Dreizehn Kapitel

dreizehn

Kann man kapitelweise einen Roman schreiben? Beziehungsweise wird ein solcher daraus, wenn sich das Geschehen von einer Person zu der nächsten hinüberspinnt?
Eine interessante Frage, die mich in diesem Jahr beschäftigt hat, so daß es eine Erzählung wurde, die aus dreizehn Kapitel besteht, in der eigentlich die Themen enthalten sind, die mich in meinem nun schon vierzigjährigen Schreiberinnenleben beschäftigten und noch immer beschäftigen.
Es beginnt mit Laura Augustin, einer Büchersammlerin, die sich in Pension begibt und sich in dieser mit der Frage auseinandersetzt, wie sie es schaffen soll, alle ihre ungelesenen Bücher aufzulesen, während sich ihre Freundin Uschy Bischof mit einem alten blauen VW-Bus auf Weltreise begibt.
Der ehemalige Kulturstadtrat Laurenz Wolkner ist an Alzheimer erkrankt und wird in seiner Seniorenresidenz sowohl von dem jüngeren Psychiater Stefan Horetzky, als auch von der Oberschwester Dolores, die des Arbeitsplatzes wegen von Granada nach Wien kam und nun an Heimweh leidet, betreut.
Eine Frau am Fenster gibt es auch und eine Therapeutin, die einen Klienten hat, der in einen Plagiatsskandal verwickelt ist, während sich ihre Freundin, die Menschenrechtsanwältin Ruth Horvath, eine Schwester für ihr Töchterlein Zoe-Philipa wünscht.

Das ist wieder eine kleine Vorschau auf das neue Buch, das hoffentlich bald erscheinen wird. Geschrieben habe ich es im Sommer, nach einer Idee, die ich auf der “Buch-Wien 2012” bekommen habe. Hier geht es zu den Entstehungsartikeln 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Das Probekapitel gibt es da.

Wochenbericht

Ich gehe derzeit ja, meine Leser werden es bemerkt haben, fast täglich von Montag bis Donnerstag zu einer Veranstaltung und dann gibt es noch an die drei Buchberichte, so daß ich meistens vorausblogge und wenn ich auch ein bißchen über mein Schreiben und die literarischen Ereignisse berichten will, gibts Samstag noch meistens einen Wochenbericht, denn es passiert ja noch anderes, als daß ich Veranstaltungen besuche und Bücher lese.
Wenn auch bezüglich meines eigenen Schreibens, nicht so viel, wie ich gerne hätte, aber doch etwas.
Die “Dreizehn Kapitel” sind beim Digiataldruck. Morgen gibts die Vorschau und am Dienstag soll das Dummie kommen. Also bald das zweiunddreißigste Indie, juchu wie schön. Als E-Book zu Amazon stelle ich es wahrscheinlich nicht, denn erstens glaube ich nicht wirklich, daß es jemand bestellt, zweites sehe ich den Versandhändler auch ein wenig kritisch, so daß ich mich nicht dazu aufraffen kann, obwohl ich heute wieder hörte, daß jemand durch ein E-Book zu einem Verlag fand.
Ich wahrscheinlich nicht, denkt es da in mir, obwohl ich nicht recht weiß, wieso, war es bisher immer so.
Aber doch noch etwas Literarisches, hat sich Christoph Kepplinger doch bei mir gemeldet und mir die Korrekturfahnen, das heißt doch noch immer so, des “Mißbräuchlichen Maigebrauch” und “Lieber Rolf Schwendter”, den beiden Texten, die in die neue Linke-Wort-Anthologie kommen, geschickt und ich habe geduldig meine Fehler korrigiert und die Texte zurückgeschickt.
Zu der “Brüderschaft”, bin ich diese Woche dann nicht gekommen. Dazu gab es zu viel Diagnostik und Psychotherapie, bürokratischen Ärger und die Steuererklärung war auch zu machen.
Ideen für das neue Projekt gibt es wieder, auch wenn es nur die Alten sind. Von einer Buchhändlerin und ihren Kampf gegen das Vergessen, könnte ich schreiben, ist mir etwa eingefallen und habe ich in mein inzwischen chinesisches neues Notizbuch, das eigentlich ein ganz altes und schon halb herausgerissenes ist, notiert.
Was tut sich auf der anderen Seite der literarischen Welt? Da gabs die Nominierungen zum Leipziger Buchpreis. Da steht Sasa Stanisic mit seinem neuen Buch, die letzte Bachmannpreisträgerin mit “Vielleicht Ester”, Martin Mosebach und noch zwei, die ich nicht kenne, auf der Belletristikliste, die Übersetzerin des neuen Murakami ist nominiert und auch der, der das Buch des ehemaligen rumänischen Ministers übersetzte, den ich auf der Buch-Wien hörte und eigentlich dachte, daß das nicht sehr literarisch sei.
Nun bin ich wieder gespannt, wer gewinnen wird, obwohl es mir eigentlich egal sein kann. Die Murakami-Übersetzerin vielleicht, denn der ist ja jetzt in aller Munde, bei der Belletristik würde ich auf Katja Petrowskaja tippen und habe bei der Publikumsabstimmung so gevotet. die Abstimmer dort sehen es vielleicht anders und ich werde all die Bücher wahrscheinlich nicht oder erst später lesen, habe ich inzwischen ja genügend andere auf meiner Leseliste.
Für den Rauriser Literaturpreis ist Sakia Hennig von Lange nominiert, die ich ich im Frühjahr bei “Rund um die Burg” hörte und dann noch Renate Aichinger. Da werde ich wahrscheinlich nicht hinkommen, nach Leipzig vermutlich schon und dort gibts ja jetzt auch einen Indie-Preis, aber da kann man sich nur bewerben, wenn man sein Buch bei Amazon oder einen anderen Anbieter hat.
Also wieder was, wo ich mich selber durchfallen lasse, aber so technisch schön sind meine Bücher wahrscheinlich nicht, daß ich einen Preis gewänne. Obwohl das “Literaturgeflüster-Textebuch” halte ich schon für ziemlich einzigartig. Aber da bin ich bis jetzt auch allein und habe auf meine Aussendung, außer durch ein Mail von Edith Ulla Gasser noch nicht viel gehört. Nur daß es wahrscheinlich nichts mit der Literaturhaus-Rezension wird und Gerhard Jaschke hat es sehr gelobt, aber das hat er mir nur persönlich gesagt bez. geschrieben und verändert nicht viel nach außen.
Wolfgang Tischer vom literaturcafe, der in der Jury sitzt macht, aber demnächst ein E-Book Seminar in Wien, aber das werde ich aber auch nicht besuchen. Nur ein wenig jammern und weitermachen wie bisher und da drehe ich mich ja im Kreis, beziehungsweise geht im Stillstand nicht viel weiter.
Ich habe aber vor, wenn es die “Dreizehn Kapitel” gibt und die übliche Miniaussendung gemacht ist, meine Leser können es bestellen, rezensieren, lesen, tauschen, das Probe-Kapitel lesen, etc, wieder mit mehr Schwung, die “Brüderschaft” fertigzumachen, um mich dann dem neuen Projekt zu widmen und herauszufinden, ob ich da zu neuen Themen finden oder mich an den alten wiederholen werde, was bei einer mit zwei- oder dreiunddreißig selbstgemachten Büchern, einem in einem Kleinstverlag, zwei Sachbüchern in großen und doch einigen Anthologien und Texten in Literaturzeitschriften, gar nicht so viel macht.
Und Ruth und Roberts Schreibgruppe gibt es nächste Woche auch, da kann ich mich wieder im Vorausschreiben üben oder den Text, der dann entsteht, nächsten Freitag ins Literaturgeflüster stellen, mal sehen wie es wird, ich bin gespannt.

Emma schweigt

Es ist eigentlich eine ganz einfache Geschichte, die die 1949 in Wien geborene und lange als Russland-Korrespondentin arbeitende Susanne Scholl hier erzählt.
Sie tut es allerdings in einer etwas ungewöhnlichen Art, mit ungewohnten, vielleicht auch überraschenden Perspektiven und einem positiven Ansatz, der dann doch wieder nicht so funktioniert.
Da ist Emma, eine alte Frau, Rentnerin steht im Klappentext, in Österreich heißt das wohl eher Pensionistin, zwischen sechzig und siebzig würde ich schätzen, genauer erwähnt wird es nirgends, noch recht agil und dann grantig, wie die meisten Wienerinnen, ich eingeschlossen, sein sollen, die sich oft übergangen fühlt, dann wieder mit dem Herz am rechten Fleck, das recht automatisch und unbewußt, wie auch wahrscheinlich bei anderen Wienerinnen, zu reagieren scheint und dann wieder über die vielen Ausländer, die es hier schon gibt, schimpft und die Welt um sie herum nicht so recht verstehen kann.
Da gibt es Georg, ihren Mann, der sie im Stadionbad einmal anquatschte und der sie, als sie ins Alter kam, als der Notar bei dem sie beschäftigt war, sie freundlich, wie Susanne Scholl schreibt, in die Pension schickte, wegen ein oder zwei Herausforderungen verließ. Bei der Zweiten bekommt er einen Schlaganfall, die junge Dame schiebt ihn ins Heim und Emma, die Pensionistin besucht ihn dort zweimal in der Woche, aus Rache, wie es Susanne Scholl, so spitzbübisch ausdrückt.
Es gibt auch den Hansi, das ist der Sohn, oder Jo, wie ihn eine seiner zwei Frauen nannte, beide Ehen haben nicht geklappt, aus einer gibt es Luzie, die Enkeltochter, die inzwischen in Italien lebt, enge Hosen und kurze Röcke trägt und mit der Vespa herumbraust und dann kommt der Hansi, ein Arzt, der in einem Labor Blut abnimmt, plötzlich mit einer Türkin daher und sagt, er bekommt ein Kind von ihr, aber heiraten will sie ihn nicht.
Das ist, denke ich, der ungewöhnliche Blick, obwohl es sicher Oberschichttürken gibt, die Architektur studieren, beruflich erfolgreich sind und auch so tolerante Familien haben, daß ein “Schwabo-Schwiegersohn” willkommen ist.
Aber geheiratet wird ohnehin nicht. Emine geht zwar nicht in die Moschee, ißt aber trotzdem kein Schweinefleisch und das, wo doch der Hansi am liebsten Schweinsbraten mit Knödel und nachher noch Schaumrollen mag.
Auch nicht sehr gesund für den Herrn Doktor, aber so sind die Wiener eben, vielleicht ist das auch ein Klischee und als Emma einkaufen geht, sieht sie im Supermarkt, eine junge Ausländerin mit heruntergerutschten Kopftuch und einem Buben, der sie, als sie ihm fünf Euro zusteckt “Einen guten Menschen!”, nennt und Emma ist gerührt.
Das sind Sarema und Schamil aus Tschetschenien, die dort Fürchterliches erlebt haben. In der ersten Hälfte des Buches wird sehr viel von der Zeit erzählt, bevor Sarema, die eigentlich Lehrerin werden wollte, nach Österreich kam.
Von den Verfolgungen, den Erschießungen, Ermordungen, der ältere Sohn und der Mann kommen um, das namenlose ungeborene Mädchen, stirbt kurz nach der Geburt, die geliebte Schwester verschwindet und als sich Sarema von einer Verwandten, bei der sie wohnt, Geld ausborgt, um damit einen einflußreichen Mann zu bestechen, wird sie von ihm vergewaltigt.
Das ist alles sehr anschaulich beschrieben, wie ich es auch bei meiner Asylwerber-Diagnostik so hörte, die Namen Eva und Lisa, die die Verwandten haben, irritierten ein bißchen und das würde ich Frau Scholl gerne fragen, wenn ich beispielsweise zu der Buchpräsentation beim “Morawa” in die Wollzeile am 13. Februar 19.30 ginge.
Emma ist über die türkische Schwiegertochter zu deren Nicht-Hochzeitsfest, wo sie ihre Verwandten kennenlernen wird, gehen soll, entsetzt und als sie sich darauf vorbereitet, rutscht sie vorm Supermarkt aus und bricht sich ein Bein.
Sarema und Schamil rufen Hilfe und fahren mit dem Krankenwagen ins Spital mit und der phlegmatische Hans engagiert die beiden, Emma solange im Haushalt zu helfen, bis sie wieder gehen kann. Emma kann dem Knaben ja bei den Hausaufgaben helfen. Die akzeptiert das erstaulich gelassen, es ist eher Emine, die streng schaut und rät aufzupassen und keine fremden Ausländer in die Wohnung zu lassen.
Der kleine Georg Tarek wird geboren, Emine läßt die Oma nicht so recht an den Kleinen ran und als sie mit Luzie im Sommer in die Türkei zur Restfamilie fahren, rächt sich Emma, daß sie mit Schamil, der gute Noten hat und schon vom Studium in Wien träumt, in den Prater und nach Schönbrunn geht.
Sarema beginnt auch langsam Deutsch zu lernen, obwohl sie nicht “Guglhupf” sagen kann und Salat mit Salz verwechselt und sich darüber wundert, warum diese reichen Österreicher immer so unzufrieden sind.
Die haben doch keine Sorgen, während sie sich vor ihrem Vergewaltiger fürchtet, der ihr gedroht hat, sie überall zu finden und dann kommt noch der negative Asylbescheid.
In dem Heim, wo sie wohnt, rät man ihr, unterzutauchen. So nimmt sie ihren Mut zusammen und fragt Emma, ob sie in dem Kinderzimmer vom Herrn Hans schlafen darf?
Die versteht nicht recht und reagiert abwehrend. Nachher tuts ihr leid und Hans schimpft auch mit ihr, aber als sie in das Flüchtlingsheim geht, um nachzufragen, sind die Beiden schon abgeschoben und die Frau Emma, die im Klappentext oder in der Rezension, die ich schon im Netz gefunden habe, als die Nachfahrin des Herrn Karls bezeichnet wird, ist an allem schuld.
Da tut man, glaube ich, einer typischen Österreicherin unrecht, obwohl es ja so einfach wäre und wir alle helfen könnten, wenn wir wollten. Ein leeres Zimmer gibt es ja wahrscheinlich überall. Ich habe zwar gehört, daß man sich strafbar machen würde, wenn man das täte. Aber ganz Österreich kann man nicht so einfach verhaften und ein gutes Wort und ein bißchen Interesse oder vielleicht weniger offener Fremdenhass können nicht schaden.
So ist das Buch der ORF-Korrespondetin, die in ihrer Pension zu schreiben begann, sicherlich ein Fingerzeig, wie es gehen könnte, wenn wir uns alle ein wenig an der Nase nähmen. Die Fremdengesetze können wir zwar nicht verändern, das Nachbarschaftshilfe Abschiebungen verhindern konnten, haben wir aber schon erlebt und ein bißchen über das Leben in Tschetschenien zu erfahren, schadet auch nicht.
Susanne Scholl tut es in einer sehr wenig abgehobenen realistischen Art, mit den schon angedeuteten Überraschungen, wie dem aufgeschlossenen Phlegmatiker oder der fremdenfeidlichen Emine, die sich aber auch bald mit Sarema arrangiert.
Ich, die ich das ja auch versuche, habe ja immer ein bißchen Angst, daß man das kitschig oder unrealistisch nennen könnte, ob das Susanne Scholl auch passiert, bin ich gespannt und das Buch ist jedem zu empfehlen und auch, es der Emma und dem Hans ein wenig nachzumachen und den Journalisten würde ich raten, vielleicht nicht gleich an den Herrn Karl zu denken, denn so abgehoben und so exemplarisch ist die Emma wahrscheinlich nicht.

Jessica, 30

Durch den offenen Bücherschrank und der literarischen Soiree des Radio-Kulturcafe bin ich auf dem Weg eine Streeruwitz-Expertin zu werden, vorher war mir die 1950 in Baden geborene Autorin immer etwas zu theoretisch und zu abstrakt, beziehunsweise zu intellektuell, so daß ich ihre Argumente nicht immer nachvollziehen konnte.
Jetzt habe ich die “Schmerzmacherin” gelesen, “Lisas Liebe”, “Majakowskring” und vorher schon über das Internet den sogenannten “Wahlkampfroman”.
“Jessica,30”, 2004 erschienen, auch ein Fund aus dem “Wortschatz” ist leichter zu lesen und verständlicher, als die “Schmerzmacherin” beispielsweise, bei der die obigen Argumente auch zutrafen. Dieser Monolog einer jungen Frau, die durch den Prater rennt, dabei ständig ans Essen, an den Sex und auch noch an literarische Theorien denkt, die sie im Kopf hat, liest sich sehr leicht herunter und der Entstehungsprozess ist mir als politisch engagierte Wienerin auch nicht unbekannt.
Habe ich 2000 in der “Viertagebuchfrau” ja auch einen Roman über die ersten hundert Tage von schwarz-blau geschrieben und die Monologform ist mir auch nicht unbekannt, auch wenn ich gerne zugeben, daß das Marlene Streeruwitz vielleicht etwas flotter als mir gelingt.
Jessica Sommer rennt also durch den Prater, sie joggt vor ihrem Volontariat in einer Frauenzeitschrift, die, wie mich Wilkipedia belehrte “News” oder “Woman” sein dürfte, ich gebe aber zu, daß ich diese Zeitschriften auch schon mal gelesen habe und ist geprägt von Schuldgefühlen, weil sie vorher eine Packung Möwenpic-Eis mit viel Schlagobers verzehrte und zwischendurch auch immer wieder resumiert, ob sie nach dem Joggen und bevor sie der Chefin Claudia ihre Konzepte unterbreiten wird, Sphagetti mit Butter und Parmesan oder doch lieber den gesünderen Salat verzehren soll?
Sie schreibt in ihrem Volontariat, Jessicia hat Germanistik und Philosophie studiert und ist in den Zeiten des Praktikums, die es offenbar schon 2004 gab, noch von ihren Eltern abhängig, Serien über Sex und an den denkt sie auch ständig.
Da gab es eine Wohngemeinschaft mit zwei Freundinnen in der Josefstädterstraße, jetzt wohnt Jessica allein und hat eine Beziehung zu einem ÖVP-Politiker, das Buch spielt in der zweiten Auflage von “schwarz blau” und Marlene Streeuwitz ist eine sehr pointierte und politische Autorin.
Jessica rennt also und denkt, ist ständig mit sich unzufrieden, dann fährt sie mit ihrem Auto nach Hause, um schnell zu duschen, bevor sie zur Redaktionssitzung geht.
Dann ist der erste Teil des inneren Monologs vorbei und in einem zweiten Kapitel ist Jessica schon zu Hause und wartet auf Gerhard den ÖVP-Politiker, verheiratet Vater von zwei Kinder, der immer erst nach seinen Sitzung zu ihrkommt und der hatte etwas mit ihrer Freundin Mia, beziehungsweise ist die dabei ein Buch über seine Sado-Maso-Praktiken, wie er sie ans Bett fesselte, beispielsweise, zu schreiben und Jessica resumiert darüber. Dann kommt der Gerhard mit einem veganen Würstel, das sie ihm in der Mikrowelle erhitzen soll und bekommt während des Sex mit ihr einen Anruf von seiner Frau, der er etwas vorliegt, um Jessica seinen Penis in den Mund zu stopfen, worauf sie ihn nach seinen Sexualpraktiken befragt und ihn von Mias Enthüllungen erzählt.
Im dritten Teil sitzt sie im Flugzeug nach Hamburg um einem “Stern-Reporter” ihre Recherchen zum Fall Hollitzer zu überbingen. Es gab da eine Sex-Orgie im “Panhans” mit slowakischen Prostituierten und denkt auch da an allerhand, wie zum Beispiels ans Begräbnis ihres Oknels, dem Flötenspiel der Frau Ex-Minister Gehrer und in welchen Sitzbezügen man die Essensflecken weniger bemerkt. Kommt vom Hundersten ins Tausenste und in Hamburg vielleicht endlich mal zu einer festen Stelle, obwohl die ja auch sicher nur mehr mit Praktikanten arbeiten.
“Eine eßgestörte, modegeile dumme Tussie diese Jessica!”, könnte man vielleicht sagen und “Ach, wie dumm sind doch die modernen Frauen, da bin ich doch viel intellektueller (und ich habe einmal an Uschi Fellner einen Brief geschrieben, wo ich mich über sie vielen spitzen Schuhe, die in ihrer Zeitung gezeigt wurden aufregte und keine Antwort bekommen)!”
Man hat aber trotzdem in aller Streeruwitzischer Überhöhung und Übertreibung einen spannenden Roman über das Leben in Österreich Anfang 2000 gelesen und einen Einblick in das politische und gesellschaftliche Klima dieser Zeit bekommen, kann vergleichen, was sich seither verschlechtert oder verbessert kann und so kann ich dieses Buch sehr empfehlen und freue mich auch schon auf das nächste “Nachkommen”, das bei S. Fischer im Juni erscheinen soll und bin gespannt wann und wo es zu mir kommt.

Bestes Hemma-Stück

Was tun an diesen Donnerstag, wenn es sowohl im Literaturhaus als auch in der Gesellschaft für Literatur kein Programm gibt und in der “Alten Schmiede”, in der ich diese Woche schon zweimal war, Franzobel mit der Schauspielerin Maxi Blaha, seiner Frau, sein Stück “Die Weibspassion. Ein Hemma-Spiel oder das beste Stück, da je geschrieben worden ist” liest?
Hingehen natürlich. Ganz klar. Nur bin ich kein so ganz besonderer Franzobel Fan und Theaterstücke mag ich auch nicht so sehr, schon gar nicht in ihrer Lesefassung.
Man soll aber über seinen Schatten springen, ich schreibe ja auch immer über meinen breiten Literaturgeschmack und es ist auch sicher interessant.
So war es dann auch. Und die “Alte Schmiede” nicht einmal zu voll, als ich sie um oder knapp nach sieben erreichte. Saß ich doch über meiner Steuererklärung, rechnete meine Jahresausgaben nach und mußte dann noch Milch besorgen.
So bekam ich meinen gewohnten Platz in der zweiten Reihe im Kellersaal. Hinter mir saß wieder Margit Heumann und unterhielt sich mit einer mir nicht bekannten Autorin über deren demnächst erscheinendes Buch.
Dann erschien Kurt Neumann mit den Vortragenden und erzählte, daß es sich bei dem Stück, um eine Auftragsarbeit der Gemeinde Gurk gehandelt hätte zum Jahrestag der Heiligensprechung und da fiel mir ein, daß es in Straßergasse, einmal eine Hemma gab und eine Lehrerin sie fragte, ob sie aus Kärnten käme?
Ist die Hemma von Gurk dort doch eine sehr berühmte Frau und so wurde im Dom zu Gurk und dann noch in Klagenfurt das Stück aufgeführt, das auch bei “Wieser” erschienen ist und in der “Alten Schmiede” gab es nun eine Leseuraufführung.
Nun könnte man auch sagen, daß mich Stücke über heilige Frauen auch nicht so besonders interessieren, als Wiener Arbeitertochter die sich schon ihr Programm für die nächste Woche macht, wenn sich dann der 12. Februar zum achtzigsten Mal jährt.
Aber dieses hier war interessant, denn Franzobel hat schon sehr gewaltige Sprache mit vielen interessanten Wortschöpfungen und er hat auch die Gegenwart einbezogen, läßt seine Protagonisten von Shakespeare sprechen, obwohl die Hemma ja zwischen achthundert und tausend geboren wurde und es da noch keinen Shakespeare gab.
Die Schauspieler schlüpfen auch immer wieder aus ihren Rollen und einen Joker, der verschiedene Rollen spielt, gibt es auch.
Franzobel und Maxi Blaha haben sich durch das Stück gelesen. Franzobel hat vorher wieder seine Bierflasche, offenbar sein Markenzeichen, aus dem Rucksack gezogen und wurde nachher zu dem Stück von Kurt Neumann befragt.
So erzählte er von den Legenden und das man gar nicht so viel über die heilige Hemma wüßte und auch nicht, ob sie wirklich zwei Söhne gehabt hat. Sie war jedenfalls mit einem Grafen verheiratet. Im Stück gibt es einen Bergarbeiteraufstand, den es vielleicht gegeben hat, wo die Söhne alles niedermetzeln, der Graf zieht dann nach Jerusalem oder Rom und die Hemma schenkt nach seinem Tod die Besitztümer der Kirche und geht ins Kloster.
Am Schluß des Stücks tritt dann noch ein Schauspieler auf und sagt, daß ihm die heilige Hemma vor einem Autounfall gerettet hätte. Eine Frau im Publikum fragte nach, Franzobel erzählte, daß er das so erfunden hätte. Na klar, Jörg Haider hat keinen Schutzengel gehabt, aber von denen gibt es wahrscheinlich gar nicht so viele.
Man kann das Stück im Buch nachlesen, wie Kurz Neumann betonte, der Franzobel auch nach anderen Aufführungen fragte. Aber die Theater nehmen eher Uraufführungen, damit die Kritiker und das Fernsehen kommen, ich sehe aber gerade in Wikipedia, daß das Stück im Juli im Steinbruch Lauster/Krastal aufgeführt werden wird. Dann fragte er nach dem etwas provokanten Namen. Der gehört offenbar zum Franzobelschen Selbstbewußtsein. Bei der Aufführung hieß das Stück aber ohnehin “Hemma – eine Gottesweibsperson”.
Interessant, interessant und wieder was gelernt. Ich war aber auch bei der Lesung des Stückes über den “Jungen Hitler”, habe Franzobel bei “Rund um die Burg” ein paar Mal gehört und das erste Mal von ihm gehört, als ich damals in der Jury des Nachwuchsstipeniums war. Da stand noch Franz Zobel in der Liste und ich dachte, ist das der Sohn vom Konrad? Dann kam der “Bachmann-Preis” 1995 und der schnelle Aufstieg. In einer Arztordination in Hietzing habe ich ihn einmal lesen gehört und auch als es im Literaturhaus eine Protestlesung bezüglich des Thomas Bernhards Testament gab, der ja diese Woche wieder in aller Munde ist und in der Früh von Cornelius Hell vor sieben zitiert wird und am Abend bei “Betrifft Geschichte” noch einmal.
Es war also ein sehr interessanter Abend. Bücher habe ich diesmal keine nach Hause gebracht.

Februar-MUSA

Im MUSA gibt es eine neue Ausstellung. Roswitha Ennemoser “Konkretisierung” und eine neue Veranstaltung der Literaturreihe mit den Stipendiaten Rosemarie Pilz und Daniela Wisser und ich bin nachdem es in dieser Ferienwoche, meines Wissens nach, außer der “Alten Schmiede” keine anderen Literaturveranstaltungen gibt, nach diesem verrückten Arbeitstag, wo die Klienten kamen, wie sie wollten und nicht, wie sie bestellt waren, gerne in die Felderstraße gegangen und es war, als ich das Museum erreichte auch schon sehr voll.
Eine ganze Menge junge Leute strömten hinein, der Lesungsraum war etwas umgestellt. Ich fand meinen Platz in der zweiten Reihe und den Chemiker, den ich immer in der Wien-Bibliothek treffe, etwas weiter hinten.
Rosemarie Pilz habe ich noch nicht gekannt, außer sie hätte bei den Studentenlesungen gelesen, ist sie ja eine Studentin der Sprachkunst und schreibt jetzt als Stipendiatin an einem Roman “Rushour in meinem Garten” heißt er, glaube ich, und Julia Danielczyck sprach in ihrer Einleitung von Burn oder Burn Out.
Dabei sind die beiden Protagonisten in ihrem Roman Stadtflaneure.
Bernhard heißt der eine, die Frau hat keinen Namen und sie erkunden die Stadt. Vom Stadtpark zum Donaukanal und dazwischen liegt Schönbrunn. Das alles erscheint mir sehr bekannt, aber ich habe keine so schöne Sprache, ich gebe es zu, denn die Beiden reflektieren auf höchster Ebene verwenden neue Worte und einen Plot, den gibt es nicht.
Das habe ich Rosemarie Pilz, die junge Frau mit den blonden Locken der grünen Bluse und dem blauen Rock, im Anschluß gefragt. Ob sich Roland Grenl auch im Publikum befand, es waren glaube ich ein paar Sprachkunststudenten da, nicht, das hat sich nicht ergeben und Daniel Wisser, der Canetti-Stipendiat, der der zweite Leser war, war mir wohlbekannt. Hat er doch einmal, vor Jahren bei Ilse Kilic im Amerlinghaus seinen bei “Ritter” erschienenen Roman vorgestellt, bei dem es um ein Haus und um seine Bewohner ging, was mir sehr realistisch schien.
“Das kann ich auch!”, habe ich wohl gedacht und eines meiner Manuskripte hingeschickt. Aber “Ritter” war und ist ja ein sehr experimenteller Verlag und Daniel Wisser hat dann in Klagenfurt gelesen und stellte jetzt sein wahrscheinlich zweites “Klever-Buch” vor, denn Ralph Klever hat ja seinen eigenen Verlag gegründet und das, was es zu hören gab, war sehr interessant.
“Ein weißer Elefant” heißt es und Julia Danielczyck hat es mit Thomas Bernhard verglichen, der diese Woche ja in aller Munde ist, weil nächste Woche sein fünfundzwanzigster Todestag.
Da sprich ein Ich zu einem andereren. Ein Ausgegrenzter, der in ein Kammerl abgestellt wurde, einmal in den höchsten Etagen der IT-Braanche, da hat er selbst ausgegliedert, dann lud ihn der Senior ein, sagte “Es tut mir leid, aber Sie wissen ja!” und er antwortete nein, zu den gebotenen sechzig Prozent, denn “Ich habe drei Kinder!” und dann hält er einen großartigen Monolog, fast so gut, wie der alte Meister, der ja auch großartig war, obwohl der mir inzwischen zu negativ ist.
“Das ist eine Post-Satire!”, dachte ich, die ich ja in der “Sophie Hungers” dieses Thema angeschnitten hatte. Aber ich weiß schon, ich bin nicht so sprachlich brillant.
Julia Danielczyck natte es dann auch Satire. Daniel Wisser widersprach und meinte, daß die beiden in dem Kammerl nicht nur Opfer wären. die Realistin in mir meinte, daß sowas ja nur den pragmatisierten Beamten passieren könne, aber die Literatur ist ja immer anders und sehr abgehoben und die Realität ist ohnehin verrückt genug, daß man arbeitsfähige Leute in einen Pool sperrte, weil sie einem zu teuer sind. Nun ja, nun gut, Daniel Wisser ist ein großartiger Schreiber. Schade, daß er damals in Klagenfurt nicht gewonnen hat. Dann war es aus, beziehungsweise gab es wieder Brot und Wein. Ich habe Ottwald John begrüßt und Margit Heumann und freue mich auf ein interessantes Buch, das demnächst zu mir kommen wird. Ein Internetroman aus einem Internetverlag.
Jutta Pivecka hat mir “Punk Pygmalion” angeboten, das im Blog “gleisauarbeiten” entstanden ist, den ich in der Nähe der Lit-Blogs über die Christiane Zintzen regelmäßig berichtet, ansiedeln würde.
Ich bin gespannt und es war heute ein sehr experimenteller Abend im MUSA, der sich im März, wie Julia Danielczyck schon ankündete, mit Lisa Spalt fortsetzen wird, was ich noch einmal sehr spannend finde.
Und hier für alle Interessierten kommt noch mein persönliches MUSAArchiv.

30 Jahre Zwischenwelt

Im April 1984 wurde die Zeitschrift “Mit der Zieharmonika” für” Kultur des Exils und des Widerstands” von der “Theodor Kramer-Gesellschaft, die inzwischen “Zwischenwelt” heißt, gegründet und heute in der “Alten Schmiede” das Jubiläum gefeiert.
Daher war es noch voller in der “Zeitschriftengalerie”, so daß es mir, die ich dort ja meistens in der zweiten Reihe sitze, schwer fiel einen Platz zu bekommen. Konstantin Kaiser, Evelyn Adunka, Julian Schutting, Richard Wall, Vladimir Vertlib, Christel Fallenstein, Julia Danielcicz, Andrea Pauli, Eva Brenner ist später gekommen und und und
Ein junger Mann von der “Alten Schmiede” eröffnete und übergab Konstantin Kaiser das Wort, der auf den amphibienhaften Mix zwischen Kunst und Wissenschaft, der aber nie wie das Chamäleon die Farbe wechselt hinwies und auf das neue Heft, das dem Exil in Brasilien gewidmet ist und das ich gestern bekommen habe, sowie, daß 1984 noch viele, die in den Widerstand und ins Exil gegangen sind, gelebt und geschrieben haben, während inzwischen viele junge Leute in der Zeitschrift publizieren.
Eine davon, die 1996 in Dornbirn geborene und mit Deutsch und Hebräisch aufgewachsene Maya Rinderer, die schon einen Holocaust-Roman und einen Gedichtband veröffentlicht hat, begann mit einer Geschichte, die auch in der Zeitschrift abgedruckt ist.
“Der verrückte Elefant”, in der sie berichtet, wie sie offenbar bei einem Besuch in Israel im Spital ihre Großmutter besucht.
Dann folgte Alexander Melach, der Sohn von Friedl Hofbauer, die ich einmal im Zuge meiner Dissertation in ihrer Grinzinger Gemeindebauwohnung besuchte und die auch am Anfang in der “Ohrenschmaus-Jury” war und dem Schriftsteller Kurt Mellach, der mit seinen “Beschreibung von Schattenbildern” auch in der Zeitschrift enthalten, erzählte, wie das ist, als Kind zweier Schriftsteller und unter lauter Worten, die einen einengen und die natürlich schön sein müssen, aufzuwachsen. Dann hat er eine Geschichte für die Aufnahme an der Filmakademie gebraucht und ließ seine Eltern erzählen. Der Vater war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon gestorben.
Schön chronologisch ging es weiter, nämlich mit den Gedichten der 1927 in Lodz geborenen und 1991 in Wien gestorbenen Tamar Radzyner, die von Andrea Pauli, wie, glaube ich, schon bei dem “Zwischenwelt-Verlagsfest” im Sommer in der Kreisky-Villa gelesen wurden.
Dann gabs ein Gespräch mit der Tochter, die erzählte, wie es für ihre Mutter war, in Wien Fuß zu fassen, auf Deutsch zu schreiben und auch Chansontexte für Georg Kreisler und Topsy Küppers zu verfassen. Einen eigenen Gedichtband gibt es noch nicht, den hätte es einmal geben sollen, jetzt bringt ihn die Edition Zwischenwelt auch demnächst in ihrer neuen Lyrikreihe heraus.
Denn die Gedichte waren sehr berührend und eine Diskussion mit den drei Autoren gab es auch, bevor Richard Wall den Herausgebern für die schöne Zeitschrift dankte.
Konstantin Kaiser zählte das Redaktionsteam auf und lud dann noch alle ein mit ins Wirtshaus zu kommen, aber ich bin lieber bloggen gegangen und drei Bücher haben auf den Weg in die “Alte Schmiede” wieder den Weg zu mir gefunden.
Darunter das, der Büchner-Preisträgerin Felizitas Hoppe “Johanna”, obwohl mir deren “Picknick der Friseure”, das ich in den Weihnachtsferien gelesen habe, gar nicht so gefallen hat. Und ein sehr ästhetisch aussehendes weißgestreiftes Bändchen, um zwei Euro mit den “Schönsten Erzählungen von Charles Dickens” und dann noch zu der Veranstaltung nicht ganz unpassend Steven Blooms “Die menschliche Schwäche”.
Jetzt muß ich das alles noch lesen. Das “Zwischenwelt-Heft” habe ich heute Mittag zwischen Ärger mit dem Verein und meiner Nachmittagsdiagnostik auch nur ganz kurz überflogen. Dabei gibt es darin noch sehr viele andere interessante Texte. Darunter einen Artikel über Lili Körber”, deren frühes Buch über den Anschluß ich ja gelesen habe, von der Feministin Brigitte Lehmann, mit deren Schwester Rita, ich mich einmal für manche Psychologieprüfungen lernte.

Von Gertrude Stein zu Betty Paoli

Diese Woche werde ich, ferienbedingt, wohl hauptsächlich in der “Alten Schmiede” verbringen und da gab es Montag gleich zwei Veranstaltungen, nämlich eine “Stunde der literarischen Erleuchtung”. wo schon eine ganze Menge Leute vor der Türe standen, als ich die “Zeitschriftengalerie” erreichte.
“Ist es so voll?”, fragte ich den Rudi Pollak.
“Das sind die Raucher?”, antwortete er.
Es waren aber Herbert J. Wimmer, Christine Huber,Evelyn Holloway, Dorothea Macheiner und noch eine Reihe anderer Leute da.
Der Verleger der “Editon Korrenspondenzen” saß neben mir und Barbara Köhler stellte die von ihr übersetzten Bände der Autorin vor, von der ich ganz ehrlich nur “a rose is a rose is a rose” kenne und, daß Friederike Mayröcker gelegentlich über sie schreibt. Trotzdem sollte ich Christel Fallenstein erst später im Keller treffen und Barbara Köhler, die eine ganze Reihe Bücher vor sich aufgebaut hatte, Kurt Neumann hat von einem Projekt gesprochen, begann auch gleich mit diesen Zitat und erläuterte, daß es davon eine Reihe von Fassungen gäbe.
Gertrude Stein ist, habe ich nachgegooglet, am dritten Februar 1874 in Pittsburgh geboren, hat also heute Geburtstag und starb 1946 in Paris.
Schriftstellerin, Verlegerin, Kunstsammlerin steht noch dabei.
Von Barbara Köhler gibt es offenbar die Übersetzung von “Tender buttons”, “Neufundland” in der Edition Korrespondenzen” und “Stanzas in Meditation” die dem Abend gewidmet waren.
Barbara Köhler, die Übersetzerin aus Duisburg erwähnte noch etwas, das sie zeitgleich mit der Autobiografie von Alice B. Toklas erschienen sind, aber in einem anderen Stil geschrieben wären, baute dann zum besseren Verständnis Kärtchen auf und begann die Stanzen zuerst auf Englisch, dann in ihrer Übersetzung vorzulesen.
Dann kam noch ein Essay über die Schwierigkeiten des Übersetzen und eine lange Pause, denn die nächste Veranstaltung, die Buchpräsentation von Claudia Erdheims “Betty, Ida und die Gräfin. Die Geschichte einer Freundschaft”, fand erst eine Stunde später statt.
Seltsamerweise hat der Prissnitz-Preisträger Michael Hammerschmid den historischen Roman eingeleitet und die Autorin, die ich auch am Donnerstag in der Wien Bibliothek gesehen habe und auch sonst öfter wo treffe, hatte zwei Freundinnen mitgebracht, die die Lesung filmten.
Christel Fallenstein kam, wie erwähnt und Helene Hofmann, der ich früher, als sie noch in Salzburg war, gelegentlich Texte schickte und eine Reihe anderer Personen, obwohl es, wie Claudia Erdheim erzählte, am 12. November schon in der Wien-Bibliothek eine große Präsentation gegeben hat. Da war ich in Ungarn.
Also war es für mich eine Premiere und von der 1945 geborenen Autorin, von der ich glaubte, daß sie die Tochter eines bekannten Psychoanalytikers ist, jetzt lese ich aber in Wikipedia, die Psychoanalytikerin war die Mutter und Mario Erdheim offenbar der Bruder, habe ich “Karlis Ferien” auf der Leseliste. War einmal bei einer Buchpräsentation beim “Amadeus” auf der Kärntnerstraße, den es, nicht mehr gibt, da habe ich ihr, glaube ich, wegen irgendetwas widersprochen.
Als ich beim “Dichterfasching” in der Gesellschaft der Literatur ein Stück aus dem “Wiener Stadtroman”, nämlich die wo der Johannes Teufel, einen Vortrag in der Sigmund Freud Gesellschaft hält, gelesen habe, hat sie mich darauf angesprochen. Die “Podium-Sopmmerlesereihe” hat sie, glaube ich, auch eine Zeitlang organisiert und einmal auch etwas gelesen, wo eine Weinmarke vorgekommen ist und dazugesagt, daß sie von dem Winzer wegen der Erwähnung des Namens, ein paar Flaschen präsentiert bekommen hat.
“Längst nicht mehr koscher”, war ihr letztes oder vorletztes Buch und jetzt den historischen Roman über die Lyrikerin Betty Paoli, 1814 in Wien geboren, also auch ein Geburtstagskind, die mit Marie Ebner von Eschenbach und Ida Fleischl befreundet war.
Michael Hammerschmid hat in seiner Einleitung auf die drei Biografien hingewiesen und erwähnt, daß man in dem Buch viel über die Medizin, die Literatur und das Leben dieser Zeit erfahren würde. Dann hat sich Claudia Erdheim durch das Buch durchgelesen. Das erste Kapitel heißt “Betty” und die ist entweder die natürliche Tochter eines Militärarztes oder des Fürsten von Esterhazy, wie in Wikipedia steht. Hat in mehreren Häusern als Gesellschafterin gearbeitet und dann Ida Fleischl kennengelernt, in deren Haus sie später wohnte. Es gibt auch Kapiteln über die Dienstmädchen dort, zum Beispiel über die Köchin Helene und es wird beschrieben, wie die zum Markart-Umzug auf die Ringstraße geht.
Marie Ebner von Eschenbach, die Gräfin, hat den Auftrag für ein Schiller Stück bekommen und Betty Paoli war eine sehr strenge Kritikerin und hat einen eher konservativen Literaturgeschmack gehabt, sich aber sehr für die Frauenemanzipation und die Mädchenbildung eingesetzt. Die Damen spielten Karten, eine Affaire hat es auch gegeben und am Schluß hat Marie Ebner von Eschenbach das “Gemeindekind” geschrieben, das auch auf meiner Leseliste steht.
Michael Hammerschmid fragte Claudia Erdheim, wie sie zu ihrem Stoff gekommen ist und Claudia Erdheim erwähnte die Briefe, die es in der Wien-Bibliothek gäbe und die Tagebücher. Ursprünglich wollte sie eine Biographie über eine Person des neunzehnten Jahrhunderts schreiben, ist dann auf das Tagebuch der Köchin Helene gestoßen und so auf die Idee der Frauenfreundschaft gestoßen.
Christel Fallenstein, die vor mir saß, hat mir noch eine Biografie von Eva Geber über Betty Paoli gezeigt und am Schluß hat Claudia Erdheim noch ein Gedicht gelesen und dazu gesaßt, daß Betty Paoli, die zu ihren Lebzeiten sehr berühmt gewesen wäre, mit Grillparzer waren die Damen, glaube ich, auch befreundet, eine Romantikerin gewesen wäre.
Wieder was gelernt, obwohl, glaube ich, bei dem Archiv-Symposium im Juni auch von einem Ebner-Eschenbach Briefwechsel gesprochen worden ist und Bücher habe ich mir auf dem Weg zu “Alten Schmiede auch wieder gekauft.
Denn beim “Morawa” gibt es endlich einen Abverkauf, so daß ich meine Vorsätze wegen Bücherbeschränkung und nie wieder ein Buch, wohl endgültig über den Haufen geworfen habe.

Katzenfasching feiern

Waltraud Zechmeister, Manfred Loydolt, Jörg Liebscher

Waltraud Zechmeister, Manfred Loydolt, Jörg Liebscher

Ingrid Jantzen, Emilie Locatin, Susanne Schneider

Ingrid Jantzen, Emilie Locatin, Susanne Schneider

Im Lesetheater scheint es viele Katzenfreunde zu geben. Rolf Schwendter war einer, Susanne Schneider und wahrscheinlich noch viele andere und so gibt es den “Katzenfasching”, organisert von Susanne Schneider und Helga Eichler jetzt schon das sechste Mal.
Beim zweiten habe ich die “Kätzin Murana” dort gelesen, einen Text den ich dafür oder für eine Uni-Protestlesung, so genau weiß ich es nicht mehr, geschrieben habe und jetzt hat mich Susanne Schneider wieder eingeladen mitzumachen, was mich ein bißchen in Verlegenheit brachte, weil ich erstens kein so besonderer Katzenfan bin, die Leute, die ihre Katzen als die Herren ihres Hauses bejubeln, nicht so ganz verstehe und zweitens auch den Fasching nicht so feiere und mich nicht gern verkleide.

Richard Matula, Ingrid Jantzen

Richard Matula, Ingrid Jantzen

Eva Jancak

Eva Jancak

So habe ich eine Zeitlang nicht gewußt, welchen Text ich dafür schreiben soll, bis mir Rolf Schwendter eingefallen ist, dem ich damit sozusagen einen zweiten Nachruf widmete. Einen ersten Schwendter-Text habe ich ja schon fürs letzte Volksstimmefest geschrieben und ihn bei der “Poet-Night” noch einmal gelesen.
Den Text habe habe ich dann kurz vor Jahresende geschrieben und zu Silvester in den Blog gestellt, vor ein paar Tagen habe ich ihn dann noch einmal überarbeitet und bei den Sachen, wo ich mir vorstellen könnte, daß Rolf Schwendter einen Text dagegen hätte, noch das Wort “Akademikerbälle” eingefügt, denn da gab es ja letzte Woche einen, der sehr viel Aufsehen und Unmut erregte und einen großen Polizeieinsatz nötig machte.

Ottwald John

Ottwald John

Si. Si. Klocker

Si. Si. Klocker

Das war beim Katzenfasching im Pelikanstüberl im Gasthaus Sittl natürlich anders. Da war nur wieder faschinghaft geschmückt und die Katzengilde, wo der “Katzenkönig Rolf I von Kassel-Katzenstein fehlte, aufgereiht. Christa Kern, an deren Katzengesicht, ich mich noch vom letzten Mal erinnern konnte, war diesmal auch nicht da.
Die Eröffnungsworte von Susanne Schneider und ihre Erinnerung an Rolf, habe ich versäumt, als ich kam, lasen schon die Lesetheaterfrauen Judith Gruber-Rizy, Heidi Hagl, Angelika Raubek und dann noch Angelika Mairose-Parovsky einen Text, wo eine Katze sich ihren Mensch erzieht.
Werner Grüner saß auch am Ehrenpodium und hatte sich zuerst als Scheich verkleidet, später trug er ein Kappel mit Hammer und Sichel und las auf Sächsisch, glaube ich, einen Katzentext von Kurt Tucholksky vor.
El Awadalla folgte mit einem Auszug aus ihrem “Kaninchenkrimi”, wo die Hasen, die Katzen für dumm erklären und dann noch einen U-Bahn und einen AKH-Dialog.
Dann folgten Hanna Held und Hahnrei Wolf Käser, der diesmal überhaupt sehr viele Sketches beigesteuert hatte, die später noch von anderen gelesen wurden.
Helga Golinger hatte einen Text von Karel Capek, den ich ja erst vor kurzem gelesen habe, in dem es um eine wunderbare Katzenvermehrung ging und dann noch einen von Luigi Malerba, wo eine faule Katze in eine Mausefalle gerät.

Si. Si. Klocker

Si. Si. Klocker

Dann kamen noch Manuel Gierisch und Renate Woltron, mit einer “Katzendiät”, sowie Alexander Marcks, der mit fulminanter Lautstärke einen Text las, wo einer vom Theater aus, den Schlüßel für seine Nachbarn organisieren soll und dabei in größere Turbulenzen kommt. Alfred meint, daß Harry Rowohlt diesen Text damals in St. Pölten gelesen hätte. Ich kann mich aber nicht mehr daran erinnern, ihn schon gehört zu haben. Dann kam schon ich mit meiner Lesung, die etwas weniger lustig war, aber wieder gut angekommen ist.
Gerald Jatzek hatte zwei Katzensongs “Karoline Katzenfrau” und “The cat came back”, die er vielleicht auch schon beim letzten Mal gesungen und die erblondete SISI Klocker mit Katzenohren hatte eine ebenso fulminante “Kleine Katzengeschichte”, wo sie die Katzen zur Revolution aufrief und erklärte, wie oft sie schon die Menschen gerettet hätten.
Rose Proszowski folgte mit Jutta Treibers “Katzenmonster. Dann kam Helga Schwaiger, bevor es wieder musikalisch wurde und Manfred Loydolt “Die Katz kam zurück” sang und dann noch Kater Rolf gedachte.
Christa Meissner hatte Katzenhaikus und Susanne Schneider las dann mit Jörg Liebscher einen Text wo sich eine Katze von Venedig über die Seidenstraße nach Peking träumt. Dann reimte noch Jörg Liebscher von einer “Roten Katze”. Ingrid Jantzen sang Katzenlieder bevor Christa Mitaroff mit den “Pussy Riots” endete.
Danach rauchte der Kopf und man hatte wieder viel von Katzen und ihren Liebhabern gehört, ein paar begeisterte Miau Miau Refrains hat es zwischendurch auch immer wieder gegeben und viele Katzentücher und Katzenbroschen und Kekse in Katzenform sind auch auf den Tischen aufgelegen.

Wochenendgeflüster

Ein Wochenende in Wien im Bett und in der Badewanne, da es ja am Abend ins Gasthaus Sittl beziehungsweise ins Pelikanstüberl zum sechsten Wiener Katzenfasching geht, wo ich Rolf Schwendter in Katzenform wiederauferstehen lasse und obwohl ich eigentlich die “Dreizehn Kapitel” durchsehen sollte, ist vielleicht auch Zeit über die Woche zu berichten.
Denn ein bißchen was Literarisches ist da ja geschehen. So hat sich beispielsweise Margit Kröll bei mir gemeldet, um mich wieder zum Literaturslam der fünften “Anderen Buchmesse”, die wieder nach der GV der IG-Autoren, Ende Februar stattfinden wird, einzuladen.
Und ich habe obwohl die letzten drei Male dort ja immer junge Schauspieler, die gut vortragen konnten, mit ihren lustigen Tiergeschichten gewannen, die mir nicht unbedingt am literarischsten erschienen, gewannen, wieder zugesagt, mein “Gruftiemädel” dort zu lesen.
Denn ich lese ja sehr gern und denke immer, es müßte ja einmal klappen, auch einmal zu gewinnen, obwohl dort vielleicht nicht der richtige Ort für meine Texte ist.
Aber was weiß man schon so genau und wo ist der überhaupt? Heute Abend beim “Katzenfasching” vielleicht, über den ich sicher berichten werde.
Ansonsten habe ich in meiner Praxis diese Woche relativ viel zu tun gehabt und gestern, nach einigen Stunden und einer Diagnostik auch noch abgerechnet, so daß ich mit den Korrigieren nicht wirklich weit gekommen bin. Vielleicht trödle ich auch noch immer oder denke, es ist ohnehin schon egal oder “Schreibe nicht soviel!”
Obwohl die Idee für etwas Neues, kam mir vorhin in der Badewanne, beziehungsweise ist das eine Neuauflage meiner gehabten Themen, so daß ich mir in mein Notizbuch das Szenario einer Eja oder Emma Augustin 60 aufschreiben werde, depressviv, vielleicht hat sie auch Alzheimer und sie hat drei Freunde, bzw. Figuren früheren Texte, die Schreibtrainerin Fritzi Jelinek, den Psychiater Theo Hardenberg, die Lebenskünstlerin und obdachlose Sandlerin Felizitas Fee und dann ihre Bücher und das Internet, als einzigen Kontakt und durch die liest sie sich, erlebt den Alltag und bekommt vielleicht auch noch Kontakt mit M.K. einen pensionierten Literaturmenschen.
Auch nichts Neues, aber etwas, was sich vielleicht als Idee verfolgen lassen könnte, solange ich noch dahin trödle und da bin ich diese Woche, angeregt, durch das Radiokolleg in Ö1, sehr bald zu You-Tube Filmen über “Alzheimer” gekommen, von denen sich im Netz einige sehr Gute finden lassen. Und das ist ja ein Thema das mich sehr interessiert.
Bei den Bloggern erregte dagegen Henning Mankells Krebsdiagnose und die Tatsache, daß der schon ein paar Tage nach dem Erhalt der solchen darüber schreibt, teilweise Unmut.
“Ja, darf er denn das und interessiert uns das? Wollen wir das hören?”
Lautete eine Frage der Blogger und ein FAZ-Journalist hat sich, glaube ich, auch einmal geoutet, das er das nicht will.
Mich regt das immer etwas auf und erinnert mich daran, das ich, noch als Studentin, mich um Opernkarten anstellte und sich da jemand aufregte, daß sich Erwin Ringl mit seinem Rollstuhl auf die Opernbühne fahren ließ, um dort über seine MS oder auch über Opern zu erzählen.
Das macht Angst und erzeugt Abwehr und und empfindet es vielleicht deshalb als Belästigung. Das verstehe ich schon, obwohl mich solche Outings immmer sehr interessieren und ich mich auch beruflich sehr viel mit diesen Themen beschäftige, so daß ich eigentlich nicht wirklich nachvollziehen kann kann, wenn jemand etwas über Krebs und Alzheimer nichts hören will.
“Verdrängt nicht so!”, würde ich am liebsten antworten. Oder auch “Seien wir nicht so egoistisch!”
Wenn es Henning Mankell hilft, über seinen Krebs zu schreiben, soll er das tun. Ist das ja das, was er am besten kann und wer es lesen will, kann es. Es muß ja keiner tun.
Auch wenn es schon stimmt, daß nur die Priveligierten den Zugang zur Feder haben und ihre Krise vielleicht dadurch bewältigen, während die anderen offenbar verdrängen.
Ob mir die Berichte anderer bei einer eigenen Bewältigung helfen würde, weiß ich nicht, aber ich würde auch darüber schreiben und die “FAZ würde es nicht drucken”, habe ich auf einen Blog kommentiert.
Ja, ja das Leben ist ungerecht. Aber das Schreiben ist sicher eine gute Therapie und es ist auch sehr erstaunlich, was man alles über “Alzheimer” im Internet finden kann.
Das lenkt mich zwar vom Korrigieren ab, hilft mir aber vielleicht beim nächsten Projekt. Vielleicht finde ich da aber auch ein etwas weniger abgelutschtes Thema.
Wie schon geschrieben, für Hinweise, Ideen und Anregungen, bin ich dankbar. Aber da geschieht bei mir ja nicht viel. Obwohl ich diese Woche einige Kommentare bekommen habe und auch Adressantin einer Autorin wurde, die ihr Buch der Bloggergemeinde anbot und da sehr selbstbewußt Werbung für sich machte.
Ich habe da ja keine Berührungsängste, obwohl ein Buch über den Einsatz der Kobra vielleicht nicht zu meinen bevorzugten Lesegebieten gehört. Oder doch natürlich, bin ich ja politisch interessiert und zu sehen, wie die Polizeispezialgruppen ausgebildet werden und, wie sie arbeiten ist sicher interessant.
So geht es also dahin, ein wenig faul und lustlos, aber vielleicht muß ich erst Kräfte sammeln, bevor mir der nächste Wurf gelingt und wenn ich blogge, schreibe ich ja auch und, daß ich zuviel und zu schnell schreibe, höre ich ja öfter.
Vielleicht ist ein bißchen trödeln also gut, obwohl ich da sicher aufpassen mjuß, da mich ja niemand aus dem Loch, in das ich fallen könnte, herausholt. Das muß ich schon selber tun!