In dem Roman der in Hamburg geborenen und in München lebenden Journalistin Gabriele Droste “In einer Nacht” geht es nicht nur um diese, denn das ist ein Theaterstück von Franz Werfel, das 1937 im Theater in der Josefstadt aufgeführt wurde und Gabriele Drostes Roman spielt in Wien 1937-1938 und dann noch einmal 1995 und in München beginnt und endet er.
Denn da stirbt 1995, die Großtante der Journalistin Sophie Kluge, sie geht mit ihrer Mutter in die Wohnung, um sie aufzulösen und erfährt, daß die Mutter Perdita, die Verlorene, von Tante Margarete aufgezogen wurde, weil ihre Mutter Clara, 1937 hochschwanger vom Balkon in ihrer Wohnung in der Wiener Kirchengasse stürzte. Sie starb, das Kind wurde geboren und Tante Margarete hinterläßt Sophie ein paar Fotos und Briefe und so fährt sie mit ihrem Freund Phillip nach Wien um zu recherchieren.
Sie quartiert sich in einer Pension in der Kirchengasse ein und hat an einem Tag gleich drei Begegnungen mit alten Menschen, die nichts von ihr wissen wollen, sie aber entsetzt anstarren und sie Clara nennen. Offenbar sieht Sophie der Großmutter sehr ähnlich. Beim Grab auf dem Zentralfriedhof trifft sie einen alten Sänger, der täglich dort steht und für die tote Clara singt und für die Grabkosten kommt er auch auf. Und in der Wohnung der Großeltern, die Großmutter war mit einem um zwanzig Jahre älteren jüdischen Arzt verheiratet, der noch vor ihrem Tod in Dachau umgekommen ist, wohnt eine alte Dame namens Nina Wolle. Die Großmutter stand in den Briefen, war in einer Künstlerclique und eine ihrer Freundinnen war eine Schauspielerin namens Nicoletta.
Dann gehts zurück ins Jahr 1937, die junge Clara sitzt schwermütig im ihren Zimmer und frisiert sich, ihr Mann ist zwar nett und gut, hat aber keine Zeit für sie und behandelt sie wie ein Kind, so schleudert sie ihre Bürste in den Spiegel, ein Hochzeitsgeschenk der Schwiegermutter, darauf schickt Dr. Freund, so heißt er, Clara zu Sigmund Freud in die Praxis und daraufhin lernt sie Nicoletta und ihre Freunde, die Sänger Gustav und Robert und auch noch einen jüdischen Journalisten kennen.
Robert und Gustav verdienen sich ihre Gagen auch am Zentralfriedhof beim Singen auf Begräbnissen und sehr starke Stellen in dem Buch sind die, wenn die unerfahrene Clara, der vor dem Sex mit Max ekelt, Freud ihre Träume erzählt. Die Schlange ist der Penis und Dr. Freud sitzt verständnisvoll hinter der Coutch und sagt “Hm!”
Claras neue Freunde sind dagegen viel aufgeschlossener, sie nehmen sie zu Landpartien und ins Theater mit und zwischen Clara und Gustav kommt es zu einer Liebesaffaire. Sie schaut sich auch “Faust” im Theater an und ist von dem Gretchen hingerissen und außerdem kommen noch die Nazis und die Ereignisse überstürzen sich.
Dazwischen hat Sophie mit ihrem Phillip Schwierigkeiten, der sich als ziemmlicher Oarsch entpuupt und ihr auch dreinreden will, wie sie recherchieren soll. So trennt sie sich von ihm und lernt vor der St. Ullrichskirche einen Wolfgang Amadeus Franz Schubert kennen. Noch klischheehafter gehts wohl nicht mehr. Das ist vielleicht ein bißchen das Manko des Buches, das sich stellenweise liest, wie ein Reiseführer, nur werden manchmal die Routen falsch erklärt, denn um von der Kirchengasse in die Berggasse zu gelangen, braucht man nicht zur Währingerstraße und das Essen von Schnitzel wird als die Sensation angepriesen, das lockt wahrscheinlich die Touristen, nicht mehr nach Wien. Es werden aber auch Parties in den Katakomben gefeiert, ob das realistisch ist, weiß ich nicht und das “Orienthotel”, ein Wiener Nobelpuff wird auch frequentiert, sowohl von Clara und ihren Freunden, als auch von Sophie und Phillip.
Die Nazis machen aber der Idylle ein Ende und Clara ist schwanger geworden, weiß nicht von wem, verbirgt es solange es geht von beiden Männern, denn Gustav drängt sie mit Max zu sprechen und sich scheiden zu lassen. Das verlangen auch die Nazis von den arischen Ehefrauen und ein arischer Kollege übernimmt die Praxis im Erdgeschoß. Er will auch die Wohnung haben, da zieht aber Nicoletta mit Robert früher ein und weil Clara sich nicht entscheiden kann, denunziert Gustav Max und er wird ausgerechnet in dem Moment verhaftet, als Clara ihm alles erzählen will, so daß er mit dem Zweifel, daß das Kind vielleicht nicht von ihm ist, ins KZ geht. Clara bekommt bald die Asche zugesandt und als sie erfährt, daß Gustav, der Verräter war, stürzt sie aus dem Fenster.
Sophie, die sich mit einem Kleid aus den Neunzehnhundertdreißigerjahren, den alten Leuten angenähert hat, hat sich inzwischen mit Nicoletta angefreundet und bekommt von ihr 2005, da ist sie schon mit Wolfgang Amadeus Schubert verheiratet und selber Mutter, einen Brief. Sie soll nach Wien kommen, Gustav liegt im sterben und will ihr alles sagen und so endet der Roman, der sicher ein wenig kitschig und klischeehaft ist, aber Gabriele Droste hat sehr genau recherchiert und gibt und zeichnet sehr anschaulich, das Wien der Neunzehnhundertdreißigerjahre. So gibt sie Einblick in das Theaterprogramm. Hans Lothar war damals Direktor der Josefstadt und Franz Werfel offenbar in allen Cafehäusern gegenwärtig. Es wird in dem Wien von 1937 nur sehr oft Champagner getrunken, während meine Eltern in dieser Zeit wahrscheinlich zu den Arbeitslosen gehörten. Davon liest man in dem Buch nichts.
Aber natürlich hat Sigmund Freud in dieser Zeit die verklemmten bürgerlichen Mädchen und Ehefrauen behandelt und natürlich gab es Sekt in den großen Wohnungen, von denen ich inzwischen ja auch in einige gekommen bin. Ein interessantes Buch also für eine Wienerin, die sich auch an trivialeren Romanen nicht zurückschreckt und sich für das Wien von 1937 und 1938 sowieso sehr interessiert und das ist mir jetzt noch ein bißchen plastischer und vorstellbarer geworden.
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Zweischritt
Es ist ein sehr poetisches Buch, Andrea Grills zweiter Roman “Zweischritt”, obwohl Roman kann man die Traumsequenzen, Gedankensplitter, die da ziemlich plotlos durch die vierundzwanzig Kapiteln, mit einem “Vorneweg” und einem “Hintenan”, gleiten, gar nicht nennen. Eher poetische Gedankensammlung einer Frau, die wahrscheinlich ähnlich, wie Andrea Grill 2007, viel reist und als Biologin Eichhörnchen an den Haarbüscheln zieht oder Schmetterlinge impft und den seltsamen Namen Hans Lokomotif trägt.
Ein Männernamen für eine Frau? Andrea Grill scheint phantastische Einfälle zu haben, die sie schön erzählen kann, ob sie inzwischen realistischer und handlungsreicher geworden ist, weiß ich eigentlich gar nicht, denn ich war zwar schon bei einigen ihren Lesungen und Preisverleihungen, es ist aber das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe.
Im Jänner oder Februar gab es es bei Frick oder Morawa für drei Euro, ihre “New York- Geschichten” habe ich inzwischen noch im Bücherschrank gefunden und werde sie demnächst lesen.
Ein frühes Grill-Buch würde ich also schätzen, das zweite nach dem “Gelben Onkel” und damit habe ich Andrea Grill vor Jahren im Literaturhaus kennengelenrt. Sie hat beim Bachmannpreis gelesen, den Stoeßl-Preis gewonnen, scheint auch öfter auf Auslandsaufenthalte zu gehen oder überhaupt viel in der Welt herumzureisen und an verschiedenen Ort zu leben, wie Hans Lokomotiv, die Biologin, Wissenschaftlerin, die im Flugzeug sitzt, um nach Brasilien zu reisen, das Buch passt also auch ganz gut zur diesjährigen Buchmesse und dort Moor Corriagua kennenlernt.
Das Buch hat nach dem Prolog eine Seite, wo die Personen, die Orte und die Zeit, an denen es spielt, genau erklärt werden.
Außer Hans Lokomotiv, der mich am Anfang sehr verwirrte, dachte ich doch, die Ich-Erzählerin ist eine Frau, gibt es noch den Moor und dann noch mehrere “ers” mit denen sich die Erzählerin an den wechselnden Orten abwechselnd trifft, mit ihnen ißt, ins Kino geht oder sich Geschichten erzählen läßt.
Wieso eine Frau Hans heißen kann, wird erst viel später im Buch aufgeklärt. Sie sollte Johanna nach dem Onkel Hans heißen, der bei dem die Geburt angemeldet wurde, war aber betrunken und der Onkel wurde später von seinen Geliebten ermordet.
Man sieht Andrea Grill ist sehr einfallsreich und die Wissenschaftlerin reist viel in der Welt herum, reißt den Eichhörnchen, ground squarrels werden sie an einer Stelle genannt, die Haarbüscheln aus, markiert sie mit verschiedenen Farben und so erfährt man in einem sehr poetischen Text sehr viel von der Grausamkeit in der sich die moderne Biologie abzuspielen scheint.
So reist sie an einem Kongreß und tauscht dort mit einem russischen Wissenschaftler, der nach Kümmel stinkt und auch mit Studenten Experimente macht, die Tiere an denen sie forschen will aus, weil man das in der Wissenschaft offenbar so macht.
Die Poetin entzaubert also die moderne Biologie und gibt uns Grundlagenforschung. Es wird aber auch die Geschichte von dem Maler Diego erzählt, der Abbruchhäuser bewohnt, in die er sich keine Telefonleitungen legen lassen will und die Bilder seines Vaters erbt.
Andrea Grill wirkt manchmal auch erstaunlich brutal und offen, so wie sie erzählt, daß sie sich in einem Geschäft Schminksachen kauft, von der Verkäuferin eine Shampooprobe zugesteckt bekommt und von ihr gefragt wird, ob sie für mißbrauchte Kinder spenden will?
Will sie nicht und die handlungslose poetische Geschichte zieht sich durch, von Braslien, wohin die Erzählerin am Anfang fliegt und wo das “portugiesische “Tschau” klingt, als würde man jemanden fressen”, zu der offenbar erfundenen Stadt Mokum, wo sie lebt, zu einem Haus unweit eines italienischen Bahnhofs, in die Schweiz, wo sie den Turm besucht, den Rilke einmal bewohnte und den man nicht beheizen kann, sogar bis nach Amerika, wo Andrea Grill, wenn ich mich nicht irre, erst viel später war, aber vielleicht war sie dort schon früher und die New York-Geschichten habe ich genauso noch zu lesen, wie den Gedichtband, den mir Alfred damals im “Thalia” kaufte, das “Aspern-Buch” aus dem sie bei im “Musa” gelesen kann kann ich vielleicht noch finden.
Die 1975 in Bad Ischl geborene Andrea Grill habe ich, wie beschrieben 2005 oder 2006 im Literaturhaus kennengelernt, dann den Namensartikel über sie geschrieben, sie früher immer wieder bei Lesungen gesehen und mich jetzt ein bißchen in Ihren Sprachstil eingelesen, den ich sehr interessant und poetisch finde, obwohl ich ja ganz anders schreibe.
Recherchetag II und Bernhard-Fritsch-Briefwechsel
Am Mittwoch hatte ich einen neun Uhr Klienten und dann eine Dame um achtzehn Uhr, dazwischen war Zeit für meine Roman-Recherche eingeplant, denn das mache ich bei meinen neuen Projekten ja schon länger, daß ich, bevor ich zum Schreiben anfange, einen oder mehrere Tage in der Stadt herumfahre und Anni Bürkl hat mich zur Jahreswende ja auf das fünf Tage lang fünf Stunden an den schönsten Orten Wiens schreiben gebracht.
Bei den “Dreizehn Kapiteln” ist sich das dann nicht ganz ausgegangen, denn das war ja während der Zeit, als ich in Harland meine Sommerfrische verbrachte und St. Pölten ist bezüglich dem Recherchieren mit Wien nicht ganz zu vergleichen.
Aber jetzt passt es eigentlich ganz gut meine praxisfreien Stunden auf der Recherche für die “Verbrüderung” zu verbringen und dann im November mit dem Schreiben im Rahmen des Nanowrimos anzufangen oder auch nicht, denn der November ist ja ein besonders intensives Monat, da gibt es zuerst mein literarisches Geburtstagsfest, dann wollen wir eine Woche nach Ungarn fahren und die Buch-Wien kommt auch.
Da würden mir noch fast drei Wochen für das Herumlaufen, Stadtschreiben, Materialsammeln etc. bleiben und das geht oder geht auch nicht, denn gestern habe mich mich zwischen dem Buch-Wien-Pressegespräch und der “Ohrenschmaus-Jurysitzung” gar nicht so leicht getan und heute war das ähnlich.
Zwar bin ich zuerst zum Friseur gegangen, denn das gehört neben dem Fensterputzen zu den Ritualen die vor dem Neuanfang liegen und dann wollte ich mir ja die Seestadt Aspern anschauen. Da bin ich aber schon ein bißchen verzögert hingekommen, denn in dem “Ein Euro Laden” in der Reinprechtsdorferstraße, der schräg gegenüber meiner früheren Praxis liegt, habe ich mir zuerst ein paar Unterhosen und ein Nachthemd und dann noch eine Haube gekauft, dabei habe ich den Bus versäumt und entdeckt, daß es beim Anker nebenan ein Schokocroissant und einen Cappuccino um drei Euro gibt.
Dann bin ich nach Aspern hinausgefahren und entdeckt, das ist eine Baustelle, dann noch ein bißchen ins SMZ-Ost bzw. Donauspital, wie das jetzt heißt, denn zwei der Pohlfahrtbrüder sind ja Ärzte und dann ein bißchen mit der U-Bahn herumgestreunt und da habe ich eine interessante Endeckung gemacht, denn in der U1 saßen lauter Leute, die eifrig in ihr Handy bzw. Tablets tippten, eine ältere Dame mit kurzen grauen Haaren, Jeans und einer grauen Manteljacke las aber ausgerechnet in “F” von Daniel Kehlmann und stieg dann in der Großfeldsiedlung aus.
Soviel zu meinen Vorurteilen und ein paar andere Entdeckungen habe ich auch dabei gemacht.
Mit meinem Romanplot bin ich dabei zwar nicht unbedingt weiter gekommen, nur festgelegt, daß die Svetlana Alexewitch aus Minsk auch zuerst in einem Bordell gelandet ist, dann haben ihr Freunde geholfen, sie hat eine Pflegehelferinnenausbildung gemacht und betreut jetzt Tante Lilly, sie möchte aber Literatur studieren.
Da ich um sechs eine Stunde hatte, habe ich eigentlich gedacht, daß ich auf die Wien-Bibliothek und die Präsentation des Briefwechsels zwischen Gerhard Fritsch und Thomas Bernhard verzichten werde müssen, ich hatte aber einen Tagesfahrschein und die Klientin ist auch zehn Minuten früher gekommen, so ist es sich ausgeangen und die Buchpräsentation war wirklich interessant.
Marcel Atze eröffnete statt der Direktorin und erklärte, daß er die Entstehung des Briefwechsels sehr gut mitbekommen hat, weil sich ja der Fritsch-Nachlaß in der Wien-Bibliothek befindet.
Der Herausgeber des “Korrekturverlags”, der auch bei Suhrkamp Lektor ist, begrüßte dann die Bernhard und die Fritsch Erben und Martin Schwab und Martin Huber lasen die Briefe aus den Fünfziger und Sechzigerjahren vor und die waren wirklich interessant, denn Thomas Bernhard, der große Übergott, scheint sich sehr um die Gunst von Gerhard Fritsch, der auch die Zeitschrift “Text und Kritik” herausgegeben hat, bemüht zu haben, bittet ihn mehrmals um seine Vermittlung und zweifelt dabei auch an seinem Schaffen und übertreibt dabei natürlich schamlos, bzw. kokettiert er wahrscheinlich auch und der Herausgeber forderte die Leute zum Kaufen des Buches auf, weil man nur damit alles verstehen würde, weil es viele Anmerkungen gäbe und die Karte, die die Industriellenvereinigung Thomas Bernhard 1968 geschickt hat, als sie aus Angst die Wildgans-Preisverleihung abgesagt hat, ist auch in dem Buch abgebildet.
Nachher gab es Brot und Wein, ich unterhielt mich mit dem Chemiker, den ich meistens in der Wien Bibliothek treffe und mit Christoph Kepplinger, der ebenfalls gekommen war. Beim nach Hause fahren habe ich dann den Alfred in der U-Bahn getroffen, vielleicht sollte ich öfter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.
Buch-Wien Info, Ohrenschmausjurysitzung, Romanrecherche und Hermynia zur Mühlen-Lesung
Der Dienstag war wieder einmal ein höchst literarischer Tag, manchmal gibt es das bei mir und diese Woche wird gleich mehrere für mich haben, wo ich nicht nur auf der passiven Zuhörerseite sitze, sondern selber wenigstens ein bißchen mitmischen kann.
So begann es gleich um elf mit meinem Pressegespräch zur Buch-Wien in der Grünangergasse, diesmal gab es ja keinen Jour fixe, sondern eine Präsentation von Gerald Schantin, Günther Kaindlsdorfer und Inge Kralupper und gleich die Pressemappe mit dem kleinen rosa Programmheftchen.
Und natürlich wird wieder alles schöner, besser, größer, toller werden. Am 18. November beginnt die Lesefestwoche im Stadtsenatsaal im Wiener Rathaus mit Ferdinand von Schirach und die Eröffnung ist dann wieder am Mittwoch darauf in der Halle D mit einer Festrede von Sibylle Lewitscharoff über das Lesen. Am Freitag den 22. wird der Ehrenpreis des Buchhandels an Barbara Coudehove-Kalergi im Rathaus vergeben und dazwischen gibt es Lesungen auf vier Bühnen auf der Messe, in der Hauptbücherei, im Literaturhaus und noch an diversen anderen Orten. Die Donau Lounge wird es wieder geben. Peter Stamm wird kommen, Clemens Meyer, Brigitte Kronauer u.u.u.
Preise werden vergeben werden, wie ein neuer des PEN-Clubs und natürlich der “Exilpreis”, die jungen Autoren lesen im “Literaturcafe” und für die Kinder wird es ein Kinderprogramm geben.
Am Donnerstag ist der Eintritt für Pensionisten und Studenten frei, ansonsten wird der Eintritt sieben Euro kosten, ein moderater Eintritt, wenn man ihn mit Frankfurt vergleicht und dann gibt es auch noch den Lesepaß, der in den Buchhandlungen aufliegt, wo es nur vier fünfzig kostet.
Danach gabs Kaffee und Brötchen, ich stand eine Weile herum und beschloß dann meinen ersten Wien-Recherchetag zu machen, bis fünf, denn dann fand ja die “Ohrenschmaus-Jurysitzung” im Albert Schweizer Haus statt. Also bin ich zuerst in den “Morawa” studiert, habe mir Daniel Kehlmanns “F” und noch ein paar andere Bücher vorgenommen und habe mich mit meinem gelben Buch an den Donaukanal gesetzt, das Wetter war ja wieder traumhaft schön und habe meinen Plot skizziert.
Eine Idee bei den Recherchetagen ist ja auch, mit einem kleinen Block in der Tasche herumzugehen und möglichst viele der herumschwirrenden Gesprächsfetzen einzufangen. Ich war dann nicht ganz sicher, ob ich mir einen Nudeltopf oder eine Nachspeise kaufen soll, habe mich für einen Dinkelvanillekrapfen entschieden, die Buchhandlung der Brigitte Salanda besucht, die wirklich eine tolle Auswahl hat, aber mit ihrem Kompagnon so herumschimpfte, daß ich einen Moment lang glaubte, ich wäre in eine Besprechung oder ein Interview hineingeplatzt.
Bei Maria am Gestade habe ich mich ein zweites Mal hingesetzt, um alles aufzuschreiben, auf einmal rief einer “Hallo, Eva!”, es war der Stephan EiblErzberg, der sich gerade auf den Weg zu seinem Arzt machte und mir von einer Schreibblockade berichtete und davon, daß alles “Scheiße!”, ist.
Das denke ich auch manchmal, diesmal aber nicht, denn ich kam langsam in meinen Recherchetag hinein, setzte mich beim “Kuppitsch” noch einmal eine halbe Stunde mit dem Kehlmann-Buch auf einen bequemen Sessel, machte ein paar Notizen und verbrachte die nächste halbe Stunde auf einer Bank im Votivpark, um mich langsam dem Albert-Schweitzer-Haus anzunähern.
Barbara Rett, Niki Glattauer und Heinz Janisch waren von den Jurymitglieder gekommen, die anderen ließen sich entschuldigen, denn sie hatten neue Bücher oder keine Zeit sich die Texte anzuschauen.
Wir waren uns bezüglich unserer Vorschläge aber bald einig und da der Psychologen-Jour-fixe, der eigentlich stattfinden sollte, abgesagt wurde, konnte ich ins Literaturhaus zur Lesetheateraufführung von Hermynia zur Mühlen gehen, was ich sehr gerne machte, denn ich habe, die 1883 geborene “Rote Gräfin” schon im Bücherschrank meiner Eltern kennengelernt.
Gab es da ja “Reise durch ein Leben”. Der Sysyphos-Verlag hat in den Neunzigerjahren, den Erzählband “Fahrt ins Licht” wieder aufgelegt, aus denen die Frauen sieben Kurzgeschichten lasen und “Promedia” legte “Als der Fremde kam”, “Unsere Töchter die Nazinen” und “Ewiges Schattenspiel” wieder auf.
Diese drei Bücher habe ich gelesen und war auch vor ein paar Jahren bei einer Veranstaltung der Exilbibliothek im Literaturhaus, die “Zum Tee bei Hermynia” hieß, wo es, glaube ich, vor allem um das englische Exil ging.
Da kann ich mich erinnern, das gesagt wurde, daß die literarische Qualität gelitten hat, weil Hermynia zur Mühlen im Exil sehr viel schreiben und übersetzen mußte, so hat sie zum Beispiel den ganzuen Upton Sinclair übersetzt, ich habe davon auch ein paar Bücher von meinem Vater geerbt und die sieben Geschichten, die die Lesefrauen Judith Gruber-Rizy, Hilde Schmölzer, Heidi Hagl, Andgelika Raubeck, Gabriela Schmöll lasen, waren durchaus spannend und sehr originell.
Da gab es die von dem kleinen Mädchen, das lernen muß, wie die Zeit vergeht und die von dem italienischen Koch, der nicht kochen kann, aber der Tante erzählt, daß er das Erdbeben von Messina nur knapp überlebte, die von dem Zeitungskönig, der einmal mordete, um berühmt zu werden und das an seinem achtzigsten Geburtstag erzählt und die von der Frau, die am Morgen an der Seite eines Polizisten gesehen wird und vom Klatsch und Tratsch zur Giftmörderin gemacht wird.
Spannend, spannend und im offenen Bücherschrank habe ich auch noch Andreas Unterwegers “wie im siebenten” gefunden, ein Buch, das ich schon lange haben wollte und jetzt nur noch lesen muß.
Auf Lesetour
Den deutschen Buchpreis gibt es seit 2008, der Schweizer wurde 2008 erfunden, ist Österreich gibt es seit 2010 den “Alpha” einen sogenannten Newcomer-Preis, der mit den beiden anderen wahrscheinlich nicht zu vergleichen ist und für den ich heuer eine Einladung bekommen soll und seit vorigen Jahr hält die Lesetour der Schweizer Literaturpreis Nominierten auch im Wiener Literaturhaus an. Eine Chance für mich von der Schweizer Literatur etwas mitzubekommen, denn, daß die österreichische, die deutsche und Schweizer Literatur trotz der gleichen Sprache sehr verschieden ist, wurde schon öfter festgestellt.
Sonst dürfte sich der Schweizer Literaturpreis sehr an sein deutsches Vorbild orientieren, er richtet sich an alle deutschsprachigen Bücher, die von Schweizern geschrieben wurden. Es gibt eine Shortlist auf der heuer Ralph Dutli, Roman Graf, Jonas Lüscher, Jens Steiner und Henriette Vasarhelyi stehen, merke, drei der Titel kennen wir von den Longpreisnominierungen des dBP und die Nominierten gehen auf Lesereise, die am Wochenende in Frankfurt begonnen hat, gestern waren sie in Hamburg, am Montag in Wien, Berlin, Düsseldorf, Bern, Zürich und Basel wird noch folgen und am 27. Oktober findet dann die Preisverleihung in Basel statt.
Dazu gibt es auch eine Einladung, die im Literaturhaus auflag, ich könnte also, wenn ich wollte, mich dazu anmelden und nach Basel fahren oder fliegen, was ich nicht vorhabe.
Ins Wiener Literaturhaus bin ich aber schon voriges Jahr gegangen und habe interessante Bücher kennengelernt und heuer wieder und diesmal gab es außer den Getränken, sogar ein Buffet, Käse, Weintrauben, Nüße, Brot und Wein und etwas Obst und die Veranstaltung war zwar etwas besser, als im Vorjahr, aber nicht wirklich gut besucht.
Zuerst habe ich den Waldviertler Lehrer getroffen, der die anwesenden Autoren, Dutli und Vasarhelyi waren nicht da, um ein Autogramm gebeten hat. Dann hat Robert Huez eröffnet, danach der Schweizer Kulturrat, den ich, glaube ich, schon von der “Alten Schmiede” kenne, die Schweizer Literatur sehr gelobt und der Vorarlberger Stefan Gmündner vom “Standard” hat die Autoren sehr launig in scharf pointierten Worten vorgestellt.
Roman Graf, der 2010, glaube ich den “Bremer Literaturpreis” bekommen hat, begann und sein Roman “Niedergang” war für mich auch der interessanteste. Ein Paar, Andre und Louise, wollen eine Bergtour machen, das heißt, der Mann, ein Schweizer, in Berlin lebend, wie sein Autor, will das, Louise aus Mecklenburg Vorpommern will das nicht so wirklich. So sabortiert sie den Aufstieg und verläßt Andre schließlich kurz vor dem Gipfel.
Ein interessantes Buch, das ich gerne lesen würde, wenn es einmal zu mir kommt. Von den beiden anderen Jonas Lüschers “Frühling der Barbaren” und dem Sohn eines Schweizers und einer Dänin Jens Steiner, der der einzige der drei ist, der noch in der Schweiz lebt, Jonas Lüscher lebt in München und ist interessanterweise, derjenige, der das reinste Deutsch sprach “Carambolage”, habe ich ja schon die Leseproben gelesen.
Danach gab es eine Diskussion, wo Stefan Gmündner fragte, ob sich die Schweizer fremd fühlen würden und sie nach ihren literarischen Vorbildern erkundigte. Da gibt es ja Max Frisch und Dürenmatt und von den jüngeren Autoren Peter Stamm und danach, wie schon erwähnt, ein Buffet, das man wieder an den weißgedeckten Stehtischen einnehmen konnte.
An meinem Tisch standen der Herr, den ich manchmal in der Wien-Bibliothek treffe, eine “Alte Schmiede- Stammbesucherin”, die sich als französisch sprechende Schweizerin entpuppte. Eine andere Schweizerin und ein Student aus Prag oder Ölmütz, der eine Diplomarbeit über Paulus Hochgatterer schreibt, mit denen ich mich sehr angeregt unterhielt.
Bei den Bücherschränken war ich auch und habe wieder ein paar sehr interessante Bücher mitgebracht, die ich nun noch lesen muß.
Adams Fuge
Nun kommt die Besprechung eines Buches, von dem und dessen Autor, glaube ich, das erste Mal beim Frankfurter-Buchmessen-Surfen hörte.
Dort wurde 2011, Steven Uhlys “Adams Fuge” und 2012 sein “Glückskind” vorgestellt. Der Name hat sich mir eingeprägt und so habe ich zugegriffen, als ich im Winter in den Abveverkaufskisten “Adams Fuge” um ein paar Euros fand, ohne sehr viel über Buch und Autor zu wissen.
Das habe ich jetzt nachgeholt und herausgefunden, daß der 1964 in Köln geborene Steven Uhly, begalischer Abstammung ist, der Vater ist Bengale. Die Mutter Deutsche, der Stiefvater Spanier und ähnlich verwirrend geht es auch in seinem zweiten Roman “Adams Fuge” zu, in dem um verschiedene Identitäten und Identitätsschwierigkeiten geht und das in einem sehr rasanten Agententhriller dargelegt wird, der schwer zu verstehen und mitzukommen ist.
Es geht um Satire, habe ich in einer Amazon-Rezension gelesen, das habe ich gar nicht so sehr empfunden. Mir ists am Schluß, wie auch andere Leser schreiben, ein wenig zu verwirrend gewesen, so daß ich jetzt auch nicht recht weiß, was die Aussage des Buches ist und was das Ganze soll?
Denn daß das Leben sinnlos ist und alle alle hassen und es nur um Macht und Geld geht, ist wohl ein wenig einseitig oder nicht?
Es geht jedenfalls um Adem Öztürk oder Adam Imp, Sohn eines Türken und einer Deutschen, in Mannheim aufgewachsen, der Vater hat die Mutter öfter krankenhausreif geprügelt, so daß sie ihn und die vier Kinder verließ, als Adem ein Kind gewesen ist. Der Vater ging mit den Kindern in die Türkei zurück, verwandelte sich in einen Iman, verheiratet die Tochter an einen Teppichhändler, der sie aus dem Fenster stürzt oder beging sie vielleicht Selbstmord?
In dem Buch ist nichts eindeutig und alles wandelt sich.
Adem geht jedenfalls zur Armee, obwohl er unsicher und ungeschickt ist und tötet dort einen Kurden, der ein Doppelagent war und Geheimpapiere bei sich hatte, so bekommt er einen Orden und wird nach Deutschland zu seiner Mutter geschickt, um die Urheber eines gegen Türken gerichteten Computerspiels unschädlich zu machen.
Im Flugzeug sitzt schon der tote Mayor an Adems Seite, der nunmehr Adam heißt und läßt ihn nicht mehr los. Adam tötet in Folge drei weitere Menschen, fährt mit seiner Mutter, die in Deutschland drei weitere Kinder hatte, von ihrem deutschen Mann ebenso geprügelt wird und Adem gesteht, daß die Schwester gar nicht von seinem Vater war, zum Großvater, der ein politischer Altachtundsechziger zu sein scheint.
Die Ereignisse überstürzen sich, wie schon erwähnt. Adem hat einen auf der Autobahn getötet, die Polizei hält ihn aber für tot und er hat nun zwei Löcher und ein Pflaster im Kopf, so daß er nicht mehr sehen kann, er macht sich aber an das Computerspiel, wo Türken von Deutschen in die Gaskammer geschickt werden und findet in dieser Industriepapiere, die er an die Israeli verkaufen will, die Kurden haben aber seinen Vater entführt und wollen Geld. So schlüpft er in die Identität eines Juden, der aber viele Pässe bei sich hat, ist zum Schluß ein Amerikaner, bzw. soll er für die auch noch einen Auftrag ausführen, um endgültig frei zu sein und ein Kind von einer Greta bekommt er ebenfalls…
Sehr verwirrend der Roman und für mich vielleicht zu satirisch, denn, daß es die Deutschtürken schwer haben, ihre Identität zu finden, hätte ich auch ohne soviel Thrillerhandlung gewußt, obwohl ich keine Computerspiele spiele, wo alle alle abknallen und in der “Heimsuchung” das an Hand einer türkischstämmigen Sozialarbeiterin, die in Wien aufgewachsen ist, viel harmloser selbst zu beschreiben versuchte.
Daß das Leben eine Farce ist und daß es mit soviel Ironie besser wird, bin ich mir nicht sehr sicher, habe aber bestimmt ein spannendes und interessantes Buch gelesen und “Glückskind” war vor kurzem, glaube ich, in Deutschland Gegenstand einer dieser “Eine Stadt-ein Buch”-Aktionen, die es ja nicht nur in Wien gibt, obwohl das Wien-Live bzw. Bürgermeister Häuptl zu glauben scheinen.
Nachrichten aus Frankfurt
Jetzt also das große literarische Event des deutschsprachigen Raums, die Frankfurter Messe, dort, wo die Geschäfte, die Linzenzen und die Verträge abgeschlossen werden, also etwas, was mich eigentlich nicht berührt und auch das Verlagsschauen liegt mir ja nicht sehr.
Trotzdem war ich zweimal dort, 2000 und 2002 und seit 2008 mit dem Laptop aus dem Wohnzimmer, was ich, die literarisch Interessierte, die schreibende Frau, auch 2013 zu tun vorhabe, obwohl ich ursprünglich die Woche mit den Recherchen für das neue Buch verbringen wollte, das also auf die nächste aufgeschoben und so fing es am Montag schon mit der Vergabe des deutschen Buchpreises an, den es ja seit 2005 gibt und den ich dieses Jahr vielleicht ganz besonders intensiv verfolgte und auch die Blogs, die ich so lese, blieben davon nicht unberührt. Wolfgang Tischer bloggt aus Frankfurt, Buzzaldrin ist dort und, daß Brasilien heuer Gastland ist, habe ich auch mitbekommen, bzw. mehr oder weniger zufällig aus den Buchbeständen meiner Eltern heuer schon Jorge Amados “Kakao” gelesen, der ja, wie ich hörte, Messe wegen, wieder entdeckt wurde.
Am Dienstag also die offizielle Eröffnung mit der Rede eines brasilianischen Politikers, der, wie ich im Morgenjournal hört, ausgebuht wurde und eines brasilianischen Autors, als Gastredner namens Luiz Ruffaldo, der bejubelt wurde und statt Samba eine Architektur aus Graffitis im Gastpavillon.
Ab elf gab es am Mittwoch dann das blaue Sofa, wo Wolfgang Herles, dessen “Dirigentin” ich letztes Wochenende gelesen habe, die neue Buchpreisträgerin Terezia Mora vorstellte, die erzählte, daß sie Peter Esterhazy übersetzte und für ihr “Ungeheuer”, unter dem die Depression zu verstehen ist, die Darius Kopps Frau befallen hat, einen Teil das Tagebuch der ungarischen Frau zuerst auf Ungarisch geschrieben hat. Danach kamen Michi Strausfeld, die eine Brasilienanthologie herausgegeben hat und Luiz Ruffaldo, die das Gastland vorstellten. Leon de Winter mit seinem Roman “Ein gutes Herz”, wo er den Rechtsradikalen Theo van Gogh zu seinen Schutzengel macht und der neue Hanser-Verleger Jo Lendle, der ja auch Autor ist und glaube ich, in Leipzig studierte, während bei 3-Sat die 1975 in San Paolo geborene Andrea del Fuego ihren Roman “Geschwister des Wassers” vorstellte und dabei über den magischen Realismus diskutierte. So spielt das Wasser in ihrem Buch eine große Rolle und eine Hauptfigur fällt eines Tages in eine Kaffeemaschine oder Filter und kommt zwei Tage später mit andersfarbigen Augen von dort wieder heraus.
Einen Buchmessenblog gibt es wie bereits erwähnt auch, Wolfgang Tischer bloggt dafür und bevorzugt dabei naturgemäß die neuen Medien, das E-Book und die Selbstpublisher, die diesmal ja, wie der Messedirektor betonte, einen noch größeren Schwerpunkt bekommen haben. Martina Gercke fährt, glaube ich, auch hin.
Es bloggen aber auch die Shortlistnominierte Monika Zeiner und Thomas Glavinic, der auf der Longlist stand.
Also alles sehr spannend und so werde ich wahrscheinlich aus dem fernen Frankfurt höchstwahrscheinlich wieder einige Impulse bekommen, beziehungsweise Bücher kennenlernen, die ich dann ein paar Jahre später vielleicht in den Abverkaufskisten oder in den offenen Schränken finden werde.
Und da ich ein ziemliches Organisationstalent bin, habe ich am Mittwochvormittag während des Surfens die Fenster und die Wohnung geputzt und als ich dann entspannt dem blauen Sofa lauschen wollte, war der Livestream plötzlich weg, so daß ich Brigitte Kronauer versäumte und den livestream erst wieder bei der Vorstellung des populärsten Sachbuchs der Saison des Weißrussen Evgeny Morozov “Smarte Neue Welt”, der vor den Gefahren des Smartphones warnte, wiederfand.
Die Literaturwissenschaftlerin Maike Albath stellte in ihrem Rom-Buch, das dolce vita und die italienische Literatur an Hand von fünf Autoren, wie Alberto Moravia und Elsa Morante vor. Dann kam noch einmal Terezia Mora auf das Sofa und unterhielt sich mit Barbara Wahlster über die Zahl ihrer Interviews und die Verkaufszahlen, die jetzt natürlich angekurbelt wurden.
Inzwischen wurde, wie ich auf www. buecher.at lesen und mich durch die Bildergalerie durchsehen konnte, der Österreichstand eröffnet.
Danach kam Clemens Meyer auf das blaue Sofa, von dem ich hörte, daß er am Montag sehr enttäuscht war, daß er den dBP nicht gewonnen hat und zuletzt am Mittwoch noch Norbert Gstrein mit “Einer Ahnung vom Anfang”, womit wir wieder bei der Longlist wären.
Dann gings in die “Alte Schmiede” zu den “Textvorstellungen”, das “Frankfurt-Feeling” in Wien, wie Friedrich Hahn launig verkündigte und nachdem ich darüber bloggte, konnte ich mich bei den Twitternews noch über die zahlreichen Parties in Frankfurt erkundigen, so feierten dort sowohl die Österreicher und die “Suhrkamp-Party”, die von vielen angeblich ignoriert wurde, gab es auch, das ist natürlich etwas, was ich in Wien versäumte, ein Glas Wein kann ich aber auch für mich trinken und außerdem brachte der Alfred Sushi nach Haus.
Und wenn ich so schaue, daß die Fachbesucherkarte achtundvierzig Euro kostet und die am Wochenende siebzehn, habe ich mir auch noch eine ganze Menge Geld erspart, für das ich mir eigentlich, ein paar Bücher kaufen könnte, wenn es nicht ohnehin schon eine Leselise bist 2025 gäbe, den den “Falter-Bücherherbst” hat mir der Alfred aber auch mitgebracht.
Am Donnerstag war dann Marion Poschmann am blauen Sofa angekündigt, so daß ich mich fast freute, als meine zehn Uhr Klientin absagte, so daß ich gut zurechtkommen sollte, allderdings gabs dann keine livestream, so daß ich herumzappte, mir ein paar versäumte Interveiws anhörte, bis 3-Sat mit Iris Radisch, die ich ja als Bachmann-Kritikerin kenne, begann, die lange Jahre an einem Buch über Camus geschrieben hat.
Um elf folgte bei 3-Sat Marion Poschmann, die Interviewspartner an den drei übertragenden Ständen ARD, 3-Sat und blaues Sofa, wiederholen sich zum Glück und so konnte ich mir in der Zwischenpause am Sofa, das ich dann wiederfand, noch einmal Andrea del Fuego hörte, die ihr Pseudonym erklärte.
Und dann gehts natürlich an das Nobelpreisraten, der ja zu Mittag verkündet wird, so daß am Vormittag darüber diskutiert wurde, ob es jetzt wirklich Haruki Murakami oder die künftige Friedenspreisträgerin Swetlana Alexijewitsch werden wird? Reinhard Jirgl, habe ich gestern gelesen, steht neben Peter Handke auch irgendwo erwähnt, was die deutschen Bücherblogger, die an seinem Roman scheiterten, wahrscheinlich ärgern würde.
Danach konnte ich ein Stück des Interwievs zwischen Dennis Scheck und Hans Pleschinksi, den ich auch einmal auf einem blauen Sofa kennenlernte, zu seinem neuen Roman “Königsalle”, der mich auch sehr interessiert, hören, in dem es um die Beziehung von Thomas Mann und einem jungen Mann namens Klaus Heuser geht, den ich trotz meiner endlos langen Leseliste auch gern lesen würde. Malte Bremer bedauert im literaturcafe.de ja die, die Leselisen bis 2030 haben, aber man kann die Bücher lesen wollen oder nicht und ich nehme es mir zumindestens vor.
Dagmar Leupold, die mit “Unter der Hand” auch auf Longlist stand und von der ich auch noch ein Buch zu lesen habe, konne ich dann bei 3-Sat interviewt von Ernst A. Grandits kennenlernen.
Dann habe ich bei den Namenprognosen des Vormittags wieder nicht gut aufgepasst und den Namen Alice Munro, einer 1931 geborenen kanadischen Autorin und Geschichtenerzählerin, an mir vorüberrinen lassen, weil ich von ihr noch nichts gelesen habe, den Namen aber, glaube ich, einmal von YuSophie hörte und Anna Jeller hatte ihre Bücher mal in ihrem Schaufenster stehen.
Also wieder eine Neuentdeckung, vielleicht kommt mal ein Buch zu mir, inzwischen habe ich mir die Tweeds angesehen, wo der Hanser Verlag, der auf Alexijewitsch tippte, auf den Sekt sitzenblieb, es wird ihn schon jemand trinken, S. Fischer war aber vorbereitet und mir kann es sowieso egal sein, weil ich von allen drei Autoren noch nichts gelesen habe, der Murakami steht aber inzwischen mehrmals auf meiner Leseliste.
Dann sollte ich vielleicht noch erwähnen, daß der wohl berühmteste Brasilianer, nämlich Paulo Coelho, auf der Buchmesse fehlt, weil der mit der Auswahl der geladenen Autoren nicht einverstanden war, physisch, symbolisch ist er wohl dort, denn es gibt einen Bus, der sein Konterfei trägt, der die Leute dort herumfährt und die anwesenden Experten fühlen sich bemüßigt über den esoterischen Bestsellerautor die Nase zu rümpfen.
Und als ich nach der Nobelpreisverleihung fast eingeschlafen bin, habe ich um mir mir Füße zu vertreten, schnell Milch eingekauft und mir beim “Wortschatz” ein anderes Bestsellerbuch, nämlich den Weltbestseller “Der Schatten des Windes” von Carlos Ruiz Zafon geholt, den ich auch noch nicht kenne.
Und nächstes Jahr ist, wie man schon hören Kann, Finnland Gastland, bezüglich dessen Literatur ich ja auch noch einen Nachholbedarf habe.
Dann stellte noch Maria Andrea Schenkel ihren neuen Krimi “Täuscher” auf dem blauen Sofa vor, der einen wahren Fall aus dem Jahr 1922 schildert und am Abend die Verleihung des Virenschleuererpreises, wo sich einmal der “Duftende Doppelpukt” und jetzt “We read Indie”, “Ihr Buch hat ein Gesicht” und andere beworben haben.
Ein “Brasilienbuch” habe ich ürigens auch noch zu lesen, nämlich Doris Kloimsteins Erzählband “Blumenküsser”, die ja einige Jahre dort in einer Schule tätig war.
Der Kultstar Boris Becker war Donnerstag auch Messegast und ein Model namens Daniela Katzenberger und in den Tweets las ich von den Unternehmungen die Nacht in den Messehallen zu verbringen, wo auf jeden dritten Stand die Wachmänner vor ihren Laptops sitzen und Filme schauen.
Und am Freitag gings bei 3Sat mit Hannah Dübgens Debutroman “Strom”, die ja auch beim “Bachmannpreis” gelesen hat, weiter.
Dann kam der Historiker Clark Christopher auf das blaue Sofa und erklärte und, weil wir ja bald 2014 haben den ersten Weltkrieg neu und der Brasialer Paulo Lins hat ein Buch über den Samba geschrieben und erklärte Wolfgang Herles, das der aus den Favelas stammt und Alina Bronsky, deren Buch “Scherbenpark”, ja eine Zeit lang bei mir sehr prominent aufgerufen wurde und die jetzt Kinderbücher zu schreiben scheint, stellte eines bei 3Sat vor “Nennt mich einfach Superheld”, in der sie einen Jungen schildert, der sein Gesicht durch den Biß eines Kampfhundes verloren hat.
Um zwölf kam dann Helene Hegemann auf das blaue Sofa, die ja mit “Ja zwei Tiger” vor kurzem ein neues Buch herausgegeben hat.
Dann kam ein Literaturwissenschaftler mit einem Buch zur oder gegen die Transparentkontrolle um um halb zwei die neue Friedens- und nicht Nobelpreisträgerin weißrussische Autorin und Journalistin Swetlana Alexijewitsch mit ihrem Buch “Secondhandzeit”.
Matthias Politycki stellte bei 3 Sat sein neues Buch “Samarkand” vor, während ich meine 2014 Bücher ins Badezimmer räumte, um wieder Platz im Badezimmer zu bekommen und hört dann noch einmal Thomas Glavinic in seiner bekannten chalanten Art über sein “Größeres Wunder” referieren.
Von Ghostwriter verfaßte Biografien berühmter Personen gibt es natürlich auch und das Abwehren, bei der Diskussion, ob jetzt jeder ein Buch schreiben kann und soll, wo es doch schon so viele gibt.
Dann kam der Büchnerpreistrager Friedrich Christian Delius mit seiner Rom-Erzählung “Die linke Hand des Papstes”, wo der Erzähler den Papst in einer evangelischen Kirche trifft und auch über eine Päpstin phantasiert wird und diskutierte mit Wolfgang Herles die italienische Korruption.
Nach einem Musiker der ein Buch über seinen Schlaganfall geschrieben hat, folgte Sven Regener, ebenfalls auch Musiker mit “Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt”, während bei 3 Stat Peter Stamm sein für den Raabe Preis nominierten Roman “Nacht ist der Tag” vorstellte, was mich wieder in Entscheidungsschwierigkeiten brachte und ich vom blauen Sofa zum 3-Sat Stand überschwenkte und am Schluß kam Freitags noch Else Buschenheuer mit ihrem “Skandal-Schundroman” auf einem bißchen höheren Niveau “Zungenkuß mit Hyänen” auf das blaue Sofa, bevor ich mit meiner grünen Mappe und dem gelben Buch zum Schreibtreff von Ruth und Robert ins Cafe Ludwig ging.
Interessant ist noch zu erwähnen, daß auffällig viele Autoren, erklärten, daß sie vier bis sechs Jahre an ihrem Buch geschrieben hätten, etwas was ich mir gar nicht vorstellen kann und eigentlich auch nicht will, aber offenbar bin ich da nicht im Trend und die blauen Sofa-Autoren viel viel langsamer als ich, ob das wohl ein Qualitätsmerkmal ist oder sein soll?
Allerdings sagte Else Buschenheuer dann auch noch, daß ihre Texte immer kürzer werden, was ebenfalls auf mich zutrifft, aber die neue Nobelpreisträgerin hat den Preis ja auch für ihre Shortstories begonnen.
In der Schreibegruppe, in der wir diesmal wieder zu sechst waren, haben wir dann zuerst einmal ganz pragmatisch einen Haufen Themen aufgelistet, von Hamlet und Theater, über Frankfurt, zum Lebenslauf, schwimmen, zusammen und vielleicht noch ein paar um uns dann aus Schwimmen zu einigen. Ich habe keine Themen eingebracht, sondern war offen für alles, ging es mir ja wieder darum, ein Stückchen an meinem Romanprojekt weiterzuschreiben, bevor ich in die echte Schreibephase kommen. So passte sowohl schwimmen als auch Theater ganz gut und dann fuhr die Renate, Barabara Haydns Mutter, nach ihrem Studienabschluß für eine Woche nach Bibione, das heißt sie stoppte mit ihrer Freundin hin und mitgenommen, habe sie die drei Wohlfort Brüder und dann gehen sie gemeinsam schwimmen. Sie hätten auch ins Theater gehen können und ich habe mir mitgenommen, im Roman auch einen Renate Strang einzubauen, so daß das Ganze nicht nur in der Gegenwart sondern auch noch zwanzig Jahre früher spielen wird.
Und der Hotlistpreis wurde inzwischen auch vergeben und ist an ein für mich völlig unbekanntes Buch, nämlich an “Die Manon Lescout von Turdej” aus dem Weidle Verlag gegangen. Mal sehen, ob ich von ihm noch einmal etwas höre.
Am Samstag haben sich dann die Pforten, wie Wolfgang Tischer so treffend formulierte, die Pforten für das allgemeine Lesepublikum aber auch die Cosplayer geöffnet und ich bin mit dem Alfred in das Gartenhaus am Almweg gefahren und haben mit der Anna und dem Andy den Garten ausgeschnitten und auf der Sophienalpe ein spätes Mittagessen gehabt
Dadurch habe ich natürlich die Sessions auf dem blauen Sofa versäumt, macht ja nichts, habe ich gedacht, läßt sich ja in der Mediathek nachholen.
Dann kam ich die letzten fünf Minuten noch zurecht, um Andrea Stolls “Bachmannbiografie” zu hören. Richtig, es jährt sich ja bald der vierzigste Todestag und der Moderator vermutete, wie ich hoffe, unrichtig, den Bachmannpreis kennt jeder, die Ingeborg Bachmann nicht. Er wollte dann noch von den blauen Sofa Publikum wissen, wer die die Gruppe 47 kennt, aber die dort saßen waren warhscheinlich die literarisch Interessierten und zeigten auf.
Ich kenne alle drei und hatte danach eine Weile Schwierigkeiten, die Portraits im Archiv zu finden.
Sonst waren sie immer nach ein paar Stunden da, jetzt fehlten sie, so habe ich mir das “Andere blaue Sofa Buchmessen-Spezial”, Wolfgang Herles über die Buchmesse geht und dann noch ein “Aspekte-Buchmessen- Portrait” angeschaut und habe dann doch noch die Sofas-Portraits gefunden und mir die von Martin Walser, Rüdiger Safransky über seine Goethe-Biografie und Michael Krüger, der sich positiv über das Internet und das Selbstpushling äußerte, obwohl er als Verleger fünfundsechzigtausend Manuskripte abgelehnt hat, den Schulen mehr Lesen verordnen würde und ein Gedicht namens “Urheberecht” vorlas, angesehen.
Spannend war dann auch das Video über den Aspekte-Literaturpreisträger Eberhard Ratgeb und sein Buch “Kein Paar wie wir” und dann am Sonntag fand um elf die Verleihung des Friedespreis in der Paulskirche an Swetlana Alexijewitsch statt. ZDF zeichnete den livestream mit, war aber heuer leider im nicht deutschen Ausland nicht verfügbar, so daß ich mich weiter auf den blauen Sofa Livestream und Videos beschränken mußte und da gab es natürlich bei den dreißigtausend Büchern, die in diesen Bücherherbst erschienen sind, einiges Interessantes.
So hat Jutta Ditfurth ein Buch über ihren Onkel, den Baraon Börries von Münchhausen, 1874-1945, ein berühmter Nazi und Balladendichter, den Marcel Reich-Ranicki trotzdem in seinen Kanon aufgenommen hat, geschrieben.
Ein Buch über die Flakhelfer, wie Siegfried Lenz und Dieter Hillebrandt, deren NDSAP-Aufnahmeansuchen man nun gefunden hat, gibt es auch und eine neue Biografie über Adolf Hitler.
Man sieht was die Leute lesen wollen oder sollen und Thomas Glavinic, der die Messe inzwischen schon wieder verlassen hat, fordert in seinem Messeblog die Leute auf, seine Bücher zu kaufen, damit er weiterschreiben die Buchhandlungen bestehen können.
Literarisch gab es eine Begegnung mit Andreas Eschbachs “Todesengel”, von dem ich “Perfect Copy” auf der 2014 Leseliste und schon in meinem Badezimmer habe und Peter Härtling, der demnächst achtzig wird und sich in seinen zwei neuen Erzählungen “Echo” mit dem letzten Buch, das man schreibt, auch eine interessante Idee, auseinandersetzt und Ze do Rock, auch ein Brasilianer, der ja heuer in Frankfurt gelesen hat, schloß die Lesereise auf dem blauen Sofa ab.
Mir raucht der Kopf, ist doch wiedermal ein sehr intensives Buchmessensurfing zu Ende, das mir von meinem rotengemusterten Wohnzimmersofa aus, immer sehr viel Spaß macht und ich Bücher kennenlerne, die ich vielleicht später mal in den Kästen oder Abverkaufskisten finde und wenn jetzt einer meiner Leser wieder meine Buchmessenbewertung wissen will.
Ich habe keine, als ich das letzte Mal live dort gewesen bin, ist es mir zu teuer gewesen und es hat mich auch geärgert, daß ich am “Fischer Stand” kein Wasser bekommen habe, auf dem Wohnzimmersofa sind die vielen Eindrücke sicher sehr interessant und staunen tue ich inzwischen schon über die übervolle Bücherzahl, die da geschrieben und präsentiert wird. Die berühmten Autoren, was auch für Schneider, Schauspieler oder Sportler gelten kann, sitzen auf dem blauen Sofa, Boris Becker wird gefilmt und von seinen Bodyguards begleitet und die vielen erfolglosen Autoren, rennen mit ihren Büchern herum und versuchen sie, wie Wolfgang Tischer, ein wenig ironisch beschrieb, irgendwo aufzulegen und inzwischen gibt es offenbar auch viele Selbstpublisherstände, die nicht nur mehr belächelt werden, also für Büchermenschen etwas durchaus Tolles, also fein, daß es das gibt.
Morgen gehts dann ins Literaturhaus zur Schweizer-Buchpreislesung und am Dienstag in die Grünangergasse zur Buch-Wien-Pressekonferenz und dort werde dann ich herumlaufen und versuchen Kontakte zu knüpfen, Leute zu treffen und wenn es geht nicht zu viele Bücher nach Hause zu bringen oder, aber das meine ich, wie meine Leser wissen werden, wahrscheinlich nicht ganz ernst.
Die Dirigentin
Jetzt kommt ein Roman des ZDF-Kritikers Wolfgang Herles, den ich von den blauen Sofas von Frankfurt und von Leipzig kenne und der auch seit zwei Jahren eine so genannte Literatursendung im Fernsehen hat, wo ich mich vor allem an eine Kritik über ein Buch von Ferdinand von Schirach erinnere, wo er mit erhobener Hand in den Bildschirm wachelt und laut und empört “So nicht!”, schreit.
Jetzt weiß ich nicht, ob Wolfgang Herles, daß auch so bei seinem Roman “Die Diregentin” machen würde, im Vorbild habe ich gehört, daß ihm damit auch nicht der große Wurf gelungen sei, ich tue das natürlich nicht, obwohl mir das Buch vielleicht ein bißchen zu glatt, zu abgehoben und zu veraussehbar erschien. Nichts an Peinlichkeit wird ausgelassen und Jakob Stein, der männliche Protagonist hat von vornherein keine Chance, was mir immer ein bißchen leid tut und außerdem denke ich, daß ein ehemaliger Minister höchstwahrscheinlich nicht so doof oder psychisch schwach sein wird, wie ihn Wolfgang Herles schildert, aber irgendwo im Buch steht auch ein Satz, wie “Du hast ja keine Ahnung welche Idioten an die Macht kommen können!”
Jakob Stein ist jedenfalls ein gefallener Minister, gefallen lassen wurde er von der Kanzlerin Christina Böckler, Ähnlichkeiten zu Angela Merkel sind beabsichtigt oder zufällig oder nichts davon oder alles?
Am Titelbild sieht man jedenfalls einen roten Teppich und da geht eine blonde Frau in schwarzen Anzug darauf, die man von hinten für sie halten könnte und unter Wolfgang Herles Danksagung steht “Die Personen dieser Geschichte sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit wahren Personen und Begebenheiten sind unvermeidlich.”
Aber es geht ja um eine Dirigentin, bzw. um Jakob Stein, der sich nach seinem Fall in die Welt der Musik zurückzieht. Am Beginn des Buches begegnen wir ihn in Salzburg, wo er mit seinem Freund und Therapeuten Franz einige Aufführungen besucht. Hat sich zu Wolfgang Herles noch nicht herumgesprochen, daß Therapeuten nicht ihre Freunde therapieren sollen?
Der Ex-Minister hat jedenfalls alle Angebote als Lobbyist oder in die Wirtschaft zu gehen ausgeschlagen, will zu seinem Vergnügen der Musik nachreisen und hat offenbar auch das Geld dazu, er ist geschieden, mit der Ex ist alles geregelt und der Sturz der Kanzlerin scheint ihn sehr getroffen zu haben. Die hat ihm zum Abschied auch einen Dirigentenstab mit drangelassenen Preisschildchen geschenkt und so lernt der Held gleich einmal die schöne Dirigentin MP Bennson kennen, die ihrer Freundin Leilah, einer Schweizer Bankerin, Liebesmails schreibt, reist ihr von Wien nach Mailand, etc, nach, so was scheint man “Aficionado” zu nennen, er spricht sie auch an und sie lädt ihn nach Berlin ein, wo sie “Rheingold” dirigieren soll, um dort die Proben zu besuchen.
“Rheingold” diese Wagner Oper, die Herles, dann ziemlich genau in ihren Stabreimen zitiert, soll von dem Regisseur auch ziemlich umgedeutet werden, so soll Wotan als Mohamed auftreten. Stein rät davon ab, wegen der politischen Präsanz und bringt Maria auch ein eigenes Regiekonzept als Geschenk mit, die ihm sehr kalt und höflich behandelt, aber vielleicht noch brauchen kann. Denn es gibt in der Linden-Oper natürlich Intrigen, sie will eine Sängerin hinauswerfen, mehr Proben haben etc und schreibt das auch immer getreulich ihrer Leilah.
Mit Stein geht sie ein paar Mal essen und bittet ihn dann ihn der Kanzlerin vorzustellen, was er auch macht, dann kippt das Buch und die Ereignisse überstürzen sich, denn Maria und die Kanzlerin scheinen sich zu verlieben oder ist das nur Steins Phantasie?
Die Dirigentin läßt den Ex Minister aber sofort fallen, zeigt ihm des Stalkings an, läßt ihn aus dem Hotel weisen, er verfolgt sie weiter, tauscht ihren Dirigentenstab mit dem ihm geschenkten aus, womit sie sich am Auge verletzt, so daß sie mit roter Augenklappe- wie einer der “Rheingold-Protagonisten”, die Premiere dirigieren muß. Ein Koffer mit einer toten Kröte wird auch im Orchestergraben gefunden. Haben den die Islamisten oder doch Jakob Stein hingestellt?
Er schickt seiner Schönen von der er verlautet, ihr geheimer oder öffentlicher Geliebter zu sein, ein bei Palmers, in Wien gekauftes goldenes Nachthemd, betrinkt sich ziemlich und bei der Premiere, die er dann besucht, scheint er einen Herzinfarkt zu erleiden.
Nun ja, nun ja, ich mag mir nicht die Empörung des Kritikers Wolfgang Herles dabei vorstellen und den mahnenden Zeigefinger oder würde er anders reagieren?
Die Rezensionen, die ich gelesen haben finden das Buch zum Teil satirisch und amüsant. Sehr genau scheint es recherchiert zu sein und ich habe in Wolfgang Herles Lebenslauf, der 1950 geboren ist, auch gelesen, daß er, bevor er Literaturkritiker wurde, Politjournalist war und einen Eklat mit Kanzler Kohl hatte. Vielleicht ist es also doch ein Schlüßelroman und von den Mächtigen und Schönen, zu lesen, die alle als ziemliche Ekel dargestellt werden, ist ja sicher auch sehr reizvoll.
Was du liebst, gehört dir nicht
Jetzt kommt ein Roman von Louise Doughty, von der das “Ein Roman in einem Jahr” Projekt ist, das es 2007 im Autorenhausverlag gab, ein Buch bzw. Internetausdruck, den ich mehrmals gelesen habe.
Als “Was du liebst gehört dir nicht” bei Morawa in der Abverkaufskiste lag, war ich neugierig, was und wie die 1963 geborene britische Autorin, Journalistin und kreative Writinglehrerin schreibt und bleibe bei dem Buch, wo es, um Schuld und Sühne und den Verlust eines Kindes geht, etwas ratlos zurück.
Gibt es in dem Buch doch in der Mitte einen Stil und Perspektivenwechsel und das habe ich ja von den Schreibratgebern gelernt, daß man nie die Genre wechseln darf und so ganz habe ich mich mit dem Verlauf der Handlung auch nicht ausgekannt.
Da ist Laura Needham, eine junge Mutter und Physiotherapeutin, geschieden, der von zwei Polizisten, der Unfalltod ihrer Tochter Betty beigebracht wird.
Danach ist das Buch in verschiedene vorher und nachher Abschnitte gegliedert, die zuerst einmal Lauras Leben bis zu dem Unfalltod schildern.
Sie hatte eine pflegebedürftige Mutter für die sie als Kind schon Veranwortung übernehmen mußte und keinen Vater, die Pflegeschwester und die Fürsorgerin, rieten ihr Krankenschwester zu werden, sie studierte aber Physiotherapie und lernte dann David kennen, den sie nach einigen Anläufen heiratet und zwei Kinder, Betty und Rees bekam.
Noch vor Rees Geburt betrügt David sie mit Cloe, von der er dann ein Baby bekommt und Laura bekommt anonyme Briefe, die von Chloe sein könnten, die sie dazu bringen will, die Kinder zu David zu lassen, was sie auch tut. Als das Baby geboren wird, kauft sie sogar ein Geschenk für es ein.
Dazwischen begleiten wir Laura ins Krankenhaus, erleben die Begräbniszeremonie und ihren Schmerz und all die Trauerreaktionen, die eine Mutter, deren Kind gestorben ist, wohl hat.
So ist sie auf Sally, der Mutter, von Betty Freundin, die auch in den Unfall verwickelt war, aber erst nach Betty stirbt, eifersüchtig und kann sie nicht sehen und auch auf eine junge Mutter, die mit ihren Kind auf den Spielplatz kommt.
Sie hat auch im Krankenhaus seltsame Begegnungen mit Jugendlichen und anderen Patienten, die sie beschreibt und die als Trauerreaktionen zu deuten sind.
Ungewöhnlich für mich ist, daß die Vertrauenspolizistin sooft zu ihr kommt und daß sich die Nachbarinnen so auffällig, um sie kümmern und ihr alles abnehmen, aber vielleicht ist das in England so üblich.
Laura kommt auch eine Nacht in eine psychiatrische Abteilung und Rees vorübergehend zu David und Cloe.
Dann wird es ein wenig unklar, Laura liest die Unfallsberichte über den Mann, der die Kinder angefahren hat. Es ist ein Flüchtling, der in einer Wohnwagensiedlung lebt und der einen Neffen hat, um den er sich sehr kümmert. Es ist der, den Laura im Krankenhaus gesehen hat.
Nun packt sie ein Messer und geht auf den Jungen los, das habe ich nicht ganz verstanden und “Uje!”, gedacht, auch, daß sie den Flüchtling in ihr Haus mitnimmt, mit ihm schläft und ihm dann erklärt, daß er ihr etwas schuldig ist. Ist es doch ein Kriminalroman, ein Thriller und kein, ein vielleicht ein wenig konstruiert wirkendes Trauerbuch?
Kurz danach verschwindet Chloe, von der David Laura gesagt hat, daß sie sehr depressiv ist, ihr Geld und ihr Auto bleiben zurück, hat sie vielleicht Selbstmord gemacht?
Der Flüchtling verschwindet auch und Laura wird verhaftet.
Uje, uje, sie kommt aber wieder frei, denn die Polizei kann ihr nichts beweisen und vielleicht hat sie auch nichts getan und sich die depressive Chloe wirklich selbst umgebracht. Warum hat sie aber mit dem Mann, der schuld am Tod ihrer Tochter ist, geschlafen? Das erscheint mir nicht sehr realistisch. Sie kommt auch wieder mit David zusammen und Chloes Mutter greift nun Laura an und schreibt ihr weiter Briefe.
Geht es also um die Trauer einer Mutter, deren Kind einen Autounfall hatte oder um ihre Beziehung zu David?
Die Rezensionen, die ich bei “Amazon” gelesen habe, sind auch widersprüchig. Eine nennt das Buch “ein nettes Buch für den Strandurlaub, mehr aber nicht”, was es sicher nicht ist, eine andere bezeichnet es als “Schwere Kost”.
Mich stört der Bruch und der Perspektivenwechsel und mache kein Hehl daraus, daß ich lieber ein Buch gelesen hätte, wo eine Mutter ihrn Schmerz, um den Verlust ihres Kindes verarbeitet, aber kein Mordkomplott ausheckt, weil ich diese abgehobene Spannungselemente nicht mag, die meisten Krimis sind aber nach diesen Mustern gestrickt und das andere wären Sachbücher, die ich nicht so oft lese.
Die Rezensionen nennen, den ersten Teil des Buches auch langweilig und finden es erst spannend, als Laura zum Messer greift.
Ich habe ihn ein wenig zu bemüht und konstruiert empfunden und kann mich erinnern, daß ich mit “Mein ist die Rache” selbst einmal einen Krimi in der Schreibwerkstatt der Eveline Haas geschrieben habe, der keiner war.
Da fahren zwei Freunde mit einem Motorrad, einer wird versehntlich von der Polizei, die einen Bankräuber jagt, erschoßen, das war ein realer Fall, das war ein Lehrer, sein Freund, ein Arzt, hat ein paar Monate später den Polizisten, der geschossen hat, auf dem OP und soll seinen Blindarm operieren. Er denkt dabei immer wieder “Mein ist die Rache!”, tut es aber ganz ordnungsgemäß.
Das sind die Handlungen, wie ich sie will und womit man wahrscheinlich keinen spannenden Krimiwettbewerb gewinnt.
Bei Louise Doughtys Buch ist mir aber vieles unklar und die Geschichte mit dem Mann, der sie betrügt, und mit dem sie nach dem Tod der zweiten Frau wieder zusammenkommt, passt auch nicht ganz hinzu.
Spannend aber in die Karten der Schreiblehrer zu schauen und zu sehen, wie sie die Genres wechseln, obwohl sie doch immer mahnen, daß man das nicht soll.
Sich verlieren – sich finden
“Frankfurt Feeling”, hat Friedrich Hahn bei den abendlichen Textvorstellungen versprochen und drei Autorinnen vorgestellt, die auch dort lesen hätten können, bezeihungsweise eine beachtliche Karriere in anerkannten Verlagen vorzuweisen haben und das Thema war “Sich verlieren – sich finden”, weil man meist erst eine Krise durchmachen muß, bevor man weiter kommt und stellte als erste die 1976 geborene Isabella Feimer vor, die jung zu schreiben begonnen hat, wobei ihr von ihrer Lehrerin abgeraten wurde, so daß sie Theaterwissenschaft studierte und lange am Theater arbeitete, bevor sie eine schreibende Karriere startete, 2008, die Leondinger Akademie besuchte, 2012 beim Bachmannpreis gelesen und jetzt den ersten Roman, mit dem sie auf der Alpha-Shortlist stand, fünfzehn Theaterstücke hat es dazwischen auch gegeben.
Isabella Feimer las dann das Stück, wo ihr Protagonist mit der namenlosen Erzählerin zu ihrer Familie geht und diskutierte mit Friedrich Hahn die Schuldgefühle, die ihre Protagonistin hat, weil sie ein Leben ohne Krieg und Terror erlebte, während ihr afghanischer Freund sein Leben in der Freiheit viel lockerer genießen kann.
Friedrich Hahn erzählte von einem ähnlichen Erlebnis mit seinen Lehrern, die seine erste Lesung als Schmarrn bezeichneten und schwankte zu Daniela Meisel hinüber, die, wie Isabella Feimer und Anna Weidenholzer 2008 die Leondinger Akademie absolvierte, dann ein Buch bei Arovell hatte und jetzt das zweite bei Picus, das sie vorstellte “Der Himmel anderswo”, eine ähnliche Thematik, zwei Flüchtlinge, ein Mann aus Bosnien, eine Frau aus der Ukraine, beide mißbraucht, die in die Natur flüchten und sich dabei finden.
Daniela Meisel, die studierte Meeresbiologin ist, erwähnte, daß die Natur für sie sehr wichtig sei und, daß das Buch sehr grausame Sachen, wie Zwangsprostiution etc, die ihren Helden widerfuhren schildert, dann sagte sie noch, daß sie sich für ihre neue Arbeit, von der es schon zweihundert Seiten zu geben scheint, vorgenommen haben, mehr auf sich selbst und nicht auf die Stimmen von außen zu achten, etwas was auch für mich gelten könnte.
Danach kam die 1971 geborene Birgit Unterholzner aus Bozen, die das dritte Mal in der “Alten Schmiede” gelesen hat, mit einem Roman namens “Für euch, die ihr träumt”, die nicht wollte, daß Friedrich Hahn zuviel von ihrem Bucht verriet, in dem die Heldin offenbar ein Kind verlor, ihre Verzweiflung ebenfalls in der Natur auslebte und durch eine ätiopische Flüchtlingsfrau dazu kam ihr Leben zu verändern, die sie ebenfalls viel stärker als sie selbst erlebte.
Drei sehr ähnliche Themen, die irgendwie ineinanderüber gingen und drei sehr interessante Bücher von denen ich eines schon gelesen habe und Bestätigung, daß nicht nur Frankfurt, sondern auch Wien sehr viel zu bieten hat.
Friedrich Hahn erwähnte noch seinen nächsten Abend am siebenten November, wo er Erzählungen vorstellen würde und wollte von Birgit Unterholzner wissen, ob sie beim Schreiben gleich merken würde, ob es ein Roman oder eine Erzählung wird?
Ich denke, das merkt man schon, beziehungsweise legt man es darauf jeweils an, obwohl es mir manchmal passiert, daß meine Roman schließlich zu viel kürzeren Erzählungen wurden.