Axolotl Roadkill

Wieder bin ich etwas ratlos und frage mich, ob ich das “Lebensgefühl einer Sechzehn-oder Siebzehnjährigen, die sich von allen Konventionen befreit hat”, hochbegabt und voll überfordert durch das Berlin der Zweitausendzehnerjahre taumelt und mit großer Schnauze ihre Alpträume schildert, die Literatur ist, die ich wirklich lesen will und da fallen mir auch gleich ein paar Punkte ein.
Zuerst, daß ich mir Helene Hegemanns Debutroman vor ein paar Wochen sofort kaufte, als ich ihn auf dem 3.99 Thalia Abverkaufsstapel liegen sah, obwohl mir die 3.99 Bücher normalerweise zu teuer sind und ich sie mir eher schenken lasse, dann natürlich, daß ich 2010 den Plagiatsskandal um das Buch sehr begierig verfolgte, darüber geschrieben habe, aber erst jetzt verstehe, um was für ein Buch es sich dabei handelt und noch besser verstehe ich Ana Znydars Satz, beim “Memoir” oder anderen Schnupperseminar, beim Tag der offenen Tür im Writersstudio vor einem Jahr, daß man beim Schreiben, an das Schrecklichste was man je erlebt hat, denken soll, dann wird es richtig gut.
Die Psychotherapeutin in mir war damals nicht damit einverstanden und ist, da ich ja manchmal mit Borderlinepatienten, Drogen- und anderen Problemen, in meiner Praxis zu tun habe, auch jetzt nicht damit einverstanden und wiederhole, daß ich diese Art von Literatur, der überforderten Kinder nicht lesen will und es für sehr bedenklich halte, wenn der Literaturbetrieb das verlangt, immer jünger, immer fetziger und immer furchtbarere Erlebnisse geschildert haben will.
Aber ich habe das Buch jetzt gelesen, verstehe den damaligen Plagiatsskandal, der in dem Sinn eigentlich keiner war, denn Helene Hegemann hat in ihrem Taumel durch das Berlin von 2009 oder 2010 zu rasen, mal, wie sie auch schreibt “von so einem Blogger” und auch anderen Quellen abgeschrieben und versteht, nachdem in Kürze ein zweiter Roman von ihr erscheint, die damalige Aufregung wahrscheinlich noch immer nicht.
Der Blogger Airen hat sein Buch inzwischen, glaube ich, auch bei Ulstein veröffentlicht und ich tue mir auch ein bißchen schwer, weil “Axolotl Roadkill” ein Buch ist, dessen Handlung man nicht so einfach erzählen kann, denn es hat eigentlich keine.
Da gibt es Mifti, das ist ein sechzehnjähriges Mädchen, wohlstandsverwahrlost, wie sie es nennt, Schulverweigerin, wahrscheinlich hoch begabt, das ihre Mutter verloren hat, nun bei zwei genauso wohlstandsverwahrlosten Geschwistern, Annika und Edmond lebt, der Vater, offenbar ein Kulturschaffender, wie Helene Hegemanns Vater, lebt irgendwo anders mit seiner Freundin Franziska und Mifti rast nun durch ihr Leben, schreibt Mails an ihre Freundin Ophelia, die viel älter ist als sie, fährt im Taxi und diskutiert dort mit den Chauffeuren, nimmt Heroin, vögelt und wenn sie dann doch wieder in die Schule geht, macht sie mit ihrer Klasse eine Exkursion in ein KZ und die wohlstandsverwahrlosten Schüler nerven dort ihre Lehrer, warum sie nicht rauchen dürfen.
Das habe ich schon einmal ähnlich beeindruckend bei Xaver Bayer gelesen, daß die Schüler nach Mauthausen müssen und dann beim Mc Donald darüber witzeln.
Es gibt also auch durchaus sehr beeindruckende Bilder in dem Buch, die Erklärung einer Borderlinediagnose gibt es auch “Ach diese Borderlinesyndromescheiße ist gleichzusetzen mit unklaren Oberbauchbeschwerden. Das sagen, die immer, wenn ihnen nichts mehr einfällt” und Mifti war auch schon bei einigen Therapeuten, die sie rausgeschmissen haben oder nicht mit ihr über Heidegger diskutieren wollten.
Denn Mifti ist sehr belesen und sehr überfordert und ihr ebenfalls überforderter Vater wollte mit ihr einmal zu dem Haus fahren in dem sie geboren wurde und erzählte ihr, daß sie da mit zwei Jahren irgendwo hinaufkletterte und sie dann mit voller Wucht auf den Boden schmiss, weil sie von sich überzeugt war, fliegen zu können und der Bruder hat einmal die Lieblingsmaus der Schwester an die Katze verfüttert.
So ist das Leben hart und ungerechet. Man kann nicht fliegen, auch wenn man das mit zwei Jahren glaubt, mit Sechzehn glaubt man wahrscheinlich nicht mehr und so rennt Mifti auch mit einer Wassergefüllten Plastiktüte durch die Stadt in der das Axolotl steckt, das sie für Ophelia kauft und dann geht sie in ein Kaufhaus, packt dort sämtliche Kaschmirpullover ein und wartet dann auf die Kaufhausdetektive mit einem gefälschten Schülerausweis, damit sie sie erwischen.
Das Leben ist hart und ungerecht und ich will diese Überforderung nicht als schöne Literatur lesen und eigentlich auch nicht, daß die überforderten Verlage und Lektoren, das von den immer jünger werdenden Autoren verlangen. Roman Marchel hat dazu vergleichsweise ein viel ruhigeres und viel einfacheres Buch geschrieben. Ich versuche das mit meinen Texten auch und habe vieles was da her heruntererzählt wird, auch nicht verstanden.
Einiges schon und das hat mich dann auch beeindruckt. Helene Hegemanns Biografie dürfte mit der Mifti vergleichbar sein, hat sie ja auch ihre Mutter früh verloren, ist wahrscheinlich hochbegabt und hoffentlich nicht so überfordert, wie sie nach dem Buch sein müßte.
Daß vieles nur einfach herunter und auch abgeschrieben und nicht so ganz selbst erlebt wäre, wäre ihr wahrscheinlich zu wünschen und nun bin ich gespannt, wie es mit “Jage zwei Tiger”, dem zweiten Roman werden wird, der Ende August erscheint.

Feinschliff

Am Montagnachmittag habe ich, da ich erst ab fünf zwei Stunden hatte, die Ruth um zwei zum Kaffee getroffen und sie hat mir ein Erdbeerparfait mitgebracht, das über geblieben ist, weil Robert Eglhofer Geburtstag hatte.
In der Sommerhitze sind wir in der Krongasse auf der Terrasse gesessen und haben uns über Rolf Schwendters Tod unterhalten, sie hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß es trotzdem eine Poet Night im September geben wird, zu er ich mich schon angemeldet habe.
Die Ruth wird demnächst nach Salzburg zu den Festspielen fahren und hat mir auch erzählt, daß sie sich für ihr neues Buch eine Lektorin genommen hat. Ja, ja, das sind die neoliberalen Zeiten, wo die Verlage alles ausgliedern und der Autor selbst für das Lektorat sorgen muß. Sie ist schon sehr gespannt darauf, was die Lektorin sagen und ich bin sehr gespannt auf ihr neues Buch, das demnächst erscheinen wird.
Am Abend habe ich sie dann noch einmal am Rathausplatz getroffen, wo es im Richard Wagner Jahr die ersten zwei Akte der “Götterdämmerung” in einer, wie ich finde, sehr schlechten Inszenierung gegeben hat.
Am Dienstag habe ich dann am Morgen Roman Marchels “Wir waren da” ausgelesen, das neue “Residenz-Buch”, das am 6. 8. erschienen ist und eine spannende Erfahrung gemacht, daß es auch bei Neuerscheinungen sehr leise und bedächtig gehen kann.
Dann hatte ich eine Kinderdiagnostik und zwei Stunden und habe, bevor ich wieder in meine Sommerfrische gefahren bin, das ist jetzt, wenn ich mich nicht irre, die sechste Woche, das erste Kapitel meines “Dreizehn Kapitel Buchs” korrigiert. Da wollte ich ja eigentlich sehr viel ändern oder es überhaupt neu und umschreiben, damit das mit den Bücherbergen und den Leselisten für zehn Jahren vielleicht ein bißchen fetzig rüberkommt.
Derweil habe ich das aber noch nicht allzuviel, nur festgelegt, was geändert werden soll.
Stefan Horetzkys Töchter werden Klara und Klaudia mit K heißen und dann nach Harland gefahren, um mich in eine intensive Korrekturwoche zu begeben, wo es um den Feinschliff gehen wird.
Dazwischen gab es dann ein bißchen Aufregung, denn leider ist das Internet ausgefallen. Wahnsinn, wie schnell man davon abhängig wird. Aber zum Korrigieren brauche ich es ja gar nicht und eigentlich wollte ich ja weniger Bloggen, aber einen Schreib- bzw. Sommerfrischenbericht trotzdem geben, denn irgendwie stehen wir ja in der Mitte des Sommers und die Herbstbücherproduktion ist schon voll im Anlaufen. Das betrifft mich ja nicht sosehr, obwohl ich in den letzten zwei Wochen ja ein ganzes Rohkonzept geschrieben habe, aber am nächsten Mittwoch, den 14. 8. geben sie in Frankfurt, glaube ich, die heurige Longlist des deutschen Buchpreises bekannt.
Zwanzig Bücherneuerscheinungen, die man unbedingt gelesen haben sollte. Auf meiner Leseliste steht dagegen Tanja Maljartschuks “Biografie eines zufälligen Wunders”, ein “Residenz-Buch”, das am 27. August erscheinen wird und in der Badewanne habe ich vorhin Helene Hegmanns “Axolotl Roadkill”, der Aufreger vom Frühjahr 2010 gelesen, den es vor ein paar Wochen bei “Thalia” um 3.99 gab und Buzzaldrin hat mich darauf aufmerksam gemacht, im August erscheint ein neues Hegemann-Buch, so daß man sich natürlich fragt, ob das auf der zwanzig langen Bücherliste stehen wird?
Thomas Glavinic, der österreichische Superstar, hat ein neues Buch geschrieben, das auch im August erscheinen wird, das stellt er bei den O-Töne vor und ist wie ich www.buecher.at entnehme, da für den “Wilhelm Raabe-Preis” nominiert. Wird er auch auf der langen Liste stehen und wer noch?
Am Mittwoch werden wir es wissen und es ist ohnehin egal, weil es ja wahrscheinlich ein paar Jahre dauern wird, bis ich die Bücher in den Schränken oder in den Ein Euro Abverkaufskisten finden werde und ich habe ohnehin schon so eine lange Leseliste und will eigentlich gar nichts Neues mehr nehmen. Wenn ich das nur schaffe, denke aber irgendwie ganz glücklich, daß ich das ja gar nicht schaffen muß. Luxusprobleme. Also welche Bücher werden auf der langen Liste stehen? Vielleicht ist der neue Köhlmeier und der neue Schindel dabei, die ich ja auch noch lesen muß.
Ja, die Neuerscheinungen kommen und machen neugierig, die Leute schreiben eben sehr viel und wer wird das alles lesen? Diese Frage stellt sich immer noch und ist auch egal, denn ich lese was ich kann, bin dabei sicher an der Spitze, der Semiprofessionellen Literaturblogger oder erfolglos literarisch Schreibenden, schreibe auch sehr viel und schnell und das auf mich aufmerksam machen, scheint mir immer noch nicht zu gelingen, ist aber ebenfalls egal, weil ich es ja offensichtlich nicht ändern kann.
Ein paar Hinweise auf Veranstaltungen sind am Dienstag auch zu mir gekommen, so findet nächste Woche in Raabs an der Thaya das jährliche “Poetenfest” des Richard Pils statt. 2000 habe ich da, glaube ich, einmal gelesen und meine “Wiener Verhältnisse” vorgestellt. Seither war ich nie mehr dort. Es hat mich auch niemand zum Lesen eingeladen, wäre aber vielleicht ein passender literarischer Ausflug, auch wenn man dort, glaube ich, Eintritt zahlen muß und einen Ankündigungshinweis für literarische Veranstaltungen am 21. und 23. August in Schloß Kittsee, wo unter anderen, die Petra Ganglbauer liest, habe ich auch bekommen, aber das ist, glaube ich, ein Mittwoch und ein Freitag und Kittsee auch von Harland weit entfernt und ich will diese Sommerfrischenwoche hauptsächlich korrigieren und am Mittwoch, wenn ich es zusammenbringe mit dem Rad nach Herzogenburg fahren und auch ein bißchen beim “Lidl” einkaufen und wenn ich sehr fleißig bin, kann ich mich auch an meinen Schwendter-Text machen, den ich ja fürs “Volksstimmefest” schreiben will und für die Poet Night kann ich ihn vielleicht auch brauchen. Lesen werde ich nach der Helene Hegemann, die Thriller und Spannungsbücher, die ich mir vorige Woche aus Wien mitgenommen habe, zweimal Sebastian Fitzek und ein Buch über die “Welt der Lisbeth Salander” steht da auf der Liste, bis die deutsche Buchpreisliste bekanntgegeben wird und ich erfahre, was der literarisch Interessierte in diesem Bücherhebst lesen soll, aber das bin ich ja gar nicht, meinen meine Kritiker immer wieder und so kann ich lesen und schreiben was und wie ich will und das habe ich in diesem Supersommer auch vor und wenn es mir noch ein bißchen gelingen sollte, meine “Dreizehn Kapiteln” ein bißchen literarisch zu korrigieren und damit auch Aufmerksamkeit zu bekommen, wäre das ja auch sehr schön.

Wir waren da

Neun Erzählungen des 1974 in Graz geborenen Roman Marchel, der 2004 den Siemens Literaturpreis gewonnen hat, 2011 erschien sein erster Roman “Kickboxen mit Lu” bei Residenz und jetzt die neun Erzählungen, Alltagserlebnisse, Familienkatastrophen aus der Sicht Erwachsenwerdender oder schon Gewordener.
In einem fast altmodisch bedächtigen Ton erzählt da Alexander oder Xahander, ein siebzehnjähriger Hinterbliebener in “Der Roboter und das Mädchen”, ein bißchen surreal anmutend ist die Geschichte, die wie in der Gruppe anonymer Alkoholiker beginnt.
“Hallo, ich Xahander und ich bin da für meine Mutter, die in Ruhe schweigen soll!”
Dann geht es los in das Familienidyll, eines Sommernachmittags in einen Garten, die Kinder trinken Cola, der kleine Bruder darf noch nicht, die später spielt ein Lied auf einem Radio, nervt damit alle, es wird ihr verboten, sie geht ins Haus, kommt wieder und verschwindet schließlich mit einem Roboter um niemals wiederzukehren.
“Halihalo, wo sind wir auf welcher Ebene, in der der Geister? Die Medienwelt stürzt sich jedenfalls auf die Familie, die trotzdem weiterlebt, der kleine Bruder fürchtet sich vor Gewitter und an den Jahrestagen, die besonders gefährlich sind, spielt die Katze Doucette, die eigentlich ein Kater ist, mit dem Radio, die Melodie “Seasons in the sun” geht los und die Mutter kommt ins Krankenhaus und Xahander in die Selbsterfahrungsgruppe.
So geht es weiter. In der nächsten Geschichte, ist eine Siebzehnjährige kurz vor ihrer Matura, die Erzählerin, in dem Sommer in dem Markus drei Gedichte für sie geschrieben hat, die in seinem später erschienenen Buch nicht enthalten sind. Wieder wird geheimnisvoll nach rückwärts erzählt, die Gedichte sind enthalten und sehr schöne Wortwendungen, gibt es in den “Schwimmern in den Kronen”, die sich nachts um elf am Dach treffen auch.
In ein “Sterbender Schneemann” geht es um den Großvater. Sein Sterben und sein Leben wird hier erzählt. Der Großvater der Patriarch, der sich nur zweimal im Leben entschuldigt hat, der die Frauen schwängerte und dem Krieg in einer BMW 1939 voranbrauste, die kleine Enkeltochter Clara, der ein Goldkettchen schmieden ließ, wird einen Schneemann mit Hut für ihn bauen, der ihn sozusagen als Grabwächter begleiten wird.
Ähnlich surreal geht es im “Weißen Hai im Bretterschuppen” weiter, da verfolgen wir erst die Träume zweier Studenten Jan und Boris, in ihren Wiener Wohnungen, der eine träumt von einer Hexe, der andere von schönen jungen Mädchen, mit denen er gerne Artischokenspitzen aus Joghurtsaucen löffeln möchte und lädt den anderen dazu ein, da sich das Mädchen weigert. Der erscheint mit einer Flasche Sekt und fordert dann den Freund auf, in das elterliche Dorf zu fahren, es ist der vierte Todentag des Vaters, das Haus hat der längst verkauft ist ist schon abgerissen worden, aber da gibt es noch einen Schuppen mit einem Poster vom weißen Hai, den Boris als Kind von seinem Vater bekommen hat. Sie holen ihn und bringen ihn zurück nach Wien.
Die “Zwei Schwestern” sind zwei- und fünfundachtzig, klein und dick, größer und hager die anderen, sie können sich nicht leiden und spielen dennoch einmal in der Woche mit einem befreundeten Ehepaar Halma. Die Enkeltochter Katharina erscheint mit dem Schulaufsatz den sie über ihren Großvater, der das Hakenkreuz länger als er mußte, über seinen Schreibtisch hatte und die eine Schwester erzählt der andere dann triumphierend, daß sie ihre Liebesbriefe, die sie einmal von einem an der Front gefallenen bekam, belesen und weggeschmissen hat.
Und in “Et in Arcadia ego”, liegt einer offenbar auf der Intensivstation und erlebt sein ganzes Leben, bis vor der Geburt wieder.
In “Kleine Geschichte der Luftschifffahrt zwischen den Marmeladegläsern meiner Großmutter” erleben vier Kinder schöne Zeiten in der Speisekammer ihrer Großmutter, wo sie in roten und blauen Pyjamas die “letzte Fahrt der Hindenburg” sowie Raumschiff Enterprise immer und immer nachspielen. Die Kindheitsnachmittage enden mit dem Gymnasiumsantritt des Cousins, der nun für Briefe an das Christkind schon zu groß ist, zerbrochenen Marmeladegläsern, einem blauen Auge des Herrn Krumbach und schließlich, wie es im Leben so kommt mit dem Tod der Großmutter.
Im “Tunnel” geht es noch surrealer zu, denn da bekommt eine siebzigjährige Frau plötzlich einen Kinderschuh geschickt und erlebt die Sommer und die Katastrophen ihrer Kindheit wieder, so daß sie sich in einem Zug setzt, eine geheimnisvolle Reise anzutreten, die schließlich im Krankenhaus mit einem fast Nierenversagen endet und in der letzten Geschichte “About a girl” erleben wir die Pubertät, die verlorenen Träume und das Scheitern der fünfzehnjährigen Silvia mit, die am Mittagstisch gelangweilt in ihrer Buchstabensuppe stochert und dann am Weg zum Teich nochmals alle Stationen ihres bisherigen Lebens durchgeht, die zwei Freundinnen Natascha und Evelyn mit denen sie sich im Dorf eine Traumstadt bauen wollte und mit Popcorn Taubenfütternde japanische Touristen spielten. Den Tag wo sie mit sieben als Prinzessin beschloß fortan nicht mehr in die Schule zu gehen, den grünen Hydranten in den sie einen Marsmenschen erkannten und die Schrecken einer Party zu der sie nicht mehr eingeladen wurde, weil die Eltern ihrer Freundinnen dagegen war.
Rroman Marchel erzählt auf eine fast altmodisch bedächtige Weise seltsam surreale Geschichten aus den Kindertagen, die einen seltsamen Kontrast zu den viel fetzigeren schnelllebenderen Geschichten bilden, die die trendigen Jungautoren sonst, um ihn herum schreiben und wahrscheinlich gerade deshalb lesenswert und zu empfehlen sind.

Achtzig Rohseiten

Juchu, ich bin mit der Rohfassung meines “13-Kapitel-Textes” fertig, achtzig Rohseiten und auch dreizehn Kapitel, wie geplant, sind es geworden und ich bin am Freitag, nachdem ich meinen Schreibbericht geschrieben habe, auch sehr fleißig gewesen.
Habe zunächst zwei Szenen bzw. Kapiteln geschrieben, das des Stefan Horetzky, das jetzt “Eine Aktentasche mit Symbol” heißen wird, und “Die Suche nach der verlorenen Frau”, dann bin ich essen und Radfahren gegangen und habe mich, nach dem ich ein bißchen, wie ich es ganz gerne tue, in meinen eigenen Büchern geblättert habe, um nachzuschauen, wo ich mich vielleicht wiederhole, noch einmal auf die Terrasse gesetzt, das gelbe Buch hergenommen und nachgeschaut, ob ich wirklich, die andalusische Krankenschwester Dolores zur Protagonistin von Kapitel zwölf machen soll?
Habe ich und ich glaube es ist ganz gut gelungen und das dreizehnten Kapitel, spielt, wie schon beschrieben nicht zehn Jahre später, sondern auf Lauras Pensionsanfangsparty zu der Nika, Laurenz Wolkner und Stefan Horetzky kommen.
Achtzig Rohseiten, bzw. knapp zweiunddreißigtausend Wörter hat es nun. Jetzt werde ich es ausdrucken, durchsehen und zumindestens am ersten Kapitel noch etwas verändern.
Es ist mir also in den letzten zwei Wochen bei meiner Schreibklausur sehr gut gegangen und ich bin zumindest was die Rohkonzepte betrifft, sehr schnell unterwegs. Zu schnell, meint der Alfred, aber ich denke es kommt aus mir heraus, so daß es sinnlos wäre, etwas dagegen zu tun, denn es ist ja auch sehr schön so produktiv zu sein und ich weiß, beim Korrigieren werde ich schon noch genügend fluchen, weil ja wahrscheinlich noch nicht alles so sitzen wird, aber eigentlich ist es mir ganz gut gelungen und das Experiment aus dreizehn Kapitel einen Roman zu machen, denn das war es ja, hat sehr gut geklappt.
Es ist zwar wahrscheinlich eher eine Erzählung als ein Roman, aber ich denke, es reißt einige, mich sehr bewegende Themen an und wenn ich beim nächsten Text länger werde, ist es gut, wenn nicht ist auch egal, denn jeder schreibt, wie er oder sie es kann.
Der Rest des Sommers werde ich also wieder an den Beginn der Sommerfrischen-Schreibwerkstatt zurückkommen und korrigeren, nach Herzogenburg und dorthin Radfahren, wo ich noch nicht war, kann ich auch, bzw. vielleicht auch wieder einen Stadtschreibertag machen oder einen solchen Text schreiben.
Mal sehen wie es wird, bisher war es ja ein wirklich sehr gelungener schreibintensiver Sommer, der noch dazu ein traumhaft schönes Wetter hatte und mir macht die Hitze eigentlich nicht viel aus.
Ich werde also jetzt die nächste Zeit an den “Dreizehn Kapiteln” korrigieren, ob ich bis zum Nanowrimo damit fertig bin, weiß ich nicht, wahrscheinlich eher nicht und ich habe dann wahrscheinlich auch keine Idee, an was ich schreiben soll, beziehungsweise gibt es ja die, aus der Nika Weihnachtsfrau einen Adventkalender zu machen, aber das passt ja mehr in den Dezember.
Mal sehen wie es wird. Momentan bin ich noch etwas von dem Wochenende gesch.aucht, da wir ja bei der Hitze auf den Hochschwab hinaufgewandert sind.
Etwas ist vielleicht noch ganz interessant zu erwähnen, da hat Petra van Cronenburg am Donnerstag von einer Art-Sendung geschrieben, die ich, glaube ich schon vor zwei Jahren bei Thomas Wollinger kennenlernte. Da wurde Jonathan Safran Foer vorgestellt und der erzählte über sich und über das Schreiben und wie man oft durch ganz banale Zufälle zu seinen großen Romanen kommt und Petra van Cronenburg zeigte sich enttäuscht, daß der Meister so in seine Karten schauen ließ.
Da habe ich und an meine Schreibberichte gedacht und mich gefragt, ob die, da ich ja sehr offen bin und auch von dem, was nicht so klappt, berichte, vielleicht nerven?
Allerdings sind mir Schreibberichte sehr wichtig und ich finde es immer sehr spannend, wenn Autoren sich in ihre Karten und Schreibstuben schauen lassen, weil man ja nur so lernt. Andererseits enttarnt das wieder Mythos des Genies und die Geschmäcker sind wahrscheinlich auch sehr verschieden.
Die einen wollen, daß man über sich und sein Schreiben erzählt, die anderen finden es vielleicht aufdringlich und indiskret.
Mir hat der Film, den ich vor zwei Jahren, glaube ich, bei Thomas Wollinger gesehen habe, aber sehr gefallen und wenn es jemanden interessieren sollte, wie es mir beim Schreiben geht, freut mich das sehr. Für die die es nervt, sei verraten, daß vorläufig wahrscheinlich ohnehin keine Schreibberichte mehr kommen werden, weil ich ja die nächste Zeit korrigieren und vielleicht auch etwas weniger bloggen werde, weil es ja noch keine Veranstaltungen gibt und ich nur zwei oder drei Bücher pro Woche lese. Mal sehen, wie es wird?
Vielleicht wird wieder alles anders, jetzt bin ich erst einmal sehr mit mir und meinen “Dreizehn Kapiteln” zufrieden.

Fall in die Nacht

Melamars, 2003 bei “viza edit” erscheinener Raoman”Fall in die Nacht”, habe ich mir, obwohl er viel weiter vorne auf meiner Leseliste steht, auf dem Hochschwab mitgenommen, weil das kanpp hundert Seite dicke Büchlein in die Rucksacktasche passte und ich ohnehin soviel auf den Berg mitzunehmen hatte, obwohl die “kleine dunkle Geschichte aus einer kleinen dunklen Ecke der Gesellschaft”, wie es Patricica Brooks in ihrem Beschreibungstext nannte, vielleich nicht als Lektüre auf einen Berg passt, während man auf die Hüttenruhe wartet oder doch, natürlich, denn die kleinen dunklen Ecken unserer Gesellschaft interessieren mich ja sehr und die Gegend Pilgramgasse, Kettenbrückengasse, Margaretengürtel, ist mir auch bekannt, obwohl ich üblicherweise nicht nach Drogendealern Ausschau halte.
Es geht um Kathi, ein noch nicht volljähriges Mädchen, das von seiner Familie ausgerissen ist, von Klagenfurt nach Wien kam und in der Arena Mike, einen farbigen Boxer, der eigentlich Musik machen will, in Wien geborenen ist und am Yppenplatz lebt, kennen und liebenlernt.
So weit so schön und gut, die beiden teilen sich Mikes Wohnung, nehmen gelegentlich ein paar Drogen, Mike boxt, Kathi lebt von Gelegenheitjobs und klaut auch einmal in einem Supermarkt eine Tafel Schokolade, die sie dann aber, wenn sie von Maden zerfressen, angewidert in den nächsten Mistkübel schmeißt.
Das ist die Vorwarnung, meint die Ich-Erzählerin, die ihre Geschichte, die keine Liebesgeschichte ist, einem Du-erzählt, denn als sie nach Hause kommt, wird Mike verhaftet. Es ist Wahljahr, die Polizei oder wer immer braucht ihren Spektakel, so wird bei Mike nach Drogen gesucht, der keine hat und als er nach seinem Anwalt fragt, zusammengeschlagen und sechs Monate lang eingesperrt.
Das gibt Kathi, die vorher nur gelegentlich Drogen genommen hat, den Rest, sie beginnt Heroin zu nehmen. Es folgt eine Abhandlung was Heroin ist oder nicht ist, vorher gab es eine über das angepasste Leben, vor dem man sich, wenn möglich hüten soll.
Als Mike aus dem Gefängnis kommt, will er den “Kick” und weil er das alleine nicht zusammenbringt, versetzt ihm Kathi den Todesschuß und hat nun Schuldgefühle, den den sie liebte umgebracht zu haben oder war es doch nicht die Polizei, die Gesellschaft, etc, die ihr Mike weggenommen hat?
In zwei Teilen und einigen Kapiteln wird diese Geschichte teils sachlich, teils verzweifelt und manchmal in sehr dichten Bildern erzählt, so ist das zum Beispiel sehr beeindruckend, wo Kathi in der U-Bahn- Station Kettenbrückengasse, ein französisch sprechendes Kind findet, das zu seiner Mama will, die ist ein Junkie und fällt, als sie auftaucht um, das Kind läuft sofort auf sie zu und untersucht ihre Pupillen, ein kleiner Einblick in die Überforderung der Kinder durch ihre Eltern, die das Leben nicht schaffen, was erst jetzt so richtig erforscht wird.
Melamar, die eigentlich Melanie Marschner heißt, 1976 in Klagenfurt geboren wurde, Romanistik, Rumänisch, Spanisch studierte, Redakteurin der Literaturzzeitschrift “Wienzeile” , sowie Texterin und Sängerin der Band “The Cryptones” ist, scheint es schon vorher gewußt zu haben, sich ein bißchen in der Drogenszene auszukennen und wahrscheinlich auf die Polizeiaktionen nach dem Tode Marcus Omufumas anzuspielen.
Manches scheint vielleicht auch ein bißchen überzogen zu sein, so kommt mir das, was Karlheinz Schleimig der Kripo Klagenfurt erzählte, im O-ton nicht ganz realistisch vor, weil so wahrscheinlich ein Jugendlicher der Mike, um Haschisch anbettelte, nicht spricht.
Aber ein interessantes Stück Literatur, das eine ein bißchen ratlos zurückläßt,die es schade findet, daß das Buch wahrscheinlich nur in einer sehr kleinen Auflage erschienen ist.
Die “viza edit”, gehört, glaube ich, zur Wienzeile, jedenfalls ist Günther Geiger, der ja auch dort tätig ist, der Herausgeber und auf einer der letzten Seiten gibt es eine Reihe Danksagungen an Institutionen, Firmen, Personen, die die Herausgabe möglich machten.
Mottis, wie “Sei stur und lebe dein Leben, wie es dir in den Sinn kommt!”, gibt es auch und das Buch, das ich, glaube ic,h an dem Tag im Wortschatz fand, als ich von den Krimitagen in der Hauptbücherei zurückgekommen bin, trägt einige Stempel, daß es zu “beam to kost nix” ausgegliedert wurde.
Patricia Brooks, die ich von der GAV kenne, die bei den “Mittleren VI” gelesen hat und sich, glaube ich, auch bei der “Wienzeile”, wo ich auch schon mal einen Text hatte, engagiert, hat wie erwähnt, den Beschreibungstext geschrieben und Melamar habe ich 2008 in der Gesellschaft für Literatur kennengelernt, als es dort um Roma-Literatur ging. Bei der GAV-Lesung wo sie sich als neues Mitglied vorstellte, war ich, glaube ich, auch und heuer habe ich sie beim “Tag der Freiheit des Wortes” gehört und da hat mich ihr sehr poetischer Text sehr beeindruckt.Bei den Poet-Nights habe ich sie auch schon gehört.
Eine vielleicht ein bißchen ungewöhnliche Berglektüre, es geht aber gleich weiter mit dem Gernre und dem Sujet, habe ich ja vorhin der Badewanne Helene Hegemanns “Axolotl Roadkill” begonnen, die allerdings viel jünger als Melanie Marschnig ist.

Weiterschreiben

Jetzt ist es wieder ein bißchen anders gekommen, denn ich habe am Mittwoch nach meinem Klausurbericht, Szene neun “Erich Fried-Preisträger”, die wieder nur etwa vier Seiten hatte, dafür im Literaturhaus spielt und ein kleiner dicklicher Literaturhausleister im schwarzen Anzug hält eine Lobesrede. Dann habe ich Kapitel eins “Bücher für zehn Jahre” und zwei “Die gesprengten Gräber kehren zurück” korrigiert und bin mit der Sophie Kinsella in die Badewanne gestiegen und dort irgendwann ausgestiegen, weil so übertrieben und das ist vielleicht vom Verlag so gewollt.
Wenn ich sowas schreiben würde, habe ich gedacht und, daß ich mich das gar nicht trauen würden und so besonders gestrafft, korrigiert und lektoriert ist es mir gar nicht vorgekommen. Am Donnerstag habe ich dann zu Ende korrigiert, im Bett gleich an dem Frühstück, ohne zu baden und Rad zu fahren und da sind auch meine zwei verlorenen Personen zu mir gekommen, beziehungswweise haben sie sich durch andere umgewandelt. Daß der Rupert Mayerhofer, der pensionierte Schuldirektor, der seine Frau am Krebs verloren hat und nun eine Haushälterin und Bettgenossin braucht, eine eigene Stimme bekommen könnte, habe ich mir schon vor zwei Wochen gedacht, als ich das “Kopftuchkapitel” geschrieben habe und die Schwester Dolores, die Krankenschwester, die aus Andalusien nach Wien in die Seniorenresidenz gekommen ist, um Laurenz Wolkner zu ärgern, ich weiß, das habe ich auch schon ein paar Mal, alte Herrn und Damen in Seniorenresidenzen, die mit ihren Pflegern streiten, ob sie Tabletten zum Schlafen nehmen sollen, im “Haus” tut das eine pensionierte Frau Primar mit einer jungen Ärztin, ist auch eine Idee.
Ich habe das Ganze also durchgesehen, gestraft und mir in meinem gelben Buch Anmerkungen gemacht. Die Ruth ist jetzt von einer Architektin zu einer Menschenrechtsanwältin geworden, Jakob Pröchtls Lektorin heißt Sibylle und nicht Sabine, denn so heißt ja schon Rupert Mayerhofers Ex-Gattin und ist für eine Lektorin auch kein so besonders schöner Name.
Jetzt hat der Text, sechzig bzw. neunundfünfzig Seiten, weil die sechzigste eine Leerseite sein könnte und 23.648 Worte, also immer noch kein halber Nanowrimo und ist in der Länge so zwischen der “Paula Nebel”, die 23.285 Wörter hat und dem “Haus” 30.450, die “Mimi”, die ich am Mittwoch noch vor der “Kinsella” durchgelesen habe, hat 38.347 Worte.
Er ist aber noch nicht fertig, denn er hat ja erst neun Kapitel und als Kapitel zehn habe ich jetzt einmal “Der Mann im Trenchcoat” aufnotiert, das ist der Psychiater Stefan Horetzky, ein Patensohn Laurenz Wolkners, der Ruth Horvath einmal behandelt hat und Mia Miaschwilli im Supermarkt kennenlernte, als sie dort Binden und Schokolade für ihren Kleinen einkaufte. Das Kapitel elf könnte “Auf der Suche nach der verlorenen Frau” heißen und am Friedhof spielen, da erzählt der Rupert seiner Sabine seine Erlebnisse, während er die Blumen gießt und über das Schulsystem, das ihn sehr ärgert, könnte er auch resumieren. Das war ja auch so eine Idee und eine solche Person ist ja schon vor zwei oder drei Wochen auf meinem Kapitelplan gestanden.
Die Kapitelüberschrift für zwölf habe ich noch nicht und das letzte könnte nicht in zehn Jahren, wenn die Laura mit ihren tausend Büchern fertig ist, sondern auf der Party handeln, wo die Nika kommt, Laurenz Wolkner mit Stephan Horetzky etc, weil das besser passt, weil es wahrscheinlich doch nicht der große Roman, sondern eine eher dichte, flott angedeutete dreizehn Kapitelgeschichte werden könnte, die an die dreißigtausend Worte und siebzig Seiten haben könnte.
“Das Haus” hat fünfundsechzig Rohseiten, in Buchform sind es ca hundertzwanzig, die “Paula” zweiundfünfzig Seiten bzw. fünfundachtzig.
Als ich bei der “Paula Nebel” vor mehr als einem Jahr so verzweifelt war und nicht mehr weiterwußte, hat mir die Judith Gruber-Rizy ein Mail geschrieben und etwa so gemeint, daß ja auch etwas kurz sein kann und die “Begrenzte Frau” habe ich ihr vor Jahren auch mit der Frage übergeben, was ich noch dazunehmen müßte und sie hat geantwortet, ich solle es so lassen.
Es ist ja auch wirklich die Frage warum alles so lang sein muß, in der “Kürze liegt die Würze ” heißt es doch und der Dichter kommt vom “verdichten”.
Das ist vielleicht nur meine Vorstellung, daß ich immer “Das ist noch nicht genug!” denke und auch verständlich, denn vermutlich wird es so kommen, daß ich daß jetzt korrigiere, ein bißchen was abändere und in einem halben Jahr ein hundert oder hundertfünfzig Seiten Buch haben werde, mein zweiunddreißigstes selbstgemachtes, das ich vielleicht auch auf Amazon stellen werde und keiner schauts an, wie die dreißig vorigen Bücher.
So werden die Leser auch meine Wiederholungen nicht merken, die weiß nur ich und ich habe ja schon sehr viel geschrieben. Einige Themen sind nur angerißen, meint jetzt wieder die Kritikerin und sonst habe ich mir ja schon einmal gedacht, ich könnte sowohl den “Mann” als auch die “Frau ohne Eigenschaften” schreiben und keiner merkts.
Beim “Mann könnte man ja sagen, den gibts schon und bei der “Frau” wahrscheinlich, das ist von Robert Musil inspiriert und die “Mimi” ist dann kitschig, die “Dora Faust” nicht originell, denn Romane über den Literaturbetrieb klappen ja nie, wie mir einmal der Partner der literarischen Agentur der Diana Voigt, die es nicht mehr gibt, schrieb, obwohl es da Gegenbeispiele gibt. Aber die Literaturwerkstatt in der Marlene Schachinger tätig ist, hat vor Jahren eine Romanwerkstatt angeboten, wo dabei stand, daß sie keine Teilnehmer nehmen, die selbst veröffentlichen.
Ich wäre sowieso nicht hingegangen, aber wieso klappt es bei nie, ist schon eine Frage, die man stellen könnte und die ich auch stelle, jetzt denke ich aber, daß ich Kapitel zehn und elf schreiben werde und vielleicht auch die beiden anderen, wenn sich nicht wieder etwas ändern sollte.
Dafür habe ich nur heute Zeit, weil wir am Wochenende auf den Hochschwab gehen und dafür Schlafsäcke und Matten mitnehmen müßen, weil wir zwar auf der Warteliste stehen und es auch noch ein bißchen Platz, aber keine Matratzen mehr gibt.
Am Montag habe ich erst am Abend Stunden, da könnte ich, wenn ich wollte einen meiner fünf Stunden-Recherchetage machen, aber ob es mir mit einem fast fertigen Rohtext nützt, eine Bücherkastentour zu machen, mich in das touristische Wien zu stürzen oder in den Morawa bzw. ins AKH zu setzen? Die Ruth Aspöck hat mir auch vor zwei Wochen gesagt, daß sie sich da vielleicht mit mir treffen will. Durchkorrigiert wird aber nach dem vorläufigen Beenden des Rohtextes sicher werden, das große gelbe Buch herangezogen und nachgedacht, ob ich nicht doch das Ganze neu, umschreiben, aufdröseln, mich an meine Schwachstellen, etc machen will?
Ich werde darüber berichten, bin ein bißchen ratlos, weil ich schon meine Schwächen sehe und denke, daß mir das Feedback und das Interesse der anderen fehlt. Das Eigene ist, glaube ich, da und die Disziplin, die Energie und der Fleiß, auch die Ideen und vielleicht auch schon ein bißchen Routine. Glück habe ich, glaube ich, nicht sehr und den Verdacht, daß sich mein Schutzengel nicht sehr für Literatur interessiert und auch nichts davon versteht und so gesehen geht es mir nicht so schlecht, denn es ist mir in den letzten vierzehn Tagen wieder ein Rohtext von sechzig Seiten und ein dreizehn Kapitel-Konzept gelungen.
Was derzeit nicht geht, ist die konsequente Romanarbeit, die über ein ganzes Jahr oder länger geht, da bin ich zu schnell, zu ungeduldig und ich werde auch immer schneller. Aber ob das in unserer schnelllebigen Zeit wirklich unbedingt ein Fehler ist, davon bin ich nicht mehr so ganz überzeugt. Es ist, wie es ist und ich kann was ich kann!
Werde mich jetzt ans Weiterschreiben machen, dann das Ganze korrigieren und natürlich meinen interessierten oder desinteressierten Lesern berichten, wies mir damit ging.

Kein Kuss unter dieser Nummer

Jetzt kommt wieder etwas von der sogenannten leichten Sommerlektüre, habe ich mir ja vier diesbezügliche Romane von Wien in die Sommerfrische mitgenommen, damit ich meine Leseliste einhalten kann, einer davon ist Sophie Kinsellas, glaube ich, letzter Roman, 2012 auf Deutsch erschienen und im “Wortschatz” glaube ich, im Frühjahr gefunden “Kein Kuss unter dieser Nummer”.
Für alle, die es noch nicht wissen, ich habe meine eigene Sophie Kinsella Geschichte, hat mir der Alfred ja einmal “Die Schnäppchenjägerin” gebracht, die ich für die großartigste Schilderung einer Kaufsucht gehalten habe, die ich je gelesen habe. Dann habe ich bemerkt, das ist eine Serie und mir von dem Buchgutschein, den ich in der Szene Margareten gewonnen habe, zwei weitere Bände gekauft und “Prada Pumps und Babypuder” habe ich im Bücherschrank gefunden. Darüber habe ich schon geschrieben. Der Name Sophie Kinsella hat sich mir jedenfalls eingeprägt, man findet ihn auch auf den Blogs immer wieder. Als ich das Buch gefunden habe, bin ich auf auf die Verlagswebsite gegangen, es gab damals einen Schreibwettbewerb dazu und die Sophie Kinsella-Seite ist auch sehr bunt mit Videofilmchen etc aufgeputzt. Und dann gabs natürlich den Plagiatsskandal um Martina Gercke, die sich bei ihren Küßchen-Romanen ja an einigen der Kinsella-Romane bediente. Dieses ist nicht dabei, weil wahrscheinlich noch nicht erschienen. Ich glaube aber “Göttin in Gummistiefeln” und das habe ich auch einmal gefunden und steht auf meiner Leseliste.
Nachdem ich vorige Woche mir den “Glücksstern mit Schwips” gegeben habe, folgte jetzt “Kein Kuss unter dieser Nummer”, ich lese ja gelegentlich ChitLits, auch wenn ich dann darüber ärgere, wenn, so wie auch diesmal, ein bißchen zu dick aufgetragen wird. Sind die Mädels doch wirklich nicht so dumm, daß sie das lesen wollen oder sind sie es doch?
Ich habe jedenfalls bei den Amazon-Rezensionen nachgeschaut und da gibt es einige, denen es zu dick aufgetragen war, obwohl ich wahrscheinlich wegen der “Schnäppchenjägerin” irgendwie ein Kinsella-Fan bin, jedenfalls bevorzugt nach ihren Büchern greife und die ersten hundert Seiten haben mir auch ganz gut gefallen. Dann wars mir zu übertrieben, daß ich das Buch fast weggelegt hätte. Dann ist es wieder gegangen. Aber vielleicht sollte man doch darauf hinweisen, daß weniger mehr sein könnte, denn die Ideen, die in dem Buch stecken, sind eigentlich sehr interessant und auch das mit den Fußnoten, halte ich im Gegensatz zu einigen Rezensenten, für eine gelungene Idee. Erinnern wir uns, in den Shopoholic-Büchern gibt es immer Briefe zwischen den einzelnen Kapiteln. Jetzt kommentiert sich Poppy, die Heldin in hundertzwölf Fußnoten selbst und gibt dabei Informationen, die zum Teil fehlen würden, würde man sie nicht lesen.
Da ist also Poppy Wyatt die Heldin, vom Beruf Physiotherapeutin und es beginnt auf einer Hotelparty auf der sie sich mit ihren Freundinnen getroffen hat. Sie ist verlobt, hat einen Traummann, steht kurz vor der Hochzeit, nur blöderweise zu Beginn des Buches den Verlobungsring, den Magnus ihr an den Finger steckte verloren. So sucht sie ihn auf den Toiletten und auch sonst überall. Dabei wird ihr ihr Handy gestohlen. Sie findet aber gleich ein anderes in einem Mistkübel und die Geschichte beginnt.
Eigentlich sind es fünf Geschichten oder zehn oder zwanzig. Warum teilen das die Lektoren nicht auf und machen mehrere Bücher daraus, dann würds wahrscheinlich realistischer wirken und der Verlag würde auch mehr Bücher verkaufen?
Ein Problem in der Geschichte ist, daß Poppy in eine Intellektuellenfamlie hinein heiraten will, Magnus, seine Mutter, sein Vater, sogar sein kleiner Bruder, haben Bücher geschrieben, die Schwiegermutter ist Feministin, wow und Poppy nur Physiotherapeutin, spricht den Namen “Proust” falsch aus und kann beim Scrabble nur “rot” oder “tot” legen, während die anderen mit viel komplizierteren Wörter protzen.
Ein anderer interessanter Aspekt ist, daß Poppy Magnus in ihrer Praxis als Patient kennengelernt hat und Therapeuten dürfen mit ihren Patienten ja keine Beziehungen eingehen, das finde ich sehr interessant, weil es mich in meinen Büchern auch beschäftigt. Da gibt es sogar sowas, wie ein Strafgericht und eine neidige Kollegin, die sich Freundin nennt, gibt es auch.
Aber noch sucht Poppy den Ring, zieht sich Handschuhe an, beziehungsweise täuscht sie einen Unfall vor, damit ihre Schwiegereltern den Verlust nicht merken, sie läßt sich auch Duplikat anfertigen und als sie das am Finger trägt, kommt die Hochzeitsplanerin daher und zieht den Ring aus der Tasche und stellt Poppy vor allen bloß.
Das würde vielleicht schon für eine Geschichte reichen, aber jetzt geht es erst richtig los.
Das Handy, das sie nämlich im Papierkorb findet, ist ein Firmenhandy und gehört einem gewissen Sam, seine Assistentin hat es hineingeschmissen und Poppy, die ja ihren Ring wieder haben will, gibt es nicht mehr her. Also verspricht sie Sam alle Mails zu schicken, mischt sich in sein Leben ein, schickt ihm zum Zahnarzt, verwechselt einiges, richtet viel Verwirrung an, so daß auf der Buchrückseite auch etwas von einer “bezaubernden tolpatschigen Heldin” steht.
Das scheint zwar Sophie Kinsellas Spezialität zu sein, kann aber nerven und ich bin ausgestiegen, als sie das Handy nicht zurückgeben wollte, nachdem sie den Ring wieder hatte, obwohl es sie es ja versprochen hat.
Aber das braucht es für die Dramaturgie, denn Poppy verliebt sich natürlich in Sam und ist ab nun ständig unterwegs sein Leben zu ordnen und seine Firma zu retten. Da ergeben sich noch einige Verwicklungen, daß sie auf ihre Hochzeit vergißt, dann aber prompt eifersüchtig wird, als ihr jemand mailt, daß Magnus sie betrügt, während sie mit Sam unterwegs ist, um seinen Chef zu rehabilitieren.
Eine Verlobte, die gar nicht Sams Verlobte ist, gibt es auch und als die Firma gerettet ist, löst Poppy ihre Verlobung auf. Dabei stellt sich heraus, die Schwiegereltern sind gar nicht so unangenehm, wie gedacht und haben gar nichts gegen die Schwiegertochter, Magnus ist der Böse, weil er schon ein paar Verlobte hatte und offenbar auch eine Beziehungsangst.
Dann taucht er aber mit einem anderen Verlobungsring auf und Poppy, die, weil sie ihre Eltern früh verloren hat, nicht nein sagen kann, läßt sich zur Hochzeit überreden, nur passiert dann in der Kirche die Katastrophe, als Sam ihr ein SMS schreibt und fragt, ob sie nicht mit ihm einen Kaffee trinken will?
Ein Großteil des Buches spielt sich in SMS-Kontakten ab und es ist auch eine spannende Idee darüber nachzudenken, was passiert, wenn sich zwei ein Handy teilen oder was mit all den Nachrichten so passiert, die wir auf unseren Handies speichern, wenn wir eines haben. Gibt es da ja auch eine Diskussion zur Datenvorratsspeicherung. Man hätte also locker ein paar ernsthaftere Romane aus dem Material machen können, schade, daß es die Mädels alle so übertrieben und lustig haben wollen, aber vielleicht wollen sie das gar nicht und der Verlag glaubt das nur, daß man ein etwas weniger übertriebenes Buch schlechter verkauft? Ich bleibe also wieder etwas ratlos zurück, denn eigentlich lese ich Sophie Kinsella ja sehr gern, habe mir aber gestern in der Badewanne fast vorgenommen, es nicht mehr zu tun, es wartet aber noch die “Göttin in Gummistiefeln” auf mich, von der ich nun hoffe, daß sie ein wenig weniger übertrieben ist.

Zweite Woche Schreibklausur

Die erste Sommerfrischenhalbzeit ist beendet, es geht in die fünfte Sommerfrischennwoche, vier bleiben dann noch über, bis es wieder nach Wien und aufs Volksstimmefest geht, wo wir diesmal ohne Rolf Schwendter lesen müßen und ich, wenn ich es schaffe, noch einen kurzen Text “Lieber Rolf Schwendter” dafür schreiben werde und Christoph Kepplinger uns schon seine Vorschläge für den heurigen Büchertisch schickt.
Da kann man wohl nur sagen, “Kauft Leute!”, ganz egal wo die Bücher aufliegen werden und Flohmarktbücherkisten gibt es am Volksstimmefest immer auch und da habe ich mir ja einmal meinen ersten Lidio Mosca-Bustamante herausgezogen, noch bevor ich ihm bei Hilde Schmölzers Sylvesterparty kennenlernte.
Wie es war? Eigentlich großartig und wundervoll. Vor allem schon das Wetter. Ein ganzer Juli fast ohne Regen und strahlend schöner Sommerhitze, in die Sommerlöcher bin ich nicht gefallen, obwohl ich ein wenig frustriert von Hans Raimunds Kommentar, daß ich uninteressant und desinteressiert schreibe, in die Sommerfrische hinausgezogen bin.
Das Desinteressiert stimmt sicher nicht, da würde ich bei nur halbwegs objektiven Richtern wahrscheinlich jeden Prozeß gewinnen, uninteressant scheints empfunden zu werden, das kann ich nicht leugnen, daß sich offenbar niemand, für die, die da so beharrlich vor sich hinschreibt, liest, zu Veranstaltungen geht interessiert und, daß sich die sogenannten Profis darüber ärgern, daß man jetzt so einfach seine Meinung im Internet äußern kann, ist auch zu verstehen. Ich bin allerdings auch GAV-Mitglied, habe, wenn auch nur einen Elternratgeber übers Stottern im Fischer TB, der dann auch noch gemeinsam mit einer Arbeitskreisfrau geschrieben wurde.
Aber das ist jetzt so, daß das Internet und auch Amazon scheinbar demokratische Meinungsforen bieten, die wahrscheinlich natürlich ihre Grenzen haben und die ich seit fünf Jahren genauso nütze, wie seit 2000 die Möglichkeiten des Digitaldrucks, lange bevor das Indie hieß und das bei Amazon jeder konnte, aber dann gibt es noch die Indie-Kleinverlage mit ihrer Indie Hot Lists als Konkurrenz zum dBp, der jetzt auch bald bekanntgeben wird.
Man sieht, das Bücherleben ist kompliziert und im Umbruch, was hat das aber mit meiner Schreibklausur und der Frage wie das erste Sommerfrischemonat geworden ist, zu tun?
Viel natürlich, denn ich bin ja nicht nur frustriert, sondern auch mit vielen Plänen und ein paar Artikeln im Voraus in die Sommerfrische aufgebrochen. Habe mir in der ersten Woche das “elitäre” Bachmannpreislesen gegeben und am Schluß desselben erfahren, daß es das noch mindestens fünf Jahre weiter geben wird, habe mein “Literaturgeflüstertextebuch” fertig korrigiert und dem Alfred übergeben, damit er es möglichst bis zu meinem sechzigsten literarischen Geburtstagsfest fertigmachen kann. Das war vor zwei Wochen und ich schließe jetzt auch ganz offiziell meine selbsterwähltes St. Pöltner Stadtschreibermonat ab, bei dem ich mein kleines Stadtschreibberbuch fertiggeschrieben habe, mich vom Bürgermeister durch St. Pölten führen ließ, die St. Pöltner Buchhandlungen, das heißt vorwiegend den “Tahlia” besuchte und einen Lesemarathon entlang der Traisen machte. Denn ich habe ja schon mit meinem neuen Buchprojekt begonnen und begebe mich den Monat August in Schreibklausur und kann da meinen interessierten Lesern, die ich habe oder auch nicht, berichten, wie es mir damit gegangen ist.
Auf der einen Seite gut natürlich, denn ich bin ja eine fleißige disziplinierte Schreiberin, so habe ich vor zwei Wochen mein Konzept notiert, die zwölf Personen für meine dreizehn Kapitel aufgestellt und zu schreiben begonnen. Acht Kapitel habe ich jetzt, beziehungsweise vierundfünzig Rohseiten und einundzwanzigtausendachthunderzwanzig Worte, ein knapper halber Nanowrimo und nachdem mir zwei Personen abhanden gekommen sind, eigentlich nur mehr Ideen für zwei Kapiteln, eines mit dem Plagiatsautor und jetztigen Fried-Preisträger Jakob Pröchtl und dann noch eines mit dem Psychiater Stephan Horetzky, dessen Vater schon Ernst Schwarz betreute und dann gibt es noch die vage Idee für das Schlußkapitel, das wieder zur Laura Augustin und ihren Bücherbergen für zehn Jahre zurückgehen soll.
Das letzte Kapitel “Eine Schwester für Zoe-Philipa” hat nur mehr vier Rohseiten, die anderen jeweils sechs, das heißt der Stoff geht mir aus und ich bin wieder einmal zu flüchtig und zu schnell beim Niederschreiben und das Feedback, bzw. jemand, der der mir sagt, wird schon, toll, aber da oder dort, solltest du dran bleiben, fehlt und ich gehe ja genausowenig zu einem privaten Lektor oder Schreibcoach, wie zu einem Zuschußverlag und auch da habe ich ich ja schon gehört, die Lektoren nehmen gar keine Indies, die Druckkostenzuschußverlage, glaube ich, schon, aber die wird es durch die Möglichkeit des Selberpublizierens bei Amazon ja vielleicht bald nicht mehr geben.
Also werde ich heute, wenn ich mit der “Sophie Kinsella” gebadet habe und ein Stück die Traisen hinuntergeradelt bin, das Ganze durchkorrigieren, das ist auch schon so ein Ritual und hilft meistens und dann das große gelbe Buch bemühen und versuchen auf die Sprünge zu kommen, was ich in den dreizehn Kapiteln eigentlich aussagen wollte?
Ich wollte über eine Frau schreiben, die bald in Pension geht und eine Bücherliste bis 2023 hat und jetzt vor ihren Bücherbergen steht und die auflesen will, das ist bisher nur angedeutet, obwohl ich schon öfter versucht habe, darüber zu schreiben und dann über eine Bücherbloggerin, die schreibt und schreibt und keiner merkst und da ist auch die Idee, daß der Plagiatsautor, der jetzt rehabilitiert und erfolgreich ist, zu der Bloggerin geht, die auch Therapeutin ist und ihr davon erzählt. Da mich einige der Themen selbst betreffen, bin ich, wie meine Leser merken werden, in diesem Punkt vielleicht blockiert und sollte eine Wendung finden, diese Blockade zu lösen und das andere kann man sicher auch noch ausarbeiten und ergänzen, so daß es wirklich ein spannender Reigen wird, der ist mir in dem Rohentwurf vielleicht auch ein bißchen abhanden gekommen.
Da ist sehr viel angerissen und noch zu wenig ausgeführt, wofür man vielleicht eine zweite Kapitelrunde bräuchte und der Reigen wäre wieder weg.
Mal sehen, in zwei Wochen schreibt man wirklich keinen Roman, zumindestens die Profis, die dann auf den dBps stehen, tun das nicht, die lassen sich meistens zwei Jahre dafür Zeit, während die sogenannten Gebrauchsautoren mit den Pseudonymen und auch die, die ihre Sachen auf Amazon hochladen, viel schneller sind und ich bin auch eine Schnelle, obwohl ich, Kritiker herhören, einen literarischen Anspruch habe. Meine Hemmung scheint aber trotz fünf Jahre Literaturgeflüster, dreißig selbstgemachten Büchern und drei anderen, eins bei einem Kleinverlag, die zwei anderen bei großen, immer noch vorhanden zu sein und da ist es vielleicht wirklich eine Strukturhilfe mir die nächsten vier Wochen eine Schreibklausur zu verordnen, in dem ich das Rohkonzept aufpäppöe, bzw. es zum Wachsen und sich Entwickeln bringen kann.
Denn ich muß ja auch meine Potentiale haben, auch wenn ich immer von meinen Grenzen und dem, was ich noch nicht kann, schreibe, “Ich bin so schnell, ich bin so flüchtig…!”, natürlich ja, zuwenig abgehoben bin ich auch, das hat mir Karl Markus Gauß einmal gesagt und habe zu wenig “Ecken und Kanten”, wie Ju Sophie meinte.
Stimmt natürlich, aber ich habe viele Ideen und wenn ich dabei bleibe und vielleicht lerne wirklich zwei drei viermal oder wie oft auch immer zu überarbeiten, komme ich vielleicht weiter. Sich selbst an der Nase nehmen ist sicher gut, wenn ich schon die Verlagslektorin nicht habe, die das für mich tut und offenbar auch keine Blogleser mehr, die sich für meine Schreibberichte interessieren.
Also die nächsten vier Wochen am Rohkonzept bleiben, davor sitzen, wie vor dem weißen Blatt bei freewriting und nicht zu vorschnell als fertig erklären und dann wie der Sisyphos den Stein im nächsten Buch wieder nach oben rollen, der dann auch prompt hinunterfällt.
Eine gute Idee oder? Sicher, also heutem morgen übermorgen alles korrigieren und dann nochmals im Bett auf der Terrasse, an der Traisen, am See oder wo auch immer mein Konzept im gelben Buch durchgehen und erweitern, ob ich das jetzt drei Tage lang machen werde oder doch die zwei Kapiteln für die ich schon Ideen habe, schreiben werde, weiß ich noch nicht.
Die zwei Personen damit es dreizehn Kapiteln werden, sollte ich auch noch wiederfinden und die anderen Ideen, die in dem Rohentwurf enthalten sind herausnehmen und weiterschreiben, ist vielleicht auch ein konstruktiver Vorschlag.
Mal sehen, es geht mir mit dem Schreiben eigentlich gut, und weil ich so viel schreibe und mich auch bei den anderen umsehe, bin ich auch ein Stückchen selbstsicherer geworden. Der Literaturbetrieb ist nur leider sehr sehr hierachisiert und die, die darinnen sind, alles Einzelkämpfer. Dem Buchhandel geht es sehr schlecht kann man jetzt überall lesen. Bei den Bloggern gibt es ganze Diskussionen darüber. “Steglitz meint”, hat da jetzt eine Serien, wo sie Buchhändler interviewt und die sagen alle “Kommt in die Buchhandlung Leute, wir beraten euch, wir wollen aber eigentlich keine E-Books und auch keine Selbstpublisher, weil die so viele Fehler haben und wir die Quualität nicht beurteilen können!”
Die kritischen Leser regen sich dann darüber auf, daß in den Buchhandlungen nur “Shades of Grey” und Non Books liegen, also das, was die gestreßten Werktätigen oder auch Arbeitslosen im Urlaub gerne lesen, Jochen Jung hat einen Artikel über die Lesungen als Events geschrieben und Cornelia Travnicek ihren Autorenkollegen erklärt, daß ein Verlag vom Autor kein Geld nimmt und eine Agentur ebenfalls nicht, daß aber die, weil sie ja nur bei Erfolg verdient, sich die Leute und die Manuskripte die sie nimmt, sehr gut aussucht, womit sich die Katze wieder in dem Schwanz beißt. Was sollen die nun tun, die (noch) nicht genommen werden? Weiterschreiben natürlich und auf ihren Blog darüber berichten, statt eine Agentur bezahlen, die sich wahrscheinlich nicht sehr bemüht, sondern ein paar E-Mail aussendet oder wie man im “Wilden Rosenwuchs” nachlesen kann, an einen Druckkostenzuschußverlag verweist, aber dafür braucht man nicht fünfzehn Prozent zahlen, den findet man schon alein und braucht ihn, seit es das Kindle Selbst Publishing gibt auch nicht mehr und da habe ich ja vorige Woche Martina Gerckes “Glücksstern mit Schwips” gelesen, über die ich ja schon geschrieben habe, daß es mir sehr gefällt, daß sie nicht aufgibt sondern weiter macht und jetzt auf ihrer Facebookseite ein wunderschönes Bild mit drei Büchern auf einer Wäscheleine hat und dann noch ein viertes auf dem steht, daß es im Herbst erscheinen wird.
Es schreiben relativ viele Leute, dafür lesen immer weniger, die Verlage stöhnen und bekämpfen einander, die Autoren tun das vielleicht auch und dann gibt es, wie ich höre, sehr viele Blogger, die vielleicht auch ein bißchen Schrott aber auch sehr viel Interessantes zu bieten haben und eine davon betreibt das “Literaturgeflüster” und wenn man wissen will, wie es einer vielleicht ein bißchen patscherten Schreibenden, die das schon seit über vierzig Jahren mit Herzblut, Sturheit und Engagement betreibt, geht, ist man bei mir richtig und kann sehen, wies mit dem Schreiben weitergeht.
Drei Tage bleiben mir in der zweiten Woche Schreibklausur dafür Zeit, weils am Wochenende wahrscheinlich sofern das Wetter mitspielt und wir einen Platz bekommen, auf den Hochschwab gehen werden.
Und Cornelius Hell macht sich diese Woche Gedanken über Sommergedichte und geht mit Bachmann, Mayröcker, Ringelnatz etc auf seinen Balkon und schaut den Grashüpfern beim Springen zu.

Schreiben in der Sommerhitze

Mit meiner Schreibklausur bin ich eigentlich ganz gut vorangekommen, das heißt so hundert Prozent klappte die Konzentration darauf nicht, erstens war es dazu wahrscheinlich zu heiß, dann ist die Schwiegermutter am Dienstag in Ungarn gestürzt und hat sich die Nasenspitze gebrochen, Rolf Schwendter ist gestorben, das gab einen regen Mailverkehr und am Donnerstag war Bürgermeister-Stadtspaziergang, also eigentlich noch eine Stadtschreiberaktion, obwohl ich ja schon zum Schreiben hinüberschwenken wollte und das habe ich auch getan, Mittwoch-, Donnerstag- Freitag- Samstagnachmittag in Harland auf dem Balkon ist je ein Kapitel entstanden, jetzt habe ich schon sechs von den geplanten dreizehn und zwei Personen sind mir inzwischen auch abhanden gekommen. Kurz sind die Rohentwürfe auch, es bleibt bei den jeweils sechs Seiten und so bin ich am Freitagabend wieder sehr frustriert mit dem Gefühl “Du kannst es nicht und alle, die dir das ohnehin schon immer sagen, haben vollkommen recht!”, mit dem Rad zum Viehofnersee und zur Büchertelefonfzelle gefahren.
Damit gehe ich inzwischen auch schon lockerer um, denke mir, natürlich habe ich was zusammengebracht, aber dieser Kampf mit den Sätzen vor dem leeren Blatt oder auf dem Laptop, da ich seit dem ersten Nanowrimo nicht mehr händisch vorschreibe, denn gibt es immer noch. Da hat sich, glaube ich, nicht viel geändert. Obwohl ich wirklich schon viel lockerer und selbstbewußter, dank dem “Literaturgeflüster” bin.
Wie gehe ich beim Schreiben vor? Da kommt einmal die erste Idee, das war bei den “Kapiteln”, irgendwann auf der letzten Buch-Wien im November, vielleicht, als ich bei der Donau-Lounge gesessen bin und einem Ungarn und Cornelius Hell oder so ähnlich zugehört habe.
Dann schreibe ich das auf und in diesem Fall habe ich die Idee besonders lang aufs Eis gelegt, weil es ja noch drei Sachen zum Fertigmachen gab.
In dieser Zeit sind Ideen gekommen und wieder vergessen worden. Einiges habe ich aufgeschrieben, einiges kann ich nicht mehr lesen. Zwischen Weihnachten und Sylvester bin ich mit dem Buch auch einmal nach St. Pölten gefahren.
Als ich vorigen Dienstag mit dem “Literaturgeflüsterbuch” fertig geworden bin, hatte ich, glaube ich, die vage Idee mit der Laura Augustin und den Büchern bis 2025. Darüber will ich ja sehr gerne schreiben. Das erste Kapitel hat dann die schon erwähnten sechs Seiten bekommen und beim ersten Hinunterschreiben ein genauso großes Gefühl des Versagens und des Nichtschaffen in mir erregt, scheint es mir doch nicht zu gelingen, das so breit und barock hinzukriegen, wie ich es will. Beim Schreiben verflüchtigt es sich, könnte man es nennen. Dann habe ich aber das Gerüst darum konzipiert, die anderen Personen gefunden, zumindestens zehn. Das Schlußkapitel wollte ich wieder der Laura zehn Jahre später widmen. Ein zwölfter Handlungsträger tauchte kurzfristig auf, verschwand wieder bzw. wurde in einen anderen umgewandelt. Da gibt es ja die Idee mit den zwei Lesben, Ruth und Vera und die einer Bloggerin, dann habe ich die Vera dazu gemacht und der Corvin Seidelhofer scheint auch in den Jakob Pröchtl, dieser schöne Name mir erst am Dienstag im Auto eingefallen, überzugehen. Das erste Laura-Kapitel habe ich und das über den Ernst Schwarz, diesen Wiener Juden, den es wirklich gegeben hat und der das “Gesprengte Grab” ein Buch, das ichm Bücherschrank gefunden habe herausgeab. Da habe ich mich gewundert, daß eine chinesische Anthologie einen deutschen Herausgeber hat, habe “die Ostdeutschen!”, nachgegooglet und mir gedacht, das ist interessant. Dann darauf vergessen und die Idee dann wieder in meinem gelben Buch gefunden. Das dritte Kapitel ist die Uschy Bischof, die Freundin mit dem blauen Bus, die fährt jetzt über die Türkei nach Teheran und dann irgendwann nach China und schon ist das Kapitel fertig. Weil ich diese zwölf kurz oder längeren Romane, die mir eigentlich vorschwebten, irgendwie nicht schaffe, dazu bin ich offenbar zu ungeduldig. Ich schreibe mir was auf, dann sechs Seiten hinunter und schon bin ich fertig, ich bin unzufrieden, denke mir niedergeschlagen “Ich kann es nicht!” und fange beim nächsten Mal wieder damit an. Dann kam das Kapitel mit dem Laurenz Wolkner, dem ehemaligen Stadtrat mit dem Alzheimer, auch eine Idee, die man schon von mir kennt. Das sechste Kapitel war das mit der Vera Mosebach und ihrem Klienten Jakob Pröchtl, der den Ernst Fried-Preis bekommt. Etwas Ähnliches habe ich schon in der “Mimi” und schon wars mit dem Aufdröseln schwer und der Frust war da. Am Samstag kam die “Frau am Fenster”, Mia Maschawilli aus Tiflis, die in einen Massagesalon geraten ist, die Ruth wird ein Kapitel haben und der Jakob Pröchtel, sowie der Stefan Horetzky der Psychiater, ein Bindeglied zwischen dem Laurenz Wolkner, dem Ernst Schwarz und der Ruth Horvath und der Reigen und der Reiz dieser dreizehn Kapitel ist ein bißchen verschwunden.
Zwei Personen habe ich nun zu suchen. Oder ich werde einen elf Kapitel-Roman mit sechzig oder siebzig Seiten haben. Macht zwar nichts, aber der Frust bleibt vielleicht da und das Gefühl, daß ich es nicht kann.
Wie gehe ich weiter vor? Jetzt erstmal die drei ausständigen Kapitel schreiben. Dazwischen fahre ich nach Wien und drucke mir das alles aus und nächste oder übernächste Woche, wenn ich damit fertig bin, kann ich damit mit dem Rad an die Traisen oder wohin auch immer fahren und versuchen aufzudröseln, das Ganze als erste Materialsammlung verstehen und neu und umzuschreiben, weil der erste Entwurf ja noch sehr lange kein Roman ist, was mir zwar einleuchtet, aber bisher nicht wirklich gelingt.
Was mache ich damit? Wieder in eine Krise geraten, wie im letzten Jahr und wie gehabt, ein paar Sätze ändern, etwas einfügen, glätten, korrigieren und Buch 32 wird “Elf- oder Dreizehn Kapitel” heißen, nicht besonders lang und auch nicht besonders neu und anders sein, schnell dahingeschrieben und höchstwahrscheinch wieder nicht besonders auffallen.
Anni Bürkl bietet ja ein sehr detailliertes Schreibcoaching an und bis zum 30. Juli siebzig Seiten sogar zum Preis für fünfzig.
Soviele Seiten bekomme ich vielleicht gar nicht hin und habe auch nicht wirklich vor mir ein Textcoaching geben, obwohl Anni Bürkl ja “Verlagsreife” verspricht und natürlich etwas dran ist, von anderen zu hören, wo es noch nicht sitzt, was man verändern muß, um weiter zu kommen und ich meine Potentiale eigentlich gar nicht wirklich kenne, sondern insgeheim vielleicht glaube, ich hätte keine und schreibe wirklich am allerschlechtesten von allen auf dieser Welt und das ist auch der Sinn meiner Schreibberichte, wer hat eine Idee für mich?
Soll ich versuchen das Ganze noch einmal zu schreiben und wie schaffe ich das? Wahrscheinlich wirklich nur mit Feedback, weil man selber seine blinden Flecken hat und in der eigenen Suppe schwimmt und die heißt bei mir ja auch “Hat eh keinen Sinn, du hast ja schon soviel geschrieben und zurück kommt auch nicht viel, außer Schweigen oder der Satz mit dem “Das ist das Allerschlechteste, was ich..”
Die Zwischentöne fehlen und die bekommt man vielleicht wirklich bei seinem Lektor, wenn man einen hat, oder bei einem neoliberalen Coaching für viel Geld, das ich mir nicht leisten will.
Das “Literaturgeflüster” ist vielleicht so ein Zwischending und deshalb schreibe ich auch so genau, wie es mir beim Schreiben geht, bevor ich mich dann wieder vor den Text setze und Kapitel acht “Eine Schwester für Zoe-Filipa”, schreiben und mit dem Ergebnis auf Überarbeitung gehen werde und bis dahin schon sehr gespannt und neugierig bin, wie es mir damit geht?
Denn natürlich ist es ja nicht ganz so düster. Ich habe schon viel geschrieben, habe auch viele Ideen, aber auch meine Schwachstellen, wie zum Beispiel meine Ungeduld und Schnelligkeit und keinen, der mich wirklich an der Hand nimmt und mir weiterhilft, wenn ich es bräuchte. Wie ich mich kenne, werde ich das auch diesmal selber tun, es sei denn, es ist vielleicht einer oder eine so lieb und gibt mir Feedback…

Erstes Allgemeines Nicht-Reise-Buch

Ich bin ja im Gegensatz zum Alfred eher ein Reisemuffel und so hat mir der einmal vor längerer Zeit, das “Erste Allgemeine Nicht-Reise-Buch” zu Weihnachten geschenkt und ich habs lange nicht gelesen, weil ich Geschichtenansammlungen nicht so mag, aber jetzt wo die Zeit kommt, wo wir überlicherweise auf unsere Urlaubsreisen gegangen wären, habe ich es herausgepackt und zu den Sommerbüchern getan.
Es ist ein dtv Taschenbuch von 1990. Am Titelbild liegt einer auf deinem Bett mit einem Globusüberzug und liest ein Buch und ein Vorwort über den Reisezwang, das allgemeine Muß, wo die Intellektuellen in die Toskna, die anderen ans Meer reisen und darüber schreiben oder schimpfen, wenn sie im Stau stecken oder die Strände verschmutzt sind, gibt es auch. Die erste Geschichte, die sich darüber lustig macht, des 1804 in Heilbronn geborenen Wilhelm Waiblinger “Picknick in der Peterskuppel” führt dann nach Rom, dorthin bricht nämlich eine englische Gesellschaft mit Lord, Lady, Kapitän und Mädchen mit rosigen Bäckchen auf. Will in der Kuppel oben natürlich englischen Tee trinken, scheitert an den vielen Kustoden, die allen einen Skudo oder mehr verlangen und mit denen man handeln muß. Der Tee wird dann vergessen, das Wasser gibt es nicht und ein Gewitter zieht auch noch auf.
Theodor Fontane, 1819-1898, plaudert über das “Moderne Reisen” “Zu den Eigentümlickeiten unserer Zeit gehört das Massenreisen. Sonst reisten bevorzugt Individuen, jetzt reist jeder und jede.” von Kyffäusern bis Reinhardsbrunn beispielsweise.
Und Ludwig Thoma hat einen Dialog “O Natur”, da stehen zwei im Wald, wo die Christbäume wachsen und sind überwältigen, sie würden ja noch gerne länger bleiben, können aber nicht, denn Morgen muß sie ja zur Schneiderin und Abends in den Rosenkavalier” und der Holzknecht, den sie fragen, ob er für immer hier lebt, antwortet mürrisch, ja “Am…..”, ja so sind sie Proleten!
Kurt Tucholsky 1890 bis 1935 mokiert sich über “Die Kunst, falsch zu reisen” und gibt Ratschläge dafür “Verlange alles, vorn die Ostsee und hinten die Leipziger Straße. Ist das nicht vorhanden, dann schimpfe.” und der “Kleine Prinz”, will vom Weichensteller wissen, was er so mache, während Heinrich Böll von einem erzählt, dessen Aufgabe es wohl ist “Hier ist Tibten! Reisende, die das Grab des Tiburtius besuchen wollen, müssen hier aussteigen…” im Zug zu sagen.
Dann gehts mit Doris Lessing beziehungsweise einem älteren englischen Ehepaar nach Südfrankreich, denn dort waren sie schon auf Hochzeitsreise und auch sonst ein paar Mal und jetzt, nachdem die Tochter groß ist will es Mary noch einmal versuchen. Es wird ein Flop, der gewohnte Hotelportier nicht mehr im Dienst, die Zimmer zu teuer und einen Sonnenbrand holen sie sich auch, dann geht der Ehemann tauchen, sie lernen ein jüngeres englisches Ehepaar kennen und zerstreiten sich mit ihm beim Abendessen.
Karl Magnus Enzensbergers “Theorie des Tourismus” klingt sehr kompliziert und Umberto Ecco stellt eine Theorie über das Disneyland auf, bevor und Erich Loest etwas über die Reise, die sein Landsmann Karl May mit Achtundfünfzig 1900/1901 in den Orient unternahm und Andre Heller erinnert alle Reise un-oder auch lustigen, daß die wahren Abenteuer selbstverständlich nur im Kopf stattfinden würden und sonst nirgendswo.
Emma Bombeck “Nur der Pudding hört mein Seufzen”, gibt köstliche Ratschläge, was man machen muß, wenn man eigentlich nach New York, der beste aller Ehemänner aber Campingurlaub machen will und es ständig regnet “Lassen Sie (die Kinder) Spiele spielen, beispielsweise “Papi suchen oder Motorrad begraben (am besten das Motorrad, das die ganze Nach auf dem Campingplatz im Kreis herumfährt.)
Und Hermann Peter Piwitt war in “San Teodoro”, Sizilien auf Urlaub und gibt genauso köstliche Einblicke in die sizilianischen Touristenfallen, währed Hermann Kant, der Ex-Präsident des Ex-DDR- Schriftstellerverbandes, das Buch ist 1990 erschienen, wieder einmal mit seinen Zynismus aufwartet und Einblicke in die schreckliche Nacht eines Messevertreters aus der Freiberger Mulde, der an der Rhone etwas zu vertreten hatte, gibt, der in seinem billig Hotelbett liegt und in der Nacht nicht schlafen kann, weil aus dem Kleiderschrank die Bums-Geräusche des Zimmers drüben dringen.
Jost Krippendorf gibt einen soziologischen Essay “Über die Ferienmenschen”, während Fay Weldon in gewohnt teuflicher Manier eine Gattin von einer Reise mit Mister Pears erzählt, die dann für sie im Rollstuhl endet.
Joseph von Westphalen verrät uns “Warum ich nicht nach Amerika fahre” und trotzdem über die Schlaglöcher und die Frühstückseier dort Bescheid weiß und in Peter Schmidts Geschichte fährt ein Manager von “Globeair” mit einem Billigflieger zu einer Billigcharterreise seiner Firma und erfährt auf dieser alles, was er vorher noch nicht wußte. Tama Janowitz lästert in “Sonnenstich” ähnlich über die Pauschal und Billigreisen, wo man keinen Hummer bekommt und die Oberkellner nicht Französisch verstehen, während die Hütten in den Haiter-Hotelanlagen, alle wie ein Schweizer Chalet a la Heidi aussehen. Karl Heinz Seidl sinniert über den “Urlaub” und fragt sich warum wir reisen. Könnte man doch “beispielsweise banz bequem zu Hause bleiben, Bücher lesen, Freunde treffen, in schattigen Biergärten Brotzeit machen, spazieren oder in sich gehen-”
Ich denke, daß man es doch der Bildung wegen macht, um hinauszukommen, etwas anderes zu sehen und, daß es auch nicht stimmt, wie Nestroy seinen übersättigten Herrrn von Lips sagen läßt, daß alles überall gleich aussieht, auch wenn natürlich nicht jeder der “als Goethe nach Italien fährtmals Klassiker wieder zurückkommt…”
Auch Sybil Gräfin Schönfeldt meint “Reisen muß verboten werden” und sehnt sich nach der Sommerfrische, dazu denke ich, daß man, wie ich es tat, beispielsweise in Amerika, Japan, Italien und wo auch immer gewesen sein sollte, um den Wert des eigenen Balkons zu erkennen und, daß ich die Sommerfrische bevorzugt, um zu schreiben nütze, was auch nicht jeder will oder kann, während der 1944 in Dresden geborene Ingomar von Kiseritzky wieder litarischer wird wenn er von den “Unnahmlichkeiten der Reise mit Brant” erzählt.
Einen Text über die Staus vor dem Gotthardtunnel gibt es auch Paula Almquist gibt eine Auzählung über die Typen, die das Reisen so unvergeßlich machen, während Elfriede Hammerl in “Ein Mann für Manhattan” vom Kosmopoliten Peter erzählt, der in Rosenheimj, wo er lebt eigentlich stinklangweilig ist, in Manhatan aber, wo er neulich wieder war, offenbar unwiderstehlich und ein Draufgänger erster Sorte.
Andre Heller hält dann noch eine “Rede auf einem Forum für Touristen, während Rober Jungk zum Schluß des Buches den sanften Tourismus will.
Eine Fülle von unterschiedlichen Essays, Texten, Gedichten für und wider das Reisen, die einer, die diesen wunderschönen Sommer fünf Tage auf der Harlander Terrasse, mit dem Fahrrad an der Traisen, schreibend und mit ihren Sommerbüchern verbringt, einen Einblick auf das wie es einmal war und was man wahrscheinlich nicht versäumt gibt.
Der wohlverdiente Urlaub sei jeden gegönnt, eine Sommerreise durch ein Reisebüro gebucht, die einen dann in einen Ferienclub all inclusive bringt, wo draußen die Wächter stehen und die Einheimischen abhält einen anzubetteln oder eine Reise wo man nichts als den Tourismus sieht und pro Nach hundert oder mehr Euro für sein Zimmer zahlen muß, ist aber auch nicht nach meinem Geschmack. Sommerbücher, die auch Reisen schildern aber schon, deshalb habe ich noch einen kleinen Link.