schmiegte sich an ihm. Das war jetzt schon ehrlicher und es war ihr auch egal, was die Leute denken würden.
Ihre Apothekerin fuhr mit dem Fahrrad an Ihnen vorüber und grüßte freundlich.
“Geht es Ihnen gut, Frau Richter?”, rief sie fröhlich und radelte weiter. Wieder hatte sie genickt und das Handy in ihre Tasche vergraben. Ilona und Mony konnten warten.

In die vierte Sommerfrischenwoche

Nachdem der Lesemarathon ein solcher Erfolg geworden ist und ich meine schon fast endlos in die Zukunft geschrieben Blogartikeln ein bißchen umgestellt habe, geht es schon in die vierte
Sommerfrischenwoche. Ja, ja, ich bin eine Schnelle und das darf und kann auch bleiben, was bitte ist schlecht daran?
Das Literaturgeflüster-Texte-Manuskript liegt auf Alfreds Schreibtisch, wäre schön, wenn er es bis zum sechzigsten Geburtstagsfest, der letzte große Punkt in meinem Jubiläumsjahr schafft, es fertig zu stellen, so daß ich es meinen Gästen schon als einunddreißigstes Indie-Buch präsentieren kann. Und das werde ich nicht auf Amazon stellen, bei den weiteren, dem zweiunddreißigsten, dem “13.Kapitel-Buch” an dem ich schon fleißig plane, weiß ich das noch nicht.
Vielleicht sollte ich es doch einmal versuchen und schauen, ob das wirklich so ein Flop wird, wie meine eigenen Buch-Promotionen. Vielleicht erlebe ich eine Überraschung. Mal sehen, wenn man es nicht ausprobiert, weiß man es nicht und ich würde ja wirklich gern herausbekommen, warum ausgerechnet ich so zwischen allen Sesseln sitze und es nie und nimmer schaffen kann, wie mir schon gesagt wurde.
Die Sommerfrische war jedenfalls ein Erfolg und von den Sommerlöchern war ich bis jetzt weit entfernt, na ja ein kleines bißchen hineinzufallen, war die Gefahr am Donnerstag der zweiten Woche, wo ich auch den entsprechenden Blogartikel geschrieben habe, schon da. Am Dienstag der dritten Woche bin ich mit dem Korrigieren fertig geworden und habe meine dritten Wochenpläne geplant, zuerst in St. Pölten einen Stadtschreibertag machen und dann den vier oder viereinhalb Tage Lesemarathon.
Am Mittwoch nach St. Pölten habe ich auch mein gelbes Notizbuch mitgenommen, in dem schon die Notizen für die “13 Kapiteln” stehen, mit denen ich ja nach der letzten “Buch-Wien” angefangen habe, obwohl es da ja noch drei Bücher zu korrigieren gab und das war ein Flop, weil zu heiß und ich vielleicht auch noch auf die Bücher von St. Pölten konzentriert.
Jedenfalls habe ich in meinen Notizen nichts gefunden, was über die Laura Augustin, wie meine Protagonistin des ersten und des dreizehnten Kapitel heißt, hinausgehen wird. Dabei bin ich ja zwischen Weihnachten und Sylvester mit dem Buch auch beim Mc Donald und am Bahnhof geschrieben und habe aufnotiert. Das konnte ich dann nicht so recht lesen und habe schon wieder gedacht “Ich kann es nicht, ich kann es nicht!”, dabei habe ich mir ja nach der Lektüre der Julia Cameron, die sehr erfrischend war, vorgenommen, ab jetzt meine inntere Nobelpreisträgerin auf meine Ausflüge bzw. “Künstlertreffs” mitzunehmen, mir Zeit lassen und an mich zu glauben, “wenn die Quantität stimmt, schenkt dir die Qualität ja Gott”, hat Julia Cameron geschrieben. An den glaube ich zwar nicht und habe bisher auch eher das Gegenteil erlebt, so daß ich denke, daß mein Schutzengel, den ich habe, nicht viel von Literatur versteht und mich deshalb auch diesbezüglich nicht fördern will. Aber wie geschrieben, Zeit lassen und sich in Geduld üben, ist sicher, wichtig, Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, der große Roman schreibt sich auch nicht in dieser Zeit und die Sommerfrische ist noch lang.
So habe ich meine Lesetage weitergemacht. Die waren sehr intensiv und als ich nach Wilhelmsburg gefahren bin und Leah Cohn gelesen habe, habe ich mein gelbes Notizbuch nicht mitgehabt nur das kleine schöne mit den Stadtschreibernotizen, die Ideen sind aber trotzdem die Nacht darauf gekommen und jetzt habe ich schon so etwas wie ein vorläufiges Szenarium in meinen Buch notiert und auch schon am ersten Kapitel geschrieben mit wechselnden Erfolg geschrieben.
Die Laura Augustin, die Heldin, das ist eine sechzigjährige Frau, die bald in Pension gehen wird, Bücher für zehn Jahre zum Auflesen hat und nicht recht weiß, wie sie das schaffen soll, wird das erste und das letzte Kapitel kriegen und da ja jedes von einer anderen Person getragen werden soll, gibt es schon die Bezugspersonen, die Nachbarin Nika, das ist eine prekär arbeitende Germanistin, die Idee hatte ich schon zu Weihnachten aufgeschrieben, auch die Freundin Uschiy, die mit einem blauen Bus durch Europa fährt, hatte ich schon erdacht, wie den Alzheimerpatienten und ehemaligen Kulturpolitiker, Robert Wolkner, ein Freund von Lauras Vater, den sie in seiner Residenz besucht und dann gibt es die Buchfiguren, die Mischung aus Realität und Fiktion, denn die Bücher die Laura liest, wird es mit Ausnahme von dem von Ernst Schwarz nicht geben. Aber ein Plagatsautor könnte eine Rolle spielen, eine Bloggerin die von einem Kritiker entdeckt wird, eine verschleppte Sexarbeiterin, die vor dem Fenster steht und auf den Rathausplatz schaut, zwei Freundinnen die zusammenleben, je ein Kind, aber keine Homoehe wollen und und und…
Hat wer nachgezählt? Zehn Kapiteln wären das jetzt, wenn ich nichts vergessen habe, zwei wären dann noch frei, hat wer Ideen für mich und das zu schreiben, werde ich mir wirklich Zeit lassen. Ich weiß, das habe ich schon öfter geschrieben, vielleicht geht es jetzt, wenn nicht, ist es auch egal, denn es kann ja keiner aus seiner Haut heraus und soll das auch nicht.
Die Idee mit den Materialsuchtagen in Wien wird damit vielleicht erledigt sein. In der vierten Woche habe ich jedenfalls vor nach Herzogenburg zu fahren und mein schönes kleines Stadtschreiberbuch ist auch schon aufgefüllt.
Die Stadtschreibergeschichte habe ich am Samstagabend auf dem Bankerl vor dem Schloß in Ochsenburg geschrieben, nachdem ich mir am Vormittag beim Eduscho in St. Pölten die Inspiration dazu geholt habe. Eine Frau mit Strohhut sprach ununderbrochen in ein Handy, das sie jetzt auf den Rathausplatz gehen würde, nachher sahen wir sie mit ihrem Mann im braunen Hemd in die andere Richtung weggehen und die Irene mit dem Rad raste auch noch an uns vorbei. In meiner Geschichte habe ich sie Xenia genannt.
In Woche fünf kann ich mit meinem gelben Buch ja noch einmal durch St. Pölten wandern, bevor ich weiterschreibe, ganz sitzt das “Expose” ja noch nicht und in den Stadtwald und noch einmal zum “Residenzverlag” könnte es mich auch verschlagen…
Sonst den Rest der Sommerfrische vielleicht schreiben und nur jeweils kurz eine Runde in Richtung Ochsenburg oder St. Pölten fahren und den Alfred am Samstag natürlich auf dem Markt treffen und am Sonntag auf die Rudolfshöhe wandern, wenn der Wirt dort aus dem Urlaub zurück ist.
Die Sommerbücher sind ja jetzt auch ziemlich gelesen. Nach den “Sommertöchtern” kommt in Wien schon die Herbstvorschau dran und vier tolle Bücher, Krimis, Thriller, das über Steg Larsson und die Sophie Kinsella werde ich mir auch nach Harland mitnehmen, damit auf der 2013 Leseliste nichts überbleibt, bevor ich dann noch einen Marathontag machen werde und mit dem Buch aus der Telefonzelle, das ich am Freitag gefunden habe, vielleicht in Richtung Herzogenburg fahre und vor jedem Bankerl stehenbleibe…
Dann wird auch schon bald der 14. August kommen und da wird ja die Longlist des deutschen Buchpreises bekanntgegeben. Zwanzig tolle Mainstreambücher, die wir unbedingt bis Weihnachten lesen oder kaufen sollen.
Die Hotlist der Indepentverlage gibt es schon und ich werde den Rest des Sommers, die Leseliste in der richtigen Reihefolge weiterlesen und weiterschreiben, wenn es geht und wenn nicht “Ich kann es doch nicht”, bloggen, versuchen ein bißchen geduldiger mit mir sein, denn wenn man, wie das der Fall ist, schon 1497 Blogartikel, vierzig Jahre, 33 Bücher, 30 selbstgemachte, zwei bei großen, eines bei einem Kleinstverlag und viele Texte in Anthologien geschrieben hat, ist man seine Hemmungen ein bißchen losgeworden und es ist ja schön, daß ich so viel schreibe und nur schade, daß es mir nicht und nicht gelingt, damit aufzufallen.
Also auf ins neue Schreiben und wenn ich hier ein bißchen Anfeuerung und Unterstützung finde, wäre das nicht schlecht, wenn nicht gehts weiter wie gehabt und ist eigentlich auch egal!

Die versprengten Deutschen

Karl-Markus Gauß, 2008 erschienener Bericht über seine Reisen “Unterwegs in Litauen, durch die Zips und am Schwarzen Meer”, das ich am vorvorigen Montag im “Wortschatz” fand, als ich mich zum Friseur aufmachte, nachdem mein Diagnostik-Termin abgesagt worden war, passt sowohl in die “Sommerfrische”, als auch als Sonntag-Buch meines “Lesemarathons”, da wir ja heuer, weil Alfreds WU in den Prater übersiedelt, keine Sommerreise machen, im vorigen Jahr aber Ende Juli auf die “Sechs Länder-Reise” durch die Tschechei und Polen nach Litauen, Lettland, Estland und auch ins finnische Turku aufgebrochen sind.
Einen schönen Samstag waren wir da in Trakai und in Vilnius und das erste Kapitel des Buches, die Phots stammen von Kurt Kaindl, “Abschied in Heydekrug – Bei den zerstrittenen Deutschen Litauens” beginnt auch dort, im Vilnius`schen “Manhattan”, dort, wo die Hoteltürme aufgebaut wurden und der 1954 geborene Gauß, der in Salzburg die Zeitschrift “Literatur und Kritik” herausgibt und durch seine Journale und seine Reisen nach Osteuropaberühmt wurde, wohnte, dann trifft er sich mit Luise Quietsch und die ist ein “Wolfskind” und hat auch einen gleichnamigen Verein gegründet. Gemeint sind damit die Kinder, die es 1945 aus Ostpreußen vertrieben, der Vater fiel im Krieg, die Mutter ist verhungert, in Kinderbanden nach Litauen trieb und die dort von Bauern als Arbeitskräften adoptiert die deutsche Sprache und die deutschen Namen verloren haben.
Vier Gruppen Deutsche gibt es in Litauen hat Karl Markus Gauß herausgefunden, die erste sind die “Wolfskinder”, die teilweise auf die Juden nicht gut zu sprechen sind und nationale Ansichten haben. Dann gibt es noch die Litauischdeutschen und die Russischdeutschen, die alle einander nicht leiden können und sich für die besseren, weil richtigen Deutschen halte, obwohl sie das teilweise gar nicht mehr verstehen.
Mit dem hyperaktiven Leiter Emanuelis Zingeris, des “Hauses der Toleranz” in Vilnius trifft er sich am nächsten Tag, der kommt zu spät, weil als Paralmentsabgeordneter und Direktor des Hauses sehr beschäftigt, serviert roten Wein, erzählt vom Wiener Feldwebel Anton Schmid, der dreihundert Juden rettete und dafür im April 1943 erschossen wurde und als ihm Gauss auf Manfred Wieninger und Christiane Papst zwei junge Leute aus St. Pölten aufmerksam machte, die das herausgefunden haben, sagt Zingeris, sie sollen sich bei ihm melden, Wieninger und Papst schreiben Gauß später, sie wären schon oft vor Ort gewesen und ihm vorgestellt worden, aber der ist ja so beschäftigt, daß ihn nur eine klammheimlich seiner Sekretärin abgerungene Tasse Bortsch entspannen kann.
Einen Russischdeutschen, der kaum zu verstehen ist, trifft er dann in Elektrenai einem kleinen Städtchen, das nicht im Reiseführer steht, das Land aber mit Elektrizität versorgt, er ist an die Siebzig, trinkt mir Gauss Schnaps und ist an einem ehemal schwäbischen ausrangierten Imbißwagen fette Würstchen. Den Litauisch Deutschen Erwin-Erwinas, einen pensionierten Schauspiler hat schon vorher in Vilnius getroffen und der ist auch hyperaktiv-hektisch die Restaurantstiege hinuntergesprungen, so daß er sich den Knöchen brach und ins Krankenhaus mußte.
Dann gehts nach Klaipeda und zum “Ännchen von Tharau”, im Simon-Dach-Haus trifft er die fünfundzwanzigjährige Germanistin Marta Einars, die ihm von der Hermann-Sudermann-Schule erzählt, in die nach der Wende alle wollen und dafür auch bereit sind, einen deutschen Großvater zu erfinden, während früher die deutsche Sprache verpönt und verboten war.
Es taucht dann auch ein Ostdeutscher namens Lehmann auf, der nationale Vorträge hält, für die Marta sich entschuldigt und als wir vor einem Jahr vor dem Simon Dach-Brunnen gestanden sind, gab es am Theaterplatz, wo Hitler einmal die Befreiung Memels vom Balkon verkündete, eine EU-Veranstaltung, wo ich mir einen Sack mit litauischen EU-Broschüren mitgenommen habe.
Gauß reiste aber weiter nach Priekule, wo die Dichterin Ieva Simonaiyte “Wir sind ein Volk – eine Sprache- ein Litauen”, ein Denkmal hat und in Silite, das früher Heydekrug hieß, wurden in einem Gasthaus drei alte Damen geehrt.
Der zweite Text “Von Hopgarten nach Smolnik – Unterwegs in der Zirps” handelt von der Slowakei, in der Gegend der hohen Tatra, wo wir ja auch schon fünf Mal unterwegs gewesen sind und beginnt in Hopgarten, da ist Gauß und sein Fotograf bei einer Familie eingeladen, die ein “sächsisch, schlesisch, schwäbisch und byrisches Mittelhochdeutsch” spricht von der Uroma bis zum kleinen Enkel sitzen sie alle zusammen, singen und servieren dem armen Gauß Schnaps, Wurst, Kaffee und Kuchen gleichzeitig und fordern ihm zum Essen auf.
In Poprad, der Stadt, wo wir immer im Tesco einkauften, bevor es zurück nach Österreich ging, wohnt er im Hotel Gerlach, wo sich der Frühstückraum gleich nebem dem Erotik-Club befindet, so treffen die mafiösen Geschäftsleute und die müden Prostituierten in Schlapfen und im Morgenmantel beim Kaffee aufeinander, bevor die Gymnasiasten kommen, um auch einen Blick auf diese Erotikwelt zu werfen. Sie treffen auch Vladi den Redaktuer des “Karpatenblattes”, der hat die Gicht und trinkt Wodka mit Wasser und der alte Dr. Martinko, Jahrgang 1916, also das, wo der selige Kaiser starb, spricht ein Prager Deutsch, hat kein Geld für das Mittagessen in dem Restaurant, wo er die beiden hinbestellt, gibt dem ehemaligen kommunistischen Schuldirektor, der seine Pension an der Garderobe aufbessert, aber doch ein Trinkgeld.
Und einig sind sich all diese versprengten Deutschen, die einander ebensowenig, wie die in Litauen leiden können, daß die Schuld an allen bei den Roma, der größten Volksgruppe liegt und schade, “daß der Hitler auf sie vergessen hat.”
Dann gehts ans Schwarze Meer, wo Gauß in Orten wie Elsaß, in Odessa und auch anderswo nach den Schwarzmeerdeutschen sucht, weil die ja zu Beginn des Neunzehnten Jahrhunderts von Zar Alexander den I nach Russland geholt wurden, jetzt gibt es aber nur mehr Kirchen ohne Dächer, die einmal zu Sporthallen umfunktioniert werden sollten, alte Herren, die Gauß erklären, ob er wisse, daß Hitler auch ein Österreicher gewesen sei, alte Damen die mit goldenen Zähnen lachen und zufällig Eichmann heißen, ein Kubanaer, als Chauffeur im byrischen Haus, das den Deutschen bei der Umsiedlung helfen soll und dort ist es eine Russin, die am besten von allen Deutsch spricht und eine Übersetzerin versucht Gauß das deutsche Odessa zu zeigen.
Ich bin ebenfalls noch nie in Odessa gewesen, habe aber einmal ein Buch geschrieben, in dem ich meine Heldin auf eine Busfahrt dorthin schickte.
Als interessant sind vielleicht noch die Danksagungen mit Buchhinweisen im Anhang zu erwähnen und, daß das Buch mit Hilfe eines Projektstipendiums geschrieben wurde.

Fünf Bücher in viereinhalb Tagen

Nachdem ich am Dienstag mit dem Korrigieren des “Literaturgeflüster-Texte-Buchs” fertig wurde, konnte ich diese Woche einen Lesemarathon machen, bevor ich, in der nächsten oder übernächsten Woche, mich vorsichtig meinem neuen Buchprojekt annähere.
Das heißt, ein bißchen habe ich das schon am Mittwoch getan, als ich das gelbe Buch auf den “Fünf Stunden Buchhandlungstag”, mitgenommen habe und da war ich erst einmal entsetzt, noch keine wirkliche Einfälle, für die “13 Kapiteln” zu haben, also noch nicht so weit zu sein, einfach loszuschreiben, sondern mich vielleicht zu wiederholen.
Aber der Sommer ist noch lang, meine Leseliste ist ja ebenfalls gigantisch und einen Schreibmarathon habe ich heuer noch nicht gemacht. Voriges Jahr habe ich Pfingsten damit verbracht, heuer hatte ich das im November geplant, wenn wir nach meinem sechzigsten Geburtstag nach Ungarn fahren.
Aber mit dem Rad einen Lesemarathon machen und dort lesen, wo es schön ist, am See, an der Traisen, etc, ist vielleicht eine passende Sommerfrischen-Aktivität und die Liste der Sommerbücher, die ich inzwischen erstellt und erweitert habe, bieten sich auch gut an, obwohl ich ja sonst eine reine Badewannenleserin bin, die das bevorzugt in der Früh und am Abend eine Stunde tut.
Also fünf Bücher in fünf Tagen, das sind ja Aktionen, wie ich sie von anderen Blogs kenne, das heißt, die machen das meist in sieben Tagen.
Aber Mittwoch bis Sonntag sind fünf Tage und da hatte ich auch schon die passenden Bücher ab. Allerdings bin ich am Dienstag sehr überraschend mit dem Korrigieren fertig geworden, so daß ich für den Mittwoch schon die Idee mit den “St. Pöltner Buchhandlungen” hatte und dann dachte ich, ich könnte beides verbinden.
Am Mittwoch über St. Pöltens Bücher schreiben und die restlichen vier Tage einen Lesmarathon machen.
Die ungeduldige Person in mir hat dann schon um vier Uhr Nachmittag mit der Sarah Kuttner begonnen und das Buch auch noch verwechselt, wie ich das schon einmal bei der Pearl S. Buck machte, denn eigentlich stand ja “Wachstumsschmerz” auf der Sommerleseliste.
“Mängelexemplar” wollte ich erst nächstes Jahr lesen.
Beide Bücher lagen in Harland aber über dem Bett, so daß es Mittwochabend in der Badewanne eine sehr schnodderig erzählte Geschichte einer Depression wurde, die mich auch ein bisschen verwirrte.
Am Donnerstag habe ich dann mit dem Radfahren begonnen. Buzzaldrin hat da ja am Montag auf ihren Blog Fotos von ihren Leseplätzen in einem Bremer Park gezeigt und wissen wollen, wo man am liebsten liest?
“In der Badewanne, alles andere ist mir zu exotisch!”, habe ich geschrieben und damit gemeint, daß ich das Lesen auf Bänken inzwischen nur mehr für die Marathons betreibe und auch kaum mehr mit der Straßenbahn fahre und wenn, habe ich wahrscheinlich kein Buch in der Tasche.
Es war aber eine schöne fünf Stundenfahrt, die ich da am Donnerstagnachmittag mit Leah Cohns “Der Kuss des Morgenlichts” hatte.
Ich habe ja schon geschrieben, daß ich bei meinen Radtouren, wo ich üblicherweise nicht absteige, eher pragmatisch ist, einmal nach links und dann nach rechts an der Traisen entlangfahre.
Und weil ich Mittwoch in St. Pölten war, bin ich mit meiner Wasserflasche und einem roten Kapperl auf dem Kopf, es war sehr heiß, in Richtung Wilhelmsburg aufgebrochen. Die zwanzig Euro hatte ich auch im Rucksack, bzw. davon schon fünfzehn ausgegeben, am vorigen Freitag für ein paar Slips, die ich brauchte, in Traisen und am Mittwoch für die Helene Hegemann, die ich vielleicht doch nicht so brauchte oder natürlich doch.
Aber die Idee mir in Wilhelmsburg vielleicht einen Kaffee und ein Kipferl zu kaufen, Cornelia Travniek lebt mir das ja als Klagenenfurter Stadtschreiberin vor, hat etwas auf sich. Vorerst bin ich aber fast bei jeden Bankerl stehengeblieben und habe je ein Kapitel gelesen. Bin dann direkt an der Traisen bis zu dem neuen Einkaufszentrum an der Traisen gefahren, sonst biege ich bei der Brücke ab und stelle das Rad zum Friedhof, wenn ich nach Wilhelmsburg will, mir dort den Cappucino beim “Spar” und das Kipferl beim “Hager” gekauft und den tollen Park, den ich eigentlich auch besuchen wollte, habe ich nicht mehr gefunden.
So bin ich wieder zurückgefahren. Nach der Wilhelmsburgerbrücke, wo es einen schönen Rastplatz mit einem Wasserspender gibt, war ich mit dem Lesen fertig, so habe ich mich dann noch ein bißchen mit dem schönen kleinen Stadtschreiberbuch an den Traisenstrand gesetzt und zwei Impressionen eingetragen.
Und um mich nicht selbst zu sabotieren bin ich am Abend nicht mit dem “György Dalos”, sondern mit dem “Kleinen Dreckspatzbuch”, die Beilage zu den Dresdner Badesalzen, die ich von der Anna zu Weihnachten bekommen habe, in die Badewanne gegangen und habe dort auch in den neuen “Manuskripten” und in der St. Pöltner Stadtzeitung geblättert.
Am Freitag ging es dann nach Ungarn, beziehungsweise nach einem guten Frühstück oder eher schon einen kleinen Brunch, Schafkäse mit Paprika und Tomaten, sowie Bananenjoghurt mit Erdbeeren, Kirschen und Marillen, die Traisen an die Seen hinunter.
Da gibt es ja den Ratzersdorfersee, an dem ich früher, als ich noch meinen Vater betreute und mit der Anna gependelt bin, so manchen Sommer verbrachte und, glaube ich, auch an der “Schizophrenie” geschrieben habe. Ich bin diesmal aber nur vorbei gefahren, zum Naturlehrpfad, das ist auch ein schöner Platz, man stellt das Rad ab, geht n eine Runde über die Felder und kann die Namen der Pflanzen auf Tafeln nachlesen. In der Mitte gibt es Tische und Bänke und ein Häuschen mit Schautafeln. Ich habe mich an einen Tisch gesetzt und ein Stückchen von György Dalos “Der Fall des Ökonomen” gelesen, den ich schon am Morgen in der Badewanne begonnen habe. Dann über die Brücke, zum Viehofner See, auf die Aussichtswarte und ins Traisencenter, eigentlich wollte ich da herumschlendern, da gibt es auch ein Buchgeschäft und eine Schokothek, ich hatte aber, der vielen Roma wegen, ein bißchen, natürlich unbegründete Angst, um mein Rad, so habe ich mir nur beim “Spar” einen Caffe Latte, den gibt es dort, wie den Cappuccino um siebenundfünfzig Cent, gekauft und bin zurückgefahren.
Richtig, bei der Telefonzelle war ich natürlich auch, da gab es Barbara Frischmuths “Amy oder die Metamorphose, in einer Aufbau-Auflage, was ich aber schon habe, einen Sebstian Fitzek und ein Buch das den schönen Namen “Der Buchtrinker” trägt.
Dann bin ich zurückgefahren, habe bei ein paar Bankerln Halt gemacht und den György Dalos ausgelesen, von dem ich schon ein Stück in der “Alten Schmiede” und bei “Literatur und Wein” in Stift Göttweig hörte.
Am Samstag kam dann ein sehr Interessantes, zum Thema und zur Sommerfrische passendes Buch, das ich zu Beginn derselben, in der Telefonzelle vis a vis der “Seedose” gefunden habe, nämlich ein von Johannes Twaroch herausgegebener 1988 erschienener Sammelband zur “Niederösterreichs Literatur im Aufbruch – 30 Jahre Arbeitsgemeinschaft Literatur” und wenn sich inzwischen auch sehr viel verändert hat, war es interessant, über die Vergangenheit und von der Zeit zu lesen, wo ich zwischen Wien und St. Pölten hin und her gependelt bin, vom Land NÖ ein Stipendium haben wollte und einen Verlag für meine “Hierarchien” suchte.
Es war auch interessant von Wilhelm Szabo und dem Dichterstreit Niederösterreichs zu erfahren, der mir ja einmal die Hand küßte und ich dachte, entzückt, er wolle mich fördern, aber das hat er auch nicht bei seiner Frau Vally getan. Gelesen habe ich das Buch in der Badewanne, dazwischen habe ich dem Alfred geholfen, die Buchenscheiter für die Oma von dem Transportwagen in Schachteln zu verpacken, damit sie es im Winter warm hat und bin mit dem Rad nach St. Pölten auf den Markt gefahren, um mit ihm dort eine Käsekrainer zu essen und einen eisgekühlten Caffe Latte zu trinken.
Am Sonntag ging es dann wieder, auch ein bißchen an unsere “Sechs Länderreise”, vor einem Jahr weit weg. Nämlich mit Karl Markus Gauß nach “Litauen, durch die Zips und ans Schwarze Meer”, um nach den “Versprengten Deutschen” zu suchen.
Das war der Lesemarathon im Juli 2012 ein Programmpunkt der Stadtschreiber-Sommerfrische, bei der sich bei mir inzwischen insoweit so viel verändert hat, daß ich mein selbsterwähltes Stadtschreibemonat nächste Woche beenden werde, da ich inzwischen mit dem neuen Romanprojekt begonnen habe und das eine Buch, das ich mir ja noch irgendwann aus der Telefonzelle vis a vis der “Seedose” ziehen wollte, um damit auf große Fahrt zu gehen, hat die Ungeduldige am Freitag auch schon gefunden, so daß ich jetzt einfach an Ende der vier Krimis und ChtLits setzen, die ich mir nächste Woche aus Wien, als Fortsetzung meiner Sommerbücher mitnehmen werde, um meine Leselistenreihenfolge doch nicht so sehr zu sprengen.