Jetzt kommt wieder etwas aus dem Bücherkasten meiner Eltern, nämlich B. Travens “Der Karren” aus dem “Baumeisterverlag GmbH, Berlin, 1931, dessen Identität wie ich Wikipedia entnehme, von der Literaturwissenschaft noch nicht ganz enträtselt wurde.
Der Name ist ein Pseudonym, wer dahintersteckt, scheint nicht ganz geklärt, als Lebensdaten werden 1882-1969 angegeben und dazugeschrieben, daß er in Mexiko gelebt haben soll.
Da spielt auch “Der Karren” in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren und der ist der erste Teil, eines sechsteiligen Zyklus, der zweite Teil “Regierung” steht auch auf meiner Leseliste und dann habe ich, glaube ich, auch “Das Totenschiff” und dieses alte Buch, eines inzwischen nicht mehr sehr bekannten Autors, finde ich wieder erstaunlich interessant, durch seine klare, anklagende Sprache und ebenso spannend, welche Bücher meine Eltern in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts zu Hause hatten und gelesen haben.
Die Ausbeutung der Indianer am Beispiel, des Jungen Andreu Ugaldo wird hier beschrieben und B. Traven tut das sehr eindringlich, beginnt mit der Finca in die er geboren wurde, beschreibt das Leben der Peons, was wohl so was, wie unfreie Bauern sind und tut das sehr drastisch, in dem er erwähnt, daß es Mexiko keine Sklaven sind und man in der Kirche, in die Schule sind die Indianer wohl kaum gegangen, auch lernte, daß man ein freier Bürger einer unabhängigen Nation wäre.
Dann ists aber wieder nicht so einfach mit der Freiheit, denn der Peon kann seine Waren nur bei seinem Gutsherrn kaufen und der verkauft sie ihm sehr überteuert und wenn er dann nicht bezahlen kann, kosten sie das doppelte, so daß der Peon ein lebenslanger Schuldner bleibt und seinen Herrn kaum verlassen kann.
Andreu gelingt das aber, da ihn die Tochter seines Herrn, die sich in die Stadt verheiratet hat, als Gehilfe ihres Gattens haben will und der, ein Kaufmann schickt Andreu sogar in die Abendschule, weil ein Gehilfe eines Kaufmanns ja rechen, schreiben und lesen können soll.
Lohn zahlt er ihn aber keinen und gibt ihn auch keine Decke und keine Matte zum schlafen, so daß ihm das sein Vater bei seinem Gutsherrn überteuern kaufen muß und als Don Leonardo eines Abends mit seinen Geschäftsfreunden ein Spiel beginnt, verspielt er Andreu an Don Laureano und wird so Carretero, Ochsentreiber, einer der die Waren und die Menschen über die Passhöhen bringt, das scheint sogar ein Vorteil zu sein, denn Don Laureano verspricht ihm einen Lohn von ein paar Pesos, aber den bekommt er erst, wenn er die Schuld, das Geld das Don Leonardo für ihn einsetzte, abgearbeitet hat und es überkommt einem das Schauern über der Eindringlichkeit mit der hier erzählt wird, daß der “freie” Arbeiter” Andreu, wie auch die Peons, ihr ganzes Leben nie von ihrer Schuld frei kommen werden, denn sie müßen sich ja Kleider und auch was für ihre kleinen Vergnügungen kaufen, sowie für die Indstandhaltung ihrer Karren sorgen und wenn sie klauen und dafür ins Gefängnis kommen, löst der Patrone sie zwar aus, weil sie noch Schulden bei ihm abzubezahlen haben, was ihre Schuld aber natürlich wieder, um ein Vielfaches vergrößert.
Bei einem Fest zum Ehren des heiligen Caralampia dessen Sitten und Unsitten, wie die Leute bei den Schießständen und auf den Routlettetischen ihr Geld für Sachen hinlegen, die sie erstens nicht gewinnen und zweitens in jedem Laden viel billiger haben könnten, genau beschreibt, ebenso wie der Chefpolizist und der Bürgermeister bestochen wird, um die Spielzeiten zu verlängern, lernt Andreu, dann ein fünfzehnjähriges Flüchtlingsmädchen kennen, das noch keine Namen hat, weil die Mutter “Kindchen” zu ihr sagt, und der Sohn auf dem Hof dem sie aufwuchs, “Hure” und sie haben wollte, dem er einen Kamm und Enchiladas kauft, deren Zubereitungen werden auch ganz genau beschrieben, das er dann mit auf seine Carreta nimmt und das ihm verspricht, ihm immer zu gehorchen, wenn er nur gut zu ihr ist.
Sein Kollege Manuel holt sich von der Festa auch ein entlaufenes Dienstmädchen, das, wie alle in dem Buch, von seiner Herrschaft ausgenützt wurde und die Karawane fährt mehr oder weniger zufrieden davon.
Ein sehr eindrucksvolles Buch, in dem B. Traven mit scharfen Worten die Ungerechtigkeiten und die Zustände der proletarischen Indianer, wie er es nennt schildert.
Nach den heutigen Begriffen würde wohl die spannende Handlung fehlen. In das Schicksal des Andreus ist immer wieder viel Sachlichkeit eingeschoben, so wird zum Beispiel ganz genau erzählt, wie die Indianer Reis kochen oder wie das Leben der Carreteros ist und trotzdem ist man sehr beeindruckt und betroffen von der Schärfe und des Realismus und ich persönlich habe bei der Schilderung, wie der Herr seinen Peon ausnimmt und der nie eine Chance hat, in seinem Leben aus den Schulden herauszukommen, einen Bezug zu meinem Schreiben gesehen, da bemühe ich mich und bemühe ich mich und es wird nichts, soviel ich mich auch anstrenge und das ist ja etwas, was mich sehr beschäftigt.
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Wieder zurück in Harland
Nun sind wir von den Wellness-Badetagen, die für mich literarisch sehr produktiv gewesen sind, ist mein Rohkonkept doch auf siebenundziebig Seiten, zweiunddreißig Szenen, 36 869 Wörter angewachsen und einige weitere Szenen sind auch schon geplant.
Am Donnerstagmittag sind wir wieder in Harland eingetroffen, beziehungsaweise haben wir im Gasthof “Zur Birke” in Brunn, Mittag gegessen, da der Alfred noch ein verlängertes Harland-Wochenende einlegen will, um sich der Gartenarbeit zu widmen.
Und ich möchte schreiben, schreiben, schreiben, habe ich das in den dreieinhalb Badetagen ja auch sehr intensiv getan. Am Intensivsten am Mittwoch vielleicht, da sind in den Stunden im Bad, glaube ich, sogar fünf Szenen entstanden, so daß mich schon ein Herr angesprochen hat und wissen wollte, wie lange ich noch schreiben werde?
“Macht ja nichts!”, hat er gesagt, als ich nicht recht wußte, was ich ihm antworten sollte, “dann setze ich mich halt woanders hin!”
ja nach dem Baden im Thermalwasser will man ruhen und wenn da ein anderer intensiv schreiben will, obwohl es am Laptop gar nicht so laut klappert, wie auf der Schreibmaschine. Ein wenig störend wahrscheinlich doch, aber in den Ruheräumen hat es überall Stecker gegeben, so daß man den Laptop problemlos anstecken konnte. Internet hat es auch gegeben, aber das hat bei mir nicht so recht funktioniert. Eine Frau habe ich mit einem E-Book-Reader gesehen, die anderen haben eher Frauenillustrierte gelesen.
Ich habe auch gelesen, nämlich den “Besuch des Erzbesischofs” und “Die andere Esther” und die beiden Dalos-Bücher und den Sandor Marai wieder ungelesen mitgenommen.
Die lasse ich jetzt in Harland, wenn wir wieder einmal baden fahren, kann ich sie dann vielleicht endlich lesen und bei paar Ungarn-Anthologien warten in Wien auch noch auf mich.
Mit dem Schreiben bin ich, da kann ich mich nur wiederholen, recht zufrieden, eine Handlung scheint zu entstehen und die Ideen fließen. Johanna lernt gerade ihre Patienten in der Senioren-Residenz kennen und eine Logopädin ist empört, daß sie und die Ergotherapeutin entlassen wurden und durch eine zwanzig Stunden Schmallspurausgebildete ersetzt wurden. Einer von Johannas Patienten ist ein ehemaliger Fanzminister, eine andere die Schauspielerin Isabella Ilhaly, die wir schon von “Beim Sterben sollte man zu Hause sein” kennen. Ja, ja, ich neige zu Wiederholungen, aber wenn ich das nicht schreibe, würden das nur die merken, die meine Bücher lesen und das sind, glaube ich, nicht so viele.
Wie lange das Ganze wird und ob ich wirklich bis Oktober daran schreibe, weiß ich nicht, würde mich aber nicht wundern, nächste Woche schon fertig zu sein und bei der Schreibegruppe dann dann wirklich frei assoziieren zu können. Wo es genau hingeht, weiß ich auch noch nicht, denn da spießen ja die Ideen und das Ganze gehört dann sicher noch sehr sehr gut überarbeitetet. So werden jetzt Johanna, K.M., Lena und Philip miteinander über “Johannas Blogroman” korrespondieren und K.M. hat noch seine Tochter zu suchen, die verschwunden ist, aber vielleicht bekommt sie in Rom eine Professour und alles wird gut.
Anna wird stattdessen einkaufen gehen und da wieder Rade Manuescu im Park treffen und zu Slavica Ivanovics Opernballparty einladen.
Ja es schön und spannend so vor sich hinzufabulieren und toll, wenn das so flüßig geht. Das tut es ja nicht immer. Letzten Freitag bin ich ja sehr sehr widerwillig auf der Terrasse gesessen, habe weiterschreiben wollen, war aber total blockiert.
Nun ja bis Montag Früh werden wir noch in Harland bleiben, bis es wieder in den psychologisch psychotherapeutischen Alltag geht. Dann gibt es auch wieder Veranstaltungen. Derzeit ist da ja auch eine kleine Pause und Martin Pollaks “Kontaminierte Landschaften” habe ich dann auch zu lesen. Spannend, spannend zu sehen, wie es weitergeht, an die nächsten Szenen kann ich mich dann auch bald machen, so daß die Geschichte weiterentsteht.
Die andere Esther
Was jetzt kommt ist keine Falschschreibung des derzeitigen Kultromans der Bachmannpreisträgerin Katja Petrowskaya, sondern der 1961 bei “Insel” erschienene Roman der ungarischen Schriftstellerin Magda Szabo, der in einer Neuübersetzung Eszter und Angela heißt.
Von der 1917 geborenen und 2007 verstorbenen Schriftstellerin habe ich schon öfter gehört und auch ein Buch gelesen.
“Die andere Esther” stammt aus dem offenen Bücherschrank, wurde 2009 vom kirchlichen Bibliothekswerk ausgeschieden und vom Verein “Lok” dem Schrank gespendet. Ich habe es schon vor längerer Zeit gefunden, erst später auf die Leseliste gesetzt und jetzt auf meinen Ungarnaufenthalt mitgenommen. Durch das gerade erschienene Buch der Bachmannpreisträgerin “Vielleicht Esther” bekommt es auch eine besondere Aktualität, obwohl es natürlich von etwas ganz anderen handelt.
Es ist eine Litatnei, die die Ich-Erzählerin Esther Encsy da vor hält, beziehungsweise ihrem verlorenen Geliebten erzählt.
Esther Encsy, Kind aus einer adeligen Familie, aber dennoch in bitterer Armut aufgewachsen, weil die Mutter einen lebensuntüchtigen und auch kranken Rechtsanwalt heiratete, sich das Leben durch Klavierspielen verdiente und die Tochter, die im Gymnasium und auch auf der Universität einen Freiplatz hat, weil der Großvater ein bekannter Schulgründer war, muß sich ihr Studium durch Nachhilfestunden verdienen, beziehungsweise die Familie unterstützen, was zu seltsamen Situationen führt, da kein Geld für Kleider und Schuhe da ist, die Großmutter dem Kind aber eine kostbare Kette schenkt, die dann nicht aufs Versatzamt getragen darf. Die Schuhe stammen von Tante Irma, sind Esther aber zu klein, so daß sie Hühneraugen bekommt, die sie ihren Geliebten nicht zeigen will, später schneidet sie die Spitzen ab und rennt noch als Studentin in dem Matrosenkleid herum, das zur Schuluniform gehörte.
In dieser Situation wird man boshaft, ist wohl das was Magda Szabo ihre Heldin sagen läßt, die ihren Freundinnen manchmal falsch einsagt und auf Angela, die brave gute, die ihr dann auch den Geliebten wegschnappen wird, entsetzlich eifersüchtig ist.
Die hat immer die besseren Schulbrote und auch ein Reh, auf das die tierliebende Esther eifersüchtig ist, so daß sie es ihr eines Nachts entführt und in den Wald zurückbringen will, am Morgen wird es überfahren am Bahndamm aufgefunden.
Es kommt bald der Krieg, der Vater ist da schon gestorben und die Mutter kann keine Klavierschüler mehr unterrichten, weil es inzwischen eine Musikschule in dem Städtchen gibt. Esther muß ihr Lehrerinnenexamen, sie hat Ungarisch und Latein studiert, im Bombenhagel machen, wird später Schauspielerin und ist ein Mensch, der nicht mehr an das Gute glaubt, beziehungsweise sich ihr Leben lang verstellt und mit seltsamer Härte von den Tücken des Lebens erzählt. Zu einem politischen Umschwung ist es dann ja auch gekommen, wo Esther ihren Lebenslauf schreiben muß und man ihr, als Kind einer an sich begüterten Familie auch nicht die bittere Armut glaubt.
Ein interessantes Buch, das ich da gelesen habe und das mich in seiner Eindringlichkeit sehr beeindruckt hat.
Fünfzehn Autoren
Auf Klaudia Zotzmanns Facebook Seite habe ich von einer Aktion glesen, daß man in fünfzehn Minuten, die fünfzehn Autoren benennen, die das Schreibe-oder Leserleben beeinflußt haben oder irgendwie hängengeblieben sind und dann die Kette an fünfzehn andere Leute weitergeben soll.
Nun eigne ich mich ja nicht besonders für Kettenaktionen und bei fünfzehn Autoren beziehungsweise Autorinnen steige ich wohl auch, weil es wahrscheinlich mehr oder weniger sind, die ich finde, da ich mich für Rangreihungen auch nicht besonders eigne, trotzdem ist es im Rahmen meines Wellnessurlaubes, in dem ich ja wie besessen vor mich hinschreibe, statt ins Wasser zu gehen und langsam langsam zu einem Plot und einer Handlung komme, spannend, so vor mich hin zu philosophieren, auf welcher Autorennamen ich wohl komme und vom Leben beeinflußen, rücke ich überhaupt mal ab.
Denn das hat keiner wirklich und die Namen Goethe oder Shakespeare fallen bei mir ebenfalls nicht. Thomas Bernhard hat mich in seiner sprachlichen Eindringlichkeit vor zwanzig dreißig Jahren sehr beeindruckt, jetzt halte ich seine Negativität nicht mehr aus.
Bei Peter Henisch oder Gustav Ernst habe ich mich schon einmal als Fan bezeichnet, obwohl ich der Fan-Kultur eigentlich auch skeptisch gegenüberstehe.
Aber seit ich diesen Blog betreibe und das sind nun bald schon sechs Jahre, bin ich einigen Autoren näher gekommen, habe sie über das Literaturgeflüster kennengelernt oder auch einige Newcomerinnen oder Newcomer entdeckt.
Also in die Hände gespuckt und fünfzehn Minuten oder entsprechend kürzer oder länger herausfinden, ob ich auf fünfzehn Namen komme, auf die ich vielleicht einmal während meines Bloggerinnenlebens gestoßen bin.
Die Reihenfolge ist zufällig, aber da fällt mir einmal Cornelia Travnicek ein, mit der ich nach der Frankfurterbuchmesse 2008 oder war es schon die Buch-Wien in Mail Kontakt gekommen bin, die sich derzeit auf Lesereise in Frankreich befindet und die im letzten “Wochenend-Standard” einen Artikel über Gartenfreuden hatte. Die hat inzwischen beim “Bachmannpreis” gelesen und den Publikumspreis gewonnen und den Roman “Chucks” herausgegeben, die “Asche meiner Schwester” habe ich ja gelesen und besprochen, ebenso “Fütter mich”.
Autorin Nummer zwei wäre dann Andrea Stift, mit der ist ja im Herbst 2008 Otto Lambauer, der meinen Blog Anfangs sehr verfolgte, in Mailkontakt gekommen, weil er sie auf seinen Blog erwähnte, da habe ich dann ausprobiert, ob das bei mir auch funktioniert. Hat, inzwischen habe ich sie in die “Ohrenschmaus-Jury” gebracht, ein paar Bücher von ihr gelesen und verfolge ihren Blog auch mehr oder weniger regelmäßig. Autorin Nummer drei wäre dann schon Anni Bürkl, die ich schon länger kenne als ich blogge, hat die mich ja einmal auf Grund meines Portrait-in der “Autorensolidarität” angeschrieben und wir haben uns dann in der “Alten Schmiede” kennengelernt. Die hat jetzt schon vier Krimis bei “Gmeiner” herausgebracht und schreibt, glaube ich an den fünften.
Klaudia Zotzmann, deren “Vienna Writers Blog” ich alsbald kennenlernte, hat jetzt auch einen Krimi, der bei “Gmeine”r gerade erschienen ist, einen sogenannten Hildesheimer-Schokoladen Krimi der demnächst vorgestellt werden soll und ich habe einmal bei einem ihrer Advent-Gewinnspiele eine Krimi bei ihr gewonnen.
Jetzt verlasse ich ein bißchen die Bloggerszene und gehe zu meiner Freundin Ruth Aspöck über, von der ich immer noch nicht weiß, wo ich sie kennenlernte. Beim “Arbeitskreis schreibender Frauen” war es nicht, sie hat dann ihre “Edition die Donau hinunter” hinausgegeben und ist 2007 damit in Pension gegangen. Da gab es dann diese Radtour von Wien nach Bamberg, wo wir ein Stück mitgefahren sind und ich in dem bayrischen Städtchen Vielshofen die “Donauanthologie” vorgestellt habe.
Sie hat jetzt drei Bücher bei “Löcker”, die ich alle gelesen und besprochen habe und gemeinsam mit Robert Eglhofer, die “Schreibegruppe” initiiert, die nächste Woche wieder stattfindet.
Nummer sechs ist also ein Mann und die Ruth hat den Robert, der inzwischen GAV-Mitglied ist auch bei der Radtour kennengelernt und wenn ich jetzt zu den Jungautoren umschwanke, fällt mir als Nummer sieben Anna Weidenholzer ein, die wurde ja 2009 glaube ich von Angelika Reitzer bei den “Textvorstellungen” vorgestellt, damals hatte sie Texte in Anthologien und Zeitschriften und auch schon einige Preise gewonnen. Dann kam auch der Erzählband “Der Platz des Hundes” inzwischen gibt es den Roman “Der Winter tut den Fischen gut”, der voriges Jahr für den “Leipziger Buchpreis” nominiert war und “Priessnitz-Preisträgerin” ist sie im vorigen Jahr auch geworden.
Als Nummer acht kann ich dann gleich Valerie Fritsch anführen, die glaube ich auch von Angelika Reitzer bei den “Textvorstellungen” vorgestellt wurde und als sie dann den “Fm4-Preis” gewann wurde sie öfter auf meinen Blog gesucht, beziehungsweise gefunden und ich habe im letzten Jahr zwei Bücher von ihr gelesen und sie auch bei den Lockstoffen gehört.
Autorin Nummer neun ist dann Angelika Reitzer, deren neuen Roman ich ja vorige Woche gelesen habe. Kennengelernt habe ich sie in der Hauptbücherei, weil sie dort einmal den “Lesezirkel” betreute. Ihre “Textvorstellungen” haben mich sehr beeindruckt und in der “Alten Schmiede” kuratiert sie auch sehr viel, beziehungsweise die “Gender-Veranstaltung” der letzten “Literatur im Herbst”, die ich durch den damaligen Ungarn-Badeaufenthalt fast versäumte.
Jetzt sollte ich, wenn das schon ein frauenlastiger Blogeintrag ist, zum “Arbeitskreis schreibender Frauen” übergehen, der mich ja literarisch prägte, da habe ich Marie Therese Kerschbaumer kennengelernt.
Nummer elf wäre dann der schon erwähnte Gustav Ernst und der Bezug zur Marie Therese ist, daß sie beide eingeladen waren, als ich, 1980 war es, glaube ich, im “Literatureck” der “Alten Schmiede” gelesen habe.
Das war eine Veranstaltung wo man honorarlos lesen konnte, zwei Autoren waren eingeladen dazu etwas zu sagen und bei der Anmeldung wurde einem schon gesagt, daß man wahrscheinlich sehr verrissen wird, was auch so war.
Dann mache ich als Nummer zwölf gleich mit Peter Henisch weiter, dessen Bücher ich ja sehr mag und von denen ich sehr viele gelesen habe, weil er irgendwie mein literarisches Vorbild war und ist, das gleiche trifft auch auf Gustav Ernst zu.
Im letzten Herbst gab es ja das Peter Henisch Symposium zum siebzigsten Geburtstag des Autors und jetzt muß ich aufpassen auf einige wichtige Arbeitskreis-Bekanntschaften nicht zu vergessen, die da wären als Nummer dreizehn Elfriede Haslehner, die erste Lyrikerin in dieser Reihe, die inzwischen nicht mehr rote Haare hat und bald einundachtzig werden wird.
Hilde Langthaler habe ich auch dort kennengelernt und als schon verstorbene Autorin last but not least in dieser Runde Valerie Szabo Lorenz, auf die ich ja letztes Jahr während des Veza-lebt-Symposiums in dieser Anthologie gestoßen bin.
Wie vorausgesagt, habe ich jetzt auf viele ebenso wichtige Autorinnen und Autoren vergessen, beziehungsweise bin ich nicht mehr zu ihnen gekommen.
Die fünfzehn Minuten Grenze habe ich auch nicht eingehalten und fünfzehn andere, diese Reihe fortzusetzen, nominiere ich nicht, weil das höchstwahrscheinlich ohnehin nicht klappen würde, wer sich angesprochen fühlt, weiterzumachen, soll das aber tun.
Daß, die Reihe ein bißchen frauenlastig, mit drei Alibimännern geworden ist, ist sicherlich kein Zufall und soll so sein und außer Konkurrenz sozusagen möchte ich noch Judith Grohmann erwähnen, deren Buch ich vor kurzem besprochen habe und die ich daraufhin persönlich kennenlernte.
Tage im Bad
Die dreieinhalb Badetage sind eine prima Gelegenheit an einen Roman über “Alzheimer” weiterzuschreiben, auch wenn der in Wien, beziehungsweise in Arezzo spielt, aber das Badefeeling kann eine, die selbst nicht so gerne ins Wasser geht, zum kreativen Schreiben anregen, so sind wir am Montag nach dem Frühstück wieder losgestapft.
In der Nacht nicht so gut geschlafen, das viele Essen am Abend hinderte ein bißchen daran, dann war es noch sehr heiß im Zimmer und die Ideen, wie es mit meinen Handlungssträngen weitergehen könnten, sind auch gesprudelt.
Gesprudelt ist vielleicht nicht ganz richtig, aber einmal habe ich doch das licht aufgedreht und aufgeschrieben, daß sich Anna nach ihrem Besuch bei der Psychodiagnostikerin mit ihrer Enkeltochter trifft, die von Polina Daschenka in die Döblinger-Seniorenresidenz eingeführt wird und das die dort dann einem Doktor Rade Manuesco vorgestellt wird, der einen zehn Stunden Vertrag als betreuender Residenzarzt hat und deshalb Johanna die dreihundert Euro, die ihm Anna für ihre Nostrifizierung gab, doch nicht so schnell zurückgeben kann.
Am Unklarsten ist es nach wie vor mit K.M. aber der sitzt inzwischen in Arezzo mit trendigen Strohunt auf einer Bank zwischen den Weingärten, hat ein oder zwei brauchbare Gedichte geschrieben, Johanna kommentiert und überlegt, ob er sie nicht vielleicht zum “Büchner-Preis” vorschlagen soll? Das heißt, doch nicht natürlich, aber das erste Kapitel ihres Blogromans hat ihm schon sehr gut gefallen.
Aber wieder schön der Reihe nach, damit dieser Eintrag nicht zu unverständlich wird.
Es geht um die dreieinhalb Tage Wellneß-Urlaub in Bük im Bad und da gab es wieder einmal ein fulminantes Frühstück mit einem Spiegelei mit Schinken und Käse, Grießbrei, Toast, Grapefruitsaft, einen sehr süßen Wellneßsaft gibt es jetzt auch und dann haben wir uns wieder in die weißen hoteleigenen Bademäntel geworfen und sind ins “Fürdö” hinüberspaziert.
Ich schwimme ja nicht und habe auch keine große Lust mich in ein Thermalbecken zu setzen. Der Alfred hat aber herausgefunden, daß es dort, wo wir heute unsere Plätze hatten, Stromanschluß gibt. Freies Internet gibt es an sich auch, aber das hat nicht so funktioniert. Brauchte es auch nicht, denn ich wollte ja am Roman weiterschreiben und mich dabei von der Atmosphäre, um mich herum ein bißchen inspirieren lassen. Also den Laptop eingeschaltet, als die Begleitmusik zum Hochfahren kam, hat mich gleich ein Herr sehr böse angeschaut, weil der Dreiklang ein bißchen die Ruhe störte. Dabei unterhalten sich die anderen oft viel lauter. Nun gut, war auch gleich vorbei, der Alfred hat sowieso den Ton sofort agbeschaltet und ich habe weitergeschrieben mit der nächsten Anna-Szene und da geht es vorläufig ein bißchen vom Rade und dem Strahlenschutzstecker weg. Sie wird auch zu einer Psychodiagnostik gehen und die Johanna stellte sich, wie beschrieben, in der Seniorenresidenz vor.
Dann kam der Alfred mit der Oma vom Becken zurück und drängte Essen zu gehen. Aus dem Hotel soll man sich nichts mitnehmen und bis zum opulenten Abendbuffet ist es ein bißchen lang, aber es gibt ja die andere Seite des Restaurants, in dem wir am Sonntag waren. Da gibt es Selbstbedienung und an sich auch kleine Portionen, aber das Schnitzel, das der Alfred dann auf einen mit Reis gefüllten Suppenteller brachte, bestand aus zwei großen Stücken und war an sich doch nur eine Portion.
Wieder zurück zum Liegestuhl und ein bißchen geschlafen, bzw. an der “Anderen Esther” von Magda Szabo lesen, die ich ich mir als Lektüre mitgenommen habe und dann habe ich mich an die nächste K. M. Szene gemacht, wo dem ein Gedicht gelingt. Aber ein Schwalbenschwanz ist noch kein Sommer, eh schon wissen. Ehe ich noch überlegen konnte, ob ich jetzt wieder mit der Anna weitermache, kam die Oma und wollte ins Hotel zurück. Auch gut, denn da läßt es sich ja bloggen, obwohl es ein bißćhen Streit mit dem Alfred gab, weil der das ja auch machen will, bevor es sechs ist und Zeit zum Abendbuffet hinunterzugehen. Vorspeisen, ein Stück gegrillte Pute mit Gemüse, danach eine Gundlpalatschinke und zu dritt eine Flasche Wein. So läßt es sich drei Tage Leben, allerhand beobachten und das Romankonzept flitzt auch sehr schön dahin. Derzeit habe ich knapp einundfünzig Seiten, achtzehn Szene, vierundzwanzizigtausenddreihundertvierundvierzig Worte und eine ungefähre Idee, wie es mit meinen drei Handlungssträngen weitergehen könnte.
Es ist natürlich noch sehr vieles unausgereift, vieles angedeutet, was dann in den nächsten Szenen anderes weitergeht, viele Wiederholungen und Unstimmigkeiten sind drinnen, wie das bei Rohkonzepten wahrscheinlich so ist und es fließt dahin.
Daß ich vielleicht doch nicht ganz so schlecht schreibe, wie es manche meiner Leser meinen, habe ich mir ja schon vorige Woche beim Lesen von Angelika Reitzers neuen Buch gedacht, weiß aber, daß es nichts nützt, wenn nur ich das schreibe und ein Mittel, wie ich meine Leser auf mich aufmerksam machen könnte, habe ich noch nicht gefunden, weil ich ja keine Leser habe, die mich für den “Büchner-Preis” vorschlagen würden, da ist der Wunsch der Vater bzw. die Mutter meines Gedanken und eine Schelmin, wer so denkt, wie ich, etc….
Das Schreiben ist aber ohnehin ersteinmal das Wichtigste und da habe ich wiedermal keine Ahnung, wie das mit dem Rohkonzept ist und ob ich jetzt wirklich bis zum Oktober damit brauche oder schon nächste Woche fertig bin.
Da ist dann auch wieder Robert und Ruths Schreibegruppe und die wollen ja nicht so gerne, daß ich da am Roman weiterschreibe.
Mal sehen, was da nötig ist und daß ich, wenn ich irgenwann die Vorschau in das Netz stelle, beziehungsweise das fertige Buch präsentiere, wieder ein Gewinnspiel mit drei Fragen zum Buch machen kann, ist mir vorhin im Bad eingefallen.
Ich weiß schon, daß es kaum jemanden gibt, der von mir ein Buch gewinnen will. Aber man soll die Hoffnung nicht aufgeben, beziehungsweise, ist die doch das, was zuletzt sterben soll, wie man immer hört.
Bis dahin ist noch etwas Zeit, ich könnte es also zuerst mit der “Brüderschaft” probieren, aber die braucht auch noch einige Zeit, bis sie an die Druckerei gehen kann und da ist ja das Rohkonzept beim letzten Ungarn-Aufenthalt fertig geworden.
Noch etwas ist fertiggeworden, nämlich die Bilder-Galerie die das Literaturcafe.de in Leipzig anfertigte, da kann man sich mich, beziehungsweise die anderen Autoren und Autorinnen anschauen, die sich dort während der vier Messetage fotografieren ließen und jetzt ein schönes Weiterschreiben in Bük in Bad, wahrscheinlich werde ich noch von den zwei Schreibetagen, die vor mir liegen berichten, die “Andere Esther” weiterlesen und es mir sonst gut gehen lassen…
Der Besuch des Erzbischofs
Es ist eine seltsam surreale und nicht leicht zu verstehende Geschichte, die der 1936 in Klausenburg geborene Adam Bodor, der seit 1982 in Budapest lebt, da in der bei “Amman”, 1999, erschienenen Erzählung “Der Besuch des Erzbischoffs” da vorlegt.
Eine Parodie auf den Sozialismus, die das Grauen schildern soll, wahrscheinlich, ein Farce, die da in dem kleinen Karpatenstädtchen Bodganski Dolina, wo alle die herumlaufen sich Paters nennen, Popen oder Seminaristen, passiert.
Irgendwo wird es auch Märchen genannt und es beginnt auch märchenhaft unwirklich, nämlich mit dem Ausbruch der Senkowitz Schwestern, aus der Lungenheilanstalt, die dann an Leinen wieder zurückgebracht und in einem Hühnerkäfig ausgestellt werden.
Die Ziehmutter des Erzählers hat einen Frisiersalon und einige Kämmfrauen, einen Geografielehrer, der ebenfalls in der Lungenheilanstalt lebt, gibt es auch und dann noch Gabriel Ventuza, der die Gebeine seines Vaters aus dem Friedhof holen soll und der Erzbischoff wird, wie der Titel sagt, auch erwartet, kommt nicht oder doch.
Auf jedenfalls liest man sich in seiner Erwartung durch die knapp hundertvierzig Seiten, springt durch die verschiedenen Zeitebenen und die Realistin, die ich bin, kennt sich nicht aus.
Ich weiß auch gar nicht und das ist auch etwas, was mir nicht sehr oft passiert, wie ich zu dem Buch gekommen bin, ob ich es Bücherschrank gefunden habe oder bei der “Buchlandung” kaufte? Es könnte auch in den Büchertürmen bei der “Literatur im März” gewesen sein. Aus den Bücherkisten von Edith Broczas Buchhändler ist es gewesen, habe ich inzwischen anhand meines Bibliothekkatalogs herausgefunden.
“Ein kleines Buch für die Innentasche, unter der das Herz schlägt”, hat der Autor auf den Buchrücken geschrieben.
Von der “bedrückenden und beklemmenden Atmosphäre, wie sie nur im verlassensten Winkel Eurpas denkbar ist” ist am Klappentext zu lesen.
Peter Esterhazy und Ilma Rakusa haben auch ihre Eindrücke kurz beschrieben und das Buch gelobt und bei den Rezensenten, bei denen ich mich schlau machen versuchte, herrschte irgendwie auch Ratlosigkeit.
Interessant diese Erzählung eines in Rumänien geborenen Ungarns, der bald achtzig Jahre alt werden wird, die ich mir diesmal auf meinen ungarischen Badeaufenthalt mitgenommen habe, weil ich mich durch die ungarische Gegenwartsliteratur durchlesen will, obwohl ich mir mit den Surrealisten und verklausulierten Erzählungen schwer tue, war es spannend interessant ein Buch zu lesen, das ich nicht recht verstanden habe und mit der Beklemmung habe ich sowieso ein Problem, weil ich sie nicht mag.
Es war aber interessant einen mir bisher unbekannten Autor kennenzulernen und wenn ich ein bißchen nachdenke, glaube ich mir auch vorstellen zu können, was der Autor mit seiner märchenhaften Erzählung gemeint haben könnte.
Wellness- und Schreibeurlaub
Jetzt bin ich wieder für einige Tage in Ungarn gelandet. Eigentlich wollten wir ja, wie schon im November, nach Portugal, beziehungsweise dort eine Kreuzfahrt machen. Im Reisebüro war es wieder angekündigt. Alfred hat es schon bestellt und anbezahlt, dann wurde die Reise aber wieder abgesagt, obwohl ich mir schon portugiesische Literatur, einen zweisprachigen Gedichtband und einen Roman von Antonio Lobo Antunes besorgt habe. Jetzt habe ich die Ungarnlektüre, die vom letzten Mal übergeblieben ist, eingepackt. Da gibt es ja einen Roman von Adam Bodor, der zwar in Siebenbürgen geboren wurde, aber jetzt in Budapest lebt und dann von Magda Szabo, was mir das letzte Mal entgegangen ist “Die andere Esther”, was vielleicht ganz passend zum derzeitigen Buch, der gegenwärtigen Bachmannpreisträgerin ist. Wir sind also jetzt wieder in Bük im Bad gelandet, diesmal nur mit dem Alfred und der Schwiegermutter und ich habe außer den Ungarn-Bücher auch mein Manuskript mitgenommen, an dem es sich ja weiterschreiben läßt. Da habe ich ja durch die Leipzig-Unterbrechung ein wenig den Anschluß verloren, beziehungsweise bin ich am Freitag, als ich in Harland saß und weiterschreiben hätte könne, jämmerlich daran gescheitert. Habe getrödelt und gesurft, mir ein paar Videos über die Unterschiede von arm und reich angeschaut und gedacht “Ich kann und kann es nicht!”
Hauptsächlich ist es dabei ja, um die Figur des K.M. gegangen, dem die nächste Szene gelten sollte, der sitzt ja depressiv in seinem Häuschen und liest Johannas Blogroman und bei Anna Jeller habe ich von einem Buch gelesen, wo da ein paar rüstige Pensionisten, von denen auch einer zufällig ein ehemaliger Verlagsleister ist nach Nizza reisen. Eine solch trashige Handlung sollte mir mal einfallen. Aber bei mir passiert ja nichts…
Gestern ist es dann wieder gegangen und ich habe am Morgen und am Abend zwei weitere Szenen geschrieben. Eine eben mit K. M. auf der Terrasse und dann eine weitere Anna Szene, die wacht auf, hat von Dracula und dem Strahlenschutzstecker geträumt und daran sollte sich die Handlung aufbauen lassen. So weit so what, sind wir dann von Harland nach Bük gefahren, haben wieder in dem Restaurant vor dem Bad gegessen, diesmal statt der Gulaschsuppe, wie ich eigentlich wollte, einen Gänselebertoast, denn am Abend gibt es ja wieder das Buffet. Haben das Hotel bezogen und sind dann mit den Bademäntel in das Bad gegangen. Diesmal mit dem Laptop in der Tasche, denn ein paar Stunden kann ich ja ohne Kabel schreiben und so sind zwei weitere Szenen entstanden.
Sich langsam von Szene zu Szene vorantasten. Dabei vielleicht die Handlung aufbauen, immer wieder dazwischen denken, so ganz habe ich das nicht. Aber ich kann es ja korrigieren, umschreiben, etc.
Da habe ich dann eine Szene mit der Johanna geschrieben, die hat ihre Nöte mit dem Philip, der ihr von ihrer Freundin Lena weggeschnappt wurde und bekommt einen aufmunternden Kommentar von einem K. M. und der sitzt in der nächsten Szene mißmutig bei Alberto, ißt Spagetthi Vongole, als secondo piatti ein Vitello tonnato und wünscht sich von Johanna ein zweites Kapitel ihres Blogromans.
So könnte es gehen. Mal sehen, wie weit ich damit komme. Bis Donnerstag haben wir vor dazubleiben und über die politische Situation in Ungarn, weil man in der Wellnessatmosphäre eines Thermalbades ja nicht sehr viel mitbekommt, habe ich mich ja bevor wir nach Leipzig gefahren sind, bei einer Diskussion im Hamakom-Theater informiert.
Im Bad gab es dagegen eine animierte Gymnastik, da ist eine junge Frau vor dem Becken gestanden, hat die Hände hin-und hergeschwungen und die Senioren die darin standen, haben es ihr teilweise nachgetan.
Da von Arezzo und dem Mittagessen bei Alberto zu schreiben, ist auch sehr interessant und die “Hierarchien” habe ich 1989 zum Teil auch in Bük geschrieben. Damals allerdings im Sommer und im Freien, aber diesmal ist es auch wärmer und frühlingshafter, so daß es sich während der Schreibephasen auch spazierengehen oder im Freien sitzen läßt.
Das Teekomplott
Anni Bürkl scheint mit ihren Altausseer Teekrimis in der 1968 in Ostfriesen geborenen Elke Bergsma, Konkurrenz zu haben, erschien von ihr bei “Lago” doch soeben der Ostfrieslandkrimi “Das Teekomplott” und führte mich an meinem Harlanderfrühlingsurlaubswochenende in den heißen Sommer des Dörfchen Canhusen, in dem ständig Tee getrunken wird und die Leute Menno, Lübbo, Deike, Eike, Immo, Engelke, etc, heißen, das, wie die Autorin und der Verlag versichern, das einzige ist, was an diesem Roman nicht erfunden wurde.
Die Gewalt an Frauen, die blaugeschlagenen Augen und das Machogehabe bei den Stammtischen wird wohl auch nicht ganz erfunden sein, dennoch beginnt es sehr idyllisch in dem kleinen Dorf, wo für die Kinder Wassersprenkler aufgestellt wurden, damit sie sich erfrischen können und die fünfzehnjährige Amelie sauer ist, daß sie ihre Ferien am Land verbringen muß und sich nicht, wie ihre Freundinnen im Großstadttrubel tummeln kann.
In diese Idylle ist der pensionierte Rechtsanwalt Jan Scherrmann gezogen und regt, um Leben in das Dorf zu bringen eine Fotoausstellung an. Dafür wird er zum Stammtisch eingeladen, der nach dem Krieg von den ansäßigen Männern gegründet wurde und der jetzt nur mehr aus fünf Herren zwischen siebzig und achtzig besteht. Doyen ist Lübbo Krayenborg, ein Tyrann und heimlicher Bürgermeister, der ausnahmsweise mit seiner Frau Fenna erschienen ist, die, weil so ungeschickt und so unpünktlich, ständig eine Treppe runterstürzt, ein blaues Auge hat, etc…
Es kommt gleich zu einer Aufregung, wird doch bei den Fotos eines von zwei jungen Männern aus den neunzehnhundertvierziger Jahren entdeckt. Fenna erbleicht, als sie es zieht, Lübbo zerrt sie weg und verweist Jan, als er sich danach erkundigt, vom Stammtisch.
Ein Biobauer bittet den Rechtsanwalt noch um Hilfe, da Hormone in seinen Kühen gefunden wurden, er verdächtigt Lübbo das getan zu haben, weil der gegen die biologische Landschaft ist und Eike seinen Sohn zum Biobauer machte.
Die Tierärztin hat auch ihre Troubles und Nöte mit dem Tyrann, seine Kinder hassen ihn und dann wird er vergiftet auf der Straße aufgefunden. Ein Teebeutel steckt in seiner Tasche und Jan hat inzwischen vom zweiten Stammtischmitglied Johann Schepker herausbekommen, daß die beiden Männer Teeschmuggler waren, einer Fennas ehemaliger Verlobter war und umgekommen sind die beiden auch.
Sonst ist aus den Männern nichts herauszubekommen und als Kommissar Büttner, Johann Schepker befragen will, findet er ihn von einem Jagdgewehr erschoßen in seiner Stube, Teebeutel gibt es auch und weil die Tierärztin die Tatwaffe in ihrem Auto hatte, wird sie festgenommen.
Beim Begräbnis von Lübbo wird in seinem Grab der dritte alte Mann samt Teebeutel erschlagen aufgefunden und die Tierärztin kommt wieder frei.
Dazwischen werden noch einige Vorurteile aufgelöst, nämlich die, daß Leute, die sieben Kinder haben, die Kevin, Chantal, Selina, Cayenne, Shanice, Justin und Sidney heißen, asozial sein müssen und Deike, eine von Lübbos Töchter bringt eine Außenseiterin und deren Sohn, der Lübbo wie aus dem Gesicht geschnitten ist, was ihn zum Alkoholiker machte, wieder in die Dorfgemeinschaft zurück, in der nach den Begräbnissen Feste gefeiert werden und auch der Kommissar sich bei Bier und Grillsteaks labt, während der vierte Stammtischbesucher tot in der Güllegrube schwimmt.
Man sieht, Elke Bergsma zeichnet mit feiner Ironie und hat etwas gegen Gewalt und Unterdrückung und nun bleibt nur noch einer übrig, der zugereiste Rudolf Lampe, von dem man nicht recht weiß, ob er der Mörder oder der nächste Mordfall ist?
Der Kommissar wird dazwischen auch etwas ausfällig und verhält sich politisch nicht ganz korrekt, er ist aber auch ein Gegner von Gewalt an Frauen und da kommen einen bei dieses Machomännern, die ihre Frauen prügelten oder ihren Freunden zu Verfügung stellten, schon einmal die Grausbirnen hoch.
Am Schluß richtet sich Rudolf Lampe selber mit dem Jagdgewehr und es war trotzdem ganz anders, als es schien, das Komplott ein bloßer Zufall und ich habe einen Krimi gelesen, der manchmal sehr spannend und überraschend, dann wieder etwas langatmig war und vielleicht gekürzt werden hätte können. Aber dann hätte ich von dieser Scheinidylle im beschaulichen Ostfriesenland, in dem ich noch nie war, nicht soviel erfahren.
Es lohnt sich also einmal hinzufahren und seine eigenen Recherchen zu machen und für die, die das nicht können, hat Elke Bergsma noch zwei andere Ostfrieslandkrimis geschrieben.
Detail am Rande, das Buch wurde zuerst bei “Amazon” fünfzigtausendmal verkauft und die Verlagsgruppe hat oder hatte auch noch andere erfolgreiche Selbstpublisher, wie Nika Lubitsch und Martina Gercke im Programm.
Also stimmt es doch nicht so ganz, wie Iljoma Mangold im Interview mit Wolfgang Tischer vom Literaturcafe behauptete und wie man früher immer hören konnte, daß man als Selbstpulisher keine Chance hat und daß man, wenn man das einmal getan hat niemals mehr einen Verlag findet.
Schreibbericht und Indie-Bookday
Jetzt habe ich durch die Leipzig-Unterbrechung und die vielen vielen librophilen Eindrücke, die ich von dort bekam, den Anschluß an mein neues Buchprojekt, das ja immerhin schon aus vierunddreißig Rohseiten, elf Szenen und drei Ebenen, beziehungsweise drei Erzählfiguren, Anna, Johanna und K.M, besteht, ein wenig verloren und muß den Faden erst wieder aufnehmen, was in der vor mir liegenden Urlaubswoche, die aus zwei Harlandwochenenden und vier Tagen Ungarn-Badeaufenthalt besteht, vielleicht gelingen kann.
Ein wenig schummle ich mich ja auch nach wie vor dahin, weil ich die drei Handlungsfäden noch gar nicht so wirklich habe, beziehungsweise der K.M., der pensionierte ehemalige Verlagsleiter, der in seinem Sommerhäuschen in der Toskana, auf Johannas Blogroman stößt, hat noch kein wirkliches Konzept, denn er kann ja nicht nur die ganze Zeit das lesen, was Anna vor ihm erlebt und Johanna aufschreibt.
Da bin ich bei Anna Jellers Buchempfehlungen auf ein Buch gestoßen, wo ein pensionierter Verlagsleiter nach Nizza fährt und dort seinen Schmerz mit Drogen bekämpft.
Ich sollte also auch ein wenig trashiger und abgehobener werden, denn, daß er Johanna entdeckt und sie vielleicht seinem Nachfolger als neue Autorin empfiehlt ist vielleicht wirklich zu wenig und lockt die Leser nicht zu mir.
Obwohl ich, als ich Angelika Reizters neues Buch las, mir wieder einmal dachte, so schlecht bin ich doch nicht, denn es sind ja dieselben nicht abgehobenen, alltäglichen Themen, die hier beschrieben werden. Vielleicht ist die Sprache besser, das mag schon sein und ein Lektorat habe ich auch nicht, aber jetzt geht es erst einmal um die Handlung und da sollte ich mir vielleicht wirklich mehr Mühe geben, besser plotten und mir für den K. M. eine eigene Handlung ausdenken.
Noch habe ich da keine Ideen, aber wenn mir einer meiner Leser eine Anregung geben möchte, bin ich dankbar und ansonsten versuchen in den Harland-Wochenenden und in Ungarn in die Handlung hineinzukommen.
Mit der Anna und der Johanna ist das bisher ja auch ganz gut gegangen. Die Anna lernt mit ihrer Vergeßlichkeit umzugehen, die Johanna fängt als Alzheimer-Betreuerin an und schreibt darüber.
Den Sohn Hans mit seiner Spitalumstrukturierung könnte ich auch noch eine Handlung geben. Das Wichtigste ist ja für mich aus dem Gefühl “Ich kann und darf es nicht!”, herauszukommen, das ich ja noch immer sehr stark habe. Eine Schreibblockade ist das nicht wirklich. Denn ich bin ja eine, die ins kalte Wasser springt und schreibt, sich aber vielleicht auch öfter über die Schwachstellen schummelt, also in der nächsten Woche neu beginnen oder die Fäden des schon vorhandenen wieder aufnehmen und die Rückmeldungen, die ich ich ja immer wieder in den Bücher der anderen finde, wo ich mir dann denke “So schlecht bin ich nicht, das kann ich auch, das habe ich doch schon in der “Absturzgefahr” etc!”, beschrieben, können natürlich hilfreich sein. Das heißt auch nicht wirklich, denn wenn nur ich es denke und es den anderen nicht auffällt, bleibe ich in meinem Sumpf. Da hoffe ich ja immer auf meinen Blog, bzw. auf meine Schreibberichte, obwohl der ja in der Fülle der Informationen nur sehr bedingt auf- und wahrgenommen wird und wenn ich dann noch, wie ich schon hören konnte, auch noch manchmal unverständlich schreibe…
Ja, ja es ist nicht leicht, aber weitermachen, da das Aufgeben für mich nicht in Frage kommt und in Leipzig konnte ich mir ja auch wieder einige Anregungen mitnehmen, aber auch Rückstöße, denn die Großkritiker, die dort ja herumrennen, sind sehr übersättigt und sehr abgehoben und grenzen sich, da ihre Aufnahmekapazität begrenzt ist, natürlich notwendigerweise sehr ab und da hat es eine, wie ich, die es tapfer und trotzig als Einzelkämpferin, noch dazu ohne ISBN-Nummer versucht, natürlich sehr schwer, denn wenn es niemand merkt und anschaut, ist es ganz egal, wie gut oder schlecht ich schreibe und da hat Wolfgang Tischer vom Literaturcafe.de auch Iljoma Mangold, den Zeitkritiker und ehemaligen Bachmannjuror nach den Selbstpuslishern befragt?
“Die werden nie eine Chance haben!”, hat der sehr elaboriert das gesagt, was er die letzten Jahre wahrscheinlich sagte, ohne zu merken, daß sich der Markt um ihn herum vielleicht geändert hat und daß es nicht nur mehr die alten Damen mit den handgeschriebenen Briefen sind, die ihre Familiengeschichten schreiben, sondern daß sich auch Einzelkämpfer weiterentwickeln können, aber wenn man nicht hinschaut, sieht man es nicht….
Das war natürlich ein Rückschlag, noch dazu wo ja zu fürchten ist, daß Sigrid Löffler beispielsweise und auch die anderen Kritiker genauso denken, dann gibt es aber zum Glück den Indie-Buch Tag, der am Samstag zum zweiten Mal gefeiert wird, der zwar auch nicht wirklich was für mich ist, denn ich mache ja meine Bücher selber und nicht in einem unabhängigigen Kleinverlag, aber das Wort Indie-Autoren habe ich Ende 2011, als ich gerade mit der “Wiedergeobrenen” in der Krise war, das erste Mal gehört und da waren, glaube ich, auch die Selbstpublisher, die damals auch aufgekommen sind, gemeint.
Ich habe dann im Jänner 2012 einen entsprechenden Artikel geschrieben, in dem ich meine damals vorhandenen Bücher vorstellte. Seither sind einige dazugekommen. Im vorigen Jahr gab es ja ein großes Gewinnspiel zum dreißigsten Buch, inzwischen wartet das dreiunddreißigste, die “Brüderschaft” aufs Fertigwerden und “Anna kämpft gegen das Vergessen” soll das vierunddreißigste werden.
Der Indie-Bookday wurde im vorigen Jahr das erste Mal von den unabhängigen Verlagen, die gegen die Großkonzerne kämpfen, ausgerufen. Da soll man am Samstag in eine Buchhandlung gehen, sich ein solches kaufen, sich dann damit fotografieren und das Bild ins Internet stellen.
Das tue ich wahrscheinlich, angesichts meiner endlos Leseliste, wo sicher auch einige Indies auf mich warten, nicht, aber ich habe schon voriges Jahr auch auf mich hingewiesen, weil ich ja irgendwie auch eine Indie-Autorin bin, zumindestens kann ich mich so nennen und auf meine Bücher hinweisen, kann ja nicht verboten sein.
Ich habe also schon zweiunddreißig selbstgemachte Bücher, auf meiner Website kann man von einigen eine Lesprobe finden, seit ich blogge, gibt es immer eine kleine Vorschau im Geflüster. Mit der “Radiosonate” und dem “Haus” habe ich damit angefangen und seit den “Zwillingswelten”, gibt es auch die Schreibberichte, die ich dann immer zu den Vorschauen stelle, so daß man mein literarisches Arbeiten, das mir ja ein großes Anliegen und ein wichtiger Teil meines Lebens ist, mitverfolgen kann.
Den Indie-Book-Day werde ich im Internet verfolgen, obwohl ich auch eine bin, die Mainstreambücher und sich auch gut und gerne quer durch alle Genres liest. Ich bin zwar vielleicht als Schnorrerin verschrieen, weil ich mir nur Abverkaufbücher kaufe und ansonsten die offenen Bücherschränke frequentiere, aber das kann ich aus meiner Lebensgeschichte erklären und nun weiterschreiben.Das Romankonzept entwicklen, so viel wie nötig “Du darfst und trau dich nur!”, denken und weiterschreiben.
Wenn ich dann im Oktober, wie vorgenommen, das Rokonzept habe, wo ich mir dann vielleicht wieder denke “Ganz so schlecht ist das nicht geworden!”, passt es.
Ein bißchen Rückmeldung von außen wär zwar auch sehr schön, aber wenn die nicht kommt, kann ich es nicht ändern und muß weiter für mich alleine weiterkämpfen und versuchen, mich von denen, die mich übersehen, nicht zu sehr treffen zu lassen.
Wir Erben
Auf dem Cover von Angelika Reitzers neuen Roman “Wir Erben”, bei “Jung und Jung” erschienen, sieht man sehr ästhetisch auf weißen Hintergrund drei flache schwarze Vögelkörper und muß sich dann fast durch das ganze Buch hindurchlesen, bis man zu dem Bezugspunkt kommt, geht es in dem Buch vordergründig ja um Marianne, die Besitzerin einer Baumschule, in dem fiktiven oder auch realen Örtchen Gumpenthal irgendwo in der niederösterreichischen Provinz, die diese von ihrer Großmutter Jutta erbte, um ihre ostdeutsche Freundin Siri, die während eines Studium in Amerika, die Vogelgeschichte in einem Seminar erzählt und dabei wenig Aufmerksamkeit erntet, geht es im zweiten Teil auch und um die Verbindung der beiden Frauen.
Die 1971 in Graz geborene Angelika Reitzer ist mir wohlbekannt, hatte sie ja schon zwei Bücher herausgebracht, bevor ich sie im Rahmen des Lesezirkels den sie in der Hauptbücherei einige Zeit betreute und, wo ich ein Buch vorstellte, kennenlernte.
Beim “Bachmannpreis” hat sie gelesen, den “Priessnitz-Preis” und vor kurzem den “Otto-Stoeßel-Preis” gewonnen, bei “Residenz” “unter uns” herausgebracht.Vor allem treffe ich sie in der “Alten Schmiede” immer wieder, wo sie immer sehr besondere “Textvorstellungen” mit besonderen Sprachkünstlern macht und auch vor kurzem die Reihe “Wie im echten Leben” kuratierte.
Ich bringe die studierte Germanistin Angelika Reitzer also mit einer besonders anspruchsvollen Sprache in Verbindung und war über ihren durchaus realistischen Familienroman, der sich auch mit den politischen Verhältnissen, der Wende in Deutschland, etc, beschäftigt, fast erstaunt, passiert da ja vielleicht genausowenig, wie in meinen nicht so abgehobenen Romanen.
“Wir Erben”, hat mich stark, was mich, die ich ja an meiner “literarischen Erfolglosigkeit” sehr leide an die “Absturzgefahr” und an das “Haus im Grünen” erinnert, geht es in Angelika Reitzers Roman ja auch um eine Großmutter, eine alleinerziehende Mutter, ihren Sohn, der mit seinen jeweiligen Freundinnen kurz das “Lex-Haus” besucht und dann auf Reisen geht und Mariannes Mutter Johanna plant auch eine Weltreise, die sie aber aus finanziellen Gründen und eines Unfalls wegen abbrechen muß.
Die Verwandtschaft, es gibt mehrere Schwestern, Cousins und Cousinen, die kurz zu den jeweiligen Begräbnissen und Familienfeiern in dem Haus in der Provinz auftauchen oder kurzfristig dort wohnen, ist groß und sehr verwirrend, die verschiedenen Namen schwirren herum und machen es schwer den Überblick zu behalten.
So ganz chronologisch scheint Angelika Reitzer auch nicht zu erzählen, klar, weil da das ja auch nicht als literarisch gilt und es gibt bei ihr viele Krankheiten und Sterbefälle.
Das nackte reale einfache Leben halt, wie es um uns ständig passiert. Mariannes Freundin Juliane, die Schriftstellerin, hat Gehirntumor, Marianne darf sie am Krankenbett begleiten und ihre Kinder, vor allem die Tochter Augusta betreuen. Es gibt auch eine Haushälterin, die sich in Pension begibt und von einer jüngeren Nachfolgerin, die nicht, wie sie kochen will, ersetzt wird.
Es gibt den Tschechen Marek, der Marianne in die Baumschulenkunst einführte und der sich im Lauf der Handlung in die Pension verabschieden wird. Es gibt Lukas und Mariannes Vater, undeutliche Figuren, die irgendwie nicht präsent sind und auf die man sich nicht verlassen kann, was mir ebenfalls bekannt erscheint und dann natürlich viele schön erzählte Anspielungen und Assoziationen.
Der zweite kürzere Teil führt dann zu Siri, die in der DDR geboren wurde, eine, die ihr Leben mehrmals neu beginnt, steht im Klappentext. Sie flüchtet mit ihrer Familie, ihrer Schwester, ihrem Vater, einem Computerfachmann und der Mutter einer Ärztin, kurz vor der Wende aus der DDR, sie durchschwimmen einen Fluß, kommen nach Österreich in ein Flüchtlingslager und nach der Wende in ihr leergeräumtes Haus zurück und als sie sich den Schlüßel von einer Freundin abholen wollen, läßt sie die nicht in ihr Haus, stehen ja alle ihre Möbel darin.
Siri arbeitet für einige Zeit im einem Teppichgeschäft, macht mehrere Reisen, bevor sie Kunst studiert und ein Stipendium sie nach Amerika führt. Dort hält sie ihr Vogelreferat bzw. erzählt sie eine sehr schöne Geschichte, die als Metapher für das Buch, der unsteten und der Erbengeneration, die nicht zurückkehren oder doch festkleben werden, gelten kann und hat einen Unfall, wo sie ihren Geruchssinn verliert.
Sie magert daraufhin ab, homöopathische Kräfte bzw. Heiler geben ihn ihr wieder zurück, Angelika Reitzer arbeitet sich durch alle Themen unserer Zeit, bevor sie in Wien Marianne und dann auch Hans, auf dessen Bauernhof sie hängenzubleiben scheint, kennenlernt.
Ein für mich erstaunlich realistisches Buch, das in einer schönen Sprache von dem Zustand unserer Welt und Gesellschaft erzählt, klar natürlich, wie konnte ich das übersehen, habe ich mich ja fast durch ihre ganze “revolutionäre Reihe” gehört.
Ich danke “Jung und Jung” das Rezensionsexemplar, das ich schon zwei Tage nach meiner Anfrage im Brieffach liegen hatte. Das Lesen hat jetzt etwas gedauert, habe ich ja Buch “Leipzig” mitgenommen und dahin gibt es ja auch einen Bezug.



