Der Mann, der zu spät kam

“Der Mann, der zu spät kam”, ein Roman von Louis Begley, 1996 geschrieben, ein Buch aus dem Bücherschrank, beziehungsweise ausrangiert von den “Städtischen Büereien Gumpendorferstraße”, handelt, wie am beiliegenden Kärtchen steht von “Ben, einem voll integrierten Amerikaner und erfolgreichen Wallstreet-Banker, der an seiner verleugneten Jugend in Polen, einer Lebenslüge, die ihn beziehungsunfähig macht, leidet und am Ende in den Freitod geht”
Die Lebenslüge wird in dem zweihundertachtzig Seiten dicken “Suhrkamp-Buch”, aber nur am Rande und beiläufig erwähnt, vielleicht will Begley damit die Kunst der Verdrängung zeigen.
Vordergründig geht es um einen mir ziemlich unsympathischen Mann und etwas, was in den Romanen der großen Amerikaner, die auf den Nobelpreislisten stehen, regelmäßig vorkommt, Sex und Geld und gutes Essen, bei Philiph Roth kommen noch die Errektionsstörungen dazu, hier scheint Ben etwas jünger, im Vollbesitz seiner besten Mannesjahre zu sein, das Buch spielt in den Siebzigerjahren und wird von einem Ich-Erzähler, einem Schriftsteller mit einer Frau namens Prudence und zwei Töchtern, von denen eine zum Reitunterricht in ein Nobelcollege geschickt wird, Bens Nachlaßverwalter, erzählt.
Die Beiden haben sich in Harvard, einem Elitecollege kennengelernt. Ben hat sich aber nicht fürs Schreiben, sondern für die Bankkarriere entschieden und ist, wie gleich auf den ersten Seiten steht, eigentlich ein pünktlicher Mensch, zu spät kommt er offenbar nur, wenn es um Entscheidungen geht oder wenn er sicher selbst schadet, so hat er erst dann den besten Schneider, wenn sich dieser bereits am absteigenden Ast befindet.
Beruflich ist er aber sehr erfolgreich, schade, daß seine Eltern das nicht mehr miterleben konnten und er ist geschieden von einer älteren Frau namens Rachel, die hat er als Student kennengelernt, da nahm sie ihn auf eine Europareise mit, damit er auf ihre zwei kleinen Töchter, Zwillinge, aufpasse, während die dann schliefen, vögelten die beiden.
Ben ist ein aufopfernder Vater für die Mädchen, als die Ehe geschieden wird, will er das Sorgerecht, bekommt es aber nicht und die Mädchen wenden sich von ihm ab. So geht Ben nach Paris, um dort Bankgeschäfte zu übernehmen, mietet sich in einer Luxuswohnung ein, hat einen Diener und es werden seitenlang die Nobelrestaurants geschildert, etwas was mich eigentlich nicht so interessiert, in der sich Ben und Jack treffen.
Frauen gibt es auch eine ganze Menge, Ben nennt das “Sexualhygiene” und es gibt eine Beziehung zu einer Veronique, die verheiratet ist und ein Söhnchen hat. Der Mann kommt auf den Ehebruch drauf, verprügelt Veronique, Ben zischt in Geschäften nach Japan und Brasilien ab und lehnt Veroniques Angebot ihren Mann seinetwegen zu verlassen ab, weil er sich ja nicht entscheiden kann.
In Brasilien trifft er auf einen “Nazi-Zahnarzt”, der ihm ein junges deutsches blondes Mädchen namens Lotte anbietet, mit der Ben sich dann vergnügt. Ich finde das eigentlich sehr widerlich und will mich da nicht wirklich auf psychologische Erklärungen und Abwehrmechanismen einlassen.
Dann kommt Ben zurück nach Europa und Amerika, reist herum, leidet weiter, schließlich besorgt er sich Schlaftabletten, nimmt sie aber nicht, sondern verläßt das Luxushotel, in dem der Freitod passieren sollte und springt ins Wasser.
So weit, so what, das Louis Begley mit diesen Roman seine eigene Biografie verarbeitet, ist klar, daß die amerikanische und europäische Gesellschaft das lesen will, vielleicht auch, aber ich ich finde diese Sexgeschichten von reichen alten oder auch jüngeren Männern, die sich in Luxushotels und Luxusrestaurants herumtreiben und wahrscheinlich nicht immer die lupenreinsten Geschäfte machen, sondern vielleicht die, die Jahre später zur Bankenkrise führten, nicht sehr befriedigend und der Umgang mit den meist sozial schwächeren Frauen gefällt mir auch nicht, auch wenn Ben natürlich was zu verdrängen und zu bewältigen hat, wenn er wie Louis Begley in Polen geboren wurde und nach Amerika kam.
Ich kenne Louis Begley recht gut, habe ihn einmal in der Hauptbücherei gesehen, dann die “Lügen in Zeiten des Krieges” und “Schmidt” gelesen. Einen dieser “Schmidt-Filme” habe ich auch gesehen und “Wie Max es sah” steht auf meiner Leseliste.
Ein sympathischer, freundlicher Mann mit einer beeindruckenden Biografie, aber mit seinen Romanen scheine ich nicht ganz klar zu kommen.

Korrigier- und Schreibbericht

Die letzten Tage habe ich die hundertvier Seiten von “Anna kämpft gegen das Vergessen” durchkorrigert, auf hundertzwei Seiten, beziehungsweise 48.948 Worte hinuntergebracht und versucht das Ganze auf eine einheitliche Handlung zu bringen.
Was einerseits sehr spannend war und auch flott dahinging. Andererseits war noch einiges zu ändern und ich muß es auch noch einmal durchgehen, weil zeitlich stimmt es noch nicht. Anna ist nach dem Opernball gestorben und Hanni hat dann in relativ kurzer Zeit ihre Alzheimer-Ausbildung gemacht. So habe ich die auf acht Module und zwei Wochen Praktikum hinunterreduziert und da der “Büchner-Preis” von der “Darmstädter-Akademie” vergeben wird, entscheidet K.M über einen “Berliner-Kunstpreis”. Daß die Sitzung im Oktober stattfindet, habe ich auch weggelassen, versucht die Namen zu vereinheitlichen und bei den Opernballszenen muß ich noch aufpassen, da einmal Rade mit Anna zu Slavica Jovanovic geht und das andere Mal kommt er erst später nach.
Ansonsten finde ich das Ganze sehr flott erzählt und soweit man es selber beurteilen kann, auch sehr spannend. Am Donnerstag habe ich mit dem Durchkorrigieren angefangen und war am Freitag kurz vor sechs, bis auf cirka zehn Seiten fertig, als Robert Eglhofer angerufen hat und mir mitteilte, daß er Schifahren sei und daher nicht zur Schreibgruppe komme. Da war die Versuchung nicht zu klein, zu Hause zu bleiben und weiterzukorrigeren. Warum soll ich der Gruppe etwas anderers schreiben, wenn ich so schön im Schreibfluß bin. Ich bin aber sehr diszipliniert, habe den Laptop ausgeschaltet und bin losgezogen. Auf dem Weg ins Cafe Ludwig, beim “Hofer” habe ich noch Milch, Pinze und Bananen eingekauft, ist mir eingefallen, daß ich “Frühling”, aber auch “Kokosnuß”, als Nonsensethema vorschlagen könnten, um einmal etwas Surreales oder auch Experimentelles zu schreiben. Beim letzten Mal in der Gruppe gab es mit der Ruth bzw. der Ilse Kilic ja ein bißchen Schwierigkeiten, weil die meinten, daß ich da keine Romanszene schreiben soll. Das hätte mich zwar nicht gehindert, war aber schon fertig mit dem Rohkonzept Eine Idee wäre ja auch trotzdem noch eine Szene zu schreiben, die dazu passt, zum Beispiel mit der Kokosnuß, aber von der bin ich abgekommen, weil das Ganze schon ziemlich fertig ist und nur mehr korrigiert, aber nicht mehr inhaltlich ergänzt zu werden braucht.
Bevor ich am Donnerstag mit dem Korrigieren angefangen habe, habe ich auch noch den Text für Anton Blitzsteins Zeitung zum Thema “Behindertenkunst” geschrieben, den hätte ich eigentlich auch in der Gruppe schreiben können, aber das Thema hätte vielleicht den anderen nicht so gefallen und der Text war auch schon fertig.
Also habe ich “Frühling” und “Kokosnuß” vorgeschlagen, als ich ins Cafe Ludwig gekommen bin. Doris Kloimstein, Fritz Widhalm, Ruth Aspöck und Peter Czak waren da und da die anderen keine rechten Themenwünsche hatte, wurde “Kokosnuß” angenommen und das war ein spannendes Schreiberlebnis.

“Kokosnuß, welch ein Hochgenuß, riesengroßer, kugelrunder Kunstgenuß. Es ist ein Kokosgruß mit der Nuß, im Frühling unter den Palmen an der Copa Kagrana, unter Lampions mit dem Hulareifen hoppen, Hulahopp und Holahoh und an die Liebe zu denken. Wo bleibt die Liebe, junge Frau, junger Mann? Wo bleibt sie nur, sag es mir? Ausgerechnet Bananen, Bananen, verlangt sie von mir! Josephine Baker im kurzen Baströckchen, mit der fettig, glänzenden, dunklen Haut. Es ist die Kokosnuß, die runde Kokosnuß, verlangt im Frühling Rum-Kokos von “Casali” von mir. Kokosnuß und Palmenschnitten, am Strand der Copa Cagrana, in Graz, nein, in Wien, an der schönen blauen Donau, in der, wie ich höre, in letzter Zeit soviel Plastik schwimmt. Vielleicht sind es auch die Dosen von der Kokosmilch. Kokosmilch und Bananen zum Frühstück mit dem Müsli essen. Wo ist die Nuß, wo ist sie nur? Wo bleibt sie denn, wann kommt sie zu mir? Es ist die Liebe an der Copa Kagrana, in den heißen Frühlingsnächten, haben sie gesiegt. Lau ist der Wind und der Pina Colada schmeckt sehr gut. Aber besser noch die Kokosmilch aus der Kokosnuß, in der weißen Schale, eiskalt serviert. Heiß ist die Liebe und die Himbeeren rot, in den lauen Frühlingsnächten in der Copa Kagrana am Donauinselstrand. Es ist die Liebe, die dumme Liebe, die die Bananen von mir abverlangt. Braun und weiß und leicht verrückt, die heißen Frühlingsnächte am Donauinselstrand. Der Carneval in Rio wäre bunter, heißer, feuriger. Also zurück oder dageblieben und die Kokosmilch aus der Nuß geschlürft. Dazu ein paar Rumkugeln von Casali mampfen und der grüne Papagei sitzt auf der Palme und schnattert den Refrain dazu. Es ist die Kokosnuß, die schöne Kokosnuß, die ausgerechnet Bananen von der dummen Frau verlangt.”

Soweit mein Text und interessant, wie unterschiedlich, die der anderen waren. Bei diesem Thema ist mir das so richtig aufgefallen. So schrieb Doris Kloimstein, die telefonisch ein paar Mal unterbrochen wurde, von ihrem Brasilienaufenthalt und den Erlebnissen dort, wenn man mit einem Plastiksack voll Geld am Sandstrand sitzt. Fritz Widhalm fing es wieder ganz pragmatisch an und kam dann zu den Kokosbusserln und den Kokokuppel, während Peter Czak einen Drogenrausch mit viel roter Farbe damit verband und Ruth Aspöck mit dem Pfadfinderlied “Wer hat die Kokosnuß geklaut, begann und bei ihren Kubaerfahrungen landete.
Interessant so eine Schreibgruppe und auch sehr interessant, daß das Nonsenseschreiben Spaß machen kann, aber auch das Korrigieren, des im letzten Monat entstandenen Textes, der mich die nächste Zeit beschäftigen wird.

Kontaminierte Landschaften

“Kontaminierte Landschaften”, ein Begriff, den Martin Pollack in seinem neuen Essyyband, der bei “Residenz” in der Reihe “Unruhe bewahren” erschienen ist, wo ich auch die Bücher von Ilija Trojanow und Anna Migutsch gelesen habe, sind nach dem 1944 in Bad Hall geborenen die, wo Tote, Massengräber aus dem ersten und zweiten oder vielleicht auch aus anderen Kriegen, liegen, die von Hitler, Stalin oder anderen Diktaturen verursacht wurden.
Gräber mit Roma, Sinti, Juden, etc, etwas das Martin Pollack, wie auch Karl Markus Gauß sehr beschäftigt, war doch sein Vater und sein Großvater Nazi, über den Vater hat er im “Der Tote im Bunker” geschrieben, dann gibt es noch “Anklage Vatermord”, beide Bücher habe ich im Rahmen der Büchertürme der “Literatur im März” bekommen und gelesen. Leider gab es damals noch kein “Literaturgeflüster”, so daß ich nicht darauf verlinken kann.
Das Buch erinnert zu Beginn ein wenig an den “Toten im Bunker”, schreibt Martin Pollak da ja über die Landschaft seiner Kindheit, beziehungsweise an die Erinnerung an die glücklichen Tage, an das Spiel im Wald mit den Kameraden und den Hahn der ihm, weil er ihn wohl ärgerte, kratzte.
An den Vater, der als Naziverbrecher gesucht wurde und sich in der Gegend versteckte, erinnert er sich nicht oder erst später oder an die Mutter, die damals kurz verhaftet wurde und ein paar Tage lang im Gefängnis mit Prostituierten saß.
So täuschen die Erinnerungen, meint Martin Pollack. Die Kindheitserinnerungen, sind meist schön und idyllisch, der Hunger, der Nachkriegsjahre, den es sicher auch gegeben wird, wird meist verdrängt.So wie auch seine Eltern, seine Nachbarn, etc, sehr viel zu verdrängen hatten, was erst jetzt langsam aufgearbeitet wird und Martin Pollack ist einer, der sich, wie Karl Markus Gauss ganz besonders darum bemüht, weil es ja sehr wichtig ist, nichts unter dem Teppich zu lassen.
Die Toten nicht in ihren Massengräbern, weil man ihnen dann, wenn man keine Namen weiß, nicht gedenken und ihnen auch keine Kerze entzünden kann.
In jedem kleinen Dorf gibt es die Heldengräber, mit den Namen der im ersten und zweiten Weltkrieg für Gott, Kaiser und Vaterland Gefallenen. Die Namen der Juden, Roma, Sinti, Partisanen, Kommunisten, die gleichfalls starben, gibt es nicht und Väterchen Stalin haben wir ja auch einige Massengräber zu verdanken und die gibt es überall. Auch im schönen Burgenland in dem Örtchen Rechnitz, wo es so guten Wein gibt, den sich der Autor manchmal kauft, gibt es die, denn da sind ja auch einige hunderte Juden verschwunden, an die man sich nicht so gern erinnern will.
Es kommt die Erinnerung an den Großvater, auch ein Nazi und ein Jäger, der den Enkel sehr liebte und ihn von zwei schönen Kindheitsorten erzählt, die Martin Pollack später dann auch mit Grauen und mit Entsetzen gleichsetzen wird.
Es gibt die Massengräber in der Ukrainie, in Weißrußland, in Slowenien, wo der Vater mitverantwortlich war und und….
In drei Kaptel mit einigen Literaturhinweisen führt uns Martin Pollack durch die kontaminierten Landschaften, erzählt von den Straßen, an deren Rändern er Obstbäume fand. Ein Hinweis, daß sich da früher ein Dorf befunden haben muß, daß die Nazis zugeschüttet haben und von dem Ehering, den einer der Toten im Mund verbarg, damit ihn seine Schergen nicht finden können.
Im dritten Kapitel reist er in die Ukraine und stößt dort in der Nähe von Lemberg auf eine Gruppe alter Leute, aus Amerika und Canada, die zurückgekommen sind, wo sie oder ihre Eltern einst flüchten mußten. Ein alter Mann begibt sich auf die Suche nach einem der Gräber, weil er als Kind dabei war und irgendwo versteckt zusehen mußte.
Er erzählt dann auch, daß er nicht will, daß man die Gräber findet, weil dann kommen die Bauern und suchen nach dem Gold der Juden, wie die Goldgräber in Amerika.
Martin Pollack erzählt auch von den Fotoaufnahmen der Fundstellen, die im Internet gehandelt werden und, ich glaube, er hat vor kurzem auch einen Artikel im “Standard” geschrieben, wo er Fotos zeigte, die die Frontsoldaten schoßen und in ihre Heimat zurückbrachten.
Ein paar von so alten Fotos, die meinen Vater in der Wehrmachtsuniform zeigen, habe ich auch, Massengräber sind nicht dabei und Martin Pollack habe ich zuletzt in Leipzig gesehen und gehört, wo er am “Blauen Sofa” sein neues Buch vorstellte und über seine Eindrücke über die aktuellen Ereignisse in der Ukraine befragt wurde und kenne den Autor als sehr engagierten kritischen Menschen.
Vorige Woche hat er sein Buch, glaube ich, auch in der Hauptbücherei vorgestellt, da war ich auf Badeurlaub in Ungarn oder vielleicht schon für ein verlängertes Wochenende in Harland.
Jetzt habe ich das Buch gelesen, das sehr eindringlich zeigt, daß die Menschen offenbar nicht anders können, als zu morden und zu erschlagen und, daß es überall Gräber gibt. Wir alle unsere Toten und unsere Ahnen haben und, daß man sich dagegen wohl, wie Martin Pollack engagieren und aufklären, aber wahrscheinlich nicht wirklich etwas dagegen machen kann, das weitergemordet und erschlagen wird.

Verlagsprogramme

Buzzaldrin, einer meiner momentanen Lieblingsblogs oder der, bei dem ich derzeit am meisten kommentiere, hat sich im letzten Artikel, mit der “edition fünf”, einem kleinen Verlag, der es sich zur Aufgabe machte, im Jahr nur fünf Bücher und die ausschließlich von Frauen und da zum Beispiel Neu-oder Wiederauflagen von Sylvia Plath, Gina Kaus, Irmgard Keun zu verlegen, beschäftigt, ein Verlag an dessen Bücher ich vermutlich nicht komme werde, obwohl mich das Kaus-Buch sehr interessiert,ich in den Siebziger-oder Achtzigerjahren als sie wiederaufgelegt wurde, Irmgard Keun sehr interessierte und ich Marlin Schwerdtfegers “Cafe Saratoga” in einer “Kiwi-Ausgabe” vor kurzem im Bücherschrank fand.
Ich erwähne das, weil so ungefähr das erste, was ich hörte, als ich, um eine dreiviertel Stunde verspätet, weil ich noch eine Stunde und dann noch einen Antrag zu schreiben hatte, die Gesellschaft für Literatur erreichte, wo der “Kyrene-Verlag” mit einem Buffet sein zehnjähriges Bestehen feierte, wir, daß der Verlag nicht mehr als zehn Bücher im Jahr macht und es dann drei oder vier sind, die gut gehen, die anderen sind möglicherweise literarisch wertvoller, aber das muß sein.
Manfred Müller hat sich gerade mit dem Innsbrucker-Verleger Martin Kolosz über die “Erfahrungen des Büchermachens und dessen Ausblick in die Zukunft unterhalten” und vom “Kyrene-Verlag” habe ich auch schon was gehört.
Wo genau, weiß ich jetzt gar nicht, vielleicht war es in der “Alten Schmiede” und eigentlich habe ich, wegen meiner sechs Uhr Stunde auch gar nicht zu der Veranstaltung gehen wollen, beziehungsweise wäre ich gerne in die Hauptbücherei gegangen, wo “Jung und Jung” das neue Buch von Lorenz Langenegger vorstellte, dessen erstes ja noch auf meiner Bücherliste steht.
Aber das hätte ich zeitlich noch weniger geschafft, so dachte, gehe ich zum Buffet und habe dann noch alle Lesungen mitgekommen und die waren sehr gemischt, denn das Verlagsprogramm scheint auch ein sehr vielfältiges zu sein.
“Gibt es Bestseller?”, fragte Manfred Müller.
Gibt es und zwar von einer Frau, die über Sex zu schreiben scheint, das verkauft sich gut und trägt dann einige andere Bücher, die sich sonst nicht verlegen hätten lassen. Diese Frau war nicht da und so hat Helmuth Schönauer mit seiner Lesung begonnen und der ist ja ein literarisches Urgestein und ich bin drauf gekommen, daß ich ihn eigentlich eher selten bei einer Lesung, beziehungsweise schon lange nicht bei einer solchen hörte, früher bei den GAV-Massenlesungen vielleicht, ihn aber bei den GAV-GV und IG Veranstaltungen regelmäßig sehe.
1953 in Innsbruck geboren und als dort als Bibliothekar lebend, einer der sehr viele Bücher rezensiert, von mir hat er das auch schon bei einigen getan und wird das jetzt auch beim “Literaturgefluester-Texte-Buch” wieder tun.
“Wenn man ins Internet schaut, dann stößt man auf ihn!”, moderierte auch Manfred Müller und Bücher hat er auch sehr viele geschrieben. Mich hat er, beziehungsweise die IG-Tirol, ja einmal, ich glaube, es war 1992 zu einer Lesung in eine Innsbrucker-Buchhandlung eingeladen. An einem Rosenmontag, da waren außer den IG-Leuten und den Buchhändler keine anderen Leute da.
Er ist aber auch einer der ersten “Kyrene-Hausautoren”, jetzt stellte er ein Poem “Der Mitterweg ist aussichtslos” vor und erzählte vorher in seiner unnachamlichen Art sehr viel über den Literaturbetrieb, der aus drei Säulen, den Buchhandel, die Germanisten und die Bibliotheken bestehen. Der Buchhandel vertreibt nur Bestseller, die Germanisten vertreten sich selbst und die Biblitheken bewahren.
Dann kam ein kleines Stück Lesung und dann folgte Marlene Schwarz, die als die Schwester des berühmten Autors Herbert Rosendorfers vorgestellt wurde. Von dem habe ich zwar noch nicht sehr viel gelesen, habe aber eines seiner Bücher auf meiner Leseliste und der Verleger erzählte im Gespräch, daß er eigentlich nur den Bruder verlegen wollte, aber der sprach immer von seiner Schwester, dann hat er sich die Bücher angesehen und war begeistert.
Autobiografische Texte vom der Omama und vom Opapa und der Tante, die eine Gräfin sowieso war, beziehungsweise eine Erzieherin, die einen Aristrokraten heiraten hätte können, aber lieber kleine Grafen beim Tanzen unterrichtete und sich auf diese Art und Weise einen Oberschenkelhalsbruch zuzog, an dem sie dann verstarb.
“Ein Stück K u K Österreich!”, sagte zu Beginn, die 1940 in München geborene Dame und las dann von einem Onkel, der in St. Pölten tätig war, wo sie sich immer wunderte, welcher Heilige Pölten hieß. Es ist natürlich der heilige Hìppolyt, wie man weiß, wenn man einmal eine Führung beim Bürgermeister Stadler oder Robert Eglhofer mitmachte.
Der dritte Leser war dann der berühmteste, nämlich Franzobel mit einem Opernlibretto, bwz. Lesetext, wie es der Verleger nannte.
“Fadinger oder die Revolution der Hutmacher”, ein Stück, das jetzt in Linz zu sehen und zu hören ist. Der Meister las ein Stück daraus und dann gab es, wie schon beschrieben, das Buffet, das heißt, ein paar Brötchen und was zu trinken. Ich habe mich mit dem Übersetzer György Buda unterhalten und ihn nach der politischen Lage Ungarns bzw. gefragt, was ich lesen soll, wenn ich wieder nach Ungarn fahre.
Er hat mir den “Nischen-Verlag” empfohlen. Dann habe ich noch mit Helmuth Schönauer und Manfred Müller geredet und letzteren wieder nach den Chancen gefragt, in der Gesellschaft zum Beispiel das “Literaturgeflüster” zu präsentieren? Aber das geht leider noch immer nicht und ist völlig ausgeschlossen, obwohl sich ja inzwsichen einiges geändert haben sollte und behzüglich der Rezensionsexemplarfront ist zu berichten, daß das neue Stabauer-Buch, das im April im “Andino” vorgestellt wird, ist zu mir gekommen ist und der neue Lorenz Langenegger soll auch noch kommen, was mich allmählich in Lesestreß bringen wird, wenn ich mein 2014 Programm so einigermaßen schaffen will, aber natürlich schön ist und mich sehr freut. Einige andere Neuerscheinungen habe ich inzwischen auch angefragt und kurz darüber nachgedacht, ob ich mir bei der Anna Jeller nicht doch das neue Buch der Theodora Bauer, der Katja Petrowskaya, des Sasa Stanisic und des Lukas Bärfuß kaufen soll.
Etwas Trauriges ist auch noch zu berichten, Urs Widmer, von dem ich auch einige Bücher auf meiner Leseliste habe und den ich einige Male in der “Alten Schmiede” hörte ist gestorben. “Im Kongo” und “Liebesnacht” habe ich zu lesen. “Herr Adamson” von dem ich einmal auf einem Frankfurter-Buchmessensurfing hörte, würde ich gerne finden.

Der Menschheit Würde und Dramatik

April im MUSA, mittlerweile eine etablierte Veranstaltung, obwohl diesmal weniger Besucher waren, vielleicht lag es an den Lesenden Michaela Falkner und Thomas Nash beides Dramatikerstipendianten oder Preisträger der Stadt Wien und im Museum auf Abruf gabs auch wieder eine neue Austellung.
“Der Menschheit Würde”, heißt sie und beschäftigt sich mit Menschenrechtsverletzungen. Da passt ja Michaela Falkner gut dazu und es geht, wie Julia Danileczyck erklärte, um den ersten, den zweiten Weltkrieg und den Fall der Berliner Mauer.
Hinter mir ist Susanne Ayoub in das Museum hineingegangen, die ich noch nie bei den Veranstaltungen sah, vielleicht eine Kanditatin für die nächste Staffel?
Wenn ich mich nicht irre hat Julia Danielczyk Gabriele Petricek nach der Veranstaltung als eine solche begrüßt und sie hat auch verraten, was mich mir schon dachte, daß im Oktober die Veza Canetti-Preisträgerin bekanntgegeben wird und im Juni hält Marlene Streeruwitz eine Rede und diesmal kam der Schauspieler und Drehbuchschreiber Thomas Nash an die Reihe, von dem ich noch nie etwas gehört habe.
Er las die ersten dreizehn Seiten aus dem Drehbuch seines Films “Acht”, der in Wien und in Mistelbach spielt und eine Mischung zwischen Science Fiction und Sozialdrama ist, denn in Mistelbach wird eine Monster gesichtet. Der Bürgermeister dementiert, der Herausgeber einer Wissenschaftszeitung schickt einen Journalisten hin, es gibt einen Banküberfall, eine Ärztin mit einem autistischen Sohn und die Namen der Helden die der junge Dramatiker vorab genau verlas, klingen sehr international Brigitte Boulet oder so ähnlich, Mike Weitflur etc und die Dame neben mir hat schallend gelacht.
Karin Rick fragte nach und Susanne Aujoub wollte wissen, was es mit dem Titel des Stücks zu tun hat und Michaela Falkner oder FALKNER, wie sie sich nennt um nicht zuviel von ihrem Privatleben zu verraten ist eine radikale Surrealistin, die mir schon von “laut lauter lyrik” bekannt ist.
“Du blutetes, du blutest” habe ich gelesen. Jetzt hat sie sich dem Hörspiel zugewandt und das, ihr zweiundvierzigstes Manifest “Herz Rauben, wo die Liebe ausbleibt”, wurde am 22. März als Hörspiel gesendet und es geht um Revolution beziehungsweise, um junge Männer denen an ihrem zweiundzwanzigsten Geburtstag ihr Herz herausgeschnitten und durch Kirschenkuchen ersetzt wird. Sie tragen ein Hirschgeweih und kämpfen gegen die Väter.
Alles schön abstrakt und nicht wirklich nachzuvollziehen. Michaela Falkner scheint es aber ernst zu meinen und hat schon einige Hörspiele gemacht, das nächste wird im Ö1 gesendet.
“Wo bleiben die Frauen?”, lautete eine Frage aus dem Publikum. Die gibt es in diesem Stück nicht, im nächsten wird es zwei Frauenstimmen geben.
Eine Frau fasste die beiden Texte gekonnt zusammen, für ein Dreiergespräch war dann keine Zeit, Julia Danielczyck ist hier ja sehr streng.
Gespräche also bei Brot und Wein, ich habe lange mit Wolfgang Helmhart gesprochen und vorher mit Anton Blitzstein, der mich eingeladen hat, für seine Zeitung einen Text zu spenden.
Dieter Sperl war auch da und hat die Sondernummer der Zeitschrift “Flugschrift” verteilt, die er mit Barbara Zwiegfelhofer vom Literaturhaus kuratierte.
Das nächste Mal gibts am Tag der Integration Sandra Gugic und Irmard Fuchs zu hören, dann gibts eine längere Pause. Danach Saisoneröffnung mit der Veza-Canetti-Preisträgerin. Wer die sein wird, ist ja auch sehr spannend. Ich tippe auf Friederike Mayröcker oder Marlene Streeruwitz, aber es gibt ja noch sehr viele andere schreibende Wienerinnen und Marlene Streeruwitz kommt ja auch aus Baden.

Roman aus der Provinz

Britta Steinwendter, Hilde Schmölzers Cousine, die bis vor kurzem das Rauriser Literaturfestival, organisierte, das wahrscheinlich gerade abgelaufen ist, ohne, daß ich es besonders zur Kenntnis genommen habe, hat einen Roman aus der Provinz geschrieben.
“An diesem einen Punkt der Welt” der am Dienstag in der “Gesellschaft für Literatur” vorgestellt wurde. Wieder mußte ich mich tummeln, um nicht zu spät zu kommen. Ein Befund war zu schreiben und die WGPV-Rechnungen auszudrucken. Dann taf ich Helga Köcher vor der Oper auf einem Fahrrad und habe sie dann in der Herrengasse gesehen, wo sich schon die Prominenten tummelten. Rosa Pock ist neben mir gesessen, die von Herbert J. Wimmer freundlich begrüßt würde, hinter mir saß Bodo Hell und Robert Menasse ist auch gekommen, aber den habe ich erst später gesehen.
Zuerst kam die Autorin mit Manfred Müller, der inzwischen der Leiter der Gesellschaft geworden ist und begrüßte, stellte die 1942 in Wels geborene Autorin vor und Ilija Trojanow, der das Gespräch führen sollte und der Roman handelt von einem Aussteiger oder einem der, wie Ilija Trojanow sagte, das richtige Leben im falschen lebt, Tom, der sein Studium nie abschließt, auf einem Bauernhof viele Bücher hat und Bob Dylan sehr verehrt.
Ilija Trojanow sprach von einem Akkordeon und davon, daß Brita Steinwendter manchmal sehr verdichten würde und dann wieder sehr breit erzählt. Diese Metapher hat der Autorin sehr gefallen. Dann las sie vor und es kam auch eine lyrische Veranstaltung vor, die der Gutmensch, wie es Ilija Trojanow in dem anschließenden Gespräch nannte, in dem Dorf veranstaltete, in dem die Werke von Kurt Switters, Ernst Jandl, H. C. Artmann, Rosa Pock, Bodo Hell und Herbert J. Wimmer vorgetragen wurden, aha, habe ich gedacht, deshalb ist die Prominenz gekommen und interessiert sich für Provinzromane und die tausende Büchern, die der Held in seinen Regalen sammelte.
Es kam dann noch eine Stelle, wo er von seiner Freundin betrogen wird und sowohl sie als auch den Liebhaber aus dem Haus wirft, etwas was Ilija Trojanow nicht verstehen konnte und engstirnig nannte. Die Woodstock-Generation war weitherziger oder sollte das zumindest sein. Aber die Liebe ist ein Gefühl und der erste Teil der Lesung endete auch damit, daß der Held in der Natur übernachtete und ein Feuersalamander über seine Hand kraxelte.
Nach dem Gespräch kam noch eine Stelle, wo Tom auf Bob Dylans Spuren in einem Indianermuseum landet und eine heiße Nacht mit der Führerin beginnt.
Dann gabs Wein und was zu knabbern. Zita Bereuter vom FM4 war da und Daniela Strigl. Hilde Schmölzer kam und suchte ihre Cousine, sowie Manfred Müller und Brita Steinwandter hat am Schluß noch erwähnt, daß ihr Robert Mennasse einen Aufenthalt in Sri Lanka vermittelte, wo sie ohne Störung die Rohfassung herunterschreiben konnte.
Ein spannendes Buch “Das Sie lesen sollten!”, hat die Autorin zu mir gesagt, als ich ihr einige Fragen stellte.
“Haymon” schickt mir inzwischen aber keine E-Bookvorschauen mehr. Aber Karin Ivancics “Aufzeichnungen einer Blumendiebin” ist zu mir gekommen und von Britta Steinwendter habe ich auch ein Buch auf meiner Leseliste, das ich mir im Herbst bei der Buchlandung, um einen Euro kaufte und die Lesung war sehr interessant.

Schelmereien

Die ganze Urlaubswoche habe ich mich auf den Besuch in der “Alten Schmiede”, den ich in meinem Kalender aufnotiert hatte, gefreut, dann war ich aber nicht sicher, ob ich mit den Abrechnen rechtzeitig fertig werde und habe auch noch gesehen, es gibt zum Thema “Wenn Schelme erzählen” Textvorstellungen, unter anderen mit Dietmar Füssels “Der Sohn einer Hure” und ich gehe ja nicht gern zweimal zu denselben Veranstaltungen, die anderen Werke der Autoren, beziehungsweise Wolfgang Ellmauer habe ich aber nicht gekannt und dann ist sich auch wieder alles sehr gut ausgegangen, so daß ich als erstes in der “Alten Schmiede” auf den Rudi Lasselsberger traf, der mir am Nachmittag auch ein Mail geschickt hat und mich auf ein Video aufmerksam machte.
Reinhard Wegerth und Dietmar Füssel gesellten sich zum Gespräch zu uns, dann kam der junge Assistent und entführte den Rudi, weil er ihm etwas geben wollte. Was denn? Geld! Ich dachte zuerst er hätte einen Termin für ihn, er hat ihn aber entweder mit Wolfgang Ellmauer oder Ernst Wünsch verwechselt und Rudis ehemaliger Lehrer ist auch aus Scheibbs angereist gekommen, weil Wolfgang Ellmauer dort Deutschlehrer ist und wußte, daß ich mich meistens in die zweite Reihe setze.
Dietmar Füssel hat inzwischen auch einen neuen Gedichtband in der Editon Roesner herausgebracht, für sein April-Gewinnspiel hat er mir verraten, bin ich schon zu spät daran, das Buch ist an eine Stammraterin bereits vergeben, aber ich habe ohnehin schon sehr viele FüsselBücher und die meistens davon auch gelesen.
Vielleicht klappt es ein anderes Mal und Erich Schirhuber, der, wie Reinhard Wegerth erwähnte, auch schon mal bei den “Textvorstelungen” gelesen hat und den ich vor kurzem in Leipzig hörte, hat im Vorwort von Dietmar Füssels schwarzen Humor geschrieben, der er, wie er später im Gespräch erzählte, von seinem Wiener Vater hätte.
Zwei Stellen hat er gelesen, die, die Rolle der Mutter erklärt und dann noch die mit den zwei Büchern, die der Held geschrieben hat, hat er ja den “Faust” umgedichtet und die Anna Karenina durch Schimpfworte ersetzt oder ergänzt und das war auch das Gemeinsame der drei Schelme dieses Abends, das alle Texte vom Schreiben oder Schriftstellern handelten und so gesehen, war der jüngste, mir bisher unbekannte Autor, der 1971 geborene Deutschlehrer Wolfgang Ellmauer, der seinen im Verlagshaus Hernals erschinenen Erzählband “Das Lieblingstier des Papstes” auch besonders interessant.
Drei Geschichten las er daraus, die erste handelte von einem Abschreiber, der sich in sein Zimmer einperrt und wochenlang einen neuen Roman von einem in einem Kleinverlag, diesmal von einem Wolfgang Ellmauer abtippt, den er dann in einen mittelgroßen Verlag veröffentlicht und weil er das von mehreren Verlagen machte, von Sigrid Löffler auch für seine sprachliche Vielseitigkeit gelobt wird.
Die zweite Geschichte handelte von vier Käfern namens Ringo, Paul, John und George, die in einem Londoner Park herumkrabbeln, Blätter fressen und sich von den Rollingstones fürchten und die dritte von einem Kardinal, der Bücher liest während er den Schlaf des Papstes bewacht.
Reinhard Wegerth wollte von dem Autor dann noch wissen, ob wirklich so viel abgeschrieben würde.
“Klar!”, sagte der selbstbewußt. Aber ganz so einfach ist, das wie man am Beispiel Martina Gercke sieht, das nicht, gibt es ja die Plagiatskontrollen und die Leser kommen auch darauf, so wie ich beispielsweise bei der alten Dame in der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft. Aber über das Schreiben und das Abschreiben habe ich ja auch schon viel geschrieben und das ist ein Thema, das mich auch sehr interessiert.
Ernst Wünsch habe ich schon einmal in den “Textvorstellungen” gehört. Wenn ich mich nicht irre, hat damals auch der Rudi gelesen.
Jetzt hatte er einen Band namens “Kalamata”, der von Aussteigern handelt, die sich auf einer griechischen Insel als Souvenierverkäufer verdingen und der Erzähler scheint ein gescheiterter Dichter zu sein. Reinhard Wegerths erster Stimmenroman handelt glaube ich auch von seinen Besuchen auf einer griechischen Insel und Ernst Wünsch, der, weil 1951 geboren, der älteste der Autoren, wie Reinhard Wegerth erzählte, wußte auch einiges Interessante um seine Aussteigertypen herumzuerzählen.
Der Untertitel heißt auch “Kleines ABC des Ekels” und das gibt es im Anhang angefügt und ich denke es hat sich gelohnt, den Abend in der “Alten Schmiede” zu verbringen.
Zu einer Diskussion über Bildung hätte ich, ist mir im Nachhinein eingefallen, auch gehen können oder in der Badewanne den neuen Martin Pollak lesen.

Alt oder neu?

Jetzt kommt wieder was zu der “philosophischen Frage” welche Bücher man den lesen soll? Die Neuerscheinungen, die auf den Bestseller- und den Besten Listen stehen und auch gerade von den Blog reihum gelesen werden oder wie es tue, strikt meine Liste hinunter, auf der Bücher stehen, die zum Teil auf dem Bücherschrank meiner Eltern, den offenen Bücherschränken oder das was sich in den letzten Jahren in meinen Regalen angesammelt hat und auch aus einigen Rezensionsexemplaren oder Weihnachts– und Geburtstagswünschen bestehen?
Eine Frage, die mich ja sehr beschäftigt und für die auch keine Lösung habe. Beziehungsweise lese ich ja immer von ein paar Rezensionsexemplare, die ich zwischendurch anfrage, abgesehen, meine Liste hinunter. Bin wenn ich auf die anderen Blogs schaue, manchmal ein bißchen unbefriedigt, wenn die dann das gerade das Neue lesen. Jetzt zum Beispiel den Sasa Stanisic oder die Katja Petrowskaja, im Jänner den neuen Haruki Murakami. Dann kommt auch manchmal Kritik aus den Bloggerkreisen, das man dort das immer dasselbe sieht und jetzt im März kräht zum Beispiel kein Hahn mehr nach “Den Pilgerjahren des farblosen Herrn Tazaki”. Bücher haben ein Ablaufdatum, obwohl sie das gar nicht haben sollen und irgendwie stecken einen die Blogger, die sich manchmal als Dienstleister der Verlage zu verstehen scheinen an und man denkt dann unwillkürlich, man ist nicht aktuell, wenn man, wie ich im Jänner, die “Gefährliche Geliebte” las und den “Mister Aufziehvogel” und “Nakos Lächeln” habe ich im Schrank gefunden, weil die Bücher offenbar nicht mehr als aktuell gelten und weggegeben werden und das sollte eigentlich nicht sein, daß man die Bücher von der Frühjahrproduktion schon im Herbst oder im Jahr darauf in den Abverkaufskisten zum Beispiel bei Thalia um 3.99 findet.
Was mich aber freut und da ja schon einige sehr schöne Stücke über dem Bettrand in Harland liegen habe oder in Wien in den Regalen, die Judith Zander, den Jan Kossdorf, das erste Buch der Olga Martynova und und…
Da ich ja sowieso für mich selber blogge, ist es ja auch egal, ob ich “Sogar Papageien überleben uns” im nächsten Jahr lese und Marjana Gaponekos “Wer ist Martha” “Richard Ford “Canada”, Marion Poschmanns “Sonnenposition” und Margarite Kinstner “Mittelstadtrauschen” erst im Herbst, weil ich mich entschlossen habe, nur die Rezensionsexemplare vorzuziehen.
Dann bin ich aber doch wieder ein wenig neugierig und würde “Vielleicht Esther” doch gerne lesen. Jetzt reden alle davon, in einem halben Jahr schauen wir dann genauso gespannt auf die “Long List des deutschen Buchpreises”, wollen das haben und drei Jahre später kräht kein Hahn mehr danach.
Ich gebe es ja schon zu, obwohl es mich persönlich nicht stört, es gibt zu viele Bücher und die, die einen Verlag gefunden schreiben schon am nächsten, nach dem das erste gerade erschienen ist. So zeigte Thomas Wollinger vor kurzem in seinen Blog die Pin Wand von Margareta Kinstner, die das tut.
Ich tue das ohne Verlag aber auch , die Selbstpublisher machen es und das ganz ganz Alte, wie zum Beispiel jetzt B. Traven von dem ich in der letzten Woche zwei Bücher gelesen habe, ist auch sehr interessant.
Der Ullrich Becher wurde neu aufgelegt und ich habe aber zwei ganz alte Bücher von ihm gelesen und dies Frage Alt oder neu interessiert wahrscheinlich auch nur so Vieleser wie mich, die die acht Bücher im Jahr lesen, denen ist sie egal, die bekommen zu Weihnachten das Buch des deutschen Buchpreisträgers, weil das auf dem Thalia-Stapel liegt oder das neue Buch der Sophie Kinsella oder den neuen Dan Brown, je nach Geschmack und lesen es oder lesen ihn nicht.
So kommt man auf den Flohmärkten zu den Büchern der letzten Jahre und eigentlich ist es auch die gute Mischung die es macht.
Für mich jedenfalls, die ich mich ja nicht als Dienstleisterin der Verlage verstehe, für mich selber lese und den verrückten Anspruch habe, möglichst alles zu schaffe, weiß daß das nicht geht, versuche es trotzdem und bin, wenn ich so auf meine Leseliste schaue, gar nicht so schlecht dabei und da sind ja die “Bücherschränke” ein wahrer Segen, denn da bin ich auf Bücher gekommen, die sonst wahrscheinlich an mir vorbeigegangen wäre und habe Italo Svevos “Ein Mann wird älter” Orhan Pamuks “Schnee”, sehr viel von der Marlene Streeruwitz und und und gelesen.
So sind Bücherschränke wirklich sehr interessant, weil man da durch die zufälligen Funde ganz schöne Entdeckungen macht. Warum ich das jetzt wieder schreibe? Die Blogs, die sich ja auch mit diesen Fragen beschäftigen, bringen mich auf diese Ideen. Da will ja Ada Mitsou in diesem Jahr ihren SUB hinunterlesen, geht in die Buchhandlungen, sieht da alle ihre Wunschbücher auf den Stapeln und fragt, warum man sich noch Bücherk kauft, wenn man ohnehin schon so viele hat?
Eine Frage, die ich für mich sehr leicht beantworten kann. Denn jedes Buch ist anders und wenn man eigentlich alle lesen will, wird man mit den sammeln nie fertig. Bei den Zwanzieurobüchern bin ich sehr resistent, obwohl ich zu Weihnachten ja auch eine Zeitlang, die Idee hatte, mit dem Hunderter der Schwiegermutter zu “Thalia” zu gehen und einzukaufen. Ich habe es dann nicht gemacht, weil ich nicht gewußt hätte, was ich mir kaufen hätte sollen? Wenn ich jetzt einen Hunderteuro-Gutschein gewänne, würde ich mir Lukas Bärfuß “Kaola”, “Vor dem Fest” und “Vielleicht Esther” kaufen, aber aus diesem Grund habe ich mir letzten Geburtstag die “Marion Poschmann” und die “Margarita Kinstner” gewünscht und die Bücher noch immer nicht gelesen und das erste Buch des Sasa Stanisic ist zu mir gekommen, weil eine bibliophile WU-Kollegin ihre alten Neuerscheinungen abverkaufte und davon warten immer noch einige auf meinen Regalen.
Die Mischung macht es wohl und wenn ich so auf meine Bücherliste schaue, dann ist sie gut durchmischt. Ich habe auch einige Wunschbücher die ich gern mal finden möchte, “Chucks” von Cornelia Travnicek beispielsweise und als nächstes auf der Harlander-Bücherliste steht “Spam” von Jan Kossdorf. Das ist, glaube ich 2010, erschienen. Da hätte ich es mir gewünscht, wenn ich es bei “Leselustfrusts-Gewinnspiel” zum Adventkalender gewonnen hätte. Habe ich nicht. Dafür war der Kossdorf damit beim Höfefest in St. Pölten und das Buch ist offenbar bei “Thalia” überglieben, auf den 3.99 Stoß gelandet. 2012 hats mir der Alfred gekauft, es ist aber erst auf 2014 Liste gekommen. Jetzt gibts schon “Kauft Leute” von ihm und das hätte ich mir fast zum vorigen Geburtstag gewünscht. Es dann aber unterlassen. Denn es ist ja ohnehin egal, was man liest, wenn es soviel Bücher gibt, die einem alle interessieren. Als nächstes in Wien werde ich Martin Pollaks “Kontaminierte Landschaften” lesen und wenn dann nicht noch ein Rezensionsbuch gekommen ist, wieder meine Leseliste hinunter, wo ich schon ein bißchen in Rückstand bin. Da käme als nächstes “Der Jahrhuandertsommer” ein Fund aus dem Bücherschrank, aber das hebe ich mir vielleicht für den Sommer auf. also dann den Louis Begley, den Stanislaw Lem, den Tschingis Aitmatow, die auch aus den Kästen sind und langsam langsam über den “Veruntreuten Himmel” uns noch einigen anderen, nähere ich mich dann den aktuellen Büchern vom Herbst 2013 an, auf die ich mich auch schon freue.
Über die Bücherschränke gibt es übrigens zu sagen, daß es nicht nur nicht mehr dem bei der “Seedose” sondern auch den bei der Josefstädtstraße nicht mehr gibt.

Regierung

Nun kommt der zweite Teil des Mexiko-Zyklus von B.Traven, in dem der 1882 geborene und 1969 gestorbene, weiter die Ungerechtigkeiten und die Unterdrückung der Indianer im Mexiko der Zwanziger-und Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts in seiner drastischen Sprache und klaren Worten aufzeigt.
Don Gabriel, ein ehemaliger Kaufmann, der Geld bzw. eine Stelle braucht, wird von seinem Freund Don Casimiro, der Chef im Distrikt Ost ist, als Sekretär nach Bujvilum geschickt, denn dort gibt es Ärger mit den Indianern.
“Böse Burschen, sie lassen sich nicht unterkriegen!”, sagt der Chef und so zieht Don Gabriel, dessen einziges Ziel ist, viel Geld zu machen los in das kleine Örtchen, bezieht das Amtshaus, in dem es eine Amtstube, eine Schule und ein Gefängnis gibt.
Denn in Mexiko, dem freie Land, wie uns B. Traven wieder in seinem Sarkasmus erzählt, gibt es eine Schulpflicht und der Sekretär ist der Professore, das heißt die Jungens kommen am Morgen in Scharen, er schreibt ihre Namen auf und schickt sie an das Distrikt. Schulbücher, Tinte, etc, gibt es nicht, so warten die Jungen im Hof, bis der Sekretär Zeit für sie hat. Dann schreibt er die Buchstaben auf die Tafel oder sonstwohin, läßt sie die erste Strophe der Nationalhymne auf Spanisch singen, das sie nicht verstehen und gibt jeden auch auf einem Stück Papier einen Satz, den sie auswendig lernen.
So ist er für Kontrollen gerüstet und gilt als guter Lehrer und die Kinder kommen ohnehin nur selten wieder, müßen sie ja auf den Feldern der Eltern arbeiten.
Don Gabriels Bruder, einem entlaufenen Steuereintreiber, der noch gefinkelter, als sein Bruder ist, gefällt das nicht und schlägt Don Gabriel vor, die Eltern Strafe zahlen zu lasssen, wenn die Kinder nicht kommen, weil es ja eine Schulpflicht gibt, was das vor ca achtzig Jahren geschriebene Buch, wieder erstaunlich aktuell macht.
Die Kirche, der gebildete Indianer nicht gefallen, erlaubt das aber nichts. So wird nichts aus dem Plan und Don Gabriel, der, wie wir schon im “Karren” sahen, die Indianer verschuldet, versucht aus dem Gefängnis Geld zu machen.
So gibt er den Indianern Branntwein, er hat auch einen kleinen Laden und wenn die dann im Rausch rebellieren, sperrt er sie ein und sie müssen ihre Strafe bei ihm abzahlen.
Einen, der jemanden erschlagen hat, bringt er in die Kreisstadt und dort trifft er Don Ramon, einen ehemaligen Viehhändler, der jetzt Agent geworden ist und die verschuldeten Peons aufkauft, um sie in die Monteria zu bringen, von wo das Holz der Maghahonimöbeln, die die Amerikaner und die Europäer haben wollen, herkommt.
Ein viel besseres Geschäft, als der Sekretärsposten, wo man, wenn man nicht aufpasst von den Indianer erschlagen wird, das wird dann noch genau in einer Szene, in einer freien Stadt, wo sich die Indianer jährlich ihren Chef selbst wählen und ihm auf einen Stuhl über heiße Kohlen setzten, geschildert, so wird Gabriel Don Ramons Companon und bringt zuerst die Gefangenen, dann seine Schuldner in die Monteria und dann macht er sein Geschäft in den Fincas.
Jetzt treffen wir auch Andreu, den Carretero, aus dem ersten Band wieder und ich habe schon gedacht, es gäbe keine Zusammenhänge zwischen den Büchern und ich hätte ruhig “Regierung” als Erstes lesen können. Der ist jetzt noch ein paar Jahre älter, hat seine Frau inzwischen Sternchen “Estrellita” getauft und ihr lesen und schreiben gebracht, von Indianern die Muli aufkaufen und bei den Carreteros übernachten und die aus seiner Gegend stammen, erfährt er, daß sein Vater, der ja für ihn als er ein Junge war Schulden bei seinem Finquero machte, um ihn einen Decke und eine Matte zu kaufen, die ihm sein Herr nicht geben wollte, an Don Gabriel verkauft wurde und beschließt, statt ihm in die Monteria zu gehen, denn er ist jung und kräftig und auch gescheit und kommt bestimmt zurück.
Das Sternchen will mitgehen, aber das läßt er nicht zu, weil das, viel zu gefährlich ist, so bleibt sie zurück, wird sich inzwischen als Dienstmädchen verdingen und auf ihn warten.
Damit endet der zweite Teil. Der dritte heißt “Der Marsch ins Reich der Caoba – ein Kriegsroman”, der vierte “Die Troza”, dann kommt noch “Die Rebellion der Gehenkten” und “Ein General kommt aus dem Dschungel”.
Laut meinem Bibliothekskatalog scheine ich die Bücher zu haben, jetzt muß ich sie nur noch in meinen Regalen suchen, aber da habe ich, als ich die Leseliste erstellte, ein wenig umgeräumt, so daß ich sie jetzt nicht finden kann.
“Das Totenschiff” habe ich aber inzwischen gefunden und auf die Liste gesetzt und finde B. Travens Bücher, die sehr dicht und direkt von Mexiko erzählen, in dem ich in den Neunzigerjahren ja mit der Anna und dem Alfred einige Wochen war, sehr spannend, so daß ich gerne weiterlesen würde.
Aber es warten soviele andere Bücher, es ist aber interessant, daß ich inzwischen mit jemanden in Kontakt gekommen bin, der die Reihe gelesen hat und auch, daß es sie in neueren Auflagen offenbar zu kaufen gibt.

Entwicklungsstufen

Zu den Kriterien eines guten Romans sagt man, gehört, daß er berührt und sich die Figuren beziehungsweisen die Handlung weiterentwickelt.
Etwas Neues soll, glaube ich, auch darin enthalten sein. Damit tat ich mir, soweit man seine Sachen überhaupt selber beurteilen kann, immer ein bißchen schwer, denn es kam ja schon sehr früh der Vorwurf, es würde bei mir nichts passieren.
Damals habe ich wahrscheinlich auch nicht geplottet, sondern war wahrscheinlich froh, daß überhaupt etwas weiterging. Jetzt nach mehr als vierzig Jahren schreiben habe ich Routine und schreibe die letzten zehn Jahre überhaupt sehr flott dahin. Eines nach dem anderen, inzwischen drei selbstgemachte Bücher im Jahr und der Alfred, der sie herausgeben soll, stöhnt und sagt “Schreibe nicht soviel!”, “denn das interessiert keinen” hat einmal Elfriede Haslehner dazugefügt und das Schreiben über das Schreiben gemeint, das ich damals mit der “Dora Faust” praktizierte und das mit dem Interesse scheint, wie bei den Besuchen bei meinen Lesungen oder den Reaktionen auf meine Gewinnspiele merke, zu stimmen, obwohl ich ja eigentlich der Meinung bin, das beispielsweise der Kampf einer alten Buchhändlerin gegen das Vergessen interessant sein sollte. aber vielleicht bringe ich es nicht spannend hinüber. Da hat man mir aber kommentiert, daß ich das schon tue, aber zuviel an der Oberfläche bleiben würde, der Karl Markus Gauß hat mir einmal geschrieben, ich würde zu wenig abgehoben schreiben, das ist auch schon sehr lange her, daß ich manchmal unverständlich bin, konnte ich aber erst vor kurzem hören und ich habe ja auch ein paar Rechtschreibfehler beziehungsweise meine eigene Orthografie und schreibe noch immer “daß” mit scharfen “ß” was eine literarische Totsünde zu sein scheint, was ich auch nicht so ganz verstehe.
Was hat das jetzt mit den Entwicklungsstufen zu tun, könnte man fragen. Ja, mit der Weiterentwicklung meiner Figuren hatte ich bis jetzt auch immer meine Schwierigkeiten, beziehungsweise keine besonderen bei mir gesehen, aber diesmal könnte es anders sein. Zumindest ist es diesmal mit dem Schreiben besonders flott und flüßig dahin gegangen, so flott, daß ich fürchte, daß ich wieder nach den berühmten sechs Wochen mit dem Rohtext fertig bin und im Oktober, dem Alfred das Ganze schon auf den Schreibtisch gelegt haben werde.
Und eine besondere Vorausplotterin war ich nie. Sondern eine, die sich mit einer Idee von Szene zu Szene voranhantelt. Da gibt es bei mir eine gewisse Stabiltität, aber diesmal gibt es, glaube ich schon Entwicklungsstufen in der Handlung. Habe ich da ja im Jänner oder war es schon im Feburar gedacht ich möchte wieder über das Bücherlesen und den Alzheimer schreiben. Da gab es ja einmal eine Serie im Radiokolleg, die mich darauf gebracht hat, obwohl es nicht mein erstes Schreiben darüber war, der Lorenz Wolkner und der Johannes Schwarzinger leiden ja auch an dieser Krankheit und die Schauspielerin Isabella Ilhaly kommt schon im vorletzten Nanrowrimo vor. Dann bin ich losgezogen, im Februar war das, als ich mit der “Bruderschaft” fertig war, immer mit ein bißćhen schlechten Gewissen, ich habe schon öfter über Frauen die ihre Bücher, die sie sich von dem Bücherschränken holen herunterlesen geschrieben.
Dann kam die Idee mit den drei Handlungssträngen, die Großmutter, die den Traum hat, daß sie ohne Kleid auf der “Buch-Wien ” erschienen ist und dann in Szene zwei gleich die Geschichte von der Enkeltochter, die nach dem Begräbnis von der Anna in ihre Wohnung zieht. Der K.M. ist mir auch einmal eingefallen und wenn wir bei den Transformationen sind, könnte ich verraten, daß ich die Initialen umgedreht und nach Weihnachten ein paar Videos des Vorbilds gesehen habe.
Ein Gewinnspiel zum Verraten der literarischen Inspiration veranstalte ich nicht, erwähnte nur, das Alter könnte stimmen, den Lebenslauf habe ich erfunden und das Häuschen in Arezzo warhschein auch, das mit den Gedichten könnte wahrscheinlich auch stimmen, aber die werden von vielen geschrieben und der Verlag heißt “Berliner Verlag” und den gibt es, glaube ich, nicht.
Da war es dann gleich eine ganze Weile zäh, denn außer daß K. M. eine Pensionsschockdepression, ein Häuschen in Arezzo und eine Enkeltochter namens Kathi hat, die in Zürich Medizin studiert, ist mir zu der Figur nichts eingefallen.
Ja, daß er “Johannas Blogroman” fördern will, wußte ich auch. Habe aber diesmal besonders stur an dem Dreier-Rhythmus beim Schreiben Anna-Johanna-K.M festgeshalten, bei den anderen Texten wechsle ich mich in der Reihenfolge öfter ab, habe überhaupt mehre Personenstränge oder drei Teile, wie bei den “Zwillingswelten”
Und dann habe ich geschrieben, ein bißchen zögernd bis ich nach Leipzig fuhr, dann habe ich unterbrochen, hatte letzte Woche Schwierigkeiten hineinzukommen, ab Ungarn ist es aber dahingeflossen, die Handlung hat sich weiterentwickelt und ist vielleicht ein bißchen über das bloße Vergessen hinausgegangen.
Jetzt bin ich mit dem Rohkonzept fertig, hundertvier Seiten, siebenundvierzig Szenen, 50.178 Worte, hätte den Nanowrimo geknackt und wenn es ein solcher wäre, würde auch der Zeitraum passen, bei den letzten beiden habe ich ja ein bißchen geschummelt, beziehungsweise bin fast zu früh fertiggeworden. Der Handlungsfaden hat sich seit gestern rasant weiterentwickelt. Das gibt es ja die Opernballgeschichte und die mit Strahlenschutzstecker, die eigentlich auf allen drei Ebenen erwähnt werden. Anna hat bis jetzt drei Bücher gelesen bzw. wurden die namentlich erwähnt, den Bram Stoker, das autobiografische Element der Geschichte, wenn man es so will und dann noch den Antonio Tabuccci und den Umberto Ecco. Anna liest die “Namen der Rose” und “Erklärt Pereira” und K. M. hat die beiden persönlich gekannt. Johanna hat sich inzwischen aber in die Seniorenresidenz in Döbling, die auch eine Erfindung von mir ist, begeben und schaut dort mit einem ehemaligen Finanzminister und Isabella Ilhaly Fotoalben an und draußen könnten die Logopädin und die Ergotherapeutin stehen, die entlassen und durch eine Schmalspur Alzheimer-Trainerin ersetzt wurden.
Hier muß ich etwas ändern, was sich auch durch die Entwicklungsstufen ergeben hat, nämlich der zeitliche Rahmen stimmt nicht, Anna ist nicht ein Jahr nach ihrem Traum gestorben, sondern schon früher, denn sie geht ja kurz danach auf Slavia Jovanovics privaten Opernball und K.M. sitzt im Juli in seinem Haus, wenn er drei Monate dort bleiben, bis er am 13. Oktober zur der Kunstsenatsratsitzung nach Berlin fahren wird, ob er dort wirklich Johanna für den Büchner-Preis vorschlagen wird, wird man wahrscheinlich nicht erfahren, weil es schon früher enden wird, nämlich damit vermutlich, daß Sonja kommt und ihm erzählt, daß er sich keine Sorgen machen soll, weil sie in Rom eine Professur gefunden hat.
Johanna wird also ihre Ausbildung noch schmaler und die acht Module mit dem zweimal Praktikum in in vier Monaten machen.
Seinen Nachfolger hat K.M. schon angerufen und der ist von Johannas Blog begeistert und mit Philiph wird sie und das sind die Entwicklungsstufen auch zusammenkommen.
Und jetzt muß wieder sorgfältig korrigiert werden, weil der Rohentwurf noch sehr fehlerhaft und sehr verwackelt ist, die Zeiten, die Namen und manche Entwicklungen nicht stimmen, etc.
Das Schreiben hat mir diesmal und das habe ich schon geschrieben, besonderen Spaß gemacht und ich finde es gut, auch wenn ich bei meinen Rechtschreibfehlern und wahrscheinlich auch bei meiner”Banalität” bleibe, dagegen glaube ich schon, daß “Annas Kampf gegen das Vergessen” interessant, berührend und bewegend sein könnte, aber wenn das außer mir niemand so sieht, weil er es gar nicht anschaut, kann ich auch nichts tun.
So gesehen schreibe ich also eher für mich, als für meine Leser, obwohl ich die im Blog ja immer persönlich anspreche und einzubeziehen versuche und von der Literaturwelt, die ich meistens via buecher.at, der österreichischen Hauptverbandsseite, wahrnehme, ist zu vermelden, daß es einen Veza-Canetti-Preis geben wird. Da habe ich natürlich wieder “Das wär ein Preis für mich” gedacht, denn ich habe ja ein Lebenswerk, zwar schreibe ich eher realistisch als experimentell, aber die kleinen Leute kommen bei mir auch vor, aber den wird wahrscheinlich die Marie Therese Kerschbaumer, die Elisabeth Reichert, die Marlene Streeruwitz oder ich weiß nicht, wer bekommen. Die Friederike Mayröcker wäre auch ein würdige Kanditatin und viele andere Wiener Autorinnen.
Jetzt also korrigieren und sich die Freude nicht nehmen lassen, hat mir einmal Andrea Stift geraten, als ich besonders viel gejammert habe. Jetzt tue ich das gar nicht, denn ich bin mit meinem Work in Progress ja zufrieden, auch wenn es natürlich schade ist, daß ich das nicht rüberbringen kann, aber wenn man “daß” mit scharfen “ß” schreibt, muß das warhscheinlich so sein….