Pen-Club zum Frauentag

Der PEN-Club bei dem ich nicht Mitglied bin, erstens würde der mich mit meinen selbstgemachten Büchern nicht nehmen, allerdings hätte ich da ja noch zwei Verlagsfachbücher, eines in einem Kleinverlag und eine Menge Texte in Anthologien, aber ich bin Mitglied der GAV, die sich 1973 als Alternative zum PEN-Club gegründet und eine Ausschlußklausel hat, hat einige interessante Veranstaltungen, so zum Beispiel, das “Writers in Prison-Programm”, das glaube ich, jetzt die IG-Autoren betreuen und seit zwei Jahren auch eine Veranstaltung zum Frauentag und zu dieser ist eine Einladung zu mir gekommen. Ich weiß gar nicht, wer sie mir geschickt hat. Aber ich kenne auch einige PEN-Mitglieder und war auch schon ein paar Mal bei diesbezüglichen Veranstaltungen, beziehungsweise im Presseclub-Concordia, wo die heutige Veranstaltung stattfand und einmal hat mir und der Ruth Aspöck, ich glaube, es war im Jahr 2000, der damalige PEN-Präsident das Büro gezeigt.
Der jetzige Präsident ist Helmuth A. Niederle, der früher in der “Gesellschaft für Literatur” tätig gewesen ist.
“muleries mudi” hieß die Veranstaltung, die um elf im Presseclub-Condordia begann, mit drei Blöcken, sieben Autorinnen, die von der ganzen Welt kamen, kleinem Buffet, Presse Orf, wie noch im Programm stand.
Peter Paul Wipplinger, inzwischen auch GAV-Mitglied habe ich als erstes gesehen und dann Judith Grohmann, die ich dazu eingeladen habe, weil sie Anschluß im Literaturbetrieb sucht, Dorothea Macheiner, eine Autorin mit der ich bei der IG-GV gesprochen habe, Susanne Dobesch, die Generalsekretärin, den Löcker-Verleger und und und.
Helmuth A. Niederle hat eingeleitet, erzählt, daß das Motto im Vorjahr “Time to day:No” war, jetzt eben “mulieris mundi” und die Kenianische Autorin Philo Ikonya, die seit einigen Jahren in Oslo lebt und Gedichte von Lyrikerinnen aus aller Welt sammelt, begann, in dem sie mit starker Stimme einige dieser Texte las, die glaube ich in ” Black Ophelia” gesammelt werden.
Dann folgte Dorothea Macheiner eine reisende Frau, die sehr oft allein die Mittelmeerländer und den arabischen Raum bereist und darüber schon viel geschrieben hat. Ihr neues Buch, ist wie das der Ruth, vor kurzem bei “Löcker” erschienen, enthält zwei Erzählungen und “Djerba, la Douce Rommel.Stille” und scheint sowohl von ihren Tuniesienreisen, als auch von ihrer Geburt im Linzer Krankenhaus im Jahre 1943, wo man die Mutter fast verstümmelt hat, zu handeln.
Mich hat da sehr beeindruckt, das bei “Löcker” zur selben Zeit Texte mit sehr ähnlichen Themen, nämlich das Leben im und nach dem Krieg behandelt, aber bei Dorothea Macheiner, ist das glaube ich nur ein Teil des Buch. Ihr Vortrag hat mir aber sehr gefallen, leider dürften die Zuhörer schon sehr hungrig gewesen zu sein, so daß sie sie durch Klatschen beim Weiterlesen abbrachen, obwohl sie mit dem Lesen noch nicht fertig war.
Der Verleger sagte mir aber, daß sie das Buch gemeinsam mit der Ruth im April in Linz vorstellt und er sich schon sehr auf die zwei Lesungen freut.
So gab es die Pause etwas früher, das Buffet, Brötchen und Kuchen von einem Sozialprijekt, zu je zwei Euro fünfzig zu kaufen, war noch nicht ganz aufgebaut, so bin ich rasch zum Mc Donald auf einen Cheeseburger, eine kleine Portion Pommes Frites und einen Cafe Latte gegangen, habe dann eine literarisch interessierte Zuhörerin kennengelernt und Judith Grohmann bei ihrer Buchpromotion beobachtet.
Dann gings weiter mit Etela Farkasova aus der Slowakei, die auch ein neues Buch vorzustellen hatte, das in der “Edition PEN” erschienen ist, aber auch etwas zu der Situation der Frauen in der Slowakei erzählte. Sie war eine Universitätslehrerin und erzählte in ihrer Erzählung auch von einem Tag einer solchen.
Dann gings zu Ishraga M. Hamid, im Sudan geboren, die aber in den Neunzigerjahren nach Österreich kam, dort Kommunikations- und Politikwissenschaften studierte, bei “Milena” und anderen Verlagen veröffentlicht hat und jetzt an einer Autobiografie schreibt.
Ich habe sie, glaube ich, im Jahr 2000 durch einen Text in der “Milena-Widerstandsanthologie” gemeinsam mit Nahid Bagheri-Goldschmied kennengelernt, die, wie ich auch einen Text in dieser Anthologie hatte und die ich 20001 zum “Tag der Freiheit des Wortes” eingeladen habe.
Inzwischen publiziert sie bei der “Theodor Kramer Gesellschaft” und ist in der zweiten Pause gekommen. Da kamen auch die beiden Argentinierinnen, die im dritten Block vorgestellt wurden. Wo Erna Pfeifer von der Franzens-Universität in Graz, zuerst ein Referat über jüdisch-argentinische Autorinnen hielt und von ihrer doppelten Emmigration erzählte. Als Kinder sind sie oder ihre Eltern nach Argentinien gekommen und nach dem Militärputsch sind viele von ihnen, die ohnehin Probleme mit ihrer jüdischen Identität hatten, wieder nach Spanien oder Paris emgigriert.
Erna Pfeifer will eine Anthologie mit Texten von einigen dieser Autorinnen herausgeben und zwei davon hat sie dann vorgestellt, nämlich Diana Raznovich, deren Großeltern sogar aus Wien gekommen sind, die eine berühmte Cartonistin ist, jede Woche einen Cartoon in einer argentinischen Zeitung hat und ein Referat über Humor hielt und Luisa Beatriz Futoransky, eine Lyrikerin, die inzwischen in Paris lebt und die kurz über ihre literarischen Vorbilder, nämlich Sylvia Plath, Elsa Laska-Schüler und Janet Frame berichtete.
Nachher gab es noch die übrigen Brötchen und der Vortragssaal hatte sich sehr geleert, es war aber eine sehr interessante Veranstaltung zum Frauentag, an dem es noch weitere interessante Veranstaltungen gibt, so spricht glaube ich gerade in Ö1 Ebva Geber und es gibt auch ein Buch zur Geschichte der AUF, das nächste Woche in der Hauptbücherei vorgestellt wird, in dem die Ruth, die Hilde Langthaler und noch andere Autorinnen Texte haben.

MUSA im März

Heute wieder eine “Literatur im MUSA” Veranstaltung, zu der ich ja bevorzugt gehe, weil es mich interessiert, an wen die Stadt Wien ihre Stipendien und Preise vergibt, obwohl ja Angelika Reitzer, glaube ich, ihre Abschlußveranstaltung der Reihe “Wie im echten Leben” in der “Alten Schmiede” hatte, aber ihr neues Buch “Wir Erben”, das in der “Alten Schmiede” vorgestellt werden wird, wenn wir in Leipzig sind, habe ich schon bekommen. Der “Jung und Jung-Verlag” ist da sehr schnell, während sich Dietmar Ehrenreich bezüglich des neuen Stabauers viel mehr Zeit zu lassen scheint.
Also wieder in die in das “Museum auf Abruf”, nachdem ich am Nachmittag, die sechs Szenen, die ich bezüglich “Anna kämpft gegen das Vergessen” schon habe, korrigierte, um mir danach noch einmal “Stiller Abschied”, den Alzheimer-Film mit Christiane Hörbiger und die Diskussion darüber anszuschauen.
Heute waren Lisa Spalt und der Dramatiker Ewald Palmeshofer an der Reihe und es wurde zum ersten Mal mitgefilmt. Wieder einige bekannte Gesichter, der Chemiker, der auch bei meinem Geburtstagsfest war. Hermann Hendrich, Wolfgang Helmreich, der mir das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” abkaufte, Gabriele Petricek mit der ich diskutierte, ob man sein Alter bekanntgeben soll oder nicht und und und.
Lisa Spalt die erste Leserin und “Canetti-Stipendiatin”, hat ja ähnlich wie Julya Rabinowitsch einen Aufstieg in der Literaturszene gemacht. Kenne ich sie ja aus der “Fröhlichen Wohnzimmer-Umgebung” und den xxx-small Veranstaltungen, dann hat sie in Rauris einmal gewonnen, ihren experimentellen Romane “Blüten” und “Dings” herausgebracht und war im Literaturhaus bei den “Auftritten”.
Jetzt hat sie einen experimentellen Text namens “Ameisendelirium” vorgestellt, dazu Zeichnungen und ein Video präsentiert und Ewald Palmetshofer, 1979 in Linz geboren, hat ein Dramatikerstipendium der Stadt Wien gewonnen, war schon sehr früh “Dramatiker des Jahres” und Autor in Residenz im Schauspielhaus, hat Stücke wie “Hamlet ist tot” und “faust hat hunger und verschluckt sich an einer Gräte” etc geschrieben, unterrichtet Dramatischen Schreiben am Lehrgang für Sprachkunst und beim dortigen Symposium habe ich ihn, glaube ich, auch kennengelernt.
Er hat eine Lesefassung seines Work in Porgess “Die Unverheiratete oder Orest ist ungeboren” vorgestellt und da hat mich der Dramatiker durch seine epische Form, die mich sehr stark an Anton Wildgans “Kirbisch” erinnert hat, sehr überrascht.
Dabei geht es um einen Entnazifizierungsprozeß, der 1947 im Landesgericht stattgefunden hat und um die Elektra-Problematik.
Julia Danielcyck führte wieder das Interview zwischen den Autoren und wies auf die Ausstellung in Progess hin. Nachher gab es wieder Brot und Wein und ich habe mich mit denen unterhalten, die mit mir reden wollten. Alexandra Millner nach meiner Wildgans Beobachtung gefragt, dazu sie über die Frühjahrsneuerscheinungen auszufragen, bin ich nicht mehr gekommen.
Ein Galerist hat mir die Einladung zu seiner Vernissage übergeben und mit einer Stammbesucherin habe ich mich auch unterhalten und das nächste Mal werden dann wieder experimentelle Texte, nämlich die Werke von Michaela Falkner und Thomas Nash vorgestellt werden.

Lesestau

Meine Leser werden es vielleicht bemerkt haben, momentan lese ich mich eher langsam dahin beziehungsweise meine endlos Leseliste ab. Da liegt vor allem an den Veranstaltungen, denn wenn ich Montag bis Freitag wohin gehe und dann darüber blogge, bleibt nur am Morgen Zeit für ein Badewannenlesestündchen und dann natürlich meist das Wochenende und momentan habe ich auch noch ein Monsterprojekt vor mir, nämlich Bram Strokers “Dracula” auf Englisch, das, glaube ich, vor zwei Jahren im “Wortschatz” lag, als ich mich zu dem vergeblichen Besuch zur Iris aufmachte, zuerst habe ich es liegen gelassen, als es aber am Rückweg noch dalag, habe ich es genommen. Denn der “Dracula” ist ja ein Klassiker, den man gelesen haben sollte. Auf den sich alle beziehen, wie H.C.Artmann zum Beispiel und ich will ja auch mein Englisch trainieren. Da habe ich ja dieses Jahr einige englische Bücher auf der Liste und mich bis jetzt recht gut um sie herumgeschummelt. Nämlich den “Ukrainischen Tractor” vorher noch auf Deutsch gefunden und die englische Ausgabe zurückbebracht.
“Zoli” habe ich auf Deutsch aus einer Abverkaufskiste gezogen, als ich gerade mit dem Englisch beginnen wollte.
“Dracula” aber gab es nicht zu finden, nur den Bericht jener amerkanischen Leserin, die nach dem Tod ihrer Schwester ein Jahr lang jeden Tag ein Buch las und mit dem “Dracula” begonnen hat. Da wäre ich schon erbärmlich gescheitert. Denn ich habe letzten Donnerstag mit dem Buch begonnen und bin jetzt glaube ich auf Seite vierzig. Blöderweise hat es vierhundersechzig oder so und wenn ich das ausrechne und mit meinem Wochenprogramm vergleiche, kann ich froh sein, wenn ich, bis wir nach Leipzig fahren, damit fertig werde.
Ein bis zwei Wochen für ein Buch, das bremst natürlich meine Leseliste, bei der ich für 2014 jetzt bei 141 Büchern angelangt bin und daher das mit dem wirklich tollen Wochenbuch ab nun vergessen kann.
Das Wochenende waren wir auch in Harland und da gibt es eigene Bücher. B.Traven wäre da daran aus dem Bücherschrank meines Vaters. Nur fuhren wir vorher nach Krems. Die Ruth gab mir ihr neues Buch und das habe ich gleich gelesen. Rezensionsexemplare ziehe ich ja vor und so werden die Bücher die 2014 noch auf die Jahresliste kommen, wohl auch Rezensionsexemplare sein. Denn wenn ich in dem Tempo weiterlese, schaffe ich gerade hundertfünfzig Bücher und da wäre ich schon im Verzug, weil ja im Herbst und Winter die dicken Geburtstagsbücher vom Vorjahr auf mich warten, die ich nicht mehr 2013 schaffte.
Judith Grohmann, die mich letzte Woche besuchte, hat sich auch auf meine Leseliste, die ja bis 2025 reicht, bezogen. Die ist vielleicht ein Gag oder auch eine Notwendigkeit für eine Sammlerin, die ich ja bin, die aber auch den Anspruch hat ihre Bücher möglichst vollständig zu lesen und auch die vielen tollen Bücher in den Schränken nicht wirklich liegen lassen kann. Das habe ich jetzt zweimal versucht. Ich bringe es nicht zusammen, brauche es auch nicht wirklich. Denn es ist ja toll, daß es die Schränke gibt und ich mich für Bücher interessiere. Die Liste hilft ein wenig die Übersicht zu halten. Sie hilft sogar sehr viel. Eine Pressedame hat sich ja im Vorjahr auch darüber mokiert und sich geweigert mir den neuen Michael Freund zu schicken. Soll so sein. Lese ich halt was anderes, ich habe ja genug, stimmt. Ich finde sie eigentlich sehr toll und werde 2014 wohl damit beschäftigt sein, die Listen, die ich schon habe, anzufüllen. Dann leidet wahrscheinlich die Spontanität und es wird wohl nichts mehr mit dem einen tollen Buch pro Woche, das ich dann finden kann. Cornelia Travniceks “Chucks” zum Beispiel ein dBp-Buch oder auch “Kathi auf der Brücke” oder die “Unvollendete Symphonie“, nach denen ich ja Ausschau halte und wenn ich das oder ähnliches finde, muß ich es wohl auf die späteren Listen verteilen und danach kann ich ja noch Listen bis 2033 oder so machen. Länger ist wohl nicht wirklich sinnvoll. Aber mal sehen, ob es dann noch Bücherschränke gibt? Ich behaupte ja nein und deshalb sorge ich auch vor.
Derzeit warte ich auch auf einige Bücher, die kommen sollen und noch 2014 gelesen werden. Da habe ich ja vor zwei Wochen das neue Buch von Luis Stabauer angefragt, das kommen soll. Die “Wartholz-Athologie” wohl dagegen eher nicht.
Aber die “Komischen Künste” haben mir einen “Wien-Comic”, “Residenz” mir den Roman von Alex Popov geschickt und als ich Karin Invancsics vorige Woche sagte, daß ich “Wanda wartet” und “Muss das schön sein im toten Meer toter Mann zu spielen” gelesen habe, hat sie mir versprochen, mir die “Aufzeichnungen einer Blumendiebin” zu schicken, die ich auch gern lesen will.
Die “Riva-Verlagsgruppe” hat mich auch noch angeschrieben und zwei ihrer Neuerscheinungen angeboten, für einen Krimi habe ich mich entschieden, den neuen Roman der Angelika Reitzer und den der Theodora Bauer habe ich auch angefragt.
“I am a booalkoholich and I regret nothing”, hat Cornelia Travnicek vor kurzem auf ihrer Facebvookseite gepostet.
So what, bei einem Gewinnspiel, wo man das neue Buch von Martina Gercke und Katja Schneidt “Alles nur kein Mann” gewinnen kann, habe ich mich auch beteiligt und gewonnen. Das kommt dann als E-Book und ich könnte meinen neuen Reader ausprobieren.
Das sind die Aufzeichnungen einer Büchersammlerin, aber einer, die daneben auch noch schreiben, bzw. derzeit mit dem dann wohl vierunddreißigsten Selbstgemachten beginnen will.
Da war das Wochenende auch sehr produktiv, denn ich habe mich noch einmal am “Alzheimer-Blog” umgesehen, eine sehr interessante Diskussion mit Angehörigen und Betroffenen gehört und mir dann gedacht, daß der Unterschied meines neuen Buches zu den schon vorhandenen, die sich um alte Leute und Bücher drehen, sein könnte, daß die Anna ihren reduzierten Alltag beschreibt und sich die Entwicklungen daraus ergeben.
Die Johanna bloggt dann darüber und M.K, ein pensionierter Verlagsmensch könnten ihre Aufzeichnungen vor der Depression bewahren. Das wären dann drei Ebenen. Drei Geschichten. Alles nicht ganz neu, denn ich habe ja auch schon über Verlagsmenschen und Depressionen geschrieben, aber wichtige Thmen, die sicher interessant sein können und für mich will ich probieren, das Ganze, so langsam wie es geht, sich bis Oktober, beispielsweise entwickeln lassen und mich möglichst nicht von meinen eigenen negativen “Das kann ich nicht-Gedanken”, hindern lassen und habe die drei Anfangsszenen, inzwischen auch schon geschrieben.
Berichten werde ich im Blog darüber. Vielleicht wird es also auch so was wie ein Blogroman und nicht nur das “Vierunddreißigste-Indie”, das ich dann vielleicht doch einmal bei “Amazon” einstelle oder auch wieder nicht und vielleicht finde ich auch Mitleser und Beobachter, die mir Feedback geben wollen.
Wär schön, geht aber auch ohne, da, glaube ich, auch das vor mich “hinjammern” mein literarisches Selbstbewußtsein verstärkt.
Am Samstag bin ich beim Durchblättern meiner Bücher wieder abgestürzt, denn da gibt es auch einiges, was mir dann doch nicht so gefällt oder ich vielleicht auch nicht so aufmerksam durchschaute. Den “Novembernebel” gibt es aber auch und das “Taubenfüttern”, wo alte Menschen und Alzheimer vorkommt.
Ich habe ja schon wirklich viel über Neunzig oder Hundertjährige geschrieben, obwohl ich selber gar nicht so alt werden will und vielleicht ist es auch einmal interessant in der “Viertagebuchfrau” oder meinen anderen Büchern zu lesen, wo das überhaupt nicht vorkommt, um meine Schreibprozesse und Entwicklung zu rekapitulieren.

Hannelore Valencaks Erzählungen

Im Amtshaus Wieden in der Favoritenstraße gab es zum fünfundachtzigsten Geburtstag und zehnten Todestag der in der Steiermark geborenen Hannelore Valencak eine “Frauen lesen Frauen-Lesung”, die dritte, die ich dort besuchte, gab es im Vorjahr eine Else Lasker-Schüler und Mascha Kaleko gewidmete und der Name Hannelore Valencak ist mir wohlbekannt.
Wurde doch im Sommer 1977 warhscheinlich, als ich Psychologie studierte und schon in der Otto Bauer Gasse wohnte, das “Fenster zum Sommer” im Radio gesendet. Ob das schon Ö1 war, weiß ich nicht, aber wahrscheinlich und der Name sagte mir nicht viel, denn damals konnte man ja noch nicht googlen, ein Literaturlexikon hatte ich nicht und in der Schule den Namen nie gehört. Dabei lebte die Autorin damals schon in Wien, die Erzählung hat mich sehr beeindruckt und das Buch und später dann auch “Die Höhlen Noahs” wurden vor einigen Jahren wieder bei “Residenz” aufgelegt. Da war ich bei einer literarischen Soiree und im Bücherschrank gab es auch einiges zu finden.
“Vorhof zur Wirklichkeit” habe ich gelesen. Das Jugendbuch, “Ich bin Barbara” steht noch auf meiner Liste, ebenso wie “Ein fremder Garten” und nun hat sich das Lesetheater, beziehungsweise Angelika Raubek der Autorin angenommen und fünf Erzählungen aus einem 1973 erschienenen Erzählband gelesen.
Der Sohn der Autorin, ein Herr Mayer, war auch im Publikum unter vielen mir bekannten Frauen, wie Ruth Aspöck, Elfriede Haslehner, Hilde Langthaler oder Männern wie Hansjörg Liebscher, Ottwald John, Werner Grüner, etc.
Die junge Bezirksvorsteherstellvertreterin begrüßte und am Lesepult hatten außer Angelika Raubeck, Judith Gruber-Rizy, Heidi Hagl, Elisabeth Krön und Hilde Schmölzer Platz genommen. Angelika Raubeck erzählte noch etwas zum Lebenslauf. Hannelore Valencak hat ja in Graz Physik studiert, 1955 promoviert und als Metallurgin in Kapfenberg gearbeitet. 1962 zog sie mit ihrem zweiten Mann nach Wien, wo sie Patentbearbeiterin war, bis sie 1975 zur freien Schriftstellerin wurde. Ihr letztes Kinderbuch “Bettina und das eiserne Versprechen” ist 1989 erschienen, dann schrieb sie nichts mehr und ihre Erzählungen und Romane haben ähnlich, wie die von Marlen Haushofer einen leicht surrealistischen Touch oder eine Entrückung von der Wirklichkeit.
Sie hat ja auch, glaube ich, dem Kreis um Hans Weigel im Cafe Raimund angehört und die fünf Erzählungen, die auch oft den realen Hintergrund verließen waren wirklich spannend. Die erste erinnerte mich stark an Haushofers “Wand”, da fährt ein Ehepaar mit einem Auto an das Meer um mit einem Schiff auf einen Traumort zu fahren, eine Mure verhindert das und so bleiben sie Jahrelang auf der Straße, ernähren sich von Nüßen und Himbeeeren, fangen Hasen, gebären ein Kind, begraben es und als dann Straßenarbeiter, die die neue Straße bauten, sie endlich finden, wollen sie nicht mehr an ihr Traumziel. Die zweite Geschichte handelte von zwei Schauspieler, die ins Totenreich einziehen, dann kam eine, wo alle Menschen in einer künstlichen Glaswelt leben und sehr viel zahlen müßen, wenn sie eine Wiese sehen wollen, eine Neudeutung von Romeo und Julia und eine von einem Findelkind, das mit einem ebenfalls gefundenen Hund, den Horizont sucht.
Interessant, interessant und sehr spannend, nachher gab es wieder Wein, Oliven und Knabberstangen und sehr viele Gespräche und Einladungen zu Veranstaltungen, denn es naht jetzt bald der Frauentag und diese Veranstaltung im Amtshaus Wieden war die erste dazu und Hannelore Valencak ist sicher eine interessante Schriftstellerin, die langsam vergessen wurde, jetzt vielleicht zaghaft wiederentdeckt wird und ich freue mich auf das Lesen der beiden gefundenen Bücher.
Vielleicht finde ich noch andere “Das magische Tagebuch” vielleicht oder “Das Fenster zum Sommer” und der Debutroman einer 1991 geborenen Autorin Theodora Bauer, die ich vielleicht aus der “Gesellschaft für Literatur” kenne, das “Fell der Tante Meri” ist vor kurzem bei “Picus” erschienen und die soll eine Sprache haben, die Anna Jeller an Marlen Haushofer erinnert.

Der Krieg nach dem Frieden

Jetzt kommt gleich die Besprechung von Ruth Aspöcks neuem Buch “Der Krieg nach dem Frieden”, das sie am Freitag in Krems vorstellte und das im April im “Stifterhaus” in Linz präsentiert werden wird.
Das im “Löckerverlag” erschienene Buch, zeigt eine weiße Friedenstaube auf dem roten Cover, neben den biografischen Angaben zur Autorin auf der Klappe, kann man am Buchrücken lesen, daß “aus der Sicht von fünf Personen, die Erzählerin Malwine, die Schwestern Rosa und Ursula und ihren Eltern, Anatol und Marie – dieser Roman die Lebensumstände einer Familie nach dem zweiten Weltkrieg, die Verarbeitung der Kriegserlebnisse und den mühsamen Wiederaufbau, eingebettet in die politische Zeitgeschichte” erzählt.
Das passiert in zwanzig Kapitel, die alle einen kurzen Namen tragen: “Die Art, der Weg, Die Zeit, der Trug, der Mut, etc, etc” und in diesen Kapitel treten die Personen in direkter Rede auf und erzählen von den Geschehnissen.
Bei Ruth Aspöcks “Kannitverstan” hatte ich ja einmal den Eindruck, daß die Erzählweise durch den Schreibstil ein wenig abgeblockt wird, kein “Show dont tell!”, hier hatte ich das Anfangs auch.
Gibt es ja eigentlich keinen Plot, keinen Spannungsbogen, nur Monologe. Aber bald merkte ich, daß das der Ruth erstaunlich gut gelungen ist.
Vielleicht auch mit den Trick, die Eltern Anatol und Marie aus dem Totenreich erzählen zu lassen. Das, was ja auch einmal Elfriede Jelinek tat, wirkt erstaunlich lebendig und sehr originell.
Aber eigentlich gibt es eine Erzählerin. Malwine, die Freundin, die von den Schwestern Rosa und Ursula oder wahrscheinlich nur Ursulas, zwei Schuhschachteln mit Briefen ins Haus geliefert bekommt, die man beim Auflösen der mütterlichen Wohnung fand “Und jetzt mach etwas daraus!”
Da ich Ruth Aspöck ja persönlich kenne und auch mit ihr befreundet bin, habe ich ja den Vorteil, die Entstehung des Buches schon ein bißchen miterlebt zu haben.
Obwohl so viel auch nicht, denn die Ruth spricht ja nie sehr viel über ihre “ungelegten Eier”, daß sie aber in Salzburg und wahrscheinlich auch in Linz war und dort die Archive erforschte, um vom Leben nach 1945 etwas zu erfahren, hat sie mir verraten und dann erfährt man in den zwanzig Kapiteln alles von der Familie.
Anatol, da muß ich gleich an Ruths Theaterwissenschaftstudium und an Arthur Schnitzler denken, war zwei Jahre im Krieg, in Belgien und Russland, als Sanitäter und Quartierauftreiber und schreibt seiner Marie aus dem Feld, die zensuierten Briefe, aus denen Malwine, die etwas ältere Freundin Ursulas, ehemalige Sekretärin bei der “Gesellschaft der Opernfreunde” und nach einer Kinderlähmung leicht hinkend, etwas machen soll.
Die Schwestern Rosa und Ursula sind etwa 1946 bzw. 1948 in Salzburg geboren. Der Vater war Österreicher, die Mutter Schwäbin, nach 1945 siedelte sich die Familie in Salzburg an, um dann nach zwei Jahre später nach Linz ins “Keplerhaus” zu ziehen. Ich habe die Ruth ja bei der Präsentation gefragt, wie weit das autobiografisch ist?
“Ich schwöre nichts!”, hat sie geantwortet und dann dazugefügt, daß die Erzählerin Malwine, eine Freundin wäre. Die war, glaube ich, auch bei der Präsentation und als wir 2007 bei Ruths Radkarawane in Linz Halt machten, sind wir vor dem Keplerhaus gestanden, in dem die Ruth mit ihren Eltern und der Schwester ihre Kindheit verbrachte.
Nun gut, daß alles autobiografisch ist und alles auch gleichzeitg nicht, ist das, was ich immer sage, wenn mir jemand diese Frage stellt.
Die Rosa ist in dem Buch Pädagogin und lebt in Deutschland, Ruths ältere Schwester tut das auch und das Haus im Mühlviertel, das inzwischen nur mehr der Schwester gehört, kommt auch vor. Da fressen dann die Rehe die Obstbäume ab und die dumme Städterin wird von den Bauern deshalb ausgelacht.
Dann wird allerdings Ursulas Sohn Matteo von der Schwester, die nach Mißbrauchserfahrungen ihres Vaters, als Nonne lebt und keinen Kontakt zu Männern will, aufgezogen und das wird wohl erfunden sein.
Briefe hat es möglicherweise gegeben, denn so dichte Kriegsbeschreibungen kann man wahrscheinlich nicht nur den Archiven entnehmen.
Die Atmosphäre wird sehr dicht geschildert und ist auch in der abgehackten Art sehr spannend. Die Gewalt an den Töchtern, die Mädchen wurden, wie das früher üblich war, mit dem Pracker und dem Kochlöffel, geschlagen, Ursula, die Soziologie studierte, ist die aufmüpfige, Rosa mehr die traumatisierte und sie ist offenbar auch das Opfer einer Vergewaltigung, also nicht Maries Kind.
Man sieht schon, die Ruth hat in ihren Familienrahmen sehr viel hineingepackt und ich finde diese Gradwanderungen sehr spannend, auch wenn sie mich anfangs verwirrte und habe als 1953 geborene ja auch selber noch sehr viel von dieser Atmosphäre erfahren. Ein Tagebuch meiner Mutter gefunden, in dem sie auf die Rückkehr meines Vaters aus der Gefangenschaft wartete, als wir die Wohnung in der Wattgasse räumten und interessant ist auch, daß meine 1942 geborene und 1978 verunfallte Schwester, Ursula hieß und meine Mutter, 1915-1991, Rosa, etwas, was die Ruth bestimmt nicht weiß.
Ich habe in den Nachkriegserlebnissen also ein bißchen Ruths Familiengeschichte hineingelesen. Ihre Mutter habe ich ja einmal gesehen, der Vater ist schon früher gestorben und, daß, die in den Vierzigerjahren Geborenen kaum Zeit hatten, ihre Traumatisierungen aufzuarbeiten, kommt auch sehr gut heraus.
Beide Töchter haben studiert und sind männerlos geblieben. Ursula hatte aber einen Verlobten und ein Kind, das sie nach der Geburt zur Adoption freigab, Rosa hat es aufgezogen und jetzt eine Beziehung zu einem französischen Weinbauern zu dem sie immer weinlesen fährt und der ihr Gedichte schreibt.
Das Buch spielt ja in die Gegenwart hinein oder erzählt von dort rückwärts.
Spannend, spannend und allen, die mehr über die Zeit nach 1945 und das Aufwachsen nach dem Krieg, mit all seiner Gewalt, Armut und Enge, wissen wollen, zu empfehlen und denen, die wie ich ein bißchen in der Biografie schnuppern möchten, natürlich auch.

Faschingsamstag-Schreibgedanken

Langsam langsam komme ich mit meinen Vorarbeiten weiter und die Notizen in dem halben schwarzen chinesischen Buch mit den roten Ecken, das vor Jahren einmal sehr modern war, beginnen anzuwachsen, aber sie drehen sich um eine Buchhändlerin, die bei sich Alzheimer entdeckt und dagegen ankämpfen will und das ist zwar ein sehr interessantes Thema, aber, darum komme ich nicht herum, ich habe schon sehr viel über alte Menschen geschrieben und das scheint mich zu blockieren und produziert wahrscheinlich geradezu das “Nicht schon wieder!” und dann hat ja diese Woche eigentlich mit einem Mißerfolg begonnen. Denn schon zum vierten Mal beim Literaturslam der anderen Buchmesse angetreten und schon zum vierten Mal nicht gewonnen. Das war zwar vorauszusehen und ist wohl nicht der richtige Ort für meine leisen sozialkritischen psychologischen Texte, aber wo ist der richtige?
Den scheint es nicht zu geben, soviel ich suche, mich bemühe, anstrenge, etc und das macht ziemlich hilflos zu denken, es scheint wirklich nicht zu gehen, da kann ich machen was ich will! Wenn ich das zu eindringlich sage, höre ich manchmal, wie vom lieben Stephan Eibel Erzberg auf meinem vorletzen literarischen Geburtstagsfest, du bist ja ohnehin so erfolgreich!
Ja, ich habe viel geschrieben, das stimmt natürlich und ist nicht wegzuleugnen, scheint aber irgendwie nicht rüberzukommen und Nicole Engbers war bei der Vorstellung beim Slam am Sonntag auch sehr erstaunt, daß ich schon zweiunddreißig selbstgemachte Bücher habe. Habe ich und manche wiederholen sich auch, manche sind besser, manche sind schlechter und um das herausszufinden, nehme ich sie manchmal in die Badewanne mit, bevor ich mit einem neuen Projekt beginne.
Das habe ich mit den “Hierarchien” so getan, die ja in einem Kleinstverlag erschienen sind und daher einige Rezensionen hatten, eine davon, von einem Kleinverleger, der mir zuerst einen gar nicht so ablehnenden Brief geschrieben hatte, war besonders schlecht und im Lauf der Jahre habe ich auch gedacht, “Das ist dein erstes veröffentlichtes Buch, das wird noch nicht so gut sein!”
Dann habe ich es wiedergelesen, es hat mir gefallen und ich habe gedacht, da sind ja schon alle meine Themen drin. Das ist gut und schlecht sogleich, denn einmal sehr aufmunternd, andererseits wieder das Gegenteil, denn es ist ja nicht gut angekommen und bei den selbstgemachten habe ich oft nicht einmal eine Rezension und kaum Feedback.
Ju Sophie hat sich einmal die Mühe gemacht, die “Mimi”, die ich eigentlich für ein interessantes Buch halte, zu verreißen.
Gestern in Krems hat mir eine Käuferin, die schon ein paar Bücher gelesen hat, gesagt, sie gefallen ihr sehr gut.
Sonst kommt eigentlich kein Feedback und ich selber denke ja auch “ich schreibe nicht gut, das ist schon wieder nicht gelungen!”, etc und komme aus dem Zirkel des Mißerfolges und des Nichtbeachtetwerden offenbar nicht heraus, was mich auch betrifft und so schreibe ich immer wieder darüber und der Kreis schließt sich oder dreht sich immerfort weiter, etc.
Am Montag habe ich es dann geschafft, die Bücher die sich übers Alter und das Bücherlesen drehen, herauszunehmen und habe mich dann an der “Absturzgefahr” festgelesen und wieder gedacht, das ist eigentlich sehr gut. Natürlich hätte eine geschickte Lektorin einiges straffen und wegstreichen können, selbstverständlich, aber sonst war ich vom Spannungsbogen überrascht und viel besser als ich eigentlich dachte. Was mir aber, um aus dem Kreis herauszukommen auch nicht viel nützt und von der “Absturzgefahr” gibt es, glaube ich, keine Rezension.
Am Dienstag hatte ich dann von zehn bis fünf Stunden beziehungsweise eine Diagnostik und noch einen Befund zu schreiben, bevor ich in die Rockgasse in den Republikanischen Club gehastet bin. Am Mittwochnachmittag habe ich weitergelesen, die “Paula Nebel” handelt ja auch von einer alten Frau und ist eine kleine leise Geschichte über den Mißbrauch den Heime ansichten können und Kinderwegnahmen. Da gibt es eine Rezension und ein paar Goodies und Vorbereitungstexte, die auch in der “5-er Edition” enthalten sind.
Durch “Beim Sterben sollte man zu Hause sein” und “Zwillingswelten” sollte ich mich noch lesen, am Wochenende habe ich in der Badewanne ja Zeit dazu und dann anküpfen und weiterschreiben. Eigentlich sollte ich mich von den Wiederholungen nicht so abschrecken lassen, ich schreibe seit über vierzig Jahren und habe jetzt schon fast fünfunddreißig Bücher, schade, daß sich niemand dafür interessiert, das sollte mich aber nicht am Weiterschreiben hindern und die Anna Mitterer oder wie sie heißen wird, kann einen ganz anderen Schwerpunkt haben, wenn ich da eine Frau gegen ihren Alzheimer kämpfen lasse. So genau hatte ich das noch nicht, der Bernhard Listringer in der “Absturzgefahr” hat zwar auch Alzheimer oder eine Demenz, aber das wird eigentlich nicht genau beschrieben und bleibt im Hintergrund.
Ich sollte mich nicht selber hindern lassen, klingt sehr gut, in der Realität kommt aber derzeit das mulmige Gefühl, wenn ich ans schreiben denke, nicht das “Kann ich nicht!”, eher “Da fällt mir nichts ein!” oder “Nicht schon wieder”.
Am Donnerstag kam dann Judith Grohmann und hat mich durch ihr Selbstbewußtsein überrascht, als sie mir von den Aufmunterungen und den Verstärkungen erzählte, die sie beim Schreiben begleiten.
Das hätte ich auch sehr gern, ist aber nicht und sie hat mich auch sehr gelobt und nun weitermachen, anfangen oder auch etwas ganz anderes schreiben. Da finde ich im Moment nichts, was mich interessiert und die Idee mit der Materialsuche ist auch sehr vage.
Richtig, in “Standard”, “Profil” und “Falter” habe ich mich am Montagnachmittag auch geblättert, aber außer das ich die Anna durch die sozialen Probleme der Zeit, wie Jugendarbeitslosigkeit, Entmündigung, Bankenkriese etc stolpern lassen könnte, ist mir nichts eingefallen und das habe ich schon in der “Paula Nebel”, der “Sophie Hungers” und wahrscheinlich noch in einigen anderen Sachen.
Am Mittwoch könnte ich mich nach der elf Uhr Stunde und vor dem MUSA auf Ideesuche begeben, mich in die Straßenbahn mit dem Notizbuch setzen oder durch die Stadt laufen und schauen ob mich da Passanten oder Gesprächsfetzen weiterbringen. Das wollte ich schon diesen Mittwoch machen, aber da hatte ich erstens eine Diagnostik um zehn und zweites den Gedanken “Ich bin noch nicht so weit!”, denn wenn ich wieder an den Bücherschränken vorbei in die Hauptbücherei laufe, ist es das wohl nicht.
Ein paar Ideen zum Aufschreiben habe ich noch für mein schwarz-rotes Chinabuch. Da ist einmal die vom Opernball, als ich hörte, daß die Würstl dort zehn Euro und das Gläschen Sekt ebenfalls soviel kosten. Da könnte sich ein Otto Normalverbraucher einen schwarzen Anzug anziehen, seine Frau ein Abendkleid, ein paar Freunde einladen, die Anna vielleicht, den Fernseher mit der Ballübertragung aufdrehen, Würstel Gulaschsuppe, Faschingskrapfen und ein paar Flaschen Sekt auf den Buffettisch stellen und selber tanzen und als meine Anna gestern kam, um ihr Fahrrad zu holen und wieder sowas wie “Du bist ein Büchermessie!”, sagte, antwortete ich ihr “Sei froh, wenn es in zwanzig dreißig Jahren nur mehr E-Books gibt und irgendein Trottel drückt auf einen Knopf und alles alles ist weg, hast du zehntausend Bücher!”, “Die verkaufe ich dann, werde reich und muß nie wieder arbeiten!”, hat sie gesagt, die in dreißig Jahren auch schon sechzig ist und die Anna Mitterer hat ja auch eine Enkeltochter, die einen Blogroman über die verstorbene Oma schreibt.
Vielleicht sollte ich also doch anfangen und mich von meinen zweiunddreißig unbekannten selbstgemachten Büchern nicht sehr hindern lassen oder erst in aller Ruhe nach Leipzig fahren, mich bei den dortigen Bücherbergen umsehen und mich statt hindern, inspirieren lassen. Die Journalistin die ich auf der anderen Buchmesse traf und die das auch tut, schwärmte mir von den Kontakten vor, die sie dort immer knüpft.
Da bin ich nicht sehr gut, aber Mara Giese will ich diesmal dort treffen und mich mit den “Dreizehn Kapitel” im Literaturcafe fotografieren lassen, weil die so eine Autoren-Fotoaktion für eine Ausstellung machen.
Einen Krapfen werde ich, wenn ich mich demnächst mit dem etwas verschnupften Alfred am Markt treffe, wahrscheinlich auch essen. Mehr Fasching wird es bei mir nicht geben, denn ich verkleide mich nicht gern, habe kein Ballkleid und kann auch nicht Walzer tanzen, wenn es aber ein schönes Schreibvorbereitungswochenende werden wird, ist nichts dagegen zu sagen.

Ruth Aspöcks Buchpremiere

20140228-213922

20140228-201823

Der Bezirksrat und Galerist der “Kultur-Mitte” in Krems, die ihr zwanzigjähriges JUbiläum feiert hat, wie er bei der Veranstaltung sagte, an den “Löcker-Verlag” geschrieben, damit Ruth Aspöck neues Buch “Der Krieg nach dem Frieden”, das die Nachkriegszeit in Salzburg schildert, rechtzeitig zur Lesung fertig wird und es ist sich auch alles ausgegangen.
Vor einer Woche ist die Ruth vom Schiurlaub mit ihrer Familie zurückgekommen, am Montag war das Mail des Verlags da, sie kann sich das Buch abholen und Ruth Aspöck hat, wie sie mir erzählte, für ihr neues Buch auch viel recherchiert, ist dafür nach Salzburg gefahren, hat sich in Archiven umgesehen, etc.
“Der Krieg nach dem Frieden-fünf Personen erzählen die in zwanzig Kapitel gebündelten Geschehnisse jeweils aus ihrer Sicht und ihrer Erinnerung”, steht auf dem Programmzettel und es ist Ruth Aspöcks drittes Buch, das im LöckerVerlag erschienen ist, nachdem sie mit ihrer “Edition die Donau hinunter” in Pension gegangen ist.
Vorher sind ihre Bücher in ihrer Edition erschienen, die “Emma” ganz woanders und da wir dieses Wochenende nach Harland gefahren sind, ist es sich auch sehr gut ausgegangen, den Abstecher nach Krems zu machen, obwohl in Wien ja die “Hörspielgala” stattfand, aber man kann sich nicht teilen und muß auch nicht überall sein. So sind wir also nach fünf nach Krems in die Galerie auf der oberen Landstraße gefahren, wo wir schon einmal waren, als Ruth und Robert ihre Reisetexte vorstellten.
Diesmal weniger bekannte Gesichter, außer Brigitte S. war nur Robert Eglhofer da und die Stammgäste der Galerie, sowie der Künstler, der die Linolschnitte herstellte, die gerade ausgestellt wurden.
Ruth war schon da und hatte ihre Bücher auf einem Tischchen verteilt. Dann kam das Fotoshooting mit der hiesigen Prominenz und die Eröffnung. Danach erzählte Ruth, daß es die erste Lesung aus dem Buch sei und sie das achtzehnte Kaptitel, das den Titel “Schuld” hätte lesen würde.
Alle Kapitel haben Überschriften, die aus ganz kurzen Worten bestehen und sie hat sich enschloßen, die fünf Personen ihres Romanes, das schon verstorbene Elternpaar Anatol und Marie, ihre zwei Töchter Rosa und Ursula und eine Freundin Malwine in direkter Rede auftreten zu lassen und das Kapitel. das sie las, handelte von versäumten Gelegenheiten. Anatol hätte die Tochter seines Bruders bei sich aufnehmen sollen, die herbe Marie hat das verhindert und als eines Tages eine dunkelhaarrige Frau mit einem Kind bei ihr auftauchte und nach Anatol fragt, schickte sie sie weg.
“Sie müßen warten bis mein Mann zu Hause ist!”

20140228-202847

20140228-202013

“Er ist verheiratet!”, seufzte die Frau und verschwand, um nie wieder aufzutauchen und Anatl schwor nie in Jugolslawien gewesen zu sein, von dort hätte er die Frau kennen sollen.
Aber da gab es eine Affaire mit einer Slowenin, alle wälzen sich in ihren Schuldgefühlen und Malwine, die Frau mit dem seltsamen Namen, tritt auch als moralische Stimme auf und resumiert darüber, wie Kriege möglich sind und, daß sich Menschen in so etwas verstricken lassen?
Da stellt sich natürlich die Frage, wie weit das autobiografisch ist?
“Ich schwöre nichts!”, antwortete die Ruth, aber ihre Mutter kommt aus Deutschland und die Eltern sind mit den beiden Töchtern nach Linz gezogen und die Malwine dürfte auch von einer Freundin Ruths inspiriert worden sein.
Robert Eglhofer fragte auch ein bißchen nach und ließ sich das Buch signieren. Ich habe es von der Ruth bekommen, so daß ich es am Wochenende statt B. Traven lesen kann.
Der Galerist brachte zwei Flaschen um rot und weiß nachzuschenken. Ruth stieß mit ihm mit einem Gläschen Sekt an und kaufte auch ein Bild von der Ausstellung und bei den Büchern, die man im Vorraum um vier Euro fünfzig finden konnte, habe ich neben Werkn von Manfred Chobot etc, auch die “Zwillingswelten” gefunden und mich erinnert, daß ich den Galeristen bei Ruths Geburtstagsfest darauf angesprochen habe, ob ich auch einmal in der Galerie lesen könnte?
Da habe ich ihm offenbar das Buch gegeben. Wer es also lesen will, auf nach Krems, da ist es noch billiger, als der Selbstkostenpreis, zu dem ich es sonst verkaufe und als wir auf der Heimfahrt. das Radio aufgedreht haben, sind wir zu der Verlautbarung der Hörspielpreise zurüchtgekommen. Platz drei hat Johannes Gelich mit “Rabeneltern” gemacht, dann kam Patricia Josefine Marchart und den ersten Platz haben Felix Mitterer und Franz Kafka mit dem “Bericht an eine Akademie” belegt, wo Felix Mitterer den Affen spielte.

Besuch von Judith Grohmann und Diskussion zum FPÖ-Ball

Am Dienstag gab es noch eine Veranstaltung zum Februarkampf von der “Theodor Kramer-Gesellschaft” im Republikanischen Club, “Februar 1934 und seine Nachwirkungen” über den ich nicht besonders bloggte, weil es, trotz Neda Bei und Konstantin Kaiser am Podium, nicht besonders literarisch war, ist es doch um den Bankencrash der neunzehnhundertzwanziger Jahre, die Auflösung des Parlaments und die Einführung eines katholischen Ständestaates gegangen, bei dem ich schon Paralellen zu heute sehe, wo ja auch die “Hypo” gerettet werden muß und die ÖVP-Minister bei der Regierungsangelobung, nicht nur “So wahr mir Gott helfe!”, sondern auch noch was vom “Herzen Jesu” dazufügen, was mit immer autoritäreren Strukturen und wachsender Arbeitslosigkeit wahrhaft beängstigend ist, ich wollte aber nicht darüber bloggen und habe so den freigehaltenen Platz mit der Rezension von Judith Katzirs sehr freizügigen Roman gefülllt. Für Mittwoch war schon die Besprechung von “In geheimer Mission” geplant und da ich ziemlich sicher war, daß Judith Grohmann, der ich diesen Termin gemailt habe, nachschauen würde, habe ich es so gelassen und den Artikel nicht, was ich sonst getan hätte, um einen Tag vorverlegt.
Judith Grohmann hat sich dann auch gleich am Mittwoch bei mir gemeldet und wir haben ein Treffen ausgemacht, für das es auch einen schönen Anlaß gegeben hätte, nämlich am Tag des Opernballs, wo die Polizei sicher wieder alles genau absuchte, absperrte und ausräumte, wie ich schon am Montag und Dienstag merken konnte, als ich an der Oper vorbei in die “Alte Schmiede” bzw. in die Rockgasse ging, eine Diskussionsveranstaltung im Bezirksmuseum Mariahilf, zu der mich die Bezirksrätin Elisabeth Zoumboulakis-Rottenberg eingeladen hat: “Anschlag auf die Demokratie- Ereignisse rund um den FPÖ-Ball und die Demos”.
Leider hatte sie da keine Zeit, so haben wir uns um elf in meinem Wohnzimmer mit dem neuen jetzt auch schon wieder vollgeräumten Bücherregal getroffen und ich habe ihr einen Kaffee gekocht.
Vorher hat mir Ingrid Führer noch das Österreichprogramm auf der Leipziger Buchmesse geschickt. Es gibt am Donnerstag um fünf wieder einen Empfang bzw. Umtrunk im Österreichcafe vom Hauptverband und ich habe das an Mara Giese von “buzzaldrin” weitergeschickt, die heuer auch am Donnerstag nach Leipzig kommt, um sie dort zu treffen.
Die ebenfalls im Bezirk wohnende Judith Grohmann, interessant, daß ja sowohl die Leselustfrustbloggerin. als auch die Evi von “Zwillingsleiden” hier angesiedelt sind, kam sehr pünktlich, erzählte mir, daß sie eine Psychologentochter, Karl Grohmann war ihr Vater, ist und sie sich statt die Praxis zu übernehmen, für das Schreiben entschieden hat.
Ich bin ja den doppelten Weg gegangen und Judith Grohmann, 1966 geboren, die beim “Profil”, bei der “Presse”, beim “Standard”, etc, gearbeitet hat, hat schon viele Sachbücher geschrieben, bis sie auf die Idee mit den Polizeieinsatztruppen gekommen ist, die sie so begeistert hat, daß sie jetzt an einem Thirller schreibt. Es war ein spannendes Gespräch und eine interessante Begegnung, aus der auch ein Foto entstanden ist und ein englischer Eintrag auf Judith Grohmanns Blog, sowie ein reger Mailwechsel.
Dann hatte ich einige Stunden, die letzte leider erst um sechs, was insofern ein bißchen schwierig war, da die Diskussion schon um halb sieben begann. Zum Glück ist die Mollardgasse nicht sehr weit entfernt. Die erste Podiumsrunde war aber trotzdem schon vorbei, als ich nach sieben eingetroffen bin. Ein paar Bekannte im Publikum. Herr Blaha, Elfi Resch und dann ein paar Gesichter, wo ich die Namen nicht kenne, viele Demonstrationsteilnehmer, am Podium Susanne Scholl, ein Polizeigewerkschafter, eine junge Demonstrantin und die vorwiegenden älteren Leute im Publikum empörten sich auch über die Unverhältnismäßigkeit dieses Polizeieinsatzes, wo eine ganze Stadt wegen einem Burschenschafterball lahm gelegt, beziehungsweise in Ausnahmezustand, mit Absperrungen, Vermummungsverbot, etc versetzt wurde und das Ganze dann auch noch eskalierte.
Da war ich ja nicht dabei, sondern in Harland und habe mir das Ganze erst am nächsten Morgen in Videos angesehen. Ob es jetzt eine Opernballdemo gegeben hat, über die ich ja einmal in “Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt” eine Szene geschrieben und sie beim “Ersten Wiener Dichterfasching” einmal in der “Gesellschaft der Literatur” vorgelesen habe, weiß ich auch nicht. Es war aber eine interessante Ergänzung zu Judith Grohmanns Buch und auf ihren Thriller bin ich natürlich auch schon sehr gespannt.

In geheimer Mission

Vor einigen Wochen hat mir die Journalistin Judith Grohmamm ein Mail geschrieben und mich auf ihr, bei “riva” erschienenes Buch, “In geheimer Mission”, in dem in “supercoolen Stil, also angenehm zu lesen, über den spekulären Einsatz von sechzehn weltweit arbeitenden Antiterroreinheiten berichtet wird und sie als erste Frau und erste Autorin, die Erlaubnis bekam über diese Männerdomain zu berichten”.
Nun interessieren mich als gewaltfreie Frau coole Bücher über den Kampf gegen Verbrechen und Terror ja nicht so sehr, aber das von Thomas Stompe über die Täterprofile bei forensischen Rechtbrechern habe ich im letzten Sommer auch gelesen und es ist sicher interessant und spannend zu erfahren, wie die Cobra-Einsatztruppen ausgebildet werden und, wie sie arbeiten.
Noch dazu, wo ich von dem Buch schon etwas gehört habe, wurde ja auch in der Sendung “Leporello”, im Dezember darüber berichtet und da habe ich den Bericht von den Cobra-Leuten, die mit ihren lautlosen Spezialsohlen hinter Judith Grohmann herhechtelten und sie erschreckten, sehr informativ gefunden.
Dem “Schweizer-Offiziers-Blog”, der das Buch schon besprochen hat, hat es zwar nicht so ganz gefallen und gemeint, daß Judith Grohmanns Berichte gar nicht so exclusiv wären und man das, was berichtet wird, schon woanderns nachlesen kann. Aber ich kenne mich in der Terrorabwehrarbeit nicht so aus, stehe den Polizeieinsätzen auch kritisch gegenüber und lese mich sowieso gerne quer über den Tellerrand.
Es beginnt also mit einem Vorwort von Ban-Ki-Moon, dem Generalsekretär der vereinten Nationen und einem von Judith Grohmann, in dem sie erzählt, daß sie inzwischen wahrscheinlich die weltweit überwachteste Journalistin wäre und die vierzig Kilo schwere Spezialrüstung beschreibt, mit der sie sich mit den Beamten auf den Einsatz macht. TSO-Helm, schutzsichere Weste, schwarze Einsatzstiefel.
Die Auswahl und das Training der Polizisten für diese Spezialeinsatzgruppe wird auch beschrieben. Nur die besten Männer und die noch viel viel viel besseren Frauen, dürfen dazu, sie müssen trainieren, psychologische Tests bestehen, ihr Gedächtnis trainieren, konzentriert arbeiten können und noch viel mehr und dann sprechen sie konzentriert von der “Lage”, wie sie ihren Einsatz nennen, sind mit Kopfhörern miteinander verbunden und geben sich in Codenamen ihre Anweisungen.
Dann gibts und das habe ich noch interessanter gefunden, Fallgeschichten und zwar solche, bei denen Judith Grohmann wahrscheinlich nicht dabei war, so den des zum “Tod Verdammten” am 15. und 16. Mai 1994. Da soll nämlich Joseph Anton von Bundesminister Rudolf Scholten den österreichischen Staatspreis für europäische Literatur in Wien bekommen und der war damals der weltweit gefährdetste Mann.
Joseph Konrad werden meine Leser vielleicht fragen? Wer ist das, noch nie etwas gehört? Wir kennen nur Joseph Konrad und Anton Tschechow und natürlich auch Salman Rushdie und das sind dessen Lieblingsschriftsteller. Die Kobra benützte aber Decknamen, checkte alles aus und ab so und verlief die Preisverleihung vor dem staunenden Publikum und den hundert geladenen Gästen im Festsaal des Palais Starhemberg am Minoritenplatz auch perfekt.
Wendelin Schmid Dengler hielt die Laudatio und Salam Rushdie wurde wegen seiner “Satanischen Verse” ja von Ayatollah Khomeini zum Tode verurteilt. Da könnte man natürlich sagen, daß soviel Aufwand wegen eines Staatspreises vielleicht nicht ganz verhältnismäßig ist und es billiger gewesen wäre, Salam Rushdie den Scheck und die Urkunde mit der Post zu übersenden, bei Thomas Bernhard hat man das ja einmal auch so gemacht und für das ersparte Geld hätte man mir oder einem anderen Autor ein Stipendium geben können. Ein Cobramann hätte die Urkunde aber auch überbringen können. Andererseits kamen die gutgeschulten Kobrakräfte damit in einen Kunstgenuß, der auch nicht zu verachten ist und das mit der Verhältnismäßigkeit habe ich mir auch beim Opernballeinsatz im Jahre 2004 gedacht. Da hat die damalige Außenministerin, Benita Ferrero-Waldner, einen Drohbrief bekommen.
“Gnädige Frau, hiermit habe ich die hoch geschätzte Aufgabe, Ihnen in aller Form mitzuteilen, daß Sie den Opernball in diesem Jahr nicht mehr lebend verlassen werden!”
Und die Cobra routierte, gab der Ministerin Personenschutz, riet ihr beim Ball unter ihrem Abendkleid eine Schutzweste anzulegen, was bei der “meerblau-dunkelgrünen Robe mit vielen Spitzen am Oberteil” aber nicht möglich war.
So mußte der Personenschutz noch enger an das Ministerpaar heran, die natürlich Schutzwesten unter Frack und Abendkleider hatten und die Waffen und Mikrophone waren ebenfalls darunter versteckt. Vorher wurde die Oper, die ja dafür zwei Tage spielfrei hat, nach Waffen untersucht und die Kobra ist auch genau darauf trainiert, den Umstehenden, Journalisten durften kein Interview verlangen und Freunde kein Küßchen geben, auf verdächtigen Augenkontakt, Schwitzen, Nervosität, etcetera zu observieren. So wurde ein Herr unauffällig von vier Beamten abgeführt, der Ball fand aber problemlos statt, ein Attentatversuch wurde nicht unternommen und der Verkündungsbrief wird noch heute “aus Sicherheitsgründen an einem geheimen Ort im Innenministerium aufbewahrt.”
Auf einen kleinen Fehler, darf ich die Autorin auch noch aufmerksam machen. Der Opernball findet meines Wissen immer am Donnerstag vor und nicht nach dem Aschermittwoch statt, denn das ist ja schon Fastenzeit und da sollte wahrscheinlich auch die Kobra kein Fleisch mehr essen, aber sie ist höchstwahrscheinlich auch sonst auf einen gesunden Lebensstil trainiert.
Um einen kleinen Kind ein Trauma zu ersparen, können die Spezialisten auch einmal ganz “soft” vorgehen. Der Verhandlungsführer gibt sich als Mitarbeiter vom Magistrat bezüglich des Sorgerechts, das der Vater haben will, aus, dann wird sanft und leise gestürmt und als alles vorbei ist, finden sie das Kind spielend im ersten Stock in seinem Zimmer. Es hat gar nichts von der Sache bemerkt.
Dann geht es ins Ausland. In der Slowakei ist die Spezialeinheit “Lynx” aktiv und die war bei der Erpressung der Handelskette Tesco 2003 im Einsatz. Sechzehn Länder wie Frankreich, Litauen, Israel, Italien etc mit ihren jeweils speziellen Einsatzgruppen, “UPS”, “TEK”, “RAID”, etc, die mit Geiselnehmer verhandeln, Bankräuber fassen, mit geistig Verwirrten oder islamischen Selbstmordattentätern zu tun haben.
Das ist wohl das Supercoole, wie Judith Grohmann in ihrem Mail beschreibt, mir war das manchmal etwas zuviel, der Kopf rauchte, so daß nur spekulärsten Fälle haften blieben.
George Bush in Wien 2006, beispielsweise, als seintetwegen die Stadt zu einer Geisterstadt wurde, Hubschrauber in der Luft kreisten, das Hotel für ihn gesperrt wurde, in dem er, wie ich in der Zeitung, las, trotzdem lächelnd und winkend, wie eine Marionette herumgeirrt sein soll, was mich dann bei der “Sophie Hungers” zu einer Szene inspirierte.
Judith Grohmann war dicht am Geschehen, hat die verschiedenen Einsatzgruppen bei ihren Einsätzen ein Jahr begleitet und denkt heute noch an die guten Jungs, die für Gerechtigkeit und Frieden ihr Leben einsetzen.
In Holland wurde Theo van Gogh ermordet, Leon der Winter hat ein Buch darüber geschrieben, in England sollte Victoria Beckham entführt werden, in Deutschland ist beim RAF-Einsatz sogar ein kleiner Fehler passiert und in Moskau stürmten die Tschetschenen ein Theater, als dort ein Musical lief.
Die Spezialtruppen leiteten Giftgas ein, an dem nicht nur die Entführer, sondern auch die Österreicherin im Publikum ihr Leben ließ.
So ganz geheim können die geheimen Einsätze also nicht sein, zumindestens die spekulären findet man in der Zeitung, obwohl Judith Grohmann in ihrem Nachwort erwähnt, daß sie jetzt versteht, warum das alles geheim bleiben muß. Soviel an Information würden wir nicht aushalten. Jetzt wissen die, die nach dem “coolen Buch” greifen, davon. Einiges habe ich schon vorher gewußt.
Judith Grohmann, die sehr selbstbewußt für sich und ihr Werk Werbung zu machen versteht, scheint schon an einem zweiten Teil zu arbeiten, in der “Wiener Zeitung” gab es auch ein Interview, das Michael Schmölzer, Hilde Schmölzers Sohn mit Judith Grohmann über die geheimen Terroreinsätze machte. Einen Fototeil, wo man Judith Grohmann im schwarzer Rüstung, blonden Haaren und dem Helm am Schoß im Einsatzwagen sitzen sieht, während die coolen Burschen mit angelegten Gewehren daneben stehen, gibt es auch.
Und wie die Geiselnahmen und die Verhandlungen in einem slowenischen Gefängnis passieren, habe ich erst unlängst woanders gelesen.
Interessant wäre auch, was Ilija Trojanow zu dem Buch sagen würde?

Die Entdeckung der Liebe

“Dieses Buch hat mich berührt und begeistert. Es ist wunderschön”, schreibt Amos Oz aufs Cover von Judith Katzirs “Entdeckung der Liebe”, eine Entdeckung aus dem Bücherschrank und ein Buch einer mir bisher unbekannten israelischen Autorin, 1963 in Haifa geboren, über die im Netz sehr wenig zu finden ist.
Berührt hat mich das Buch ebenfalls und die so ungehemmt geschilderte Beziehung zwischen einer vierzehnjährigen Schülerin und einer zwölf Jahre älteren Lehrerin, mich auch ein wenig ratlos gemacht, da das ja eigentlich ein Straffall ist, eine Traumatisierung auslösen sollte oder als Jungmädchenfantasie durchgehen könnte, vertraut, die vierzehnjährige Rivi, diese Geschichte ja ihrem Tagebuch an und schreibt darin Briefe an Anne Frank, was man auch als unverschämt oder kitschig, was auch immer bezeichnen könnte. Ich dürfte so etwas wahrscheinlich nicht schreiben und es ist auch die Frage, ob die Literatur das, was man im Leben verwerflich findet, verherrlichen soll?
Zu Beginn des Buches ist Rivi achtunddreißig und eine mehr oder weniger berühmte Schriftstellerin, verheiratet, Mütter zweier Töchter und fährt nach Haifa zum Begräbnis ihrer Literaturlehrerin Michaela. Es gibt Begegnungen mit alten Freundinnen, deren Familie und was auch immer, dann fährt Rivi an den Strand und sucht nach in Plastiktüten verpackten Heften, in denen sie in den Siebzigerjahren Tagebuch führte, beziehungsweise als Kitty Briefe an die “Liebe Anne!”, schrieb.
Sie findet sie nicht gleich, denn die hat der “Zehn Groschen Joe”, ein Obdachloser, der dort wohnt, längst gefunden, gibt sie ihr wieder und so gleiten wir in drei Teilen in die Entdeckung der Liebe der vierzehnjährigen Rivi ein, die zwei kleinere Brüder hat, eine Mutter, die in einem Reisebüro arbeitet, einen Vater, der von ihr hinausgeworfen wird und der dann nicht mehr mit der Tochter spricht, sondern nur mehr die Brüder abholt.
Die Tochter hört an einem Ohr schlecht, hat Panikattacken, abgebrochene Zähne, trägt eine Brille und ist eine Bücherwürmin, die sich in die Welt von Sylvia Plath, Anne Frank, etc hineinversinkt und auch selbst Gedichte schreibt.
In diese Situation kommt die sechsundzwanzigjährige Michaela in die Klasse, die sich gerade erst mit einem jungen Arzt verheiratet hat, liest den Schülern Gedichte vor und fordert sie auf, einen Brief an Anne Frank zu schreiben. Der beste Aufsatz darf dann am Holocaust-Gedenktag vorgelesen werden. Rivi, die sich in Michaela verliebt hat, wird ausgewählt und leidet schrecklich, weil sie das mit einer ungebügelten Bluse tut und die Mutter damit unzufrieden ist.
Michaela findet die weinende Rivi und gibt ihr einen Kuß. Im zweiten Tagebuch wird dann das zweite Jahr beschrieben, wo Michaela Rivis Liebe erwidert, sie ständig zu sich einlädt, sie nach der Schule in ihrem Auto, Rosinante, der Hund heißt Dulcinea, an den Strand oder in den Wald fährt und sie sich dort in die Arme fallen. Der Ehemann wird eifersüchtig, die Mutter mißtrauisch, ein Polizist erwischt die Beiden und Michaela wird auch noch schwanger, damit sie ein Alibi hat.
Im dritten Heft, dazwischen fährt die erwachsene Rivi vom Begräbnis, nach Tel Aviv nach Hause, wo sie Mann und Kinder erwarten, findet Rivi einen Freund, den malendenden Absolon, der von den Lehrern Karikaturen zeichnet, um herauszufinden, daß sie nicht nur lesbisch ist und der Freund der Mutter ist endlich geschieden, so daß er bei ihr einziehen kann.
Er ist sehr ordnungsliebend, so findet die Mutter, Nacktfotos von Rivi und Michaela und auch die Tagebücher, schleppt sie in die Schule, Rivi wird zum Direktor gerufen, leugnet alles ab, sagt “Das ist nur Fantasie!”, vergräbt die Bücher, Michaela kündigt in der Schule und geht mit Mann und Sohn, der Kleine, der im ersten Lebensjahr viel weint, wird sich später zum Autisten entwickeln, nach Amerika. Rivi entwickelt sich zur Schriftstellerin, lernt irgendwann ihren Mann kennen, bekommt ihre Kinder und fährt immer wieder nach Amerika, dazwischen schickt Michaela Geschenke an die Kinder, obwohl sie in Amerika noch andere Beziehungen zu Schülerinnen hat.
Am Schluß stirbt sie an Krebs und Rivi kehrt vom Begräbnis als erwachsene Frau zu ihrer Familie zurück.
Ein sehr ungewöhnliches Buch, das der Psychologin viele Fragen aufwirft, ob seiner Freizügigkeit. Poetisch ist es natürlich auch, aber die Mischung zwischen dem pubertierenden Mädchen mit den vielen Problemen und der starken Erotik, die durchaus positiv und als Entwicklungsstufe gesehen wird, von Traumatisierung keine Spur, ist für mich ungewohnt.
Dazwischen wird auch immer wieder über die israelische Politik der Siebzigerjahre erzählt und die Geschichte der Holocaustopfer thematisiert.
Geraucht wird in dem Buch auch noch sehr viel, das ist inzwischen ebenfalls sehr ungewöhnlich und geht man zu den “Amazon-Rezensionen” erstaunt, daß dort die starke erotische Komponente, die ja eigentlich verboten ist und ginge es um einen Lehrer, wohl auch Abscheu hervorrufen würde, als eindimensional und als Frauenroman beschrieben wird.