Gute Gründe

“Gute Gründe-Texte aus dem 44er Haus”, eine Anthologie mit Texten von neun Teilnehmern der Leondinger Akademie 2011/2012, dem einjährige Lehrgang für literarisches Schreiben, der von Gustav Ernst und Karin Fleischanderl geleitet wird.
“Zum zweiten Mal seit der siebenjährigen Akademiegeschichte” ist eine solche Anthologie entstanden”, schreibt Gustav Ernst in seinem Vorwort, lektoriert wurde das hundertsechzig Seiten Buch, das bei digitaldruck.at entstanden ist, von Laura Freudenthaler, einer Teilnehmerin und Gustav Ernst erzählt in seinem Vorwort weiter von den acht dreitägigen Wochenendseminaren, in denen sich die Teilnehmer im “44er Haus” trafen, um “unter Anleitung erfahrener Autoren wie Paulus Hochgatterer, Anna Migutsch, Kathrin Röggla, Robert Schindel, Sabine Scholl und Margit Schreiner Texte zu schreiben, sie in Feedbackrunden zu diskutieren, zu korrigieren und weiterzuentwickeln.”
Wenn man auf Homepage der Akademie geht erfährt man auch, welche Teilnehmer welche Preise gewonnen, welche Bücher wo veröffentlichten und wo sie zu etwas nominiert wurden und es gibt inzwischen sehr berühmte Teilnehmer, wie Judith Pfeifer 2007/08, Anna Weidenholzer, Phillip Weiss, Isabella Straub, Isabella Feimer, 2008/2009, Harald Darer und Marianne Jungmaier 2009/10 und 2011/2012 haben Manfred Donnerbauer, Laura Freudenthaler, Christine Mack, Franz Miklautz, Lydia Mittermayr, Harald Reschitzegger, Andreas Rockenbauer, Luis Stabauer und Maria Tiefenthaller am Lehrgang teilgenommen, bzw. sich an der Anthologie beteiligt.
Die 1984 geborene Laura Freudenthaler, die ich schon einmal in der “Gesellschaft für Literatur” hörte, hat inzwischen auch ein Stipendium der Stadt Wien bekommen und den während des Lehrgangs entstandenen Texten, merkt man manchmal seine Themenstellung an und manchmal nicht.
So beginnt es mit einer “Vostellungsrunde” “Ich bin”, wo acht Autoren etwas dazu schreiben und geht mit vielen kurzen Texten weiter.
In Heu” schildert der 1950 geborene Luis Stabauer, von dem ich vor kurzem den Interviewband “Der Kopf meines Vaters” gelesen habe, die Gefühle einer Magd, die ihr Kind anbinden muß, um ihrer Arbeit auf dem Feld nachzugehen. Sehr beeindruckend auch sein Text “Abendkakao” über die Geschehnisse am Spiegelgrund. Dann gibt es einige Abschieds- und Trennungstexte. Der 1964 geborene Harald Reschitzegger schildert in “Mamaschnitzel” sehr eindringlich die Ablösung eines etwas fünfzigjährigen dicken Sohnes von seiner siebzigjährigen noch dickeren Mama. Die Beiden fahren in der U-Bahn, der Sohn hat eine Freundin eingeladen und will ihr ein Schnitzel braten.
In Haarig” schildert Christine Mack die Geburt eines Kindes und dann war einmal wohl auch der Dialog das Thema, wo eine Szene beschrieben werden sollte, wo sich zwei Stimmen über ein fremdes bei einer Tür stehendes Kind unterhalten sollten.
Das Thema Schule wird auch zweimal behandelt, da erinnert sich der 1967 geborene Andreas Rockenbauer, der schon einmal einen Drama-Slam gewonnen hat an seinen Schulkollegen Viktor Alexander Zdrachal, der in kackbraunen Opaschuhen zuspät in den Unterricht kommt, dabei eine Hunderer-Packung Taschentücher verliert, zwei Schihauben trägt und und Augenbrauen und Nasenflügeln zuckt und Lydia Mittermayr die 1980 in Volcklabruck geborene Lydia Mittermayr erzählt von “Schwester Ehrentraud”, der strengen Mathematiklehrerin, vor der alle auf das Klo flüchteten, während die Laura Freudenthaler, die seltsame Beziehung eines jungen Mannes zu einer “Großen Frau mit braunen Locken” erzählt, zu der er offenbar als Kind gebracht wurde, später bei ihr schläft. Sie steht rauchend am Balkon, sagt, daß sie widerständige Kinder mag, geht mit ihm aus und als sie später einen Mann bei sich hat, erleidet er alle Qualen.
In “Sonntagnachmittag” wird Andreas Rockenbauer sehr realistisch “Ich wäre ein glücklicher Mensch”, pflegt nämlich Alfred Dolatti oft zu sagen, denkt an seine verstorbene Frau, geht Kuchen kaufen, wenn die Tochter mit Mann und Kindern zur Jause kommen und wird langsam vom “Morbus Parkinson übernommen”.
Und in Franz Miklautz, 1971 in Klagenfurt geboren, “Regentropfen, die einander suchen” wird es fast surrealistisch. Da fährt ein Arzt Zug und beobachtet seine Mitpassanten, ein anderer Motorrad, dann wird er von diesem, der einmal seine Tochter überfahren hat, angerufen “Es gibt keine Wiedergutmachung für Sie, Herr Dr. Ruckhofer”, sagt er und am Ende gibt es einen lauten Knall.
Dann geht es um die Gesundheit.Was macht man wenn man nur mehr ein paar Stunden zum Leben hat oder in der “Röhre” liegt und nur mehr das “Siemens-Logo” anstarren kann und nicht weiß ob der Assistent jetzt draußen auf ihn wartet oder schon längst Kaffeetrinken gegangen ist?
In Palliativmediziners Harald Retschitzeggers “Letzte Entscheidung”, wird es noch viel konkreter beziehungsweise spiegeln sie wahrscheinlich seine Erfahrungen in einem Hospitzzentrum ab. Die Frau verlangt von dem Mann zu kämpfen, der will nicht weitere Chemotherapien etc machen.
Und die 1953 in Linz geborene Maria Tiefenthaller Ärztin für allgemein und Psychotherapeutische Medizin erzählt in “Eine irre Fahrt”, einen Ausstieg nach einer Krebsdiagnose einer Frau, die bisher an der Seite ihres Mannes, eines für sie arbeitenden Arztes, funktioniert hat. Jetzt ist die letzte Tochter ausgezogen, sie ist allein und nimmt das Buch, das ihr ihr Bruder ein paar Monate vor seinem Tod schenkte, will mit dem Zug und der besten Reizwäsche nach Wien fahren, landet in einem Schlafwagen nach Venedig und verlebt mit dem Schaffner einen ausgestiegenen Psychiater, weil man auch nicht immer helfen kann, eine “irre” Liebesnacht.
Sparprogramme und andere Sichtweisen gibt es auch. So verlangt die bestausgebildete Coacherin plötzlich nur mehr vierzig Euro für zwei Beratungsstunden in Christine Macks Minidrama “Beratungshonorar und Harald Retschitzegger nimmt die “Schönheitsoperationen” satirisch aufs Korn.
Und Lydia Mittermayr erzählt in “Der Mann auf dem Bild” von einem solchen, der um in Frühpension gehen zu können, sein Bein abgeschnitten und in den Ofen geworfen hat.
In Franz Miklautz “Und sonst gar nichts”, veranstaltet eine Bank für eine Weihnachtsparty eine “drag Queen Show” und sucht dafür einen Schwarzen, während der ein ehemaliger Schauspieler am Bau und auch sonst keine Arbeit findet. So singt er um seine Frau und seine Kinder auch mit dem Boot nach Europa zu holen, Marlene Dietrichs “Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt”. Ob die Familie ankommen wird ist nicht ganz klar.
Gar nicht so einfach sich durch die vielen kurzen und manchmal auch etwas längeren Texte durchzulesen, die das ganze Spektrums des Lebens umfangen, spannend neue interessante literarische Stimmen kennenzulernen und herauszubekommen, wer an einen solchen literarischen Lehrgang teilnimmt. Man kann sich, glaube ich, nach Lektüre des Buches einen plastischen Eindruck machen, was in den Workshops der Leondinger Akademie, wo der nächste Lehrgang im November beginnt, so passiert.
“Gute Gründe” also dieseAnthologie zu lesen. Ich danke Luis Stabauer für das zur Verfügung stellen.

Der Kopf meines Vaters

Von der Hietzinger Selbst- und Verlagspublischer Messe am Sonntag, habe ich mir “Der Kopf meines Vaters – Wien von der NS- Zeit bis zur Gegenwart – Eine Zeitzeugin erzählt” mitgenommen, das mir Luis Stabauer, der die Interviews mit Maxi Plotnarek, führte, freundlicherweise für das “Literaturgeflüster” zur Verfügung stellte, denn die Zwischenkriegszeit, der zweite Weltkrieg, etc, interessieren mich ja sehr, umso mehr da ich vor kurzem einen Wien-Roman über das Jahr 1937 gelesen habe, wo die Protagonistin in der Reiss-Bar Sekt trink und sich bei Sigmund Freud auf die Coutch legt, etwas, was es natürlich auch gegeben hat und interessant ist, aber es gibt ja auch das proletarische Wien, die Widerstandskämpfer, die Arbeiterbezirke Ottakring und Favoriten und von der Arbeiterliteratur der Zwischenkriegszeit hat uns ja Irene Wondratsch beim “Kulturpolitischen Arbeitskreis” am Freitag einiges erzählt.
So interessiert mich natürlich das Schicksal der “Zeitzeugin” von Maxi Plotnarek, die 1932 in Ottakring geboren wurde und 1955 einen Peter Machalek heiratete und heute im Gustav Klimt-Pensionistenhaus wohnt, wie in dem Buch steht.
Der 1950 in Seewalchen geborene Unternehmensberater, Couch und Autor Luis Stabauer, der seine Bücher auf der Verlagsmesse ausstellte, die Leondinger Akademie besuchte und Lesungen im Rahmen des Literaturkreises “Textmotor” hält, hat mit der alten Damen, deren Eltern Widerstandskämpfer waren und deren Vater, Franz Plotnarek, 1943 von den Nazis im Landesgericht Wien geköpft wurde, Interviews über die NS-Zeit bis zur Gegenwart geführt und das 2009 bei “Acabus” erschienene Buch in die Abschnitte “Kindheit, Jugend, Jahre bis 1968” und “Gegenwart und Rückschau” gegliedert.
Anhänge mit Berichten von berühmten Zeitzeugen wie Bruno Kreisky, Christian Broda und Ruth Mayenburg, das ist die Frau von Ernst Fischer, gibt es auch und am Buchrücken eine Würdigung der Parlamentspräsidentin Barbara Prammer.
Eine, die Ottakring ganz gut kennt, weil die Großmutter in den sogenannten Jubeläumshäusern wohnte und 1912, der sich ebenfalls sozialistisch betätigende Vater, dort geboren wurde, ist es ein sehr interessantes Buch, noch dazu, wo ich vorher weder von einem Franz noch von einer Maxi Plotnarek etwas hörte und auch bei Google, außer Luis Stabauers Buch, nicht viel fand.
Die Maxi, eigentlich Grete, damals ein Modename, meine beiden Tanten, die Schwester meines Vaters, als auch die, meiner Mutter, hießen ebenfalls so, ist also in Ottakring, einem Arbeiterbezirk, ziemlich behütet aufgewachsen. Die Eltern Franz und Anna hatten eine Putzerei. Eine Bedienerin gab es auch. Maxi hat sie in der Wäscherei nicht mithelfen müßen, ist aber viel im Keller herumgelaufen und auf der Straße mit einem Roller gefahren, wofür sie von den anderen Kindern sehr bewundert wurde und Maxi wurde sie gerufen, weil an ihr ein “Max”, ein schlimmer Bub, verloren gegangen ist.
Es gibt auch ein paar Fotos, die die Eltern vor der Putzerei, etc zeigen. Maxi war mit der Erziehung ihrer Eltern sehr zufrieden und wußte, als dann die Nazis kamen und sie schon zur Schule ging, sehr genau, was sie erzählen durfte und was nicht, ohne daß ihr das die Eltern sagen mußten. Der Vater war in einer Widerstandsgruppe und wurde von einem eingeschleusten Mitglied denunziert, die Mutter, die gerade einen Buchhaltungskurs an einer VHs besuchte, entging der Verhaftung, obwohl sie gerade an diesem Tag illegale Flugzettel in der Tasche trug.
Sehr beeindruckend finde ich die Stelle, wo die kleine Maxi immer wieder den “Mittersteig”, heute eine Strafanstalt für abnorme Rechtstäter, damals wahrscheinlich ein “ganz normales” Gefängnis, besucht, wo der Vater inhaftiert ist, weil sie weiß, daß sie ihn sehen kann, wenn er dort Lastwagen ausladen muß und die Wächter rufen “Geh, führts den Plotnarek wieder hinaus, damit die Kleine heimgeht, die erkältet sich noch da draußen!”
Maxi hat dann, obwohl sie die Tochter eines Hingerichteten war, ein Gymnasium besucht und ist später Kindergärtnerin geworden. Sie ist nach dem Krieg der KPÖ bei und 1968 wieder ausgetreten, hat 1955 geheiratet, zwei Kinder bekommen und ist nach Hietzing gezogen.
1968 endet der erste Teil, in dem Luis Stabauer, Maxi Plotnarek sehr anschaulich erzählen läßt und auch immer wieder behutsam nachfragt.
Im zweiten Teil wird dann von dem Pensionistenwohnhaus erzählt, in das Maxi Plotnarek mit ihren Mann Peter, der inzwischen verstorben ist, zog. Sie ist sehr begeistert von der Möglichkeit rundum betreut zu sein und trotzdem genügend Taschengeld zu haben und eine freie Frau zu sein, die machen kann, was sie will. Sie erzählt von den Freunden, die sie in dem Haus getroffen hat und, daß man zum Frühstück erscheinen muß, sich sonst aber das Essen aufs Zimmer bringen lassen kann und, daß sie Angst hat, mit manchen alten Leuten über die Zeit des Widerstands zu reden, denn vielleicht waren das Nazis, die ja auch noch leben werden.
Ein sehr interessantes Buch, das sehr gekonnt das Alte mit dem Neuen verbindet und man viel von einer Jugend in der Zwischenkriegs- und Nazizeit und auch von dem sozialistischen Aufstieg und späteren Wohlstand erfährt.
Mit der heutigen Zeit ist die Maxi nicht mehr so zufrieden und ich finde es köstlich, wie sie beschreibt, daß man zwar seine Kinder nicht mehr schlagen darf, “was natürlich völlig in Ordnung ist”, aber wenn die dann jemanden erschlagen und sagen, “Ich war halt so aggressiv und mußte das abbauen!”, kann das doch auch nicht sein.
Luis Stabauer liest übrigens am 13. November um 19 Uhr in der “Sargfabrik” in der Goldschlagstraße 169, 1140 Wien, wo man ihn kennenlernen und sich wahrscheinlich auch über sein Buch informieren kann.

Stilfibel

Als Jaqueline Vellguth oder war es jemand anderer vor Jahren einmal nach dem besten Schreiblernbuch fragte, bin ich auf Ludwig Reiners “Stilfibel”, ein 1943 erschienens Buch, das noch dazu größtenteils von Eduard Engels, 1911 gleichnamigen Buch, übernommen wurde, gestoßen.
Wie kann das sein? Klingt ein wenig seltsam in unserer schnelllebigen amerikanisierten Zeit, wo Freys “Wie man einen verdammt guten Roman” schreibt, doch sicherlich an zweiter Stelle steht und Bücher meistens schon nach kurzer Zeit veraltet sind.
Ich habe versucht, an das Buch bei Google Books heranzukommen und dann darauf vergessen, bis ich es kürzlich im Schrank gefunden habe. Und weil ich ja die schöne Gewohnheit habe, wenn möglich vor dem Schreiben von etwas Neuen, einen Schreibratgeber zu lesen, habe ich es nach meinen Recherchetagen eingeplant und ich muß sagen die Lektüre ist wirklich interessant und auch verblüffend, wenn man noch dazu die politischen Umstände einbezieht.
“Die Stilfibel – Der sichere Weg zum guten Deutsch”, bei DTV 1999 in dreißigster Auflage erschienen, verfaßt oder übernommen, etc, von dem 1896 geborenen und 1957 gestorbenen Kaufmann und Schriftsteller Ludwig Reiners verblüfft erstmal durch das Selbstbewußtsein, wie das und das ist auch sehr interessant, in direkten Zwiegespräch verfaßte Buch geschrieben ist, verspricht es doch dem Leser, wenn er nur genügend aufmerksam liest und fleißig übt, ein viel besseres Deutsch.
Es ist kein Schreiblernbuch, das hat es im vorigen Jahrhundert wohl noch nicht gegeben, verwendet aber einiges, was in diesen dann übernommen wurde.
Vergessen habe ich noch zu erwähnen, daß der Kaufmann und Schriftsteller Mitglied der NSDAP war, was für ein immer noch aufgelegtes, verkauftes und angepriesenes Buch nicht uninteressant ist.
Bei Amazon wird es immer noch als eines der besten und nicht antiquierten Fibeln angepriesen und antiquiert ist es auch nicht oder vielleicht doch ein bißchen.
Jedenfalls verblüfft die lebendige Sprache und das Selbstbewußtsein, dann ist es aber auch ordentlich autoritär und spart nicht mit den Formulierungen “Sie müßen”, Sie dürfen nicht”, “Und wenn Sie nur genügend üben, werden Sie schon besser werden!”
Dann werden zuerst die sprachlichen Fachausdrücke erklärt.
“Die müßen sie auswendig lernen, aber keine Angst, später wird es nie mehr so trocken!”
Dann kommen die zwanzig Verbote, das was man im guten Deutsch nicht verwenden darf, nicht “derselbe” sagen, beispielsweise. Reiners erklärt das auch und ich dachte, daß “derselbe” eigentlich gar nicht so unlebendig klingt.
Dann muß man aber schon sagen, Reiners bringt es auf den Punkt und meint genau das, was ich inzwischen in vielen anderen Büchern auch gefunden habe, nur sagt er, der ja keine Fremdwörter mag “Verwenden Sie diese niemals nicht!”, nicht “Show not tell”, sondern “Schreiben Sie klar, lebendig und anschaulich!”
Kein Kanzleideutsch, das war vieleicht 1950 noch das Problem in den deutschen Amtstuben, sondern “So wie Sie sprechen, nur mit mehr Sorgfalt!” und all das wird, glaube ich, bis heute übernommen, mit Ausnahme der Fremdwörterphobie vielleicht, aber Reiners verwendet auch lateinische und griechische Ausdrücke und ist da vielleicht ein bißchen inkosequent. Sonst meint er, daß die Fremdwörter die Sprache “scheckig bunt und schwammig macht und unverständlich”, so daß die Ungebildeten die Gebildeten nicht mehr verstehen, wenn diese sagen “Die astehnische Konstitution des Patienten war eine primäre Komponente für das letale Resultat” und meinen, daß der schwächliche Körperbau den Tod verusacht hat.
Wie wahr, Reiners ist auch gegen zuviel Hauptworte, gegen Schachtelsätze und meint, was ich eigentlich sehr spannend fand, daß man sich immer um Lebendigkeit und Vielseitigkeit des Ausdrucks bemühen soll, also statt Vogel, Bachstelze oder Stieglitz schreiben und damit man das kann, Bildlexika verwenden.
Man soll auch nur über das Schreiben, was man kennt, also sich vorher bilden oder recherchieren, auch sehr wahr. Dann gibt es, was ich auch sehr anschaulich finde, immer nach den Kapiteln, “Der Schüler fragt-Einschübe”, wo der Schüler den Lehrer ein bißchen in Zweifel zieht und das Ganze wiederholt wird.
Daß Reiners meint, daß das, was der Dichter darf, dem “Esel” noch lange nicht zusteht, mißfällt mir ein bißchen, aber ich bin ohnehin nicht sehr autoritär und mehr für die künstlerische Freiheit. Er läßt sich aber auch auf Widersprüche ein, denn wie soll man knapp und klar sein, wenn man wieder für den abwechslungsreichen Ausdruck ist?
Übungsbeispiele gibt es immer auch und Reiners hat den Schülern schon in seinem Vorwort ausgerechnet, wieviele Stunden sie brauchen werden, um ein garantiert besseres Deutsch zu schreiben.
Dazu muß man auch viel lesen, Reiners unterscheidet zwischen Belletristik und Sachbuchprosa, die zweite muß man anstreichen, bei der ersten tut das nur der Pedant und man darf nur gutes Lesen, keine Schundhefterln, also.
Beispiele gibt es auch, Thoma wird öfter zitiert und Goethe.
Reiners scheint aber auch Humor gehabt zu haben, so ersetzt er ein Schüler Lehrer Gespräch einmal mit einer Stelle aus einem Roman Paul Kellers, wo das Peterle einen Aufsatz über die “Freuden und Leiden des Winters” schreibt, ” so wie das alle Buben im deutschen Reich im Winter schrieben” und ihn dem Hausknecht Gottlieb vorliest, um damit den “papiereren von einem lebendigen Stil” zu unterscheiden”.
Dann gibt es noch Ratschläge zum Schreiben von Schulaufsätzen, Liebesbriefen, etc, wo Reiners Gliederungen empfiehlt und sehr genaue Anweisungen gibt, die mir manchesmal zu pedantisch waren.
Ich hab die Übungen auch nicht gemacht, mir nur die Beispiele durchgelesen, die mich manchesmal verblüfften, weil ich sie gar nicht so knapp und klar fand.
“Führen sie zum Beispiel folgende Sätze in anschaulicher Form zu Ende “Es war so heiß, daß… ich schwitzte”, hätte ich geschrieben. Der klare, knappe Reiners empfiehlt “… daß die Fußgänger auf der Straße lieber einen kleinen Umweg machten, als den Schatten der Häuser zu verlassen.”
Ein Schreiblernbuch habe ich nicht gelesen, sondern im autoritären Gewand viel Wahres gefunden.
“Sei einfach, sei knapp und klar!”, was wirklich noch heute so empfohlen empfohlen werden kann. Man soll nicht so viele Adjektive verwenden, das habe ich auch schon wo anders gelesen. Allerdings empfiehlt Reiners statt “sagte er, sagte sie”, schrie, plätscherte, wisperte, flüsterte, brüllte, etc zu verwenden und das wird, glaube ich, nicht mehr so empfohlen.
Ob mein Sprachstil jetzt besser geworden ist, weiß ich nicht. Ich weiß aber vielleicht genauer, was ich nach Reiners falsch mache und verblüfft bin ich natürlich auch, daß so ein altes Buch eigentlich wirklich sehr lebendig ist. Der autoritäte Lehrer war also eigentlich sehr modern.
Und das mit dem Nationalsozialismus ist ein anderes Kapitel, das man vielleicht auch diskutierten und darüber nachdenken könnte.

Stunde der Weltpräsenz

So hat Kurt Neumann den heutigen Abend in der “Alten Schmiede”, wo Friederike Mayröckers neuer Band “Etudes” präsentiert wurde, eingeleitet.
“Es ist nicht nur eine Buchvorstellung, sondern eine Stunde der Weltpräsenz” und ich habe heute einen ganzen solchen Tag gehabt, habe ich doch den klinischen Mittag zur “Liquordiagnostik bei Demenz und Psychosen” dazu benützt, einmal alle (fünf) Bücherschränke abzuklappern, die am Weg zur Klinik liegen, mir dann beim Mac Donald einen Cheeseburger und eine Tüte Pommes Frites geholt, Meeresfrüchtepralinen hatte ich mir schon früher besorgt und mich mit einem Becher Automatenkaffee in die AKH-Halle gesetzt und drei Stunden “Bezugsgeschrieben”, wie ich es nennen will.
Diese Idee ist aus Anni Bürkls Schreibwerkstatt fünf Stunden an fünf Tagen schreiben an den schönsten Orten Wiens, die, glaube ich, nie so stattgefunden hat, entstanden und ist wirklich ein toller Einfall.
Sich einfach irgendwohin zu setzen, ein Thema oder eine Person zu nehmen und daraus eine Szene für den geplanten Roman zu machen. Vier oder fünf solcher Skizzen habe ich ja schon und die erste Szene ist auch schon im Laptop.
Da aber zwei meiner drei Brüder Ärzte sind und einer davon auch noch eine Station der Psychiatrischen Klinik leitet, ist ein solches Klinikschreiben angebracht und so entstand die geplante Szene sechs, wo sich Jonas Wohlfahrt, der Professor über die Oberschwester Elfriede Hofer ärgert und dabei ein bißchen aus seinem Leben erzählt und seine Brüder vorstellt.
Vielleicht wirds auch Szene fünf, die ich hoffentlich am Wochenende in den Computer tippe, um mich für Tante Lillys umgehen mit den Bücherlisten vor den “Wortschatz” zu setzen.
Das weiß ich noch nicht, das “Bezugsschreiben” ist aber eine tolle Idee und ich werde es weiterbetreiben, wenn ich, wie ich annehme, demnächst nicht mehr weiter weiß und das schreiben von elf bis zwei, fünf Stunden sind es nicht geworden, ist auf meiner Sitzecke zwischen einer türkischen Familie, Großeltern, Mutter und zwei Kinder, auch erstaunlich gut gegangen.
Dann bin ich zur Fortbildung in die Psychiatrie hinüber, danach in meine Praxis, um eine Stunde zu machen und dann in die “Alte Schmiede zu einer Lesung von Friederike Mayröcker und da war ich schon lange nicht mehr, denn die letzten Male ist es sich einfach nicht ausgegangen. Und auch diesmal war es ein bißchen schwierig, weil sehr sehr viel Konkurrenz.
Hat doch Hilde Schmölzer in der “Gesellschaft für Literatur” ihr neues Buch über Trakls Geschwisterliebe vorgestellt und hat mich dazu eingeladen, weil gleichzeitig im Frauen-Cosmos eine große AUF-Veranstaltung war, die alle Feministinnen anzog.
Ich wollte aber zur Friederike Mayröcker, obwohl ich ja eigentlich gar kein Fan von ihr bin und auch nicht wirklich viel von ihr gelesen habe. Zu ihren Veranstaltungen gehe ich aber immer gern, so war ich bei “Scardanelli” in der “Alten Schmiede” und 2009, während ich gleichzeitig am Nanowrimo schrieb und mit Christel Fallenstein ihrer treuen Begleiterin, habe ich mich inzwischen auch so etwas wie angefreundet und die ja auch zu meinem literarischen Geburtstagsfest eingeladen, wo sie mir zuerst zusagte und kurz darauf wieder ab, weil sie mit Friederike Mayröcker nach St. Pölten muß, weil die dort am 8. 11. einen NÖ-Literaturpreis erhält und das ist auch die Veranstaltung zu der mich Robert Eglhofer mitnehmen wollte, obwohl er ja zu meinem Fest kommen wollte.
Ich kam sehr früh in die “Alte Schmiede”, denn wenn man zu spät kommt ist es sehr voll. Man steht weit hinten und bekommt gar nichts mit. Das war früher einmal in diesem Parterresaal, den es ja nicht mehr gibt. Jetzt geht man in den Keller und wenn man zu spät daran ist, setzt man sich in den Schmiede-Saal und da wird die Veranstaltung übertragen. Ich setze mich aber gerne an die Seite in die erste Reihe, auf den einzigen Platz, der nicht reserviert ist und sitze dann meistens neben den Prominenten, diesmal war das, glaube ich, Elisabeth von Samsonow, die F M, wie Christel Fallenstein sie nennt, ja öfter in ihren Werken erwähnt. Christel Fallenstein saß in der Mitte, Herbert J. Wimmer war da, Heinz R Unger, Angelika Kaufmann, Gerhard Jaschke u. u. u.
Kurt Neumann leitete ein, sprach von der Weltpräsenz und von tagebuchartigen Aufzeichnungen, bzw Protokollen, die das Thema Natur und den Tod zum Inhalt hätten und erwähnte ein Hesse-Gedicht und die Namen, auf die sich F M wieder beziehen würde.
Dann kam die Dichterin und es folgte ein stürmischer Applaus. Dann las sie diszipliniert vor und ich, die ich ja kein Mayröcker Fan bin, war erstaunt, ob der deftigen aber auch modernen Worte, die in diesen Gedankengängen erwähnt wurden.
“Ein “lieb scheißender Hund” wurde von der fast Neunzigjährigen erwähnt und dann las sie auch von Poets oder Poetry, erwähnte eine Reise nach London in den Fünfzigerjahren und wohl auch E J. Sprach von einem Spaziergang auf die Wiedner Hauptstraße am 14. 4. 2012 im Wind, u u u…
Wechselnde Gedankengänge, vom hundersten ins tausendste kommend und wieder zurück. Andreas Okopenko und Bodo Hell wurden erwähnt und auch der Satz “Wir haben viel vergessen,denn unser Leben war sehr lang”, wie wahr.
Kurt Neumann hat in seiner Einleitung noch davon gesprochen, daß F. M zwischen Prosa und Lyrik trennen würden, hier waren es glaube ich die Alltagsgedanken, Phantasien, Erinnerungen, Einfälle, etc, einer alten Frau, die gewohnt ist mit Sprache zu jonglieren.
Friederike Mayröcker die, wie ich einmal gelesen habe, sich vor dem Sterben fürchtet, kann ein Publikum in Bann ziehen, so daß sie anschließend sicher viele Bücher signieren mußte.
Ein sehr interessanter Abend und während des Zuhörens ist mir eingefallen, daß man gar nicht soviele F M Bücher in den Bücherschränken findet, obwohl Friederike Mayröcker ja eine sehr eifrige Schreiberin ist, die schon viele Bücher herausgegeben hat.

Wenn die Banken fallen

Die Theodor Kramer Gesellschaft lud zur Buchpräsentation in den Kassensaal der österreichischen Nationalbank, denn Karl Autschs 1968 erschienenes Buch “Wenn die Banken fallen – Zur Soziologie der politischen Korruption”, wurde neu aufgelegt, bzw. von Alexander Emanuely und Brigitte Lehmann mit einem Vorwort von Ferdinand Lancina herausgegeben.
Ich war schon einmal bei einer Buchpräsentation in der Nationalbank vor zwei Jahren, als Peter Rosei sein Buch “Geld” vorstellte, auch jetzt ist das Thema passiend, wie Ewald Nowotny, der Gouverneur der Nationalbank, der eröffnete, feststellte, erzählte, daß er das Buch gern gelesen hat und es dann herborgte und nie mehr zurückbekam und dann lautstark mahnte, daß es nie mehr zu einer Bankenkrise kommen darf.
Ja, die Bankenkrise ist ja irgendwie jetzt auch genau fünf Jahre alt und damals kursierte im Internet und in meinen noch sehr jungen Blog, ein gefälschtes Gedicht von Kurt Tucholsky, das auch mit “Wenn die Börsenkurse fallen” begonnen hat.
Das hat aber nur am Rande etwas damit zu tun, denn die Theodor Kramer Gesellschaft beschäftigt sich ja mit Exilforschung und der 1893 geborene Karl Autsch, der im Programm als führender Sozialist jüdischer Herkunft beschrieben wurde, emigirierte auch 1937 nach England, vorher war er Redakteur der Arbeiterzeitung und hat im “Kleinen Blatt” geschrieben, seine Frau hat dort ebenfalls Kindergeschichten verfaßt, Oscar Pollak hat ihn dann nach 1945 zurückgeholt, wo er den Wirtschaftsteil der AZ aufbaute und dann einige Bücher aus seinen Artikeln machte, dieses Buch schieb und 1976 starb.
Das Podium bestand aus Alexander Emanuely und Brigitte Lehmann, die ich von meinen Studtententagen kenne, weil sie die Schwester einer der Freundinnen, meiner Freundin Elfi ist, die den Lebenslauf von Karl Autsch erzählte, vorher erzählte noch Franz Hausjell etwas über sein Studium, seine Zeit beim Extrablatt, die Exilforschung und, daß Oscar Pollak, als er aus dem Exil zurückgekommen ist und die Arbeiterzeitung übernommen hat, zuerst einmal alle die von 1934 bis 1945 dort tätig waren, hinausgeworfen hat.
Helene Schuberth von der Nationalbank erzählte, daß das Buch von Karl Autsch sie zu einem Ökonomiestudium veranlaßt hat und etwas zu der Sitation der Zwanzigerjahre, dann kam der ehemalige Finanzminister Ferdinand Lacina und setzte fort.
Die Fragen aus dem Publikum wandten sich vor wiegend an Ferdinand Lacina und wollten wissen, ob die Banken Geschäfte machen sollen?
Dann gab es ein Buffet und das Buch verbilligt, statt um dreißig um vierundzwanzig Euro zu kaufen.
Ich unterhielt mich mit Eva Brenner und Konstantin Kaiser, aß ein paar Brötchen und zwei kleine Obsttörtchen und habe wieder einmal etwas aus der österreichischen Zwischenkriegszeit gelernt.
Die Arbeiterzeitung, das Kleine Blatt und die sozialistische Frau, hat es im Haushalt meiner Eltern ja gegeben und ich habe sie gelesen, solange sie existierten, jetzt gibt es das alles schon längst nicht mehr.

Schreibbeginn

Diesmal habe ich mich dem neuen Projekt, das den Arbeitstitel “Verbrüderung” trägt, ja wirklich sehr langsam und bedächtig angenähert.
Ich weiß nicht mehr genau, wann mir die erste Idee dazu gekommen ist. Bei der Septemberschreibgruppe mit Ruth und Robert, wo ich ja, glaube ich, noch an den “Kapiteln” korrigierte, habe ich mit der ersten Szene begonnen und bei den Gratisworkshops des Writersstudio weitergemacht.
Da habe ich den Anfang, Barbara Haydns Mutter stirbt und sie findet in ihrem Schreibtisch ein Foto mit den drei Brüdern sozusagen zweimal geschrieben, bzw. weiter fortgesetzt.
Bei der Oktoberschreibgruppe mit dem Thema “Schwimmen”, da finde ich es ja besonders interessant, daß ich auf das Thema warte und dann einfach mit meinen Personen zu schreiben beginnen, hat dann die Renate, Barbaras Mutter die drei in Bibione kennengelernt und vorige Woche bei meinen Recherchetagen in der Hauptbücherei, als ich neben einem schlafenden Sandler saß, habe ich die Svetlana Alexewitsch Tante Lillys Betreuerin in der Hauptbücherei sitzen lassen.
Ende September war ich mit dem Korrigieren der “Dreizehn Kapiteln” fertig und hatte erstmals keine Zeit, nicht einmal für die schon lange eingeplanten Recherchetage, weil die Einladungen für mein literarisches Geburtstagsfest, das diesmal zum Sechziger ein besonderes werden soll, ausgesendet werden mußten, die “Ohrenschmaustexte” waren durchzusehen, bei der GAV waren Vetis einzulegen und damit ich das konnte, habe ich zwei Bücher gelesen, dann hätte ich zum Recherchieren bzw. Stadtschreiben Zeit gehabt, aber da kam Frankfurt und da mußte ich natürlich surfen. So entstanden zwar ein paar Artikel zu dem neuen Text, den Roman über drei Brüder, den ich eigentlich schon lange schreiben wollte und auch in der “Begrenzten Frau” schon drei Brüder drinnen habe, ein Psychiater, ein Uni Professor und ein praktischer Arzt, da gibt es ja ein Vorbild, in der begrenzten Frau ist der Primar in Frieda Fischers Seniorenresidenz, einer der Brüder.
Damit ich mich nicht gleich festschreibe, sondern wirklich lang und ausführlich werden kann, kam ich bald auf die Idee, daß die Barbara ihren Vater sucht, ob sie ihn bei den drei findet, weiß ich noch immer nicht. Möglicherweise hatten alle drei eine Beziehung zu der Mutter und man weiß es nicht.
Langsam habe ich dann den Plot notiert und vorige Woche bin ich ein paar Mal mit dem gelben Buch herumgezogen und habe konzipiert.
Damit es lang wird, ist gut wenn die Renate eine eigenen Stimme und Zeitebene kriegt. Die drei Brüder heißen Konrad, Jonas, Benjamin Wohlfahrt sind zwischen fünfzig und sechzig, haben früh ihre Eltern bei einem Autounfall verloren und sind zu Tante Lilly in die Weihburggasse gekommen. Die ist da fünfunddreißig, die Brüder zwischen zehn und zwanzig, ist verheiratet, zieht die drei auf und auf dem Kuvert in Barbara Haydns Schreibtisch mit dem Bild bzww. auf dem Bildrücken, steht die Adresse. Barbara fährt hin, nimmt Kontakt mit Tante Lilly auf, die ist jetzt fünfundsiebzig, gehbehindert und hat auch ein Problem mit den Bücherschrank bzw. macht sie mit sich einen Handel, daß sie alles lesen will und holt dann immer wieder nach, bzw. läßt sie das durch Sevtlana Alexewitsch aus Minsk tun, die ist zuerst in einem Bordell gelandet, bzw in einen Club, wo sich auch schwule Männer treffen. So haben sie der Zahnarzt Benjamin und sein Freund Hanno Steiner herausgeholt und zu der Tante gebracht. Sie hat auch eine Pflegehelferausbildung, will aber Literatur studieren. Jonas ist Psychiater im AKH 5 A oder B könnte passen und hat Probleme mit der Oberschwester Elfriede. Außerdem ist er geschieden, seine Ex Vikoria hat in Boston eine Professur, seine Tochter Esther hat das Medizinstudium abgebrochen, wohnt in seiner Wohnung, spricht nicht mit ihm, war drogenabhängig und will Kindergärtnerin werden.
Benjamin will Präsident der Zahnärztekammer werden, sein Freund Hanno hat aber Aids und Konrad, der älteste, Geschichtsprofessor hat gerade seine Frau Edith an Krebs verloren, bzw. liegt sie noch im Sterben. Er ist ein Waffensammler und Jäger, hat ein Jagdhaus in Gars am Kamp und ist zur Zeit sehr depressiv.
Daraus müßte sich was machen lassen, denke ich manchmal und dann gleich darauf denke ich es wird doch nichts.
Gestern habe ich begonnen, die ersten beiden Szenenanfänge in den Computer zu tippen und zu ergänzen. Barbara ist fünfundzwanzig und gerade mit ihren Pädagogikstudium fertig geworden, beschließt zu der bewußten Adresse zu fahren. Danach werde ich in der zweiten Szene, die ich noch tippen muß, Renate die Brüder kennenlernen lassen. Dann kommt die Szene mit der Svetlana, in der vierten geht Barbara nachdem sie das Begräbnis angemeldet hat, in die Weihburggasse und lernt Tante Lilly kennen. Wie das mit ihren Büchern wird, muß ich wahrscheinlich noch extra brainstormen, damit ich es endlich mal so hinbekomme, wie es will.
In der sechsten Szene wird Jonas jedenfalls von Schwester Elfriede Hofer gemobbt und erzählt von seinen Sorgen mit Ester. So könnte sich die Handlung eintwickeln. Eine Idee von einem Famiienfest gibt es auch.
Die erste Szene mit 1527 worten, also in etwa ein Nanowrimotag habe ich schon und es geht sich diesmal auch wieder aus beim Nanowrimo mitzumachen, wofür Anni Bürkl schon eifrige Ratschläge in ihrem Magazin gibt.
Und das es bis zum ersten 1. 11. noch eine gute Woche ist, werde ich wahrscheinlich wieder nicht bei Null einsteigen, will diesmal aber auch viel mehr und viel länger als ein Monat schreiben und da ich dazwischen auch nach Ungarn fahre, glaube ich eigentlich auch nicht, daß ich am 30.11 die fünfzigtausend Worte habe.
Aber mal sehen, ist ja egal, ob ich das schaffe, zweimal habe ich ja schon und vom reinen Schnellschreiben und Unsinn produzieren bin ich ja schon hinaus, obwohl die Rückmeldungen, die ich auf meinen Blog kommen, mich manchmal daran zweifeln lasse, da regt sich jemand über die scharfen “ß” auf, eine liebe Bloggerin meint, sie versteht meine Schachtelsätze nicht.
Nun ja, nun ja, nicht gerade erfreulich. Aber es kann keiner aus seiner Haut heraus und ich tue ja was ich kann und möchte diesmal wirklich einen langen Roman schreiben und den auch langsam entwickeln. Mal sehen, wie es geht. Bis jetzt bin ich sehr zuversichtlich. Aber natürlich schreibe ich so, wie ich es kann und auch in der alten Rechtschreibung. Da dachte ich eigentlich, daß das kein Problem sein dürfte, ist es aber, zumindestens bei mir und wie experimentell und abgehoben ich werden kann, daß sich die Leute meine Sachen wenigstens anschauen, weiß ich auch nicht.
Aber gestern bin ich vor meinen dreißig Selbstgemachten gesessen, habe mir mein dreißig Fragen- Gewinnspiel und die Antworten hergeholt und habe mir überlegt, wie ich das bei meinem Geburtstagsfest machen werde, wo ich ja “Sechzig Minuten aus Dreißig Büchern” lesen will und mich ein bißchen auch die Ängste plagen, daß da keiner kommt, weil sie mich nicht sechzig Minuten hören wollen.
Ein paar Anmeldungen habe ich zwar schon, aber Robert Eglhofer, der mir zugesagt hat, hat mich letzten Samstag plötzlich gefragt, ob ich nicht mit zu der NÖ-Preisverleihung kommen will und die wäre am 8. und da hat auch schon die Christel Fallenstein abgesagt, weil sie die Friederike Mayröcker nach St. Pölten bringen muß.
Nun ja, nun ja, das sind immer so die Ängste. Bis jetzt sind meine Feste ja sehr schön geworden, zum fünfzigsen Geburtstag habe ich auch gelesen. Und diesmal wird es ein besonderes, weil der Alfred das Buffet von einem Cateringservice besellt, das zweiundzwanzig Euro pro Person verlangt. Wenn ich da auf den dreißig Bestellungen sitzen bleibe, ist das auch nicht gerade lustig. Zur Not kann mans aber einfrieren und den Rest des Novembers daran essen, weil wir ja anschließend mit Kind und Schwiegermutter gleich, bzw. nach dem Alpha-Literaturpreis, zu dem ich jetzt ja eingeladen wurde, nach Ungarn fahre.
Das was ich lesen werde habe ich jedenfalls schon vorbereitet. Ich werde die dreißig Bücher in einen Stoß vor mich hinstellen, sie hochheben, was darüber erzählen, vielleicht die Fragen vom Gewinnspiel wiederholen und auch Bücher zum Gewinnen bereitlegen und dann ein Stück aus “Lore und Lena” lesen. Die Stelle aus der “Begrenzten Frau”, wo der Krystof Janocz die Arie des Cavaradossi vor der Oper singt. Dann die aus “Tauben füttern”, wo der Johannes Schwarzinger Straßenbahn fährt. Die Tanzstundenszene aus der “Frau auf der Bank” und die wo die Kerstin auf der Hochzeit fotografiert aus “Kerstins Achterl”.
Das müßte sich ausgehen, beim gestrigen Abstoppen habe ich noch was anderes lesen wollen. Aber diese Szenen passen glaube ich sehr gut und sind auch mit Ausnahme des Kinderbuchs auf meiner Homepage nachzulesen.
Ob es das Literaturgeflüsterbuch am 8. 11. schon geben wird, glaube ich eigentlich nicht, der Alfred bemüht sich aber sehr und das passt ja auch sehr gut in mein Jubiläumsjahr.

Über Bulgarien

Ilija Trojanow hörte ich im Morgenjournal, hat sich in einem neuen Buch Bulgarien angenähert, eigentlich hörte ich, schon im April bei “Buch und Wein” in Krems davon und noch eigentlicher ist es ein Fotbildband, der da Montagabend in der “Alten Schmiede” vorgestellt wurden, mit Fotos des Ostdeutschen Christian Muhrbeck, der mit der Idee zu einem Buch bei Ilija Trojanow anfragen ließ und der hat dann zu den Fotos neun Textstrecken verfaßt und am aller eigentlichsten habe ich nicht gedacht zu der Veranstaltung zu kommen, da eine achtzehn Uhr Stunde und es ja keine Kurzstreckenfahrscheine mehr gibt.
Dann hat die Klientin aber abgesagt und ich war baß erstaunt, als ich nach dreiviertel den Kellersaal betrat, weil so viele Leute und fast kein Platz mehr zu bekommen.
Wahrscheinlich haben die alle Morgenjournal gehört oder mögen Fotobände und Bildstrecken, ein Teil der bulgarischen Gemeinde war wohl auch dabei und die anderen mögen Ilija Trojanow und der hat als Kind Bulgarien verlassen, um mit seinen Eltern nach Kenia und später nach Nairobi zu gehen. Mumbai war, glaube ich, einer seiner Wohnorte und Kapstadt. Dann kam er nach Wien, wo er seither lebt und ich glaube, daß ich ihn bei einer der letzten “Literaturen im März”, wo das Thema Südafrika, wo er, glaube ich, auch kuratierte, kennenlernte.
Dann erschien der “Weltensammler”, der Alfred schenkte mir das Buch zu Weihnachten und ich habe es sogar gelesen, obwohl mich das Thema nicht so besonders interessierte. Habe einmal von “Wien live Karten” für eine Filmpremiere im Margaretner Filmkasino “Die Welt ist groß und Rettung lauert überall” gewonnen, wo ich nach der Vorstellung mit Ilija Trojanow und Josef Haslinger sprach und mich, glaube ich, nicht mit den beiden für meinen Blog fotografieren ließ. Das Buch “Eistau” ist vor zwei Jahren auch erschienen und wurde in der “Alten Schmiede” vorgestellt und bei einem utopischen Projekt im “Augarten-Radius” habe ich Ilija Trojanow auch gehört. Die Buch-Wien hat er, glaube ich, auch einmal eröffnet und Herta Müller 2009 bei der Literatur im Herbst vertreten.
Jetzt also der Band nicht über sondern von Bulgarien oder war es umgekehrt, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erklärte. Es gab eine Leinwand und für mich nur weit hinten einen Platz, sonst sitze ich ja gerne in der ersten oder zweiten Reihe. Dann erfolgte bulgarische Musik und die Fotos, die den Betrachter, wie Kurt Neumann ebenfalls erklärte, in das Geschehen hineinziehen würden, der auch noch auf Zusammenhänge zwischen den Bildern und den Texten hinwies.
Ilija Trojanow las vier Stücke von den neun. Das von dem Berg Tepe und dem Arbeiter, der dann an TBC oder was auch immer stirbt, habe ich, glaube ich schon in Krems gehört. Dazu wurden zum Thema passend, Partezetteln präsentiert und vorher gab es eine Art Familiensaga.
“Wenn ich erst meine Papiere habe, bin ich weg!”, sagt oder schreibt der kleine Bruder und auch viel über seine Brüder und Schwestern.
Eine Foto und Textstrecke war den müllsammelnden Roma gewidmet, die auch auf Hochzeiten spielen und dafür gutes Trinkgeld bekommen. Eine anderen dem Priester, der Litaneiartig sein Gebet an den Herrn absendet und ihm um Verzeihung bittet, daß er früher bespitzelt habe, der Bischof hat es ihm aber befohlen.
Kurt Neumann wollte dann noch wissen, wie ein solches Buch zustande kommt? Christian Muhrbeck hatte die Idee und die Fotos dazu und ist mit Ilia Trojanow noch viel durch Bulgarien gereist, um nachzurecherieren und eine Dame wollte wissen, ob die Betroffenen die Fotos und das Buch gesehen haben?
Den nicht so Mächtigen eine Stimme geben, war auch so ein Satz der öfter vorgekommen ist und, daß sich der Faule eine Ausrede für seine Faulheit sucht.
Eine andere Frage war, wieso das Buch “Wo Orpheus begraben liegt” heißen würde?
“Lesen Sie das Buch!”, verwies Kurt Neumann schon prophylaktisch auf den Büchertisch. Aber Orpheus, der angeblich neben der Müllsammlung neben der sein Museum liegt, begraben ist und außerdem noch in sieben Dörfern geboren wurde, schwimmt ja in Bulgariens größten Fluß und singt seine schönen Lieder und kann in folgedessen gar nicht begraben sein.
Trotzdem scheint die bulgarische Tourismusindustrie davon zu leben und nun gibt es auch ein Buch mit neun Texten und eindrucksvollen schwarz weiß Fotografien, das diesen Namen trägt und dem Unbedarften Bulgarien näher bringen kann.
Ich bin übrigens 1997 zweimal durchgefahren, als wir mit der kleinen Anna in die Türkei wollten und in den schönen Büchern der “Edition zwei” kann man auch davon lesen. Über Teodora Dimovas “Die Mütter” habe ich einmal im Rahmen des “Lesezirkels”, den es nicht mehr gibt in der Hauptbücherei referiert und dabei Angelika Reitzer persönlich kennengelernt.

Krisen, Schatten und Zyklamen

Ein Erzählband von Elfriede Haslehner, die ich in den späten Siebzigerjahren im Arbeitskreis schreibender Frauen kennenlernte, damals galt sie als aufstrebende Lyrikerin, publizierte bei “Frischfleisch und Löwenmaul” etc und gründete mit Hilde Langthaler und anderen Frauen, den Wiener Frauenverlag, der dann von Sylvia Treudl und Barbara Neuwirth “übernommen” wurde, später “Milena” hieß und jetzt kein Frauenverlag mehr ist, weil man einen solchen angeblich nicht mehr braucht und Elfriede Haslehner, mit der ich mich noch jahrelang nach Auflösung des Arbeitskreis mit anderen Frauen zum Beispiel bei der Valerie Szabo traf, hat inzwischen angefangen zu ihrer kritischen Lyrik Prosa zu schreiben. So ist in der “Edition Roesner”, der Band “Krisen, Schatten und Zyklamen” – realistische, utopische und satirische Prosa erschienen, der im Februar in der “Gesellschaft für Literatur” vorgestellt wurde und ich muß noch erwähnen, daß die 1933 geborene Elfriede Haslehner, die inzwischen nicht mehr rote Haare hat, in der “Frauen lesen Frauen” Gruppe des ersten Wiener Lesetheaters tätig ist.
Und die realistische Prosa, der erste Teil des etwa zwanzig Geschichten fülllenden Erzählbands, von denen ich einige schon beim “Volksstimmefest”, wo Elfriede Haslehner neben der “Poet-Night” auch immer liest, haben auch sehr biografische Elemente.
Fast könnte man es eine Autobiografie in kurzen Stücken, die Short Stories haben wir ja vor kurzen gehört, sind eine sehr wichtige Erzählform, nur schade, daß es die Leute nicht so gern lesen, nennen und so erfährt man in knappen Stücken sehr viel von Elfriede Haslehners Leben, manchmal in Ich-Form erzählt, manchmal ist sie in andere Personen geschlüpft.
Die ersten beiden Geschichten erzählen vom Krieg und der Vertreibung aus Mähren, wo der Vater Direktor einer Fabrik war. Als die Russen kommen, muß die Familie eine Nacht im Bunker verbringen und für das zwölfjährige Mädchen bricht eine Welt zusammen, weil das, was es in der Schule und bei der Hitler-Jugend lernte, auf einmal nicht mehr gilt. Dann kommt die Vertreibung nach Wien, in die Heimatstadt der Mutter, in die Wohnung der Großmutter nach Meidling und schließlich in die Steiermark, wo Elfriede Haslehner ihre Jugend verbrachte.
Die dritte “fast wahre” Geschichte “Lebkuchen” von den beiden Schwestern, die vor Weihnachten immer Lebkuchen backen und sie an ihre in der ganzen Welt verstreuten Familie schicken und von der soviel Ramsch bekommen, daß sie zur Gegenwehr schreiten müßen, hat Elfriede Haslehner, glaube ich, schon im Jänner zu den “Geisterfahrern” gelesen, die im utopischen Teil kommen.
“Das Küchenfenster” handelt von einer alten verwirrten Frau, die am Fenster sitzt über ihr Leben nachdenkt, die Katze der Nachbarin über den Briefschlitz füttert und dann von der Heimhilfe und offenbar einer Sozialarbeiterin ins Heim gebracht wird und wenn ich mich recht erinnere, hat Elfriede Haslehner zu Arbeitskreiszeiten als Sozialarbeiterin gearbeitet und solche Erfahrungen gemacht.
“Schattenarbeit oder das Glück der Woche” läßt auch einige autobiographische Züge erkennen und beginnt mit dem wahrhaft satirisch originellen Satz, den ich von meinen Klienten nicht so oft höre “Zum Glück bin ich arbeitslos”, denkt Nora und erzählt dann, daß sie während ihr Freund seiner Arbeit nachgeht, richtig die Geschichte vom Kennenlernen des Franz oder Hans, als sich die ältere Beate in einem roten Mini Kleid doch noch einmal entschließt, einen Maskenball zu besuchen, hätte ich jetzt fast vergessen, an das Mithelfen beim Bau der Ökosiedlung in Gänserndorf macht, weil es dann billiger wird, dazwischen besucht sie Sohn und Schwiegertochter, hält das offenbar gerade geborene Enkelkind im Arm und besucht die achtzigjährige Mutter.
In der “Prophezeiung” geht es ebenfalls um die Ökosiedlung und um eine ausgestiegene esoterische Wunderheilerin, die mit Pendeln und Konzentration Krankheiten erkennt und homoöpathisch behandelt, eine Katastrophe voraussagt und als die nicht eintrifft, behauptet, sie und ihre Kraft hätte die Welt gerettet.
In “Olga auf dem Land” bearbeitet Elfriede Haslehner ihre Traumen, die sie hat, weil Sohn und Schwiegertochter, das Enkelkind nicht von der Oma verwöhnen lassen wollen und sie möchte doch eine sehr liebe Großmutter sein, so kauft sie Puzzles und Bilderbücher, mit denen sie sich dann selbst beschäftigt und als die Kinder doch einmal übernachten dürfen und Melanie stolz auf dem Fahrrad fährt, sind die Eltern entsetzt und bringen die Kinder nie wieder.
In der Titelgeschichte “Zyklamen auf dem Land” geht es dann auf Spurensuche nach Südtirol und in den ersten Weltkrieg, wohin der Vater einmal als Soldat geschickt wurde und der Tochter einen Stapel alter Kriegsbilder hinterließ.
Weiter geht es dann mit Text “Hinübergehen” zum Sterben von Elfriede Haslehner Mutter, den ich schon gelesen habe, zu der Geschichte “Im Schnee”, wo das Auto umkippt und freundliche Migranten helfen, den ich auch schon kannte.
Dann geht es zu der “Utopischen Prosa”, Geschichten mit Katastrophen-Phantasien.
In der “Krise”, wacht Lisa eines Morgens auf, es gibt keinen Strom und Wasser, die Menschen erschlagen sich selbst und Lisa und ihr Freund Harald ziehen sich aufs Land zurück, um sich selbst zu versorgen.
Bei den “Geisterfahrern” wird die Insel zuerst mit Autos so überfüllt, daß es keine Parkplätze mehr gibt und die Menschen immer im Kreis fahren müssen, bei den “Zwei Schwestern” geht um Atomkatastrophen. Zwei Schwestern haben sich in ein Haus mit Fischen und Aquarien zurückgezogen und beschließen sich wenn die Katastrophen zu sehr zunehmen sich umzubringen, eine tut das, die andere überlebt und schließt sich den Atomgegnern an.
In den “Zwei Brüdern” geht es um eine Waffenfabrik, der eine kämpft mit seiner Freundin dagegen, der andere resigniert und fängt zu trinken an, in “Urlaubsquartier” müssen die Menschen im Krieg in ein schönes Bergdorf flüchten und die “Maschine”, die all die schönen Dinge produziert, die wir zum Leben brauchen, macht die Menschheit schließlich kaputt. Soweit die kämpferischen Texte, der Umweltschützerin und Friedesnaktivistin, aber auch die Abteilung III, die satirische Prosa, zeigt solche Züge “1999, wenn ich wieder nach Rom fahren werde”, da wäre Elfreiede Haslehner sechundsechzig und seit 1982 nicht mehr dortgewesen, das dritte vatikanische Konzil hat stattgefunden und die Frauen bzw. die großen Mütter haben den Petersplatz in eine grüne Oase verwandelt, es gibt wie 1982 keine Raubüberfälle mehr, sondern alle Frauen grüßen freundlich und laden einander ein, tanzen, feiern, singen und die Welt hat sich in einen schönen Feminismus verwandelt. Zwei Nachsätze gibt es auch, erstens, daß Elfriede Haslehner weiß, daß der 1983 geschriebene Text utopisch ist und zweites fügt sie 2010, als sie ihn in den PC tippt an, ist sie seit 1982 nicht mehr dort gewesen.
“Vater werden” beschreibt eine Utopie, die ich nicht haben will, eine Sportlehrerin wird schwanger, der Mann, ein Lehrer ist arbeitslos und sie will, daß er das Kind austrägt. Die Fortschritte der Medizin machts möglich, er erklärt sich auch dazu bereit, hält die Schwangerschaft aber psychisch nicht aus, so daß schließlich doch sie das Kind zur Welt bringt.
In der “Ehre oder die Dummheit?” erzählt Elfriede Haslehner von den vielen ehrenamtlichen Projekten, die sie bereitwillig im Laufe ihres Lebens übernommen hat und dann nicht schaffte, weil sie auch für den Brotberuf arbeiten mußte und dann sah, daß die anderen jüngeren Frauen um sie meist teilzeitangestellt waren oder von einem Akademikertraining lebten und am Schluß beschäftigt sie sich noch mit der Frage, wie es sein wird, wenn sie das Schreiben aufgegeben hat?
Man hat, wenn man das Buch gelesen hat, sehr viel vom Leben der achtzigjährigen Frau, die zwanzig Jahre Hausfrau und Mutter war, dann Sozialarbeiterin war und Philosophie studierte, den Wiener Frauenverlag mitgründete, in Gänserndorf eine Ökosiedlung aufbaute, in der AUF, in der Friedensbewegung und noch bei sehr viel anderem tätig war, viel erfahren.
Ein spannendes Buch, das ein sehr interessantes, alternatives Leben einer schreibenden Frau schildert, das ich wirklich nur empfehlen kann.
Mein eigenes Verhältnis zu Elfriede Haslehner, die mir am Dienstag ein Foto schenkte, das sie und die anderen Aktivisten des Wiener Frauenverlags zeigt, ist übrigens ein bißchen kritisch, so hat sie mir den Text, den ich ihr für das erste Frauenbuch schickte, mit der Bemerkung zurückgegeben, ich solle lieber stattdessen in Therapie gehen, da machte ich schon meine GT-Ausbildung und hat mir auch sonst immer wieder geraten, nicht so viel zu schreiben, aber das Schreiben aufgeben ist etwas, das ich mir nicht vorstellen kann und auch nicht wüßte, wozu das gut sein soll?

Buchfestival für Verlags-Autoren und Self Publisher

Im Sommer hat mir Andrea Stift einen Link zu einer “Buchmesse für Verlags-Autoren und Self Publisher” mit der Frage geschickt, ob mich das interessieren würde?
Im Internet fand ich dann die Ankündigung vom Autoren Portal “Hietzing liest”, am 19.und 20. Oktober im Amtshaus Hietzing mit einem bunten Cover-Mix und einer Reihe von Namen an der Seite, von denen ich die von Sonja Henisch und Ingrid Poljak kannte, die eine vom Lesetheater, die andere wurde bei den “Schreibspuren” und im Mai bei “Buchmanie” vorgestellt.
Bei den “Schreibspuren”, den Blog zum “Lehrgang für litarisches Schreiben”, auf den ich gestoßen bin, als ich im Mai Marlen Schachingers Buch gelesen habe, bin ich dann auch auf diese Autorenmesse gestoßen, die der Kunstförderungsverein Galerie Haslinger bzw. das Autorenportal “Hietzing liest” veranstaltet, wo man seine Bücher gegen einen Messebeitrag von dreißig Euro an zwei Tagen ausstellen kann.
Da das etwas ist, was ich nicht unbedingt machen will, mich einen Tag lang vor meine Bücher zu setzen und dann vier oder fünf Stück davon zu verkaufen und auch keine Hietzinger Autorin bin, habe ich den Zettel aufgehängt und beschlossen, am Sonntag hinzuschauen, da der Samstag ja für die GAV-GV reserviert war.
Eine Messe für Selbstpublisher klingt aber interessant und wäre ein Fortschritt und was Neues.
Clemens Ettenauer vom Holzbaumverlag informierte mich dann ein bißchen später, daß es in der nächsten Woche, wo wir in Harland sein werden, einen “Markt der Independent- und Kleinverlage” im Museumsquartier geben wird.
Es tut sich also etwas abseits der Buch-Wien, was auch klar ist, da ja sehr viele Leute schreiben und allmählich auch die Möglichkeiten des Digitalsdrucks, des BoDs und des E-Books zu nutzen scheinen.
Ich gehe ja im Februar nach der GV der IG-Autoren ganz gerne zu der “Anderen Buchmesse”, die von Margit Kröll et al organisiert wird und lese dort beim Autoren-Slam ohne jemals gewonnen zu haben und in Margareten gibt es ja sowas auch für die Margaretner-Autoren, wo man sogar nichts zahlen, aber lesen und seine Bücher ausstellen kann.
Zweimal habe ich dort gelesen, beim zweiten Mal war ich dem Berzirksvorsteher Wimmer zu lang, dann hat er mich nicht mehr eingeladen.
Ich bin also ein bißchen neugierig gewesen, als ich zum Amtshaus Hietzing hinaus marschierte und im Festsaal im zweiten Stock eine Reihe Tische mit den Büchern der ausstellenden Autoren fand.
Der erste, ein Deutscher, hatte ein Sachbuch anzubieten, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe, betonte gleich, daß er kein Selbstpublisher wäre, aber das ist ja eigentlich keine Schande, denn es schreiben ja sehr viele Leute, wahrscheinlich wirklich inzwischen mehr als lesen und so wanderte ich weiter von Stand zu stand. Die Anthologien des Lehrgangs für narratives Schreiben lagen auf, so daß ich nach Marlen Schachinger fragte, die aber nicht anwesend war.
Eine Dame drückte mir das Programm in die Hand, wo ich erfuhr, daß das Autoren Portal “Hietzing liest” 2010 von Roswitha Sidl, Gynther Riebl, Susanna Länger und Erich Glavitza gegründet wurde und viele gemeinsame Lesungen und jeden Donnerstag eine Literatursendung in einem Internetradio hat.
Am nächsten Stand stellte Luis Stabauer, dessen Namen ich auf der gestrigen Generalversammlung hörte, die Biografie “Der Kopf meines Vaters, Wien von der NS-Zeit bis zu Gegenwart- eine Zeitzeugin erzählt” und eine Anthologie von neun Autoren der Leondinger Akademie aus, mit dem ich mich unterhielt und der mir seine Bücher für das Literaturgeflüster zur Verfügung stellte, bzw. eines mit mir tauschte.
Er las dann auch um elf aus dem Buch und ich wanderte weiter zu dem Stand, wo Lisa Luxor, das ist ein Pseudonym, wie sie mir erklärte, ihre wahre Geschichte “Ich liebe dich für immer”, ihre Beziehung mit einem Ägypter vorstellte, mit der ich mich ebenfalls ein bißchen unterhielt.
Renate Woltron, die Regisseurin und Textautorin, kenne ich ebenfalls von den Osterspaziergängen und anderen Veranstaltungen des Lesetheaters und dann gab es noch verschiedene Krimis und Romane in mir völlig unbekannten Verlagen, zu finden.
Mit Brigitte Teuffl-Heimhilcher, die ein Kochbuch für Michallergiker und eines, wie man sein Leben als Allergiker neben ein paar anderen Frauenromanen, wie “Humor und Hausverstand erwünscht”, “Mütter und Töchter und andere Krisen” aufliegen hatte, habe ich mich unterhalten und von dem Buchfestival mitgenommen, daß es offenbar viel mehr selbstverlegende Autoren und Autorinnen gibt, als man allgemein so weiß.
Erich Klinger hat mir gestern auf der GAV-GV gesagt, daß ich auf ihn den Eindruck mache, als würde ich mich permanent verteidigen, das hat mir auch Ju Sophie einmal so angedeutet, bei meinen dreißig selbstgemachten Büchern stimmt das wahrscheinlich, obwohl die wahrscheinlich einen ganz guten Eindruck auf dieser Messe gemacht hätten. Einen Stand vom Digitaldruck at, bzw. diesbezügliche Broschüren habe ich, glaube ich, auch entdeckt.
Interessant ist auch, daß Luis Stabauer Absolvent der “Leondinger Akademie”, die ja auch Anna Weidenholzer, Isabella Feimer, Thomas Wollinger, etc, besucht haben, ist und, wie er mir sagte von Angelika Reitzer in die “Alte Schmiede” eingeladen wurde und als Marlen Schaichinger, die sich ja als GAV-Jurorin sehr viel Mühe mit ihren Gutachten machte und alles ganz genau analysierte, einmal im Literaturhaus ihren Schreiblehrgang vorstellte, habe ich an ihren Tisch, eine Ankündigung einer Romanwerkstatt gefunden, an der man nicht teilnehmen konnte, wenn man bei BoD oder selbst verlegte.
Offenbar hat sich auch das geändert oder sind die Grenzen fließend und ich finde es ja sehr schön, wenn sehr viele Leute schreiben, tue es ebenfalls, interessiere mich für sehr viel und habe wieder etwas Neues kennengelernt.

Vom Recherchieren zur GAV

Nach dem ich am Donnerstag zwischen meinen Stunden am Westbahnhof herumspaziert bin und mir bei der Buchhandlung in der Maria Hilferstraße völlig unnötig elf größtenteils “Suhrkamp-Taschenbücher”, um je einen Euro kaufte, beim Mc Donald Cheesburger, Pommes und Apfeltasche zu einem Caffe Latte verzerrte und mich in der Hauptbücherei auf einen der bequemen Stühle setzte und an Hand einer mir gegenübersitzenden Frau mit grauen Haarschopf eine Szene mit der Swetlana Alexejewitsch, das ist Tante Lillys vierundzwanzig Stunden Betreuerin, schrieb und am Freitag nach der zehn Uhr Stunde, die vergessenen Büroartikel beim “Mastnak” kaufte und nach einem weiteren Cheesburger TS noch eine Stunde im Museumsquartier auf einen dieser gelben Liegen Impressionen einfing, ist es in die “Alte Schmiede” gegangen, denn dieses Wochenende ist wieder GAV-GV, die seit einigen Jahren am Freitagnachmittag mit dem kulturpolitischen Arbeitskreis gestaltet und moderiert von Ruth Aspöck begann.
Da erfuhr ich als erstes, die neue Präsidentin ist Petra Ganglbauer, dann referierte Irene Wondratsch ein bißchen was über die Arbeiterliteratur und das war sehr interessant.
Gibt es eine Literatur von und für Arbeiter lautete das Thema und was haben wir davon? Irene Wondratsch begann mit der Bibliothek ihrer Eltern, die einen sozialistischen Haushalt führten und legte einige solcher alter Ausgaben, Jura Soyfer, Luitpold Stern, etc auf den Tisch und erzählte von den Arbeitskreisen der Literatur der Arbeitswelt. Da hat es bei Fischer ja einmal eine gleichnamige Buchreihe gegeben, den “Max von der Grün-Preis”, die Zeitschrift “Tarantl”, die jetzt Gerald Grassl weitermacht, Michael Scharang, Franz Innerhofer, Gernot Wolfgruber, Ernst Hinterberger und bei den moderneren Autoren, Kathrin Röggla mit “Wir schlafen nicht” und als ganz neues Beispiel Anna Weidenholzers abeitslosen Roman “Der Winter tut den Fischen gut”.
Alfred Gelbmann, ein neues GAV- Mitglied und Verleger des Mitter-Verlags outete sich als Anna Weidenholzer Entdecker, hat er ja “Den Platz des Hundes” herausgegeben und ich habe auf der Buch-Wien 2010 mit ihm darüber gesprochen, war da, Margot Koller, Robert Kraner, auch ein neues Mitglied, das am Abend gelesen hat, Ilse Kilic, die Rizys, Magdalena Knapp-Menzel, Lore Heuermann und noch ein paar andere, also ein sehr gut besuchter Arbeitskreis.
Irene Wondratsch teilte ein Skriptum aus und nach der Pause wollte Ruth Aspöck unsere Erfahrungen mit der Arbeiterliteratur wissen.
Ja, ich hatte auch eine Büchergilde Gutenberg-Bibliothek im elterlichen Haushalt, bin im Gemeindebau einer sozialistischen Familie aufgewachsen und habe als erstes, weil das auch ein wenig erdrückend fand, bei meiner zweiten Wahl aus Protest gegen meinen Vater, den SP-Funktionär, die ÖVP gewählt. Nur ein einziges Mal, denn dann kam ich bald in den “Arbeitskreis schreibender Frauen”, beteiligte mich am “Max von der Grün Preis”, den ich nie gewonnen habe, am Luitpold-Stern-Preis und schreibe realistisch über die Arbeitswelt, alte Leute, das erfolglose Schreiben, etc.
Ruth Aspöck referierte dann aus einem Katalog der Austellung “Mit uns zieht die neue Zeit”, die es, 1981, glaube ich, in der Meidlinger Remise gegeben hat und in der ich mit meinem Vater war und teilte kleine Zetteln aus mit Themen zu dieser Ausstellung zu der wir etwas sagen wollte, ich erwischte “Architektur” und ich bin ja in einem dieser Gemeindebauten des roten Wiens, errichtet aus den Mitteln der Wohnbausteuer, wie auf einer Tafel stand, aufgewachsen.
Dann gabs die Pause von fünf bis sieben, die ich mit Ruth Aspöck, Irene Wondratsch und Margot Koller im “Indigo” bei einem riesigen Toast mit Spiegelei und einem Sturm verbrachte, obwohl ich ja am Abend nur mehr wenig esse. Dann gings noch einmal in die “Alte Schmiede”, denn da findet seit einigen Jahren am Vorabend der GV die Lesung der neuaufgenommenen Mitglieder des Vorjahrs statt und das waren dieses Mal sehr viele und so war es auch schon ziemlich voll, als ich mit Ruth Aspöck und Margot Koller eintraf.
Hanane Aad aus dem Libanon, die ich schon bei den “Poet-Nights” hörte, begann und las zwei Gedichte in arabisch mit deutscher Übersetzung. Dann kam Robert Eglhofer in oranger Jacke und einem orange Käppchen ganz gestylt und las einige Gedichte in Deutsch und Englisch.
“Wachau” hat er, glaube ich, auch schon bei der “Poet-Night” gelesen und dann eines zu seinem Lebenslauf und eines zu einem Bild von Maria Lassnig, das, glaube ich, während der letzten Schreibegruppe zum Thema “Schwimmen” entstanden ist.
Der 1983 in Wien geborene Gabor Fonjad, den ich noch nicht kannte, folgte und las einen Ausschnitt aus einer Erzählung, wo sich ein Wissenschaftler nach einem Institutsstreit auf eine Reise nach England macht.
Martin Fritz, der Preisträger des FM4 Preises von 09, der auch in Rauris was gewonnen hat, folgte und veranstalte ein Lyrik-Bingo, das heißt, er teilte einen Zettel mit sehr undeutlichen Zeichnungen aus und las dann sehr schnell einen Rap vor, man sollte sich die vorkommenden Begriffe anstreichen und wenn man als erster “Bingo” schrie, hätte man den Gedichtband gewonnen. Martin Fritz hat ihn wieder nach Hause mitgenommen.
Dann folgte der Mitterverleger Alfred Gelbmann, von dem ich schon geschrieben habe, mit einem Ausschnitt aus seinem zweiten Roman.
Constantin Göttfert, der in Leipzig studierte und den ich schon einmal bei den “Textvorstellungen” hörte, folgte und dann las Magdalena Knapp-Menzel einen Textausschnitt, des 2012, verstorbenen Franz Xaver Hofer “Schmerzbahnen”, dem, glaube ich, demnächst auch eine Veranstaltung in der “Alten Schmiede” gewidmet ist.
Jopa Joakim, den ich auch schon öfter hörte oder gesehen habe, folgte mit einer Performance auf Deutsch, Finnisch und mit vielen Grimassen und Verrenkungen, am Schluß stürzte er noch auf den Boden und erntete großen Applaus.
Robert Kraner, der gemeinsam mit Robert Schindel, die Schreibwerkstatt “langschlagg wurzelhof” gegründet hat und im Waldviertel lebt, las einen Ausschnitt aus dem Roman “Valerie”, wo es sehr beeindruckend, um behinderte Kinder und um das Schloß Hartheim und die Haarbüscheln, die die Nachbarn auf ihren Fenstern finden und die Beschwichtigung durch den Bürgermeister geht.
Wolfgang Kühn habe ich, glaube ich, im April bei dem “Literatur und Wein Festival” in Krems und Göttweig kennengelernt, weil er einer der Mitarbeiter des niederösterreichischen Literaturhauses ist und einige beeindruckende Mundartgedichte, wie die “Ballade vom fetten Essen” etc, brachte.
Von Sabine Maier gab es eine Textinstallation und die Australierein Syvia Petter, die nächstes Jahr ein Lyrik Festival veranstalten wird, habe ich schon im Literaturhaus kennengelernt, da sie mir Christel Fallenstein dort vorstellte.
Die Steierin Dorothea Pointner, die mir ebenfalls unbekannt war, folgte. Dann kam Wally Rettenbacher, die mich ja im Mai interviewte und in Radio Fro brachte und die ich beim “Tag der Freiheit des Wortes” kennenlernte, mit sehr beeindruckenden Reisebildern über Indien.
Der Limbus-Verleger Bernd Schuchter folgte mit einem Ausschnitt aus seinem Roman “Link und Lerke” und Linda Stift las den selben Text, den sie 2009 in Klagenfurt gelesen hat. Dann kamen Pascal Tangui und Johannes Tröndl, letzter war mir als Mitarbeiter der “Alten Schmiede” bekannt und brachte einen Ausschnitt aus seinem Hörspiel “Urgroßvater”.
Emily Walton stellte natürlich wieder ihr “Mein Leben ist ein Senfglas” vor und Jörg Zemmler, der mit beim “Lyrik Festival” im Literaturhaus ein Gedicht schrieb und den ich einmal bei den “Wilden Worten” hörte, schloß diese Monsterlesung, von der ich sehr erschöpft nach Hause ging, ab.
Samstag um halb elf begann dann pünktlich die Generalversammlung in der “Alten Schmiede” mit den üblichen Ritualen, beziehungsweise mit einer Schweigeminute für Rolf Schwendter und den anderen verstorbenen GAV-Mitgliedern.
Petra Ganglbauer stellte sich als die neue Präsidentin vor. Über die Vorstandssitzung wurde berichtet, der Kassabericht abgestimmt und dann gings zu den eingereichten Veranstaltungen. Da kann ja jedes Mitglied eine Veranstaltung einreichen, früher waren es zwei, da habe ich lange den “Tag der Freiheit des Wortes” organisiert, der jetzt wieder “Chefsache” ist und die “Mittleren” veranstaltet, was ich auch nicht mehr mache.
Irene Wondratsch hat mich aber 2014 zu einer Lesung eingeladen und mit der “Text und Kritik-Werkstatt” in Strobl wird es vielleicht auch wieder etwas.
Ich stellte eine Frage zu einer Veranstaltung von Erich Klinger, worauf er mich sehr scharf anfuhr, später entschuldigte er sich und brachte ein paar Blumen und ich habe mir in der Mittagspause, ein Speckstangerl, einen Krapfen und einen Caffe latte gekauft und mich damit auf ein Bankerl zu Jörg Pieringer, Thomas Hlavic, der am Samstag etwas im Radio hatte, Günther Vallaster und Jörg Zemmler gesetzt.
Eine Vollversammlung soll es 2014 auch wieder geben, leider findet sie zeitgleich mit der Leipziger Buchmesse statt und das Thema soll die Befreiung der Literatur durch die Digitalwelten sein.
Dazu könnte ich zwar einiges sagen, bin aber wahrscheinlich nicht da und dann ging es zu den Neuaufnahmen und da hatte diesmal die Jury, die aus Marlen Schachinger, Fritz Widhalm und Gabriele Petricek bestand, diesmal besonders viele negative Empfehlungen ausgesprochen, so daß elf Veti kamen, vier davon habe ich gestellt, da die alle mehr oder weniger heftig durchdiskutiert wurden.
Nach einigen Stunden waren wir damit fertig und so gehören jetzt Max Höfler, den ich vom Volksstimmefest kenne, Domininka Meindl, Eva Scheuffler, Hubert Sielecki, Cordula Simon, Beatrice Siemsen-Schlanitz, Marion Steinfellner, Gabriele Vasak, Monika Vasik, Ursula Wiedele, Daniel Zipfel, Andrea Drumbl, Hansjörg Liebscher, Heinz Pusits, den ich in der Schreibgruppe von Ruth und Robert kennengelernt habe, Hannah Sideris, die auf der letzten Poet-Night las und Birgit Unterholzner aus Südtirol zu den neuen Mitgliedern.
Danach wurde eine neue Jury bestellt, ich meldete mich wieder und wurde zum vierten Mal abgelehnt, während es bei den anderen scheinbar nicht so wichtig ist, daß sie schon einmal Juroren waren, aber es ist ohnehin eine zweischneidige Sache, weil ich niemanden ablehnen will. So werde ich weiter meine Veti stellen und weil ich mich im Literaturbetrieb ja sehr gut auskenne, kann ich das, glaube ich, auch sehr gut.
Danach ging es wieder ins Gasthaus “Pfudl” zum Abendessen. Frittatensuppe, Tafelspitz und Apfelstrudl suchte ich mir aus. Dazu gab es Schilcher-Sturm und Gespräche mit Rudi Lasselsberger, der ein “Rolf Schwendter-Leiberl trug, Ruth und Robert, Margot Koller und noch einigen anderen, die sehr interessant waren und mich wieder mal ins literarische Leben brachten.